Kriegspropaganda: Triple-Entente-Darlehnskassen-Schein über 100 Francs von 1914




Mit Beginn des Ersten Weltkriegs lief auf allen Krieg führenden Seiten die Propaganda-Maschine an. Hergestellt wurden vor allem Plakate, Flugblätter, Postkarten, Vignetten und Medaillen, die den Gegner diffamieren oder gar lächerlich machen sollten.

Von deutscher Seite bediente man sich dabei auch der Herstellung geldähnlicher Propaganda-Mittel, da erfahrungsgemäß Geld oder geldähnliche Träger der Propaganda-Botschaft eine höhere Aufmerksamkeit erreichen, als ein einfaches Flugblatt.

Der abgebildete "Triple-Entente-Darlehns-Kassen-Schein" über 100 Francs, zahlbar in deutschen Hieben (Berlin-Wien 1914)" ist zwar reine Fantasie, ahmt aber echtes Geld nach. Links sitzt der deutsche Michel auf einem Geldsack mit Reichsadler und der Wertangabe 4.500.000.000 Mark. Er zeigt den rechts abgebildeten Verbündeten der Triple-Entente (Russland, Frankreich und Großbritannien) eine lange Nase. Bezug genommen wird hier wahrscheinlich auf die Kriegsreparationen, die Frankreich nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 an das Deutsche Reich zu zahlen hatte. Voller Sieges-Zuversicht wird damit dem Gegner die Aussicht eröffnet, dass die Mittelmächte den erneuten Krieg wie Deutschland schon 1871 für sich entscheiden werden und die Entente-Staaten schon einmal Geld für Reparationen sparen sollten. Passend dazu kniet der Russe vor dem Franzosen und bettelt "Brudder! Du musst mir gebben Geld!". Der Franzose antwortet "Du 'ast mich ja schon ausgepumpt und pleite gemacht!" und der Brite mit umgestülpten leeren Hosentaschen "Wollen wir wetten, dass ich auch noch macken pleite?".

Als Kontrollnummer wurde "191415" für den Krieg, den man damals noch "Völkerkrieg 1914/15" nannte, weil man annahm, dass er bereits 1915 mit einem Sieg der Deutschen und Österreicher enden würde. Als Unterschriften verwendete man "Michel & Co" sowie "Feste Druff".



Statt des Reichsbanksiegels findet sich ein rotes, bekröntes Siegel der Luxus-Papier-Fabrik Berlin mit dem Zusatz Fabrik-Marke.


Dass der Krieg am Ende anders ausging, als diese frühe deutsche Kriegspropaganda vermitteln wollte, ist bekannt. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 vor 100 Jahren, der anders als erwartet, überhaupt nicht den zuvor verkündeten 14 Punkten des Programms des US-Präsidenten Woodrow Wilson entsprach, folgte der Vertrag von Versailles und es war Deutschland, das durch gewaltige Kriegsreparationen wirtschaftlich ausgeplündert wurde. Nach der französisch-belgischen Besetzung des Rheinlands Anfang 1923 mündete das in der bis dahin größten Inflation der Weltgeschichte, die eine Vielzahl von deutschen Notgeldscheinen hervor brachte.


Den Propaganda-Schein habe ich übrigens nicht Online gefunden, sondern auf der Numismata in Frankfurt/Main bei Anton Geiger (www.geiger-verlag.de) entdeckt.

Offline-Aktivitäten mit direktem Kontakt zum Fachhandel lohnen also auf alle Fälle.


Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski

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