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Geldscheinporträts: Ecaterina Teodoroiu – Rumäniens Jeanne d‘Arc

Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen.

​Geburtsname:

Cătălina Vasile Toderoiu

Zur Person:

Krankenschwester, Soldatin

​Nationalität:

Rumänisch

​Lebensdaten:

15. Januar 1894 – 3. September 1917

​Geburtsort:

Vădeni (Kleine Walachei, Königreich Rumänien)

​Sterbeort:

Padiu (Königreich Rumänien)

Ecaterina Teodoroiu, 1917, nachträglich koloriert. Abb. wikimedia.org/wikipedia/commons.
Ecaterina Teodoroiu, 1917, nachträglich koloriert. Abb. wikimedia.org/wikipedia/commons.

Der Erste Weltkrieg wird zumeist als großer Betrug gesehen, als sinnloses, blutiges Sterben einer ganzen Generation naiver junger Männer, die sich absurden Illusionen von Ehre und Vaterland hingaben. In Rumänien ist die Sichtweise etwas anders. Der Erste Weltkrieg hat dort noch eine zusätzliche Bedeutung als Gründungsereignis eines nur kurz bestehenden Großrumäniens, das 1918 alle historischen Regionen Rumäniens vereinte. Das Abwerten des Krieges bedeutet somit indirekt auch einen symbolischen Angriff auf den Nationalmythos. Vielleicht lässt sich so besser verstehen, weshalb eine junge Frau, die sich freiwillig meldete, unbedingt an die Front wollte und dort mit 23 Jahren starb, zur Nationalheldin auserkoren und noch 2021 auf der 20-Lei-Banknote verewigt wurde.




Ecaterina Teodoroiu (geboren als Cătălina), wuchs in einfachen, bäuer­lichen Verhältnissen auf. Sie fasste früh den Entschluss, Lehrerin zu werden, um ihr großes Interesse an der rumänischen Landesgeschichte weiterzutragen. Wohl aus ähnlichen, patriotischen Gründen trat sie der örtlichen Pfadfindergruppe bei. Der Kriegseintritt Rumäniens durchkreuzte ihre Pläne. Zwei Jahre lang war es Rumänien gelungen, ein neutraler Staat zu bleiben.

Im Sommer 1916 trat Rumänien der Entente bei. Innenpolitisch war lange unklar, für welche Seite Rumänien sich entscheiden würde. Letztendlich waren es die Aussicht auf die Eroberung Siebenbürgens und die Idee eines vereinigten Großrumäniens, die den Eintritt motivierten. Alle ihre fünf Brüder mussten kämpfen. Auch Ecaterina meldete sich freiwillig.

Sie war an Aufklärungstouren mit ihrer Pfadfindergruppe beteiligt und arbeitete als Krankenschwester nahe der Frontlinie am Fluss Jiu. Bereits dort wurde sie für ihren Einsatz ausgezeichnet. Als ihr Bruder Nicolae getötet wurde, trat sie der Infanterie bei – Soldatinnen waren zu dieser Zeit eine absolute Seltenheit. Sie war fest entschlossen, den Tod ihres Bruders zu rächen. Im Winter 1916 wurde Teodoroiu gefangen genommen, konnte jedoch verletzt fliehen. Durch ein Täuschungsmanöver gelang es ihr sogar, weiteren Gefangenen ihrer Kompanie zur Flucht zu verhelfen. Nach erneuten Kämpfen und Verletzungen wurde sie im März 1917 mit der Militär-Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und erhielt das Kommando über einen Zug ihrer Kompanie. Sie wurde damit zum ersten weiblichen Offizier der rumänischen Armee.


ROM-119a, 20-Lei-Banknote der Rumänische Nationalbank aus Polymer, 2021. Vs.: links Tapferkeitsmedaille als trans­parentes Fenster, rechts Ecaterina Teodoroiu , mittig ein Strauß Krokusse neben Wappen der Rumänischen Pfadfinder.
ROM-119a, 20-Lei-Banknote der Rumänische Nationalbank aus Polymer, 2021. Vs.: links Tapferkeitsmedaille als trans­parentes Fenster, rechts Ecaterina Teodoroiu , mittig ein Strauß Krokusse neben Wappen der Rumänischen Pfadfinder.
ROM-119a, 20-Lei-Banknote der Rumänische Nationalbank aus Polymer, 2021. Rs.: Victoria-Statue, Mărășești-Mausoleum, Lilienblüte.
ROM-119a, 20-Lei-Banknote der Rumänische Nationalbank aus Polymer, 2021. Rs.: Victoria-Statue, Mărășești-Mausoleum, Lilienblüte.

Im September 1917 wurde sie von Maschinengewehrfeuer getroffen und starb. Die Inschrift auf ihrem Grabstein war „fecioara eroina“ – die „jungfräuliche Heldin“.

Eine Inschrift, die auf keinem Grab eines jungen Mannes zu finden wäre. Sie wurde zur Jeanne D’Arc Rumäniens und zur Kriegsheldin stilisiert. Gleichzeitig wurde sie in Darstellungen zunehmend vermännlicht. Flache Brust, kurze Haare, Uniform, Brille. So ist sie auch auf der 20-Lei-Banknote von 2021 zu sehen, nach einem Bild, das kurz vor ihrem Tod entstand. Sie ist die erste weibliche Persönlichkeit auf einer rumänischen Banknote.


Elias Heindl


Literatur/Quellen:

  • Cosmin Borza (2019): The Heroines. Re-Mythification of the First World War in the Romanian Literature. Metacritic Journal for Comparative Studies and Theory, Bd. 5, Ausg. 1, 109–120.

  • Bucur, Maria. (2000): Between the Mother of the Wounded and the Virgin of Jiu: Romanian Women and the Gender of Heroism during the Great War. Journal of Women's History, 12 (2), 30–56.

  • Rachel Basinger (2019): Hidden in History: The Untold Stories of Women During World War I and World War II. Ocala: Atlantic Publishing Group.

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