Krone, Króna, Koruna, Kroon und Круна
- Michael H. Schöne

- vor 8 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Sprachwissenschaftlich geht der Währungsname „Krone“ über das lateinische „corona“
(= Kranz) auf das griechische „κορώνα“ (= gekrümmt) zurück. So galten gebogene Lorbeerkränze im Altertum als Kopfzierde für Herrscher und hießen „korṓnē“.
In der Geldgeschichte tauchen Kronen erstmals 1544 als geprägte „crowns“ während der Regierungszeit von König Edward VI. auf. Die silberne Sterling-Münze entsprach einem Wert von ¼ Pfund (fünf Schilling = 60 Pence). Ab 1618 gab es die Corona Danica = 1½ dänische Reichstaler = 96 Kroneskillinger. Nach Österreichs Goldstandardwährung von 1892 galten dann 1 Krone = ½ Gulden. Und im Deutschen Reich waren umgangssprachlich 1 Krone =
10 Goldmark bzw. 20 Goldmark = 1 Doppelkrone.
Nach der Gründung der skandinavischen Währungsunion am 18. Dezember 1872 führten Schweden und Dänemark (mit den autonomen Provinzen Grönland und Färöer) am 1. Januar 1875 eine neue Währung ein: 1 Krone = 100 Öre/Øre. Am 16. Oktober 1875 schloss sich Norwegen der Währungsunion an und Island folgte nach der Unabhängigkeit von Dänemark mit eigenen Kronen-Geldscheinen: 1 Króna = 100 Aurar. Damit erfolgte in diesen Ländern auch die Umstellung auf Dezimalwährung.







Auch in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn wechselte man im August 1882 in eine neue Währung: 1 Krone = 100 Heller (der bisherige österreichisch-ungarische Gulden galt 100 Kreuzer und wurde 1:2 in Kronen umgetauscht – 2 Kronen nannte man deshalb auch „Goldkrone“.)
Nach dem Schilling-Rechnungsgesetz vom 20. Dezember 1924 erfolgte ein Währungstausch zum Schilling (= 100 Groschen) am 1. März 1925. Und das unabhängige Ungarn übernahm die Kronen-Währung, bis es am 1. Januar 1927 eine eigene Währung (1 Pengö = 100 Fillér) einführte.


Durch die geopolitischen Umwälzungen in Europa nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde in der am 28. Oktober 1918 ausgerufenen Tschechoslowakische Republik ebenfalls eine Kronen-Währung übernommen (1 Koruna = 100 Haléřů).
Auch in der nach dem Anschluss des deutsch besiedelten Sudentenlands an das Deutsche Reich und dem Zerfall der Tschechoslowakei verbliebenen "Rest-Tschechei" wurde vom
30. September 1938 bis zum 16. März 1939 eine Kronen-Währung weiterverwendet und dann im deutsch besetzten sog. Protektorat Böhmen und Mähren und im eigenständigen Slowakischen Staat (seit März 1939 Slovenský štát, ab Juli 1939 Slovenská republika) beibehalten.




Nach der Wiederherstellung der Tschechoslowakei 1944/45 gab man zuerst die im sowjetischen Krasnokamsk gedruckten Kronen-Scheine der sowjetischen Besatzungsausgabe und danach ab November 1945 die in London, New Malden und in Prag gedruckten Geldscheine aus. Durch die Staatenteilung der ČSSR im Januar 1993 führte man ab 8. Februar 1993 die Kronen-Währungen in der Tschechischen und in der Slowakischen Republik fort (1 Koruna = 100 Haléřů/Halierov). Die Slowakei trat am 25. November 2005 der Euro-Zone bei und führte am 1. Januar 2009 den Euro zum Kurs von 1 Euro = 30,1260 SK ein.


Nach dem Zerfall des Österreichisch-ungarischen Kaiserreichs bildete sich auf dem Balkan das SKS-Königreich (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenien). Dort wurde schon am 12. November 1918 die österreichisch-ungarische Krone durch die "jugoslawische" Krone ersetzt. 1920 wurde der Dinar eingeführt und im Verhältnis 1:4 zur Круна (Kronen) gerechnet.

Durch den Zerfall des Russischen Reichs ab 1917 entstanden in Europa unabhängige Republiken, die ihre eigenen Währungen in Umlauf brachten: Polen – Złoty ab 1919, Litauen – Litas ab 1922, Lettland – Lats ab 1922 , Finnland – Markka schon ab 1860 und Estland – Mark ab 1918. Mit seiner natürlichen Bindung zu Skandinavien reformierte Estland die Währung und führte ab 1. Januar 1928 die Kroon ein, die bis zur Annexion durch die Sowjetunion 1940 galt und nach der erneuten Unabhängigkeit und der Abkopplung von der UdSSR abermals eine Kroon-Währung eingeführt wurde. Estland trat am 1. Mai 2004 der Euro-Zone bei und führte am 1. Januar 2011 den Euro im Verhältnis 1 Euro = 15,65 eKr ein.


Es besteht kein Zwang, den Euro in allen EU-Ländern einzuführen. Im Unterschied zu Dänemark, wo sich im Jahr 2000 über 53 Prozent für die Beibehaltung der Kronen-Währung entschieden, lehnte man in Schweden mit mehr als 56 Prozent bei der Volksbefragung 2003 den Beitritt zur Europäischen Währungsunion ab. Und auch in der Tschechischen Republik spricht sich die Bevölkerung derzeit mit etwa 54 Prozent gegen den "unbeliebten" Euro aus.
Aus der Werkstatt des slowakischen Grafikers Matej Gábriš stammen zahlreiche Fantasie-Scheine in Kronen-Währung: bspw. 100 Kronor/Kruunut für die finnische Åland-Inselgruppe mit hauptsächlich schwedischer Bevölkerung, 50 Kroner für das offiziell norwegische Spitzbergen, 200 Kroner für das immer noch dänische Grönland, 100 Kroner für das auf mehrere Nationen verteilte Lappland (Norwegen, Schweden, Finnland und Russland) oder 100 Korún 2018 für die ehemalige ČSR und 40 Korún 2017 mit dem Porträt des "Geldkünstlers", wie er sich selbst nennt.






Michael H. Schöne
Quellen:




Kommentare