Leserpost: Belgischer Stempel auf Berliner Notgeldschein?

Aktualisiert: Feb 26



Auf einem Berliner Notgeldschein, 5 Mark von 24.10.1918, Geiger 040.01, wurde ein belgischer Firmenstempel aufgedruckt. Es handelt sich um ein Unternehmen im Raum Antweben. Die Angaben in französischer Schrift lauten : Compa(gnie) ... aise (Rest unleserlich) d‘Anvers. Siehe Abbildungen.

Meine Frage: Wieso befindet sich auf einem Berliner Notgeldschein ein belgischer Stempel? Könnte ein entlassener belgischer Kriegsgefangener ihn in Belgien eingelöst haben? Schein und Stempel sind echt und stammen aus der Zeit. Ich wurde in keiner, mir zur Verfügung stehender, Literatur fündig. Vielleicht findet sich eine Erklärung? R. Schwalier


Antwort der Redaktion:

Wie der belgische Stempel auf einen Berliner Stadtkassenschein kommt, ist einerseits schwer zu erklären, aber dennoch auch einfach. Er wurde einfach drauf gestempelt.

Das muss nicht immer einen besonderen Grund haben. Jedenfalls gibt es keine geldgeschichtliche Erklärung dafür. Natürlich kann man spekulieren …


Kriegsgefangene erhielten ausschließlich Lagergeld, also keine reguläre Währung und in aller Regel auch kein Notgeld. Dennoch arbeiteten Kriegsgefangene auch für private Firmen, von ganz kleinen Betrieben bis hin zu Großunternehmen. Besonders solche, die für kleine Handwerker, Landwirte usw. arbeiteten, bekamen auch schon mal Geld zugesteckt, um sich außerhalb des Lagers mal etwas kaufen zu können. In aller Regel war das verboten, konnte aber nicht überall so durchgesetzt werden. Schließlich legte man Geschäfte fest, in denen Kriegsgefangene außerhalb eines Lagers einkaufen konnten. Es ist also möglich, daß ein belgischer Kriegsgefangener so einen Berliner Schein mit nach Belgien genommen hat. Hier wurde er aber wahrscheinlich nicht eingelöst. Es handelt sich um die allseits bekannte Stadt Antwerpen.

Leider ist vom Stempel nicht viel zu lesen. Der Rest ist, wie gesagt, reine Spekulation.

Ich würde den Schein als „Besonderheit“ oder „Kuriosität“ in der Sammlung aufbewahren.


Hans-Ludwig Grabowski

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