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Leserpost: Propaganda der Deutschen Reichspartei?

In der Anlage finden Sie einen DEU-73 mit Wahlwerbung der „Deutschen Reichspartei“ als Scan. Ich bin mir nicht sicher, ob das etwas für Ihren Katalog ist, ich fand es auf jeden Fall interessant. Wenn Sie möchten, können Sie den Scan auch für ihre Zwecke verwenden. Ich würde mich freuen, mal wieder von Ihnen zu lesen.

R. Ackermann


Antwort der Redaktion

Hallo Herr Ackermann, schön, wieder mal von Ihnen zu hören und besten Dank für den Scan der Vorder- und Rückseite.

In der Zeit der „Weimarer Republik“ wurden durch die Inflation wertlos gewordene Geldscheine oft mit politischen Überdrucken versehen und als Wahlpropagandamittel eingesetzt. Ich habe darüber auch ein Buch geschrieben „Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …“, da es oft antisemitische Wahlwerbung von rechten Parteien war. Damit wurde auch die Sammlung Haney dokumentiert.

Ihren Schein habe ich mit einem solchen Überdruck bisher noch nicht gesehen. Da ich auch die Wahlen und den Wahlkampf in der Ersten Republik untersucht habe, muss ich gestehen, dass mir solche Überdrucke der Reichspartei unbekannt sind. Allerdings gibt es leider viele Manipulationen. Da die Reichspartei bereits 1918 aufgelöst wurde, macht deren Wahlwerbung auf einem Geldschein von 1920 eigentlich auch keinen Sinn. Ich halte den Überdruck daher leider für eine Manipulation.

Die Mitglieder der Reichspartei verteilten sich 1918 auf die Deutsch Nationale Volkspartei (DNVP) und die Deutsche Volkspartei (DVP). Von diesen beiden Parteien gibt es sehr viele Propaganda-Überdrucke auf Geldscheinen der Inflation, mit denen man oft Stimmung gegen Juden machte, die angeblich an der Inflation schuld waren und sich an ihr bereicherten.

Hans-Ludwig Grabowski


Antwort des Lesers

Danke für die Rückmeldung. Bleibt die Frage, ob Schein und/oder Aufdruck eine Fälschung sind, bzw. wer den Schein wohl mit welcher Motivation in Umlauf gebracht haben könnte.

Vielleicht war es auch der Versuch die DRP nach ihrer Auflösung im Nov. 1918 wieder zu beleben; der Versuch wäre im Rahmen der frühen und chaotischen Jahre der Republik ja durchaus legitim. Vom Erscheinungsbild ist der Schein „druckfrisch“ und weißt Wasserzeichen auf (eine Art Wellenmuster). Wobei uns das „Parteiwappen“ vielleicht weiter helfen kann, denn wie es scheint, ist das Wappen eher der DRP zuzuordnen, die 1950 gegründet wurde. Vielleicht war dies der Versuch an die „guten alten Zeiten“ anzuknüpfen ohne mit der NSDAP in einen Topf geworfen zu werden. Bliebe dann die Frage, wo bekam man

die druckfrischen Scheine in entsprechender Menge her?

Auf jeden Fall interessant.

R. Ackermann


Antwort der Redaktion

Die Zehner von 1920 kann man praktisch heute noch in kassenfrischen Erhaltungen bekommen. Das war damals sicher nicht schwieriger. Aber bei dem Heute sollten wir bleiben.

Wie bereits vermutet, handelt es sich um eine Manipulation, will heißen: Der Schein ist echt, der Überdruck ist nachträglich angebracht! Ein zusätzliches Indiz ist das Logo von 1950.

Nun kann es sein, dass der Überdruck aus den 1950er Jahren stammt, es sich also tatsächlich um ein Relikt der damals neu gegründeten Reichspartei handelt. Oder aber, es handelt sich, wie leider so oft, um eine Manipulation, mit der man lediglich Geld an Sammlern verdienen möchte. Sie glauben garnicht, wie viele fantasievolle und völlig echt wirkende nachgemachte Scheine es aus aller Art von Lagern der NS-Zeit gibt, die praktisch täglich im Internet angeboten werden. Ich gehe aber eher von einem Propaganda-Mittel der von 1950 bis 1965 existierenden "neuen" Reichspartei aus ... Hans-Ludwig Grabowski

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