Spendenschein des American Committee for Relief of German Children (1923)

Meist stehen in geschichtlichen Untersuchungen der Rheinland-Besetzung der 1920er Jahre die Motive des französischen Handelns und die daraus resultierenden Ereignisse im Fokus der Betrachtungen, während Darstellungen über die belgische und englische Besatzung eher die Ausnahme sind. Vollkommen in Vergessenheit geraten ist die US-amerikanische Besatzung des Brückenkopfs Koblenz (1918–1923), die immerhin vier Jahre und 24 Tage dauerte.[1]


Generalmajor Henry Tureman Allen [* 13. April 1859 in Sharpsburg, Bath County, Kentucky; † 30. August 1930 in Buena Vista, Pennsylvania] hatte bereits zahlreiche leitende Posten innegehabt, bevor er am 6. März 1921 Kommandeur der US-Truppen am Rhein und ab 2. Juli 1919 Kommandeur der US-amerikanischen Besatzung in Deutschland wurde. Am 6. Februar nahm er das letzte Mal an einer Sitzung der Rheinlandkommission teil, bevor er am 29. Februar aus Deutschland abreiste. Vorausgegangen war die Übergabe der Besatzungszone an Frankreich.

Am 24. Januar 1923 wurde in einer feierlichen Zeremonie das Sternenbanner, die US-amerikanische Fahne, auf dem Dach der Festung Ehrenbreitstein eingeholt und um 12 Uhr blies die 8. Infanterie das Signal zum Rückzug.

Abb. 1: Henry Tureman Allen

Quelle: Henry T. Allen, Mein Rheinland-Tagebuch, 2., durchgesehene Auflage, Berlin o. J.


„Zu den Hinterlassenschaften der Yankees, die dem Deutschen Reich langfristig Kosten verursachten, gehörten Besatzungskinder. Nach dem Weggang der AFG (American Forces in Germany, Anm. d. Verf.) blieben allein in Koblenz etwa 200 zurück.“ [2]

Der Mütter der unehelich gezeugten „Amerikaner-Kinder“ konnten ihre Alimente-Forderungen kaum durchsetzen, da deutsche Gerichte keine Klagen gegen Militärpersonen führen durften und die Militärgerichte wiederum für Vaterschaftsklagen nicht zuständig waren. Ansprüche konnten nur in den USA vor einem Gericht des Heimatstaates geführt werden.

Nach Angaben des Oberpräsident von Groote war die Zahl der durch US-Amerikaner unehelich gezeugten Kinder so groß, dass die Wohlfahrtsverbände nicht in der Lage waren, die drückenden Lasten zu tragen. Mitte 1922 gingen die Behörden von 1700 unehelichen Kindern aus.


Generalmajor Allen ließ dieses Problem nicht kalt. In den Vereinigten Staaten gründete er die Hilfsorganisation „American Committee for Relief of German Children“.

Die Organisation, deren Vorsitz er übernahm, sammelte in den USA Spenden, um Lebensmittel an hungernde Kinder in Deutschland verteilen zu können. Als die Aktion im Sommer 1924 endete, waren rund 4,3 Millionen US-Dollars eingesammelt wurden. Sie ermöglichten die Ausgabe von bis zu einer Million Mahlzeiten, die vor Ort von den Quäkern organisiert wurden.


Die Mittel für die Speisung wurde mithilfe von Spendenscheinen aufgebracht. Sie sind einseitig auf einfachem weißem Papier gedruckt und haben die Maße 100 mm x 78 mm. Der einfarbig blaue Druck zeigt am unteren Rand des Unterdrucks eine große Anzahl von Kindern, die ihre Arme in die Höhe strecken, um die Liebesgaben aufzufangen, die die übergroße Liberty aus einem Korb entnimmt und über die Kinder rieseln lässt.

Der Text auf dem Schein lautet: „Life / Saving Stamp / The buyer of this stamp has purchased / food for a starving German Child.“ [Lebensrettender Schein / Der Käufer dieses Scheins hat Lebensmittel für ein hungerndes deutsches Kind gekauft.]

Links und Rechts neben der Überschrift die Wertangabe „1 $“. Unter dem Text in drei Spalten dann die Hinweise, was mit der Spende bewirkt werden kann: Für 10 c können fünf Mahlzeiten ausgegeben werden; 50 c reichen einen Monat für zusätzliche Mahlzeiten und 1 $ für zwei Monate. Schließlich noch die Angabe, dass man für 5 $ zehn Monate zusätzliche Mahlzeiten ausgeben kann. Darunter dann die Angabe der Organisation und der Hinweis auf Generalmajor Henry T. Allen, den Vorsitzenden des Hilfskomitees.


Abb. 2: Spendenschein, American Committee for Relief of German Children, o. D. (1923). 1 Dollar, Vorderseite.


Im selben Jahr richtete Allen eine Stiftung mit einem Stiftungskapital von 50.000 US-Dollars ein. Die jährlichen Zinsen sollten der Unterstützung bedürftiger Kinder dienen. Über die Verteilung entschied ein Kuratorium, das aus den Bürgermeistern von Koblenz, Montabaur, Cochem, Mayen und Andernach bestand.


Uwe Bronnert

Anmerkungen:

[1] Paul Dahms, A Piece of the Rhine, Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918–1923, hrsg. v. Verlag der Museen des Westerwaldkreise, Montabaur 2018.

[2] Ebenda, S. 123.


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