Spuren der Arbeiter- und Soldatenräte in der deutschen Geldgeschichte (1918/19) – Teil I

Nach der gescheiterten deutschen Märzoffensive 1918 verschlechterte sich die militärische Lage rasant. General Erich Ludendorff, Erster Generalquartiermeister und Stellvertreter Paul von Hindenburgs, des Chefs der Obersten Heeresleitung (OHL), zeichnete am 29. September 1918 im Stabsquartier im belgischen Spa ein düsteres Bild der Lage. Seiner Meinung nach stand die deutsche Front kurz vor dem Zusammenbruch. Er forderte daher die Bildung einer parlamentarischen Regierung, die der Entente einen Waffenstillstand anbieten sollte. Am 3. Oktober bildete Max von Baden die erste parlamentarische Regierung des deutschen Kaiserreichs und ersuchte US-Präsident Woodrow Wilson um Friedensverhandlungen. Bereits Anfang Januar 1918 hatte Wilson mit seinem 14-Punkte-Programm Grundsätze für ein europäisches Friedensprogramm benannt.

Trotz der aussichtslosen militärischen Lage beabsichtigte die deutsche Admiralität, die Kriegsflotte ohne strategischen Sinn zu einer letzten verzweifelten Schlacht gegen die britischen Seestreitkräfte zu führen. Seit dem 28. Oktober wurde die deutsche Kriegsflotte auf Schillig-Reede, der äußeren Einfahrt zum Jadebusen, zusammengezogen. Als die Matrosen in Wilhelmshaven erkannten, dass es sich hierbei nicht – wie gesagt wurde – um ein Flottenmanöver handelte, verweigerten sie am 30. Oktober den Gehorsam, und auch in Kiel löschten die Heizer die Feuer unter den Schiffskesseln und widersetzten sie sich so dem Befehl zum Auslaufen.

Am 4. November übernahmen in Kiel die Matrosen die Macht in der Stadt.

Die revolutionäre Bewegung griff schnell auch auf andere deutsche Städte über. Arbeiter schlossen sich den Soldaten an. Ging es bei ihren Forderungen zunächst nur um die Beendigung des aussichtslosen Kriegs, richtete sich die Stimmung zunehmend gegen die regierenden Fürsten und den Kaiser selbst.

Reichskanzler Prinz Max von Baden begriff, dass er schnell handeln musste. In seinen Erinnerungen schrieb er:

„Ich sagte mir: die Revolution ist im Begriff, siegreich zu sein; wir können sie nicht niederschlagen, vielleicht aber ersticken. Jetzt heraus mit der Abdankung, mit der Berufung Eberts, mit dem Appell an das Volk, durch die Verfassungsgebende Nationalversammlung seine eigene Staatsform zu bestimmen. Wird Ebert mir als Volkstribun von der Straße präsentiert, dann kommt die Republik, ist es Liebknecht, auch der Bolschewismus. Aber wenn der abdankende Kaiser Ebert zum Reichskanzler ernennt, dann besteht noch eine schmale Hoffnung für die Monarchie. Vielleicht gelingt es, die revolutionäre Energie in die legalen Bahnen des Wahlkampfes zu lenken."[1]

Noch bevor Wilhelms II. Antwort vorlag, übertrug Max von Baden die Regierungsgeschäfte auf den Sozialdemokraten Friedrich Ebert, der sich bereit erklärte, das schwere Amt zu übernehmen. Am Nachmittag des 9. Novembers um zwei Uhr verkündete Philipp Scheidemann von einem Fenster im Reichstagsgebäude:

„Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt. Die Hohenzollern haben abgedankt! Es lebe die deutsche Republik!“[2]

Damit kam er Karl Liebknecht nur wenige Stunden zuvor, der am Nachmittag am Berliner Schloss die „Sozialistische Räterepublik“ nach dem Vorbild der russisch-bolschewikischen ausrief.

Trotz ihrer gegenüber Parteien eigenständigen Organisationsform gehörten die Arbeiter- und Soldatenräte in den kleineren Städten überwiegend den örtlichen Vorständen von SPD und USPD an, während in Großstädten die Arbeiterräte in Vollversammlungen gewählt wurden, zu denen die einzelnen Betriebe Delegierte entsandten. Die nach Zusammenbruch der militärischen Ordnung gebildeten Soldatenräte schlossen sich in der Regel mit den örtlichen Arbeiterräten zu gemeinsamen lokalen Arbeiter- und Soldatenräten zusammen. Sie sahen ihre wichtigste Aufgabe in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit sowie der Bewältigung der katastrophalen Lebensmittelversorgung. Obwohl sie kein einheitliches Programm untereinander verband, traten nahezu alle für die Beseitigung des monarchischen Obrigkeitsstaats und für die Republik auf parlamentarischer Grundlage ein. Nur eine kleine radikale Minderheit der Räte sympathisierten mit dem Spartakusbund, der eine Rätediktatur nach sowjetischem Vorbild errichten wollte. Nach der Wahl am 19. Januar 1919 verloren die Räte an Einfluss und nach der Verabschiedung der Weimarer Verfassung lösten sich im Spätherbst die letzten Arbeiterräte auf.

Ungeachtet ihrer enormen Bedeutung für die politische Entwicklung Deutschlands finden sich nur wenige geldgeschichtliche Spuren der Arbeiter- und Soldatenräte.

Die sichtbarsten Zeugnisse stammen aus Braunschweig. Hier hatte der linke Parteiflügel der Sozialdemokratie während des Ersten Weltkriegs bereits eine relativ große Bedeutung gewonnen und 1917 hatte sich die Mehrheit der Mitglieder der USPD zugewandt. In Braunschweig herrschte Anfang November große Unruhe. Hier fielen die revolutionären Ideen auf einen besonders fruchtbaren Nährboden; Matrosen, aus Kiel und Wilhelmshaven kommend, verstärkten die revolutionäre Bewegung.

Am 8. November erzwangen Arbeiterrat und Soldatenrat die Abdankung des letzten braunschweigischen Welfen-Herzogs Ernst-August, der die Stadt am folgenden Tag zusammen mit seiner Familie ins Exil verließ. Der Arbeiter- und Soldatenrat proklamierte am 10. November die „Sozialistische Republik Braunschweig“, deren Präsident August Merges (* 3. März 1870; † 6. März 1945) wurde.

Zur Finanzierung ihrer Ausgaben nutzt die neue Regierung die bereits gedruckten „Herzoglich Braunschweigischen Staatskassenscheine“ über 5, 10, 20 und 100 Mark mit Datum vom 15. Oktober 1918. Diese erhielten auf der Vorderseite am linken bzw. rechten Rand den roten Aufdruck „A. S. R. BR.“ (für Arbeiter- und Soldatenrat Braunschweig). Als verantwortliche Behörde nennen die Scheine dennoch weiterhin das „Herzoglich Braunschweigisch-Lüneburgische Finanzkollegium Abt. für Leihhaussachen“.


Abb. 1, BRS-4b: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 5 Mark, Vorder- und Rückseite.


Abb. 2, BRS-5f: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 10 Mark, Vorder- und Rückseite.


Abb. 3, BRS-6fE: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 20 Mark, Vorder- und Rückseite.


Abb. 4, BRS-7bE: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 100 Mark, Vorder- und Rückseite.

Die bürgerliche Gesellschaft stand den Räten distanziert bis ablehnend gegenüber.

Dies zeigt sich beispielsweise an der Wortwahl in einer zeitgenössischen Sammlerzeitung, die zu diesem Papiergeld folgendes schrieb:

„Als deutsches ‚Bolschewistengeld‘ wird der seltene Satz Großnotgeld bezeichnet, der im Jahre 1918 vom Herzogtum Braunschweig herausgegeben wurde; er war gerade fertig, als die Revolution ausbrach [und] wurde dann sofort vom Arbeiter- und Soldatenrat, an dessen Spitze der Schneider Merges als erster Präsident der Republik Braunschweig und die Waschfrau Auguste Faßbauer als Kultusministerin standen beschlagnahmt und mit einem entsprechenden roten Aufdruck versehen. Die schönen Staatsnotgeldscheine in den Werten von 5, 10, 20 und 100 M, von dem Graphiker Günter Clausen entworfen und in Vielfarbendruck hergestellt, sind inzwischen von der Braunschweiger Staatsbank wieder eingezogen und entwertet.“

Die Bilanz der Staatsbank wies am 31. März 1919 eine Verbindlichkeit in Höhe von 8,71 Millionen Mark für ausgegebenes Kriegsnotgeld aus.[3] In diesem Betrag dürften allerdings nicht nur die noch nicht eingelösten Staatskassenscheine des Arbeiter- und Soldatenrats enthalten sein, sondern auch die des unverzinslichen Kriegsnotgelds der Herzoglich Braunschweigischen Sparkasse vom 1. November 1918. Bei den Staatskassenscheinen kommen diverse Varianten bezüglich der Kontrollnummern vor; im Handel werden sie meist mit der Entwertungslochung „NICHT GÜLTIG“ angeboten.


Am 22. Dezember 1918 fanden in Braunschweig Wahlen zum Landesparlament statt,[4] deren Ausgang für die USPD vollkommen unerwartet waren. Sie errang lediglich 14 der 60 Sitze – und dies, obwohl sie in den vorangegangenen Wochen die dominierende Kraft gewesen war. Am 10. Februar 1919 trat der Landtag zusammen, in dem die Mehrheitssozialisten (SPD), die Deutsche Demokratische Partei (DDP) und die Bürgerliche Einheitsliste (BEL) die Mehrheit stellten. Am 22. Februar bildeten die USPD und SPD eine Koalitionsregierung und der Landtag verabschiedete die vorläufige Verfassung. Art. 14, der den Arbeiter- und Soldatenrat als oberste Gesetzgebende Gewalt vorsah, wurde von der Mehrheit im Parlament abgelehnt. Daraufhin legte Merges am 22. Februar 1919 sämtliche parlamentarischen Ämter nieder und verzichtete damit auch auf das Präsidentenamt, weil er die Revolution durch den Parlamentarismus verraten sah.


Der Arbeiter- und Soldatenrat war nicht gewillt, seine Machtbefugnisse an das demokratisch gewählte Parlament abzutreten und am 4. März riefen die Spartakisten schließlich die Räterepublik in Braunschweig aus. Da sich die Lage in Braunschweig zuspitzte, verhängte die Reichsregierung am 13. April den Belagerungszustand über den Freistaat und entsandte das Freikorps Maerker, das die Stadt am 17. April besetzte.

Erst am 5. Juni 1919 wurde der Belagerungszustand aufgehoben.


Etwa zur gleichen Zeit wie in Braunschweig bildete sich auch in Wolfenbüttel ein Arbeiter- und Soldatenrat. Nach dem Vorderseitentext des Notgelds der Stadt Wolfenbüttel vom November 1918 wurde es „ausgegeben auf Grund des Beschlusses der städt. Behörden mit Genehmigung des Volkskommissars für die Finanzen“, also mit Genehmigung der Räte. Die Notgeldserie umfasst die Werte 50 Pfennig sowie 1, 5, 10 und 20 Mark. Diese Scheine werden meist mit dem Stempelaufdruck „Ungültig“ in der oberen linken Ecke der Vorderseite angeboten.

Abb. 5: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite.


Abb. 6: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 1 Mark, Vorder- und Rückseite.


Abb. 7: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 5 Mark, Vorder- und Rückseite.


Abb. 8: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 10 Mark, Vorder- und Rückseite.


Abb. 9: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 20 Mark, Vorder- und Rückseite.


Im Zuge der Novemberrevolution wurde am 10. November auch die Räte-Republik in Bremen ausgerufen, die am 4. Februar 1919 von der Division Gerstenberg und dem Freikorps Caspari blutig niedergeschlagen wurde. Vorausgegangen war die Machtübernahme durch einen Arbeiter- und Soldatenrat am 6. November 1918.

Dieses Datum tragen auch die 20-Mark-Scheine der Atlas-Werke Aktiengesellschaft. Auf der Rückseite bescheinigt der Arbeiter-Ausschuss, dass „die Atlas-Werke Aktiengesellschaft in Bremen 5000 Stück Gutscheine über je Mk. 20.-, mit den fortlaufenden Nummern 1-5000 versehen, ausgegeben haben und daß als Sicherheit für diese Gutscheine ein Betrag von Mk. 100 000.- bei der Deutschen Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien in Bremen hinterlegt ist, welcher ausschließlich zur Einlösung dieser Gutscheine dient.“ Die Scheine kommen sowohl mit als auch ohne Unterschrift vor.


Abb. 10: Bremen, Atlas-Werke Aktiengesellschaft (Arbeiter-Ausschuß), 6. November 1918, 20 Mark, Vorder- Rückseite.


Die Atlas-Werke waren ein Maschinen- und Schiffbauunternehmen in Bremen, das 1902 als Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik zur Herstellung von Schiffs-Hilfsmaschinen wie Rudermaschinen, Winden, Pumpen, Trinkwasser-Erzeuger sowie Schotten-Schließanlagen in Bremen vom Norddeutschen Lloyd gegründet wurde. 1905 verlegte es ihren Sitz auf das Gelände der AG Weser, wo nun die alten Werftanlagen zur Verfügung standen. Nun kam auch der Schiffsneubau hinzu. 1911 erfolgte dann die Umbenennung in Atlas-Werke.

Auch auf Rückseite des 20-Mark-Gutscheins des Unternehmens Carl Francke in Bremen bestätigt einen Arbeiterausschuss: „Wir bestätigen, daß als ausschließliche Deckung gegen diesen Gutschein ein getrenntes Depot bei der ‚Deutschen Nationalbank K. G. a. A.‘, Bremen, vorhanden ist.“ Der Schein trägt das Datum vom 1. November 1918.


Abb. 11: Bremen, Carl Franke (Arbeiterausschuß), 1. November 1918 20 Mark, Vorder- und Rückseite.

Carl Francke wurde 1843 in Magdeburg als Sohn eines Klempnermeisters geboren.

Er erlernte den Beruf des Vaters und ging 1871 nach Bremen. Dort richtete er 1872 eine Installationswerkstatt für Wasser- und Gasleitungen sowie Wasser- und Dampfheizungen ein. 1875 gründete er die Francke-Werke, die Gasanlagen in zahlreichen Städten anlegten. Daneben produzierte das Unternehmen chemische Produkte wie Ammoniak und Salmiak. Die Francke-Werke hatten in Bremen zeitweise mehr als 1000 Beschäftigte. 1921 wurde die offene Handelsgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Das Unternehmen wurde 1957 liquidiert und die Anlagen von der Maschinenfabrik Friedrich Kocks übernommen.

In der Stadt Weißenfels bildete sich am 9. November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat. Auf dessen Veranlassung ließ der Landkreis eine 10 Pfennig-Münze aus Eisen prägen. Die Rückseite zeigt (zum ersten Mal auf einer deutschen Münze?) das Emblem Hammer und Sichel als Symbol der revolutionären Rätemacht.


Abb. 12: Weißenfels, Landkreis, 1918, 10 Pfennig, Vorder- und Rückseite.

Auch eine zweite Münze bildet Hammer und Sichel ab. Diese Münze aus Zink zu 50 Pfennig gab die Stadt Gummersbach aus. Eine zweifelsfreie Zuordnung zum Arbeiter- und Soldatenrat ist jedoch nicht möglich, da auf ihr eine Jahresangabe fehlt. Es wäre daher auch denkbar, dass die Münze im Zusammenhang mit dem Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 steht, gegen den sich die Arbeiter des Ruhrgebiets zur Wehr setzten und mit einer "Roten Armee" vorging.


Abb. 13: Gummersbach, Stadt, o. J., 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite.

Das Notgeld der Stadt Wilhelmshaven, von wo alles seinen Anfang nahm, weist weder im Text noch in Abbildungen auf eine Verbindung zum Arbeiter- und Soldatenrat hin. Keller schreibt in seinem „Katalog der Großgeldscheine 1918–1921“, dass es „auf Veranlassung des Arbeiter- und Soldatenrates von der Stadt und der Marine-Intendantur zur Löhnung der entlassenen Matrosen [ausgegeben wurde].“[5] Emittiert wurden undatierte Nominale zu 1, 2, 5, 20, 50 und 100 Mark. Wegen Lohnerhöhungen mussten mehrfach neue Scheine gedruckt werden. Hieraus sind die verschiedenen Varianten zu erklären.

In Sammlungen finden sich sowohl ungestempelte wie auch mit rotem Stadtstempel versehene Scheine. Bei letzteren sind zwei unterschiedliche Siegel verwendet worden:

1. mit ausladender und 2. mit gerader Mauer-Krone. Keller vermerkt ferner, dass ein Mitglied der „Regierung“ Kuhn von diesen Notgeldscheinen 120.000 Mark stahl.


Abb. 14: Wilhelmshaven, Stadt, o. D., 1 Mark, vorder- und Rückseite.


Abb. 15: Wilhelmshaven, Stadt, o. D., 20 Mark, Vorder- und Rückseite.


Abb. 16: Wilhelmshaven, Stadt, o. D., 100 Mark, Vorder- und Rückseite.

Auch in Posen wurden im Oktober 1918 die Zahlungsmittel knapp, sodass der Magistrat die Ausgabe von Notgeld bei der Druckerei Carl Flemming A.-G., Glogau und Berlin, in Auftrag gab. Da aber zwischenzeitlich der Arbeiter- und Soldatenrat die Macht übernommen hatte, fand sich in der Stadtverwaltung nun niemand bereit, die noch fehlende Unterschrift der Druckerei zu übermitteln, sodass diese die Gutscheine zu fünf und zehn Mark mit Datum vom 1. November 1918 ohne Unterschrift druckte und auslieferte.


Abb. 17: Posen, Stadt, 1. November 1918, 5 Mark, Vorder- und Rückseite.

Aufgrund der besonderen ethnischen Bedingungen war der Arbeiter- und Soldatenrat in Posen paritätisch mit je fünf polnischen und fünf deutschen Vertretern besetzt. Anfang Dezember 1918 forderte ein sogenannter Teil-Sejm in Posen den Anschluss der Provinz an Polen und am 28. Dezember kam es zu einem Aufstand der polnischen Bevölkerung in der Stadt. Vorausgegangen war ein Besuch des patriotischen Pianisten und späteren polnischen Regierungschef Ignacy Jan Paderewski am 26. Dezember.

Die Kampfhandlungen weiteten sich auf die gesamte Provinz aus und dauerten über anderthalb Monate an, bis am 16. Februar 1919 die Alliierten eine Waffenstillstandslinie zogen und den größten Teil der Provinz Polen zusprachen.


Wer die Serienschein-Kataloge von Grabowski/Mehl durchblättert, stößt auch auf diverse Scheine des Arbeiter- und Soldatenrates Ebstorf (Kr. Uelzen).[6] Sie lauten auf Beträge zwischen 1 Pfennig und 20 Mark. Die Echtheit dieser einseitig bzw. doppelseitig bedruckten Scheine war schon immer mehr als zweifelhaft. So haben einige Scheine ein Gültigkeitsvermerk bis „Juli 1918“, also einem Zeitpunkt, als es Arbeiter- und Soldatenräte noch gar nicht gab. Auch die Vielzahl der unterschiedlichen Sorten bei einzelnen Nominalen sprach gegen die Authentizität. Je nach Betrachtung kommen mehr als 30 Typen zusammen. Die Schwindelausgabe kreierte Kreisschulrat Böse, ein ehemaliges Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates.


Abb. 18: Ebstorf (Kr. Uelzen), Arbeiter- und Soldatenrat, o. D., 5 Mark, Vorder- und Rückseite.

Uwe Bronnert

Anmerkungen: [1] Prinz Max von Baden, Erinnerungen und Dokumente, Stuttgart 1927, S. 630 ff., zitiert nach: Wolfgang Michalka und Gottfried Niedhart (Hrsg.), Die ungeliebte Republik, Dokumentation zur Innen- und Außenpolitik Weimars 1918–1933, München 1980, 19. [2] G. A. Ritter, S. Miller (Hrsg.), Die deutsche Revolution 1918–1919, Dokumente, 2. Aufl. Hamburg 1975, 77 f., zitiert nach Wolfgang Michalka und Gottfried Niedhard (Hrsg.), 23. [3] Erich Achterberg, Braunschweigische Staatsbank, Zwei Jahrhunderte Zeitgeschichte, Braunschweig o. J (1965), 191. [4] Sie waren die ersten Wahlen in Deutschland nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs. [5] Arnold Keller, Katalog Großgeldscheine 1918–1921, Unveränderter Nachdruck der 3. Auflage von 1955, München 1976, S. 86, Kat-Nr. 518. [6] Hans L. Grabowski und Manfred Mehl, Deutsche Serienscheine 1918–1922 (A–K), 3. überarb. und erw. Aufl., Regenstauf 2009, S. 204 ff., Kat.-Nr. 304.1–304.22.