top of page

Wie beim „doppelten Lottchen“ – Anmerkungen zu zwei tschechischen Staatsnoten

Wie Luise in Erich Kästners Kinderroman die Rolle der Lotte einnimmt, so sind auch zwei Geldscheine zu einer Krone bei einem flüchtigen Blick zum Verwechseln ähnlich. Außer dieser täuschenden Ähnlichkeit haben beide Scheine gemeinsam, dass sie eigentlich nie in Umlauf gelangten. Der ältere Schein ist relativ selten, während der jüngere mit etwas Glück auch heute noch preiswert zu erhalten ist.


Anfang 1939 besetzte die Deutsche Wehrmacht die sog. Rest-Tschechei. In den Tresoren der Nationalbank befanden sich größere Bestände an undatierten Staatsnoten zu 1 und 5 Kronen. Sie waren bereits 1937 in der Banknotendruckerei der Tschechoslowakischen Nationalbank gedruckt worden, um sie in Krisenzeiten in Umlauf setzen zu können. Entworfen wurde der Schein zu einer Krone von Bohumil Heinz und Bedřich Fojtášek, der Schein zu 5 Kronen von Bedřich Fojtášek und Jiří Schmidt.


Da im sog. Protektorat die kleinen Werte knapp wurden, wurden Hilfskräfte in der „Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag – Národní Banka pro Čechy a Moravu v Praze“ damit beschäftigt, Stempel von Hand auf den gefundenen Scheinen zu setzen.

Der Rundstempel hat einen Durchmesser von 40 mm und lautet in der oberen Hälfte „Protektorat Böhmen und Mähren“ und in der unteren „Protektorát Čechy a Morava“.

Der schwarze Aufdruck deckt dabei jeweils die tschechische Wertbezeichnung ab. Neben der Stempelung von Hand kamen auch Maschinen zum Einsatz. Während der Maschinenstempel stets gut zentriert und klar ist, ist der Handstempel oft unregelmäßig, teilweise auch verwischt. Eine geringe Anzahl dieser Scheine gelangte durch Unachtsamkeit ungestempelt in Umlauf und in Sammlerhände.


Abb. 1.1/2: REPUBLIKA ČESKOSLOVENSKÁ, 1 Krone o. D., (1937), Vorder- und Rückseite.


Die Vorderseite des Scheins zu einer Krone ohne Stempel zeigt zwei runde Medaillons, die am oberen Rand jeweils mit „REPUBLIKA ČESKOSLOVENSKÁ“ überschrieben sind,

im rechten Medaillon das Kopfbildnis eines jungen Mädchens, umgeben von Zierelementen; im linken waagerecht zwischen zwei Zierelementen die zweizeilige Wertangabe „JEDNA KORUNA / ČESKOSLOVENSKÁ“. In den Ecken des Scheins jeweils in Rosetten die Wertzahl 1. Der Unterdruck aus floralen Mustern vervollständigt die Gestaltung des Scheins.

Die Rückseite wird durch einen Zierrahmen eingefasst, der von der sich wiederholenden Aufschrift „REPUBLIKA ČESKOSLOVENSKÁ“ umgeben ist. Auf der linken Seite das kleine Staatswappen der ČSR“; auf der rechten Seite fünfzeilig „REPUBLIKA / ČESKOSLOVENSKÁ / JEDNA KORUNA / ČESKOSLOVENSKÁ / OДHA Kč EINE Kč EGY Kč“. Darunter in einer ausgesparten weißen Fläche „ŘADA“ Serienbuchstabe „A“ und -nummer (dreistellig).

Im Unterdruck Zierelemente mit den Initialen „RČS“ sowie in jeder Ecke die Wertzahl „1“.

Der Schein ist 105 mm x 60 mm groß.


Abb. 2.1/2: Protektorat Böhmen und Mähren – Protektorát Čechy a Morava, 1 Krone o. D. (1940), Handstempel, Vorder- und Rückseite.


Abb. 3.1/2: Protektorat Böhmen und Mähren – Protektorát Čechy a Morava, 1 Krone o. D. (1940), Maschinenstempel, Vorder- und Rückseite.


Die Überdruckprovisorien waren nur vom 9. Februar bis 31. Mai 1940 im Umlauf. Bereits am 10. April 1940 gab die Protektoratsregierung einen neuen Schein zu einer Krone im gleichen Format aus, der in seiner Gestaltung auffallend der vorangegangenen ähnelt. Dies wundert nicht, wurde er doch von denselben Künstlern – Bedřich Fojtášek und Jiří Schmidt – entworfen. Das Erscheinungsbild blieb gleich, wenn auch auf der Vorderseite ein neues Mädchenbildnis erscheint. Auf der linken Seite heißt es nun „Eine Krone / JEDNA KORUNA“. Die Rückseite bildet nun links den böhmischen Löwen ab und rechts heißt es nun sechszeilig „Protektorat / Böhmen und Mähren / Eine Krone / PROTEKTORÁT / ČECHY A MORAVA / JEDNA KORUNA“. Ebenfalls wurde die Farbzusammenstellung geändert. Gedruckt wurden die Serien A, B, C und D in der Druckerei der Nationalbank und die Serie H bei der Druckerei Haase in Prag. Bei diesen Drucken nimmt das Blau der Rückseite einen violetten Ton an.


Abb. 4.1/2: Protektorat Böhmen und Mähren – Protektorát Čechy a Morava, 1 Krone o. D. (1940), Serie D, Vorder- und Rückseite.


Abb. 5.1/2: Protektorat Böhmen und Mähren – Protektorát Čechy a Morava, 1 Krone o. D. (1940), Serie H, Vorder- und Rückseite.


Abb. 6.1/2: REPUBLIKA ČESKOSLOVENSKÁ, 1 Krone o. D., (1946), Vorder- und Rückseite.



Besondere Vorsicht ist beim Kauf eines ungestempelten 1-Kronen-Scheins geboten, da 1946 das gleiche Design bei dem nicht zur Ausgabe gelangten Wert nochmals verwendet wurde. Die Scheine, die in der Druckerei der Nationalbank gedruckt wurden, sind geringfügig kleiner: 100 mm x 58 mm. Die Vorderseite unterscheidet sich nur dadurch, dass der Unterdruck im Medaillon der Wertangabe fehlt. Mehr Unterschiede weist die Rückseite auf. So fehlt die Reihenbezeichnung! Die Wertabgabe auf der rechten Seite wir nun nur noch in Tschechisch angegeben und entspricht damit nicht der Praxis, die bis 1939 angewendet wurde, wo die Wertangabe ebenfalls in den Sprachen der nationalen Minderheiten angegeben wurden.

Da man beschlossen hatte, die Scheine nicht auszugeben, wurde 1953 ein Teil an Sammler verkauft, darunter auch Bestände, die nicht mit „Specimen“ gekennzeichnet waren.


Uwe Bronnert

Comments


bottom of page