Ein Besuch in der Ausstellung „100 Jahre tschechische Krone“ in Prag

Aktualisiert: 3. Apr 2019

Vom 1. Februar bis zum 28. April 2019 findet in den Räumlichkeiten der kaiserlichen Ställe auf der Prager Burg eine Sonderausstellung zum 100. Jubiläum der Einführung der damals tschechoslowakischen Krone statt, die wirklich sehr interessant ist. Gezeigt werden Banknoten-Entwürfe für zumeist tschechoslowakische Banknoten der letzten 100 Jahre, die ersten von 1918 (Zerfall der österreich-ungarischen Monarchie) und endend 1992 mit dem Zerfall der Tschechoslowakei.

Im Eingangsbereich sind drei Kronen ausgestellt, von denen eine dem österreichischen Kaiser (Böhmen und Mähren gehörten zu Österreich) und die andere dem ungarischen König (die heutige Slowakei gehörte zu Ungarn), also dem Franz Joseph (Mann von der Sissi), gehörte.

Die ausgestellten Umlaufnoten dürften bekannt sein. Daneben gibt es auch diverse Ersatz- bzw. Austauschnoten aus den 1980er Jahren und auch einen großen Teil der Münzgeschichte zu sehen. Als Höhepunkt am Ende der Ausstellung ist die wohl, nach dem australischen Millionen-Nugget, zweitgrößte Goldmünze der Welt im Nennwert von 100 Mio Kč zu bestaunen.


Entwürfe und Original des 50-Kronen-Scheins von 1964 (Sowjetsoldat und Partisan).

Während die Bundesbank – ganz dem deutschen Klischee entsprechend – eine feste Anzahl an Grafikern zu einem Wettbewerb einlud, die dann eine komplette Serie entwarfen, gestaltete man in der ČSSR die Noten nach und nach (einzige Ausnahme:

Die geheime Währungsreform von 1953, und da delegierte man das – wenn ich das richtig verstanden habe – alles komplett nach Moskau).

Für mich interessanter war jedoch, wie mit den Motiven bei den einzelnen Banknoten gerungen wurde. Beispiel: Serie II nach der Währungsreform: Der Zehner „Zwei Mädchen“ von Maria Medvecká („Maria Bär“) aus dem Jahr 1960 existiert als Probedruck zweisprachig und mit dem alten Wappen. Ursprünglich sollte statt dem Staudamm ein Obstkorb auf der Rückseite zu sehen sein.

Auch der Hunderter „Arbeiter und Bäuerin“ von 1961 wurde noch mit dem alten Wappen entworfen. Von den vielen Entwürfen mit Arbeiter und Bäuerin überzeugt die letztlich umgesetzte Vorlage tatsächlich bei weitem am meisten.

Der Fünfziger von 1964 („Sowjetsoldat und Partisan" ) existiert in zahlreichen Entwurfsvarianten. Er war im ersten Entwurf eher dem Hunderter („Arbeiter und Bäuerin“) nachempfunden, erst der revidierte Entwurf glich sich eher dem Zehner („Zwei Mädchen“) und dem 25-Kronen-Schein von 1961 („Tábor“) an.


Vorderseiten-Entwurf zu 500-Kronen-Note aus dem Jahr 1969.

Vorderseiten-Entwurf zu 20 Kronen von 1969 (Hussiten-Aufstand).

Dass der Zwanziger von 1970 (Hussitenaufstand um 1420 bis 1430) und Fünfhunderter von 1973 (Slowakenaufstand 1944) der Beginn einer neuen Banknotenserie werden sollte, konnte man noch erahnen. Wieso die Serie aber nicht realisiert wurde, konnte man im Entwurf sehen: Der Zehner von 1971 hätte den Heiligen (!) Jakob gezeigt, was in einem sozialistischen Staat der „Nach-Frühlingszeit“ nicht genehm war. Auch ein Entwurf mit der Heiligen Maria existiert. Diese wurden aufgrund der religionsfeindlichen Ideologie des Staates jedoch nicht weiter ausgeführt. So wurde zum Zwanziger, der die (deutschfeindlichen!) Hussitenkriege zum Thema hat, schließlich nur ein slowakischer Fünfhunderter entworfen, der den slowakischen Nationalaufstand im Zweiten Weltkrieg zum Thema hat und die Serie blieb letztlich unvollendet. Beide Scheine bezogen sich auf einen Befreiungskampf.

Zur Ausstellung gibt es übrigens auch ein interessantes Buch zu kaufen (zweisprachig in Tschechisch und Englisch)!


Manfred Dietl

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