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- Geldscheinporträts: Eva „Evita“ Perón – Argentiniens ewige "First Lady"
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Abbildung 1: Eva Perón im Frühling 1948, Fotografie von Pinélides Aristóbulo Fusco, Museo Evita, digitale Restaurierung: HLG. 26. Juli 2022: Der 70. Todestag von Eva Perón. Tausende Argentinier sind auf den Straßen. Buenos Aires ist durchzogen von Menschen mit Kerzen, Fackeln und Bannern. Vor dem Ministerium für soziale Entwicklung, vor dem ein riesiges Konterfei der legendären Politikerin prangt, wird die Nationalhymne gesungen. An Peróns Grab stehen die Leute Schlange, um Blumen und Kränze niederzulegen. Wie kommt es, dass „Evita“ auch sieben Jahrzehnte nach ihrem Tod noch so starke Emotionen auslöst? Wie wurde sie zur berühmtesten Argentinierin des 20. Jahrhunderts? Ihr Aufstieg begann, als sie im jungen Alter von 16 Jahren nach Buenos Aires zog. Eva war in ärmlichen Verhältnissen in der Provinz der Hauptstadt aufgewachsen. Sie war eines von fünf unehelichen Kindern, die Eltern lebten getrennt. Wie viele Mädchen aus dem Provinzmilieu träumte sie von einer glücklichen Welt, wie sie die Kino- und Radioproduktionen ihrer Zeit ausstrahlten. Eva interessierte sich für das Schauspiel, wollte ein Star werden und hoffte, diesen Traum in der Hauptstadt verwirklichen zu können. Am Anfang stand eine Zeit der Entbehrungen ohne Engagement oder mit unbedeutenden Rollen in kleinen Theatergruppen. Allmählich jedoch wurde „Eva Duarte“ zu einem bekannten Namen. 1943 wurde sie Protagonistin einer Radioserie, die das Leben berühmter Frauenfiguren darstellte. Ihr stand ein steiler Aufstieg bevor: Evitas politischer Einfluss begann ein Jahr später. Auf einer Solidaritätsveranstaltung nach einem Erdbeben lernte sie Juan Domingo Perón kennen. Es entwickelte sich ein Verhältnis zwischen der 25-jährigen Eva und dem damaligen Arbeitsminister. Juan Perón machte keinen Hehl aus der Beziehung zu Eva und förderte ihre Karriere. Er selbst wurde zum wichtigsten Mann der Regierung und Vizepräsident. Die Politik trug seine Handschrift. Bei der Opposition war er verhasst. Als sich das Militär gegen ihn stellte, musste er seinen Rücktritt erklären und wurde inhaftiert. Auch Eva wurde aus ihrem lukrativen Job entlassen. Die Antwort der Arbeiterschaft war deutlich. Als Arbeitsminister genoss Perón durch seine Sozialpolitik hohe Beliebtheit. Der Gewerkschaftsverband rief zum Generalstreik auf, tausende Arbeiter forderten die Freilassung. Laut Legenden war es „Evita“, die zum Protest aufrief und an der Spitze der Demonstration stand. Obwohl ihre tatsächliche Rolle bei den Aufständen deutlich geringer einzuordnen war: Die Militärs zeigten sich beeindruckt. Perón kam frei. Eva und Juan heirateten. Die Wahl nach dem Putsch gewann Juan Perón mit 54 % aller Stimmen. Evita war seine wertvollste Wahlkämpferin. Aus dem Provinzkind war nun María Eva Duarte de Perón geworden, die Gattin des argentinischen Staatsoberhaupts. Als Frau des Präsidenten bekleidete sie zahlreiche Ämter zur Repräsentation. Das Ziel ihres Ehemannes, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, nahm sie gerne an. Eva Perón war nun Vorsitzende des Sozialfonds, der Frauenpartei des „Perónistischen Blocks“ und Chefin der Dachgewerkschaft. „Evita, die Mutter aller Armen und Schwachen“ erfreute sich außerordentlicher und andauernder Popularität. Sie zeigte sich häufig in der Öffentlichkeit, beteiligte sich an karitativen Aktionen und begleitete ihren Ehemann bei Zeremonien, Empfängen und Reisen. Höhepunkt war eine Europareise, bei der sie mit ihrem Mann in Spanien Francisco Franco[1] und in Italien Papst Pius XII. besuchte. Dabei war Eva nicht nur Begleiterin, sondern trat auch selbst in den Vordergrund. Ihr schauspielerisches Talent half ihr dabei. Eva Perón hatte bald eine zentrale Rolle für den Präsidenten. Sie war die Brücke zwischen dem Staatsoberhaupt und den „Descamisados“, den „Hemdlosen“, also dem Teil der argentinischen Bevölkerung, der so arm war, dass ihm sogar das „letzte Hemd genommen wurde“. Diese Brücke war sehr wichtig für Juan Perón, besonders als ab Anfang der 1950er-Jahre die Reallöhne wieder sanken und die gerade in Staatsbetrieben um sich greifende Korruption bekannt wurde. Trotz der Politik des Staatsinterventionismus und seinen sozialstaatlichen Bestrebungen nahm Juan Perón wenige strukturelle Veränderungen vor, ließ die Landoligarchie unangetastet oder zahlte sehr hohe Entschädigungen. Abbildung 2: Argentinien P-358a: Banco Central de la Republica Argentina (2012): 100 Pesos, entworfen von Roger Pfund, Vorderseite: Porträt von Eva Perón. Abb. Sammlung Grabowski. 1952 starb Evita Perón im Alter von nur 33 Jahren an Gebärmutterhalskrebs. Der Leichenzug dauerte zwei Wochen, ununterbrochen. Es nahmen über drei Millionen Menschen teil, man erwies ihr alle Ehren, die sonst nur einem Staatsoberhaupt gewährt werden. Ihr Tod bereitete, so die Erzählung, das Ende der Herrschaft Juan Peróns vor. Mindestens die enge Bindung zu den „Descamisados“ ging nach und nach verloren. Sie verhinderten den Sturz des Präsidenten durch die militärische Führung im September 1955 nicht. Elias Heindl Anmerkungen [1] Juan Perón bewunderte den Faschismus in Europa, insbesondere Francisco Franco und Benito Mussolini. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte er die Aufnahme flüchtiger NS-Verbrecher, darunter beispielsweise Josef Mengele oder Adolf Eichmann. Literatur/Quellen: Roesler, Jörg (2013): „Mehr als Descamisados der Evita. Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung in Argentinien unter dem Einfluss des Perónismus“, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 2013, Heft 1, Berlin.
- Argentinien: Details zu den neuen Banknoten 2024
Die argentinische Zentralbank Banco Central de la República Argentina (BCRA) hat Mitte Januar 2024 neue Informationen und Details zu den Banknoten veröffentlicht, die im Juni 2024 in Umlauf kommen sollen. Die Nennwerte werden 10.000 Pesos (derzeit ca. 11 Euro) und 20.000 Pesos (derzeit ca. 22 Euro) betragen und nicht, wie noch vor einigen Wochen angekündigt, 20.000 und 50.000 Pesos (derzeit ca. 55 Euro). Offensichtlich konnte die BCRA nachweisen, dass ein nominaler Sprung von 2.000 auf 20.000 Pesos für den Umgang mit Bargeld im Alltag zu groß ist. Um Kosten zu sparen und die Produktionszeit zu verkürzen, hat der Vorstand der BCRA beschlossen, das bestehende Design der aktuellen Banknotenfamilie "Heldinnen und Helden des Vaterlandes" zu verwenden. Details zum Design der neuen Nennwerte Auf der Vorderseite der neuen 10.000-Pesos-Banknote sind die Porträts von Manuel Belgrano und María Remedios del Valle abgebildet. Das Porträt von Belgrano basiert auf einem Gemälde, das dem französischen Künstler François Casimir Carbonnier zugeschrieben wird. Belgrano war Wirtschaftswissenschaftler, Anwalt, Journalist, Politiker und General. Er wird in Argentinien als einer der Gründerväter des Landes verehrt. Das Porträt von María Remedios del Valle basiert auf dem Gemälde "La Capitana" der argentinischen Künstlerin Gisela Banzer. María Remedios wurde 1766 im damaligen Vizekönigreich Río de la Plata geboren und war afrikanischer Abstammung. Sie wurde von General Manuel Belgrano persönlich zum Hauptmann seiner Armee ernannt, um ihren Mut und ihre Tapferkeit auf dem Schlachtfeld während der Unabhängigkeitskriege zu würdigen. Das Hauptmotiv auf der Rückseite ist eine künstlerische Nachbildung der Szene des ersten Hissens der von Belgrano entworfenen argentinischen Flagge am 27. Februar 1812. Die neue 10.000-Pesos-Banknote wird offensichtlich große Ähnlichkeit mit der 500-Pesos-Note der nur teilweise realisierten Banknotenserie haben, die hier im Blog am 25. Mai 2022 vorgestellt wurde. https://www.geldscheine-online.com/post/argentinien-neue-banknotenfamilie-vorgestellt Auf der Vorderseite der neuen 20.000-Pesos-Banknote ist das Porträt von Juan Bautista Alberdi abgebildet, der die argentinische Verfassung von 1853 inspiriert hat. Alberdi ist eine der historischen Persönlichkeiten, die der derzeitige argentinische Präsident Javier Milei am meisten bewundert. Das Porträt von Alberdi war bereits auf einer früheren Banknote der BCRA zu sehen, nämlich auf der "5000 Pesos argentinos"-Note von 1984. Es war auch auf den Notanleihen, den ''Letras de Cancelación de Obligaciones Provinciales'', abgebildet, die die Regierung 2001 und 2002 nach dem Zusammenbruch der Konvertibilität des argentinischen Peso ausgab. Das zentrale Bild auf der Rückseite ist eine Nachbildung des Geburtshauses des Juristen, Diplomaten, Ökonomen, Schriftstellers, Philosophen, Journalisten und Politikers. Die neuen Banknoten werden das Format der im Umlauf befindlichen Banknoten (155 x 65 mm) beibehalten, auf Baumwollpapier gedruckt und mit den traditionellen Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen und Sicherheitsfaden versehen. Zusätzlich werden weitere Sicherheitsmerkmale eingeführt. Eine maschinelle Erkennung der Banknoten wird möglich sein. Außerdem wurde bekannt, dass die argentinische Regierung plant, folgende Peso-Banknoten bzw. Stückelungen aus dem Verkehr zu ziehen: 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Pesos. Lediglich die bisherigen Banknoten zu 1000 und 2000 Pesos könnten im Umlauf bleiben, wenn die beiden neuen Nennwerte in Umlauf sind. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Ralf Faust Quellen: https://www.baenegocios.com/sociedad/Nuevos-billetes-de-10.000-y-20.000-que-billetes-dejaran-de-circular-20240214-0044.html https://www.infobae.com/economia/2024/01/12/como-son-los-billetes-de-10000-y-20000-que-prepara-la-casa-de-la-moneda/
- Argentinien: BOCADE – Ersatzgeld für die Provinz La Rioja
Mitte Januar 2024 hat das Parlament der im Nordwesten des Landes gelegenen argentinischen Provinz La Rioja (flächenmäßig etwas größer als Bayern; Einwohner ca. 385.000) auf Initiative des Gouverneurs der Provinz, Ricardo Quintela, die Einführung sogenannter "Bonos de Cancelación de Deuda" (dt. "Schuldentilgungsanleihen" oder besser "Schuldscheine") beschlossen. 32 Abgeordnete des 36-köpfigen Provinzparlaments stimmten dafür. Die Anleihe sollte 45 Tage nach dem Parlamentsbeschluss in Umlauf gebracht werden. Das wäre Anfang März 2024 gewesen. Es ist das erste Mal seit 2001/02, dass in Argentinien wieder Notanleihen/''Quasi-Geld''/Schuldscheine in Umlauf gebracht werden. Damals waren es die ''Letras de Cancelación de Obligaciones Provinciales'', die wegen des damaligen Zusammenbruchs der Konvertibilität des argentinischen Peso ausgegeben wurden. Das Volumen dieser Anleihen mit der spanischen Abkürzung "BOCADE" beträgt 15 Milliarden argentinische Pesos (derzeit ca. 16,53 Millionen Euro). Diese Anleihe wird in Stückelungen zu 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 50.000 Pesos ausgegeben. Im Internet zirkuliert auch schon ein Bild dieser ''Quasi Geldscheine.'' Auf der Vorderseite ist Ángel Vicente “Chacho” Peñaloza, ein ''Caudillo'' und lokaler Kriegsheld der Provinz aus dem 19. Jahrhundert, zu sehen. Daher werden diese ''Quasi-Geldscheine'' in der Provinz nun auch "El Chacho" genannt. Wer die Scheine gedruckt hat, und falls ja, welche Sicherheitsmerkmale sie besitzen, ist gegenwärtig nicht bekannt. Alle fünf Wertstufen haben offenbar die gleiche Größe, wie man es auch bei den argentinischen Banknoten kennt. Die Provinzregierung hat nun, durch die vom Parlament beschlossene Verordnung, den Auftrag bei den lokalen Banken für die Annahme und Akzeptanz dieser Quasi-Geldscheine zu sorgen. Außerdem sind die Gemeinden der Provinz, die staatlichen Betriebe und Unternehmen, sowie die ''dezentralisierten, autonomen Einheiten'' der Provinz verpflichtet, die BOCADEs als vollständige oder teilweise Bezahlung zu akzeptieren. Es ist geplant, dass die Bediensteten der Provinz 30% ihrers Gehaltes in Form der BOCADEs erhalten sollen und die restlichen 70% in argentinischen Pesos. Der Präsident der Provinz gibt die Schuld für die Einführung der BOCADE dem neuen Präsidenten Argentiniens und seiner radikalen Wirtschaftspolitik, die zu schweren Verwerfungen führt. Laut dem Gouverneur sei wegen der ''Grausamkeit,'' mit der die Reformen durchgeführt werden, die Provinz La Rioja gezwungen die BOCADE einzuführen, um die staatlichen Bediensteten weiterhin bezahlen zu können. Argentinische Medien gehen davon aus, dass demnächst weitere Provinzen dem Beispiel La Riojas folgen werden (müssen) und eigenes Ersatzgeld' einführen. Ralf Faust Quellen (u.a.): https://www.investiraucameroun.com/gestion-publique/0801-20163-monnaie-la-beac-lance-le-processus-de-retrait-progressif-de-la-circulation-des-billets-de-banque-de-la-gamme-2002 https://www.lementoreco.com/2024/01/14/beac-retrait-progressif-des-billets-de-la-gamme-2002/
- Leserpost: 100.000-Dollars-Schein von 1934
Guten Tag, ich wollte mehr Informationen zu den 100.000-Dollars-Scheinen und ob die aus dem Jahr 1934 einen Wert haben? Gerne schicke ich Ihnen par Fotos im Anhang. Vali, Schweiz Antwort der Redaktion Vielen Dank für die Abbildungen. Natürlich haben auch historische Geldscheine einen Wert, und zwar einen Sammlerwert, wenn sie denn echt sind. Der Wert richtet sich nach Ausgabe, Ausführung, Erhaltung und Seltenheit. Hinzu kommt, dass man nicht wenige alte Banknoten auch heute noch einlösen kann, wie zum Beispiel Dollar-Noten der USA oder auch DM-Banknoten der Deutschen Bundesbank. Das „Zertifikat“ der Firma Swissben, die mir nicht bekannt ist, sagt nichts Konkretes aus. Weder wird bestimmt, um was für einen Geldschein es sich handelt (hierzu gehört zumindest auch ein Katalogzitat), noch wird unmissverständlich etwas zur Echtheit oder Erhaltung gesagt. Die Abbildungen sind leider sehr schlecht, aber ich habe aufgrund der UV-Aktivität sofort ausgeschlossen, dass es sich um eine authentische Banknote aus dieser Zeit handeln kann. Betrachtet man den Schein nun etwas genauer, dann fällt neben den UV-Merkmalen auch auf, dass der Typ der Kontrollnummer von Original-Dollar-Noten abweicht. Der 100.000-Dollars-Schein von 1934 wurde nie ausgegeben, er diente lediglich zur Verrechnung innerhalb des Federal Reserve Systems in den USA. In privater Hand kann sich deshalb kein einziger dieser Scheine befinden, weil die Zentralbank die vollständige Kontrolle über alle existierenden Scheine hat. Nicht einmal im Standard Catalog of World Paper Money konnte ein Exemplar abgebildet werden. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass es viele moderne Nachahmungen gibt, die zum Teil mit viel Aufwand hergestellt wurden. Man könnte den Schein natürlich von einem professionellen Grading-Service zertifizieren lassen. Hierfür fallen jedoch hohe Kosten an, weil sich diese auch nach einem möglichen Marktwert des Scheins richten, der in diesem Fall sicher mehrfach höher läge als der Nennwert. Diese Kosten wären auch dann zu bezahlen, wenn eindeutig festgestellt wird, dass der Schein falsch ist, wovon man in Anbetracht der Fakten auf jeden Fall ausgehen muss. Hans-Ludwig Grabowski
- Vohwinkel 1923: "Goethe-Notgeld"
In der Inflationszeit der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ließ die Stadt Vohwinkel* eigene Notgeld-Scheine in Mark-Wärung drucken. Insbesondere bei den größeren Nennbeträgen zeigten die damaligen Stadtväter schwarzen Humor. Überregional bekannt wurden die Vohwinkler Goethe-Notgeldscheine. Sie verweisen auf eine generelle Eigenschaft des deutschen Notgelds der frühen 1920er-Jahre. Es war nicht nur als Zahlungsmittel und Sammelobjekt von Bedeutung, sondern auch und nicht zuletzt als Massenmedium des zeitkritischen Kommentars. Die bunten, grafisch oft aufwändig gestalteten Motive erinnerten mit ihren schönen Landschaften, den Baudenkmälern, den historischen Ereignissen und den bedeutenden Größen der Vergangenheit an bessere Zeiten, die sich kontrastreich von den wenig erbaulichen Umständen der Jahre zwischen 1918 und 1923 abhoben. Kamen dann noch – wie im Fall des Goethe-Notgelds – gezielt ausgewählte und gut platzierte Zitate aus Klassikern der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte hinzu, war das zeitkritisch-satirische Gesamtpaket komplett. Neben dem 5-Billionen-Schein gab Vohwinkel zwischen September und November 1923 Inflationsnotgeldscheine heraus, die sich trotz unterschiedlicher Nennwerte, Bildmotive und Texte in wichtigen Strukturelementen ähnelten. Alle verwendeten Zitate aus Goethes Werken - einmal aus den „Xenien“, sonst aus „Faust I“ oder „Faust II“ - in Verbindung mit einprägsamen Illustrationen, um satirische Zeitkritik zu üben. Vohwinkel, Notgeld 50 Millionen Mark vom 20. September 1923 So trat auf dem auf deb 20. September 1923 datierten Schein zu 50 Millionen Mark eine Hexe aus „Faust I“ auf und zitiert das mit Zahlen spielende "Hexen-Einmaleins. Stadt Vohwinkel, Notgeldschein über 50 Millionen Mark, ausgegeben in Vohwinkel am 20. September 1923, Vorderseite sowie Rückseite mit dem Hexen-Einmaleins. Vohwinkel, Notgeld 50 Milliarden Mark vom 30. Oktober 1923 Auf dem Ende Oktober 1923 ausgegebenen Schein im Nennwert von 50 Milliarden Mark war hingegen die Figur des Schatzmeisters abgebildet, der im ersten Akt von „Faust II“ auftritt. Seine Klage über die verlorenen Rechte, die Parteien, auf die kein Verlass ist, und die Unmöglichkeit an Gold oder Geld zu gelangen, waren für die Zeitgenossen unschwer als Anspielungen auf die Zustände im Deutschland der frühen 1920er-Jahre zu verstehen. Der Notgeldschein zeigt den folgenden Text aus Goethes Faust II. Teil, „Der Schatzmeister des Reiches spricht:“ Wir haben soviel Rechte hingegeben, dass uns auf nichts ein Recht mehr übrig bleibt. Auch auf Parteien, wie sie heißen, ist heut zu Tage kein Verlass. Wer jetzt will seinem Nachbarn helfen? Ein jeder hat für sich zu tun. Die Goldespforten sind verrammelt; ein jeder kratzt und scharrt und sammelt, und unsere Kassen bleiben leer. Stadt Vohwinkel, Notgeldschein über 50 Milliarden Mark vom 30. Oktober 1923, Vorder- und Rückseite mit dem Schatzmeister des Reiches. Die Umrandung auf der Rückseite des Scheins zeigt die Preise am 30. Oktober 1923 in Mark: ein Liter Wasser 2,2 Millionen, ein Pfund Salz 800 Millionen, ein Ei 2 Milliarden, ein Liter Milch 4 Milliarden, ein Pfund Kartoffeln 850 Millionen, ein Hering 900 Millionen, ein Pfund Brot 4 Milliarden, ein Pfund Schweineschmalz 15 Milliarden, ein Paar Schuhsohlen 35 Milliarden und ein Sarg 450 Milliarden. Vohwinkel, Notgeld 5 Billionen Mark vom 20. September 1923 Die 5-Billionen-Scheine aus Vohwinkel fallen durch ihre ungewöhnliche Gestaltung auf. Zu sehen ist eine Karte der USA zusammen mit Abbildungen von Dollar-Goldmünzen und einem Zitat aus Goethes „Xenien“. Die Kombination dieser drei Elemente ergibt einen satirischen Kommentar zum Zustand der deutschen Währung auf dem Höhepunkt der Inflation. Goethes Ausspruch, „Amerika, du hast es besser“, wird hier auf den wertstabilen und goldgedeckten US-Dollar bezogen, während die umlaufend auf dem Rand des Geldscheins abgedruckten Mark-Preise für Alltagsgüter vom deutschen Währungschaos im Jahre 1923 künden. So kostete auf dem Höhepunkt der Inflation am 30. November 1923: ein Liter Wasser: 250 Millionen Mark (Preis Juli 1914: 2 Pfennige), ein Pfund Salz: 100 Milliarden Mark (Preis Juli 1914: 10 Pfennige), ein Pfund Zucker sogar 650 Milliarden Mark (Preis Juli 1914: 22 Pfennige), ein Liter Milch: 560 Milliarden Mark (Preis Juli 1914: 20 Pfennige), ein Pfund Kartoffeln: 85 Milliarden Mark (Preis Juli 1914: 3 Pfennige), ein einziger Hering 130 Milliarden Mark (Preis Juli 1914: 10 Pfennige), ein Pfund Brot 400 Milliarden Mark (Preis Juli 1914: 15 Pfennige), ein Pfund Schweineschmalz: 2,6 Billionen Mark (Preis Juli 1914: 60 Pfennige), ein Ei: 700 Milliarden Mark (Preis Juli 1914: 8 Pfennige), ein Herrenanzug: 200 Billionen Mark (Preis Juli 1914: 75 Mark), ein Paar Schuhsohlen: 10 Billionen Mark (Preis Juli 1914: 3,50 Mark) und ein Sarg: 90 Billionen Mark (Preis Juli 1914: 80 Mark). Stadt Vohwinkel, Notgeldschein über 5 Billionen Mark vom 30. November 1923, Vorder- und Rückseite. Der Vergleich mit den ebenfalls abgedruckten Preisen aus dem Jahr 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs vermittelt dabei einen Eindruck vom Ausmaß des Geldwertverfalls. Die Inflation hatte aber nicht nur die Preise für Güter des alltäglichen Bedarfs in schier aberwitzige Höhen getrieben, sondern darüber hinaus auch Sparguthaben entwertet. Dies hatte – neben den inneren Wirren der frühen 1920er-Jahre – wesentlich dazu beigetragen, das Vertrauen weiter Kreise der Bevölkerung in die junge deutsche Demokratie der "Weimarer Republik" zu erschüttern. Hans-Georg Glasemann Anmerkungen Dank an Norbert Sdunzik und Das Historische Vohwinkel (7/2023) * Der Stadtbezirk Vohwinkel ist heute nach Elberfeld und Barmen der drittgrößte Stadtteil Wuppertals in Nordrhein-Westfalen und war bis 1929 eine selbständige Stadt.
- Nachbericht Gut-Lynt Auktion 15 und 16 vom 6. und 7. April 2024
Mit ein wenig Stolz blickt das Online-Auktionshaus Münzen Gut-Lynt auf das Ergebnis der Versteigerung des ersten Teils der numismatischen Bibliothek des Händlers Bernt Ahlström zurück. Erst nach 12 Stunden wurde das letzte der 1000 Literaturlose zugschlagen. Das Resultat mit einer Zuschlagsquote von 92% des angebotenen Materials und einem Gesamtergebnis von über 100.000 € ist aussergewöhnlich. Wieder einmal zeigte sich, dass auch in der heutigen digitalen Welt auf die gedruckten Standardwerke nicht verzichtet werden kann. Besonders gefragt waren neben den prachtvollen Ausgaben zur antiken Numismatik und den Medaillen die Monographien zu Spezialthemen, die oft in einer kleinen Auflage gedruckt wurden. Diese Werke findet man nur in einer Bibliothek, die über Jahrzehnte zusammengetragen wurde, und genau das macht die numismatische Bibliothek Bernt Ahlström so besonders. Im späten Herbst folgt der zweite Teil, dann mit vielen seltenen Auktionskatalogen und weiteren Monographien. Los 1090, Haeberlin, E. J., Aes grave, Zuschlag 3.000 Euro. Los 1720-1723, Habich, G., Die deutschen Schaumünzen des XVI. Jahrhunderts, Zuschlag 4.875 Euro. Die Münzen und Medaillen der Gut-Lynt Onlineauktion 15 hatte verschieden Abteilungen und Schwerpunkte. Nach einer grossen Abteilung antiker Münzen muss die Sammlung Böhmischer und Mährischer Denare aus der Zeit von Wratislaus II (1054-1092) bis zu den Brakteatenprägungen des 13. Jahrhunderts natürlich hervorgehoben werden. Seit der auf diesem Gebiet einzigartigen Hohenkubin-Sammlung, versteigert in der Auktion XIII der Firma Lanz in Graz aus dem Jahr 1979, ist keine so bedeutende Sammlung mehr auf dem Markt angeboten worden. Die besonderen Ergebnisse zeigen dann auch die Bedeutung dieser Serie. Ebenso erzielten die Rechenpfennige aus Böhmen teilweise hohe Zuschlagspreise. Aussergewöhnliche Resultate gab es auch in den Gebieten «Medaillensammlung Grossbritannien» und «Sammlung von Teilnehmermedaillen der olympischen Sommer- und Winterspiele ab 1896». Das grosse Spektrum an Numismatik, das den Sammlern und Händlern ein jedes Mal bei den Gut-Lynt Versteigerungen präsentiert, macht jetzt schon Lust auf die kommende Versteigerung Ende Juni, dann wieder mit einer Spezialauktion Banknoten. Der nächste Online-Katalog Münzen Gut-Lynt 17 wird ab Juni auf der Auktionsplattform www.auktionen.gut-lynt.de zur Verfügung stehen. Bei Fragen rund um die Münzen Gut-Lynt Auktionen nutzen Sie die Mailanschrift (info@gut-lynt.de) oder rufen an (+49) 2156 4874819. Alexander Udwari
- Geldscheinporträts: Camilla Collett – Pionierin feministischer Literatur
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Abbildung 1: Johan Gørbitz (1782–1853): „Porträt von Camilla Collett, geborene Wergeland“, 1839, Öl auf Leinwand, Oslo Museum. Camilla Colletts Geburt fiel in der Zeit, als die 400-jährige Herrschaft Dänemarks über Norwegen endete. Während ihres Lebens konnte sie tiefgreifende Veränderungen der Politik, Kultur und neuen Gesellschaft Norwegens beobachten. Sie wurde in eine einflussreiche Familie geboren. Ihr Vater Nicolai Wergeland war Mitunterzeichner der norwegischen Verfassung von 1814 und ihr Bruder Henrik Wergeland galt als Norwegens größter Dichter der Romantik. Früh wurde Camilla Collett mit aufklärerischen Ideen vertraut gemacht, besonders mit den Werken von Jean Jacques Rousseau. Mit 17 Jahren verliebte sie sich in den Lyriker und Literaturkritiker J. S. Welhaven, einen bitteren Feind ihres Bruders und ihres Vaters. Die Auseinandersetzung zwischen Welhaven und den Wergelands wurde unter anderem polemisch in Versform ausgetragen und ging als „Stumpefeiden“ in die norwegische Literaturgeschichte ein. Welhaven kritisierte vor allem die ästhetische Rohheit und die nationalistische Gesinnung Henrik Wergelands. Die Liebe der jungen Camilla Collett erwiderte er nicht, wohl auch deshalb, weil „keine Herzensangelegenheit Vorrang vor dem Einsatz für die Sache haben kann“, wie er sagte. 1841 heiratete Camilla den liberalen Politiker Peter Jonas Collett, der ihre schriftstellerischen Bestrebungen unterstützte. Bereits in jungen Jahren wurde Camilla Collett mit den großen Städten Europas vertraut gemacht. Auf Initiative ihres Vaters unternahm sie mit Anfang zwanzig eine größere Reise durch Europa, die sie nachhaltig prägte. Während der Reise machte sie wichtige Bekanntschaften, beispielsweise mit der Schriftstellerin Therese von Bacheracht (1804-1852). Für Camilla Collett war das Leben in der Stadt von zentraler Bedeutung. Sie war der Meinung, dass sich in der Stadt der kulturelle Fortschritt zeigt und am dortigen öffentlichen Leben das Grad an Zivilisiertheit eines Landes sichtbar wird. Besonderes Augenmerk legte sie bei ihren Beobachtungen darauf, wie frei und ungestört sich Frauen durch Parks, Straßen und Plätze bewegen konnten. Norges Bank, 1979, 100 Norwegische Kronen, Serie VI, ausgegeben von 1979–1997. Vorderseite: Porträt von Camilla Collett. Rückseite: Rosette mit einer silbernen Schnalle aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Ihren Platz im literarischen Kanon Norwegens fand Collett durch den (1855 anonym veröffentlichten) Roman „Die Töchter des Amtmanns (Amtmandens Døtre). Er stellte den ersten feministischen Roman Norwegens dar. Im Stile des poetischen Realismus richtet sie sich gegen die Zwangsehe und gesellschaftliche Konventionen, die Frauen in die Passivität und Selbstverleugnung drängen. Camilla Collett nahm die späteren Debatten der Frauenbewegungen und des „Modernen Durchbruchs“ der 1870er und 1880er Jahre vorweg. Sie gilt damit als Vorreiterin der Frauenemanzipation. In den 1860-1870er Jahren unternahm Collett erneut mehrere längere Reisen in die europäischen Metropolen Berlin, Paris, Rom und London. Ihre Eindrücke und Erfahrungen verarbeitete sie innovativ in literarischen Reiseberichten und Romanen, die sie zur Veröffentlichung in norwegischen Magazinen in ihre Heimat sendete. Sie beschrieb darin in lockerem Tonfall das moderne Großstadtleben und kritisierte das verschlossene, ins Private zurückgezogene Leben in den Städten Norwegens. In ihren letzten Lebensjahren stieg ihre Bekanntheit deutlich, nicht zuletzt, weil sich die aufkommende Frauenrechtsbewegung und Schriftsteller wie Henrik Ibsen positiv auf sie bezogen. 1895 starb Camilla Collett in Kristiania (heute Oslo). Elias Heindl Literatur/Quellen: Katherine Hanson (1991): Camilla Collett. In: An Encyclopedia of Continental Women Writers, hrsgg. von Katharina M. Wilson, 1991, Garland Publishing, New York Charlotte Svendstrup-Lund (2016): Camilla Collett. In: Kindler Kompakt Skandinavische Literatur 19. Jahrhundert, hrsgg. von Karin Hoff und Lutz Rühling, 2016, J. B. Metzler Verlag Janke Klok (2010): Revolutionary Voices: Nordic Women Writers and the Development of Female Urban Prose 1860–1900, Feminist Review 96, 1, S. 77-88 Regine Elsässer (1994): Camilla Collett. In: FemBio Frauen.Biographieforschung, aufgerufen über https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/camilla-collett/, zuletzt am 13.04.2024
- Leserpost: 20 Milliarden Mark ohne Kontrollnummer
Hallo Herr Grabowski, wieder was erbeutet: 22. Auflage GRABOWSKI, DEU-137 e) – 20 Mrd. Mark 1.10.1923 ohne KN! Das Firmenzeichen ist HO und das ist auch im Katalog aufgeführt, ferner schreiben Sie zu e): Kn. 6-stellig rot! Mit freundlichen Sammlergrüßen M. Brehme Anmerkung der Redaktion Da haben Sie wohl ein sog. unfertiges Stück. Das heißt, der Schein ist zwar fertig gedruckt, aber noch nicht nummeriert. Ohne die Nummerierung ist er eigentlich nicht umlauffähig weil nicht gültig. In Zeiten der Inflation und Hochinflation fiel das aber oft nicht auf. Der Schein ist sehr wohl umgelaufen, wie man an den deutlichen Gebrauchsspuren sieht. Was ist also passiert? Hat man einfach vergessen, den Schein zu nummerieren? Nun ist es leider so, dass über die fertig nummerierten und damit umlauffähigen Scheine akribisch Buch geführt wurde. Da wäre es natürlich aufgefallen, wenn Scheine gestohlen worden wären. Weil in der Inflation auch viele private Druckereien an der Herstellung von Reichsbanknoten beteiligt waren, konnte es schon mal vorkommen, dass ganze Bogen von Banknoten ohne Nummerierung (Makulatur) in der Druckerei (hier HO = Gebr. Hoesch in Hamburg) entwendet und die Scheine ausgeschnitten und dann ohne Nummer in Verkehr gebracht wurden. Das ist selten aufgefallen. Um so ein Stück dürfte es sich hier handeln. Ich wünsche noch viel Spaß beim Hobby. Hans-Ludwig Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: 5 Francs der Société Générale de Belqique von 1917
Die vor den deutschen Truppen nach Frankreich und später nach England geflohene belgische Regierung hatte u.a. auch die Druckplatten für die Noten der Banque Nationale de Belgique mitgenommen. Von der deutschen Besatzung wurde deshalb der Nationalbank am 22. Dezember 1914 das Notenrecht entzogen und vom 24. Dezember 1914 bis zum 11. November 1918 – dem Tag der Unterzeichnung des Waffenstillstands – war die Société Générale de Belgique zur Notenausgabe autorisiert. Mit dem Umtausch in reguläre Banknoten der Banque Nationale im Verhältnis 1:1 sollte spätestens drei Monate nach Friedensschluss begonnen werden. Neben den Scheinen der Société Générale wurden während der deutschen Besatzung aber auch weiterhin Noten der Banque Nationale ausgegeben (Antwerpener Ausgabe). Am 1. November 1918 nahm die belgische Nationalbank ihre alte Funktion als Notenbank wieder auf, während die Noten der Société Générale de Belgique weiter neben belgischen Nationalbanknoten und deutschem Geld umliefen. Alle Noten tragen das Datum des Drucktages (26. Dezember 1914 bis 29. Oktober 1918). Die Vorderseiten sind jeweils in französischer und die Rückseiten in niederländischer Sprache ausgeführt. Objekttyp: Staatspapiergeld, Besatzungsausgabe Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Authentizität: Original Land/Region/Ort: Königreich Belgien unter deutscher Besatzung Emittent: Société Générale de Belqique (Belgische Generalgesellschaft) Nominal: 5 Francs / Frank Datierung: 12. Juli 1917 Vorderseite: Porträt der Königin Marie-Louise Rückseite: Wertangabe in Ornamenten Material: Papier mit Wasserzeichen Wellenlinien Format: 125 mm x 80 mm Nummerierung: V 085970 Auflage: 17.862.000 Stück Gültigkeit: Umlauf bis 1919 Zitate: EWK-3 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) Ro/Gra 435 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) SCWPM 88 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues: Belgium) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Zum Verlags-Shop
- Sammlungsverkauf und Einkommenssteuer
Hinweis: Der nachfolgende Beitrag enthält allgemeine Darstellungen zu Fragen des Einkommenssteuerrechts. Er stellt die persönliche Meinung des Autors dar und ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Der Autor kann keine steuerrechtliche Beratung im Einzelfall erteilen. Für viele Sammler kommt irgendwann der Zeitpunkt, sich von ihrer über viele Jahre zusammengetragenen Sammlung (oder Teilen davon) zu trennen. Häufig stellt sich dann die Frage: Muss ich den Verkaufserlös versteuern? Oder einen Gewinn, weil die Erlöse aus dem Verkauf der Sammlungsstücke die seinerzeitigen Einkaufspreise übersteigen? Praktisch gesprochen – muss ich evtl. eine Einkommensteuererklärung abgeben, und was muss ich darin angeben? Abb. erstellt mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Gleich vorweg – im Ergebnis nichts, wenn man es richtig macht. Der Gewinn aus dem Verkauf einer über Jahre zusammengetragenen privaten Sammlung ist nicht einkommensteuerpflichtig. So hat es der Bundesfinanzhof (die höchste deutsche Gerichtsinstanz auf dem Gebiet des Steuer- und Zollrechts) in einer Entscheidung aus dem Jahr 2020[1] deutlich gesagt. Die Verwertung einer Sammlung ist danach „der letzte Schritt einer Vermögensverwaltung“ und keine Händlertätigkeit, bei der Gewinne grundsätzlich einkommenssteuerpflichtig sind. Es fehlt bei einem Sammlungsverkauf die für einen Händler typische Gewinnerzielungsabsicht, da Sammlungsstücke nicht gezielt mit dem Vorsatz, sie mit Gewinn wieder zu verkaufen (Wiederverkaufsabsicht), erworben werden. Ein Hinweis: Eine „über Jahre zusammengetragenen Sammlung“ bedeutet, dass das letzte Stück der Sammlung wenigstens ein Jahr in dieser gewesen sein muss. Einkünfte aus dem Verkauf von Sammlungsstücken, die weniger als ein Jahr in der Sammlung gehalten wurden, sind einkommensteuerpflichtig, wenn sie oberhalb (geringer) Freigrenzen[2] liegen. Sammler werden sich überlegen müssen, wie sie die Sammlung verwerten möchten. Ein Verkauf der Sammlung als Ganzes oder in Teilen an einen anderen Sammler oder an einen Händler kann in Betracht kommen, oder die Einlieferung bei einem Auktionshaus. Oder aber man nimmt die Sache selbst in die Hand und stellt die Sammlungsstücke zum Verkauf auf Online-Auktionsplattformen wie ebay oder Delcampe ein. Auf die Frage der Steuerpflichtigkeit der Veräußerung einer Sammlung selbst hat der Verwertungsweg keinen Einfluss. Aber: Wer bei der Verwertung seiner Sammlung so vorgehen will, dass die Sammlungsstücke auf Online-Auktionsplattformen - in mehreren Losen und vielleicht über einen längeren Zeitraum hinweg - verkauft werden sollen, muss sich vorab einige Überlegungen machen und Unterlagen zusammenstellen, weil bei dieser Art des Verkaufs eine Rückfrage des Finanzamts in Zukunft wahrscheinlicher werden kann, ob man als Händler tätig wird. Das gilt umso mehr für denjenigen, der auf diesen Verkaufsplattformen bereits regelmäßig als Verkäufer aktiv ist, oder dort sogar gewerblich handelt. Zwar ist ein Verkauf der Sammlung über diesen Weg steuerrechtlich im Ergebnis nicht anders zu bewerten als eine Einlieferung in eine Auktion oder der Verkauf an einen Händler. Er kann aber gerade dann, wenn man ansonsten auch auf diesen Plattformen verkauft, im Ergebnis zu einer Versteuerung der Erlöse führen, wenn gegenüber dem Finanzamt der Nachweis nicht gelingt, dass eine Sammlung verkauft und keine Händlertätigkeit betrieben wird. In der erwähnten Entscheidung des Bundesfinanzhofes aus dem Jahr 2020 hatte ein Sammler seine über Jahre zusammengetragene Modellbahnsammlung über einen längeren Zeitraum hinweg in einzelnen Artikeln auf ebay veräußert. Was die Sache kompliziert machte: Der Sammler war schon seit längerer Zeit auf ebay aktiv und betrieb dort gewerblich einen ebay-Shop, in dem er ebenfalls Modellbahnartikel verkaufte. Wie konnte nun der private Teil der Sammlungsverwertung von den übrigen gewerblichen Verkaufsaktivitäten auf derselben Plattform abgegrenzt werden? Im Zusammenhang mit dieser Frage hat der Bundesfinanzhof einen Hinweis gegeben, der auch für die private Sammlungsverwertung wichtig ist: Allein der Verkauf von Sammlungsgegenständen auf einer Plattform wie ebay oder Delcampe über einen längeren Zeitraum hinweg indiziert noch nicht, dass ein solcher Verkauf gewerblich erfolgt und damit eine Händlertätigkeit vorliegt. Das ist für denjenigen, der seine Sammlung verkaufen will, von großer Bedeutung: Ein Verkauf über diese Plattformen führt nicht per se zu einer Steuerpflicht. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn ein Verkauf über diese Plattformen über längere Zeiträume hinweg legt dem äußeren Bild nach eine Händlertätigkeit zumindest nahe. So wird vermutlich auch das Finanzamt argumentieren, dass auf die Verkäufe aufmerksam gemacht worden ist, und den Verkäufer zu weiteren Erklärungen auffordern. Und das kann in Zukunft häufiger vorkommen: Auktionsplattformen wie ebay und Delcampe melden ab 2024 Verkäufer mit Umsatzzahlen oder verkauften Artikeln oberhalb bestimmter Schwellenwerte[3] an die Finanzbehörden. Wie die Finanzämter mit diesen Meldungen umgehen, wird sich zeigen. Es liegt jedoch nahe, dass sie bei größeren Umsätzen und einer Vielzahl verkaufter Artikel den Verkäufer anschreiben und um Auskunft bitten werden. Es ist anzunehmen, dass die Finanzämter im Zweifelsfall argumentieren werden, dass ein Verkauf über ebay über längere Zeit hinweg oberhalb bestimmter Schwellenwerte nahelegt, bei dem Verkäufer handele es sich um einen gewerblich tätigen Händler. Praktisch heißt das: Gewinne aus der Händlertätigkeit sind einkommensteuerpflichtig und in der Einkommenssteuererklärung anzugeben. Macht der Sammler zur Höhe der Gewinne keine Angaben, wird das Finanzamt diese auf Basis der Umsätze schätzen. Auch steht das Risiko eines Steuerstrafverfahrens im Raum, wenn solche Gewinne gegenüber dem Finanzamt nicht angegeben werden. Es ist also wichtig, dem Finanzamt schlüssig darlegen zu können, dass eben ein Verkauf einer über Jahre zusammengetragenen Sammlung vorliegt. Feste Regeln dafür gibt es nicht. Es hilft, sich einmal selbst zu strukturieren und in die Person des Mitarbeitenden im Finanzamt hineinzuversetzen: Was kann insoweit überzeugen? Das zu berücksichtigen ist auch wichtig, sollte keine Einigung mit dem Finanzamt erzielt werden können und der Fall vor dem Finanzgericht landen. Die Finanzgerichte sind nach den Vorgaben des Bundesfinanzhofes gehalten, alle Möglichkeiten und Beweismittel auszuschöpfen, um einen Sachverhalt zu klären. Es gibt also nicht „die“ richtige Unterlage, vielmehr zählt der Gesamteindruck. Gut vorbereitet ist, wer seine Ankäufe dokumentiert hat, idealerweise mit Datum, Preis und wo man das Stück erworben hat. Liegen noch Rechnungen von Auktionshäusern vor, ist man bestens gerüstet. Nicht immer ist das der Fall. Aber, wie gesagt, es gilt den äußeren Eindruck, dass man Händler sei, gegenüber dem Finanzamt auszuräumen. Hier helfen vorhandene Händlerrechnungen und eigene Aufzeichnungen, Bestandslisten, Mitgliedschaften in Sammlervereinen, oder sonstige Unterlagen, mit denen man sein Hobby und den Erwerb von Sammlungsgegenständen veranschaulichen kann. Auch die Verkäufe sollten genau dokumentiert werden[4]. Das alles muss gut zusammengestellt und schlüssig dargelegt werden. Auf "Juristendeutsch" kommt es nicht an. Wichtig ist die Darstellung für den Mitarbeitenden im Finanzamt (der vielleicht oder sogar wahrscheinlich kein Sammler ist) nachvollziehbar und verständlich zu gestalten und belegen zu können. Wer keine Unterlagen vorlegt und auch keine Erklärungen zu dem Erwerb seiner Sammlungsgegenstände abgeben kann, kann gegenüber dem Finanzamt in arge Erklärungsnot geraten. In diesen Fällen mag – nicht wegen einer einkommensteuerrechtlich anderen Bewertung, sondern allein aus praktischen Gründen – die gesamthafte Verwertung der Sammlung etwa über ein Auktionshaus der bessere Weg sein, weil dadurch deutlich wird, dass die Versteigerung tatsächlich der Verwertung einer einmalig eingelieferten Sammlung dient, die im Idealfall mit Schluss der Auktion dann auch abgeschlossen ist. Es gibt viele Spielarten, wie Sammler sich von ihren Sammlungsgegenständen trennen können. Die vorstehenden Ausführungen sollen nur eine grundsätzliche Darstellung geben. Im Zweifelsfall kann das Geld für eine Beratung beim Steuerberater im Vorfeld des Verkaufes gut investiert sein. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen: [1] Urteil vom 17. Juni 2020, Aktenzeichen X R 18/19, abrufbar auf der Webseite des Bundesfinanzhofes unter https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/STRE202010286/ [2] Aktuell EUR 600,- pro Jahr für alle Veräußerungsgeschäfte eines Jahres zusammen. [3] Rechtsgrundlage ist das ab 1. Januar 2024 in Kraft getretene Plattformen-Steuertransparenzgesetz. Eine Meldung für das Jahr 2024 erfolgt, wenn pro Jahr Umsätze von mehr als EUR 2000,- erzielt oder mehr als 30 Artikel verkauft wurden. [4] Ebay etwa löscht die Verkaufsdokumentation nach einiger Zeit. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang J. Mehlhausen: Handbuch Geldscheinsammeln Ein Leitfaden für Geldscheinsammler und solche, die es werden wollen – Tipps, Tricks und Infos vom Fachmann 2. Auflage 2024 ISBN: 978-3-86646-249-6 224 Seiten, durchgehend farbig Preis: 19,90 Euro Bestellung über den Verlags-Shop
- Ein unedierter Gutschein aus Sinzig am Rhein
An dieser Stelle möchte ich einen bislang unbekannten Gutschein aus Sinzig vorstellen. Dieser Schein hat aus meiner Sicht eine interessante Geschichte zu erzählen. Vor etwa 30 Jahren habe ich diesen Gutschein in den USA erworben und seitdem in meiner Sammlung aufbewahrt. Jetzt, bei einer erneuten Sichtung, habe ich ihn „wiederentdeckt“. Dabei stellten sich mir einige Fragen wie: Was war der "Rheinische Hof", wann wurde der Schein ausgegeben und warum? In keinem der bekannten Notgeldkataloge ist dieser Schein aufgeführt. Meine Neugier war geweckt und so begannen meine Nachforschungen. Der Gutschein hat das Format 47 x 40 mm und ist einseitig auf grau-beigem Kartonpapier gedruckt. Datum, KN, Wasserzeichen, Unterschrift oder Stempel fehlen. Der Wert beträgt 20 Pfennig. Als Herausgeber ist der „Rheinische Hof Sinzig“ angegeben. Sinzig ist eine Stadt mit heute rund 17.500 Einwohnern am Mittelrhein im Landkreis Ahrweiler im Bundesland Rheinland-Pfalz. Der Rheinische Hof war ein gut geführtes Hotel mit Restaurant im Stadtzentrum von Sinzig. Die heutige Adresse soll Mühlenbachstraße 44 gewesen sein. Die Straße wurde im Laufe der Zeit mehrfach umbenannt. Das Hotel-Restaurant bestand bereits lange vor dem Ersten Weltkrieg und wurde bis zu seiner Schließung und dem Abriss in den 1960er Jahren mehrfach verkauft und umgebaut. Von 1927 bis Ende 1928 verfügte es sogar über einen eigenen Kinosaal mit 200 Plätzen. Postkarte Hotel Rheinischer Hof aus den 1950er Jahren. Zunächst wurde vermutet, dass der Gutschein als Wechselgeld für den Kinobesuch gedient haben könnte. Im Jahr 1927 war jedoch allgemein genügend Münzgeld vorhanden, so dass die Ausgabe von Gutscheinen überflüssig wurde. Weitere Recherchen ergaben, dass nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Rahmen der alliierten Rheinlandbesetzung US-amerikanische Truppenteile im Kreis Ahrweiler untergebracht waren. In Sinzig hatte Brigadegeneral Douglas MacArthur als Kommandeur der 84th Infantry Brigade sein Hauptquartier aufgeschlagen. MacArthur, der hochdekorierte General beider Weltkriege.[1] Den damals 3.500 Einwohnern von Sinzig standen ca. 2.700 US-amerikanische Militärangehörige gegenüber, die in der Stadt einquartiert waren. Die Soldaten blieben bis zu ihrer Rückkehr in die USA Ende 1919/Anfang 1920 in Sinzig und versorgten u.a. ca. 30-40.000 Pferde und Maultiere, die auf der „Goldenen Meile“ standen. Als „Goldene Meile“ wird allgemein die fruchtbare Rheinebene zwischen Remagen und Bad Breisig bezeichnet. Traurige Berühmtheit erlangte die „Goldene Meile“ nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Kriegsgefangenenlager für bis zu 290.000 deutsche Kriegsgefangene. Die Unterbringung so vieler Militärangehöriger muss die Stadt Sinzig vor zahlreiche Probleme gestellt haben. Zwar wurde in den Jahren 1917 bis 1919 von der Stadt geprägtes Notgeld ausgegeben, aber es ist anzunehmen, dass dies nicht immer ausreichte, um den Bedarf zu decken. Auch die US-Soldaten gingen aus, besuchten Gaststätten und konsumierten. Vermutlich hat der damalige Pächter des Rheinischen Hofes der Kleingeldknappheit durch die Ausgabe von Gutscheinen entgegengewirkt. Immerhin stand auf den Scheinen ein Einlöseversprechen. Es ist denkbar, dass einer der US-amerikanischen Gäste des Restaurants den Gutschein mit in die Heimat nahm und dort aufbewahrte. Seine Erben verkauften ihn dann später. Aus meiner Sicht kann die Ausgabe des Gutscheins daher für das Jahr 1919 angenommen werden. Es handelt sich um das einzige bisher bekannte Exemplar. Weitere gedruckte Gutscheine der Stadt Sinzig oder des Handels und Gewerbes aus der Zeit von 1918 bis 1920 sind nicht bekannt. Thomas van Eck Anmerkungen: Meinen Dank gilt dem Heimatmuseum in Sinzig für die freundliche Unterstützung bei der Recherche. [1] An dieser Stelle sei auf den lesenswerten Vortrag „Herta Heuser und der General - ein Hauch von Weltgeschichte in Sinzig“ verwiesen (www.museum-sinzig.de/2019-02-ein-amerikaner-in-sinzig.html). [2] Vgl. Wikipedia „Goldene Meile“ und „Goldene Meile (Kriegsgefangenenlager)“.
- Lexikon: Kassenscheine
Kassenscheine sind vom Staat ausgegebenes Papiergeld. Viele altdeutschen Staaten bezeichneten so ihr Staatspapiergeld (Beispiele: Reuß ältere Linie, Kurhessen, Sachsen-Altenburg). Es gab auch zahlreiche ähnliche Bezeichnungen wie "Kassen-Anweisungen" (Beispiele: Sachsen-Coburg, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach) oder Kassen-Billets (Beispiele: Sachsen, Schwarzburg-Rudolstadt). Preußen, Haupt-Verwaltung der Staatsschulden: Kassen-Anweisung über 1 Thaler von 1861. In diesem Zusammenhang sei auch auf Darlehnskassenscheine, Reichskassenscheine und Reichskreditkassenscheine hingewiesen. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Grabowski/Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-188-8 Auflage: 1. Auflage 2020 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 344 Preis: 69,00 Euro Zur Leseprobe Zum Shop












