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- Des Kaisers "Piraten"
Die SMS Emden auf Kaperfahrt und die glückliche Heimkehr der Männer der Ayesha Die Stadt Emden in Ostfriesland erinnerte mit einem 50-Pfennig-Schein an den deutschen Kreuzer SMS Emden. Der Geldschein, der das Datum 15. Dezember 1918 trägt, wurde in typischer Manier der Dürener Druckerei Carl Schleicher & Schüll ausgeführt. Er zeigt auf der Vorderseite das Wappen und das Rathaus der Seehafenstadt, das 1574 – 1576 nach Plänen des Antwerpener Stadtbaumeister Laurens van Steenwinckel errichtet wurde. Nach fast völliger Zerstörung durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde es in moderner Form wiederaufgebaut. Auf der Rückseite pflügt die SMS Emden durch die raue See. Bei Ausgabe des Geldscheins lag das Kriegsschiff seiner Majestät bereits mehrere Jahre in der Nähe der Kokos-Inseln auf dem Grund des indischen Ozeans und auch Kaiser Wilhelm II. hatte abgedankt und verbrachte seinen Lebensabend im niederländischen Exil. Emden, Stadt, 15. Dezember 1918, 50 Pfennig, Vorderseite. Emden, Stadt, 15. Dezember 1918, 50 Pfennig, Rückseite. Der Bau des kleinen Kreuzers wurde am 23. Dezember 1905 genehmigt und am 1. November 1906 wurde er auf der Kaiserlichen Werft in Danzig auf kielgelegt. Die Schiffstaufe nahm der Emdener Oberbürgermeister Leo Fürbringer am 26. Mai 1908 vor. Dabei folgte man der Tradition, Schiffe auf Städtenamen zu taufen. Es dauerte nach dem Stapellauf noch ein Jahr, bis die SMS Emden, das zweite Schiff der Dresden-Klasse, am 10. Juli 1909 in dienstgestellt wurde. Die Baukosten des 118,3 m langen und 13,5 m breiten Schiffs mit einem Tiefgang von 5,5 m und einer maximalen Verdrängung von 4.268 Tonnen betrugen 5.960.000 Mark. Die zwei Zweizylinder-Dreifachexpansionsmaschinen sorgten mit ihren 16.350 PS für eine Höchstgeschwindigkeit von 24 Knoten (etwa 44 km/h). Die Reichweite des Schiffs betrug bei optimaler Reisegeschwindigkeit von 12 Knoten 3.760 Seemeilen. Kleiner Kreuzer SMS Emden. Die SMS Emden sorgte in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs für Schlagzeilen in den deutschen und ausländischen Zeitungen. Im Frühjahr 1910 war sie ins Chinesische Meer befohlen worden. Mit „großem Bahnhof“ wurden am 17. September das Schiff und die 361 Besatzungsmitglieder (18 Offiziere und 343 Unteroffiziere und Mannschaften) in Tsingtau im deutschen Pachtgebiet Kiautschou empfangen. Zwei deutsche Kriegsschiffe in der Bucht von Tsingtau vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Abb. Sammlung Reinhard Selzle, München. Die Schiffsbesatzung nutzte für Zahlungen in der Schiffskantine besondere Wertmarken. Das entsprach der damaligen Praxis auf den Schiffen der kaiserlichen Marine. § 15 der „Vorschriften für die Verwaltung der Schiffskantinen“ – enthalten als Anlage 3 in den 1909 vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen „Bestimmungen über den Dienst an Bord“ (DE Nr. 49) – regelte die Ausgabe von Schiffskantinen-Wertmarken.[1] Danach erfolgte der Verkauf von in der Kantine vorrätig gehaltenen Ware im Inland gegen Barzahlung und im Ausland gegen Wertmarken.[2] Von der SMS Emden sind die folgenden Schiffskantinen-Wertmarken bekannt:[3] 5 (Pfennig) o. D., Zink vernickelt, Ø 17,3 mm 10 (Pfennig) o. D., Messing, Ø 19,0 mm 10 (Pfennig) o. D., Kupfer-Nickel, Ø 19,0 mm 20 (Pfennig) o. D., Zink, Ø 22,1 mm 50 (Pfennig) o. D., Messing, Ø 25,1 mm 100 (Pfennig) o. D., Zink vernickelt, Ø 28,8 mm 200 (Pfennig) o. D., Messing, Ø 29,8 mm Kantine SMS Emden, o. D., 10 Pfennig. Kantine SMS Emden, o. D., 20 Pfennig. Kantine SMS Emden, o. D., 50 Pfennig. Fregattenkapitän Karl von Müller (1873–1923). Nur wenige Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließ das Ostasiatische Kreuzergeschwader unter dem Befehl von Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee Tsingtau. Zurück blieb die SMS Emden und veraltete Kanonenboote. Um 19:00 Uhr des 31. Juli 1914 gab Fregattenkapitän Karl von Müller den Befehl „Leinen los“ und die SMS Emden steuerte auf nordöstlichen Kurs die Straße von Korea und die Schifffahrtsrouten Wladiwostok – Nagasaki an. Am 4. August – inzwischen herrscht Krieg – sichteten Matrosen in den Ausgucken die Konturen eines Dampfers, wie sich später herausstellte, handelte es sich um die 3.522 BRT große „Rjasan“. Zwar gehörte das Schiff der Freiwilligen Flotten-Vereinigung, einem zivilen Unternehmen, das jedoch in Kriegszeiten Transportleistungen für die russische Kriegsmarine erbrachte und deshalb entsprechende Vorrichtungen zum Einbau von Geschützen auf dem Oberdeck hatte. Sie wurde die erste Prise, die die SMS Emden einbrachte. Die Fahrt der SMS Emden 1914 (SM CC BY-SA 3.0). Nach kurzem Aufenthalt in Tsingtau gingen Schiff und Besatzung auf Kaperfahrt in den Indischen Ozean. Die Bilanz: Zwischen dem 1. August und 9. November 1914 versenkte sie fünfzehn Handelsschiffe und zwei Kriegsschiffe (66.023 BRT sowie 3.461 ts), zerstörte am 23. September die Öltanks der Burmah Oil Company im Hafen von Madras. Auch wenn der Angriff auf Madras nur geringe Schäden anrichtete, war er eine Sensation, deren psychologische Wirkung nicht zu unterschätzen ist. Ein weiteres Husarenstück war der Angriff am 28. Oktober 1914 auf den russischen Kreuzer „Jemtschug“, der im Hafen von Penang vor Anker lag. Um 05:28 Uhr schlug ein Torpedo vor der Brücke ein und entzündete die Munitionskammern. Von den 350 russischen Besatzungsmitgliedern wurden 91 getötet und 108 verwundet. Der kleine Kreuzer "Emden" beschießt am 23. September 1914 Öltanks im indischen Madras. Zeitgenössisches Gemälde. Die "Emden" vernichtet den russischen Kreuzer "Jemtschug" und den französischen Torpedobootzerstörer "Mousquet" auf der Reede von Pulo Pinang (Penang, Malaya) am 28. Oktober 1914. Zeitgenössisches Gemälde. Im November 1914 wurde es dringend erforderlich, der Besatzung eine Ruhepause zu gönnen. Daher entschloss sich Fregattenkapitän von Müller die kaum bevölkerte Direction Island der Cocos (Keeling) Inselgruppe anzulaufen und dort die Funk- und Kabelstation bei Port Refuge zu zerstören. Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (1881–1957), Foto von 1916. Unter Führung des I. Offiziers, Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke landeten 49 Mann auf der Insel. Doch bevor das Landungskommando die Station erreichte, hatte diese einen Notspruch „SOS. Strange ship in harbour“ gefolgt von „SOS. Emden here“ abgesetzt. Der Funkspruch wurde von der HMAS Melbourne aufgefangen, die einen Konvoi von Truppentransportern begleitete und nur 60 Seemeilen entfernt war. Der Kommandant entsandte umgehend den leichten Kreuzer "Sydney", der die SMS Emden überraschte. Gegen die überlegende Feuerkraft und stärkere Panzerung vermochte sie nichts auszurichten. Nach heldenhaftem Kampf setzte Kapitän von Müller sein brennendes und völlig zusammengeschossenes Schiff auf das Riff der North Keeling Island. 135 deutsche Seeleute waren gefallen. Die Überlebenden wanderten als Kriegsgefangene in das Lager „Trial Bay“ in New South Wales (Australien). Das Wrack der SMS Emden. Abb. aus "Der Weltkrieg 1914–1918 in seiner rauhen Wirklichkeit – Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes und des Kriegsphotographen Hermann Rex im Dienste der Obersten Heeresleitung". Zeitgenössische Bildunterschrift (Ergänzung der Redaktion): Nachdem der deutsche kleine Kreuzer "Emden" unter seinem Kommandanten, Kap. von Müller, in den asiatischen Gewässern länger als drei Monate die dort anwesenden Flottenteile der gesamten Entente durch Vernichtung von feindlichen Kriegs- und Handelsfahrzeugen sowie Beschießung von Küstenplätzen in Atem gehalten hatte, wurde er bei einer Unternehmung gegen die Radiostation auf den Cocos-Inseln von überlegener englischer Übermacht am 9. November 1914 gestellt. Kap. von Müller sah sein Schiff verloren, und da er die offene See nicht gewinnen konnte, ließ er es auf den Strand laufen, wo es von den Engländern mit ihren weittragenden Geschützen vernichtet wurde. Die überlebende Mannschaft der "Emden" auf dem von ihr besetzten Dreimastschoner "Ayesha". Zeigenössische Zeichnung. Der Landungstrupp konnte das Seegefecht nur untätig beobachten. Abgeschnitten von ihrem Schiff und auf sich gestellt kaperten die Männer kurz entschlossen den vor Anker liegende Drei-Mast-Schoner „Ayesha“. Am 27. November erreichte die Crew Padang an der Westküste Sumatras, das damals zu Niederländisch Indien (heute Indonesien) gehörte. Die Niederländer machten jedoch ernsthaft Schwierigkeiten, da sie die "Ayesha" nicht als Kriegsschiff anerkannten, sondern als Prise behandeln wollten. Letztendlich wurde der Kriegsschiffsstatus der „SMS Ayesha“ akzeptiert. Dies hatte allerdings zur Folge, dass die Mannschaft nur eingeschränkt versorgt wurde, weil nach den Neutralitätsbestimmungen die „Wehrkraft dadurch nicht gesteigert werden durfte“. Auch musste der Segler innerhalb von 24 Stunden den Hafen wieder verlassen. Die nächsten zwei Wochen segelte die "Ayesha" in der Hoffnung an der Küste Sumatras entlang, auf einen deutschen Dampfer zu treffen. Am 14. Dezember sichtete man die "Choising" des Norddeutschen Lloyds. Wegen des schlechten Wetters und starken Seegangs war ein Umsteigen auf den Dampfer erst zwei Tage später möglich. Nach einer Reise von 1709 Seemeilen wurde der Schoner am 16. Dezember 1914 um 16:58 Uhr versenkt. Da die militärische Lage Deutsch-Ostafrikas aussichtslos war, nahm die "Choising" Kurs auf das Rote Meer. Obwohl hier die Briten die Straße von Bab el Mandeb blockierten, gelang der Durchbruch und der Dampfer legte im Hafen von Hodeidah im heutigen Jemen an. Die Besatzung der Ayesha kam bei der türkischen Garnison unter, litt aber unter dem ungesunden Klima und der ungewohnten türkischen Kost. Trotz der bestehenden Waffenbrüderschaft setzte der türkische Befehlshaber alles daran, die deutsche Truppe in Hodeidah festzuhalten und sie bei der Abwehr der aufständischen Araber einzusetzen. Am 14. März 1915 gelang es von Mückes Truppe mit zwei Zambuks, 12 bis 14 Meter lange, mit Dhau-Segeln ausgerüsteten Booten, heimlich den von englischen Kriegsschiffen blockierten Hafen zu verlassen. Leider ging schon bald ein Boot verloren, sodass auf dem nun überladenen Boot, die Fahrt fortgesetzt werden musste. In Konfidda wechselte der Truppe auf einen größeren Zambuk. Doch endete in Lidd die Fahrt, da der Hafen von Dschidda von englischen Kriegsschiffen blockiert wurde. Es blieb nichts anderes übrig, die Truppe musste durch die wegen der Überfälle räuberischer Nomaden berüchtigte Wüstenregion ziehen. Von Mücke berichtet in seinem Buch ausführlich über diesen Teil der Reise und die Schwierigkeiten, mit denen man zu kämpfen hatte. Mit 110 Kamelen, begleitet von einem türkischen Offizier und sieben Gendarmen brach die Truppe auf. Für die ungeübten Reiter waren 14 bis 18 Stunden im Sattel sehr anstrengend. „In der Regel marschierten wir nachmittags gegen 4 Uhr ab und kamen am nächsten Tag gegen 9 bis 10 Uhr da an, wo wir rasten wollten. … Die Wasserstellen, die wir passierten, waren etwa 12 bis 14 Meter tief, in den Wüstensand gegrabene Löcher, aus denen man mit Lederbeuteln, die man herunterließ, das Wasser heraufholte. Der Ausdruck Wasser trifft für europäische Verhältnisse nicht zu. Auf dem Grunde der Wasserstellen lagen häufig Hundeleichen, Hammelleichen und Ähnliches. Das Wasser war eine übelriechende, braune bis schwarze, von Tieren wimmelnde Jauche.“ Und über einen Angriff feindlicher Nomaden heißt es: „Jedermann mußte .. wissen, daß es sich bei uns nicht um eine gewöhnliche Handelskarawane mit geringer Bedeckung handelte, sondern, daß wir fünfzig bewaffnete Leute waren, die außerdem vier Maschinengewehre bei sich führten. … Als es hell wurde, konnte man sehen, daß im ganzen Umkreise herum auf nächster Entfernung die Sandhügel schwarz von Beduinen waren. … Trotz der erheblichen Übermacht des Gegners, der auf mindestens 300 Menschen angesprochen werden mußte, war bei keinem auch nur das geringste Zeichen von Unsicherheit zu bemerken. Ohne daß Befehl gegeben worden war, erschienen mit einemmal überall auf den Mündungen der Gewehre die Bajonette. … Unter kräftigen Hurras stürmten wir gegen die feindliche Linie vor. Ein derartiges Verhalten war bei Karawanenüberfällen wohl etwas neu. Jedenfalls fielen von der feindlichen Seite kaum noch Schüsse. Als die blinkenden Bajonette ihm näher kamen, ergriff der Gegner schleunigst die Flucht.“[4] Nach siegreichem Kampf erreichte man Dschidda. Wie sich herausstellte, war der Hafen nicht blockiert, sodass die Reise mit einem Zambuk weiter nach El Ula ging und der Anschluss an die Hedschas-Bahn erreicht wurde. Im Mai 1915 trafen die Männer in Konstantinopel ein, wo sie als Helden gefeiert wurden. Von dort ging es weiter nach Berlin, wo sie trotz eines großen Empfangs bald wieder an die Front geschickt wurden. Die Hälfte der Überlebenden der "Emden" verlor ihr Leben dann doch noch im Krieg. Erst am 6. Dezember 1919 trat das Gros der Kriegsgefangenen der SMS Emden die Heimreise an. Die großen Erfolge der SMS Emden bei ihrer Kaperfahrt und vor allem die dabei dem Gegner erwiesene Ritterlichkeit fanden nach der Zerstörung des Kreuzers in der internationalen Presse ein breites Echo. Der Kleine Kreuzer wurde rasch zu einem der bekanntesten Schiffe des gesamten Ersten Weltkriegs. 2012 inszenierte Berengar Pfahl unter dem Titel „13.000 Kilometer“ einen Spielfilm über die Männer der SMS Emden und die Odyssee des Landungszuges. Silbermedaille 1914 von Lauer, Nürnberg. Avers: Porträt von Fregattenkapitän von Müller, Revers: SMS "Emden" im Eichenlaub- und Lorbeerkranz. Oben Eisernes Kreuz, Unten Texttafel "DER DEUTSCHEN STOLZ, DER FEINDE SCHRECK. S.M.S. EMDEN 1914". Durchmesser ca. 33,3 mm, Gewicht 17,9 g. Zitat: Zetzmann 4051. Die "Emden" im Namen „1920/21 verfügte die preußische Regierung in Übereinstimmung mit dem Reichswehrminister, den noch lebenden preußischen ehemaligen Besatzungsangehörigen des Kleinen Kreuzers Emden und deren direkten Nachkommen auf bis 1931 gestellten Antrag zu genehmigen, den Schiffsnamen als Zusatz zum Familiennamen zu führen. Weitere deutsche Landesregierungen schlossen sich diesem Vorgehen an. Das Namensänderungsverfahren erfolgte nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Die Antragsfrist wurde am 8.6.1933 durch den Reichsminister des Innern bis zum 31.12.1933 verlängert. Am 16.3.1934 verordnete der Reichspräsident, daß diese Genehmigung auf Antrag auch auf Angehörige verstorbener Besatzungsangehöriger auszudehnen ist. Die in der Literatur z.T. enthaltene Angabe, Kaiser Wilhelm II. hätte diese Hinzufügung des Beinamens „Emden“ durch AKO veranlaßt, findet in den offiziellen Unterlagen keine Bestätigung. Es handelte sich tatsächlich um eine Einzelgenehmigung nach den Hausgesetzen der Hohenzollern in Ergänzung des Ministerial-Erlasses, die der Kaiser aus dem Exil für Oberleutnant z. S. Prinz Franz Joseph v. Hohenzollern erteilt hat. Nachweisbar ist diese auch durch einen Erlaß des Preußischen Ministers des Innern vom 18.11.1933.“[5] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Peter Hannes Lehmann, Das deutsche Flottengeld, in: Norddeutsches Jahrbuch für Münzkunde und verwandte Gebiete, Band I, Hamburg 1979, S. 249. [2] Ebenda, S. 263. [3] Peter Menzel, Deutschsprachige Notmünzen und Geldersatzmarken im In- und Ausland 1840 bis 2002, Band II, Ausgabeorte Naabeck bis Zywiec, Unbekannte Ausgabeorte, Marken der deutschen Kriegsflotte, 2. Aktualisierte Auflage, Gütersloh 2005, S. 1560, Kat-Nr. 34033. [4] Kapitänleutnant Hellmuth v. Mücke, „Emden“ und „Ayesha“ in einem Band, Berlin 1915, S. 101 ff. [5] Hildebrand, Röhr, Steinmetz, Die Deutschen Kriegsschiffe, Bd. 2, S.70, Koehler, 1.Auflage, 1980). Zitiert nach: (16.01.2023)
- Beendet: Messe-Gewinnspiel: 3 x 2 Dauerkarten für die NUMISMATA München
Update vom 23. Februar 2023: Vielen Dank für Ihr großes Interesse an einem Besuch der NUMISMATA München! Wir haben die Gewinner/innen ermittelt und per E-Mail informiert. Wir wünschen allen viel Spaß auf der Messe! Wir verlosen 3 x jeweils 2 Dauerkarten für die NUMISMATA am 4. und 5. März 2023 in München. Wenn Sie gewinnen möchten, senden Sie uns eine E-Mail an info@geldscheine-online.com mit dem Betreff "München". Einsendeschluss ist der 22. Februar 2023. Später eingehende E-Mails nehmen nicht an der Ziehung teil. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt und erhalten einen Gutschein, den Sie am Veranstaltungstag an der Kasse gegen Eintrittskarten eintauschen können. Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen an, dieser wird im Gewinnfall dem Messeveranstalter mitgeteilt. Verlagsmitarbeiter, deren Angehörige und Gewinnspielservices dürfen nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Datenschutzbestimmungen finden Sie hier. Wir wünschen Ihnen viel Glück!
- Neue Notgeldscheine aus Erkrath aufgetaucht
Erkrath, eine Gemeinde mit heute ca. 45.000 Einwohnern zwischen Düsseldorf und dem Neandertal, bietet aus der Inflationszeit keine überbordende Vielfalt an Ausgaben. Neben diversen Notmünzen lokaler Firmen und Gaststätten waren bislang nur vier Notgeldscheine der Gemeindesparkasse bekannt. Es handelt sich um die Scheine zu 500.000, 1 & 2 Millionen sowie 50 Milliarden Mark, welche van Eck unter 568.1-4[1] listet. Bei Keller findet man unter der Nummer 1395[2] nur die Ausgaben 500.000 sowie 1 & 2 Millionen Mark und ebenso bei Meyer[3]. Trotz rund 40 Jahren numismatischen Sammelns, davon 23 als Vereinsvorsitzender und 15 als Chefnumismatiker eines Düsseldorfer Auktionshauses, ist es mir bislang nur gelungen zwei der vier existenten Nominale für meine Sammlung zu bekommen. Die Scheine sind gedruckte Schecks der Gemeindesparkasse mit dem Wasserzeichen „Stern-Sechseckmuster“. Die drei kleinen Werte wurden jeweils am 20. August 1923 und der 50-Milliarden-Schein am 29. Oktober 1923 herausgegeben. Vorder- und Rückseite des Scheins zu 2 Millionen Mark (van Eck 568.3)[4] Vorder- und Rückseite des Scheins zu 50 Milliarden Mark (van Eck 568.4)[5] Gebäude der Gemeindesparkasse Erkrath als Anbau an das Rathaus, genutzt von 1913-1957, auf alter Ansichtskarte[6] Sparkassen-Rendant Franz Lohn (hier mit Familie) hat das Amt 1926 von seinem Vorgänger Peter Gummersbach übernommen[7] Aber bereits im Jahr 2002 tauchten Informationen über einen weiteren Notgeldschein auf[8]. Dies hatte mich bereits damals elektrisiert, aber mehr war nicht herauszubekommen. Der Schein wurde wie ein „Staatsgeheimnis“ gehütet und bis auf eine schlechte s/w-Abbildung und die Beschreibung des Scheins, war es mir nicht möglich, mehr darüber in Erfahrung zu bringen. „Gut Ding will Weile haben“ und so kam nun die Tochter eines verstorbenen Sammlers auf mich zu, um sich wegen des Nachlasses ihres Vaters beraten zu lassen. Da sich dabei auch drei Ordner mit heimatbezogenen Unterlagen fanden, vermachte sie mir diese zur weiteren Bearbeitung. Welche Freude und Überraschung, als ich darin den 2002 veröffentlichten Schein in gleich zwei, wenngleich schlecht erhaltenen Exemplaren, entdecken konnte. Vorder- und Rückseite des 1. Scheins zu 500.000 Mark mit handschriftlicher Nummer 82 in Erhaltung V[9] Vorder- und Rückseite des 2. Scheins zu 500.000 Mark mit handschriftlicher Nummer 10 in Erhaltung IV[10] Beide Scheine sind in Umlauf gewesen, dafür spricht die Erhaltung und die Geschichte. Die Scheinnummern sind zwar verblasst, aber bei genauer Betrachtung immer noch sichtbar. Die beiden Scheine kamen aus Bremen zurück nach Erkrath. Der Zusender war der Enkel eines gewissen Edmund „Heinrich“ Brück, welcher in den 1920er Jahren in Erkrath einen Konsum-Laden führte und die Scheine dort erhalten hatte. Da diese ursprünglich, wie auf der Vorderseite zu lesen ist, „lediglich zur Behebung des Kleingeldmangels anlässlich der Einweihung eines Eigenheims der Sozialdemokraten von Erkrath ausgegeben wurden, dürften sie eigentlich nicht groß im Umlauf gewesen sein. Der Hinweis auf der Rückseite „Dieser Schein eignet sich vorzüglich zur Aufbewahrung als Andenken oder in Notgeldsammlungen“ hat vielleicht dazu geführt, dass Herr Brück ihn in seinem Geschäft in Zahlung nahm und dann aufhob. Schließlich waren 500.000 Mark Mitte September 1923 keine große Summe mehr, wie die nachfolgende Übersicht[11] zeigt. Wie man sehen kann, hätte man mit einem solchen Schein gerade einmal 5 Gramm Butter kaufen können! Herausgeber der Scheine war die V.S.P.D. zu der die Internetseite des Deutschen Historischen Museums folgendes ausführt: „…Zum Schutz der jungen Republik gegen Angriffe von rechts sahen beide sozialdemokratischen Parteien über die einstigen existentiellen Auseinandersetzungen hinweg. Am 14. Juli 1922 schlossen sich die Reichstagsfraktionen von USPD und SPD zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Damit ebneten sie den Weg für die Wiedervereinigung beider Parteien am 24. September auf einem gemeinsamen Parteitag in Nürnberg. Der offizielle Parteiname lautete nun Vereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands (VSPD), der aber 1924 wieder auf SPD verkürzt wurde…“[12]. Die beiden Geldscheine sind ca. 105 mm x 164 mm groß und bestehen aus sämischem Papier ohne Wasserzeichen. Die Druckfarbe des ersten Scheins ist auf der Vorderseite rostbraun und auf der Rückseite hellrot, während das zweite Exemplar einen dunkelgrauen Vorderseiten- und einen rostbraunen Rückseitendruck aufweist. Beide Stücke sind aus der Reihe „A“. Sie sind auf den 16. September 1923 datiert und konnten laut Angabe bis zum 30. September 1923 eingelöst werden. Die Unterschrift des Kassierers ist mitgedruckt und entworfen hat sie der „Genosse Beigeordn.(eter) Wilhelm Kiepert, Erkrath“. Auf der Vorderseite ist jeweils das „EIGENHEIM DER VSPD ERKRATH“ zu sehen, während die Rückseiten das Hinterhaus jenes Eigenheimes, d. h. die Damen- und die Herrentoilette zeigen. In Erkrath war zu jener Zeit bereits seit 16 Jahren Franz Zahren Bürgermeister und nachdem die Revolutionsunruhen der Nachkriegszeit abgeklungen waren, konnte er sich auf die Unterstützung der starken Zentrumsfraktion im Rat verlassen. SPD und USPD waren selbst zusammen in der Minderheit[12]. Zudem waren seit 1921 französische Besatzungstruppen im Ort einquartiert und am Ortsrand Richtung Hochdahl verlief die Grenze zum besetzten Ruhrgebiet. Insofern spiegelten sich die Zustände in der "Weimarer Republik" im Erkrather Mikrokosmos durchaus wider. Dass nun, fast genau 100 Jahre nach ihrer Schaffung diese „neuen“ Scheine wieder an das Licht der Öffentlichkeit gelangen, erfüllt mich mit großer Freude. Sollte in der Leserschaft noch weiteres Material dieser Art vorhanden sein, so wäre ich für Hinweise oder Scans überaus dankbar (E-Mail: feuser-weyrich@t-online.de). Peter B. Feuser Anmerkungen der Redaktion In ihrer Ausführung und wahrscheinlich auch Bestimmung erinnern die beiden Scheine der Vereinigten Sozialdemokraten aus Erkrath an solche von Vereinen und Parteien aus der Zeit der sog. "Serienscheine", die 1922 endete. Nur ein Jahr später gab nun also die Ortsgruppe der damaligen VSPD diese Scheine "ohne jede Ermächtigung des Reichsfinanzministeriums" anlässlich der Eröffnung ihres Eigenheims in Erkrath wegen "Kleingeldmangel" aus. Aus meiner Sicht dürfte es als ziemlich sicher gelten, dass diese Scheine nie für den Geldumlauf bestimmt waren. Für 500.000 Mark konnte man sich im September 1923 gerade einmal ein halbes Brot leisten und als die angegebene Einlösungsfrist nur zwei Wochen später am 30. September 1923 endete, kostete ein Gramm Brot schon über 1 Million Mark. So gesehen, kann man tatsächlich von "Kleingeld" sprechen. Sie dienten auch nicht als "Bausteine", zumal der Bau des Gebäudes bereits vollendet war und es "nur noch" um dessen Einweihung ging. Wahrscheinlich dienten die Scheine lediglich als eine Art Wechselgeld bei der Einweihungsfeier des Parteiheims, von dem man nicht zuletzt wegen des Hinweises „Dieser Schein eignet sich vorzüglich zur Aufbewahrung als Andenken oder in Notgeldsammlungen“ sowie des damals "kleinen" Nennwertes annehmen konnte, dass es höchstwahrscheinlich nie zur Einlösung präsentiert werden würde. Ein kleiner Gewinn für die Genossen! Viele Scheine dürften nicht genutzt worden sein, wofür auch die sehr niedrigen Nummern stehen. Warum die Scheine trotzdem so stark gebraucht sind, kann auch einen ganz anderen Grund als der übliche Umlauf im Geldverkehr haben. Viele Geldscheine, die durch die Inflation völlig entwertet waren, wurden schon damals zu beliebtem Spielzeug bei Kindern, in deren Kaufmannsläden nun die Millionen und Milliarden über die Tresen gingen. Wann wurde Kindern davor oder danach schon einmal so viel "echtes" Geld zum spielen überlassen? Der Erhaltungszustand kann also auch hier so stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Wir kennen das von sog. "Dachbodenfunden" mit Geldscheinen, die oft über Generationen von Kinderhand zu Kinderhand gingen. Ich würde die Scheine der Sozialdemokraten aus Erkrath von 1923 als späte "Serienscheine" bezeichnen. Zu prüfen bliebe, ob genannter Kaufmann Brück aus Erkrath vielleicht selbst Mitglied der VSPD, womöglich an der Bereitstellung von Speis und Trank zur Einweihungsfeier beteiligt oder einfach nur ein Besucher der Veranstaltung war. Fest steht wohl, dass er die beiden Scheine aufbewahrt hatte und damit Numismatikern und Freunden der Heimatgeschichte interessante historische Belege hinterlassen hat. Hans-Ludwig Grabowski Anmerkungen [1] Thomas van Eck, Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914-1948, Düsseldorf, 2000, Band 1, Seite 336. [2] Arnold Keller, Deutsches Notgeld, Band 7, Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, Reprint, Regenstauf, 2004, Seite 310. [3] Hans Meyer, Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914-1924, 2. Auflage, Berlin, 1975, Seite 73. [4] Sammlung Feuser. [5] Sammlung Feuser. [6] Sammlung Feuser. [7] Sammlung Stadtarchiv Erkrath. [8] Bringfried Metzner, Erkrather Geldschein über 500.000 Mark aufgetaucht, Ein Andenken an die Inflation 1923, in: usser Dorp, Vereinszeitschrift der Ercroder Jonges 1982 e.V., Nr. 19 vom Dezember 2002, Seiten 16-18. [9] Sammlung Feuser. [10] Sammlung Feuser. [11] https://www.geldscheine-online.com/post/lebensmittelpreise-von-mitte-1914-bis-ende-1923 [12] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/uspd.html [13] Erika Stubenhöfer, Die Erkrather Bürgermeister 1898-1999, Erkrath, 2004, Seite 48 ff.
- Portugiesische Entdeckungsfahrten und der Seeweg nach Indien
Gedenkbanknoten “500 Jahre portugiesische Entdeckungsreisen” Portugal entwickelte sich im 13. und 14. Jahrhundert zu einem der ersten Flächenstaaten mit einer vergleichsweise modernen, in weiten Bereichen juristisch gebildeten Regierung und Verwaltung. Neben einer königlichen Marine fanden sich Anfänge eines militärischen Rekrutierungssystems, ein zentralisiertes Steuerwesen und die Krone versuchte, sich durch eigene Kronmonopole und Handelsunternehmungen zusätzliche Einnahmen zu verschaffen. Der moderne Adel begann durch die Geldwirtschaft also, sich von der Landwirtschaft ab- und eher dem städtischen Handel und Gewerbe zuzuwenden. Portugal war abhängig von Importen. Dies legte den Grundstein für die Erforschung neuer Handelsrouten und Handelsbeziehungen. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts gelangen viele begehrte und kostbare Güter wie Gewürze, Elfenbein und Gold, das bei den christlichen Mittelmeerstaaten zur Münzprägung sehr gefragt war, über zahllose Karawanen von Arabien oder Afrika bis ans Mittelmeer und dann weiter nach Süd- und Mitteleuropa. Portugal litt besonders an der Goldknappheit. Nach 1383 wurden deshalb in Portugal für einige Zeit keine Goldmünzen mehr geprägt. Die Herrscher suchten nun nach Möglichkeiten, ihre eigene Versorgung sicherzustellen und somit unabhängig von den venezianischen oder arabischen Händlern zu werden, die den Handel über den Landweg beherrschten. Heinrich (1394–1460), der vierte Sohn des portugiesischen Königs Johann I., war einer der ersten, der auf dem Seeweg nach neuen Handelsrouten für Portugal suchte. Er hatte sich zuvor durch militärische Erfolge in Nordafrika verdient gemacht und war an der Eroberung der Stadt Ceuta beteiligt. Der beste Hafen Marokkos, der damaligen Kornkammer Nordafrikas, lag somit in portugiesischem Besitz. Die Straße von Gibraltar war das erste Ziel der Expansion außerhalb Europas. 1420 wurde Prinz Heinrich zum weltlichen Führer des Ordens der Christusritter ernannt. Er konnte dadurch auf deren seefahrerische Erfahrung zurückgreifen und erlangte beträchtliche finanzielle Mittel, mit denen er Erkundungsfahrten plante und finanzierte. Obwohl Heinrich nie selbst eine längere Schifffahrt unternahm, erhielt er in der Folge den Beinamen „der Seefahrer“. Seine Schiffe entdeckten und besiedelten in den Folgejahren die Azoren und er versuchte, die Kanarischen Inseln in portugiesischen Besitz zu bringen, was jedoch zu Auseinandersetzungen mit dem Königreich Kastilien führte, das ebenfalls Anspruch auf die Inseln erhob. Heinrich wollte mit den veranlassten Expeditionen nicht nur neue Handelsverbindungen für Pfeffer, Gold, Elfenbein oder Sklaven etablieren, sondern auch den christlichen Glauben verbreiten und den Islam zurückdrängen. Er erhoffte sich dazu die Mithilfe des sagenhaften Priesterkönigs Johannes, der einer Legende nach in Afrika oder Asien ein großes, sehr wohlhabendes Reich beherrscht haben soll. Für die Existenz eines solchen Priesterkönigs oder sein geschichtliches Äquivalent gibt es heute keine klaren Nachweise. Abbildung: POR-191 10.000 Escudos (1996 – 1998) Vorderseite: Mitte: Siegel des Infanten (Prinzen) Dom Henrique von Portugal („Heinrich der Seefahrer“), Schiffsseil, Gürtel, Stundenglas und Kompass; Rechts: Porträt von Heinrich dem Seefahrer. Rückseite: Portugiesische Karavelle, Ranken, Malteserkreuz und Windrose. Nachdem Heinrich der Seefahrer 1460 verstorben war, führte König Johann II. seine Pionierarbeit fort. Bis dahin hatten die Portugiesen die Westküste Afrikas bis zum Kap Mesurado im heutigen Liberia erkundet und sind über den Fluss Gambia in das Landesinnere Afrikas eingedrungen. Mittlerweile gab es im Kampf Portugals um die Vorherrschaft auf den Ozeanen einen klaren Widersacher: Spanien. Das zentrale Vorhaben beider Königreiche war es, den Seeweg nach Indien zu finden. König Johann II. setzte dabei auf mehrere Expeditionen. Pedro de Covilhao und Alfonso de Paiva brachen zunächst auf dem Landweg über Barcelona, Neapel und Rhodos nach Alexandria auf und sind dort über das Rote Meer bis nach Aden weitergereist. De Covilhao gelang es schließlich, seine Reise bis zu den indischen Städten Kalikut (heute: Kozhikode) und Goa fortzusetzen und so wichtige Erkenntnisse über den dortigen Reichtum und Handel zu gewinnen. Eine weitere von Johann II. veranlasste Erkundungsfahrt war 1487 auf dem Seeweg aufgebrochen, um Afrika im Süden zu umsegeln. Bartolomeu Dias (1450–1500), der Leiter dieser Expedition mit zwei Karavellen und einem Proviantschiff, navigierte seine Matrosen bis weit südlich des heutigen Namibias und ließ dabei zu mehreren Gelegenheiten durch Tauschgeschäfte mit den Einwohnern Afrikas die Vorräte aufstocken. Als die Schiffe im Januar 1488 in einen schweren Sturm gerieten, verloren sie die Orientierung. Dias legte einen Ostkurs fest, im festen Glauben, dort auf Land zu treffen. Weit gefehlt jedoch – Erst nachdem Dias und seine Begleiter nach Norden fuhren, war die afrikanische Küste wieder zu sehen. Ohne es zu bemerken, haben die Schiffe erstmals die Südspitze Afrikas umsegelt. Der Kapitän wollte auf der Suche nach der indischen Küste weiter nach Osten vordringen, war jedoch aufgrund seiner an Skorbut erkrankten Mannschaft zur Umkehr gezwungen. Auf der Rückfahrt nannte Bartolomeu Dias das Südkap aufgrund der rauen See „Kap Tormentoso“, Kap der Stürme. König Johann gab ihm dann seinen heutigen Namen „Kap der guten Hoffnung“. Abbildung: POR-189 2000 Escudos (1995 – 2000) Vorderseite: Mitte: Münze aus der Zeit Johanns II. von Portugal, Astrolabium (Vorläufer des Sextanten in der Navigation auf See), Rechts: Porträt von Bartolomeu Dias. Rückseite: Dreimaster, Kompass und historische Karte von Europa und Afrika. Der Grundstein für den Seeweg nach Indien war gelegt. Der König setzte jedoch nicht den erfahrenen Bartholomeu Dias als Kapitän für eine erneute Expedition ein, sondern entschied sich für den bisher in der Seefahrt kaum in Erscheinung getretenen Vasco da Gama (1469–1524), einem Mann aus dem Kleinadel, einem Stand, der besonders durch die Bekleidung öffentlicher Ämter und Ausübung der Kriegskunst bekannt war. Es dauerte fast zehn Jahre, bis eine erneute Expedition gestartet wurde. Nach dem Tod von Johann II. wurden die Vorbereitungen unter Manuel I. zu Ende geführt. Die Entdeckerflotte und die Schiffe, die von Bartolomeu Dias entworfen waren, waren auch für militärische Auseinandersetzungen ausgestattet. Und von dieser Ausrüstung wurde auch gebraucht gemacht, nachdem die vier Schiffe am 8. Juli 1497 den Hafen Lissabons verließen. Als innerhalb weniger Monate das Kap der Guten Hoffnung umschifft war und Vasco da Gama bis zu dem Punkt vorgedrungen war, an dem Dias umkehren musste, wurden seine Schiffe mehrmals von Eingeborenen bedroht. Da Gama ging in die Offensive; zum ersten Male donnerte europäische Artillerie in den Gewässern des Indischen Ozeans. Fast ein Jahr nach Beginn der Reise ankerte Da Gama dann vor Kalikut. Er blieb drei Monate und verhandelte mit dem dortigen Oberhaupt, dem Samorin. Durch feindlich gesinnte Einwohner und arabische Kaufleute, die einen Vertrag verhindern wollten, entschloss sich Vasco da Gama zur Rückkehr nach Portugal. Hier wurde er für seine Entdeckungen gefeiert: Der Seeweg nach Indien war gefunden und ein Handelsabkommen mit Kalikut in Reichweite. Abbildung: POR-190 5000 Escudos (1995 – 1998) Vorderseite: Mitte: Medaillon aus Schiffsseil und Blüten mit Malteserkreuz sowie stilisierte Weltkugel, Rechts: Porträt von Vasco da Gama. Rückseite: Ankunft von Vasco da Gama in Kalikut (heute: Kozhikode), mit Pfefferpflanze als Symbol für den Gewürzhandel, historisches Segelschiff und Wappenschild. Manuel I. stellte eine gewaltige Flotte zusammen, um die Vorherrschaft auf den Meeren zu behaupten und Portugals Einfluss in Indien zu sichern. Vasco da Gama verzichtete auf die Leitung der zweiten Indien-Expedition. Er zog es vor, sich von seiner ersten Fahrt zu erholen, die nur ein Viertel der Besatzung überlebt hatte. An seiner Stelle wählte der König Pedro Álvares Cabral (1467–1520) aus und stellte ihm seinen Veteranen Bartolomeu Dias zur Seite. Auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung wurden die Schiffe nach Westen abgetrieben und gerieten in den Äquatorialstrom. Die Seefahrer landeten weitab von der geplanten Route in Südamerika und begannen sogleich, das heutige Brasilien für Portugal in Besitz zu nehmen. 1500 steuert Cabral wieder zurück über den Atlantik und umsegelte Afrika. Bartolomeu Dias´ Schiff sank dabei und die gesamte Mannschaft mit Kapitän kam ums Leben. Abbildung: POR-188 1000 Escudos (1996 – 2000) Vorderseite: Mitte: stilisierter Globus mit Kranz aus Lorbeerlaub und Schiffsseil sowie Münze mit Malteserkreuz, Rechts: Porträt von Pedro Álvares Cabral. Rückseite: Allegorie auf die Entdeckung Brasiliens mit historischem Schiff und Tieren aus dem brasilianischen Dschungel. An der Küste Ostafrikas verbreiten die Portugiesen unter Cabral in den Folgejahren Furcht und Schrecken, indem sie versuchten, gewaltsam Handelsbeziehungen und Handelsstützpunkte aufzubauen. Auch in Indien setzten die Eroberer ihre Interessen und die Erwartungen des Königs mit höchster Grausamkeit durch. Die Entdeckung des Seewegs nach Indien und die Zerstörung des bis dahin jahrhundertelang bestehenden Handelssystems markierte den Beginn der Kolonialisierung der östlichen Welt durch die Europäer. Vasco da Gama kehrte noch mehrmals nach Indien zurück, zum letztem Mal 1524. Er wurde dort zum Gouverneur und Vizekönig ernannt. Nach nur vier Monaten im Amt starb er. Bis heute ist das Image der großen portugiesischen Entdecker ohne größere Makel – Im Gegensatz zu Entdeckern wie Christoph Kolumbus, von denen mittlerweile ein deutlich ambivalenteres Bild vorherrscht. Abbildung: POR-187 500 Escudos (1997 – 2000) Vorderseite: Mitte: Weltkarte mit portugiesischem Wappen und zwei musizierende Engel mit Buch, Rechts: Porträt von Joao de Barros. Rückseite: Allegorie auf die portugiesischen Entdeckungen und Zitat von de Barros. Joao de Barros (1496–1570) war ein portugiesischer Historiker und Verfasser der „Dekaden von Asien“, in denen er die Geschichte der Portugiesen in Asien, insbesondere in Indien, schilderte. Elias Heindl Literatur/Quellen: Hans-Ludwig Grabowski/Josef Gerber: Gedenkbanknoten der Welt – Commemorative Banknotes of the World, Gietl Verlag, Regenstauf 2011. Dieter Lohmann, Nadja Podbregar: Im Fokus: Entdecker. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2012, S. 19-37. André Leroi-Gourhan, Kurt Kayser, Liselotte Kayser-Boelitz: Die berühmten Entdecker und Erforscher der Erde. Aulis Verlag Deubner, Köln, 1965, S. 35-46. Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals – Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Verlag C.H. Beck, 2. Auflage, München, 2008, S. 18-47. Ulrich Knefelkamp: Der Priesterkönig Johannes und sein Reich — Legende oder Realität? Journal of Medieval History 14, Heft 4 (1988), 337-355, https://doi.org/10.1016/0304-4181(88)90032-2. wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Kolonialgeschichte (zul. aufgerufen am 14.02.2023) wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Seefahrer (zul. aufgerufen am 14.02.2023)
- Aus privaten Sammlungen: 20-Francs-Banknote der Société Générale de Belgique
Objekttyp: Banknote Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: Am Morgen des 4. August 1914 marschierten deutsche Truppen unter Missachtung des Völkerrechts in das seit 1830 neutrale Belgien ein. Vorausgegangen war die Weigerung des belgischen Königs, das deutsche Militär in Richtung Frankreich durch das Land ziehen zu lassen. Nach der Besetzung des Landes flohen die belgische Regierung und der König in die französische Stadt Le Havre, von wo aus sie sich an den Aktionen der Alliierten beteiligten. Im Laufe des Augusts ließ die Geschäftsleitung der Banque Nationale de Belgique Banknoten, Druckplatten sowie den Metallbestand der Bank über Antwerpen nach London evakuieren. Die fehlende Notenbank zwang die deutschen Besatzungsbehörden zu handeln. Im Oktober 1914 zahlten sie mit Mark-Zahlungsmitteln. Da sich die belgische Regierung wie auch der Vorstand der Banque Nationale de Belgique hartnäckig weigerten, nach Belgien zurückzukehren, wurde der Bank von der Besatzungsverwaltung am 22. Dezember 1914 das Recht zur Notenausgabe entzogen. Bei der Société Générale de Belgique wurde eine Emissionsabteilung eingerichtet und der Bank am 24. Dezember 1914 das Recht zur Notenausgabe übertragen. Die Banknoten der Société Générale de Belgique wurden in der Druckerei der Nationalbank gedruckt und ab 1915 in Umlauf gesetzt. Die Scheine geben jeweils das Druckdatum an. In Ermangelung ausländischen Papiers nutzte man Papier mit dem Wasserzeichen „Wellenlinien“ der Papierfabrik Godin in Huy. Die Nominale zu 20 und 1000 Francs zeigen das Porträt von Peter Paul Rubens und die Noten zu 1, 2, 5 und 100 Francs das der Königin Louise-Marie. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 wurde die Emissionsabteilung der Société Générale am 20. November 1918 aufgelöst, die 2-Francs-Schein aber noch bis Anfang 1919 und die 1-Franc-Scheine noch bis 1920 weiter ausgegeben. Land/Region/Ort: Belgien Emittent: Société Générale de Belgique Nominal: 20 Francs Datum: 2. Februar 1915 (Druckdatum) Vorderseite: Porträt des Malers Peter Paul Rubens in einem Medaillon Rückseite: Wertangabe und Ornamente Material: Weißes Papier Wasserzeichen: Wellenlinien Druck: Godin in Huy Format: 137 mm x 88 mm Nummerierung: B 179877 Auflage: 9.744.000 Stück Authentizität: Original Zitate: EWK-4 (Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2020, S. 560) Banque Nationale de Belgique (Hrsg.), Le Franc Belge, Monnaies et billets Belges depuis 1830, Brüssel 1989 Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Neue Varianten: Februar 2023
Armenien 1000 Dram Wie Linzmayer B319a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "Martin Galstyan/Tigran Khachatryan", Jahr 2022 und Wertzahl 1000 mit OVI-Effekt (Magenta-Grün) auf Rückseite. Bangladesch 1000 Taka Wie BGD-59 (Linzmayer B354l), aber mit Unterschrift "Abdur Rouf Talukder" und Jahr 2023. Dominikanische Repubik 50 Pesos Wie Linzmayer B727b (fehlt im SCWPM), aber mit Jahr 2020. 1000 Pesos Wie Linzmayer B731b (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "Héctor Valdez Albizu/José Vicente Dubocq" und Jahr 2021. Gambia 10 Dalasis Wie Linzmayer B236a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "Seeku Jaabi/Buah Saidy" und Jahr 2020. 20 Dalasis Wie Linzmayer B237a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "Seeku Jaabi/Buah Saidy" und Jahr 2020. 50 Dalasis Wie Linzmayer B238a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "Seeku Jaabi/Buah Saidy" und Jahr 2020. Guatemala 5 Quetzales Wie Linzmayer B605d (fehlt im SCWPM), aber mit Datum "14 DE ABRIL DE 2021" und Druckerei "G&D Currency Technology". 10 Quetzales Wie GTM-123A (Linzmayer B606j), aber mit Datum "27 DE MAYO DE 2020" und Druckerei "OBERTHUR fiduciaire". 20 Quetzales Wie GTM-124 (Linzmayer B608d), aber mit Datum "13 DE FEBRERO DE 2018". Haiti 10 Gourdes Wie HTI-272 (Linzmayer B845g), aber mit Unterschriften "Jean Baden Dubois/Georges Henry Fils/Ronald Gabriel" und Jahr 2019. 25 Gourdes Wie HTI-266 (Linzmayer B839f), aber mit Jahr 2019. 25 Gourdes Wie HTI-266 (Linzmayer B839g), aber mit Unterschriften "Jean Baden Dubois/Georges Henry Fils/Ronald Gabriel". 50 Gourdes Wie HTI-274 (Linzmayer B847f), aber mit Jahr 2019. 100 Gourdes Wie HTI-275 (Linzmayer B848e), aber mit Jahr 2019. 100 Gourdes Wie HTI-275 (Linzmayer B848f), aber mit Unterschriften "Jean Baden Dubois/Georges Henry Fils/Ronald Gabriel". 500 Gourdes Wie HTI-277 (Linzmayer B850f), aber mit Unterschriften "Jean Baden Dubois/Georges Henry Fils/Ronald Gabriel" und Jahr 2019. 1000 Gourdes Wie HTI-278 (Linzmayer B837f), aber mit Jahr 2019. Hongkong – Bank of China 100 Dollars Wie Linzmayer BB923a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschrift "Yu Sun" und Datum "1 JANUARY 2021". Hongkong – Hongkong And Shanghai Banking Corporation 20 Dollars Wie Linzmayer B696a (fehlt im SCWPM), aber mit Datum "1 JANUARY 2020". 100 Dollars Wie Linzmayer B698a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "David Liao/Surendra Rosha" und Datum "1 JANUARY 2022". Hongkong – Standard Chartered Bank 100 Dollars Wie Linzmayer B425a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriften "Gregory John Powell/Pi Cheng Benjamin Hung" und Datum "1 JANUARY 2020". Irak 25.000 Dinars Wie IRQ-102 (Linzmayer B356e), aber mit Jahr 2021. Israel 50 Shekels Wie ISR-66 (Linzmayer BB443c), aber mit Unterschrift "Amir Yaron" und Jahr 2022. Sambia 2 Kwacha Wie Linzmayer B165b (fehlt im SCWPM), aber mit Druckerei "DE LA RUE" und Jahr 2022. 10 Kwacha Wie Linzmayer B167b (fehlt im SCWPM), aber mit Jahr 2022. 100 Kwacha Wie Linzmayer B170c (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschrift "Denny H. Kalyalya" und Jahr 2022. Südsudan 1000 Pounds Wie Linzmayer B117a (fehlt im SCWPM), aber mit Unterschriftren "Dier Tong Ngor/Athian Ding Athian" und Jahr 2021. Zentralafrikanische Staaten – Tschad 500 Francs Wie ZAS-606C (Linzmayer B106Cd), aber mit Unterschriften "Abbas Mahamat Tolli/Ambrosio Esono Angue". Kana Totsuka Abb. Owen W, Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Leserpost: Banknoten der Deutschen Notenbank Serie 1948 ohne Kontrollnummer
zum Leserpost-Beitrag „50 DM der Deutschen Notenbank von 1948 ohne Kontrollnummer“ schicke ich Ihnen anbei aus dem Archiv der Deutschen Notenbank (heute im Bundesarchiv) die Kopie eines Schreibens der Deutschen Notenbank vom 13. Dezember 1955 an den VEB Deutsche Wertpapierdruckerei Leipzig. Darin werden Fehldrucke aus dem sogenannten Druckauftrag IV bemängelt, der im Januar und April 1953 durch die Wertpapierdruckerei Leipzig ausgeführt wurde und bei dem es um Folgedrucke der Serie von 1948 ging. Gefunden wurden bei der Vorbereitung der von der Wertpapierdruckerei Leipzig gelieferten Scheine für die Ausgabe in den Zahlungsverkehr (immerhin gut 2 ½ Jahre nach Auftragsdurchführung) ein Schein zu 10 DM ohne Kontrollnummer sowie mehrere Scheine, bei denen die beiden Kontrollnummern auf den Scheinen jeweils um eine Ziffer voneinander abwichen. Man hatte also in Leipzig nicht sorgfältig gearbeitet, dafür aber in Berlin genau hingeschaut. Damit sind Scheine ohne Kontrollnummer jedenfalls in der Produktion vorgekommen, ebenso solche mit fehlerhafter Nummerierung, von denen ich nicht weiß, ob Stücke den Augen der Kontrolleure der Notenbank entgangen, in den Umlauf gelangt und im Sammlermarkt aufgetaucht sind. Zu der von der Notenbank befürchteten Diskreditierung der Währung in den Westmedien allein aufgrund dieser Druckfehler ist es wohl nicht gekommen. Dr. Sven Gerhard Anmerkung der Redaktion Unterschiedliche Kontrollnummern auf Geldscheinen, die von der ehemaligen Wertpapierdruckerei in Leipzig hergestellt wurden, sind von der letzten Serie DDR-Banknoten bekannt. Beim 5-Mark-Schein von 1975 kam es durch Fehleinstellung der zweiten Stelle des Numerators zu abweichenden Kontrollnummern rechts unten. Erst Ende letzten Jahres wurden hier im Blog auch abweichende Kontrollnummern beim Zwanziger von 1975 gemeldet. Ganz offensichtlich gab es das Problem also auch schon beim Druck der ersten Serie der Deutschen Notenbank mit der Datierung von 1948 in Leipzig. Wie wir wissen, kamen die ersten Drucke dieser Serie ja von Goznak aus der Sowjetunion. Dank der gründlichen Kontrolle bei der Deutschen Notenbank in Berlin, sind mir bisher keine Belegstücke solcher Fehldrucke aus der Serie 1948 bekannt geworden. Hans-Ludwig Grabowski
- Lexikon: Fractional Currency
Als Fractional Currency werden sowohl US-amerikanische als auch kanadische Kleingeldscheine bezeichnet. 1. US-amerikanische Kleingeldscheine. Fractional Currency: Kleingeldschein der USA über 25 Cents von 1874 mit Porträt von Robert J. Walker, Format 90 x 55 mm, Vorder- und Rückseite. Der Mangel an Münzen während des Amerikanischen Bürgerkriegs zwang den Staat zur Ausgabe von Kleingeldscheinen. Die erste Ausgabe waren das sog. Postage Currency. Durch Gesetz vom 3. März 1863 erlaubte der Kongress die Ausgabe weiterer Kleingeldscheine, die als Fractional Currency bezeichnet wurden. Es gab vier verschiedene Auflagen (als 2. bis 5. Ausgabe bezeichnet): 2. Ausgabe (vom 10. Oktober 1863 bis 23. Februar 1867): 5, 10, 25 und 50 Cents 3. Ausgabe (vom 5 Dezember 1864 bis 16. August 1869): 3, 5, 10, 25 und 50 Cents 4. Ausgabe (vom 14. Juli 1869 bis 16. Februar 1875): 10, 15, 25 und 50 Cents 5. Ausgabe (vom 26. Februar 1874 bis 15. Februar 1876): 10, 25 und 50 Cents Die Fractional Currency-Scheine wurden ebenso wie die Postage Currency-Scheine durch Gesetz vom 14. Januar 1875 und 17. April 1876 zur Einlösung in Silber aufgerufen. 2. Kanadische Kleingeldscheine Fractional Currency: Kleingeldschein des Dominion of Canada über 25 Cents vom 2. Juli 1923, Vorder- und Rückseite. Staatspapiergeld des "Dominion of Canada" über 25 Cents. Es gibt drei verschiedene Ausgaben: 1. März 1870, 2. Januar 1900 und 2. Juli 1923. Im englischen Sprachgebrauch werden alle Kleingeldscheine, die als Ersatz für fehlende Münzen ausgegeben wurden, auch als Fractional Currency bezeichnet. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Leserpost: Schein von Böhmen und Mähren mit Loch
Sehr geehrte Damen und Herren, da Sie die Spezialisten im Bereich deutscher Banknoten sind, habe ich eine Frage zu der im Anhang befindlichen Banknote meiner Sammlung, und hoffe Sie können mir Auskunft dazu geben. Die 5-Kronen-Banknote ist mit „Specimen“ perforiert, was auch der Beschreibung im "Rosenberg-Katalog" entspricht. Aber es ist auch eine weitere Perforierung (Lochung) unterhalb der Blocknummer zu sehen. Nun geht es mir um die Lochung auf der Banknote. Können Sie mir sagen, was es mit der auf sich hat bzw. wie sich diese auf den Wert der Banknote auswirkt? Mit der Bitte um Rückmeldung verbleibe ich Mit freundlichen Grüßen M. Kuchta Antwort der Redaktion Scheine Protektorats Böhmen und Mähren mit Perforation „SPECIMEN“ stammen aus Restbeständen der Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag. Die ehemalige tschechoslowakische Nationalbank hat die Scheine nach dem Zweiten Weltkrieg perforieren lassen, bevor sie an Sammler abgegeben wurden. Die kreisrunde Lochentwertung ist älter als die Perforation. Man hat in diesem Fall also einen bereits durch Lochung entwerteten Schein mit der Perforation „SPECIMEN“ versehen. Eigentlich sind Entwertungen (egal ab Lochentwertung, Eckabschnitt, Stempel usw.) wertmindernd. Das trifft vor allem auf deutsches Notgeld zu, das durch die Emittenten aus Restbeständen entwertet wurde, bevor es ebenfalls an Sammler abgegeben wurde. Die so entwerteten Notgeldscheine kommen allerdings auch häufig vor, weshalb sie bei der Bewertung mit einem Preisansatz für gebrauchte Scheine gleichgesetzt werden. Hier liegt der Fall etwas anders. Die Scheine des ehemaligen Protektorats Böhmen und Mähren kommen nur selten mit Lochentwertungen vor, weshalb man hier den Wert des Scheins nur unwesentlich niedriger (abzüglich 10–20 %) ansetzen kann. Da diese Scheine eigentlich aber seltener sind als Specimen-Scheine ohne Lochentwertung, könnte man umgekehrt sogar einen höheren Preis rechtfertigen. Das hängt immer von der Sicht des Verkäufers und Käufers ab. Eine feste Regel gibt es dafür nicht! Vorsicht ist allerdings geboten. Sollte man die Scheine mit Lochentwertung und Perforation tatsächlich höher bewerten als die mit Perforation ohne zusätzliche Lochentwertung, dann würde es wohl nicht lange dauern, bis eifrige "Bastler" selbst nachträglich Lochungen vornehmen, um die Scheine so im Wert zu steigern. Schon allein aus diesem Grund sollte es bei einem Preisabzug bleiben. Hans-Ludwig Grabowski
- Ukraine: 500-Griwen-Noten mit Überdruck
Am 29. Dezember 2022 begann die Nationalbank der Ukraine mit dem Verkauf von 500-Griwen-Umlaufnoten mit Überdruck. Die Scheine mit dem Porträt des vieltalentierten Philosophen Gregorius Skoworoda (1722–1794) kosakischer Herkunft, der sowohl in heute ukrainischen als auch in russischen Gebieten des Zarenreichs tätig war und daher von beiden Ländern beansprucht wird, zeigen auf der Rückseite die Nationale Universität Kiew-Mohyla-Akademie. Der Ausgabeanlass ist der 300. Geburtstag des auf der Vorderseite Geehrten, was auch durch den Überdruck mit OVI-Effekt im linken Feld der Vorderseite angegeben wird. Dieses numismatische Produkt wurde in Foldern und in Umschlägen zum Verkauf angeboten. Für den Februar dieses Jahres steht außerdem eine weitere Gedenknote auf dem Emissionsplan der ukrainischen Nationalbank: In einer Auflage von 300.000 Exemplaren sollen 20-Griwen-Noten mit dem Titel "WE WILL NOT FORGET! WE WILL NOT FORGIVE!" ausgegeben werden. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Das Papiergeld des Jørgen Thor Møhlen
Nach dem Vorbild schwedischer Kreditscheine der Stockholmer Bank von Johan Palmstruch aus den Jahren 1661 bis 1666 gab man auch in Norwegen am Ende des 17. Jahrhunderts ähnliche Geldscheine aus. Abb. 1: 5 Daler kopparmynt vom 6. Dezember 1662. Als Herausgeber der ersten norwegischen Geldscheine von 1695 gilt unbestritten der Kaufmann Jørgen Thor Møhlen in der damals größten norwegischen Hafenstadt Bergen. Geboren wurde er aber um 1640 im Herzogtum Holstein (damals Erbbesitz des Königs von Dänemark und Herzogs von Holstein-Glückstadt). Sein Vater Jürgen Thormöhlen (eigentl.: Jorgen ter Maulen, geb. 1615) führte eine Weinhandlung in Hamburg. Nach dem frühen Tod seines Vaters erhielt der älteste Sohn Jürgen Thormöhlen jr. seine kaufmännische Ausbildung in den Niederlanden, Frankreich und England. 1664 kam er nach Bergen, nahm dort sein Bürgerrecht am 10. Oktober desselben Jahres als Kaufmann an, und galt in den folgenden Jahren als reichster Bürger der Stadt. In dieser Zeit benannte er sich in Jørgen Thor Møhlen um und baute ein umfangreiches industrielles Imperium auf. Durch Ex- und Importgeschäfte konnte er eine wachsende Schiffsflotte aufbauen – das machte ihn zum größten Reeder Norwegens. Er handelte mit Hering, Holz und landwirtschaftlichen Gütern in Westnorwegen und in der Finnmark. In Kvinnherad kaufte er die dortige Kupferhütte Lilledal. Als Chef der „Grønlandske Rederi“ schickte er seine Schiffe zum lohnenden Walfang. Seit 1679 gehörte er zur wirtschaftlichen Elite in Bergen. Abb. 2: Jørgen Thor Møhlen (Maler unbekannt). Als Anerkennung für seine umfangreichen wirtschaftliche Aktivitäten sandte ihm König Christian V. von Dänemark- Norwegen einen Brief nach Vestre Sydnes, in dem er ihn am 29. Oktober 1681 zum kaufmännischen Direktor ernannte. Damit wurde Thor Møhlen gewissermaßen Norwegens Handelsminister und somit Vermittler zwischen norwegischen Unternehmern und der Regierung in Kopenhagen. Abb. 3: Unterschrift von Jørgen Thor Møhlen (1695). Abb. 4: das von 1685 bis 1693 von Jørgen Thor Møhlen bewohnte Herrenhaus „Kronstad Hovedgård“ (der Gebäudekomplex gehört heute der Gedenkstiftung der norwegischen Kriegsveteranen, Foto von 2007). 1689 erhielt er das königliche Privileg, ein Industriegebiet in Vestre Sydnes zu gründen (1877 eingemeindet: das spätere sog. Møhlen-Priis). Es entstanden unter seiner Regie: Bäckerei, Gerberei, Nagelfabrik, Kippwerkstätten, Packschuppen, Kaianlagen, Öl- und Schießpulvermühlen, Wollweberei, Seilerei, Salzraffinerie und Seifenfabrik sowie Wohnstätten für seine Beschäftigten und deren Familien. Zoll- und Steuerbüros in ganz Norwegen wurden von ihm seit 1690 gepachtet. Thor Møhlen betrieb eine bewusste Heiratspolitik und ließ seine sieben Töchter mit wohlhabenden Kaufleuten vorzugsweise deutscher Herkunft verheiraten. Dänemark hatte 1670 die Insel St. Thomas von England gekauft und noch im selben Jahr die Westindische und Guinea-Gesellschaft gegründet. Die dänischen Behörden wollten St. Thomas kolonisieren – vor allem Zuchthäusler wurden mit Thor Møhlens Schiff „Færø“ im Januar 1672 über den Atlantik gebracht. Aber innerhalb von sechs Monaten waren die meisten Kolonisten gestorben. Seine Schiffe brachten allerlei Waren und vor allem Waffen von Europa nach Afrika, dort kaufte man u. a. Sklaven, brachte sie nach Amerika und lud für ihre Rückreise nach Europa Zucker, Baumwolle, Edelhölzer und Tabak. Thor Møhlen war Haupteigner der „Cornelia“, die 1673 als erstes Schiff unter dänischer Flagge 103 Sklaven nach Amerika brachte. Die sog. Dreiecksfahrten waren durch eine große Auslastung der Schiffe sehr vorteilhaft, da sie so fuhren, dass Wind und Strömung maximal ausgenutzt werden konnten. Seit dem 13. Februar 1690 wurden ihm von der Dansk Vestindien og Guinea-selskab die dänisch-norwegischen Kolonien St. Thomas, St. Jan und einige kleinere Inseln in der Karibik verpachtet. Diese waren als Sklavenkolonien gedacht. Der Pachtvertrag übertrug ihm den gesamten westindischen Handel für zehn Jahre gegen eine jährliche Pachtgebühr von 4.630 Reichstalern. Seine Schiffe fuhren 1689 von Nordeuropa zu den dänischen Forts Christiansborg, Fredensborg und Augustaborg in Westafrika und in die Karibik. Der Pachtvertrag verpflichtete ihn, Ureinwohner aus Guinea als Sklaven von der Westindischen Gesellschaft gegen Bezahlung zu übernehmen. Er verpflichtete sich außerdem, „dass das Land jährlich mit jungen, gesunden Menschen versorgt und bevölkert wird und dadurch das Land aufgebaut werden kann“. Über 120.000 Sklaven wurden aus den dänisch-norwegischen Niederlassungen in Guinea in die Karibik gebracht und St. Thomas entwickelte sich daher zu einem Zentrum des Sklavenhandels in weiten Teilen der Karibik. Um 1690 war Thor Møhlen auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zunächst brachte ihm der Handel mit Westindien große Gewinne. Aber die politische Entwicklung zwischen Dänemark und Brandenburg führte dazu, dass brandenburgische Kaufleute als Entschädigung für angebliches Unrecht große Warenvorräte auf St. Thomas übernehmen durften. Es waren die gleichen Waren, die Thor Møhlen mit Schiffen geschickt hatte. Nun mussten sie ohne Ladung zurückkehren. Das kostete Thor Møhlen fast 100.000 Reichstaler. Nach Verhandlungen erklärte sich König Christian V. bereit, ihm eine Entschädigung in Form eines persönlichen und zinslosen Darlehens zu zahlen. Die Berater des Königs wollten eine Idee, die schon 30 Jahre zuvor im benachbarten Schweden verwirklicht wurde, auch in Norwegen realisieren: die Ausgabe von Kreditscheinen. Jørgen Thor Møhlen sollte Papiergeld im Wert von vorerst 50.000 Reichstalern erhalten, als Kreditscheine in Münzen tauschen und zum Aufkauf von Waren für den Export verwenden. Danach sollten die Scheine wieder gegen Münzen zurückgetauscht und den Investoren ausgezahlt werden: Norwegens erste Banknoten wurden gedruckt. Abb. 5: Verordnung vom 22. Juni 1685 aus Hafniæ (= Kopenhagen). Nach der „Verordnung über bestimmte Banknoten, die in mehreren Werten als Bargeld in Nordenfields in Norwegen gelten“ vom 22. Juni 1695 durften die Scheine in einer Auflage von 100.000 Reichstaler (= Rixdaler) gedruckt und in West- und Nordnorwegen zwischen Bergen, Røros, Ålesund und Trondheim in Umlauf gebracht werden (von der Südspitze von „Sønnafjelske Norge“ in Åna-Sira nach Norden die ganze Küste entlang). Møhlen hoffte, Geldscheine in Höhe von 200.000 Reichstalern drucken zu dürfen. Abb. 6: alte Karte von 1665 mit dem Titel „Norvegia Regnvm, Vulgo Nor-ryke“ im „Atlas Maior“ von Dr. Joan Blaeu abgedruckt (im roten Linienfeld das ungefähre Umlaufgebiet der Kreditscheine. Die Verordnung wie auch die Kreditscheine wurden von Johan Philip Bockenhoffer in Kopenhagen gedruckt, ein aus dem Elsass stammender Buchdrucker; seine Werkstatt war die königliche Hof- und Universitätsdruckerei. Tatsächlich wurden damals fünf Werte in Doppelnutzen gedruckt: 10 Rixdaler/Croner (1000 Stück), 20 Rixdaler (500 Stück), 25 Rixdaler (1000 Stück), 50 Rixdaler (500 Stück) und schließlich 100 Rixdaler (300 Stück). Aber nicht alle wurden auch ausgegeben – von den 25-Rixdaler-Scheinen gab man bspw. nur 400 Stück aus. Der Aufdruck der Kreditscheine lautete in Dänisch „Som hans kongl. majest. den 22 junii indeværende Aar 1665 / sin allernaadigste Forordning haver ladet udgaae / angaaende visse Seddeler / som i steden for bare menge Norden-fields udi hans kongelige majestets Rige Norge skal gielde / Saa er denne seddel ester samme Forordnings indhold vorden authorisered, for Værdie af ... Rixdaler/Croner.“ und kann in etwa übersetzen werden mit: „Seine Königl. Hoheit hat am 22. Juni dieses Jahres 1695 seine allergnädigste Verordnung erlassen – betreffs bestimmter Geldscheine, welche statt baren Geldes im nördlichen Teil Norwegens, im Reich Seiner Königl. Hoheit gelten sollen. So ist dieser Schein laut Inhalt der genannten Verordnung als gültig erklärt worden für einen Wert von ... Reichstaler/Kronen.“ Die 3.300 Einzelscheine waren etwa 22 cm × 17 cm groß, einseitig bedruckt und zeigten das Amsterdamer Wappen als Wasserzeichen auf dem in den Niederlanden handgeschöpften Büttenpapier. Abb. 7: Vorderseite eines unausgefüllten Blankoscheins, die Ortsangabe „Kiøbenhafn“ und das „No.“ sind noch nicht eingedruckt; bei einem Ausruf von 1.700 dän. Kronen (≈ 230 Euro) erreichte dieser sog. Remainder 15.500 dKr (≈ 2.100 Euro), Online-Auktion Bruun Rasmussen, August 2020. Abb. 8: Wasserzeichen mit dem Wappen von Amsterdam. Abb. 9: Siegel von König Christian V. mit der Umschrift „CHRISTIANUS V · DG · DAN · NOR · VAN · GOT · REX“. Die einheitlichen Vordrucke wurden handschriftlich mit den jeweiligen Werten ausgefüllt, vor der Ausgabe mit dem Lacksiegel des dänischen Königs versehen und durch die drei unterschiedlich großen Siegel von Thor Møhlen und den zwei Beamten der Rentenkasse – Jacob Sörensen und Lauritz Mouritzen – ergänzt. Diese unterschrieben zusammen die Scheine unterhalb des gedruckten Textes und nochmals auf der rechten Seite, die später durch Zerreissen abgetrennt wurde. Handschriftlich wurden das Datum, die beiden Kontrollnummern und die Wertbezeichnung hinzugefügt. Abb. 10: komplette Ausfertigung des Kreditscheins über 50 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 284/a. Abb. 11: Wappen von Thor Møhlen „IIRGEN TORMØL“ (zeitgenössisch) . Abb. 12: die drei Siegel in unterschiedlicher Größe der Unterzeichner aller Kreditscheine, von links: Møhlen / Sörensen / Mouritzen. Unterschiede in der Ausführung gab es bei der Ortsangabe: einmal gedruckt (10 und 20 Rixdaler) und einmal handschriftlich (25, 50 und 100 Rixdaler). Auch die Kontrollnummern kommen gedruckt (10 und 20 Rixdaler) sowie handschriftlich (25, 50 und 100 Rixdaler) vor. Abb. 13: oben gedruckt „Kiøbenhafn den“ (10 Rd.), unten handschriftlich „Kiøbenhaffn d.“ (25 Rd.) für Kopenhagen. Erstmals beim Geldschein-Druck wurden verschiedene Serienbuchstaben verwendet: nur Punkt = 100 Rd., a = 50 Rd., b = 25 Rd., c = 20 Rd. und d = 10 Rd., die 100er wurden evtl. als erste ausgefertigt. Abb. 15: nachgewiesene Kontrollnummern aller Scheine. Abb. 16: linker Teil des Kreditscheins über 10 Rixdaler/Croner mit der Kontrollnummer No. (gedruckt) 4/d (handschriftlich). Abb. 17: linker Teil des Kreditscheins über 20 Rixdaler/Croner mit der Kontrollnummer No. (gedruckt) 85/c (handschriftlich). Bekanntermaßen wurden die fertigten Scheine vor der Ausgabe durch Zertrennen geteilt; der linke Teil wurde als eigentlicher Kreditschein dem Einlieferer von Silbergeld, meist aber für Löhne ausgezahlt – der rechte Teil, der sog. Talon(g), verblieb in der Rentenkammer als Gegenstück bei dem nötigen Vergleich eines Rücktauschs. Auf den Rückseiten wurde der entsprechende Wertbetrag und die Kontrollnummer nochmals handschriftlich vermerkt. Auch die Rückseiten der einbehaltenen Teilscheine wurden so gekennzeichnet. Abb. 18: linker Teil des Kreditscheins über 25 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 898/b. Abb. 19: dazugehörige Rückseite des Kreditscheins über 25 Rixdaler/Croner, handschriftlich „Nro 898 Croner = 25 = Rdr.“. Abb. 20: komplette, jedoch zerrissene Ausfertigung des Kreditscheins über 50 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 248/a. Die Scheine wurden im Juli/August 1695 in Dänemarks Hauptstadt gedruckt. Die Währungsbezeichnung lautete auf Rixdaler/Croner; somit galt bspw. ein Schein zu 100 Rd./Cr. 400 Mark in Silber – eine sehr hohe Wertstufe. Die Hälfte der Kreditscheine in Höhe von etwa 50.000 Rd. verblieb in Dänemark als hinterlegtes Bürgschaftsgeld und wurde nie ausgegeben – Thor Møhlen reiste somit nur mit den 10- und 20ern und den restlichen 30.000 Rd. nach Norwegen. Für Lohnzahlungen und Einkäufe dort waren die niedrigen Werte praktischer als die höheren. Abb. 21: komplette, jedoch zerrissene Ausfertigung des Kreditscheins über 100 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 243. Abb. 22: Vorder- und Rückseite des Kreditscheins über 25 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 429/b. Abb. 23: 1 Krone 1694 mit Münzzeichen Herz (für Kopenhagen);1 Krone galt 4 Mark Silber. Im Jahr 1723 wurden fertige 25-, 50- und 100-Rd.-Scheine in mehreren versiegelten Paketen im heutigen Rigsarkivet (Reichsarchiv) entdeckt. Anfangs hat sie damals niemand als Møhlen-Scheine erkannt. Es waren die Einlagen der vier Bürgen. Diese Geldscheinbündel sind heute noch mehr oder weniger gut erhalten. Der Großteil dieser Scheine, die heute in Sammlungen liegen oder auf dem Sammlermarkt angeboten werden, stammen aus den Beständen des Reichsarchivs in Kopenhagen. Abb. 24: ungeöffnete Päckchen mit 25-Rixdaler-Scheinen im Reichsarchiv Kopenhagen. Abb. 25: Kreditschein über 25 Rixdaler/Croner mit unterschiedlichen Nummerierungen – links Nro 342/b, rechts Nro 249/b. Das erklärt auch das seltene Vorkommen der Scheine zu 10 und 20 Rixdaler. Guterhaltene Exemplare erreichen heute Preise von 2.000 bis 3.000 Euro; die Talons bis 1.000 Euro. Von allen Ausgaben kommen die 25-Rd.-Scheine am häufigsten vor. Abb. 26: Monogram Christian V., gekröntes CV im Perlrand (1670 bis 1699 König von Dänemark und Norwegen – in Personalunion). Auffallend ist bei heute angebotenen Scheinen, dass Nummerierungen auf den Talons von den ausgegebenen Noten abweichen. Oft sind auch Teilstücke zwei verschiedener Kreditscheine nachweisbar. Deshalb passen Trennstellen und das königliche Wappen mit verschlungenen Buchstaben (CV normal und CV gekontert) nie zusammen. Wahrscheinlich sind diese Zusammenfügungen mehr oder weniger moderne "Manipulationen". Teilstücke werden vielfach einzeln angeboten. Abb. 27: für 22.000 dän. Kronen (≈ knapp 3.000 Euro) ersteigerter zweiteiliger Møhlen-Schein, links 50 Rd., Nro 297 a/rechts 10 Rd. No. 761; im Originaltext Rasmussen-Auktion Nov. 2022 wird der Fehler nicht bemerkt und mit 20 Rd. statt richtig 10 Rd. Ausgewiesen: „50 rigsdaler/kroner 1695, No. 297/a, Sieg 4, Pick A4, Rø S2, med talon til 20 rigsdaler, Sieg 2, Pick A2, Rø S4 - fint bevarede laksegl, Dobbeltmonarkiet Danmark/Norges ældste seddeltype fremstillet af købmanden Jørgen thor Møhlen i Bergen“. Das Finanzprojekt Møhlens war aber nicht erfolgreich. Die Scheine fanden in der Bevölkerung kein Vertrauen. Menschen, die mit diesen Scheinen entlohnt oder bezahlt wurden, blieben auf ihrem Papiergeld sitzen (eine Parallele zu den schwedischen Creditif-Zetels von Johan Palmstruch Stockholms Banco ist unverkennbar). Møhlens Kreditscheine waren keine Schuldscheine, die auf Namen ausgestellt waren – sie konnten frei getauscht werden. Sie stießen bei Händlern, Handwerkern und Landwirten auf keine Begeisterung, obwohl sich größerer Beträge in Mappen oder Umschlägen mitführen ließen, anstatt sie in Geldkisten verladen zu müssen. Jedoch konnten die Rixdaler-Besitzer ihre Scheine kaum in Münzgeld tauschen, das kam selten in Umlauf. Handelsrat und Handelsdirektor Jørgen Thor Møhlen war nicht mehr in der Lage, das Versprechen zur Einlösung seiner privaten Geldscheine einzuhalten. Er verschuldete sich enorm und fand bei seinem Gönner, König Christian V., keinerlei Unterstützung. Møhlens naives Vertrauen in das Wort eines absoluten Königs war der Hauptgrund seiner Zahlungsunfähigkeit. Gleichzeitig weigerten sich die Beamten des Königs, die Scheine als Zahlung für Steuern und Abgaben zu akzeptieren. Die Regierung forderte nun die Einlösung aller Noten, wozu Thor Møhlen keinesfalls in der Lage war. Deshalb erließ man die Verordnung über die Aufhebung der genehmigten Nordenfields-Banknoten vom 21. August 1696, obwohl die Scheine bis 1700 gelten sollten: „Da die autorisierten Scheine nicht planmäßig von Jørgen thor Möhlen eingelöst wurden, wird die Verordnung vom 22. Juni 1695 aufgehoben und die umlaufenden autorisierten Scheine werden innerhalb von 6 Wochen bei den Bezirksämtern in Bergen und Trondheim zur Einlösung aufgerufen“. Nach der Insolvenz musste Møhlen seine umfangreichen Geschäfte aufgebenen. Niemand hatte das Kapital oder den Mut, das Industriegebiet Møhlen-Pris zu übernehmen; bis ins 18. Jahrhundert hinein lagen die Einrichtungen dort brach und verfielen. Jørgen Thor Møhlen verstarb verarmt am 1. Weihnachtsfeiertag 1708 während eines Aufenthalts in Kopenhagen. Sein Vermögen wurde auf 29 Reichstaler geschätzt und sein einziger Diener wurde seit 1703 nicht mehr bezahlt. Seine umfangreichen Immobilien kamen am 30. Juni 1710 in einer Auktion unter den Hammer und wurden in alle Winde zerstreut. Es war der größte Bankrott, den Norwegen bis zu diesem Zeitpunkt erlebt hatte. Schätzungen gehen davon aus, dass König Christians Staatskasse durch den Bankrott bis 22.000 Rixdaler verloren hat, während der Verlust im privaten Sektor bei etwa 20.000 Rixdaler lag. Für diese Summe hätte man damals etwa 1.300 Bauernhöfe in Westnorwegen kaufen können. Abb. 28: Bilderrahmen mit Faksimile-Druck der ersten norwegischen Banknote zum 300-jährigen Jubiläum der Ausgabe der Thor-Møhlen-Kreditscheine. 1995 wurden die Jubiläums-Mappen „Møhlen-Sedlene/Norges første pengesedler“ mit einem Faksimile-Druck des 100-Rixdaler-Scheins Nro 200 hergestellt; auch gerahmte Nachdrucke durch die Norges Banks Seddeltrykkeri in limitierter Auflage sind noch heute für 400 norw. Kronen (≈ 40 Euro) lieferbar. Auf Internet-Auktionsforen werden sehr einfache Kopien der Møhlen-Scheine angeboten, die natürlich keinen Sammlerwert haben. Abb. 29: Møhlenpris-Viertel, 1877 in die Stadt Bergen eingemeindet (Foto um 1920). Während der Proteste aufgrund des Todes von George Floyd durch US-Polizisten gab es 2020 auch in Bergen Aufrufe zum Protest, die den Sklavenhandel von Thor Møhlen thematisierten. Ein Wohn- und Geschäftsviertel der Stadt, Møhlenpris, das nach Thor Møhlen benannt wurde, sollte einen anderen Namen erhalten. Die „Bergens Tidende“ titelte am 9. Juni 2020: „Nå går Møhlenpris-striden til bystyret – Arven fra Jørgen Thor Møhlen står dårlig til nabolaget“ (≈ „Nun geht der Møhlenpris-Streit an den Stadtrat – Das Erbe von Jørgen Thor Møhlen wirft kein gutes Licht auf die Nachbarschaft“). Michael H. Schöne Quellen: https://ekonomiskamuseet.se (Kungliga Myntkabinettet) https://en.wikipedia.org http://www.riksbank.com http://www.danskmoent.dk http://www.numismondo.net https://www.nermo.org https://nattmannensdatter.wordpress.com https://www.bavarikon.de https://www.nermo.org https://snl.no https://lokalhistoriewiki.no Rønning, Bjørn Ragnolf: „Penger av papir i Norge før etableringen av Norges Bank (1695-1816)“, 2011.
- Probleme bei der Zustellung von Newslettern an T-Online-Adressen
Immer wieder schreiben uns Leser, dass sie keinen kostenlosen Newsletter von Geldscheine-Online mehr erhalten, obwohl sie diesen abonniert haben. Auch zur World Money Fair Anfang Februar 2023 in Berlin wurden wir von Besuchern am Stand des Battenberg Gietl Verlags angesprochen, die das gleiche Problem haben. Das Problem ist uns bekannt, liegt aber nicht bei uns. Es liegt an der Deutschen Telekom! Viele Leser des Newsletters haben eine private E-Mail-Adresse von T-Online und wundern sich, dass sie keinen Newsletter mehr erhalten. Es gab bereits mehrere Anfragen, ob der Newsletter eingestellt wurde. Nein, das ist nicht der Fall! T-Online sperrt leider immer wieder Sammel-Mails, die über bestimmte Anbieter aus den USA kommen, weil die angeblich auch für SPAM genutzt werden, so z. B. aus Russland. Wir haben uns immer wieder sowohl bei dem Mail-Provider in den USA als auch bei T-Online selbst beschwert. Ab und zu kamen dann wieder eine Zeit lang Mails an T-Online-Adressen durch, dann wurden sie wieder gesperrt. Das Problem wird noch dadurch verschärft, dass der Mail-Provider nicht aktive E-Mail-Adressen herausfiltert. Natürlich kann man nicht aktiv sein, wenn T-Online die Mails gar nicht erst zustellt. Seit geraumer Zeit kommen nun gar keine Newsletter mehr bei T-Online-Mailadressen an, auch nicht bei meiner eigenen. Wir beschweren uns regelmäßig weiter, doch ohne Erfolg. Das Gleiche betrifft auch Muenzen-Online.com. Was tun? Es tut uns sehr leid, dass uns da wirklich die Hände gebunden sind und die Deutsche Telekom einfach nach eigenem Ermessen die Zustellung von E-Mails – selbst von deutschen Firmen wie uns – blockiert. Vielleicht hilft es, wenn sich Abonnenten des Newsletters selbst bei T-Online beschweren. Ich persönlich habe mir zur Kontrolle des Versands eine zweite E-Mail-Adresse bei einem anderen Anbieter angelegt, über die ich die Newsletter problemlos zugestellt bekomme. Allerdings kann man jederzeit einfach unseren Blog im Internet besuchen und so all unsere Beiträge direkt Online lesen. Der wöchentliche Newsletter stellt im Wesentlichen eine Zusammenfassung der in dieser Woche erschienenen neuen Geldschein-Nachrichten und Fachbeiträge dar. In aller Regel veröffentlichen wir jeden Mittwoch neue Artikel im Blog. Auch immer mehr Leser aus dem Ausland nutzen unseren Geldschein-Blog, um sich über Neuheiten und interessante Themen rund um historisches und modernes Papiergeld zu informieren. Natürlich können Sie auch unser Newsletter-Archiv nutzen, um Zugriff auf alle bisher verschickten Newsletter und alle Online-Beiträge zu haben. Auch über den Menüpunkt "ARCHIV" im Hauptmenü von Geldscheine-Online.com. Weiterhin viel Freude bei der Lektüre und bei Ihrem Hobby! Hans-Ludwig Grabowski












