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Portugiesische Entdeckungsfahrten und der Seeweg nach Indien

Gedenkbanknoten “500 Jahre portugiesische Entdeckungsreisen”


Portugal entwickelte sich im 13. und 14. Jahrhundert zu einem der ersten Flächenstaaten mit einer vergleichsweise modernen, in weiten Bereichen juristisch gebildeten Regierung und Verwaltung. Neben einer königlichen Marine fanden sich Anfänge eines militärischen Rekrutierungssystems, ein zentralisiertes Steuerwesen und die Krone versuchte, sich durch eigene Kronmonopole und Handelsunternehmungen zusätzliche Einnahmen zu verschaffen. Der moderne Adel begann durch die Geldwirtschaft also, sich von der Landwirtschaft ab- und eher dem städtischen Handel und Gewerbe zuzuwenden. Portugal war abhängig von Importen. Dies legte den Grundstein für die Erforschung neuer Handelsrouten und Handelsbeziehungen.


Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts gelangen viele begehrte und kostbare Güter wie Gewürze, Elfenbein und Gold, das bei den christlichen Mittelmeerstaaten zur Münzprägung sehr gefragt war, über zahllose Karawanen von Arabien oder Afrika bis ans Mittelmeer und dann weiter nach Süd- und Mitteleuropa. Portugal litt besonders an der Goldknappheit.

Nach 1383 wurden deshalb in Portugal für einige Zeit keine Goldmünzen mehr geprägt.

Die Herrscher suchten nun nach Möglichkeiten, ihre eigene Versorgung sicherzustellen und somit unabhängig von den venezianischen oder arabischen Händlern zu werden, die den Handel über den Landweg beherrschten. Heinrich (1394–1460), der vierte Sohn des portugiesischen Königs Johann I., war einer der ersten, der auf dem Seeweg nach neuen Handelsrouten für Portugal suchte. Er hatte sich zuvor durch militärische Erfolge in Nordafrika verdient gemacht und war an der Eroberung der Stadt Ceuta beteiligt. Der beste Hafen Marokkos, der damaligen Kornkammer Nordafrikas, lag somit in portugiesischem Besitz.

Die Straße von Gibraltar war das erste Ziel der Expansion außerhalb Europas. 1420 wurde Prinz Heinrich zum weltlichen Führer des Ordens der Christusritter ernannt. Er konnte dadurch auf deren seefahrerische Erfahrung zurückgreifen und erlangte beträchtliche finanzielle Mittel, mit denen er Erkundungsfahrten plante und finanzierte. Obwohl Heinrich nie selbst eine längere Schifffahrt unternahm, erhielt er in der Folge den Beinamen „der Seefahrer“.

Seine Schiffe entdeckten und besiedelten in den Folgejahren die Azoren und er versuchte, die Kanarischen Inseln in portugiesischen Besitz zu bringen, was jedoch zu Auseinandersetzungen mit dem Königreich Kastilien führte, das ebenfalls Anspruch auf die Inseln erhob. Heinrich wollte mit den veranlassten Expeditionen nicht nur neue Handelsverbindungen für Pfeffer, Gold, Elfenbein oder Sklaven etablieren, sondern auch den christlichen Glauben verbreiten und den Islam zurückdrängen. Er erhoffte sich dazu die Mithilfe des sagenhaften Priesterkönigs Johannes, der einer Legende nach in Afrika oder Asien ein großes, sehr wohlhabendes Reich beherrscht haben soll. Für die Existenz eines solchen Priesterkönigs oder sein geschichtliches Äquivalent gibt es heute keine klaren Nachweise.


Abbildung: POR-191 10.000 Escudos (1996 – 1998)

Vorderseite: Mitte: Siegel des Infanten (Prinzen) Dom Henrique von Portugal („Heinrich der Seefahrer“), Schiffsseil, Gürtel, Stundenglas und Kompass; Rechts: Porträt von Heinrich dem Seefahrer. Rückseite: Portugiesische Karavelle, Ranken, Malteserkreuz und Windrose.



Nachdem Heinrich der Seefahrer 1460 verstorben war, führte König Johann II. seine Pionierarbeit fort. Bis dahin hatten die Portugiesen die Westküste Afrikas bis zum Kap Mesurado im heutigen Liberia erkundet und sind über den Fluss Gambia in das Landesinnere Afrikas eingedrungen. Mittlerweile gab es im Kampf Portugals um die Vorherrschaft auf den Ozeanen einen klaren Widersacher: Spanien. Das zentrale Vorhaben beider Königreiche war es, den Seeweg nach Indien zu finden. König Johann II. setzte dabei auf mehrere Expeditionen. Pedro de Covilhao und Alfonso de Paiva brachen zunächst auf dem Landweg über Barcelona, Neapel und Rhodos nach Alexandria auf und sind dort über das Rote Meer bis nach Aden weitergereist. De Covilhao gelang es schließlich, seine Reise bis zu den indischen Städten Kalikut (heute: Kozhikode) und Goa fortzusetzen und so wichtige Erkenntnisse über den dortigen Reichtum und Handel zu gewinnen.

Eine weitere von Johann II. veranlasste Erkundungsfahrt war 1487 auf dem Seeweg aufgebrochen, um Afrika im Süden zu umsegeln. Bartolomeu Dias (1450–1500), der Leiter dieser Expedition mit zwei Karavellen und einem Proviantschiff, navigierte seine Matrosen bis weit südlich des heutigen Namibias und ließ dabei zu mehreren Gelegenheiten durch Tauschgeschäfte mit den Einwohnern Afrikas die Vorräte aufstocken. Als die Schiffe im Januar 1488 in einen schweren Sturm gerieten, verloren sie die Orientierung. Dias legte einen Ostkurs fest, im festen Glauben, dort auf Land zu treffen. Weit gefehlt jedoch – Erst nachdem Dias und seine Begleiter nach Norden fuhren, war die afrikanische Küste wieder zu sehen. Ohne es zu bemerken, haben die Schiffe erstmals die Südspitze Afrikas umsegelt.

Der Kapitän wollte auf der Suche nach der indischen Küste weiter nach Osten vordringen, war jedoch aufgrund seiner an Skorbut erkrankten Mannschaft zur Umkehr gezwungen. Auf der Rückfahrt nannte Bartolomeu Dias das Südkap aufgrund der rauen See „Kap Tormentoso“, Kap der Stürme. König Johann gab ihm dann seinen heutigen Namen „Kap der guten Hoffnung“.


Abbildung: POR-189 2000 Escudos (1995 – 2000)

Vorderseite: Mitte: Münze aus der Zeit Johanns II. von Portugal, Astrolabium (Vorläufer des Sextanten in der Navigation auf See), Rechts: Porträt von Bartolomeu Dias. Rückseite: Dreimaster, Kompass und historische Karte von Europa und Afrika.


Der Grundstein für den Seeweg nach Indien war gelegt. Der König setzte jedoch nicht den erfahrenen Bartholomeu Dias als Kapitän für eine erneute Expedition ein, sondern entschied sich für den bisher in der Seefahrt kaum in Erscheinung getretenen Vasco da Gama (1469–1524), einem Mann aus dem Kleinadel, einem Stand, der besonders durch die Bekleidung öffentlicher Ämter und Ausübung der Kriegskunst bekannt war. Es dauerte fast zehn Jahre, bis eine erneute Expedition gestartet wurde. Nach dem Tod von Johann II. wurden die Vorbereitungen unter Manuel I. zu Ende geführt. Die Entdeckerflotte und die Schiffe, die von Bartolomeu Dias entworfen waren, waren auch für militärische Auseinandersetzungen ausgestattet. Und von dieser Ausrüstung wurde auch gebraucht gemacht, nachdem die vier Schiffe am 8. Juli 1497 den Hafen Lissabons verließen. Als innerhalb weniger Monate das Kap der Guten Hoffnung umschifft war und Vasco da Gama bis zu dem Punkt vorgedrungen war, an dem Dias umkehren musste, wurden seine Schiffe mehrmals von Eingeborenen bedroht. Da Gama ging in die Offensive; zum ersten Male donnerte europäische Artillerie in den Gewässern des Indischen Ozeans.


Fast ein Jahr nach Beginn der Reise ankerte Da Gama dann vor Kalikut. Er blieb drei Monate und verhandelte mit dem dortigen Oberhaupt, dem Samorin. Durch feindlich gesinnte Einwohner und arabische Kaufleute, die einen Vertrag verhindern wollten, entschloss sich Vasco da Gama zur Rückkehr nach Portugal. Hier wurde er für seine Entdeckungen gefeiert: Der Seeweg nach Indien war gefunden und ein Handelsabkommen mit Kalikut in Reichweite.


Abbildung: POR-190 5000 Escudos (1995 – 1998)

Vorderseite: Mitte: Medaillon aus Schiffsseil und Blüten mit Malteserkreuz sowie stilisierte Weltkugel, Rechts: Porträt von Vasco da Gama. Rückseite: Ankunft von Vasco da Gama in Kalikut (heute: Kozhikode), mit Pfefferpflanze als Symbol für den Gewürzhandel, historisches Segelschiff und Wappenschild.


Manuel I. stellte eine gewaltige Flotte zusammen, um die Vorherrschaft auf den Meeren zu behaupten und Portugals Einfluss in Indien zu sichern. Vasco da Gama verzichtete auf die Leitung der zweiten Indien-Expedition. Er zog es vor, sich von seiner ersten Fahrt zu erholen, die nur ein Viertel der Besatzung überlebt hatte. An seiner Stelle wählte der König Pedro Álvares Cabral (1467–1520) aus und stellte ihm seinen Veteranen Bartolomeu Dias zur Seite. Auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung wurden die Schiffe nach Westen abgetrieben und gerieten in den Äquatorialstrom. Die Seefahrer landeten weitab von der geplanten Route in Südamerika und begannen sogleich, das heutige Brasilien für Portugal in Besitz zu nehmen. 1500 steuert Cabral wieder zurück über den Atlantik und umsegelte Afrika. Bartolomeu Dias´ Schiff sank dabei und die gesamte Mannschaft mit Kapitän kam ums Leben.


Abbildung: POR-188 1000 Escudos (1996 – 2000)

Vorderseite: Mitte: stilisierter Globus mit Kranz aus Lorbeerlaub und Schiffsseil sowie Münze mit Malteserkreuz, Rechts: Porträt von Pedro Álvares Cabral. Rückseite: Allegorie auf die Entdeckung Brasiliens mit historischem Schiff und Tieren aus dem brasilianischen Dschungel.


An der Küste Ostafrikas verbreiten die Portugiesen unter Cabral in den Folgejahren Furcht und Schrecken, indem sie versuchten, gewaltsam Handelsbeziehungen und Handelsstützpunkte aufzubauen. Auch in Indien setzten die Eroberer ihre Interessen und die Erwartungen des Königs mit höchster Grausamkeit durch. Die Entdeckung des Seewegs nach Indien und die Zerstörung des bis dahin jahrhundertelang bestehenden Handelssystems markierte den Beginn der Kolonialisierung der östlichen Welt durch die Europäer. Vasco da Gama kehrte noch mehrmals nach Indien zurück, zum letztem Mal 1524. Er wurde dort zum Gouverneur und Vizekönig ernannt. Nach nur vier Monaten im Amt starb er. Bis heute ist das Image der großen portugiesischen Entdecker ohne größere Makel – Im Gegensatz zu Entdeckern wie Christoph Kolumbus, von denen mittlerweile ein deutlich ambivalenteres Bild vorherrscht.


Abbildung: POR-187 500 Escudos (1997 – 2000)

Vorderseite: Mitte: Weltkarte mit portugiesischem Wappen und zwei musizierende Engel mit Buch, Rechts: Porträt von Joao de Barros. Rückseite: Allegorie auf die portugiesischen Entdeckungen und Zitat von de Barros.


Joao de Barros (1496–1570) war ein portugiesischer Historiker und Verfasser der „Dekaden von Asien“, in denen er die Geschichte der Portugiesen in Asien, insbesondere in Indien, schilderte.


Elias Heindl


Literatur/Quellen:

Hans-Ludwig Grabowski/Josef Gerber: Gedenkbanknoten der Welt – Commemorative Banknotes of the World, Gietl Verlag, Regenstauf 2011.

Dieter Lohmann, Nadja Podbregar: Im Fokus: Entdecker. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2012, S. 19-37.

André Leroi-Gourhan, Kurt Kayser, Liselotte Kayser-Boelitz: Die berühmten Entdecker und Erforscher der Erde. Aulis Verlag Deubner, Köln, 1965, S. 35-46.

Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals – Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Verlag C.H. Beck, 2. Auflage, München, 2008, S. 18-47.

Ulrich Knefelkamp: Der Priesterkönig Johannes und sein Reich — Legende oder Realität? Journal of Medieval History 14, Heft 4 (1988), 337-355, https://doi.org/10.1016/0304-4181(88)90032-2.

wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Seefahrer (zul. aufgerufen am 14.02.2023)

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