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  • Die fünfte Jahreszeit – Bonner Serienscheine mit Bezug zum rheinischen Karneval

    Es wird marschiert, gesungen, getanzt und geschunkelt. Die Narren stürmen die Rathäuser und Karnevalsprinzen übernehmen die Macht, von Weiberfastnacht bis zum Aschermittwoch. Nach einer zweijährigen Corona-Pause sind seit dem 11.11. 11:11 Uhr wieder die Jecken in Stadt und Land unterwegs. Je nach Region in Deutschland verwendet man unterschiedliche Begriffe für die fünfte Jahreszeit. Doch welchen Ursprung haben Karneval, Fastnacht, Fassenacht, Fasnacht, Fasnet, Fasching, Fastabend, Fastelovend oder Fasteleer? Karneval war ursprünglich wohl ein heidnisches Fest, das nach dem Winter den Übergang zum Frühling markierte. Das Tragen von Kostümen und Masken sollte die bösen Wintergeister verjagen. Nach einer anderen Meinung leite sich der Ursprung aus einem Fest zu Ehren des Gottes Dionysos (später Bachus) ab. Im antiken Griechenland feierte man Ende Februar ein dreitägiges Fest zu Ehren des Gottes des Weines, der Landwirtschaft, der Fruchtbarkeit, des Spaßes und des Tanzes. Die Christen adaptierten so manchen heidnischen Brauch und gaben ihm eine neue Bedeutung. Vom 12. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wurden in Klöstern sog. Narrenfeste gefeiert. Niedere Kleriker übernahmen vorübergehend die Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden in Narren- und Eselsmessen parodiert. Allmählich verlagerte sich das Geschehen aus den Kirchen in die Städte. Die Bürger nahmen an den Festen mit Prozessionen, Musik und Spottgedichten teil. Belustigungen, Tanz, Ess- und Trinkgelage waren am Aschermittwoch vorbei. Nun begann „die sechswöchige Fastenzeit, und vorbei war es mit dem Genuss von Wein und Fleisch und allen aus Tieren gewonnenen Lebensmitteln. Vorbei war es auch mit anderen weltlichen Freuden: Zu den Fastengeboten gehörten auch die sexuelle Enthaltsamkeit und der Verzicht aufs Tanzen und Singen.“[1] Der Narr ist Jemand, der Gottes Schöpfungswerke nicht anerkennt. Die Masken stehen für Laster wie Hochmut oder Geiz und der Mummenschanz diente dazu, auf die Zeit der Buße und der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern einzustimmen. „Mit Fasching oder Karneval wird der Fastenzeit eine Art Anti-Schöpfung vorangestellt, um die Ablehnung eines gottlosen, erdverbundenen Lebens zu begründen. Der gewöhnliche Mensch konnte ein paar Tage lang erleben, was es bedeutet, wenn an Gottes Stelle der Teufel und der Mensch selbst regieren. Das Fest sollte also eine erzieherische Funktion auf die Gläubigen ausüben.“[2] Wie die Bezeichnung so sind auch die Bräuche des Karnevals in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Während meist ein Prinzenpaar über das närrische Volk regiert, ist es in Köln das Dreigestirn, bestehend aus dem Prinzen, dem Bauer und der Jungfrau. Im rheinischen Karneval sind die Garden als Begleiter des Prinzenpaars/Dreigestirns ein unverzichtbarer Bestandteil. Die Karnevalsgarden entstanden mit dem Wiederaufleben des Straßenkarnevals in den 1820er und 1830er Jahren als Persiflage auf das Militär. Die erste derartige Garde waren die Kölner "Rote Funken". Uniformen und Organisation der Garden orientieren sich noch heute an historischen Vorbildern, in der Regel des 17. Und 18. Jahrhunderts. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Sammeln von Notgeldscheinen in Deutschland populär. Dieser Trend setzte sich Anfang der 1920er Jahre fort, nur war nun für die Ausgabe häufig nicht mehr der Zahlungsmittelmangel verantwortlich, sondern Stadtkämmerer erkannten, dass sich mit bunten Scheinchen vortreffliche Geschäfte machen ließen. „Das aus der Not geborene Geld entartete zum bunten Sammelobjekt. Geld wurde selbst zur Handelsware.“[3] Auch einzelne Personen und Institutionen, die niemals eine Begründung für derartige Ausgaben gehabt hatten, beteiligten sich daran: Kirchengemeinden, Stiftungen, Hilfskomitees, Denkmalsausschüsse, Turn- und Sportvereine, Freiwillige Feuerwehren, Ausstellungen usw. Manche von ihnen schlossen die Einlösungspflicht bewusst von vornherein aus. Es ist erstaunlich, wie es scheint beteiligte sich nur ein Karnevalsverein an der Ausgabe von Serienscheinen: das "Bonner Stadt-Soldaten-Corps". Abb. 1: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Gemeinsame Vorderseite der Scheine zu 50 Pfennig. Abb. 2: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Rückseite, Marketenderin. Abb. 3: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Rückseite, Rosenmontagsparade. Abb. 4: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Aschermittwoch. Abb. 5: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. „Dagenvesen“. Abb. 6.1: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Vorderseite des Scheins zu einer Mark. Abb. 6.2: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Rückseite, ein Arrestant. Abb. 7.1: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Vorderseite des Scheins zu zwei Mark. Abb. 7:2: Bonner Stadt-Soldaten-Corps, 1. Juli 1922. Rückseite, ein Drückeberger. Der am 23. Februar 1872 gegründete Verein emittierte unter dem Datum vom 1. Juli 1922 eine Serie von sechs Scheinen. Die einheitliche Vorderseite der vier 50-Pfennig-Scheine wurde vom Bonner Kunstmaler Carl Nonn [* 29. April 1876 in Bonn; † 25. Juni 1949 ebenda] entworfen. Auch die Vorderseite der Scheine zu einer und zwei Mark sind einheitlich gestaltet. Sie sind mit EM signiert. Nach dem Text der Ausgabe handelt es sich bei den Scheinen um Schecks, die bis zum 31. Juli 1922 bei der Rhenania-Annoncen-Expedition Johannes Tinner, Bonn, einlösbar waren. Wahrscheinlich wurden sie jedoch erst nach diesem Termin an Sammler und Interessenten abgegeben, denn sie enthalten auch den Vermerk „Dieser Scheck ist nur zu Sammelzwecken bestimmt“. Während die 50-Pfennig-Scheine die faksimilierte Unterschrift des Kommandanten des Bonner Stadt-Soldaten-Corps Jean Riek tragen, wird er bei den Markwerten nur genannt. Die Rückseiten wurde vom Genre- und Porträtmaler und Grafiker Emil Krupa-Krupinski [* 10. März 1872 in Barmen (heute Stadtteil von Wuppertal); † 28. Mai 1924 in Bonn] entworfen. Die Bilder greifen humoristisch-karnevalistische Motive auf, z. B. zum Spottgedicht „Die Marketenderin“, zu Karnevalsverweigerern, Rosenmontagsparade und Aschermittwoch. Gedruckt wurden die Scheine auf wasserzeichenlosem Papier bei der Rhenania-Druckerei, Bonn. Nach diesem Abstecher in die Geschichte des Karnevals, genießen Sie das tolle Treiben. In diesem Sinne „Alaaf, Helau …“ Ergänzung Die drei 50-Pfennig-Scheine der Stadt Köln vom 12. Januar 1922, zeigen drei Episoden aus dem Leben der „kölnischen Funken“. Josef Stolzen meinte bei seinen „Rotröcken“ jedoch nicht die Karnevalsgarde der "Roten Funken", sondern die historischen Stadtsoldaten der Stadt Köln. Dies wird klar, wenn man sich die Abbildungen genauer ansieht. Abb. 8: Köln, Stadt, 12. Januar 1922, 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 9: Köln, Stadt, 12. Januar 1922, 50 Pfennig, Rückseite. Abb. 10: Köln, Stadt, 12. Januar 1922, 50 Pfennig, Rückseite. Abb. 11: Köln, Stadt, 12. Januar 1922, 50 Pfennig, Rückseite. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (05.02.2023) [2] (05.02.2023). [3] Hans Joachim und Jutta Kürtz, Für Gold und Silber nimm den Schein …, Aus einem Kapitel norddeutscher Geldgeschichte, Lübeck 1981, S.11.

  • 24. Polymerschein aus der Karibik: 20 Dollars 2019

    Viele Kreuzfahrt-Touristen fliegen in die Karibik und haben sich vorher mit „Greenbacks“ (US-amerikanischen Dollarnoten) eingedeckt, die auf allen Landgängen akzeptiert werden. Beim Parikurs Dollar zu Euro 1:1 erhält man beim Einkauf mit Euros, die auch zumeist akzeptiert werden, sogar problemlos als Wechselgeld 1-Dollar-Noten zurück, da ja die kleinste Eurostückelung erst die 5 Euro Banknote ist. Man kann also seine Inselbesuche absolvieren, ohne die schönen lokalen Banknoten jemals zu sehen oder anzufassen. Banknote über 20 Ostkaribische Dollars ohne Datum (am 29. Mai 2019 an die angeschlossenen Geschäftsbanken ausgegeben), ohne Wz., 69 x 145 mm. Als Beispiel möchte ich die mehrfarbige 20-Dollars-Note der East Caribbean Central Bank[1] vorstellen, die bereits im September 2019 hier im Geldschein-Blog erwähnt wurde. Daneben gibt es noch 5, 10, 50 und 100 Ostkaribische-Dollars-Noten, alle mit Königin Elisabeth II. auf der Vorderseite, gedruckt bei De La Rue in Großbritannien. Die ostkaribischen Dollars sind das offizielle Zahlungsmittel auf den Inseln Anguilla, Antigua und Barbuda, Dominica, Grenada, Montserrat, St. Kitts und Nevis, St. Vincent und den Grenadinen. Der festgeschriebene Wechselkurs zum US-Dollar beträgt 2,70. Der Schein ist vertikal zu betrachten und zeigt auf der Vorderseite rechtsbündig ein Porträt der inzwischen verstorbenen englischen Königin Elisabeth II. mit mehrfacher Wertangabe. Insgesamt zehnmal findet sich die Ziffer 20 auf der Vorderseite. Groß links oben und rechts unten mit Dollar-Symbol. Zweimal in der silberfarbenen Folie, einmal in der Durchsicht im Volldruck links am Fuße des Porträts. Dazu viermal im Kleindruck bei ECCB, einmal davon seitenverkehrt. Die zehnte Zwanzig zeigt sich erst unter UV-Licht in einem silberfarbenen Quadrat, rechts oben um 90° gedreht. Links oben in der Wertzahl befinden sich auch zehn Braille-Zeichen zum Ertasten der Wertangabe für Sehbehinderte. Diese Braille-Prägepunkte befinden sich in unterschiedlicher Anordnung auf allen Scheinen dieser Serie. Unten links, unterhalb der Unterschrift von Zentralbankdirektor Timothy N. J. Antoine und der querliegenden Kontrollnummer befindet sich die Wertangabe in ausgeschriebener Form: "Twenty Dollars". Unter einem UV-Prüfgerät erscheinen hier die Großbuchstaben E in Grün, C in Rot, das nächste C in Grün und das abschließende B wieder in Rot. In den farbigen Hologrammen befinden sich links zwei Fische und eine Karettschildkröte sowie rechts ein Purpurkehl-Antillenkolibri im Flug. Die Rückseite des in Purpur, Magenta und Blau gehaltenen Scheins zeigt links in der Mitte zwei braune Hände, die auf der Gewürzinsel Grenada eine Muskatnuss (Nutmeg) in Form einer aufgesprungenen Frucht von einem weiblichen Muskatnussbaum pflücken. Im oberen Teil wird das nach dem Vulkanausbruch von 1995 aufgegebene Regierungsgebäude von Montserrat gezeigt. Rechts im Überdruck eine Darstellung der Lage der am ostkaribischen Dollar beteiligten kleinen Antillen. Die drei weiß gehaltenen Inseln gehören als französische Überseegebiete (DROM)[2] zum Euroraum. Das UV-Licht lässt die vier Ecken in hellerem Licht erstrahlen und hebt die beiden Zwanziger Ziffern links oben und rechts unten klarer hervor. Die Schönheit des Polymer-Satzes der ostkaribischen Banknoten wurde auch auf der HSP[3] Konferenz Latein Amerika vom 14. bis 16. März 2022 in Mexico City gewürdigt, bei der auch erstmals deutsche Vertreter der Berliner Bundesdruckerei[4] anwesend waren. Der ECCB-Banknotensatz wurde in der Kategorie "Bester neuer Banknotensatz"[5] ausgezeichnet, zusammen mit den Bahamas. Die Vertreter der ECCB hatten die Umstellung auf Polymer-Banknoten mit drei Begründungen untermauert: Umwelt, Kosten, Sicherheit. Die Karibik sei weltweit mit einer der geringsten Produzenten von Kohlendioxid und dennoch stark vom Klimawandel betroffen. Die neue Art der Banknoten sei ein wichtiger Schritt zur Klimaneutralität. Christian Merker Anmerkungen [1] www.eccb-centralbank.org [2] Guadeloupe und Martinique als Département et region d`outre-mer. St. Martin im Norden, geteilt zwischen Frankreich (COM: collectivité d´outre-mer) und dem Königreich der Niederlande mit dem Antillen-Gulden als Währung. [3] High Security Printing, www.reconnaissance.net [4] First time at HSP Latin America, most of the presentations were really good, got to know a lot of providers and colleagues from other companies. A really fun but informative conference. We will be coming back! Bundesdruckerei [5] International Award for Polymer Notes: International Regional New Banknote Series Award, Regional Banknote of the Year 2022

  • Das Mysterium des „Schweine-Tausenders“

    Die 1000-DM-Banknote der Deutschen Notenbank Ausgabe 1948 – im Umlauf oder nicht? Die Banknote der Deutschen Notenbank über 1000 DM Ausgabe 1948 weckt Interesse und wirft zugleich Fragen auf. Es ist der einzige Geldschein der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und DDR mit einem derart hohen Nennwert. Angesichts der Tatsache, dass der Schein praktisch ausschließlich in kassenfrischer Erhaltung vorkommt, stellt sich unweigerlich die Frage – war er überhaupt im Umlauf? Sowjetische Besatzungszone Deutschlands und DDR: Deutsche Notenbank, Banknote zu 1000 DM von 1948, Vorder- und Rückseite. Sammlung Grabowski. Der Schein zählt zur ersten Banknotenserie der Deutschen Notenbank, die ab 25. Juli 1948 in Umlauf gegeben wurde. Die Scheine zu 2 bis 1000 DM wurde am 13. Oktober 1957 infolge eines unangekündigten Geldumtauschs in der DDR („Aktion Blitz“) ungültig, während die Scheine zu 50 Pfennig sowie 1 DM noch bis 30. November 1965 gültig blieben. Ein Großteil der heute auf dem Sammlermarkt erhältlichen Banknoten zu 1000 DM 1948 stammt aus der Versteigerung des Nachlasses der Staatsbank der DDR durch das Auktionshaus Busso Peuss in Frankfurt am Main im Jahr 1995. Damals wurden rund 700 Scheine verkauft. Er war aber bereits davor für Sammler erhältlich. Schon Kurt Jaeger berichtete 1972[1], dass der Schein für 30 US-Dollars (umgerechnet seinerzeit ca. 95 DM) bei der Deutsche Buch-Export- und Import-GmbH in Leipzig[2] erhältlich sei. Es gibt weitere Hinweise, wonach Bestände in den 1980er Jahren aus der DDR ihren Weg in den westdeutschen Münzhandel fanden, wo der Schein nach meiner Erinnerung für ca.150 DM in kassenfrischer Erhaltung angeboten wurde. Der aktuelle Verkaufspreis im Handel liegt bei EUR 100 Euro. Er ist damit für Sammler erschwinglich. Anhand der Kontrollnummern nachgewiesen sind derzeit rund 780 Scheine der Serien A und B, wobei der aktuell bekannte Nummernkreis der Serie A von A 0007019 bis A 0146987 und der Nummernkreis der Serie B von B 0007585 bis B 0042653 reicht. Es gibt damit in Sammler- und Händlerkreisen mehr Scheine als 1995 versteigert, und es dürfte weitere Bestände geben[3]. Die amtliche Auflage betrug 225.000 Stück[4]. Die bisher bekannten höchsten Kontrollnummern der Serien A und B sprechen dafür, dass 150.000 Stück der Serie A und 75.000 Stück der Serie B gedruckt wurden, wenn man annimmt, dass die Scheine fortlaufend nummeriert wurden. Allerdings bestehen bei den bekannten Nummernkreisen große Lücken. So sind bisher etwa Scheine aus den Nummernkreisen A 0017000 bis A 0032000, A 0036000 bis A 0050000 oder B 0030000 bis B 0041000 nicht bekannt geworden. Wie viele der tatsächlich gedruckten Scheine der Vernichtung entgangen sind, ist ungeklärt. War der Schein im Umlauf? Seine legale Verwendung war jedenfalls seit Erlass des Gesetzes über die Regelung des Zahlungsverkehrs vom 21. April 1950[5] nur noch sehr beschränkt möglich. Nach § 2 mussten Verwaltungen, Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts, alle volkseigene Betriebe, Industriebetriebe und Großhandelsunternehmen, Gewerbebetriebe mit einem Jahresumsatz von mehr als 20.000 DM, Vermieter mit monatlichen Mieteinnahmen über 250 DM sowie Berufstätige mit drei oder mehr Angestellten Girokonten eröffnen und gemäß § 3 ihren geschäftlichen Zahlungsverkehr bargeldlos abwickeln. Ziel des Gesetzes war die Kontrolle und Steuerung der Wirtschaft über den Zahlungsverkehr. Das verhinderte zwar nicht die Bildung von Schwarzgeldguthaben, die dann durch die Währungsreform vom 13. Oktober 1957 entwertet werden sollten, wohl aber für die entsprechenden Personenkreise die Möglichkeit der legalen Verwendung von Banknoten zu 1000 DM im geschäftlichen Zahlungsverkehr. Zudem hätte die Bildung von Schwarzgeldbeständen unter Verwendung dieser Scheine einen Verstoß gegen die genannten gesetzlichen Vorgaben nur allzu offensichtlich gemacht. Schon zuvor war in der SBZ versucht worden, die Barzahlung größerer Beträge durch juristische Personen zu unterbinden[6] und laut Gesetzblatt der DDR 1950 S. 355 etwa Kontoverfügungen und Gehaltszahlungen über 300 DM nur noch durch Überweisungen zuzulassen. Allerdings wurde die Anwendung dieser Bestimmungen in den einzelnen Ländern unterschiedlich gehandhabt, und jedenfalls bei sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaften wie der Wismut AG sowie durch die russische Militärverwaltung selbst scheinbar nicht umgesetzt. Ausgenommen von den Vorgaben des Gesetzes blieben Privatpersonen und grundsätzlich auch selbständige Bauern, da sie nicht in dessen Anwendungsbereich fielen. Außerdem hätte eine Verwendung des Scheins bis zum Erlass des Zahlungsverkehrsgesetzes im April 1950 grundsätzlich nicht den dargestellten gesetzlichen Einschränkungen unterlegen. Nach Grabowski sollen 1949/1950 insgesamt 743 Stück ausgegeben worden sein[7]. Für Privatpersonen hätte bei den Lohnverhältnissen der Zeit der Schein mehreren Monatsgehältern entsprochen, so dass schon eine Auszahlung in der wöchentlichen oder monatlichen Lohntüte nicht in Frage kam. Allein die durch Akkordlöhne und Prämien möglichen monatlichen Spitzenverdienste von Bergleuten bei der seinerzeitigen Wismut AG reichten an den Nennwert des Scheines heran[8]. Eine Verwendung bei Lohn- und Gehaltszahlungen und damit eine Ausgabe an Privatpersonen kann damit wohl ausgeschlossen werden. Michael H. Schöne schreibt, dass der Schein bei der Vergütung von Pflichtabgaben der Bauern durch staatliche Stellen Verwendung gefunden haben soll. Daher rühre auch die Spottbezeichnung „Schweine-Tausender“[9]. Jedenfalls mit den dargestellten gesetzlichen Vorgaben zur Reduzierung des Bargeldumlaufs wäre das durchaus auch nach April 1950 vereinbar gewesen. 1000 DM 1948 mit A 0051940 in gelaufener Erhaltung, Vorderseite. 1000 DM 1948 mit A 0051940, Ausschnitt der Rückseite mit deutlich erkennbaren Falzspuren. In meiner Sammlung befindet sich ein 1000-DM-Schein tatsächlich in gebrauchter Erhaltung, mit der Kennung A 0051940, den ich im Sommer 1988 auf einem (West-)Berliner Flohmarkt in einer "Grabbelkiste" fand. Der Schein weist deutliche Gebrauchsspuren auf, was vor allem auf der Rückseite erkennbar ist, er wurde mehrfach gefaltet und befand sich wohl für etwas längere Zeit in einem Portemonnaie oder einer Brieftasche. Auch Peter Reissig[10] bildet einen solchen Schein ab und führt in der von ihm begründeten Übersicht einen als "Schweine-Tausender" bezeichneten Schein mit der Kennnung A 0051955 auf; vermutlich handelt es sich bei dem von ihm abgebildeten genau um diesen Schein. Festzuhalten ist: Beide Scheine liegen in der Nummernfolge nur 15 Ziffern auseinander. Das legt die Vermutung nahe, dass Scheine aus dem Nummernkreis A 00519XX tatsächlich zirkuliert sind. Aber wo und wann, und wer hat sie benutzt? Zeit für eine Recherche in den Archivunterlagen der Deutschen Notenbank, die sich heute im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde befinden[11]. Aussagekräftig ist insoweit die Stückelungskartei[12] der in Umlauf gegebenen Zahlungsmittel von 1948–1954, in der die Notenbank jeweils per Stichtag die Beträge der im Umlauf befindlichen Banknoten und Münzen je Nominal festhielt, sowie die Übersicht der Kassenbestände der Emissions- und Girobanken in den einzelnen Ländern. Stückelungskartei der Deutschen Notenbank – Umlaufbeträge in Stücken zu 1000 DM. Aus den Übergabeprotokollen der Notenbank ergibt sich, dass diese am 13. August 1948 von der gedruckten Gesamtauflage nur 76.000 Scheine zu 1000 DM in ihre Tresore übernahm. 2000 Stück gingen an die sowjetische Militäradministration, 6000 an das Berliner Stadtkontor. Der Rest verblieb in der Notenreserve. Von diesem Bestand wiederum wurden bis Mai 1949 überhaupt nur 46.470 Scheine in den Kassenbestand der Notenbank zwecks Ausgabe überführt. Der Umlauf der Scheine entwickelte sich rückläufig. Waren am 31. Dezember 1948 46.350 und am 31. Dezember 1949 noch 45.930 Scheine zu 1000 DM als Umlauf verbucht, waren es per 31. Dezember 1950 nur noch 2.400, Ende 1951 nur noch 268 und Ende 1953 ganze 64 Stück. Die Tatsache, dass bis 1951 zusammen 195 Scheine als vernichtet aus dem Umlauf ausgebucht wurden, könnte darauf schließen lassen, dass sie im Geldverkehr abgenutzt waren. Ein Großteil der Umlaufabgänge wurde als Tausch gegen andere Nominalwerte verbucht. Zum Tausender von 1948 ein Blick auf den Zahlungsverkehr in Mecklenburg. Tatsächlich bestand dort im Frühherbst 1949 ein erheblicher Bargeldbedarf, den die VEAB (Volkseigene Erfassungs- und Aufkaufbetriebe) zum Aufkauf sogenannter „freier Spitzen“ – Produktionsmengen, die über die Ablieferungssollmengen hinausgingen – benötigten und den die Emissions- und Girobank in Schwerin kaum befriedigen konnte. Beklagt wurde durch Emissions- und Girobank in Schwerin zudem, dass Landwirte trotz Aufforderung auf Konten gutgeschriebene Geldbeträge sofort in bar abhoben. Man traute den staatlichen Institutionen nicht. Hier war zeitweise ein hoher Bargeldbedarf zu befriedigen, wahrscheinlich auch mit größeren Nominalen. Schreiben der Emissions- und Girobank Mecklenburg vom 14.2.1949 an die Deutsche Notenbank Berlin: Man schickte 800 Banknoten zu 1000 DM an die Hauptkasse der Notenbank zurück. Noch im Februar 1949 hatte die Emissions- und Girobank Mecklenburg 800 Scheine zu 1000 DM an die Hauptkasse der Notenbank nach Berlin zurückgeschickte, die nun wohl kurzfristig fehlten, weil die Aufforderung, bargeldlos zu zahlen, jedenfalls bei den Bauern nicht verfing. Nach der in Berlin angeforderten Belieferung mit kleineren Wertstufen flossen im Oktober 1949 jedenfalls 30 Scheine zu 1000 DM aus Schwerin wieder an die Notenbank nach Berlin zurück. Eine monatliche Übersicht über die Kassenbestände der Kreditinstitute in den Ländern der DDR für das Jahr 1950 zeigt, dass dort nur geringe Stückzahlen der im Umlauf befindlichen Scheine zu 1000 DM verfügbar waren. Ein Großteil blieb in der Kasse der Notenbank in Berlin. So ist etwa für den Monat August 1950 in Mecklenburg nur ein Stück zu 1000 DM als Kassenbestand registriert. Über das Jahr waren es dort nie mehr als elf Scheine, in Brandenburg kaum über 40. Lediglich in Sachsen wurden Kassenbestände von bis zu 120 Scheinen verzeichnet, mit abnehmender Tendenz im Laufe des Jahres. Die Zeit des „Schweine-Tausenders“ war 1950 abgelaufen. Fazit Die 1000-DM-Note von 1948 ist in den Umlauf gekommen, allerdings nur etwa Ende 1950, möglicherweise durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD), die 1948 Stücke dieses Nominales erhalten hatte, sowie in Einzelfällen jedenfalls in Mecklenburg. Für anderen Länder der DDR kann das ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, da Stücke in den Kassen der Banken dort jedenfalls bis Ende 1950 in wenigen Exemplaren verfügbar waren. Als im Umlauf nachgewiesen können Scheine aus dem Nummernkreis A00519XX gelten. Vielleicht existieren auch noch aus anderen Nummernkreisen gelaufene Scheine. Bereits Ende 1950 spielte die Banknote zu 1000 DM im Geldverkehr keine Rolle mehr. Welchen Weg der mir vorliegende Schein mit der Nummer A 0051940 von der Ausgabe bis 1988 genommen hat und welche Geschichte dahintersteht, lässt sich nicht mehr aufklären, denn Bargeld ist und bleibt als Zahlungsmittel anonym. Spannend wäre es aber allemal. Dr. Sven Gerhard Anmerkung der Redaktion Natürlich gelangten mehr als die 1995 in Frankfurt am Main versteigerten 700 Stück Tausender der Deutschen Notenbank von 1948 aus dem Besitz der ehemaligen Staatsbank der DDR auf den Sammlermarkt. Schon zu DDR-Zeiten wurden kassenfrische Tausender aus Restbeständen nicht nur über Leipzig gegen harte Devisen in den Westen, sondern auch an Sammler aus der DDR verkauft. Wenn ich mich richtig erinnere, dann habe ich meinen Tausender (siehe Abb. ganz oben) in einem damals bekannten Fachgeschäft des Staatlichen Kunsthandels der DDR in Ost-Berlin für 400 Mark der DDR gekauft. Das muss Mitte der 1980er Jahre gewesen sein. Hans-Ludwig Grabowski Anmerkungen [1] Kurt Jaeger, Die Zahlungsmittel in Deutschland seit 1948, Basel 1972. [2] Der 1953 gegründete Außenhandelsbetrieb Deutscher Buch-Export und -Import war zuständig für den Export und Import von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, Kunstdrucken, Noten, Briefmarken, Kalendern, Schallplatten u. a. Er war dem Ministerium für Außenhandel und dem Ministerium für Kultur der DDR unterstellt. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig. [3] Auf der World Money Fair Anfang Februar 2023 bot ein Berliner Händler mehrere hundert Stück aus dem Nummernkreis A 0092XXX in kassenfrischer Erhaltung an, die mit einem Stempel „Requisite“ gekennzeichnet waren. [4] Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. Auflage Regenstauf 2021, S. 232. Ebenso die Hinweise im Archiv der Deutschen Notenbank. [5] Gesetzblatt der DDR 1950 S. 355. [6] Beschluss der Deutschen Wirtschaftskommission vom 7.7.1948. [7] Grabowski, ebenda. [8] Illustrativ dazu Jürgen Ziller, Der Zahltag, https://wismut.hypotheses.org/466 [9] Kahnt/Pontzen/Schöne/Waltz, Die Geschichte der Deutschen Mark, Regenstauf 2003, S. 214 f. [10] Peter Reissig, DDR-Papiergeld - KATALOG UND GESCHICHTE mit Bewertungen (5), moneytrend 2/2011 S. 258 Abb. 3-17. [11] Bestandssignatur DN 6 – Deutsche Notenbank. [12] Referenz DN 6/652.

  • Lexikon: Formulare

    Als Formulare oder auch Modelle werden vereinfachte Drucke von neu auszugebenden Geldscheinen bezeichnet, die zum öffentlichen Aushang in Banken und Kassen bestimmt waren, um die Bevölkerung mit dem Aussehen der neuen Scheine vertraut zu machen. Die Formulare sind meist auf andersfarbigem Papier gedruckt und haben keine Siegel und Unterschriften. Trotz dieser gegenüber den echten Geldscheinen vereinfachten Form lassen sich Sammler leider immer wieder täuschen und erwerben Formulare als Originale. Dritte Seite eines Patents mit Formularen der Wiener Stadt-Banco-Zettel über 1 und 2 Gulden vom 1. Januar 1800 auf farbigem Papier. Die Formulare lagen einer gedruckten, offiziellen Bekanntmachung der neuen Geldschein-Ausgabe bei. Diese Bekanntmachungen werden Patente genannt. Sieht man von den österreichischen Formularen und Patenten ab, die häufiger vorkommen (auch hier sind die ältesten und einige spätere Ausgaben selten), so sind solche Formulare und Patente heute kaum noch zu bekommen. Es gab sie z. B. in folgenden Ländern: Bayern, Braunschweig, Nassau, Österreich, Preußen (wohl nur Patente), Reuß jüngere Linie und Herzogtum Warschau. Bitte lesen Sie auch unseren Beitrag Was sind Patente und Formulare von Banknoten? hier im Geldschein-Blog. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • PMG-Vor-Ort-Bewertungen in München und an der MIF Maastricht im April 2023

    Sammler und Händler können im April 2023 Banknoten in der Niederlassung von PMG in München oder auf der MIF-Messe zur Vor-Ort-Bewertung einreichen. Lesen Sie über den unten stehenden Link weitere Informationen über Dienstleistungen, Gebühren sowie Einreichungsanweisungen. Paper Money Guaranty® (PMG®) wird vom 19. – 22. April 2023 in ihrer Münchner Niederlassung und vom 25. bis 30. April 2023 auf der MIF Paper Money Fair in den Niederlanden eine Vor-Ort-Bewertung von Banknoten anbieten. Mit der Vor-Ort-Bewertung bietet PMG seine umfassenden fachkundigen und unparteiischen Dienstleistungen zur Echtheitsprüfung, Einstufung und Verkapselung vor Ort mit einer extrem schnellen Durchlaufzeit an. Die PMG-Vor-Ort-Bewertungs-Veranstaltungen werden die ersten Vor-Ort-Bewertungs-Veranstaltungen der PMG in Europa seit der Zeit vor COVID und die allererste Vor-Ort-Bewertungs-Veranstaltung der PMG in den Niederlanden sein. Letztere Veranstaltung baut auf der Partnerschaft zwischen PMG und MIF auf, die im Juni 2022 begann, als PMG zum exklusiven offiziellen Bewertungsservice der MIF Paper Money Fair ernannt wurde. Mehr Informationen, siehe hier: https://www.ngccoin.de/news/article/11089/mif-paper-money-fair/ PMG

  • Lexikon: Formate von Geldscheinen

    Im Allgemeinen wird das Papierformat eines Geldscheines gemessen und genannt. Bei unregelmäßig geschnittenen, vor allem alten Scheinen oder bei Scheinen, die unregelmäßig vom Talon abgeschnitten wurden, misst man das Druckformat, muss aber bei der Formatangabe darauf hinweisen. Die Breitenangabe steht stets vor der Höhe, ganz gleich, ob der Schein im Druckbild ein Quer- oder Hochformat hat. Im 20. Jahrhundert, vor allem in dessen zweiter Hälfte, hat sich das Format von Geldscheinen zum Teil wesentlich verkleinert. In Europa, Afrika und Asien wurden überwiegend unterschiedliche Formate je nach den Nominalwerten verwendet, d. h. kleinwertige Scheine haben ein kleines Format; je höher der Nennwert ist, desto größer ist auch das Format. Dadurch soll außer den Farb- und Druckunterschieden auch das unterschiedliche Format helfen, schneller die einzelnen Notenwerte zu erkennen. Es gibt aber auch Länder, deren Scheine aller Nennwerte ein einheitliches Format haben, so die USA. Alle Noten der Vereinigten Staaten von Amerika hatte ab 1864 das Format 188 x 80 mm (Large Size Notes) und seit 1928 das Format 156 x 67 mm (Small Size Notes). Andere amerikanische Staaten übernahmen das US-amerikanische System der gleichformatigen Scheine, so z. B. mit einem vom US-Dollar abweichenden Format Argentinien, Belize, Barbados, die Bermudas, Chile, Guayana, Kanada, Kolumbien, Kuba, Surinam, Uruguay und Venezuela, während das gleiche Format für die Scheine wie in den USA, also die US-Dollar-Größe, folgende Staaten wählten: Bolivien, die Bahamas, Costa Rica, die Cayman-Inseln, die Dominikanische Republik, Ecuador, Guatemala, Honduras, die Niederländischen Antillen, Nicaragua, Mexiko, Paraguay, Peru und El Salvador. Auch außerhalb Amerikas gibt einzelne Staaten, die das einheitliche Format für alle Nennwerte einführten, so zum Beispiel die Philippinen und seit 1975 Polen. Die Frage nach dem kleinsten Schein ist schwer zu beantworten, da es viele kleine markenähnliche Scheine (Briefmarkengeld) gibt. Abgesehen vom Briefmarkengeld zählt sicher der 1-Pfennig-"Schein" der Stadt Bunzlau in Schlesien ohne Datum (1920) aus Karton mit seinem Format von nur etwa 20 x 20 mm zu den kleinsten deutschen Geldscheinen. Der größte Geldschein der Welt war lange Zeit auch der älteste in Sammlungen vorkommende, ein chinesischer Schein aus dem 14. Jahrhundert (Ming-Dynastie) mit einem Format von etwa 225 x 340 mm. China, Ming-Dynastie: Staatspapiergeld über 1000 Käsch aus dem 14. Jahrhundert, Kaiser Ming Taizu (1368–1398), Format 225 x 340 mm, Vorderseite. Er wurde erst Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts als größter Geldschein der Welt durch eine philippinische Gedenkbanknote zum 100. Jahrestag der Ausrufung der ersten Republik über 100.000 Piso von 1998 im Format 356 x 216 mm abgelöst. Philippinen, Bangko Sentral ng Pilipinas: Gedenkbanknote zu 100.000 Piso ohne Datum (1998), Format 356 x 216 mm, Vorderseite. Malaysia, Bank Negara Malaysia, Gedenkbanknote zu 600 Ringgit, Vorderseite in Mappe. Und zwanzig Jahre später am 5. Januar 2018 wurde der philippinische 100.000-Pisos-Gedenkschein durch die 600-Ringgit-Gedenkbanknote zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung des Unabhängigkeitsabkommens der Föderation Malaya abgelöst. Die malaysische Banknote misst 370 x 220 mm und bleibt bis heute der größte Geldschein der Welt! Weitere Beispiele für großformatige Scheine sind: Russland: Staatlicher Kassenschein über 500 Rubel von 1912, Format 275 x 127 mm, Vorderseite. Thailand, Bank of Thailand: Gedenkbanknote zu 16 Baht von 2007, Format 147 x 229 mm, Vorder- und Rückseite. Polen, Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa: 5000 Marek vom 7. Februar 1920, Format 224 x 142 mm, Vorderseite. Belgien, Banque Nationale de Belgique: 1000 Francs vom 17. April 1943, Format 223 x 135 mm, Vorderseite. Deutschland, Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 10.000 Mark vom 19. Januar 1922, Format 210 x 124 mm, Vorderseite. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Vielen Dank an Donald Ludwig!

  • Die "Veszprém-Banknoten" der Magyar Nemzeti Bank 1944/45

    Der erste Regierungschef, der Adolf Hitler nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Januar 1933 einen offiziellen Besuch abstattete, war der ungarische Ministerpräsident Gyula Gömbös.[1] Mit ihm begann eine Zeit enger Zusammenarbeit zwischen Ungarn und dem NS-Regime. Auch seine Nachfolger setzten auf Betreiben des ungarischen Staatsoberhauptes Miklós Horthy von Nagybánya[2] die freundschaftlichen Beziehungen fort. Horthy war kein Faschist, sondern ein konservativer Autoritarist. Er mochte die ungarischen Ultranationalisten und Faschisten nicht und inhaftierte Ferenc Szálasi, den Führer der Pfeilkreuzpartei, bei mehreren Gelegenheiten. Horthy setzte aber auf Hitler, weil er hoffte mit Unterstützung der Reichsregierung die Revision des Friedensvertrags von Trianon zu erreichen. Seine Hoffnungen sollten nicht enttäuscht werden.[3] Abb. 1.1/2: Magyar Királyság, 1943, 5 Pengö, Vorder- und Rückseite. Ausgabe zum 75. Geburtstag des Reichsverwesers Miklós Horthy von Nagybánya. Gewicht: 6 g; Ø: 36 mm; Dicke: 2,6 mm; Metall: Aluminium. Obwohl Ungarn eigentlich einen neutralen außenpolitischen Kurs verfolgte, trat das Land 1939 aus dem Völkerbund aus und dem Antikominternpakt bei. Mit dem Beitritt zum Dreimächtepackt am 20. November 1940 bezog man dann eindeutig Stellung auf Seiten der Achsenmächte. Um das Bündnis mit Deutschland nicht zu gefährden, ließen Horthy und der neue Ministerpräsident László Bárdossy trotz eines bestehenden Freundschaftspakts am 6. April 1941 die ungarische 3. Armee in Jugoslawien einmarschieren. Als Beute bekam Ungarn die nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete Bácska, Bánát, Muraköz und das Dreieck von Baranya (Nord-Vojvodina und Übermurgebiet) zurück. Bei den deutschen Überlegungen zum Angriff auf die Sowjetunion spielte Ungarn nur eine marginale Rolle. Um aber gegenüber den kriegsbeteiligten Staaten Slowakei und Rumänien bei einem deutschen Sieg nicht ins Hintertreffen zu gelangen, erklärte Ungarn der Sowjetunion am 27. Juni 1941 den Krieg. Die ungarische Armee war den modernen Ansprüchen nicht gewachsen. Der sowjetische Angriff am 12. Januar 1943 durchbrach den ungarischen Frontabschnitt. Innerhalb von zwei Tagen starben 40.000 ungarische Soldaten, 35.000 wurden verletzt und rund 60.000 Mann gerieten in Gefangenschaft. Angesichts dieser Zahlen nahm die ungarische Regierung unter Miklós Kállay Kontakt zu den Alliierten auf. Dies blieb dem deutschen Geheimdienst nicht verborgen. Nach der alliierten Landung auf Sizilien und dem Bruch der Achse Berlin-Rom, war Hitler entschlossen, ein „zweites Italien“ zu verhindern. Unter dem Decknamen „Margarethe“ wurden seit September 1943 neue Operationspläne bezüglich Ungarn ausgearbeitet. In der Nacht von Samstag, dem 18. März 1944, auf Sonntag, den 19. März 1944 marschierten, ohne auf Widerstand zu stoßen, von Norden, Westen und Süden deutsche Truppen Richtung Budapest. Reichsverweser Horthy blieb zwar im Amt, war aber faktisch wie auch der neue prodeutsche Ministerpräsident Döme Sztójay nur noch Vollstrecker der Entscheidungen des „Reichsbevollmächtigten“ für Ungarn, Edmund Veesenmeyer, vor allem bei der Deportation von 430.000 ungarischen Juden ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ab Mai 1944. Am 23. September 1944 überquerte die vorrückende Rote Armee die ungarische Grenze. Als am 15. Oktober 1944 Horthy versuchte, einen Waffenstillstand mit der Sowjetunion und den Westalliierten abzuschließen, ließ ihn Hitler in Bayern inhaftieren.[4] Am 15. Oktober 1944 übernahm die von Ferenc Szálasi[5] geführt nationalsozialistische Pfeilkreuzpartei (Pfeilkreuzler) die Regierung. Damit die deutsche Wehrmacht ihre Ausgaben zahlen konnte, wurden nur vorübergehend im März 1944 Reichskreditkassenscheine ausgegeben,[6] ansonsten versorgte die Nationalbank die Truppe mit Zahlungsmitteln. Mit Vorrücken der Roten Armee wurde die Bank nach Veszprém verlegt. Da die vorhandenen Banknotenbestände nicht ausreichten, ließ die neue Regierung eine zweite Auflage der 10- und 100-Pengö-Noten drucken. Sie sind leicht an dem Stern zu erkennen, der vor die Kontrollnummer gesetzt wurde. Das gleiche Verfahren hatte die Bank bereits 1942 bei der zweiten Auflage des 1-Pengö-Scheins praktiziert. Abb. 2.1: Magyar Nemzeti Bank, 15. Januar 1938, 1 Pengö, 2. Auflage, Vorderseite. Abb. 2.2: Magyar Nemzeti Bank, 15. Januar 1938, 1 Pengö, 2. Auflage, Rückseite. Größe: 100 x 57 mm. Im Umlauf: 20. Januar 1941 – 10. März 1942. Der Entwurf der Note zu 10 Pengö, die auf den 22. Dezember 1936 datiert, stammt von Endre Horváth. Für das Frauenbildnis auf der Vorderseite stand Mária Böle aus Pesthidegkút Model. Ihr Vater war bei der „Ungarischen Banknoten Druckerei AG“ angestellt. Das Reiterstandbild auf der Rückseite zeigt den von Alajos Stróbl geschaffenen Heiligen Stephan. Der Unterdruck der wurde in Hochdruck und der Bilddruck in Kupfertiefdruck ausgeführt. Die erste Auflage gelangte ab 15. Mai 1939 in Umlauf. Abb. 3.1: Magyar Nemzeti Bank, 22. Dezember 1936, 10 Pengö, 2. Auflage, Vorderseite. Abb. 3.2: Magyar Nemzeti Bank, 22. Dezember 1936, 10 Pengö, 2 Auflage, Rückseite. Größe: 159 x 71 mm. Im Umlauf: 15. Mai 1939 (1. Auflage) bzw. Ende 1944 (2. Auflage) – 6. Mai 1946. Abb. 3.3: Kennziffern, links 1. Auflage, rechts 2. Auflage Der Entwurf der 100-Pengö-Note stammt von Álmos Jaschik. Die Vorderseite zeigt das Porträt „König Matthias“ nach einem Bild von Andrea Mantgna. Die Rückseite bildet in einem Schmuckrahmen das Budaer Donauufer mit der königlichen Burg und der sich darunter hinziehenden Basarreihe ab. Die Banknote, die das Datum vom 1. Juli 1930 trägt, gelangte ab 23. Oktober 1932 in Umlauf. Die 2. Auflage mit dem Stern wurde Ende Dezember 1944 in Veszprém gedruckt. Beide Nominale wurden durch Verordnung Nr. 4.710/1946 (26. IV.) zum 6. Mai 1946 aufgerufen. Abb. 4.1: Magyar Nemzeti Bank, 1. Juli 1930, 100 Pengö, 2. Auflage, Vorderseite. Abb. 4.2: Magyar Nemzeti Bank, 1. Juli 1930, 100 Pengö, 2 Auflage, Rückseite. Größe: 177 x 91 mm. Im Umlauf: 25. Oktober 1932 (1. Auflage) bzw. Ende 1944 (2. Auflage) – 6. Mai 1946. Abb. 4.3: Kennziffern, oben 1. Auflage, unten 2. Auflage. Die kurze Amtszeit von Ferenc Szálasi als Staatsoberhaupt reichte nicht aus, um neue Banknoten zu schaffen. Einzig eine bereits von Álmos Jaschik entworfene 1000-Pengö-Note mit dem Ausgabedatum vom 24. Februar 1943 gelangte ab 4. November 1944 in Umlauf. Sie zeigt auf der Vorderseite den Hungária-Kopf des Denkmals von Arad und auf der Rückseite eine Teilansicht von Buda mit dem Sankt-Gellért-Denkmal. Auch hier ist der Unterdruck im Hochdruck und die Bilder in Kupfertiefdruck ausgeführt. Der Umlauf endete nach der Verordnung Nr. 4.250/1946 am 14. Juli 1945. Abb. 5.1: Magyar Nemzeti Bank, 23. Februar 1943, 1000 Pengö, Vorderseite. Abb. 5.2: Magyar Nemzeti Bank, 23. Februar 1943, 1000 Pengö, Rückseite. Größe: 184 x 100 mm. Im Umlauf: 04. November 1944 – 14. Juni 1945. Bis zum Kriegsende emittierte die Pfelkreuzler-Regierung Banknoten im Nennwert von neun Milliarden Pengö, vor allem in 1000-Pengö-Scheinen. Noch nicht in Umlauf gebrachte Noten wurden gemeinsam mit ihren Druckplatten nach Deutschland gebracht und nur in Österreich für Zahlungen der dorthin verlegten Truppenteile in Verkehr gebracht. Nach dem Krieg flossen sie nach Ungarn zurück und 664 Millionen Pengö wurden von der Bank im Sommer 1945 eingetauscht. Eine weitere 100-Pengö-Note mit dem Datum vom 24. Februar 1943 wurde Ende 1944 noch im Offsetdruck hergestellt, aber offiziell nicht mehr ausgegeben, nur ein Teil der nach Österreich verlegten Truppen nutzten diese Banknote intern zur Abwicklung von Zahlungen untereinander. Der Entwurf der Note stammt von Endre Horváth. Ihm diente Rózsi Tóth als Modell. Abb. 6.1: Magyar Nemzeti Bank, 24. Februar 1045, Vorderseite. Abb. 6.2: Magyar Nemzeti Bank, 24. Februar 1945, Rückseite. Quelle: Grabowski/Huschka/Schamberg, Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Regenstauf 2006, S. 306, Kat.-Nr. HU-4. Größe: 156 x 100 mm. Nicht mehr in Umlauf gegeben. Nur von Teilen der nach Österreich verlegten ungarischen Truppen als internes Zahlungsmittel verwendet. In den letzten Tagen der Szálasi-Regierung wurden angeblich verschiedene Banknoten mit einem 80 x 80 mm großen grünen Pfeil-Kreuz, dem Parteilogo der „Nyilaskeresztes Párt - Hungarista Mozgalom“ überdruckt. Bekannt wurden die folgenden Noten mit dem Stempel: 10 Pengö (1936), 20 Pengö (1941), 50 Pengö (1932), 100 Pengö (1930) und 1000 Pengö (1943). Über den Sinn dieser Aktion ist nichts bekannt. In Sammlerkreisen ist ihre Authentizität umstritten. Abb. 7.1: Magyar Nemzeti Bank, 1. Juli 1930, 100 Pengö, mit grünem Pfeil-Kreuz, Vorderseite. Die Kämpfe des Zweiten Weltkriegs in Ungarn endeten am 4. April 1945. Das Land war nicht nur stark kriegszerstört sondern litt auch unter einer galoppierenden Inflation. Sie wird auch am stark gestiegenden Banknoten-Umlauf sichtbar. Betrug er im Januar 1938 noch 466 Millionen Pengö, so stieg er bis zum Januar 1945 auf 12.180 Millionen Pengö an. Uwe Bronnert Literatur: Graboowski/Huschka/Schamberg, Ausländische Geldscheine unter deutsche Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Regenstauf 2006 Leányfalusi Károly, Nagy Ádam, Magyarország Fém- És Papírpénzei, 1926 – 2002, Budapest 2002 Leányfalusi Károly, Nagy Ádam, A Pengö-Fillér Pénzrendszer, Magyarország fém- és papírpénzei 1926 – 1946, Budapest 2006 Rádóczy Gyula, Tasnadi Géza, Magyar Papírpénzek 1848 – 1992, Budapest 1992 Anmerkungen [1] Er war Führer der nationalistischen „Partei der Ungarischen Nationalen Unabhängigkeit“ (Magyar Nemzeti Függetlenek Pártja) – besser bekannt als „Rassenschutzpartei“ (Fajvédõ Párt). [2] Nach dem Zerfall der k.u.k. Monarchie im Oktober 1918 rief Mihály Károlyi die kurzlebige Erste Ungarische Republik aus. Dem Roten Terror der darauffolgenden Ungarischen Räterepublik unter Béla Kun fielen zahlreiche politische Gegner zum Opfer. Anhänger der Monarchie bildeten in Arad und später in Szeged eine Gegenregierung. Unter dem Oberbefehl von Miklós Horthy, dem letzten kommandierenden Admiral der k.u.k. Kriegsmarine, stellten sie eine Armee auf. Der folgende Bürgerkrieg und der damit verbundene „Weißen Terror“ führte zum Sturz des Kun-Regimes und der Räterepublik und am 24. November 1919 zur Bildung einer provisorischen Regierung unter Károly Huszár. Bei der von der Entente veranlassten Parlamentswahl errang die monarchistische Partei der Christlich Nationalen Vereinigung (KNEP) einen erdrutschartigen Sieg. Am 29. Februar 1920 trat das Parlament in Budapest erstmals zusammen und stellte die konstitutionelle Monarchie wieder her. Da man sicher war, dass die Alliierten einer Rückkehr des früheren Königs Karl IV. nicht zustimmen würden, beschloss man einen Reichsverweser als Staatsoberhaupt zu wählen. Das Parlament wählte am 1. März Miklós Horthy provisorisch und auf unbestimmte Zeit zum Reichsverweser. Von 1920 bis 1946 war Ungarn ein Königreich (ungarisch Magyar Királyság), dessen Thron jedoch durchgehend vakant blieb und daher einen Reichsverweser als Staatsoberhaupt hatte. [3] Nach der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ erhielt Ungarn Gebiete mit überwiegend ungarischer Bevölkerung von der ebenfalls mit Deutschland verbündeten Slowakei sowie die Karpato-Ukraine und 1940 Teile Siebenbürgens von Rumänien. [4] Erst nach Kriegsende wurde Horthy von US-amerikanischen Truppen entlassen. [5] Nach dem Krieg wurde Szálasi von US-amerikanischen Truppen gefangen genommen und nach Ungarn überstellt, wo er vor dem Volksgerichtshof in Budapest wegen Kriegsverbrechen und Hochverrats zum Tode verurteilt wurde. 1946 wurde er in Budapest durch Erhängen hingerichtet. [6] Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Vierzehnter Jahresbericht 1. April 1943 – 31. März 1944, S. 173.

  • Inflation vor 100 Jahren – auch in der Freien Stadt Danzig

    Die Sonnabendausgabe der deutsch-baltischen Zeitung „Revaler Bote“ vom 8. März 1924 gibt eine Sicht auf die Inflation im Jahr 1923 in der damaligen Freien Stadt Danzig wieder. Abb. 1: Zeitungstitel der Zeitung „Revaler Bote“ vom 8. März 1924, Einzelpreis: 7 Estn. Mark bzw. 15 Goldpfennig. In der Rubrik „Wirtschaft“ liest man unter der Überschrift „Die neue Danziger Guldenwährung“ eine sachliche Darstellung der Währungssituation in der Freien Stadt – und enthält jedoch im Mittelteil des namentlich nicht gekennzeichneten Beitrags eine Glosse auf die Verhältnisse (in kursiver Schrift hervorgehoben). „Die Schaffung eines eigenen Geldsystems in Danzig wurde durch den Zusammenbruch der deutschen Währung beschleunigt. Die Inflation zeitigte im vergangenen Herbst, besonders im Oktober, Auswüchse, die das durchaus gesunde Wirtschaftsleben ernstlich bedrohten, denn durch die überkommene Währungsgemeinschaft mit Deutschland wurde die Papierflut ins Land gepumpt, womit sich anfangs nur jene auch für Deutschland typischen Erscheinungen einstellten, aber der gleichzeitige Umlauf von Reichsmark, Notgeld der Gemeinden, amerikanischen, englischen, skandinavischen und polnischen Noten sowie der auf Goldmark lautenden Industrieschecks, die sämtliche in der Handelsstadt als tägliche Zahlungsmittel verwendet wurden, riefen im Freistaat ein in Europa kaum jemals erlebtes Währungschaos hervor. Das Ausland kann sich von den Psychosen der Inflation, die den einfachsten Verkehrsakt in einen umständlichen und langwierigen Vorgang zerlegt, unmöglich eine lebendige Vorstellung machen. Abb. 2: Bahnhof-Anlage in Zoppot. »Scheint es denn denkbar, daß eine kurze Eisenbahnfahrt von 20 Minuten durch die Inflation zu einem aufreibenden Erlebnis wird? Die Eisenbahn, die sich in polnischer Regie befindet, nahm an ihren Schaltern bis zur Einführung des Zwischenguldens nur Reichsgeld an, das infolge der Teuerung sehr knapp war. Man wechselte daher den Industriescheck in der Bahnhofsbuchhandlung in Zoppot in Zoppoter Notgeld, stürzte zur Post, wechselte das Stadtgeld in Reichsgeld und kaufte, nachdem man einen Zug schon versäumt hatte, die Fahrkarte, womit nun die Reise beginnen konnte. Da infolge des gleichzeitigen Umlaufs der vielen Währungen die Kurse nicht täglich, wie in Deutschland, sondern stündlich wechselten, entwertete sich das Papiergeld während der kurzen Bahnfahrt um die Hälfte, so daß man sich, in Danzig angekommen, statt eines Mittagessens nur einen schlechten Kaffee gestatten konnte; dieser kostete als man ihn bestellte 50 und als man ihn bezahlte 100 Millionen. Zum Schluß mußte man sich dann zur Heimfahrt Geld leihen, denn mittlerweile war der wertbeständige Bahntarif aus den Millionen in die Milliarden gestiegen.« ...“ Abb. 3: Bahnhofsgebäude in Danzig. Wenn der Zeitzeuge und Verfasser des Kommentars bspw. am 2. Oktober 1923 die zwölf Kilometer lange Fahrt von Zoppot nach Danzig fuhr, hätte er an diesem Tag 35.640.000 Mark für eine Fahrkarte der 2. Klasse bezahlen müssen. Eine Woche zuvor hätte die Fahrkarte noch 23.760.000 Mark, aber eine Woche nach dem 2. Oktober schon 71.280.000 Mark gekostet. Abb. 4: 105 Goldpfennige, Vs., wertbeständiges Notgeld der Sparkasse der Stadt Zoppot, ausgestellt von der Zoppoter Bank G. m. b. H. am 1. Oktober 1923; der Schein entsprach 25 Cents US-amerikanischer Währung – Industrieschecks wurden am 1. Dezember 1923 ungültig. Abb. 5: 50 Millionen Mark deutscher Reichswährung, 20. September 1923. Die vom Magistrat der Stadtgemeinde Zoppot Ende September 1923 ausgegebenen Schecks waren bis 31. Dezember 1923 gültig. Abb. 6: 50 Millionen Mark, Vs., Reichsbanknote vom 1. September 1923, gedruckt von Constantin G. Naumann in Leipzig. Abb. 7: 100 Millionen Mark deutscher Reichswährung, Vs., Notgeldschein der Stadtgemeinde Danzig vom 22. September 1923; diese Scheine mussten bis spätestens 10. Oktober 1923 eingelöst werden. Seinen als Lohn erhaltenen Scheck zu 105 Goldpfennige wechselte der Zoppoter in der Buchhandlung und erhielt etwa 74.776.000 Mark an städtischem Notgeld. Davon nahm er einen 50-Mio.-Schein, ging zur gegenüber liegenden Post und tauschte ihn in 50 Millionen Mark Reichsgeld um. Er kaufte den Fahrschein, schloss seine Erledigungen in Danzig ab und kehrte zum Danziger Bahnhof zurück. Dort bestellte er seinen Angaben zufolge einen Kaffee für angeblich 50 Mio. Mark und musste dann das Doppelte beim Bezahlen hinlegen – vielleicht in Danziger Notgeld. Ende November waren beide Scheine faktisch wertlos. Noch im September 1923 hatte der Danziger Senat Notgeld-Scheine zu 10 Mio. Mark ausgegeben. Abb. 8: amtliche Bekanntmachung der Senatsverwaltung vom 1. September 1923 über die Ausgabe von Notgeld zu 10 Millionen Mark deutscher Reichswährung. In der zitierten Glosse wird auch von den Zwischengulden berichtet; das waren die Kassenscheine der am 19. Oktober 1923 gegründeten Danziger Zentralkasse AG. Sie wurden mit Datum 11. Oktober 1923 gedruckt und dann ab 24. Oktober 1923 ausgegeben. Diese Kassenscheine erhielt die Bevölkerung nur durch Einreichung von wertbeständigem Notgeld oder mit Geldscheinen frei konvertierbarer Währung. Abb. 9: 10 Danziger Gulden (2/5 £stlg.) 22. Oktober 1923, Vs., Kassenschein der Danziger Zentralkasse AG; gedruckt bei Julius Sauer Danzig – diese Scheine wurden am 30. April 1924 ungültig. Mit dem Gesetz 79/1923 vom 20. Oktober 1923 hatten Volkstag und Senat der Freien Stadt Danzig den Danziger Gulden als neue wertbeständige Rechnungseinheit eingeführt. Der Danziger Gulden war an die englische Währung gekoppelt und war 1/25 Pfund Sterling wert. Die deutsche Mark blieb vorerst weiterhin umlauffähig – man rechnete: 1 Gulden = 750.000.000.000 Papiermark. Nach einer europaweiten Ausschreibung zum Druck der geplanten neuen Gulden-Banknoten erhielt die in Malden/England ansässige Wertpapierdruckerei Bradbury-Wilkinson & Co. Ltd. den Zuschlag. Am 5. Februar 1924 wurde die Bank von Danzig mit dem Recht zur Ausgabe von Banknoten gegründet. Der Danziger Finanz-Senator Dr. Ernst Volkmann hatte schon am 1. Dezember 1923 einen ersten Druckauftrag ausgelöst und gefordert, die ersten Banknoten bis Ende Januar zu liefern. Am 19. Februar 1924 sollten dann die Danziger Gulden-Scheine endlich eintreffen. Abb. 10: 25 Gulden 10. Februar 1924; Vs., diese Variante B wurde in einer Menge von 1 Million von Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd. gedruckt. Die für den Transport gecharterte englische „Baltannic“ konnte jedoch wegen der Vereisung des Hafens von Danzig nicht einlaufen. Ein Umweg über den lettischen Hafen von Libau oder den polnischen Landweg wurde wegen der wertvollen Fracht verworfen. Ein Beamter der Bank von Danzig kommentierte später „So straft uns der Himmel für den nach England vergebenen Druckauftrag.“ Die werthöchste Banknote aller Danziger Geldscheine war die 1000-Gulden-Banknote, von der nur ein gelaufenes Exemplar bekannt wurde und sich in einer polnischen Sammlung befindet. Alle bekannten Scheine, die fast nur in bankfrischer Erhaltung vorkommen, liegen im Zahlenkreis von F 007601 bis F 008600 und wurde nach dem Einmarsch der Wehrmacht von der Reichsbank konfisziert. Der Schein mit der KN F 000807 ist ein Muster-Vorlage-Schein. Abb. 11: 1000 Gulden 10. Februar 1924; Vs. Der Umlauf an 1000-Gulden-Banknoten war mit lediglich 93 Stück im August 1924 am niedrigsten; im April 1934 liefen dagegen die meisten um: 2.696 Stück. Kurz vor Kriegsbeginn waren es reichlich 100 Banknoten. Am 1. September 1939 war dann alles vorbei. Deutsche Truppen rückten in den Freistaat ein, Danziger Staatsangehörige wurden wieder Deutsche: der Zweite Weltkrieg hatte begonnen und seit dem 16. Oktober 1939 war die Danziger Währung ungültig. Danziger Gulden konnten bis zum 15. Oktober 1939 im Verhältnis 10 : 7 in Reichsmark umgetauscht werden. Abb. 12 und 13: Danziger Reisepässe (links Typ 1 von 1920–1936, rechts Typ 2 von 1936 bis 1939 ausgegeben), beide Typen waren nach jeweils 5-jähriger Verlängerung gültig – gedruckt bei Julius Sauer Danzig. Der weitere Text des oben zitierten Beitrags lautete „... – Nach diesem Hexensabbat der Inflation ist der Danziger heute zur überzeugten Steuerfreudigkeit erzogen und willens, jeden noch so schweren Verzicht hinzunehmen, um eine Wiederholung dieser Papierseuche zu vermeiden, welche die geringfügigste Wertübertragung zur Quelle unerschöpflicher Überraschungen macht und den Sinn des Lebens in Addieren und Multiplizieren erschöpft. Wer sah, wie lange noch in Danzig, das von einem Tag zum anderen den Milliardenrausch mit der Pfennigrechnung vertauschte, die Kaufleute und das ganze Publikum brauchten, um sich das »Hinaufnumerieren« abzugewöhnen, der wagt jenem Psychologen nicht zu widersprechen, der einen Teil des mitteleuropäischen Nihilismus auf den Währungsverfall führt. Die neue Währung hatte hingegen die Zauberwirkung, binnen einer Woche alle Spekulanten zu vertreiben, der polnische Zwischenhändler floh, die schwarze Börse löste sich auf, die schwächeren Valutahändler gingen nach Warschau, die kapitalkräftigeren Devisenhändler reisten nach Paris, an die Stelle der unzähligen Wechselgeschäfte, die sich zuletzt in jedem Keller einnisteten, trat der Brotladen, die schlecht versorgte Stadt füllte sich binnen weniger Tage mit einer märchenhaften Menge von Lebensmitteln, der Kampf auf dem Wochenmarkt wurde zum gefälligen Handel und die Bevölkerung, die nach dem Traum von Millionen arm erwachte, beginnt mit Pfennigen zu sparen, um sich langsam eine geringe, aber solide Kaufkraft zu erwerben. Kein Diktator und kein Parlament vermochten eine solche soziale Revolution hervorzubringen, wie der kleine Papierschein mit der bescheidenen Aufschrift: »Ein Danziger Gulden«. Der von Ende Oktober bis Mitte Januar dauernde Übergangszustand des Zwischenguldens, ein in gesetzlich festgelegter Relation zum englischen Pfund stehendes wertbeständiges Papiergeld mit der ausschließlichen Funktion eines Zahlungsmittels, ermöglichte die völlige Ausschaltung der deutschen Mark, die Beratung und Annahme der Währungsgesetze im Volkstag, den Abschluß der auswärtigen Kreditverhandlungen und gestattete der Wirtschaft und den Staatsfinanzen die Umstellung auf die neue Geldeinheit. Nach den Ausweisen der Danziger Zentralkasse A.-G., die vorübergehend die Funktionen einer Notenbank erfüllte, waren am 31. Oktober die im Umlauf befindlichen Kassenscheine von 5,97 Millionen Gulden durch 12.000 Liversterling in Pfundnoten und Scheck auf London sowie 227.000 Liversterling in Guthaben bei Banken und am 15. Januar ein umlaufender Betrag von 15,57 Millionen Zwischengulden durch 18.000 Liversterling in Pfundnoten, sowie der Rest in Guthaben bei Banken gedeckt, so daß in dieser Übergangszeit von 10 Wochen die Effektivdeckung nur ungefähr 4 Prozent betrug, aber das Bewußtsein, jederzeit 25 Gulden in ein englisches Pfund umtauschen zu können, genügte jedermann, um auf die Erwerbung der englischen Pfunde zu verzichten, womit der währungspolitische Zweck der gesetzlichen Relation erfüllt war. Mit Annahme der Währungsgesetze, der Ankunft der Kurant- und Scheidemünzen, der Gründung der Bank von Danzig, der Zusicherung des englischen Währungskredites und den Beginn der Aktienzeichnung für die Notenbank rückt die gesetzlich festgelegte Wertrelation psychologisch in den Hintergrund und seit dem 19. Januar, da der Zwischengulden zum Umtausch gegen das endgültige Währungsgeld aufgerufen wurde, besteht praktisch die Goldwährung des Danziger Guldens. Die am 14. November in dritter Lesung angenommenen, am 1. Januar in Kraft getretenen Währungsgesetze bestehen aus einem Mantelgesetz, das den Gulden zum gesetzlichen Zahlungsmittel erhebt, die Umwandlungen der Markforderungen regelt und gleichzeitig das am 22. September in Genf mit Polen geschlossene Währungsabkommen ratifiziert, sowie einem Münz- und einem Notenbankgesetz. Die in der Berliner Münze geprägten Goldmünzen im Werte von je 25 Gulden entsprachen mit einem Rohgewicht von 7,988 und einem Reingewicht von 7,322 Gramm Feingold, einschließlich der zugelassenen Fehlergrenze, genau dem englischen Pfund. Sie tragen als Münzbild das Danziger Wappen mit den zwei Löwen als Schildhaltern sowie auf der Kehrseite eine Wiedergabe des Neptuns am Langen Markt. Damit die Goldmünzen nicht aus dem Verkehr verschwinden, bleiben sie als Golddeckung in den Tresors der Notenbank. Hingegen wurden Ende Januar die in Holland im Gesamtbetrag von 2,2 Millionen geprägten Silbermünzen und die in der Höhe von 710.000 Gulden hergestellten Nickel- und Kupfermünzen in den Verkehr gebracht. Als Scheidemünzen ist der Umlauf des Silbergeldes mit 30, des Nickel- und Kupfergeldes mit je 3 Gulden auf den Kopf der Bevölkerung begrenzt und demgemäß die gesetzliche Zahlungskraft auf 60 und 3 Gulden beschränkt. Die für die beschränkte Zeit von 30 Jahren gegründete Bank von Danzig, zu deren Präsident Dr. Konrad Meißner ernannt wurde, erhält durch das Notenprivileg das Recht, bis zur Höhe von 40 Millionen, dem steuerfreien Notenkontingent, Papiergeld auszugeben, das zu einem Drittel durch Goldmünzen, Noten der Bank von England oder durch täglich fällige, auf Liversterling lautende Forderungen auf diese Bank gedeckt sein muß; nach Überschreitung des Notenkontingents ist volle Deckung und die Entrichtung einer Nebensteuer von 5 % erforderlich. Das Grundkapital von 7,5 Millionen wurde durch Zeichnung von 75.000, in das Stammbuch der Bank eingetragen, auf je 100 Gulden lautenden Namensaktien fast ausschließlich von der Danziger Wirtschaft aufgebracht, während sich aus politischen Gründen auch Polen einen kleinen Anteil vorbehielt. Nach Einzahlung des Kapitals eröffnete die Bank von England einen Währungskredit von 200.000 Liversterling. Das Notenbankgesetz hat bei der notwendigen Wahrung der staatlichen Kontrolle den Kreis der Kreditgeschäfte der Bank begrenzt und insbesondere alle Kreditgeschäfte zwischen der Notenbank und der Regierung unterbunden. Das Gleichgewicht des Staatshaushalts, der 170 Millionen Goldmark betragende Ausfuhrüberschuß der Handelsbilanz des Jahres 1923 und die englische Unterstützung verheißen der neuen Währung, deren Schaffung ein persönliches Verdienst des bekannten Finanzsenators Volkmann ist, eine gesicherte Zukunft.“ Michael H. Schöne Erklärungen: Liversterling = alte Bezeichnung des Pfund Sterlings Quellen: „Revaler Bote“ Nr. 58, 8. März 1924, Beilage 2, Seite 6 „Danziger Volksstimme“ Nr. 203, 31. August 1923, Seite 7 „Das Papiergeld in der Freien Stadt Danzig 1920 bis 1939“, Pirna 2003

  • Aus privaten Sammlungen: Falsche Banknote aus Burma aus den 1960er Jahren

    Objekttyp: Banknote (Fälschung) Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: Bis 1948 war Burma eine britische Kolonie. Nach der Erlangung der Selbstständigkeit wurde die Union Bank of Burma geründet. Sie hatte ab 1952 die Funktion einer Zentralnotenbank. Als Burma 1962 das sozialistische System übernahm, wurden alle Banken verstaatlicht und zur Peoples Bank of Burma verschmolzen. 1972 erhielt die Bank den Namen Union of Burma Bank. Bei dem abgebildeten Schein aus meiner Sammlung handelt es sich um eine Druckfälschung, die am fehlenden Wasserzeichen zu erkennen ist. Der Schein ist mit Bankstempeln versehen, die wahrscheinlich „Ungültig“ bedeuten. Zusätzlich wurde das Datum aufgestempelt. Die handschriftliche Nummer „229“ dürfte bedeuten, dass es mindestens 229 Fälschungen gegeben hat. Land/Region/Ort: Burma (Myanmar) Emittent: Peoples Bank of Burma (Volksbank von Burma) Nominal: 20 Kyatas Datum: ohne Datum (1965) Vorderseite: Porträt von General Aung San. Rückseite: Bauer auf einem Traktor bei der Feldarbeit. Material: Papier mit Wasserzeichen Wasserzeichen: „Hörnchen" vertikal wiederholt, abwechselnd nach links oder rechts gekrümmt. Druck: VEB Wertpapierdruckerei der DDR, Leipzig (zuvor und heute: Giesecke & Devrient) Format: 169 mm x 91 mm Nummerierung: D 2394516 Authentizität: Druckfälschung mit entsprechenden Abstempelungen. Zitate: BUR-55 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. III - Modern Issues) B904a (Linzmayer: The Banknote Book: Burma) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Geldscheinporträts: Peter Parler

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen: Peter Parler auf einem 1000-Kronen-Schein der Nationalbank für Böhmen und Mähren von 1942. Abb. Sonderdruck des Porträts von Peter Parler von der 1000-Kronen-Note der Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag vom 24. Oktober 1942 mit handschriftlicher Signatur des Grafikers und Entwerfers des Geldscheins Jindra (Heinrich) Schmidt. Er war ein Vorreiter der hoch- und spätgotischen Architektur und stand am Anfang einer ästhetischen Veränderung, die später als der „Schöne Stil“ in die Kunstgeschichte einging: Peter Parler gilt als Genie und Revolutionär der Baukunst und wird als der vielleicht größte Baumeister des 14. Jahrhunderts bezeichnet. Seine ersten Lehrjahre absolvierte Parler vermutlich in Schwäbisch Gmünd bei seinem Vater Heinrich Parler. Dieser arbeitete dort am Heilig-Kreuz-Münster, dem Erstlingswerk der Baumeisterfamilie Parler. Der Nach­name der Familie lei­tet sich von ihrer Be­rufs­be­zeich­nung ab. Ein „par­le­rius“ oder „par­le­rus“, spä­ter Par­lier, be­zeich­nete einen Meis­ter des Bau­hand­werks, den „Spre­cher“ der Bau­hütte (vgl. par­lie­ren, Par­la­ment), was sich bis heute in dem Wort Po­lier er­hal­ten hat. Heinrich Parler der Ältere arbeitete auch in Köln, und bildete dort seinen Sohn Peter nicht nur aus, sondern arbeitete schon früh eng mit ihm zusammen. Peter lernte in seinen Wanderjahren die wichtigste Architektur Mitteleuropas kennen. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde, ausgehend von Frankreich, die Gotik als neuer Baustil modern. Als angehender Steinmetz studierte Peter Parler besonders die Architektur des Straßburger Münsters, ein Einfluss, der auch in seinen späteren Bauwerken immer wieder zu sehen ist. Mit der Einführung der gotischen Architektur benötigte man sehr viele professionelle Steinmetze. Als Arbeits- und Ausbildungsstätte wurden in dieser Zeit die Dombauhütten gegründet. Bei seiner Arbeit an der Frauenkirche in Nürnberg (deren Bau – nicht gesichert – oftmals seinem Vater Heinrich zugeschrieben wird), hatte Peter Parler eine schicksalhafte Begegnung: Er traf Kaiser Karl IV., den größten Herrscher jener Zeit. Karl war auch König von Böhmen und hatte das Ziel, seine neue Reichshauptstadt Prag zu einer der prächtigsten Metropolen Europas zu machen. Der Kaiser ernannte 1356 den erst 23-jährigen Peter Parler zum Dombaumeister von Prag. Parler stand somit an der Spitze der Steinmetze, einem gesellschaftlich ohnehin sehr angesehenen Beruf mit eigener Berufsordnung und Bruderschaften, die Keimzelle für die späteren Freimaurerlogen waren. Karl IV. beauftragte ihn nach dem Tod des französischen Baumeisters Matthias von Arras mit dem Weiterbau des Veitsdoms im Herzen der Stadt mitten in der Prager Burg auf dem Burgberg (Hradschin). Weitere Aufträge waren der Bau der Karlsbrücke und die Burg Karlstein, in der später auch die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reichs beherbergt wurden. Trotz der zum Teil sehr dürftigen Planung und Umsetzung seiner Vorgänger und des hohen Aufwands dieser zeitgleich ablaufenden enormen Bauvorhaben gelang es Peter Parler, seinen eigenen Stil zu entwickeln und die europäische Architektur damit dauerhaft zu prägen. Das „Parlerische“ war ein vielfältiges, aber trotzdem harmonisches Experimentieren mit Netzgewölben mit neuen, fast spielerischen Maßwerkformen. Sein Genie zeigte sich nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch darin, wie er den französischen Kathedralengedanken weiterentwickelte, indem er die Kunst beherrschte, „Lebensfreude in Architektur umzuwandeln“. Peter Parler war zudem ein begnadeter Bildhauer. Die Triforiengalerie des Veitsdoms stattete er mit porträthaften Büsten der Baumeister und Auftraggeber aus. Darunter ist auch ein Abbild von Parler selbst, weshalb sein Aussehen – im Gegensatz zu vielen anderen Persönlichkeiten dieser Zeit – bekannt ist. Parler wurde ein wohlhabender Mann und der berühmteste Baumeister seiner Zeit. 1360 erwarb er sein erstes Haus auf dem Prager Burgberg. 1370 starb seine erste Frau Barbara. Um 1380 heiratete er ein zweites Mal: Mit Elisabeth Agnes von Buhr bekam er noch zwei Söhne und eine Tochter. Alle seine Söhne wurden wie ihr Vater Steinmetze, nur der Älteste Sohn wurde Geistlicher in Prag. Peter Parler gründete seine eigene Bauhütte und wurde zum Vorreiter des „Schönen Stils“. Die Kunst in Europa veränderte sich: Die in faltenreiche, fließende Gewänder gekleideten Madonnen wurden schlank, schön und jung und hatten oftmals einen schmalen Mund, eine hohe Stirn und einen verträumten Ausdruck. Protektorat Böhmen und Mähren, Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag, Banknote zu 1000 Kronen vom 24. Oktober 1942, Specimen, II. Auflage mit Porträt von Peter Parler nach seiner Büste im Veitsdom zu Prag (im Umlauf vom 15. Dezember 1943 bis 31. Oktober 1945), Vorder- und Rückseite. Die Anzahl der Gebäude, die der Baumeister teils persönlich, teils durch seine Schüler ausführen ließ, war beträchtlich. Sein Einfluss erstreckte sich weit über die Grenzen Böhmens hinaus. Bauwerke von Parler und seinen Söhnen und Schülern sind auch in anderen Teilen des ehemaligen Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zu finden, so in Schlesien, der Lausitz, Mähren und in der Oberpfalz. Parler blieb bis ins hohe Alter aktiv. Durch die bald nach seinem Tod ausbrechenden Hussitenstürme wurden viele seiner Werke schon früh zerstört oder blieben unvollendet und die durch ihn gegründete Schule wurde zerstreut. Elias Heindl Literatur/Quellen Jutta Duhm-Heitzmann, Hildegard Schulte: Peter Parler, Baumeister (Todestag 13.07.1399), WDR ZeitZeichen, Sendung vom 13.07.2019, WDR 5, aufgerufen über www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/peter-parler-100.html Bernhard Grueber: Gmünd, Peter (auch Parler). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 275–279 Barbara Schock-Werner: Parler, Peter (Peter Parier von Gmünd). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, aufgerufen über www.deutsche-biographie.de/pnd118789708.html#ndbcontent (zul. am 25.01.2023) Abbildungen Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.

  • Impressionen von der World Money Fair 2023 in Berlin

    Nachdem im letzten Jahr die World Money Fair nach Corona-Pause im Sommer statt im Frühjahr und nur in kleinerem Rahmen stattfand, trafen sich vom 3. bis 5. Februar 2023 im Berliner Hotel Estrel wieder zahlreiche Aussteller, Händler und Sammler aus aller Welt. Die Veranstaltung erreichte von der Beteiligung und den Besuchern her fast das Niveau von vor der Pandemie. In allen auch früher genutzten Hallen fanden sich wieder Stände und Tische von Händlern. Besonders groß war der Besucherandrang am Freitag. Den ganzen Tag war der Stand des Battenberg Gietl Verlags sehr gut besucht und viele nutzten die Möglichkeit, nach Jahren der Zwangspause wieder in unserer "Bücherkiste" nach reduzierten Katalogen zu stöbern. Auch am Samstag kamen viele, wenn auch etwas weniger Besucher als am Tag zuvor. Am Sonntag wurde es dann deutlich ruhiger und die Händler hatten endlich Zeit für Geschäfte untereinander. Nachfolgend einige Foto-Impressionen von der World Money Fair, für die wir uns ganz herzlich bei unserem Autor Donald Ludwig bedanken. Die Ruhe vor dem Sturm: Stand des Battenberg Gietl Verlags vor dem Einlass der Besucher. Besucherandrang in einer Seitenhalle des Hotels Estrel. Am Stand von Polymernotes.org (Stane Straus). Josef Gerber und Donald Ludwig. Am Stand von Gibraltar in der Haupthalle. Am Stand der Münze Österreich durfte auch in diesem Jahr die hölzerne Kuh vor der Almhütte nicht fehlen. Treffen von zwei Veranstaltern anderer großer Sammlerbörsen (Sberatel in Prag und MIF Paper Money Fair in Maastricht). Das war die wirklich erste große numismatische Großveranstaltung nach der Corona-Krise und alle waren froh, dass ein Stück Normalität zurück ist und man wieder vielen bekannten Gesichtern begegnen konnte und ausführlich Gespräche führen. Sie treffen uns wieder nach drei Jahre Pandemie-Pause auf der Numismata am 4. und 5. März 2023 in München. Wir freuen uns auf Sie! Hans-Ludwig Grabowski Abb. Donald Ludwig

  • Manchmal muss man sich mit weniger zufrieden geben

    Deutsch-Südwest-Afrikanisches Notgeld auf historischen Postkarten Anders als von der deutschen Kriegsführung erhofft, blieb der im August 1914 ausbrechende Krieg nicht auf Europa beschränkt. Bereits am 5. August ordnete Großbritannien Angriffe auf die deutschen Kolonien an. Der Kaiserliche Gouverneur von Deutsch-Südwest-Afrika (DSW) erklärte am 7. August die allgemeine Mobilmachung. Die aktive Schutztruppe wuchs durch Reservisten und Freiwillige auf die fast doppelte Stärke – rund 5000 Mann. Gouverneur Dr. Theodor Seitz rechnete damit, dass in Deutsch Südwest – wie auch anderswo in Kriegszeiten – von der Bevölkerung Silber- und Goldmünzen gehortet würden. Er ließ daher Kassenscheine zu 5, 10, 20, 50 und 100 Mark drucken und in Umlauf setzen. Datiert sind sie auf den 8. August 1914, dem ersten Mobilmachungstag. Sie waren bei der Gouvernements-Hauptkasse in Windhuk bis spätestens drei Monate nach Aufhebung des Kriegszustandes einzulösen. Nach der faksimilierten Unterschrift des Gouverneurs wurden sie "Seitz-Noten" genannt. Das verwendete dünne, weiße Papier zeigt teilweise Spuren eines Fabrik-Wasserzeichens (ROYAL LINEN BOND) und eine feine Leinenpressung. Jeder Schein trägt auf der unbedruckten Rückseite den Abdruck eines runden Trockenstempels mit 84 mm Durchmesser. Er zeigt den Reichsadler ohne Umschrift. Es stellte sich schon bald heraus, dass das Papier für den Umlauf als Zahlungsmittel eigentlich völlig ungeeignet war. Abb. 1: DSW-1 a), Kassenschein, 8. August 1914, 5 Mark, Vorderseite[1] Abb. 2: DSW-4 b), Kassenschein, 8. August 1914, 50 Mark, Vorderseite. Dem Kommandanten der Schutztruppe, Oberstleutnant Joachim von Heydebreck, war bewusst, dass besonders der Süden der Kolonie bedroht war. Der Angriff der Soldaten der Südafrikanischen Union konnte im September zunächst abgewehrt werden. Es gelang ihr sogar im Handstreich die kleine, südafrikanische Walfischbuch zu erobern und bis zum Dezember zu halten. Meinhardt bemerkt in diesem Zusammenhang, dass die Kassenscheine auch hier gültig waren, dem einzigen Fall, dass deutsches Kolonialnotgeld in einer feindlichen Kolonie gesetzliches Zahlungsmittel war.[2] Die deutsche Schutztruppe, die sich vornehmlich auf Pferden, Kamelen und mit Esel-Karren fortbewegte, zog sich – unterbrochen von gelegentlichen Gefechten und Scharmützeln – immer weiter nach Norden zurück, verfolgt von 50.000 Soldaten der gut ausgerüsteten südafrikanischen Armee. Am 14. Mai 1915 besetzten die Südafrikaner Windhuk, das von Dr. Seitz kurz zuvor verlassen worden war. Aufgrund der vollkommen aussichtslosen Kriegslage kapitulierten am 9. Juli 1915 bei Otavi Gouverneur Seitz und Oberstleutnant Viktor Franke, der Nachfolger des im November 1914 verstorbenen Heydebrecks. Die Reservisten durften zu ihren Farmen zurückkehren und erhielten auch eine letzte Löhnung, die aus allerlei Notgeld bestand, das als Ersatz für die aus dem Zahlungsverkehr verschwundenen Silbermünzen von verschiedene Unternehmen 1914/15 als Notzahlungsmittel in Elisabethbucht, Gibeon, Khan, Karibib, Lüderitzbucht, Okahandja, Pomonahügel, Swakopmund, Tsumeb und Windhuk ausgegeben wurden. Bei dem Notgeld handelt es sich um Wertzeichen zu 50 Pfennig, einer und zwei Mark, um unscheinbare, sehr einfach gestaltete, kleine Papier-Scheinchen, meist ohne Angabe eines Ausgabeortes oder -datums. Auch nach der Besetzung des Landes durch Truppen der südafrikanischen Union blieben die deutschen Münzen im Umlauf – 1 Mark = 1 Shilling – wohingegen die Reichsbanknoten nur zu 75 % des Wertes und das Seitz-Geld überhaupt nicht angenommen wurde. Die deutsche Bevölkerung bediente sich aber auch weiterhin der Seitz-Noten und Gutscheinen aller Art bei Zahlungen.[3] Vor einiger Zeit konnte ich zwei historische Postkarten erwerben, die genau solche Scheine aus Windhuk abbilden. Auf ihrer Rückseite wird „R. Wywias, Windhuk, D.S.W, Tel. 132. Nachdruck verboten“ genannt. Robert Wywias kam im März 1896 mit dem Dampfer „Gertrud Woermann“ in Südwestafrika an und ging nach Windhuk. Hier war er als selbstständiger Fotograf tätig. In der Kaiserstraße 59 betrieb er ein Fotostudio, verkaufte Fotozubehör und unterhielt ein Fotolabor, das auch Amateure benutzen konnten. Nach dem verlorenen Krieg verließ er mit seiner Frau 1919 das Land.[4] Abb. 3: Postkarte mit Notgeld-Abbildungen der Firma R. Wywias, Windhuk. Abb. 4: Postkarte mit Notgeld-Abbildungen der Firma R. Wywias, Windhuk. Die erste Karte zeigt in Form einer Collage Fotografien verschiedener Notgeldscheine mit dem zusätzlichen handschriftlichen Text: „Ersatz für Silbergeld im Kriegsjahr 1914/15 in Windhuk“. Im Einzelnen werden abgebildet: Deutsche Farmgesellschaft AG., 2,00 Mark Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaft e.G.m.b.H., 50 Pfg. Held & Straube, 1,00 Mark H. Liwinowski, Spezialgeschäft für Damen und Herren-Mode, 0,50 Mark Hotel Kaiserkrone, Münze, 100 Hotel „Thüringer Hof“, (P. Boeck), 1 Mark Hotel Victoria (F. Gramowski), 1,00 Mark Hotel Zur roten Erde (Gebr. Hülsmann), 0,50 Mark J. G. Erhard Nachf., Herren-Moden, 1,00 Mark Milchzentrale, 1,00 Mark R. Rabald [Schumacher], 0,50 Mark Rudolf Schuster, 2 M Spießer & Silla, Bäckerei und Conditorei, 50 Pfg. Wecke & Voigts, 0,50 Mark Auch die zweite Postkarte bildet Notgeld aus Windhuk ab. Im Einzelnen: Auto-Droschken-Verkehr Barthel, 1,00 Mark Cape Town Silver Grill Café, 0,50 Mark Heinr. Elias, 50 Pfennig H. Gunkel, Kl.-Windhuk, 0,50 Mark Hotel H. Röhlig, 2,00 Mark Hotel Kaiserkrone, Münze, 100 J. Chiat [Hotel], 0,50 Mark Josef Schneeweis, Schlachterei, eine Mark Kazmaier & Wintterlin, 1,00 Mark M. Sänger, Schneidermstr., 1,00 Mark Restaurant „Ludwigslust", 0,50 M Sonja Scholz, 0,50 M Swakopmunder Buchhandlung G.m.b.H., Zweigniederlassung Windhuk, 0,50 Mark „Die privaten Gutscheine aus der Besatzungszeit gehören durchweg zu den seltensten Geldzeichen in deutscher Währung. Nur wenige Scheine sind erhalten geblieben.“[5] Sie sind extrem selten und werden praktisch im Handel nicht angeboten, sodass man sich als Sammler glücklich schätzen darf, wenn man einmal eine der abgebildeten Postkarten erwerben kann. Durch die Vielzahl der privaten Gutscheine entstand letztendlich eine derartige Verwirrung, dass die Handelskammer in Windhuk mit Genehmigung der südafrikanischen Besatzungsmacht im April 1916 die Swakopmunder Buchhandlung damit beauftragte, ein einheitliches Notgeld herzustellen. Mit Bekanntmachung vom 10. August wurden einheitliche Scheine über 10, 25 und 50 Pfennig sowie 1, 2 und 3 Mark ausgegeben. Der gesamte Umlaufbetrag dürfte bei ca. 60.000 Mark gelegen haben. Abb. 5: DSW-13, Swakopmunder Buchhandlung Ges.m.b.H. o. D., 1 Mark. Abb. 6: DSW-15, Swakopmunder Buchhandlung Ges.m.b.H. o. D., 1 Mark. Nachdem immer mehr südafrikanische Zahlungsmittel ins Land flossen, begann 1918 das Notgeld aus dem Verkehr zu verschwinden. Vom ersten Februar 1919 an war dann das Geld der südafrikanischen Union das einzige gültige Zahlungsmittel der ehemaligen deutschen Kolonie und die deutsche Abwicklungsstelle löste in den nächsten Wochen das Seitz-Geld ein.[6] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Katalog-Nummern nach Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. überarbeitete und erweitere Auflage, Regenstauf 2020, S.508 ff. [2] Günther Meinhardt, Die Geldgeschichte der ehemaligen deutschen Schutzgebiete, Heft 4: Deutsch-Südwest-Afrika, Rundschau der Geldzeichensammler, Dortmund 1955, S. 22. [3] Ebenda, S. 24 f. [4] Vgl. Festtagsgrüße aus Deutsch-Südwestafrika. (27.12.2022) [5] Jörg Zborowska, Das Papiergeld von Deutsch-Südwestafrika, Handbuch und Katalog der Geldzeichen aus deutscher Zeit 1884 – 1918, Edition Münzen & Sammeln, Regenstauf 2015, S. 30. [6] Nach Zborowska wurden die südafrikanischen Zahlungsmittel bereits am 1. Januar 1919 zum alleinigen Zahlungsmittel erklärt.

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