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  • Papiergeld aus dem ersten spanischen Bürgerkrieg ("Karlisten-Krieg")

    Am 6. Oktober 1833 begann der erste spanische Bürgerkrieg, der erst 1840 beendet wurde. Bekannter als erster von drei sog. "Karlisten-Kriegen". Der Name wurde von „El Pretender“ (dem Thronanwärter) Don Carlos María Isidro Benito de Borbón y Borbón-Parma abgeleitet. Die drei Ehen des spanischen Königs Fernando VII. waren ohne überlebende Nachkommen geblieben. 1829 heiratete Fernando VII. aber in vierter Ehe seine Nichte Maria Christina von Neapel-Sizilien, eine Tochter Königs Franz I. beider Sizilien, die am 10. Oktober 1830 eine Tochter zur Welt brachte. Nach der „Lex Salica“ aus dem Jahr 1713 waren Frauen von der spanischen Thronfolge ausgeschlossen. Fernando hatte jedoch kurz vor der Geburt seiner Tochter dieses Gesetz geändert. Nach Fernandos Tod am 29. September 1833 wurde seine Tochter Isabel mit nur drei Jahren zur Königin ausgerufen. Carlos María Isidro, Fernandos Bruder, sah sich dennoch als legitimer Nachfolger. Daher veröffentliche er ein Manifest, in dem er auf seine dynastischen Rechte pochte und sich zum König mit dem Namen Carlos V. erklärte. Damit löste er den Bürgerkrieg aus. Auf der einen Seite die Cristinos, die liberalen Anhänger Isabels und ihrer Mutter María-Christina, sowie die Unterstützer England und Frankreich und auf der anderen die Karlisten, die Befürworter eines traditionellen, erzkatholischen Absolutismus sowie Russland, Österreich und Preußen. Carlos María Isidro wurde am 27. März 1788 in Aranjuez als zweiter Sohn Karls IV. geboren. Chronisten beschreiben ihn als streng in seinen Bräuchen, traditionell katholisch und geduldig. Obwohl er den Wunsch geäußert hatte, Geistlicher zu werden, heiratete er 1816 seine Nichte María Francisca de Braganzua, die vierte Tochter des Königs von Portugal. Abb. 1: Carlos María Isidro Benito de Borbón y Borbón-Parma, Gemälde von Vicente López. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_María_Isidro_de_Borbón. Während sich die Karlisten zu Beginn des Krieges zumindest in den ländlichen Gebieten Nordspaniens behaupteten, stützten sich die Cristinos auf die liberalen Antikleriker und die reguläre Armee. Carlos Chance den Krieg zu gewinnen, war auch davon abhängig, ob es ihm gelingen würde, die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen, um seine Truppen zu unterhalten. Ein Weg hierbei wäre die Ausgabe von Papiergeld und Anleihen gewesen. Daher bemühte sich sein Berater, Pio de Elizalde, Geldscheine in einer Druckerei der katalanischen Stadt Berga drucken zu lassen. Jedoch verweigerte die englische Regierung die Genehmigung für den Export des hierfür benötigten Papiers. Allerdings sind Scheine des Tesoro Real (Schatzamt) über 16 Pesos Duros in der Gestaltung englischer Banknoten und wohl auch auf englischen Banknotenpapier hergestellt wurden. Die einseitig bedruckten Scheine haben die Größe 215 x 135 mm. Datiert sind sie vom Januar 1835. Nach dem Text dieser Obligationen waren sie in Gold oder Silber beim Schatzamt in Madrid einlösbar bzw. konnten sie bei Zahlung von Steuern und Kontribution verwendet werden. Zum Schutz vor Fälschungen wurden sie mit einem Trockenstempel versehen. Ob sie auch ausgegeben wurden ist unbekannt, da sie in Sammlungen immer nur als Blankette ohne Unterschrift(en) vorkommen. Abb. 2.1: Obligacion, Tesoro Real, Enero de 1835, 16 Pesos Duros, Vorderseite. Größe: 215 mm (mit Randstück 260 mm) x 135 mm. Abb. 2.2. Trockenstempel auf dem Schein zu 16 Pesos Duros. Der Botschafter der Karlisten in England ließ gemäß eines königlichen Dekrets bei der Firma Edmund Shaw ein Wertpapier drucken, das bei einer einmaligen Einzahlung eines Kapitals von 940 Pesos fuertes eine ewige 5-%-Rente (= 47 Pesos fuertes, der Peso zu 20 Reales de Vellon gerechnet) versprach, die in Gold oder Silber beim Schatzamt in Madrid erstmals am 1. Juli 1836 ausgezahlt werden sollte. Um ausländische Anleger zur Kapitalanlage zu bewegen, konnte das Papier auch in Amsterdam, London, Paris, Brüssel und Turin in der jeweiligen Landeswährung gezeichnet werden. In diesem Fall sollten die Zinsen auch in dieser gezahlt werden: in Amsterdam bei 2.400 Gulden 120 Gulden, in London bei 200 Pfund 10 Pfund und in Paris bei 5.076 Francs 253,80 Francs. Letzteres gilt ebenfalls für eine Zahlung in Brüssel und Turin. Die Zertifikate wurden mit den dazu gehörigen Zinsscheinen in einem gemeinsamen Bogen gedruckt. Allerdings findet man heute in der Regel nur die Urkunde selbst ohne Zinsscheine. Für den schwarzen Druck verwendete man Papier ohne Wasserzeichen. Der einzige Schmuck besteht aus einem Schmuckdruck am linken Rand sowie dem aufgedruckten Siegel, das zum Schutz vor Fälschungen als Trockenstempel auf der linken Seite nochmals erscheint. In England umlaufende Stücke erhielten einen weiteren Trockenstempel (Six Pence), der wohl der Steuererhebung diente. Diese Certificado werden in Spanien dem Papiergeld zu gerechnet. Abb. 3.1: Certificado, Oñate, 6. Februar 1836, 47 Pesos Fuertes, Vorderseite. Größe ohne Zinsscheine: ca. 155 mm x 230 mm. Abb. 3.2: Certificado, Oñate, 6. Februar 1836, 47 Pesos Fuertes, Rückseite. Abb. 3.3: Trockenstempel auf dem Certificado Abb. 3.4: Englischer Steuerstempel Während seines Aufenthaltes in der Stadt Estella erließ Don Carlos V. am 8. April 1837 ein Dekret, mit dem er eine Anleihe von 20 Millionen Pesos fuertes zu 20 Reales vellon auflegte, die in 200.000 Bonos Real eingeteilt war: Mit dem Buchstaben A wurden 50.000 Bono Real zu 200 Pesos (4000 Reales), mit dem Buchstaben B 50.000 Bono Real zu 100 Pesos (2000 Reales) und mit dem Buchstaben C 100.000 Bono Real zu 50 Pesos (1000 Reales) gedruckt. Ihr Text versprach ihren Inhabern, dass die königliche Anleihe ab dem Ausgabedatum mit jährlich fünf Prozent verzinst würde. Sechs Monate nach Einzug des Herrschers in Madrid sollten Zahlungen bis zu 80 Prozent eines Zahlungsbetrags mit Bonos Real möglich sein, wobei diese zum Nennwert anzunehmen angerechnet würden und zwar der Peso fuertes mit 5 Francs 20 Centimes. Die Bonos Reales selbst sollten nach diesem Zeitpunkt innerhalb von acht Jahren eingelöst werden, wobei die Reihenfolge ihrer Einlösung durch Los bestimmt werden sollte. Abb. 4.1: Tesoro Real de Espana, 15. Mai 1839, 200 Pesos Fuertes de 20 Reales Vellon, Vorderseite. Größe: ca. 275 mm x 130 mm. Abb. 4.2: Tesoro Real de Espana, 15. Mai 1839, 200 Pesos Fuertes de 20 Reales Vellon, Rückseite. Abb. 4.3: Trockenstempel auf dem Bono Reales. Der Schatzschein wurde auf Büttenpapier mit Wasserzeichen (königliches Wappen und Schrift: „CAROLUS V. D. G. H. R.“) gedruckt. Die Bonos sind recht schmucklos einseitig mit einem Text bedruckt. Nur eine Verzierung am linken Rand sowie ein kleines Wappen neben der Überschrift „Tesoro Real de España“ lockern das Bild auf. Als Fälschungs-schutz erhielten die Scheine einen kleinen Trockenstempel mit der Büste des Monarchen und der Legende „Carolus V.D.G. Hispaniarum Rex“. Am unteren Rand finden sich die Unterschriften des Finanzminister Pedro Diaz Labandero sowie die der für die Emission verantwortlichen Person, Juan de Goyeneche, sowie ein handschriftliches Datum. Mit Scheinen zu 50 Pesos fuertes wurde die Truppe entlohnt. Im Dezember 1837 waren erst 900 Noten an die Soldaten in Amurrio ausgegeben. Die Scheine zu 100 Pesos fuertes sollten als Gegenwert bei Unterstützungszahlungen des Adels ausgegeben werden. Da Don Carlos jedoch im spanischen Adel nur wenige Unterstützer fand, wurde dieser Wert kaum gebraucht. Der Wert zu 200 Pesos fuertes schließlich war wahrscheinlich das meist gebrauchte Nominal, da er vorwiegend für Transaktionen im Ausland bestimmt war. Auf manchen dieser Scheine findet sich eine handschriftliche Notiz des Notar J. A. Pinna , Saint Micheal Alley Cornell in London. Bleibt noch anzumerken, dass ein großer Teil der 200-Peso-Scheine so viele Fehler enthielt, dass diese im Franziskanerkloster in Estella verbrannt wurden. Nach einigen Jahren blutiger Kämpfe und Intrigen verlies Don Carlos besiegt die iberische Halbinsel und suchte Zuflucht in Frankreich. Hier wurde ihm Bourges als Zufluchtsort zugewiesen. Erst am 18. Mai 1845, als er dem Thron zugunsten seines ältesten Sohnes Carlos Luis entsagte, durfte er sein Exil verlassen. Als Graf von Molina lebte er ab 1847 in Triest, wo er am 10. März 1855 starb und in einer Seitenkapelle der Kathedrale von San Giusto in Triest beigesetzt wurde. Mit dem Tode Don Carlos war der spanische Thronkonflikt keines Falls beendet. Es sollten noch zwei weitere Bürgerkriege folgen, bevor Ruhe einkehrte. Uwe Bronnert Literatur: Enciclopedia de los Billetes de España 1783 – 2006, Tomo I, Segunda edición, 2006.

  • Fürst Awalow-Bermondt und die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee

    Abenteurer, russischer Monarchist, Nationalist und Offizier und vielleicht auch Hochstapler, so beschreiben Biographen Oberst Fürst Pawel Michailowitsch Awalow-Bermondt [Russisch: Павел Михайлович Авалов-Бермондт]. Bild 1: Oberst Fürst Pawel Michailowitsch Awalow-Bermondt, Quelle: "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff, Oberbefehlshaber der Deutsch-Russischen Westarmee im Baltikum", Glückstadt und Hamburg 1925. Wer war dieser geheimnisumwitterte, stets in großer Tscherkessen-Uniform Auftretende, „stets gefolgt von einer ganzen Suite ordenübersäter Offiziere und einer berittenen Leibwache in tscherkessischen Uniformen.“1 Herkunft, Adelstitel und militärischer Werdegang liegen weitgehend im Dunkel und beruhen auf seinen eigenen Angaben. Danach wurde er am 4. März 1877 in Tiflis als Sohn des georgischen Fürsten Michail Antonowitsch Awalischwili geboren, mit dem seine Mutter in erster Ehe verheiratet war. Sein Vater habe ihn 1919 aufgefordert, den Fürstentitel und den russifizierten Namen Awalow anzunehmen. Der Name Bermondt stamme vom Stiefvater, dem zweiten Ehemann seiner Mutter.2 1905 nahm er am Russisch-Japanischen Krieg teil und wurde 1918 zum Oberst befördert. In Südrussland und der Ukraine beteiligte er sich an antibolschewistischen Aktionen, die zu seiner Gefangennahme in Kiew führten. Hier wurde er von deutschen Truppen befreit und gelangte nach Salzwedel, wo er im Kriegsgefangenenlager mit deutscher Unterstützung eine russische Freiwilligen-Truppe für den Kampf gegen die Bolschewisten aufstellte. Die weißrussische Exilregierung in Berlin betraute ihn als Nachfolger des Fürsten Anatol Pawlowitsch Lieven mit der Führung der weißrussischen Befreiungsarmee. Anfang Juni 1919 gelangten er und etwa 300 Mann, die zunächst nach dem ermordeten Führer der weißen Bewegung Fjodor Arturowitsch Keller „Korps Graf Keller“ genannt wurde, nach Kurland.3 In Mitau schlug er am 12. Juni 1919 sein Hauptquartier auf. Da der russischen Truppe die notwendige Schlagkraft fehlte, nahm der Fürst Kontakt zu den „herrenlos“ gewordenen Freikorps auf. Denn die deutsche Reichsregierung hatte auf Anordnung der Entente-Kommission ihre Rückkehr ins Reich befohlen. Gemäß Artikel XII des Waffenstillstandsvertrags von Compiègne vom 11. November 1918 hatte die deutsche Armee zuvor bis auf Weiteres in den baltischen, ehemals russischen Randprovinzen bleiben müssen, da weder Briten noch Franzosen gewillt waren, eigene Soldaten zu entsenden, um den Vormarsch der Roten Armee nach Westen zu stoppen. Zu diesem Zeitpunkt verfügten in diesem Gebiet nur das deutsche Heer und die Baltendeutschen4 mit der „Baltischen Landeswehr“ über militärische Machtmittel. Allerdings existierte die 8. deutsche Armee nur noch auf dem Papier. Soldatenräte hatten das Kommando übernommen und die Offiziere vertrieben sowie die Demobilisierung und sofortige Heimkehr nach Deutschland angeordnet. In wenigen Tagen lösten sich ganze Regimenter in Luft auf. Den zurückweichenden deutschen Truppen folgte die Rote Armee auf dem Fuß. Anfang Dezember 1918 war bereits der größte Teil Estlands von den Bolschewisten besetzt und Ende Dezember auch weite Teile Lettlands, sodass die deutsche Regierung Ostpreußen bedroht sah. Die Letten baten Deutschland um militärische Hilfe.5 Durch Vermittlung der Briten kam es am 29. Dezember 1918 zu jenem Abkommen zwischen August Winning, dem „Generalbevollmächtigten des Reichs für die Baltischen Lande“ und der provisorischen, lettischen Regierung unter Ulmanis, in dem der Einsatz deutscher Freiwilliger geregelt wurde. Darin erklärten sich die Letten bereit, allen ausländischen Freiwilligen, die mindestens vier Wochen für die Befreiung des lettischen Staats vom Bolschewismus kämpften, auf Wunsch die lettische Staatsbürgerschaft zu gewähren. Schon bald wurde aus der Zusage der Einbürgerung die „Aussicht auf Zuteilung von Siedlungsland“.6 Diese Parole löste ein „baltisches Fieber“ aus. Tausende zog es als Söldner nach Osten. Generalmajor Rüdiger von der Goltz übernahm von der deutschen Heeresleitung den Auftrag, die neue Streitmacht im Baltikum zu führen. Zunächst bestand sie nur aus wenigen Tausend Soldaten, neben der "Baltischen Landeswehr" aus einem lettischen Bataillon, einer weißrussischen Abteilung und der "Eisernen Brigade" unter dem Befehl von Major Joseph Bischoff. Zu ihnen stieß in den nächsten Wochen die neu aufgestellte I. Garde-Reserve-Division sowie diverse Freikorps-Verbände. Sie wurden „zwar … in größeren Einheiten zusammengefasst, normalerweise scherten sie sich aber wenig um militärische Strukturen. Meistens fühlten sie sich nur ihrem Führer verpflichtet und operierten weitgehend selbständig. Die enge Bindung zwischen Offizieren und Mannschaften war charakteristisch für die Freikorps. Ein Teilnehmer vergleicht sie mit einem ‚Clan‘, in dem nur die gegenseitige Loyalität zählte. Gleichzeitig pflegten viele ein gewisses Räuberimage, ließen sich Haare und Bärte wachsen und grüßten Offiziere nur, wenn sie ihnen genehm waren.“7 Mit 14.000 Mann, davon etwa 10.000 Freikorps-Soldaten, startete von der Goltz im März 1919 die Gegenoffensive.8 Bereits Ende März 1919 hatten die Freikorps-Truppen den größten Teil Kurlands wieder befreit und rückten nun auf Riga vor, das nach nur eintägigem, erbitterten und blutigem Kampf am 22. Mai 1919 eingenommen wurde. Die bolschewistischen Einheiten wurden zum Teil völlig aufgerieben und zogen sich stark dezimiert nach Norden zurück. In den folgenden Wochen änderten sich die politischen Verhältnisse, sodass die deutsche Reichsregierung den Freikorps die Rückkehr ins Reich befahl. Der größte Teil der Freikorps-Soldaten wollte jedoch dem Befehl nicht folgen. Am 26. September 1919 übergab der bisherige Befehlshaber der deutschen Truppen im Baltikum, General Graf von der Golz, das Kommando an Fürsten Awalow-Bermondt.9 Auf diese Weise waren die Deutschen im Freikorps nicht mehr verpflichtet, ins Reich zurückzukehren, wie es der Friedensvertrag von Versailles verlangt hatte. Auch mögliche Repressalien der Alliierten gegenüber dem Deutschen Reich wurden dadurch abgewendet.10 Die Freiwillige Westarmee wuchs durch den Übertritt der Freikorps (z.B. „Eiserne Division“ unter Major Bischoff mit etwa 15.000 Soldaten, „Deutsche Legion“ unter Kapitän zur See Sievert mit 9.000 Soldaten, „Freikorps Plehwe“ unter Hauptmann von Plehwe mit etwa 3.000 Soldaten) sowie der "Baltischen Landeswehr" auf insgesamt etwa 50.000 Mann, davon rund 40.000 Deutsche und Deutschbalten sowie 10.000 Russen. Das Aufbringen der notwendigen finanziellen Mittel für die Freiwillige Westarmee gestaltete sich durch das in Lettland herrschende Währungs-Chaos schwierig, zumal das Deutsche Reich am 11. Oktober 1919 die Sold-Zahlungen an die Freikorps-Soldaten einstellte.11 Während des Ersten Weltkriegs war der Russische Rubel durch Verordnung der deutschen Militärverwaltung vom 20. Juli 1918 als gesetzliches Zahlungsmittel außer Kraft gesetzt worden. An seine Stelle trat die Oberost-Mark der Darlehnskasse Ost, wobei der Rubel mit einer Mark gerechnet wurde. Der Oberost-Rubel der Ostbank für Handel und Gewerbe (Darlehenskasse Ost) blieb zum Wert von zwei Oberost-Mark im Umlauf. Ende 1918 waren im eben gegründeten lettischen Staat Währungen mit unterschiedlicher Kaufkraft im Geldverkehr: Ostmark, Ostrubel, deutsche Mark sowie städtisches Notgeld (Mitau, Libau und Windau). Infolge der Eroberung des größten Teils Lettlands durch die Rote Armee strömten Zaren- und Kerenski-Rubel ins Land. Im Frühjahr 1919 gab der Sowjet der Arbeiterdeputierten der Stadt Riga 1-, 3-, 5- und 10-Rubel-Scheine aus, die als gesetzliches Zahlungsmittel auf dem Gebiet von ganz Sowjet-Lettland im Umlauf waren. Der Sowjet der Arbeiterdeputierten des Kreises Cesis (Wenden) gab ebenfalls eigenes Geld zu 5 und 10 Rubel, das Anleihekupon genannt wurde, aus. Am 22. März 1919 ermächtigte die provisorische Regierung der Republik Lettland in Libau das Finanzministerium durch Gesetz Kassenscheine über 1, 5, 10, 25, 100 und 500 Lettischen Rubel auszugeben. Am 18. März 1920 erklärte sie die Regierung zu alleinigen Zahlungsmitteln auf dem Territorium Lettlands.12 Die Heeresleitung der Freiwilligen Westarmee war gezwungen, Kassenscheine im Wert von 10 Millionen Mark zu emittieren. Gerüchteweise sollen allerdings in Berlin allein vom 50-Mark-Nominal Scheine im Wert von 25 Millionen Mark hergestellt worden sein.13 Auch kommen Kassenscheine mit gleicher Kontrollnummer vor, z.B. zwei 1-Mark-Scheine mit „Б 352545“. Die Kassenscheine nennen als Ausgabedatum den 10. Oktober 1919. Sie wurden auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Die eine Seite in deutscher Sprache, während die andere Russisch beschriftet ist. Hier findet sich auch die schwarze, sechsstellige Kontrollnummer mit dem vorgedruckten kyrillischen Serienbuchstaben sowie die gedruckten Unterschiften des Fürsten Awalow-Bermondt, Oberbefehlshaber der Armee, und Eugen Freiherr von Engelhardt, Leiter der staatlichen Wirtschaftsabteilung der Armee. Im Tagesbefehl des Oberbefehlshabers vom 24. Oktober 1919 wird die Ausgabe von Scheinen zu 1, 5, 10 und 50 Mark bekannt gegeben. Sie galten ab dem folgenden Tag als allgemeine Zahlungsmittel im dem von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet und sollten ab 10. April 1920 gegen Mark oder gleichwertige russische Valuta eingelöst werden. Die 1-, 5- und 10-Mark-Scheine, „deren Wert durch das Heeresgut der ‚Freiwilligen Westarmee‘ gesichert ist“, wurden in Mitau von der Druckerei J. Stefenhagen gedruckt. Der Schein zu 50 Mark weicht in seiner Gestaltung und im Text von den übrigen Werten ab und soll bei der Druckerei Schulz oder Schwarz in Berlin hergestellt worden sein.14 Als Vorlage diente die russische 50-Rubel-Note von 1899. Im sechszeiligen Text heißt es: „Diese Kassenscheine deren Wert durch den / Staatsbesitz des von der freiwilligen Westarmee besetzten / Gebietes gewährleistet ist, gelten in diesem als gesetzliches / Zahlungsmittel und werden ab 10. Okt. 1920 von den staatlichen / Banken und den amtlichen Zahlungsstellen gegen deutsche / Reichsmark oder gleichwertige russische Währung eingelöst.“ Awalow schreibt in seinen Erinnerungen: „Die 50 Mark-Scheine, die angeblich durch das Gesamtvermögen des von meiner Armee besetzten Gebietes sichergestellt wurden, sind tatsächlich niemals herausgegeben worden. Ich habe niemals Wertzeichen mit einer fiktiven Garantie emittiert.“15 Dies steht im Widerspruch zum genannten Tagesbefehl. Neben den erwähnten Werten sollen auch Kassenscheine zu 2 Mark gedruckt worden sein, die jedoch durch einen Brand vollständig vernichtet wurden.16 Dieser Brand soll auch die Ursache dafür sein, dass es Scheine mit und ohne Trockenstempel gibt, da bei dem Brand auch die Prägemaschine zerstört wurde, mit der der Trockenstempel auf den Kassenscheinen angebracht wurde.17 Der Stempel hat einen Durchmesser von ca. 15 mm. Bei den meisten Scheinen ist die Darstellung (zaristischer Adler mit Umschrift) des Abdrucks kaum zu erkennen. Marcilger vertritt die Meinung, dass es sich bei den Geldzeichen ohne Trockenstempel um unfertige Exemplare handelt.18 Die lettische Post brauchte 1920 das Papier von unfertigen 10-Mark-Scheinen, bei denen nur die deutschsprachige Seite bedruckt war, zur Herstellung von Briefmarken auf. Hierbei handelt es sich um Marken zu 1 bzw. 10 Rubel. Anzumerken ist noch, dass es Scheine mit Abstempelungen deutscher Freikorps gibt, deren Echtheit jedoch fraglich ist. Abb. 9.1/2: Briefmarke zu 1 Rubel der Lettischen Post, gedruckt auf 10-Mark-Schein, Vorderseite und Rückseite. Abb. 10.1/2: Briefmarke zu 10 Rubel der Lettischen Post, gedruckt auf 10-Mark-Schein, Vorderseite und Rückseite. „Laut Tagesbefehl des Oberbefehlshabers der Freiwilligen Westarmee vom 24. Oktober wird Geld der Freiwilligen Westarmee im Betrag von 10 Millionen Mark in Umlauf gesetzt, und zwar in Scheinen zu 1, 5, 10 und 50 Mark. Vom 25. Oktober ab haben diese Geldwertzeichen im ganzen von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet gleichberechtigt mit dem Ostgeld Verwendung zu folgendem obligatorischen Kurse: 2 Mark im Geld der Freiwilligen Westarmee gleich 1 Ostrubel oder 2 Zarenrubel. Die ausgegebenen Scheine müssen ab 10. April 1920 gegen Mark oder gleichwertige russische Valuta eingelöst werden und sind durch das gesamte Heeresgut der Freiwilligen Westarmee wie auch durch das gesamte in dem von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet gelegene Kroneigentum garantiert. Die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee werden im Westkreditkontor in Mitau in Ostgeld umgewechselt: an alle Militärchargen der Freiwilligen Westarmee, welche sich auf Urlaub in die Heimat begeben oder welche durch Vermittlung des Westkreditkontors ihren Familien Geld überweisen; an alle Personen, welche die Genehmigung für eine Auslandsreise besitzen; an alle Kaufleute, welche ausländische Waren beziehen, und zwar in Beträgen, welche eine böswillige Spekulation mit der Valuta ausschließen. Mitau, den 24. Oktober 1919.“19 Die Währung der Freiwilligen Westarmee wurde an der Berliner Börse nicht notiert. Somit hätten die deutschen Söldner keine Möglichkeit gehabt, die Familien in der Heimat zu unterstützen. Aus diesem Grund sollte im Bedarfsfall ein Umtausch im Westkreditkontor in Mitau möglich sein. Awalow führt in seinen Erinnerungen aus, dass das Geld der Freiwilligen Westarmee bei der Bevölkerung so beliebt gewesen sei, dass man 1 Mark und 20 Pfennig in Ostmark für 1 Mark der Freiwilligen Armee hätte zahlen müssen.20 Und dies, obwohl nach dem Tagesbefehl beide Währungen pari standen. Die Deutschen, die an dem angeblich gegen die Sowjets geführten Krieg teilnahmen, taten dies im Glauben an das falsche Versprechen, dass ihnen Land für die Besiedlung zusicherte. Nun, nachdem sich die Rote Armee aus dem Baltikum zurückgezogen hatte, war die deutsche „Mission“ eigentlich erfüllt und man hoffte nun die Früchte des Siegs ernten zu können. Awalow dagegen betrachtete die ehemaligen Provinzen als integralen Bestandteil Russlands, die es galt zurückzugewinnen und den Kampf gegen die Sowjets im Inneren Russlands fortzuführen. Was nun folgte war ein politisches und militärisches Abenteuer. Awalow hätte damit rechnen müssen, dass sein Angriff auf die nationale lettische Armee zu einer Intervention der westlichen Alliierten führen würde. Am 8. Oktober 1919 startete seine Armee von Mitau ausgehend ihre Offensive gegen Riga. Die an der Mündung der Düna stationierte britische Flotte beschoss daraufhin ab 15. Oktober die Stellungen der Westarmee, während nationale lettische Truppen am 3. November die linke Flanke angriffen, sodass sich die Truppe nach Mitau zurückziehen musste und schließlich Ende November in Richtung Ostpreußen evakuiert wurde. Die Reichsregierung erklärte sich bereit, „die am 11.10.19 eingestellte Soldzahlung an die deutschstämmigen Baltikumsoldaten rückwirkend wiederaufzunehmen. Auch an die seit dem 14.11.19 [Generalleutnant] Eberhardts Befehl unterstehenden westruss. Truppen des Oberst Awaloff-Bermondt sollten bis zum 20.12.19 Gebührnisse gezahlt werden.“21 Die Freikorps-Soldaten sollten bis spätestens 15. März 1920 entlassen werden. Bereits Ende November 1919 hatte sich das Reichsfinanzministerium bereit erklärt, dem einzelnen Soldaten maximal 300 Mark des „Bermondtgeldes“ „mit Rücksicht auf [die] Bedürfnisse des Rücktransportes“ in deutsches Geld umzuwechseln. Und was wurde aus Oberst Awalow-Bermondt? Er setzte sich nach der Niederlage seiner Streitmacht zunächst nach Dänemark ab und lebte später in Deutschland. Als im August 1939 der Deutsch-Russische-Nichtangriffspakt geschlossen wurde, war seine russisch nationalsozialistische Bewegung bei den Nationalsozialisten nicht mehr erwünscht. Er wurde verhaftet und später aus Deutschland ausgewiesen. Über Belgrad gelangte er 1941 in die Vereinigten Staaten, wo er am 27. Januar 1974 in New York starb. Uwe Bronnert Anmerkung der Redaktion: Es kommen verschiedene Schreibweisen des Namens von Oberst Awalow vor. In Wikipedia findet man ihn unter Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff. Die Transkription aus dem Russischen lautet aber Awalow und nicht Awaloff. Diese eingedeutschte Schreibweise geht auf seine 1925 in Deutschland erschienene Publikation "Im Kampf gegen den Bolschewismus" zurück. Auf den hier behandelten Scheinen der Freiwilligen Westarmee unterschrieb er mit "Awalow-Bermondt", weshalb wir im Artikel auch diese Schreibweise nutzen. Anmerkungen: Edgar v. Schmidt-Pauli, Geschichte der Freikorps 1918 – 1924, Stuttgart 1936, S. 132. Nach einer anderen Quelle war er der Sohn des Karäers Rafail Bermondt, mütterlicherseits stamme er aus dem georgischen Fürstengeschlecht Awalischwili bzw. der Titel und der Namen stamme vom Bruder seiner Mutter, der ihn adoptiert habe. Das Dokument Nr. 52, Besprechung beim Reichspräsidenten über die Räumung des Baltikums. Weimar, 20. August 1919, spricht von 7.000 Mann als antibolschewistische Kampfeinheit im Baltikum. https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_53.html?highlight=true&search=Awaloff&stemming=true&pnd=&start=&end=&field=all#highlightedTerm. Sie machten nur etwa 8 % der Gesamtbevölkerung aus. Zwischen ihnen und den Letten, Esten und Litauern bestand seit jeher eine tiefe Kluft. Die Baltendeutschen stellten die Oberschicht aus Gutsbesitzern und Adligen dar, Nachkommen der Anfang des 13. Jahrhunderts eingewanderten Ordensritter. Die nachrückenden lettischen Eliteregimenter der Roten Armee eroberten Anfang Januar 1919 bereits Riga, Mitau und Schaulen. Die Offiziere in den Anwerbebüros im Reich verbreiteten bewusst das Märchen, dass die Freiwilligen Siedlungsland erhalten würden. Frank Westenfelder, Die Freikorps. http.//www.kriegsreisende.de/relikte/freikorps.htm. Mitte April standen ca. 40.000 Soldaten unter dem Kommando des Generalmajors von der Goltz. Am 4. Oktober 1919 befahl das deutsche Oberkommando unter dem Druck der Westalliierten General von der Golz, nach Deutschland zurückzukehren. Die USA hatten der Reichsregierung damit gedroht, Lebensmittellieferungen einzustellen, wenn die deutschen Truppen nicht aus dem Baltikum abgezogen würden. So erhielt der Gemeine täglich 11 Mark, der Offizier ohne Posten 18 Mark, der Subaltern-Offizier 24 Mark, der Kompanieführer 30 Mark, der Bataillons-Kommandeur 36 Mark, der Regiments-Kommandeur 42 Mark, der Brigade-Kommandeur 48 Mark, der Divisions-Chef 54 Mark, der Chef des Armeestabs 75 Mark und der Armee-Befehlshabers 100 Mark. Für Unterhalt und Uniformierung eines Soldaten waren monatlich ca. 1.000 Mark zu veranschlagen. S. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff, Oberbefehlshaber der Deutsch-Russischen Westarmee im Baltikum", Glückstadt und Hamburg 1925, S. 220. Vgl. O. Lehnich, "Währung und Wirtschaft in Polen, Litauen, Lettland und Estland", Berlin 1923, S. 221 ff. und Kristīne Ducmane u. Ēvalds Vēciņš, Nauda Latvijā, Latvijas Banka 1995, S. 251 f. A. Platbārzdis, Latvijas Naudas, Stockholm 1960, S. 65. S. A. Platbārzdis, Coins and Notes of Estonia, Latvia, Lithuania, Stockholm 1968, S. 48. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff …", S. 220. N. Kardakoff, "Katalog der Geldscheine von Russland und der Baltischen Staaten 1769 – 1950", Berlin 1953, S. 52. Ebenda. Vgl. V. Marcilger, "The Monetary History oft he Baltic States with a detailed Catalogue of Currency Notes", München 1999, S. 200. O. Lehnich, S. 345 f. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff …", S. 220. Nr. 156 Kabinettssitzung vom 28. Januar 1920 [16 Uhr], 1. Geldzahlungen an die nationaldeutschen Baltikumkämpfer und an die nationalrussischen Truppen. https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/011/bau/bau1p/kap1_2/kap2_158/index.html. Hans-Ludwig Grabowski, "Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapier und Gutscheine", 21. vollständig neu erstellte Auflage 2018, S. 458 f.

  • Die Rätsel-Serie – Notgeld der Gemeinde Frose/Anhalt

    Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verschwanden die Gold- und Silbermünzen aus dem Zahlungsverkehr. Ab 1916 wurden dann auch die Nickel- und Kupfermünzen als willkommene Rohstoffreserve eingezogen. Die staat­lichen Ersatzprägungen aus Eisen, Zink und Aluminium reichten bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Städte, Kreise und Unternehmen ließen daher ebenfalls Notmünzen aus Eisen und Zink prägen, und als sich die Beschaffung dieser Rohstoffe immer schwieriger gestaltete, überschwemmte eine wahre Flut von Papier-Notgeld das Land. Die große Arten- und Variantenvielfalt machte nach Kriegsende das Sammeln von „Kriegsgeldzeichen“ sehr populär. Immer häufiger wandten sich Sammler an die Kommunalverwaltungen mit der Bitte um Überlassung von Notgeldscheinen und Notmünzen. Mancher Kämmerer witterte die Chance und ließ nun besonders ab 1921 eigens für Sammler Notgeld herstellen. In der Regel wurden vom einzelnen Nominal nicht nur ein Schein, sondern gleich mehrere – durch Abbildungen und/oder Farbgestaltung – unterschied­liche Gutscheine gedruckt und häufig in einem besonderen Kuvert mit genauer Beschreibung der Darstellungen, zu weit über dem Nominalwert liegenden Preisen verkauft. „Das aus der Not geborene Geld entartete zum bunten Sammelobjekt. Geld wurde selbst zur Handels­ware.“ Dabei versuchte man, immer ausgefalleneres Geld zu schaffen. Druckereien und private Prägeanstalten taten das ihrige, um den Boom anzuheizen. Auch die Gemeinde Frose (Anfang der 1920er Jahre 2.300 Einwohner),1 die im nordöstlichen Harzvorland östlich der unteren Selke liegt und auf eine tausendjährige Geschichte zurückblickt, beteiligte sich an der Emission dieser sog. Serienscheine. Um sich aus der Masse der Notgeldausgaben hervorzuheben, ließ man sich etwas ganz Besonderes einfallen: die Gutschein-Serie vom 27. Juni 1921 als Preisrätsel in sechs Folgen. Das mitgelieferte Informationsblatt „Wichtig für den Erwerber dieser Serie!“ vermittelt dem Erwerber den Eindruck, nicht nur eine große nationale Idee beim Kauf zu unterstützen, sondern ermöglicht es ihm darüber hinaus durch interessante Gewinne seine Sammlung zu bereichern, falls er das Ratespiel richtig löste und die Lösung möglichst bald an den Gemeindevorsteher Henke bzw. an Willy Dockhorn in Frose einsandte. Voraussetzung war jedoch, dass bei der Einsendung auch die Kontroll-Nummer des 1-Mark-Scheins angegeben wurde. Dies garantierte, dass jeder Einsender auch eine Serie erworben hatte. Im Merkblatt wurde versprochen, den Verlosungs-Termin und die Preisträger in den Fachzeitschriften zu nennen. Ebenso sollten die Gewinner auch schriftlich benachrichtigt werden. Als Preise waren zahlreiche Buch-Exemplare von Dr. A. Keller, Das deutsche Notgeld, Teil I und III, G. Prange, Deutsches Kriegsnotgeld von 1914 bis zur Gegenwart, H. Lütckens, Notgeldpoesie, H. Treseburg, Spruchscheine im deutschen Notgeld, K. Skowronek, Wie sammelt man Notgeld sowie ferner Notgeld-Alben für 1000, 500, 200 usw. Scheine, Jahres- und Quartal-Gratis-Abonnements auf die bisher erschienen fünf Notgeld-Fachzeitschriften sowie wundervolle Serien-Zusammenstellungen einzelner Landschaftsgebiete und Staaten usw. ausgelobt. Das war aber noch nicht alles. Das i-Tüpfelchen stand noch aus: „Als Schluß-Schein der anliegenden Rätsel-Serie gelangt nach stattgefundener Verlosung ein 75 Pfg.-Schein an alle Sammler zur Verteilung, welcher in künstlerischer Ausführung die Lösung des Preisrätsels bringen wird. Die Vorbestellung auf diesen interessanten Schein wird bei der Einsendung der Lösung erbeten unter Beifügung eines bereits frankierten Briefumschlages und Einsendung des Betrages von 80 Pfennig in Briefmarken.“ Es ist anzunehmen, dass weniger die Gemeinde Frose als der Lehrer Willy Dockhorn der Initiator der Ausgabe war, von dem auch die Entwürfe zu den Scheinen stammen. Gedruckt wurden sie von der Druckerei Louis Koch in Halberstadt. Dockhorn entwarf bereits früher für die Gemeide Frose die Serie vom 15. März 1921 (25 und 4 x 50 Pfennig) und war auch für weitere Emittenten tätig, so z.B. für die Gemeinde Königsaue (40, 2 x 50, 75 und 100 Pfennig mit Datum vom 10. Juni 1921) und den Kreis Ballenstedt am Harz (25, 30, 2 x 50, 75 und 100 Pfennig vom 22. August 1921). Von ihm stammt auch die Wilhelm-Busch-Serie der Gemeinde Gatersleben (25, 4 x 50 und 75 Pfennig vom 30. Juli 1921) mit der Bildergeschichte „Max und Moritz“. Der erste Schein der Rätselserie ist der Wert zu 1 Mark, der an der Perforation in zwei 50-Pfennig-Scheine getrennt werden konnte. Auf der Vorderseite ein Bilderrätsel und rückseitig wird Bezug auf das Mönchskloster von 950 und das Nonnenstift von 961 genommen. Mit einem Einsetz-Rätsel auf der Vorderseite des Scheins zu 75 Pfennig wird die Aufgabe fortgesetzt, rückseitig wird der Ortsname im Laufe der Jahrhunderte aufgelistet. Die Rätselteile 3 – 5 (Bildrätsel, Rösselsprung und Bildrätsel) folgen auf den 50-Pfennig-Nominalen, auf den Rückseiten auf die germanische Siedlung (1000 vor Chr.), die Stauung der Bode durch Bischof Gebhardt aus Halberstadt(1478) und die Trockenlegung des Sees 1703 – 1709 bezugnehmend. Beim 25-Pfennig-Schein sind bei der Aufgabe schließlich nur einige Worte in die richtige Reihenfolge zu bringen. Die Rückseite steht in der Bergmannstradition des Ortes. Vielleicht haben Sie ja Lust und Muse, das Geheimnis der Scheine selbst zu lösen. Da Dockhorn bei der Beschriftung das Sütterlin verwendet hat, das vielen heute nicht mehr geläufig ist, hilft hier die Wiedergabe des Alphabets. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg. Alle anderen können das Ergebnis sofort dem undatierten Abschluss-Schein zu 75 Pfennig entnehmen. Dieser Schein wurde nicht mehr von der Gemeinde emittiert, sondern wohl nur noch von Herrn Dockhorn. Wir haben ihn kopfstehend dargestellt, denn ganz so einfach wollen wir es dann doch nicht machen. Anmerkung: Am 15. Juli 2009 bildete Frose zusammen mit vier weiteren Orten die neue Gemeinde Seeland. Uwe Bronnert

  • Noten der Banca d’Italia mit dem Aufdruck „Serie Speciale Africa Orientale Italiana“ (1938/39)

    Italien erlangte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine staatliche Einheit. Der durch die Industrialisierung erhöhte Rohstoffbedarf und die Massenauswanderung veranlasste die italienische Regierung, den Erwerb eigener Kolonien ins Auge zu fassen. 1881 – 1885 eroberte es äthiopische Gebiete am Roten Meer, die 1890 zur Kolonie Eritrea zusammengefasst wurden. 1889 folgte der südliche Teil Somalias, dass spätere Italienisch-Somaliland. Allerdings scheiterte 1894 – 1896 der Versuch, weitere äthiopische Gebiete zu erobern. Tripolitanien und die Cyrenaika, die beiden letzten Provinzen des Osmanischen Reichs auf afrikanischen Boden, weckten wegen der Lage am Mittelmeer und der Nähe, Italiens Interesse. Um von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken stellte Premierminister Giovanni Giolitti im am 27. September 1911 dem Sultan Mehmed V. ein Ultimatum, beide Provinzen bedingungslos an Italien zu übergeben. Grund hierfür war die angeblich schlechte Behandlung italienischer Bürger in Libyen. Der Sultan antwortete mit einer Kriegserklärung. Der folgende Italienisch-Türkische Krieg endete mit dem Frieden von Lausanne 1912, in welchem die Osmanen die Provinzen abtraten. Die zuvor von Italien besetzten Dodekanes (Inselgruppe in der östlichen Ägäis) gaben die Italiener trotz anders lautender Friedensbedingungen nicht an die Türken zurück. Der italienische Diktator Benito Mussolini träumte seit seiner Machtergreifung im Oktober 1922 davon, das „Imperium Romanum“ wieder aufleben zu lassen. Ein Baustein hierzu sollte ein Reich am Horn von Afrika sein, das Eritrea, Somaliland und Abessinien (Äthiopien) umfasste. Ägypten und der Sudan sollten später die Brücke nach Libyen bilden. Jedoch war Äthiopien nur durch einen Krieg „einzuverleiben“. Bereits 1912 hatte sich Italien erfolglos bemüht, das Prägerecht für die Maria-Theresia-Taler (MTT) vom Österreichisch-Ungarischen Kaiserreich zu erhalten. Die veränderte internationale politische Lage veranlasste die Regierung Österreichs im Abkommen vom 9. Juli 1935, Italien das Taler-Prägemonopol auf Dauer von 25 Jahren zu überlassen. Dieses Abkommen verschaffte Italien nun die Möglichkeit, sein Expeditionskorps in Ostafrika unbeschränkt mit eigenen MTT zu versorgen. Von August 1935 bis Mai 1937 wurden 18 Millionen MTT von Rom nach Ostafrika expediert. Die römische Münzanstalt „Reggia Zecca“ benötigte hierfür 505.101 Kilogramm Silber (835/1000 fein). Die Münzen sind von den Wiener Prägungen kaum zu unterscheiden, da Rom mit Original-Prägestempel arbeitete. Am 2. Oktober 1935 erkläre das faschistische Italien Abessinien den Krieg, das neben Liberia der einzige weitere selbstständige Staat auf dem afrikanischen Kontinent war. Bei diesem völkerrechtswidrigen Angriffs- und Eroberungskrieg gelang es den 200.000 italienische Soldaten schnell die Städte Adua und Axum zu erobern. Am 5. Mai 1936 zog Feldmarschall Pietro Badoglio mit seinen Truppen in der abessinischen Hauptstadt Addis Abeba ein, sodass Mussolini am 9. Mai vom Balkon des Palazzo Venezia in Rom vor begeisterten 100.000 Anhängern das offizielle Ende des Krieges und die Annexion Abessiniens erklärte. Der italienische König Victor Emanuel III. wurde zum Kaiser von Abessinien proklamiert und die Kolonien Eritrea und Somalia sowie Abessinien unter dem Namen „Africa Orientale Italiana“ (A.O.I.) zusammengefasst. Großbritannien und Frankreich unterstützen den abessinischen Kaiser Haile Selassie nur halbherzig, war man doch bestrebt, Mussolini nicht in die Arme Hitlers zu drängen. Bereits am 4. Juli 1936 hob der Völkerbund die gegen Italien verhängten Sanktionen auf, was aber Italien nicht hinderte, am 11. Dezember seinen Austritt aus dem Völkerbund zu erklären. In den 1920er Jahren gelang es den italienischen Behörden das italienische Währungssystem in den Kolonien Eritrea und Italienisch-Somalia durchzusetzen. Im Nachbarland Äthiopien war von Beginn des 19. Jahrhunderts an der MTT die offizielle Landeswährung. Die Bank von Äthiopien schätzte 1934 den Gesamtumlauf auf 35 bis 50 Millionen Taler. Sie selbst gab Banknoten zu 2, 5, 10, 50, 100 und 500 Thalers mit Ausgabedatum 1. Mai 1932 aus, von denen zuletzt Noten im Wert von 3,3 Millionen Taler im Umlauf waren. Dies hatte zur Folge, dass der Handel zwischen den italienischen Kolonien und Äthiopien vielfach nur auf der Grundlage des Talers getätigt werden konnte. Deshalb spielte er in beiden italienischen Kolonien auch weiterhin eine wichtige Rolle als Zahlungsmittel. Bereits am 15. Juli 1936 wurde durch Dekret die Lire grundsätzlich auch in Abessinien zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Daneben blieb auch der MTT mit einem amtlichen Kurs als Zahlungsmittel zugelassen. Der Taler-Kurs stieg von 5 Lire im Juli auf 8,50 im November 1936, auf 10,50 im März und schließlich auf 13,50 Lire im Juli 1937. Da die italienische Absicht, den Taler-Umlauf allmählich aufzusaugen, nicht von Erfolg gekrönt war, verbot kurzerhand eine am 16. Juli 1937 erlassene Verfügung die Verwendung von Taler-Münzen zur Bezahlung von Importwaren. Der Taler sollte künftig nur bei Geschäften mit Landesprodukten und Dienstleistungen verwendet werden. Da der Weltmarktpreis für Silber niedriger war, als der amtliche italienische Kurs, strömten auf Schleichwegen weitere MTT ins Land. Daher demonetisierte Italien Anfang 1938 den MTT und die Lire wurde zur alleinigen Währung. Die öffentlichen Kassen nahmen zwar den Taler noch an, zahlten dafür aber nur noch den Silberpreis. Mit zwei Dekreten vom 18. März und 8. August 1938 führte die italienische Regierung spezielle Banknoten der Banca d’Italia in Ostafrika ein. Diese Noten entsprechen in Größe und Gestaltung den bereits in Italien zirkulierenden floralen Banknoten. Zur Unterscheidung waren sie nur farblich geringfügig verändert worden. Zusätzlich erhielten sie einen roten Aufdruck am oberen und unteren Rand. Am oberen Rand lautet er „SERIE SPECIALE AFRICA ORIENTALE ITALIANA“ und am unteren „È VIETATA LA CIRCOLAZIONE FOURI DAI TERRITORI DELL‘AFRICA ORIENTALE ITALIANA“, wodurch sie als Zahlungsmittel nur in der neuen Kolonie zugelassen waren. Die allgemeinen Noten der Banca d’Italia durften nicht mehr in die Kolonie eingeführt werden. Der Umtausch in kolonialen Sondernoten und umgekehrt erfolgte in den Häfen der Kolonie durch Zweigstellen der Notenbank. Es wurden zwei Serien hergestellt. Die erste Ausgabe datiert vom 12. September 1938 und umfasste 13,5 Millionen Banknoten mit einem Gesamtwert von 1,8 Mrd. Lire. Im Einzelnen wurden ausgegeben: 8.000.000 Banknoten zu 50 Lire 4.000.000 Banknoten zu 100 Lire 1.000.000 Banknoten zu 500 Lire 500.000 Banknoten zu 1.000 Lire. Am 14. Januar 1939 folgte eine zweite Ausgabe mit verändertem Datum. Die 4.770.000 Banknoten haben einen Gesamtwert von 498.500.000 Lire. Im Einzelnen wurden ausgegeben: 2.970.000 Banknoten zu 50 Lire 1.500.000 Banknoten zu 100 Lire 200.000 Banknoten zu 500 Lire 100.000 Banknoten zu 1000 Lire. Zum Vergleich: Im Mai 1942 wurden die italienischen Kolonien Ostafrikas von den britischen Truppen besetzt. Die Banknoten der A.O.I. wurden nach Italien zurückgeschickt und beim Hauptsitz der Banca d'Italia eingelagert. Aufgrund der Inflation kam es bei der Banca d’Italia im November 1942 zu Stockungen beim Banknotendruck, sodass der Finanzminister durch Dekret vom 25. November den Umlauf der A.O.I.-Banknoten auch in Italien genehmigte. Leider ist nichts über die Menge, der im Inland umgelaufen A.O.I.-Banknoten bekannt. Man geht aber davon aus, dass der Gesamtbetrag unter einer Milliarde Lire gelegen habe. Uwe Bronnert Abb. der Banknoten: Don Ludwig Literatur: Guido Crapanzano (hrsg. V.), Soldi d’Italia, Un secolo di cartamoneta, Fondazione Cassa di Risparmio di Parma e Monte di Credito su Pegno di Busseto 1995. Guido Crapanzano u. Ermelindo Giulianini, La Cartamoneta Italiana, Corpus Notarum Pecuniariarum Italiae, Volume primo 2003, Milano 2003. Dr. J. Hans, Maria-Theresien-Taler, Zwei Jahrhunderte 1751 – 1951, Epilog 1951 – 1960, 2. Auflage, Leiden, Niederlande 1961.

  • Nikolaus oder Weihnachtsmann? – Besinnliche Anmerkungen zu zwei Notgeldscheinen

    Plätzchen, Lollis, Gummibärchen, Spielzeug – all das und manches mehr steckt am 6. Dezember in Kinder-Stiefeln, so sie geputzt vor die Tür gestellt wurden. Heimlich gebracht vom Nikolaus. Und dort, wo er in seinem roten Mantel, Bischofs-Mitra und Bischofsstab an die Türe klingelt, singen die Kleinen ihr Nikolaus-Lied oder sagen brav das volkstümliche Gedicht „Von drauß vom Walde komm ich her …“ auf. Sie sind ein wenig ängstlich, wenn er in sein goldenes Buch schaut, um die kleinen Schandtaten vorzutragen und dann doch zu fragen, ob die Kinder auch artig waren. Natürlich wird dies bejaht und die leuchtenden, erwartungsvollen Kinderaugen folgen dem Griff in den großen Sack, in dem die Süßigkeiten und Geschenke auf die Verteilung warten. Dieser Brauch erinnert an den Todestag des Heiligen Nikolaus, der zwischen 280 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren wurde. Mit 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht und wenig später zum Bischof von Myra, dem heutigen Demre, etwa 100 Kilometer entfernt von Antalya gelegen. Während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Galerius Valerius Maximinus (305 – 311) geriet auch Nikolaus in Gefangenschaft und wurde gefoltert. Als Todestag gilt der 6. Dezember, das genaue Jahr ist nicht bekannt. Es dürfte zwischen dem Jahr 345 und 351 liegen. Nikolaus soll ursprünglich in der Kirche St. Nikolaus in Demre bestattet worden sein. Noch heute ist dort der leere Sarkophag, mit der aufgebrochenen Seitenplatte zu sehen. Italienische Seeleute raubten seine Gebeine im Jahr 1087 und brachten sie nach Bari. In der süditalienischen Stadt werden sie noch heute in der Basilika San Nicola von zahllosen Pilgern verehrt. Um die Person des Heiligen Nikolaus ranken sich zahlreiche Legenden, wie die der „Mitgift-Spende“: Einst hatte ein Vater drei Töchter im heiratsfähigen Alter. Weil er so arm war, dass er ihnen keine Mitgift für eine standesgemäße Heirat geben konnte, sollten sie ihr Auskommen als Prostituierte finden. Dies erfuhr der noch Nicht-Bischof Nikolaus. Da er durch Erbschaft ein größeres Vermögen besaß, beschloss er, die Jungfrauen vor diesem Schicksal zu bewahren. In zwei aufeinander folgenden Nächten warf er je einen großen Goldklumpen durch das Zimmerfenster der drei jungen Frauen. Um zu erfahren, wer der edle Spender ist, legte sich der Vater auf die Lauer. In der dritten Nacht warf Nikolaus wieder ein Goldklumpen in das Zimmer der Töchter. Der Vater, der dies sah, fragte ihn nach seinem Namen und dankte herzlich für die Geschenke. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige Nikolaus oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln als Heiligenattribute dargestellt. Der Ursprung, dass der Heilige die Kinder am 6. Dezember besucht und beschenkt, hat seinen Ursprung in dieser Legende, ferner aber auch in den mittelalterlichen Kloster- und Stiftsschulen. Am Tag des Festes der Unschuldigen Kinder, dem 28. Dezember, fanden die sog. Bischofs-Spiele statt. An diesem Tag wurde ein Schüler zum „Bischof“ oder „Abt“ bestimmt, der entsprechend gewandet die anderen Schüler für ihr Betragen belohnte oder bestrafte. Später wurden die Bischofs-Spiele auf den 6. Dezember, dem Nikolaustag, verlegt. Da die evangelischen Reformatoren die Heiligenverehrung allgemein ablehnten, verblasste in den überwiegend protestantischen Gegenden der Nikolaus-Brauch. Martin Luther verlegte 1531 die Beschenkung der Kinder auf den 25. Dezember und an die Stelle des „Heiligen Nikolaus“ trat der „heilige Christ“, das spätere „Christkind“. Damit ist nicht das neugeborene Jesuskind gemeint, wie man annehmen könnte, sondern es hat seinen Ursprung in den Engeln oder engelähnlichen Gestalten von Krippenspielen und Weihnachtsumzügen. Ab dem 19. Jahrhundert bekam des „Christkind“ Konkurrenz durch den säkularisierten „Weihnachtsmann“, wie das bekannte Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann …“, dessen Text 1835 von Hoffmann von Fallersleben verfasst wurde, belegt. Der Weihnachtsmann tritt als rundlicher, freundlicher alter Mann mit langem, weißem Rauschebart, rotem und mit weißem Pelz besetzten Gewand und Mütze auf. Ferner hat er einen Sack mit Geschenken für die lieben und eine Rute für die bösen Kinder dabei und wird in manchen Landstrichen von Knecht Ruprecht begleitet. Auch auf deutschem Notgeld ist der Weihnachtsmann vertreten: Die Stadt Neustadt im einstigen Herzogtum Sachsen-Coburg (heute Bayern) gab unter dem Datum 1. Dezember 1918 einen 50-Pfennig-Notgeldschein aus, auf dessen Rückseite ein rotgekleideter Mann mit Kapuze und langem, weißen Rauschebart zu sehen ist, der sich auf dem Weg zur Bescherung befindet. In der rechten Hand hält er einen Wanderstab aus Holz und in der linken zwei Puppen, auf dem Rücken eine Kiepe mit Kinderspielzeug. Die nur wenige Kilometer von Neustadt entfernte Stadt Sonnenberg im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Meinigen (heute Thüringen) setzte dem Weihnachtsmann auf dem 50-Pfennig-Schein vom 20. Februar 1920 ein Denkmal. Die Rückseite zeigt ihn im Profil in einem Oval stehend mit einem geschmückten Weihnachtsbaum in der rechten Hand und einem Holz-Schaukelpferd und einer Puppe in der linken. Für die Verzierung neben dem Oval standen Holzschnitzereien Pate. Der Thüringer Wald war lange Zeit ein Zentrum der deutschen Spielzeugindustrie. In Sonneberg ist heute des Deutsche Spielzeugmuseum beheimatet und Neustadt bei Coburg wird auch als bayerische Puppenstadt bezeichnet. Es ist immerhein beruhigend, der Weihnachtsmann ist keine Erfindung der Coca-Cola-Company, die 1931 die bekannte Figur des „Coca-Cola Santa Claus“ für eine ihrer Werbe-Aktionen „erfand“. Uwe Bronnert

  • Eine versteckte Liebeserklärung – Das Geheimnis des Murnauer Inflationsgelds

    Wie so viele Kommunen in Deutschland, schritt auch die Marktgemeinde Murnau am Staffelsee in Oberbayern im August 1923 zur Notgeldausgabe. Am 17. August sprach sich der Gemeinderat einstimmig für eine Emission von lokalem Notgeld aus und am 22. wurde das Ausgabevolumen auf insgesamt 12,5 bis 15 Milliarden Mark festgelegt. Bereits zwei Tage später erteilte das bayerische Innenministerium telefonische die Genehmigung zur Notgeldausgabe. Es ist nicht bekannt, wann die Nominale des auszugebenden Notgelds festgelegt wurden; auch fehlen Angaben darüber, wann an die ortsansässigen Künstler die Entwurfsaufträge ergingen. Während der Historienmaler Hans Stubenrauch (1875–1941) den Millionenwert entwarf, stammen die Entwürfe für die Scheine zu 100.000 und 500.000 Mark vom Architekten Gustav Reutter (1894–1971). Mit dem Druck des Notgelds wurde die heimische Buch- und Kunstdruckerei Josef Fürst beauftrag. Am 28. August 1923 lieferte die Graphische Kunstanstalt A. Gässler & Co., München, zum Preis von 240 Goldmark die notwendigen Klischees und Farben. Die ersten der 10.000 Gutscheine zu 1.000.000 Mark lieferte die Druckerei an das Bankgeschäft Kapfer und die Vereinsbank am 30. August 1923. Beide Banken hatten sich verpflichtet, Scheine im Wert von 8 Milliarden Mark bzw. 5 Milliarden Mark abzunehmen und der Gemeindekasse gutzuschreiben und zu verzinsen. Die Auslieferung der 100.000-Mark-Scheine begann am 8. September 1923 und beim 500.000-Mark-Schein erfolgte dies sogar erst am 18. September 1923. Insgesamt waren beim 100.000er 25.500 und beim 500.000er 10.200 Scheine vorgesehen. Legt man diese Zahlen zugrunde, betrüge der Wert der Gesamtauflage 17,65 Milliarden Mark. Die von Gustav Reutter entworfenen Scheine verdienen es, genauer betrachtet zu werden. Die Vorderseite beider Nominale ist bis auf die Wertangabe identisch, wobei als Emissionsdatum „im August 1923“ angegeben wird. Der Unterdruck ist vom bayerischen Wappen inspiriert, zeigt jedoch die blau-weißen Rauten schräg von Links. Am unteren linken Rand findet sich die fünfstellige Kontrollnummer. Im unteren Teil der Scheine ist ferner neben den beiden gedruckten Unterschriften eine weiße runde Fläche für das Stadtsiegel – mit der Abbildung des Drachen und MURNAU – ausgespart. Die eindrucksvollen Rückseitendarstellungen sind als Bildergeschichte gestaltet und greifen Elemente der Sage vom Murnauer Lindwurm auf: In grauer Vorzeit lebte bei Murnau ein ungeheuerer Lindwurm (Drache). Den Bauern raubte er die Kälber von der Weide, die Jungfrauen aus den Häusern und verschlang diese mit Haut und Haaren mit einem einzigen Biss. Anschließend badete er im Staffelsee und löschte dort seinen Durst, bevor er zu seiner Höhle flog, um sich schlafen zu legen, bis er von neuem ein Schaf oder eine Jungfrau begehrte. Der Drache trieb es so toll, dass in Murnau Schafe, Kälber und Jungfrauen zur Seltenheit wurden. Darum versprach der Kaiser denjenigen zum Ritter zu schlagen, der den Lindwurm zur Strecke bringe, zudem sollte er die allerschönste der noch verbliebenen Jungfrauen zur Frau nehmen. Auch wollte der Kaiser dem Paar eine Burg bauen lassen und das Dorf Murnau zum Markt erheben. Der Drache hatte jedoch eine so dicke Haut, dass kein Schwert sie durchdringen konnte, auch schlug er mit seiner Pranke jeden Reiter vom Pferd. Das Schlimmste aber war, dass er Feuer spie, das jeden Brustpanzer wie Butter in der Julisonne schmolz. Nun gab es im Ort einen armen Schusterjungen, der weder Aussicht hatte, je zu Geld oder Gut zu gelangen, noch zu einer schönen Frau, es sei denn, er könnte den Lindwurm töten. Dies war natürlich nur durch List zu erreichen. Er holte sich beim Abdecker ein frisches Kalbsfell, beim Brennofen ungelöschten Kalk und brachte dann alles mit einer Schubkarre an das Seeufer. Dort nähte er das Kalbsfell zusammen und füllte es mit dem Kalk. Sodann versteckte er sich hinter einem Busch und begann wie ein Schaf zu blöken. Hiervon wurde der Lindwurm wach und verspürte sofort Hunger. Das Erste, was er sah, war das präparierte Kalb, auf das er sich sofort stürzte und mit einem Happs verschlang. Da ihn nun der Durst quälte, soff er aus dem See. Dies hatte eine fatale Wirkung, der Kalk im Drachen erhitzte sich und begann zu quellen. Nur mit Mühe konnte er sich noch in die Luft erheben, bevor es ihn mit lautem Krachen in lauter Fetzen zerriss. Der Kaiser hielt sein Versprechen und Murnau erhielt das Recht einen Lindwurm im Wappen zu führen. Die Sage, in der der Lindwurm die Menschheit bedroht – das Böse verkörpert –wird von Reutter ganz anders interpretiert. Auf dem Schein zu 100.000 Mark füttert ein Engel den Drachen aus einem Füllhorn mit Papiergeld, das dieser dann auf dem Schein zu 500.000 Mark über dem Marktplatz fliegend auf die versammelte Bürgerschaft ausspeit. Dabei wirken die Menschen keineswegs ängstlich. Dies belegt eindrucksvoll die Szene mit der Frau in der linken unteren Ecke. Sie breitet ihre Schürze aus, um das Geld aufzufangen. Für den Betrachter ist das Bild ungewohnt und befremdlich, da bei Reutter der Drache nicht das Untier ist, sondern der Hüter unermesslicher Schätze, die er auf die Bürgerschaft regnen lässt. Der Künstler schließt somit den Bogen. Durch den Tod des Lindwurms erhielt Murnau das Marktrecht verliehen, durch das die Bürger Wohlstand erlangten. Beide Scheine warten mit einer weiteren Überraschung auf, und zwar mit einer Liebeserklärung, die sich im Rankenwert des 500.000 Mark-Scheins verbirgt. Man muss schon genauer hinsehen, um die kleinen, versteckten Buchstaben zu erkennen. Von oben links beginnend nach unten und erneut rechts oben beginnend ergeben sie: „ICH HAB DICH LIEB“ und „GISELA LIPOWSKY“. Dieses originelle Liebeswerben verfehlte nicht seine Wirkung. Gesela Lipowski und Gustav Reutter heirateten 1924 in Murnau. Angemerkt sei noch, dass auch der 100.000 Mark-Schein den Namen der Angebeteten enthält. Beide Scheine sind darüber hinaus diskret signiert: „G. Reutter 23“ in der linken unteren Ecke der Abbildung (500.000 Mark-Schein) bzw. „G. REUTTER“ auf einem am Boden liegenden „Notgeldschein“ unterhalb des Drachenkopfes (100.000 Mark-Schein). Literatur: Peter Freude: Murnauer Notgeld – Dokumente einer schweren Zeit, in: Schriften des Historischen Vereins Murnau am Staffelsee, Jg. 17 (1996), H. 17. Michael G. L. Herrmann, Notgeld, in: Michael G. L. Herrmann et. al.: Vom Regenbogenschlüsselchen zum Euro, Geldgeschichte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, München 2014. Christine Künzel, „[D]ie dunkle Schlange des lügnerischen Papiergeldes“ in: Bild Medien Geld, Bildkulturen und Medienreflexionen des Monitären, hrsg. v. Judith Ellenburger, Felix T. Gregor, Paderborn 2019 Die Sage vom Murnauer Lindwurm nach „Der Drache“: http://www.marschin.de/menschen-helfen/kk2k2/drache.html, Stand: 28.11.2019, 10.45 Uhr. Uwe Bronnert

  • Die Einführung der französischen Währung in Elsaß-Lothringen 1918

    Im November 1918 überschlugen sich die Ereignisse. In Kiel verweigerten die Matrosen die Befolgung des sinnlosen Befehls zum Auslaufen der Flotte. Am 9. November rief Phillip Scheidemann die deutsche Republik aus, am 10. November floh der Kaiser aus dem Hauptquartier in Spa in die Niederlande, am 11. November unterzeichneten im Wald von Compiègne Abgesandte des Reichs den Waffenstillstandsvertrag. Er bestimmte u. a., dass Elsaß-Lothringen innerhalb von 15 Tagen vom deutschen Militär zu räumen war. Am 11. November rief Eugen Ricklin die unabhängige Republik Elsaß-Lothringen aus, die international jedoch keine Anerkennung fand, da die Kriegsziele der Alliierten den Anschluss des Gebiets an Frankreich vorsahen. Bereits am 17. November rückten französische Truppen in Mühlhausen, dann in Colmar und Metz und am 21. November in Straßburg ein. Das Reichsland beziehungsweise die Republik Elsaß-Lothringen wurde am 17. Oktober 1919 aufgelöst und fortan von einer Generaldirektion in Paris verwaltet. In den letzten Kriegswochen vor Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags gaben auf Bitten der Reichsbank Länder- und Provinzverwaltungen sowie kommunale Behörden und Unternehmen im gesamten Reich Notgeld über 5 Mark und darüber aus. Dies galt auch für Elsaß-Lothringen, wo die drei Bezirke erstmals notgeld-technisch aktiv wurden: Der Bezirk Unter-Elsaß (Straßburg) emittierte am 25. Oktober 1918, der Bezirk Ober-Elsaß (Colmar) am 30. Oktober 1918 und der Bezirk Lothringen (Metz) am 5. November 1918 jeweils Scheine zu 5, 50 und 100 Mark. Der National-Ausschuss von Elsaß-Lothringen in Straßburg folgte am 13. November 1918 noch mit Scheinen zu 5, 20, 50 und 100 Mark, die äußerst selten sind. Schon wenige Tag nach der französischen Übernahme erlies der französische Ministerpräsident und Kriegsminister Clémenceau am 26. November 1918 ein Dekret, nachdem die deutschen Scheidemünzen, Banknoten, Kassenscheinen sowie alle sonstigen, von öffentlichen Kassen ausgegebenen Noten und Scheine, die auf Mark lauteten, ab 15. Dezember 1918 ihre gesetzliche Zahlungskraft verloren. In Geltung blieben bis zum 26. Juli 1920 nur die deutschen Nickelmünzen, und zwar war die 10-Pfennig-Münze bei Zahlungen mit 10 Centimes anzunehmen. Diese Regelung hatte zur Folge, dass die deutschen Nickelmünzen zu 5 und 10 Pfennig nach Elsaß-Lothringen abflossen und ein reger Schmuggel dieser Scheidemünzen einsetzte. Über Goldmünzen enthält das Dekret keine Reglung, sie waren eh nicht mehr im Umlauf. Nach obiger Verordnung wurde allen Elsässern und Lothringern das im Umlauf befindliche deutsche Geld zum Kurs von 1,25 Fr. für die Mark umgetauscht. Dieser Kurs war auch bei dem damals noch günstigeren Stand der Mark (etwa 70 Centimes) höchst vorteilhaft. Die gleiche Regelung galt für Alliierte und Neutrale, die vor dem 1. August 1914 ihren Wohnsitz im Reichsland hatten. Als „elsass-lohringisch“ betrachtete man Personen, die vor dem 20. Mai 1871 geboren und die französische Staatsangehörigkeit infolge des Frankfurter Vertrags verloren hatten, sowie diejenigen nach dem 20. Mai 1871 geborenen, bei deren Eltern wenigstens für einen Teil diese Voraussetzung zutraf. Die anderen „deutschen“ Elsaß-Lothringer waren vom Umtausch ausgeschlossen und mussten in der Regel das Gebiet verlassen. Der Bargeld-Umtausch wurde zum größten Teil in der Zeit vom 15. – 23. Dezember 1918 durchgeführt. Dabei wurden etwa eine Milliarde Mark in bar eingeliefert, die sich dann über zwei Jahre lang wohl bewacht, aber unverzinst in Straßburg befunden haben. Schwierigkeiten entstanden für die zahlreichen, nach der Anmeldezeit (1. – 6. Dezember 1918) aus der Gefangenschaft oder sonst wie aus Deutschland oder anderen Staaten zurückkehrenden Elsaß-Lothringer. Ihnen wurde der Umtausch ihres Bargelds in Aussicht gestellt; später jedoch in der Regel nur 2000 Mark in Franken umgewechselt. Für die Banken und Kreditinstitute traf das Dekret in Artikel 8 besondere Bestimmungen. Sie waren verpflichtet, eine besondere Zwischenbilanz auf den 30. November 1918 aufzustellen. Sie wurden ferner verpflichtet, die Guthaben ihrer Kunden, einerlei ob sie fällig oder erst nach Kündigung zahlbar waren, zum Kurs von 1,25 Franken für die Mark zurückzuzahlen, soweit die betreffenden Kunden am 1. August 1914 schon in Elsaß-Lothringen gewohnt hatten. Anders als beim Bargeldumtausch galt dies auch für Franzosen aus dem bisherigen Frankreich. Deutsche blieben von der Umwandlung und Auszahlung ihrer Bankguthaben ausgeschlossen. Die Vorschriften des Dekrets blieben so lange leere Worte, „als den Banken, die an sich ja nur im Besitz sehr bescheidener Frankenbeträge sein konnten, nicht die Mittel geliefert wurden, aus denen sie die Auszahlungen der Guthaben in Franken vornehmen konnten; und der Besitz an Mark, den die Banken hatten, wurde mit der fortschreitenden Entwertung der deutschen Währung immer weniger geeignet als Grundlage für von den Banken selbst im Inneren Frankreichs aufzunehmenden Vorschüsse in Franken zu dienen. Dazu kam, daß die Banken während des Krieges immer mehr ihre Mittel in deutschen Werten, vorzüglich auch in Kriegsanleihen angelegt hatten, und daß diese Werte für die Beschaffung von französischen Krediten nicht in Betracht kamen, im übrigen sich auch vielfach außerhalb des französischen Machtbereichs befanden.“[1] Die französische Regierung sah sich 1919 schließlich gezwungen den Banken bis zu 60% der umzutauschenden Guthaben zinslos vorzustrecken. Wie im übrigen Frankreich, so herrschte auch in Elsaß-Lothringen ein Mangel an Münzgeld, dem einzelne Kommunen und auch Unternehmen durch Ausgabe von Notgeld begegneten.[2] So sind u. a. Scheine der Stadt Colmar zu 50 Centimes und ein Franc mit der Abbildung des Kléber[3]-Denkmals und dem Datum 15. Dezember 1918 bekannt. Die Stadt Kaysersberg gab unter dem Datum vom 5. Januar 1919 einseitig bedruckte Scheine zu 50 Centimes und ein Franc auf farbigen Kartonpapier aus. Die Scheine zu 50 Centimes, einem Franc und zwei Francs mit dem Datum 27. Dezember 1918 der Stadt Metz zeigen auf der Rückseite das Denkmal eines stehenden Soldaten, der ein Gewehr in den Händen hält. Die Stadt Mühlhausen ließ Scheine zu 50 Centimes und ein Franc mit 18. Dezember 1918 drucken. Das Notgeld zu 50 Centimes und ein Franc der Stadt Straßburg trägt das Datum des Waffenstillstands, den 11. November 1918. Die Rückseite soll wohl eine Szene darstellen, in der die Mutter Frankreich ihre verlorenen Kinder empfängt. Eine Besonderheit stellt das Notgeld zu 50 Centimes und ein Franc der Handelskammer Belfort vom 4. November und 21. Dezember 1918 dar. Beide Ausgaben erhielten durch den Aufdruck „Circulation Légale dans toute l’Alsace-Lorraine“ Umlauffähigkeit im gesamten Gebiet von Elsaß-Lothringen. Bleibt noch anzumerken, dass die Stadt Thann achteckige Aluminiummünzen zu 10 Centimes mit der Jahreszahl 1918 prägen ließ. Text und Abb. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Dr. Bruno Weil, Die Einführung der französischen Währung in Elsaß-Lothringen, Monographien zum Friedensvertrag, hrsg. V. Dr. Bruno Weil, Berlin 1921, S. 9 f. [2] S. Jean Pirot, Les Billets de Nécessité des Communes et des Villes 1914-1918, Eigenverlag, Argenteuil 2006 und Les Billets des Chambres de Commerce 1914-1925, Eigenverlag, Argenteuil 2002. [3] Jean-Baptiste Kléber (* 9. März 1753 in Straßburg; † 14. Juni 1800 in Kairo) war ein General der französischen Revolutionsarmeen. Er diente bei der Niederschlagung des Aufstands der Vendée, im ersten Koalitionskrieg gegen Österreich und Preußen und der Expedition Bonapartes nach Ägypten und Syrien.

  • Propaganda-Noten der Befreiungsarmee für den Kosovo

    Josip Broz, genannt Tito, (* 7. Mai 1892 in Kumrovec, Österreich-Ungarn; † 4. Mai 1980 in Ljubljana, Jugoslawien) regierte mehrere Jahrzehnte den künstlich erschaffenen Vielvölkerstaat Jugoslawien mit eiserner Hand. Mit seinem Tod endete die Diktatur und mit dem Fall des Kommunismus folgte die Auflösung der „Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien“. Die wachsende Unzufriedenheit mit der zentralen Belgrader Führung während der 1980er Jahre mündete in die Unabhängigkeitserklärung Sloweniens am 25. Juni 1991. Kroatien, Bosnien und (Nord)-Mazedonien folgten dem Beispiel. Der serbische Präsident und Nationalistenführer Slobodan Milošević wollte diese Abspaltungen nicht kampflos hinnehmen. Es folgte ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Vertreibungen und „ethnischer Säuberung“. Das serbische Parlament schränkte 1989 im Rahmen der sog. "Antibürokratischen Revolution" den Autonomiestatus des Kosovo aus dem Jahr 1974 stark ein. Daraufhin riefen die albanischen Politiker des Kosovo zum Boykott aller serbischen staatlichen Einrichtungen auf. Bei der Friedenskonferenz von Dayton 1995 wurde der Konflikt zwischen den Volksgruppen im Kosovo ausgeklammert. Dies führte dazu, dass der gewaltfreie Widerstand der Albaner umschlug. Etwa ab 1996 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen albanischen Freischärlern und den serbischen Streitkräften. Wieder setzte eine Flüchtlingswelle Richtung Europäische Union ein. Um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, begann die NATO ab 24. März 1999 strategische Ziele in Jugoslawien zu bombardieren. Internationale Truppen besetzten das Kosovo, um Gewalttätigkeiten zwischen der serbischen und albanischen Bevölkerung zu verhindern. Nach Ende des Kosovo-Krieges (9. Juni 1999) übernahmen die Vereinten Nationen (UN) die Verwaltung des Gebiets. Das Kosovo blieb formell integraler Bestandteil der Bundesrepublik Jugoslawien und später von Serbien und Montenegro und als sich 2006 Montenegro für unabhängig erklärte, Teil der Republik Serbien. Am 17. Februar 2008 proklamierte das Parlament in Pristina die Unabhängigkeit des Kosovo. Bis heute haben mehr als 100 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Republik Kosovo als Staat anerkannt. Das Land ist seit Juni 2009 Mitglied im Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe. Seit November 2012 gehört es auch der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung an. Es hat jedoch keine eigene Währung. Seit den 1980er-Jahren zogen viele Kosovaren die D-Mark dem inflationsgeplagten jugoslawischen Dinar im Zahlungsverkehr vor. 1999 wurde dann der Dinar völlig verdrängt, als die UN-Verwaltung die Mark zur offiziellen Währung des Kosovo erklärte. Als dann am 1. Januar 2002 Euro-Banknoten und -Münzen in den Ländern der Eurozone emittiert wurden, wurden auch Flugzeugladungen voller neuer Euro-Scheine und -Münzen ins Land gebracht und in Umlauf gesetzt. Der Kosovo ist nicht Mitglied der Europäischen Währungsunion, sondern hat den Euro unilateral als Fremdwährung übernommen. Die Kosovo Liberation Army (KLA) versah Banknoten der Nationalbank von Makedonien aus dem Jahr 1992 mit einem schwarzen Überdruck. In der linken oberen Ecke klein „Prishtinë, 1 prill 1999“, darunter der doppelköpfige albanische Adler und zweizeilig „Ushtria Çlirinitare / e Kosovës“ (Kosovo-Befreiungsarmee). Auf der rechten Seite groß dreizeilig „BANKA PROVIZORE / E REPUBLIKES SË / KOSOVËS“ (Vorläufige Bank der Republik Kosovo). Es folgt die Wertangabe in „DINARË“. Die Angabe in Worten und Ziffern. Auf der Rückseite wurde der Name des mazedonischen Emittenten durchgestrichen. Am oberen Rand der Propagandaaufdruck: „Eshtë dhënë për të ndihmnar viktimat e Krizës së Kosovës“ (Es soll Opfern der Kosovo-Krise helfen); und am unteren Rand: „Asht dhan për me ndihmne viktimat e Krizës së Kosovës“ (Es hilft Opfern der Kosovo-Krise). In gleicher Ausführung gelangten Scheine zu 10, 25, 50, 100, 500 und 1000 Dinare zur Ausgabe. Hierbei wurden die bildgleichen mazedonischen Noten des selben Wertes überdruckt. Uwe Bronnert

  • „Frölich-Scheine“ aus Trikala von 1944

    Im Sommer 1944 rückte die Rote Armee über Rumänien und Bulgarien in Richtung Ägäis und Adria vor. Dadurch wurde die militärische Lage der 300.000 deutschen Soldaten der Heeresgruppe E in Griechenland zunehmend bedrohlicher. Zudem kontrollierte die kommunistische Volksbefreiungsarmee ELAS (Ellinikos Laikos Apeleftherotikos Stratos) weite Landstriche in Nordgriechenland (Makedonien, Pindos-Gebirge, Thessalien). Seit August 1944 begann die Wehrmacht mit dem Rückzug ihrer Soldaten aus Griechenland. Am 12. Oktober räumte sie Athen und am 31. Oktober Saloniki. Ohne nennenswerten Feinddruck überschritt die Nachhut in der Nacht vom 1. auf den 2. November die griechisch-mazedonische Grenze. Da man nicht alle Wehrmachtsangehörige rechtzeitig von den ägäischen Inseln Inseln (z.B. Kreta und Rhodos) hatte evakuieren können, verblieben diese Garnisonen bis zum Kriegsende hier. In der Endphase der deutschen Besatzung emittierte man in Trikala, einer Stadt in der fruchtbaren thessalischen Ebene, eigenes Geld. Aufgrund der galoppierenden Inflation und der wohl auch unterbrochenen Verbindung zur Bank von Griechenland brach hier die Geldversorgung zusammen. Der Präfekt der Region, Chrysostomos Pipiliangas, ersuchte am 29. September 1944 den Kommandanten der Kreiskommandantur 805 in Trikala, Frölich, um die Erlaubnis zur Herausgabe von Notgeld. Wertlos gewordene 5000-Drachmen-Noten der Bank von Griechenland mit Ausgabedatum 12. Juli 1943 wertete man durch einen Überdruck auf. Auf der rückseitigen Darstellung mit dem Parthenon-Fries wurde ein schwarzer Überdruck angebracht: Oben der Nennwert (200.000.000), darunter die Ausgabeberechtigung vom 29. September 1944, das Ausgabedatum 1. Oktober 1944, unten links die Faksimile-Unterschrift des deutschen Kommandanten und rechts die des Präfekten und zwischen den beiden Unterschriften der rote deutsche Siegelabdruck (Reichsadler). Am oberen linken Rand erhielten die Scheine eine neue Kontrollnummer. Die ehemalige Vorderseite blieb unverändert und zeigt in der Mitte den Kopf der Göttin Athene. Die 50.000 überdruckten Banknoten zirkulierten nur wenige Tage vom 7. – 18. Oktober 1944, dem Tag, an dem sich die deutschen Besatzungstruppen aus Trikala zurückzogen. Die Scheine kommen nur in gebrauchter Erhaltung vor. Das ist auch verständlich, wurden bei ihrer Herstellung doch auch nur gebrauchte Noten verwendet. Von den seltenen Scheinen werden leider auch immer wieder Fälschungen angeboten, die jedoch in der Regel leicht am Fehler in Frölich – ein oder beide Punkte über dem „o“ fehlen – zu erkennen sind. Scheine mit dem Überdruck „100.000.000“ sind moderne Fantasie-Produkte. Ursprünglich waren auch Scheine zu 10 und 25 Millionen Drachmen geplant. Der Scheine zu 10 Millionen Drachmen, auf der Rückseite der Banknote zu 1000 Drachmen vom 21. August 1942 gedruckt, wurde nur in geringer Stückzahl hergestellt, da eine Ausgabe wegen der schnell fortschreitenden Geldentwertung nicht mehr opportun erschien. Sie sind als Musterstücke anzusehen. Uwe Bronnert

  • Konnt‘ ich auch nicht Waffen tragen, half ich doch die Feinde schlagen

    Henni Frese hat im großen Krieg sechzig Mark in Gold gesammelt So lautet der Text auf einer Anerkennungsurkunde aus dem Sommer 1915, mit der Henni Frese für die Ablieferung von goldenen Reichsmark-Münzen im Betrag von 60 Mark von der Schulleitung in Ronsdorf ausgezeichnet wurde. Zum diesem Zeitpunkt war der Erste Weltkrieg schon ein Jahr in vollem Gange. Ende Juli 1914 wuchs die Nervosität in der europäischen Bevölkerung. Militär- und Staatsführungen rechneten mit einem baldigen Waffengang. Die unsichere Zukunft veranlassten so manchen dazu, Gold- und Silbermünzen bei Zahlungen zurückzuhalten. Auch wechselte das Publikum an den Kassen der Reichsbank verstärkt Banknoten und Reichskassenscheine in Goldmünzen zu 10 und 20 Mark. Das Reichsbankdirektorium sah mit Sorgen ihren Goldvorrat schwinden.[1] Betrug der Goldbestand am 23. Juli 1914 noch 1.356,9 Millionen Mark, so „führte .. die starke Erregung weiter Kreise der Bevölkerung zu erheblichen Abhebungen, die einen Rückgang des Goldbestandes bis auf 1.253,2 Millionen Mark am 31. Juli mit sich brachten.“[2] Als Teil der lange vorher vorbereiteten finanziellen Mobilmachung stellte die Reichsbank die Einlösung der Banknoten und Reichskassenscheine in Gold ein. Durch Reichsgesetz vom 4. August 1914 wurde nun auch die gesetzliche Pflicht zur Einlösung von Banknoten und Reichskassenscheinen in Reichsgoldmünzen 10 und 20 Mark rückwirkend zum 31. Juli aufgehoben.[3] Gleichzeitig wurden die Vorschriften bezüglich der Deckung der Reichsbanknoten geändert[4] und eine neue Papiergeldart, die Darlehnskassenscheine, kreiert,[5] die auf den deckungsfähigen Barvorrat der Reichsbank angerechnet wurde. Damit war die Goldwährung faktisch zur Papiergeldwährung geworden, obwohl die gesetzliche Dritteldeckung des Notenumlaufs in Gold formal beibehalten wurde. Die Reichsregierung hatte bereits kurz nach der Reichsgründung 1871 beschlossen, einen Sonderfonds des Reichs in Höhe von 40 Millionen Thalern für den Mobilmachungsfall zu bilden.[6] Diesem Reichkriegsschatz wurden Teile des Goldes zugeführt, die Frankreich nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 als Kriegsentschädigung nach den Bestimmungen des Frankfurter Friedens an Deutschland zahlen musste. Hieraus prägte die Berliner Münze 2 Millionen 10-Mark-Münzen (Kronen) und 5 Millionen 20-Mark-Münzen (Doppelkronen). Die ursprünglich vorgesehenen 40 Millionen Thaler machten in der neuen Reichswährung 120 Millionen Mark aus, nach heutigem Wert ca. 1,3 Mrd. Euro. Zur Aufbewahrung wurden die Goldmünzen in 1.200 Kisten verpackt, von denen jede 100.000 Mark enthielt. Der Feingoldgehalt aller Münzen des Reichsschatzes belief sich auf 4,3 Tonnen. Den Goldschatz nahm 1874 der Julius-Turm der Zitadelle in Spandau auf. Hier lagerte er hinter bis zu 3,60 Meter dicken Mauern. Er stand zunächst unter Aufsicht des Reichskanzleramts und wurde dann ab 1879 vom neu errichteten Reichsschatzamt verwaltet. Er durfte nur für unmittelbare Mobilmachungszwecke auf kaiserliche Anordnung und unter Zustimmung von Bundesrat und Reichstag verwendet werden. Er blieb in unveränderter Höhe bis 1913/14 bestehen, um dann im Zusammenhang mit den Heeresverstärkungen auf 240 Millionen Mark erhöht zu werden. Die neuen Mittel wurden bei der Reichshauptkasse und verschiedenen Reichsbankhauptstellen verwahrt. Unmittelbar nach Ausbruch des ersten Weltkriegs kamen auch die Goldmünzen aus dem Julius-Turm in die Reichsbank. Durch weitere Zuflüsse aus dem Ausland stieg die Goldreserve der Reichsbank bis zum 7. August auf 1.477,5 Millionen Mark.[7] „Inzwischen hatte sich die starke Erregung gelegt. Angeleitet durch die sehr dankenswerte Aufklärungsarbeit der gesamten Presse und der Behörden begann die Bevölkerung mehr und mehr einzusehen, daß die mit unbeschränkter gesetzlicher Zahlkraft ausgestatteten Reichsbanknoten zu Zahlungen genau ebenso verwendet werden können, wie die Goldmünzen, und daß eine tunlichst umfangreiche Ansammlung von Gold bei der Reichsbank durchaus im öffentlichen Interesse liegt. Mit dieser Kenntnis setzte in der Folge ein unerwartet starker Rückfluß von Gold an die Reichsbank ein. Überall, in allen Schichten und in immer größeren Kreisen erwuchsen der Reichsbank verständnisvolle freiwillige Helfer auf diesem Gebiete. Die öffentlichen Kassen, insbesondere auch die Post- und Eisenbahnkassen führten das bei ihnen einlaufende Gold an die Reichsbank ab und tauschten Goldmünzen behufs Ablieferung an die Reichsbank gegen Noten ein. So wurde es möglich, der Reichsbank Gold auch an den Orten zuzuführen, an denen sich eine Anstalt nicht befand. Durch alle diese Zuflüsse aus dem freien Verkehr stieg der Goldschatz ununterbrochen von Woche zu Woche durchschnittlich um mehr als 30 Millionen Mark. Er überschritt am 7. Dezember die zweite Milliarde und erhöhte sich bis zum 31. Dezember 1914 auf 2.092,8 Millionen Mark, seit Kriegsausbruch allein ein Zuwachs von 839,6 Millionen Mark.“[8] Hinter diesen Sätzen aus dem Verwaltungsbericht der Reichsbank verbirgt sich eine schon im September 1914 einsetzende und über die ganze Kriegsdauer andauernde beispiellose Werbekampagne für die Ablieferung von Goldmünzen an die Reichsbank. Das Reich benötigte angesichts der britischen Seeblockade mit zunehmender Kriegsdauer weitere große Goldmengen und Devisenbeträge um kriegswichtige Güter und Rohstoffe in den neutralen Ländern kaufen zu können. Plakate, Handzettel und Zeitungsaufrufe forderten zur Goldablieferung auf. Geistliche predigten dies von der Kanzel und Lehrer warben in den Schulen für die gerechte Sache, die Unterstützung des Vaterlands. War der Ton zunächst eher bittend, so wurde er ab Mitte 1915 zunehmend fordernder und aggressiver, häufig verbunden mit dem Hinweis auf die vaterländische Pflicht zur Goldabgabe oder gar mit der Behauptung, dass der Verweigerer das Vaterland schädige und einen Sieg erschwere. Mitte 1916 dehnte man die Sammlungstätigkeit auf goldenen Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus Gold aus. Überall im Land entstanden Goldankaufsstellen, denen ein Ehrenausschuss aus vertrauenswürdigen Honoratioren – Bank- und Fabrikdirektoren, Rittergutsbesitzer, Schuldirektoren und Oberlehrer, Pfarrer, Ärzte und Apotheker – beratend zur Seite stand. Unter dem Motto „Eisen zur Ehr – Gold zur Wehr“ knüpfte die Propaganda an Parolen der preußischen Befreiungskriege gegen die napoleonische Herrschaft an. Mit dem berühmten Aufruf „An mein Volk“ hatte der preußische König Friedrich Wilhelm III. am 17. März 1813 eine Welle der patriotischen Begeisterung und Opferbereitschaft ausgelöst. Prinzessin Marianne von Preußen appellierte an alle Frauen Preußens, ihren Goldschmuck gegen Berliner oder Gleiwitzer Eisenguss-Broschen und -Ringe mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“ zu tauschen. Auch diesmal forderte man die Bevölkerung mit Flugblättern, Plakate, Zeitungsanzeigen und -berichten zum „Goldopfer“ auf, denn die Einlieferer erhielten für ihre Pretiosen nur Papiergeld, das immer schneller an Wert verlor. Selbst mit Hilfe patriotischer Postkarten versuchte man die Opferbereitschaft zu erhöhen. Eine damals weit verbreitete Karte zeigt ein Gemälde des Malers Kurt von Rozynski (* 1. Juni 1864 in Schippenbeil in Ostpreußen; † ?). Auch wenn sich Bürgerinnen und Bürger freiwillig von ihren Trauringen und Schmuckstücken im Tausch gegen Schmuck aus Eisen trennten, so darf nicht der soziale Druck und die gesellschaftliche Kontrolle vergessen werden, die die Betroffenen zur Abgabe veranlassten. Wer den eisernen Schmuck trug, hatte sich als Patriot erwiesen, wer weiter Gold zeigte war ein Volksverräter, verlor zumindest an Ansehen. Seit 1916 „belohnte“ die Reichsbank die Schmuckabgabe und den Tausch von Goldmünzen gegen Papiergeld, wenn deren Wert mindestens fünf Mark betrug, mit einer Medaille. Gleiches galt bei Zeichnung von Kriegsanleihen. Die Medaille besteht aus geschwärztem Eisen und hat bei einem Gewicht von 16,4 – 20,4 g einen Durchmesser von 39 – 41 mm. Sie war damit etwa so groß wie die silberne 2-Mark-Münze. Die Vorderseite zeigt eine kniende, ihr Geschmeide darbietende Frauengestalt und am oberen Rand die Umschrift „In eiserner Zeit“ und am unteren Rand „1916“, während auf der Rückseite fünfzeilig der Sinnspruch „Gold / gab ich zur / Wehr Eisen / nahm ich zur / Ehr“ über zwei Eichenzweigen angebracht ist. Am unteren Rand „HOSAEUS“, der Name des Künstlers, von dem der Entwurf dieser Medaille stammt. Der deutschen Bildhauer und Medailleur Hermann Kurt Hosaeus (* 6. Mai 1875 in Eisenach; † 26. April 1958 in Berlin), wurde besonders durch seine Kriegerdenkmäler und Medaillen bekannt. Die Eisenmedaille wurde durch die Erzgießerei Gladenbeck in Berlin gegossen, „Am 16. August 1916 waren bereits 150.000 Stück abgeliefert und die Firma für weitere Lieferungen beauftragt.“[9] „Um den eisernen Gedenkstücken … ihren ideellen Wert zu erhalten und sie als bleibendes Erinnerungszeichen vor Entwertung durch Nachahmung und Handel zu schützen, verbot die Bekanntmachung zum Schutz eiserner Gedenkstücke der Reichsbank vom 3. August 1916 (RGBl. S. 833) grundsätzlich jede Vervielfältigung und Nachbildung dieser Stücke.“[10] Daneben stellten Reichsbank und Ehrenausschüsse auch weiterhin Ehrenurkunden aus. Abb. 15: Empfangsbestätigung des Ehrenausschusses der Goldankaufsstelle in Brandenburg vom 21. März 1917 über den Schmuckankauf über 50,25 Mark Da der Weltmarktpreis für Silber während des Kriegs stark gestiegen war und nun ebenfalls zur Bezahlung von Importen genutzt werden konnte, kauften die Goldankaufsstellen ab Ende Dezember 1917 auch Silbermünzen an. „Durch die regelmäßigen Zuflüsse von Goldmünzen aus dem Verkehr und durch den Ankauf von Gold vermehrte sich der Goldbestand der Reichsbank seit dem 7. August 1914 … ununterbrochen auf 2.533,3 Millionen Mark am 15. Juni 1917. In der dritten Juniwoche dieses Jahres zeigte der Ausweis zum ersten Male einen Rückgang um 76,5 Millionen Mark infolge einer notwendigen Goldausfuhr, die mit Hilfe der Zuflüsse aus dem Verkehr nicht hatte gedeckt werden können. Solche Rückgänge wiederholten sich bis zum Ende des Krieges noch zweimal, und zwar in der dritten Juliwoche 1917 um 56,2 Millionen Mark und in der dritten Aprilwoche 1918 um rund 64 Millionen Mark. In der dritten Septemberwoche und in der ersten Oktoberwoche 1918 nahm der Goldbestand um 98,9 und um 100 Millionen Mark zu. In diesen beiden Wochen wurden die ersten zwei Goldzahlungen … vereinnahmt, zu denen sich die Regierung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik auf Grund des … Friedensvertrage[s] von Brest-Litowsk verpflichtet hatte. Am 7. November 1918 konnte die Reichsbank den höchsten in ihrer Geschichte bisher verzeichneten Goldbestand mit 2.550,3 Millionen Mark ausweisen.“[11] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Der Goldbestand der Reichsbank bewegte sich zwischen 1890 und 1907 auf etwa 500 bis 600 Millionen Mark. Als 1906 die Reichsbank auch 20- und 50-Mark-Banknoten ausgegeben durfte, etablierten sich diese Banknoten schnell im Zahlungsverkehr, sodass bis Ende 1913 der Goldbestand der Reichsbank auf 1.170 Millionen Mark stieg. [2] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1914, Vorgelegt in der Generalversammlung am 29. März 1915, S. 6 f. [3] Gesetz, betreffend die Reichskassenscheine und die Banknoten, vom 4. August 1914 (RGBl. S. 347). Erst seit dem 1. Januar 1910 galten die Noten der Reichsbank als gesetzliche Zahlungsmittel. [Art. 3 Gesetz, betreffend Änderung des Bankgesetzes, vom 1 Juni 1909 (RGBl. S. 515)]. [4] Gesetz, betreffend die Änderung des Bankgesetztes, vom 4. August 1914 (RGBl. S. 327). [5] Darlehnskassengesetz vom 4. August 1914 (RGBl. S. 340). [6] Gesetz, betreffend die Bildung eines Reichskriegsschatzes, vom 11. November 1871 (RGBl. S. 403). [7] Verwaltungsbericht für das Jahr 1914, S. 7. [8] Ebenda. [9] Gold gab ich für Eisen, Der Erste Weltkrieg im Medium der Medaille, Für das Münzkabinett herausgegeben von Bernd Kluge und Bernhard Weisser, Das Kabinett, Schriftenreihe des Münzkabinetts, Band 14, Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett 2014, S. 145. [10] Die Reichsbank 1901 – 1925, Berlin 1925, S. 62. [11] Ebenda, S. 63.

  • Leserpost: Frage zu Darlehenskassenschein 5 Mark 1917, DEU- 61c

    Sehr geehrter Herr Grabowski, nach langer Suche konnte ich den siebenstelligen Schein mit dem richtigen Blauton endlich finden, allerdings ist der Serienbuchstabe G (nicht wie in Ihrem Katalog, Auflage 2021, lediglich H). Die Note ist im gängigen Handel – auch bei großen Anbietern – nicht zu bekommen, weshalb ich übrigens die Bewertung mit 25 € / 10 € nicht für realistisch halte. Gerade wegen dieser Rarität könnte ein Serienbuchstabe 'G' bisher einfach noch nicht aufgetaucht sein. Darf ich Sie um Ihre Einschätzung bitten? Mit Dank vorab und besten Grüßen H. Neumann Antwort der Redaktion Herzlichen Dank, dass Sie mir auf Nachfrage farbgetreue Abbildungen zugesandt haben. Mit den Farben ist es leider immer eine Krux, weil es im großen Konzert der bunten Vielfalt auch Zwischentöne gibt. Die 7-stellige Ausführung des graublauen Unterdrucks beim Darlehnskassenschein über 5 Mark von 1917 lag mir bislang nur mit der Serie H vor. Ihr Schein belegt nun auch die Serie G, die ich für eine mögliche Neuauflage meines Katalogs "Die deutschen Banknoten ab 1871" vormerke. Über die Bewertungen in Katalogen kann man sich trefflich streiten. Sicher sind die graublauen Scheine im Vergleich zu den grauvioletten deutlich seltener mit 7-stelliger Kontrollnummer. Auch wenn sie vielleicht schwer im Handel zu bekommen sind, so wurden sie doch leider auch lange kaum berücksichtigt und im Vergleich zu anderen Ausgaben sollte man sie meiner Meinung nach nicht zu hoch ansetzen. Am Ende regelt das aber der Markt selbst. Für vertretbar halte ich eine Verdopplung der Katalogpreise bei der DEU-61c (Unterdruck Graublau, KN 7-stellig). Zwischen den Serien G und H würde ich keine preislichen Unterschiede machen wollen. Nochmals besten Dank, viele Grüße und noch viel Spaß beim Hobby Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe!

  • Leserpost: Stempel, braunes Papier und mehr!

    Sehr geehrter Herr Grabowski! In Bezug auf den Bericht über die 1-Million-Mark-Banknote auf braunem Papier erlaube ich mir, Ihnen einige Banknoten zu senden, die ebenfalls Abarten sein können. Es wäre schön, wenn Sie hier eine Aufklärung erstellen würden. Vielen Dank im voraus. Falls bei Ihnen Interesse an weiteren Daten erwünscht sind, bin ich gerne bereit. R. Besuch DEU-54b: Rückseite gestempelt und mit Unterschrift. DEU-54c: Rückseite gestempelt und mit Unterschrift. DEU-95c: braunes Papier, Vs. ohne Unterdruck "20000". DEU-95i: Vs. Druck schwach oder bearbeitet? DEU-223b: KN braun statt rot. Antwort der Redaktion Die Abstempelungen auf den Darlehnskassenscheinen von 1914 stammen wahrscheinlich aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als z. B. auf dem Balkan alle umlaufenden Zahlungsmittel der ehemaligen österreich-ungarischen Monarchie eingezogen und durch neue Ausgaben ersetzt wurden. Dabei wurden auch deutsche Geldscheine abgestempelt, die durch den Krieg bis hierher gelangt waren. Borna Barac hat in seinem Katalog über das Papiergeld des ehemaligen Jugoslawiens eine ganze Reihe solcher Stempel identifiziert und abgebildet. Leider sind die Stempel hier völlig unleserlich, sodass eine genaue Bestimmung kaum möglich ist. Die Reichsbanknote zu 20.000 Mark von 1923 auf scheinbar braunem Papier (DEU-95c, Wasserzeichen Gitter mit 8) habe ich mir im Original angeschaut. Danke, dass Sie mir alle Scheine zugesandt haben, da eine Begutachtung anhand von schlechten Farbkopien nur sehr eingeschränkt erfolgen kann. Ich gehe nicht davon aus, dass es sich um eine bewusst hergestellte Variante auf hellbraunem Papier handelt, sondern um eine Verfärbung, die verschiedene Ursachen haben kann. Immerhin ist der Schein inzwischen 100 Jahre alt. Eine lange Zeit, in der er vielen Einflüssen ausgesetzt sein konnte, die eine Verfärbung hätten begünstigen können. Wir kennen neben solchen durch Lichteinwirkung auch bräunliche Verfärbungen durch lange Aufbewahrung in alten säurehaltigen Pergamenthüllen. Das Druckbild der Vorderseite der zweiten Banknote zu 20.000 von 1923 (DEU-95i, Wasserzeichen Hakensterne) ist nur schwach ausgeprägt. Besonders auffällig ist die Wertzahl im Unterdruck, die durch den schwachen Überdruck sehr deutlich erscheint. Der Vergleich mit dem verfärbten Schein hat Sie sicher dazu veranlasst anzunehmen, dass dieser keine Wertzahl im Unterdruck hätte. Bei genauer Betrachtung ist diese aber auch hier vorhanden, nur hebt sich diese durch den normal kräftigen Überdruck nicht deutlich ab. Die Rückseite des Scheins ist normal ausgeführt. Es ist schwer zu sagen, warum der Druck der Vorderseite so schwach erscheint. Die Begutachtung des Originals hat hier sehr geholfen. Ganz offensichtlich erfolgte der Unterdruck völlig normal, lediglich der schwarzblaue Überdruck wurde mangels ausreichend Druckfarbe viel zu schwach ausgeführt. Als einen echten Fehldruck kann man das nicht bezeichnen, eher als eine Druckzufälligkeit. In Anbetracht der am Druck von Reichsbanknoten in der Zeit beteiligten vielen privaten Druckfirmen war Druckzufälligkeiten keine Seltenheit. Noch einmal ganz deutlich: Nicht alles, was anders aussieht, ist gleich eine Variante oder Abart! Die braune statt rote Kontrollnummer bei dem 2-Rentenmark-Schein wird als DEU-223F aufgeführt. Aus der Zeit des "Dritten Reichs" sind die meisten Reichsbanknoten mit roter bis dunkelbraunroter Kontrollnummer bekannt. Hans-Ludwig Grabowski Anmerkung Immer wieder werden Varianten, Serien und vieles mehr gemeldet oder die Aufnahme von Ausgaben gewünscht, die schon lange katalogisiert sind bzw. erwähnt werden, weil Sammler mit längst überholten Katalogauflagen arbeiten, die zum Teil Jahrzehnte alt sind. Vielleicht sollten sich Sammler doch dazu durchringen, aktuelle Kataloge zu kaufen, um auf dem neusten Wissensstand zu sein. Die Investition steht in aller Regel kaum im Verhältnis zu den Preisen begehrter Sammelobjekte. Dann wäre die Arbeit von Autoren auch nicht ganz umsonst. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe!

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