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- Geike: Geld und Preise in der DDR
Rainer Geike Geld und Preise in der DDR – Was bekamen wir für unser Geld? Eine Zusammenstellung zum Geld, zu Einkommen, Ausgaben und Preise in den 1970er und 1980er Jahren 132 Seiten, mit farbigen Abbildungen, Bildtafeln und Tabellen BoD, Broschur, 2020 ISBN: 978-37504-5-202-2 Preis: 24,95 Euro Bereits 2020 erschien eine Arbeit von Prof. Dr. Rainer Geike, der vielen Lesern auch von Fachbeiträgen hier im Geldschein-Blog und in der Zeitschrift "Münzen & Sammeln" bekannt sein dürfte, über das spannende Thema "Geld und Preise in der DDR". Da der Titel über Books on Demand erschien, erhielt er leider nicht die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Ich möchte nachstehend die Beschreibung des Buches übernehmen und den Titel allen Sammlern von DDR-Geldscheinen ans Herz legen: Geld und Preise in der DDR – Was bekamen wir für unser Geld? Eine Zusammenstellung zum Geld, zu Einkommen, Ausgaben und Preisen in den 1970er und 1980er Jahren. Das Buch widmet sich auf unterhaltsame Weise einem ausgewählten Thema der DDR-Geschichte – es ist eine Zusammenstellung zum Geld in der DDR, zu Einkommen, zu Ausgaben und Preisen. Das Buch ist seit 2008 als Ergebnis einer intensiven Beschäftigung mit diesen Fragen entstanden, es verarbeitet eigene Erfahrungen und von vielen Mitstreitern eingebrachte Sachzeugnisse und Erinnerungen. Alle Informationen sind belegt, meist mit einer Abbildung. Bei Bedarf sind Anmerkungen und Quellenangaben beigefügt worden. Kein anderes Buch widmet sich so dem Thema Preise und der ganzen Breite der Ausgaben. Insgesamt sind es 130 Seiten, davon 49 ganzseitige Bildtafeln und ca. 46 Seiten mit in den Text eingefügten Abbildungen. In 8 Abschnitten geht es um Münzen und Geldscheine in der DDR in den 1970er Jahren Bilanz mit persönlichen Daten um Gehalt, Steuern, Sozialversicherung und andere feste Ausgaben Kredit für junge Eheleute Sparen mit Sparbuch - oder im Wäscheschrank? Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen - vom Postzeitungsvertrieb Auto Öffentlicher Personennah- und -fernverkehr Geld für Auslandsreisen. Im letzten großen Abschnitt geht es um "Preise für dies und das, von A wie Abziehbilder bis Z wie Zigaretten". Dazu gehören u. a. Annoncen, Ansichtskarten, Beiträge, Betriebsessen, Büroartikel, Dias, Dienstleistungen, Fahrrad, Ferienlager und Ferienheim, Gebühren der Deutschen Post, Getränke, Haushaltsartikel, Heimwerkerbedarf, Kosmetik, Küche, Kurzwaren, Lebensmittel, Lotto, Mitbringsel aus dem Ausland, Möbel, Museums-Eintrittskarten, Musikkassetten und Schallplatten, Radio und Fernseher, Restaurant, Schulbücher, Tee und Kaffee, Theater- und Konzertkarten, Versicherungen, Waschmaschine und Kühlschrank, Weihnachten. Bezug über: BoD Buchshop, Amazon oder jede Buchhandlung. Hans-Ludwig Grabowski
- Leserpost: Geplante Ausstellung zum Bielefelder Stoffgeld
Sehr geehrter Herr Grabowski, ich melde mich bei Ihnen als Mitarbeiterin des Stadtarchivs Bielefeld – und mittlerweile auch als Notgeld-Fan. Gemeinsam mit einem Kollegen bereite ich aktuell eine Ausstellung zum Thema Bielefelder Notgeld vor. In den Magazinen haben wir einige, auch spezielle Scheine, die wir gerne präsentieren und erklären würden. Bei meinen Recherchen bin ich unter anderem auf das Notgeld-Kleid, das Sie in einem Beitrag über die Ratsherrenalben auf dem Portal geldscheine-online.com nennen, gestoßen: Das Notgeld-Kissen haben wir bei den Kollegen des Historischen Museums Bielefeld bereits angefragt. Auf das Kleid mit dem Jungbrunnen-Schein von Karl Muggly bin ich an anderer Stelle aber nirgends gestoßen. Könnten Sie mir eventuell freundlicherweise mitteilen, wo und in wessen Besitz sich das Kleid befindet? Ich bin sehr dankbar, über die Ausstellungsvorbereitungen auf das Thema Notgeld aufmerksam geworden zu sein. Es ist so ein faszinierender Kosmos mit den verschiedensten Bezügen. Gleichzeitig steckt so viel Politisches, Hintersinniges, Kurioses und Lustiges in den Scheinen – und das in einer so traurigen Not-Zeit. Einfach ein spannendes Thema. Ihre Arbeiten zu dem Thema sind unglaublich wertvoll – man kann nur erahnen, wie viel Zeit und Arbeit in den Recherchen stecken. Mit freundlichen Grüßen an Sie aus Bielefeld Anna Vogt Stadt Bielefeld Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Antwort der Redaktion (Auszug) Liebe Frau Vogt, besten Dank für Ihr Interesse an den Zeugnissen unserer Geschichte, zu denen natürlich auch das Geld gehört. Das Bielefelder Notgeld ist etwas ganz Besonderes, es gibt kaum etwas Vergleichbares in der Welt. Die Abbildung des Kleides habe ich von einem alten Polaroid-Foto, das wohl einst ein Autor von uns aufgenommen hatte. Von wem das Bild genau stammt, kann ich leider nicht sagen. Es könnte aus dem Nachlass von Albert Pick sein, der 1972 zusammen mit Herrn Grasser aus München einen Katalog zum Bielefelder Notgeld geschrieben hatte. In dem Büchlein selbst findet sich das Bild des Kleides allerdings nicht. Bin mir aber ziemlich sicher, dass das Foto aus dieser Zeit stammt. Aufruf an unsere Leser Wer die Ausstellung des Stadtarchivs Bielefeld mit der vorübergehenden Bereitstellung eines besonderen Exponats zum Bielefelder Stoffgeld unterstützen möchte, wendet sich bitte direkt an: anna.vogt@bielefeld.de (Tel. +49 (521) 51-8160). Gesucht wird zwar hauptsächlich das Kleid, es wurden in der Vergangenheit aber auch andere Kleidungsstücke und Gebrauchstextilien bekannt und auch versteigert, die aus Bielefelder Stoffgeld genäht waren. Hans-Ludwig Grabowski
- Meißner Porzellan: Wertbeständige Warenscheine von 1923
Viele deutsche Industriebetriebe hatten in der Hyperinflation von 1923 ein Problem der geregelten Geldversorgung der Betriebsangehörigen. Die Betriebe versuchten die Lohnzahlungen in der unbeliebten, hochinflationären Papiermark möglichst durch wertbeständiges Notgeld zu ersetzen. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen schuf hierfür ihr eigenes wertbeständiges Geld durch Ausgabe von Warenscheinen. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen begab am 1. Oktober 1923 wertbeständige Warenscheine (auch: Warengutscheine) in der Stückelung von 5, 10, 20 und 100 Goldmark. Die Kunstwährung Goldmark (oder: Mark Gold) basierte auf dem US-Dollar (1 Dollar = 4,20 Goldmark) und wurde über den Dollar-Wechselkurs zum Rückzahlungszeitpunkt in dann gültige Reichswährung umgerechnet. Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, Warenschein über 10 Goldmark, Blankostück, Ausgabedatum: Meißen am 1.10.1923. Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, Warenschein über 20 Goldmark, Nummer 129, Ausgabedatum: Meißen am 1.10.1923. Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, Warenschein über 100 Goldmark, Nummer 18, Ausgabedatum: Meißen am 1.10.1923. Die dekorativen, allegorisch gestalteten Warenscheine waren gültig bei jeder Verkaufsstelle der Manufaktur. Die Gültigkeit der nummerierten Scheine war unbegrenzt. Die Warenscheine waren hergestellt auf Büttenpapier, einer Papierart die in der Regel für Geldscheine nicht verwendet wird. Dies indiziert, dass die Scheine kaum als wertbeständiges Geld verwendet worden sind. Dazu kommt, dass die Ausgabe dieses Notgelds ohne Genehmigung des Reichsministers der Finanzen erfolgte und mithin illegal war. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Dank an Oliver Sens (4/2023) Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Lexikon: Gesell, Silvio
Silvio Gesell, geb. 1862 in St. Vith (damals Deutschland, heute Belgien), gestorben 1930; wanderte 1886 nach Argentinien aus, wo er die dort herrschende verwirrende Papiergeldwirtschaft und deren Folgen studierte. Im Jahr 1900 kam er nach Europa zurück, um sich den Ideen der Geldreform und zur Schaffung einer neuen Wirtschaftsordnung zu widmen. 1919 wurde er Finanzminister in der kurzlebigen bayerischen Räterepublik. Eine Maßnahme während seiner nur sieben Tage dauernden Ministertätigkeit war, zur Behebung der Zahlungsmittelknappheit die Zinskupons bayerischer Staatsanleihen zu gesetzlichen Zahlungsmitteln zu erklären. Nach seinen Ideen entstand das sog. "Schwundgeld". In seiner in vielen Schriften entwickelten und verteidigten "Freiwirtschaftslehre" kritisierte er den zu langsamen Umlauf des Geldes und die dadurch hervorgerufene Verlangsamung des Leistungsaustauschs zwischen den Menschen. Er sah darin die Hauptursache der Deflation nach dem Ersten Weltkrieg. Zum Beitrag: Das Geld der Zukunft – Silvio Gesell und sein „Freigeld“ Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: Österreich, 100 Schilling vom 29. Mai 1945 „Zweite Ausgabe“
Eine kurzfristige Notlösung: Die 100-Schillingnote vom 29. Mai 1945 „Zweite Ausgabe“ Objekttyp: Banknote Sammlung: Dr. Sven Gerhard Historischer Kontext: Von der im Dezember 1945 in Umlauf gesetzten Banknote zu 100 Schilling mit Ausgabedatum 29. Mai 1945 (die hinsichtlich ihrer grafischen Gestaltung bis auf das Ausgabedatum und die Unterschriften der 100-Schillingnote vom 2. Jänner [Januar] 1927 entsprach) tauchten ab Spätherbst 1946 in größeren Mengen Fälschungen auf. Die Oesterreichische Nationalbank musste erwägen, die umlaufenden Scheine zu 100 Schilling einzuziehen und durch neue zu ersetzen. Um diesen Umtausch bei Bedarf schnell durchführen zu können, beauftragte sie im Dezember 1946 die Staatsdruckerei Wien, eine sogenannte Ersatznote zu 100 Schilling in einer Auflage von 10 Millionen Exemplaren herzustellen. Die Kosten dafür wurden mit 350.000 Schilling veranschlagt. Der Schein ist in seiner der Gestaltung und der drucktechnischen Ausführung identisch mit der 100-Schillingnote vom 29. Mai 1945. Durch die Allonge am rechten Rand mit dem Aufdruck „Zweite Ausgabe“ ist er im Format jedoch 11 Millimeter breiter. Der Beschluss zur Ausgabe der Note im Zuge der Währungsreform im Dezember 1947 wurde durch die Oesterreichische Nationalbank kurzfristig getroffen und war nur eine Notlösung: Ursprünglich war geplant, die in England bei Bradbury, Wilkinson & Company gedruckte 100-Schillingnote mit Datum 2. Jänner (Januar) 1947 in Umlauf zu geben. Aufgrund der verzögerten Lieferung – es fehlte Luftfrachtraum für den Transport der Scheine von England nach Österreich – traf dieser Schein nicht mehr rechtzeitig in Wien ein und stand daher für die Ausgabe im Zuge der Währungsumstellung ab 11. Dezember 1947 nicht zur Verfügung. Die OeNB musste stattdessen auf die Ersatznote zu 100 Schilling Ausgabe 1945 mit der Allonge „Zweite Ausgabe“ zurückgreifen. Dieser Schein war aufgrund der Herstellung im Offsetdruck im Hinblick auf den Fälschungsschutz ebenso wie die Vorgängernote unzureichend. Mit der Ausgabe der 100-Schillingnote vom 2. Jänner (Januar) 1947 wurde durch die OeNB ab dem 28. Januar 1948 begonnen. Gleichzeitig wurde die 100-Schillingnote vom 29. Mai 1945 „Zweite Ausgabe“ zurückgerufen und aktiv eingezogen. Der Schein wurde bereits am 30. April 1948 außer Kurs gesetzt. Er war also nur gut 4 ½ Monate im Umlauf. Die sehr geringe Umlaufzeit und die relativ hohe Kaufkraft (100 Schilling entsprachen Ende 1947 etwa dem Wochenlohn eines qualifizierten Arbeiters in Wien) erklären die heutige Seltenheit dieses Scheins, der in kassenfrischer Erhaltung praktisch kaum zu finden ist. Land/Region/Ort: Österreich Emittent: Oesterreichische Nationalbank Nominal: 100 Schilling Datierung: 29. Mai 1945 Vorderseite: Dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Frauenkopf (Allegorie der Wissenschaften), Ornamente, Abbildung einer Eule (Symbol der Weisheit), rechts Ornament mit Aufschrift „Zweite Ausgabe“. Rückseite: Dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Gebäude der Akademie der Wissenschaften in Wien, vier Symbole der Wissenschaften: oben links Philosophie, oben rechts Theologie, unten links Medizin, unten rechts Jurisprudenz, links Ornament mit Aufschrift „Zweite Ausgabe“. Material: Papier Wasserzeichen: ohne Unterschriften: Dr. Viktor Kienböck, Eugen Kaniak und Dr. Franz Bartsch Entwurf: Wilhelm Dachauer Druck: Staatsdruckerei Wien Format: 178 mm x 85 mm Nummerierung: 1035 / 63767 Auflage: 10.547.100 Stück Gültigkeit: 11.12.1947 – 30.4.1948, jedoch ab Anfang Februar 1948 eingezogen Authentizität: Original Zitate: AUT-119 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) KK 228 (Kodnar/Künstner: Katalog der österreichischen Banknoten ab 1759) B223 (Williams/Linzmayer: The Banknote Book – Austria) Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Hildburghausen: Holzwert-Anleihe von 1924
Als in der Hyperinflation vor 100 Jahren die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Schaffung von wertbeständigem Anleihekapital oder Notgeld suchen. Eine aus der Not geborene Finanz-Innovation waren zu dieser Zeit „wertbeständige Anleihen“, in waldreichen Gegenden Holzwert-Anleihen. So brachte die Stadt Hildburghausen im Thüringer Wald Anfang 1924 eine wertbeständige Holzwert-Anleihe in den Umlauf. Stadt Hildburghausen, Unverzinsliche Holzwert-Anleihe Litera C mit 6% Agio über den Geldwert von ¼ Festmeter Holz = 5,50 Goldmark mit Valutaklausel, ausgestellt in Hildburghausen am 15. Januar 1924. Der Gemeinderat der Stadt Hildburghausen genehmigte am 14. Dezember 1923 die Begebung einer Holzwertanleihe. Das Thüringische Staatsministerium in Weimar stimmte am 10. Januar 1924 durch Verfügung dieser Anleiheemission zu. Hiernach emittierte Hildburghausen mit Ausgabedatum vom 15. Januar 1924 eine 6%ige Holzwert-Anleihe über 5000 Festmeter Holz über die Geldwerte von 1/10 Festmeter Holz = 2,20 Goldmark (Litera D), ¼ Festmeter Holz = 5,50 Goldmark (Litera C), 1 Festmeter Holz = 22,00 Goldmark (Litera B), und 5 Festmeter Holz = 110,00 Goldmark (Litera A). Die Anleihestücke waren über Goldmark abgesicherte Inhaberpapiere (Volumen: 5000 Festmeter Holz = 110.000 Goldmark mit Valutaklausel/ 1 Goldmark = 10/42 Dollar). Es waren unverzinsliche Schuldverschreibungen mit einem Agio von 6% jährlich, d. h. der Zins wurde kumuliert bei der Endtilgung am 1. Januar 1926 gezahlt. Zinskupons entfielen dadurch. Zahlstellen waren die Städtische Sparkasse, die Kreis-Sparkasse und die Hessische Girozentrale in Hildburghausen. Diese extrem seltenen Holzwert-Anleihestücke sind im Sammelgebiet der Historischen Wertpapiere bisher unbekannt, sie sind auf diesem Gebiet nicht katalogisiert. Bei Geldscheinsammlern ist diese Emission im Sammelgebiet „Wertbeständiges Notgeld“ jedoch bekannt und mehrfach katalogisiert worden. Diese Anleihen hatten in der Hyperinflation des Jahres 1923 faktisch den Charakter eines Geldsurrogates. Sie wurden seinerzeit wegen des Fehlens besserer Alternativen als wertbeständiges Notgeld genutzt, für das es allerdings keinen gesetzlichen Annahmezwang gab. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat Informationen: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962 Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Württembergische Goldmark von 1923
In einem Notgelderlass vom 23. Oktober 1923 auf Basis des Ermächtigungsgesetzes vom 13. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, wenn es auf Teile der Reichsgoldanleihe vom 14. August 1923 lautete und durch diese Anleihe gedeckt war. Das Notgeld musste nominal auf 4,20 Mark Gold oder kleiner lauten. Die Scheine mussten neben der Bezeichnung „Notgeldschein“ den Vermerk „Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen“ tragen. Die höheren Nennwerte der Reichsgoldanleihe wurden daraufhin in beträchtlichem Umfange auch von Industrie- und Handelskammern bei der Reichsbank hinterlegt und so zur Deckung ihrer eigenen wertbeständigen Notgeldausgaben verwendet. Die Handelskammern im Deutschen Reich erschienen 1923 besonders geeignet, einheitliches wertbeständiges Notgeld zur Vermeidung zahlreicher einzelner Firmenausgaben in den Verkehr zu bringen. Sie fungierten quasi als Treuhänderinnen der ihnen angeschlossenen Mitgliedsfirmen. Solch ein wertbeständiges Handelskammer-Goldmarknotgeld (Goldmark mit Dollar-Valutaklausel) ist auch im Rheinland, in Hannover, Hessen, Westfalen, Sachsen, Württemberg und in Baden, wo es besonders hohe Auflagen gab, ausgegeben worden. Dagegen fehlt es in Gänze in Schleswig- Holstein, Brandenburg, Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Thüringen, Mecklenburg und Bayern. Die Handelskammer Mannheim bemühte sich in dieser Hinsicht Ende 1923 eine Zeitlang, für badisches und württembergisches offizielles Goldmarknotgeld einen Clearingverkehr durchzusetzen, um allem Notgeld dieser Art ein größeres Umlaufgebiet und der gesamten Wirtschaft damit eine Vereinfachung im Verkehr mit wertbeständigen Zahlungsmitteln zu sichern, drang mit ihren Vorschlägen aber nicht durch. Württembergische Industrie- und Handelsnote über 2.10 Goldmark = ½ Dollar in Goldanleihe. Diese Note ist voll gedeckt durch Goldanleihe, die von der Notenausgabe beteiligten, durch die württembergischen Handelskammern vertretenen Firmen bei der Württembergischen Vereinsbank hinterlegt wurde … Der Umtausch der Note hat bis spätestens 31. Dezember 1923 zu erfolgen. Ausgestellt in Stuttgart am 27. Oktober 1923. Genehmigt vom Reichsfinanzministerium. Zwei sehr große Gemeinschaftsausgaben deckten 1923 in Württemberg fast den gesamten Bedarf an wertbeständigem Notgeld, so dass daneben nur wenige private Emissionen zu verzeichnen waren. Denn ab dem 27. Oktober 1923 gab die Handelskammer Stuttgart für alle württembergischen Handelskammern die sogenannten „Württembergischen Industrie- und Handels- Goldnoten“ aus. Der Arbeitnehmerverband Schwäbisch Gmünd nahm nach dem Protokoll der Inneren Abteilung des Gemeinderats Nr.252 vom 30.10.1923 für sich in Anspruch, hierzu in der letzten Oktoberwoche 1923 den Anstoß gegeben zu haben. Das vom Reichsfinanzministerium genehmigte und in den Wertstufen 0.21, 0.42, 1.05 und 2.10 Goldmark mit Valutaklausel (= 1/20, 1/10, ¼, ½ Dollar) ausgegebene Notgeld wurde über die württembergischen Handelskammern nur an die gewerbliche Wirtschaft abgegeben. In Höhe der übernommenen Anteile hinterlegten die Interessenten Reichsgoldanleihe bei der Württembergischen Vereinsbank, die auf den Goldnoten als Treuhänderin zeichnete. Als sich einige Wochen nach der Emission der Handels-Goldnoten zeigte, dass die Auflage nicht groß genug war, um neben den gewerblichen Betrieben auch die angeschlossenen Stadtverwaltungen mit wertbeständigem Geld zu versorgen, gab der Württembergische Städtetag gemeinsam mit der Handelskammer Stuttgart ab 23. November 1923 das sogenannte „Württembergische wertbeständige Notgeld“ heraus. Württembergisches wertbeständiges Notgeld über 1 Goldmark. Dieser Notgeldschein ist gedeckt nach Maßgabe der Bestimmungen der Reichsregierung. Der Inhaber des Scheines ist berechtigt, ihn an der Kasse der Württembergischen Girozentrale in Stuttgart, sowie durch die Vermittlung der sämtlichen ihr angeschlossenen öffentlichen Sparkassen Württembergs innerhalb eines Monats nach Aufruf nach Wahl der Aussteller gegen Stücke der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reichs bzw. gegen Goldschatzanweisungen des Reichs oder gegen einen dem Kurse der Hinterlegten Wertpapiere am Tage der Zahlung entsprechenden Barbetrag einzutauschen. Ausgestellt in Stuttgart am 23. November 1923. Signaturen: Handelskammer Stuttgart, Württembergischer Städtetag und Württembergische Girozentrale Stuttgart. Die mit Genehmigung des Reichsfinanzministeriums emittierten Stücke lauteten über 20 und 50 Goldpfennige sowie über 1 und 2 Goldmark. Als Einlösungsstelle wurde bei diesen Notgeldscheinen die Württembergische Girozentrale benannt, die als Zentralinstitut der württembergischen Sparkassen in engster Verbindung zum Städtetag stand und mit ihren zahlreichen Filialen ein weit verzweigtes Netz von Einlösungsstellen anbot. Die erforderliche Deckung wurde durch die Städte besorgt, für deren Lohn- und Gehaltszahlungen allein das Geld bestimmt war. Warum die Handelskammer Stuttgart (für die württembergischen Handelskammern) auf den Noten wiederum als Mit-Emittent zeichnete, war bei dieser Kammer nicht bekannt. Das Notgeld gelangte über die kommunalen Beamten und Angestellten bei Einkäufen in den Besitz gewerblicher Unternehmungen. Es wird vermutet, dass man deshalb Wert darauf legte, die zuständige Selbstverwaltungsorganisation der gewerblichen Wirtschaft in Gestalt der württembergischen Handelskammern mitzeichnen zu lassen. Über den Gesamtbetrag beider Emissionen konnten mangels Unterlagen bei der Handelskammer Stuttgart nur Vermutungen angestellt werden. Bei der Emission des Württembergischen Städtetages soll die Hinterlegung von Sicherheiten in Höhe von 12 Mio. Goldmark vorgesehen gewesen sein. Wenn man unterstellt, dass der Bedarf der gewerblichen Wirtschaft sicherlich größer war, als der der Städte, und wenn man weiter unterstellt, dass die Ausgabemenge vermutlich etwas niedriger war als die gestellten Sicherheiten, wird man die Auflage beider Emissionen zusammen auf etwa 20 Mio. Goldmark schätzen dürfen. Württembergisches wertbeständiges Notgeld über 2 Goldmark, ausgestellt in Stuttgart am 23. November 1923. Ab Anfang 1924 wurden die Goldnoten durch alle württembergischen Banken gegen Rentenmark oder stabilisierte Papiermark eingelöst und der genannten Treuhänderin präsentiert, die ihrerseits mit den hinterlegten Goldanleihestücken zahlte. Nach Mitteilung der Industrie- und Handelskammer Stuttgart vom 11.8.1959 soll sich der Umtausch über mehrere Jahre hingezogen haben. Andere Quellen belegen die Einlösung des württembergischen wertbeständigen Notgelds in Höhe von 20 Mio. Goldmark im Land Württemberg im Zeitraum vom 1. August bis zum 31. August 1924. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Aus privaten Sammlungen: US Military Payment Certificate zu 10 Dollars der Serie 521
Das Verrechnungsgeld der US-Streitkräfte – ein Sammelgebiet nicht nur für US-Sammler Objekttyp: Militär-Verrechnungsschein Sammlung: Dr. Sven Gerhard Historischer Kontext: Zwischen 1946 und 1973 kursierten für den Zahlungsverkehr innerhalb der im Ausland stationierten US-Streitkräfte eigene Zahlungsmittel, die sogenannten Military Payment Certificates (abgekürzt MPC). Es gab sie in Wertstufen zu 5, 10, 25 und 50 US-Cents sowie zu 1, 5 und 10, bei späteren Ausgaben auch zu 20 US-Dollars. Ausgegeben wurden in diesem Zeitraum insgesamt 13 verschiedene Serien. Grund der Ausgabe waren erhebliche Defizite in der Bilanz der US-Streitkräfte, die dadurch entstanden waren, dass US-amerikanische Besatzungssoldaten in Europa und Asien nach Kriegsende ihren Sold zunächst in Landeswährung erhielten (in Deutschland etwa in Alliierten Militärmarknoten), jedoch unbeschränkt Beträge zum offiziellen Militärwechselkurs in US-Dollars umtauschen und in die Heimat transferieren durften. Das führte zu erheblichen Schwarzmarktgeschäften der US-Soldaten insbesondere in Deutschland und Österreich. Durch die Ausgabe von MPC sollte dieser Schwarzhandel beendet und die aus dem Umtausch der durch solche Schwarzmarktgeschäfte erworbenen Landeswährung in US-Dollars zu offiziellen Kursen resultierenden finanziellen Verluste im US-Staatshaushalt sollten gestoppt werden. Um zudem den Schwarzhandel mit MPC selbst zu unterbinden, wurden Scheine der umlaufenden Serie nach Ankündigung innerhalb nur eines Tages durch Scheine einer neuen Serie ersetzt, wobei nur US-Militärangehörige MPC der alten gegen solche der neuen Serie umtauschen konnten. Für die Serie 521, aus der der vorliegende Schein zu 10 Dollars – die höchste Wertstufe dieser Serie – stammt, wurde der offizielle Druckauftrag am 23. Januar 1952 durch das US-Kriegsministerium an die Druckerei Forbes in Boston erteilt. Daher rührt die Serienbezeichnung (19)52 1(.Serie). Der Schein wurde am 25. Mai 1954 erstmals ausgegeben und am 27. Mai 1958 durch den 10-Dollars-Schein der Serie 541 ersetzt. Er blieb damit vier Jahre im Umlauf, ein für eine MPC-Serie verhältnismäßig langer Gültigkeitszeitraum. Die Scheine der Serie 521 liefen in diversen Ländern um, in denen US-Streitkräfte stationiert waren, so auch in West-Deutschland und West-Berlin, jedoch nicht in den USA selbst. Das macht diese Scheine auch für Sammler interessant, die Geldscheine eines bestimmten Landes oder mit lokalem Bezug sammeln, etwa weil in der betreffenden Region US-amerikanische Truppen stationiert waren, auch wenn eine Verwendung von MPC nur im Zahlungsverkehr innerhalb der US-Truppen erlaubt, mit der Zivilbevölkerung jedoch verboten war. Land/Region/Ort: USA Umlauf: Umlauf innerhalb der US-amerikanischen Streitkräfte, stationiert in: Belgien, England, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Japan, Jugoslawien, Marokko, Niederlande, Nordirland, Österreich, Philippinen, Schottland, (Süd-)Korea, Triest, West-Deutschland und West-Berlin Emittent: US War Department (US Kriegsministerium) Nominal: 10 Dollars Datierung: ohne (1952) Vorderseite: Rotbraun auf grünlichem Unterdruck, Guillochenrahmen, Kopf der Ceres, römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit (Entwurf G. F. C Smilie), Plattennummer 48. Rückseite: Rotbraun auf bläulichem Unterdruck, Guillochenrahmen, Vignette der Justitia (Entwurf Marcus W. Baldwin) Material: Papier Wasserzeichen: ohne Unterschriften: ohne Druck: Forbes Lithograph Corporation, Boston/Massachusetts, USA, in Bögen zu 50 Scheinen Format: 155 mm x 66 mm Nummerierung: E 11977576 E Auflage: 24.400.000 (zzgl. 285.000 Ersatznoten) Gültigkeit: 25. Mai 1954 – 27. Mai 1958 Authentizität: Original Zitate: M35a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues) B1035 (Linzmayer: The Banknote Book, United States, Military Payment Certificates) 847/1 (Schwan/Smulczenski: Military Payment Certificates) Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Die Gelsenkirchener Weßlingschuhmark von 1923
Das wertbeständige Notgeld im Hyperinflationsjahr 1923 bestand überwiegend aus der Kunstwährung Goldmark. Die Goldmark hatte eine Dollar-Valutaklausel auf der Basis 1 Dollar = 4,20 Goldmark. Ab 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld in Goldmark (Deckung durch Teile der Reichsgoldanleihe, formale Erfordernisse). Es gab allerdings auch wertbeständiges Notgeld, das keiner Genehmigung durch das Reichsfinanzministerium bedurfte: Sachwert-Notgeld. Davon bestehen nur wenige Notgeldausgaben auf der Basis von Roggen, Weizen, Holz, Fett, Zucker etc. Eine neue Kunstwährung sehr eigener Art schuf 1923 ein westfälischer Schuhfabrikant: Die Weßlingschuhmark! W. Weßling Aktien-Gesellschaft, vier Wertstufen von Gutscheinen über Weßlingschuhmark, ohne Datum, Blanko-Stücke. Bildquelle: Privat (2/2023). Der Schuhhersteller W. Weßling Aktien-Gesellschaft mit Geschäftssitz in Gelsenkirchen gab auf dem Höhepunkt der Hyperinflation, vermutlich im vierten Quartal 1923, als wertbeständiges Notgeld „Gutscheine über Weßlingschuhmark“ aus. Die Gutscheine in den Wertstufen zu 5, 8, 10, 12 und 15 Weßlingschuhmark gaben dem Inhaber das Recht in den Verkaufsstellen der W. Weßling A.-G. in Gelsenkirchen, Bochum, Bernburg und Duisburg mit den wertbeständigen Gutscheinen Schuhe und Strumpfwaren zu erwerben. W. Weßling Aktien-Gesellschaft, Gutschein zu 15 Weßlingschuhmark ohne Datum (1923), Vorderseite, Blanko mit Kontrollnummer 141. Wasserzeichen C-Muster. Auf der Rückseite der Gutscheine ist vermerkt: „Dieser Schein kann nur vom Empfänger gegen Kauf von Schuh- oder Strumpfwaren eingelöst werden“. Weiterhin: „Die Ausgabe von Weßling-Schuhmark geschieht um unseren Kunden eine Möglichkeit zu geben, selbst kleinere Beträge für den Kauf von Schuh- und Strumpfwaren in unsern Häusern wertbeständig anzulegen. Die Umrechnung jeder Zahlung erfolgt auf Grund des am Tage der Zahlung gültigen Verkaufsmultiplikators. Durch Übernahme dieses Gutscheines erklärt sich unser Kunde mit der Umrechnung der Weßlingschuhmark in Papiermark einverstanden. Ausgesuchte Schuhwaren müssen nach 14 Tagen abbezahlt und abgeholt werden. Dieser Gutschein muss innerhalb 4 Wochen nach Aufruf in den hiesigen Tageszeitungen eingelöst werden. Nach dieser Frist verliert er seine Gültigkeit“. Hans-Georg Glasemann Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Geldscheinporträts: Maria Montessori – „Hilf mir, es selbst zu tun“
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen: Albrecht Daniel Thaer auf einem 10-Reichsmark-Schein von 1929. Abbildung 1: Maria Montessori in Amsterdam, Jack de Nijs, 01.03.1950, Fotocollectie Anefo, Nationaal Archief, (Permanente URL: http://hdl.handle.net/10648/a8d524b4-d0b4-102d-bcf8-003048976d84, Creative Commons) Im 19. Jahrhundert bedeutete Schule vorwiegend Drill und Züchtigung. Maria Montessori hingegen setzte auf Freiheit statt Zwang und Selbstständigkeit statt Abhängigkeit – und erzielte große Lernerfolge. Das Prinzip des Montessori-Kinderhauses hat die frühkindliche Erziehung bis heute stark geprägt. Heute gibt es mehr als 25.000 Montessori-Einrichtungen auf der ganzen Welt. Abbildung 2/3: Banca d´Italia, 1000 Lire, 1990 Vorderseite: Porträt von Maria Montessori; Rückseite: Kinder beim Lernen (Nach dem Gemälde „Bambini che studiano“ von Armando Spadini, 1918). Maria Montessori wurde 1870 in Chiaravalle nahe der Hafenstadt Ancona geboren. Zu dieser Zeit konnten nur wenige, meist Männer, lesen und schreiben. Mädchenbildung hatte keine Priorität und war auch nicht sonderlich erwünscht. Gegen den Willen ihres Vaters besuchte sie die technische Oberschule und wollte erst Ingenieurin und dann Ärztin werden. Maria Montessori schaffte, was vor ihr kaum eine Italienerin geschafft hatte: Als eine der ersten fünf Frauen im Land studierte sie Medizin. Im Jahr 1896 wurde sie an der Universität Rom promoviert. Den Hörsaal durfte sie erst betreten, wenn alle männlichen Kommilitonen bereits saßen, und den Anatomiekurs musste sie spätabends absolvieren – das gemeinsame Sezieren nackter Körper war untersagt. Während des Studiums begann sie in kinderpsychiatrischen Einrichtungen zu arbeiten. Die Missstände, die sie dort sah, bewegten sie dazu, eigene pädagogische Ansätze zu entwickeln. Sie sah die Entwicklungsrückstände der Kinder als pädagogisches Problem. Zur Weiterentwicklung ihrer Methoden leitete sie das Casa dei Bambini in einem Arbeiterviertel in Rom. Dort übertrug sie die Methoden, die sie zur Förderung geistig behinderter Kinder erprobte, auch auf die Kinder der armen Leute. Aus aller Welt kamen Neugierige nach Rom, um das "Wunder von San Lorenzo" zu bestaunen: Unter Montessoris Hand mutierten desinteressierte Analphabeten zu gründlichen und konzentrierten Lesern. Selbsttätigkeit und Eigeninitiative ist der Fokus der Montessori-Pädagogik. Jedes Kind sollte sich seinem eigenen Rhythmus entsprechend entwickeln und dabei in seiner Neugierde und Selbstständigkeit bestärkt werden. Daher lehnte Montessori auch die Trennung nach Jahrgängen ab. „Hilf mir, es selbst zu tun“ – Mit diesem Motto wird der pädagogische Ansatz oft zusammengefasst. 1909 hielt Maria ihren ersten Ausbildungskurs über ihre Pädagogik und veröffentlichte ihr Werk „Il metodo della pedagogica scientifica“. Weitere Kinderhäuser wurden gegründet und Montessori begann mit der Ausbildung von Lehrern. Sie machte sich die Verbreitung ihrer Methode zum Lebensziel. Dazu paktierte sie mit allen Förderern – unter anderem mit Benito Mussolini. Die Anbiederung an das faschistische Regime zahlte sich für Montessori aus: Der Diktator erklärte sie 1927 zur „Heldin des Vaterlandes“ und förderte ihr Vorhaben. Auch in Deutschland verbreitete sich das Montessori-Prinzip. Die Faschisten begannen, sich zunehmend in die Erziehung an den Montessori-Schulen einzumischen. Die unterschiedlichen Menschenbilder führten schließlich zum Bruch. 1934 floh sie mit ihrem Sohn Mario. 1939 reiste sie dann weiter nach Indien, wo sie bis 1946 lebte. In Indien entstand eine große Montessori-Bewegung, deren Wirkung sich noch heute zeigt. Ihren Lebensabend verbrachte die Reformpädagogin in den Niederlanden. 1952 starb sie in Noordwijk. Ihr Sohn Mario führte ihr Lebenswerk fort und leitete bis 1982 die Association Montessori Internationale (AMI). Die pädagogischen Methoden sind bis heute weit verbreitet. Allein in Deutschland gibt es circa 600 Montessori-Kindergärten. Aus wissenschaftlicher Sicht wird die Erziehungsweise häufig bemängelt. Laut dem Psychologen Helmut Lukesch sind die „altbackenen und allenfalls alltagspsychologischen Ausführungen“ von Maria Montessori „mit dem Stand des heutigen entwicklungspsychologischen oder pädagogisch-psychologischen Wissens nicht in Übereinstimmung zu bringen“. Dennoch hielten Millionen von Italienern und Italienerinnen Montessori einst in den Händen, ihr Gesicht lächelte freundlich auf dem 1000-Lire-Schein. Elias Heindl Literatur/Quellen Polistina, Francesca: Die Pionierin und die Kinder, Süddeutsche Zeitung, 30.08.2020, (aufgerufen über www.sueddeutsche.de/bildung/paedagogik-die-pionierin-und-die-kinder-1.5014337, zul. am 14.05.2023) Iken, Katja: Säulenheilige und Meisterin, Opportunistin und herrische Diva, Der Spiegel, 31.08.2020, (aufgerufen über www.spiegel.de/geschichte/paedagogin-maria-montessori-die-frau-die-kindern-freiheit-gab-a-1d318e46-fcb6-410a-9014-19e1fe9b968f?sara_ref=re-xx-cp-sh, zul. am 13.05.2023) Delvaux de Fenffe, Gregor: Maria Montessori, SWR, Planet Wissen, 12.11.2019, aufgerufen über www.planet-wissen.de/gesellschaft/lernen/schulgeschichte/pwiemariamontessori100, zul. am 14.05.2023 montessori.de/about-company (zul. aufgerufen am 14.05.2023) de.wikipedia.org/wiki/Maria_Montessori (zul. aufgerufen am 15.05.2023) de.wikipedia.org/wiki/Montessorip%C3%A4dagogik (zul. aufgerufen am 15.05.2023) Abbildungen Banknote: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
- Fantasienote zu 10 Kronen von 1921 mit Franz Joseph I.
Der slowakische Grafik-Designer Matej Gábriš aus Bratislava entwirft seit 2012 zu zahlreichen Ländern und Regionen Fantasiebanknoten, die zum Teil den Originalen des Landes nachempfunden sind und bringt diese in einer begrenzten Auflage auf den Sammlermarkt. Ein künstlerischer Schwerpunkt liegt auf der Tschechischen Republik, zu diesem Land gibt es aktuell die meisten unterschiedlichen Ausgaben und die Fantasienoten werden dort angeblich auch bereits rege gesammelt. Aber auch zahlreiche andere Länder wurden schon bearbeitet und auch zu Österreich hat Gabris eine Fantasiebanknote herausgebracht, die ich im Anschluss vorstellen möchte. Künstler Zuerst noch vorausgeschickt: Matej Gábriš sammelt selbst seit seiner Kindheit Banknoten und ist ein Meister seines Fachs. Seine Arbeiten haben einen hohen künstlerischen Anspruch und es ist wirklich verblüffend, wie gut es ihm gelingt, sich in die Designs der unterschiedlichen Länder in bestimmten Epochen hineinzudenken und täuschend ähnliche Banknoten zu kreieren. Dabei bringt er eigene Ideen ein und bindet in seine Gestaltung auch Persönlichkeiten, Gebäude oder Orte ein, die es in der Realität auf Banknoten nie gegeben hat. Für Schottland brachte er z. B. eine Fantasiebanknote mit dem Porträt von Sean Connery heraus. Motiv Die "österreichische Banknote" ist auf den 13. Juli 2021 datiert und zeigt ein Porträt von Kaiser Franz Joseph I. In Wirklichkeit wurde Franz Joseph in einer so repräsentativen Art und Weise nie auf österreichischen Banknoten abgebildet. Um die Unabhängigkeit der Banknoten ausgebenden Stelle zu unterstreichen, vermied man es tunlichst, jemanden aus dem Herrscherhaus auf Banknoten darzustellen. Nur die drei Staatsbanknoten ab 1881 sind eine Ausnahme, wobei aber auch hier nur ein kleines seitliches Kopfporträt des Kaisers enthalten ist. Auf der Rückseite befindet sich das Maria-Theresien-Denkmal in Pressburg (das heutige Bratislava). Ein einst bedeutendes, 1897 erbautes Denkmal zur Erinnerung an die Krönung von Maria Theresia zur Königin von Ungarn. Das Denkmal ist heute nicht mehr existent, da es 1921 nach der tschechoslowakischen Unabhängigkeitserklärung zerstört wurde. Qualität der Produktion Die Fantasienote ahmt sehr schön das zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Österreich übliche Design nach. Sie erscheint relativ hochwertig produziert, professionell geschnitten und es ist sogar ein Wasserzeichen vorhanden. Was bei Nachahmung von Banknoten extrem schwierig ist, ist das verwendete spezielle Papier zu imitieren. Das gelingt auch hier nicht wirklich, aber zumindest etwas besser, als ich es schon in vielen anderen Fällen gesehen habe. Alles in allem finde ich das Ergebnis durchaus passabel. Sammeln/Markt Lohnt es sich eine solche Fantasienote zu sammeln und besteht die Chance auf eine Wertsteigerung? Zweites aus meiner Sicht eher nicht, denn dafür erscheint mir die Auflage mit 1.200 Stück deutlich zu hoch. Dafür muss man erst einmal Abnehmer finden, denn nicht jeder Sammler schließt solche Fantasienoten in sein Sammelgebiet mit ein. Wenn man in seiner Sammlung neben Originalstücken aber auch Kuriositäten, Werbenoten und Ähnliches berücksichtigt, dann passt auch eine solche Fantasienote gut dazu. Da sie aktuell relativ günstig bereits ab 6,50 Euro angeboten wird, kann man beim Erwerb nicht allzu viel falsch machen. Ein Hingucker im interessanten Design sind diese Scheine allemal. Johann Kodnar Mehr Artikel zu Matej Gábriš Money Art – Notes as a Way of Expression Die Geld-Kunst des Matej Gábriš Noch mehr Geld-Kunst des Matej Gábriš Mehr Informationen findet man auf https://www.gabrisbanknote.com
- Lexikon: Georgische Legion
Während des Ersten Weltkriegs bildete das Deutsche Oberkommando in Samsun im verbündeten Osmanischen Reich (heute Türkei) aus Kriegsgefangenen des russischen Armee, die aus Georgien stammten, eine Hilfstruppe, die man "Georgische Legion" nannte. Ärmelabzeichen der "Georgischen Legion" in Samsun, Abb. Wikipedia. In den Kämpfen zwischen Russland und dem Osmanischen Reich wollten die Türken die deutsche Hilfstruppe als Freiwilligenverband einsetzen, während die deutsche Reichsregierung sie ausschließlich im Falle eine Revolte gegen die russische Fremdherrschaft in Georgien verwenden wollte. Georgische Legion Samsun: Gutschein über 5 Piaster ohne Datum (1916), Vorderseite mit Handunterschrift von Hans Külzer. Für diese Truppe, die 1915 durch Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg in einer Stärke von etwa 1.500 Mann rekrutiert worden war, aber nur sehr bedingt zum Einsatz kam, wurden 1916 eigene Geldscheine in türkischer Währung zu 5 und 10 Piaster ausgegeben, die heute sehr selten sind. Aus dem Kern der "Georgischen Legion" bildete sich die Nationalarmee der ab 1918 bestandenen Demokratischen Republik Georgien, die 1921 von der sowjetischen Roten Armee geschlagen wurde. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski












