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- Teutoburger Münzauktion: Auktionen 151 bis 153 vom 2. bis 9. Dezember in Borgholzhausen
In den Weihnachtsauktionen werden gleich drei Kataloge an sechs Auktionstagen vorgelegt. Zur Auktion! Auktion 151: Bielefelder Stoffgeld, Notgeld der besonderen Art Die Sammlung eines Bankdirektors, Freitag, 2.12.2022 Ein Spezialkatalog der weltweit umfangreichsten Sammlung zu diesem Gebiet. Orientiert an dem Buch von Hans-Ludwig Grabowski zu dieser Thematik, enthält diese Sammlung JEDEN Schein, der dort gelistet ist, in vielen Fällen sogar die dort abgebildeten Exemplare, zuzüglich zahlloser dort nicht aufgeführter Varianten – was diesen Auktionskatalog vermutlich zum neuen Nachschlagewerk für Sammler dieses Gebiets werden lässt. BIELEFELD (Westfalen), Notgeld besonderer Art. 20 Goldmark, Samt, gelb 15.12.1923, Druck einseitig schwarz. Bei dem abgebildeten Schein handelt es sich um das wahrscheinlich einzig bekannte Stück. Es stammt aus dem Besitz des ehemaligen Direktors der Stadtsparkasse Bielefeld Paul Hanke und befindet sich in einem Rahmen mit dem Zusatz: Patent P.A.707192 vom 17.12.23 mit Unterschrift. I, oben links etwas fleckig. Grabowski P113. Taxe: 15.000,– Euro BIELEFELD (Westfalen), Notgeld besonderer Art. 500 Mark Seide, rot/gelb/blau 3.6.1922 (Datum-Stpl.). Sog. „Russenschein“, beidseitig handgestickter Seidenschein aus dem Nachlass des ehemaligen Direktors Hanke der Stadtsparkasse Bielefeld mit Datum-Stpl. (Tag der Entwertung), RS oben l. und r. Text: „gestickt auf / Dürkopp Stickmaschine“ und unter dem Motiv zweizeiliger Text: „Spiritus-Frösche fressen / Russen als Delikatessen“, Mütze ohne Schrift. Exemplar aus unserer vergangenen Auktion 67 am 05.09.2012. I, von größter Seltenheit. Grabowski 40. Taxe: 10.000,– Euro BIELEFELD (Westfalen), Notgeld besonderer Art. Druckprobe zu 100 Mark 15.7.1921 „Französischer Vertragsbruch“. Auf roter Seide (Kleiderstoff) statt auf feinem, weißen Leinen, mit einer wunderschönen, goldgemusterten Borte in silberfarbener Seide umrändelt. Zusätzlich unterschrieben vom ehemaligen Direktor der Stadtsparkasse Bielefeld Paul Hanke. Unikum! II, Klebereste auf der Rs., von größter Seltenheit. Grabowski P26.3 var. Taxe: 8.000,– Euro Auktion 152: Banknoten und Briefmarken Freitag, 2.12.2022 (Banknoten) und Montag, 5.12.2022 (Briefmarken) Der Banknotenteil dieses Katalogs schließt aus logistischen Gründen direkt an die vorhergehende Sammlung an. Hier finden Sie zahlreiche interessante Geldscheine aus aller Welt, auch von Deutschland und Notgeldscheine. Der Briefmarkenteil folgt am Montag Nachmittag mit u. a. wieder einer schönen Serie China, aber auch anderen Briefmarken, Briefen, Postkarten aus aller Welt sowie vielen interessanten, urbelassenen Sammlungsnachlässen. BANK DEUTSCHER LÄNDER. 100 Deutsche Mark (roter Hunderter), Serie 1948. Serie L/A. II+, selten in so einer Erhaltung. Rosenberg 244. Grabowski WBZ-8. Pick 8a. Taxe: 2.600,– Euro DANZIG, Freie Stadt. 5 Danziger Gulden 1.11.1923. Wz. Danziger Kogge. III, sehr selten. Rosenberg 830. Grabowski DAN-54. Pick 50. Taxe: 750,– Euro SCHWEIZ. 500 Franken 1976. PMG Grading 65 EPQ. Pick 58a. Taxe: 1.000,– Euro Zur Auktion! Weitere Bielefelder Stücke aus der Auktion 151: Zur Auktion!
- Lexikon: Ersatznoten
Bei den Kontrollen der Herstellerfirmen von Geldscheinen werden sog. Makulaturen (schlecht oder unvollständig gedruckte, verdruckte, verschnittene oder sonst zu beanstandende Noten) aussortiert und durch einwandfreie Noten, sog. Ersatznoten, auch Austauschnoten oder nachgeschobene Noten (engl. Replacement Notes) ersetzt, damit die Anzahl der gezählten Scheine wieder stimmt oder auch die Zählung nach der auf den Scheinen gedruckten Nummerierung (Kontrollziffer) weiter möglich ist. Die Ersatzscheine unterbrechen die laufende Nummerierung auf den Scheinen und unterscheiden sich auch häufig durch eine besondere Kennzeichnung in der Nummerierung, sei es durch andere Serienbuchstaben (Beispiel: Noten der Deutschen Bundesbank), durch ein Kreuz (Beispiel: Bank deutscher Länder, 5 DM 1948), durch einen Stern (Beispiel: Noten der USA) usw. Es gibt Sammler, die diese im Vergleich zu den normalen laufenden Serien selteneren Scheine gezielt als Varianten sammeln. Ausgehend davon gibt es auch einen Spezialkatalog für Ersatznoten aus aller Welt. Die Bundesbank benutzt den Begriff Austauschnoten, weil auch die Noten der Ersatzserien BBk II für Westdeutschland von 1960 und Westberlin von 1963 aus der Zeit des "Kalten Kriegs" als Ersatznoten bezeichnet werden, aber eine völlig andere Bestimmung hatten, nämlich im Krisen- oder Kriegsfall als Ersatz für eine gesamte in Umlauf befindliche Währung zu dienen. Der Begriff Austauschnoten wird deshalb auch in der aktuellen Katalogisierung der deutschen Banknoten verwendet. Beispiele für Ersatznoten Abb. 1: Bank deutscher Länder, Ersatznote zu 5 DM vom 9. Dezember 1948 mit Kreuzstern in der Kontrollnummer. Abb. 2: Deutsche Bundesbank, Ersatznote zu 20 DM vom 1. Oktober 1993 mit Serie ZA. Abb. 3: Deutsche Notenbank, DDR: Muster einer Ersatznote zu 5 DM von 1955 mit Serie ZC. Abb. 4: 1 Dollar (Silber-Zertifikat 1899), Austauschnote, bisher einziges gefundenes Exemplar mit den Unterschriften von William Tecumseh Vernon und Thomas Lee McClung. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. 1: Hans Worbes, www.worbes-verlag.de Abb. 2/3: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Abb. 4: Michael H. Schöne
- Nachbericht zum Kapitel Banknoten der SINCONA-Auktion 80 vom 26. Oktober 2022
Rund 600 Nummern umfassten die Banknoten innerhalb der vier Herbstauktionen von SINCONA in Zürich. Einmal im Jahr freuen sich die Liebhaber der Geldscheine, ihnen fehlende Noten ergattern zu können. Bei einer Schätzung von 122.000 Schweizer Franken (CHF) erzielten die mehr als 75% verkauften Lose Zuschläge von über 230.000 Franken. Aber alles der Reihe nach! Hier einige Spezialitäten: Lot 4019: Belarus/Weissrussland. 6 verschiedene Spezimen, von 1 Rubel 1993 bis 100 Rubel 1993. (abgebildet 50 Rubel 1993). Alle PMG 65-67 gegradet. Schätzung CHF 1.000 / erzielter Preis CHF 1.900. Erneut waren chinesische Banknoten ein bedeutender Teil, und sie waren oftmals stark umkämpft. Lot 4039: China. Volksrepublik. Bank of China. 5 Yuan 1941. Schätzung CHF 200 / erzielter Preis CHF 2.000. Lot 4086: China. Foreign Banks. Bank of East Asia Ltd. 100 Dollars 1924. Shanghai Branch. Spezimen, gedruckt bei Waterloo & Sons Ltd. Gutes vorzüglich. Schätzung CHF 3.500 / erzielter Preis CHF 5.000. Lot 4143: China. Volksrepublik China. Peoples Bank of China. 50 Yuan 1949. Pick 828. Unzirkuliert. Schätzung CHF 800 / erzielter Preis CHF 3.200. Von einer schöne Serie Neukaledonien/Nouméa unter französischer Flagge zeigen wir einen Geldschein, welcher zwar unauffällig daherkommt, jedoch recht selten ist. Lot 4260: Neu Kaledonien. Banque de l’Indo-Chine. Nouméa. 20 Francs 1925. Fast sehr schön. Schätzung CHF 150 / erzielter Preis CHF 750. Die Banknoten des österreichischen Kaiserreichs werden regelmäßig stark beboten, wie das folgende Beispiel zeigt. Lot 4367: Kaiserreich Österreich. « Privilegirte » Einlösungs- und Tilgungsdeputation. Anticipations-Schein. 10 Gulden 1813. Sehr schön. Schätzung CHF 1.500 / erzielter Preis CHF 1.700. Osteuropäische Banknoten stehen ebenfalls weiterhin hoch im Kurs; hier zwei Nummern, die stolze Ergebnisse brachten. Lot 4391: Polen, Königreich. 100 Zlotych 1794. Besondere Qualität in gutem vorzüglich. Schätzung CHF 450 / erzielter Preis CHF 3.000. Lot 4546: Tschechoslowakei. 2 Druckplatten o. J. (ca. 1919). Entwürfe zu einer Banknote zu 10 Korun. Projekte des bekannten tschechischen Künstlers Alfons Mucha. Schätzung CHF 2.000 / erzielter Preis CHF 3.400. Vergessen wir aber eine weitere spezielle Serie nicht, die Banknoten von São Tomé e Príncipe. Lot 4414: São Tomé e Príncipe. Unter portugiesischer Administration. 10.000 Reis 1909, Schiffsiegel Typ I. Selten. Risse, teilweise repariert, sehr gut erhalten. Schätzung CHF 100 / erzielter Preis CHF 1.100. Dass die Banknoten der Schweiz besondere Aufmerksamkeit erhalten, versteht sich von selbst. Besonders die älteren Ausgaben vor der Gründung der Schweizerischen Nationalbank und auch die drei Proben zur 6. Emission (1977–1993), Entwürfe des Künstlerpaars E. und U. Hiestand, faszinierten die Bieter. Lot 4442: Schweiz. St. Gallische Kantonalbank. 100 Franken 1896. Sehr selten und gut sehr schön. Schätzung CHF 4.500 / erzielter Preis CHF 9.500. Lot 4455: Schweiz. Schweizerische Nationalbank. 10 Franken o. J. Entwürfe von E. und U. Hiestand. Von größter Seltenheit. Fast unzirkuliert. Schätzung CHF 2.000 / erzielter Preis CHF 3.600. Alle Lose und die Ergebnisse der Auktionen können Sie auf der Homepage von SINCONA unter www.sincona.com nachlesen und auch genießen, und natürlich gilt für uns alle: «Nach der Auktion ist vor der Auktion». Wir freuen uns alle auf das nächste Jahr und laden Sie gerne nach Zürich ein. Zum Nachverkauf! Ruedi Kunzmann SINCONA AG
- Österreich: Volksbegehren "FÜR UNEINGESCHRÄNKTE BARGELDZAHLUNG" erhält ausreichend Unterstützer
Vom 19. bis 26. September 2022 lief die Eintragungsfrist für das österreichische Volksbegehren mit dem Titel "FÜR UNEINGESCHRÄNKTE BARGELDZAHLUNG", das mit insgesamt 530.938 Unterschriften (inkl. Unterstützungserklärungen im Vorfeld der Durchführung) die Mindestzahl von 100.000 Unterschriften deutlich überschritt. Damit belegt die Initiative den 13. Platz der österreichischen Volksbegehren mit den meisten Unterstützern – die bequeme Möglichkeit einer Stimmenabgabe mittels Handy-Signatur scheint mittlerweile auch von der breiten Bevölkerung intensiv genutzt zu werden. Das erfolgreiche Volksbegehren hat folgenden Wortlaut: Der Gesetzgeber möge bundesverfassungsgesetzliche Maßnahmen treffen, um die Beibehaltung des uneingeschränkten Bargeldzahlungsverkehrs zu verankern. Das Bargeld ist im vollen Umfang als Zahlungsmittel und Vermögensform zu schützen, ohne Obergrenzen. Nur eine Verankerung des Bargeldes in der Bundesverfassung, [sic] gewährt die Freiheit und die Verfügbarkeit privaten Vermögens und ist als Grundrecht abzusichern. Die Initiative nimmt also ausdrücklich Bezug auf die von der EU angestrebte Bargeld-Obergrenze von 10.000 Euro im Kampf gegen Geldwäsche: Nach der Ankündigung einer möglichen Obergrenze im vergangenen Jahr begannen der Wiener Unternehmer Josef Binder und seine Sekretärin Sabine Hatzl mit ihrer Initiative. Vor diesem Hintergrund lässt sich die sozio-geographische Verteilung der Unterstützer sehr eindeutig bewerten: Die meisten Unterschriften kamen aus Niederösterreich – sowohl absolut (137.253) als auch gemessen am Anteil an Stimmberechtigten (10,61 %) –; prozentuell gesehen lieferte Wien mit 5,58 % aller Stimmberechtigten die wenigsten Unterstützer (63.400 Unterschriften). Ein genauer Blick auf die Verteilung der Stimmen auf die einzelnen Bezirke ist dabei sehr aufschlussreich. Seit dem ersten Volksbegehren im Jahr 1964 wurden bisher insgesamt 72 Volksbegehren durchgeführt; dass davon nur 13 nicht genügend – d.h. 100.000 (bzw. 200.000 bis 1981) – Unterstützer fanden, zeigt die geringe Hürde, die ein solches Verfahren mit sich bringt. Dies geht jedoch auch mit einem eingeschränkten politischen Potential solcher Petitionen einher: Hat ein Volksbegehren die 100.000-Hürde geknackt, so muss das Anliegen im Nationalrat behandelt werden, jedoch ist eine direkte Auswirkung auf die Gesetzgebung ausdrücklich nicht gegeben. Für letzteres Ziel existieren Volksabstimmungen, die jedoch nicht von Volksinitiativen ausgehen; stattdessen holt dazu der Nationalrat in Form einer Ja-Nein-Frage die Meinung der Mehrheit der Abstimmungsberechtigten ein, wobei die Ergebnisse bindend sind. Ein solches Verfahren fand bisher nur zweimal Gebrauch: einmal im Jahr 1978 über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf, die von einer äußerst knappen Mehrheit von 50,47 % abgelehnt wurde, und einmal über den EU-Beitritt, diesmal mit einer Zweidrittelmehrheit. Wie geht es nun also mit "unserem" Volksbegehren weiter? Zur Vorbereitung wird das Volksbegehren einem fachlich zuständigen Ausschuss zugewiesen; danach muss eine Ausschussberatung innerhalb eines Monats erfolgen. Nach weiteren vier Monaten hat dazu ein Bericht vorzuliegen beim Nationalrat, der dann im Plenum über das Thema berät. Das Volksbegehren wird wohl kaum Früchte tragen, eben da das politische Format keine großartigen Veränderungen (woran auch?) zwingend vorsieht; über den Ausgang des Ganzen dürfen wir dennoch monatelang gespannt sein. Eine ähnliche Initiative ist auch in der Schweiz in Vorbereitung: Die Volksinitiative "Ja zu einer unabhängigen, freien Schweizer Währung mit Münzen oder Banknoten (Bargeld ist Freiheit)" ist gerade im Sammelstadium. Diese Initiative der Freiheitlichen Bewegung Schweiz möchte eine Verfassungsänderung erreichen: Die Bundesverfassung1 wird wie folgt geändert: Art. 99 Abs. 1bis und 5 1bis Der Bund stellt sicher, dass Münzen oder Banknoten immer in genügender Menge zur Verfügung stehen. 5 Der Ersatz des Schweizerfrankens durch eine andere Währung muss Volk und Ständen zur Abstimmung unterbreitet werden. Kana Totsuka
- Aus privaten Sammlungen: Notausgabe der Sächsischen Staatsbank vom April 1945
Objekttyp: Banknote Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Ausgehend von der dramatischen Lage an den Fronten gab das Reichsbankdirektorium am 14. September 1944 einen Erlass zur Herstellung und Ausgabe von Notgeld im Falle einer Feindbesetzung deutschen Gebiets aus. Auf dessen Grundlage kam es infolge Bargeldmangels zu verschiedenen überregionalen Notausgaben in Österreich, Sachsen, im Reichsverteidigungsbezirk Sudetenland und Niederschlesien sowie in Schleswig-Holstein. Durch die Sächsische Staatsbank wurde auf der Grundlage der Verordnung des Reichsstatthalters in Sachsen (Mutschmann) und der sächsischen Landesregierung vom 26. April 1945 Notgeld durch die Sächsische Staatsbank ausgegeben. Die Deckung sollte in voller Höhe durch gesperrtes Guthaben bei der Reichsbank erfolgen. Es waren Nennwerte zu 1, 2, 5, 10, 20 und 50 RM geplant. Vollständig bzw. teilweise gedruckt wurden aber nur die Scheine zu 5, 20 und 50 RM, von denen nur ein Teil der 20-RM-Scheine in den Umlauf kam. Der Druck erfolgte durch die AG für Kunstdruck in Niedersedlitz bei Dresden. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Freistaat Sachsen, Dresden Emittent: Sächsische Staatsbank Nominal: 20 Reichsmark Datum: 26. April 1945 Gültigkeit: 6. Mai bis 31. Dezember 1945 (ab Januar 1946 nur noch über die Sächsische Landesbank Leipzig) Vorderseite: Text auf Textmuster (SÄCHSISCHE STAATSBANK) Rückseite: Wertzahlen in den Ecken und Zierrahmen mit Straftext auf Textmuster Format: 160 mm x 80 mm Material: Papier Wasserzeichen: links Ornamentstreifen (Hakenglieder) Druck: AG Kunstdruck, Niedersedlitz Nummerierung: Serie L / 25728 ❆ Authentizität: Original Zitate: DEU-260a (Grabowski: Deutsche Banknoten ab 1871) Ro./Gra. 184 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturhinweis: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Mehr lesen … Leseprobe
- Das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und sein Ersatzgeld
Zur Geschichte des Lagers Mit dem Konzentrationslager Ravensbrück entstand das einzige große „Schutzhaftlager“ für Frauen auf deutschem Reichsgebiet vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.1) Als Standort hatte sich die SS das kleine preußische Grenzdorf Ravensbrück ausgesucht, in unmittelbarer Nachbarschaft zum damals mecklenburgischen Luftkurort Fürstenberg/Havel. Ausschlaggebend für die Ortswahl war die verkehrstechnische Anbindung an die Eisenbahnstrecke Berlin – Stralsund/Rostock, an die Reichsstraße 96 und an den Wasserweg über die Havel bis nach Berlin, bei gleichzeitiger Abgeschiedenheit hinter dem Schwedtsee. Der Aufbau des Lagers erfolgte u. a. durch 350 bis 500 männliche Häftlinge des Konzentrationslagers (KL) Sachsenhausen im Frühjahr 1939. Am Aufbau waren aber auch zahlreiche private Baufirmen beteiligt.2) FKL Ravensbrück, Baracken des Frauenlagers mit Lagerstraße 1 von der Kommandantur aus. (Foto: SS-Propaganda-Album 1940/1941, Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) In einem Schreiben der Geheimen Staatspolizei Berlin (Gestapo) vom 2. Mai 1939 wurde allen Staatspolizeileitstellen sowie den Führern der SS-Totenkopfstandarten und Kommandanten der Konzentrationslager mitgeteilt, dass ab dem 15. Mai 1939 die Verlegung des Frauen-Konzentrationslagers (FKL) Lichtenburg nach Ravensbrück erfolgt. Nach der Verlegung der Frauen aus Lichtenburg verzeichnete die Stärkemeldung vom 21. Mai 1939 für Ravensbrück 974 registrierte Häftlinge.3) Aus Lichtenburg kamen aber auch weibliche Aufseherinnen, die hier ihre „Ausbildung“ für das FKL Ravensbrück erhalten hatten.4) Bereits im Juli 1939 sah ein zweiter SS-Haushaltsplan eine Belegung mit 3.000 weiblichen Häftlingen vor, und bis 1940 umfasste das Lagergelände ein Areal von 45.000 Quadratmetern, die von einer vier Meter hohen und mit elektrisch geladenem Stacheldraht gesicherten Mauer umgeben war.5) Schon bald trafen neue Transporte ein, so Ende Juni 1939 mit 440 Frauen und Kindern aus dem Burgenland und, nach dem Kriegsausbruch, am 23. September 1939 mit den ersten 23 polnischen Frauen, die in der gesamten Lagergeschichte mit insgesamt etwa 40.000 Häftlingen, die größte Gruppe stellen sollten.6) FKL Ravensbrück, Lageplan (Abb. wikipedia) FKL Ravensbrück, Besuch des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, im Januar 1940 (vor angetretenen Aufseherinnen). Hinter Himmler der damalige Lagerdirektor Max Koegel. (Foto: SS-Propaganda-Album 1940/41, Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) Im Januar 1940 inspizierte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, das FKL Ravensbrück. Bereits im Juni 1940 wurde die für 3.000 Häftlinge geplante Aufnahmekapazität überschritten.7) FKL Ravensbrück, Baukommando weiblicher Häftlinge bei Erdarbeiten am Schwedtsee. (Foto: SS-Propaganda-Album 1940/41, Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) In den folgenden Jahren sollte das Lager ständig erweitert werden, u. a. um das sog. „Neue Lager“. 1941 wurde der Verwaltung des Frauenlagers ein neu errichtetes Männerlager unterstellt und 1942 kam das Jugend-Lager „Uckermark“ hinzu.8) Wurden anfangs viele Häftlinge noch für Arbeiten zur Erweiterung des Lagers und für den Lagerbetrieb selbst eingesetzt, so bildete die Arbeit in SS-eigenen Betrieben und in der Landwirtschaft ab Mitte 1940 den Schwerpunkt bei der Stellung von Arbeitskommandos.9) FKL Ravensbrück, Häftlinge in der Weberei bei der Herstellung von „Zebra-Stoff“ für Häftlingskleidung. (Foto: SS-Propaganda-Album 1940/41, Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) In den SS-Werkstätten, die im sog. „Industriehof“ angesiedelt waren, verrichteten die Häftlinge vornehmlich „typische Frauenarbeiten“. So stellten sie u. a. auch Häftlingskleidung her.10) Am 21. Juni 1940 wurde in Ravensbrück die „Gesellschaft für Textil- und Lederverwertung m.b.H.“ (Texled) als viertes großes SS-Unternehmen gegründet.11) Bereits bestehende Werkstätten wurden dem neuen Betrieb unterstellt.12) Besonders schwer mussten die Frauen in den Schneidereien, in der Rohrmattenflechterei und der Weberei arbeiten.13) FKL Ravensbrück, Häftlingsarbeit in der Rohrmattenflechterei. (Foto: SS-Propaganda-Album 1940/41, Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) Zur Texled gehörte auch eine Angorakaninchenzucht, eine Kürschnerei und eine Strohschuhflechterei.14) Die Kaninchenzucht sollte Felle für die Ausfütterung von Uniformen liefern, wurde aber 1943 unrentabel. In der Kürschnerei wurden zu diesem Zweck immer mehr Felle von gebrauchter Kleidung verwendet. Auch die Strohschuhflechterei verlor nach dem Desaster von Stalingrad an Bedeutung, da die bei der Wehrmacht eingesetzten Strohschuhe dem russischen Winter nicht trotzen konnten. Die Bilder von halberfrorenen deutschen Soldaten der 6. Armee, von denen etliche klobige Strohschuhe trugen, mit denen sie ihren Marsch in die Gefangenschaft und – für die meisten von ihnen – in den Tod angetreten haben, sind um die Welt gegangen und bis heute unvergessen.15) 1942 wurde ein Hallenkomplex errichtet, der für eine großangelegte Verarbeitung von „Alttextilien“, zu denen auch die Kleidung von ermordeten Menschen aus den Vernichtungslagern zählte, vorgesehen war. Kriegsverlauf und Mangel an Maschinen sorgten dafür, dass hier wohl nur noch die Weberei und die Schneiderei in Betrieb ging. Hergestellt wurden Häftlingsbekleidung und SS-Uniformen.16) Neben der Texled beschäftigte auch die SS-eigene „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ (DVA) weibliche Häftlinge in Ravensbrück. Ursprüngliche Zielsetzung der DVA war der Anbau heimischer Kräuter für die Herstellung von Heilmitteln. Häftlinge bewirtschafteten den ehemaligen Gutshof Ravensbrück und ab 1942 eine neue Gärtnerei, eine Geflügelzucht sowie 1943 einen Forst.17) FKL Ravensbrück, Arbeitsdienstzettel vom 16.3.1943 für Siemens-Arbeitstrupp von 286 „Schutzhaftgefangenen“. (Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Sign.: KL/18-6) Ausgehend von der Arbeitskräftesituation in der Kriegswirtschaft wurden weibliche Häftlinge auch für die Rüstungsindustrie immer bedeutender. In der Nähe des Lagerkomplexes entstanden Werkstätten der Firma Siemens & Halske, in denen Häftlinge ab August 1942 arbeiteten.18) War Ravensbrück von 1939 bis Anfang 1942 ein „Musterlager“ für Frauen gewesen, in dem bis zum Schluss auch Aufseherinnen für andere Konzentrationslager ausgebildet wurden, so wurde es mit dem Beginn des „totalen Kriegs“ 1943 durch die Gründung immer neuer Außenlager nicht nur zum „Stammlager“, sondern auch zur Drehscheibe und Durchgangsstation für weibliche Häftlinge aus ganz Europa.19) FKL Ravensbrück, Foto und Eintrag aus der Häftlingskartei. Der Jüdin Frieda Sara Obermeier wurde fortgesetzte Rassenschande mit mehr als 24 deutschen Männern vorgeworfen („Dirne!“). Sie wurde am 1.4.1942 im Rahmen der Aktion „14 f 13“ in Bernburg vergast. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Wie die Konzentrationslager für Männer, so war auch das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück nicht nur ein Ort, an dem Häftlinge Zwangsarbeit für die SS und die deutsche Kriegswirtschaft leisten mussten, es war auch ein Ort des Terrors und des Todes. Allein im Rahmen der Tötungsaktion „14 f 13“, die dem „Euthanasieprogramm“ folgte, sollen nach Häftlingsaussagen insgesamt 1.600 Frauen, darunter 700 bis 800 jüdische Häftlinge, 1942 in der Gaskammer der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg/Saale ermordet worden sein. Im April 1943 wurde in Ravensbrück ein eigenes Krematorium und Ende 1944 sogar eine provisorische Gaskammer in Betrieb genommen, in der ab Januar 1945 etwa 5.000 Häftlinge ums Leben kamen, davon 104 aus dem Männerlager. Die SS bemühte sich, den Verbleib der vergasten Häftlinge durch nachträglich erstellte Transportlisten in das „Schonungslager Mittwerda“ zu verschleiern.20) Andere Forschungen gehen von 2.300 bis 2.400 vergasten Häftlingen aus.21) FKL Ravensbrück, Transportliste vom 10.1.1942. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) FKL Ravensbrück, Benachrichtigung über den Tod des Häftlings Maria Müller an deren Mutter vom 4.12.1944. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Von Anfang an hatte die sprichwörtliche deutsche Bürokratie die Geschichte der Konzen- trationslager und damit auch die Verwaltung von Häftlingen, Zwangsarbeit und Tod begleitet. So manche Transportliste erinnert bis heute an die Namen von Häftlingen und deren Leid. Hier ist eine Todesnachricht an die Mutter einer „Ravensbrückerin“ abgebildet, die den Eindruck erwecken soll, dem infolge Krankheit verstorbenen Häftling wäre die bestmögliche medizinische Versorgung gewährt worden. Dabei konnte es nicht einmal als sicher gelten, ob der Häftling tatsächlich an einer Krankheit gestorben war oder an den Folgen von Hunger, Zwangsarbeit, medizinischen Versuchen, Mord oder Misshandlung, auch wenn diese in Ravensbrück offiziell verboten war. Korrekt nach Vorschrift wird abschließend darauf hingewiesen, dass der Nachlass der „verstorbenen“ Frau durch die Gefangeneneigentumsverwaltung an den erbberechtigten Empfänger gesandt wird. Dieser war in der Regel in der Häftlingskartei vermerkt. Zum Eigentum des Häftlings gehörte – wie in allen anderen Lagern auch – neben privater Kleidung, sonstiger Habe und Wertgegenständen, die in der Effektenkammer aufbewahrt wurden, auch das Eigengeld. FKL Ravensbrück, Häftlings-Personal-Karte der ungarischen Jüdin Piroska Schaffer, die am 19. November 1944 in Ravensbrück eingewiesen und am 2. Dezember 1944 in das KL Buchenwald überstellt wurde. Die letzten Monate des Lagers waren chaotisch. Aus Auschwitz und anderen östlichen Lagern kamen immer mehr Evakuierungstransporte an, so dass Anfang 1945 die höchste Zahl von Häftlingen erreicht wurde. Ende Januar 1945 sollen über 46.000 weibliche und mehr als 7.800 männliche Häftlinge in Ravensbrück und seinen 70 Außenlagern registriert gewesen sein, und im Februar kamen noch einmal 11.000 Häftlinge aus anderen Lagern hinzu.22) Die komplette Überfüllung des Lagers führte neben der Reduzierung der Verpflegung zu katastrophalen hygienischen Bedingungen, die schließlich eine Typhusepidemie auslösten, die zahlreiche Opfer forderte.23) Im geräumten Jugend-Lager wurden arbeitsunfähige Frauen untergebracht, die in ständiger Angst vor Selektion und Tötung in der „Todeszone Uckermark“ um ihr Überleben kämpften. Etwa 5.000 Frauen wurden in den letzten Monaten im sog. „Zelt“ zusammengepfercht, in dem ebenfalls Selektionen stattfanden.24) Kurz vor Kriegsende wurden schließlich 7.500 Frauen mit Hilfe des Internationalen, des Schwedischen und des Dänischen Roten Kreuzes in die Schweiz und nach Schweden gebracht.25) Als am 27. April 1945 mit der Räumung des Lagers begonnen wurde, sollen sich hier noch 18.000 bis 30.000 Häftlinge befunden haben, die in Kolonnen auf die sog. „Todesmärsche“ Richtung Nordwesten getrieben wurden, über deren Opfer keine Zahlen vorliegen. Die letzte Kolonne setzte sich am 28. April 1945 gegen 14 Uhr in Marsch. Am 29. April verließen die letzten SS-Angehörigen des Lager, schalteten Wasser und Strom ab, und verschlossen das Lagertor. Nur 2.000 bis 3.000 kranke und nicht marschfähige Häftlinge sowie einige Ärztinnen und Pflegerinnen ließ man im Lager zurück.26) Große Teile der Verwaltungsregistratur, von Personalakten und der im Revier geführten Krankenkartei waren vernichtet worden.27) Am 30. April 1945 erreichte ein sowjetisches Vorauskommando das Lager, dem am 1. Mai Truppen der 49. Armee der II. Weißrussischen Front folgten. Unter Leitung von Major Bulanow wurde mit den verbliebenen Ärztinnen und Pflegerinnen ein Lazarett eingerichtet, dennoch starben zahlreiche Frauen noch in den Tagen nach ihrer Befreiung an den Folgen der Lagerhaft. Frauen und Mädchen aus Fürstenberg wurden zur Krankenpflege und Leichenbestattung zwangsverpflichtet.28) Wegen der komplizierten Quellenlage kann heute die Gesamtzahl der Häftlinge und Opfer von Ravensbrück nur geschätzt werden. Es wird von etwa 132.000 Frauen und Kindern sowie 20.000 Männern und 1.000 Jugendlichen ausgegangen, die zwischen 1939 und 1945 durch Ravensbrück und dessen Nebenlager gegangen sind. Nach Aussagen von Häftlingen soll die fortlaufende Nummerierung registrierter Häftlinge bis Ende April 1945 fortgeführt worden sein und bei etwa 123.000 geendet haben.29) Deutlich schwieriger gestalteten sich Schätzungen zur Zahl der Opfer. Zu berücksichtigen sind hier auch Exekutionen, die ab Februar 1941 stattfanden. So soll das internationale Komitee der ehemaligen Häftlinge von Ravensbrück die Gesamtzahl der Opfer mit 92.000 eingeschätzt haben. Eine Zahl, die von Wanda Kiedrzynska in einer Studie von 1961 einfach übernommen wurde.30) Diese Zahl beruht aber in Wirklichkeit auf einer oberflächlichen Bilanz der britischen Anklage im Hamburger Prozess von 1946/1947, bei der weder Tausende von überlebenden Frauen in Außenlagern noch die kurz vor Kriegsende entlassenen Häftlinge und die mit den „Weißen Bussen“ des Roten Kreuzes aus dem Lager befreiten Frauen berücksichtigt wurden. Ausgehend von Eintragungen beim Standesamt Ravensbrück, von Aufzeichnungen und Schätzungen überlebender Funktionshäftlinge sowie einer Sterblichkeitsstatistik des Wirtschaftsverwaltungshauptamts (WVHA) der SS vom August 1943 wird heute die Opferzahl auf etwa 28.000 geschätzt.31) Rund 13.000 Opfer konnten bis heute namentlich nachgewiesen werden.32) Nachdem die letzten Häftlinge Ravensbrück im Sommer 1945 verlassen hatten, besetzte die Rote Armee den gesamten Lagerkomplex. Im Häftlingslager wurden bis zum Abzug der sowjetischen Truppen 1993 Soldaten untergebracht. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude und Fabrikhallen nutzte die Rote Armee als Werkstätten, Depots und Garagen. Die Häftlingsbaracken hatten die Sowjets in den Jahren nach dem Krieg abgebaut und an Flüchtlinge und Vertriebene aus dem deutschen Osten verkauft, die in der Region „gestrandet“ waren und in den von ihnen erworbenen und wieder aufgebauten Baracken teils noch viele Jahre und Jahrzehnte lebten.33) In den ehemaligen SS-Villen quartierten sich sowjetische Offiziere mit ihren Familien ein. Zwangsarbeit in Häftlingsbordellen Wenn man sich mit dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück beschäftigt und darüberhinaus auch mit der Prämienvorschrift der SS, in der zur „Motivation“ der überwiegend männlichen Häftlinge in den Konzentrationslagern des NS-Regimes auch die Errichtung von Häftlingsbordellen eine große Rolle spielte, so kommt man an dem Schicksal zahlreicher Frauen aus Ravensbrück nicht vorbei, die in den sog. „Sonderbauten“ der Männerlager zur Prostitution gezwungen wurden. Viele von ihnen meldeten sich sogar freiwillig, da ihnen eine Entlassung nach sechsmonatigem „Sonderkommando“ in Aussicht gestellt wurde. Eine Hoffnung, die sich für kaum eine „Bordellfrau“ erfüllte. KL Buchenwald, unbekannter Häftling vor der umzäunten Bordellbaracke nach der Befreiung 1945. (Archiv der Gedenkstätte Buchenwald) Auf das Thema der Lagerbordelle und der Nutzung von Prämienscheinen für Bordellbesuche wird ausführlich in meinem Buch "Das Geld des Terrors" eingegangen. Geld, Geldersatz und Prämienscheine In der vorläufigen „Dienstvorschrift für das Fr. K. L. Ravensbrück (Lagerordnung)“, die wahrscheinlich schon aus dem Jahr 1939 stammt, wird sehr detailliert auch der Umgang mit dem Eigengeld der Häftlinge geregelt. Darin wird u. a. bestimmt, dass alle Beträge über 5 RM auf den Konten der Häftlinge zu deponieren, und alle übrigen Beträge täglich an die Häftlinge auszuzahlen waren. FKL Ravensbrück, Deckblatt zur "Vorläufigen" Dienstvorschrift (Lagerordnung) und Seite 29 mit den Bestimmungen zur Häftlingsgeldverwaltung. (National Archiv Washington, Kopie der Gedenkstätte Ravensbrück) Weitere Festlegungen zum Eigentum und Geld der Häftlinge finden sich in der Lagerordnung zur Effektenausgabe sowie zu Geldsendungen. Zu letzteren war festgelegt: „9.) Für Häftlinge eingehende Geldsendungen sind von der Postzensurstelle in das Postbuch einzutragen und dem Häftlingsgeldverwalter mit den dazugehörigen Postabschnitten gegen Quittung zu übergeben. Wo zweckmäßiger, können eingehende Geldsendungen mittels Postblock vom Häftlingsgeldverwalter direkt vom Postamt in Empfang genommen werden. Der Häftlingsgeldverwalter verbucht die Beträge auf den Kontokarten der betreffenden Häftlinge und läßt die Eintragungen von den Häftlingen unterschriftlich bestätigen. Jedem Angehörigen der Kommandantur, sowie den Angestellten ist es streng verboten, Bargeld von Außenstehenden zwecks Aushändigung an Häftlinge entgegenzunehmen. Geld darf nur durch die Post den Häftlingen übermittelt werden. 10.) Geldsendungen aus dem Lager heraus sind grundsätzlich verboten. Ausnahmen bilden Rentenempfänger, die ihren Angehörigen laufende Unterstützungsbeträge übersenden, sowie Zahlungen für Gerichtskosten und zur Begleichung von Schulden. Diese Zahlungen sind der Politischen Abteilung zwecks Nachprüfung ihrer Berechtigung vorher anzumelden.“34) Auch die in der Dienstvorschrift enthaltene „Allgemeine Lagerordnung“ geht noch einmal auf Geldsendungen ein. Hier heißt es unter Punkt 5: „Den Häftlingen ist erlaubt, sich von ihren Angehörigen Geld durch Postanweisungen schicken zu lassen. Sie dürfen Geldbeträge bis zu RM. 5.oo bei sich haben. Geldsendungen bis zu RM. 5.oo werden den Häftlingen ausgehändigt, sofern es sich nicht um Kriegshäftlinge handelt. Höhere Beträge werden ihnen gutgeschrieben und nach Bedarf auf Anfordern ausbezahlt. Zahlungen sind von den Häftlingen durch Unterschrift anzuerkennen.“35) Zumindest in der Anfangszeit des Lagers, mit großer Wahrscheinlichkeit aber bis zur Einführung der Waren-Wertkarten, die gemeinsam von der Gefangenen-Eigentums-Verwaltung und der SS-Kantinen-Verwaltung ausgegeben wurden, konnten die Häftlinge in Ravensbrück also in begrenztem Umfang über Bargeld verfügen. Leider kann heute nicht mehr genau gesagt werden, wann die für einen bargeldlosen Einkauf in der Lagerkantine vorgesehenen Waren-Wertkarten eingeführt wurden – sie tragen auch kein Datum. Man kann aber davon ausgehen, dass ihre Einführung mit der Prämienvorschrift des WVHA der SS vom Mai 1943 im Zusammenhang steht. Die Waren-Wertkarten enthielten Einzelabschnitte über folgende Beträge: 3 x 1, 6 x 2, 3 x 5, 6 x 10, 3 x 20 und 3 x 50 RPf. sowie 3 x 1 RM. Konzentrationslager Ravensbrück, rosa Waren-Wertkarte der Gefangenen-Eigentums- Verwaltung für den Einkauf in der Häftlingskantine im Gesamtwert von 6 RM. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Konzentrationslager Ravensbrück, graublaue Waren-Wertkarte der Gefangenen-Eigentums- Verwaltung für den Einkauf in der Häftlingskantine im Gesamtwert von 6 RM. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Als die Zeitzeugin Helga Luther im Herbst 1943 als politische Gefangene nach Ravensbrück kam, waren die Waren-Wertkarten jedenfalls schon in Gebrauch. Sie wurden durch die Gefangenen-Eigentums-Verwaltung anstelle von Bargeld an die Häftlinge ausgegeben, die über entsprechende Guthaben auf ihren Kontokarten verfügten. Wie sich Frau Luther im Gespräch mit dem Autor 2008 erinnerte, konnte sie monatlich zwei dieser Karten, jede stellte in der Summe der einzelnen Abschnitte einen Gegenwert von 6 RM dar, anstelle von Bargeld von ihrem Konto „abheben“. Laut Frau Luther konnten alle Häftlinge, die Geldguthaben hatten, monatlich für 12 RM in der Kantine mit Waren-Wertkarten einkaufen. Beim Einkauf wurden die benötigten Teilbeträge von der Karte abgeschnitten, also nicht „ungültig“ gestempelt oder entwertet. Häftlinge, die Prämienscheine erhalten hatten, konnten parallel dazu auch mit diesen in der Kantine einkaufen. Frau Luther arbeitete als Schwester auf dem Krankenrevier und bekam nach eigenen Angaben nie Prämienscheine. Sie konnte sich lediglich an die graublauen Wertkarten erinnern, die bis zum Schluss genutzt wurden. Rosa Karten, die ebenfalls nachgewiesen sind, waren ihr unbekannt. Bei ihrer Entlassung im April 1945 hatte sie ihr Restguthaben bei der Gefangenen-Eigentums-Verwaltung in voller Höhe und in bar ausgezahlt bekommen.36) Möglicherweise handelt es sich bei den rosa Wertkarten um eine erste Ausgabe, die Frau Luther nicht mehr in die Hand bekam, oder an die sie sich nicht mehr erinnern konnte. Ravensbrück ist neben Stutthof übrigens das einzige Lager, von dem derartige Wertkarten bekannt wurden. Mit der SS-Prämienvorschrift wurden auch in Ravensbrück Prämienscheine für Häftlinge eingeführt. Eine erste Ausgabe stammt denn auch wahrscheinlich aus dem Jahr 1943 und wurde für die Prämierung von Häftlingen in allen Arbeitskommandos und im Lagerbetrieb genutzt. Die Rückseite war für die Abstempelung durch das Arbeitskommando bzw. die Firma vorgesehen, über die die Prämienvergabe erfolgte. Viele Scheine kommen aber ohne rückseitige Stempel vor. Als Stempelfarbe wurde benutzt, was verfügbar war (u. a. Violett, Blau, Schwarz). Scheine mit Stempeln von Arbeitsstellen bzw. Arbeitskommandos sind deutlich seltener. Das Raster auf der Vorderseite war ursprünglich wahrscheinlich für die Eintragung der Häftlingsnummer vorgesehen. Es gab Nominale zu 0,50 und 1 RM. Ein in der Literatur bei Pick/Siemsen laut Maur erwähnter Schein über 2 RM konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Konzentrationslager Ravensbrück,Prämienschein der ersten Ausgabe von 1943 über RM –.50 mit rückseitiger Abstempelung der Firma Siemens & Halske, Fertigungsstelle Ravensbrück. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Die Abbildung zeigt einen Prämienschein über 0,50 RM, der von der Fertigungsstelle Ravensbrück der Firma Siemens & Halske bei der SS-Kantinen-Verwaltung gekauft und als Prämie vergeben wurde. Unklar ist der zweite Stempel des „SS-Unterführer-Lehrschwadrons der Kavallerie“. Möglicherweise waren einige Häftlinge zur Arbeit für ein solches Lehrschwadron eingesetzt und der Prämienschein wurde mehrfach genutzt. Für Siemens & Halske waren über 2.000 Häftlinge in den bis zu 20 Werkhallen des „Siemenslagers“ u. a. zur Fertigung von Relais, Schaltern, Spulen und Wicklungen, Mikrofonen, Telefonen, Messinstrumenten und Kondensatoren eingesetzt.37) FKL Ravensbrück: Prämienschein der Einheitsausgabe der Konzentrationslager zu 1 RM, Vorderseite in Graubraun, (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Eine zweite Ausgabe von Prämienscheinen entspricht einem Einheitstyp, wie er auch in anderen Konzentrationslagern (z. B. in Auschwitz und Mauthausen) ab August 1944 genutzt wurde. Die Ravensbrücker Scheine haben jedoch im Unterschied zu den anderen Einheitsausgaben keinen Druckvermerk, aus dem sich Zeitraum und Auflagenhöhe ableiten ließe. Auch hier gab es Nennwerte zu 0,50 und 1 RM. FKL Ravensbrück, Häftlingsarbeit in der Schneiderei, in der Häftlingskleidung und SS-Uniformen genäht wurden. (Foto: SS-Propaganda-Album 1940/41, Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) Deutsche Textil- und Bekleidungswerke G.m.b.H. Ravensbrück: Prämienschein über 0,50 RM, Vorderseite in Graugrün, (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Im Oktober 1944 wurde aus der SS-eigenen Texled die „Deutsche Textil- und Bekleidungswerke GmbH“.38) In den Schneidereien des Unternehmens arbeiteten zahlreiche weibliche Häftlinge u. a. an der Herstellung von Uniformen. Für den SS-Betrieb wurden eigene Prämienscheine gedruckt, die ausgehend von der neuen Firmenbezeichnung zwar frühestens vom Oktober 1944 sein können, aber nicht dem neuen Einheitstyp, sondern in ihrer Gestaltung der ersten Ravensbrücker Ausgabe entsprechen. Auch diese Scheine tragen keinen Druckvermerk und es gibt sie in den Werten zu 0,50 und 1 RM. Die Häftlinge des Männerlagers – bis Ende 1944 lag die durchschnittliche Belegung bei 1.500 bis 2.000 Häftlingen – waren in Arbeitskommandos zum ständigen Ausbau des Lagers, von Werkstätten und der SS-Siedlung eingesetzt.39) Aus Ravensbrück sind auch Fälle bekannt geworden, in denen Häftlinge die Annahme von Prämien verweigerten. So berichtete u. a. Charlotte Müller in ihren Erinnerungen, dass sich im Lager eine kriegsgefangene sowjetische Ärztin namens Maria Klugman befand. Eines Tages sollten sie und einige weitere sowjetische Ärztinnen und Pflegerinnen des Krankenreviers Prämienscheine erhalten. Alle lehnten deren Annahme ab, da sie den Eid des Hippokrates geleistet hatten, nach dem es ihre humane Pflicht war, kranken Menschen zu helfen. Als die Lagerleitung beschloss, die sieben Frauen als Strafe zur Arbeit in eine Munitionsfabrik nach Barth zu schicken, verweigerten sie auch dies mit dem Hinweis auf die Genfer Konvention, nach der Kriegsgefangene (gemeint sind in Gefangenschaft geratene Angehörige regulärer Truppen) nicht zur Rüstungsproduktion des Feindes gezwungen werden dürfen. Man ließ sie zur Strafe drei Tage und zwei Nächte vor der Schreibstube stehen. Eine Frau starb, zwei kamen in den Strafblock und die anderen Frauen, darunter Maria Klugman, kamen schließlich als Putzfrauen nach Barth.40) Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung Das Thema Geld und Geldersatz in deutschen Konzentrationslagern und Gettos 1933 bis 1945 wird ausführlich in meinem Buch "Das Geld des Terrors" behandelt. Zum Buch Leseprobe Anmerkungen Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Die Ursprünge des Lagers, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Ebenda. Stefanie Endlich, Lichtenburg, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, S. 154. Siehe Anmerkung 2). Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Herkunft der Deportierten, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.),Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Annette Leo, Lebensbedingungen der Häftlinge, in: Ravensbrück – Stammlager, in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück, S. 482. Siehe Anmerkung 2). Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Tagesablauf, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Annette Leo, Zwangsarbeit und weiterer Ausbau des Lagers, in: Ravensbrück – Stammlager, in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück, S. 484. Bernhard Strebel, Das KZ Ravensbrück: Geschichte eines Lagerkomplexes, S. 213. Siehe Anmerkung 10). Siehe Anmerkung 9). Siehe Anmerkung 10). Monika Herzog (wissenschaftliche Mitarbeiter/Leiterin museologische Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) im telefonischem Gespräch mit dem Autor vom 5. August 2008. Siehe Anmerkung 10), S. 484 – 485. Siehe Anmerkung 10), S. 485. Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück sowie: Tagesablauf, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Bilanz, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Siehe Anmerkung 1), sowie: Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Die Toten von Ravensbrück, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Stefan Hördler, Die Schlussphase des Konzentrationslagers Ravensbrück – Personalpolitik und Vernichtung, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 56(2008), H. 3. S. 244f. Ebenda. Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Die Toten von Ravensbrück, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten), sowie: Siehe Anmerkung 9). Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Die Toten von Ravensbrück, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Siehe Anmerkung 1). Annette Leo, „Weiße Busse“ und Todesmärsche, in: Ravensbrück – Stammlager, in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück, S. 513., sowie: Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Die letzten Tage des Lagers, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Siehe Anmerkung 19). Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Die letzten Tage des Lagers, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten)., sowie: Siehe Anmerkung 25), S. 514. Siehe Anmerkung 19). Wanda Kiedrzyn´ska, Ravensbrück, S. 108. Annette Leo, SS-Offiziere und Aufseherinnen, in: Ravensbrück – Stammlager, in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück, S. 499, sowie: Bernhard Strebel, Das KZ Ravensbrück: Geschichte eines Lagerkomplexes, S. 505f. Siehe Anmerkung 19). Siehe Anmerkung 25), S. 514., sowie: Monika Herzog, Britta Pawelke, Sabine Röwer, Stefan Hördler (Beitrag Lagerleitung), Gedenken, in: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hrsg.), Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (CD-ROM mit HTML-Seiten). Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, „Vorläufige“ Dienstvorschrift für das Fr.K.L. Ravensbrück (Lagerordnung), XIII. Die Postzensur, 9.) und 10.) Geldsendungen, S. 31 – 32. Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, „Vorläufige“ Dienstvorschrift für das Fr.K.L. Ravensbrück (Lagerordnung), XIV. Allgemeine Lagerordnung, 5.) Geldsendungen, S. 37. Helga Luther (ehem. politischer Häftling im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück vom Herbst 1943 bis April 1945), aus Erinnerungen in einem persönlichen Gespräch mit dem Autor vom 11. April 2008. Siehe Anmerkung 10), S. 486., sowie: Siehe Anmerkung 9). Siehe Anmerkung 11). Annette Leo, Das Männerlager, in: Ravensbrück – Stammlager, in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück, S. 499 – 500. Charlotte Müller, Die Klempnerkolonne in Ravensbrück – Erinnerungen des Häftlings Nr. 10787, S. 134 – 137.
- Land geteilt – Welt vereint: Geldscheine aus Panama und der Kanalzone
Die lateinamerikanischen Staaten Kolumbien, Panama, Ecuador und Venezuela sowie Gebiete von Peru und Guyana gingen aus dem früheren spanischen Neugranada hervor und wurden von Historikern als Gesamtstaat Großkolumbien bezeichnet. Es existierte von 1819 bis 1830 als República de Colombia. Nach der militärischen Besetzung Panamas durch die US Army, nach dem sog. 1000-Tage-Krieg und seiner Abspaltung von Kolumbien erhielt das Land erst 1903 seine Unabhängigkeit. Die damalige Einmischung und Vormachtstellung der USA dauerte fast ein ganzes Jahrhundert. Das hatte mit dem geplanten und fertiggestellten Panama-Kanal zu tun. Schon seit dem 16. Jahrhundert hatten spanische Könige die Querung der Landenge zwischen dem Atlantik und dem Pazifik immer wieder angeregt; selbst Alexander von Humboldt beschäftigte sich mit dem Projekt. 1881 hatte dann Frankreich mit der Planung einer Wasserstraße zwischen den Städten Colón und Panamá begonnen – seit Mai 1904 begann der Bau am Kanal durch die US-Amerikaner unter J. F. Wallace, er wurde 1905 von J. F. Stevens abgelöst; US-Generalmajor G. W. Goethals führte das Projekt ab 1907 fort und beendete es 1914. Ebenso nahmen sich die USA die Hoheitsrechte an dem Kanalgebiet einschließlich der Panama Railroad Co. für sich in Anspruch und schufen zwei Wochen nach der Unabhängigkeit die Kanal-Zone als Hoheitsgebiet der USA. Im Staatsvertrag verpflichteten sich die USA zur jährlichen Zahlung von 250.000 Gold-Dollars an Panama – der Kaufpreis für die fast 1.500 qkm große Kanalzone lag bei 10 Mio. Dollars. 1935/36 wurde der Vertrag modifiziert und die USA hatten von da an eine jährliche Zahlung von 430.000 US-Dollars zu leisten – bis 1955 stieg diese Pacht auf 1,93 Mio. US-Dollars. Abb. 1: Karte der Kanal-Zone von 1920, sichtbar ist die über 80 km lange Wasserstraße als Doppellinie innerhalb der braunen Fläche. Als erstes Schiff nach Fertigstellung des Kanals fuhr die New Yorker „Cristobal“ am 3. August 1914 durch den Panamakanal. Durch den Ersten Weltkrieg wurde der Kanal jedoch erst am 12. Juli 1920 durch US-Präsident W. Wilson offiziell freigegeben – seit deren Eröffnung passierte am 4. September 2010 der chinesische Frachter „Fortune Plum“ als einmillionstes Schiff den Panamakanal. Allein im ersten Jahr nahm die Kanalgesellschaft etwa 4,3 Mio. US-Dollars an Gebühren ein. 1996 waren es 483,0 Mio. US-Dollars. 2002 wurden die Gebühren um 13 Prozent erhöht. Das Containerschiff „MSC Fabienne“ musste für seine Kanalpassage am 16. Mai 2008 den bisher höchsten Preis von über 317.000 US-Dollars entrichten – den niedrigsten in Höhe von 36 US-Cents bezahlte 1928 der US-Amerikaner Richard Halliburton, der den Kanal innerhalb von acht Tagen durchschwamm. Abb. 2: Wechsel für die Kanalgebühr, für Reparationen und weitere Auslagen für die Weiterfahrt der S/S Gundulic. . Ab 1979 stand der Kanal dann unter gemeinsamer Kontrolle Panamas und der USA und am 31. Dezember 1999 erlangte die Republik Panama die alleinigen Hoheitsrechte an der Kanalzone. Seitdem wird der Kanal durch die ACP (Autoridad del Canal de Panamá) verwaltet. Für Panama und die Kanalzone ist unterschiedliches Papiergeld nachweisbar: das sind zum einen die Banknoten der Zentralbank der Republik Panama und zum anderen Gutscheine der Clubs in US-Militäreinrichtungen in der Kanalzone sowie Fantasieausgaben u. a. – auch Wertmarken sind bekannt. Nach der Unabhängigkeitserklärung führte Panama eine neue Währung ein: den Balboa (= 100 Centésimos) – benannt nach dem spanischen Entdecker Vasco Núñez de Balboa. In der Verfassung des Landes von 1904 war niedergeschrieben, dass Balboas nur als Münzen auszugeben waren. Als Papiergeld diente die US-Währung – Dollar-Scheine laufen wertgleich 1:1 zum Balboa bis heute um. Panamas jüngster Präsident Dr. Arnulfo Arias Madrid forderte 1941 von der Regierung, eigene panamaische Banknoten drucken zu lassen und ein entsprechendes Gesetz einzubringen. Die Verfassung wurde geändert, nationale Banknoten durften in Höhe von 6,0 Mio. Balboas gedruckt und ausgegeben werden. So vergab die neugegründete Banco Central de Emisión de la República de Panamá den Auftrag für den Druck von 2,72 Mio. Balboas nach New York an die Hamilton Bank Note Co. in vier Wertstufen: Abb. 3: 1 Balboa 1941, Vs., 720.000 Stück gedruckt. Abb. 4: 1 Balboa 1941, Rs., die Rückseiten sind gleich gestaltet und unterscheiden sich nur durch die Wertzahlen und unterschiedliche Farbgebung; alle Balboa-Scheine sind 158 mm × 67 mm groß. Abb. 5: 5 Balboas 1941, Vs., 100.000 Stück gedruckt. Abb. 6: 10 Balboas 1941, Vs., 100.000 Stück gedruckt. Abb. 7: 20 Balboas 1941, Vs., 25.000 Stück gedruckt. Am 30. September 1941 kündigte Präsident Arias Madrid in einer Radioansprache die Gründung der Emissions-Zentralbank von Panama an. Die Balboa-Banknoten wurden am 1. Oktober 1941 in Umlauf gegeben und am folgenden Tag besuchte der Präsident das Büro der Nationalbank und tauschte offiziell US-Dollars in Balboas um. Das Gesetz zur Ausgabe der Banknoten wurde von der Nationalversammlung aber nie genehmigt. Die Banknoten wurden nach der Schließung der Emissionsbank am 9. Oktober 1941 wieder für ungültig erklärt, eingezogen und in der Kunstgewerbeschule verbrannt. Der Grund dafür war ein Militärputsch unter Führung von Dr. Ricardo Adolfo de la Guardia Arango, der von den USA unterstützt wurde. Arias besuchte damals Kuba und galt in Washington als antiamerikanisch und Mann, der die Abhängigkeit seines Landes von den USA maßgeblich einschränken wollte. Angeblich wurden etwa 7.000 Banknoten nicht vernichtet. Ein US-amerikanischer Ingenieur, der als Manager einer bedeutenden Goldmine nach Panama zog, kaufte die verbliebenen Balboa-Scheine auf – ein anderer Verwandter, der als Baggerfahrer beim Bau des Kanals arbeitete, erwarb diese Banknoten. Er übersiedelte in den 1980er Jahren zurück in die USA. Die 1941er Serie bezeichnet man deshalb auch als „Arias Seven Day Notes“ und Einzelscheine erreichen heute fünfstellige Euro-Preise. Von den sog. Martin-Sosa-Projekt-Ausgaben zu 1 und 10 Balboas aus dem Jahr 1933 lassen sich kaum Informationen finden – sie wurden nie ausgegeben. Hingegen gibt es zwei „Ergänzungsscheine“ der Serie 1941 zu 50 und 100 Balboas, die Richard J. Reed in Sarasota/Florida gestaltete und seit 2007 anbietet. Weitere Fantasie-Ausgaben sind bspw. die Ausgaben einer Banco Americano de la República de Panamá, Serie 1918 oder die „Gedenkbanknote“ zum 100. Jahrestag der Eröffnung des Panamakanals sowie ein Schein der Panama Canal Zone. Abb. 8: 50 Balboas 1941 A, Vs., Fantasie-Ausgabe, Design: R. J. Reed. Abb. 9: 100 Balboas 1941, Vs., Fantasie-Ausgabe, Design: R. J. Reed. Abb. 10: 1 Balboa, Vs., Phantasie-Ausgabe, Design: R. J. Reed. Abb. 11: 1000 Balboas, Vs., Fantasie-Ausgabe, Design: R. J. Reed. Abb. 12: 100 (Jahre), Fantasie-Ausgabe, Centennial Celebration 2014. Abb. 13: 1 Dollar/1 Balboa, Serie 1920, Vs., Fantasie-Ausgabe 2012. In den Klubs der US-Militärstützpunkte innerhalb der Kanalzone wurden außerdem sog. Chits verwendet, wie man sie auch aus vielen Teilen der Welt kennt, wo Einheiten der US Army, Navy oder Air Force stationiert waren. In der Kanalzone waren das die Albrook und Howard AFB, die Camps Chorrer, Elliott, Gaillard und Otis, die Forts Amador, Clayton, Davis, Grant, Gulick, Kobb und Sherman sowie Coco Solo und Corozal. Auch Wertmarken sind nachweisbar. Abb. 14: 1 Cent, Gutschein, PX Fort Sherman. / Abb. 15: 5 Cents, Gutschein, Officers’ Club Fort Amador. Abb. 16: 10 Cents, Gutschein, 1–2–3 Club Fort Clayton. / Abb. 17: 25 Cents, Gutschein, N.C.O. Open Mess Albrook AFB. Abb. 18: 5 Cents, Gutschein, Officers’ Club Coco Solo. / Abb. 19: 25 Cents, Gutschein, VFW Post Margarita. Abb. 20: 1 Dollar, Wertmarke, 1914, Camp Elliott, Isthmian Canal Zone. / Abb. 21: 5 Dollars, Wertmarke, 1970, Atlantic Area Installation Command, Fort Davis. Abb. 22: 50 Cents, Wertmarke, NCO Club Corozal. / Abb. 23: 1 Dollar, Wertmarke, NCO Mess Albrook AFB. Außerdem wurden Gutscheine und auch Wertmarken von Wirtschaftsbetrieben, Firmen, Hotels und Privatleuten verwendet. Stellvertretend stehen dafür die Gutscheine der Panama Railroad Co. – die Eisenbahngesellschaft ist im Besitz der US-amerikanischer Unternehmen. Die Scheine wurde in Streifen zu 5 Stück in Booklets eingeheftet, zeigen die Unterschrift des Bahnpräsidenten George Washington Goethals; sie wurden in Indianapolis/IN bei der Allison Coupon Co. gefertigt. Abb. 24: 1 Cent, Gutschein der Panama Rail Road Co. Bei der Einführung des Balboas vor knapp 120 Jahren entschied sich die Regierung nur für die Ausgabe von Münzen. Papiergeld wollte man nicht drucken lassen – wegen Bedenken einer möglichen inflationären Entwicklung ähnlich der im damaligen Kolumbien. Zwischen 1904 und 1907 wurden die ersten Kleinmünzen geprägt: ½ Centésimo (medio Centésimo de Balboa), 1¼ Centésimo (uno y cuarto Centésimos) und 2½ Centésimos (dos y medio Centesimos de Balboa). 1-Balboa-Münzen gab man erst 1931 aus. Sämtliche Münzen wurden in der United States Mint und der Royal Mint in London gefertigt – die von 1904/07 in Philadelphia. Gedenkmünzen wurden in Stücken von 5 bis 500 Balboas geprägt. Die 50-Centésimos-Münzen waren anfangs nur wenig mehr wert als der kolumbianische Peso; so wird die 50-Centésimos-Münze bis heute als Peso bezeichnet. Abb. 25: ½ Centésimo de Balboa 1907, Kupfer-Nickel, 16 mm Ø, 1 Mio. Stück geprägt. / Abb. 26: 1 Balboa 1931, Silber, 38 mm Ø, 200.000 Stück geprägt. Die Banknoten der Banco de Panamá oder die Schatzscheine des Tesorería Estado Soberano de Panamá gaben im 19. Jahrhundert Peso-Scheine aus, die jedoch der kolumbianischen Provinz Panama zuzuordnen sind. Abb. 27: 1 Peso Ausgabe 1869, Vs., Banco de Panamá, Druck: American Bank Note Company. Abb. 28: 3 Peso 1868, Vs., Tesoreria Estado Soberano de Panama, Druck: American Bank Note Company. Michael H. Schöne Quellen: https://www.currencybanknotes.com https://www.coins-of-panama.com http://imgbuddy.com http://www.coincommunity.com http://www.worldbanknotescoins.com
- Leserpost: Zwei Banknoten in einer!
Hallo Herr Grabowski, ich denke, dies hier wäre auch eine Kuriosität: zwei Banknoten in einer, quasi 3 Millionen Mark. Würde mich freuen von ihnen zu hören Liebe Sammlergrüße, M. Berg Antwort der Redaktion Hoppla, was ist denn da passiert? Eine echte Kuriosität! Die Randornamente von den Hilfsbanknoten der Deutschen Reichsbank zu 1 Million und 2 Millionen Mark vom 9. August 1923 sind auf einem Schein vereint. Da wurde wohl ein Druckbogen doppelt benutzt und bei einem zweiten Unterdruck seitengleich, aber gedreht eingesetzt. Wenn das mal kein schöner Fehldruck ist! DEU-114c: 1 Million Mark, korrekter Druck, grünes Randornament rechts. DEU-116c: 1 Million Mark, korrekter Druck, violettes Randornament rechts. Passiert ist das ganze, wie das Firmenzeichen BK verrät, bei der Firma J. P. Bachem in Köln auf Papier mit Wasserzeichen Ringe. Natürlich wird daraus nur zu einem Drittel ein 3-Millionen-Mark-Schein, wenn man bedenkt, dass Ornament und Überdruck vom "Einer", aber nur ein Ornament vom "Zweier" vorhanden sind. Das macht dann ja auch wieder einen "Einer" aus dem Schein, weil der Überdruck letztlich ausschlaggebend ist. Gratulation, sowas hat auch nicht jeder Sammler deutscher Banknoten im Album. Hans-Ludwig Grabowski
- Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 42
Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Abstrakt und modern, Vorschlag M 587 Enric Satué Llop Geboren 1938 in Spanien. Studierte Bildende Kunst und arbeitete als Grafikdesigner, Historiker und Universitätsprofessor. Er lehrte an der Universität Pampeu Fabra und der Architekturschule on Barcelona. 5 Euro, Vorder- und Rückseite, Symbole für elementare Güter. 10 Euro, Vorder- und Rückseite, Symbole der Biologie. 20 Euro, Vorder- und Rückseite, Symbole der Astrologie. 50 Euro, Vorder- und Rückseite, Symbole zum Thema Verkehr. 100 Euro, Vorder- und Rückseite, Symbole für Druck und Typographie. 200 Euro, Vorder- und Rückseite, Symbole der Mathematik. 500 Euro, Vorder- und Rückseite, Symbole der Musik. Fortsetzung folgt … Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)
- Leserpost: Militärgeld der NVA mit Handunterschrift? – Ein Online-Krimi!
Ich habe im Mai diesen Jahres zwei Scheine mit Militärgeld-Stempel und einer Handsignatur erworben. Die Bilder dazu finden Sie im Anhang. Der Anbieter hat die Scheine im Auftrag einer Witwe verkauft, deren Mann 30 Jahre bei der NVA tätig war. Dieser war schon vor einer geraumen Zeit verstorben, so dass es leider von ihm keine Auskunft zu den Noten mehr geben kann. Hier ein Auszug aus der Korrespondenz von mir mit dem Anbieter: Brief des Käufers: Die Nummern der verwendeten Scheine mit Militärgeldstempel sind bekannt. Ihre gehören nicht dazu. Echtheit ist sehr fraglich. Wie sollen die Stempel auf die Noten gekommen sein, wenn nur wenige dieser Scheine mit den bekannten Nummern zur Verwendung standen, zumal diese Scheine aus den Reserven der Deutschen Notenbank stammten und diese um 1980 zur Verwendung kamen, als diese 1955er Ausgabe nicht mehr im Umlauf war, sie wurden 1964 ausgetauscht. Können Sie dazu aufklären? Antwort des Anbieters: Da bin ich selbst überfragt, hege bei Verkauf der Scheine ja selbst keinen Anspruch auf irgendeine Echtheit. Dann schreibe ich das wohl besser mit dazu, damit es keine Missverständnisse gibt. Brief des Käufers: Noch interessanter ist natürlich der geschichtliche Hintergrund der Scheine. Sie schreiben da etwas von einem Stabsfeldwebel Mohaupt, wenn ich das jetzt richtig wiedergegeben habe. Haben Sie dazu noch Informationen oder ein Schreiben zum Zweck der mit Stempel versehenen Scheine? Wäre schön, wenn dazu ein Schriftstück existiert, bitte mit zusenden. Ich bin selbst in der DDR groß geworden und befasse mich seit 20 Jahren mit DDR-Geld und dessen Hintergrund. Wer hatte sie da angeschrieben in dieser Sache, die kenne ich bestimmt. Mir sind die geläufigsten Sammler bekannt. Mit diesen kann ich mich dann darüber austauschen, wenn die so freundlich wären. Antwort des Anbieters: Gerne rufe ich die Frau heute Abend an und frage nach, ob sie da noch was hat für mich. Dann könnte ich ihr morgen das Geld auch gleich vorbei bringen in Dortmund. Wir haben uns mal auf einem Ostsee-Urlaub kennengelernt. Ihr Vater war ca. 30 Jahre bei der NVA in einer Nachrichtenkompanie irgendwo in Neubrandenburg. Dann im Wehrkreiskommando auch da in der Umgebung. Ende letzten Jahres dann verstorben... In der Tat , das ist ein eBay´er aus Dresden. Die anderen allerdings aus Österreich (2) und einer aus dem Elsass (Frankreich). Aus Datenschutzgründen kann und darf ich hier keine eBay-Accounts kommunizieren. Da müssen Sie mir jetzt einfach vertrauen. Da bin ich mal gespannt, ob sie noch was hat...! Ich melde mich dann diesbezüglich morgen und werde den Brief auch morgen im Laufe des Tages absenden. Brief des Käufers: Ich gehe mal davon aus, dass die Banknoten echt sind. Erkennt man ja am Wasserzeichen im Papier, wie bei jeder anderen Banknote. Der Stempel ist dann sekundär und es gilt in Erfahrung zu bringen, mit welcher Geschichte er zusammenhängt. Interessant wäre auch gewesen, ob es noch weitere Werte in dieser Art gab. Es gibt da sicherlich noch einige unbekannte Sachen, was die Militärgeschichte der DDR betrifft. Leider wird es immer schwieriger, darüber Auskunft zu bekommen, da die Genossen alle schon alt sind oder gestorben, die damit zu tun hatten. Ich hoffe die Frau kann aus der Dienstzeit ihres Mannes was berichten, was zur Geschichte beiträgt. Ich danke Ihnen schonmal im voraus für Ihre Bemühungen, auch der alten Dame gegenüber. Andere hätten die Scheine evtl. entsorgt und sie wären für die Nachwelt verloren gegangen. Ich bin gespannt und grüße Sie... Antwort des Anbieters: Der Brief ist auch heute versendet. Die Noten sind echt (Wasserzeichen sichtbar). Ich habe mir mal versucht, ein Bild zu machen von diesem Mann (durch die Erzählungen der Ehe-Frau, 86 Jahre alt). Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Mann einfach Geldscheine für sich fertig gemacht hat. Ist das denkbar, oder kann man das gänzlich ausschließen?! Es sind keinerlei Dokumente oder Ähnliches zu den Geldscheinen vorhanden. Einige Ordner wurden entsorgt...da war vielleicht was dabei. Sie hat sogar eine Uniform in die Altkleider geworfen. Da ist mir ganz schlecht geworden, als ich das gehört habe. Der Franzose (Elsass) wollte sich nächste Woche noch mal bei mir melden. Er hat sich die Geldscheine runtergeladen. Das ist wohl unter Anderem auch ein DDR-Mark-Interessent. Jetzt Kommt´s: Die Kürzel auf den Scheinen hat er schon mal irgendwo gesehen...! Er wollte bei sich und bei einem Bekannten nachschauen bzw. nachfragen. Soll ich mich diesbezüglich nochmal melden? Ansonsten war´s das dann erstmal von meiner Seite. Alles Gute Ihnen ... Die Noten sind Echt, auch der Stempel scheint echt zu sein. Keine Anzeichen einer Manipulation meines Erachtens. Auch das Unterschriftenkürzel ist eine Handschrift, wobei mir der Name „Mohaupt“ auch nach längerer Recherche nichts zu Tage brachte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Offizier die Scheine für sich herstellen hat lassen, was man aber auch nicht ausschließen kann. Ich vermute eher, dass sie zu diesem bestimmten Zweck des Militärgeldes als Vorlagen, bzw. Entwurf gefertigt wurden. Vielleicht haben Sie andere Informationen zu dieser Person, bzw. den Scheinen oder irgend einer Theorie, was diese ominösen Scheine betrifft. Von einem Betrugsversuch gehe ich nicht aus, dafür war der Verkäufer zu Aufschlussreich und zu Seriös, so mein Empfinden. Es wäre schön, wenn wir in dieser Sache etwas Licht ins Dunkel bringen könnten. Ich verbleibe mit den besten Grüßen M. Hofmann Antwort der Redaktion: Wie Sie selbst schon in der Konversation mit dem Verkäufer angeführt haben, sind die Serien und bisher bekannten Nummernkreise für die Noten der Deutschen Notenbank aus dem Jahr 1955 bekannt, die 1980 zur Herstellung von Militärgeld der NVA verwendet wurden. Beim 10-Mark-Schein war das die Serie HG und beim Zwanziger die Serie EH. Sowohl Vorläufertypen, als auch Musternoten und endgültige Drucke waren alles Scheine mit diesen Serienbezeichnungen. Die von Ihnen erworbenen Scheine mit NVA-Stempel weichen davon ab. Ihr Zehner zeigt die Serie EN und der Zwanziger die Serie AD. Nun kann man deshalb nicht völlig ausschließen, dass es sich trotzdem um echte Militargeldscheine handelt, welchem Zweck sie auch dienten, was die zusätzlichen handschriftlichen Signaturen unterstreichen könnten. Kein Zweifel besteht sicher daran, dass es sich um echte Scheine handelt, fraglich ist aber die Echtheit der Abstempelung und Signatur. Eine Rückfrage bei einem bekannten Experten für DDR-Geld, der sich auch intensiv mit dem Militärgeld der NVA beschäftigt hat, ergab, dass er sich diese Serien und Kontrollnummern bereits in der Vergangenheit als Manipulationen notiert hatte, als die Scheine über ein bekanntes Online-Auktionshaus mit Militärgeld-Stempel aufgetaucht waren, damals allerdings wohl noch ohne die Handsignaturen. Er hätte sich bei dieser Besonderheit die Abbildungen sicher abgespeichert, beließ es aber bei einer Notiz ohne die Signatur zu erwähnen. Über dieses Auktionshaus wurden auch schon sog. "Repro-Stempel" angeboten, mit denen man Scheine selbst zu "Militärgeld" stempeln kann. Nun haben Sie die selben Scheine mit zusätzlichen Handsignaturen gekauft. Dass es sich um Stempel-Manipulationen handelt, erkennt man am Stempel selbst. Ihre Scheine wurde mit einem Handstempel versehen. Der Original-Handstempel weist besondere Eigenheiten auf, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, um Fälschern die Arbeit nicht noch zu erleichtern. Besondere Eigenheiten, die hier nicht gegeben sind. Die Stempel sind also höchstwahrscheinlich falsch. Als wir nicht zum ersten Mal auch in diesem Blog über die "Repro-Stempel" berichtet haben, kam wohl jemand auf die Idee mit den zusätzlichen Handsignaturen. So oder so ähnlich könnte es gewesen sein, vieles spricht dafür. Dass immer wieder auch Legenden "gestrickt" werden, um das eigentlich Unmögliche glaubhaft und deshalb zu einer besonderen Rarität zu machen, ist so alt wie der Betrug selbst. Es tut mir leid, dass es sich nach meiner Einschätzung um Manipulationen handelt. Vorläufertypen und Muster zum NVA-Militärgeld sind bekannt, wozu hätte es dann noch zusätzliche "Muster" mit der Unterschrift eines unbekannten Offiziers geben sollen? Natürlich hätte er als Offizier an einer Übung teilnehmen können, bei der solche Scheine verwendet wurden, wozu aber brauchte es seiner Signatur, zu mal die ebenfalls nicht echt zu sein scheint, wenn die Scheine vorher ohne diese angeboten wurden. Auch wenn jetzt noch mehr solche Scheine auftauchen sollten, ist das keineswegs ein Beweis für deren Echtheit. Den gäbe es nur, wenn entsprechende Dokumente aus DDR-Zeiten diese belegen könnten. Mit den besten Grüßen Hans-Ludwig Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: Konversionskassenschein über 40 Reichsmark von 1934
Objekttyp: Kassenschein Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Die deutschen Auslandsschulden waren während der Weimarer Republik enorm gestiegen, was nicht zuletzt mit den 1919 in Versailles festgesetzten Reparationsforderungen der Entente-Mächte zusammenhing, denen zum Teil auch die große Inflation geschuldet war. Am 29. Januar 1921 hatte der Oberste Rat der Alliierten im „Pariser Beschluss“ die Gesamthöhe der Wiedergutmachungen auf 226 Milliarden Goldmark festgelegt. Konversionskassenscheine waren eine staatliche Sofortmaßnahme der neuen nationalsozialistischen Regierung zur Devisenbewirtschaftung und dienten der Begleichung deutscher Schulden an ausländische Gläubiger. Nach Inkrafttreten des Gesetzes im zweiten Halbjahr 1933 erhielten diese 50% ihrer Forderungen in Devisen und den Rest in unverzinslichen Konversionskassenscheinen (Scrips). Die Devisenlage Deutschlands hatte sich aber Anfang 1934 weiter verschlechtert. Es kam zur Ausgabe der neuen Serie 1934, bei der die 1933er Scheine lediglich mit roten Rosetten „I“ und dem Jahr „1934“ überdruckt wurden. Nun erhielten ausländische Gläubiger nur noch 30% ihrer Forderungen in Devisen und 70% in Konversionskassenscheinen. Ab dem zweiten Halbjahr 1934 fand – ausgehend von der angespannten Devisenlage – keinerlei Bezahlung in Devisen an Gläubiger im Ausland mehr statt. Es wurden auch keine weiteren Schuldscheine der Konversionskasse ausgegeben. Die mit Perforationen "ENTWERTET" oder "WERTLOS" amtlich entwerteten Stücke gehörten zum „Reichsbankschatz“ aus dem Bestand der ehemaligen Staatsbank der DDR, der Mitte 2006 versteigert wurde. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Berlin Emittent: Konversionskasse für deutsche Auslandsschulden Nominal: 40 Reichsmark Datum: 28. August 1933 / 1934 Gültigkeit: Januar bis Juni 1934, Entwertung durch Perforation "WERTLOS" Vorderseite: Text und Guillochen, links roter Überdruck "I" und "1934" in Guillochen Rückseite: Text und Guillochen Format: 190 mm x 110 mm Material: Papier links braun eingefärbt, mit Wilcox-Fasereinlage Wasserzeichen: Eichenlaubstreifen Druck: Reichsdruckerei, Berlin Nummerierung: Serie A / Nr. 0515368 Authentizität: Original Zitate: DEU-235E2 (Grabowski: Deutsche Banknoten ab 1871) Ro./Gra. 711 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) GER-210 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues, not listed) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturhinweis: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Mehr lesen … Leseprobe
- Neuer Katalog: Das Papiergeld Ostbayerns
Manfred Dietl: Das Papiergeld Ostbayerns Das Notgeld im Gebiet der heutigen Landkreise Cham, Regen und Straubing-Bogen 223 Seiten, Format 21 cm x 29,7 cm, Broschur, Eigenverlag, Cham 2022 ISBN: ohne Preis: 30,00 Euro Eigentlich sollte es "nur" eine Übersicht zum Notgeld der Stadt Cham in der Oberpfalz werden, in der der Autor geboren wurde und zuhause ist, doch schon bald wurde diese auf den gesamten Landkreis erweitert und es dauerte auch nicht lange, bis zusätzlich zwei benachbarte Landkreise aus Niederbayern mit in die Arbeit einbezogen wurden. Solche Werke können nur entstehen, wenn sich engagierte Heimatsammler über viele Jahre akribisch um die Erforschung des Notgeldwesens ihrer Region bemühen. Entstanden ist zu guter letzt eine komplett farbig bebilderte Dokumentation der Papiergeldausgaben in drei Landkreisen Ostbayerns, die mit Einleitungen zu den verschiedenen Ausgaben nicht nur wichtige Hintergrundinformationen liefert und eine umfassende Beschreibung aller aktuell bekannten Emissionen und deren Varianten, sondern diese auch zusätzlich mit zahlreichen Abbildungen – auch der Varianten inkl. Detailabbildungen – belegt. Ganz bewusst hat der Autor dabei auf Katalogbewertungen verzichtet, weil die bei Notgeld oft großen Schwankungen unterliegen, berücksichtigt man den überschaubaren Kreis von Sammlern in einer Region. So kann eine neu bekannt gewordene Ausgabe hohe Preise erzielen, die sie später nicht mehr erreichen kann, wenn weitere Stücke auf den Markt kommen, aber die Nachfrage aus Sammlerkreisen kaum mehr vorhanden ist. Für den Regionalsammler geht es ohnehin nicht um den Erwerb von historischem Geld als neuzeitliche Wertanlage, das macht keinen echten Regionalsammler aus. Für ihn geht es um die Erforschung und Bewahrung der Geldgeschichte seiner Heimat. In diesem Sinne hat der Autor mit seiner Arbeit und Publikation einen wichtigen Beitrag für Ostbayern geleistet, der weitere Arbeiten zum Papiergeld in den ostbayerischen Stadt- und Landkreisen Deggendorf sowie Regensburg und zu den Notmünzen, Wertmarken und Medaillen im Gebiet des heutigen Landkreises Cham folgen sollen. Bemerkenswert ist, dass sich der Autor nicht auf die Ausgaben aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Inflation beschränkt hat (Notgeld aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind ihm in dieser Region nicht bekannt), sondern auch moderne Ausgaben von Regionalgeld und sogar Euro-Souvenirscheinen mit aufführt. Seine Arbeit erschien im Eigenverlag, was den Preis in Höhe von 30 Euro bei kleiner Auflage, den aktuellen Papierpreisen und durchgängig farbiger Bebilderung, doch als sehr moderat erscheinen lässt. Es wäre wünschenswert, wenn solch engagierten Sammlern und Autoren jede mögliche Unterstützung aus Sammlerkreisen zuteilwird. Interessenten am Kauf eines Buchs sowie Unterstützer der weiteren Erforschung des Papiergelds in Ostbayern, sei es durch melden bislang nicht dokumentierter Varianten oder durch die Bereitstellung von Abbildungen, wenden sich bitte direkt an den Autor über E-Mail: dietl.manfred@yahoo.de Hans-Ludwig Grabowski












