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- Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 17
Fortsetzungsreihe, Teil 33 Die Herstellungstechniken falscher Banknoten, Teil 5 Hochdruck Kommen wir zu den Hochdruckverfahren. Da wäre zunächst als klassischer Vertreter der Buchdruck. Er geht zurück auf das bereits von den Sumerern und Phöniziern benutzte sowie im 6. Jahrhundert von den Chinesen verfeinerte Abdrucken von aus Ton geformten oder in Holz geschnitzten Stempeln oder Tafeln. Als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen, damals aus Blei gegossenen Lettern gilt Johannes Gutenberg (eigentlich, nach seiner Mutter: Henne Gensfleisch vom Sorgenloch). Der Name dieses Druckverfahrens rührt daher, dass die Hauptaufgabe des Buchdrucks fast 500 Jahre lang die Herstellung von Büchern war. Es ist ebenfalls ein direktes Druckverfahren. Heute verwendet man zur Herstellung der erhabenen, druckenden Teile meist eine polymerbeschichtete Kunststoffplatte, auf die man das Fotonegativ mittels UV-Licht aufbringt, die Teile, die später drucken sollen, härtet und die nichtdruckenden Teile auswäscht oder ausätzt. Als Druckmaschine dienten früher einfache hand- oder fußkraftbetriebene Geräte, sog. Boston-Tiegel, während in den 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die motorbetriebenen Buchdruckmaschinen aufkamen. In Deutschland waren zum Beispiel die sogenannten Heidelberg-Tiegel der Firma Heidelberger Druckmaschinen AG sehr bekannt, von denen heute noch Exemplare in Gebrauch sind. Wie auch beim Offsetdruck mit einfachen Geräten müssen Fälscher, die eine Banknote originalgetreu kopieren wollen, einzelne Farbauszüge herstellen, also die Motive mit den Einzelfarben der Note ausfiltern, davon jeweils einen Druckstock herstellen und den zu bedruckenden Papierbogen mehrmals möglichst passgenau durch die Druckmaschine laufen lassen. Beim Buchdruck zeichnen sich besonders die die Zeichnung abschließenden Ränder deutlich ab, das heißt sie sehen oftmals „gequetscht“ aus. An kräftigen Zeichnungsteilen wirkt der Farbverlauf oft unruhig. Heute bei Fälschern kaum noch gebräuchlich, war bis weit in die 1950er Jahre hinein der Buchdruck ein häufiges Fälschungsverfahren, in den Fahndungsblättern der Notenbank oft auch mit „photomechanische Reproduktion“ beschrieben. Hier waren manuelle Korrekturen am Fotonegativ oder der schon fertig ausgewaschenen Druckplatte nicht selten und spiegelten sich dann im Druckergebnis wider. Bei echten Banknoten fluoreszieren unterschiedliche Bereiche bzw. Motive der Vorder- und Rückseite. Diese Uneinheitlichkeit der Fluoreszenzmerkmale bei den sieben Euro-Stückelungen wurde bei der Einführung 2002 verschiedentlich kritisiert, hat aber auch Vorteile, da sie Fälschern größere Probleme bei der Nachahmung bereiten. Ein Beispiel: Im Herbst 1950 stellte der 51-jährige Buchdrucker August F., bereits seit 1945 wegen der Fälschung von Lebensmittelmarken einschlägig bekannt, mittels eines Boston-Tiegels 2-DM-Scheine her. Die Druckstöcke bezog F. von einer Klischeeanstalt, wobei er zur Tarnung den Entwurf der Buchdruckplatten mit einer Randverzierung und einer Überschrift in Auftrag gab, sodass diese wie ein 2-DM-Gutschein aus einer Werbeanzeige erscheinen mussten. Der Inhaber der Klischeeanstalt schöpfte daher keinen Verdacht und lieferte die bestellten Platten an F. aus. Nachdem dieser die Verzierungen entfernt hatte, stellte er mehrere Serien 2-DM-Fälschungen her, wovon jedoch erst die dritte brauchbar ausgefallen war. Auf Wochenmärkten und in Lebensmittel- oder Tabakwarengeschäften gab er die insgesamt nur mäßig gelungenen Falsifikate aus, um echtes Wechselgeld zu erhalten. Der Fälscher begründete nach seiner Verhaftung seine illegale Tätigkeit damit, dass ihm die Möglichkeit der Beteiligung an einer Druckerei angeboten worden war, um wieder wie vor dem Krieg eine selbständige Tätigkeit ausüben zu können, er aber das hierzu notwendige Kapital nicht aufzubringen in der Lage war. Das Geld für die Anschaffung des gebrauchten Boston-Tiegels sowie der Buchdruckplatten, insgesamt 100 DM, hatte ihm ein Bekannter geliehen. Dieser hatte ihm auch eine Ecke in einer Lagerhalle zur Verfügung gestellt, wo F. seine Druckmaschine betrieb, ohne dass der meist auf Geschäftsreise befindliche Freund wusste, was in seinem Lagerschuppen vor sich ging. Falschgeld im Wert von 1,5 Millionen Mark stellte das Bayerische LKA im Januar 1994 auf einem Dachboden in Kempten sicher. Die 100-, 500- und 1000-DM-Banknoten waren auf einem Farbkopierer hergestellt worden. Stolz präsentiert Kriminalhauptkommissar Eduard Liedgens den außergewöhnlichen Fang, der auch gefälschte Euroscheckvordrucke enthielt. Foto: Süddt. Verlag Eine verfeinerte Art des Buchdrucks ist der indirekte Hochdruck, der – wie beim Offsetdruck – das Druckbild zunächst auf einen mit einem Gummituch bespannten Druckzylinder überträgt und erst von dort auf das Papier. Aufgrund der Elastizität des Gummituches kann der Anpressdruck gegenüber dem klassischen Buchdruck deutlich zurückgenommen werden, so dass sich ein insgesamt mit klareren Konturen versehenes, saubereres Druckbild ohne Quetschränder ergibt. Diese Variante wird Letterset genannt und häufig auch beim Briefmarkendruck angewendet. Er fand im Übrigen für die Untergrundmuster der letzten Serie der DM-Bundesbanknoten ebenso Verwendung wie er heute für den Untergrund der Euro-Noten genutzt wird. Auch hier wird der vergrößerte Entwurf des Graphikers sowie die maschinell auf speziellen Maschinen nach komplizierten mathematischen Regeln erzeugten Guillochen mittels einer Reproduktionskamera in ein Negativ in tatsächlicher Größe umgesetzt und erforderlichenfalls nochmals manuell überarbeitet. Danach werden in einer Kopiermaschine so viele Kopien, wie der spätere Druckbogen enthalten soll, erstellt und zusammengesetzt. Dieses Gesamt-Diapositiv wird in ein für die Herstellung der Druckplatte benötigtes Negativ umgesetzt. Das Negativ wird über der späteren Druckplatte, die aus einem lichtempfindlichen Kunststoff auf einer Metallträgerschicht besteht, angebracht und mit UV-Strahlen behandelt. Die Platte härtet so nur an den Stellen aus, an denen das Negativ lichtdurchlässig ist, also an den Stellen, die später drucken sollen. Der ungehärtete Teil wird ausgewaschen, so dass nur die gehärteten Teile erhalten bleiben. Dieses Klischee mit den erhabenen Teilen stellt die eigentliche Druckplatte dar. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Lexikon: Bunte Scheine
Im 19. Jahrhundert, in der Zeit der Reichsgründung 1871, hatten nicht nur die größeren deutschen Staaten wie Preußen und Bayern ihr eigenes Papiergeld sowie von privaten Banken ausgegebene Banknoten, auch die meisten der kleinen Staaten ließen Staatspapiergeld in Mengen herstellen, die über die Bedürfnisse des eigenen Landes hinausgingen und die Nachbarstaaten regelrecht überschwemmten. Beispiele: GK-52: Baden, Badische Bank, 10 Gulden vom 1. Dezember 1870, Vorderseite. GK-71: Bayern, Königlich Bayerische Staats-Schuldentilgungs-Commission, 5 Gulden vom 5. September 1866, Vorderseite. GK-144: Hessen, Großherzoglich hessische Staatsschuldentilgungskasse, 10 Gulden vom 1. Juli 1865, Vorderseite. GK-233: Nassau, Herzoglich nassauische Landesbank, 5 Gulden vom 24. Juli 1865, Vorderseite. GK-235: Oldenburg, Großherzoglich Oldenburgisches Staatsministerium, 5 Thaler vom 1. Januar 1869, Vorderseite. GK-311: Preußen, Haupt-Bank-Kasse, 10 Thaler vom 18. Juni 1867, Vorderseite. GK-463: Sachsen, Königlich Sächsisches Cassen-Billet, 5 Thaler vom 2. März 1867, Vorderseite. GK-642: Sachsen-Weimar-Eisenach, Großherzoglich Saechsische Kassen-Anweisung, 1 Thaler vom 22. Juni 1870, Vorderseite. GK-691: Württemberg, Königliche Staats-Haupt-Kasse, 10 Gulden vom 1. Januar 1858, Vorderseite. Vielfach erlaubten sie auch Notenbanken, denen sie großzügig Konzessionen erteilten, zusätzlich Banknoten auszugeben, deren Umlauf ebenfalls mehr auf die Nachbargebiete ausgerichtet war. Bei der Reichsgründung 1871 existierten allein 32 solcher Emissionsbanken. Die vielen Arten von Geldscheinen wurden oft "Bunte Scheine" genannt, womit man das Papiergelddurcheinander in Deutschland meinte. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Grabowski / Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Verlag: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-188-8 Auflage: 1. Auflage 2020 Abbildungen: durchgehend farbig Hardcover: 344 Seiten Format: 17 x 24 cm Preis: 69,00 Euro Zum Shop!
- Leserpost: Nordkorea-Geldscheine 1947
Nordkorea, 5 Won von 1947, Vorder- und Rückseite, Nachdruck. In Ihrem Online-Magazin beantworten Sie immer so interessante Fragen über ausgefallene Geldscheine. Bitte könnten Sie sich einmal meine beiden koreanischen Scheine von 1947 anschauen, die ich 1988 auf der Frankfurter Buchmesse an einem nordkoreanischen Stand für wenig Geld erworben habe, damals noch in DM. Laut dem Standardkatalog "World Paper Money" handelt es sich um die Chon- und Won-Scheine Nr. 5 bis 11. Nordkorea, 100 Won von 1947, Vorder- und Rückseite, Original. Ich schicke Ihnen den großen Hunderter und den kleineren zu 5 Won zur Ansicht, den ich trotz den englischen Erklärung im Katalog nicht richtig der Nr. 9 oder 10 zuordnen kann. Vielleicht kennen Sie jemanden, der das Koreanisch zu übersetzen vermag. Ich glaube nur das Bild des Land- und des Industriearbeiters deuten zu können, dass sie jetzt das neue koreanische "Paradies der Werktätigen" aufbauen. Die offizielle Proklamation eines eigenständigen Nordkoreas erfolgte aber doch erst 1948! Im voraus besten Dank, Ihr C. Merker Antwort der Redaktion Die Ausgaben für das 1948 selbständig gewordene Nordkorea von 1947 stammen aus der Zeit der sowjetischen Besetzung des Gebiets. 1945 kamen zuerst sowjetische Besatzungsausgaben des Hauptquartiers der Roten Armee in Umlauf. 1947 folgten dann die Scheine der Nordkoreanischen Zentralbank, von denen moderne Nachdrucke existieren Es ist eigentlich recht einfach die Nachdrucke von den Originalen zu unterscheiden, da diese auf weißem Papier ohne Wasserzeichen erfolgten, während die Originale auf sämischem (gelblichem) Papier mit Wasserzeichen gedruckt wurden. Für Ihre Scheine bedeutet das, dass der Fünfer ein Nachdruck ist, während es sich bei Ihrem Hunderter um ein Original handelt. Wenn Sie beide Scheine bereits 1988 bekommen haben, dann sind die Nachdrucke älter, als ich bisher angenommen hatte. Im deutschen Handel sind sie mir erst vor vielleicht zehn Jahren aufgefallen. Zum Vergleich möchte ich hier auch einen Nachdruck des Hunderters abbilden. Es gibt über das Papier nämlich auch noch recht deutliche Unterschiede in der Druckfarbe. Die Farben des Nachdrucks sind deutlich blasser als die des Originals! Nordkorea, 100 Won von 1947, Vorder- und Rückseite, Nachdruck. Wasserzeichen: Und so sieht das Wasserzeichen bei den Originalen in der Durchsicht aus! Ich möchte auch noch auf die zwei verschiedenen Ausführungen des 5-Won-Scheins eingehen. Wichtig ist der Bereich der Vorderseite im roten Kreis: NOK-9: 5 Won 1947, Vs. mit vier Linien zwischen den beiden koreanischen Buchstaben unterhalb der Porträts NOK-10: 5 Won 1947, Vs. mit acht Linien zwischen den beiden koreanischen Buchstaben unterhalb der Porträts (siehe Abb.) Bei Ihrem Schein handelt es sich also um den Nachdruck eines Fünfers (NOK-10) mit acht Linien zwischen den Buchstaben. Hans-Ludwig Grabowski
- Der "Reviziós-Pengö"
Im Vertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 musste Ungarn eine Mitschuld am Ersten Weltkrieg anerkennen und zwei Drittel seines Territoriums abgeben. Dem von Revolutionen durchgeschüttelten und wirtschaftlich völlig vom Westen abhängigen Nationalstaat Ungarn blieben knapp acht von einst 21 Millionen Einwohnern. Drei Millionen Ungarn wurden zu Minderheiten in den Nachbarländern, vor allem in den Regionen Siebenbürgen und im Banat. Wie die Deutschen den Vertrag von Versailles, so empfanden auch die Ungarn den Friedensvertrag von Trianon als Ungerechtigkeit und Schmach. 0.1: Die Grenzen Österreichs und Ungarns vor und nach dem Ersten Weltkrieg Im Sommer 1921 gründete die ungarische Regierung das Zentrum für die Organisation sozialer Vereine, dessen Aufgabe es war, sich um die in den neu gebildeten Nachbarländern zurückgebliebenen ungarischen Minderheiten zu kümmern und mit Hilfe einer Anti-Trianon-Propaganda eine Revision des Vertrags zu erreichen. Doch das Büro wurde seinen Erwartungen nicht gerecht. Im Juni 1927 war in der "Daily Mail" ein viel beachteter Artikel zu lesen. In ihm kritisierte der britische Lord Rothermere den Vertrag von Trianon und schlug vor, die überwiegend von Ungarn bewohnten Grenzgebiete wieder an Ungarn anzuschließen. In den nächsten Tagen begannen in Ungarn lebhafte Aktivitäten unter den Anti-Trianon-Organisationen, da erwartet wurde, dass eine neue Ära in der ungarischen Revisionspropaganda beginnen würde. Schnell wurde klar, dass die neue „halboffizielle“ außenpolitische Propaganda unter der Schirmherrschaft einer neu zu gründenden Organisation erfolgen müsse. Am 27. Juli 1927 wurde die „Magyar Reviziós Liga“ (Ungarischer Revisionsbund) ins Leben gerufen. Präsident der Liga wurde Ferenc Herczeg [* 22. September 1863 in Versec, Kaiserreich Österreich; † 24. Februar 1954 in Budapest, Volksrepublik Ungarn). Der deutschstämmige Herczeg wurde als Franz Herzog geboren und arbeitete als Schriftsteller, Dramatiker, Journalist und Politiker. In seinen Schriften förderte er die konservative, nationalistische Meinung in Ungarn und war eine der Leitfiguren des ungarischen, literarischen Konservatismus. Er war Mitglied und Vizepräsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) und Nobelpreiskandidat in den Jahren 1926 und 1927. Vizepräsident der Liga wurde der Kleinbauernführer und Abgeordnete Tibor Eckhardt (1888–1972). Der Ungarische Revisionsbund sah sich als Dachverband, dessen Hauptaufgabe es war, die Irredenta-Aktivitäten[1] zu koordinieren und die Weltöffentlichkeit, vor allem in Großbritannien, der damals weltweit führenden Großmacht, auf die Ungerechtigkeit des Trianon-Friedens aufmerksam zu machen und so eine Revision des Vertrags zu erreichen. Die Liga rief daher alle Verbände, Organisationen und Gesellschaften zum Beitritt auf, um zu zeigen, dass die ungarische Nation in der Frage der Revision vereint ist. Bereits 1929 überstieg die Zahl der Mitgliedsverbände 500. Abb. 1.1: 1 Pengö der Magyar Reviziós Liga, 1930, Vorderseite. Abb. 1.2: 1 Pengö der Magyar Reviziós Liga, 1930, Rückseite. Auch Einzelpersonen konnten dem Bund beitreten. Dazu mussten sie nur den 1930 ausgegebenen sog. "Reviziós Pengő" erwerben. 1930 hatte die Liga zwei Millionen Mitglieder. Der 156 mm x 82 mm große Schein zeigt auf der rechten Seite in einem Oval das Porträt des Präsidenten der Liga, den beliebten Romancier Herczeg, und auf der linken Seite ein Wappen. Übersetzt lautet der Text des Scheines: Revisionistische Pengö. Die Ungarische Revisionistische Liga bescheinigt, dass Herr ............... einen Pengö für die ungarische revisionistische Bewegung geleistet hat. Dieser Schein dient als Mitgliedsausweis der Ungarischen Revisionsliga. Budapest. 1930. Es folgen drei Unterschriften. In der Mitte unterzeichnete Ferenc Herczeg. Am unteren Rand und auf Rückseite rot aufgestempelt: Quittung für 1932. Im Laufe des Jahres 1941 trieb Ungarn allmählich in den Krieg hinein, und seine diplomatischen Beziehungen zu den angelsächsischen Mächten wurden abgebrochen. Anfang 1944 erreichten die Revisionsliga zunehmend alarmierende Nachrichten. Ungarn wurde 1944 von deutschen Truppen besetzt. Das Büro der Liga in der Zrínyi-Straße wurde mehrmals durchsucht. Obwohl keine Mitarbeiter festgenommen wurden, löste sich die ungarische Revisionsliga bald auf. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Der Irredentismus versucht territoriale Ansprüche auf der Grundlage historischer und/oder ethnischer Zugehörigkeit (real oder eingebildet) zu rechtfertigen. Nationalistische und revisionistische Bewegungen untermauern damit ihr Vorgehen, die verlorene Heimat zurückzuerobern.
- Die Regiefranken der Régie des Chemins de Fer des Territoires Occupés 1923/24
Am 11. Januar 1923 marschierte französisches und belgisches Militär in das Ruhrgebiet ein, um Kohle und Koks zu „pfänden“. Als Vorwand dienten geringe Lieferrückstände bei den Reparationsleistungen. Die Reichsregierung antwortete hierauf, indem sie die Bevölkerung des Ruhrgebiets zum passiven Widerstand aufrief. Alle Bediensteten der Reichsbahn erhielten am 19. Januar die Anweisung, keine Transporte von Reparationskohle nach Frankreich und Belgien abzufertigen. Am 30. Januar wurde das Verbot auch auf die altbesetzten Gebiete ausgeweitet. Dadurch kam der Eisenbahnverkehr im Laufe des Februars auch in den linksrheinischen Teilen der Rheinprovinz und Anfang März schließlich auch in der Pfalz nahezu völlig zum Erliegen. Auch die Reichsbahndirektionen in den besetzten Gebieten wurden ins unbesetzte Gebiet verlegt: Ludwigshafen nach Mannheim, Mainz nach Darmstadt, Trier nach Gießen und Essen nach Hamm in Westfalen. „Unter diesen Umständen bereiteten die französischen und belgischen Feldeisenbahner ab dem 1. März 1923 die Aufnahme eines provisorischen Eisenbahnverkehrs auf den wichtigsten Strecken der besetzten Gebiete vor. … Am 10. März 1923 wurden der Unterdirektor der französischen Staatseisenbahn, Breaud, zum Direktor sowie der leitende Ingenieur der belgischen Staatseisenbahn, Berger, sowie der Vizedirektor der Betriebswirtschaftsabteilung der französischen Staatseisenbahn, Frant, zu beigeordneten Direktoren einer Regie der Eisenbahnen in den besetzten Gebieten (Régie des chemins de fer des territoires occupés) ernannt.“[1] Der Sitz der Regieverwaltung war ab 19. März 1923 zunächst in Düsseldorf und ab 8. April in Mainz. Im Regie-Gebiet wurden sechs Eisenbahndirektionen eingerichtet: Ludwigshafen, Mainz, Trier, Aachen, Düsseldorf und Essen. Wegen der Arbeitsverweigerung der meisten deutschen Eisenbahner wurden etwa 13.000 französische sowie 2.600 belgische Eisenbahner rekrutiert. Hinzu kamen ca. 3000 französische und belgische Hilfskräfte und rund 7000 deutsche Kollaborateure. Die von der Regiebahn requirierten Strecken variierten je nach Bedarf der Pfänder-Verwaltung und betrugen Ende September 1923 bei den Hauptbahnen knapp 2800 km und bei den Nebenbahnen 1200 km. 1300 Gleis-Kilometer lagen still. Diese 5300 km entsprachen etwa einem Zehntel des reichsweiten Streckennetzes. Wurde die Regiebahn von der deutschen Bevölkerung zunächst gemieden, so änderte sich dies, je länger der passive Widerstand dauerte. Die Zahl der Reisenden betrug Ende April 1923 nur 581.000, stieg aber im August 1923 auf 3,2 Mio. an. Die katastrophale wirtschaftliche Situation zwang die deutsche Regierung unter Gustav Stresemann dazu, einzulenken und den Ruhrkampf am 26. September 1923 abzubrechen. Angesichts der galoppierenden deutschen Inflation stand die französische Militärverwaltung im besetzten Gebiet vor einem ähnlichen Währungsproblem wie die Reichsregierung im übrigen Reich. „Durch Verordnung vom 19. Oktober 1923 wurde die französische Regieverwaltung der besetzten Eisenbahn ermächtigt, sogenannte Beförderungsgutscheine auszugeben, die auf französische Franken lauteten.“[2] Am 20. Oktober veröffentlichte die französische Nachrichtenagentur Havas eine Ordonnanz der Internationalen Rheinlandkommission, die in der Berliner Börsen-Zeitung Nr. 490 vom 21. Oktober 1923 in einer Übersetzung veröffentlicht wurde: Abb.1: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 490 vom 21. Oktober 1923, Morgenausgabe Zur Ausgabe gelangten zehn undatierte Geldscheine: 0,05; 0,10; 0,25; 0,50; 1; 5; 10; 20; 50 und 100 Francs. Abgesehen von Größe und farblicher Gestaltung ist ihre Gestaltung gleich. Nur das Papier der Scheine zu 50 und 100 Francs weist die Abkürzung „RCFTO“ für Régie des Chemins de Fer des Territoires Occupés als Wasserzeichen auf. Die Vorderseite der Transportbons wird von einem Rahmen aus Weintraubendolden und Weinblättern begrenzt; in den Ecken „T“ bzw. „O“, im oberen Rahmen mittig die Darstellung einer Dampflokomotive; darunter innerhalb des eingerahmten Feldes in einem Schriftband zweizeilig „RÉGIE DES CHEMINS DE FER / DES TERRITOIRES OCCUPÉS“, darunter „BON POUR“ und die Wertangabe. Rechts von der Wertangabe eingerahmt ist der sechszeilige Text „GÜLTIG / ZUR ZAHLUNG / ALLER AN DIE / EISENBAHNEN / GESCHULDETEN / BETRAGE“ zu lesen, entsprechend links in französischer Sprache. Im unteren Feld befinden sich die beiden Unterschriften, rechts die des Direktors Bréaud und links die des Leiters der Buchhaltung; unter dem Rahmen in der Mitte der Hinweis auf die Druckerei: „Imp. PAUL DUPONT. Paris“. In der Mitte des Scheines zeigt der Unterdruck in einem Kreis die Burg Sooneck: Sie steht auf dem nordöstlichen Steilhang des Binger Walds unweit von Niederheimbach zwischen Bingen und Bacharach am Rhein. Serienbuchstabe und -ziffer(n) befinden sich links unterhalb des oberen Rahmens sowie rechts eine sechsstellige Kennziffer, die in der Mitte durch ein Komma geteilt ist. Beide in schwarzem Druck. Die Rückseite wird ebenfalls durch den entsprechenden Rahmen eingefasst. Allerdings fehlen hier die vier Buchstaben in den Ecken. Innerhalb des Rahmens liegt in der rechten unteren Ecke mit aufrechtem Oberkörper und einem Füllhorn in der Hand „Vater Rhein“. In einem Kreis in der linken oberen Ecke wird die Wertangabe angegeben. Rechts davon befindet sich jeweils vierzeilig die Strafandrohung in französischer und deutscher Sprache: „WER GUTSCHEINE NACHMACHT ODER NACHGEMACHTE IN VERKEHR BRINGT / WIRD MIT DER VON DER HOHEN INTERALLIIERTEN RHEINLANDKOMMISSION / VERHANGTEN STRAFE BELEGT“. Auf dem unteren Rand unterhalb des Rahmens befindet sich links die Angabe des Entwerfers („R. VERGNOT DEL.“) und rechts der Name des Graveurs der Druckplatte („E. De Ruaz sculp.“). Die gesamte Rückseite zeigt im Unterdruck eine Ansicht der Stadt Mainz vom Rhein betrachtet. Abb. 2.1 und 2.2: 0,05 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 2.3: Musternote mit B.21, 0,05 fr., Vorderseite Abb. 3.1 und 3.2: 0,10 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 4.1 und 4.2: 0,25 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 5.1 und 5.2: 0,50 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 6.1 und 6.2: 1 fr., Vorder- und Rückseite Abb. 7.1 und 7.2: 5 frs., Vorder- und Rückseite Abb. 8.1 und 8.2: 10 frs., Vorder- und Rückseite Abb. 9.1 und 9.2: 20 frs., Vorder- und Rückseite Abb. 10.1 und 10.2: 50 frs., Vorder- und Rückseite Quelle: URL:http://multicollec.net/3-bi-h2/3h230 (11.05.2020) Abb. 11.1 und 11.2: 100 frs., Vorder- und Rückseite Quelle: URL:http://multicollec.net/3-bi-h2/3h230 (11.05.2020) Am 24. Oktober 1923 verhandelte die Bezirksleitung Essen des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes mit General Degoutte über Fragen der Arbeitsaufnahme, Besteuerung der Industrieprodukte, Wirtschaftsausschüsse und Ausweisungen. Unter Punkt V. kam man auch auf die Einführung der Frankenwährung bei der Regiebahn zu sprechen.[3] Die Gewerkschaftsvertreter bemängelten, dass „lt. Verfügung der Besatzungsbehörde .. ab 24. d. Ms. nur französisches Geld an den Bahnhöfen in Zahlung genommen [würde]. Die Reisenden, besonders auch die Arbeiter, die Arbeiterzüge benutzen, sind nun gezwungen, sich erst Franken zu beschaffen, die sie mangels genügender Wechselstuben bei den vor den Bahnhöfen stehenden Schiebern einkaufen können. Das ist ein großer Mißstand, daß zur Zeit der Not auch noch diese Gesellschaft die Massen auswuchert.“ Der General teilte die Ansichten der Gewerkschaftsvertreter, und dass sich hier etwas ändern müsse. Er erklärte: „Die Regie hat auch bereits ein Notgeld vorgesehen, das in den nächsten Tagen zur Ausgabe gelangt, ist also ein wertbeständiges Zahlungsmittel, daß die Regie jederzeit in Zahlung nimmt.“ Die Transportbons gelangten ab 11. November 1923 in Umlauf.[4] Sie konnten mit französischen oder anderen Devisen erworben werden und zunächst nur zu einem beschränkten Teil durch Papiermark. „Diese Einschränkung ist nach der Stabilisierung der Papiermark trotz gelegentlich anderslautenden Pressemitteilungen in den ersten Dezembertagen wieder aufgehoben worden, da die Papiermark seitdem keine Kursverluste mehr erlitt.“[5] Schacht bemerkt, dass „der Verkehr … die Regiefranken in derselben Weise auf[nahm] wie die französischen Franken, und sie bürgerten sich in den Zahlungsumlauf des kleinen Verkehrs ein in weit höherem Umfange, als die eigentliche Verwendbarkeit in ihrer Beschränkung als Eisenbahnzahlungsmittel gestattet hätte.“[6] Nach Unterzeichnung des Londoner Abkommens vom August 1924 und dem Inkrafttreten des Dawes-Plans am 1. September 1924 entfiel der Grund für den Regiebetrieb und am 15. November 1924 wurden die Eisenbahnen wieder an die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft übergeben. Damit verloren auch die Transportbons ihre Existenzberechtigung. Nach einem Abkommen zwischen der Deutschen Reichsbahn und der französischen Régie wurden die Bons im Wert von bis zu 5 Francs in der Zeit vom 24. November bis 15. Dezember 1924 von den Kassen der Reichsbahn sowie die höheren Werte vom Abwicklungsdienst der Régie selbst eingelöst, und zwar zu dem von der Interalliierten Rheinlandkommission festgesetzten Kurs von 4,4488 Francs für eine Reichsmark.[7] Eigentlich wäre ich hier am Ende meiner Betrachtungen über die Regiefranken, wenn nicht am 9. Mai 1924 die badische Polizei in Ludwigshafen einen Dienstmann verhaftet hätte, der gefälschte Regiefranken umzutauschen versuchte.[8] Die Beamten konnten nicht ahnen, dass sie mit ihrer Festnahme in ein Wespennest stachen und die sogenannte „Regiefrankenaffäre“ auslösten. Es war klar, dass dieser einfache Arbeiter nicht der Urheber der Fälschungen war. Zu professionell war ihre Ausführung, als dass sie dem normalen Publikum aufgefallen wären. Erst bei genauerer Betrachtung fallen die kleinen Unterschiede auf. Die Farben sind bei der Fälschung weniger leuchtend, die Schrift ein wenig verschwommen. Bei der Dampflokomotive fehlt die Rauchfahne und Vater Rhein blickt grimmiger. Das Papier hat einen leicht anderen Farbton. Abb. 12.1 und 12.2: Fälschung, 20 frs., Vorder- und Rückseite Bei den Ermittlungen stieß man auf den Zahnarzt Dr. Hermann Eberlein. Gleichzeitig gelangte die „Pfalzzentrale“ in den Fokus der Untersuchungen. Sie unterstützte nicht nur den passiven Widerstand gegen die französische Besatzung, sondern schmuggelte wiederholt Waffen, Munition und Sprengstoff in die Pfalz, mit denen Sabotageakte durchgeführt und im Kampf gegen die Separatisten eingesetzt wurden. Leiter der Organisation war der Vater des Zahnarztes, Hauptmann d. R. Dr. August Ritter von Eberlein (1877 – 1949), ehemals Direktor der höheren Mädchenschule Pirmasens. Die Organisation ging aus der „Bayerischen Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten“ hervor. Ihr Gründer war der am 31. Mai 1919 wegen seines Widerstands gegen die französische Pfalzpolitik ausgewiesene Speyerer Regierungspräsident Theodor von Winterstein (1861 – 1945). Die Zentralstelle hatte ihren Sitz in Mannheim und verfügte als Propaganda-, Nachrichten- und Auskunftsdienst über ein dichtes Netz von Informanten in den pfälzischen Behörden sowie über einen geheimen Kurierdienst in der Pfalz. Die Arbeit der Zentralstelle wurde parteiübergreifend durch einen Aktionsausschuss aus Vertretern der SPD, BVP, DVP und DDP sowie Repräsentanten der pfälzischen Wirtschaft unterstützt. Die notwendigen finanziellen Mittel stellten das Reich und die bayerische Staatsregierung zur Verfügung. Der Sitz wurde im März 1921 nach Heidelberg verlegt und der Name in „Zentralfürsorgestelle für das besetzte Gebiet“ umbenannt. Auf Betreiben der Alliierten wurde die Organisation am 1. Oktober 1921 offiziell aufgelöst. Insgeheim bestand sie jedoch in der Firma „August Müller Nachf., Kommissionshandlung für Lebensmittel, insbesondere Kartoffeln“ in Mannheim weiter und arbeitete später als „Haupthilfsstelle für die Pfalz“ – kurz „Pfalzzentrale“ genannt – in Heidelberg.[9] Nach der Aufdeckung ihrer fragwürdigen Aktivitäten und der Verwicklung in die Falschgeldaffäre schloss der badische Innenminister Adam Remmele (1877 – 1951), gestützt auf einen Kabinettsbeschluss, in den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1924 die Pfalzzentrale. Dr. Hermann Eberlein, der in Reutlingen als Assistenzarzt tätig war, fand milde Richter. Ein Heidelberger Schöffengericht verurteilte ihn wegen Urkundenfälschung und Gebrauchs gefälschter Urkunden lediglich zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Christoph Steegmans, Die finanziellen Folgen der Rheinland- und Ruhrbesetzung 1918 – 1930, Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Nr. 89, hrsg. v. Jürgen Schneider, Markus A. Denzel, Rainer Gömmel, Ulrich Kluge, John Komlos, Stuttgart 1999, S. 265 f. [2] Hjalmar Schacht, Die Stabilisierung der Mark, Berlin und Leipzig 1927, S. 98. [3] Nr. 176, Verhandlungen der Bezirksleitung Essen des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes mit General Degoutte im Stahlhof zu Düsseldorf am 24. Oktober 1923, 18.30 Uhr, URL: https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/str/str2p/kap1_1/para2_63.html (11.05.2020). [4] Rudolf Wilhelmy, Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/24, Diss. Freie Universität Berlin 1962, S. 129. Auf der französischen Internetseite URL: (11.05.2020) wird als erster Ausgabetag der 1. November 1923 genannt. [5] Rudolf Wilhelmy, S. 129. [6] Hjalmar Schacht, S. 98. [7] S. Rudolf Wilhelmy, S. 130. [8] Helmut Gembries, Regiefranken, 1923/24, publiziert am 16.04.2007; in: Historische Lexikon Bayerns. URL: (11.05.2020). [9] S. Helmut Gembries, Bayerische Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten, 1919-1924, publiziert am 03.07.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: (12.05.2020).
- Leserpost: Unbekannte Herkunft der Banknote
Guten Tag. Entschuldigen Sie die Störung! Mein Name ist Alexej! Ich sammle Banknoten des Dritten Reiches. Ich habe eine Banknote in der Sammlung, über die ich keine Informationen finden kann. Kannst du es mir bitte sagen? A. Radschneko Antwort der Redaktion Bei Ihrem Schein handelt es sich um keine Banknote, sondern um Lagergeld aus dem Konzentrationslager Buchenwald, Außenkommando Rottleberode über 50 Reichspfennig ohne Datum (1944). Ausgegeben wurden die Wertmarken auf der Grundlage der Prämienvorschrift der SS vom 15. Mai 1943 sowie dem Nachtrag vom 14.2.1944 zur Gewährung von Prämien und Vergünstigungen für Häftlinge im Arbeitseinsatz. Sie finden eine umfassende Beschreibung zum Geld in Konzentrationslagern und Gettos in meinem Buch „Das Geld des Terrors“ und Ihren Schein dort unter Bu 17b katalogisiert. https://www.battenberg-gietl.de/sammeln/buch/das-geld-des-terrors Die Scheine des Außenkommandos Rottleberode kommen heute noch vergleichsweise häufig vor. Hans-Ludwig Grabowski
- Der "Mann mit Kind" macht Karriere ohne Kind
Der vielbeschäftigte Schweizer Grafikdesigner Hermann Eidenbenz (1902–1993) entwarf in Deutschland und der Schweiz eine Reihe von bekannten Werbeplakaten, Briefmarken und Banknoten, darunter auch den braunen 50-DM-Schein mit dem bekannten Männerporträt mit Pelzbarett, erstveröffentlicht am 18. Juni 1962 mit der „Gemäldeserie“ (BBk I – I a). Diese Serie wurde erst 1989 durch die sog. „Persönlichkeitsserie“ (BBk III) abgelöst. Zwischenzeitliche Änderungen ergaben sich z.B. durch die wechselnden Unterschriften der Bundesbankpräsidenten und ihrer Vize von Blessing bis Schlesinger sowie die Änderung der Strafandrohung für Fälscher von Zuchthaus zu Freiheitsstrafe 1970 und die Einführung eines Copyrights auf der Rückseite 1980. Bild 1: „Mann mit Kind“, Ausschnitt Frankfurt/Main Städelmuseum, vermutlich Hans Urmiller mit Sohn, porträtiert ca. 1525 von Barthel Beham aus Nürnberg. Bild 2: BRD-9a, Ro/Gra-265a/ GFR-21, Vorderseite. Im Jahre 1958 waren ein halbes Dutzend renommierter Grafiker, dazu noch die Bundesdruckerei sowie Giesecke & Devrient, damit beschäftigt, Vorentwürfe für sieben neue Nominalwerte anzufertigen. Man hatte sich nämlich seitens der Bundesbank, welche 1957 aus der Bank Deutscher Länder hervorgegangen war (vgl. BGBl. v. 30. Juli 1957) für die neuen Banknoten der durch die alliierte Ratifizierung der Pariser Verträge 1955 endlich souveränen Bundesrepublik Deutschland auf die traditionelle Stückelung 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 geeinigt. Auch die Farbgebung sollte vertrauten Vorbildern folgen. Bis auf die vorgegebenen Kopfbilder blieben die Künstler frei in ihrem Schaffen, insbesondere auch in der Gestaltung des Rectos, also der Rückseite. Der Deutschen Bundesbank lagen 1959 dann 140 Vorentwürfe für die Vorder- und Rückseiten vor, die der damalige Bundespräsident Theodor Heuss (1884–1963) alle persönlich begutachtete. Er war mit der Entscheidung für die Entwürfe von Hermann Eidenbenz einverstanden, regte aber einige Änderungen bei den Rückseiten an. So kam das Lübecker Holstentor auf die Rückseite des Fünfzigers. In der Bundesdruckerei wurde der Entwurf von Eidenbenz von den Stechern Egon Falz (1932–2010) und Hans-Joachim Fuchs in ein Stahloriginal zur Herstellung einer Druckplatte umgesetzt. Bild 3: DEU-88, Ro/Gra-77/ GER-78, 5000 Mark vom 19.11.1922, Vorderseite. Bild 4: DEU-98, Ro/Gra-86/ GER-87, 5000 Mark vom 15.3.1923, nicht ausgegeben, Vorderseite. Bild 5: DEU-146b, Ro/Gra-121b/ GER-124, Vorderseite mit Üderdruck zu 500 Milliarden Mark. Mit dem gespiegelten Kopfbild hielten die Deutschen dann 1962 zum vierten Male eine Banknote mit dem Kopf des Mannes in Braun in Händen, wobei die Reichsbanknote über 5000 Mark ohne Überdruck vom 15. März 1923 nur durch wenige Hände ging, da sie nicht zur Ausgabe kam (DEU-98) und dementsprechend gesucht bei Sammlern ist. Leichter erhältlich dagegen ist der große 5000-Mark-Geldschein aus der Reichsdruckerei vom 19. November 1922 (DEU-88) und das Überdruckprovisorium über 500 Milliarden Mark als Firmen – und Reichsdruck auf dem vorgenannten Schein vom 15.3.1923. Über diesen speziellen Schein schrieb Hans-Ludwig Grabowski einen ausführlichen Artikel im Projekt „Zeugnisse der Geschichte“, siehe: https://www.geldscheine-online.com/post/zeugnisse-der-geschichte-%C3%BCberdruckprovisorium-zu-500-milliarden-auf-5000-mark-vom-15-m%C3%A4rz-1923. Christian Merker Abb. Gemälde: Städelmuseum, Frankfurt am Main. Geldscheine: Battenberg Gietl Verlag
- Wer war Táng Shíyì?
In den letzten Jahren ist es gleich mehrfach vorgekommen, dass man mir einen Scan des hier abgebildeten Scheins (Abb.1) zugesandt und gefragt hat: „Was für ein Geldschein ist das und wo ist er katalogisiert?“ Gerade erreichte mich wieder eine solche Anfrage aus der Ukraine, und zwar von Buchautor M. Istomin. Er hat das Buch „Russian Related Currency Notes in China“ geschrieben. Abb.1: Ortsangabe Hongkong Nun, der Schein sieht zwar wie ein Geldschein aus, ist aber gar keiner! Denn in der Mitte stehen drei senkrecht angeordnete Zeichen: 验真券, das kann wörtlich mit „Authentifizierungsschein“ übersetzt werden, oder mit Echtheitsnachweis. Wie der Titel der „Note“ zeigt, wurde der Schein von einer pharmazeutischen Fabrik namens 唐拾義藥廠 ausgegeben. Die drei ersten Zeichen 唐拾義 (Táng Shíyì) geben den Namen des Gründers dieser Forma an. Das Porträt auf dem Schein stellt ihn auch dar. Als Ortsangabe findet sich Hongkong. Táng Shíyì wurde 1874 in Sānshuǐ (三水) geboren und starb 1939 in Shànghǎi. Er studierte westliche Medizin am Bójì Hospital in Guangzhou (廣州博濟醫院). 1919 ging er nach Shànghǎi, um hier ein Krankenhaus zu errichten. Er gründete die nach ihm benannte pharmazeutische Fabrik, zunächst in Shànghǎi und Guǎngzhōu (Canton). Später gab es Niederlassungen in Tiānjīn, Hànkǒu und Hongkong. Entsprechend gab es den oben gezeigten Schein auch mit der Ortsangabe Shànghǎi (Abb.2). Abb.2: Ortsangabe Shànghǎi Die Pharmafabrik stellte westliche Patentmedizin her. Táng Shíyì entwickelte die sog. „Táng Shíyì Faleng Pille“, ein sehr wirksames Medikament gegen Malaria, das in ganz Südostasien verkauft wurde. Er erfand Hustentabletten und Mittel zur Schmerzlinderung. Schließlich stellte er die erste medizinische Zahnpasta (二友牙膏) in China her. Táng öffnete in vielen Großstädten eigene Apotheken, die hauptsächlich von ihm hergestellte Medikamente verkauften. Abb. 3 zeigt seine Apotheke in Shanghai. Oben findet man in riesigen Zeichen seinen Namen: 唐拾義. Abb3: Tángs Apotheke in Shanghai / Abb.4: Tángs Logo Táng legte großen Wert auf Werbung. In allen Zeitungen und auf Plakaten warb er für seine Medizin. Er entwarf auch ein Logo für seine Produkte. Hier nennt er sich – nach Art der kantonesischen Aussprache – Tong Shap Yee. Auch die beiden oben abgebildeten Scheine dienten der Werbung! Immer, wenn jemand etwas von Tángs Firma kaufte, erhielt er einen solchen Schein. Wenn man eine bestimmte Anzahl davon hatte, konnte man sie vorlegen und erhielt ein Geschenk. Táng Shíyì trat auch als Mäzen auf. So gründete er eine Art Gymnasium, dessen Schüler brauchten bei Bedürftigkeit keine Schulgebühren zu zahlen und wurden, wenn geeignet, nach der Abschlussprüfung auf die Universität geschickt. Seine Unternehmungen machten Táng zu einem sehr reichen Mann. Er kaufte zahlreiche Immobilien und investierte in Restaurants und Hotels. Er hatte drei Söhne, die (teils in Frankreich) Medizin bzw. Pharmazie studierten. Erwin Beyer Abbildungsnachweis: Abb.1: Mikhael Istomin Abb.2: ehemalige Sammlung Beyer Abb.3 und 4: chinesisches Wikipedia (lizenzfrei)
- Die Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht" geht weiter
Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte mich auf diesem Weg nochmals herzlich bei allen Menschen bedanken, die so großzügig mit einer Sachspende unterstützt haben. Nicht in allen Fällen ist es gelungen, im Nachhinein nochmal persönlich Kontakt aufzunehmen. Daher an dieser Stelle ein DANKE!!!!. Langsam spricht es sich herum und die Kollegen gewinnen zunehmend Interesse an der Aktion. Leider bremst uns Corona mit den Folgen wie Wechselunterricht und hohem Nachholbedarf in den Hauptfächern noch immer aus. Ich bin zuversichtlich, dass ich Ihnen im kommenden Schuljahr mehr Feedback von der Aktion liefern kann, wenn alles wieder in „normalen“ Bahnen läuft. Trotzdem möchte ich Ihnen kleinere Fortschritte nicht vorenthalten. Mit einer neu gebildeten Arbeitsgruppe machte ich mich in der vergangenen Woche daran, Spenden zu sortieren und für den Einsatz an verschiedenen Schulen vorzubereiten. Es bereitete den Schülern sichtlich Spaß, sich mit den Banknoten zu beschäftigen. Einige Bilder habe ich Ihnen hier beigefügt. Wir planen nun eine kleine Wanderausstellung, die von Schule zu Schule gereicht, einen Eindruck von der Rolle von Zahlungsmitteln in der Geschichte vermitteln kann. Ohne mich jetzt zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, kann ich verkünden, dass bereits zwei Nachwuchssammler gefunden wurden, die ihre neu angelegten Alben nun mit Banknoten von mir und Fundstücken aus dem Familienkreis zu füllen beginnen. Allein dafür (ich bleibe am Ball um die Zahl zu steigern) hat sich alles gelohnt! Außerdem kann ich berichten, dass es zwei weitere Schule gibt, die jetzt auch Banknoten im Unterricht einsetzen. Das ist die Edith-Stein-Schule in Darmstadt und die staatliche Regelschule in Treffurt. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen, einschränkungsarmen Sommer und freue mich darauf, Ihnen bald wieder Neuigkeiten mitteilen zu dürfen. Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Timo Kiel Hier geht es zur Info-Seite zur Aktion "Geldscheine im Geschichtsunterricht"! Hier finden Sie alle Blogbeiträge zum Thema!
- Usbekistan: Neue 2.000- und 20.000-So'm-Noten
Am 14. Juni 2021 wird die Nationalbank der Republik Usbekistan neue Noten zu 2.000 und 20.000 So'm in Umlauf bringen. Der Zweitausender zeigt auf der Vorderseite den Ark von Buxoro und die Umrisskarte von Usbekistan sowie die Ruine der antiken sogdischen Oase Wrachscha und Keramikartefakte auf der Rückseite. Die Motive der 20.000-So'm-Scheine sind das Jonbox-qal'a-Monument und Keramiken. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Wanderndes Klischee beim "Tirolerschein" II
Der vielbeschäftigte Liechtensteiner Grafiker Josef Seger (1908 – 1998) entwarf eine Reihe von bekannten Briefmarken und Banknoten, darunter auch den sog. „Tirolerschein“ mit seiner wechselvollen Geschichte. Die Österreicherin mit Edelweiß und die Rückseite mit dem Gosausee des nicht verausgabten 100-Schilling-Scheins von 1936 tauchen auf der erst 1945 zur Ausgabe gekommenen 20-Reichsmark-Banknote vom 16. Juni 1939 auf. Das Kriegsende sollte nicht das Ende der Banknote werden und auch nicht die Währungsreform 1948. Bild 1 a/b (SBZ-7): Kuponausgabe des "Tirolerscheins" von 1948, Vorder- und Rückseite. Als Reaktion auf die in einem Überraschungscoup in der "Trizone" (Us-amerikanische, britische und französische Besatzungszone) durchgeführte westliche Währungsreform wurden in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die vorhandenen Reichsbanknoten auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit schon vorbereiteten Spezialkoupons beklebt und so gelangte der "Tirolerschein" als Kuponausgabe vom 24. Juni bis zum 26. Juli 1948 noch einmal für vier Wochen in den Zahlungsverkehr. Doch vergleichen wir einmal die Rückseite des österreichischen von 1936 mit dem deutschen Schein von 1939. Bild 2a/b (AUT-101, KK-191, Ri-238): 100 Schilling von 1936 (nicht ausgegeben), Vorder- und Rückseite. Sofort fällt auf, dass mutmaßlich aus ideologischen Gründen bei der Schaffung einer seit dem 15. Mai 1938 gemeinsamen Währung auf der Rückseite zwei männliche Alpenbewohner mit ihren Arbeitsgerätschaften und traditionell behütet beigefügt wurden. Um zusätzlich den üblichen freien Rand bei Reichsbanknoten zu schaffen, wurde das Dachstein-Panorama links und rechts beschnitten. Zudem fiel dadurch auch die Künstlersignatur "Seger" links in der unteren Ecke weg. Bild 3a/b (AUT-124, KK-232, Ri-277): 100 Schilling vom 2.1.1947, Vorder- und Rückseite Der II. Weltkrieg ist vorbei, in Österreich gibt es wieder den Schilling und auch Banknoten über Hundert Schilling – und die Rückseite von 1936 ist in Originalgröße 1947 wieder dabei, nur die Signatur Segers fehlt weiterhin, obwohl er die Vorderseite für die Zweite Republik neu gestaltete (geändertes Frauen-Porträt ohne Edelweiß). Der Schein mit der Frau im Trachtenkleid wurde am 28. Januar 1948 ausgegeben und war bis 1954 im Umlauf. Josef Seger selbst war 1945 bis 1948 in Liechtenstein ansässig, wo er durch seinen Vater, einen fürstlich-liechtensteinischen Forstdirektor Heimatrecht hatte und u.a. viele Briefmarken entwarf. Bild 4a/b (Mi-Li 282, Mi-Li 310): Briefmarken zu 40 Rappen von 1949 und mit Überdruck zu 1,20 Franken von 1952 Doch auch von diesen hatte eine Marke ein zweites Schicksal. Die von ihm entworfene 40-Rappen-Marke mit der Pfarrkirche Bendern vom 15. November 1949 wurde als Provisorium am 25. September 1952 auf 1,20 Franken überdruckt nochmals ausgegeben. Christian Merker Abb. Battenberg-Gietl Verlag (Briefmarken: colnect.com)
- El Salvador: Bitcoin soll Landeswährung werden
Zum 1. Januar 2001 hatte El Salvador seine eigene Colones-Währung abgeschafft und durch den US-Dollar ersetzt. Jetzt will sich das Land unabhängiger von der US-amerikanischen Notenbank Fed machen und will neben den Bahamas das erste Land werden, das per Gesetz eine Digitalwährung, nämlich den Bitcoin, als Zahlungsmittel akzeptiert. Eine entsprechende Gesetzesinitiative zur Nutzung der Kryptowährung wurde durch die Regierung bereits eingebracht und die Zustimmung des Finanzausschusses liegt vor. Der Bitcoin hat seit Anfang Mai 20021 (am 9. Mai lag der Kurs bei etwa 47.832 Euro) deutlich an Wert verloren und war am 8. Juni 2021 "nur" noch rund 27.450 Euro wert. Gestartet ist die umstrittene und derzeit marktstärkste Kryptowährung am 3. Januar 2009. Am 9. Oktober 2010 betrug ihr Kurswert gerade einmal 0,1 US-Dollar. Die 60.000-Dollars-Marke wurde dann am 13. März 2021 geknackt. Umstritten ist der Bitcoin nicht nur wegen des enormen Energieverbrauchs des Bitcoin-Rechner-Netzwerks, der höher liegt als der ganzer Staaten wie Italien (allein in China verbaucht das Bitcoin-Netzwerk mehr Strom als Belgien und Neuseeland zusammen) – nicht gerade ein Pluspunkt wenn es Klimaneutralität geht, sondern auch wegen der Zahlungsabwicklung für kriminelle Aktivitäten, vom Drogenhandel über Pornografie bis hin zum Auftragsmord, im sog. Darknet. Ob die Gesetzesinitiative für El Salvador eine gute Entscheidung war, wird die Zukunft zeigen. Den auch in Deutschland und der EU aktiven notorischen Geldabschaffungs-Strategen wird es jedenfalls zusätzlich Öl auf die Mühlen sein. Hans-Ludwig Grabowski












