Search this site
3671 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Die Serienscheine des fürstbischöflichen Knabenkonvikts in Glogau und das Konklave in Rom 1922
Am 22. Januar 1922 starb Papst Benedikt XV., der wegen seines engagierten Auftretens gegen den Ersten Weltkrieg als Friedenspapst bekannt wurde, in Rom. In der Zeit der Sedisvakanz oblag es dem Camerlengo Pietro Kardinal Gasparri, das Kardinalskollegium zur Papstwahl nach Rom einzuladen. Das Konklave dauerte fünf Tage und fand zwischen dem 2. und 6. Februar 1922 statt. Da Enrique Almaraz y Santos, Erzbischof von Toledo (Spanien), am gleichen Tag wie der Papst verstarb, bestand das Kardinalskollegium aus 60 Kardinälen, von denen jedoch vier wegen Krankheit, Alter bzw. wegen der weiten Anreise absagten. Die drei Kardinäle aus den Vereinigten Staaten und Kanada durften an der Wahl nicht teilnehmen, weil sie zu spät in Rom eintrafen. 14 Wahlgänge benötigten die 53 Purpurträger, bis der weiße Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufstieg und sich der Erzbischof von Mailand, Achille Ratti, als neuer Papst Pius XI. auf dem Balkon der Mittel-Loggia des Petersdoms dem Volk zeigte. Das Konklave nahm das Fürstbischöfliche Knabenkonvikt in Glogau (Schlesien) zum Anlass, eine Serie von Notgeldscheinen zu emittieren, die aus je einem Schein zu 25, 50 und 75 Pfennig sowie 1,50 und 2 Mark besteht. Das Knabenkonvikt war vom Breslauer Erzbistum als Internat errichtet worden. Das katholische Gymnasium bereitete arme, talentierte Jungen aus Niederschlesien, Pommern und Brandenburg auf das Theologiestudium vor. Um mehr Schüler aufnehmen zu können, zog das Konvikt im März 1907 vom ehemaligen Postgebäude an der Kreuzung der Breslauer Straße in ein neues Domizil um. Nun konnten in 100 Schlafzimmern auf zwei Stockwerken 100 – 110 Schüler untergebracht werden. Außerdem verfügte das Gebäude über ein Refektorium, eine Garderobe für Schüler, eine Bibliothek mit Lesesaal, eine Kapelle und Hauswirtschaftsräume. Das Gebäude war mit Zentralheizung und Elektroinstallation ausgestattet. Ein großer Garten und ein Erholungsgebiet grenzten an das Internat. Das Gebäude in der Promenadenstraße 15 wird auf der Rückseite des Scheins zu 1,50 Mark abgebildet, links davon das mit der Papstkrone, der Tiara, gekrönte Wappen des verstorbenen Papsts Benedikt XV., den die Vorderseite zeigt. Er wurde am 21. November 1854 in Genua im damaligen Königreich Sardinien als Giacomo della Chiesa geboren. Erst nach Erlangen des Doktorgrades der Rechtswissenschaften 1875 erlaubte ihm sein Vater das Theologiestudium am Almo Collegio Capranica in Rom, das er ebenfalls als Doktor abschloss. Am 21. Dezember 1878 empfing er das Sakrament der Priesterweihe und am 22. Dezember 1907 weihte ihn Papst Pius X. persönlich zum Erzbischof von Bologna. Nur wenige Wochen vor seiner Papstwahl am 3. September 1914 wurde er als Kardinalspriester mit dem Titel Santi Quattro Coronati in das Kardinalskollegium aufgenommen. Bild 1: Glogau, fürstbischöfl. Knabenkonvikt, 1922, 1,50 Mark, Vorder- und Rückseite. Die Vorderseite des Zwei-Mark-Scheins ist dem neu gewähltem Papst Pius XI. (* 31. Mai 1857 in Desio, Lombardei, als Achille Ambrogio Damiano Ratti; † 10. Februar 1939 in Rom) gewidmet. Er besuchte seit dem zehnten Lebensjahr das Erzbischöfliche Seminar in Mailand und wurde am 20. Dezember 1879 zum Priester geweiht. 1882 wurde der dreifache Doktor (Dr. jur., Dr. theol. und Dr. phil.) zum Professor im Mailand berufen, später zum Bibliothekar an der Biblioteca Ambrosinana in Mailand und schließlich deren Präfekt, bevor er 1911 nach Rom gerufen wurde. Dort wurde er zunächst Vizepräfekt und 1914 Präfekt der Vatikanischen Bibliothek. Trotz fehlender diplomatischer Erfahrung ernannte ihn Papst Benedikt XV. 1918 zum Apostolischen Visitator in Polen und 1919 zum Apostolischen Nuntius in Warschau und zum Titularerzbischof von Naupactus. 1921 wurde er Erzbischof von Mailand und kurze Zeit später Kardinal. Nach dem überraschenden Tod des Papstes wurde er am 6. Februar 1922 zum neuen Papst gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod 1939. Die Rückseite des Scheins bildet den Petersdom in Rom ab, links davon das mit der Tiara gekrönte Wappen des Papstes. Bild 2: Glogau, fürstbischöfl. Knabenkonvikt, 1922, 2 Mark, Vorder- und Rückseite. Den drei deutschen Kardinälen, die am Konklave teilnahmen, sind die übrigen Scheine gewidmet. Der Wert zu 25 Pfennig zeigt auf der Vorderseite den Erzbischof von München und Freising, Michael von Faulhaber (* 5. März 1869 in Heidenfeld, Unterfranken; † 12. Juni 1952 in München), der am 26. Mai 1917 Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Franziskus von Bettinger wurde. Am 7. März 1921 erhob ihn Papst Benedikt XV. zum Kardinal. Die Rückseite des Scheins zeigt die Frauenkirche in München und auf der linken Seite das Doppelwappen des Münchener Kardinals. Bild 3: Glogau, fürstbischöfl. Knabenkonvikt, 1922, 25 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Auf der Vorderseite des Scheins zu 50 Pfennig ist das Brustbild des Erzbischofs von Köln, Karl Joseph Schulte (* 14. September 1871 in Haus Valbert bei Oedingen; † 10. März 1941 in Köln), zu sehen. Bei der Bischofswahl im Kölner Domkapitel nach dem Tod des Kölner Kardinals Felix von Hartmann 1920 setzte sich Schulte gegen den zweiten auswärtigen Kandidaten, Bischof Adolf Bertram von Breslau, durch und wurde am 25. März inthronisiert. Ein Jahr später, am 7. März 1921, wurde er zum Kardinal ernannt. Die Rückseite zeigt den Kölner Dom und auf der linken Seite das Wappen des Kardinals. Bild 4: Glogau, fürstbischöfl. Knabenkonvikt, 1922, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Den Fürstbischof von Breslau, Adolf Johannes Kardinal Bertram (* 14. März 1859 in Hildesheim; † 6. Juli 1945 aus Schloss Johannesberg bei Jauernig), zeigt der 75-Pfennig-Schein auf der Vorderseite. Nach dem Tod Georg Kardinal von Kopps wurde er am 25. Mai 1914 zum Fürstbischof der Diözese Breslau (seit 1930 Erzdiözese) gewählt. Wegen der schwierigen politischen Verhältnisse ernannte Papst Benedikt XV. Bertram 1916 zum Kardinal in pectore und gab dies erst nach Kriegsende am 5. Dezember 1919 bekannt. Die Rückseite bildet den Dom zu Breslau ab sowie links davon Bertrams Kardinalswappen. Bild 5: Glogau, fürstbischöfl. Knabenkonvikt, 1922, 75 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Die fünf Scheine haben die gleiche Größe (90 mm x 60 mm) und sind einheitlich gestaltet. Auf der Vorderseite im mittleren Teil das jeweilige Brustbild, darunter in einem gelben Schriftband Titel und Name der abgebildeten Person, schließlich in einem weißen, umrandeten Feld: „Glogau, fürstbischöfl. Knabenkonvikt.“ Unter dieser Angabe wäre ausreichend Platz für Unterschriften vorhanden gewesen. Der Text „Die Stadtbank Glogau zahle gegen diesen Scheck - aus meinem Guthaben an den Inhaber“ und die entsprechende Wertangabe weisen unterschiedliche Zeilenumbrüche auf. Über dem Text in beiden Ecken in einem Kreis die Wertangabe; unter dem Text links „Konto A (B - F)“ und rechts eine fünfstellige Kontrollnummer. Die Rückseite ist ähnlich gestaltet. In der Mitte die Abbildung des Gebäudes, das darunter in einem gelben Schriftband genannt und mit „zur Erinnerung an das Konklave 1922“ ergänzt wird. Auf der linken und rechten Seite des Bildes ein Wappen, unter den Wappen im Kreis die Wertbezeichnung. Auf dem Rahmen rechts unten die Signatur „GRIMMER“. Während auf der Vorderseite unten am Rand mittig die Druckerei „Flemming-Wiskott A.G. Glogau.“ genannt wird, befindet sich auf der Rückseite die Abkürzung „D.R.G.M. 795679.“ Sie steht für „Deutsches Reichs-Gebrauchsmuster“ – hiermit schützte die Druckerei ihr Produkt (Kleinschecks) vor unerlaubter Nachahmung. Uwe Bronnert
- La Banque Sino-Française
In der Yangming Auktion vom 8.9.2017 in Shanghai war ein Schein, der mein besonderes Interesse weckte. Trägt er doch einen Banknamen, den ich noch nie gehört hatte! Abb.1: Entwurf einer 10-Yuan-Note. Nach näherer Untersuchung stellte sich heraus, es handelt sich um den handgezeichneten Entwurf einer 10-Yuan-Banknote, der aber nie realisiert wurde. Ganz oben sehen wir den Namen der Bank: 華法銀行 , was man mit „Sino-Französische Bank“ übersetzen kann. Der Name zeigt, dass es sich um ein chinesisch-französisches Joint Venture handelt. Auf der Note findet sich auch ein Datum, nämlich 中華民國八年 = Jahr 8 der chinesischen Republik, das entspricht 1919. Als Ortsangabe lesen wir 上海 = Shanghai. Der Entwurf stammt von Bureau of Engraving and Printing, denn an der Unterkante der Note finden wir die Namen einer berühmten Druckerei: 財政部印刷局, wörtlich „Druckerei des Finanzministeriums“. Keine Druckfirma hat mehr chinesische Noten gedruckt als diese. Besonders interessant finde ich das Hauptmotiv im Zentrum des Scheins: Es zeigt ein Schiff, allerdings eines, das nicht schwimmen kann, sondern aus Stein und Holz verfertigt ist. Man nennt es gewöhnlich Marmorschiff. Zu finden ist es am Ufer des Kūnmíngsees am Fuße des Wànshòuhügels im kaiserlichen Sommerpalast in Peking (頤和園). Ursprünglich wurde das Schiff im Auftrag von Kaiser Qiánlóng (乾隆) gebaut. Das war im Jahre 1755. Leider wurde dieses Boot 1860 von Engländern und Franzosen während des Zweiten Opiumkrieges zerstört. 1893 wurde das Marmorschiff wiederaufgebaut, diesmal aber mit einigen europäischen Stilelementen. Das Schiff ist 36 m lang und hat zwei Stockwerke, nur der Boden ist aus Stein, die beiden Stockwerke sind aus Holz, das so angemalt ist, dass es aussieht, als seien sie aus Marmor gefertigt. Schon lange ist das Marmorschiff eine touristische Attraktion. Ich füge hier mal das Bild einer alten Postkarte bei. Abb. 2: Alte Postkarte mit dem Marmorschiff. Wer sich mit chinesischen Noten beschäftigt, kennt das Motiv „Marmorschiff“ von anderen Noten. Z.B. findet es sich auf der undatierten 5000-YuanNote, 1945 ausgegeben von der „Federal Reserve Bank of China“. Diese Note war übrigens die letzte, die von dieser japanischen Bank ausgegeben wurde. Abb.3: 5000 Yuan ND der “Federal Reserve Bank of China”. Ich kann auch das Foto, das die Druckerei (Bureau of Engraving and Printing, auch wenn das auf der Note nicht vermerkt ist) als Vorlage für das Motiv benutzte, zeigen. Abb. 4: Vorlage für das Marmorschiff auf der 5000-Yuan-Note. Etwas schwieriger ist das Marmorboot auf gewissen Noten zu erkennen, die das Finanzministerium „zur Stabilisierung des Marktes“ ausgegeben hat. Als Beispiel bilde ich hier 10 Mei (oder 10 Coppers) von 1922 ab, SCWPM China-609, mit Ortsbezeichnung 京兆 = Jīngzhào, was sich auf Běijīng (Peking) und Umgebung bezieht. Abb. 5: 10 Mei 1922 des Finanzministeriums. Eine ganz ähnliche Abbildung sieht man auf der 1-Jiao-Note der „Federal Reserve Bank of China", Jahr 29 der Republik = 1949 (die Note gibt es auch mit Datum Jahr 27 = 1939). Auch hier ist hinter dem Marmorboot der Sommerpalast zu sehen. (Nr. 49b) Abb.6: 1 Jiao 1929, “Federal Reserve Bank of China”. Wenig bekannt ist auch, dass die Abbildung auf der 2-Jiao-Note der kommunistischen „Farmers Bank of Northwest China“, datiert Jahr 29 der Republik / 1940, einen etwas stilisierten Ausschnitt des Marmorboots darstellt. (Nr. S3290A) Abb.7: 2 Jiao 1949, “Farmers Bank of Northwest China”. Nun zurück zur Sino-Französischen Bank. Leider ist die bis jetzt verfügbare Information sehr gering. Wir wissen, dass es sich um ein von Franzosen und Chinesen gemeinsam finanziertes Institut handelt, welches 1919 als Aktiengesellschaft errichtet wurde. Sie hatte Filialen in Shanghai und Tianjin. Es ist ein Glücksfall, dass die Yangming Auktionsgesellschaft am 27.6.2015 eine Aktie dieser Bank versteigert hat. Abb.8: Aktie der „Banque Sino-Française“. Daraus können wir einige wenige Informationen entnehmen: Einmal, dass es sich um eine GmbH handelte. Weiter erfahren wir die Namen verschiedener Persönlichkeiten und ihre Titel, z:B. 王鴻逵 (Wáng Hóngkuí) war „Hauptkontrolleur“, 張弧 (Zhāng Hú) war Vorstandsvorsitzender. Wáng Hóngkuí, das lässt sich googeln, war früher verantwortlich für den Salzhandel in der Provinz Shāndōng. Über Zhāng Hú weiß man wesentlich mehr. Auch er war zunächst für den Salzhandel in Shāndōng verantwortlich, später nahm er mehrere höhere Posten im Finanzwesen an, er war sogar eine Zeitlang Finanzminister und starb 1937, 63jährig. Auf der Aktie, die mit dem Datum 1.9.1920 versehen ist, sieht man zwei gekreuzte Flaggen, die französische Trikolore und die 5-Streifen-Fahne der Běiyáng-Regierung. Das passt zum Charakter der Bank als Joint Venture. Ich weiß definitiv, dass in den französischen Archiven zur „Banque Sino-Française“, wie sich die Bank auf Französisch nennt, noch zahlreiche Unterlagen zu finden sind. Diese Quellen sind mir aber leider im Moment nicht zugänglich. Erwin Beyer
- Fälscher & Falschgeld: So will es das Gesetz
Fortsetzungsreihe, Teil 12 Die rechtlichen Regelungen und die Zuständigkeiten in der Bundesrepublik Deutschland bei der Verfolgung von Falschgeldverbrechen Dieser Textblock in seiner charakteristischen, den meisten von uns allen sicherlich noch immer vertrauten Anordnung stand im oberen Teil des Weißfeldes der Rückseite der Banknoten der Ausgabe BBk I der Deutschen Bundesbank, die im Sommer 1995 aufgerufen worden waren. Sieht man von dem Wort Freiheitsstrafe anstelle von Zuchthaus ab, war dieser Strafsatz in genau diesem Wortlaut bereits seit den Banknoten des Kaiserreiches auf deutschem Papiergeld zu finden (der Begriff Zuchthaus war im Zuge der Strafrechtsreform 1969 abgeschafft worden). Er wurde in dieser Form allerdings niemals in einem Gesetzestext des Strafgesetzbuches verwendet. Der Strafsatz ist lediglich eine auf den Nenner gebrachte Zusammenfassung des §146 StGB. Geldfälschung ist ein Sonderfall der Urkundenfälschung, die Funktionsfähigkeit und Sicherheit des Geldverkehrs im Interesse eines geordneten Wirtschaftsablaufs sind die zu schützenden Rechtsgüter. Bei der ab 1990 ausgegebenen neuen DM-Noten-Serie BBk III hatte man allerdings aus gestalterischen Gründen auf den Straftext ebenso verzichtet, wie ein solcher auch bei den Euro-Noten nicht vorhanden ist. Dort verzichtete man aus Platzgründen auf alle entbehrlichen textlichen Komponenten, selbst auf die Angabe des Notenwertes in Buchstaben. Aufgrund der vielen Amtssprachen der Mitgliedsländer wäre dies auf den Banknoten ein enormes gestalterisches wie Platz raubendes Problem geworden. Lediglich die Währungsbezeichnung erscheint neben der lateinischen Version auch in griechischen Buchstaben. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Fälscher & Falschgeld: Der Superdollar – Teil 5
Fortsetzungsreihe, Teil 11 Schauen wir uns einige der auffälligsten Fehler der Supernotes der ersten Generation etwas näher an. Die Version eins ist zum Beispiel daran zu erkennen, dass bei der ornamentalen Blattdarstellung unterhalb der ersten Null der Vorderseiten-Eckwertzahl links oben der mittlere Teil der vorderen geschwungenen Begrenzungslinie fehlt. Auf der Rückseite sind die Buchstaben S, O und C der Textzeile „THE UNITED STATES OF AMERICA“ im oberen Teil abgeflacht, während sie bei echten Noten gerundet erscheinen. Bei der Version zwei fehlt in dem auslaufenden Blattornament der linken oberen Eckwertzahl der Vorderseite, das sich links oberhalb des Wortes „THE“ befindet, eine gestrichelte Füll-Linie. Dieser Fehler existiert auch noch bei der Variante drei. Gleichfalls trifft dies für ein markantes weiteres Unterscheidungsmerkmal zu. Am linken Ende des Schriftbandes „FRANKLIN“ unterhalb des Porträts reicht das schwarze Negativ-Guillocheband nicht ganz an die Porträtumrandung heran, es ist ein schmaler, schräger Weißkanal zu erkennen. Die Variante zwei wartet mit einem weiteren, unter der Lupe sehr gut zu erkennenden Fehler auf: Der Sockel der über dem Wort „Hall“ befindlichen Laterne der Rückseitenabbildung wurde bei der Superfälschung links durch eine verstärkte Linie wiedergegeben. Bei echten 100-Dollar-Noten ist diese Linie nur unter der Lupe ganz schwach sichtbar, so dass sie bei normaler Betrachtungsweise gänzlich zu fehlen scheint. Die Version vier schließlich zeigt neben verschiedenen anderen Fehlern die im oberen Bereich zusammenhängenden Buchstaben „N“ und „O“ des Wortes „NOTE“ am oberen Rand der Vorderseite sowie ebenfalls fälschlich nicht durch einen feinen Strich getrennte, sondern zusammen- hängende Buchstaben „E“ und „D“ in der Wertzeile „HUNDRED“ unterhalb des Porträts. Auf der Rückseite fehlen die schrägen Schraffurlinien der beiden Torbögen der Independence Hall oberhalb des Wortes „DOLLAR“. Dies sind nur einige der meist nur unter Vergrößerung erkennbaren Unterscheidungsmerkmale des Superdollars der „Small-Head“-Ausgabe. Der US-Zoll ließ zur Bekämpfung des Alkoholschmuggels quasi „amtliche“ Fälschungen von 10-Dollar-Scheinen herstellen. Die sicherheitstechnisch verbesserte Ausgabe des 100-Dollar-Scheins, der ab 1996 in den Umlauf gelangte, ist – wie geschildert – ebenfalls von Superfälschungen betroffen. Hier gibt es, neben einigen weiteren, zwei markante Fehler auf der Vorderseite: So ist zwischen dem schrägen Balken und dem rechten vertikalen Balken des Buchstabens „N“ in „The United States….“ eine größere druckfarbefreie Stelle zu sehen als beim echten Schein; diesen Fehler gibt es in ganz ähnlicher Form auch bei der Superfälschung des 50-Dollar-Scheins. Die Zahl 1 der linken oberen Eckwertzahl „100“ weist bei der Fälschung eine geringfügig verdickte Randlinie links auf. Die Schattenpartie am Fuß dieser Zahl ist zudem im linken Bereich etwas schräger angeschnitten als die der echten Ausführung. Auf der Rückseite fällt die Verdickung einer Linie auf der Abdeckung des rechten Kellerschachtes der Independence Hall auf. Bei echten Noten ist diese Linie kaum zu erkennen. Dieser Fehler hat insofern eine Parallele im verdickten Lampensockel der Version zwei des Superdollars. Vieles, was in der Vergangenheit über den Superdollar geschrieben wurde, ist sicherlich Spekulation. So sind alle bisher genannten mutmaßlichen Herstellungsorte nicht hundertprozentig bewiesen, das heißt, weder der Iran noch Nordkorea noch ein anderes Land konnten absolut beweissicher als Hersteller festgestellt werden. Fest steht nur, dass es, wie eingangs schon erwähnt, keine „normalen“ Fälscher, auch keine aus der Organisierten Kriminalität, sein können; die Qualität der Fälschungen bedingt, dass eine staatliche Stelle bzw. eine staatliche Druckerei mit von der Partie sein muss. Die Medien haben in den letzten Jahren in vielfältigster Weise über diese äußerst mysteriöse Fälschungsgeschichte berichtet. Selbst wenn in den letzten Jahren viele Indizien auf die Herstellung durch den amerikanischen Geheimdienst CIA (oder auch eine andere offizielle Stelle in den USA unter Mithilfe des Geheimdienstes) hinweisen, ist auch dies nur eine mögliche Theorie von vielen. Aber sie hat doch einiges für sich! Hier könnte die Situation der CIA nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ gegen Ende der 1980er Jahre eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben. Die Agenten in Langley sahen sich urplötzlich ihrer Hauptaufgabe beraubt, mit der sie sich über mehrere Jahrzehnte hinweg befasst und für die sie mit großer Überzeugung gelebt hatten. Konfusion und Planlosigkeit machten sich breit, nachdem der Ostblock und insbesondere die UdSSR als feindliche Mächte und potenzielle Gegner seit Ende des Zweiten Weltkrieges quasi über Nacht weggebrochen waren. Die Zeit des „Kalten Krieges“ in seiner bisherigen Ausprägung ging unwiderruflich zu Ende. Die Suche nach einem neuen politischen Gegner und nach neuen Aufgabengebieten nach diesem Schock der Desorientierung begann. Dabei könnte unter anderem der in einer „Inside Operation“ hergestellte Superdollar durchaus nützlich gewesen sein und eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. War es also Zufall, dass die ersten dieser Superfälschungen just zum Zeitpunkt der sich abzeichnenden Ost/West-Entspannung aufgetaucht waren? Angeblich ist die geheimnisvolle Tiefdruckmaschine, wo immer sie auch stehen mag und in wessen Auftrag auch immer sie betrieben wird, noch immer dabei, ihre hervorragenden Fälschungen zu produzieren. Wie viele Superdollars sie bisher ausgespuckt hat, die nun im internationalen Zahlungsverkehr umlaufen, wissen nur die Hersteller selbst. Und es bleibt abzuwarten, ob in den kommenden Monaten auch die soeben ausgegebene 100-Dollar-Note der neuesten Serie als Superdollar-Nachahmung die Behörden und die Banken dieser Welt verunsichern wird. Es steht durchaus zu vermuten. Die staatliche Herstellung von Falschgeld hat in den USA ja gewissermaßen Tradition: Während der Zeit der Prohibition (totales Alkoholverbot in den USA zwischen 1920 und 1933) ließ der Kommandant einer Einheit des Zolls, die den Küstenabschnitt zwischen Corpus Christi und New Orleans kontrollierte, in einer kleinen Druckerei falsche 10-Dollar-Noten herstellen. Sie waren von schlechter Qualität, doch sie sollten auch nur dazu dienen, die mexikanischen Alkohol-Schmuggler während der stets nachts abgewickelten Schmuggel-Deals zu bezahlen und ihnen so die Lust an der illegalen Versorgung der USA mit Alkohol zu nehmen. Einer kleinen Gruppe kurz zuvor verhafteter amerikanischer Schmuggler versprach man mildere Urteile, wenn sie bei dieser Aktion dem Zoll hilfreich zur Hand gehen würde. Die US-Schmuggler, begleitet von Zollbeamten in Räuberzivil, trafen sich außerhalb der Drei-Meilen-Zone mit ihren mexikanischen Kollegen und tauschten (falsche) Dollars gegen (echten) Whiskey. Einige Male ging auch alles gut, da immer wieder andere Schmuggler die heiße Ware überbrachten. Doch dann merkten die Mexikaner, dass man sie hereingelegt hatte. Künftige Geschäfte dieser Art wurden erst dann vollzogen, wenn ein mexikanischer Spezialist das angebotene amerikanische Geld genau geprüft hatte. Der Zoll jedenfalls verzichtete auf die illegale Herstellung weiterer Blüten und bekämpfte den Schmuggel nur noch mit den gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen. Den Superdollar aber gibt es nach wie vor – und es bleibt in Bezug auf ihn auf alle Fälle spannend! Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Der 100-Yuan-Schein der Central Bank of China 1945
Abb.1: 100 Yuan 1945 Vorderseite Dieser Schein ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Er zeigt auf der Vorderseite zwei Porträts, das von Tschiang Kai-shek und das von Lín Sēn (林森). Jeder kennt Tschiang Kai-shek, aber kaum jemand bei uns im Westen weiß etwas über Lín Sēn. Der wurde 1868 in der Provinz Fújiàn geboren. 1937 wurde er als Nachfolger von Tschiang Präsident der chinesischen Republik. Er war es, der im Kampf gegen die japanische Aggression den Regierungssitz nach Chóngqìng (重慶) verlegte. 1943 starb er an einem Schlaganfall. Wer will, kann bei Wikipedia mehr über ihn lesen. Abb.2: 100 Yuan 1945, Rückseite Abb.3: Ausschnitt aus einer Postkarte von 1903. Auf der Rückseite der von der American Banknote Company gedruckten Note sieht man ein Gewässer und an seinem Ufer ein komplexes Gebäude. Es handelt sich um den Dàmíngsee (大明湖) in der Stadt Jìnán (濟南), Provinz Shāndōng. Das Gebäude ist der Běijí-Tempel (北極廟). Dieser taoistische (also nicht buddhistische) Tempel ist in China sehr bekannt. Er wurde 1280, also in der Zeit der Yuán-Dynastie gebaut, im Laufe der Jahrhunderte mehrfach beschädigt und immer wieder renoviert. Er ist Xuánwǔ (玄武) gewidmet, einem der höchsten Götter des Taoismus. Dieser Gott wird in ganz Ostasien verehrt, z.B. als „Djau Poh Söa“ (เจ้าพ่อเสือ ) auch in Thailand. Hier ein Bild von ihm aus einem Thaitempel. Abb. 4: Statue des Gottes Xuánwǔ. Die Note wurde ausgegeben, als zur Bekämpfung der großen Inflation eine auf Gold basierende Währung geschaffen wurde. Wir erinnern uns: Vor 1935 gab es unzählige Institutionen in China, die Geld emittieren durften. 1935 wurde dann das so genannte Fǎbì-Geld eingeführt, auch „legal tender money“ genannt. Nur noch vier Staatsbanken durften Banknoten emittieren. Die Fǎbì-Währung war anfangs sehr erfolgreich, aber durch die vielen kriegerischen Ereignisse kam es zu einer gewaltigen Inflation. Die Nationalregierung („Guómíndǎng“) musste die Notbremse ziehen und gab zum 1.8.1948 neue Banknoten aus, die auf einem Goldstandard basierten. Für 3.000.000 Yuan Fǎbì-Geld erhielt man 1 Yuan der neuen Währung. Die Bevölkerung musste alles Gold, Silber und alle US-Dollars dem Staat überlassen, wer das innerhalb einer gesetzten Frist nicht tat, dem drohten sieben Jahre Gefängnis. Von der Note selbst gibt es zwei Unterschriftsvarianten: 俞鴻鈞 (Yú Hóngjūn) rechts als GOVERNOR, 李駿耀 (Lǐ Jùnyào), links als GENERAL MANAGER 俞鴻鈞 (Yú Hóngjūn) rechts als GOVERNOR, 梁平 (Liáng Píng), links als GENERAL MANAGER Abb.5: Signatur Yú. Abb.6: Signatur Lǐ. Abb.7: Signatur Liáng. Die Kontrollnummer der Variante 1 hat kein Präfix, die der Variante 2 hat entweder ein einstelliges oder ein zweistelliges Präfix. Aber warum trägt die Note das Datum 1945, wenn die Goldwährung erst 1948 geschaffen wurde? Nun, diese und andere Noten waren zunächst als Fǎbì-Geld gedruckt. Wegen der galoppierenden Inflation jedoch machten diese niedrigen Wertstufen keinen Sinn mehr, deshalb wurden sie nicht mehr ausgegeben. Als die Goldwährung eingeführt wurde, erklärte man sie per Gesetz zu „Goldnoten“ (金元票). Über „GOVERNOR“ Yú ist im (chinesischen) Internet viel zu lesen. Er wurde 1898 in der Provinz Guǎngdōng geboren. Später studierte er an der St. John’s-Universität in Shanghai. 1937 wurde er Bürgermeister von Shànghǎi. Nachdem die Nationalregierung nach Chóngqìng (重慶) übergesiedelt war, wurde Yú Finanzminister. Am 21.5.1948 trat der Chef der Central Bank of China zurück, Yú wurde sein Nachfolger. Später, als Tchiang Kai-shek sich nach Taiwan zurückziehen musste und die Kommunisten Festlandchina übernahmen, ging auch Yú nach Taiwan. Dort hatte er in der Folge verschiedene wichtige Posten im Finanzwesen inne, er verstarb in Táiběi („Taipeh“) am 1.6.1960. Es gibt einige weitere Noten mit dem Porträt von Lín Sēn. Auch einige wenige nicht zur Ausführung gekommene Entwürfe mit seinem Bildnis sind bekannt. Ich zeige hier mal einen solchen Entwurf. Abb.8: Entwurf eines 5000-Yuan-Scheines 1949. Erwin Beyer
- Fälscher & Falschgeld: Der Superdollar – Teil 4
Fortsetzungsreihe, Teil 10 Verfolgt man den Werdegang des Superdollars mit seinen Varianten, ist man unwillkürlich an ein Katz- und Maus-Spiel erinnert. Denn die Plattenfehler, die die einzelnen Versionen aufweisen, sind keine zufälligen Fehler oder aus Unachtsamkeit entstanden, sie wurden bewusst gemacht! Und immer dann, wenn in der Vergangenheit anhand von Unterscheidungsmerkmalen vor den Superbills gewarnt worden war, tauchte kurze Zeit später eine Folgeversion auf, die die Fehler der vorhergehenden nicht mehr, dafür aber andere aufwies. Oder aber, die Fehler der Vorderseite blieben weitgehend erhalten, während man in die Rückseitendarstellung neue eingebaut hatte. So sind beispielsweise bei der Version zwei die Fehler der ersten Version teilweise korrigiert worden, ebenso bei der Variante drei die Fehler der vorhergehenden. Dafür weist diese Version drei nun aber neue Fehler auf, die bei Version eins nicht vorhanden sind, usw. usw. Die ersten Ausgaben des „Super-Dollar“ wurden mit dem Indikativ C-14342 klassifiziert (Bundesbank-Klasse: 533). Der Grund für dieses seltsame Gebaren, das wie ein Suchrätselspiel anmutet, kann nur darin zu sehen sein, dass die Fälscher sicher gehen wollen, ihre „Erzeugnisse“ jederzeit von echten Dollar-Noten unterscheiden zu können. Das seit langem umgehende Gerücht, offizielle amerikanische Stellen selbst würden insgeheim die Superdollars drucken, um eine Sache zur Hand zu haben, die sie gegnerischen Staaten jederzeit „in die Schuhe schieben“ können, um sie zu diskreditieren, erhielt so neue Nahrung. In letzter Zeit verdichteten sich die Hinweise, dass dem tatsächlich so sein könnte. Die CIA geriet mehr und mehr unter Verdacht. In Langley allerdings befände sich die Produktionsstätte nicht, die Nähe zum CIA-Headquarter wäre im Falle einer Aufdeckung zu offensichtlich. Angeblich existiert aber nördlich der Hauptstadt Washington D.C. eine Geheimdruckerei des amerikanischen Auslands-Nachrichtendienstes, in der auch eine Intaglio-Druckmaschine installiert sein soll, wie sie zum Druck von Dollarnoten erforderlich ist. In welcher Stadt sich diese Druckerei befinden soll, sei aber nur einigen wenigen hochrangigen Falschgeldfahndern und Vertretern der Hochsicherheits-Druckindustrie bekannt, die zu strengster Geheimhaltung verdonnert wurden. Neben dem bereits oben genannten Grund gibt es aber einen weiteren, gewichtigeren: Die CIA hätte durch die Verwendung der Fälschungen zusätzliche Geldmittel zur Verfügung, die der Kontrolle des Kongresses entzogen wären und mit denen geheime Operationen in Krisengebieten finanziert werden könnten. So steht zum Beispiel auch zu vermuten, dass die zeit- und vor allem kostenaufwendige Suche nach Osama bin Laden, für die die CIA federführend zuständig war und die insgesamt alleine für die Bezahlung von Agenten und angeworbenen Söldnern bis zum Tod des Terrorschefs einen zweistelligen Millionenbetrag verschlungen hat, zumindest zum Teil mit Superdollars bezahlt worden ist… Auffällig ist im Übrigen auch, dass die falschen Banknoten im Ausland zwar nur schwer, innerhalb der USA aber durch die dort im Einsatz befindlichen Geldbearbeitungsmaschinen der Banken fast immer erkannt werden! Dies ist technisch bedingt: Der Sicherheitsfaden der neuesten Dollarscheine enthält eine Farbe, die nur unter UV-Licht sichtbar ist. Diese Farbe weicht bei den Superfälschungen absichtlich in Nuancen ab, sodass die in den Staaten verwendeten Geräte zur Banknotenzählung und -prüfung anhand dieses Farbunterschieds des Fadens echt von falsch auf jeden Fall unterscheiden können. Der Grund könnte sein, dass man das eigene Land möglichst von diesen Fälschungen „sauberhalten“ möchte. Diese Farbe wie auch die OVI-Farbe für die Wertzahl, die je nach Blickwinkel und Lichteinfall die Tönung von Grün nach Schwarz wechselt und im Siebdruck aufgebracht wird, wird nach einer Rezeptur und unter Lizenz der Schweizer Firma Sicpa von einem Spezialunternehmen im Auftrag des Treasury Departments direkt in den USA hergestellt. Durch in den Farben enthaltene geheime Markierungen könnte man deren Herkunft, heruntergebrochen bis auf jede einzelne Produktionscharge, zwar feststellen, also auch, ob es sich um eine Lieferung von Sicpa selbst, dem amerikanischen Lizenznehmer oder eventuell sogar um einen – illegalen – Dritten handelt. Doch zum Ergebnis dieses Farbtests schweigen bislang alle Beteiligten eisern. In den letzten drei Jahren ist es um den Superdollar still geworden, so still, „als hätte es ihn nie gegeben“, wie sowohl das BKA Wiesbaden als auch die Falschgeldstelle der Bundesbank bemerkten. Beinahe könnte man glauben, die offiziellen Stellen in den USA würden die Sache am liebsten totschweigen, um Gras darüber wachsen zu lassen. Weder Informationen über neue Varianten dieser Fälschung noch über deren mutmaßliche Urheber sind zu erlangen. Anfragen ausländischer Stellen, so auch der deutschen Behörden, in Bezug auf die Superbills werden entweder überhaupt nicht oder nur nichtssagend beantwortet. Über den Stand der Ermittlungen tauschen sich die Amerikaner mit ihren ausländischen Kollegen sowieso nur sehr ungern aus. Washington verlangt zwar stets, an Ermittlungserkenntnissen beteiligt zu werden, gibt aber selbst nur wenige Informationen preis. Diese Erfahrung haben im Übrigen in anderen Angelegenheiten auch schon deutsche Geheimdienste machen müssen, als sie mit Kollegen aus amerikanischen Diensten zum Beispiel in Sachen „Gladio“, der bis 1990 top geheimen Stay-Behind-Organisation der NATO, „zusammengearbeitet“ haben…. So bleibt diese Superfälschung nach wie vor eines der ungelösten Rätsel unserer Zeit. Einzig die Tatsache, dass in den letzten Jahren in der Schweiz relativ viele der Superblüten aufgetaucht waren, ist unlängst bekannt geworden. Aber darüber schweigen sich auch die Schweizer aus, eine entsprechende Anfrage des Autors wurde abschlägig beschieden und mit nichtssagenden Floskeln beantwortet. Und selbst wenn die CIA oder eine andere staatliche Stelle der USA an der Herstellung beteiligt wäre oder diese sogar aktiv betreiben würde, würde man dies von offizieller amerikanischer Seite natürlich nie zugeben. Man hält in Geheimdienstkreisen eben „dicht“. Zweifel an der offiziellen Verlautbarung der US-Regierung, Nordkoreas verstorbener Diktator Kim Jong Il habe mit Superdollars aus seinem geheimen, Office 39 genannten Drucklabor seine Kasse aufgebessert, damit sein marodes Wirtschaftssystem am Leben gehalten und sein Atom-Programm finanziert, sind nicht erlaubt und werden sofort vehement dementiert. So hat sich selbst die amerikanische Presse einen Maulkorb verpasst, Berichte über die Superdollars sind derzeit so gut wie nicht zu lesen. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Kokswertanleihe der Gemeinde Ilmenau 1923
Als sich in der Hyperinflation der Jahre 1922/23 die deutsche Markwährung zunehmend entwertete, suchten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit sogenannte „wertbeständige Anleihen“. In dieser Situation begab die Gemeinde Ilmenau in Thüringen 1923 eine Kokswertanleihe. Die thüringische Stadt Ilmenau emittierte im Juni 1923 in zwei Serien eine 6-prozentige Kokswertanleihe im Geldwert von insgesamt 84.000.000 Zentnern Koks. Das Darlehen diente dem Zweck des Ausbaus der Städtischen Licht- und Wasserwerke. Gemeinde Ilmenau, 6-prozentige Kokswertanleihe, Schuldverschreibung über den Geldwert von 5 Zentnern Koks, ausgegeben in Ilmenau in Thüringen im Juni 1923. Die Inhaberschuldverschreibungen wurden in den Nominal- bzw. Geldwerten von 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Zentnern Koks ausgegeben. Es gab für die Anleihe neben der Stadthauptkasse die beiden Zahlstellen Kasse der Städtischen Licht- und Wasserwerke sowie die Stadtsparbank. Die Anleihe sollte ursprünglich planmäßig von 1925 bis spätestens 1929 getilgt werden. Später wurde die Tilgungsfrist bis zum 1.9.1975 verlängert. Die Emission war nicht an der Börse zugelassen. 1935 wurde der Zinssatz der Anleihe von 6 % auf 4½ % konvertiert. Die Anleihe wurde bis 1945 nicht vollständig zurückgezahlt, blieb dann notleidend und wurde nach der Wiedervereinigung von 1990 nicht mehr bedient. Hans-Georg Glasemann nonvaleurs.de@gmail.com Ich bin für Sammler Historischer Wertpapiere aktiv im EDHAC. Unterstützen Sie uns, werden Sie Mitglied … Besuchen Sie den EDHAC bei … Facebook! Bildquelle: HGG (10/2020)
- Fälscher & Falschgeld: Der Superdollar – Teil 3
Fortsetzungsreihe, Teil 9 Die USA hatten damals zwar sofort auf das erstmalige Auftauchen der Superfälschungen reagiert, allerdings nur recht halbherzig. Es wurden keine neuen Noten mit entscheidend verbesserten Sicherheitsmerkmalen ausgegeben. Die neue 1990er Serie wies nun als zusätzliche Sicherungen lediglich einen mit dem Notenwert und dem Landesnamen beschrifteten Sicherheitsfaden sowie Mikroschrift rings um das Porträt auf. Doch vergeblich: Auch von dieser verbesserten Version waren nach wenigen Monaten Superbills auf dem Markt, mit Mikroschrift und einem vom echten nicht zu unterscheidenden Polyesterfaden, der, wiederum wie beim echten Papier, schon bei der Produktion in den Papierbrei eingebettet worden war. Nun endlich beschloss der amerikanische Kongress, vollkommen neue Dollarnoten mit verbesserten und erweiterten Sicherheitsmerkmalen auszugeben, um das Vertrauen in die wichtigste Weltwährung aufrecht erhalten zu können. Als erster Wert der sicherungstechnisch erheblich verbesserten neuen Serie kam Anfang des Jahres 1996 der 100-Dollar-Schein in den Verkehr. Er enthielt nun neben beschriftetem Sicherheitsfaden und Mikroschrift weitere Sicherheitsmerkmale wie Kopfwasserzeichen (allerdings in mäßiger Qualität), OVI-Farben (Optically variable Ink, auch Color-Shifting Ink genannt, eine je nach Betrachtungswinkel wechselnde Farbe der Vorderseitenwertzahl rechts unten), ein erheblich vergrößertes Porträt und vorder- und rückseitig je eine Druckzone mit feinsten Linien, welche beim Kopieren ein Störmuster, ein so genanntes Moiré, erzeugen. Auch die seither schon verwendeten blauen und roten in das Papier eingebetteten Seidenfasern waren bei der neuen Serie wieder vorhanden. Berichten zufolge hatte ein zu 10 Jahren Gefängnis verurteilter, ehemaliger amerikanischer Geldfälscher maßgeblich an den neuen Entwürfen mitgearbeitet und sie mitgestaltet. Ihm wurde nach Verbüßung von zwei Jahren seiner Strafe das Angebot unterbreitet, seine vielfältigen Erfahrungen als Fälscher in die Entwicklung neuer Sicherungstechniken zum Schutz des Dollars einzubringen. Ob es stimmt, oder ob es sich auch hier wieder um ein Gerücht handelt, war nicht nachzuprüfen. In der Preisgabe solcher Details sind Secret Service und Treasury Department traditionell sehr zurückhaltend. Nur noch mit einer Lupe erkennbar: Der unterschiedliche Sockel der Laterne; oben die Fälschung, unten das Original. Bis 1998 waren insgesamt sechs Versionen des Superdollars der alten Serie mit dem kleinen Porträtoval bekannt geworden, drei der Serie 1988, zwei der Serie 1990 und bisher eine Version der Serie 1993, die erstmals 1996 registriert worden war und mit der zweiten Variante der 1990er Serie weitestgehend identisch ist. Innerhalb einiger Versionen kann nochmals nach Varianten unterschieden werden. Die Superbills des alten Designs wurden vom Secret Service unter der Klassifizierung C-14342 festgehalten und werden von den Experten seitdem auch als „C-14342-Family“ bezeichnet. Die Bundesbank hatte sie unter der Klasse 533 erfasst. Die einzelnen Versionen der neuen Superfälschungen, die es in den Werten zu 50 und 100 Dollar der „Big Head“-Serie gibt, hat der Secret Service unter C-22160 (50 Dollar) und C-21555, C-22485, C-22500, C-22865 und C-23183 (100 Dollar) registriert. Die 100-Dollar-Note existiert damit als „Big Head“-Fälschung in den Serien 1996, 1999, 2001, 2003 und 2003 A. Für alle Versionen – alt oder neu – gilt, dass sie nur durch minimalste Abweichungen auf Vorder- und Rückseite von echtem amerikanischem Geld zu unterscheiden sind, für den Laien und selbst für die meisten Bankkassierer nicht ohne technische Hilfsmittel erkennbar. Auf jeden Fall ist zur Feststellung der Fehler fast immer eine Lupe bzw. ein Fadenzähler erforderlich, denn die überwiegende Mehrzahl der Abweichungen ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. So ist die Gefahr groß, dass die Superfälschungen insbesondere von Banken außerhalb der USA, die mit dem Dollar nicht ganz so vertraut sind wie mit der heimischen Währung, wieder in den Zahlungsverkehr gegeben werden. Die Fälschung ist umso gefährlicher, als Druckverfahren und Papier absolut mit den echten identisch zu sein scheinen und nur durch aufwendige Untersuchungen entlarvt werden können. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Fälscher & Falschgeld: Der Superdollar – Teil 2
Fortsetzungsreihe, Teil 8 Zunächst konzentrierten sich die Agenten des Secret Service und des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA auf diejenigen Länder, die Druckmaschinen des Typs gekauft hatten, wie er auch für die Herstellung der echten Dollarscheine im Bureau of Engraving and Printing Verwendung findet. In aufwendigen Untersuchungen hatten Experten des US-Schatzamtes und der staatlichen Notendruckerei Fabrikat und Bauart der Maschine ermitteln können, auf denen die Supernotes hergestellt worden sein müssen. Neben einer amerikanischen Herstellerfirma, die aber nur an „unverdächtige“ Abnehmer geliefert hatte, stieß man recht schnell auf das Schweizer Unternehmen Koebau-Giori in Lausanne, ein ehemals zum englischen De La Rue-Konzern gehörender Hersteller von Intaglio- sowie Supersimultan-Druckmaschinen für Banknoten mit jahrzehntelanger Erfahrung und weltweit unzweifelhaftem Renommee. Mitte der 1970er Jahre hatte Giori zwei Linientiefdruckmaschinen an den Iran geliefert, die beide 1979 beim Sturz des Schahs in die Hände der Khomeini-Anhänger gefallen waren. Die (offiziell verbreiteten) Ermittlungen der CIA, unter Mithilfe der englischen Kollegen von MI6 (Military Intelligence, Section 6, offizieller Name: Secret Intelligence Service, der britische Auslandsgeheimdienst) sowie des israelischen Geheimdienstes Mossad, hatten damals ergeben, dass möglicherweise der Iran auf den beiden Maschinen nicht nur die Superdollars herstellt. Teheran hatte möglicherweise bereits auch ein weit verzweigtes Netz aufgebaut, das die falschen amerikanischen Hunderter über Syrien, Sudan und Nordkorea, mittels der iranischen Botschaften als offizielle Diplomatenpost getarnt, in den westlichen Wirtschaftskreislauf einschleuste. So sollen die Botschaften in Deutschland, Kroatien, Bosnien und Albanien ebenfalls schon als Umschlagplätze gedient haben. Angeblich sollen 1994 einige Leute aus dem Mittleren Osten in Südkorea verhaftet worden sein, als sie versucht haben, in verschiedenen Geschäften Super-Hunderter auszugeben. Dem amerikanischen Terrorismus-Experten Neil Livingston zufolge hatten amerikanische Spezialisten Mitte der 1970er Jahre, als die beiden Stichtiefdruckmaschinen in den Iran geliefert worden waren, die Druckexperten des Schahs eingehend geschult, um die Währung des Landes besser gegen Fälschungen zu schützen. Einige dieser Experten wären auch unter den neuen iranischen Machthabern noch im Dienst gewesen und hätten nun ihr Wissen genutzt, um die Währung des ehemals befreundeten Landes zu fälschen. Livingston berichtete weiter, dass vom libanesischen Bekaa Valley aus (speziell in den 1990er Jahren ein Sammelbecken für alle Arten illegaler und terroristischer Aktivitäten, welches angeblich unter syrischer Kontrolle steht) die Supernotes zur Verteilung kommen. Hierbei seien auch islamistische Terrororganisationen, wie zum Beispiel die Hisbollah (eigentlich: Hizb Allah = Partei Gottes), eingebunden, wie eingesetzte V-Leute und Undercover-Agenten berichtet haben sollen. Es handelte sich bei dieser Fälschungsaktion sozusagen um eine neue Art des Terrorismus oder um eine neue Spielart des „Kalten Krieges“. CIA-Berichte sprachen neben der Druckerei in der Teheraner City nahe dem Flughafen Mehrabad sogar von einer zweiten Produktionsstätte in eben dem genannten Bekaa-Tal, genauer: in Baalbek. Von dieser Fälscherfabrik besitzen, dem Bericht eines deutschen Nachrichtenmagazins zufolge, westliche Nachrichtendienste angeblich sogar Luftaufnahmen. Dies war der Ermittlungsstand im Jahr 1999 – zumindest derjenige, der der mittlerweile aufhorchenden Öffentlichkeit präsentiert wurde... Superdollar-Fälschung: Jeweils oben Details der Vorderseite mit Erkennungsmerkmalen der gefälschten Banknote und zum Vergleich unten die echte Ausführung. Auch die Rückseite weist kleine Unterschiede auf. Oben: falsch, unten: echt. Nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung lieferten ehemalige hochrangige ostdeutsche Nachrichtenoffiziere angeblich eine brisante Erklärung für diese gigantische Fälscheraktion sowie für die Herstellung der exzellenten Druckplatten für den Superdollar. Nach einem Mitte der 1980er Jahre zwischen dem Iran und der DDR geschlossenen Geheimabkommen sollen die Platten für die Superdollars im Auftrag des Ministeriums für Staatssicherheit und der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA, der Auslandsgeheimdienst der ehemaligen DDR) von Leipziger Meistergraveuren angefertigt und nach Teheran geschmuggelt worden sein. Der Plan soll der notorischen Devisenknappheit des Iran entsprungen sein, eine Folge des amerikanischen Handelsembargos gegen das Land und seines achtjährigen Kriegs mit dem Irak. Gleichzeitig konnte man damit dem Erzfeind USA einen empfindlichen Schlag versetzen, indem man versuchte, durch massenweise in Umlauf gebrachtes Falschgeld Währung, Wirtschaft und das Vertrauen in den Dollar zu schädigen. Ostdeutsche und sowjetische Spezialisten hatten angeblich sogar viele Jahre lang vor Ort geholfen, die Traumfälschungen herzustellen. Bereits im Sommer 1989 sollen angeblich Hunderte von Millionen in 100-Dollar-Scheinen bereit gelegen haben, um ihren Weg in die Welt anzutreten. Doch mit dieser Information ist Vorsicht geboten. Denn diese Version der Herkunft des Superdollars, wie auch die daran anschließend verbreitete, die DDR hätte in eigener Regie Superbills hergestellt, wurde insbesondere von der amerikanischen CIA protegiert! Ganz von der Hand zu weisen wäre eine Geldfälschung sowohl im Iran als auch ganz speziell in Ostberlin zwar nicht gewesen. Denn bereits Ende 1989 hatte man im Berliner Osten, genauer im Stadtteil Hohenschönhausen, ein zu DDR-Zeiten streng abgeschirmter und scharf bewachter Sperrbezirk, der auf offiziellen Stadtplänen nur als weißer Fleck auftauchte, eine Geheimdruckerei der Stasi entdeckt, die kurz vor dem Fall der Mauer geräumt worden war. In einem Gebäude in der Großen-Leege-Straße hatte die Hauptabteilung Verwaltung und Wirtschaft des Ministeriums für Staatssicherheit bereits 1958 diese Druckerei eingerichtet. Vorhandene eindeutige Spuren sowie die Aussagen ehemaliger Mitarbeiter dieser Druckerei bewiesen zwar, dass der Geheimdienst der ehemaligen DDR dort neben Broschüren, Briefbögen und weiteren Drucksachen für den Eigenbedarf auch falsche Pässe und Ausweise westlicher Staaten sowie falsche Briefmarken hergestellt hatte. Allerdings war man technisch und fachlich nicht in der Lage gewesen, den für einen originalgetreuen Banknotendruck erforderlichen Stichtiefdruck auszuführen. Die angeblich in dieser Druckerei entdeckte, recht clever konstruierte kleine Maschine, mit der es möglich gewesen sein soll, fast perfektes Wasserzeichenpapier für westdeutsche DM-Banknoten und auch Papier für US-Dollars zu produzieren sowie eine ebenso imaginäre Stichtiefdruckmaschine, die bereits demontiert und nach Russland geschafft worden sei, gehören in das Reich der Fabel. Die Herstellung der Superbills hat zumindest unter der Regie der Stasi definitiv nicht stattgefunden. Zwischenzeitlich aber hatte sich einiges getan. Die US-Geheimdienste wollten bereits Ende der 1990er Jahre festgestellt haben, dass Nordkorea nicht nur in das weltweite Verteilernetz der Superbills eingebunden sei. In der Hauptstadt Pjöngjang würde eine Fabrik, die Etiketten druckt (unter anderem, um Plagiate westlicher Waren damit auszustatten), daneben auf einer Stichtiefdruckmaschine auch andere Erzeugnisse herstellen: Superdollars! Nordkoreanische Diplomaten und Handelsattachés schmuggelten die Falsifikate in andere Länder. So sollen Nordkoreas Handelsmissionen in China, Guangzhon und Zhuhai in den Absatz eingebunden gewesen sein. Auch sei ein nordkoreanischer Diplomat in Kambodscha verhaftet worden, der 36.000 Dollar in Supernotes bei sich gehabt hätte. Und schließlich soll der japanische Zoll am 19. August 1997 bei einigen Besatzungsmitgliedern des nordkoreanischen Frachters „Neungrado“ insgesamt 25 falsche Super-Hunderter und 3 falsche 50-Dollar-Noten entdeckt haben. Das Schiff hatte an den Kobe-Docks im Tokioter Hafen festgemacht. Dann kam das Jahr 2001 und mit ihm kam der neue amerikanische Präsident George W. Bush. Dessen Politik gründete sich zu einem gewissen Teil auf die Vermittlung von bestimmten Feindbildern, ob berechtigt oder auch nicht. Zunächst hatte sich der neue starke Mann im Weißen Haus auf den Irak eingeschossen, indem behauptet wurde, es lägen eindeutige Beweise für die Herstellung biologischer und chemischer Waffen durch das Regime Saddam Husseins vor. Wieder einmal hatte die CIA diese Informationen geliefert. War dies nun eine absichtliche Fehlinformation oder einfach nur Dilettantismus dieses umstrittenen amerikanischen Dienstes, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls lieferten die Agenten aus Langley damit die Begründung zum 2003 begonnenen Krieg gegen dieses Land. Präsident Bush hatte aber recht schnell einen neuen Sündenbock im Visier, nachdem man ihm nachgewiesen hatte, dass die Gründe für seinen Angriff gegen Irak allesamt nicht existiert hatten: Nordkorea würde tatsächlich falsche Dollars herstellen, es lägen eindeutige Beweise dafür vor, dass das kommunistische Land der Urheber der Superdollars sei. Allerdings wollte man diese Beweise aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlichen. Doch die Geheimdienste mehrerer Länder hatten festgestellt, dass man in Pjöngjang technisch nicht in der Lage war, qualitativ hochwertigen Banknotendruck auszuführen. Die seinerzeit von Giori zum Druck der eigenen Landeswährung Won gekaufte Linientiefdruckmaschine stand schon seit längerem still, da es an Ersatzteilen mangelte. Die Schweizer lieferten nicht mehr, da die Nordkoreaner den Großteil der Bezahlung für die Maschine schuldig geblieben waren. Wie sollte ein Land Dollarnoten von so exzellenter Qualität liefern können, wenn es nicht einmal in der Lage war, seine eigene Währung zu drucken? Doch diese Tatsachen ignorierte man im Weißen Haus geflissentlich. Wollte man bezüglich des Herstellers der Superblüten krampfhaft und um jeden Preis ablenken?? Aussagen nordkoreanischer Überläufer, die der CIA von einer staatlich gelenkten Falschgeldoperation berichtet haben sollen, konnten nicht verifiziert werden und bleiben daher bis dato dubios. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Dollar-Scheine mit „Tagebuchnotizen“
Seit mehr als über 100 Jahren kommen Geldscheine vor, die irgendwelche handschriftlichen Vermerke tragen. Meist sind es belanglose, manchmal jedoch auch interessante Belege. Auf dem internationalen Sammlermarkt kennt man diese Notizen auch unter der Bezeichnung "Graffiti". So auch auf den markanten und gern gesammelten US-Silberzertifikaten zu 1 Dollar 1899 – den "Black Eagle"-Noten –, die ab 1900 gedruckt und bis 1922 ausgegeben wurden und sich noch nach dem Zweiten Weltkrieg im Umlauf befanden. Beispiele: Abb. 1: Dollar-Note mit den Unterschriften Judson Whitlocke Lyons und Ellis Henry Roberts, ausgegeben zwischen 1898 und 1905. Heute sind nur noch etwa 100 Exemplare der Variante D mit Suffix-Pheon bekannt. [1] Abb. 2: Jahresbericht 1904 der U.S. Naval Academy mit dem Eintrag zu R. M. Jaeger. [2] Abb. 3: schlichter Grabstein von R. M. Jaeger (1884–1951). Der 24jährige US-Marine-Kadett Ralph Mattson Jaeger signierte einen Black Eagle mit Angaben zu seiner Ausbildungszeit in der Naval Academy in Annapolis, Maryland: "Ralph M. Jaeger, U.S. Naval Academy, 1904–1908, Aug. 13 – 1904". R. M. Jaeger wurde am 17. August 1884 als ältester von drei Söhnen von Luth Jaeger und Nanny Mattson Jaeger in Minneapolis, Minnesota, geboren und starb am 18. März 1951 im Santa Barbara County, Kalifornien – sein Grabstein steht auf dem Lakewood Cemetery in Minneapolis. Sein in Schweden geborener Großvater Hans Mattson war Oberst im amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Union und viele Jahre hoher Regierungsbeamter der Republikaner im Bundesstaat Minnesota. Abb. 4: Austauschnote mit den Unterschriften James Carroll Napier/Thomas Lee »Bum« McClung, ausgegeben zwischen 1911 und 1912, heute sind nur noch etwa 50 Exemplare bekannt (Friedberg-Variante # 230★). Abb. 5: Linienschiff von 1893 bis 1933 im Dienst (1892 von der American Ship Building Company gebaut). Im Sommer 1912 fand ein Mr. X einen Schein auf dem Passagierdampfer "Christopher Columbus" – eine heute sehr seltene Austauschnote: "Found / 7-7-12 / Steamer / Columbus / via / Chicago + Milwaukee". Von dem Namenlosen wissen wir nicht, wer er war und was der Grund seiner Fahrt auf der "Columbus" war – reiste er privat oder geschäftlich? Zumindest war es ihm der Fund wert, den Schein zu beschreiben und aufzubewahren. Irgendwann landete die Note bei einem Sammler und später in einem US-Auktionshaus. Abb. 6: Dollar-Note der Friedberg-Variante # 230 J. C. Napier/T. L. McClung, ausgegeben zwischen 1911 und 1912. Abb. 7: Eine zweite Dollar-Note mit der Unterschrift von E. H. Roberts, heute sind nur noch etwa 1500 Exemplare der Variante Y mit Suffix-Pheon bekannt. Von vielen US-Finanzbeamten sind "autographed notes" der 1899er "Black Eagle"-Serie bekannt, auf denen die Unterschriften und z.T. ihre Amtsdienstzeiten versehen sind, so z.B. von Albert Uriah Wyman (1876 – 1877), William Tecumseh Vernon (1906 – 1911), C. C. Pusey (1910 – 1912), Thomas Lee "Bum" McClung (1909 – 1912), James Carroll Napier (1911 – 1913), Carmi Alderman Thompson (1912 – 1913), Gabe Edward Parker (1913 – 1915), John Burke (1913 – 1921), Geo Fort (1913 – 1916) und Houston Benge Teehee (1915 – 1919). Zwei von mehreren Dollarnoten sind hier mit der Unterschrift von Ellis Henry Roberts abgebildet „Ellis H. Roberts / Treasurer of the U.S. / 1897–1905“. Es ist nicht außergewöhnlich, dass bei den Unterschriften-Aktionen nicht nur eine Note unterschrieben wurden, sondern gleich mehrere. Ein Beispiel sind die Scheine mit den Kontrollnummern Y 79316701 bis Y 79316703 ebenfalls mit Suffix-Pheon und von C. C. Pusey signiert. Die Vermutung liegt nahe, daß diese Y-Scheine aus der Napier/McClung-Serie für einige Beamte zur Unterzeichnung vorlagen. Abb. 8: Dollar-Note der Friedberg-Variante # 229★ (Vernon/McClung), ausgegebene Austauschnote zwischen 1910 und 1911; man schätzt das heutige Vorkommen auf etwa 40 Exemplare. Aus der Vorgängerserie (Vernon/McClung) ist eine frühe Austauschnote bekannt, die die Unterschrift des im Dienst befindlichen Schatzmeisters McClung zeigt und aus der Zeit von 1910 bis 1911 stammt: "Lee McClung / Treasurer of the United States". Diese besondere Note wurde erstmals im September 1996 versteigert – danach im Januar 2001, später im August 2005 und letztlich im März 2020, wo sie beim US-Auktionshaus Stack‘s Bowers auf 6000 bis 8000 US-Dollars geschätzt, aber für "nur" für 4560 verkauft wurde. Abb. 9: Dollar-Note der Friedberg-Variante # 229(Vernon/McClung), ausgegeben zwischen 1909 und 1911; heutige Schätzungen gehen von etwa 850 vorhandenen Scheinen aus. Ein "Gegenstück" aus der Standardschein-Serie V mit Suffix-Pheon ist der Schein mit der Unterschrift des Schatzamt-Direktors Vernon: "W. T. Vernon / Register of the Treasury / 1906–1910". Abb. 10: Dollar-Note der Friedberg-Variante # 230 (Napier/McClung), ausgegeben zwischen 1911 und 1913; heute sind noch etwa 1500 Exemplare auf dem Sammlermarkt. Abb. 11: "The Boston Daily Globe", Morgenausgabe vom 16. April 1912. Ein anderer außergewöhnlicher Schein ist die 1-Dollar-Note mit der Kontrollnummer Z 35824530 mit Suffix-Pheon: sie steckte am 15. April 1912 in der Hosentasche des Bordfriseurs Augustus Henry Weikman, der sich auf der sinkenden "Titanic" befand und auf die britische RMS "Carpathia" gerettet wurde. Seine Geschichte machte danach in US-Medien die Runde. Auf die Rückseite der "Black Eagle"-Note schrieb er: "This note was in my pocket ... when picked up / out of the sea ... by ”SS Carpathia“ / from the wreck of ... ”SS Titanic“ / April 15 1912 ... A. H. Weikman / Palmyra / N. J." August Weikman soll zwei oder drei solcher Geldscheine beschrieben haben. Er sagte in der Anhörung vor dem Ausschuss des US-Senats zur Untersuchung des "Titanic"-Untergangs später aus: "Ich saß am Sonntagabend, dem 14. April 1912, um 23.40 Uhr in meinem Friseurladen, als die Kollision auftrat …. Ich ging zum Hauptdeck und sah dort etwas Eis liegen. Es wurde befohlen „Alle Hände, um die Rettungsboote zu bemannen ...“. Ich half beim Wassern der Boote. Ich wollte gerade das nächste Boot losmachen, als das Schiff am Bug sank und ein Wasserschwall mich über Bord spülte und das Boot daher nicht von Menschenhand herunter gelassen werden konnte. Ich war ungefähr 15 Fuß vom Schiff entfernt, als ich eine zweite Explosion hörte. Ich glaube, die Kessel sind ungefähr in der Mitte des Schiffes explodiert. Die Explosion blies mich zusammen mit einer Wasserwand auf ein Bündel Liegestühle zu, auf das ich klettern konnte. Während ich auf den Stühlen saß, hörte ich schreckliches Stöhnen und Schreien von Menschen im Wasser." [3] Abb. 12: August H. Weikman, er wurde am 17. Februar 1860 in Philadelphia als Sohn des Württembergers Karl Weichmann (oder Weißmann) geboren und lebte mit seinen Eltern und den Geschwistern Mary, Louisa und William in Philadelphia. Der Familienname wurde von Beamten bei den Volkszählungen von 1860 und 1870 als Whiteman gemeldet. 1892 begann er als einer von drei Friseuren bei der White Star-Linie zu arbeiten. August Henry (eigentlich Gustav Heinrich) Weikman starb am 7. November 1924 in Palmyra, Burlington County/Pennsylvania. 1999 wurde die Weikman-Note beim Auktionshaus Butterfield und Butterfield San Francisco versteigert und erreichte am 26. April 2012 auf der RR-Auktion von "Titanic"-Artefakte einen Preis von knapp 33.000 US-Dollars. [4] Abb. 13: Dollar-Note der Friedberg-Variante # 230 (Napier/McClung), ausgegeben zwischen 1909 und 1911; heutige Schätzungen gehen von etwa 850 vorhandenen Scheinen aus. [4] Abb. 14: Hugh Herndon und Clyde Pangborn vor ihrer Pazifik-Überquerung (Foto vom 17. Juli 1931). Abb. 15: Bruchlandung der Bellanca CH-400 Skyrocket (Foto vom 5. Oktober 1931). Am 5. Oktober 1931 erfuhr die Welt von einem anderen Unglück: der erste transpazifische Nonstop-Flug endete in einer Staubwolke. Nach mehr als 40 Stunden seit dem Abflug in Japan führten Clyde Pangborn und Hugh Herndon Jr. eine kontrollierte Bruchlandung in der Nähe des Ortes Wenatchee, Washington State, durch. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, stiegen sie unverletzt aus dem Flugzeug aus. Pangborn hatte während des Ersten Weltkriegs als Fluglehrer gedient und gründete danach eine Flugzeugfirma. Der Börsencrash von 1929 beendete seine Barnstorming-Tage und seine Firma ging pleite. Aber der junge Pilot kannte einen Mitflieger von früher ... und Hugh Herndon Jr. hatte Geld. Beide beschlossen, den Weltrekord eines deutschen Zeppelins zu brechen. Nach monatelanger Planung Anfang 1931 erlitten Pangborn und Herndon einen Rückschlag, als Wiley Post mit seinem Lockheed Vega den Rekord brach und diesen von 20 Tage auf weniger als 9 Tage verkürzte. Die Flugpläne einer Weltumrundung setzten beide fort und starteten am 28. Juli 1931 in New York. Wegen eines Sturms mussten sie in Sibirien landen und verloren einen Tag gegenüber ihrem Zeitplan; sie dachten an Aufgabe ihres Rekordversuchs. C. Pangborn und H. Herndon reizte der von einer japanischen Zeitung ausgelobte Preis von damals 25.000 US-Dollars für den ersten Nonstop-Flug zwischen Japan und den USA. Von der Landebahn in Misawa an der Nordküste der japanischen Insel Honshu starteten sie am 4. Oktober Ortszeit. Um Treibstoff zu sparen war das Fahrwerk abmontiert. Ursprünglich wollte man einen Fernrekord bis in den US-Bundesstaat Idaho aufstellen. Wegen des schlechten Wetters beschloss Pangborn, nach Wenatchee zu fliegen; er war in der Nähe aufgewachsen und seine Mutter lebte dort. Nach mehr als 8800 Kilometer landeten sie um 7.00 Uhr morgens ohne Fahrwerk in einer nahezu perfekten Bauchlandung auf dem Fancher Field in East Wenatchee. "Miss Veedol" blieb weitestgehend unbeschädigt; nur der Propeller rammte in den Boden. Obwohl das Duo als Erste den Pazifik überquerte – ein Flug, der länger war als Lindberghs Atlantik-Überquerung –, erhielten sie keinen Ruhm oder Vermögen über das Preisgeld hinaus. Der Flug wurde größtenteils von Herndon und seiner Mutter Alice finanziert, sie war Erbin der Tide Water Oil Company. Die Firma war Hersteller der Veedol-Linie von Motorenölen und Schmiermitteln. Im Mai 2012 fanden ein Sammler und seine Frau im Nachlass der Schwiegermutter die 1-$-Note mit der Unterschrift von Hugh Herndon. Er schrieb: »Meine Schwiegermutter zog ungefähr 1935 nach New York City und ich bezweifle, dass sie sich in ihrer Heimat Ohio kennengelernt haben, also schätze ich, dass die Note auf dem Flug von 1931 nicht dabei war. Sie arbeitete als Sekretärin in einem Büro, war aber auch Model. Ich kann mir vorstellen, dass Herndon versucht hat, mit ihr „Zeit zu haben“. Sie erwähnte ihn nie, noch den Schein. Die Unterschrift von Hugh Herndon auf der Note ist anders als 1931. Zu dieser Zeit benutzte er „Jr“ nicht und auf dem Geldschein tat er es auch nicht, was mich glauben lässt, dass er den Schein irgendwann nach dem Tod seines Vaters unterschrieb, anscheinend nach 1931.« Das stimmt jedoch nicht ganz: obwohl auf dem 1-Dollar-Schein zu lesen ist: "1st TransPacific / Flight / Oct. 3–5, 1931 / Hugh Herndon"– sind Briefumschläge vom 5. bzw. 9. Oktober 1931 mit der Unterschrift "Hugh Herndon jr." bekannt. Hugh Herndon traf Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs auf den Bahamas. Churchill engagierte Hugh Herndon für die Royal Canadian Air Force, bevor die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten. Abb. 16: US-Soldaten an Bord des Liberty-Schiffs US 326 auf der Fahrt zur Landung in der Normandie. Abb. 17: Dollar-Note der Friedberg-Variante # 229, Serie X mit Suffix-Pheon (Napier/McClung), ausgegeben zwischen 1909 und 1911; wahrscheinlich noch etwa 850 Stück vorhandenen. Aus dieser Zeit stammt das letzte Beispiel einer beschriebenen Dollar-Note mit den Aufzeichnungen eines unbekannten US-Soldaten: "LEFT THE STATES MAR. 22–44 ARRIVED IN LIVERPOOL, ENG. APRIL 10TH EASTER SUN. WENT TO BIRMINGHAM–ENG. APRIL 11TH WENT TO CARDIF WALES MAY 17TH LEFT CARDIF ON A LIBERTY SHIP JUNE 3D LANDED IN FRANCE OMAHA BEACH JUNE 9TH ENTERED GERMANY DEC. 11TH" So gesehen spiegeln die hier gezeigten Geldscheine eine zusätzliche Konfrontierung mit geschichtlichen Ereignissen wider, die das Sammeln von historischem Papiergeld zusätzlich reizvoll machen. Michael H. Schöne
- Geldgeschichtliche Hinterlassenschaften des Kapp-Putsches 1920
In der Revolutionszeit nach dem Ersten Weltkrieg bildeten sich in Ermanglung zuverlässiger Truppen sog. Freikorps. In diesen den militärischen Kommandostellen des Reichs unterstehenden Freiwilligen-Verbänden mit einer Stärke von bis zu 400.000 Mann scharten sich entwurzelte, im Krieg sozialisierte Frontkämpfer in blindem Gehorsam um ihre Führer. Die Reichsregierung setzte die politisch zweifelhaften, mitunter deutlich antidemokratischen, Freikorps zur Sicherung der Ostgrenzen, aber auch im Inneren gegen Aufständische ein. Im März 1920 ordnete die Reichsregierung den im Friedensvertrag vereinbaren Abbau der Streitkräfte an. Der Vertrag gestattete Deutschland nur noch ein Heer von 100.000 Mann. Der für Ost- und Mitteldeutschland zuständige Reichswehrgruppenkommandeur General der Infanterie Walther Freiherr von Lüttwitz [* 2. Februar 1859 auf Jagdschloss Bodland (Schlesien); † 20. September 1942 in Breslau] war ein scharfer Gegner der Abrüstung. Er stellte am 10. März dem Reichspräsidenten Friedrich Ebert ein Ultimatum: Auflösung der Nationalversammlung, Neuwahlen zum Reichstag, Volkswahl des Staatsoberhauptes und Entlassung des Reichswehrministers Gustav Noske wegen Insubordination. In der Nacht vom 12. auf den 13. marschierten 6000 Soldaten der reaktionären Marinebrigade Ehrhardt, die Noske am 29. Februar für aufgelöst erklärt hatte, von Döberitz über die Heerstraße nach Berlin und ins Regierungsviertel. Gegen 23 Uhr erfuhr die Reichsregierung davon. Reichswehrminister Gustav Noske verlangte nun, dass sich reguläre Reichswehrverbände dem Freikorps entgegenstellen sollten. Doch die Offiziere um den Chef des Truppenamtes, General Hans von Seeckt, fürchteten um den Zusammenhalt ihrer Verbände und lehnten ein Eingreifen ab. „Truppe schießt nicht auf Truppe“, so die von Seeckt zugeschriebenen Worte. Nach einer fast die ganze Nacht währenden Sitzung lehnte das Kabinett die Forderungen ab und floh gegen fünf Uhr morgens aus Berlin Richtung Dresden. Später nahm die Regierung ihren Sitz in Stuttgart. Am Morgen erklärte der ostpreußische General-Landschaftsdirektor Wolfgang Kapp [* 24. Juli 1858 in New York City, USA; † 12. Juni 1922 in Leipzig] die Reichsregierung für abgesetzt und sich zum neuen Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten sowie General von Lüttwitz zum Oberbefehlshaber der Reichswehr. In ihrer Not riefen Reichspräsident und SPD-Minister zum Generalstreik auf. Dieser „nahm alsbald eine derartige Ausdehnung an, daß man ihn den vollständigsten in der Geschichte genannt hat.“[1] Hauptsächlich dieser von der Arbeiterbewegung getragene Generalstreik führte, neben der Weigerung der Beamten, sich den Putschisten zur Verfügung zu stellen, zum Scheitern der Kapp-Diktatur innerhalb von nur fünf Tagen. „Als die alte Regierung nach Berlin zurückgekehrt war, erkannte sie, daß das Ergebnis ihrer Abschiedskundgebung, der Generalstreik, eine neue schwere Gefahr heraufbeschworen hatte. Erst am 23. März war in Berlin der Streik offiziell beendet. In Sachsen, Thüringen und Mecklenburg und besonders in dem großen, an den Rhein grenzenden Industriebezirk von Westfalen, blieb die Lage sehr gespannt.“[2] Hier beschränkte sich der Widerstand nicht nur auf den Generalstreik, sondern Kommunisten und Vertretern der USPD und SPD gebildeten spontan Volksräte, die die lokale Macht übernahmen. Zur Abwehr des Staatsstreiches bildeten sie proletarische Selbstschutzeinheiten. Den etwa 50.000 Arbeiter-Soldaten gelang es innerhalb weniger Tage, das gesamte Revier zwischen Hamm im Osten, dem Rhein im Westen, der Lippe im Norden und der Wupper im Süden unter ihre Kontrolle zu bringen. Carl Severing, Reichs- und preußischer Kommissar für das Ruhrgebiet, suchte den Ausgleich, um militärische Gewaltanwendung zu vermeiden. Vertreter des Reichs, der Stadtverwaltungen, der Gewerkschaften und der Parteien vom Zentrum bis zu den Kommunisten schlossen am 24. März 1920 in Bielefeld ein Abkommen, das auf dem Berliner Acht-Punkte-Programm[3] basierte. Da sich ein Teil der Roten Armee weigerte, die Waffen abzuliefern, ließ die Reichsregierung Freikorps und Reichswehrtruppen, die unter dem Befehl des in seiner politischen Loyalität gegenüber der Republik zwielichtigen Generals Watter standen, ins Ruhrgebiet einmarschieren. Erst Anfang April endete der von beiden Seiten ohne Pardon geführte „Ruhrkrieg“ mit etwa 1300 Toten, überwiegend in den Reihen der Selbstschutzverbände. Natürlich behinderte der Putsch auch die Geldversorgung durch die Reichsbank, da sie vom Generalstreik im Post- und Eisenbahnverkehr ebenfalls betroffen war. Das Schreiben des Reichsbank-Direktoriums an den Reichskanzler vom 29. März 1920 zeigt eine Reihe von Problemen auf.[4] Erst seit dem 25. März, dem Tage der Aufhebung der Postsperre, konnte die Reichsbankhauptkasse wieder Geld an die Reichsbankstellen versenden. „Von allen Teilen des Reiches, insbesondere aus dem Ruhrgebiet, liefen fortdauernd dringendste telephonische Notschreie nach Geldüberweisungen ein.“ Nach den Vorkommnissen im Ruhrgebiet – hier herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände – hatte das Reichsbank-Direktorium größte Bedenken, diesen Wünschen nachzukommen. Am 25. März 1920 erschien der Essener Abgeordnete (zur Preußischen Landesversammlung) Kloft und forderte in „denkbar schärfster Form“ die sofortige Zahlungsmittelausstattung der Reichsbank in Essen. Auch Postminister Giesberts, der von seinem Besuch des Ruhrgebiets zurückgekehrt war, erwiderte auf Einwand des Reichsbank-Direktoriums wegen der Geld-Versendung nach Duisburg, dass „auch Duisburg sofort zu versorgen [sei], um nicht durch Vorenthaltung der Lohnzahlungen auch die regierungstreuen Arbeiter in das Lager der Kommunisten zu treiben.“ Daraufhin gingen unverzüglich rund 280 Millionen Mark ins Ruhrgebiet ab. Am 27. nachmittags traf dann die folgende Hiobsbotschaft von der Reichsbankanstalt in Duisburg ein: „Revolutionäres Exekutivkomitee hat mit bewaffneter Macht und unter Androhung äußerster Gewalt unserem Tresor 1 Million entnommen und verlangt weitere Beträge. Erbitten Verhaltensregeln telegraphisch.“ Die Antwort aus Berlin war wie zu erwarten: „Revolutionärem Exekutivkomitee sind Zahlungen unbedingt zu verweigern. Tresorschlüssel sind zu beseitigen, nötigenfalls zu vernichten. Laßt es auf gewaltsames Öffnen des Tresors ankommen. Bank ist weiter geschlossen zu halten. Reichsbank Havenstein, v. Glasenapp.“ Ferner erhielten die beiden Vorstandsbeamten vom Exekutivkomitee die Weisung: „fortan nur noch Auszahlungen zu leisten, wenn von den Unternehmen die Lohnlisten vorgelegt und jedes mal eine Genehmigung vorgezeigt werde von dem Vorsitzenden des betreffenden Werks-Arbeiter- oder Beamten-Ausschusses, daß dieser mit der Auszahlung der Beträge einverstanden sei.“[5] In den folgenden Zeilen schilderte Bankdirektor Rodewyk die weiteren Vorkommnisse. Um den noch „etwa 5 ½ Millionen Mark betragenden Tresorbestand vor weiterer Beraubung durch die rote Exekutiv zu retten, habe ich mich während des letzten Sonntags (den 28. d. M.) mit den lohnbedürftigen Duisburger Werken, Firmen und Behörden in Verbindung gesetzt und sie veranlaßt, am 29. in aller Frühe gegen von den betreffenden Ausschüssen bescheinigte Schecks die Lohngelder in so hohen Beträgen abzuheben, daß beim Mittagsschluß das Bargeld der Reichsbankstelle bis auf einen Rest von ca. 100.000 M verausgabt und damit dem Zugriff des revolutionären Vollzugsrates glücklich entzogen war.“ Die Auszahlungen blieben nicht unentdeckt. Der Vollzugsrat ließ die beiden Vorstandsbeamten, die sich während der Mittagspause in ihren Wohnungen aufhielten, in das Bankbesprechungszimmer holen, wo es „zu bösen Auseinandersetzungen kam. Schließlich erklärte das Vorstandsmitglied des Exekutiv-Komitees Koch: ‚Sie haben unsere ganze Arbeit sabotiert, nun werden wir zu Gegenmaßregeln schreiten‘.“ Da der Bankvorstand nach dieser Drohung um das Wohl der Mitarbeiter und ihre persönliche Freiheit fürchtete, rieten sie diesen die Stadt möglichst schnell zu verlassen. Der Bankdirektor Rodewyk selbst fuhr, ohne das Geringste mitzunehmen, mit der Straßenbahn in das von den Belgiern besetzte Duisburg-Ruhrort. Später reiste er nach Billerbeck bei Münster i. Westf., wo er „Asyl“ beim Apotheker Rave fand. Am 31. März meldete Wittens Oberbürgermeister vertraulich an die Reichsbankfiliale in Witten, dass er befürchte, dass sich die Aufständischen gewaltsam der Geldbestände bemächtigen würden, „da die Centralleitung keine Gelder mehr .. [habe], um die an der Front Kämpfenden auszulöhnen.“[6] Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch ungefähr ½ Million Mark im Tresor. Der Bestand konnte vermindert werden, indem ein größerer Betrag gegen Scheck an einen Vertrauensmann übergeben werden konnte. 17.000 Mark in Silber wurden so gut es ging versteckt. Die verbliebenen 320.000 Mark versuchte man heimlich zur Reichsbank in Langendreer zu schaffen. „Wir glaubten dies um so unauffälliger machen zu können, als das in Beuteln vorschriftsmäßig verpackte Geld zu Lohnzwecken für die dortigen Zechen verbraucht werden konnte, zumal uns von Wittener Arbeitern mitgeteilt war, daß z. B. Zeche Bruchstraße nur 60 % ausgelöhnt hatte.“ Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen war dies beobachtet worden. „Bankvorstand Lehmann und Geldzähler Leitner wurden mit vorgehaltenem Revolver aus der elektrischen Straßenbahn geholt und gezwungen, mit dem Geld nach Witten zurück zu kehren.“ Das Geld wurden trotz der Aussagen über die Bestimmung des Geldes gegen Quittung beschlagnahmt und vorläufig in einem Schließfach der städtischen Sparkasse untergebracht und drei Posten mit scharf geladenem Gewehr bewachten das Bankgebäude. „Am 2. April, Charfreitag abends erfuhren wir, daß der Centralrat von dem beschlagnahmten Gelde bereits M 125 000 abgehoben habe. Auf unser Befragen erklärte uns der Sparkassendirektor, daß sich die Herren gewaltsam Einlaß verschafft und sich des Geldes bemächtigt haben. Inzwischen war nämlich der Friede zu Münster[7] geschlossen worden und die rückkehrenden Wittener Truppen hatten dem Centralrat gedroht[,] ihn zu erschießen, wenn sie nicht ihren rückständigen Sold erhielten.“ In der Frühe des Ostersonntags wurde bekannt, dass in der Nacht die „Haupträdelsführer“ des Centralrats im Auto die Stadt verlassen hätten. Vermutlich aus Angst vor den heranrückenden Reichswehrtruppen. Um die restlichen 195.000 Mark zu retten, wandte sich der Bankvorstand an die Staatsanwaltschaft in Bochum und erwirkte in den späten Abendstunden einen Beschluss, durch den der Reichsbank die Schließfachschlüssel auszuhändigen waren. Bleibt noch anzumerken, dass mit Hilfe der Kriminalpolizei von den geraubten 125.000 Mark noch 1.520 Mark wiederbeschafft werden konnten.[8] Etwa zur gleichen Zeit nahm der Buchhalterei-Assistent Winter in Berlin ein Telefongespräch eines Mitarbeiters der Reichsbankstelle Mülheim (Ruhr) an.[9] In seinem Bericht heißt es: „Den Namen und den Dienstgrad des Anrufenden habe ich nicht verstehen können. Ob der Anrufende überhaupt ein Reichsbankbeamter war, vermochte ich nicht festzustellen. Er erklärte, die Bestände in Mülheim seien vollkommen aufgebraucht. Er brauche notwendig mindestens 20 Millionen M in Fünfzigmarkscheinen und bitte, sie sobald wie möglich zu senden.“ Im Verlauf des Gespräches stellte sich heraus, dass der Anrufer auf Veranlassung des Vollzugsrates telefonierte. Natürlich kam die Hauptkasse in Berlin diesem Verlangen nicht nach. Im rheinisch-westfälischen Industriegebiet kam es in und kurz nach diesen Ereignissen zu einer Reihe von Notgeldausgaben, die Keller in seinem Katalog zu den Großgeldscheinen als eigene Gruppe aufnahm:[10] Abb. 1.1: Düren, Stadt, 8. April 1920, 100 Mark, Vorderseite. Abb. 1.2: Düren, Stadt, 8. April 1920, 100 Mark, Rückseite. Im folgenden Jahr ließ die rheinische Stadt die Scheine zu Kleingeldscheinen überdrucken. Jeder 100-Mark-Schein ergab jeweils drei 25-, 50- bzw. 75-Pfennig-Werte. Diese Serienscheine tragen das Ausgabedatum 21. Juni 1921. Abb. 2.1: Essen, Fried. Krupp Aktiengesellschaft, 6. April 1920, 50 Mark, Vorderseite. Abb. 2.2: Essen, Fried. Krupp Aktiengesellschaft, 6. April 1920, 50 Mark, Rückseite. Mit gleichem Datum wurde auch ein Schein zu 20 Mark emittiert, ferner 20- und 50-Mark-Scheine mit Datum vom 29. März 1920. 1-, 2- und 5-Mark-Scheine der 1918er Ausgabe erhielten einen rückseitigen Stempelaufdruck „… wird bis 15.5.1920 in Zahlung genommen“. Von der spartakistischen Stadtverwaltung in Gladbeck sind 50-Mark-Scheine mit dem Datum vom 2. April 1920 bekannt. Die Bürgermeisterei Heiligenhaus, in der Nähe Düsseldorfs, setzte Nominale zu 5, 10, 20 und 50 Mark in Umlauf. Die einseitig bedruckten Gutscheine unterscheiden sich nur in Größe und Wertaufdruck. Sie kommen meist mit dem Entwertungsstempel „Bezahlt“ vor. Abb. 3: Heiligenhaus, Bürgermeisteramt, 18. März 1920, 10 Mark, Vorderseite. Die Stadt Köln ließ bei der Druckerei Bachem in Köln 20- und 100-Mark-Gutscheine auf Papier mit dem Wasserzeichen „Rheinische Wellen“ drucken. Die Scheine sind auf den 20. März 1920 datiert. Die Sieg-Post, Nr. 251 vom 28. Oktober 1922 meldete: „Wissen 28. Okt. Heute Vormittag wurden in der hiesigen Bahnhofswirtschaft zwei Kerle beobachtete, die ganze Pakete Kölner Stadtgeld aus dem Jahr 1920 (!) bei sich trugen. Offenbar handelte es sich um Falschgeld, da Köln 1920 kein Stadtgeld ausgegeben hat. Es ist also Vorsicht dringend geboten. Die Kerle entkamen mit dem Kölner Schnellzug gegen 11.30 Uhr.“ Gut, dass die „Kerle“ entkamen, so blieb den Polizisten die Peinlichkeit erspart, unbescholtene Bürger festgenommen zu haben, denn das 1920er Stadtgeld wurde 1922 von der Stadt Köln in Umlauf gesetzt. Abb. 4.1: Köln, Stadt, 20. März 1920, 20 Mark, Vorderseite. Abb. 4.2: Köln, Stadt, 20. März 1920, 20 Mark, Rückseite. Abb. 5.1: Köln, Stadt, 20. März 1920, 100 Mark, Vorderseite. Abb. 5.2: Köln, Stadt, 20. März 1920, 100 Mark, Rückseite. Die Stadt Solingen ließen noch Gutscheine zu 5, 10, 20 und 50 Mark mit dem Datum vom 1. Mai 1920 drucken. Abb. 6.1: Solingen, Stadt, 1. Mai 1920, 10 Mark, Vorderseite. Abb. 6.2: Solingen, Stadt, 1. Mai 1920, 10 Mark, Rückseite. Ähnliche Verhältnisse wie im Ruhrgebiet herrschten auch in Thüringen und Sachsen. Ein undatierter Serienschein der Stadt Suhl zu 50 Pfennig erinnert auf der Rückseite an die Ereignisse des 15. März 1920: „Im grünen Wald die rote Stadt[,] die ein zerschossenes Rathaus hat“. In den frühen Morgenstunden marschierte die Reichswehr in Suhl ein und besetzte kampflos Bahnhof, Post und Rathaus. Zu ersten Kampfhandlungen kam es wenige Stunden später, als Zella-Mehliser und Suhler Arbeiterkampfverbände mit requirierten Panzerwagen zunächst Bahnhof und Post freikämpften und später Zella-Mehliser und Albrechtser Einheiten in die Stadtmitte vorrückten und das Suhler Rathaus unter Beschuss nahmen. Nach zwölfstündiger Belagerung strecken die Putschisten die Waffen.[11] Abb. 7.1: Suhl, Stadt, o. D., 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 7.2: Suhl, Stadt, o. D., 50 Pfennig, Rückseite. Der zweite Serienschein erinnert an die Zerstörung des Leipziger Volkshauses in der Zeitzer Straße am 19. März 1920 durch die Reichswehr. Am 14. März rief die USPD zu einer Kundgebung zur Unterstützung der rechtmäßigen Reichsregierung auf dem Augustusplatz auf. Als sich die Demonstrationszüge aus den Stadtteilen dem Platz näherten, wurden sie von Angehörigen des Zeitfreiwilligenregiments, das aus Studenten der Universität bestand und die mit Kapp und Lüttwitz sympathisierten, und Teilen des Reichsregiments 37 unter dem Kommando General Senft von Pilsach am Roßplatz, am Johannisplatz, am Hauptbahnhof und am Fleischerplatz unter Feuer genommen. Bei diesem Vorfall, der als Leipziger Blutsonntag in die Annalen einging, wurden allein am Augustusplatz 40 Demonstranten getötet und mehr als 100 verletzt.[12] Als Antwort auf das brutale Vorgehen der Putschisten organisierten sich Arbeiterwehren. Sie errichteten Barrikaden und Straßensperren und setzten den Aufständischen so zu, dass sich die Reichswehr am 18. März zum Waffenstillstand bereit erklärte, der jedoch bereits einen Tag später vom Militär gebrochen wurde. Als sich viele Leipziger zur Beerdigung der Gefallenen auf dem Südfriedhof befanden, schoss die Reichswehr das Volkshaus, dass sie als Hauptquartier der Spartakisten ansahen, in Brand. Um Mittel für den Wiederaufbau zu erhalten, wurden vier Serien zu je vier 50-Pfennig-Gutscheinen ausgeben. Diese Scheine sind einheitlich gestaltet. Die Vorderseite bildet in der Mitte das Volkshaus ab und ist unterschrieben mit „TROTZ ALLEDEM“. Die Rückseite zeigt das brennende Gebäude und ist überschrieben mit „HELFT UNS!“. Die Spendenscheine unterscheiden sich nur in der Farbe: Vorderseite blau, Rückseite blau, braun, grau und olivgrün Vorderseite braun, Rückseite blau, braun, grau und olivgrün Vorderseite grau, Rückseite blau, braun, grau und olivgrün Vorderseite olivgrün, Rückseite blau, braun, grau und olivgrün Abb. 8.1: Leipzig, Volkshaus, o. D., 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 8.2: Leipzig, Volkshaus, o. D., 50 Pfennig, Rückseite. Zum Abschluss sei noch auf zwei Notgeldausgaben hingewiesen, die während der Zeit des Kapp-Putsches von der sächsischen Stadt Limbach bzw. den thüringischen Städten Ruhla ausgegeben wurden. Abb. 9.1: Limbach, Stadt, o. D., 20 Mark, Vorderseite. Abb. 9.2: Limbach, Stadt, o. D., 20 Mark, Rückseite. Abb. 10.1: Ruhla, Städte, 3. April 1920, 20 Mark, Vorderseite. Abb. 10.2: Ruhla, Städte, 3. April 1920, 20 Mark, Rückseite. Die Forderungen der Arbeiter wurden nicht erfüllt. Auf Druck von SPD und Gewerkschaften musste zwar Reichswehrminister Noske und mit ihm das gesamte Kabinett Bauer zurücktreten, doch eine konsequente Säuberung der Reichswehr erfolgte nicht. Kein einziger Soldat wurde wegen Beteiligung am Umsturz zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] General Henry T. Allen, Zehn Jahre Fremdherrschaft am deutschen Rhein, Die amerikanische Besatzung des Rheinlands, nach dem Tagebuch, Berlin o. D., S. 137. [2] Ebenda, S. 137 f. [3] Die Gewerkschaften und die SPD hatten u. a. die Sozialisierung des Bergbaus und der Montanindustrien, die konsequente Säuberung der Reichswehr, Bestrafung der Schuldigen und den Rücktritt des bei den Arbeitern verhassten Reichswehrministers Noske gefordert. [4] BA Berlin, R43-I-629, Bl. 108 f. [5] Ebenda, Bl. 116 f., Anlage (Bericht des Ersten Vorstandsbeamten, Herrn Rodewyk, vom 30. März 1920) zum Schreiben des Reichsbank-Direktoriums an den Reichskanzler vom 1. April 1920. [6] Ebenda, Bl. 148, Auszug aus einem Bericht der Reichsbanknebenstelle Witten vom 6.4.1920. [7] Anm. d. Verf.: Am 31. März 1920 verlangte die Reichsregierung von der Roten Armee die sofortige Kapitulation, Waffenabgabe innerhalb von 48 Stunden und Auflösung ihrer Organisationsstrukturen, während die Reichswehr mit dem Einmarsch ins Ruhrgebiet begann. Diesem Ultimatum, das als „Friede von Münster“ bekannt wurde, war bereits drei Tage zuvor ein ähnliches von General Watter vorausgegangen, woraufhin der Generalstreik im Ruhrgebiet wieder voll aufgeflammt war. [8] BA Berlin, R43-I-629, Bl. 147, Schreiben des Reichsbank-Direktoriums an den Reichskanzler vom 14. Mai 1920. [9] Ebenda, Bl. 118 f., Anlage (Abschrift einer Anzeige des Buchhaltereiassistenten Winter) zum Schreiben des Reichsbank-Direktoriums an den Herrn Reichskanzler vom 31. März 1920. [10] Dr. Arnold Keller, Katalog Großgeldscheine 1918 – 1921, unveränderter Nachdruck der 3. Auflage 1955, München 1976, S. 91 f, Kat.-Nr. 553 – 560. [11] Vgl. Geschichte des antifaschistischen Widerstandes in Südthüringen 1933–‘45 – Teil I, https://www.autistici.org/agst/alerta/04-geschichte-des-widerstandes-i.html (16.11.2020) [12] Vgl. Der Kapp-Putsch 1920 in Leipzig, < https://research.uni-leipzig.de/agintern/UNIGESCH/ug222d.pdf> (16.11.2020)
- Fälscher & Falschgeld: Der Superdollar – Teil 1
Fortsetzungsreihe, Teil 7 Streng geheim und mysteriös Nach wie vor mysteriös und höchstwahrscheinlich politisch motiviert sind die seit mehr als 20 Jahren in allen Teilen der Welt auftauchenden falschen amerikanischen 100-Dollar-Noten der Serien 1988, 1990 und 1993 wie auch der ab 1996 ausgegebenen Serie in neuem Design mit großem Porträtoval, die so genannte „Big-Head“-Serie. Von den Serien 1990 und 1993 war als Fälschung auch die 50-Dollar-Note betroffen und vom US Secret Service unter dem Indikativ C-20000 registriert worden. Es handelt sich hierbei schon nicht mehr um Fälschungen im herkömmlichen Sinne, sondern um einen unautorisierten Nachdruck, eben fast genau wie die Nachahmungen der englischen Pfundnoten im Zweiten Weltkrieg. Damit scheiden herkömmliche Fälscher als Urheber aus, es muss ein Staat oder eine staatliche Notendruckerei an der Herstellung beteiligt sein. Die Falsifikate bereiten den Banken und Behörden aller Länder bis heute erhebliches Kopfzerbrechen. Sie sind von gravierten Platten im originalen Stichtiefdruck auf Original-Druckmaschinen hergestellt. Die verwendeten Druckfarben können nur durch spezielle Analysen von den echten Druckfarben unterschieden werden. Selbst an die Magnetisierung der Farben wurde gedacht, so dass bei diesen Falschnoten, zumindest bei den älteren Serien, die entsprechenden Prüfgeräte versagen. Die Nummern stimmen in Schriftcharakter, Farbe und Anordnung mit denen echter Dollars überein, das Schatzamtssiegel ist von der echten Ausführung nicht zu unterscheiden, Nummerierung und Siegel sind korrekt im Buchdruck aufgebracht. Die echte 100-Dollar-Note der sogenannten „Big Head“-Serie. An den gekennzeichneten Stellen befinden sich u.a. die minimalen Abweichungen, an denen Superdollar-Fälschungen dieser Ausgabe zu erkennen sind. Vergrößerung der oberen linken Wertzahl der echten Note. Bei den Fälschungen wurden bestimmte Partien der Zahl 1 absichtlich verändert. Die Unterschiede auf der echten Banknote (links) im Vergleich zur falschen (rechts): Die linke Randlinie der Zahl 1 ist verdickt, der Sockel verzeichnet. Dies führt dazu, dass die Abschrägung im linken Teil der Schattenpartie des Fußes etwas steiler ausfällt als beim Original. Zudem sind beim Superdollar die schwarzen Felder zwischen den Netzwerklinien zum Teil anders geformt und ungenauer. Bei der Fälschung (rechts) ist im Buchstaben „N“ rechts oben eine größere weiße Trennfläche zwischen den beiden Balken zu sehen. Es gibt den Super-Hunderter mit dem Indikativ C-23183 allerdings auch in einer Variante ohne dieses Erkennungsmerkmal. Bisher sind auch keine mehrfach vorkommenden Nummern festgestellt worden, sodass der Verdacht nahe liegt, dass den Fälschern eine entsprechende Nummeriermaschine zur Verfügung steht, entweder ein Original oder ein exakter Nachbau. Das Papier dieser Dollars wurde ebenfalls eigens hergestellt und, wie bei echtem Dollarpapier der Firma Crane, während des Produktionsprozesses mit den haarfeinen blauen und roten Seidenfasern versehen, so dass es nur nach komplizierten chemischen Prüfungen seine minimalen Abweichungen zum echten Notenpapier preisgibt. Das langfaserige Papier echter Dollarnoten besteht aus einer Mischung von 75 % Baumwolle und 25 % Leinen und wird auf so genannten Fourdrinier-Papiermaschinen hergestellt. Wie die eingehenden Untersuchungen ergeben haben, stammt zumindest die Baumwolle, die für das Papier der Superfälschungen verwendet wurde, aus den Südstaaten der USA – wie diejenige der echten Dollars. Allerdings ist diese Baumwolle auch auf dem freien Markt erhältlich. Als Ende 1989 diese so genannten „Superdollars“ zuerst bei einer Bank der philippinischen Hauptstadt Manila, dann in der Schweiz und in Hongkong auftauchten, war der amerikanische Secret Service „highly alert“, also aufs Äußerste besorgt. Bereits im März 1990 wurden die ersten der Super-Hunderter in Deutschland, nämlich in Hamburg angehalten. In den folgenden Jahren wurden sie auf allen Kontinenten entdeckt. Im Januar 1991 tauchten die ersten Exemplare in Österreich auf, Ende 1991 in England, und die „Financial Times“ schrieb am 25. Januar 1992: „...dass aufgrund der ausgezeichneten Qualität die Polizei es für möglich hält, dass die Falsifikate in einer regierungseigenen Druckerei irgendwo in einem Dritte-Welt-Land hergestellt worden sind.“ Auch als der Irak 1991 einen Teil der bei der Besetzung Kuwaits erbeuteten Dollarmillionen in Umlauf brachte, stellte der US-Geheimdienst mit Entsetzen fest, dass rund 40 % der von den Irakern zum Erwerb von Waffen verausgabten Dollars Superdollar-Fälschungen waren. Ob diese bereits unerkannt in Kuwait lagerten oder ob sie von den Irakern unter den erbeuteten Dollarbestand gemischt worden waren, war nicht zu ermitteln. Heute steht allerdings fest, dass der irakische Despot Saddam Hussein nichts mit den Fälschungen zu tun hatte. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!












