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  • Abgekupfert

    In der Sammlung, die ich in mehreren Auktionen in Shanghai versteigert habe, befand sich auch ein Notgeldschein über 1 Yuan, ausgegeben von einer Firma (公源荘) in der Stadt Fuqing (福清) in der Provinz Fujian, datiert MG 20=1931. Abb.1: 1 Yuan 1931 der Firma Gōngyuán. Ich finde den Schein nicht uninteressant. Einmal zeigt er rechts unten eine Art Unterschrift, „Kungyuan“, doch handelt es sich keineswegs um eine Signatur, sondern um die damals übliche Romanisierung des Firmennamens "Gōngyuán". Dass der Firmenname wie eine Signatur auf der Note angebracht wurde, ist schon etwas eigenartig. In der Mitte sieht man ein komplexes Gebäude. Dieses Bild kam mir bekannt vor, aber ich konnte lange nicht herausfinden, wo ich es schon einmal gesehen hatte. Ich habe an mehrere Sammler in der Provinz Fujian geschrieben, doch konnte mir keiner helfen. Doch vor Kurzem hat sich hat sich das Rätsel gelöst:  Ich arbeite im Moment an einer Art „Pick-Katalog“ für chinesische Noten und musste mich jetzt mit der „Land Bank of China“ befassen. Und auf all deren Noten (P.501 bis P.506) findet sich das Gebäude! Hier ein Beispiel: Abb. 2: 1 Yuan 1931, Land Bank of China, Vorderseite. Ja, mehr noch, man weiß sogar, um welches Gebäude es sich handelt. Im SCWPM steht zwar „shoreline temple at ctr.“, aber das ist reine Fantasie. Vielmehr handelt es sich um eine der sog. „Faktoreien“ in Guǎngzhōu. „Factoreien“ waren Gebäudekomplexe, in denen ausländische Kaufleute, „factors“ genannt, wohnen und ihren Geschäften nachgehen konnten. Jede der insgesamt 13 Faktoreien hatte einen eigenen Namen, das hier in Rede stehende Gebäude hieß Lìquánháng (麗泉行). Ursprünglich war das Gebäude kurz nach 1800 von einem reichen chinesischen Kaufmann, Pān Chǎngyào (潘長耀) errichtet worden. Von ihm wissen wir, dass er von US-Amerikanern um 1 Million Liang (besser als „Tael“ bekannt) betrogen wurde. Als erster Chinese überhaupt klagte Herr Pān in den USA (1814 in New York und Philadelphia) auf Wiedergutmachung. Er schrieb 1815 mehrere Briefe an den US-Präsidenten Madison, jeweils auf Chinesisch. Portugiesisch und Englisch, und bat um Unterstützung. Diese Briefe werden noch heute in Nationalarchiv der USA aufbewahrt. Pān gewann zwar alle Prozesse, erhielt aber sein Geld am Ende doch nicht zurück. Daher ging er bankrott. Die Banknoten der Land Bank of China wurden allesamt von Waterlow & Sons gedruckt. Die Firmennote wurde aber lokal hergestellt und das Motiv einfach übernommen. Das geschah nicht selten, denn die von den Unternehmern mit dem Entwurf lokaler Banknoten beauftragten kleinen Druckereien waren oft überfordert. Sie suchten sich Motive auf schon existierenden Banknoten, oft aus fernen Provinzen, vielleicht, damit der Ursprung der Bilder nicht gleich offenbar wurde. Erst jetzt bemerke ich, dass auch die 5-Jiao-Note der selben Firma ein „gestohlenes“ Bild zeigt, und zwar wieder von der „Land Bank of China“, nun aber von der Rückseite. Abb.3: 5 Jiao 1931, Firma Gōngyuán. Man sieht hier einen sehr steil abfallenden Felsen mit einem Pavillon. Am Fuße des Felsens eine Plattform mit Personen. Im Hintergrund sieht man einen See mit einem Boot, in dem jemand steht, am gegenseitigen Ufer eine hügelige Landschaft. Auch hier hat der Entwerfer des Scheins das komplette Bild übernommen, er hat jedoch rechts oben einen kleinen Teil eines Schildes hinzugefügt, auf dem man die Buchstaben „P“, „B“ und „AT“ erkennen kann. Abb.4: 1 Yuan 1931, Land Bank of China, Rückseite. Auch dieses Bild kennt man: es handelt sich um eine Szene aus Macao! Der Fels steht in einem öffentlichen Park, dem Báigēcháo-Park (白鴿巢公園). „Báigēcháo“ bedeutet „Nest der weißen Taube“. Hier lag früher der Eingang zu einer Höhle, sie heißt 賈梅士洞, Jiǎméishì-Höhle. „Jiǎméishì“ ist die chinesische Wiedergabe des Namens Camões und bezieht sich auf den portugiesischen Dichter Luis de Camões (1524~1580). Der hatte zwei Jahre in Macao verbracht und soll (aber das ist natürlich nur Legende) hier in dieser Höhle sein berühmtes Epos „Os Lusiadas“ geschrieben bzw. vollendet haben. Der Pavillon existiert schon lange nicht mehr, und die Höhle ist verfallen. An der Stelle, wo früher der Höhleneingang war, steht jetzt eine Bronzestatue von Camões. Abb. 5: Bild des von Pān errichteten Hauses, Guǎngzhōu-Museum. Als Vorlagen für die beiden Motive dienten der Druckerei Waterlow & Sons zwei Bilder, die heute im Guǎngzhōu-Museum hängen. Das eine, es zeigt das von Pān errichtete Gebäude, kann ich hier abbilden, es stammt aus einem alten Buch über Guǎngzhōu (Copyright erloschen). Erwin Beyer Abb. 1, 2, 3: Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun. Abb. 4: Peter Mösselberger. Abb. 5 ohne Copyright.

  • Die Glogauer Holzwert-Anleihe von 1923

    Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen sowie zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld suchen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit „wertbeständige Anleihen“, die auf der Basis von Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle, Holz, etc. zunehmend bis Ende 1923 – verbrieft in Form von Schuldverschreibungen und/oder Anteilscheinen – in den Umlauf kamen. Börsennotierte, wertbeständige Holzwertanleihen wurden 1923 nur von wenigen, waldreichen Städten begeben: Baden-Baden, Heidelberg, Löwenberg in Schlesien, Offenbach am Main, Sagan … und – wie hier berichtet – von der Stadt Glogau in Schlesien. Im August 1923 beschloss der Magistrat der niederschlesischen Stadt Glogau (heute: Głogów in Polen) eine mit Mantel und Zinsbogen ausgestattete, wertbeständige 5%ige börsenfähige Holzwertanleihe zu folgenden Konditionen zu begeben: 5% Glogauer Holzwertanleihe vom August 1923 Anleihebetrag: 20.000 Festmeter (fm) Rundholz Klasse 1-4 Wertpapierart: Schuldverschreibungen Stückelung: Litera A (1-1000) 10 fm, Litera B (1-1000) 5 fm, Litera C (1-4500) 1 fm und Litera D (1-1000) ½ fm, insgesamt 7.500 Schuldverschreibungen Zinsfuß: 5% Zinstermin: 1.4. und 1.10 (1. Zinsschein per 1.4.1924) Zinszahlung: nach dem Durchschnittspreis für Rundholz Klassen 27-29 und 1-5 in den Stadtforsten des Regierungsbezirks Liegnitz in dem, dem Zinstermin vorangehenden Vierteljahr, zu sieben Terminen zwischen 1.10.1926 bis 1.10.1929 (umgerechnet 1 Festmeter in Reichswährung) Tilgung: ab 1.10.1924 mit jährlich 5% durch jährliche Auslosung, spätestens 1938. Verstärkte Tilgung oder Gesamtkündigung vorbehalten. Zahlstellen: Schlesische Landschaftliche Bank in Breslau und die Stadtbank Glogau Börsenzulassung: Breslau Emissionskurs am 3.8.1923: 3,5 Millionen Papiermark Erster Börsenkurs am 7.11.1923: 4,5 Billionen Papiermark Interims-Anteilscheine Zweck der börsennotierten Holzwertanleihe war die Absicherung und die vorübergehende Ausgabe von wertbeständigem Notgeld in Form sog. Interims-Anteilscheine. Die Ausgabe der „einstweiligen“ Anteilscheine erfolgte am 1. November 1923 in den folgenden sechs Nominalwerten: 1 Goldpfennig = 1/4000 Festmeter 5 Goldpfennige = 1/800 Festmeter 10 Goldpfennige = 1/400 Festmeter 50 Goldpfennige = 1/80 Festmeter 1 Goldmark = 1/40 Festmeter 5 Goldmark = 1/8 Festmeter Man ging bei den Nominalwerten der Interims-Anteilscheine bis auf 1/4000 Festmeter herunter. Die ausgegebenen Scheine waren im Buchdruck hergestellte, nicht durchnummerierte Inhaberscheine und dienten als wertbeständiges Notgeld insbesondere bei den täglichen Einkäufen, ohne die Notwendigkeit, sie mit Unmengen von täglich wertloserer Papiermark zu zahlen. Eine Annahmepflicht für diese Geldsurrogate bestand nicht. Wer freilich auf gesetzlichen Zahlungsmitteln bestand, musste sich mit der nicht gerade erwünschten Papiermark begnügen. Die Interims-Anteilscheine waren darauf angelegt, ab November 1923 zunächst als Notgeld zu zirkulieren. Gemäß den aufgedruckten Bedingungen sollten die Scheine wie folgt von der Stadtbank Glogau getilgt werden: Einerseits sollten sie ab dem 1. April 1924 in Schuldverschreibungen der 5% Glogauer Holzwertanleihe von 1923 nach Maßgabe der Stückelung eingetauscht werden. Es wurde wohl dem Publikum überlassen, aus diesen Interims-Anteilscheinen ganze Schuldverschreibungen von mindestens ½ Festmeter im Umtausch zu erwerben. Die damit eingetauschten Schuldverschreibungen waren dann aber kein Geld mehr, sondern Vermögenswert. Die kleingestückelten Anteilscheine standen demnach im praktischen Gebrauch an der Grenze, gewissermaßen in einer Scharnierfunktion, zwischen Wertanleihe und Notgeld. Andererseits war die Stadtgemeinde berechtigt, den Eintausch schon vorher und außerdem zum angegebenen Goldwertbetrag in Rentenmark (später ab November 1923 ausgegeben) oder in einer Goldanleihe des Deutschen Reichs vorzunehmen. Das wertbeständige Notgeld Interims-Anteilschein über 1/4000 Festmeter Rundholz (= 1 Goldpfennig) der 5% Glogauer Holzwert-Anleihe, ausgegeben vom Magistrat der Stadt Glogau am 1. November 1923. Interims-Anteilschein über 1/800 Festmeter Rundholz (= 5 Goldpfennige) der 5% Glogauer Holzwert-Anleihe, ausgegeben vom Magistrat der Stadt Glogau am 1. November 1923. Interims-Anteilschein über 1/400 Festmeter Rundholz (= 10 Goldpfennige) der 5% Glogauer Holzwert-Anleihe, ausgegeben vom Magistrat der Stadt Glogau am 1. November 1923. Interims-Anteilschein über 1/80 Festmeter Rundholz (= 50 Goldpfennige) der 5% Glogauer Holzwert-Anleihe, ausgegeben vom Magistrat der Stadt Glogau am 1. November 1923. Interims-Anteilschein über 1/40 Festmeter Rundholz (= 1 Goldmark) der 5% Glogauer Holzwert-Anleihe, ausgegeben vom Magistrat der Stadt Glogau am 1. November 1923. Interims-Anteilschein über 1/8 Festmeter Rundholz (= 5 Goldmark) der 5% Glogauer Holzwert-Anleihe, ausgegeben vom Magistrat der Stadt Glogau am 1. November 1923. Die Währungsreform 1923/24 Zur Bekämpfung der Hyperinflation wurde bereits vor Ausgabe der Glogauer Interims-Anteilscheine am 16. Oktober 1923 der Beschluss über die Errichtung der Deutschen Rentenbank verkündet, damit leitete die Reichsregierung die Rückkehr zu einer stabilen Währung ein. Mit der Währungsreform und der Ausgabe der Rentenmark gelang es ab November 1923 die Inflation im Deutschen Reich zu stoppen. Die Ersparnisse weiter Bevölkerungskreise waren vernichtet, Vermögenswerte dahingeschmolzen. Am 20. November 1923 war 1 Dollar 4,2 Billionen Papiermark (= 4,20 Rentenmark) wert. Eine Rentenmark bzw. eine Mark Gold entsprach an diesem Tag offiziell einer Billion Papiermark. Im Hinblick auf die gespannte Lage der Reichsfinanzen und der Knappheit der neuen Banknoten wurde es jedoch gern gesehen, dass das wertbeständige Notgeld noch im Umlauf blieb. Öffentliche Kassen und die Reichsbank unternahmen erhebliche Anstrengungen, um es im Verkehr zu halten. Ende April 1924 hatte sich die finanzielle Lage des Reichs derartig gebessert, dass die Einziehung des wertbeständigen Notgelds erfolgen konnte. Die im Umlauf befindliche Summe des Goldnotgelds fiel von 240 Millionen Mark Gold am 31. Dezember 1923 schnell auf 24 Millionen Mark Gold am 31. Mai 1924. Die endgültige Neuordnung der Währung wurde im Sommer 1924 realisiert. Am 30. August 1924 schuf das Währungsgesetz die Reichsmark als neues gesetzliches Zahlungsmittel und gab der für die Ausgabe zuständigen Reichsbank die volle Unabhängigkeit von der Regierung. Die Reichsmark galt zusätzlich zur Rentenmark im Verhältnis 1:1, mit beiden Währungen konnte nun bezahlt werden. Die noch immer umlaufende Papiermark wurde jetzt zum Kurs von 4,2 Billionen Mark = 1 Reichsmark eingezogen. Auch die verschiedenen wertbeständigen Notgeldarten verschwanden nacheinander durch Einziehung im Laufe des Jahres 1924. Die Interims-Anteilscheine der 5% Glogauer Holzwertanleihe von 1923 ab 50 Goldpfennig aufwärts sind heute im Münzantiquariat selten zu finden, die Nennwerte darunter werden häufiger angeboten. Stücke der Schuldverschreibungen der 5% Glogauer Holzwertanleihe blieben bisher unbekannt. Die Glogauer Interims-Anteilscheine sind katalogisiert bei: Manfred Müller: "Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924" (Nr. 1895) Kai Lindman: "Das wertbeständige Notgeld von 1923/24" (G009) Hans-Georg Glasemann Abb. und Informationen: HGG, NK und Privat (8/2020)

  • Gutscheine der Bremer Festmarkbank AG: Wertbeständiges Notgeld 1923

    Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, wurden spezielle Finanzinstitute gegründet, die kreative Lösungen zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld anboten. Eine Gruppe dieser Institute waren die sogenannten Festwertbanken, die wertbeständiges Notgeld auf der Rechnungsbasis von US-Dollar, Gold und Roggen herausgaben. Beispiele hierzu: Die Deutsche Festmarkbank GmbH in Berlin, die Hamburger Bank von 1923, die Bank für Goldkredit in Weimar, die Roggenrentenbank AG in Berlin, die Getreiderentenbank für Landwirtschaft AG in Berlin u.a.m. – wie die 1923 in Bremen gegründete Deutsche Festmarkbank AG, die Ende 1923 wertbeständige Gutscheine emittierte, die auf der Basis von US-Dollar und Roggen in Umlauf kamen. Deutsche Festmarkbank AG, Bremen Die Deutsche Festmarkbank Aktiengesellschaft wurde am 27. Juli 1923 in Bremen mit einem Kapital von einer Milliarde Mark gegründet. Das Kapital der Gesellschaft war eingeteilt in 5000 Namens-Vorzugsaktien über je 100.000 Mark und 5000 Inhaber-Aktien Litera B über je 100.000 Mark mit Ausgabedatum vom Oktober 1923. Geschäftszweck war die Durchführung von Bankgeschäften, insbesondere die Vermittlung von Darlehen auf wertbeständiger Grundlage. Die Festmarkbank emittierte 1923 in größeren Stückzahlen Gutscheine auf Dollarbasis (Festpfennige bzw. Festmark) als wertbeständiges Notgeld – in Fachkreisen auch Goldwechselscheine genannt – und auf der Basis von Roggen (Roggenmark). Die Bank erlosch nach der Hyperinflation im Januar 1926. Die Liquidation einschließlich der Archivierung aller Bankakten wurde von der Berliner Handelsgesellschaft in Berlin durchgeführt. Die Akten befinden sich heute als Depositum der Frankfurter BHF-Bank im Bundesarchiv (Archivalien-Signatur: R 8127/4094). Es handelt sich bei den Aktien Litera B um äußerst seltene Stücke (bislang acht Stücke aus einem Dachbodenfund bekannt, Raritätenschlüssel R9). Deutsche Festmarkbank Aktiengesellschaft, nicht gelaufene Inhaberaktie Litera B über 100.000 Mark, ausgestellt im Oktober 1923 in Bremen. Gutscheine in Roggen- und Festmark Deutsche Festmarkbank AG, Gutschein für eine Roggenmark, ausgestellt in Bremen im August 1923. Die Festmarkbank AG begab Gutscheine über Roggenmark in folgenden Nominalwerten: 1 Roggenmark (= 1/10 Zentner inländischen Roggens) im August 1923 10 Roggenmark (= 1 Zentner inländischen Roggens) im August und Oktober 1923 Deutsche Festmarkbank AG, Gutschein für zehn Roggenmark, ausgestellt in Bremen im August 1923. Deutsche Festmarkbank AG, Gutschein für den Gegenwert von 1/40 Dollar (=Zehn Festpfennige), ausgestellt in Bremen im Oktober 1923. Die Festmarkbank AG begab Gutscheine über in US-Dollar abgesicherte Festmark im Oktober 1923 in folgenden Nominalwerten: 1/40 Dollar (= 10 Festpfennige/ Litera E) 1/8 Dollar (= 50 Festpfennige/ Litera D) 1/4 Dollar (= 1 Festmark/ Litera C) 1/2 Dollar (= 2 Festmark/Litera B) 1 Dollar (= 4 Festmark/ Litera A) 1 US-Dollar kostete im Ausgabezeitraum am 1. Oktober 1923: 242 Millionen Papiermark und am 31.Oktober 1923: 72,5 Milliarden Papiermark (das macht eine rund 300-fache Geldwert-Verschlechterung im Oktober 1923 aus). Deutsche Festmarkbank AG, Gutschein für den Gegenwert von 1/4 Dollar (= Eine Festmark), ausgestellt in Bremen im Oktober 1923. Deutsche Festmarkbank AG, Gutschein für den Gegenwert von 1/2 Dollar (= Zwei Festmark), ausgestellt in Bremen im Oktober 1923. Deutsche Festmarkbank AG, Gutschein für den Gegenwert von 1 Dollar (= Vier Festmark), ausgestellt in Bremen im Oktober 1923. Für die von der Deutschen Festmarkbank verausgabten Gutscheine haftete die Bank mit ihrem Gesamtvermögen, außerdem waren die Gutscheine in voller Höhe gedeckt durch kurzfristige wertbeständige Forderungen der Bank an Industrie und Landwirtschaft. Die Gutscheine wurden in Einzelbeträgen bis zu 10 Festmark jederzeit an der Kasse der Festmarkbank eingelöst. Größere Beträge mussten unter Einreichung der Gutscheine zwei Börsentage vor der Auszahlung gekündigt werden. Der Auszahlungsberechnung wurde der Durchschnitt der beiden amtlichen Berliner „Geld“-Notierungen für Auszahlung New York zugrunde gelegt. Alle Gutscheine der Festmarkbank verloren am 31. Dezember 1926 ihre Gültigkeit. Die Gutscheine wurden 2011 bei Manfred Müller in “Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924" unter Nummer 0545 katalogisiert sowie 2008 bei Kai Lindman in: „Das wertbeständige Notgeld von 1923/24“ unter Nummer B078. Sie sind auch von Arnold Keller unter der Referenznummer 73 in seinem Katalog „Das wertbeständiges Notgeld (Goldnotgeld) 1923/24“ beschrieben worden (unveränderter Nachdruck der zweiten Auflage von 1954). Hans-Georg Glasemann Bildquellen: HGG, WK und V.G. (8/2020)

  • Wertbeständiges Notgeld: Die Bremer Anteilscheine von 1923

    Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen sowie zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld suchen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit „wertbeständige Anleihen“, die auf der Basis von Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle, etc. zunehmend bis Ende 1923 – oft verbrieft in Form von Anteilscheinen – in Umlauf kamen. Im Oktober 1923 beschloss der Senat des Bremischen Staates eine Dollaranleihe, gestückelt in Anteilscheine im Gesamtwert von einer Million Dollars nordamerikanischer Währung (= 4,2 Millionen Mark Gold) zu emittieren. Die Anteilscheine waren Inhaberpapiere und dienten insbesondere den täglichen Einkäufen, ohne die Notwendigkeit, diese mit Unmengen von täglich wertloserer Papiermark zu zahlen. Zur Sicherstellung der Dollaranleihe bzw. ihrer Anteilscheine haftete der Bremische Staat mit seinen gesamten Einkünften und seinem ganzen Vermögen. Es wurden in sieben Reihen als Notgeld verwendbare, wertbeständige Anteilscheine an der Dollaranleihe ausgegeben, verbrieft in folgenden Nennwerten: Reihe 1: 1/100, 1/50, 1/10, 1/5, 1/2, 1, 5 und 10 Dollar Reihe 2: 1/100, 1/50, 1/10, 1/5, 1/2 und 1 Dollar Reihe 3: 1/100, 1/50, 1/5 und 1/2 Dollar Reihen 4 und 5: 1/100 und 1/50 Dollar Reihen 6 und 7: 1/100 Dollar Die Anteilscheine über einen Dollar der Reihen 1 und 2 hatten eine Besonderheit: Sie waren zu jeder Zeit zum vollen offiziellen Wechsel und ohne die üblichen Steuern auf Devisentransaktionen einlösbar. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 1 Dollar nordamerikanischer Währung (= 4,20 Mark Gold), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 5 Dollar nordamerikanischer Währung (= 21 Mark Gold), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 10 Dollar nordamerikanischer Währung (= 42 Mark Gold), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Die Inhaber der am 22. Oktober 1923 ausgegebenen Anteilscheine waren berechtigt nach rund fünf Monaten am 31. März 1924 bei der Staatshauptkasse nach ihrer Wahl entweder eine vom 1. April 1924 an mit 5 Prozent verzinsliche und am 15. Oktober 1926 rückzahlbare Schatzanweisung des Bremischen Staates in gleichem Dollarbetrag zu fordern, oder den Gegenwert des Nennbetrags in Reichswährung nach dem Mittelkurs der letzten dem 31. März 1924 vorhergehenden amtlichen Notierung für Kabel New York zu fordern. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 1 von 1923 über 1/10 Dollar nordamerikanischer Währung (10 Cents = 42 Goldpfennig), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 3 von 1923 über 1/50 Dollar nordamerikanischer Währung (2 Cents = 8,4 Goldpfennig), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Bremischer Staat, Dollaranleihe Reihe 3 von 1923 über 1/100 Dollar nordamerikanischer Währung (1 Cent = 4,2 Goldpfennig), ausgegeben von der Finanzdeputation Bremen am 22. Oktober 1923. Die Anteilscheine des Bremischen Staates in den Nennwerten ab 1 Dollar aufwärts sind selten zu finden, die Nennwerte unter 1 Dollar werden dagegen häufiger angeboten. Diese Anteilscheine sind katalogisiert bei: Hans-Ludwig Grabowski: "Deutsches Notgeld, Band 10 – Das Papiergeld der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke" (BRE-20–27), Manfred Müller: „Deutsches Notgeld, Band 12 – Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924“ (0535) sowie bei Kai Lindman: „Das wertbeständige Notgeld von 1923/24“ (B080). Hinweis: Die als Rückzahlungsvariante 1923 angebotene mit 5 Prozent verzinsliche Schatzanweisung des Bremischen Staates (geplant: vom 1. April 1924, rückzahlbar am 15. Oktober 1926) wurde tatsächlich begeben als „Bremer Dollar-Schatzanweisung“, ausgegeben am 10. März 1924, rückzahlbar im Januar 1927, Nennwerte 1, 5, 10 und 20 Dollars. Die Schatzanweisungen sind äußerst selten. Hans-Georg Glasemann Abb. des Autors sowie Privat.

  • Euro-Souvenirscheine des Welterbe-Vereins Regensburg

    Der gemeinnützige Verein „Welterbe Kulturfonds Regensburg-die Förderer. e.V.“ hat es sich zum Ziel gesetzt, in bürgerschaftlichem Engagement zum Erhalt und zur Pflege Regensburger Baudenkmäler beizutragen. Die an Personenzahl kleine Vereinigung initiierte und finanzierte in den letzten zehn Jahren die Restaurierung und Rückführung der Denkmäler von König Ludwig I. auf den Domplatz und von Bischof Johann Michael Sailer auf den Emmeramsplatz – also auf deren ursprünglichen Standort. Größtes, jahrelang betriebenes Projekt war die Sanierung des ältesten Hochbaus in Bayern und zugleich einzig erhaltenen Legionslager-Tores aus der Römerzeit weltweit, der Porta Praetoria. Mit einem Aufwand von rund 1,6 Millionen Euro konnte die Außensanierung, Neugestaltung des Umfelds und die Errichtung eines „documents“ im Innern durchgeführt werden, erfreulicherweise auch finanziell unterstützt mit Bundesmitteln aus dem Fond „Nationale Projekte des Städtebaus“. Als nächste Aufgabe hat sich der Verein die Unterstützung der Restaurierung der bedeutenden Basilika St. Emmeram auf seine Fahnen geschrieben. Seit 2018 finanziert der Verein einen Teil seiner Aktivitäten durch den Verkaufserlös von 0-Euro-Souvenirscheinen. Mittlerweile konnten folgende Motive herausgebracht werden: Welterbe Regensburg, Stadtansicht mit Steinerner Brücke 10 Jahre lang wurde die Steinerne Brücke im Rahmen einer Generalsanierung um rund 20 Millionen Euro wieder aufgepeppt. Sie galt als achtes Weltwunder des Mittelalters und überspannte mit über 300 Metern Länge die Donau jahrhundertelang als einziger steinerner Übergang bis Wien. Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten und zum Welterbetag 2018, erschien eine Gedenkmedaille und dieser Euro-Souvenirschein. Porta Praetoria Regensburg Am nördlichsten Punkt, den die Donau in ihrem Lauf jemals erreicht, bauten die Römer das Kastell Castra Regina, aus dem sich das heutige Regensburg entwickelte. In den letzten Jahren sanierte die Stadt Regensburg dankenswerter Weise die erhaltenen und öffentlich zugänglichen Teile der Römermauer. Vom Südost-Eck bis zum Nordost-Eck wurden die erhaltenen Teile – heute das längste Stück Römermauer in Deutschland – saniert. Die Porta Praetoria war das Nordtor und konnte 1885 in den späteren Bauschichten wiederentdeckt werden. Sie ist des einzig erhaltene Lagertor eines römischen Legionslagers weltweit. Dank der ebenfalls wiederentdeckten Gründungsinschrift (heute im Historischen Museum Regensburg), kann sie auf das Jahr 179 nach Christus datiert werden. Zum Abschluss der Sanierungsmaßnahmen wurde durch den Welterbeverein 2019 dieser Schein herausgegeben. Dom St. Peter Regensburg Das Hauptwerk der Gotik in Bayern, der Dom St. Peter in Regensburg, wurde vom 13. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet, aber nicht fertig gestellt. Der bayerische König Ludwig I. ergriff die Initiative zur Vollendung mit dem Bau der beiden Turmhelme. 1869, also vor 150 Jahren, war das Werk nach zehnjähriger Bauzeit zu Ende gebracht. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten erschien 2019 dieser Souvenir-Schein. Weitere Ausgaben: Asam-Kirche Aldersbach Dieser Sakralbau gilt als schönste Marienkirche Bayerns. Vor 300 Jahren wurde er von dem kongenialen Künstlerpaar Cosmas-Damian und Egid-Quirin Asam prachtvoll im Geist des Barock ausgestaltet. 2019 begannen die umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Innern der Kirche. Mit dem Verkaufserlös des aus diesem Anlass herausgebrachten 0-Euro-Scheins wird die auf 15 Millionen Euro veranschlagte Baumaßnahme unterstützt. Kloster Weltenburg An einer der zehn schönsten Flusslandschaften Europas (Europa-Diplom) liegt die über tausend Jahre alte Benediktinerabtei Weltenburg. Immer wieder durch Hochwasser heimgesucht, erhielt die Kloster-Anlage im 18. Jahrhundert ihr heutiges Gesicht. Die Brüder Asam schufen damit ein Hauptwerk des bayerischen Barock. Mit dem Verkaufserlös des 2019 edierten Scheins werden notwendige Bauunterhalts-Maßnahmen unterstützt. Händler und Sammler, die die Projekte des "Welterbe-Vereins" durch den Kauf von hier vorgestellten O-Euro-Souvenirscheinen unterstützen möchten, wenden sich bitte direkt an: Welterbe Kulturfonds Regensburg-die Förderer. e.V. Herrn Klemens Unger Sternbergstraße 7A 93047 Regensburg Tel. 0941/565825 E-Mail: unger.lk@freenet.de Klemens Unger

  • Vöhrenbachs Holzwertanleihe von 1923

    Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen kreative Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen suchen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit die „wertbeständige Anleihen“, die auf der Basis von Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle etc. zunehmend auf den Kapitalmarkt gelangten. In waldreichen Gegenden, unter anderem in Freiburg, Glogau, Heidelberg und Offenbach, gab man in dieser Notlage wertgesicherte Holzanleihen aus. So auch in der Stadtgemeinde Vöhrenbach, gelegen im mittleren Schwarzwald im Bregtal, denn der Bau der Linachtalsperre musste hier unter großen Schwierigkeiten finanziert werden. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war die Energieversorgung in vielen Gebieten des Deutschen Reichs teuer und unzuverlässig. Viele Kommunen überlegten eigene Energiequellen, beispielsweise die Wasserkraft, zu nutzen. Auch in der Stadtgemeinde Vöhrenbach plante man zur Sicherung der Stromversorgung und zum Hochwasserschutz den Bach „Linach“ mit einer Talsperre aufzustauen. Um kostengünstig zu bauen wählte man die damals sehr fortschrittliche Stahlbetonbauweise in Form einer Gewölbe-Reihenstaumauer mit schrägliegender Wasserseite. Der gemeindliche Beschluss zum Bau der Linachtalsperre fiel 1921, die Bauzeit war geplant von 1922 bis 1925. Im Januar 1922 begann der Bau. Ab Mai schritten die Bauarbeiten zügig voran, auf der Großbaustelle waren 350 Arbeiter beschäftigt. Der Bau der Linachtalsperre war seinerzeit Präzisionsarbeit und erforderte hohes handwerkliches Können für die Herstellung der komplizierten Verschalung. Das folgende Jahr 1923 war gekennzeichnet durch die enorme Geldentwertung im Deutschen Reich. Die Inflation stellte die Stadt Vöhrenbach vor große Probleme bei der weiteren Finanzierung ihres Bauvorhabens. Nach der Mitte 1923 einsetzenden Hyperinflation wurden der Stadt keine weiteren Bankkredite mehr gewährt, die Arbeiten kamen ins Stocken, das Projekt stand finanziell am Abgrund. In dieser Geldnot sah sich die Stadt gezwungen, ungewöhnliche Maßnahmen zur Geldbeschaffung einzuleiten. Zunächst begann man eigenes Geld zu drucken. Mit Genehmigung des Innenministeriums gab die Stadt im August 1923 erstmals Notgeld in hohen Nennwerten aus. Um die Schuldenlast zu bewältigen, ging man auch zur verstärkten Abholzung des Stadtwaldes über. Aber auch der Holzverkauf reichte nicht, um die Arbeiten weiterzuführen. Keiner traute dem Papiergeld mehr. Notgeldschein der Stadtgemeinde Vöhrenbach über 10 Milliarden Mark vom 20. Oktober 1923. Die Geldscheine wurden mit Datum 14. August 1923 in den Nennwerten 100.000 Mark, 500.000 Mark, 1 Million Mark und mit Datum 20. Oktober 1923 zu 1 Milliarde Mark, 10 Milliarden Mark, 50 Milliarden Mark und 1 Billion Mark ausgegeben. Notgeldschein der Stadtgemeinde Vöhrenbach über 10 Milliarden Mark vom 20. Oktober 1923. Als Motiv wurde bei fast allen Nominalen auf der Rückseite der Notgeldscheine die seinerzeit im Entstehen begriffene Staumauer der Linachtalsperre abgebildet. Zur Baufinanzierung eine eigene Anleihe in entwerteter Mark aufzulegen, war zu diesem Zeitpunkt durch die hohe Geldentwertung nicht mehr möglich, niemand hätte solche Schuldverschreibungen gekauft. Der einzige Ausweg wäre eine von 1922 bis 1923 gern eingesetzte Finanzinnovation gewesen: eine wertbeständige Anleihe. Hier gab es reichsweit Beispiele für wertgesicherte Anleihen in Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle etc. Das waldreiche Vöhrenbach entschied sich unter dem Aspekt „Gestaut soll werden die Wasserflut“ für die Begebung einer wertbeständigen Holzanleihe in folgender Ausstattung: Emittent: Stadtgemeinde Vöhrenbach im Freistaat Baden, Emission: 6% mündelsichere und wertbeständige Holzanleihe von 1923, Zinstermin: jeweils am 1. November (1.11.1924–1.11.1929), Emissionsvolumen zunächst 5.000 fm (Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse), später nach Bedarf, Ausstellungsdatum: 9. Oktober 1923, Stückelung: Inhaberschuldverschreibungen über 0,25 fm, 0,5 fm, 1 fm, 2, fm und 5 fm (Litera E–A), Realwertsicherung: Gesichert wurde die Anleihe durch das gesamte Vermögen der Stadtgemeinde Vöhrenbach, welches allein an Waldungen eine Fläche von 1.300 ha umfasste (jährlicher Holzeinschlag 6.500 fm), Heimzahlung: Tilgung in fünf gleichen Jahresraten, jeweils auf 1. November, erstmals im Jahr 1925, letztmals im Jahr 1929 durch Rückkauf oder Verlosung, Berechnung der Geldbeträge: Die zur Auszahlung kommenden Geldbeträge für Zins und Tilgung wurden berechnet unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Holzerlöses, wie er von der zuständigen Forstbehörde während des dem Zahlungstermin vorausgegangenen Jahres für Fichtennutzholz dritter Klasse … festgestellt worden ist. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera A über den Holzwert für 5 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Binnen weniger Tage waren die ersten 5.000 Festmeter der Anleihe gezeichnet, so dass wieder Zahlungen an die Baufirmen geleistet werden und der Bau langsam weitergehen konnte. Im Dezember 1923 wurde das im Jugendstil erbaute Turbinenhaus fertiggestellt. Die neu ausgegebene Rentenmark beendete Ende des Jahres 1923 die Inflation und führte ab 1924 wieder zu geordneten Finanzverhältnissen in Deutschland. Ab August 1924 wurde die Reichsmark zusätzlich zur Rentenmark eingeführt. Vom 1. August bis Ende Oktober 1924 konnten nun die Bauarbeiten an der Staumauer in vollem Umfange wieder aufgenommen werden. Am 7. November 1925 war die Staumauer vollendet, im Maschinenhaus liefen zwei von drei Turbinen. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera B über den Holzwert für 2 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera C über den Holzwert für 1 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Durch die Kraft des fließenden Wassers der Linach konnte die Stadt Vöhrenbach von nun an mit preiswertem Strom versorgt werden. Im Mai 1926 war das Becken der Talsperre randvoll. Bei Vollstau betrug das Fassungsvermögen 1,1 Millionen Kubikmeter. Der See hatte eine Länge von einem Kilometer und eine überflutete Fläche von 110.000 Quadratmetern. 11.000 Kubikmeter Beton wurden in der Staumauer verarbeitet. Das Kraftwerk lieferte 374.000 Kilowattstunden, was 72 Prozent des Gesamtbedarfs Vöhrenbachs betrug. 100.000 Festmeter Holz waren insgesamt für die Anleihefinanzierung des Anlagenbaus erforderlich gewesen. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera D über den Holzwert für 0,5 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Stadtgemeinde Vöhrenbach, 6%ige mündelsichere wertbeständige Holzanleihe vom 9. Oktober 1923, Schuldverschreibung Litera E über den Holzwert für 0,25 Festmeter Nadelnutzholz III. Klasse. Bis 1969 tat das Kraftwerk seinen Dienst, denn in diesem Jahr fasste der Gemeinderat den Beschluss, die Eigenstromerzeugung wegen Unrentabilität einzustellen. Ein weiterer Grund waren anstehende aufwändige Sanierungsarbeiten. Ab diesem Zeitpunkt war die komplette Anlage dem Verfall preisgegeben. Der Stausee war aber weiterhin ein beliebtes Freizeitziel. In den 1980er wurden Anstrengungen unternommen, die Linachtalsperre wieder zu reaktivieren, was allerdings nicht gelang. 1988 wurde der Stausee komplett abgelassen. Nachdem die Linachtalsperre in einen „Dornröschenschlaf“ gefallen war, hat es die 1997 gegründete „Gesellschaft für dezentrale Energieanlagen“ gemeinsam mit engagierten Bürgern und der Stadt Vöhrenbach tatsächlich geschafft, das Kraftwerk zu sanieren und wieder zu reaktivieren. Zur Wiederinbetriebnahme der Talsperre für die Produktion umweltfreundlichen Stroms und zur Wiederherstellung des Stausees als Naherholungsgebiet, erstellte die Stadt 2003 ein umfassendes Sanierungskonzept, das mit Unterstützung öffentlicher und privater Stellen bis 2007 verwirklicht wurde. Die Gesamtkosten der Sanierung beliefen sich auf 7,1 Millionen €. Die offizielle Einweihung der sanierten Linachtalsperre wurde im Juni 2008 mit einem großen Fest gefeiert. Die Staumauer im Tal der Linach ist die erste und einzige Gewölbe-Reihenstaumauer Deutschlands – sie ist heute ein Baukulturdenkmal. Die äußerst dekorativen Holzanleihen der Stadtgemeinde Vöhrenbach von 1923 sind heute seltene und gesuchte Sammlerstücke. Die Linachtalsperre kurz nach ihrer Erneuerung im Juli 2008. Hans-Georg Glasemann Bildquellen: Dank an Erwin Beyerle und Wikipedia

  • Polnisches Geld im sächsischen „Zittauer Zipfel“

    Wenn man von der deutschen Bevölkerung spricht, die 1945 von der polnischen Verwaltung aus den ehemals deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße anfangs vertrieben und später ausgesiedelt wurde, denkt man an die Menschen aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Danzig, Oberschlesien und dem größten Teil Niederschlesiens. Manche wissen auch vom östlichen Teil Brandenburgs, der zu Polen kam. Aber von der Allgemeinheit kaum beachtet: zu den ehemaligen deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie, die vom besetzten Deutschland durch die Beschlüsse der Berliner Konferenz (Potsdamer Abkommen, 2. August 1945) abgetrennt wurden, gehört auch das kleine Gebiet von Ostsachsen – der sog. "Zittauer Zipfel". Selbst auf vielen historischen Karten und in zeitgenössischen Dokumenten schlug man den „Zipfel“ einfach Niederschlesien zu. In dem etwa 145 qkm großen Gebiet gab es neben dem Hauptort Reichenau (poln. Bogatynia) noch 28 Dörfer mit üblichen deutschen Ortsnamen: Bad Oppelsdorf (Opolno Zdrój), Blumberg (Bratków), Dornhennersdorf (Strzegomice), Friedersdorf (Biedrzychowice Górne), Friedreich (Wolanów), Gießmannsdorf (Gościszów), Großporitsch (Porajów), Grunau (Krzewina), Kleinschönau (Sieniawka), Königshain (Działoszyn), Lehde (Trzciniec Dolny), Lichtenberg (Jasna Góra), Markersdorf (Markocice), Maxdorf (Wyszków), Oberullersdorf (Kopaczów), Radmeritz (Radomierzyce), Reibersdorf (Rybarzowice), Reutnitz (Ręczyn), Rohnau (Trzcieniec), Rusdorf (Posada), Schönfeld (Lutogniewice), Seitendorf (Zatonie), Sommerau (Białopole), Türchau (Turoszów), Wanscha (Spytków), Weigsdorf (Wigancice Żytawskie), Wolfsberg (Niedów), Zittel (Pasternik). Einige Dörfer wurden eingemeindet, aufgegeben oder fielen dem Braunkohleabbau des Tagebaus Turów (vormals ASW/AG Sächsische Werke) zum Opfer. Das ganze Territorium gehört heute zum Powiat Zgorzelec (ehem. östlicher Stadtteil von Görlitz) in der Woiwodschaft Dolny Śląsk (Niederschlesien). Anfang 1945 lebten dort noch 24.000 Einwohner in einer intakten Infrastruktur. Es galt wie überall im damaligen Deutschen Reich die Reichsmark und die Rentenmark. Abb. 1: Ostsachsen Anfang 1945 (gelb), der östlichste Teil des damaligen Landkreises Zittau ist rot liniert (östlich der Lausitzer Neiße). Wie erging es den Menschen des damaligen sächsischen Landkreises Zittau östlich der Neiße? Wie waren dort die Währungsverhältnisse 1945 und danach? Wer musste gehen – wer konnte bleiben? Sowjetische Einheiten der 73. Garde-Schützendivision der 52. Armee kamen erst in den Morgenstunden des 9. Mai 1945; erreichten als erste die Stadt Zittau und gelangten, die Kipper überquerend, nach Reichenau und richteten eine Kommandantur ein. Am Abend des 9. Mai war der gesamte Landkreis Zittau besetzt. Abb. 2: Ansicht der Stadt Reichenau in Sachsen mit ca. 7.000 Einwohnern im Jahr 1939. Die alliierte Militärmark, die schon seit September 1944 im Ural gedruckt wurde, gaben die Militärzahlmeister der Roten Armee, wie in anderen Gebieten östlich der Oder und Neiße, auch im Raum Reichenau für kurze Zeit aus. Die Auszahlungen waren anfangs kein Sold für Soldaten und Offiziere (in Kriegszeiten bekamen sie ihre Besoldung auf Sparbücher in ihrer Heimat überwiesen), sondern wurden z.B. für Einkäufe und mitunter für Löhne verwendet. Abb. 3: 100 Militärmark mit Datum 1944, Vs. der sowjetischen Ausgabe, die in Höhe von 12,1 Mrd. Mark in Krasnokamsk gedruckt wurde. In den folgenden Wochen übergaben die sowjetischen Militärs die Verwaltung des Gebiets um Reichenau an die Polen. Nach dem Dekret vom 5. Februar 1945 über den Geldumtausch war eine Währungsreform nur für die polnischen Gebiete bestimmt, die das Territorium Polens in den Grenzen von 1937 umfasste. So blieb die Mark vorerst das übliche Zahlungsmittel in den „Wiedergewonnenen Gebieten“. „Die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung wurde in Punkt 13 des Potsdamer Abkommens im August 1945 sanktioniert. Allerdings hatte man bereits im Juni des gleichen Jahres begonnen, Deutsche aus den Grenzstreifen auszusiedeln, was im Prinzip vollendete Tatsachen schuf und die Übernahme dieser Gebiete durch Polen bekräftigen sollte. Dies war insofern berechtigt, als eine Delegation des Nationalrates (Krajowa Rada Narodowa), des selbsternannten, von den kommunistischen Machthabern geschaffenen Parlaments, in Moskau Stalins Zustimmung zum Verlauf der Westgrenze einholte.“1) Am Donnerstag, dem 21. Juni 1945, veröffentlichte die polnische Verwaltung einen Sonderbefehl: „Umsiedlung der deutschen Bevölkerung in das Gebiet westlich der Neiße“, das bedeutete die sofortige Ausweisung aller Deutschen ab dem 22. Juni 1945. Angeblich hatten die Menschen einen Tag Zeit, alles Nötige zusammenzupacken – es gibt aber auch Schilderungen wie: „Früh kurz nach acht sind sie gekommen und haben gesagt: Um zehn müsst ihr raus sein. Mitnehmen dürft ihr nur, was ihr tragen könnt.“ oder: „Johanna Scheibler aus Dornhennersdorf war gerade mit ihrer Mutter beim Melken, als ein Nachbar die Nachricht überbrachte. Der Reichenauer Lehrer Emil Engicht las sie morgens auf dem Weg zur Schule. Bergleute aus der Braunkohlegrube Türchau erfuhren auf dem Weg zur Arbeit von Soldaten, was noch an diesem Tag passieren würde. Und bei Familie Zschuppe in Kleinschönau tauchte nachts um 2 Uhr ein Kommandant auf und sagte nur: »Es stimmt doch«.“ Alles Vieh und alle Landmaschinen mussten dableiben – auch manch deutscher Facharbeiter oder Ingenieur, die meist im Braunkohlentagebau beschäftigt waren. Das war nicht nur im polnisch verwalteten „Zittauer Zipfel“ so, sondern überall in den ehemals deutschen Gebieten. Zu diesem Zeitpunkt traf eine neue Bevölkerung ein: freiwillig oder zwangsweise kamen polnische Flüchtlinge aus dem Ostteil Polens, den die Sowjetunion annektiert hatte (Galizien und Wolhynien), polnische Zwangsarbeiter aus Deutschland, deportierte Polen aus Sibirien und Rückkehrer aus aller Herren Länder.2) Eine geordnete Ausweisung endete 1949, die spätere (Spät-)Aussiedlung Deutschstämmiger dauerte bis 1990. Viele Deutsche, die in ihrer Heimat bleiben wollten oder mussten, änderten auf Drängen der polnischen Verwaltung ihre Namen; so wurde bspw. aus „Herrn Georg Hiller“ ein „pan Jerzy Hyla“. In Polen, vorwiegend in den „Wiedergewonnenen Gebieten“ lebten im Jahr 1946 nach polnischen Angaben noch 2.075.957 Deutsche (lt. der Volkszählung vom 14. Februar 1946). Und: womit bezahlten die Menschen im „Zittauer Zipfel“ nach dem 9. Mai 1945? Im „Lubliner Polen" (den „ehemaligen Ostgebieten“ und dem ehemaligen Generalgouvernement) wurden die „Krakauer Złoty“ in neue polnische Złoty entsprechend dem Dekret vom 5. Januar 1945 im Verhältnis 1 : 1 umgetauscht – die Reichsmark im Verhälnis 2 : 1. Ab dem 10. Januar 1945 verloren die „Krakauer Złoty“ ihre Gültigkeit – die Reichsmark ab dem 28. Januar 1945. Das deutsche Münzgeld von 1 bis 50 Reichspfennig wurde weiter verwendet (50 Rpfg. = 25 Groszy). Nicht aber so im „Zipfel“. Dort wurde überhaupt keine Währungsreform durchgeführt. Eine Denkschrift im September 1945 an die obersten polnischen Instanzen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Niederschlesien und der Forderung eines Umtauschs der Mark wurde nie berücksichtigt. Im „Zipfel“ wurde die Reichsmark polnischerseits nicht akzeptiert und neue polnische Złoty wurden als Lohn an Deutsche nicht ausgezahlt. Meistens erhielten sie nur Naturalien oder gar kein Geld. Es herrschte Arbeitspflicht. So kehrte man zur Tauschwirtschaft zurück und die Deutschen verkauften einen Teil ihres Hab und Gutes gegen Złoty. Eine Selbstversorgung der Menschen fand zwar statt, eine allgemeine Hungersnot machte sich dennoch breit. „... Zum einen sind die vertriebenen Sachsen oftmals in unmittelbarer Nähe ihrer alten Heimat geblieben. Teilweise konnten sie ihr Vieh am anderen Ufer blöken hören. Es gibt Berichte, dass noch einige Zeit ein regelrechter Schmuggel betrieben wurde, um Sachen vom eigenen Hof oder sogar Tiere über die neue Grenze zu holen. ... Außerdem bestanden teilweise enge Familienbande zu beiden Seiten des Flusses, denn die Neiße war bis dahin keine Staatsgrenze und auch keine Sprachbarriere, ...“3) Abb. 4: 50 Złotych 1. August 1941, Bank Emisyjny w Polsce, Rs. die Sukiennice am Rynek Główny (Tuchhallen am Hauptmarkt ) in Krakau; in Polen bezeichnet man diese Ausgaben für das Generalgouvernement wegen des Emissionsorts auch „Krakauer Zloty“ („złoty krakowski“). Die Entlohnungsbedingungen waren sehr unterschiedlich und wurden erst 1946 rechtlich festgeschrieben. Im April wurden gleiche Löhne wie im übrigen Polen festgelegt, mit einer 25-%igen Sozialversicherungsabgabe! Die Menschen tauschten ihre Reichsmark auf dem Schwarzmarkt. Es gab aber auch Hilfsleistungen durch kommunale polnische Verwaltungen durch die Ausgabe von Essen, Lebensmittelkarten oder die Bezahlung ärztlicher Behandlung durch die Steuereinnahmen, die die Deutschen leisten mussten. Eingenommene oder konfiszierte Reichsmark wurden von den Behörden teilweise und illegaler Weise für Einkäufe in der sowjetischen Besatzungszone jenseits der Neiße verwendet. Obwohl es weiterhin keine Geldreform gab, sickerte der neue Złoty auf vielerlei Wege auch in den „Zipfel“. Niederschlesien litt stark unter dem Mangel an Umlauf- und Kleingeld. Eine Entlohnung von 40 bis 50 % durch Naturalien, Schuhwerk und Kleidung war Mitte 1946 noch üblich. Das deutsche Münzgeld wurde per Dekret vom 5. August 1947 außer Kraft gesetzt. Durch die Aussiedlung des größten Teils der deutschen Bevölkerung bis dahin, die ihre noch vorhandenen Reichsmark-Bestände mitnahmen, war das Währungsproblem fast abgestellt. Durch die Währungsreform am 30. Oktober 1950 war dann das Währungsdurcheinander der Nachkriegszeit im weitesten Sinne gelöst. Neue Geldscheine und Kleinmünzen wurden eingeführt. Abb. 5: 500 Zlotych 15. Januar 1946, Rs. mit einer Ansicht auf Danzig mit Krantor von der Mottlau aus; man setzte bewusst ein Danziger Motiv ein, um sie zur "polnischen Stadt" zu erklären. Michael H. Schöne Anmerkungen: 1) zitiert aus: Dziewanowski-Stefańczyk, Bartosz „Das Geld in den »Wiedergewonnenen Gebieten«“ aus „Die Währungsreform in Polen in den Jahren 1944–1945“ in: „Aufbrüche“, Folge 8–9, Berlin 2015/2016. 2) vergl.: Dannenberg, Dr. Lars-Arne „Do hoan uns die Polen nausgetriebm. (Vertreibung, Ankunft und Neuanfang im Kreis Zittau 1945-1950)“, Königsbrück 2020. 3) zitiert aus dem Interview von Anja Beutler mit Dr. Dannenberg „Die Vertreibung aus dem Zittauer Zipfel war lange tabu“, SZ PLUS (Sächsische Zeitung online, 19.6.2015, 21:00 Uhr).

  • Einige Bemerkungen zur Ningpo Commercial Bank

    Die Ningpo Commercial Bank (上海四明銀行) öffnete ihre Pforten am 16.8.1909, also noch zur Kaiserzeit, in Shanghai. Manager war ein gewisser Sūn Héngfǔ (孫衡甫), dessen Unterschrift wir auf der Rückseite aller von der Bank ausgegebenen Noten finden. Abb.1: 1 Yuan 1909, Vorder- und Rückseite. Schon im Jahr der Eröffnung, also 1909, wurden die ersten Banknoten emittiert. Sie zeigen, wie damals üblich, als Zeichen der Verbundenheit zum Kaiserhaus, auf Vorder- und Rückseite zwei Drachen. Außerdem sieht man eine Gebirgslandschaft. Dabei handelt es sich um einen Berg des Sìmíng-Gebirges (四明山) bei der Stadt Ningbo (寧波). Der abgebildete Berg ist 1028 m hoch. Entsprechend lautet der chinesische Name der Bank 上海四明銀行 = Sìmíng Bank in Shanghai. Später, als die Bank viele Filialen in anderen Städten hatte und nicht mehr auf Shanghai beschränkt war, ließ man die ersten beiden Zeichen 上海 weg und die Bank nannte sich auf Chinesisch nur noch 四明銀行, also einfach „Sìmíng-Bank“. Die Bank war rein kommerziell ausgerichtet, das Kapital stammte zu 100% aus privaten Quellen. Von Anfang an verfügte sie über reichlich Geld, genauer über 500.000 Liang (im Englischen meist als Tael bezeichnet), und es gab Bürgschaften über weitere 1,5 Millionen Liang. Alle Mitglieder des Vorstands sowie der Manager Sūn Héngfǔ stammten aus der Stadt Ningbo (nahe Shanghai), teilweise waren es die bekanntesten Kaufleute in Shanghai. Allesamt spielten sie eine bedeutende Rolle in Chinas aufstrebendem Kapitalismus. Eine besonders wichtige Rolle nahm dabei ein gewisser Yú Qiàqīng (虞洽卿) ein. Er war „Komprador“ der Niederländischen Handels-Maatschappij und Präsident einer von Ningbo aus operierenden Schifffahrtsgesellschaft. Er wurde Co-Manager der Ningpo Commercial Bank. Yú erkannte frühzeitig, dass es mit dem Kaisertum zu Ende ging und unterstützte finanziell die Rebellen, die 1911 die Monarchie endgültig abschafften. So gelang es ihm, die Ningpo Commercial Bank über die Revolutionswirren zu retten. Abb.2: 5 Yuan 1920, Specimen. Nach der Revolution waren Banknoten mit dem kaiserlichen Drachensymbol natürlich verpönt, daher mussten neue Banknoten her. Die erste nach-revolutionäre Ausgabe zeigte das Hauptgebäude der Bank in Shanghai. Abb.3: 10 Yuan 1920. Etwas später (noch im seleben Jahr)  gab man wieder Banknoten mit dem Sìmíng-Gebirge aus. Abb.4a: Shanghai, Abb.4b: Ningbo, Abb.4c: Hankow, Abb.4d: Wuchang. Weil ein Yuan nicht überall gleich war, versuchten manche, daraus Kapital zu schlagen. Sie versuchten, in einer Ortschaft, wo der Yuan etwas weniger wert war, in größerer Menge Noten der Bank zu erwerben und dann in der Stadt, in der man für jeden Yuan ein wenig mehr bekam, umzutauschen. Um dies zu verhindern, druckte man auf die Noten so genannte Monogramme, Kürzel für bestimmte Ortsnamen. So gab es „SH“ für Shanghai, „NP“ für Ningbo, „HK“ für Hankow (heute Wuhan). Viele derartiger Kürzel sind vorläufig nicht zuzuordnen, gerade gelang es mir, ein weiteres Monogramm zu deuten: „WC“ für Wuchang. Abb.5: 10 Yuan 1925, Monogramm „SH“ für Shanghai, Vorder- und Rückseite. 1935 wurde in China eine Währungsreform durchgeführt, deren Ziel es war, die Notenausgaben zu zentralisieren. Das so genannte Fabi-Geld wurde eingeführt, Noten durften nur noch von den vier Nationalbanken (Central Bank of China, Bank of China, Bank of Communications und Farmers Bank of China) ausgegeben werden. Davon war natürlich auch die Ningpo Commercial Bank betroffen, sie durfte jetzt keine eigenen Noten in Umlauf bringen. Die früher von ihr ausgegebenen Scheine wurden in Noten der vier Nationalbanken umgetauscht. Es ist nicht uninteressant, dass auch gewisse Lokalscheine das Motiv „Sìmíng-Berge“ aufgegriffen und das Klischee nachgeahmt haben. Hier zwei Beispiele: Abb.6: 2 Yuan, Firma Yǒngfēngchéng. Abb.6 zeigt einen Lokalschein über 2 Yuan, 1928 ausgegeben von der Firma Yǒngfēngchéng (永豐成) in Xiapu (霞浦), Provinz Fujian. Abb.7:  2 Jiao, Firma Gōngzhèngfēng. Auch der 2-Jiao-Schein aus Dàzhōngjí (大中集), Provinz Jiangsu (Abb.6) bildet den Hauptberg des Sìmíng-Gebirges ab., mit einer dazu erfunden Brücke, wie sie sich auf ganz anderen Scheinen findet. Die Note ist undatiert, sie stammt aus der Zeit des chinesischen Widerstandskampfes gegen die Japaner. Ausgegeben wurde die Note von einer Firma namens Gōngzhèngfēng (公正豐), der mit „花糧“ handelte. Das ist eine abgekürzte Schreibweise. „花“ steht  für 棉花 = Baumwolle, „糧“ steht für 糧食 = Getreide. Die Firma handelte also mit Baumwolle und Getreide. Ein Teil des Lohns der in dieser Firma Arbeitenden wurde in diesen Scheinchen ausgezahlt, auf denen aber vermerkt ist, dass sie gegen Scheine in Nationalwährung umgetauscht werden können. Erwin Beyer Alle Abb. Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun.

  • Die Goldobligationsanleihe in St. Andreasberg 1923

    Als in der Hyperinflation des Jahres 1923 die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen und zur Schaffung von wertbeständigem Notgeld suchen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit die „wertbeständigen Anleihen“, die auf der Basis von Gold, Dollar, Roggen, Weizen, Kohle etc. zunehmend bis Ende 1923 – oft verbrieft in Form von Anteilscheinen – in Umlauf kamen. So begab die Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923 eine wertbeständige Goldobligationsanleihe in Mark Gold und Dollar nordamerikanischer Währung (1 Dollar = 4,20 Mark Gold). Der Gesamtbetrag der Anleihe sollte 225.500 Goldmark (rund 52.690 Dollars) betragen. Zur Sicherstellung der Anleihe bzw. ihrer Anteilscheine wurde durch die Gewerbebank Aktien-Gesellschaft in Hannover als Treuhänder eine erststellige Sicherungshypothek für den Gegenwert von 237.500 Goldmark auf den Grundbesitz der Bergstadt St. Andreasberg (Harz) und eines großen Teils der St. Andreasberger Industrie bestellt. Es wurden in vier Serien als Notgeld verwendbare, wertbeständige Anteilscheine an der Goldobligationsanleihe ausgegeben, und zwar: Serie A: 1 Dollar = 4,20 Mark Gold, Serie B: 2 Dollars = 8,40 Mark Gold, Serie C: 4 Dollars = 16,80 Mark Gold und Serie D: 5 Dollars = 21,00 Mark Gold. Die aus den Anteilscheinen resultierenden Beträge sollten am 1. April 1924 oder vierzehn Tage nach Kündigung wie folgt vergütet werden: in so viel gesetzlichem Gelde, als dem amtlichen Mittelkurse der Berliner Börse im Durchschnitt der letzten 14 Tage vor Fälligkeit a) des amerikanischen Dollars oder b) der 6%igen Goldanleihe des Deutschen Reiches oder c) der Rentenmark entspricht. durch kostenlose Aushändigung einer Teilschuldverschreibung der Stadt St. Andreasberg (Harz) oder der Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), die mindestens ebenso wie die bisherigen Anteilscheine hypothekarisch sichergestellt ist. Nach dem 15. April 1924 erlöschen alle Ansprüche aus den am 18. November 1923 ausgegebenen Anteilscheinen. Die Anteilscheine liefen noch bis Ende 1923 als Bedarfs-Notgeld um. Die Goldobligationsanleihe wurde vom Landesfinanzamt Hannover am 4.12.1923 genehmigt und bezüglich der Sicherungshypothek am 22.11.1923 notariell beurkundet. Die Anteilscheine waren Orderpapiere und konnten rückseitig mit ausgefülltem Indossament ohne Gewähr auf Personen übertragen werden bzw. lauteten an Order des Treuhänders Gewerbebank Aktien-Gesellschaft, Hannover. Ein Indossament oder Begebungsvermerk ist ein gesetzlich vorgesehener schriftlicher Übertragungsvermerk auf einem Orderpapier, durch den die Rechte aus dem Orderpapier (insbesondere das Eigentum hieraus) ganz oder teilweise auf einen neuen Begünstigten übertragen werden. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie A, Nummer 17, über 4,20 Mark Gold = 1 Dollar nordamerikanischer Währung, ausgegeben St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie C, Nummer 63, über 16,80 Mark Gold = 4 Dollar nordamerikanischer Währung, ausgegeben St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie D, Nummer 2680, über 21 Mark Gold = 5 Dollar nordamerikanischer Währung, ausgegeben St. Andreasberg (Harz) am 18. November 1923. Industrie- und Kommunalbank Aktien-Gesellschaft in St. Andreasberg (Harz), Anteilschein Serie D vom 18. November 1923 (Rückseite mit Indossament-Feld und Kündigungs- bzw. Rückzahlungsbedingungen). Die Anteilscheine der Industrie- und Kommunalbank A.-G. in St. Andreasberg (Harz) sind extrem selten zu finden. Sie sind katalogisiert in: Manfred Müller: "Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924" unter Nr. 4280. Die Anteilscheine sind auch von Arnold Keller in seinem Katalog „Das wertbeständiges Notgeld (Goldnotgeld) 1923/24“ beschrieben worden (im unveränderter Nachdruck der zweiten Auflage von 1954). Hans-Georg Glasemann #Notgeld #Europa #Deutschland #Mark #Dollar #Glasemann

  • Ein Star unter den Stern-Noten von 1899

    Es kann immer wieder vorkommen: man stöbert auf Flohmärkten in einer Kramkiste und findet einen Geldschein, den man so noch nie sah. Das kann auch beim Trödler um die Ecke passieren ... oder weltweit. 2010 fand ein Händler in den USA unter einer Menge neu aufgekaufter, auch schmutziger Geldscheine eine ungewöhnliche 1-Dollar-Note von 1899. Er war überrascht und erkannte sofort die Sensation: eine Austauschnote der Silver-Certificate-Serie 1899 (katalogisiert bei Friedberg unter # 229★1) Aber was war das Besondere bei diesem Schein? Austauschnoten mit einem Stern statt dem Prefix-Buchstaben in der blauen Nummerierung bei den SC-Noten sind verhältnismäßig selten, vereinzelt findet man die frühen Varianten mit der Unterschriften-Kombination Vernon/McClung – öfter jedoch die Variante Speelman/White. Der Autor D. Murray listet in seinem Katalog2) über 770 Ersatzscheine auf; davon nur 28 Exemplare aus der Druckzeit vom 1. November 1909 bis 14. März 1911 (Vernon/McClung, aber immerhin 197 aus der Zeit vom 25. Januar 1922 bis 2. Mai 1923 (Speelman/White). D. Bowers schätzt die Menge hingegen auf maximal 840 Stück. 3) Der entdeckte besondere Schein mit der Kontrollnummer ★1702B hat einen vollflächigen Stern (solid star) im Gegensatz zu den 770 erwähnten Noten, die einen Lochstern (star with hole) haben. Abb. 1: 1 Dollar (Silber-Zertifikat 1899), Austauschnote, bisher einziges gefundenes Exemplar mit den Unterschriften von William Tecumseh Vernon und Thomas Lee McClung. Abb. 2: Ausschnitt 2 Dollar (Treasury Note 1890), Nummerierung Standardnote mit Suffix-Stern. 1909 entschied man im Bureau of Engraving and Printing in Washington, fehlgedruckte/fehlgeschnittene Noten wie üblich auszusondern, jedoch mit einer Sondernote (replacement note) zu ersetzen. Man griff auf bereits vorhandene Sonderzeichen beim BEP, die seit 1869 für den Nummerndruck verwendet wurden: für einen Vollstern, wie bspw. bei den 2-Dollars-Treasury-Notes. Dort wurde der Stern als normales Element der Standard-Nummerierung, jedoch als Suffix verwendet. Erstmals druckte man die Austauschnoten im Jahr 1910 – 100 Jahre später fand man den vorgestellten Schein mit Vollstern. Es ist bisher nicht bekannt, wann der Wechsel vom Lochstern zum Vollstern vollzogen wurde. Den 1-$-Stern-Noten folgten am 14. Juli 1910 die Scheine zu 5 Dollars und am 27. Juli 1910 die Scheine zu 2 Dollars. Das waren alles Silver Certificates. Theoretisch sollte bei den ersten Drucken der 2- und 5-$-Noten ebenfalls der Vollstern gedruckt worden sein. Bildbelege ließen sich bis heute nicht finden – auch nicht bei den Gold Certificates 1907 (Vernon/McClung), die ebenfalls im Juli 1910 nummeriert wurden. Es folgten die Legal Tender Noten zu 5 (19. Juli 1910) und 10 Dollars (10. August 1910), die mit einem Präfix-Stern gedruckt wurden. Der Wechsel muss schon bald erfolgt sein – noch im Jahr 1910. Denn es folgten die Scheine aus der Zeit 1910/1911 immer noch mit den Unterschriften von Vernon/McClung, jedoch mit dem Lochstern. Die niedrigste registrierte Kontrollnummer mit vorgestelltem Lochstern lautet 21809B. Die Serien lassen sich nur eingrenzen und der einen oder anderen Variante zuordnen, wenn zukünftig Scheine zwischen 1703B und 21808B gefunden werden. Abb. 3: Aufstellung der seit 1910 gedruckten Austauschnoten – hier die Angaben für 1 $ Silver Certificate. Abb. 4: 1 Dollar (Silber-Zertifikat 1899), Austauschnote mit Lochstern, 6-stellige Kontrollnummer. Der erwähnte US-Händler, der den Vollstern-Austauschschein fand, wusste sofort, welchem Sammler er dieses Unikat zum Kauf anbieten sollte: Doug Murray, anerkannter Sammler von US-Papiergeld. In dessen Sammlung lag der Schein bis 2018 und wurde im Januar in Florida4) versteigert ... für 15.000 US-Dollar! Der Zuschlag lt. PMG-Erhaltung „very fine 20“ lag bei einer verhältnismäßig geringe Summe, wenn man sich an das Preisniveau für seltene US-Scheine erinnert. Abb. 5: Nummerierung der 4er-Bogen beim BEP, die Drehnummerierpresse wurde 1903 in Dienst gestellt. Nummeriert wurden anfangs die Scheine zu 4 Nutzen (Platten-Buchstaben A, B, C und D), später erweiterte man den Druck auf 2 x 4 Noten und den zusätzlichen Buchstaben E, F, G und H. Dabei wurden die Bogen von oben eingelegt, nummeriert und danach wieder oben entnommen. Abb. 6: Nr. „1“ der neuen Geldschein-Serie mit sog. Pheonen vor und nach der Kontrollnummer. Abb. 7: die letzten beiden 1-Dollar-Noten mit Pheonen vor und nach den Kontrollnummern aus einem 4er-Druckbogen. Schon Ende 1899 erfolgte der Druck der ersten „Black Eagle“-Noten; er begann mit der Kontrollnummer „1" mit sog. Pheone (Pfeilspitzen) als Präfix- und Suffix-Zeichen. Beim Erreichen der 100-Mio.-Grenze ersetzte man das Präfix-Pheon durch den Präfix-Serienbuchstaben A – das Suffix-Pheon blieb unverändert. Das führte man bis zur Kontrollnummer Z99999999 mit Suffix-Pheon fort; es folgten dann durchgehend Blockbuchstaben vor und nach der Kontrollnummer in unterschiedlichen Kombinationen – von A1A bis Z99999999Z und K1A bis zur angeblich letzten Kontrollnummer X32692000A. Der weltweit beliebte Schein mit dem Weißkopfseeadler vor dem Kapitol in Washington und dem Sternenbanner in seinen Fängen sowie den Porträts der beiden US-Präsidenten Lincoln und Grant wurde von George F. C. Smillie (1854–1924) entworfen. Michael H. Schöne Anmerkungen: 1) Arthur L./Ira S. Friedberg „Paper Money of the United States“, Clifton NJ, 19. Aufl. 2010, ISBN-13 978-0-87184-519-1 2) Douglas D. Murray „The Complete Catalog of United States Large Size Star Notes 1910–1929“, Clifton NJ, 3. Aufl. 2007, ISBN 978-0-87184-203-9 3) Q. David Bowers „Whitman Encyclopedia of Paper Money of the U.S. Paper Money“, Atlanta GA, 2009, ISBN 978-0-79482-702-1 4) angeboten bei Heritage Auctions 3.–9. Januar 2018, Tampa FL, Lot # 22067

  • Die Agricultural, Industrial and Commercial Trust Company Ltd.

    Vor etwa 50 Jahren erwarb ich einen chinesischen Geldschein über dessen geschichtlichen Hintergrund zunächst nichts bekannt war. Der Englische Titel lautet „THE AGRICULTURAL, INDUSTRIAL AND COMMERCIAL TRUST COMPANY; LIMITED”, was eine wörtliche Übersetzung des chinesischen Namens 農工商信託有限公司 ist. Es handelt sich um einen undatierten 1-Yuan-Schein mit dem Porträt von Sun Yatsen. Ortsangabe Zhāngzhōu (漳州) / CHANG CHOW in Süd-Fújiàn (siehe Abb. 1). Abb. 1: The Agricultural, Industrial and Commercial Trust Company, 1 Yuan ohne Datum, Vorder- und Rückseite. In Internet kann man – zumindest als Probedrucke – weitere Werte finden, nämlich 1, 2 und 5 Hao (1 Yuan = 10 Hao). Im Standard Catalog of World Paper Money (SCWPM) sind die Noten unter P.S3931–3935 aufgelistet, wobei die unteren Wertstufen fälschlich als „Chiao“-Werte angegeben werden. In ihrem Buch „A Brief Illustrated History of Chinese Military Notes and Bonds” schreibt Frau S.P. Ting, im Jahr 1918 sei die Guǎngdōng-Armee in die Provinz Fújiàn eingefallen, habe erfolgreich gegen einen gewissen Lǐ Hòujī (李厚基) gekämpft und u.a. den Ort Zhāngzhōu (漳州) eingenommen. Um die großen militärischen Kosten für den Feldzug zu decken, habe man die Scheine ausgegeben. Doch hat S.P. Ting leider keinerlei Quellen angegeben. Ich habe dann mehrfach versucht, in der Literatur und im chinesischen Internet die Angaben von Frau Ting zu verifizieren. Doch ist mir das nie gelungen. Dann sah ich im vorigen Jahr, als ich auf einer Auktion der Yangming Auction Company in Shanghai war, eine Anleihe, die von derselben Gesellschaft ausgegeben war. (siehe Abb. 2). Die Anleihe war mit „Jahr 13 der Republik“ datiert, also 1924. Das Datum passte gar nicht zu den Angaben von Frau Ting. Internet-Recherchen erbrachten zunächst wieder nichts, ich schrieb dann kurzerhand an den Bürgermeister von Zhāngzhōu und bat um Hilfe. Ähnliches habe ich schon öfter getan und erhalte fast stets eine Reaktion, auch wenn diese nicht immer weiterhilft. In diesem Fall hörte ich lange nichts. Aber dann traf vor einigen Tagen eine Mail von einem Redakteur der Zeitschrift „Minnan Daily“ (閩南日報, das bedeutet „Tageszeitung von Süd-Fújiàn) ein. Die hatte vor längerer Zeit über die Geschichte der Stadt Zhāngzhōu referiert und über ihre Recherchen im Provinzarchiv berichtet. Dadurch wurde klar, dass der Hintergrund ein ganz anderer war als Frau Ting berichtet hatte. Demnach hat „warlord“ Zhāng Yì (張毅), der 1923 nach Zhāngzhōu gekommen war, 1924 zusammen mit zwei Taiwanesen, nämlich den Herren Chén Chǎngfú (陳長福) und Chén Chánggēng (陳長庚), die hier in Rede stehende Treuhandgesellschaft mit einem Anfangskapital von 2 Millionen Yuan gegründet. Man gab Geldscheine aus sowie verzinsliche 5-Yuan-Schuldscheine. Von den Geldscheinen, die lokal gedruckt wurden, sollen nur wenige in Umlauf gekommen sein. Abb. 2: Anleihe über 2 Millionen Dollars. Die Anleihe selbst zeigt oben in der Mitte das Logo der Gesellschaft, mit den drei untereinander und in altertümlicher Schrift geschriebenen Zeichen 農, 工und 商 (für „agriculturtal, industrial und commercial“). Daneben ein in der chinesischen Mythologie beliebtes Motiv, die „fliegenden himmlischen Jungfrauen“ (飛天仙女), zwei links und -spiegelbildlich- zwei rechts. Dem aufmerksamen Betrachter der Anleihe fällt vielleicht auf, dass „2 Millionen“ in der Form „200,0000“ statt „2,000,000“ dargestellt wurde. Das beruht darauf, dass im Chinesischen „2 Millionen“ als „200 (mal) 10.000“ (兩百萬) geschrieben wird. Am 8. Oktober 1926, also nur etwa zwei Jahre nach der Gründung der Gesellschaft, wurde die Stadt Zhāngzhōu von Hé Yīngqīn (何應欽), dem Ersten Befehlshaber des sog. Nordfeldzugs, eingenommen. Die Treuhandgesellschaft musste schließen, die Banknoten verfielen, die Schuldscheine wurden nicht eingelöst. Erwin Beyer Abb.-Nachweis: Abb. 1 Huang Qi, vormals Sammlung E. Beyer Abb. 2: Yangming Auction Company, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun

  • Zwei Banken, die oft verwechselt werden

    In westlichen Katalogen zu chinesischem Papiergeld werden zwei Banken, die einen sehr ähnlichen, jedoch nicht gleichen Namen tragen, verwechselt und durcheinander geworfen. Der Standard Catalog of World Paper Money (SCWPM) ist ein Beispiel dafür: unter P.S2854 bis S2965 finden sich die Noten beider Banken gemeinsam bei einer einzigen Bank aufgelistet. Der chinesische Name der einen Bank besteht aus sechs Zeichen und lautet 東三省官銀號, wörtlich „Regierungsbank der drei Ostprovinzen“, während der Name der anderen Bank nur aus fünf Zeichen besteht und 東三省銀行 lautet, was „Bank der drei Ostprovinzen“ bedeutet. Mit den drei Ostprovinzen meinte man die Mandschurei, bestehend aus den drei Provinzen Fèngtiān (heute Liáoníng), Hēilóngjiāng und Jílín. Die eine Bank (東三省官銀號,) wurde noch unter dem vorletzten Kaiser der Qing-Dynastie gegründet, genauer im Jahre 1905, mit Sitz in Mukden, heute Shěnyáng (瀋陽) genannt und Hauptstadt der Provinz Liáoníng. In Mukden gab es schon vorher eine Bank der Provinzregierung, sie hieß 奉天官銀號 (Regierungsbank von Fèngtiān), aber infolge des russisch-Japanischen Krieges war diese Bank in eine Schieflage geraten. Um das Finanzwesen der Mandschurei wieder zu stabilisieren, gründete General Zhào Ěrxùn (趙爾巽) eine neue Bank mit Sitz in Mukden, eben die 東三省官銀號 (mit sechs Zeichen), die als Zentralbank für die Mandschurei fungieren und eigenes Geld emittieren sollte. 1908 wurden dann die ersten Noten ausgegeben. Sie waren durch Silber gedeckt, Silberstandard war „dà lóng yuán“ (大龍元), wörtlich „großes Drachensilber“, was sich auf eine Silbermünze mit Abbildung eines Drachen bezieht. Auf manchen dieser Noten wurde der englische Name „TOONG SAN SANG BANK“ verwendet. „TOONG SAN SANG“ ist die lokale Aussprache der drei Zeichen 東三省 (Aussprache im Hochchinesischen: „dōng sān shěng“). Sowohl unter Kaiser Dézōng in der Periode Guāngxù als auch unter seinem Nachfolger Pǔyí (Epoche Xuāntǒng) wurden auf Silber bezogene Noten ausgegeben, und es gelang tatsächlich, die Finanzen der Mandschurei einigermaßen in Ordnung zu bringen. Abb.1a/b: 1 Liang 1908 (Guāngxù Jahr 34) Abb.2a/b: 10 Jiao 1909 (Xuāntǒng Jahr 1) Nach der Xīnhài-Revolution 1911, welche das Kaisertum abschaffte und die Republik China schuf, arbeitete die Bank weiter und gab auch wieder Banknoten aus. Jetzt jedoch benutzte sie einen anderen englischen Namen, nämlich „THE BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES“ und etwas später leicht verändert „PROVINCIAL BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES“, zwischendurch auch „THE PROVINCIAL BANK OF MANCHURIA“, und genau diese drei Namen sind es, die zur Verwechslung mit der anderen Bank führten. Abb. 3a/b: 50 Jiao 1913 (Titel THE BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES) Abb. 4a/b: 1 Yuan 1917 (Titel THE PROVINCIAL BANK OF MANCHURIA) Abb.5:  5 Yuan 1929 (Titel PROVINCIAL BANK OF THE THREE EASTERN PROVINCES) 1920 wurde Zhāng Zuòlín (張作霖) Generalgouverneur der drei mandschurischen  Provinzen. Für seine militärischen Unternehmungen benötigte er viel Geld, daher kam er auf die Idee, eine Bank mit Hauptsitz in Hā'ěrbīn (哈爾濱), Provinz Hēilóngjiāng, zu gründen. Diese Bank, die er 東三省銀行 (fünf Zeichen) nannte, wurde als eine Art Aktiengesellschaft gegründet und war mit einem Anfangskapital von 8 Millionen Yuan in Silber ausgestattet. Es wurden 80.000 Aktien zu jeweils 100 Yuan ausgegeben. Die eine Hälfte davon wurde von Privatleuten erworben, die andere von Regierungen der drei Provinzen. Es war eine rein kommerzielle Bank. Die Anteile sollten jährlich 6% Zinsen bringen. Auch diese Bank hatte von Beginn an das Recht, Noten zu emittieren. Zunächst wollte man Noten nach dem so genannten „Xiǎoyáng“ (小洋) Silberstandard ausgeben. Das ist ersichtlich aus Druckproben zur 1. Serie. Diese Druckproben zeigen nämlich auf der Rückseite den Satz  壹圓作十二角用, was man mit „jeweils 12 Jiao machen 1 Yuan aus“ übersetzen kann. Nun hatten aber zwei in China führende Banken, die Bank of China und die Bank of Communications, in Hā'ěrbīn schon Noten nach einem besseren, so genannten Hādàyáng (哈大洋) Silberstandard emittiert. Bei diesen Scheinen galt, dass man schon mit 10 Jiao-Münzen einen Dollar kaufen konnte. Solche Noten galten beim Volk als besonders vertrauenswürdig. Unter Führung von Zhāng Zuòlín kam man daher überein, dass die neu auszugebenden Noten aus Wettbewerbsgründen ebenfalls diesem Standard entsprechen sollten. Die schon gedruckten Noten wurden nun auf der Vorderseite mit dem Satz 兌換現大洋 (= „wird in Dayang gewechselt“) versehen; auf der Rückseite wurde die Angabe mit den 12 Jiao-Münzen durch ein Ornament überdruckt und so unleserlich gemacht. Abb.6a/b: 1 Yuan 1920 der neuen Bank 1921 gab die Bank eine Reihe von Kleingeld-Noten aus, welche die Münzen ersetzen sollten, nämlich 5 Fen, 1 Jiao und 2 Jiao. Die Ortsangabe 哈爾濱= Hā'ěrbīn zeigt, dass die Noten nur in dieser Stadt und ihrer näheren Umgebung umlaufen sollten. Auf der Rückseite findet man den englischen Namen, ganz ähnlich dem von der anderen Bank benutzten: „THE EASTERN PROVINCIAL BANK“. Abb. 7a/b: 1 Jiao 1921 „THE EASTERN PROVINCIAL BANK” Schon kurz nach der Ausgabe dieser Noten entschloss man sich, diesen englischen Namen nicht mehr zu verwenden. Schon auf den Kleingeldnoten, die nur 2 Jahre später erschienen, finden wir den neuen Namen „BANK OF MANCHURIA“, ebenfalls sehr ähnlich dem von der anderen Bank verwendeten Namen. Abb. 8a/b: 1 Jiao 1921, „BANK OF MANCHURIA” Im Dezember 1923 gab es in große Unruhen in Hā'ěrbīn, die Menschen hatten das Vertrauen in Papiergeld verloren und viele wollten ihre Noten in Silbermünzen umtauschen. Wegen der Schwierigkeiten in Hā'ěrbīn verlegte man den Hauptsitz der Bank kurzerhand nach Mukden in der damaligen Provinz Fèngtiān (heute Liáoníng). Aber hier war die Situation ähnlich und die Bank sah keine Zukunft mehr für sich. Zunächst wollte man es noch mit einer Neuausgabe von Banknoten versuchen, dieses Mal natürlich mit Ortsangabe 奉天 bzw. MUKDEN, aber über das Stadium von Probedrucken ist diese Ausgabe nie hinausgekommen. Abb.9: Druckprobe 1 Yuan 1924, Mukden Am 15.6.1924 wurden zwei Banken, nämlich die Fèngtiān Industrial Bank (奉天興業銀行) und die hier in Rede stehende „Bank of Manchuria“ (東三省銀行) in die „Provincial Bank of Three Eastern Provinces“ (東三省官銀號) inkorporiert. Die Bank bestand bis 1932. In diesem Jahr wurde von den Japanern auf dem Gebiet der Mandschurei „Manchukuo“ gegründet, ein reiner Marionettenstaat. Die neu gegründete „CENTRAL BANK OF MANZHOU“ (滿洲中央銀行), die am 1. Juli 1932 ihre Pforten öffnete, gab sogleich eigene Noten aus. Alle in den drei Provinzen kursierenden Scheine mussten in die neuen Noten umgetauscht werden. Für 1,25 Yuan der „Provincial Bank of Three Eastern Provinces“ bekam man 1 Yuan in der neuen Währung. Erwin Beyer Bildnachweis: Abb.1, 2, 3 und 6, Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun Abb.4,5,7 und 8: www.banknote.ws , Erlaubnis durch P. Mösselberger Abb.9 ehemalige Sammlung E. Beyer

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