Search this site
3671 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Banknoten des Altai-Gebiets
Bis 1919 war das so genannte Altai-Gebiet direkt der Regierung in Peking (Beijing) unterstellt. Um die laufenden Kosten für Verwaltung und Militär zu decken, wurde jeden Monat eine bestimmte Summe, nämlich 20.000 Yuan, in das Gebiet geschickt, und zwar in Banknoten der „Bank of China“ und der „Bank of Communications“. Doch weil die Entfernung von Peking so groß und der Transportweg beschwerlich war, trafen die Banknoten oft nicht pünktlich ein, so dass die Bediensteten der Verwaltung und die Soldaten der in Altai stationierten Truppen nicht immer rechtzeitig bezahlt werden konnten. Das führte mehrfach zu starken Protesten. Also entschloss sich der Chef der Altai-Lokalregierung, ein gewisser Zhāng Qìngtǒng (張慶桶 ) spezielle Geldscheine auszugeben, um alle pünktlich bezahlen zu können. Diese Ersatzscheine sollten dann jeweils in „echte“ Geldscheine umgetauscht werden, sobald diese aus Peking einträfen. Die Noten erhielten die amtliche Bezeichnung 阿爾泰通用銀券 = „in Altai umlaufende Silbernote“, diese Bezeichnung steht auch als Titel auf den Scheinen, nach damaliger Sitte von rechts nach links zu lesen. Anfangs schien der Plan aufzugehen, jedoch kam es zu Unregelmäßigkeiten bei der Auszahlung der Scheine. Kommissar Zhāng Qìngtǒng hatte schlicht eine große Summe dieses Geldes unterschlagen. Das führte zu einem größeren Aufstand, der als „Ashan Meuterei“ (阿山兵變) in die Geschichte Chinas einging. Zahlreiche Personen wurden getötet, darunter auch der Leiter der Finanzabteilung. Zhāng Qìngtǒng selbst wurde in Gewahrsam genommen und hätte beinahe auch sein Leben verloren. Doch gelang es einem gewissen Zhōu Wùxué (週務學), den Aufstand niederzuschlagen. Der Rebellen-führer wurde hingerichtet. Die in den Aufstand verwickelten Soldaten wurden entlassen. Zhāng Qìngtǒng wurde nach Peking geschickt, wo er sich verantworten musste. Er wurde für sechs Jahre von allen Ämtern suspendiert. Danach hat man nie mehr etwas von ihm gehört. Die Notenausgabe umfasste drei Nennwerte, 1, 5 und 10 Yuan. Im SCWPM sind sie als S2490J, SJ2490K und S2490L gelistet. Sie sind im Prinzip alle gleich gestaltet, zeigen aber verschiedene Farben. Unten links findet sich ein kleines rechteckiges Siegel mit den Zeichen 財政局印 = „Siegel des Finanzbüros“. Oben in der Mitte sieht man – oft sehr undeutlich- einen großen ovalen Stempel in orangeroter Farbe: 阿爾泰行政公 = „Finanzbüro des Altai-Verwaltungsamtes“. Als Datumszeile ist „gedruckt im Jahr 7 der Chinesischen Republik“ angegeben, das entspricht 1918. Die Scheine wurden in Peking gedruckt, im Altai-Distrikt selbst gab es damals keine Druckerei, die diese anspruchsvolle Aufgabe hätte übernehmen können. Als Maßnahme gegen Fälschungen trugen die Noten am oberen Rand einen Kontrollabschnitt, der bei Ausgabe der Noten abgeschnitten wurde und beim Finanzbüro verblieb. Auf der Rückseite schrieb man genau entlang der Schnittlinie von Hand mit schwarzer Tusche die individuelle Nummer des Scheins in chinesischen Schriftzeichen. Bei einem eventuellen Zweifel, ob der Schein echt sei, konnte man Note und Kontrollabschnitt aneinander legen und sehen, ob die beiden Teile zueinander passten. Auf der beigefügten Abbildung der Notenrückseite kann man am oberen Rand die durch den Schnitt „halbierten“ Schriftzeichen deutlich erkennen. Eine Note mit noch anhängendem Kontrollabschnitt ist bisher in Sammlerkreisen ebenso wenig aufgetaucht, wie ein isolierter Kontrollabschnitt. Auf der Vorderseite unten rechts erkennen wir ganz schwach den violetten Stempel einer Unterschrift; diese ist mit kyrillischen Buchstaben geschrieben und leider noch nicht deutbar. Auf der Rückseite sehen wir links die Wertstufe auf Uighurisch (mit arabischen Buchstaben) und rechts auf Mongolisch. Im Juni 1919, nach Ende des Aufstands, wurde der Altai-Distrikt in die Provinz Xīnjiāng (früher meist „Sinkiang“ genannt) eingegliedert. Zhōu Wùxué, der den Aufstand erfolgreich niedergeschlagen und für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte, wurde am 13.6.1919 zum Verwalter des Altaibezirks ernannt, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod im Mai 1920 innehatte. Die provisorischen Noten wurden eingezogen und im Verhältnis 10:7 gegen die in der Provinz umlaufenden Noten umgetauscht. Text und Abb. Erwin Beyer
- Die Rekonstruktion altdeutscher Geldscheine
Der Versuch, ein Sammelgebiet noch attraktiver zu machen Wie es dazu kam: Inspiriert und vor allem fasziniert war ich von den Artikeln des Herrn Lienhard Buck im damaligen „Der Geldscheinsammler“ 1997 über die Churfürstlich Sächsischen Cassen=Billets des Jahres 1772. Hier wurde der Entstehungsvorgang des ersten sächsischen Papiergelds in anschaulicher und spannender Art und Weise vom Autor geschildert. Auch sehr schöne Abbildungen der beschriebenen Scheine waren vorhanden, wenngleich nur in gebrauchtem Erhaltungszustand. Da ich mich schon immer für grafisch-künstlerische Erzeugnisse und vor allem für alte Banknoten interessiert habe, kam in mir das Verlangen auf, selbst solch einen Schein mal in der Hand zu halten. Allerdings existieren ja bekanntlich nur sehr wenige Originale und diese sind natürlich auch sehr teuer. Bemerkenswert sind auch die verschiedenen Schriftarten, die sich auf diesen Banknoten befinden. Sich mit historischen Schriftarten zu beschäftigen und diese auch selbst schreiben zu können, ist ebenfalls recht interessant. Die handschriftlichen Unterschriften sehen künstlerisch gelungen aus und wurden wahrscheinlich mit einem Gänsekiel geschrieben. Da die beiden höchsten Nennwerte zu 50 und 100 Reichsthalern offenbar nirgends mehr als Originale verfügbar sind und auch keine diesbezüglichen Abbildungen existieren, habe ich versucht, diese in ähnlicher Gestaltung auferstehen zu lassen. Nachdem ich die fehlenden Werte von 50 und 100 Reichsthalern in stark vergrößerter Form nach Beschreibungen im Artikel des Herrn Buck nachempfunden habe, konnte ich mir diese dann auch in der verkleinerten Form in Originalgröße ausdrucken. Vor allem in einer Qualität, die man heute wahrscheinlich als kassenfrisch oder bankfrisch bezeichnen würde. Ich wollte einfach den Zustand der Scheine nachempfinden, der ungefähr dem entsprach, als diese damals in Umlauf gesetzt worden sind. Die stark vergrößerte Handzeichnung der Scheine ist notwendig, da die Details so viel besser erkennbar gemacht werden können. Eine anschließende Verkleinerung des Drucks auf Originalgröße bedeutet dann auch meistens den Erhalt einer sehr guten Abbildungsqualität. Ein nachempfundenes Wasserzeichen wurde mit Wasserzeichentinte und einem selbst hergestellten Gummistempel in der Mitte des Formats aufgebracht. Wenn man die Note gegen das Licht hält, erscheinen die Buchstaben „CSCB“ in einem Oval. Es ist nicht mit einem echten Wasserzeichen zu verwechseln, welches ja gleich in der Papierherstellung mit einfließt. Nun fehlte noch die auf jeden Fall aufzubringende Kennzeichnung als Kopie oder Reproduktion, um auch dem Laien unter den Sammlern eindeutig klar zu machen, dass es sich um kein Original handelt (siehe hierzu noch Hinweise am Ende des Artikels). In meinem speziellen Fall würde am ehesten das Wort "Rekonstruktion" mit der zugehörigen Jahreszahl zutreffender sein. Die weiteren noch von mir hergestellten Drucke anderer altdeutscher Geldscheine sind eigentlich nur Versuchsmuster bzw. Proben, um die Brauchbarkeit dieser grafischen Aufbereitungstechnik für die Rekonstruktion seltener und fast bis zur Unkenntlichkeit zerschlissener Geldscheine altdeutscher Staaten anwenden zu können. Es geht also nicht um die quantitative und kommerzielle Herstellung von Kopien des Ist-Zustands, von denen ohnehin recht viele bereits angeboten werden. Es geht mir vielmehr um die Wiederherstellung – ja Rettung – des grafischen Erscheinungsbildes, den Versuch also, eine Banknote als grafisches Kleinkunstwerk wieder mit Leben zu erfüllen. Als ich einen wirklich sehr abgegriffenen, verschmutzten und in der Mitte geteilten Talerschein zu einem für mich erschwinglichen Preis erwerben konnte, habe ich diese Technik der "Erneuerung" angewendet (siehe Abb.). Der Geldschein wurde um das Mehrfache seines Formates vergrößert. Anschließend wurde die stark vergrößerte Grafik mit Hilfe von Tusche-Zeichengeräten mit schwarzer Tusche auf ein Transparentpapier zeichnerisch übertragen. Hierbei kommt es insbesondere darauf an, die kaum mehr sichtbaren Teile zeichnerisch zu ersetzen und eventuell fehlende Teile zu ergänzen bzw. zu rekonstruieren. Hierbei sind natürlich die Besonderheiten der ursprünglichen Drucktechniken (Buchdruck oder Tiefdruck) der Originale in der Grafik zu berücksichtigen. Ich weise auch daraufhin, dass es sich nicht um die Restaurierung eines Originalscheins handelt, dafür gibt es Experten, die spezielle Techniken der Papier-Restaurierung und Ausbesserung von Originalscheinen professionell anbieten können. Die damalige Herstellungstechnik beinhaltete mitunter auch die Aufbringung eines oder mehrerer Trockenstempel, welche ebenfalls vom Motiv her sehr reizvoll und typisch für einen Schein dieser Zeit sein können. Hier wird eine Matrize aus Holz hergestellt, die das Negativbild des Motivs beinhaltet. Der Holzstempel wird dann mit starkem Druck auf den rekonstruierten Schein gepresst, der auf einer weichen Unterlage liegt. Somit überträgt sich das negative Bild des Holzstempels als positive Abbildung auf das Papier und hinterlässt ein recht gut erkennbares und fühlbares Reliefmotiv. Am schwierigsten sind natürlich schadhafte Guillochen zu rekonstruieren, da ja bekanntlich hierfür ursprünglich spezielle Maschinen eingesetzt worden sind. Aber auch das Unterdruckmuster ist oftmals sehr schwach und verschmutzt und dadurch schwer vom Betrachter nachvollziehbar. Bei fast hoffnungslosen Fällen nur noch zu erahnender Untergrundmuster muss man eben zeichnerisch versuchen zumindest die Ähnlichkeit mit dem Muster herzustellen. Die Farbe kann dann am Computer dem Original, soweit noch irgendwie erkennbar, nachempfunden werden. Bei der Farbgebung ist meistens auch die Beschreibung des Scheins mit der Fantasie des Gestalters in Übereinstimmung zu bringen, da der Originalschein oftmals kaum noch Farben erkennen lässt. Zum Schluss muss jeder neue Schein noch eine Art Versiegelung erhalten, damit die Farben zumindest wischfest sind. Nun gibt es natürlich auch Sammler, die Kopien oder Rekonstruktionen jedweder Art ablehnen, da es keine Originalscheine sind und somit der eigentliche Wert nicht mehr gegeben ist. Ich vergleiche es einfach mal mit historisch bedeutsamen Bauwerken, die zum Teil rekonstruiert oder sogar als Totalersatz in historischer Form wieder aufgebaut worden sind. Hierzu gibt es sicherlich auch unterschiedliche Auffassungen. Der Sammler, der auf die grafische Schönheit und die Unversehrtheit des Scheins einen gewissen Wert legt, der könnte auch an solch einer Rekonstruktion, die durchaus als Platzhalter für unerreichbare oder nicht mehr existente Originale dienen könnte, Gefallen finden. Denn Originale in brauchbarer oder sammelwürdiger Form, sind bei altdeutschen Taler- und Guldenscheinen leider recht selten und vor allem sehr teuer. Um aber all die Sammler von Originalen zu beruhigen, die Bedenken haben, dass die rekonstruierten Scheine als Originale angeboten werden könnten, zähle ich nachfolgende Merkmale der Erkennbarkeit einer Rekonstruktion auf: Die rekonstruierten Scheine weisen nicht die Sicherheitsmerkmale wie die Originale auf (z.B. kein echtes Wasserzeichen – wird nur aufgedruckt, Papier weicht vom Original ab usw.) Es erfolgt eine eindeutige und für Jedermann sichtbare Kennzeichnung mit dem Wort „Rekonstruktion“ oder „Reproduktion“ und der entsprechenden Jahreszahl. Hier könnte ich mir vorstellen, dass man sogar mit einer ölhaltigen Stempelfarbe arbeitet. Der Erhaltungszustand ist mit druckfrisch oder kassenfrisch einzuschätzen. Originale Scheine aus dieser Zeit in diesem Erhaltungszustand sind meines Wissens nicht mehr existent. Wobei selbst sehr gut erhaltene Originale, sollten welche existieren, auch immer altersbedingte Spuren auf dem Papier hinterlassen und sich somit von neuen Scheinen unterscheiden. Originaler Tiefdruck und Buchdruck sind von modernen Computer-Ausdrucken (egal ob Tintenstrahldrucker oder auch Laserdrucker) zu unterscheiden. Digitaldruck und Offsetdruck sind zum Zeitpunkt der Herstellung der Originale noch nicht bekannt gewesen. Im Tiefdruckverfahren sind die Motive reliefartig fühlbar und beim Buchdruck ist das Motiv auf der Rückseite des Papiers als leichte Vertiefung sichtbar. Auch die fortlaufende Nummerierung mit einem heutigen Paginier-Stempel wäre als Kennzeichnung der jeweiligen Note denkbar und somit eindeutig als Abweichung vom Original erkennbar. Abschließend möchte ich nochmals eindeutig darauf hinweisen, dass ich mit meinen Bestrebungen des Nachempfindens und Rekonstruierens dieser alten Geldscheine keine kommerziellen Interessen verfolge. Mein Bestreben ist es vielmehr, Sammlern altdeutscher Geldscheine insbesondere für die künstlerisch–gestalterische Seite in Bezug auf Motivwahl, Komposition und Schriftgestaltung eine Möglichkeit zu geben, die Sammelleidenschaft noch weiter zu entwickeln bzw. Anfängern Mut zu geben, sich diesem Sammelgebiet trotz der eingeschränkten Verfügbarkeit von Originalen, zuzuwenden. Persönlich könnte ich mir vorstellen, dass bei Nachfragen aus Sammlerkreisen zu Geldscheinen altdeutscher Staaten, die nur noch in sehr schlechtem Erhaltungszustand im Handel angeboten werden können, eine Rekonstruktion durchaus angebracht wäre, um die Schönheit dieser besonderen Kleinkunstwerke auch für die Zukunft in ihrer angedachten gestalterischen Ursprünglichkeit erhalten zu können. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Herrn Hans-Ludwig Grabowski recht herzlichen Dank ausrichten, da er mir stets bereitwillig und kompetent sachgerechte Informationen zur Geldgeschichte der altdeutschen Staaten vermittelt hat. Über eine weitere diesbezügliche Unterstützung würde ich mich sehr freuen. Beispiele für rekonstruierte altdeutsche Geldscheine Ullrich Bierbach Abb. Ullrich Bierbach/Hans-Ludwig Grabowski
- China: Banknote mit Überdruck der Falun Gong
Bei seinem letzten Besuch in Shanghai fand Erwin Beyer eine 10-Yuan-Note im Umlauf, auf deren Rückseite sich rechts ein vierzeiliger Überdruck der in China verbotenen und verfolgten Falun Gong-Bewegung befindet. Wir hatten dazu schon einmal kurz berichtet, konnten jetzt aber das Original scannen und informieren, was es damit auf sich hat. Das Symbol der Falun Gong-Bewegung zeigt zwar wiederholt Swastika (hier seitenverkehrte Hakenkreuze), die sind aber in China kein Symbol einer politischen Gesinnung, sondern stehen für Glück. Außerdem findet man das buddhistische Symbol für das individuelle Yin und Yang. Falun Gong oder auch die Gesetzesrad-Praktik ist eine Qigong-Praktik der buddhistischen Schule, die zu Beginn der 1990er Jahre von den chinesischen Kommunisten gefördert wurde. Wegen der Größe der Bewegung mit bis zu 100 Millionen Anhängern und ihrer Unabhängigkeit vom Staat, wird sie jedoch seit Mitte der 1990er Jahre von der Staatssicherheit bespitzelt. Als im April 1999 10.000 Anhänger von Falun Gong in Peking friedlich für eine rechtliche Anerkennung der Bewegung und gegen staatliche Einmischung demonstrierten, begann deren Verfolgung. Bereits im Juni 1999 kündigte die Kommunistische Partei an, die Bewegung auszulöschen. Übersetzt bedeutet der Überdruck: "Wenn Du diesen Geldschein bekommst, wünsche ich Dir ein gutes Schicksal. Merke, dass Falun Gong gut ist, Du sollst Glück haben und lange leben." In China findet man immer wieder mal einen Geldschein mit diesem Überdruck. Man schätzt, dass etwa jeder Millionste 1-Yuan-Schein so nachträglich mit der Botschaft von Falun Gong versehen ist. Bei 10-Yuan-Scheinen ist der Überdruck deutlich seltener. Herr Beyer kennt nur den hier gezeigten Schein. Überdrucke von anderen Organisationen sind nicht bekannt. Erwin Beyer, Hans-Ludwig Grabowski Abb. Erwin Beyer
- Der geplante "Danziger Schein" vom Juni 1939
Während des "Dritten Reichs" gab es eine ganze Reihe von Entwürfen für neue Reichsbanknoten. Einige davon kamen über das Entwurfsstadium nicht hinaus, es blieb bei sog. Essays, von anderen aber entstanden Probedrucke, wie vom "Danziger Schein" vom 15. Juni 1939. Nur wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren offensichtlich gleich mehrere neue Banknoten mit Motiven deutscher Gebiete außerhalb der damaligen Reichsgrenzen geplant, die aber nicht mehr umgesetzt wurden. Neben dem hier behandelten Schein zu Danzig gab es so auch Probedrucke zu einer 50-RM-Note zu Straßburg mit einer Elsässerin in Tracht auf der Vorderseite. Lediglich der sog. "Tirolerschein", der an den Anschluss Österreichs erinnerte, kam – wenn auch erst mit Verspätung – Ende des Kriegs in Umlauf. Man kann natürlich mutmaßen, dass die Probedrucke zu Danzig und Straßburg im Rahmen der allgemeinen Kriegsvorbereitungen zu betrachten sind. Am 1. September 1939 nahm der Krieg mit der Beschießung der von Polen besetzten Danziger Westerplatte durch das deutsche Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" seinen Anfang und Danzig wurde unmittelbar danach in Reich eingegliedert. 1940 kehrte mit dem Einmarsch deutscher Truppen und ihrem vorläufigen Sieg auch Elsass-Lothringen zum Reich zurück. Waren diese beiden Scheine deshalb schon im Vorfeld geplant? Wenn ja, warum hat man sie dann nicht mehr ausgegeben? Natürlich hätte es einen erheblichen Aufwand bedeutet, aus wenigen Probedrucken in der Reichsdruckerei eine ganze Serienproduktion in Gang zu setzen und das auch noch mitten im Krieg. Wie wir wissen, wurde 1941 der Banknotendruck kriegsbedingt sogar ein erstes Mal vereinfacht. Von Vorder- und Rückseiten der geplanten Noten wurden in der Reichsdruckerei Probedrucke in verschiedenen Farben gefertigt. Die Vorderseite des "Danziger Scheins" gibt es in Grün, Oliv und Violett. Die Rückseite gibt es in Grün, Violett, Blauviolett oder Braun. Bei den hier abgebildeten Probedrucken in Grün fällt allerdings auf, dass es diese sowohl ohne als auch mit gelbbraunem Unterdruck gibt (siehe Belegstück des Wert-Archivs der Reichsdruckerei). Bei den anderen Farben kann das ähnlich gewesen sein, es lagen aber leider keine weiteren Vergleichsstücke vor. Die Vorderseite des "Danziger Scheins" zeigt das Kopfbildnis eines Danziger Seemanns und die Rückseite eine Stadtansicht von Danzig mit Marienkirche und Krantor, dazu links eine Frau mit Ähren als Allegorie der Landwirtschaft und rechts einen Mann mit Fisch für das Fischereiwesen. Die unbeschnittenen Proben ohne Unterdruck in Grün wurden zusammen mit weiteren Probedrucken von der Elsässerin und von Hindenburg im Oktober 2007 beim Auktionshaus Höhn in Leipzig versteigert. Die Essays und Probedrucke der Reichsbank findet man im aktuellen Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871". Hans-Ludwig Grabowski Abb. Auktionshaus Höhn, https://www.leipziger-muenzhandlung.de/ sowie Bundesdruckerei, www.bundesdruckerei.de
- China: Neueste Trends bei "Höllengeld"
Von einer Ostasien-Reise zurückgekehrt, besuchte heute der allseits bekannte China-Experte Erwin Beyer den Battenberg Gietl Verlag. Bei der Gelegenheit berichtete er über die neuesten Trends zum chinesischen "Höllengeld", von dem nun ganz aktuell auch sehr große Scheine unter Verwendung von goldfarbener Folie hergestellt werden. Außerdem druckt man nun sogar Kreditkarten auf Kartonpapier, wie die nachstehend abgebildete der "Otherworld Bank". Witzig der Hinweis auf der Rückseite der "Kreditkarte", falls man diese in der "anderen Welt" finden sollte, kann man durch Verbrennen der Karte wieder zurückkehren. Vielen Dank an Erwin Beyer für die Überlassung der Belege. Hans-Ludwig Grabowski
- Die Exil-Serie der Bank Polski von 1939
Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte die Bank Polski den Druck neuer Banknoten in Großbritannien und in den USA in Auftrag gegeben. Wegen der Besetzung Polens und der Flucht der polnischen Regierung ins Exil nach England, die neben dem Staatsschatz auch sämtliche Druckplatten für die polnischen Banknoten mitgenommen hatte, konnten die neuen Scheine nicht mehr ausgegeben werden. Bis auf den 20-Zlotych-Schein vom 15. August 1939 (POL-83) sind alle restlichen Werte der sog. Exil-Serie jetzt im Nachverkauf des Auktionshauses Gärtner zu haben. Die deutsche Besatzungsmacht musste im sog. Generalgouvernement bald eine eigene Notenbank gründen. Auch nach Kriegsende wurden die Scheine der Exil-Serie nicht mehr ausgegeben, sondern nach Behelfsausgaben von 1945 folgten 1947 neue Banknoten, die den propagandistischen Ansprüchen an die junge sozialistische Volksrepublik besser entsprechen sollten. Die erste Serie mit Datum vom 15. August 1939 umfasste Nennwerte von 1 Zloty, 2 Zlote sowie 5, 10, 20, 50, 100 und 500 Zlotych. Die niedrigen Werte zu 1 Zloty, 2 Zlote und 5 Zlotych wurden von der englischen Druckerei Bradbury, Wilkinson & Co. hergestellt. Während die beiden kleinsten Werte nur Ornamente zeigen, ist auf der Vorderseite des Fünfers eine Frau in Tracht abgebildet. Die restlichen Werte der Serie mit Datum vom 15. August 1939 wurden bei Thomas De La Rue in London gedruckt. Der Zehner zeigt auf der Vorderseite das Porträt einer jungen Frau mit Kopfbedeckung aus der Gegend von Warschau (nach Fotografien von Karola Beyera) und auf der Rückseite den Tumskie-Hügel an der Weichsel in Plock mit Schloss-Kathedrale und Turm. Der Fünziger vom 15. August 1939 zeigt auf der Vorderseite rechts das Porträt eines Goralen in Tracht aus der Gegend von Zakopane und auf der Rückseite die Berglandschaft der Hohen Tatra mit dem sog. Meeresauge. Auf der Vorderseite des Hunderters findet sich auf der rechten Seite das Porträt eines Masuren aus der Nähe von Warschau und auf der Rückseite eine Landschaft bei Tyniec an der Weichsel. Die Vorderseite des höchsten Wertes zu 500 Zloty zeigt das Porträt eines kaschubischen Fischers und auf der Rückseite den Hafen von Gdynia (Gdingen, 1939–1945 Gotenhafen). Zusätzlich zu den Noten der Serie vom 15. August 1939 ließ die Bank Polski noch Werte zu 20 und 50 Zlotych mit Datum vom 20. August 1939 bei der American Bank Note Company drucken, die ebenfalls nicht mehr ausgegeben wurden. Der in den USA gedruckte Zwanziger zeigt auf der Vorderseite das Porträt einer jungen Frau im Brautkleid und auf der Rückseite die Holzkirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Leszczyny. Der letzte Schein der sog. Exil-Serie ist der in den USA gedruckte Fünfziger. Er zeigt auf der Vorderseite das Porträt einer jungen Bäuerin mit Sichel und Getreide sowie auf der Rückseite eine Berglandschaft am Fluss Dunajec. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Auktionshaus Gärtner, www.auktionen-gaertner.de
- Die letzten drei Serien syrischer Banknoten 1976 bis 2017
Ab 1516 gehörte das heutige Syrien zum Osmanischen Reich, das im Ersten Weltkrieg mit Deutschland und Österreich-Ungarn verbündet war. Während des Ersten Weltkriegs kämpften arabische Stämme auf Seiten der Entente gegen die Türken für ein Großsyrien, das dann aber nach dem Willen der Siegermächte nicht zustande kam. Auch erhielten die Araber nicht die von ihnen befreiten Gebiete zugestanden, wie einst von den Briten versprochen. Briten und Franzosen teilten die "Beute" in der arabischen Welt in ihre eigenen Interessensphären auf, wobei sie willkürlich Grenzen zogen, die bis heute für Konflikte im Nahen Osten sorgen. Die Hoffnung der Araber auf Großsyrien zerbrach an den Interessen Frankreichs, das nach dem Ersten Weltkrieg das Völkerbundmandat für Syrien und den Libanon erhielt. Der damalige Völkerbund sollte als Vorläufer der heutigen UNO nach dem Ersten Weltkrieg eigentlich alle zukünftigen Kriege vermeiden, indem man Konflikte friedlich lösen wollte. Tatsächlich sicherten sich die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, allen voran Großbritannien und Frankreich, aber erst einmal Dank ihrer Funktion im Völkerbundrat als Völkerbundmandate getarnte Übernahmen ehemaliger Feindgebiete, wie die deutschen Kolonien, das Memelland und das Saargebiet sowie Teile der arabischen Welt, die einst zum Osmanischen Reich gehörten. Weil die USA die Ratifizierung des vor 100 Jahren von den Siegern diktierten Friedens von Versailles ablehnte, wurden sie auch nie Mitglied des Völkerbunds. Während des Zweiten Weltkriegs war das Land von den Alliierten besetzt, um den Status Quo zu halten. So konnte Frankreich trotz Niederlage gegen Deutschland 1940, seine Herrschaft über Syrien noch bis 1946 aufrecht erhalten. Während der französischen Herrschaft gab die Banque de Syrie ab 1919 eigene Noten in Piastre und Livres aus. 1925 folgten Noten der Banque de Syrie et du Grand-Liban, die ab 1939 nur noch Banque des Syrie et du Liban hieß. 1942 war Syrien eine Republik geworden, die eigenes Staatspapiergeld emittierte. Am 17. April 1946 rief die Syrische Republik ihre Unabhängigkeit aus. Die ersten eigenständigen Ausgaben der Banque des Syrie et du Liban folgten 1947. Erst in den 1950er Jahren gab dann das Insitute d'Emission de Syrie eigene Scheine aus und ab 1957 besitzt die Banque Centrale de Syrie das alleinige Notenrecht. Die von ihr ausgegebenen Noten blieben von der Gestaltung her praktisch bis in die 1970er Jahre unverändert und zeigten Motive aus der Arbeitswelt, wie Industriearbeiter, Weber und Mähdrescher-Fahrer. Von 1958 bis zu einem Putsch syrischer Offiziere 1961 bildete Syrien zusammen mit Ägypten die Vereinigte Arabische Republik, in der aber vorwiegend ägyptische Interessen vertreten wurden. Bei einem weiteren Putsch sicherte sich 1963 die bis heute herrschende Bath-Partei die Macht, die 1970 Hafiz al-Assad übernahm, der Vater des heutigen, heftig umstrittenen, Präsidenten Baschar al-Assad, der nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2000 an die Macht kam. Ausgabe 1976/1977 Ab 1976 folgten neu gestaltete Banknoten der Zentralbank, die die sozialistisch angehauchten Arbeiter-Motive aus den 1950er Jahren fast vergessen ließen. Die linksnationalistische Linie von Assad orientierte sich zwar weiter an der Sowjetunion (bis heute stützt Russland das Assad-Regime), doch bei den neu gestalteten Noten dominierten hauptsächlich Bezüge zur eigenen Kultur und Geschichte, verbunden mit Motiven aus der Gegenwart. Sich mit arabischen Bauwerken abwechselnde antike Motive stammen aus der Antike und dem Mittelalter und machen die Serie attraktiv für Sammler. Die 1-Pfund-Note mit dem Kupferschmied (Linzmayer B615) gab es nur in einer Ausgabe von 1977. Es folgten keine weiteren Ausgaben, weil der Nennwert zu klein war. Format 130 mm x 65 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Den Fünfer (Linzmayer B616) gab es in fünf Ausgaben von 1977, 1978, 1982, 1988 und 1991. Format 142 mm x 69 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Der Zehner (Linzmayer B617) wurde ebenfalls in fünf Ausgaben von 1977, 1978, 1982, 1988 und 1991 hergestellt. Format 142 mm x 70 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Die 25-Pounds-Note (Linzmayer B618) wurde ebenfalls in fünf Ausgaben von 1977, 1978, 1982, 1988 und 1991 hergestellt. Format 158 mm x 75 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Druck: Thomas De La Rue. Auch die 50-Pounds-Note (Linzmayer B619) gibt es in fünf Ausgaben von 1977, 1978, 1982, 1988 und 1991. Format 158 mm x 75 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Den Hunderter (Linzmayer B620) gibt es in vier Ausgaben von 1977, 1978, 1982 und 1990. Format 167 mm x 79 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Den höchsten Wert der Serie über 500 Pounds (Linzmayer B611) gab es in sechs verschiedenen Ausgaben von 1976, 1979, 1982, 1986, 1990 und 1992. Die Motive waren bereits für eine Ausgabe von 1958 verwendet worden (SYR-92). Format 179 mm x 85 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Druck: Joh. Enschede en Zonen. Ausgabe 1997/1998 Rund zwanzig Jahre nach der Serie aus den 1970er Jahren folgte eine neue Notenserie, die aber in ihrer Gestaltung den Motiven aus Geschichte und Gegenwart treu blieb. Den Fünfziger (Linzmayer B621) gibt es nur in der Ausgabe von 1998. Format 150 mm x 75 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Die Nummer SYR-106 ist nicht im SCWPM vergeben! Den Hunderter (Linzmayer B622) gibt es ebenfalls nur in der Ausgabe von 1998. Format 155 mm x 75 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Der 200-Pounds-Schein (Linzmayer B623) existiert nur mit dem Ausgabejahr 1997. Format 160 mm x 75 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Den Fünfhunderter (Linzmayer B624/625) gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen (Rückseite mit drei oder mir vier Wertzahlen), aber nur mit dem Ausgabejahr 1998. Format 165 mm x 75 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Der höchste Nennwert der Serie blieb dem damaligen Präsidenten Hafiz al-Assad vorbehalten, dessen Porträt auch statt dem Pferdekopf für das Wasserzeichen verwendet wurden. Es gibt drei verschiedene Ausgaben mit dem Jahr 1997, die letzte davon wurde bei GOZNAK in Russland gedruckt und kam erst im Juni 2012 in Umlauf, als der Bürgerkrieg in Syrien längst begonnen hatte. Format 170 mm x 75 mm. Wasserzeichen: Kopf Hafiz al-Assad. Ausgabe 2009–2015 Die Scheine der aktuellen Notenserie der Zentralbank Syriens wurden zum Teil in Österreich gedruckt (Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruck der Oesterreichischen Nationalbank). Von ihrer Gestaltung her erinnern sie deshalb nicht ohne Grund an den Euro, da dessen Gestalter auch aus Österreich kommt. Auch hier verbindet sich wieder Geschichte und Gegenwart. Den Fünfziger (Linzmayer B627) gibt es bislang nur mit dem Ausgabejahr 2009. In Umlauf kam er am 27. Juli 2010. Format 135 mm x 65 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Druck: OENB. Auch den Hunderter (Linzmayer B628) gibt es bislang nur mit dem Ausgabejahr 2009. In Umlauf kam er am 27. Juli 2010. Format 140 mm x 65 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Druck: OENB. Den Zweihunderter (Linzmayer B629) gibt es bislang nur mit dem Ausgabejahr 2009. In Umlauf kam er ebenfalls am 27. Juli 2010. Format 145 mm x 65 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Druck: OENB. Den Fünfhunderter (Linzmayer B630) gibt es bislang nur mit dem Ausgabejahr 2013. Er kam am 2. Juli 2014 in Umlauf. Format 145 mm x 65 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Druck: GOZNAK, Moskau. Den Tausender (Linzmayer B631) gibt es ebenfalls bislang nur mit dem Ausgabejahr 2013. Er kam am 30. Juli 2015 in Umlauf. Format 155 mm x 65 mm. Wasserzeichen: arabischer Pferdekopf. Druck: GOZNAK, Moskau. Den 2000-Pounds-Scheine (Linzmayer B632) gibt es mit den Ausgabejahren 2015 und 2017. Erstmals in Umlauf kam er am 2. Juli 2017. Format 158 mm x 65 mm. Wasserzeichen: Wappenadler. Druck: GOZNAK, Moskau. Wer jetzt Lust auf syrische Banknoten bekommen hat: Die vorgestellten Scheine sind durchweg attraktiv gestaltet und noch dazu erschwinglich. Hans-Ludwig Grabowski Abb. SYR-99: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de, SYR-100 bis SYR-117: Hans-Ludwig Grabowski
- Behelfsausgaben 1941 im besetzten Griechenland
Nachdem im April 1939 Albanien durch italienische Truppen besetzt und Italien einverleibt worden war, garantierten England und Frankreich für die Unabhängigkeit Griechenlands. Am 28. Oktober 1940 richtete Mussolini ein Ultimatum an das neutrale Griechenland, mit dem er die Einrichtung italienischer Stützpunkte auf griechischem Boden forderte. Als die griechische Regierung ablehnte, erfolgte am selben Tag von Albanien aus der unzureichend vorbereitete und nicht mit dem deutschen Verbündeten abgesprochene italienische Angriff, der jedoch bald zurückgeschlagen werden konnte. Im Gegenzug eroberten griechische Truppen mit britischer Unterstützung ein Drittel von Albanien. Daraufhin unterzeichnete Hitler am 12. November 1940 die „Weisung Nr. 18“ zur Vorbereitung eines Angriffs auf Griechenland, um dem bedrängten Bundesgenossen zu Hilfe zu kommen. Nach dem deutschen Angriff vom 6. April 1941 und dem Durchbruch durch die Metaxas-Linie mussten sich die Griechen zurückziehen. Am 27. April 1941 wurde Athen von deutschen Truppen besetzt. Die britischen Hilfstruppen verließen das griechische Festland vom 24. bis 29. April 1941. Nach der deutsch-italienischen Besetzung kam es in Griechenland zu einem gewaltigen Anstieg des Geldumlaufs und dadurch zum Mangel an Banknoten im Zahlungsverkehr. Die Bank von Griechenland gab deshalb laut Verordnung Nr. 45 vom 14. Mai 1941 bereits entwertete Noten aller damals in Umlauf befindlichen Werte (amtlich 50, 100, 500 und 1000 Drachmen), die für die Vernichtung vorgesehen waren, erneut aus. Die Scheine kommen meist lochentwertet (vorwiegend mit 6 Löchern) und/oder mit Entwertungsstempeln von Zweigstellen der Bank von Griechenland vor (AKZRON = UNGÜLTIG). Mit Verordnung der Bank von Griechenland Nr. 37 vom 1. Januar 1942 und mit der ergänzenden Verordnung Nr. 30 vom 31.3.1943 wurden alle entwerteten Banknoten aus dem Verkehr genommen und gegen neue Banknoten eingetauscht. Da die Scheine vor ihrer erneuten Ausgabe ursprünglich bereits aus dem Verkehr gezogen waren, kommen sie nur in stark gebrauchter Erhaltung vor. Interessant ist die Nr. GR1 (Abb. 1), die es laut „Standard Catalog of World Paper Money“ in dieser Form gar nicht geben sollte. In diesem Katalog wird ausgeführt, dass die Scheine zu 50 und 100 Drachmen von 1927 mit altem Banknamen (GRC-90/91) überhaupt nicht ausgegeben wurden, sondern demnach nur um 1928 mit dem späteren provisorischen Überdruck des neuen Banknamens in Umlauf kamen. Der hier abgebildete stark gebrauchte Schein beweist jedoch, dass die Noten nicht nur im Umlauf waren und erst als stark verschlissene Stücke entwertet wurden, sondern sogar 1941 zusammen mit anderen bereits entwerteten Stücken wieder ausgegeben wurden. Alle griechischen Scheine unter deutsch-italienischer Besatzung sowie alle weiteren ausländischen Scheine unter deutscher Besatzung finden Sie im Katalog "Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg". Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Manipulierte "Separatistenscheine" der Pfalz
Wie viele deutsche Länder, Provinzen, Bezirke, Kreise, Kommunalverbände und Firmen, so gab auch die Kreisgemeinde Pfalz in Speyer für die damals noch bayerische Rheinpfalz während der Hochinflation 1923 eigenes Notgeld aus. Es gab Werte zu 1 und 5 Millionen Mark ohne Datum; zu 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Millionen Mark mit Datum vom 11. August 1923 und zu 50, 100 und 500 Millionen Mark sowie zu 1, 5, 20, 50 und 500 Milliarden und zu 1 Billion Mark mit Datum vom 1. Oktober 1923. Ab Oktober 1923 waren die Scheine zusätzlich mit einem Kastenaufdruck mit sog. Zonentext "Umlauffähig im ganzen Regierungsbezirk Pfalz. Gültig bis zum 1. April 1924" versehen. Nach dem Versailler Vertrag von 1919 waren bereits westliche Gebiete der Pfalz abgetrennt worden, die im neu gebildeten Saarland als Mandat des Völkerbunds de facto unter französische Kontrolle gerieten. Während der französischen Besetzung des Rheinlands und der restlichen Pfalz kam es dann zu einer von Frankreich unterstützten Separatisten-Bewegung, die die Bildung einer autonomen pfälzischen Republik anstrebte. Bereits am 1. Juni 1919 war es zum ersten Separatisten-Putsch gegen die Regierung der Pfalz in Speyer gekommen und im Oktober 1919 verlangte man sogar die Einführung der französischen Währung. Am 12. November 1919 riefen die Separatisten die "Pfälzische Republik im Verband der Rheinischen Republik" aus. Frankreichs Ziel war klar, wie schon mit der Schaffung des Rheinbunds durch Napoleon, der 1806 zur Spaltung und dem Ende des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation geführt hatte, wollte Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg das Deutsche Reich spalten und nach der Rheingrenze greifen und darüber hinaus sogar noch mit dem Rheinland und der Pfalz zwei linksrheinische Gebiete unter französischem Einfluss in Deutschland installieren. Als Finanzminister der sog. "Regierung der Autonomen Pfalz" wurde mit besonderer französischer Genehmigung der u.a. wegen Erpressung, Urkundenfälschung und Totschlags mehrfach vorbestrafte Schuhmacher Johann Wilhelm Novak berufen, der sofort die Speyerer Notgelddruckerei und die Reichsbanknebenstelle besetzen ließ. Die bereits gedruckten Notgeldscheine der Kreisgemeinde Pfalz zu 1 Billion Mark vom 1. Oktober 1923 wurden durch die Separatisten für ihre Zwecke genutzt und mit einem roten Überdruck (Durchbalkung des Unterschriftenblocks und Text: "Dieser Schein ist gedeckt durch die Rheinische Regierung in Wiesbaden. Kommissar für die Pfalz" und gedruckter Faksimile-Unterschrift "Novak" versehen. Allerdings ausschließlich die abgebildete grüne Ausführung des 1-Billionen-Mark-Scheins. Manipulationen: Andere Werte mit roter bis rotvioletter Durchbalkung der Unterschriften und mit Handunterschrift "Nowak" (statt "Novak") und ohne den zusätzlichen Textblock sind durchweg Manipulationen für Sammler. Sie sind bei den Werten zu 1, 5, 10, 20, 50, 100 und 500 Millionen Mark sowie zu 1 und 5 Milliarden Mark bekannt. Weitere Werte können vorkommen. Es handelt sich jedoch nicht um ganz moderne Manipulationen, sondern um ältere, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind und sogar höher bewertet werden können, als die Grundscheine. Alle Ausgaben der Kreisgemeinde Pfalz und das Notgeld der "Autonomen Pfalz" vom November 1923 sowie alle anderen Papiergeld-Ausgaben der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke findet man in meinem Katalog "Deutsches Notgeld, Band 10: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871 – 1948". Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Wie Fälscher einen Überdruck entfernen, um seltene Fehldrucke nachzuahmen
Dieses gesetzliche Zahlungsmittel der Vereinigten Staaten von 1917 (Friedberg 38) war schon immer ein Favorit bei Sammlern von US-amerikanischen Noten. Es wird umgangssprachlich als "sawhorse revers" bezeichnet, da das Design in der Mitte auf der Rückseite einem Sägebock ähnelt. Zwischen Friedberg 38 und 38m (das m steht für “Mule” = Maultier), wurden 1.148 Banknoten aus einer ursprünglichen Auflage von 101.176.000 gemeldet. Davon sind nur fünf Noten Fehldrucke, vier von diesen fünf Noten sind Fr. 38m. Wie können Sie nun feststellen, ob es sich um eine Mule-Note handelt? Durch die Position der Plattennummer. Die Nummer befindet sich auf der Rückseite der Note im weißen Bereich auf der linken Seite. Wenn es sich um eine Mule-Note handelt, befindet sich die Plattennummer in der 6-Uhr-Position (siehe Abbildung, die Plattennummer ist rot eingekreist), wohingegen bei Nicht-Mule-Noten die Plattennummer näher bei der 4-Uhr-Position liegt. Der Artikel konzentriert sich auf einen scheinbaren Fehldruck (Error-Note). Fehler auf “large size” Noten sind sehr gesucht, da nicht viele dieser Exemplare die Zeiten überdauert haben. Tatsächlich sind weniger als ein halbes Prozent (0,44%) der Banknoten in der bekannten Gesamtauflage von Friedberg 38 Error-Noten. Aufgrund der geringen Anzahl der katalogisierten Fehldrucke versuchen Fälscher, eine perfekt original erhaltene Note wie einen Fehldruck aussehen zu lassen. Bei der oben abgebildeten Note fehlen die roten Überdrucke (die Kontrollnummern und ein mit Ornamenten versehenes Siegel). Jede Note, die PMG bewertet, wird einer strengen Prüfung unterzogen. Auf den ersten Blick scheint bei diesem Fehldruck alles in Ordnung zu sein. Lassen Sie uns diese Note jedoch genauer untersuchen. Zwei der besten Werkzeuge, die ein Bewerter verwenden kann, sind eine Lupe und ein UV-Licht. Diese Note sollte UV-inaktiv sein; mit anderen Worten, es sollten keine UV-Reaktionen auf der Note auftreten, obwohl die Fasern manchmal ein mattes Glühen abgeben können. Unter UV sieht diese Note wie folgt aus: Das ist nicht die Reaktion, die wir erwartet hatten. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Note manipuliert wurde, obwohl es interessant ist, dass es leere Stellen ohne UV-Reaktion gibt. In diesen Bereichen wären die Kontrollnummern gewesen. Diese UV-Reaktion bedeutet, dass wir die Note weiter untersuchen müssen. Konzentrieren wir uns darauf, wo sich die Kontrollnummern befinden sollten. Hier gibt es einige schwache Umrisse von etwas, das nach möglichen Zahlen aussieht. Im nächsten Bild werden die betreffenden Bereiche rot eingekreist. Nachdem Sie sich dieses Bild angesehen haben, kehren Sie zu dem vorherigen Bild zurück. Können Sie jetzt die Umrisse sehen? Nach näherer Betrachtung sieht diese Note nicht besonders gut aus. Wir brauchen jedoch davon abgesehen noch einen weiteren Beweis. Halten wir die Note unter eine spezielle Beleuchtung, um zu sehen, ob irgendetwas sichtbar wird. Jetzt können wir die vollständigen Spuren der Kontrollnummer sehen und wir wissen mit Sicherheit, dass die Nummer und das Siegel entfernt wurden. Die Flecken sind Reste der übrig gebliebenen Nummern, und die Reaktion unter dem UV-Licht stammte von dem, was der Betrüger zum Entfernen des Überdrucks verwendete. So soll ein Friedberg 38m aussehen: Das Erkennen einer Veränderung bzw. Manipulation kann für das ungeübte Auge schwierig sein. Bei PMG haben wir erfahrene Bewerter und die nötige Ausrüstung, um Manipulationen oder veränderte Noten zu erkennen. Sammler können sicher sein, dass jede von PMG versiegelte Note durch die PMG-Garantie für Einstufung und Echtheit abgesichert ist. PMG Um mehr über Paper Money Guaranty zu erfahren, besuchen Sie PMGnotes.de.
- Ein Besuch in der Ausstellung „100 Jahre tschechische Krone“ in Prag
Vom 1. Februar bis zum 28. April 2019 findet in den Räumlichkeiten der kaiserlichen Ställe auf der Prager Burg eine Sonderausstellung zum 100. Jubiläum der Einführung der damals tschechoslowakischen Krone statt, die wirklich sehr interessant ist. Gezeigt werden Banknoten-Entwürfe für zumeist tschechoslowakische Banknoten der letzten 100 Jahre, die ersten von 1918 (Zerfall der österreich-ungarischen Monarchie) und endend 1992 mit dem Zerfall der Tschechoslowakei. Im Eingangsbereich sind drei Kronen ausgestellt, von denen eine dem österreichischen Kaiser (Böhmen und Mähren gehörten zu Österreich) und die andere dem ungarischen König (die heutige Slowakei gehörte zu Ungarn), also dem Franz Joseph (Mann von der Sissi), gehörte. Die ausgestellten Umlaufnoten dürften bekannt sein. Daneben gibt es auch diverse Ersatz- bzw. Austauschnoten aus den 1980er Jahren und auch einen großen Teil der Münzgeschichte zu sehen. Als Höhepunkt am Ende der Ausstellung ist die wohl, nach dem australischen Millionen-Nugget, zweitgrößte Goldmünze der Welt im Nennwert von 100 Mio Kč zu bestaunen. Während die Bundesbank – ganz dem deutschen Klischee entsprechend – eine feste Anzahl an Grafikern zu einem Wettbewerb einlud, die dann eine komplette Serie entwarfen, gestaltete man in der ČSSR die Noten nach und nach (einzige Ausnahme: Die geheime Währungsreform von 1953, und da delegierte man das – wenn ich das richtig verstanden habe – alles komplett nach Moskau). Für mich interessanter war jedoch, wie mit den Motiven bei den einzelnen Banknoten gerungen wurde. Beispiel: Serie II nach der Währungsreform: Der Zehner „Zwei Mädchen“ von Maria Medvecká („Maria Bär“) aus dem Jahr 1960 existiert als Probedruck zweisprachig und mit dem alten Wappen. Ursprünglich sollte statt dem Staudamm ein Obstkorb auf der Rückseite zu sehen sein. Auch der Hunderter „Arbeiter und Bäuerin“ von 1961 wurde noch mit dem alten Wappen entworfen. Von den vielen Entwürfen mit Arbeiter und Bäuerin überzeugt die letztlich umgesetzte Vorlage tatsächlich bei weitem am meisten. Der Fünfziger von 1964 („Sowjetsoldat und Partisan" ) existiert in zahlreichen Entwurfsvarianten. Er war im ersten Entwurf eher dem Hunderter („Arbeiter und Bäuerin“) nachempfunden, erst der revidierte Entwurf glich sich eher dem Zehner („Zwei Mädchen“) und dem 25-Kronen-Schein von 1961 („Tábor“) an. Dass der Zwanziger von 1970 (Hussitenaufstand um 1420 bis 1430) und Fünfhunderter von 1973 (Slowakenaufstand 1944) der Beginn einer neuen Banknotenserie werden sollte, konnte man noch erahnen. Wieso die Serie aber nicht realisiert wurde, konnte man im Entwurf sehen: Der Zehner von 1971 hätte den Heiligen (!) Jakob gezeigt, was in einem sozialistischen Staat der „Nach-Frühlingszeit“ nicht genehm war. Auch ein Entwurf mit der Heiligen Maria existiert. Diese wurden aufgrund der religionsfeindlichen Ideologie des Staates jedoch nicht weiter ausgeführt. So wurde zum Zwanziger, der die (deutschfeindlichen!) Hussitenkriege zum Thema hat, schließlich nur ein slowakischer Fünfhunderter entworfen, der den slowakischen Nationalaufstand im Zweiten Weltkrieg zum Thema hat und die Serie blieb letztlich unvollendet. Beide Scheine bezogen sich auf einen Befreiungskampf. Zur Ausstellung gibt es übrigens auch ein interessantes Buch zu kaufen (zweisprachig in Tschechisch und Englisch)! Manfred Dietl
- Fälscherkönig Victor Krauthauf
Seit es in Österreich Banknoten gibt, werden diese auch gefälscht. Mal mehr und mal weniger geschickt versuchten zahlreiche Fälscher in den letzten Jahrhunderten ihr Glück und bezahlten das oftmals auch mit dem eigenen Leben. Besonders geschickte, faszinierende oder berüchtigte Fälscherpersönlichkeiten gelangten in wenigen Fällen auch zu großer Bekanntheit. Zu diesem erlauchten Kreis zählte zum Beispiel der adelige Fälscher Peter Ritter von Bohr. Heute im Vergleich dazu ein wenig in Vergessenheit geraten ist eine Fälscherpersönlichkeit, die anno dazumal mindestens ebenso viel Staub aufwirbelte und die Behörden fast zwei Jahrzehnte lang an der Nase herum führte. Zeitgenössische Zeitungen titulierten ihn gar als „Verbrechergenie“ und „Fälscherkönig“. Die Rede ist von Victor Krauthauf. Wir schreiben den 19. Dezember 1895 und es ist gegen 6 Uhr Abends. In ihrem Selcher Laden auf der Landstraßer Hauptstraße, im 3. Wiener Gemeindebezirk geht Selchermeistergattin Emilie Schödl wie gewohnt ihrer Arbeit nach, als eine ältere, etwa 50 bis 60 Jahre alte und gut gekleidete Dame, das Geschäft betritt. Die Kundin macht nur einen kleinen Einkauf zu 20 Kreuzern. Als Frau Schödl eine 10 Gulden Note von ihr entgegen nimmt, kommt ihr diese plötzlich seltsam vor. Sie erinnert sich an Warnungen der Polizei vor Fälschungen und prüft die Note genauer: Tatsächlich hat diese – wie in den Warnungen der Polizei mitgeteilt – auf der ungarischen Seite die Unterschrift „M. Hofer“ statt korrekt "Hofer M." „Sie, der Zehner ist ja falsch!“, entfährt es Frau Schödl. Die Dame reagiert konsterniert: „Ah, den muss i dann irgendwo kriegt hab’n. Übrigens hier habn S‘ ein‘ andern Zehner.“ Fr. Schödl schöpft Verdacht und geht nicht auf das Angebot ein, sondern schickt eine Verkäuferin nach einem Wachmann in der gegenüberliegenden Wachstube. Der Wachmann ist rasch zur Stelle und fordert die protestierende Dame auf, ihm auf die Wachstube zu folgen. Als die beiden das Geschäft verlassen tritt plötzlich ein etwa 30-jähriger Mann, der vor dem Laden gewartet hatte, auf den Wachmann zu: „Gehen S‘, lassen S‘ die Frau los, es ist nichts dahinter, wir haben den Zehner in der Alservorstadt gekriegt!“ Trotz wiederholter Aufforderung, die Amtshandlung nicht zu behindern, sistiert der Mann weiter und wird immer dringlicher. Als der Wachbeamte daraufhin ebenfalls eine Arrestierung gegen ihn ausspricht, eskaliert die Szene: Der Mann reißt sich los und läuft davon. Ein zweiter Wachbeamter, der die Szene beobachtet hat, nimmt sofort die Verfolgung auf. In dem Tumult zieht die Dame blitzschnell ein kleines Fläschchen aus ihrer Rocktasche, führt dieses zum Mund und leert es mit einem Satz. Als der zweite Inspektor den Flüchtenden einholt, tut es dieser der Dame gleich und nimmt ebenfalls den Inhalt eines Fläschchen zu sich. Dem Beamten gelingt es den Mann festzunehmen und auf die Wachstube zu bringen, wo bereits auch die Dame wartet. Als sie ihn erblickt fragt sie: „Rudolf, was ist den los?“ und bricht daraufhin tot zusammen. Die Flüssigkeit war hochgiftiges Zyankali. Gleichzeitig wird auch der Mann bewusstlos. Die von ihm eingenommene Dosis war jedoch deutlich geringer. Und so gelingt es, ihn am Leben zu halten und ins Rudolf Spital zu bringen. Soweit die dramatischen Szenen am Abend des 19. Dezember 1895. In den Tagen darauf wurde nach und nach das wahre Ausmaß des Vorfalls bekannt: Beim flüchtenden Mann fand man, eingenäht ins Rockfutter des Mantels, 22 weitere Zehn-Gulden-Fälschungen. Bei der darauf folgenden gerichtlichen Befragung konnte die Identität der zwei Personen geklärt werden: Beim Mann handelte es sich um den 39-jährigen Victor Heinrich Krauthauf, die vergiftete Dame war seine 64-jährige Mutter Josepha Krauthauf. Man hatte ein seit langem gesuchtes Fälscher-Duo verhaftet. Das Hirn der Operation war Victor Krauthauf, der die Falsifikate herstellte. Die Mutter – nach der auf nationalen und internationalen Steckbriefen – als „vergrämt aussehende, alte Frau“ gesucht wurde, besorgte deren Einlösung. Bei einer Hausdurchsuchung in der gemeinsamen Wohnung der beiden im 15. Wiener Gemeindebezirk fand man in der Zwei-Zimmer-und-Küche-Wohnung eine wahre Fälscherwerkstatt vor. In der ganzen Wohnung herrschte ein regelrechter Überfluss an falschen Noten, praktisch in jeder Tisch- und Kastenlade fanden sich Falsifikate. Insgesamt waren hier weitere 600 Fälschungen des Zehn-Gulden-Scheines von 1880 gelagert, zudem fand man auch umfangreiches Fälscherwerkzeug, Pinsel, litografische Steine und Pressen. Dazu am Stein bereits ausgefertigte Vorlagen und halbfertig ausgeführte Fälschungen von Wertpapiercoupons. Krauthauf war im darauf folgenden Prozess voll geständig. Aus seinen Aussagen vor Gericht und seinem konfiszierten Tagebuch, in dem er seine Machenschaften seit 1884 minutiös festhielt, ergab sich schließlich ein klares Bild: Krauthauf war bei seiner Verhaftung bereits mehr als 15 Jahre als Fälscher tätig. Er fälschte nicht nur Banknoten, sondern in großem Maße auch nationale und internationale Wertpapiercoupons und Staats-Lose (Staatsanleihen, die neben einer Kapitalgarantie und Verzinsung das Recht auf Teilnahme an einer Lotterie verbrieften). Die Behörden im In- und Ausland waren aufgrund der großen Anzahl und hohen Qualität der Fälschungen und deren internationaler Verbreitung jahrelang der Annahme, dass ein internationaler Fälscher-Ring dahinter stecken müsse. Tatsächlich war es aber Krauthauf, der gemeinsam mit seiner Mutter von Zeit zu Zeit Reisen nach Prag, Budapest, Dresden, München und Berlin unternahm, um die gefälschten Wertpapiere unter die Leute zu bringen. Dabei gelang es ihm, aufgrund der hohen Qualität der Falsifikate, diese trotz der vorherrschenden strengen Kontrollen an den Schaltern der großen Banken einzulösen. Um sich den Anschein eines Bankdieners zu geben, setzte er sich dabei eine Kappe auf, wie sie Bankdiener damals trugen. Auch sonst trat Viktor Krauthauf äußert selbstbewusst und kaltschnäuzig auf, wie das folgende Beispiel zeigt: Im Jahr 1880 schlüpfte er in die Identität des Infanterie-Leutnants Paul von Ehrenhaft. In voller Uniform und mit militärischer Haltung und sicherem, gewandten Auftreten gelang es ihm den Hausbesitzer Georg Schmidt zur Gewährung eines Darlehens von 1895 Gulden gegen Ausstellung eines Wechsels zu bewegen. Als Sicherheit für den Wechsel hinterlegte er gefälschte 1864er Prämien-Scheine, die als Pfand für den Falle der Nichteinlösung dienten. Der Wechsel wurde nicht eingelöst und Schmidt erkannte, dass die Prämien-Scheine falsch waren. In der ganzen Armee war nur leider kein Offizier namens Ehrenhaft, mit „auffällig ungarischem Akzent“ bekannt. Der 10-Gulden-Schein mit dem Ausgabedatum 1880 war Krauthauf’s letztes Fälscherwerk. Die Fälschung war von hoher Qualität, nur auf der ungarischen Seite unterlief ihm ein kleiner Fehler beim Namen des Bankengouverneurs („Moser A.“ statt "A. Moser"), der ihm schließlich zum Verhängnis werden sollte. Von dieser Fälschung hatte er vor seiner Ergreifung bereits 1000 Stück in Verkehr gebracht. Weniger gut gelungen war Krauthauf zuvor die Fälschung des 5-Gulden-Scheins von 1881. Da ihm der Text der deutschen Seite misslang, versah er kurzerhand beide Seiten mit dem ungarischen Text. Als er Tausend Stück davon hergestellt hatte, schien ihm das ganze dann doch zu riskant und er vernichtete alle bis auf drei Stück, die er in Umlauf brachte und 30 Stück, die er sich „als Andenken“ behielt. Von solchen Ausnahmen abgesehen, waren die Arbeiten von Krauthauf aber sehr professionell ausgeführt. Sie waren sogar so hochwertig, dass Experten auf dem Gebiet der Grafik noch lange nach der Erfassung Krauthaufs nicht an das Werk eines Einzeltäters glauben wollten und Mittäter vermuteten. Krauthauf zeichnete zuerst die Banknote bzw. das Wertpapier und übertrug die Zeichnung dann auf die Platte, von der weg er die Fälschungen druckte. Dabei hielt er von jedem Falsifikat KN und Serie fest, um nicht versehentlich eine bereits in Verkehr gebrachte Fälschung ein zweites mal zu fabrizieren. Das alles tat er nicht ohne Schöpferstolz und Eitelkeit, wie das folgende Ereignis vor dem Untersuchungsrichter beweist: Auf Geheiß des Richters und in Anwesenheit von zwei Beamten der österreichisch-ungarischen Bank zeichnete er rein aus dem Gedächtnis ohne jegliche Vorlage eine 10-Gulden-Banknote direkt auf einen Litografie-Stein, und das mit einer geradezu unheimlichen Geschwindigkeit und Sicherheit. Als die beiden Fachleute nun wahrheitsgemäß die außerordentliche Geschicklichkeit Krauthaufs und die sehr gelungene Fälschung bezeugten, erhob sich Krauthauf von seinem Sitz, verbeugte sich und triumphierte: „Ich danke Ihnen, meine Herren, das Urteil von so autoritativer Seite macht mich glücklich!“ Wer aber war dieses Fälschungsgenie? Und was bewog ihn zu seinen Taten? Die Familie Krauthauf war ursprünglich in Linz beheimatet. Victor schlug eine solide Laufbahn ein und war ab 1877 als Beamter bei der Bank für Oberösterreich und Salzburg tätig. Allerdings war er für diesen Job etwas zu zerstreut. Die Kasse war oftmals nicht in Ordnung und so wurde er 1883 schließlich entlassen. Zu diesem Zeitpunkt lebte er gemeinsam mit seiner Mutter in einer Wohnung in der Linzer Mariengasse. Der gleichnamige Vater, ein Assekuranz-Beamter, war bereits verstorben. 1884 arbeitete er noch auf Tagesgeldbasis beim Linzer Gemeindeamt, ab diesem Zeitpunkt ging er keiner offiziellen Arbeit mehr nach und war nach außen hin Privatier. Bereits im Jahr 1879, also zu jener Zeit als er noch seinem ehrlichen Beruf als Bankbeamter nachging, begann er er sich an Fälschungen von Coupons zu versuchen, damals war er gerade 22 Jahre alt. Als Grund gab er später jede Nacht wiederkehrende Träume an, in denen er sich als der reichste Mann der Welt sah und Millionen von Banknoten und Coupons um ihn herum wirbelten. In seinem Tagebuch hielt Viktor Krauthauf fortan jede erstellte Fälschung, jede durchgeführte Reise und jede an den Mann gebrachte Fälschung penibel fest. In Linz und Umgebung ging der Name Viktor Krauthauf bereits im Jahr 1887, also lange bevor er als Fälscher entlarvt wurde, durch den Pressewald: Im sogenannten „Mord am Lichtenberg“ war die 25-jährige Josefa Bräuer ermordet worden. Dem Mord ging allem Anschein nach eine Vergewaltigung voran. Die junge Marktgeherin befand sich auf dem Nach-Hause-Weg von Ihrer Arbeit, bereits nahe ihres Elternhauses, als sie der Täter überraschte. Nachdem er sich an ihr verging, erwürgte er sie mit ihrem eigenen Halstuch und raubte ihre Tageslosung von gerade einmal 2 Gulden. Der Verdacht fiel damals schnell auf Victor Krauthauf, der in der Umgebung des Lichtenbergs bereits öfters durch unsittliches Betragen aufgefallen war. Noch in der selben Nacht läuteten Polizeibeamten an seiner Tür um ihn zu verhaften. Es dauerte eine Weile bis Krauthauf öffnete. „Ah, Sie kommen wegen der Geschichte am Lichtenberge“, empfing er die Beamten. Diese durchsuchten seine Wohnung und fanden am Tisch stehend ein Fläschchen mit aufgelöstem Arsen vor, daneben lag noch ein Stück festen Arsens. Es machte den Anschein, als hätten sie Krauthauf gerade beim Versuch eines Selbstmords unterbrochen. Krauthauf wurde festgenommen, jedoch nach einigen Wochen wieder freigelassen. Zeugen hatten ihm für die Tatzeit ein handfestes Alibi beschienen. Aus den Untersuchungen verblieb jedoch eine Anklage wegen Verstoßes gegen die öffentliche Sittlichkeit. Zahlreiche Damen, meist Marktgeherinnen, und einige davon bereits in sehr fortgeschrittenem Alter, sagten aus, von Krauthauf unsittlich attackiert worden zu sein. Das Bezirksgericht Urfahr verurteilte ihn schließlich zu 5 Monaten strengen Arrests. Diese Vorfälle dürften vermutlich der Grund für den Umzug von Mutter und Sohn Krauthauf nach Wien gewesen sein. Im Jahr 1889 bezogen sie ihre Wohnung in Fünfhaus und bauten dort ihre Fälscherhöhle auf. Viktor hing an seiner Mutter und hatte diese längst in seine Pläne eingeweiht. Mutter und Sohn Krauthauf verkehrten mit kaum jemanden und ließen niemanden in die Wohnung. Auch ihre Wirtschafterin durfte die neuralgischen Räume nicht betreten. Zwar ging die ursprüngliche Initiative zur Fälscherkarriere von ihm aus, aber seine Mutter war keineswegs nur willige Erfüllungsgehilfin, sondern bestärkte ihn und war treibende Kraft hinter den Plänen. Sie spornte ihren Sohn an, immer mehr zu fälschen und kritisierte ihn, wenn ihm eine Fälschung misslang. Sie übernahm zudem den führende Part bei der Einlösung der Falsifikate. Für den Fall des Erwischt-werdens hatte sie dabei immer eine Dosis Gift bei sich. Wie ihr Sohn, hatte sie den Traum vom großen Reichtum. Als Witwe war sie mit einem Vermögen von 15.000 Gulden nach Wien gekommen und versuchte dieses an der Börse zu vermehren. Bald war das gesamte Geld verloren. Krauthauf wurden vor Gericht Fälschungen im Ausmaß von 42.000 Gulden nachgewiesen. Ein Teil davon wurde für den Lebensunterhalt benötigt, der größte Teil wurde aber an der Börse verspekuliert. Wie seine Mutter, glaubte Viktor Krauthauf dort das Geld einfach und schnell vermehren zu können. Dabei brachte er es zwischenzeitlich tatsächlich zu einem Depotvermögen von 250.000 Gulden, am Ende verspekulierte er aber wieder alles. Bei Verhaftung war noch ein Vermögen von 17.000 Gulden verblieben. Für Viktor Krauthauf nahm es kein gutes Ende. Versuche seiner Verteidigung, aufgrund Krauthaufs geistigem Zustands auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren, misslangen. Die Sachverständigen sahen in ihm vielmehr einen geschickten Simulanten. Am 27. November 1896 wurde er schließlich zu 18 Jahren schweren, durch Fasttage verschärften, Kerkers verurteilt. Noch während des Verfahrens unternahm er einen weiteren Selbstmordversuch durch Verhungern: Er nahm fünf Tage keine Nahrung zu sich und war bereits völlig entkräftet. Erst als man drohte, ihn zu fesseln und zwangsweise zu ernähren, nahm er wieder Nahrung zu sich. Ein weiterer Selbstmordversuch zeugt von seiner ausgeprägten Willenskraft und Energie: In einem kurzen, unbeachteten Moment rannte er in seiner Zelle mit dem Kopf gegen die Wand, um sich den Schädel einzuschlagen. Er ging bewusstlos zu Boden, abgesehen davon war ihm aber nichts passiert. Erst der insgesamt vierte Selbstmordversuch am 2. Jänner 1900 gelang. Victor Krauthauf wurde 44-jährig erhängt in seiner Zelle vorgefunden. Selchermeistergattin Emilie Schödl hingegen, die durch ihr engagiertes Handeln für die Ergreifung von Mutter und Sohn Krauthauf sorgte, durfte sich über 4.500 Gulden an Prämien freuen, die ausgeschriebene Belohnung für die Ergreifung der Fälscher. Zu guter letzt noch eine Anekdote, die anno dazumal am Wiener Landesgericht kursierte und die Victor Krauthauf selbst zum Besten gab: Victor Krauthauf hatte ein Faible dafür, für falsches Geld echte 1864er Staatslose zu kaufen. Eines Tages kaufte er – gemeinsam mit seiner Mutter – für sein Falschgeld wieder einmal einige solche Lose. Zu Hause angekommen sah er sich die Lose genauer an und entdeckte darunter tatsächlich eine von ihm selbst erzeugte Los-Fälschung. Bereits damals wurden die Krauthauf’schen Fälschungen im Polizeimuseum ausgestellt. Heute sind sie – inklusive jener Blüte, die damals zur Festnahme von Krauthauf führte – im Wiener Kriminalmuseum zu bewundern, siehe Quellenangabe. Quellen: Abbildungen aus der Sammlung des Wiener Kriminalmuseums, Webseite: www.kriminalmuseum.at Zeitgenössische Zeitungsartikel aus dem Anno Zeitungsarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek Text und Abb. Johann Kodnar












