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- Blütenträume – Werbe- und Juxnoten gestern und heute
Im Publikum und damit auch in den meisten Fernseh- und Kinoproduktionen werden falsche Banknoten meist als „Blüten“ bezeichnet. Selbst waschechte Kriminalbeamte benutzen umgangssprachlich ab und an diesen Ausdruck. Dieser Begriff hat sich seit Jahrzehnten durchgesetzt und eingebürgert, ist aber eigentlich nicht richtig. Denn offiziell steht der Begriff „Blüten“ nicht für Falschgeld, das zum Zweck des Betrugs im Zahlungsverkehr verausgabt wird, um unrechtmäßig einen geldwerten Vorteil zu erlangen. Vielmehr wird die Bezeichnung „Blüten“ im Zentralbankbereich und bei den Ermittlungsbehörden für banknotenähnliche Drucke gebraucht, die für Werbezwecke oder einfach nur als Juxscheine hergestellt werden. Dies ist an sich auch nicht verboten, wenn man sich an die Abbildungsvorschriften der Bundesbank, respektive der Europäischen Zentralbank hält. Diese Vorgaben sollen verhindern, dass ursprünglich zu harmlosen Zwecken hergestellte Banknoten-Nachbildungen zweckentfremdet den Weg in den Zahlungsverkehr finden. Die Scheine müssen sich daher im Papier oder in den Abmessungen bzw. in der grafischen Gestaltung der Darstellungen deutlich von echtem Geld unterscheiden, so dass auch der weniger Kundige nicht getäuscht wird. Der guten Absicht steht hier aber oftmals die Realität gegenüber. Die wenigsten Geldbenutzer schauen sich erhaltene Banknoten genauer an. Genau damit rechnen auch die Verbreiter falscher oder verfälschter Scheine, und auch vorstehend beschriebene Blüten gelangen so häufig in den Geldkreislauf. Ein sehr bekannter Falschgeldexperte eines Landeskriminalamts hat einmal gesagt: „Alles, was auch nur halbwegs wie eine Banknote aussieht, wird angenommen – von der schlechtesten Farbkopie bis hin zur kolorierten Handzeichnung!“ Dafür schauen wir uns nun nachfolgend einige Blüten etwas genauer an, beginnend in den 1950er Jahren bis in unsere Tage. Den Anfang macht eine Blüte der 10-DM-Banknote der Bank deutscher Länder, Ausgabe BdL II. Obwohl sich ihr Format mit 164 mm x 76 mm deutlich von demjenigen der echten Note unterschied (letztere maß 141 mm x 67 mm), die Vorderseite ein einfarbiges, eher blasses Graublau und die Rückseite nur Text aufwies, gelangten doch einige Dutzend dieses Nachdrucks in den Umlauf. Hergestellt und als Wahlwerbung verteilt worden waren diese Scheine durch die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), die sich im Wahlkampf des Jahres 1953 durch die Anprangerung der Entwertung der DM und damit einhergehender Verteuerung der Waren einen Vorteil vor den etablierten Parteien zu sichern suchte. Opfer dieser als echt in den Verkehr gebrachten Drucke waren seinerzeit hauptsächlich Volksfest-Kellnerinnen, Taxifahrer, Imbissbuden-Betreiber oder andere Personen, die ihr Gewerbe auch bei Dunkelheit ausüben. Mit dem Nachdruck der Vorderseite einer 100-Dollars-Note versuchte in den 1990er Jahren eine Missionsgesellschaft, Menschen weg vom schnöden Mammon hin zu höheren, geistigen Werten zu bekehren. Zwar nur einfarbig in einem dunklen Grünton gehalten, gefaltet und mit einem Text auf den Innenseiten versehen, waren die Scheine aber nahezu in Originalgröße gedruckt worden. Dies und die Gefahr, dass die Herstellungsmittel möglicherweise zu weiteren, gefährlicheren Fälschungen missbraucht werden würden, bewog die Deutsche Bundesbank seinerzeit dazu, Herstellung und Verteilung zu verbieten und die Druckunterlagen einzuziehen. Mit einer 100-DM-Note der Ausgabe BBk IIIA als Nachdruck machte gegen Ende der 1990er Jahre eine Werbefirma auf sich aufmerksam. Rückseitig fand sich die individuelle Werbung von Kunden dieser Firma. Ebenfalls nahezu im Originalformat hergestellt und nur durch die Bedruckung des Schaurands vom echten Geldschein auf den ersten Blick zu unterscheiden, beendete auch hier die Bundesbank Herstellung und Verwendung. Denn bei schummriger Beleuchtung und in gefaltetem Zustand schien eine betrügerische Verausgabung durchaus realistisch. Dagegen barg die als Eintrittskarte für den „Besuch der alten Dame“ 1994 konzipierte Blüte der Landesbühnen Sachsen keine Gefahr. Auf sehr dickem Papier gedruckt, vorder- und rückseitig entsprechend verfremdet und mit entsprechenden Aufdrucken versehen, konnte man zwar als Ursprungsmotiv, ebenfalls den Hunderter der Bundesbankausgabe III, erkennen. Eine Annahme als echt im Zahlungsverkehr aber war nur bei extremer Unachtsamkeit denkbar. Mit einer „60-Euro-Note“ versprach eine Versicherung die staatliche Förderung in Höhe dieses Betrags pro Jahr beim Abschluss einer Pflegeversicherung. Auch diese Blüte hat Überformat und auf der Rückseite einen entsprechenden Werbetext, so dass eine missbräuchliche Verwendung unwahrscheinlich ist. Der andere „Sechziger“ diente als Werbeträger eines Verkehrsverbunds. Eben diese 60 Euro sollte derjenige als Prämie erhalten, der eine andere Person als Dauerkarteninhaber für mindestens ein Jahr warb. Der kleinformatige Schein hat mit der Abbildung verschiedener Verkehrsmittel auf der Vorderseite nur noch entfernt Ähnlichkeit mit einer Banknote, rückseitig ebenfalls eine Textbedruckung und ist daher harmlos. Weitaus gefährlicher und daher bereits in den Bereich Geldfälschung einzuordnen waren die sogenannten Facsimile-Noten aus den 1980er bzw. 1990er Jahren. Wohlhabende Geschäftsleute wurden mit solchen Machwerken geködert, in dem ihnen versprochen wurde, dass sie eine große Summe sogenannten Schwarzgelds zu einem weitaus geringeren Betrag erwerben könnten. Dazu wurde ein Treffen in einem Luxushotel meist im europäischen Ausland vereinbart. Die „Verkäufer“, die der sogenannten Nigeria-Connection zuzuordnen sind, und weltweit tätige Betrügerbanden aus eben diesem afrikanischen Land, bewirteten zunächst das spätere Opfer fürstlich und zeigten einen Koffer mit den angeblich vielen Millionen Dollars oder DM vor. Der Käufer, bei dem spätestens in diesem Moment der Faktor „Gier frisst Hirn“ einsetzte, übergab den mitgebrachten Kaufpreis, der in der Regel nur ein Bruchteil des versprochenen Wertes ausmachte, aber meist dennoch stattliche Summen von mehreren Hunderttausend DM repräsentierte. Er merkte jedoch erst später, dass er wertlosen Nachdrucken, eben diesen sogenannten Facsimile-Fälschungen, aufgesessen war. Die Gauner hatten zu diesem Zeitpunkt bereits das Weite gesucht und waren über alle Berge. Diese Betrugsmasche gibt es mit Euro-Facsimiles noch immer, so fallen allein in Deutschland jedes Jahr einige Dutzend Leichtgläubige darauf herein. Karlheinz Walz Abb. Karlheinz Walz
- Geldscheine der Hyperinflation – Langweilig?
Eigentlich ist die Geschichte ja bestens bekannt und aufgearbeitet, und jeder kennt die berühmten Bilder vom Herbst 1923, wo Kinder mit Banknotenbündeln Pyramiden bauen oder jemand seine Zimmerwand mit Millionen tapeziert. Am 28. Juli 1923 meldete das Berliner Tagblatt, dass in New York 1 Million Mark gerade nur noch einen Dollar wert sei. Und es ging noch weiter! Banknoten, bei denen man mit der Ausgabe nicht nachgekommen war, wurden mit Aufdrucken bis 500 Milliarden versehen. Eine Feinunze Gold kostete bald beinahe 100 Billionen Mark. Am 15. November 1923 machte die Regierung dem Spuk mit der Einführung der Rentenmark ein Ende. Kurs: 1 Billion Mark galt nun 1 Rentenmark (später Reichsmark). Nun, was soll da spannend sein, wenn die Druckmaschinen täglich abertausende Banknoten, die nichts wert waren, ausspuckten? Diese Noten sind heutzutage noch in riesigen Mengen im Handel zu günstigen Preisen zu finden. Aber, es gibt sie doch, die kleinen spannenden Stories, und da sind zwei solche Noten-Geschichtchen aus dieser Zeit. Abgeschickt am 23. September 1923 und frankiert mit Briefmarken über 750.000 Mark „missbrauchte“ ein Carl, dessen Nachnamen wir nicht kennen, einen Stadtkassenschein der Stadtpflege Stuttgart als Postkarte und sendete ihn an einen Bäcker Carl Feuchte nach St. Gallen in die Schweiz, wo sie auch wirklich ankam. Er schrieb: „Bin glücklich im Lande der Millionen, Milliarden & Billionen angekommen. Näheres folgt. Herzl. Gruss Carl“ . Ein zweiter Notgeldschein erzählt eher eine ganz andere Geschichte, und auch in diesem Fall ging der zur Postkarte umfunktionierte Schein in die Schweiz. Sie war an einen Herrn Dolder gerichtet, und der Absender, dessen Namen wir nicht klar entziffern können, schrieb: „Ich warte sehnsüchtig auf Erledigung meines Visums. Besten Dank für Ihre Bemühungen. Empfehlungen an Ihre Frau Gemahlin / Herzl. Grüsse. (Unterschrift) / Berlin 16/12/23“. In diesem Fall ist der Schritt zur Rentenmark bei der Briefmarke getan – wir befinden uns ja bereits im Dezember 1923 – und die Frankatur zeigt eine Dauermarke zu 20 Pfennig, der man unter den Philatelisten den Übernamen „Korbdeckel“ gegeben hat. Inflationsgeld kann also doch interessant sein! Ruedi Kunzmann Abb. Sincona AG, Zürich, www.sincona.com #Notgeld #Inflation #Europa #Deutschland #Mark #Kunzmann
- Ein Besuch im Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank
Die abertausende Objekte umfassende Sammlung des Geldmuseums der Oesterreichischen Nationalbank enthält die wahrscheinlich bedeutendste Sammlung österreichischer Banknoten weltweit. Michael Grundner vom Geldmuseum stand uns Rede und Antwort und wir erfuhren von ihm zahlreiche sehr interessante Details zur Sammlung. Was sind die Tätigkeiten des Geldmuseums? Welche Ziele werden damit verfolgt? Das Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ist ein Wissens- und Kulturbetrieb mit dem Ziel, die Öffentlichkeit zu den Themenbereichen Geld, Währung und Wirtschaft zeitgemäß und multidisziplinär entsprechend den Zielen und Leitwerten der OeNB zu informieren. Das Museum versucht dabei historische und aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich gleichermaßen zu berücksichtigen und den Besuchern anhand von Originalobjekten näher zu bringen. Es leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu den Finanzbildungsaktivitäten der OeNB. Wie bei jedem anderen Museum gehören die Gestaltung von Ausstellungen, die (Weiter)Entwicklung von Vermittlungsprogrammen, die Bearbeitung von Anfragen und natürlich die Betreuung der umfangreichen Sammlungen zum Alltagsgeschäft. Ausführliche Informationen zu unseren vielfältigen Aufgaben, Sammlungen und Vermittlungsprogrammen bietet auch unsere Website www.geldmuseum.at Seit wann gibt es das Geldmuseum? Im Rahmen der Präsentation der 500-Schilling-Banknote „Otto Wagner“ erfolgte 1986 auch die feierliche Eröffnung des ersten Geldmuseums in der OeNB. Dieses hatte allerdings eher den Charakter eines exklusiven Schauraums, dessen Besichtigung nur einmal in der Woche möglich war. In seiner heutigen Form mit regelmäßigen Öffnungszeiten (Di-Mi 9:30-15:30, Do 9:30-17:30, Fr 9:30-13:30), einem breiten Angebot an Führungen, Workshops und anderen Events (Kinderuni, Teilnahme an der Langen Nacht der Museen …) sowie wissenschaftlich ausgebildetem Personal, existiert das Museum seit 2003. Wie viele Menschen besuchen das Geldmuseum jährlich? Im Geldmuseum begrüßen wir jährlich rund 12.000 Besucher. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Schulklassen und anderen Gruppen. Gegen Voranmeldung werden kostenlose Führungen für Gruppen ab 10 Personen angeboten. Für Kinder gibt es u.a. spezielle Hands-on-Führungen und Workshops. Über welche Sammlungen verfügt das Geldmuseum? Das Geldmuseum verfügt über zwei historisch unterschiedlich gewachsene Sammlungszweige. Das sogenannte Kunstarchiv ist aus der hauseigenen Banknotenproduktion (Banknoten, Druckplatten, Entwürfe …) hervorgegangen und bildet einen einzigartigen technik- und kulturgeschichtlichen Bestand. Aber auch Wertpapiere, Briefmarken und 3-D-Objekte gehören zu diesem Sammlungsteil. Ein neuer Sammlungsschwerpunkt in diesem Bereich liegt auf österreichischer Bankengeschichte. Den zweiten großen Block bildet die Münzensammlung. Mit ihr wurde erst in den 1950er Jahren begonnen. Bis Anfang der 1990er Jahre erfolgte hier ein umfangreicher, auf Jahrgänge und Raritäten abzielender Ankauf, so dass die Sammlung heute sicher zu den wichtigsten numismatischen Sammlungen des Landes zählt. Zeitlich reichen die Objekte der geldhistorischen Sammlungen von der Gegenwart bis in die Bronzezeit zurück. Wie umfangreich ist die Sammlung im Bereich Papiergeld? Wie teilen sich diese Stückzahlen auf die verschiedenen Themenbereiche (Banknoten, Notgeld, Banknotenfälschungen) auf? Was sind herausragende Stücke der Sammlung? Der Papiergeldbestand umfasst ca. 16.000 Objekte, davon sind 56% österreichische Banknoten und 2% historische Fälschungen. Die übrigen 42% entfallen auf ausländische Banknoten, Banknotenvorläufer, Notgeld und papiergeldähnliche Wertpapiere. Zu den Glanzstücken zählen sicherlich die Banknoten zu 1.000.000 Kronen von 1924 oder die Banknote zu 100 Gulden von 1847. Spannend sind aber auch die 10 Gulden von 1880 mit den illegalen Kennzeichnungen aus Böhmen. Kulturhistorisch bedeutender als die eigentlichen Geldscheine sind die zahlreichen Druckplatten und Entwürfe, die eigene Teilsammlungen bilden. Wie wurde diese Sammlung aufgebaut? Wurden die Banknoten bereits zu Umlaufzeiten bei Seite gelegt oder wurden diese aktiv von der OeNB erworben? Der Bereich an österreichischen Banknoten entstammt nahezu zur Gänze der hauseigenen Produktion. Hier besteht eine beinahe vollständige Typensammlung seit 1816, wobei aber nicht unbedingt alle Detailvarianten und manche Stücke nur mit Musteraufdrucken in die Sammlung gekommen sind. Ergänzt werden die Banknoten durch Entwürfe, Druckplatten, Musternoten, Testdrucke – hier besteht aber keine Vollständigkeit, da die Überlieferung eher den betrieblichen Notwendigkeiten und Zufällen unterlag als einer systematischen Sammlung. Dennoch handelt es sich um den größten und wahrscheinlich einzigen derartigen Bestand zum österreichischen Papiergeld. Vorläufer, wie die Wiener-Stadt-Banco-Zettel, wurden ergänzend erworben. Außerdem gibt es noch unsystematische Bestände an ausländischen Banknoten, die Großteils über den Tausch mit anderen Notenbanken zusammengekommen sind. Erwirbt das Geldmuseum aktiv weitere Papiergeld-Exponate oder ist die Sammlung abgeschlossen? Wenn ja, welches Budget steht dafür in etwa jährlich zur Verfügung? An welchen Exponaten besteht Interesse? Anlassbezogen kommt es gelegentlich zu Ankäufen historisch oder technisch interessanter Stücke. Über ein Ankaufsbudget und genaue Sammlungsstrategien kann aber keine Auskunft erteilt werden. Ist das gesamte vorhandene Papiergeld bereits aufgearbeitet oder könnten in den Archiven des Geldmuseums noch weitere bisher unbekannte Schätze schlummern? Das Gros der Sammlung wurde bereits EDV-mäßig inventarisiert. Bei den eigentlichen Banknoten ist daher nicht mehr mit Überraschungen zu rechnen. Hinzu kommt, dass das österreichische Papiergeld auch schon sehr gut durch Kataloge erschlossen ist. Im Bereich der Banknotenentwürfe gibt es jedenfalls Stücke, die bisher noch nie ausgestellt oder publiziert wurden. Inwieweit erfolgt eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Sammlungsbestandes? Sind Publikationen geplant bzw. bereits erschienen? Im Rahmen unserer Ausstellungskataloge wird versucht, eine breite Auswahl an Objekten der Öffentlichkeit vorzustellen. Eine eigene wissenschaftliche Publikationsreihe oder echte Forschungsarbeit gibt es jedoch aus Kapazitätsgründen leider nicht. Gegen Voranmeldung ist es Interessierten jedoch möglich, für konkrete Forschungsvorhaben, wie z.B. Hochschularbeiten oder Buchprojekte, Einblick in die Sammlung zu nehmen oder, bei geringeren Stückzahlen, Arbeitsfotos anzufordern. So wurden Teilbestände der Münzensammlung, wie die Sammlung Leypold oder der Fund vom Schwarzen Meer (Sinope), bereits im Rahmen universitärer Forschungsprojekte aufgearbeitet und publiziert. Zurzeit befindet sich ein weiterer Münzhort zur Bearbeitung an der Universität Innsbruck. Auch unser Bestand an historischen Wasserzeichensieben wurde bereits im Rahmen einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit an der Universität Linz gewürdigt. Außerdem sind Objekte des Geldmuseums immer wieder als Leihgaben in anderen Museen zu bewundern und finden so auch Eingang in die zugehörigen Ausstellungskataloge. Wie groß ist die Sammlung an historischen Banknotenfälschungen? Welche Ziele verfolgte man mit der Sammlung dieser Fälschungen zu ihrer Zeit? Inwieweit sind diese Objekte bereits aufgearbeitet und stehen diese für öffentliche Besichtigungen zur Verfügung? Heute wie früher werden von den Notenbanken Banknotenfälschungen zur Beweissicherung, Dokumentation und Analyse aufbewahrt. Dies dient u.a. der Falschgelderkennung. In erster Linie werden jedoch daraus Lehren für die zukünftige Sicherheitsausstattung von neuen Banknotenserien gezogen. Sieht man von einigen sogenannten „Toplitzssee-Fälschungen“ ab, befinden sich im Bestand des Museums nur historische Banknotenfälschungen, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Der Bestand umfasst rund 260 Inventarnummern. Dahinter verbergen sich allerdings deutlich mehr Fälschungen, da die Bestände aus dem 19. Jahrhundert in Fälschungsbüchern zusammengefasst wurden. Diese Bücher sind hochinteressante Zeitdokumente, zeigen sie doch den Einfallsreichtum und die Techniken der damaligen Fälscher. Sofern die Täter gefasst werden konnten, wurden darin auch ihre Namen und Strafen vermerkt. Der berühmteste unter ihnen ist sicher Peter Ritter von Bohr. Vor einigen Jahren hatten wir zu diesem Thema bereits eine Ausstellung, und bei begründetem Interesse steht auch dieser Bestand für Forschungen zur Verfügung. Zeitgenössische Fälschungen liegen jedoch in der Zuständigkeit des National Counterfeit Centre – National Analysis Centre in der OeNB und können aus Sicherheitsgründen nicht eingesehen werden. Wie viele Entwürfe von Banknoten befinden sich im Besitz des Geldmuseums? Wie kam man zu diesen Entwürfen? Die Sammlung an Entwürfen stammt zum überwiegenden Teil aus der hauseigenen Banknotenproduktion in der ehemaligen Druckerei für Wertpapiere bzw. aus unserer Tochtergesellschaft OeBS. Die Entwürfe waren entweder Auftragswerke oder Wettbewerbseinreichungen externer Künstler oder sind – wie die Mehrheit – Werke hauseigener Designer. Der Bestand umfasst nicht ganz 3.000 Objekte. Highlights sind in jedem Fall die beiden nicht umgesetzten Entwürfe von Gustav Klimt und die Banknotentwürfe von Koloman Moser. Ein kleiner Teil der Sammlung des Geldmuseums steht der Öffentlichkeit im Internet bereits zum Abruf zur Verfügung. Ist hier an eine Ausweitung gedacht? Welche Objekte sollen dazukommen? Eine online-Bilddatenbank, wie sie andere Museen anbieten, ist bei uns aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich. Im Zuge unserer neuen Serie „Das besondere Objekt“ sollen aber in Zukunft immer wieder Objekte mit interessantem Hintergrund vorgestellt werden. Welche Papiergeldobjekte werden derzeit in den Räumlichkeiten des Geldmuseums ausgestellt? Sind hier für die nächste Zukunft Änderungen geplant? Die im Rahmen von Sonderausstellungen gezeigten Exponate wechseln jährlich. Je nach Thema kommen dabei auch Banknoten zum Einsatz. In der derzeitigen Dauerausstellung ist ein kleiner Überblick über die österreichischen Geldscheine vom Banco-Zettel bis zur neuen 50-Euro-Banknote zu sehen. Im Lauf des nächsten Jahres soll die Dauerausstellung jedoch neu gestaltet und vergrößert werden. Mehr wollen wir derzeit aber noch nicht verraten. Gibt es Kooperationen des Geldmuseums mit Papiergeldsammlern? Inwieweit findet hier bisher ein Wissensaustausch statt? Ist dieser gewünscht? Fachliche Anfragen werden gerne entgegengenommen und, soweit möglich, beantwortet. Bei konkreten Forschungs- und Publikationsvorhaben sind wir ebenfalls gerne behilflich. Besonders regen Austausch diesbezüglich gibt es u.a. mit dem bekannten Banknotenspezialisten Rudolf Richter. Wir bitten die Sammlergemeinde aber um Verständnis, dass eine Einsichtnahme in unsere Bestände zu reinen Vergleichszwecken aus Ressourcengründen leider nicht möglich ist. In Sammlerkreisen tauchen von Zeit zu Zeit Mappen mit darin montierten Banknoten auf, die angeblich als Honorierung an verdiente Mitarbeiter der OeNB ausgegeben wurden. Sind Hintergründe zu diesen Ausgaben bekannt? An wen wurden die Mappen ausgegeben und wie oft? Werden auch heute noch solche Mappen ausgegeben? Ohne die erwähnten Mappen gesehen zu haben ist es schwierig, etwas dazu zu sagen. Was es allerdings gegeben hat, sind Mustermappen für Schulungs- und Anschauungszwecke. Wieweit derartige Mappen auch zu Geschenkzwecken gedient haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Heute sind derartige Geldgeschenke an Mitarbeitende und Geschäftspartner jedenfalls nicht mehr üblich. Hinzu kommt, dass die der Vernichtung entgangenen, noch existierenden kleinen Restbestände an historischen Banknoten heute Teil der Museumssammlungen sind und, abgesehen von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, daher gar keine Mappen mehr angefertigt werden könnten. Johann Kodnar Abb. OeNB, Geldmuseum
- Reichsbanknote 100 Mark vom 1.11.1920 – Polnische Fälschung!
Vom Hunderter der Deutschen Reichsbank mit Datum 1. November 1920 (DEU-75, Ro. 67) ist eine zeitgenössische polnische Fälschung bekannt. Sie wurde damals in der Filiale der polnischen Landesdarlehnskasse (Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa) in Piotrków Trybunalski südlich von Lodz erkannt und als Falsifikat gekennzeichnet. Zu dieser Zeit war die Inflation in Polen noch größer als in der jungen "Weimarer Republik" und der Hunderter war, abgesehen von den nachgedruckten braunen Tausendern, der höchste Banknotenwert seit Kriegsende. Die Fälschung stammt wohl aus dem ersten Halbjahr 1921, denn Anfang 1922 kamen dann schon 10.000-Mark-Scheine in Umlauf. Die Fasereinlagen wurden durch aufgeleimte Pinselborsten nachgeahmt. Deutlich erkennt man die Fälschung in einfachem Offset-Druck am Kopf des Bamberger Reiters. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Die ersten Banknoten Europas kamen aus Skandinavien
Die ersten europäischen Banknoten gab es in Schweden. Wenn wir von Banknoten sprechen, so handelt es sich, wie der Name schon sagt, immer um Noten einer Bank. Die bereits erwähnten und noch älteren Papiergeld-Ausgaben (Alhambra) aus Spanien und den Niederlanden (Leiden und Middelburg) waren aber Notgeld und keine Banknoten. Schweden war im Dreißigjährigen Krieg erschöpft und 1644 führte man Kupfer als Währungsmetall ein. Tischgroße Kupferplatten ersetzten Silbertaler, doch praktisch war diese Währung natürlich nicht. So war eine einzige 10-Daler-Platte 30 x 70 cm groß, weil der Kupfergehalt der Platten dem angegebenen Wert (Nominal- oder Nennwert) des Geldes entsprechen musste. Bereits 1652 schlug deshalb der aus Riga stammende Kaufmann Johann Palmstruch die Einführung von Papiergeld vor, nachdem das sog. Kupferplattengeld immer mehr entwertet wurde. 1656 erhielt die von ihm gegründete Königliche Wechselbank in Stockholm das Recht, Zettel auf bestimmte Talerbeträge auszustellen. 1661 gab „Stockholms banco“ dann ihre ersten sogenannten „Kreditivsedlar“ (Kreditivzettel oder auch Vertrauensscheine) auf Daler-Silbermünze oder Daler-Kupfermünze aus, von denen aber leider kein Schein erhalten blieb. In Ermangelung von „richtigem Geld“ sollten sie im ganzen Königreich gültig sein und kursierten bald als einziges Zahlungsmittel im Lande. Weitere Ausgaben folgten dann 1666 in verschiedenen Wertstufen auf Daler-Silbermünze lautend. Der anfängliche Erfolg des Papiergelds ließ jedoch schnell nach, da die Scheine ohne gesicherte Edelmetalldeckung in viel zu großen Mengen ausgegeben wurden. Palmstruch wurde haftbar gemacht und vor Gericht gestellt. Die für ihn beantragte Todesstrafe wurde jedoch in Gefängnishaft abgeändert. Im Jahre 1670 aus dem Gefängnis entlassen, starb er bereits ein Jahr später. 1695 wagte der Kaufmann und Reedereibesitzer Jürgen thor Mohlen aus Bergen den Versuch der Einführung von Papiergeld in der seinerzeit dänischen Provinz Norwegen. Durch die Pacht der damals zu Dänemark gehörenden westindischen Insel St. Thomas und durch Schiffsverluste geriet er in große Zahlungsschwierigkeiten und erhielt deshalb 1695 vom dänischen König Christian V. die Erlaubnis zur Ausgabe von zinslosen Geldscheinen mit der Auflage, diese spätestens nach fünf Jahren wieder einzulösen. Die Bevölkerung misstraute jedoch diesen Scheinen so sehr, dass sie gleich zur Einlösung präsentiert werden mussten und daher kaum in Umlauf waren. Bereits ein Jahr später verbot man Mohlen die Ausstellung seiner Scheine, so dass er auch seine alten nicht mehr einlösen konnte. Er starb 1709 völlig verarmt in Dänemark. Hans-Ludwig Grabowski Handbuch Geldscheinsammeln
- Not macht erfinderisch – Frühes europäisches Papiergeld
In Europa gab es das erste Papiergeld im 15. Jahrhundert. Es entstand aus einer Notlage heraus. Immer wieder wurden Kriege geführt, Festungen belagert und oft wurden Kirchenglocken oder Messgeschirr eingeschmolzen und dann vermünzt, weil es an Geld fehlte. Sogenannte Belagerungsmünzen sind ein eigenständiges Sammelgebiet bei den Numismatikern. 1483 gaben die Spanier in Alhambra in Ermangelung von Metall das erste europäische Papiergeld aus, als die Stadt von den Mauren belagert wurde. Um den Sold der spanischen Truppen bezahlen zu können, wurden im Namen des Königs Scheine in Umlauf gebracht, zu deren Annahme er die Bürger der Stadt unter Garantie der späteren Einlösung in Gold und Silber nach Ende der Belagerung verpflichtete. Leider ist heute kein einziger dieser Scheine mehr erhalten und so können wir uns nur auf die Überlieferungen aus jener Zeit verlassen. Europas ältestes erhaltenes Geld aus Papier: Pappmünze der Stadt Leyden über 20 Stuiver aus dem Jahr 1574 mit einer Einfassung als Anhänger getragen. Das älteste Papiergeld auf ehemals deutschem Reichsgebiet und zugleich das älteste erhaltene Papiergeld Europas sind die Pappmünzen der niederländischen Städte Leyden und Middelburg aus den Jahren 1573/1574. Auch sie waren Notgeld. Sie entstanden während der spanischen Belagerung der Städte, als kein Silber mehr für Münzprägungen zur Verfügung stand, aus Buchdeckeln katholischer Kirchenbücher. Mehr dazu in unserem Beitrag "Notausgaben im Spanisch- Niederländischen Krieg 1568 – 1648". Der Dreißigjährige Krieg 1618 – 1648 brachte eine Vielfalt von handgeschriebenen und gedruckten Notgeldscheinen, welche meist als Truppen- oder Heeresgutscheine bzw. als Belagerungsgeld genutzt wurden. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag "Schwedische Truppengutscheine aus dem Dreißigjährigen Krieg". Mit der Gründung von Giro-Banken in ganz Europa im 16. und 17. Jahrhundert kam es zur wesentlichen Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Für deponierte Edelmetalle gewährten die Banken Guthaben, über die mittels Anweisungen verfügt werden konnte. Hans-Ludwig Grabowski Handbuch Geldscheinsammeln Abb. HVB Stiftung Geldscheinsammlung, München
- Interessante Belege zum Notgeld der Handelskammer des Memelgebiets
Handelskammer des Memelgebiets, 2 Mark vom 22.2.1922, normale Ausführung mit mehrfarbiger Rückseite (MEM-3) Vom Notgeld der Handelskammer des ostpreußischen Memelgebiets, das ab 1920 nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags unter den "Schutz des Völkerbunds" gestellt und französisch verwaltet wurde, sind Sammlern die Notgeldscheine der Handelskammer des Memelgebiets vom 22. Februar 1922 bekannt, die unter den deutschen Nebengebieten katalogisiert und als solche gesammelt werden. Sie waren eigentlich Serienscheine und kein Notgeld, das für den Umlauf bestimmt war. Nun sind interessante Belege zum Wert über 2 Mark bekannt geworden, von denen ein Probedruck auf einen weniger farbenprächtigen Entwurf der Rückseite hindeutet. Handelskammer des Memelgebiets, 2 Mark vom 22.2.1922, Muster in normaler Ausführung mit mehrfarbiger Rückseite und Perforation "UNGÜLTIG" ohne KN (MEM-3M) Handelskammer des Memelgebiets, 2 Mark vom 22.2.1922, einseitiger Probedruck der Rückseite in einfacher Ausführung mit Schwarzdruck auf hellgrünem Unterdruck Handelskammer des Memelgebiets, 2 Mark vom 22.2.1922, einseitiger Probedruck der Rückseite in abweichender mehrfarbiger Ausführung, wie später verausgabt Diese Belege deuten darauf hin, dass wahrscheinlich die komplette Serie (1/2, 1, 2, 5, 10, 20, 50, 75 und 100 Mark) mit Rückseiten in einfachem Schwarzdruck auf hellgrünem Grund entworfen, dann aber der mehrfarbige Druck für den Verkauf der Serienscheine an Sammler bevorzugt wurde. Der Wert zu 5 Mark ist ebenfalls als Probe mit zweifarbiger Rückseite belegt. Außerdem hat die vereinfachte Rückseite im Rahmen einen Vers statt der Angabe "Notgeld der Handelskammer". Da der 2-Mark-Schein als dritter Wert der Serie den Vers 3 zeigt, muss die Entwurfs-Serie insgesamt neun Verse wiedergegeben haben. Wer genau hinschaut, wird auch die Unterschiede in der Farbgebung des zweiten Probedrucks im Vergleich mit den tatsächlich ausgegebenen Scheinen bemerken (Gelbbraun statt Braun). Hans-Ludwig Grabowski Abb. Gerhard Stelzl
- Werbenoten der DDR
Werbenoten, welche die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Druckerei unterstreichen sollen und viele Eigenschaften von Banknoten, insbesondere hinsichtlich der Druckqualität und Sicherheitsmerkmale, besitzen, sind von vielen bedeutenden Banknotenherstellern bekannt. So kennen wir u.a. Werbenoten der Firma „Giesecke & Devrient“ (z.B. die „Banknote der neuen Generation BN 2000“) oder von der Firma „Thomas De La Rue“. Weitestgehend unbekannt ist, dass auch die ehemalige Wertpapierdruckerei der DDR in Leipzig (vormals und heute wieder Giesecke & Devrient) derartige Werbenoten hergestellt hat und dies ganz offensichtlich über einen längeren Zeitraum. So zeigt der wohl älteste Werbeschein, der vermutlich aus den 1950er Jahren stammt, Allegorien des Handels, der Landwirtschaft und der Industrie. Die gleichen Allegorien trägt dann auch eine Werbenote, die von ihrer Gestaltung her an die Banknotenserie der DDR von 1964 erinnert. Farbgebung und das Goethe-Porträt entspricht denn auch der Banknote über 20 Mark dieser Serie. Die weiteren Werbescheine sind gestalterisch in die Zeit der letzten Banknotenserie der Staatsbank der DDR von 1971/1975 einzuordnen. Die ersten beiden Scheine zeigen jeweils ein Kopfbildnis von Johannes Gutenberg (um 1400–1468) und unterscheiden sich lediglich durch Farbgebung, Werbetext und Format. Bei all diesen Scheinen handelt es sich um einseitige Drucke. Nur die letzte vorliegende Werbenote ist beidseitig bedruckt. Auf der Vorderseite finden wir ein Porträt des Erfinders der Lithographie (Steindruck oder auch Flachdruckverfahren) Alois Senefelder (1771–1834). Die Rückseite zeigt eine moderne Mehrfarben-Offsetdruckmaschine der Marke „Planeta“, welche damals in der DDR produziert und auch erfolgreich international verkauft wurde. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv
- Bayerische Hypotheken- und Wechselbank
Die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank wurde mit Statut vom Juni 1835 gegründet. Neben der Königlich Bayerischen Staatsschuldentilgungs-Commission mit ihren Ausgaben von 1866 hatte allein sie das Recht zur Notenausgabe in Bayern. Ihr Notenrecht endete 1875 mit Gründung der Bayerischen Notenbank in München. Ausgaben: 10 und 100 Gulden vom 1. Juni 1836 10 Gulden vom 1. Mai 841 10 Gulden vom 1. Juli 1850 100 Gulden vom 16. September 1850 35 Gulden vom 6. Januar 1857 (nur als Entwurf) 10 Gulden vom 1. August 1857 10 Gulden vom 1. Juli 1865 100 Gulden vom 1. Oktober 1870 100 Mark vom 1. Juli 1874 Auszug aus Grabowski: Das Papiergeld der deutschen Länder von 1871 bis 1948. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Was sind Patente und Formulare von Banknoten?
Formulare (auch Modelle) sind vereinfachte Drucke von Geldscheinen in Ankündigungen und Bekanntmachungen (z.B. für den Aushang in Banken und an Kassen). Mittels der Formulare sollte die Bevölkerung mit der Gestaltung neuer Scheine vertraut gemacht werden, bevor oder kurz nachdem diese in Umlauf kamen, um Fälschungen vorzubeugen. Meist erfolgte der Druck auf farblich abweichendem Papier und mit gedruckten Siegeln statt Trockenstempeln. Sie lagen den Bekanntmachungen bei, die Patente genannt werden. Leider werden immer wieder Sammler getäuscht, indem sie aus Patenten ausgeschnittene Formulare als echte historische Banknoten erwerben. Besonders von österreichischen Scheinen kann man heute noch die sog. Formulare oder Modelle bekommen. Darüber hinaus sind authentische Formulare anderer historischer Banknoten aber selten. Formulare wurden nicht nur in Österreich, sondern auch in Bayern, Braunschweig, Nassau, Preußen (wahrscheinlich nur Patente), Reuß jüngere Linie und im Herzogtum Warschau genutzt. Um Sammlern den Unterschied deutlich zu veranschaulichen, werden hier ein vollständiges Patent mit Modellen zu Wiener Stadt-Banco-Zetteln über 1- und 2-Gulden vom 1. Januar 1800 sowie je ein ausgeschnittenes Modell und ein Original-Banco-Zettel über 5 Gulden vom 1. Januar 1800 gezeigt. Hans-Ludwig Grabowski Abb. KPM
- Notausgaben im Spanisch-Niederländischen Krieg 1568 – 1648
Leyden (Holland), Notgeld der Stadt 1574 Nach der Abdankung Kaiser Karls V. im Jahr 1556, unter dem die Niederlande politisch geeint wurden und eine Blütezeit erlebten, fiel dieser Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation an die spanische Linie der Habsburger, die treu zur katholischen Kirche stand. In den nördlichen Provinzen der sog. Spanischen Niederlande (heute Niederlande, Belgien und Luxemburg) hatte aber die Reformation bereits stark an Einfluss gewonnen. Als die Spanier immer schärfer mit Strafaktionen und Ketzer-Edikten gegen die holländischen Protestanten vorgingen, kam es zum Aufstand. Spanische Truppen belagerten ab 31. Oktober 1573 insgesamt 131 Tage lang die Stadt Leiden. Während der Belagerung fehlte es in der Stadt nicht nur an Lebensmitteln, es war auch kein Silber zur Prägung von Münzen mehr vorhanden. Auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses vom 24. Dezember 1573 nutzte man deshalb Pappe aus den Deckeln von Kirchenbüchern und prägte daraus Notgeld mit den Stempeln der städtischen Silbermünzen in verschiedenen Werten (am bekanntesten: 5 und 20 Stuiver). Als die Hungersnot zu einer ernsten Krise führte und die Bevölkerung die sofortige Übergabe der Stadt forderte, bot sich Bürgermeister van der Werff dem Hungrigsten als Speise an. Die Menschen kamen daraufhin zur Vernunft und ließen ihren Bürgermeister am Leben. Am 3. Oktober 1574 gelang es den niederländischen Kämpfern (Geusen) u.a. durch das Fluten der umliegenden Polder die Stadt zu befreien. Die Spanier zogen kurz darauf ab. Sie konnten sich letztlich nur im katholischen Süden der Niederlande behaupten (heutiges Belgien). Für die tapfere Verteidigung stiftete Wilhelm von Oranien der Stadt Leiden die erste Universität der Republik der Niederlande. Das Leidener Belagerungsgeld ist das früheste „Papiergeld“ auf damals deutschem Gebiet und das älteste erhaltene Europas. Gegenstempel Die Gegenstempelung erfolgte in Holland und Seeland zur Finanzierung des Unabhängigkeitskriegs gegen die Spanier. Alle umlaufenden Münzen (egal von welchem Land) mussten laut Verordnung vom Februar 1573 zur Gegenstempelung vorgelegt werden. Mit den Stempeln war eine Besteuerung verbunden, indem 15% aller Münzen einbehalten wurde. Der Gegenstempel der Provinz Holland zeigt einen Löwen im Perlkreis oder im Perlkreis und im Schild, die Provinz Seeland stempelte mit ihrem Wappen (halber Löwe über Wellen). Middelburg (Seeland), Notgeld der spanischen Besatzung 1573 1572 hatte sich die in der niederländischen Provinz Seeland liegende Stadt Middelburg zum Königreich Spanien bekannt. Anders als im Falle von Leiden wurde Middelburg nicht von den Spaniern belagert, sondern es kam zu einer Blockade der spanischen Besatzung der Stadt durch die Niederländer. Als das Geld in der Stadt knapp wurde, ließen die Spanier Pappmünzen mit Dukaten-Stempel und der Jahreszahl 1573 prägen. Belegstücke sind heute aber leider nicht mehr erhalten. Nach langer Belagerung wechselte die Stadt 1574 auf die Seite Wilhelms von Oranien. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Jos F.M. Eijsermans
- Schwedische Truppengutscheine aus dem Dreißigjährigen Krieg
Die Schweden kämpften auf Seiten der Protestantischen Union gegen die Katholische Liga und gingen aus dem Dreißigjährigen Krieg als Großmacht hervor. In der schwedische Armee König Gustav Adolfs herrschte strenge Disziplin. Bis 1632 bezahlte sie alles, was sie zum Unterhalt brauchte, durch Bargeld oder doch wenigstens durch Gutscheine, die meist kurzfristig eingelöst wurden. Derartige Truppengutscheine, welche meist in Norddeutschland genutzt wurden aber 1631/1632 auch in Mainz, waren vorwiegend auf hohe Summen ausgestellt und kein Geld im eigentlichen Sinne. Sie waren vielmehr Schuldurkunden im Aktenformat mit Siegel und Unterschrift, die nicht für den Umlauf bestimmt aber übertragbar waren. Ausgegeben wurden sie nur von hohen Truppenführern. Bekannt sind: 1631/1632 50 Thaler, Ausgabe: Obrist von Königsmarck 1631/1632 100 Thaler, Ausgabe: Obrist von Königsmarck 1631/1632 150 Thaler, Ausgabe: Obrist von Königsmarck 1631/1632 1.000 Thaler 1631/1632 2.000 Thaler 1631/1632 5.000 Thaler 1631/1632 10.000 Thaler, Ausgabe: Mainz, 7.1.1632 Aufgrund ihrer Seltenheit können jeweils nur Liebhaberpreise angesetzt werden. Hans-Ludwig Grabowski Abb. picture alliance / IBL Schweden












