Geldscheine der Hyperinflation – Langweilig?

Eigentlich ist die Geschichte ja bestens bekannt und aufgearbeitet, und jeder kennt die berühmten Bilder vom Herbst 1923, wo Kinder mit Banknotenbündeln Pyramiden bauen oder jemand seine Zimmerwand mit Millionen tapeziert.


Am 28. Juli 1923 meldete das Berliner Tagblatt, dass in New York 1 Million Mark gerade nur noch einen Dollar wert sei. Und es ging noch weiter! Banknoten, bei denen man mit der Ausgabe nicht nachgekommen war, wurden mit Aufdrucken bis 500 Milliarden versehen. Eine Feinunze Gold kostete bald beinahe 100 Billionen Mark.

Am 15. November 1923 machte die Regierung dem Spuk mit der Einführung der Rentenmark ein Ende. Kurs: 1 Billion Mark galt nun 1 Rentenmark (später Reichsmark).

Nun, was soll da spannend sein, wenn die Druckmaschinen täglich abertausende Banknoten, die nichts wert waren, ausspuckten? Diese Noten sind heutzutage noch in riesigen Mengen im Handel zu günstigen Preisen zu finden. Aber, es gibt sie doch, die kleinen spannenden Stories, und da sind zwei solche Noten-Geschichtchen aus dieser Zeit.




Abgeschickt am 23. September 1923 und frankiert mit Briefmarken über 750.000 Mark „missbrauchte“ ein Carl, dessen Nachnamen wir nicht kennen, einen Stadtkassenschein der Stadtpflege Stuttgart als Postkarte und sendete ihn an einen Bäcker Carl Feuchte nach St. Gallen in die Schweiz, wo sie auch wirklich ankam. Er schrieb: „Bin glücklich im Lande der Millionen, Milliarden & Billionen angekommen. Näheres folgt. Herzl. Gruss Carl“ .


Ein zweiter Notgeldschein erzählt eher eine ganz andere Geschichte, und auch in diesem Fall ging der zur Postkarte umfunktionierte Schein in die Schweiz.


Rückseite eines Gutscheins des Reichsverkehrsministeriums, Zweigstelle Bayern über 10 Milliarden Mark vom 26. Oktober 1923, genutzt als Postkarte

Sie war an einen Herrn Dolder gerichtet, und der Absender, dessen Namen wir nicht klar entziffern können, schrieb: „Ich warte sehnsüchtig auf Erledigung meines Visums. Besten Dank für Ihre Bemühungen. Empfehlungen an Ihre Frau Gemahlin / Herzl. Grüsse. (Unterschrift) / Berlin 16/12/23“.

In diesem Fall ist der Schritt zur Rentenmark bei der Briefmarke getan – wir befinden uns ja bereits im Dezember 1923 – und die Frankatur zeigt eine Dauermarke zu

20 Pfennig, der man unter den Philatelisten den Übernamen „Korbdeckel“ gegeben hat.


Inflationsgeld kann also doch interessant sein!


Ruedi Kunzmann

Abb. Sincona AG, Zürich, www.sincona.com

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