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- Höllengeld, was ist denn das?
Höllengeldscheine – Hell Bank Notes – sind nirgendwo auf der Welt Zahlungsmittel. Die Scheine imitieren (reguläre) Banknoten oft mit übertrieben hohen Wertangaben. Ihr einziger Zweck besteht darin, als Opfer für Verstorbene verbrannt zu werden. Das Darbringen von Brandopfern hat in China eine lange Tradition. Erste Belege finden sich aus der Zeit der Drei Reiche um 220 vor unserer Zeit. Unbeschriftetes Papier wurde damals in Münzform geschnitten und zur Besänftigung der Geister verbrannt. Üblich wurde das Brandopfer bei Bestattungen ab dem 12. Jahrhundert. Die Verwendung von besonderem Räucherpapier (joss paper) im Aussehen von Geldscheinen ist seit dem späten 19. Jahrhundert gebräuchlich. Frühe Exemplare dieser Scheine wurden meist in Stückelungen von 5 und 10 Yuan „ausgegeben“. Mit der chinesischen Inflation in den 1940er Jahren wurden auch die umlaufenden Banknoten mit höheren Nominalen gedruckt. Die großen Zahlen wurden auf das „Höllengeld“ übertragen. Scheine in Stücklungen von 10.000 Dollars und mehr waren ab nun üblich. Diese frühen Ausgaben zeigen eher Landschaftsbilder, Tempel oder Züge, und die zahlreichen Varianten gehen in die Millionen. Bei modernen Höllen-Banknoten reichen die Wertangaben bis zu mehreren Milliarden. Sie tragen in der Regel ein Bild des Jadekaisers, des herrschenden Monarchen des Himmels im Taoismus. Als oberster Gott „Shangdi“ – so sein Titel – steht er in engem Zusammenhang mit der Ahnenverehrung. Seine Unterschrift auf den Scheinen lautet romanisiert Yu Wong oder Yuk Wong. Abb. 1: Hell Bank Note, 500.000.000, Vorder- und Rückseite. Abb. 2: Hell Bank Note, 500.000.000, Vorder- und Rückseite. Auf der Rückseite der Scheine befindet sich in der Regel ein Bild der Höllenbank. Das Wort Hölle bezieht sich auf Diyu (Unterweltgefängnis), das auch Difu (Unterweltgericht) genannt wird. Diese Wörter sind auch auf einigen Scheinen gedruckt. Im traditionellen chinesischen Glauben wird angenommen, dass Yanluo, der König der Hölle, über die Seelen der Verstorbenen zu Gericht sitzt. Nach seinem Urteil werden sie entweder in den Himmel geleitet oder in das Labyrinth der unterirdischen Ebenen und Kammern geschickt, um für ihre Sünden zu büßen. Viele Chinesen glauben, dass der Verstorbene gegen Zahlung von Höllengeld im Jenseits einen Ablass für seine irdischen Verfehlungen erhält. Das Wort „Hölle“ brachten christliche Missionare nach China. Sie predigten, dass alle nichtchristlichen Chinesen nach ihrem Tod in die Hölle kommen würden. Fehlerhafte Übersetzungen des englischen Begriffes „Hell“ führten dazu, dass die Chinesen das Wort für das Leben nach dem Tod übernahmen. Häufige Höllenbanknoten sind die 5000er- und 10.000er-Scheine, die alten Federal-Reserve-Noten der Vereinigten Staaten nachempfunden sind. Die Vorderseite enthält neben dem Porträt des Jadekaisers auch das Siegel der Höllenbank, das aus einem Bild der Höllenbank selbst besteht. Einige Scheine zeigen nicht den Jadekaiser, sondern andere berühmte Figuren aus der chinesischen Mythologie, wie die Acht Unsterblichen, den Buddha, Yama oder Drachen. Auf einigen sind sogar verstorbene Persönlichkeiten abgebildet, wie der US-Präsident John F. Kennedy, Stalin, Albert Einstein, Humphrey Bogart, Marilyn Monroe oder andere. Abb. 3: Hell Bank Note, 1.000.000, Vorder- und Rückseite. Abb. 4: Hell Bank Note, 1.000.000, Vorder- und Rückseite. Nicht alle Scheine sind mit Hell Bank Note nezeichnet. Einige ersetzen das Wort Hell durch „Haeven“ oder „Paradise“, also Himmel oder Paradies. Diese besonderen Scheine findet man gewöhnlich in Räucherpäckchen, mit denen chinesischen Gottheiten geopfert wird. Abb. 5: Haeven Bank Note, 5.000 Dollars, Vorder- und Rückseite. Häufig finden sich in Asien in der Nähe von Tempelanlagen und Friedhöfen Geschäfte, die sich auf den Verkauf von Ritual-Artikeln spezialisiert haben. Sie verkaufen die Höllenscheine in ganzen Paketen. Einmal im Jahr werden anlässlich des Geisterfestes (zu Vollmond im August) größere Mengen an Höllengeld in Opferschalen verbrannt. Je nach Familientradition ist es üblich, bei jedem Besuch des Tempels oder Friedhofs Höllengeld zu opfern. Es gibt verschiedene Bräuche und Tabus in Bezug auf den richtigen Gebrauch des Höllengelds. Bei der Verbrennung werden die Scheine in einem losen Bündel aufbewahrt, was als respektvoll angesehen wird. Bei einigen Bräuchen wird jeder Schein vor dem Verbrennen in einer bestimmten Weise gefaltet. Abb.6: zwei Stapel von "Höllengeld". Obwohl das Verbrennen von echten Banknoten Unglück bringen soll, werden z. B. deutsche Inflationsbanknoten als Joss Paper verwendet. In den 1980er Jahren und auch später noch kauften deutsche Händler Inflationsscheine als sog. "Chinaware" auf und exportierten großeMengen davon nach Ostasien. Uwe Bronnert Literatur James F. Frayne: Hell Bank Notes (Contemporary Issues). Milton Keynes, UK, 2015.
- Aus privaten Sammlungen: 1-Talar- Kassenschein des Herzogtums Warschau von 1810
Objekttyp: Banknote Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: Am 14. Oktober 1806 wurde das preußische Heer in der Schlacht bei Jena und Auerstedt von den Truppen Napoleons vernichtend geschlagen. Der bisherige preußische Verbündete, Kurfürst August III. von Sachsen, wechselte ins napoleonische Lager. Im Vertrag von Posen (11. Dezember 1806) trat Kursachsen dem Rheinbund bei und erhielt als Gegenleistung den früheren preußischen Kreis Cottbus sowie die Königswürde. Der Frieden von Tilsit (7./9. Juli 1807) besiegelte dann die völlige Unterwerfung Preußens, das die im Zuge der Zweiten und Dritten Polnischen Teilung annektierten Gebiete an Napoleon abtreten musste. Als Herzogtum Warschau übernahm der sächsische König Friedrich August die Herrschaft. Der neue Pufferstaat zwischen Preußen, Russland und Österreich hatte eine Ausdehnung von 104.000 km² mit 2,6 Millionen Einwohnern. Das Herzogtum von Napoleons Gnaden hatte während seiner gesamten Dauer, d. h. von 1807 bis 1815, mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die durch die politische und wirtschaftliche Lage und das Fehlen einer stabilen Währung verursacht wurden. Zur Lösung der Probleme schlug der sächsische Finanzier Baron von Manteuffel die Ausgabe von Kassenscheinen vor. Am 29. Dezember 1810 unterzeichnete Friedrich August das königliche Dekret zur Einführung von Geldscheinen im Herzogtum. Da mit dem Druck der Kassenscheine in Dresden schon früher begonnen wurde, tragen sie bei der Angabe des Dekrets ein „falsches“ Datum: 1. Grudnia (Dezember) 1810. Die Kassenscheine wurden in drei Nominalen emittiert. Nach dem Dekret sollten 700.000 Scheine zu 1 Taler = 4.200.000 Złoty 250.000 Scheine zu 2 Taler = 3.000.000 Złoty 60.000 Scheine zu 5 Taler = 1.800.000 Złoty 1.010.000 Scheine = 9.000.000 Złoty ausgegeben werden, wobei der Taler mit 6 Złoty gerechnet wurde. Die Geldscheine wurden auf weißem Papier gedruckt, in Bogen zu jeweils sechs Scheinen. Zum Schutz vor Fälschungen waren sie mit Wasserzeichen, Trockenstempel und zwei gedruckten Faksimile-Unterschriften versehen. Unten rechts in der Ecke immer die faksimilierte Unterschrift des Kontrollers Marian Piramowicz; unten links in der Ecke eine von neun Unterschriften der Kontrolleure: entweder von Tomasz Adam Ostrowski, Walenty Sobolewski, Stanislaw Kostka Zamoyski, Marcin Badeni, Aleksander Potcki, Jósef Jaraczewski, Stanislaw Ossoliński, Jan Nepomucen Małachowski oder Antoni Kochanowski. Eine vollständige Sammlung aller Nominale und Unterschriftsvarianten umfasst also 27 Scheine. Der gesamte Papiergeldausgabe war auf 1,5 Millionen Taler begrenzt und ihr Umlauf wurde von der „Dyrekcja Biletów Kasowych“ (Direktion der Kassenscheine) beaufsichtigt, deren Vorsitzender Tomasz Adam Ostrowski war. Die meisten Sitzungen der Kommission fanden im Krasiński-Palast in Warschau statt. Erst am 2. Juli 1811 wurden die ersten Kassenscheine ausgegeben. Obwohl dieses Geld durch die Zolleinnahmen des Herzogtums Warschau gesichert war, wurde es von der Bevölkerung nicht ohne weiteres akzeptiert. Dies lag vor allem daran, dass die Annahme von Geldscheinen eingeschränkt oder sogar verweigert werden konnte. Nicht alle Geldzeichen – sieht man vom Nominal zu 5 Talar ab – gelangten in Umlauf. Parallel zu den Misserfolgen der französischen Truppen in Russland verloren die Kassenscheine des Herzogtums Warschau zunehmend an Wert. Anfang 1813, noch vor dem Eintreffen der russischen Armee, zog die Direktion nach Krakau um. Trotz der Einwände der Regierung ließ sie dort bis zum 6. März die noch vorhandenen Scheine im Gesamtwert von etwa 500.000 Taler verbrennen. Nach den Niederlagen der napoleonischen Armee in Russland und später in der Völkerschlacht bei Leipzig erließ der russische Kaiser Alexander I., der sich in Deutschland aufhielt, am 31. Oktober 1813 in Frankfurt am Main ein Dekret, das den Umlauf von Geldscheinen des Herzogtums Warschau verbot. Zu diesem Zeitpunkt befand sich noch Papiergeld für etwa 100.000 Zloty in den Händen von Privatleuten. Erst 1824 wurde mit der Einlösung der Scheine in Kongreß-Polen begonnen. Hierzu war 1824 die Zentrale Liquidationskommission eingerichtet worden, die nun die Liquidation der Finanzschulden des ehemaligen Herzogtums Warschau regelte. Sie versah die ihr vorgelegten Kassenscheine des Herzogtums mit ihrem Kastenstempel: „KOMMIS:CENTRAL:LIKWID:“. In Sammlungen befinden sich heute meist so gekennzeichnete Scheine. Die Frist für die Anmeldung von Ansprüchen gegenüber der Kommission endete am 1. Juli 1825. Land/Region/Ort: Warschau, Großherzogtum Emittent: Dyrekcja Biletów Kasowych (Direktion der Kassenscheine) Nominal: 1 Talar Datierung: 1. Grudnia (Dezember) 1810 Vorderseite: Schwarzer Druck des Schmuckrahmens, der den polnischen Text (Wert, Angaben des Ausgabedekrets, Ausgabeort und -datum, Unterschriften, Serienbezeichnung und Kontrollnummer) einschließt. Rückseite: unbedruckt, hier mit Einlösungsstempel Material: weißes Papier mit Wasserzeichen und Prägestempel Wasserzeichen: am oberen Rand: KASSOWY BILLET, darunter K.B.X.W.; am unteren Rand: XIĘSTWA WARSZAWSKIEGO Unterschriften: Aleksander Potochi (Kommissar), (Marian) Piramowicz (Kontroller) Druck: Druckerei in Dresden Format: 175 x 96 mm Nummerierung: 25515, Lit. A Auflage: 700.000 Scheine (alle Unterschriftsvarianten eingeschlossen) Umlauf: 2. Juli 1811 bis 31. Oktober 1813 Authentizität: Original Zitate: A12 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) A12g (Czesław Miłczak, banknoty polskie i wzory, Tom I 1794–1941) 57 (Jerzy Koziczyński, Banknoty Polskie, Kolekcja Lucow, Tom I 1794–1866) B101 (Irwin/Linzmayer: The Banknote Book – Duchy of Warsaw) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Leserpost: Überläufer-Ausweise
Sehr geehrter Herr Bronnert, mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel zu den Überläufer-Ausweisen im damaligen Jugoslawien aus dem Jahr 1943 gelesen. Ich bin selbst im Besitz zweier solcher Scheine und würde gerne mehr dazu wissen. Die Scheine sind von meiner Oma, die zu diesem Zeitpunkt in Osijek studiert haben müsste. Außerdem würde ich die Scheine gerne in gute Hände abgeben, dazu fehlen mir jedoch die nötigen Kontakte. Ich weiß nicht, ob Sie mir weiter helfen können, würde mich über eine Antwort aber sehr freuen! Viele Grüße A. Pirk Antwort des Autors Zunächst einmal vielen Dank für Ihr Interesse. Leider habe ich keine weiteren Informationen zu dem Thema. In der kleinen Abhandlung habe ich seinerzeit alle Informationen zusammengefasst, die mir vorlagen. Evtl. können weitere Angaben im Bundesarchiv Freiburg (Militärarchiv) ermittelt werden. Allerdings würde dies sicherlich ein umfangreiches Quellenstudium vor Ort voraussetzen. Die Überläufer-Ausweise sind zeitgeschichtliche Dokumente, die auch Papiergeldsammler interessieren. Ein Verkaufserlös zu nennen ist allerdings immer schwierig, da er von vielen Faktoren abhängt. Ich schätze den Wert je Schein bei normaler Gebrauchserhaltung auf 70 bis 120 € ein. Ich vermag aber nicht, Ihnen einen Händler für den Ankauf vorzuschlagen. Ggf. bieten Sie die Scheine nacheinander einzeln bei ebay zu einem Festpreis an. Uwe Bronnert
- Kahla (Thüringen) – ein „Hotspot“ der Serienschein-Ausgaben
Ehrenurkunde für zahlungswillige Notgeldsammler Die Stadt Kahla in Thüringen (vormals Sachsen-Altenburg) zählte im Jahr 1922 etwa 7000 Einwohner. Sie dürfte, was die Anzahl der Emissionen von Serienschein-Ausgaben betrifft, zu den ausgabefreudigsten Gemeinden des Deutschen Reichs gezählt haben. Abb. 1: Serienscheine aus Kahla Insgesamt zehn Serien brachte die Kommune 1921 bei den Sammlern unter: Serie „Stadtansichten“, 1921, 10, 25 und 50 Pfennig Muckserie, 15.8.1921 – 31.12.1921, 25, 50 und 75 Pfennig Erste Hindenburgserie, o. D. – 31.12.1921, 25, 50 und 75 Pfennig Porzellanserie, 15.8.1921 – 31.12.1921, 25, 50 und 75 Pfennig Zweite Hindenburgserie, 15.9.1921 – 31.12.1921, 25, 50 und 75 Pfennig Statistische Serie, 15.10.1921 – 31.12.1921, je 4 x 25, 50 und 75 Pfennig Serie „Stadt und Land“, 1.11.1921 – 31.3.1922, 6 x 75 Pfennig Weihnachtsserie, 20.11.1921 – 31.12.1921, 6 x 50 Pfennig Politische Serie, 1.12.1921 – 31.12.1921, 6 x 75 Pfennig Ausgabe des Stadtverkehrsamt zur Notgeldausstellung, 3. – 11.9.1921, 75 Pfennig Macht zusammen 46 verschiedene Scheine, Varianten beim Papier, bei der Angabe der Druckfirma, bei den Kontrollnummern u.ä. noch gar nicht berücksichtigt. Auch private Emittenten der Stadt sahen interessante Verdienstmöglichkeiten und beteiligten sich am regen Treiben der „Notgeldausgabe“: Leuchtenburg-Wirtschaft, Serie I: Walpurgisnacht, 30. April (o. J.), 10, 25 und 50 Pfennig Leuchtenburg-Wirtschaft, Serie II: Thüringer Burgenserie, 15.6.1921 – 31.12.1921, je 6 x 50 und 75 Pfennig Leuchtenburg-Wirtschaft, Serie III: Thüringer Burgenserie, 15.6.1921 – 31.12.1921, je 6 x 50 und 75 Pfennig Liedertafel Kahla, 21.2.1922, 50, 75 Pfennig, 1 und 1 ½ Mark Sportverein, o. D. – 1.7.1922, je 6 x 50 und 75 Pfennig Thüringer Schachbund (29. Kongress), o. D. – 1.11.1921, 6 x 75 Pfennig Auch hier wieder mit einer Vielzahl von Varianten. Das „Gesetz über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld“ vom 17. Juli 1922 (RGBl. 1922 S. 693) verbot die Ausgabe von neuem Notgeld mit sofortiger Wirkung. Die Emittenten hatten ihr bereits ausgegebenes Notgeld innerhalb von drei Monaten einzulösen. Dies galt auch für die Serienscheine, die bekanntlich zu Sammelzwecken hergestellt wurden. Damit war es auch für die Stadt Kahla mit dem lukrativen Geschäft vorbei. Die Verantwortlichen scheinen dies vorausgesehen zu haben oder reagierten sofort auf die veränderte Situation, denn der Rat der Stadt Kahla bot aus „Dankbarkeit“ den vielen Tausenden Notgeldsammlern des Kahlaer Notgelds, „die .. durch Abnahme der verschiedenen Notgeldausgaben nicht unbeträchtliche Geldmittel zur Durchführung gemeinnütziger Aufgaben bereitstellen halfen“ die Möglichkeit, eine Ehren-Urkunde zu erwerben, die der Notgeldsammlung „als ein Dokument schwerer Not und Zeit einverleibt werden“ sollte. Und dies – Gott bewahre, nicht aus Geldschneiderei! Der Stadtrat stilisierte die Urkunde zu einem besonders wertvollen Objekt, das nur solche Personen erhielten, die als Bezieher von Kahlaer Notgeld registriert waren. Nun ja, auch neue Kunden wollte man die Möglichkeit bieten, die Urkunde zu erwerben. Mit ihrer Bestellung von Scheinen brauchten sie nur den Wunsch nach dieser Urkunde äußern und gleichzeitig für die handschriftliche Eintragung auf der Ehrenurkunde Vor- und Zunahme, Geburtsdatum und Wohnsitz mit Straße und Hausnummer angeben, so die Werbung. Ach ja, natürlich erhob man für die Ausstellung der Urkunde einen kleinen Obolus. 30 Mark plus 16 Mark für Porto musste das dem Besteller schon Wert sein. Der Betrag war einfach vorab an das Stadt-Verkehrs-Amt Kahla S.-A. einzusenden. Abb. 2: Stadtrath zu Kahla, Urkunde, 29. Juli 1922, Vorderseite. Abb. 3: Stadtrath zu Kahla, Urkunde, 29. Juli 1922, Rückseite. Allzu viele Urkunden scheinen nicht abgesetzt worden zu sein, denn sie werden im Handel nur selten angeboten. Uwe Bronnert Anmerkung der Redaktion: In der Tat, war der der Bürgermeister von Kahla begeistert von Notgeld und brachte so auch den Bürgermeister von Thale im Harz dazu (sein Schwiegersohn) die Sammlerwelt mit zahlreichen Notgeldausgaben zu beglücken. In Kahla wurde Notgeld zelebriert. Für die städtischen Ausgaben war das Stadt-Verkehrs-Amt zuständig, das vom 3. – 11. September 1921 auch eine große Notgeldausstellung organisierte. Natürlich auch hier mit einem besonderen Serienschein zur Ausstellung. Die historische Aufnahme zeigt die Mitarbeiter des Stadt-Verkehrs-Amtes Kahla im Burghof der Leuchtenburg zur Notgeldausstellung von 1921. Einen Blick in die Ausstellung gewährt diese historische Aufnahme aus einem speziell angefertigten Album. Wer mehr über die Ausstellung erfahren will und sich das Album dazu anschauen möchte, der findet hier mehr dazu in unserem Blog: https://www.geldscheine-online.com/post/bilder-einer-ausstellung Hans-Ludwig Grabowski
- Spendenschein des American Committee for Relief of German Children (1923)
Meist stehen in geschichtlichen Untersuchungen der Rheinland-Besetzung der 1920er Jahre die Motive des französischen Handelns und die daraus resultierenden Ereignisse im Fokus der Betrachtungen, während Darstellungen über die belgische und englische Besatzung eher die Ausnahme sind. Vollkommen in Vergessenheit geraten ist die US-amerikanische Besatzung des Brückenkopfs Koblenz (1918–1923), die immerhin vier Jahre und 24 Tage dauerte.[1] Generalmajor Henry Tureman Allen [* 13. April 1859 in Sharpsburg, Bath County, Kentucky; † 30. August 1930 in Buena Vista, Pennsylvania] hatte bereits zahlreiche leitende Posten innegehabt, bevor er am 6. März 1921 Kommandeur der US-Truppen am Rhein und ab 2. Juli 1919 Kommandeur der US-amerikanischen Besatzung in Deutschland wurde. Am 6. Februar nahm er das letzte Mal an einer Sitzung der Rheinlandkommission teil, bevor er am 29. Februar aus Deutschland abreiste. Vorausgegangen war die Übergabe der Besatzungszone an Frankreich. Am 24. Januar 1923 wurde in einer feierlichen Zeremonie das Sternenbanner, die US-amerikanische Fahne, auf dem Dach der Festung Ehrenbreitstein eingeholt und um 12 Uhr blies die 8. Infanterie das Signal zum Rückzug. Abb. 1: Henry Tureman Allen Quelle: Henry T. Allen, Mein Rheinland-Tagebuch, 2., durchgesehene Auflage, Berlin o. J. „Zu den Hinterlassenschaften der Yankees, die dem Deutschen Reich langfristig Kosten verursachten, gehörten Besatzungskinder. Nach dem Weggang der AFG (American Forces in Germany, Anm. d. Verf.) blieben allein in Koblenz etwa 200 zurück.“ [2] Der Mütter der unehelich gezeugten „Amerikaner-Kinder“ konnten ihre Alimente-Forderungen kaum durchsetzen, da deutsche Gerichte keine Klagen gegen Militärpersonen führen durften und die Militärgerichte wiederum für Vaterschaftsklagen nicht zuständig waren. Ansprüche konnten nur in den USA vor einem Gericht des Heimatstaates geführt werden. Nach Angaben des Oberpräsident von Groote war die Zahl der durch US-Amerikaner unehelich gezeugten Kinder so groß, dass die Wohlfahrtsverbände nicht in der Lage waren, die drückenden Lasten zu tragen. Mitte 1922 gingen die Behörden von 1700 unehelichen Kindern aus. Generalmajor Allen ließ dieses Problem nicht kalt. In den Vereinigten Staaten gründete er die Hilfsorganisation „American Committee for Relief of German Children“. Die Organisation, deren Vorsitz er übernahm, sammelte in den USA Spenden, um Lebensmittel an hungernde Kinder in Deutschland verteilen zu können. Als die Aktion im Sommer 1924 endete, waren rund 4,3 Millionen US-Dollars eingesammelt wurden. Sie ermöglichten die Ausgabe von bis zu einer Million Mahlzeiten, die vor Ort von den Quäkern organisiert wurden. Die Mittel für die Speisung wurde mithilfe von Spendenscheinen aufgebracht. Sie sind einseitig auf einfachem weißem Papier gedruckt und haben die Maße 100 mm x 78 mm. Der einfarbig blaue Druck zeigt am unteren Rand des Unterdrucks eine große Anzahl von Kindern, die ihre Arme in die Höhe strecken, um die Liebesgaben aufzufangen, die die übergroße Liberty aus einem Korb entnimmt und über die Kinder rieseln lässt. Der Text auf dem Schein lautet: „Life / Saving Stamp / The buyer of this stamp has purchased / food for a starving German Child.“ [Lebensrettender Schein / Der Käufer dieses Scheins hat Lebensmittel für ein hungerndes deutsches Kind gekauft.] Links und Rechts neben der Überschrift die Wertangabe „1 $“. Unter dem Text in drei Spalten dann die Hinweise, was mit der Spende bewirkt werden kann: Für 10 c können fünf Mahlzeiten ausgegeben werden; 50 c reichen einen Monat für zusätzliche Mahlzeiten und 1 $ für zwei Monate. Schließlich noch die Angabe, dass man für 5 $ zehn Monate zusätzliche Mahlzeiten ausgeben kann. Darunter dann die Angabe der Organisation und der Hinweis auf Generalmajor Henry T. Allen, den Vorsitzenden des Hilfskomitees. Abb. 2: Spendenschein, American Committee for Relief of German Children, o. D. (1923). 1 Dollar, Vorderseite. Im selben Jahr richtete Allen eine Stiftung mit einem Stiftungskapital von 50.000 US-Dollars ein. Die jährlichen Zinsen sollten der Unterstützung bedürftiger Kinder dienen. Über die Verteilung entschied ein Kuratorium, das aus den Bürgermeistern von Koblenz, Montabaur, Cochem, Mayen und Andernach bestand. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Paul Dahms, A Piece of the Rhine, Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918–1923, hrsg. v. Verlag der Museen des Westerwaldkreise, Montabaur 2018. [2] Ebenda, S. 123.
- Die Geldanweisungen der Sparkasse der Provinz Laibach (1944)
Nachdem die Regierung Badoglio die Militärallianz mit dem Deutschen Reich verließ und Italien am 8. September 1943 Waffenstillstand mit den Westalliierten schloss, besetzte die deutsche Wehrmacht Nord- und Mittelitalien. Aus den Provinzen Udine, Goriza, Triest, Pula (Pola), Rijeka (Fiume) und den bislang italienisch verwalteten Gebieten Jugoslawiens, den Provinzen Laibach, Susak und Bakar entstand am 1. Oktober 1943 die Operationszone „Adriatisches Küstenland“. Oberster Kommissar wurde der Reichsstatthalter von Kärnten, Friedrich Rainer. Wie auch in der Operationszone Alpenvorland wurden hier Orts- und Straßennamen eingedeutscht und die Schließung italienischer Schulen und Banken verfügt. Karte: Operationszone „Adriatisches Küstenland“ https://www.transcultaa.eu/wp-content/uploads/2016/10/04519_800.jpg (20.10.2020) Im besetzten italienischen Gebiet war vorübergehend auch die Reichsmark in Form der Reichskreditkassenscheine gesetzliches Zahlungsmittel. In Montenegro betrug der Umrechnungskurs am 25. September 1943 für 100 Lire 13,50 Reichsmark. In Venetien wurden am 26. September eine Reichsmark mit 10 Lira gerechnet. Auf Anordnung des Präfekten von Mailand zirkulierten die Reichskreditkassenscheine ab 2. Oktober auch in der Lombardei. Nach einer Vereinbarung mit Mussolinis Marionettenstaat in Norditalien, der „Repubblica Sociale Italiana“ (Republik von Salò) verzichtete die deutsche Wehrmacht am 25. Oktober 1943 auf die weitere Ausgabe der Reichskreditkassenscheine und überlies der Banca d’Italia den Einzug. In den folgenden Monaten geriet die italienische Währung immer mehr in den Inflationsstrudel. Als im Sommer 1944 die Versorgung der Provinz Laibach mit italienischen Banknoten immer unzureichender wurde, dachte man von deutscher Seite an eine erneute Ausgabe der Reichskreditkassenscheine. Obwohl die Wehrmacht bereits am 20. September 1943 eine besondere slowenische Provinzverwaltung in Laibach unter General Leon Rupnik installiert hatte, verbot sich dieses Vorgehen, war die Provinz doch formal immer noch Teil eines verbündeten Staates. Man löste das Problem indem die Sparkasse der Provinz Laibach Geldanweisungen auf Lire emittierte, die den Anschein erwecken, dass die Banca d’Italia eine Garantie hierfür übernehmen würde. Zur Ausgabe gelangten Scheine zu 50, 100, 500 und 1000 Lire. Die Vorderseite zeigt links ein Brustbild und rechts das Wappen des Herzogtums Krain, den Adler mit der Kaiserkrone und dem zweireihig geschachtem Brustmond, ferner zweimal Serie und Kontrollnummer. Der Scheintext ist in slowenischer Sprache. Die Rückseite ist bildgleich, jedoch spiegelverkehrt und es fehlen hier Serienbezeichnung und Kontrollnummer. Der deutsche Text lautet: Geldanweisung über (Wert in Ziffern) Lire (Wert in Buchstaben) Diese Anweisung ist gedeckt durch ein behörd- lich kontrolliertes Sperrguthaben bei der Banca d’Italia. Sie wird dem Überbringer innerhalb einer vom Chef der Provinzialverwaltung in Lai- bach bestimmten Frist in geltende Banknoten der Banca d’Italia umgetauscht werden. Ausgegeben auf Grund der Entscheidung des Chefs der Provinzialverwaltung in Laibach vom 14. IX. 1944, VII Nr. 4504/1. Sparkasse der Provinz Laibach Unterschrieben sind die Anweisungen vom Vorsitzenden und vom Generaldirektor. Abb. 1.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 50 Lire, Vorderseite. Abb. 1.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 50 Lire, Rückseite. Abb. 2.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 100 Lire, Vorderseite. Abb. 2.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 100 Lire, Rückseite. Abb. 3.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 500 Lire, Vorderseite. Abb. 3.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 500 Lire, Rückseite. Abb. 4.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 1000 Lire, Vorderseite. Abb. 4.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 14. September 1944, 1000 Lire, Rückseite. In einem Brief vom September 1944 wandte sich ein Commissario der Banca d’Italia an den Finanzminister der Repubblica Sociale Italiana, in welchem er ausführte, dass die Bank niemals eine Garantie für diese Scheine abgegeben habe und die Sparkasse der Provinz auch kein Sperrkonto unterhalten würde. Es bestehe lediglich ein Girokonto bei der Filiale der Banca d’Italia in Triest. Der Schreiber des Briefes empfahl dringend, Rücksprache mit der deutschen Verwaltung in Slowenien zu nehmen, um den unkontrollierten Umlauf der Geldanweisungen zu unterbinden. In einem weiteren Brief an den Finanzminister schrieb er: „Es erscheint mir nicht fair, daß hier von der Sparkasse Laibach offensichtlich versucht wird, beim slowenischen Volk durch einen schlichtweg falschen Bezug zur Banca d'Italia Vertrauen in diese Banknoten zu erheischen oder vorzugaukeln.“ Der Minister scheint es, wenn überhaupt, bei einem schwachen Protest belassen zu haben. Allerdings fehlte bei den Ausgaben zu 1/2, ein, zwei, fünf und zehn Lire vom 28. November 1944 der Hinweis auf die Banca d’Italia. Hier heißt es auf der deutschen Seite nur: Ausgegeben auf Grund der Entscheidung des Chefs der Provinzialverwaltung in Laibach vom 28. XI. 1944, VII Nr. 5946/1. Sparkasse der Provinz Laibach Abb. 5.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 1/2 Lire, Vorderseite. Abb. 5.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 1/2 Lire, Rückseite. Abb. 6.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 1 Lire, Vorderseite. Abb. 6.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 1 Lire, Rückseite. Abb. 7.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 2 Lire, Vorderseite. Abb. 7.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 2 Lire, Rückseite. Abb. 8.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 5 Lire, Vorderseite. Abb. 8.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 5 Lire, Rückseite. Abb. 9.1: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 10 Lire, Vorderseite. Abb. 9.2: Sparkasse der Provinz Laibach, 28. November 1944, 10 Lire, Rückseite. Es stellt sich die Frage, nach der Bedeutung der römischen Zahl „VII“ hinter dem Datum? Wenn sie Bezug auf die italienische Annexion der Provinz am 3. Mai 1941 nimmt, müsste bei einer fortlaufenden Zählung der Jahre der Zugehörigkeit zu Italien nicht „VII“ sondern „IV“ stehen. Einem Italiener wäre ein solcher Fehler kaum unterlaufen. Guido Crapanzano sieht darin einen Beleg dafür, dass die Banca d’Italia wirklich nichts mit dieser Ausgabe zu tun hatte, auch wenn das geheimnisvolle Sperrguthaben bei der Banca d’Italia nie offiziell dementiert wurde. Leider ist nicht bekannt, ob jemals versucht wurde, die Geldanweisungen in Rom einzulösen. Uwe Bronnert Literatur: Guido Crapanzano, Soldi d'Italia – Un secolo di cartamoneta, Englische Ausgabe, Fondazione Cassa di Risparmio di Parma e Monte di Credito su Pegno di Busseto, Parma 1995, S. 298 – 303.
- Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsbaum?
Lauscha und die Welt der Glaskugeln Für die meisten Deutschen symbolisiert die geschmückte Tanne den Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Traditionell wird in den meisten Familien jedes Jahr vor Heiligabend ein Nadelbaum aufgestellt und festlich mit Kerzen, Kugeln, Engeln, Lametta, einem Stern als Spitze und manchmal auch mit Lebkuchen, Nüssen und Süßigkeiten dekoriert. Am Weihnachtsabend versammelt sich die Familie dann um den Christbaum. Die Kerzen brennen und tauchen das sonst dunkle Wohnzimmer in ein warmes Licht; Kinderaugen strahlen erwartungsvoll, bis endlich die Bescherung erfolgt und die unter dem Baum gelegten Geschenke ausgepackt werden dürfen. Wo liegt der Ursprung dieses Brauches, eine Tanne aufzustellen? Schon in heidnischer Zeit holte man sich um die Wintersonnenwende sogenannte Wintermaien, grüne Zweige, ins Haus. Diese waren in der dunklen Jahreszeit ein Zeichen des Lebens und versprachen Schutz vor den bösen Geistern. Zusätzlich dienten sie als Symbol der Fruchtbarkeit und Gesundheit. Im ausgehenden Mittelalter vermischte sich diese heidnische Sitte mit dem Christlichem. 1419 soll die Zunft der Bäcker in Freiburg im Breisgau einen Weihnachtsbaum mit Lebkuchen, Äpfeln und Nüssen geschmückt haben. Martin Luther und andere Reformatoren erklärten den Christbaum zum Weihnachtssymbol. Zunächst wurden sie noch ohne Kerzen in den Stuben aufgehängt und erst ab 1730 durch Kerzen erleuchtet. Diese Lichterbäume standen zunächst nur in Häusern evangelischer Familien. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der Freiheitskriege gegen Napoleon, begann der Tannenbaum als Sinnbild des Deutschtums seinen Siegeszug in den Stuben – unabhängig von der Glaubensrichtung. Mit Säkularisierung der deutschen Gesellschaft wurde der Weihnachtsbaum zum Ersatz religiöser Inhalte. Von Deutschland aus trat der Weihnachtsbaum seinen weltweiten Siegeszug an. 1832 stellte ein deutschstämmiger Harvard-Professor einen Weihnachtsbaum in seinem Wohnhaus auf und brachte damit den Brauch nach Nordamerika. 1891 stand erstmals ein „Christmas Tree“ vor dem Weißen Haus in Washington und im Jahr 1982 ließ Papst Johannes Paul II. den ersten Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz in Rom aufstellen. Dekorierte man die Weihnachtsbäume zunächst mit Lebkuchen, Äpfeln und Nüssen, so vollzog sich im Laufe des 18. Und 19. Jahrhunderts ein Wechsel. Statt der Lebensmittel wurden Nachbildungen und andere Alltagsgegenstände wie Tiere, Spielzeug, Instrumente und Engel angebracht. Für diese Anhänger entwickelte sich eine eigene Fertigungsindustrie. In der Gemeinde Lauscha im Thüringer Wald wurden 1848 die ersten Christbaumkugeln aus Glas hergestellt, sechs Dutzend in verschiedenen Größen. Es sollten noch einige Jahre ins Land gehen, bis Kaufhausgründer Frank Winfield Woolworth die Glaskugeln entdeckte und in die USA importierte. Das Produkt war so beliebt, dass sich ein bedeutender Wirtschaftszweig entwickelte. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden die beliebten Weihnachtskugeln ausschließlich in Lauscha gefertigt. Die Glaskugeln werden auch heute noch in traditioneller Handarbeit in verschiedenen Größen, Farben und Mustern hergestellt. Abb. 1.1: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Vorderseite. Abb. 1.2: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Rückseite. Zeichenlehrer Karl Eckstein entwarf für die Gemeinde Lauscha einen 50-Pfennig-Schein. Auf der Vorderseite befindet sich die 1905 niedergelegte alte Glashütte, die Wiege der Lauschaer Industrie mit Angabe der Jahreszahl 1597 – 1905; rechts und links von Christbäumen flankiert, darunter der Sinnspruch „In aller Welt Lauschaer Christbaumschmuck gefällt“. „Die Rückseite zeigt einen Glasbläser, der in seiner vereinfachten, beinahe stilisierten Wiedergabe darauf gerichtet ist, den Hergang bei der Arbeit möglichst klar vor Augen zu führen. Die umrahmende Girlande ist in Tannenzweigen mit Glaskugeln ausgeführt, wie auch der Grund von diesem Motiv beherrscht wird.“ (Auszug aus einer Zeitungsmeldung). Neben der Girlande die Abkürzung des Künstlers „K“ und „E“. Darunter steht zweimal der Wert des Scheins „50 Pfennig“ und die Kontrollnummer, entweder in roter oder schwarzer Farbe. Über der Wertangabe „Gemeinde Lauscha S-M / April 1921“. Der Schein wurde in vier Farbendruck auf Papier mit Wasserzeichen „Kreuz im Quadrat“ hergestellte. Der Ortszusatz "S-M" steht für das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Meiningen. Abb. 2.1: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Vorderseite. Abb. 2.1: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Vorderseite. Dieser Ausgabe, die den Serienscheinen zugerechnet wird, ging eine Verkehrsschein-Ausgabe zu 50 Pfennig voraus, die ebenfalls das wichtigste Erzeugnis der Gemeinde zeigt. Der Schein datiert vom Februar 1920. Auf der Vorderseite findet sich rechts und links der Wertzahl ein Tannenzweig mit Christbaumschmuck. Auch von diesem Schein gibt es zwei deutlich unterscheidbare Varianten. Die erste wurde auf Papier mit dem Wasserzeichen „helle Kreuze“ gedruckt, ist im Unterdruck hellgraugrün oder dunkelgrün und hat eine schwarze Kontrollnummer; die zweite ist im Unterdruck hellgrün und weist das Wasserzeichen „Tropfen“ auf. Sie kommt sowohl mit schwarzer wie auch roter Kontrollnummer vor. Abb. 3.1: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Vorderseite. Abb. 3.2: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Rückseite. Abb. 4.1: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Vorderseite. Abb. 4.2: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Rückseite. Vollständigkeitshalber sei auch auf die Ausgabe mit der Jahreszahl 1919 hingewiesen. Auch von dieser Ausgabe gibt es zwei Varianten. Einmal auf Papier mit dem Wasserzeichen „Stern-Sechseckmuster“ gedruckt; eine zweite Variante mit dem Wasserzeichen „Sechseckflechtwerk“. Auf der Rückseite der Scheine werden verschiedenen Produkte der heimischen Glasindustrie vorgestellt. Abb. 5.1: Lauscha, Gemeinde, 1919, 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 5.1: Lauscha, Gemeinde, 1919, 50 Pfennig, Vorderseite. Uwe Bronnert
- Noten des Währungsinstituts Slowenien 1944/45
Noten des Währungsinstituts Slowenien („Denarni Zavod Slovenije“) 1944/45 Jugoslawien war nach dem Ersten Weltkrieg als von Serbien dominierter Vielvölkerstaat entstanden, zu dem auch vormals österreichische und ungarische Gebiete gehörten. Anfang 1941 versuchte Deutschland im Konflikt auf dem Balkan zu vermitteln und schlug dem Königreich Jugoslawien den Beitritt zum Dreimächtepakt (Deutschland, Italien und Japan) vor. Am 25. März 1941 wurde der Beitritt des Landes zum Pakt der Achsenmächte erklärt. Daraufhin putschten mit sowjetischer Unterstützung in Belgrad Offiziere und stürzten die Regierung Cvetkovi. Die neue Regierung unter General Dušan Simović und der junge König Peter II. schlugen sich auf die Seite der Alliierten. Am 6. April marschierten deshalb deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Truppen in Jugoslawien ein. An ihrer Seite kämpften die Kroaten gegen ihren alten Feind Serbien. Am 10. April wurde Zagreb besetzt und noch am gleichen Tag der faschistische Unabhängige Staat Kroatien ausgerufen. Belgrad wurde am 13. April von deutschen Truppen besetzt und am 17. April 1941 kapitulierte die jugoslawischen Armee. Slowenien wurde unter Deutschland, Italien und Ungarn aufgeteilt. Schon bald regte sich Widerstand. In Slowenien schlossen sich am 27. April 1941 in Ljubljana (Laibach) in der Wohnung des Schriftstellers Josip Vidmar verschiedene Gruppierungen – die Kommunistische Partei Sloweniens, die Slowenischen Christlichen Sozialisten, der slowenische Sokol (Falke) und eine Gruppe Kulturschaffender – zur Antiimperialistischen Front (slowenisch: Protiimperialistična fronta; abgekürzt: PIF) zusammen. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 erfolgte die Namensänderung in Befreiungsfront (slowenisch: Osvobodilna Fronta; abgekürzt: OF). Im September 1941 erklärte sich die OF zum Slowenischen nationalen Befreiungskomitee, dem höchsten politischen Gremium Sloweniens. Ihre Partisanen-Armee führte in den folgen Jahren einen erbitterten Guerilla-Krieg gegen die Achsenmächte. Nach der Kapitulation Italiens am 3. September 1943 fanden Wahlen zur Volksvertreterversammlung statt, die das 120-köpfige oberstes Plenum und ein zehnköpfiges Exekutivkomitee wählten. Letzteres diente nun als Slowenisches nationales Befreiungskomitee. In den befreiten Gebieten organisierte das Befreiungskomitees u.a. das Schulwesen, die Gesundheitsversorgung sowie die Versorgung der Partisanen. Im Februar 1944 trat in Črnomelj der Slowenische Nationale Befreiungsrat (SNOS), das Legislativorgan des Untergrundstaates, zur ersten Sitzung zusammen. Bald nach dieser Sitzung wurden der akademische Maler Božidar Jakac und die Architekten Saša Sedlar und Branko Sim beauftragt, das neue slowenische Papiergeld zu entwerfen. Die im Februar/März 1944 entstandenen Entwürfe zu 1 Lira, 5, 100 Lir wurden jedoch nicht ausgeführt.(1) Am 12. März 1944 gründete der SNOS durch Dekret das Währungsinstitut für Slowenien („Denarni Zavod Slovenije“). Die Slowenen weisen nicht ohne Stolz daraufhin, dass dies die erste freie Emissionsbank in einem von der Wehrmacht besetzten Land gewesen sei. Die Bank wurde ermächtigt gesetzliche Zahlungsmittel im Gesamtbetrag von insgesamt 20 Millionen Lir (Lire) zu emittieren, und zwar 10 Millionen Zahlungsanweisungen zu 1 Lira, 1 Million Stück zu 5 Lir sowie 500.000 Scheine zu 10 Lir. Der Entwurfsauftrag ging an das Grafische Atelier der zentralen Druckerei der Kommunistischen Partei Sloweniens in Črmošnjice, in dem die Maler und Bildhauer Milena Dolgan, Alenka Gerlovi, Vito Globonik, France Miheli, Dušan Petri, Nikolay Pirnat, Ive Šubic und der Architekt Banko Simi arbeiteten. Letzterer legte bereits im April erste Entwürfe für 1 Lira- sowie 5- und 10-Lir-Noten vor. Für die Herstellung der Druckplatten mussten jedoch vergrößerte Reinzeichnungen angefertigt werden, die von Banko Simčič zusammen mit Saša Sedlar im selben Monat in Črmošnjice ausgeführt wurden.(2) Da der vorgesehene Zinkographiedruck auf dem befreiten Gebiet nicht möglich war, schnitzte Diplom-Ingenieur Vlado Jordan Holzdruckstöcke. Die Herstellung der Zahlungsanweisungen übernahm die Partisanendruckerei Triglav, 11 A, (ehemals Druckerei Nr. 1, der Name wurde im August 1944 geändert) an den Hängen des Goteniški Snežnik. Bereits Ende Juli lagen die 10-Lir-Scheine vor und im September folgte der 5-Lir-Wert. Der 1-Lira-Schein wurde Anfang November fertig. Die Nummerierung der Scheine erfolgte in der Partisanendruckerei in Koevski Rog (ehemals Druckerei 13 A, umbenannt im August). Die drei Werte sind ähnlich gestaltet. Beide Seiten zeigen geometrische Ornamente in verschiedenen Schattierungen. Der Text der Vorderseite lautet übersetzt: „Das Währungsinstitut Sloweniens zahlt dem Inhaber dieser Banknote bei Ausgabe der einheitlichen Landeswährung den Gegenwert dieser auf Lira lautenden Note.“ Es folgt die Wertangabe und darunter links die faksimilierte Unterschrift des Schatzmeisters Alojz Štular und rechts die des Präsidenten Lavoslav Dolinšek. Auf der Rückseite finden sich angaben zur Rechtsgrundlage der Notenausgabe: „Der Erlass des Präsidiums des slowenischen nationalen Befreiungsrates (SNOS) vom 12. März 1944 in Verbindung mit dem Erlass des slowenischen nationalen Befreiungsrates (SNOS) vom 20. Februar 1944 ermächtigt das Währungsinstitut Sloweniens zur Ausgabe von Zahlungsanweisungen.“ Bei der Note zu 10 Lir befindet sich dieser Text auf der Vorderseite. Abb. 1.1: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, Vorderseite. Abb. 1.2: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, Rückseite. Im August erhöhte das Präsidium des Befreiungsrates (SNOS) das Notenkontingent des Währungsinstitutes um 80 Millionen Lire, um die Ausgabe höherer Nominale zu ermöglichen. Wieder wurde Banko Simčič mit dem Entwurf der Noten beauftrag. Bereits Ende August präsentierte er in Črmošnjice die Skizzen zu den Nominalen zu 50, 100, 500 und 1000 Lir. Diese sollten noch durch Porträts bekannter slowenischer Dichter ergänzt werden.(3) Ferner wünschte man bei den Nominalen zu 500 und 1000 Lire die Abbildung des Herzogsstuhls(4) und des Fürst-Steins.(5) Somit beanspruchte Slowenien auch Kärnten. Schließlich wählte man bei der 1000-Lir-Note ein Bild mit dem Panorama von Triest. Die Ergänzungen erfolgten durch den akademischen Maler France Miheli. Allerdings blieb es bei diesen Geldscheinen bei der Planungsphase. Am 16. Oktober 1944 beschloss das Präsidium des Befreiungsrates neue Lir-Noten herstellen zu lassen, die die alten Lir-Noten ersetzten sollten. Ihr Nominalwert sollte 10 Prozent über dem der italienischen Lire und den im Umlauf befindlichen Lir-Noten liegen. Die Kriegsentwicklung – in einer großen Operation vom 10. – 20. Oktober 1944 war Belgrad befreit worden – erlaubten im Frühjahr 1945 den Druck der neuen Geldscheine zu 1, 5, 10 und 100 Lire auf modernen Maschinen in Belgrad.(6) Auch wenn diese zweite Noten-Serie der ersten sehr ähnlich ist, fällt aufgrund der verbesserten technischen Möglichkeiten ihre Ausführung deutlich besser aus. Abb. 2.1: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, 2. Serie, Vorderseite. Abb. 2.2: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, 2. Serie, Rückseite. Wegen des Mangels an höheren Lir-Banknoten gab das slowenische Währungsinstitut im Oktober 1944 handschriftlich zu vervollständigende Quittungen aus. Die auf Lir lautenden Papiere liefen wie Banknoten im befreiten Gebiet um. Am 25. Oktober 1944 ermächtigte das Präsidium des Befreiungsrates das Währungsinstitut Schatzwechsel in Höhe von 20 Millionen Lir auszugeben. Die von den Zweigstellen der Bank ebenfalls handschriftlich zu ergänzenden Papiere konnten auch als Zahlungsmittel verwendet werden. Der Entwurf stammt wieder von Branko Simič und zeigt im Unterdruck den Kopf eines Partisanen. Sie waren das letzte Zahlungsmittel, das auf dem Gebiet Sloweniens während des Befreiungskrieges gedruckt wurde. Die Rückseite blieb unbedruckt. Abb. 3: Denarni Zavod Slovenije, handschriftlich: 23. April 1945, 10.000 Lir, Vorderseite. In Block 18 und 19 des Konzentrationslagers Sachsenhausen wurden nicht nur Pfundnote der Bank of England gefälscht, sondern auch andere Geldzeichen, Briefmarken, Pässe und Dokumente. Der Häftling Adolf Burger erinnerte sich: „Innerhalb von Hitlers ‚Festung Europa‘ wie die NS-Verbrecher und andere deutsche Chauvinisten das besetzte Europa nannten, bestand seit 1941 ständig ein freies Partisanengebiet. Im Laufe der Jahre 1942, 1943 und 1944 waren die befreiten Teile Jugoslawiens flächenmäßig größer als manche der kleineren europäischen Staaten.“ Zur Finanzierung ihres Kampfes, gaben die Partisanen sog. Volksanleihen und Geldscheine aus. „Um die Zeichnung dieser Anleihen der jugoslawischen Volksbefreiungsbewegungen [die auch als Zahlungsmittel verwendet wurden (Anm. d. Verf.)] so stark wie möglich zu hintertreiben, wurden in Sachsenhausen ‚dreifarbige‘ Tito-Banknoten und Schuldscheine dieser Anleihe originalgetreu nachgedruckt. Die Nachahmung entsprach in Druck und Papierart vollständig dem Original, so daß es kaum möglich war, einen Unterschied festzustellen. Das Geld, das an der mir zugewiesenen Maschine hergestellt wurde, war in dem durch die jugoslawischen Volksbefreiungsarmee befreiten Teil Jugoslawiens im Umlauf. … 1944 wurde dieses Geld im befreiten Territorium Jugoslawiens in Umlauf gebracht.“(7) Zu den gefälschten Scheinen gehörte auch die 10-Lir-Note des slowenischen Währungsinstitutes. Diese 10-Lir-Note wurde für Propagandazwecke missbraucht. Während die Vorderseite dem Original entspricht, wobei die rote-braune Farbgebung etwas dunkler ausfällt, enthält die Rückseite einen vierzeiligen großen Aufdruck: „Ta denar je prav / taka nila, kakor / obljube iz Moskve / in Londona“, was übersetzt „Dieses Geld ist genauso wertlos, wie die Versprechen aus Moskau und London“ lautet. Die Scheine sollen in Ljubljana gedruckt worden sein. Abb. 4.1: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, deutsche Propagandanote, Vorderseite. Abb. 4.2: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, deutsche Propagandanote, Rückseite. * Standard Catalog of World Paper Money, Specialized Issues, 12th Edition, Iola, WI 2013, S. 1290 f. Der unter Kat.-Nr. S116 aufgeführte Wert zu 50 Lir wird bei Peter Kos nicht genannt! (In Klammern): Peter Kos, Slovenska Partizanska Plailna Sredstva – The Slovene Partisan Means of Payment – Les Moyens de Paiements des Partisans Slovènes, Narodna Banka Slovenije, Ljubljana 1977. Uwe Bronnert Anmerkungen: (1) S. Peter Kos, Slovenska Partizanska Plailna Sredstva – The Slovene Partisan Means of Payment – Les Moyens de Paiements des Partisans Slovènes, Narodna Banka Slovenije, Ljubljana 1977, S. 154 – 165, Kat.-Nr. 39 – 44. (2) Ebenda, S. 166 – 167, Kat.-Nr. 45 – 47. (3) Der Schein zu 50 Lire bildet Primož Trubar, der zu 100 Lire Fran Levstik, Ivan Cankar finden wir auf dem 500er und France Prešeren auf dem 1000er. (4) Ebenda, S. 176 – 179, Kat.-Nr. 50 und 51. Er wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts errichtet und befindet sich auf dem Zollfeld. Der Herzogstuhl wurde als sedes Karinthani ducatus anlässlich der Herzogseinsetzung von Hermann von Spanheim im Jahr 1161 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. (5) Ebenda, S. 180 f., Kat.-Nr. 52. Der Fürstenstein (slowenisch: Knežji kamen) gilt als das älteste Rechtsdenkmal Kärntens. Er diente nach verbreitetem Glauben dazu, die nach der slawischen Besiedlung von Kärnten in Karnburg am Zollfeld residierenden Fürsten von Karantanien rituell einzusetzen. Heute wird der Stein im Landhaus Klagenfurt ausgestellt. (6) Ebenda, S. 115 – 129, Kat.-Nr. 24 – 27. (7) Adolf Burger, Unternehmen Bernhard, Die Geldfälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen, Berlin 1992, S. 120 ff.
- Gutscheine des Bataillons "Generalfeldmarschall von Hindenburg"
Am 11. November 1918, dem Tag, an dem der Waffenstillstand im Wald von Compiègne unterzeichnet wurde, umfasste das deutsche Heer noch mehr als sechs Millionen Soldaten. Etwa 3,2 Millionen davon befanden sich in Belgien und Ostfrankreich, die nun nach den Waffenstillstandsbedingungen umgehend ins rechtsrheinische Reichsgebiet zurückgezogen und demobilisiert werden mussten. „Die meisten von ihnen hatten vom Krieg mehr als genug – aber nicht alle. Vielleicht jeder fünfte, vielleicht auch nur jeder zehnte war bereit, für seine jeweiligen politischen Vorstellungen weiter zu kämpfen.“[1] Viele von ihnen fanden eine neue militärische Heimat in den östlichen Provinzen des Reichs, nach denen das wiedererstandene Polen seine Hand ausstreckte. Auch im Baltikum standen deutsche Truppen weiterhin im Abwehrkampf gegen die bolschewistische Rote Armee. Also warben deutsche Regierungsstellen unter den Demobilisierten Kämpfer für Freiwilligen-Verbände an, die man als Freikorps bezeichnete. Für viele der arbeitslosen und aus dem Militär entlassenen Soldaten waren die Verdienstmöglichkeiten verlockend, denn sie erhielten den Sold eines regulären Soldaten, zuzüglich fünf Mark pro Tag. Ein Mannschaftsdienstgrad kam so monatlich auf 180 Mark und ein junger Leutnant z.B. auf 300 Mark. Hinzu kamen weitere Zulagen für Verheiratete, für Kinder sowie besondere Qualifikationen und das Ganze bei freier Kost und Logie. Beim Einsatz in Polen oder im Baltikum gab es sogar noch einen „Gefahrenzuschlag“ von weiteren vier Mark pro Tag. Lohnsteuern und Sozialabgaben wurden hingegen nicht erhoben. Zum Vergleich, der durchschnittliche Monatsverdienst im Reich lag damals bei 167,50 Mark. Das „Bataillon Generalfeldmarschall von Hindenburg“ gehörte zu den Freikorps, die sich damals bildeten. Wohl als einziger Freikorps-Verband stellte er eigenes Geld her. Zwar werden in verschiedenen Katalogen 1- und 2-Mark-Gutscheine erwähnt, aber bisher nirgends abgebildet.[2] Diese undatierten Gutscheine sind von größter Seltenheit. Der vorliegende Gutschein zu einer Mark hat die Maße 94 mm x 70 mm. In der Mitte der Vorderseite befindet sich die Abbildung des Abzeichens des Selbstschutzes Oberschlesien, das von allen Selbstschutz-Formationen teils am Arm, teils an der linken Brustseite getragen wurde. Daneben links „S.S. / O.S.“ und rechts „Eine / Mark“. Über dem Wappenschild im Halbkreis „Batl. Gen. Feldm. von Hindenburg“. Darunter zweizeilig „Dieser Schein wird eingelöst durch / die Kasse der III. Hundertschaft“. Die beiden Unterschriften sind leider nur bedingt lesbar und daher zur weiteren Bestimmung wenig hilfreich. In der Mitte der unbedruckten Rückseite ein Stempelabdruck (Ø 33 mm) mit dem schlesischen Adler in der Mitte und der Umschrift „III. Hundertschaft Batl. von Hindenburg . S.S. O/S. .“. Die Gutscheine wurden im Hektographie-Verfahren hergestellt. Hierbei werden Schriftstücke ohne Anwendung einer Presse mittels einer abfärbenden Vorlage, der Matrize, vervielfältigt. Handzeichnung wie auch Schreibmaschinenschrift werden von einem Farbblatt auf eine mit besonderer Gelantine-Mischung beschichtete Unterlage übertragen, von der dann mittels einer Spirituslösung im Umdruck Abzüge auf saugfähigem Papier hergestellt werden. Hektographien zeichnen sich durch ein ausgesprochen minderwertiges Druckbild aus, das zudem oft nicht rein schwarz, sondern wie bei einem Tintenstift violett ist. Wie das Wort Hektographie (von altgriechisch ἑκατόν hekatón, deutsch ‚hundert‘ und -graphie, wörtlich „Hundertschreibung“, etwa „Verhundertfachung“) bereits andeutetet, ist die Anzahl der Abzüge auf ca. 100 beschränkt. Legt man eine Matrize in DIN-A4-Größe zugrunde, so hätte man bei entsprechender Anordnung der Beschriftung/Zeichnung in einem Arbeitsgang neun Scheine gleichzeitig herstellen können – mit einer Matrize also kaum mehr als 900 Exemplare, wobei zu berücksichtigen ist, dass mit zunehmender Zahl der Abzüge, die Vervielfältigungen immer schwächer werden. Abb. 1: Batl. Gen. Feldm. von Hindenburg, III. Hundertschaft, o. D. (Mai/Juni 1921), 1 Mark, Vorderseite. Abb. 2: Batl. Gen. Feldm. von Hindenburg, III. Hundertschaft, o. D. (Mai/Juni 1921), 1 Mark, Rückseite. Zum Bataillon "Generalfeldmarschall von Hindenburg“ ist wenig bekannt. Nach von Schmidt-Pauli ging ein Freikorps mit diesem Namen aus der Bewachungskompanie der Obersten Heeresleitung hervor. Es wurde am 8. März 1919 in Kolberg gegründet und bereits am 21. Oktober 1919 aufgelöst und in das Reichswehr-Inf.-Regt. 110, Celle, bzw. das Reichswehr-Kavallerie-Regt. 101 überführt.[3] Unser Geldschein stammt jedoch aus einer späteren Zeit und hängt mit dem dritten schlesischen Aufstand zusammen. Nach der oberschlesischen Volksabstimmung am 20. März 1921, bei der 59,6 % (707.000 Stimmen) der Wähler für den Verbleib bei Deutschland und 40,4% (479.000 Stimmen) für eine Abtretung an Polen votierten, setzte in der Interalliierten Kommission eine Diskussion über eine mögliche Teilung des Abstimmungsgebiets ein. Die Polen wollten deren Entscheidung nicht abwarten und vollendete Tatsachen schaffen. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1921 begann der sog. 3. Insurgenten-Aufstand. Die interalliierten Truppen sahen dem Treiben weitgehend tatenlos zu und die deutschen Selbstschutzverbände waren zu schwach, um sich gegen die polnische Übermacht behaupten zu können. Erst die Unterstützung durch Freikorps-Verbände aus dem Reich veränderte das Kräfteverhältnis. Das (zweite) Freikorps-Bataillon "Generalfeldmarschall von Hindenburg“, das im Mai 1921 von Major a. D. von Waldow aus Freiwilligen gegründet wurde, kam an der Nordfront zum Einsatz. Dort nahm es Sicherungsaufgaben im Abschnitt Reinersdorf bis Simmenau wahr. Auch wenn Dr. Keller etwas anderes behauptet, wurde das Ersatzgeld nicht während der Schlacht um den Annaberg ausgegeben. Die Freikorps-Mitglieder kamen vorwiegend aus Braunschweig, Hannover und Clausthal oder waren Angehörige des Stahlhelmbunds aus Niedersachsen. Die Formation bestand aus drei Kompanien, deren anfängliche Stärke 35 Offiziere und ca. 560 Soldaten betrug. Später sollen es fast 1000 Mann gewesen sein. Teile des Freikorps nahmen im Juni an den verlustreichen Kämpfen um Zembowitz und Pruskau teil. Mit der Vereinbarung von Blottniz vom 25. Juni 1921 hörten die Kämpfe auf und wenige Tage später zogen beide Seiten ihre Kämpfer aus Oberschlesien ab. Ende Juni 1921 löste sich das Freikorps "Generalfeldmarschall von Hindenburg" auf und die Mehrheit seiner Mitglieder kehrten nach Niedersachsen zurück.[4] Die Teilung Oberschlesiens durch den Beschluss der Pariser Botschafterkonferenz vom 20. Oktober 1921 markierte das vorläufige Ende des Oberschlesien-Konflikts. Uwe Bronnert Literatur: Günther Körner; Selbstschutz in Oberschlesien 1921, Bilddokumentation, Dülmen 2014. Ernst von Salomon, Das Buch von deutschen Freikorpskämpfer, Nachdruck der Ausgabe von 1938, Struckum 1988. Edgar v. Schmidt-Pauli, Geschichte der Freikorps 1918 –1924, Stuttgart 1935. Dominique Venner, Söldner ohne Sold, Die deutschen Freikorps 1918 – 1923, Bergisch-Gladbach 1978. Anmerkungen: [1] Sven Felix Kellerhoff, Wie es zu der Söldnerschwemme in der Weimarer Republik kam. < https://www.welt.de/geschichte/article206960769/Freikorps-1919-20-Wer-bezahlte-die-ganzen-Soeldner.html> (09.06.2020) [2] Vgl. Das Deutsche Notgeld, Katalog Kleingeldscheine 1916 – 1922, I.-III. Teil: Verkehrsausgaben, Zusammengestellt von Dr. Arnold Keller, Neu bearbeitet von Albert Pick und Carl Siemsen, München 1979, S. 684, Kat.-Nr. 2962. Rolf Ritter, Notgeld aus der Abstimmungszeit 1920/22 in Oberschlesien, Kamen 1981, S. 65. Wieslaw M. Pawlowski, Piendiadz Zastepczy na Górnym Slasku w Okresie Plebiscytu I III Postania Slaskiego, Lublin 2020, S. 120, Kat.-Nr. 36.2-1/2. Ein Hinweis auf diese Ausgabe fehlt komplett bei Kai Lindman, Deutsches Militärgeld 1914 – 1945, Heer – Luftwaffe -Marine – Versorgungseinheiten, Gifhorn 2017. [3] Edgar v. Schmidt-Pauli, Geschichte der Freikorps 1918 -1924, Stuttgart 1935, S. 358. [4] Angaben nach < https://www.ehrenzeichen-orden.de/weimarer republik/hindenburg-bewahrungsabzeichen.html> (05.06.2020)
- Die Goldmark-Scheine zur Westfälischen Goldanleihe
Die Goldmarkscheine zur Westfälischen Goldanleihe, Reihe I, der Landesbank der Provinz Westfalen 1923 Im Herbst 1923 drehte sich das Inflations-Karussell immer schneller. Von einem auf den anderen Tag halbierte sich der Wert der Mark. Weite Bevölkerungsschichten waren nicht mehr in der Lage, sich das Nötigste zu kaufen, da die Lohnerhöhungen mit den Preissteigerungen bei weitem nicht Schritt hielten. Fast im gesamten Reich kam es zu Lebensmittelunruhen und Demonstrationen, zu Plünderungen und Raubzügen, die an vielen Orten zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei führten. Der Ruf nach wertbeständigem Geld wurde in der Bevölkerung immer lauter. Das Gesetz vom 14. August 1923 ermächtigte die Reichsregierung zur Emission einer wertbeständigen Anleihe in Höhe von 500 Millionen Goldmark, deren Tilgung in den folgenden 12 Jahren erfolgen sollte. Die Anleihestücke vom 25. August 1923, die mit „Schatzanweisung des Deutschen Reiches“ überschrieben sind, lauten sowohl auf Mark Gold als auch auf Dollar. Ausgegeben wurden Stücke über 1 bis 1000 Dollars gleich 4,20 bis 4.200 Mark Gold. Ihre Zeichnung erfolgte entweder in Papiermark zum jeweiligen Dollarkurs oder in Devisen. In diesem Fall mussten nur 95 % des Zeichnungspreises entrichtet werden. Die kleinen Werte zu 1, 2 und 5 Dollars, die ohne Zinsscheine ausgegeben wurden, sollten planmäßig mit 70 % Aufgeld am 2. September 1935 eingelöst werden. Sie wurden schon bald im Zahlungsverkehr verwendet, ohne gesetzliches Zahlungsmittel zu sein. Durch Erlass vom 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, wenn es auf Teile der Goldanleihe lautete und durch solche gedeckt war. Die Bestimmungen des Finanzministers vom 24. Oktober und eine am 26. Oktober 1923 erlassene Verordnung der Reichsregierung zur Änderung des Gesetzes über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld vom 17. Juli 1922 regelten die Ausgabe und Einlösung des Gold-Notgelds. Danach mussten die Scheine neben der Bezeichnung „Notgeldschein“ den Vermerk „Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen“ tragen; auch sollten sie nicht über einen höheren Betrag als 2 Dollars gleich 8,40 Mark Gold lauten. Die Landesbank der Provinz Westfalen, „die es von jeher als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet hat, den Westfälischen Gemeinden nicht nur kurzfristigen, sondern in erster Linie langfristigen Kredit zur Verfügung zu stellen,“[1] suchte nach einem Weg, dies auch in Zeiten der galoppierenden Inflation in und der damit verbundenen „Flucht in die Sachwerte“ zu ermöglichen. Um die notwendigen Mittel für langfristige Kommunalkredite aufbringen zu können, emittierte sie auf Grund des Beschlusses des Provinzialausschusses vom 17. September 1923 die 6%ige Goldanleihe, die von der Provinz Westfalen garantiert wurde. Ab 1. Oktober 1923 konnte die Anleihe gezeichnet werden. Die großen Anleihestücke zu 10, 25 und 100 Dollars der Reihe II der Westfälische Goldanleihe waren mit 6 % verzinslich und wurden mit Zinsbögen versehen. Die Tilgung sollte jährlich mit 3 ½ % erfolgen und spätestens 1940 zurückgezahlt sein. „Von … [ihr] wurden bis zum 3. März 1924 insgesamt 1.236.212 Dollar = 5.395.490 Rentenmark abgesetzt. Die entsprechenden 6%igen Goldanleihe-Darlehen wurden in 157 Posten nur solchen Darlehnsnehmern [vorwiegend Kommunen, kommunale Versorgungsbetriebe und sonstige öffentlich-rechtliche Stellen] gegeben, die mit dem Darlehnskapital Sachwerte schufen, deren Erträgnisse sich dem wechselnden Dollarkurs anpassen konnten.“[2] Die Auszahlung der Darlehen erfolgte in entsprechenden Anleihestücken, die der Darlehensnehmer entweder durch die Landesbank verkaufen ließ oder zur eigenen Verwendung übernahm. Die Stücke der Reihe I waren dagegen unverzinslich und bestanden ausschließlich aus solchen zu 1 Dollar.[3] Sie sollten am 31. Dezember 1929 eingelöst werden. 25 Anleihestücke der Reihe I konnten in Anleihestücke der Reihe II umgetauscht werden. Auch diese sollten also der langfristigen Finanzierung der Kommunalkredite dienen. Die Stücke haben das Format 125 mm x 180 mm. Gedruckt wurden sie auf Papier ohne Wasserzeichen. In einem braunen Zierrahmen und auf einem braunen Unterdruck nennt der schwarze Text der Vorderseite den Wert, die Laufzeit, Einlösungsbedingungen und das Ausgabedatum vom 15. Oktober 1923. Unter „Die Direktion der Landesbank der Prov. Westfalen“ finden sich die gedruckten Unterschriften des Generaldirektors Reusch sowie der Landesbankdirektoren Greve und von Bruchhausen. In der oberen linken Ecke der rote Steuerstempel mit den Reichsadler und Umschrift: „WERTPAPIERSTEUER . STEUER… 22“. Dieser Stempelaufdruck hat einen Durchmesser von 30 mm. In der unteren linken Ecke befindet sich das Siegel der Landesbank als Trockenstempel mit einem Durchmesser von 35 mm. Am unteren Scheinrand die grüne Kennnummer mit vorgesetztem „No“. Auf der Rückseite der Anleihe werden die Bedingungen der Einlösung ausführlich erläutert. Abb. 1.1/2: Westfälische Goldanleihe, 15. Oktober 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Vorder- und Rückseite. Abb. 1.3: Gedrucktes Siegel der Landesbank. Ausschnitt aus dem Notgeldschein zu einer Billion Mark vom 7. November 1923. Eine zweite Art der Westfälischen Goldanleihe Reihe I wurde mit den unverzinslichen „Westfälischen Goldmarkscheinen“ zu einem Dollar geschaffen. Ihre Laufzeit betrug nur bis zur zweiten Hälfte des Februars 1924. Sie sollten dann entweder in gesetzliche Währung zum Durchschnittskurs der Berliner Börse für Auszahlungen New York eingelöst oder gegen Lieferung von 6 % Westfälische Goldanleihe Reihe II umgetauscht werden. Zur Emission der Goldmarkscheine war die Landesbank von führenden Wirtschaftskreisen der Provinz gedrängt worden, weil die Bauern nur noch bereit waren, ihre Erzeugnisse gegen wertbeständiges Geld abzugeben. Da die Landesbank nicht in der Lage war, die Bedingungen des Finanzministeriums zu erfüllen, ging man einen anderen Weg und gab die Goldmarkscheine als Anleihen aus. Von vornherein dachte man daran, diese kleinen handlichen Papierscheine als Geld umlaufen zu lassen. „Entsprechend den Roggenscheinen der Provinz Hannover wurden die Goldmarkscheine nicht ‚ausgegeben‘, sondern solchen Gemeinden und Sparkassen, die darum nachsuchten, zur Ausgabe leihweise überlassen. Die Gemeinden und Sparkassen mußten sich der Landesbank gegenüber verpflichten, die von ihnen geliehenen Scheine oder deren Gegenwert zum Einlösungstermin zurückzuliefern.“[4] Aus dieser Regelung sollten sich schon bald einige Probleme ergeben. Durch die Herstellung in verschiedenen Druckereien sind bei den Goldmarkscheinen diverse Unterschiede festzustellen. Sie wurden auf Papier mit und ohne Wasserzeichen gedruckt. Die Kontrollnummern kommen mit und ohne vorgesetzten Buchstaben und „No.“ vor, sowie mit und ohne nachfolgendem, sechsstrahligem Stern (Plunger), zudem variiert ihre Größe. Grundsätzlich sind zwei Emissionen zu unterscheiden: Ausgabedaten 10. November 1923 sowie 19. November 1923. Der Entwurf zu den Scheinen stammt wohl von Heinrich Benkler. Sein Signum „HB“ findet sich auf der Vorderseite der Scheine rechts unten am Rand. Abb. 2.1/2: Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 10. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), ohne Angabe der Druckfirma, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 19. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Druckfirma: OFFSETDRUCK THOMAS, KONTO STADTSPARKASSE, Vorder- und Rückseite. Abb. 4.1/2: Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 19. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Druckfirma: OFFSETDRUCK E. GUNDLACH A.-G. * KONTO STADTSPARKASSE * BIELEFELD, mit Entwertungslochung, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Leinenschein, Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 19. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Druckfirma: OFFSETDRUCK E. GUNDLACH A.-G. * KONTO STADTSPARKASSE * BIELEFELD, Vorder- und Rückseite. Auf einigen Scheinen wird auf der Vorderseite am unteren Rand die Druckerei genannt: „G. A. HÜLSWITT, MÜNSTER i. W., SCHILLERSTR“, „OFFSETDRUCK THOMAS, KONTO STADTSPARKASSE, BIELEFELD“ bzw. „OFFSETDRUCK E. GUNDLACH A.-G. * KONTO STADTSPARKASSE * BIELEFELD“. Die Scheine mit dem Ausgabedatum 19. November 1923 warten mit einigen Botschaften auf. Im Unterdruck der Vorderseite steht am oberen Rand links kaum lesbar „SIRACH31“ und rechts „VERS 23“. Bei dieser Angabe handelt es sich um den folgenden Bibelvers: „Und wenn der Magen mäßig gehalten wird, so schläft man sanft; so kann einer des Morgens früh aufstehen, und ist fein bei sich selbst.“ Rund um die Wertbezeichnung ein Schriftband in Microschrift: „Jeder schau der Nachbarin / In die Augensterne, / Daß er den geheimen Sinn / Dieses Lebens lerne.“ Der Text ist Teil des Gedichtes „Schlußchor“. Wilhelm Busch veröffentlichte es 1874 in dem Sammelband „Dideldum!“ im Heidelberger Bassermann Verlag. Auf der Rückseite der zweiten Ausgabe findet sich ebenfalls ein Hinweis auf ein Bibelzitat. In den nach oben gerichteten Verlängerungen der Buchstaben „D“, „E“ und „h“ klein „JESAIA 5“, „VERS“ und „11“: „Wehe denen, die des Morgens früh auf sind, des Saufens sich zu fleißigen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt.“ Abb. 6.1: Angabe der Druckfirma (Offsetdruck Thomas …) auf der Vorderseite am unteren Rand. Abb. 6.2: Angabe der Druckfirma (Offsetdruck E. Gundlach …) auf der Vorderseite am unteren Rand. Abb. 6.3: Angabe zu den Bibelzitaten auf der Vorderseite am oberen Rand. Abb. 6.4: Hinweis auf das Bibelzitat auf der Rückseite. Der Text auf der Rückseite nennt die Einlösungsbedingungen: „Die Einlieferung hat, falls nicht Fristverlängerung oder Fristverkürzung eintritt vom 16. bis 28. Febr. 1924 [bei Scheinen mit dem Ausgabedatum 19. November 1923: 16. bis 31. März 1924] zu erfolgen. Die Einlösung geschieht nach Wahl der Landesbank zum Durchschnittsbriefkurse der Berliner Börse für Auszahlung New York an den drei dem Beginn der Einlösungsfrist vorangehenden Börsentagen in gesetzlicher Währung oder gegen Lieferung von 6%iger Westfälischer Goldanleihe Reihe II. Mit Ablauf der Einlösungsfrist verliert dieser Schein seine Gültigkeit.“ Obwohl die 112 mm x 61 mm großen Goldmarkscheine mit „Westfälischer Goldanleihe“ überschrieben sind, nutzten sie die Gemeinden und Sparkassen als wertbeständiges Notgeld bei ihren Zahlungen. Auch vom Publikum wurden sie als solches wahrgenommen. Am 4. Dezember 1923 unterrichtete Generaldirektor Reusch in einem Schreiben die westfälischen Kommunen und Sparkassen darüber, dass man die Gewährung von Kommunalkrediten eingestellt habe, da sich die Geldverhältnisse vollständig verändert hätten. „Während noch bis vor kurzem die Landesbank durch ihren Depositenverkehr, durch den Absatz ihrer wertbeständigen Anlagen und in erheblichen Umfange durch die Ausgabe von Notgeld über genügende Mittel verfügte, ist sie jetzt zum ersten Male seit Beendigung des Krieges in die Zwangslage versetzt, keine weiteren Kredite irgendwelcher Art mehr gewähren zu können. Seitdem die Papiermark nicht mehr fällt, sind unsere wertbeständigen Anleihen unverkäuflich geworden. Die geringen uns aus anderen Quellen zur Verfügung stehenden Mittel haben wir nötig, um dringende Verpflichtungen der Landesbank zu erfüllen. Wie lange dieser Zustand dauert, lässt sich nicht überblicken. Für den Rest des laufenden Jahres rechnen wir aber bestimmt mit keiner Besserung.“ Sehr schwierig wurde die Lage auch dadurch, dass das das Publikum nicht mehr bereit war, die westfälischen Goldmarkscheine bei Zahlungen anzunehmen. „Im Gegenteil, man bietet der Landesbank solche Scheine zum Rückkauf an. Die Landesbank ist dazu aber nicht in der Lage, da die Gemeinden pp. welche seinerzeit die Goldmarkscheine leihweise abgenommen haben, den Gegenwert erst Mitte Februar zur Verfügung stellen. Die Ausgabe von Goldmarkscheinen muss deshalb eingestellt werden.“[6] Auch im Schreiben vom 14. Januar 1924 betonte Reusch nochmals, „dass die Landesbank die Goldmarkscheine nicht selbst ausgegeben hat. Die Landesbank hat vielmehr im Auftrage des westfälischen Provinzialausschusses diese Scheine lediglich herstellen lassen und alsdann an die westfälischen Kommunen ausgeliehen, damit diese in die Lage kämen, die Lebensmittelversorgung vorzunehmen. … Es muss unbedingt erreicht werden, dass die Goldmarkscheine bis zum Einlösungstermin im Umlauf bleiben.“[7] Im selben Schreiben informierte der Generaldirektor darüber, dass man damit rechnete, dass die Goldmarkscheine in Kürze von allen Reichs- und Staatskassen, insbesondere auch von den Kassen der Eisenbahn und der Post in Zahlung genommen würden. Von der Möglichkeit, die Goldanleihestücke Reihe I gegen Goldanleihe Reihe II umzutauschen, wurde kaum Gebrauch gemacht. Daher entschloss sich die Landesbank im Januar 1924 sowohl die Goldmarkscheine als auch die Goldanleihe Reihe I, die ebenfalls als Geld genutzt wurden, aus dem Verkehr zu ziehen und zum Kurs von 4,20 Goldmark einzulösen. Zur Ausgabe waren insgesamt 1.101.283 Goldmarkscheine zu einem Dollar und 139.000 Goldanleihestücke Reihe I gelangt. Bis zum 31. März 1924 waren die Goldmarkscheine bis auf 38.571 Dollar in die Landesbank zurückgeflossen. Zur Zeichnung auf die 6%ige Westfälische Roggenanleihe wurden 61.853 Dollar Westfälische Goldmarkscheine und 26.286 Dollar Westfälische Goldanleihe Reihe I eingeliefert.[8] Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Jahresbericht der Landesbank der Provinz Westfalen zu Münster i. Westf. 1922/23 und 1923/24, S. 13. [2] Landesbank für Westfalen-Girozentrale Münster (Hrsg.), 125 Jahre Landesbank für Westfalen Girozentrale 1832 – 1957, Münster 1957, S. 37. [3] Bei Bedarf hätten man auch unverzinsliche Anleihen zu 2 bis 5 Dollar ausgegeben dürfen. [4] Jahresbericht der Landesbank der Provinz Westfalen zu Münster i. Westf. 1922/23 u. 1923/24, S. 13 f. [5]Varianten, insbesondere bei den Kennziffern, siehe: Hans-Ludwig Grabowski, Deutsches Notgeld, Band 10: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871 – 1948, Die Banknoten und Notgeldscheine der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke, 2. Auflage, Regenstauf 2006, S. 507 ff., Kat.-Nr. WFA 40 – WFA 44. [6] Staatsarchiv Münster, Kreis Siegen, Kreisausschuss Nr. 787, Bl. 220. [7] Ebenda, Bl. 253. [8] S. Landesbank für Westfalen-Girozentrale Münster (Hrsg.), S. 37.
- Kantinengeld der niederländischen Streitkräfte in Deutschland
Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs traten die politischen Gegensätze zwischen den ehemaligen Mächten der Anti-Hitler-Koalition zutage. Auf der einen Seite die UdSSR und auf der anderen Großbritannien, Frankreich und die USA. Der Februarumsturz in der Tschechoslowakei und die Berlin-Blockade bewirkten, dass sich die westeuropäischen Staaten zunehmend von der Sowjetunion und dem kommunistischen Ostblock bedroht fühlten und enger zusammenrückten. Am 4. April 1949 gründeten Belgien, Dänemark (mit Grönland), Frankreich (mit den französischen Gebieten in Algerien), Großbritannien (mit Malta), Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA die NATO (North Atlantic Treaty Organization).[1] Das Verteidigungsbündnis trat am 24. August 1949 in Kraft. In ihm verpflichtete sich die niederländische Regierung, ihre Truppen an gemeinsamen Manövern der Bündnispartner im Ausland teilnehmen zu lassen. Da die damaligen Devisenbestimmungen die Ausfuhr der niederländischen Währung verboten, musste für die teilnehmenden Soldaten eine andere Lösung gefunden werden. Oberstleutnant J. B. Ludwig hatte die zündende Idee, besondere Münzen herstellen zu lassen, die ausschließlich für Kantinenzwecke außerhalb der Niederlande verwendet werden sollten. Bei der Wahl des Materials erinnerte er sich an eine Plastik-Medaille des Utrechter Studentenkorps. Dieses Material sollte nun auch bei den sechs Nominalen des Ministeriums van Oorlog (Kriegsministerium) verwendet werden. Die Produktion fand in zwei Fabriken statt. Den Auftrag für die Ein-Gulden-Münze erhielt der günstigste Anbieter, die N. V. Luxor Plastics in Amsterdam. Da das Unternehmen nur Münzen in einer Größe fertigen konnte, wurden die anderen Werte in der Hollandse Knopenfabriek in Spakenburg (Holländische Knopffabrik) produziert. Im September 1951 nahmen 4.400 niederländische Soldaten zum ersten Mal an einer Übung in Deutschland teil. Das Kriegsministerium zahlte jedem Soldaten fünf Gulden in Plastikgeld aus. Bei der Übung stellte sich heraus, dass die zuerst gelieferten Ein-Gulden-Münzen zu dünn waren und sehr schnell zerbrachen. Daher forderte die Militärverwaltung die etwa 300 ausgegebenen Münzen zurück, sodass von ihnen nur wenige Exemplare erhalten blieben. Abb. 1 Vorder- und Rückseite der sechs Münzen (Quelle:) Ausgegeben wurden undatierte Münzen zu 1, 5, 10, 25, 100 und 500 Cent in unterschiedlichen Farben. Sie wurden im Spritzverfahren hergestellt. Die Münzen zu 1 bis 25 Cent sowie 500 Cent sind einheitlich gestaltet. Auf der Vorderseite der Wert ohne Währungsbezeichnung und auf der Rückseite im Perlkreis dreizeilig waagerecht „MIN. / VAN / OORLOG“ jeweils in einem Perlkreis. Die Gestaltung der 100-Cent-Münze ist ähnlich, statt eines Perlkreises wurde hier ein breiter Randstab gewählt. Der Text auf der Rückseite ist hier waagerecht zweizeilig „MIN: / VAN OORLOG“. Obwohl einige dieser Münzen dicker, sogar doppelt so dick, sind wie normale, handelt es sich hier um keine Varianten. Die Abweichungen sind wohl produktionsbedingt. Nach ihrer ersten Verwendung 1951 kamen sie auch 1952, 1953 und 1954 zum Einsatz. Wegen der großen Zahl von Soldaten, die diese Münzen mitnahmen, war eine zweite Auflage notwendig. Dabei wurden die Münzen zu ein und fünf Gulden durch undatierte Geldscheine gleichen Wertes ersetzt und um einen zu 25 Gulden ergänzt. Diese Wertzeichen wurden von Joh. Enschede und Zonen in Haarlem gedruckt. Alle Nominale sind 113 mm x 60 mm groß und einheitlich gestaltet. Sie weichen nur in der Farbe voneinander ab. Am oberen Rand der Vorderseite wird der Emittent genannt: „MINISTERIE VAN OORLOG“. Im mittleren Teil die Wertangabe und fünfzeilig: „Uitslutend geldig / bij oefeningen buiten Nederland / voor betaling van aankopen bij de / Nederlands Militaire / Cantinedienst“. Übersetzung: Ausschließlich gültig / für Übungen außerhalb der Niederlande / für die Bezahlung von Einkäufen aus dem / niederländischen Militär- / Kantinendienst. Sie waren also nur in den niederländischen Militärkantinen im Ausland gültig. Damit erinnern sie an das Behelfsgeld der deutschen Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Rückseite nennt nochmals den Emittenten, den Wert und weist am unteren Rand ein zweites Mal auf die Verwendung hin: „Militair Cantine Geld“. Abb. 2.1: 1 Gulden, Ministerie van Oorlog, o.D., Vorderseite. Abb. 2.2: 1 Gulden, Ministerie van Oorlog, o.D., Rückseite. Die Scheine zu 1 und 5 Gulden wurden in zwei Auflagen gedruckt. Dies ist jedoch nur an der schwarzen sechsstelligen Kontrollnummer abzulesen: 1 Gulden > B070000 und 5 Gulden > A070000. Von allen Werten gibt es Scheine mit dem roten Aufdruck „SPECIMEN“, der Kontrollnummer „000000“ und dem vorgesetzten Serienbuchstaben. Spätestens Ende 1958 wurden die Münzen und Geldscheine des niederländischen Kriegsministeriums entbehrlich, da fast alle OECD-Staaten, darunter auch die Niederlande und die Bundesrepublik, ihre Devisenbewirtschaftung aufhoben und die Währungen wieder frei konvertierbar waren. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Seit 1955 ist die Bundesrepublik Deutschland Mitglied der NATO.
- Mystische Botschaften
Einige Anmerkungen zu den „geheimen Symbolen“ des US-Ein-Dollar-Scheins Im März 2003 erschien Dan Browns Thriller „Illuminati“ auf Deutsch. In einem Schweizer Labor wird ein Forscher ermordet aufgefunden. Auf seiner Brust finden sich merkwürdige Symbole eingeritzt, die nur der Symbolloge Robert Langdon, Professor an der Harvard-Universität, deuten kann. Nur er kann den finsteren Plan der legendären Geheimgesellschaft Illuminati verhindern. Dan Brown löste mit seinem Buch eine Welle von Verschwörungstheorien aus. Selbst die Notaphilie rückte dabei in den Fokus der Betrachtungen. David Ovason veröffentlichte 2004 sein Buch „The Scret Symbols of the Dollar Bill – A Closer Look At The Hidden Magic And Meaning Of The Money You Use Every Day“, das ein Jahr später in Deutsch unter dem Titel „Der Dollar“ erschien.[1] David Ovason, Der Dollar, Die Enthüllung seiner geheimen Symbole und deren verborgener Magie, Rottenburg 2005. Der Autor verspricht dem Leser, die „geheimen Symbole [des Dollars] und deren verborgene Magie“ zu enthüllen. Auch heute findet man zum Ein-Dollar-Schein im Internet auf den einschlägigen Seiten der Suchmaschinen erstaunliche „mystische Botschaften“. Abb. 1.1: Federal Reserve Bank, 2003, 1 Dollar, Vorderseite. Abb. 1.2: Federal Reserve Bank, 2003, 1 Dollar, Rückseite. Die beim Bureau of Engraving und Printing von Edward M. Weeks entworfene Ein-Dollar-Note existiert fast unverändert seit 1935. US-Präsident Franklin D. Roosevelt (*30.1.1882, †12.4.1945) soll persönlich auf die Gestaltung der Note Einfluss genommen und darauf bestanden haben, dass die beiden Seiten des Großen Siegels der USA auf dem Schein abgebildet werden. Hat ein Siegel denn zwei „Bild“-Seiten? Das eigentliche Siegel wie wir es heute kennen, wird seit 1904 benutzt. Es geht aber auf das Jahr 1782 zurück und zeigt einen Adler. Die andere Seite, der Stempelgriff, bildet eine Pyramide mit dem Auge ab, eine Darstellung, die bis dahin nie zuvor im Geschäftsbetrieb verwendet worden war. Gerade diese Abbildung rief Esoteriker[2] und Verschwörungstheoretiker auf den Plan, da es sich bei Pyramide und Auge um Zeichen der Freimaurer[3]und/oder des Illuminaten-Ordens[4] handelt. Sie belegen, dass seit der amerikanischen Revolution wesentliche Teile der Weltgeschichte durch Geheimorden und Geheimlogen gesteuert werden, so die Meinung dieser Leute. Dabei weisen sie darauf hin, dass Roosevelt ein aktives Mitglied der „Holland Lodge Nr. 8“ in New York gewesen sei und der Freimaurer Robert Scot, Philadelphia, das Große Siegel angefertigt habe. Das Große Siegel enthält gleich eine Anzahl von Symbolen, die sich aus der magischen Tradition ableiten lassen und zudem verschiedene Deutungen zulassen. Der Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA, ist ein altes Symbol für spirituelle Macht. Bei den Römern war er der Vogel Jupiters, des höchsten aller römischen Götter. Die ersten Skizzen des Staatssiegels sahen aber an seiner Stelle ein Fabelwesen vor, den Phönix (griechisch Φοίνιξ Phoínix, von altägyptisch Benu: ‚Der Wiedergeborene/Der neugeborene Sohn‘; lateinisch Phoenix). Er ist ein mythischer Vogel, der am Ende seines Lebenszyklus verbrennt oder stirbt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen. In der Spätantike galt er als Symbol der Unsterblichkeit. Sollte er etwa ein Hinweis auf die wiedergeborene Macht der Freimaurer werden? Abb. 2.1: Das Große Siegel. Die 13 fünfzackigen Sterne über dem Haupt des Adlers stehen natürlich erst einmal für die Anzahl der Kolonien, die sich gegen die Briten erhoben. Mit der Spitze nach oben aufrecht stehend bilden sie durch ihre Anordnung zwei ineinandergreifende gleichschenklige Dreiecke, sodass ein vierzehnter, sechszackiger Stern entsteht. „Dies ist das Siegel Salomons, auch als Davidstern bekannt – ein Symbol, das in magischen Werken oft benutzt wird. … Der Stern hat eine .. tiefere symbolische Bedeutung, als man vielleicht zunächst annimmt. Der Stern ist sechszackig. Das Wort Dollar hat sechs Buchstaben. Das Wort One erscheint auf dieser Seite des Dollarscheins sechsmal. Das Siegel Salomons hat sieben Innenflächen. Dies ist dieselbe Anzahl wie die der Wörter THE GREAT SEAL OF THE UNITED STATES unter den beiden Roundels. Es ist auch dieselbe Anzahl wie die der Buchstaben im Wort AMERICA. Ebenso ist es dieselbe Anzahl von Wörtern wie die in den beiden Roundels, wenn man das lateinische Datum als ein Wort mit dazu zählt. Und nicht zuletzt ist es dieselbe Anzahl wie die der Wörter oben und unten auf der Rückseite des Scheins: THE UNITED STATES OF AMERIKA und ONE DOLLAR.“[6] Abb. 2.2: Die 13 fünfzackigen Sterne ergeben zusammen ein Hexagramm. Für die Nationalsozialisten war das Hexagramm ein Indiz dafür, dass die US-amerikanische Regierung Teil einer internationalen jüdischen Weltverschwörung ist. Dabei übersah man jedoch, dass das Hexagramm nicht den Davidstern offenbart, denn der hat keinen Mittelpunkt wie der Stern auf dem Geldschein. „Der sechszackige Stern stellt das alchimistische ‚Sigillum‘ dar, ein mystisch okkultes Zeichen höchster Rangordnung. Das alchimistische Sigillum symbolisiert die Vereinigung des Zeichens für Feuer (aufsteigendes Dreieck) mit dem Zeichen des Wassers (absteigendes Dreieck) zum Mittel. Dieses Mittel oder besser ausgedrückt, der Mittelpunkt (13. Einzelstern) symbolisiert das ‚magische Gleichgewicht‘, also den Zustand, wenn sich die Kraft des Feuers und die Kraft des Wassers genau aufheben.“[7] Die fünfzackigen Sterne, die das Hexagramm bilden, werden Pentagramm genannt. Dieses Zeichen gehört zu den mächtigsten und gleichzeitig zu den beliebtesten magischen Symbolen. Es steht für die Magie als solche und für ihre energetische Verbindung zu allen Seiten. Zudem ist der „Hexenstern“ eines der wichtigsten Schutzsymbole. Von den frühchristlichen Numerologen[8] wurde die Macht anerkannt, da der Name „Jesus“ ebenfalls fünf Buchstaben hat. In der Renaissance waren Amulette, die Jesus vor einem Pentagramm stehend zeigen besonders beliebt, versprachen sie doch seinem Träger Gesundheit. Es symbolisierte aber auch mit seinen Spitzen die Harmonie der vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft mit dem Geist, auch Äther genannt, der es krönt. Mit der Spitze nach oben gezeichnet, symbolisierte es die menschlichen und spirituellen Bestrebungen. Geist, Seele und Wille beherrschen den Körper. Auch in der schwarzen Magie oder auch Satanismus findet sich das Pentagramm. Hier herrscht der Körper über den Geist, der der Untertan unserer animalischen Bedürfnisse ist. Jedoch zeigt in diesem Fall die Spitze nach unten. Der Adler hält ein Band mit der Aufschrift „E PLURIBUS“ und „UNUM“ im Schnabel. Sie kann mit „aus Vielem wird Eins“ übersetzt werden und beschreibt das US-amerikanische Herrschaftssystem, in der die Macht beim Präsidenten gebündelt wird. Abb. 2.3: Schriftband. Die 13 Olivenblätter und 13 Oliven in der rechten Kralle des Adlers stehen für die Friedfertigkeit der USA, wogegen die 13 Pfeile in der rechten Kralle auf die Bereitschaft verweisen, für seine Überzeugungen einzutreten. Oder steckt hinter dem Pfeilbündel das persönliche Symbol des Illuminati-Gründers Adam Weishaupt? Abb. 2.4: 13 Olivenblätter und Oliven sowie 13 Pfeile. Die Rückseite des Siegels geht auf einen Entwurf von William Barton zurück. Die unvollständige Pyramide, über der sich das „allsehende Auge“ befindet, hat 13 Stufen. Die Stufen stehen für die 13 Gründerkolonien. Die unfertige Pyramide symbolisiert, dass der Staatenbund erst im Aufbau begriffen ist und weiter wachsen soll. Die dunkle Seite der Pyramide zeigt nach Westen, zu den bisher unerforschten Teilen des Kontinents. In der untersten Steinreihe ist die römische Zahl „MDCCLXXVI“ eingemeißelt, also 1776, das Gründungsjahr des Illuminaten-Ordens. Oder steht sie doch nur für das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien von Großbritannien? Abb. 3.1: Die Rückseite des Großen Siegels. Abb. 3.2: Jahreszahl. Das „allsehende Auge“ (auch Auge der Vorsehung oder Auge Gottes genannt) wird als ein von einem Strahlenkranz umgebenes Auge dargestellt. Meist wird es von einem Dreieck umschlossen. Früheste Darstellungen finden sich bereits in der altägyptischen Mythologie. Das Dreieck steht in der christlichen Theologie für die unlösbare Einheit von Gott Vater, Jesus Christus (Gottes Sohn) und dem Heiligem Geist: die Dreieinigkeit, Trinität. Das Auge der Vorsehung ist seit dem 17. Jahrhundert auch Teil der Freimaurer-Symbolik. Heutige Verschwörungstheoretiker bringen es mit der Geheimgesellschaft der Illuminati in Verbindung. Abb. 3.3: Das „allsehende Auge“. Die lateinischen Worte „ANNUIT OCEPTIS“ über der Pyramide setzen sich aus 13 Buchstaben zusammen und bedeuten so viel wie „Er (Gott) war unserem Anfang gnädig“. Unter der Pyramide dann die lateinischen Worte „NOVUS ORDO SECLORUM“. Hierbei handelt es sich um ein Zitat des römischen Philosophen Vergil. Er beschreibt die utopische Hoffnung auf eine goldene Ära. Mancher deutet ihn als einen Hinweis auf das kommende Reich der Freimaurer und das doppelzüngige Ende des Schriftbandes als Warnung vor den Kräften, die die neue Weltordnung durch Lügen verhindern wollen? Abb. 3.4: Die neue Weltordnung. Abb. 3.5: Doppelzüngig. Legt man das Hexagramm auf die Pyramide, so weisen die Ecken auf fünf Buchstaben: „A, N, O, M, S“. Durch Umstellung der Buchstaben erhält man das Wort „MASON“ – Freimaurer. Es ist also ein Anagramm. Anagramme sind geheimnisumwittert, da sich mit ihnen Text verschlüsseln lassen. „Ein sehr populäres Beispiel für die Verschlüsselung durch Anagrammisierung stammt vom italienischen Philosophen, Mathematiker, Physiker und Astronomen Galileo Galilei. Als Galilei Erkenntnisse über den Planeten Saturn und dessen Ringe erlangte, tat er dies kurzerhand mit dem nachfolgenden Anagramm kund: SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS. Seine Zeitgenossen konnten den Sinn, der dahinter steckt, allerdings nicht entschlüsseln, bis Galileo Galilei den lateinischen Klartext nannte: Altissimvm planetam tergeminvm observavi (dt: „Ich beobachtete den höchsten Planeten in dreigestaltiger Form“).“[9] Abb. 3.6: Aus den angezeigten Buchstaben ergibt sich ein Anagramm: MASON. Charles Thomson, der vom US-Kongress den Auftrag erhalten hatte, den Entwurf des Siegels vorzulegen, erläuterte dagegen die Darstellung wenig spektakulär: „Die Pyramide verkörpert Stärke und Ausdauer. Das Auge und das Motto darüber weisen auf die vielfachen zeichenhaften Eingriffe der Vorsehung zugunsten der amerikanischen Sache ihn.“[10] Ein drittes Siegel ist auf der Vorderseite der Note zu erkennen: Das grüne des Department of the Treasury (Schatzamt). Es zeigt neben Waage und Schlüssel einen Zimmermanns-Winkel, also wiederum ein Freimaurer-Symbol. Auf ihm sind, wen wundert es, 13 Sterne. Für manchen Betrachter deuten viele der abstrakten Symbole auf die Verwendung von Zahlenmagie hin.[11] Die Zahl „13“ kommt elfmal auf der Note vor: Abb. 4: Das Winkelmaß im Siegel des Department of the Treasury. Die Primzahl gilt in vielen Kulturen als Unglückszahl oder Glückszahl. „Der Dreizehnte“ ist ein Synonym für den Teufel. Eine Anzahl von 13 Teilen wird auch als Teufelsdutzend bezeichnet. Wir sprechen von Freitag, den 13., und hoffen, dass nichts Schlimmes an diesem Tag passiert. Im Tarot ist die 13 dem Tod (französisch La Mort) zugeordnet. Die irrationale, abergläubische Furcht vor der Zahl 13 geht manchmal so weit, dass in Gebäuden das 13. Stockwerk „fehlt“ oder in Hotels auf die Zimmernummer 13 verzichtet wird. Die Dreizehn begegnet uns auch in religiösen Texten. Z.B. werden im 2. Buch Mose die 13 Eigenschaften Gottes angeführt. Bei den Maya gab es in ihrer klassischen Periode dreizehn Himmel, in mehreren Kalendersystemen des präkolumbianischen Mesoamerika existierten dreizehntägige Zeiteinheiten. Der eigentliche Blickfang der Vorderseite ist jedoch das Porträt Georg Washingtons. Es ist in einem Oval eingeschlossen, das durch eine waagerechte Verlängerung links und rechts die Form des griechischen Buchstabens Omega bekommt. Der Buchstabe Ω ist der letzte im griechischen Alphabet und wurde von den frühen Christen als Symbol für das Ende aller Dinge verstanden. Ovason sieht hierin ein Symbol „für die zukünftigen Verhältnisse, die die amerikanische Nation anstrebt. Es ist so, als ob sein vom Buchstaben Omega umgebenes Porträt den Eindruck erwecken soll, dass Washingtons Geist immer noch das Schicksal der amerikanischen Nation leitet.“[12] Abb. 5: Georg Washington im „Omega“. Aber befindet sich Washingtons Porträt überhaupt auf der Note? Verschwörungstheoretiker meinen in ihm den Illuminati-Gründer Adam Weishaupt zu erkennen. Und in der Tat – die Ähnlichkeit des jungen Washington mit dem Antlitz des jungen Weishaupts ist verblüffend. Ferner meinen sie, dass ihre Ansichten durch ein kleines Detail bestätigt wird. Am Rand der rechten oberen Einfassung der „1“, ist eine winzige Eule zu sehen. Beim Illuminaten-Orden war die Eule das Symbol der Weisheit. Dabei bezog man sich auf die griechische Mythologie. Die Eule – genau genommen der Steinkauz – war der griechischen Göttin Athene, der Göttin der Weisheit und der Stadtgöttin Athens, heilig. Abb. 6: Die Eule. Sie sollten meine Ausführungen nicht allzu ernst nehmen, auch habe ich keineswegs die „geheimen Botschaften“ der Ein-Dollar-Note erschöpfend behandelt. Vielmehr war es meine Absicht zu zeigen, wie mit etwas Fantasie und Kreativität eine „schöne, geheimnisvolle“ Geschichte entsteht, die hoffentlich unterhaltsam und lehrreich war. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] David Ovason, Der Dollar, Die Enthüllung seiner geheimen Symbole und deren verborgener Magie, Rottenburg 2005. [2] „Esoterik (von altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, dem inneren Bereich zugehörig‘) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zu Exoterik als allgemein zugänglichem Wissen. Andere traditionelle Wortbedeutungen beziehen sich auf einen inneren, spirituellen Erkenntnisweg, etwa synonym mit Mystik, oder auf ein „höheres“, „absolutes“ Wissen.“ < https://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik> (16.06.2020) [3] „Die Freimaurerei, auch Königliche Kunst genannt, versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Die Freimaurer organisieren sich in sogenannten Logen. … Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen. Die Konstitution (Alte Pflichten) der ersten Großloge wurde am 28. Februar 1723 im britischen Postboy öffentlich beworben und bildet die Grundlage der heutigen Freimaurerei. Gemeinsam mit den Salons, den Lesegesellschaften und anderen Zusammenschlüssen der frühen Aufklärung bildeten die Logen in ganz Europa eine neue Form von Öffentlichkeit und trugen zur Verbreitung aufklärerischer Ideen bei.Freimaurer haben sich der Verschwiegenheit und insbesondere dem Grundsatz verpflichtet, freimaurerische Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach außen zu tragen (Arkanprinzip, Verschwiegenheitspflicht).“ (16.06.2020) [4] „Die Freimaurerei, auch Königliche Kunst genannt, versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Die Freimaurer organisieren sich in sogenannten Logen. … Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen. Die Konstitution (Alte Pflichten) der ersten Großloge wurde am 28. Februar 1723 im britischen Postboy öffentlich beworben und bildet die Grundlage der heutigen Freimaurerei. Gemeinsam mit den Salons, den Lesegesellschaften und anderen Zusammenschlüssen der frühen Aufklärung bildeten die Logen in ganz Europa eine neue Form von Öffentlichkeit und trugen zur Verbreitung aufklärerischer Ideen bei.Freimaurer haben sich der Verschwiegenheit und insbesondere dem Grundsatz verpflichtet, freimaurerische Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach außen zu tragen (Arkanprinzip, Verschwiegenheitspflicht).“ (16.06.2020) [5] „Der Illuminatenorden wurde am 1. Mai 1776 vom Ingolstädter Professor Adam Weishaupt gegründet und verfolgte das Ziel, die Menschheit mittels der Aufklärung aus der Herrschaft durch Thron und Altar zu befreien.Mit der Zerschlagung des Ordens in Bayern entstanden viele Spekulationen über den Orden: man sagte ihm nach, er existiere im Verborgenen weiter und habe den Samen für die Französische Revolution gelegt. Mit der Zeit wandelten sich die Theorien um den Orden, sodass der Begriff Illuminaten bald nicht mehr für einen Bund von radikalen Aufklärern stand, sondern für eine elitäre Gruppe die hinter den Kulissen die Fäden zieht und deren Ziel eine Neue Weltordnung ist.“https://verschwoerungstheorien.fandom.com/ de/wiki/ Illuminatenorden> (17.06.2020) [6] David Ovason, S. 40. [7]Die wahre Bedeutung der US Ein-Dollar-Note und ihre Symbolik. (10.3.2020) [8] Die Numerologie ist eine der ältesten „Geheimwissenschaften“, die sich mit der Zahlendeutung beschäftigt. [9] Anagramm. (21.06.2020) [10] Michael Blume, Was bedeuten Pyramide und Schrift auf der US-Dollarnote? (15.02.2020) [11] S. Die wahre Bedeutung der US Ein-Dollar-Note und ihre Symbolik [12] David Ovason, S. 72. Quelle für die Abbildungen 2.2 – 2.4, 3.2 – 3.6, 4, 6: (10.06.2020)












