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- Rätselhafte Alliierte Militärmark-Noten zu 100 Mark
Verwirrung und Ratlosigkeit riefen Ende 1947 Alliierte Militärmark-Noten über 100 Mark hervor, bei denen vor der Kennziffer ein kleiner lateinischer Buchstaben gedruckt war.[1] Da bei ihnen das Geheimzeichen „F“ der US-Druckerei Forbes im Randornament fehlt, wurden sie den sowjetischen Drucken zugeordnet. Weil es diese Noten eigentlich nicht gab, ordnete die Landeszentralbank von Rheinland-Pfalz (Kaiserslautern) an, sie – wie auch alle Geldscheine sowjetischer Herkunft – zurückzuhalten. Ferner sollten alle seit dem 1. Oktober 1947 gefertigten Päckchen auf besagte 100–Mark-Noten kontrolliert werden.[2] Bereits am 10. November 1947 hatte sich die Landeszentralbank in Mainz mit der Bitte an die Hamburger Reichsbankleitstelle gewandt, eine dieser Militärmark-Noten zu 100 M mit der Kennnummer „c73 397 300“ zu begutachten.[3] Die Militärmark-Scheine zu 100 Mark, vor deren 8-stelliger Kontrollnummer kleine Buchstaben gedruckt waren, waren alleiniges Thema bei der Besprechung bei Mr. Waights am 4. Dezember 1947, an der Mr. Owner und die Herren Martin Meyer und Lenbach teilnahmen.[4] „Mr. Owner ließ die Möglichkeit offen, dass es sich bei diesen Noten um Fälschung aus der Fälscherwerkstatt Abraham handeln könnte.“[5] Um hier Klarheit zu erlangen, sollten die Noten einer entsprechenden Prüfung unterzogen werden. Waights gab die Anweisung, die Noten bis auf Weiteres an den Kassen der Reichsbankanstalten einzulösen und in der Angelegenheit zunächst nichts zu unternehmen. In seinem Gutachten kam der Technische Reichsbankinspektor Huth, Verantwortlicher der Falschgeldabteilung der Reichsbankleitstelle in Hamburg, zu einem eindeutigen, abschließenden Urteil.[6] Er begutachtete 136 Militärmark-Noten zu 100 Mark mit einem Buchstaben vor der Kennziffer sowie 54 Vergleichsstücke ohne Buchstaben vor der Kennziffer. In seiner Expertise heißt es u. a.: „Obwohl bei einzelnen Noten teilweise recht erhebliche Abweichungen in der Druckausführung festgestellt worden sind, … handelt es sich bei den Noten mit einem Buchstaben vor der Nummer doch um echte Druck[e.] … Die zur Begutachtung vorliegenden Militärmarknoten weisen alle mehr oder weniger die Mängel auf, mit denen der Offsetdruck nun einmal behaftet ist. Fast nie stehen die Druckmuster so scharf auf dem Papier wie beim Original, wohl aber sind alle nur möglichen Variationen des Druckausfalls vertreten.“ Und an anderer Stelle schreibt er: „Trotz sorgfältigster Untersuchung sind keine Unterschiede in der Linienführung bei den Zeichnungen im Vergleich der Noten mit Buchstaben vor den Nummern zu den Noten ohne Buchstaben vor den Nummern festgestellt worden.“ Und an anderer Stelle: „Abweichungen der Farbtöne, besonders bei dem Aufdruck der Wertbezeichnungen, kommen bei Militärmarknoten sehr häufig vor. Auch die hier zur Begutachtung vorliegenden Noten mit einem Buchstaben vor der Nummer leiden unter diesem Mangel. Vom leuchtendem Rotviolett bis zum matten Braunrot sind die Nuancen vertreten. Es ist dies eine Erscheinung die, wenn nicht genügend Sorgfalt angewandt wird, in der gesamten Drucktechnik zu beobachten ist. Auch bei den Militärmarknoten ohne Buchstaben vor der Nummer kommen, wie schon bemerkt, Farbton-Abweichungen vor, sodass Schlüsse daraus auf die Unechtheit der Noten nicht gezogen werden können.“ Zum Papier macht er folgende Aussagen: „Das zum Druck alliierter Militärmarknoten verwandte Papier ist etwa 110 g per qm schwer. Es handelt sich um ein gutes strapazierfähiges Papier mit eingearbeitetem Wasserzeichen, das aber meist nur teilweise an den druckfreien Papierrändern zu sehen ist, und das in dunklen Buchstaben die Worte ‚ALLIED MILITARY AUTHORITY‘ zeigt. Die Worte sind schwer zu entziffern, meist sieht man nur abwechselnd helle und dunkle senkrechte Striche. Durch die unklare Beschaffenheit des Wasserzeichens ist eine vergleichende Gegenüberstellung mit Militärmarknoten, die einen Buchstaben vor der Nummer tragen, nur von bedingtem Wert. Bei Prüfung muss man aber auch hier zu der Feststellung kommen, dass bei beiden Arten von Militärmarknoten, den Noten mit Buchstaben vor der Nummer und den Noten ohne, Papiere gleicher Qualität und mit gleichartigem Wasserzeichen verwandt wurden.“ Der Sachverständige hebt jedoch hervor, dass beim Druck der Noten, die einen waagerechten Strich vor der Nummer zeigen sowie bei Noten, deren Notennummern einen Buchstaben aufweisen, weniger Sorgfalt beim Druck verwandt worden ist als bei Noten, deren Notennummern mit „0“ oder „00“ beginnen.[7] 51 der 136 untersuchten Noten bezeichnet der Experte als Fehldrucke, die bei richtiger Kontrolle hätten ausgesondert werden müssen. „Das Auftauchen dieser Fehldrucke im Zahlungsverkehr, noch dazu so massiert, ist auch ein Argument dafür, dass es sich nicht um eine Fälschung handeln kann. Ein Fälscher hätte diese Noten nicht in den Verkehr gegeben, er weiß, dass sie ihm zum Verhängnis werden können.“ Abschließend bemerkt Huth: „Diese Feststellung kann auch nicht durch die Tatsache erschüttert werden, dass bei dem Nummernaufdruck auf mehreren Noten unterschiedliche Ziffern mitverwendet wurden. Ein Fälscher hätte das Gefahrmoment, das darin liegt, sicherlich nicht übersehen. Er hätte es auch gar nicht nötig gehabt, Ziffern mit abweichendem Druckbild zu verwenden, da ihm ja, wie das Vorliegen der Noten mit richtigen Ziffern beweist, einwandfreie Ziffern zur Verfügung standen. Es ist auch nicht anzunehmen, dass ein Fälscher bei seinen Nachahmungen Buchstaben vor die Notennummern setzt, wenn die echten Noten keine Buchstaben vor den Nummern aufweisen. Das entbehrt jeder Logik. Bei der Prüfung der Frage, warum denn überhaupt Buchstaben zur Verwendung gekommen sind, drängt sich die weitere Frage auf, ob es sich bei diesen Militärmarknoten nicht um Fehldrucke handelt, die auf unrechtmäßigem Wege in den Zahlungsverkehr gelangt sind. Eine Beantwortung dieser Frage ist aber von hier aus nicht möglich.“ Am 11. Januar 1948 informierte die Leitstelle die Briten darüber, dass man Scheine für rund 44.000 RM mit dem Buchstaben vor der Kennziffer aus dem Verkehr gezogen habe, die man am 10. März zusammen mit den beschädigten Militärmark-Noten der Militärregierung zur Erstattung vorlegen wolle. Die Anlage zum Gutachten nennt folgende Buchstaben- und Ziffernfolge bei den acht-ziffrigen Kennnummern: a71 …, b72 …, c73 …, m76 …, o78 …, p79 …, t80 … und x93 ... Die Lücken bei den Buchstaben lassen Ausgaben mit weiteren Buchstaben vermuten. Bis heute liegt der Grund für die Ergänzung der achtstelligen Kennnummer mit den lateinischen kleinen Buchstaben im Dunkeln. „Die wahren Umstände kennen nur die beteiligten Zeitzeugen, entsprechende Unterlagen lassen sich wohl nur im Archiv-Keller von Gonzak [in Moskau] finden.“[8] Uwe Bronnert Anmerkungen Zitate werden in der heute geltenden Rechtschreibung wiedergegeben. [1] Nach Akten des Historischen Archivs der Deutschen Bundesbank, B330/13172/1. [2] Rundverfügung Nr. 87/47 vom 27. November 1947. [3] Nach einer Zeitungsnotiz der Süddeutschen Zeitung sollen auch Militärmarknoten zu 20 und 50 Mark mit einem Buchstaben vor der Nummer im Zahlungsverkehr aufgetaucht sein. [4] Die genaue Funktion von Waights und Owner ist mir nicht bekannt. Beide dürften aber bei der britischen Banking Branch tätig gewesen sein. [5] Vermerk vom 5. Dezember 1947 zu der Besprechung vom Vortag. Leider konnte nicht ermittelt werden, wer mit Fälscherwerkstatt Abraham gemeint ist. [6] Gutachten vom 9. Dezember 1947 über auf Mark 100 lautende Militärmarknoten, die einen Buchstaben vor der Nummer tragen. [7] Anm. d. Verf.: Die neunstelligen Kennnummern der amerikanischen Drucke beginnen stets mit einer „0“, die russischen Drucke mit einer „1“. Die achtstelligen Kennnummern mit dem vorgesetzten „-“ sind in der Regel russischen Ursprungs, ansonsten handelt es sich um amerikanische Austauschnoten. Letztere weisen dann das Geheimzeichen auf. [8] Michael H. Schöne, Mysterium: 100 Mark 1944, Sowjetische Alliiertescheine mit rätselhaften Kontrollnummern, in: Münzen & Sammeln, Januar 2015, S. 157 ff.
- JIM: Ozeanien – Japanische Besatzungsausgaben im Zweiten Weltkrieg
Unter dem Begriff „Ozeanien“ fassen Geographen Australien, Neuseeland, Neuguinea und tausende Atolle und vulkanische Inseln Mikronesiens, Melanesiens und Polynesiens im Pazifik zusammen. Dieser ist jedoch nicht deckungsgleich mit dem Umlaufgebiet des japanischen Besatzungsgelds (Japanese Invasion Money – JIM) mit dem Präfix „O“, das für Ozeanien steht. Japans Hegemonie-Anspruch in China und Südostasien riefen die USA und Großbritannien auf den Plan, die ihre wirtschaftlichen und kolonialen Interessen bedroht sahen. Besonders nach dem Massaker des japanischen Militärs an der chinesischen Zivilbevölkerung in Nanking (1937/38) verschlechterte sich das politische Klima. Als dann das japanische Militär am 29. Juli 1941 mit Zustimmung der Vichy-Regierung in Französisch-Indochina Truppen stationierte, verhängten die USA und Großbritannien ein Export-Embargo gegen Japan. Die Wirtschaft des rohstoffarmen Japans war auf Lieferungen aus Südostasien, das den Kolonialmächten unterstand, angewiesen. Daher entschloss sich die Regierung des Tennos zum Krieg. Am 7. Dezember überfiel die japanische Luftwaffe die US-amerikanische Kriegsflotte in Pearl Harbor (Hawaii). Die USA, Großbritannien, die Niederlande, Kanada, Australien, Neuseeland und andere Staaten antworteten mit einer Kriegserklärung an den Aggressor. Den nun folgenden japanischen Angriffen, hatten die Kolonialmächte in Südostasien nur wenig entgegen zu setzen. Bis Juni 1942 hatte die kaiserlich japanische Armee Nordchina und viele chinesische Küstenstädte, einschließlich Hongkong erobert sowie die malaiische Halbinsel mit Singapur, Borneo, Birma (Burma), die Philippinen und Niederländisch Indien (das heutige Indonesien) besetzt. Ferner kontrollierte Japan Französisch-Indochina (Kambodscha, Laos und Vietnam) sowie Siam (Thailand). Bereits während des Ersten Weltkriegs landeten japanische Truppen auf einer Anzahl der deutschen Südsee-Inseln. Im Versailler Vertrag erhielt nun Japan die nördlich des Äquators (nördlichen Mariannen, Karolinen, Palau und die Marshall-Inseln) und Australien die südlich gelegenen Inseln vom Völkerbund übertragen. Um die lebenswichtigen Schifffahrtswege für den Rohstofftransport zu sichern, landeten am 23. Januar 1942 japanische Truppen in Rabaul an der Nordostspitze von Neubritannien (ehemals Neu-Pommern), am 25. Januar auf Neuguinea bei Lae, am 26. Januar auf den nördlichen Salomonen und am 29. Januar wurden die Russell-Inseln nordwestlich von Guadalcanal besetzt. Nur wenig später, am 19. Januar erfolgte der erste Luftangriff auf Darwin im australischen Northern Territory. Anfang April gingen japanische Landungstruppen in Lorengau auf den Admiralitätsinseln an Land. Das Hauptziel war jedoch das strategisch wichtige Neuguinea, die zweitgrößte Insel der Welt. Durch die für beide Seiten verlustreiche Seeschlacht vom 6. – 8. Mai 1942 im Korallenmeer wurde zunächst der japanische Vormarsch auf Port (Neuguinea) gestoppt. Da eine Versorgung über den Seeweg nicht mehr möglich war, landete Major General Tomatoro Horiis am 21. Juli östlich von Gona, um von hier aus dem Kokoda-Pfad bis nach Port Moresby zu folgen. Doch dieses Unternehmen verzögerte sich, da statt der erwarteten befahrbaren Straße über das Owen-Stanley-Gebirge nur ein schmaler Dschungel-Pfad existierte. Dennoch standen Mitte September die Japaner nur noch 48 km von Port Moresby entfernt, als Horiis den Vormarsch stoppte, um auf Verstärkung zu warten. Zwischenzeitlich hatte die japanische Flotte einen Rückschlag hinnehmen müssen. In der Seeschlacht um Midway (4. – 6. Juni 1942) ging die US-Flotte als Sieger hervor. Die Japaner verloren vier Flugzeugträger und einen Kreuzer, während die USA einen Träger und einen Zerstörer verloren. Die entscheidenden Kampfhandlungen wurden hierbei ausschließlich mit Flugzeugen ausgetragen, wobei den Flugzeugträgern eine Schlüsselrolle zukam. Mit der US-amerikanischen Landung auf der Salomonen-Insel Guadalcanal am 7. August 1942 begannen eine der verlustreichsten und verbissensten Schlachten des Pazifik-Kriegs, die erst Anfang 1943 zugunsten der USA entschieden wurde. Mit der Rückeroberung der Salomonen und dem Vorrücken in die mikronesische Inselwelt begann ein neues Kapitel der US-amerikanischen Kriegsführung. Bis zum November 1943 galt Mikronesien als militärisch unzugängliche Zone. Zu groß waren die Entfernungen und zu klein die Inseln, um darauf Nachschubbasen zu bauen. Nun eröffneten die US-Amerikaner auf den Gilbert-Inseln den Feldzug, der sie schließlich bis nach Japan führen sollte. Dabei wand man die Taktik des Inselspringens an, bei der nicht jede Insel eingenommen wurde, sondern man umging die stark befestigten japanischen Stützpunkte in der Schlacht um die Marshallinseln (31. Januar bis Ende April 1944) und um die Marianen-Inseln (15. Juni bis 10. August 1944). Dennoch dauerte es noch ein weiteres Jahr bis japanische Vertreter am 2. September 1945 die bedingungslose Kapitulation auf der USS Missouri in der Sagami-Bucht bei Tokio unterzeichneten. Australische Währung – Japanische Währung 240 Pence – 20 Shillings – 1 Pound = 10 Yen 120 Pence – 10 Shillings = 5 Yen 100 Sen – 1 Yen 12 Pence – 1 Shilling = 50 Sen 6 Pence – ½ Shilling = 25 Sen Da dem Norden Australiens, dem Neuguinea-Territorium sowie dem australischen Mandatsgebiet mit Kriegsbeginn die Besetzung durch die Japaner drohte, gab die australische Regierung den Befehl alle zivilen Institutionen zu evakuieren. Dies betraf auch die australischen Banken. Am 24. September 1942 findet sich in der australischen Zeitung „Examiner“ ein Bericht über japanisches Invasionsgeld, das auf australische Währung lautet und mit „The Japanese Government“ überschrieben ist. Das japanische Militär gab undatierte Geldscheine zu einem 1/2, einem und zehn Shillings sowie ein Pound auf Neuguinea, den Salomonen und anderen Pazifik-Inseln in Verkehr. Ihr Umlauf blieb jedoch nur auf die Hauptorte beschränkt, da die indigene Bevölkerung zu dieser Zeit kaum Papiergeld benutzte und die fremden Geldzeichen ablehnten. Die Japaner legten den Wert des Pound mit 10 Yen fest. Das Besatzungsgeld entspricht in Größe und Farbe den australischen Noten. Alle Scheine zeigen auf der rechten Vorderseite eine Strandlandschaft mit Kokos-Palmen sowie zwei rote Block-Buchstaben, jeweils mit dem Präfix „O“ beginnend. Die Noten ähneln in ihrer Gestaltung den japanischen Ausgaben für Malaya (Präfix „M“), Birma (Präfix „B“), Philippinen (Präfix „P“) und Niederländisch Indien (Präfix „S“ für Sumatra). Insgesamt wurden Scheine im Wert von etwa 10 Millionen Pfund im Lithographie-Druck auf Papier mit einem Wasserzeichen gedruckt. Dies zeigt ein dekoratives symmetrisches Symbol, bestehend aus vier Kreisen gleicher Größe und gleichen Durchmessers. Die „Bank of Japan“ beschreibt den Vierpass als „kumogata chirashi“, was verstreute Wolkenformen bedeutet. Das Wasserzeichen ist manchmal nur schwach ausgeprägt und daher nur schwer zu erkennen. Australische und US-amerikanische Soldaten suchten die „Noten für Ozeanien“ als Souvenir zu erwerben. Da jedoch das Angebot an echten Geldscheinen beschränkt war, stellte die „Economy Printers Pty Ltd“ in Brisbane 1943 entsprechende Kopien mit einem rückseitigen, roten Aufdruck „REPLICA“ her. Neben diesen „australischen“ Kopien finden sind auch Scheine ohne Vermerk im Handel. Beiden Repliken erkennt man am fehlenden Wasserzeichen und dem unsauberen Druck. Von allen JIM sind Musternoten bekannt. Bei ihnen wurden auf der Vorderseite jeweils links und rechts vertikal zwei rote, große japanische Schriftzeichen aufgedruckt. Zusätzlich findet sich auf manchen Scheinen auf der Rückseite in roter Schreibschrift „Specimen“. Uwe Bronnert Literatur: Richard A. Banyai, Money and Banking in China and Southeast Asia during the Japanese Military Occupation 1937 – 1945. Taipei 1974. Joanne C. Dauer, Edward A. Dauer und John Pettit, Australian History 1901 to 2001 As Seen Through Banknotes, Ft. Lauderdale, Florida 2007. Gregory Hale, The Collector’s Guide to Japanese Invasion Money, Includes photos, descriptions and values of Japanese Invasion Money from World War II., second Edition, Albany Creek, Qld. 2019.
- Südmark-Spendenscheine im Lichte des Friedensvertrags von St. Germain
Die Donaumonarchie gehörte zu den großen Verlierern des Ersten Weltkriegs. Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn löste sich noch vor Unterzeichnung der Friedensverträge auf und verschwand als Folge des Ersten Weltkriegs von den Landkarten. Der am 10. September 1919 unterzeichnete Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye betraf insbesondere die österreichische Staatshälfte der Doppelmonarchie und regelte u.a. die Grenzen der neuen Republik Österreich: Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien und einige Gemeinden Niederösterreichs (u. a. Feldsberg, der Bahnhof Gmünd und einige andere Gemeinden) gingen an die neu gegründete Tschechoslowakei, Galizien fiel an Polen, Südtirol, Welschtirol und das Kanaltal sowie Istrien erhielt Italien als Lohn für seinen Kriegseintritt 1915, die Bukowina vereinnahmte Rumänien, Dalmatien, den Krain, Teile der Untersteiermark sowie das Kärntner Mießtal und das Seeland kamen an das neugegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das spätere Jugoslawien. Über die staatliche Zugehörigkeit Südkärntens sollte eine spätere Volksabstimmung entscheiden. Deutsch-Westungarn kam unter dem Namen Burgenland – der Name rührt von den vier Komitaten Wieselburg, Eisenburg, Ödenburg und Pressburg her – an Österreich. Der Vertrag verbot der österreichischen Republik die Verwendung des Staatsnamens „Deutschösterreich“ sowie den Anschluss an das Deutsche Reich. Ferner musste Österreich Rüstungsfabriken und Waffen zerstören und durfte nur ein Berufsheer von 30.000 Mann unterhalten. Österreich musste, wie zuvor Deutschland, die Alleinschuld am Krieg anerkennen und den als Urheber der Verluste und Schäden Reparationen an die Alliierten zahlen. Die Konstituierende Nationalversammlung protestierte ohne Erfolg am 6. September 1919 öffentlich gegen den Vertrag, der dem deutschösterreichischen Volk das Selbstbestimmungsrecht verweigere. Nicht die Siedlungsverhältnisse, sondern geographische und strategische, wirtschaftliche und verkehrspolitische Wünsche der Anrainerstaaten entschieden allzu oft über die staatliche Zugehörigkeit. Nicht nur die vielen verstreuten deutschen Sprachinseln wurden von den neuen „Nationalstaaten“ einverleibt, sondern auch geschlossene mit „Deutsch-Österreich“ zusammenhängende deutsche Siedlungsgebiete, wie das Sudetenland. 3,5 Millionen Deutschösterreicher gelangten so unter „Fremdherrschaft“. Der Vertrag von Saint-Germain trat am 16. Juli 1920 förmlich in Kraft und bestätigte die Auflösung Österreich-Ungarns auch völkerrechtlich. Die Mehrheit der deutschösterreichischen Bevölkerung lehnte den Friedensvertrag ab. Manche Gemeinde und Organisation brachte diese Haltung auch auf ihren Notgeldscheinen zum Ausdruck. Der Verein „Südmark – Bund der Deutschen zur Erhaltung ihres Volkstums im In- und Auslande“ mit Sitz in Graz, Joanneumring 11, war diesbezüglich besonders aktiv. Er entstand 1921 durch den Zusammenschluss der Schutzvereine: „Südmark“, „Bund der Deutschen in Niederösterreich“ und des „Vereins zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn“. Die „Südmark“ wurde am 24. November 1889 im Gemeinderatssitzungssaal des Grazer Rathauses gegründet. Sie setzte sich für die Stärkung des Grenz- und Auslandsdeutschtums ein. Besonders förderte sie finanziell die Errichtung und Erhaltung deutscher Schulen in Gemeinden mit einer deutschen Minderheits-Bevölkerung. Sie errichtete Internate für deutsche Mittelschüler in Gottschee (Kocevje), Cilli (Celje) und Pettau (Ptuj), sowie eine Mensa in Marburg (Maribor). Ferner erhielt der „Verein deutscher Hochschüler“ in Laibach (Ljubljana) einen namhaften Betrag. Außerdem unterstützte sie u. a. die Bauern von St. Egydi nach einem Hagelschaden und die Deutschen der Stadt Laibach nach einem Erdbeben im Jahr 1895. Die Gründung der „Südmährischen Volksbank“ 1899 gab dem Verein einen starken Rückhalt. Finanziert wurde er durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Vermächtnissen, Erträgen von Festveranstaltungen, Wohltätigkeitslotterien, Zuwendungen von Gemeinden in den bedrohten Gebieten sowie durch Zahlungen der Landtage der Steiermark, Kärntens und Niederösterreichs, ferner durch den Verkauf von Abzeichen, Postkarten, Briefpapier, Zündhölzern und 1921 auch durch den Verkauf von Spendenscheinen, die im Stil der damaligen österreichischen Notgeldscheine gestaltet waren. In den Katalogen werden sie allgemein dem Notgeld zu gerechnet. Die von der Wiener Verkaufsabteilung der Südmark verkauften 70 x 95 mm große Spendenscheine kommen ohne und mit dem Wertaufdruck 1, 2, 3 und 10 K (Kronen) vor. Die 28 existierenden Bildseiten lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: In solche Scheine, die die Erinnerung an die verlorenen Gebiete wachhalten in Scheinen, die die Vereinigung mit dem Deutschen Reich propagieren bzw. die eigene Kraft beschwören. Die Textseiten sind nationalistisch, patriotischen Parolen vorbehalten oder erklären die entsprechende Bildseite des Scheins. Auf den Scheinen der ersten Gruppe findet sich am unteren Rand der Aufruf „Gedenkt der unerlösten Brüder!“. Die Spendenscheine mit den Bildern Nr. 9 und 10 sowie 16 bis 28 zeigen die abgetrennten ehemaligen „deutschösterreichischen“ Gebiete, die an die Tschechoslowakei (Reichenberg, Brünn, Troppau, Eger, Ölmütz, Znaim, und Feldsberg), an Jugoslawien (Friedau, Cilli, Pettau und Marburg a. d. Drau) sowie an Italien (Bozen und Pontafel) fielen. Schein Nr. 8 verkündet stolz, wozu man durch gemeinsames Handeln fähig ist. „Die Kärtner Volksabstimmung ist die Frucht des vom Kärntner Volk aus eigener Kraft geführten Abwehrkampfes gegen ländergierige Eindringlinge.“ Bei der Abstimmung sprachen sich 59 % der Bevölkerung Südkärntens für den Verbleib bei Österreich aus. Da der habsburgische Kaiser Ferdinand III. das Heinzen- oder Burgenland „willkürlich und widerrechtlich an Ungarn verschenkt (1647)“ hatte, empfanden es die Österreicher als Genugtuung, dass im Friedensvertrag Deutschwestungarn Österreich zugesprochen wurde. Allerdings blieb die Stadt Ödenburg (Sopron) am Neusiedlersee ungarisch. Hierauf weist Schein Nr. 1 hin. Die Scheinnummer befindet sich bei allen Scheinen auf der Textseite am unteren Rand. Das zweite beherrschende Thema der Spendenschein-Serie ist die Forderung nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Der leidenschaftliche Text von General Alfred Krauß auf der Rückseite des Spendenscheins Nr. 2 atmet deutlich das Fluidum der damaligen Zeit: „Der Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich ist das wichtigste Volksgebot für das ganze deutsche Volk. Erst seit dem Jahr 1866 ist Österreich aus dem Deutschen Reich geschieden.[2] Seine Heimkehr ist jetzt, da alle inneren Hindernisse gefallen sind, ein sittliches Volksgebot. Keine Macht der Welt kann uns die Erfüllung dieses Volksgebotes verwehren, wenn nur wir selbst den Anschluß ernstlich wollen.“ Und auf dem Schein Nr. 6: „Stemmt euch entgegen mit Schwert und List Reißet beglückende Bande entzwei. Der einende Gott, der im Himmel ist, Hört unsern weltüberbrausenden Schrei Volk will zu Volk! Robert Hohlbaum.“ Dieses Gedicht beschwört wie der Aufdruck auf Schein Nr. 5 „Gewiß, auch in Ketten vorwärts, aber in Einheit.“ und die Darstellung des aufgespießten Drachen, der auf der Schwarz-Rot-Goldenen-Fahne liegt (Schein Nr. 3) und der Bildunterschrift „Den Brüdern im bedrohten Land, warmfühlend Herz, hilfreiche Hand!“ den Willen zur Einheit. Schließlich zerschlägt ein junger Kämpfer auf Schein Nr. 14 den Grenzzaun. Im Hintergrund blickt martialisch die Germania auf das Geschehen. Goethes zweite Strophe aus dem Gedicht „Beherzigung“ musste auf Schein Nr. 7 herhalten, um den eisernen Willen zu verkünden: „Allen Gewalten Zum Trotz sich erhalten Nimmer sich beugen Kräftig sich zeigen, Rufet die Arme Der Götter herbei!“ [3] Über der Gedichtstrophe steht ein muskulöser Mann mit nacktem Oberkörper, dessen rechter Fuß auf einem Totenschädel ruht. Am Boden winden sich unzählige Schlangen und züngeln an seinen Beinen hoch. Der Mann hält seitlich von seinem Kopf ein Hakenkreuz, das wie ein Heiligenschein den Kämpfer beleuchtet. Die Darstellungen der nächsten beiden Beispiele muten religiös an, fast wie Heiligenbilder. Viele Österreicher empfanden die Bestimmungen des Friedensvertrags als Knechtschaft und Demütigung. Daher fleht auch der auf Schein Nr. 12 vor einem Wegkreuz knieende, betende Mann „Herr mach uns frei“. Symbolisiert wird die Unterdrückung durch die zwei pflugziehenden Männer im Hintergrund, die von einer Peitsche schwingenden dritten Person angetrieben werden. Schein Nr. 11 drückt trotz der scheinbar unüberwindbaren Trostlosigkeit und Ausweglosigkeit Hoffnung aus. Die Haltung des jungen Mannes, der vor einer Berglandschaft stehend seine Arme ausstreckt und die Handflächen dem Himmel zu wendet, unterstreicht trotzig den Inhalt der Bildunterschrift „Es muß doch Frühling werden“. Heute scheint uns mache Darstellung fremd, den damaligen Betrachtern der allegorischen Abbildungen jedoch war klar, was die Künstler zum Ausdruck bringen wollten. Teilweise haben diese ihre Entwürfe signiert. Johann Kodnar und Norbert Künstner führen in ihrem „Katalog des österreichischen Notgeldes 1914 – 1924“, der im Eigenverlag 2017 erschien, unter der Katalog-Nummer 1219 (S. 1134 – 1136) insgesamt 40 verschiedene Südmark-Spendenscheine auf: drei Spendenscheine zu einer Krone mit der Abbildung 1 in braun, oliv und dunkelviolett, 16 Scheine mit den Abbildungen 1 – 14 zu zwei Kronen, wobei der Schein mit der Abbildung Beethovens in braun, grün und schwarz vorkommt, zwei Scheine mit den Abbildungen 15 und 18 zu drei Kronen sowie 16 Scheine mit den Abbildungen 5 – 7, 11 – 14, 16 – 25 zu 10 Kronen, ferner drei weitere Scheine ohne Wertangabe mit den Abbildungen 26 – 28. Am 29. März 1925 fusionierten die beiden Schutzvereine „Südmark“ und „Deutscher Schulverein“ (gegr. 1880) zum „Deutschen Schulverein Südmark“. Während der Deutsche Schulverein weitgehend bürgerlich-liberal ausgerichtet war, vertrat die Südmark eindeutig völkische und anti-semitische Anschauungen. So nennt die Rückseite des Spendenscheins Nr. 3 als Vereinsziel unter Punkt 6: „Erneuerung unseres durch tiefen sittlichen Verfall bedrohten Volkstums durch Erziehungs- und Bildungsarbeit auf arischer Grundlage.“ Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde im Zuge der Gleichschaltung der Verein dem „Volksbund für das Deutschtum im Ausland“ eingegliedert. Bleibt anzumerken, dass die Südmark 1952 in Graz neu gegründet wurde. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Im Friedensvertrag von Trianon, unterzeichnet am 4. Juni 1920, musste der ungarische Reichsteil ähnlich harte Bedingungen akzeptieren. Ungarn musste endgültig mehr als zwei Drittel seines Staatsgebietes an die Nachbarn abtreten: Die Slowakei und die Karpato-Ukraine erhielt die Tschechoslowakei, das Burgenland Österreich, Kroatien, Slowenien, Prekmurje, die Regionen Batschka und Süd-Baranya (Drávaköz) und Teile des Banats verleibte sich das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen ein, Siebenbürgen mit Resten des Banats und mit Partium fielen an Rumänien, ein kleines Gebiet mit 14 Dörfern im äußersten Norden wurde Polen zugesprochen. Die Stadt Fiume (Rijeka) bildete zunächst einen eigenen Freistaat, der 1924 von Italien annektiert wurde. So blieben von den 325.411 km² Transleithaniens (Ungarns) nur 93.073 km² übrig. [2] Anm. d. Verf.: Gemeint ist das Ausscheiden Österreichs aus dem Deutschen Bund nach dem preussisch-österreichischen Krieg. [3] Dieser Vers war übrigens auch der Wahlspruch der Widerstandskämpferin Sophie Scholl (Weiße Rose), die 1942 vom NS-Regime hingerichtet wurde.
- Von echten und falschen Berliner Stadtkassenscheinen vom 24. Oktober 1918
Während der letzten Monate des Jahres 1918 schwand die Hoffnung, dass der Krieg noch siegreich beendet werden könnte. Die Unsicherheit in der Bevölkerung über die künftige politische und wirtschaftliche Entwicklung veranlasste weite Kreise, Zahlungsmittel verstärkt zu horten. „Handel- und Gewerbetreibende, kleinere und größere Kapitalisten hoben namentlich seit etwa Anfang Oktober Guthaben bei Banken, Bankfirmen, Sparkassen und Genossenschaften ab, um das bare Geld aufzubewahren.“ [1] Unglücklicherweise folgte diese Entwicklung unmittelbar dem schon ungewöhnlich großem Ultimobedarf des Septembers. Auch schaffte es die Reichsdruckerei nicht annähernd, die erteilten Druckaufträge zu erfüllen, da in den vorangegangenen Wochen eine größere Anzahl ihrer Arbeiter zum Heer eingezogen worden war. Hunderte Arbeiter waren zudem an der Spanischen Grippe erkrankt. Die Reichsbank sah sich in dieser Situation genötigt, die vorsorglich angesammelten großen Papiergeld-Reserven und die vorhandenen Vorräte an Reichssilbermünzen in Verkehr zu bringen. Ferner beauftragte das Reichsbankdirektorium mehrere Privatdruckereien mit der Herstellung von 50-Mark-Reichsbanknoten. Hierbei handelte es sich um den sog. „Trauerschein“ vom 20. Oktober 1918 und den sog. „Eierschein“ vom 30. November 1918. Da in kürzester Zeit große Mengen angefertigt werden mussten, waren diese im Buchdruckverfahren hergestellten „Hilfsbanknoten“ nur ungenügend gegen Fälschung geschützt. Daher behielt sich die Reichsbank ihren Aufruf zum 1. März 1919 gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel ausdrücklich vor. Auch diese Maßnahme konnte den Mangel an Zahlungsmitteln nicht beheben. Nach einer Zeitungsmeldung vom 9. Oktober 1918 sollten daher Gemeinden und Industriewerke bei Bedarf ermächtigt werden, Scheine zu 5 und 10 Mark mit einer Umlaufzeit bis zum 30. November herzustellen. Das Reichsbankdirektorium erklärte sich bereit, die Hälfte der Herstellungskosten sowie den Schaden, der durch Fälschungen entstehen würde, zu übernehmen. Ferner stellte sie ihre Kasseneinrichtungen für die Ausgabe, Einlösung und den Umtausch des Notgelds zur Verfügung. Später wurde der Ausgabewert auf 50 Mark erhöht und die Laufzeit bis zum 1. Februar 1919 verlängert. Nach einem Erlass des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe vom 9. Oktober musste der Text der Scheine letzteres vermerken, um so der Fälschungsgefahr zu begegnen. Zu den Emittenten dieses Notgelds gehörte auch die königliche Haupt- und Residenzstadt Berlin. Mit Datum vom 24. Oktober 1918 gelangten Stadtkassenscheine zu 5 und 20 Mark sowie 50 Pfennig zur Ausgabe. Der Kassenschein zu 5 Mark wurde auf Papier mit Wasserzeichen (waagerechte) „Reichsdruckerei-Wellenlinien“ gedruckt. Die sechsstellige Kennziffer kommt auch mit vorgedruckter „1 und 2“ vor. Bei den Kassenscheinen zu 20 Mark wurde Papier mit dem Wasserzeichen „Berliner B-Muster“ benutzt. Die sechsstellige Kennziffer kommt auch mit vorgedruckter „1, 2, 3 und 4“ vor und ist 3,5 bzw. 4 mm hoch. Der 50-Pfennig-Schein wurde ebenfalls auf Wasserzeichenpapier mit den Reichsdruckerei-Wellenlinien hergestellt. Die sechsstellige Kennziffer kommt ebenfalls auch mit vorgedruckter „1, 2, 3, 4 und 5“, ferner mit „A“ bzw. „B“ und vorgedruckter „0, 1, 2 und 3“ vor. [2] Die Entwürfe zu den 122 mm x 82 mm großen 5-Mark-Scheinen und 137 mm x 93 mm großen 20-Mark-Scheinen stammen vom Maler und Graphiker Emil Döpler, dem Jüngeren (* 29. Oktober 1855 in München; † 21. Dezember 1922 in Berlin). [3] Aufgrund des minderwertigen Drucks – besonders beim Wert zu 5 Mark – gibt es von den Markwerten eine größere Anzahl von Fälschungen. Im Gegensatz zu den echten Scheinen, verraten sie sich dadurch, dass sie meist auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt wurden, die Kennziffer eine falsche Größe aufweist bzw. aufgestempelt wurde und der Trockenstempel fehlt oder nicht mit dem Original übereinstimmt. Der Trockenstempel zeigt das gekrönte Wappen mit dem Berliner Bären und der Schrift „MAGISTRAT ZU BERLIN“. Ferner weicht häufig auch ihre Größe von den Originalen ab. Da die Fälscher nur mit einem Nummernstempel arbeiteten, bei dem nur die Stelle ausgewechselt wurden, kommen immer wieder dieselben Grundzahlen vor. Neben den Fälschungen gelangten auch gestohlene unfertigen Scheinen in den Umlauf. Diese wurden zuvor entsprechend „frisiert“, sprich vervollständigt. Wie die angehaltenen Stadtkassenscheine belegen, waren sie auch noch nach dem 1. Februar 1919 im Umlauf. Die erkannten Fälschungen wurden von den Banken mit einem entsprechenden handschriftlichen Vermerk aus dem Verkehr gezogen und meist an die Reichsbank-Hauptkasse zur endgültigen Echtheitsprüfung weitergeleitet. Hier erhielten die Fälschungen auf jeder Scheinseite den zweizeiligen Stempel „Falsch! / Reichsbank-Hauptkasse“. Keller hat die verschiedenen Berliner Fälschungen ausnahmsweise katalogisiert, weil ein Teil dieser verschiedenen Fälschungsarten durch einen Sammler in den Notgeldhandel gegeben wurde: [4] 37. Berlin (Brandenbg.) Stadt, 24.10.1918 – 1.2.1919 5 Mark: a. Original: Wz. waagr. Reichsdruckerei-Wellen, KZ mit geraden Typen 6stellig, auch mit vorgedr. 1 od. 2 c. Echte Scheine unfertig gestohlen, KZ-Typen in künstlerischem Schnitt 4 mm = 1797238, Prägestempel falsch d. wie c, KZ 5stellig aufgestempelt, der echten KZ ähnlich, Prägestempel undeutlich g. Fälschungen ohne Wz. Wertzeile Vs. graublau oder grau, Papier grau, KZ den echten ähnlich 207937, 207970, 267937, 277930, 372930, 673930 oder ähnlich. h. desgl. Wertzeile blaugrau, Papier bläulich, KZ den echten ähnlich, 2266552, 2314290 i. desgl. Wertzeile blau, Papier bläulich oder weiß, KZ wie bei h 2266552 q. Völlig handgemalte plumpe Fälschung, Pap. grau, KZ 1103103, Verkehrsstück 20 Mark: b. Original: Wz. Berliner B-Muster 1. 2. KZ wie a 3,5 und 4 mm 3. 4. 5. KZ 6stellig mit vorgedr. 1 2 3 6. KZ 6stellig mit vorgedr. 4 c. Echte Scheine unfertig gestohlen, KZ-Typen in künstlerischem Schnitt 4 mm = 1039274, 1975014, Prägestempel falsch d. wie c, KZ 5stellig aufgestempelt, der echten KZ ähnlich = 140217, 904986 3121510, Prägestempel undeutlich e. Fälschungen, Wz durch Pressung nachgeahmt (viel klarer als bei den echten), KZ der echten ähnlich: 2052925, 2259920, 2559222, 2652929 u. ähnl., Prägestempel falsch (Schrift größer) f. wie e, KZ gestempelt 3 mm: 234561 k. desgl. dünnes weißes Papier, Wertzeile rotbraun od. blassbraun, ohne KZ l. wie k, Normal-Wz., ohne KZ oder KZ fett 5,5 mm: 1257,12574 od. 4,5 mm 638794, 649998 m. desgl. Wertzeile rot, KZ 3137211 n. desgl. Wertzeile blutrot, Wz. durch Weißdruck nachgeahmt, KZ 4 mm 2719964 o. wie l, als Prägestempel Abdruck der Adlerseite eines 10 Pfg.-Stücks, KZ 5,5 mm 15257, 37121, 12725, 72577 oder ähnlich p. wie o, doch nur den rotbraunen Druck beider Seiten oder nur der Rs. oder bds, nur Rs. aufweisend (halbfertig beschlagnahmt) r. Handgemalte Fälschung, rosaviolett, 2719964 c.-r. Der Prägestempel ist bisweilen dem echten nachgeahmt, hat jedoch größere Schrift. In den meisten Fällen ist er durch eine unbestimmbare Pressung oder durch den Abdruck der Adlerseite von Münzen ersetzt. Bleibt noch anzumerken, dass bei der Entwertung der Scheine fast die Hälfte der linken Seite abgeschnitten wurde. Vollständige, echte Scheine werden erheblich seltener angeboten als diese verstümmelten Exemplare. Wie bereits angeführt, hatte sich die Reichsbank verpflichtete, die Schäden, die durch Fälschungen entstanden sind, zu tragen. „Die Menge der Fälschungen ist kleiner als man gewöhnlich annimmt; wohl nur Altona und Offenbach haben dadurch ernstlicheren Schaden erlitten.“ [5] Nur in sieben Fällen brauchte die Reichsbank Ersatz leisten. Bei Keller ist zu lesen, dass sich die damals von den Kommunen zur Ausgabe beschlossene Summe auf insgesamt rund 2 Milliarden Mark beziffert habe, von denen allerdings ein erheblicher Teil nicht ausgegeben zu werden brauchte. Nach Angaben der Reichsbank belief sich die Höchstumlaufsumme am 15. Januar 1919 auf 1.486,6 Millionen Mark. Am 31. Mai 1919 waren hiervon nur noch rund 189,6 Millionen Mark im Umlauf. [6] Nach dem Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1919 betrugen die Kosten der Herstellung und an der Deckung der durch Notgeldfälschungen entstandenen Verluste nur 2.148.601,65 Mark. [7] Anmerkungen [1] Die Reichsbank 1901 – 1925, Berlin 1925, S. 115. [2] Reinhard Tieste, Katalog Kleingeldersatz aus Papier 1915 – 1922, Bremen 2010, S. 75, Kat.-Nr. 0460 245.01 [3] Helmut Casper, Vom Taler zum Euro, Die Berliner, ihr Geld und ihre Münze, 2., korrigiert Auflage, Berlin 2006, S. 135. [4] Dr. Arnold Keller, Das Deutsche Notgeld, Katalog Großgeldscheine 1918 – 1921, Unveränderter Nachdruck der 3. Auflage von 1955, München 1976, S. 21 f., Kat.-Nr. 37. [5] Ebenda, S. 9. [6] Ebenda. [7] S. 28. Uwe Bronnert
- Die Kriegsgefangenen von Avignon
Ende 1921 gab der Hilfsausschuss des Avignon-Komitees einen Notgeldschein über 5 Mark aus, über den die "Westdeutsche Sammler-Rundschau" wie folgt berichtete: „Das Notgeld der Not. Wenn je ein Notgeld Berechtigung hatte zu erscheinen, ist es der 50 Ctm.-Schein (5 Mk.) der Gefangenengemeinde Avignon, Frankreich. Über 60 deutsche Brüder fronen dort noch als gefangen und lassen hier ihre Angehörigen, alte Eltern, Frauen mit 305 Kindern größtenteils in traurigsten Verhältnissen zurück. Im Auftrag des Hilfsausschusses gibt das Avignon-Komitee Neuhaus i. Westf. (Dr. Huestedde, leit. Arzt des St. Andreas-Krankenhauses, Reg.-Medizinalrat Dr. Walz, Amtsrentmeister Joh. Bee) den Notgeldschein heraus. Kein Geringerer als Rudolf Herzog[1], Deutschlands beliebtester Dichter, hat auf Bitten der Gefangenen dem Schein einen flammenden Appell in Gedichtform beigegeben. Dieses Gedicht ziert die Rückseite des Scheins und die eigenhändigen Unterschriften sämtlicher Avignon-Gefangenen. Dies dürfte schon genügen, daß er der erste und der Ehrenschein jeder Notgeldsammlung wird. Aber auch der Nichtsammler wird gerne diesen seltenen Schein erwerben, um dazu beizutragen, den Aermsten der Armen eine Weihnachtsfreude zu bereiten und das Comitee in den Stand zu setzen, da überall in den Familien zu helfen, wo Hilfe dringend Not tut. Man wende sich rasch an das Avignon-Comitee Neuhaus i. Westfalen oder an die Gemeindekasse. Auch bei jedem Notgeldhändler wird der Schein in Kürze zu haben sein. Wir schließen diesen Hinweis mit Herzogs Worten: ‚Deutschland, es geht um die Treue!‘“[2] Dichtung und Wahrheit liegen, wie so oft, dicht beieinander. Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 begann der Abtransport der in französischer Hand befindlichen deutschen Kriegsgefangenen in die Heimat. Zurück blieben die gerichtlich wegen anderer Vergehen als solcher gegen die Disziplin bestraften deutschen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten. Sie wurden ab Ende März im Spezialdepot Avignon zusammengefasst. Gemäß Art. 219 des Friedensvertrags stand den alliierten und assoziierten Mächten das Recht zu, diese Gefangenen solange in Haft zu halten, bis sie ihre Strafe verbüßt hatten. Obwohl sich die deutsche Regierung von Anfang an für ihre Freilassung einsetzte, befanden sich im Juli 1920 noch 350 kriegsgerichtlich Verurteilte in und um Avignon, die zunächst vom Vertreter des Dänischen Roten Kreuzes in Paris, Herr Nosting, betreut wurden. Die deutschen Kriegsgefangenen in Avignon waren in der Zeit vom 30. Juli 1920 bis 17. Oktober 1922 mehrfach Gegenstand von Abgeordneten-Anfragen im Deutschen Reichstag. Erst seit Anfang Juli 1920 bekamen deutsche Stellen Zugang zum Depot in Avignon und den angeschlossenen Arbeitslagern Cuers und Agay. Dem deutschen Vertreter Oberstleutnant Draudt gelang es, eine Reihe von Missständen in den Lagern zu beseitigen. Darüber hinaus unterstützte der Hauptausschuss für Kriegsgefangene bei der deutschen Friedensdelegation in Paris in der Zeit von Oktober 1919 bis November 1920 die Häftlinge in Avignon und Umgebung aus Reichsmitteln mit 38.650 französischen Francs. Hinzu kamen erhebliche Rotkreuzmitteln sowie private Spenden. Daniel Stücklen, Reichskommissar für Zivilgefangene und Flüchtlinge im Reichsministerium des Inneren, führte anlässlich einer Anfrage im Reichstag aus, dass „an Bekleidungsstücken, Nahrungs- und Genußmitteln, Zigarren und Zigaretten .. mehrfach umfangreiche, aus Reichsmitteln bestrittene Sendungen, darunter über 70.000 Zigarren und Zigaretten von der Hauptkommission in Paris nach Avignon überwiesen worden [seien]. Auf die Mitteilung des Hilfskomitees in Avignon Ende Oktober, daß die Unterwäsche in ungünstigem Zustand sei, und daß die Kriegsgefangenen deshalb mit einer gewissen Sorge an die kommende schlechte Witterung dächten, wurde in den ersten Novembertagen vom Hauptausschuß eine vollständige Wäscheausrüstung für jeden einzelnen Mann von je 1 warmen Hemd, 1 Unterhose, 1 Paar Strümpfen, sowie außerdem für jeden Mann eine große Wolldecke nach Avignon übersandt. … Die Kosten, die sich einschließlich der Verschickung auf über 17.000 Franken belaufen, wurden aus Reichsmitteln bestritten.“[3] Dr. Köpke, Wirklicher Legationsrat im Auswärtigen Amt, erkärte vor dem Reichstag am 14. Juni 1921: „Die deutsche Regierung hat es nicht unterlassen, ihre Bemühungen wegen der Freilassung der Gefangenen nachdrücklich fortzusetzen. Erst ganz kürzlich hat der deutsche Botschafter in Paris dem französischen Ministerpräsidenten persönlich in einer Unterredung nochmals die dringende Bitte um sofortige Begnadigung der Gefangenen vorgetragen. Wir hoffen, daß dieser Schritt nicht ohne Erfolg bleibt.“[4] Auch im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft waren die 115 Gefangenen, die in Frankreich noch festgehalten wurden, nicht vergessen. Am 13. Juni 1921 forderten Tausende auf Kundgebungen in Berlin, Leipzig, Breslau, Hannover, Hamburg, Mannheim und anderen Städten ihre Freilassung. Bei dieser emotionalen Betroffenheit der Öffentlichkeit und dem damaligen Interesse an Papiernotgeld, war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Scheine zugunsten der Gefangenen auf dem Sammlermarkt erschienen. Dass dabei die patriotische Einstellung und die Hilfsbereitschaft der Käufer genutzt wurde, ist sicherlich noch hinnehmbar, nicht jedoch, dass man dabei einem Schwindler aufsaß. Der Initiator dieser Ausgabe, der Schauspieler Julius von Bastineller aus Neuhaus in Westfalen, hatte reichlich Erfahrungen mit Schwindelausgaben. Zu keinem Zeitpunkt dachte er daran, seine beiden Notgeldscheine – 1 Mark vom 31. Dezember 1920 und 3 Mark vom 1. April 1921 – einzulösen. Wären die Sammler aufmerksamer gewesen, hätten sie entsprechende Hinweise auf dem Notgeld lesen können. Nun versuchte er sich an den „Avignonscheine[n], mit deren Vertrieb noch immer genug bei denen zu holen ist, die nie alle werden. Die Aufschrift lautet: ‚5 Mark, 50 ctms. Notgeld herausgegeben von der Gefangenen-Gemeinde in Avignon. Einlösung: Der Tag der Freiheit. Avignon, Weihnacht 1921. Hilfsausschuss des Dépot Spécial des P. G. d’Avignon (4 Unterschriften). Vu: l’interprète du Dépot Spécial des P. G. d’Avignon.‘ Der Schein ist natürlich nie in Avignon gewesen, und nie hat ein ‚interprète‘ seinen Stempel darauf gedrückt. Der Bund der ehemaligen Kriegsgefangenen weiss auch nichts von diesem Notgeld und hat öffentlich davor gewarnt – schadet alles nichts, der Herr mit dem Adelsprädikat preist seinen Schein in Inseraten an. Die Franzosen haben dem Machwerk mit Beschlagnahme eines Postens in Bonn zuviel Ehre angetan,“ so Gustav Prange.[5] Es wäre sicherlich interessant zu erfahren, wie es von Bastineller schaffte, den renommierten Schriftsteller Herzog für sein Projekt zu gewinnen. Die letzte Nachricht über die deutschen Kriegsgefangenen findet sich im Protokoll der 257. Reichstagssitzung vom 17. Oktober 1922: Nachdem der Präsident der Französischen Republik im März 1922 einen Gefangenen und im Mai einen weiteren begnadigt hatte und durch Dekret vom 28. September und 2. Oktober weitere 21 befanden sich im Oktober noch 5 deutsche Soldaten in französischer Haft. Diese hoffte die deutsche Regierung, auch bald frei zu bekommen.[6] Anmerkungen [1] Anm. d. Verf.: Rudolf Herzog [* 6. Dezember 1869 in Barmen (heute Stadtteil von Wuppertal); † 3. Februar 1943 in Rheinbreitbach] war ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Dichter und Erzähler. Herzog war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Bestseller-Autor, die meisten seiner Bücher erreichten Auflagen von mehreren Hunderttausend. Diese erschienen zunächst meist bei Cotta, später im Vier-Falken-Verlag seines Sohnes. Quelle: Wikipedia [2] Mitteilung in der Westdeutschen Sammler-Rundschau. Leider ist mir näheres nicht bekannt. [3] Protokoll des Reichstags, 33. Sitzung, 23. November 1920, S. 1209 f. [4] Protokoll des Reichstags, 113. Sitzung, 14. Juni 1921, S. 3844. [5] Gustav Prange, Das deutsche Kriegsnotgeld, Eine kulturgeschichtliche Beschreibung, Band II, Görlitz 1922, S. 77 f. [6] S. 8760. Uwe Bronnert
- Die 20.000-Mark-Reichsbanknote mit dem Firmenzeichen „MX“
Bild 1: Reichsbanknote über 20.000 Mark vom 20. Februar 1923 mit dem Firmenzeichen MX, "Der Geldscheinsammler", 2. Jg., Heft 3/1988, S. 146 (Leserzuschrift). Trotz der relativ großen Stückzahl stellte Keller in seinem 1956 erschienen Katalog fest, dass bisher keine 20.000-Mark-Noten mit dem Firmenbuchstaben „MX“ in Sammlungen vorlägen.[1] 1988 meldete dann ein Sammler den hier abgebildeten Schein der Redaktion des „Geldscheinsammlers“. Dieser Schein ist auf der Vorderseite in den vier Ecken schräg jeweils mit „wertlos“ gestempelt. Zusätzlich steht am oberen Rand handschriftlich „Tewes“. Das vorgesetzte Wort ist wegen eines Tintenkleckses nicht lesbar. Auf der Rückseite am unteren unbedruckten Rand der zweizeilige handschriftliche Vermerk: „Diese Serie MX wurde von den Franzosen in Mülheim Ruhr geraubt. Die Noten wurden aus [am rechten Rand dann] diesem Grunde als ungültig / beanstandet.“ Bei der Auktion 37 der Kurpfälzischen Münzhandlung (KPM) in Mannheim am 15. Dezember 1989 wurde der Schein als Los 2050 bei einem Ausruf von 100 DM bei 220 DM + Aufgeld zugeschlagen. 2010 bildete dann Joachim Eyl in seinem Aufsatz gleich drei Vorderseiten dieser Noten ab, die er auf einem Flohmarkt preiswert erstanden hatte.[2] Sie wurden im Gegensatz zum vorher beschriebenen Schein nicht als ungültig erkannt, denn bei ihnen fehlt ein entsprechender Vermerk. Welche Geschichte steht hinter diesen „MX“-Banknoten? Mit Tagesgrauen rückten am 11. Januar 1923 fünf französischen Divisionen und einige belgische Einheiten unter General Degouttes Oberbefehl in das bisher unbesetzte Ruhrgebiet ein. Geringfügige Lieferrückstände bei den deutschen Reparationen an Frankreich boten dem französischen Ministerpräsidenten Raymond Poincaré den willkommenen Vorwand für den Einmarsch der rund 60.000 Soldaten in das Herz der deutschen Schwerindustrie und seiner „Politik der produktiven Pfänder“. Den Deutschen sollte ihr wichtigster und wertvollster Rohstoff genommen werden: die Steinkohle. Das eigentliche Ziel der Aktion war jedoch die Revision des Versailler Vertrags und die Verschiebung der deutschen Westgrenze nach Osten. In Deutschland löste der Einmarsch einen parteiübergreifenden Sturm der Entrüstung aus. Die deutsche Regierung unter Wilhelm Cuno forderte die Bevölkerung des Ruhrgebiets zum passiven Widerstand auf und verbot ihren Beamten, Befehle der Besatzungsmacht zu befolgen. Da die Arbeiterschaft geschlossen nach dem Motto „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ handelte und auch die Eisenbahner die Arbeit verweigerten, war es für die Besatzer nur unter größten Schwierigkeiten möglich, die begehrte Kohle nach Frankreich zu versenden. Das Militär verhängte den Ausnahmezustand und reagierte mit Terror gegenüber der Bevölkerung, mit abendlichen und nächtlichen Ausgangssperren, Verhaftungen, Gerichtsverfahren mit harten Urteilen, bis hin zur Todesstrafe, sowie Plünderungen, Erhebung von Kontributionen und Requirierungen aller Art, wovon auch die Reichsbank nicht ausgenommen war. Am Vormittag des 6. Aprils 1923 besetzten französische Soldaten das Druckereigebäude der Buchdruckerei E. Marks in Mülheim an der Ruhr, die mit der Herstellung von 20.000-Mark-Reichsbanknoten betraut war. Die Produktion lief zu diesem Zeitpunkt auf Hochtouren. 93.300 Scheine waren fertig gedruckt und nummeriert, davon waren bereits 76.500 geschnitten, der Rest, 800 Bogen mit je 21 Scheinen, war ebenfalls fertig und bereit zum Zerschneiden. Sie fielen den Franzosen in die Hände, hinzu kamen weitere 41 Doppelbogen, die noch nicht nummeriert waren und später von den Eindringlingen mit falschen Kennziffern vervollständigt und in Verkehr gesetzt worden. Erst am frühen Abend rückte die Besatzung mit ihrer Beute, zu der neben den fast 2 Milliarden Mark in Banknoten auch Druckplatten und Banknotenpapier gehörten, ab. Der Wert des 20.000-Mark-Scheins betrug bei dem Dollar-Tageskurs von 22.575 Mark fast einen US-Dollar. Reichsbank-Vizepräsident von Glasenapp stellte in der Sitzung des Reichsbank-Kuratoriums am 29. Juni 1923 fest, dass es sich bei den gestohlenen Reichsbanknoten um Falschgeld handele: „Es ist ja klar: diese Verwendung von bereits gedruckten Notenformularen, die aber noch keine Noten waren, freilich sich von den Noten gar nicht unterscheiden lassen, ist eine Verwendung gefälschten Papiers; denn wenngleich sich auch dieses Notenformular von einer richtigen Note nicht unterscheiden läßt, ist es eben doch keine Note. Die Nummerierung der Note und die Zerschneidung der Note ist ja die richtige Fälschung des Papiergeldes, darüber kann gar kein Zweifel sein.“[3] Die Reichsbank „schlachtete“ diesen Diebstahl in der Presse propagandistisch aus und wies natürlich auf die Ungültigkeit der Noten hin. Letzteres war nur möglich, weil noch keine der in der Druckerei hergestellten Noten an die Bankanstalt abgeliefert worden waren und sich zu diesem Zeitpunkt auch noch keine 20.000-Mark-Noten mit dem Firmenbuchstaben „MX“ in Umlauf befanden. Einige Tage nach dem Vorfall in der Druckerei versuchten in Köln Vertreter der Banque Belge eben diese MX-Noten im Wert von 400 Millionen Mark auf ein Girokonto einzuzahlen, was natürlich abgelehnt wurde. „Einige Zeit darauf sind in einer anderen Bankanstalt Belgier erschienen und haben 6 Millionen Mark präsentiert. Diese wurden auch zurückgewiesen, die Belgier haben aber diese 6 Millionen auf dem Tisch liegen lassen und haben sich gewaltsam aus der Kasse 6 andere Millionen genommen und sind damit abgegangen,“ so der weitere Bericht.[4] Bereits am 8. April meldete die Vossische Zeitung in der Abendausgabe, dass die französischen Behörden die Druckplatten und das Wertzeichenpapier zurückgegeben hätten. Nach den Vorkommnissen in Mülheim war die Reichsbank dazu übergegangen, die fertigen Druckbögen erst in den Reichsbankanstalten zu nummerieren und zu schneiden.[5] Dafür hatte man die entsprechenden Maschinen, meist in den Kellerräumen der Bankgebäude, installiert. Dies blieb natürlich den Besatzungsbehörden nicht verborgen und so drang das Militär in verschiedene Reichsbankfilialen ein und konfiszierte die neuen Banknoten. Uwe Bronnert Anmerkungen: Dr. Arnold Keller, Das Papiergeld des Deutschen Reiches von 1874 bis 1945. 5. Auflage, Berlin-Wittenau 1956, S. 46, Anm. zu Kat.-Nr. 104 – 109. Joachim Eyl, 20000 Mark der Serie MX, Ein Stück rheinischer Geschichte nach dem Ersten Weltkrieg neu entdeckt, in: Münzen & Sammeln, Februar 2010, S. 148. Bundesarchiv Berlin, Akt.-Bestand: R43-I/632, Bl. 142. Ebenda, S. 144. Ebenda, S. 141.
- Papiergeld aus dem ersten spanischen Bürgerkrieg ("Karlisten-Krieg")
Am 6. Oktober 1833 begann der erste spanische Bürgerkrieg, der erst 1840 beendet wurde. Bekannter als erster von drei sog. "Karlisten-Kriegen". Der Name wurde von „El Pretender“ (dem Thronanwärter) Don Carlos María Isidro Benito de Borbón y Borbón-Parma abgeleitet. Die drei Ehen des spanischen Königs Fernando VII. waren ohne überlebende Nachkommen geblieben. 1829 heiratete Fernando VII. aber in vierter Ehe seine Nichte Maria Christina von Neapel-Sizilien, eine Tochter Königs Franz I. beider Sizilien, die am 10. Oktober 1830 eine Tochter zur Welt brachte. Nach der „Lex Salica“ aus dem Jahr 1713 waren Frauen von der spanischen Thronfolge ausgeschlossen. Fernando hatte jedoch kurz vor der Geburt seiner Tochter dieses Gesetz geändert. Nach Fernandos Tod am 29. September 1833 wurde seine Tochter Isabel mit nur drei Jahren zur Königin ausgerufen. Carlos María Isidro, Fernandos Bruder, sah sich dennoch als legitimer Nachfolger. Daher veröffentliche er ein Manifest, in dem er auf seine dynastischen Rechte pochte und sich zum König mit dem Namen Carlos V. erklärte. Damit löste er den Bürgerkrieg aus. Auf der einen Seite die Cristinos, die liberalen Anhänger Isabels und ihrer Mutter María-Christina, sowie die Unterstützer England und Frankreich und auf der anderen die Karlisten, die Befürworter eines traditionellen, erzkatholischen Absolutismus sowie Russland, Österreich und Preußen. Carlos María Isidro wurde am 27. März 1788 in Aranjuez als zweiter Sohn Karls IV. geboren. Chronisten beschreiben ihn als streng in seinen Bräuchen, traditionell katholisch und geduldig. Obwohl er den Wunsch geäußert hatte, Geistlicher zu werden, heiratete er 1816 seine Nichte María Francisca de Braganzua, die vierte Tochter des Königs von Portugal. Abb. 1: Carlos María Isidro Benito de Borbón y Borbón-Parma, Gemälde von Vicente López. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_María_Isidro_de_Borbón. Während sich die Karlisten zu Beginn des Krieges zumindest in den ländlichen Gebieten Nordspaniens behaupteten, stützten sich die Cristinos auf die liberalen Antikleriker und die reguläre Armee. Carlos Chance den Krieg zu gewinnen, war auch davon abhängig, ob es ihm gelingen würde, die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen, um seine Truppen zu unterhalten. Ein Weg hierbei wäre die Ausgabe von Papiergeld und Anleihen gewesen. Daher bemühte sich sein Berater, Pio de Elizalde, Geldscheine in einer Druckerei der katalanischen Stadt Berga drucken zu lassen. Jedoch verweigerte die englische Regierung die Genehmigung für den Export des hierfür benötigten Papiers. Allerdings sind Scheine des Tesoro Real (Schatzamt) über 16 Pesos Duros in der Gestaltung englischer Banknoten und wohl auch auf englischen Banknotenpapier hergestellt wurden. Die einseitig bedruckten Scheine haben die Größe 215 x 135 mm. Datiert sind sie vom Januar 1835. Nach dem Text dieser Obligationen waren sie in Gold oder Silber beim Schatzamt in Madrid einlösbar bzw. konnten sie bei Zahlung von Steuern und Kontribution verwendet werden. Zum Schutz vor Fälschungen wurden sie mit einem Trockenstempel versehen. Ob sie auch ausgegeben wurden ist unbekannt, da sie in Sammlungen immer nur als Blankette ohne Unterschrift(en) vorkommen. Abb. 2.1: Obligacion, Tesoro Real, Enero de 1835, 16 Pesos Duros, Vorderseite. Größe: 215 mm (mit Randstück 260 mm) x 135 mm. Abb. 2.2. Trockenstempel auf dem Schein zu 16 Pesos Duros. Der Botschafter der Karlisten in England ließ gemäß eines königlichen Dekrets bei der Firma Edmund Shaw ein Wertpapier drucken, das bei einer einmaligen Einzahlung eines Kapitals von 940 Pesos fuertes eine ewige 5-%-Rente (= 47 Pesos fuertes, der Peso zu 20 Reales de Vellon gerechnet) versprach, die in Gold oder Silber beim Schatzamt in Madrid erstmals am 1. Juli 1836 ausgezahlt werden sollte. Um ausländische Anleger zur Kapitalanlage zu bewegen, konnte das Papier auch in Amsterdam, London, Paris, Brüssel und Turin in der jeweiligen Landeswährung gezeichnet werden. In diesem Fall sollten die Zinsen auch in dieser gezahlt werden: in Amsterdam bei 2.400 Gulden 120 Gulden, in London bei 200 Pfund 10 Pfund und in Paris bei 5.076 Francs 253,80 Francs. Letzteres gilt ebenfalls für eine Zahlung in Brüssel und Turin. Die Zertifikate wurden mit den dazu gehörigen Zinsscheinen in einem gemeinsamen Bogen gedruckt. Allerdings findet man heute in der Regel nur die Urkunde selbst ohne Zinsscheine. Für den schwarzen Druck verwendete man Papier ohne Wasserzeichen. Der einzige Schmuck besteht aus einem Schmuckdruck am linken Rand sowie dem aufgedruckten Siegel, das zum Schutz vor Fälschungen als Trockenstempel auf der linken Seite nochmals erscheint. In England umlaufende Stücke erhielten einen weiteren Trockenstempel (Six Pence), der wohl der Steuererhebung diente. Diese Certificado werden in Spanien dem Papiergeld zu gerechnet. Abb. 3.1: Certificado, Oñate, 6. Februar 1836, 47 Pesos Fuertes, Vorderseite. Größe ohne Zinsscheine: ca. 155 mm x 230 mm. Abb. 3.2: Certificado, Oñate, 6. Februar 1836, 47 Pesos Fuertes, Rückseite. Abb. 3.3: Trockenstempel auf dem Certificado Abb. 3.4: Englischer Steuerstempel Während seines Aufenthaltes in der Stadt Estella erließ Don Carlos V. am 8. April 1837 ein Dekret, mit dem er eine Anleihe von 20 Millionen Pesos fuertes zu 20 Reales vellon auflegte, die in 200.000 Bonos Real eingeteilt war: Mit dem Buchstaben A wurden 50.000 Bono Real zu 200 Pesos (4000 Reales), mit dem Buchstaben B 50.000 Bono Real zu 100 Pesos (2000 Reales) und mit dem Buchstaben C 100.000 Bono Real zu 50 Pesos (1000 Reales) gedruckt. Ihr Text versprach ihren Inhabern, dass die königliche Anleihe ab dem Ausgabedatum mit jährlich fünf Prozent verzinst würde. Sechs Monate nach Einzug des Herrschers in Madrid sollten Zahlungen bis zu 80 Prozent eines Zahlungsbetrags mit Bonos Real möglich sein, wobei diese zum Nennwert anzunehmen angerechnet würden und zwar der Peso fuertes mit 5 Francs 20 Centimes. Die Bonos Reales selbst sollten nach diesem Zeitpunkt innerhalb von acht Jahren eingelöst werden, wobei die Reihenfolge ihrer Einlösung durch Los bestimmt werden sollte. Abb. 4.1: Tesoro Real de Espana, 15. Mai 1839, 200 Pesos Fuertes de 20 Reales Vellon, Vorderseite. Größe: ca. 275 mm x 130 mm. Abb. 4.2: Tesoro Real de Espana, 15. Mai 1839, 200 Pesos Fuertes de 20 Reales Vellon, Rückseite. Abb. 4.3: Trockenstempel auf dem Bono Reales. Der Schatzschein wurde auf Büttenpapier mit Wasserzeichen (königliches Wappen und Schrift: „CAROLUS V. D. G. H. R.“) gedruckt. Die Bonos sind recht schmucklos einseitig mit einem Text bedruckt. Nur eine Verzierung am linken Rand sowie ein kleines Wappen neben der Überschrift „Tesoro Real de España“ lockern das Bild auf. Als Fälschungs-schutz erhielten die Scheine einen kleinen Trockenstempel mit der Büste des Monarchen und der Legende „Carolus V.D.G. Hispaniarum Rex“. Am unteren Rand finden sich die Unterschriften des Finanzminister Pedro Diaz Labandero sowie die der für die Emission verantwortlichen Person, Juan de Goyeneche, sowie ein handschriftliches Datum. Mit Scheinen zu 50 Pesos fuertes wurde die Truppe entlohnt. Im Dezember 1837 waren erst 900 Noten an die Soldaten in Amurrio ausgegeben. Die Scheine zu 100 Pesos fuertes sollten als Gegenwert bei Unterstützungszahlungen des Adels ausgegeben werden. Da Don Carlos jedoch im spanischen Adel nur wenige Unterstützer fand, wurde dieser Wert kaum gebraucht. Der Wert zu 200 Pesos fuertes schließlich war wahrscheinlich das meist gebrauchte Nominal, da er vorwiegend für Transaktionen im Ausland bestimmt war. Auf manchen dieser Scheine findet sich eine handschriftliche Notiz des Notar J. A. Pinna , Saint Micheal Alley Cornell in London. Bleibt noch anzumerken, dass ein großer Teil der 200-Peso-Scheine so viele Fehler enthielt, dass diese im Franziskanerkloster in Estella verbrannt wurden. Nach einigen Jahren blutiger Kämpfe und Intrigen verlies Don Carlos besiegt die iberische Halbinsel und suchte Zuflucht in Frankreich. Hier wurde ihm Bourges als Zufluchtsort zugewiesen. Erst am 18. Mai 1845, als er dem Thron zugunsten seines ältesten Sohnes Carlos Luis entsagte, durfte er sein Exil verlassen. Als Graf von Molina lebte er ab 1847 in Triest, wo er am 10. März 1855 starb und in einer Seitenkapelle der Kathedrale von San Giusto in Triest beigesetzt wurde. Mit dem Tode Don Carlos war der spanische Thronkonflikt keines Falls beendet. Es sollten noch zwei weitere Bürgerkriege folgen, bevor Ruhe einkehrte. Uwe Bronnert Literatur: Enciclopedia de los Billetes de España 1783 – 2006, Tomo I, Segunda edición, 2006.
- Fürst Awalow-Bermondt und die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee
Abenteurer, russischer Monarchist, Nationalist und Offizier und vielleicht auch Hochstapler, so beschreiben Biographen Oberst Fürst Pawel Michailowitsch Awalow-Bermondt [Russisch: Павел Михайлович Авалов-Бермондт]. Bild 1: Oberst Fürst Pawel Michailowitsch Awalow-Bermondt, Quelle: "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff, Oberbefehlshaber der Deutsch-Russischen Westarmee im Baltikum", Glückstadt und Hamburg 1925. Wer war dieser geheimnisumwitterte, stets in großer Tscherkessen-Uniform Auftretende, „stets gefolgt von einer ganzen Suite ordenübersäter Offiziere und einer berittenen Leibwache in tscherkessischen Uniformen.“1 Herkunft, Adelstitel und militärischer Werdegang liegen weitgehend im Dunkel und beruhen auf seinen eigenen Angaben. Danach wurde er am 4. März 1877 in Tiflis als Sohn des georgischen Fürsten Michail Antonowitsch Awalischwili geboren, mit dem seine Mutter in erster Ehe verheiratet war. Sein Vater habe ihn 1919 aufgefordert, den Fürstentitel und den russifizierten Namen Awalow anzunehmen. Der Name Bermondt stamme vom Stiefvater, dem zweiten Ehemann seiner Mutter.2 1905 nahm er am Russisch-Japanischen Krieg teil und wurde 1918 zum Oberst befördert. In Südrussland und der Ukraine beteiligte er sich an antibolschewistischen Aktionen, die zu seiner Gefangennahme in Kiew führten. Hier wurde er von deutschen Truppen befreit und gelangte nach Salzwedel, wo er im Kriegsgefangenenlager mit deutscher Unterstützung eine russische Freiwilligen-Truppe für den Kampf gegen die Bolschewisten aufstellte. Die weißrussische Exilregierung in Berlin betraute ihn als Nachfolger des Fürsten Anatol Pawlowitsch Lieven mit der Führung der weißrussischen Befreiungsarmee. Anfang Juni 1919 gelangten er und etwa 300 Mann, die zunächst nach dem ermordeten Führer der weißen Bewegung Fjodor Arturowitsch Keller „Korps Graf Keller“ genannt wurde, nach Kurland.3 In Mitau schlug er am 12. Juni 1919 sein Hauptquartier auf. Da der russischen Truppe die notwendige Schlagkraft fehlte, nahm der Fürst Kontakt zu den „herrenlos“ gewordenen Freikorps auf. Denn die deutsche Reichsregierung hatte auf Anordnung der Entente-Kommission ihre Rückkehr ins Reich befohlen. Gemäß Artikel XII des Waffenstillstandsvertrags von Compiègne vom 11. November 1918 hatte die deutsche Armee zuvor bis auf Weiteres in den baltischen, ehemals russischen Randprovinzen bleiben müssen, da weder Briten noch Franzosen gewillt waren, eigene Soldaten zu entsenden, um den Vormarsch der Roten Armee nach Westen zu stoppen. Zu diesem Zeitpunkt verfügten in diesem Gebiet nur das deutsche Heer und die Baltendeutschen4 mit der „Baltischen Landeswehr“ über militärische Machtmittel. Allerdings existierte die 8. deutsche Armee nur noch auf dem Papier. Soldatenräte hatten das Kommando übernommen und die Offiziere vertrieben sowie die Demobilisierung und sofortige Heimkehr nach Deutschland angeordnet. In wenigen Tagen lösten sich ganze Regimenter in Luft auf. Den zurückweichenden deutschen Truppen folgte die Rote Armee auf dem Fuß. Anfang Dezember 1918 war bereits der größte Teil Estlands von den Bolschewisten besetzt und Ende Dezember auch weite Teile Lettlands, sodass die deutsche Regierung Ostpreußen bedroht sah. Die Letten baten Deutschland um militärische Hilfe.5 Durch Vermittlung der Briten kam es am 29. Dezember 1918 zu jenem Abkommen zwischen August Winning, dem „Generalbevollmächtigten des Reichs für die Baltischen Lande“ und der provisorischen, lettischen Regierung unter Ulmanis, in dem der Einsatz deutscher Freiwilliger geregelt wurde. Darin erklärten sich die Letten bereit, allen ausländischen Freiwilligen, die mindestens vier Wochen für die Befreiung des lettischen Staats vom Bolschewismus kämpften, auf Wunsch die lettische Staatsbürgerschaft zu gewähren. Schon bald wurde aus der Zusage der Einbürgerung die „Aussicht auf Zuteilung von Siedlungsland“.6 Diese Parole löste ein „baltisches Fieber“ aus. Tausende zog es als Söldner nach Osten. Generalmajor Rüdiger von der Goltz übernahm von der deutschen Heeresleitung den Auftrag, die neue Streitmacht im Baltikum zu führen. Zunächst bestand sie nur aus wenigen Tausend Soldaten, neben der "Baltischen Landeswehr" aus einem lettischen Bataillon, einer weißrussischen Abteilung und der "Eisernen Brigade" unter dem Befehl von Major Joseph Bischoff. Zu ihnen stieß in den nächsten Wochen die neu aufgestellte I. Garde-Reserve-Division sowie diverse Freikorps-Verbände. Sie wurden „zwar … in größeren Einheiten zusammengefasst, normalerweise scherten sie sich aber wenig um militärische Strukturen. Meistens fühlten sie sich nur ihrem Führer verpflichtet und operierten weitgehend selbständig. Die enge Bindung zwischen Offizieren und Mannschaften war charakteristisch für die Freikorps. Ein Teilnehmer vergleicht sie mit einem ‚Clan‘, in dem nur die gegenseitige Loyalität zählte. Gleichzeitig pflegten viele ein gewisses Räuberimage, ließen sich Haare und Bärte wachsen und grüßten Offiziere nur, wenn sie ihnen genehm waren.“7 Mit 14.000 Mann, davon etwa 10.000 Freikorps-Soldaten, startete von der Goltz im März 1919 die Gegenoffensive.8 Bereits Ende März 1919 hatten die Freikorps-Truppen den größten Teil Kurlands wieder befreit und rückten nun auf Riga vor, das nach nur eintägigem, erbitterten und blutigem Kampf am 22. Mai 1919 eingenommen wurde. Die bolschewistischen Einheiten wurden zum Teil völlig aufgerieben und zogen sich stark dezimiert nach Norden zurück. In den folgenden Wochen änderten sich die politischen Verhältnisse, sodass die deutsche Reichsregierung den Freikorps die Rückkehr ins Reich befahl. Der größte Teil der Freikorps-Soldaten wollte jedoch dem Befehl nicht folgen. Am 26. September 1919 übergab der bisherige Befehlshaber der deutschen Truppen im Baltikum, General Graf von der Golz, das Kommando an Fürsten Awalow-Bermondt.9 Auf diese Weise waren die Deutschen im Freikorps nicht mehr verpflichtet, ins Reich zurückzukehren, wie es der Friedensvertrag von Versailles verlangt hatte. Auch mögliche Repressalien der Alliierten gegenüber dem Deutschen Reich wurden dadurch abgewendet.10 Die Freiwillige Westarmee wuchs durch den Übertritt der Freikorps (z.B. „Eiserne Division“ unter Major Bischoff mit etwa 15.000 Soldaten, „Deutsche Legion“ unter Kapitän zur See Sievert mit 9.000 Soldaten, „Freikorps Plehwe“ unter Hauptmann von Plehwe mit etwa 3.000 Soldaten) sowie der "Baltischen Landeswehr" auf insgesamt etwa 50.000 Mann, davon rund 40.000 Deutsche und Deutschbalten sowie 10.000 Russen. Das Aufbringen der notwendigen finanziellen Mittel für die Freiwillige Westarmee gestaltete sich durch das in Lettland herrschende Währungs-Chaos schwierig, zumal das Deutsche Reich am 11. Oktober 1919 die Sold-Zahlungen an die Freikorps-Soldaten einstellte.11 Während des Ersten Weltkriegs war der Russische Rubel durch Verordnung der deutschen Militärverwaltung vom 20. Juli 1918 als gesetzliches Zahlungsmittel außer Kraft gesetzt worden. An seine Stelle trat die Oberost-Mark der Darlehnskasse Ost, wobei der Rubel mit einer Mark gerechnet wurde. Der Oberost-Rubel der Ostbank für Handel und Gewerbe (Darlehenskasse Ost) blieb zum Wert von zwei Oberost-Mark im Umlauf. Ende 1918 waren im eben gegründeten lettischen Staat Währungen mit unterschiedlicher Kaufkraft im Geldverkehr: Ostmark, Ostrubel, deutsche Mark sowie städtisches Notgeld (Mitau, Libau und Windau). Infolge der Eroberung des größten Teils Lettlands durch die Rote Armee strömten Zaren- und Kerenski-Rubel ins Land. Im Frühjahr 1919 gab der Sowjet der Arbeiterdeputierten der Stadt Riga 1-, 3-, 5- und 10-Rubel-Scheine aus, die als gesetzliches Zahlungsmittel auf dem Gebiet von ganz Sowjet-Lettland im Umlauf waren. Der Sowjet der Arbeiterdeputierten des Kreises Cesis (Wenden) gab ebenfalls eigenes Geld zu 5 und 10 Rubel, das Anleihekupon genannt wurde, aus. Am 22. März 1919 ermächtigte die provisorische Regierung der Republik Lettland in Libau das Finanzministerium durch Gesetz Kassenscheine über 1, 5, 10, 25, 100 und 500 Lettischen Rubel auszugeben. Am 18. März 1920 erklärte sie die Regierung zu alleinigen Zahlungsmitteln auf dem Territorium Lettlands.12 Die Heeresleitung der Freiwilligen Westarmee war gezwungen, Kassenscheine im Wert von 10 Millionen Mark zu emittieren. Gerüchteweise sollen allerdings in Berlin allein vom 50-Mark-Nominal Scheine im Wert von 25 Millionen Mark hergestellt worden sein.13 Auch kommen Kassenscheine mit gleicher Kontrollnummer vor, z.B. zwei 1-Mark-Scheine mit „Б 352545“. Die Kassenscheine nennen als Ausgabedatum den 10. Oktober 1919. Sie wurden auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Die eine Seite in deutscher Sprache, während die andere Russisch beschriftet ist. Hier findet sich auch die schwarze, sechsstellige Kontrollnummer mit dem vorgedruckten kyrillischen Serienbuchstaben sowie die gedruckten Unterschiften des Fürsten Awalow-Bermondt, Oberbefehlshaber der Armee, und Eugen Freiherr von Engelhardt, Leiter der staatlichen Wirtschaftsabteilung der Armee. Im Tagesbefehl des Oberbefehlshabers vom 24. Oktober 1919 wird die Ausgabe von Scheinen zu 1, 5, 10 und 50 Mark bekannt gegeben. Sie galten ab dem folgenden Tag als allgemeine Zahlungsmittel im dem von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet und sollten ab 10. April 1920 gegen Mark oder gleichwertige russische Valuta eingelöst werden. Die 1-, 5- und 10-Mark-Scheine, „deren Wert durch das Heeresgut der ‚Freiwilligen Westarmee‘ gesichert ist“, wurden in Mitau von der Druckerei J. Stefenhagen gedruckt. Der Schein zu 50 Mark weicht in seiner Gestaltung und im Text von den übrigen Werten ab und soll bei der Druckerei Schulz oder Schwarz in Berlin hergestellt worden sein.14 Als Vorlage diente die russische 50-Rubel-Note von 1899. Im sechszeiligen Text heißt es: „Diese Kassenscheine deren Wert durch den / Staatsbesitz des von der freiwilligen Westarmee besetzten / Gebietes gewährleistet ist, gelten in diesem als gesetzliches / Zahlungsmittel und werden ab 10. Okt. 1920 von den staatlichen / Banken und den amtlichen Zahlungsstellen gegen deutsche / Reichsmark oder gleichwertige russische Währung eingelöst.“ Awalow schreibt in seinen Erinnerungen: „Die 50 Mark-Scheine, die angeblich durch das Gesamtvermögen des von meiner Armee besetzten Gebietes sichergestellt wurden, sind tatsächlich niemals herausgegeben worden. Ich habe niemals Wertzeichen mit einer fiktiven Garantie emittiert.“15 Dies steht im Widerspruch zum genannten Tagesbefehl. Neben den erwähnten Werten sollen auch Kassenscheine zu 2 Mark gedruckt worden sein, die jedoch durch einen Brand vollständig vernichtet wurden.16 Dieser Brand soll auch die Ursache dafür sein, dass es Scheine mit und ohne Trockenstempel gibt, da bei dem Brand auch die Prägemaschine zerstört wurde, mit der der Trockenstempel auf den Kassenscheinen angebracht wurde.17 Der Stempel hat einen Durchmesser von ca. 15 mm. Bei den meisten Scheinen ist die Darstellung (zaristischer Adler mit Umschrift) des Abdrucks kaum zu erkennen. Marcilger vertritt die Meinung, dass es sich bei den Geldzeichen ohne Trockenstempel um unfertige Exemplare handelt.18 Die lettische Post brauchte 1920 das Papier von unfertigen 10-Mark-Scheinen, bei denen nur die deutschsprachige Seite bedruckt war, zur Herstellung von Briefmarken auf. Hierbei handelt es sich um Marken zu 1 bzw. 10 Rubel. Anzumerken ist noch, dass es Scheine mit Abstempelungen deutscher Freikorps gibt, deren Echtheit jedoch fraglich ist. Abb. 9.1/2: Briefmarke zu 1 Rubel der Lettischen Post, gedruckt auf 10-Mark-Schein, Vorderseite und Rückseite. Abb. 10.1/2: Briefmarke zu 10 Rubel der Lettischen Post, gedruckt auf 10-Mark-Schein, Vorderseite und Rückseite. „Laut Tagesbefehl des Oberbefehlshabers der Freiwilligen Westarmee vom 24. Oktober wird Geld der Freiwilligen Westarmee im Betrag von 10 Millionen Mark in Umlauf gesetzt, und zwar in Scheinen zu 1, 5, 10 und 50 Mark. Vom 25. Oktober ab haben diese Geldwertzeichen im ganzen von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet gleichberechtigt mit dem Ostgeld Verwendung zu folgendem obligatorischen Kurse: 2 Mark im Geld der Freiwilligen Westarmee gleich 1 Ostrubel oder 2 Zarenrubel. Die ausgegebenen Scheine müssen ab 10. April 1920 gegen Mark oder gleichwertige russische Valuta eingelöst werden und sind durch das gesamte Heeresgut der Freiwilligen Westarmee wie auch durch das gesamte in dem von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet gelegene Kroneigentum garantiert. Die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee werden im Westkreditkontor in Mitau in Ostgeld umgewechselt: an alle Militärchargen der Freiwilligen Westarmee, welche sich auf Urlaub in die Heimat begeben oder welche durch Vermittlung des Westkreditkontors ihren Familien Geld überweisen; an alle Personen, welche die Genehmigung für eine Auslandsreise besitzen; an alle Kaufleute, welche ausländische Waren beziehen, und zwar in Beträgen, welche eine böswillige Spekulation mit der Valuta ausschließen. Mitau, den 24. Oktober 1919.“19 Die Währung der Freiwilligen Westarmee wurde an der Berliner Börse nicht notiert. Somit hätten die deutschen Söldner keine Möglichkeit gehabt, die Familien in der Heimat zu unterstützen. Aus diesem Grund sollte im Bedarfsfall ein Umtausch im Westkreditkontor in Mitau möglich sein. Awalow führt in seinen Erinnerungen aus, dass das Geld der Freiwilligen Westarmee bei der Bevölkerung so beliebt gewesen sei, dass man 1 Mark und 20 Pfennig in Ostmark für 1 Mark der Freiwilligen Armee hätte zahlen müssen.20 Und dies, obwohl nach dem Tagesbefehl beide Währungen pari standen. Die Deutschen, die an dem angeblich gegen die Sowjets geführten Krieg teilnahmen, taten dies im Glauben an das falsche Versprechen, dass ihnen Land für die Besiedlung zusicherte. Nun, nachdem sich die Rote Armee aus dem Baltikum zurückgezogen hatte, war die deutsche „Mission“ eigentlich erfüllt und man hoffte nun die Früchte des Siegs ernten zu können. Awalow dagegen betrachtete die ehemaligen Provinzen als integralen Bestandteil Russlands, die es galt zurückzugewinnen und den Kampf gegen die Sowjets im Inneren Russlands fortzuführen. Was nun folgte war ein politisches und militärisches Abenteuer. Awalow hätte damit rechnen müssen, dass sein Angriff auf die nationale lettische Armee zu einer Intervention der westlichen Alliierten führen würde. Am 8. Oktober 1919 startete seine Armee von Mitau ausgehend ihre Offensive gegen Riga. Die an der Mündung der Düna stationierte britische Flotte beschoss daraufhin ab 15. Oktober die Stellungen der Westarmee, während nationale lettische Truppen am 3. November die linke Flanke angriffen, sodass sich die Truppe nach Mitau zurückziehen musste und schließlich Ende November in Richtung Ostpreußen evakuiert wurde. Die Reichsregierung erklärte sich bereit, „die am 11.10.19 eingestellte Soldzahlung an die deutschstämmigen Baltikumsoldaten rückwirkend wiederaufzunehmen. Auch an die seit dem 14.11.19 [Generalleutnant] Eberhardts Befehl unterstehenden westruss. Truppen des Oberst Awaloff-Bermondt sollten bis zum 20.12.19 Gebührnisse gezahlt werden.“21 Die Freikorps-Soldaten sollten bis spätestens 15. März 1920 entlassen werden. Bereits Ende November 1919 hatte sich das Reichsfinanzministerium bereit erklärt, dem einzelnen Soldaten maximal 300 Mark des „Bermondtgeldes“ „mit Rücksicht auf [die] Bedürfnisse des Rücktransportes“ in deutsches Geld umzuwechseln. Und was wurde aus Oberst Awalow-Bermondt? Er setzte sich nach der Niederlage seiner Streitmacht zunächst nach Dänemark ab und lebte später in Deutschland. Als im August 1939 der Deutsch-Russische-Nichtangriffspakt geschlossen wurde, war seine russisch nationalsozialistische Bewegung bei den Nationalsozialisten nicht mehr erwünscht. Er wurde verhaftet und später aus Deutschland ausgewiesen. Über Belgrad gelangte er 1941 in die Vereinigten Staaten, wo er am 27. Januar 1974 in New York starb. Uwe Bronnert Anmerkung der Redaktion: Es kommen verschiedene Schreibweisen des Namens von Oberst Awalow vor. In Wikipedia findet man ihn unter Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff. Die Transkription aus dem Russischen lautet aber Awalow und nicht Awaloff. Diese eingedeutschte Schreibweise geht auf seine 1925 in Deutschland erschienene Publikation "Im Kampf gegen den Bolschewismus" zurück. Auf den hier behandelten Scheinen der Freiwilligen Westarmee unterschrieb er mit "Awalow-Bermondt", weshalb wir im Artikel auch diese Schreibweise nutzen. Anmerkungen: Edgar v. Schmidt-Pauli, Geschichte der Freikorps 1918 – 1924, Stuttgart 1936, S. 132. Nach einer anderen Quelle war er der Sohn des Karäers Rafail Bermondt, mütterlicherseits stamme er aus dem georgischen Fürstengeschlecht Awalischwili bzw. der Titel und der Namen stamme vom Bruder seiner Mutter, der ihn adoptiert habe. Das Dokument Nr. 52, Besprechung beim Reichspräsidenten über die Räumung des Baltikums. Weimar, 20. August 1919, spricht von 7.000 Mann als antibolschewistische Kampfeinheit im Baltikum. https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_53.html?highlight=true&search=Awaloff&stemming=true&pnd=&start=&end=&field=all#highlightedTerm. Sie machten nur etwa 8 % der Gesamtbevölkerung aus. Zwischen ihnen und den Letten, Esten und Litauern bestand seit jeher eine tiefe Kluft. Die Baltendeutschen stellten die Oberschicht aus Gutsbesitzern und Adligen dar, Nachkommen der Anfang des 13. Jahrhunderts eingewanderten Ordensritter. Die nachrückenden lettischen Eliteregimenter der Roten Armee eroberten Anfang Januar 1919 bereits Riga, Mitau und Schaulen. Die Offiziere in den Anwerbebüros im Reich verbreiteten bewusst das Märchen, dass die Freiwilligen Siedlungsland erhalten würden. Frank Westenfelder, Die Freikorps. http.//www.kriegsreisende.de/relikte/freikorps.htm. Mitte April standen ca. 40.000 Soldaten unter dem Kommando des Generalmajors von der Goltz. Am 4. Oktober 1919 befahl das deutsche Oberkommando unter dem Druck der Westalliierten General von der Golz, nach Deutschland zurückzukehren. Die USA hatten der Reichsregierung damit gedroht, Lebensmittellieferungen einzustellen, wenn die deutschen Truppen nicht aus dem Baltikum abgezogen würden. So erhielt der Gemeine täglich 11 Mark, der Offizier ohne Posten 18 Mark, der Subaltern-Offizier 24 Mark, der Kompanieführer 30 Mark, der Bataillons-Kommandeur 36 Mark, der Regiments-Kommandeur 42 Mark, der Brigade-Kommandeur 48 Mark, der Divisions-Chef 54 Mark, der Chef des Armeestabs 75 Mark und der Armee-Befehlshabers 100 Mark. Für Unterhalt und Uniformierung eines Soldaten waren monatlich ca. 1.000 Mark zu veranschlagen. S. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff, Oberbefehlshaber der Deutsch-Russischen Westarmee im Baltikum", Glückstadt und Hamburg 1925, S. 220. Vgl. O. Lehnich, "Währung und Wirtschaft in Polen, Litauen, Lettland und Estland", Berlin 1923, S. 221 ff. und Kristīne Ducmane u. Ēvalds Vēciņš, Nauda Latvijā, Latvijas Banka 1995, S. 251 f. A. Platbārzdis, Latvijas Naudas, Stockholm 1960, S. 65. S. A. Platbārzdis, Coins and Notes of Estonia, Latvia, Lithuania, Stockholm 1968, S. 48. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff …", S. 220. N. Kardakoff, "Katalog der Geldscheine von Russland und der Baltischen Staaten 1769 – 1950", Berlin 1953, S. 52. Ebenda. Vgl. V. Marcilger, "The Monetary History oft he Baltic States with a detailed Catalogue of Currency Notes", München 1999, S. 200. O. Lehnich, S. 345 f. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff …", S. 220. Nr. 156 Kabinettssitzung vom 28. Januar 1920 [16 Uhr], 1. Geldzahlungen an die nationaldeutschen Baltikumkämpfer und an die nationalrussischen Truppen. https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/011/bau/bau1p/kap1_2/kap2_158/index.html. Hans-Ludwig Grabowski, "Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapier und Gutscheine", 21. vollständig neu erstellte Auflage 2018, S. 458 f.
- Die Rätsel-Serie – Notgeld der Gemeinde Frose/Anhalt
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verschwanden die Gold- und Silbermünzen aus dem Zahlungsverkehr. Ab 1916 wurden dann auch die Nickel- und Kupfermünzen als willkommene Rohstoffreserve eingezogen. Die staatlichen Ersatzprägungen aus Eisen, Zink und Aluminium reichten bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Städte, Kreise und Unternehmen ließen daher ebenfalls Notmünzen aus Eisen und Zink prägen, und als sich die Beschaffung dieser Rohstoffe immer schwieriger gestaltete, überschwemmte eine wahre Flut von Papier-Notgeld das Land. Die große Arten- und Variantenvielfalt machte nach Kriegsende das Sammeln von „Kriegsgeldzeichen“ sehr populär. Immer häufiger wandten sich Sammler an die Kommunalverwaltungen mit der Bitte um Überlassung von Notgeldscheinen und Notmünzen. Mancher Kämmerer witterte die Chance und ließ nun besonders ab 1921 eigens für Sammler Notgeld herstellen. In der Regel wurden vom einzelnen Nominal nicht nur ein Schein, sondern gleich mehrere – durch Abbildungen und/oder Farbgestaltung – unterschiedliche Gutscheine gedruckt und häufig in einem besonderen Kuvert mit genauer Beschreibung der Darstellungen, zu weit über dem Nominalwert liegenden Preisen verkauft. „Das aus der Not geborene Geld entartete zum bunten Sammelobjekt. Geld wurde selbst zur Handelsware.“ Dabei versuchte man, immer ausgefalleneres Geld zu schaffen. Druckereien und private Prägeanstalten taten das ihrige, um den Boom anzuheizen. Auch die Gemeinde Frose (Anfang der 1920er Jahre 2.300 Einwohner),1 die im nordöstlichen Harzvorland östlich der unteren Selke liegt und auf eine tausendjährige Geschichte zurückblickt, beteiligte sich an der Emission dieser sog. Serienscheine. Um sich aus der Masse der Notgeldausgaben hervorzuheben, ließ man sich etwas ganz Besonderes einfallen: die Gutschein-Serie vom 27. Juni 1921 als Preisrätsel in sechs Folgen. Das mitgelieferte Informationsblatt „Wichtig für den Erwerber dieser Serie!“ vermittelt dem Erwerber den Eindruck, nicht nur eine große nationale Idee beim Kauf zu unterstützen, sondern ermöglicht es ihm darüber hinaus durch interessante Gewinne seine Sammlung zu bereichern, falls er das Ratespiel richtig löste und die Lösung möglichst bald an den Gemeindevorsteher Henke bzw. an Willy Dockhorn in Frose einsandte. Voraussetzung war jedoch, dass bei der Einsendung auch die Kontroll-Nummer des 1-Mark-Scheins angegeben wurde. Dies garantierte, dass jeder Einsender auch eine Serie erworben hatte. Im Merkblatt wurde versprochen, den Verlosungs-Termin und die Preisträger in den Fachzeitschriften zu nennen. Ebenso sollten die Gewinner auch schriftlich benachrichtigt werden. Als Preise waren zahlreiche Buch-Exemplare von Dr. A. Keller, Das deutsche Notgeld, Teil I und III, G. Prange, Deutsches Kriegsnotgeld von 1914 bis zur Gegenwart, H. Lütckens, Notgeldpoesie, H. Treseburg, Spruchscheine im deutschen Notgeld, K. Skowronek, Wie sammelt man Notgeld sowie ferner Notgeld-Alben für 1000, 500, 200 usw. Scheine, Jahres- und Quartal-Gratis-Abonnements auf die bisher erschienen fünf Notgeld-Fachzeitschriften sowie wundervolle Serien-Zusammenstellungen einzelner Landschaftsgebiete und Staaten usw. ausgelobt. Das war aber noch nicht alles. Das i-Tüpfelchen stand noch aus: „Als Schluß-Schein der anliegenden Rätsel-Serie gelangt nach stattgefundener Verlosung ein 75 Pfg.-Schein an alle Sammler zur Verteilung, welcher in künstlerischer Ausführung die Lösung des Preisrätsels bringen wird. Die Vorbestellung auf diesen interessanten Schein wird bei der Einsendung der Lösung erbeten unter Beifügung eines bereits frankierten Briefumschlages und Einsendung des Betrages von 80 Pfennig in Briefmarken.“ Es ist anzunehmen, dass weniger die Gemeinde Frose als der Lehrer Willy Dockhorn der Initiator der Ausgabe war, von dem auch die Entwürfe zu den Scheinen stammen. Gedruckt wurden sie von der Druckerei Louis Koch in Halberstadt. Dockhorn entwarf bereits früher für die Gemeide Frose die Serie vom 15. März 1921 (25 und 4 x 50 Pfennig) und war auch für weitere Emittenten tätig, so z.B. für die Gemeinde Königsaue (40, 2 x 50, 75 und 100 Pfennig mit Datum vom 10. Juni 1921) und den Kreis Ballenstedt am Harz (25, 30, 2 x 50, 75 und 100 Pfennig vom 22. August 1921). Von ihm stammt auch die Wilhelm-Busch-Serie der Gemeinde Gatersleben (25, 4 x 50 und 75 Pfennig vom 30. Juli 1921) mit der Bildergeschichte „Max und Moritz“. Der erste Schein der Rätselserie ist der Wert zu 1 Mark, der an der Perforation in zwei 50-Pfennig-Scheine getrennt werden konnte. Auf der Vorderseite ein Bilderrätsel und rückseitig wird Bezug auf das Mönchskloster von 950 und das Nonnenstift von 961 genommen. Mit einem Einsetz-Rätsel auf der Vorderseite des Scheins zu 75 Pfennig wird die Aufgabe fortgesetzt, rückseitig wird der Ortsname im Laufe der Jahrhunderte aufgelistet. Die Rätselteile 3 – 5 (Bildrätsel, Rösselsprung und Bildrätsel) folgen auf den 50-Pfennig-Nominalen, auf den Rückseiten auf die germanische Siedlung (1000 vor Chr.), die Stauung der Bode durch Bischof Gebhardt aus Halberstadt(1478) und die Trockenlegung des Sees 1703 – 1709 bezugnehmend. Beim 25-Pfennig-Schein sind bei der Aufgabe schließlich nur einige Worte in die richtige Reihenfolge zu bringen. Die Rückseite steht in der Bergmannstradition des Ortes. Vielleicht haben Sie ja Lust und Muse, das Geheimnis der Scheine selbst zu lösen. Da Dockhorn bei der Beschriftung das Sütterlin verwendet hat, das vielen heute nicht mehr geläufig ist, hilft hier die Wiedergabe des Alphabets. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg. Alle anderen können das Ergebnis sofort dem undatierten Abschluss-Schein zu 75 Pfennig entnehmen. Dieser Schein wurde nicht mehr von der Gemeinde emittiert, sondern wohl nur noch von Herrn Dockhorn. Wir haben ihn kopfstehend dargestellt, denn ganz so einfach wollen wir es dann doch nicht machen. Anmerkung: Am 15. Juli 2009 bildete Frose zusammen mit vier weiteren Orten die neue Gemeinde Seeland. Uwe Bronnert
- Noten der Banca d’Italia mit dem Aufdruck „Serie Speciale Africa Orientale Italiana“ (1938/39)
Italien erlangte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine staatliche Einheit. Der durch die Industrialisierung erhöhte Rohstoffbedarf und die Massenauswanderung veranlasste die italienische Regierung, den Erwerb eigener Kolonien ins Auge zu fassen. 1881 – 1885 eroberte es äthiopische Gebiete am Roten Meer, die 1890 zur Kolonie Eritrea zusammengefasst wurden. 1889 folgte der südliche Teil Somalias, dass spätere Italienisch-Somaliland. Allerdings scheiterte 1894 – 1896 der Versuch, weitere äthiopische Gebiete zu erobern. Tripolitanien und die Cyrenaika, die beiden letzten Provinzen des Osmanischen Reichs auf afrikanischen Boden, weckten wegen der Lage am Mittelmeer und der Nähe, Italiens Interesse. Um von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken stellte Premierminister Giovanni Giolitti im am 27. September 1911 dem Sultan Mehmed V. ein Ultimatum, beide Provinzen bedingungslos an Italien zu übergeben. Grund hierfür war die angeblich schlechte Behandlung italienischer Bürger in Libyen. Der Sultan antwortete mit einer Kriegserklärung. Der folgende Italienisch-Türkische Krieg endete mit dem Frieden von Lausanne 1912, in welchem die Osmanen die Provinzen abtraten. Die zuvor von Italien besetzten Dodekanes (Inselgruppe in der östlichen Ägäis) gaben die Italiener trotz anders lautender Friedensbedingungen nicht an die Türken zurück. Der italienische Diktator Benito Mussolini träumte seit seiner Machtergreifung im Oktober 1922 davon, das „Imperium Romanum“ wieder aufleben zu lassen. Ein Baustein hierzu sollte ein Reich am Horn von Afrika sein, das Eritrea, Somaliland und Abessinien (Äthiopien) umfasste. Ägypten und der Sudan sollten später die Brücke nach Libyen bilden. Jedoch war Äthiopien nur durch einen Krieg „einzuverleiben“. Bereits 1912 hatte sich Italien erfolglos bemüht, das Prägerecht für die Maria-Theresia-Taler (MTT) vom Österreichisch-Ungarischen Kaiserreich zu erhalten. Die veränderte internationale politische Lage veranlasste die Regierung Österreichs im Abkommen vom 9. Juli 1935, Italien das Taler-Prägemonopol auf Dauer von 25 Jahren zu überlassen. Dieses Abkommen verschaffte Italien nun die Möglichkeit, sein Expeditionskorps in Ostafrika unbeschränkt mit eigenen MTT zu versorgen. Von August 1935 bis Mai 1937 wurden 18 Millionen MTT von Rom nach Ostafrika expediert. Die römische Münzanstalt „Reggia Zecca“ benötigte hierfür 505.101 Kilogramm Silber (835/1000 fein). Die Münzen sind von den Wiener Prägungen kaum zu unterscheiden, da Rom mit Original-Prägestempel arbeitete. Am 2. Oktober 1935 erkläre das faschistische Italien Abessinien den Krieg, das neben Liberia der einzige weitere selbstständige Staat auf dem afrikanischen Kontinent war. Bei diesem völkerrechtswidrigen Angriffs- und Eroberungskrieg gelang es den 200.000 italienische Soldaten schnell die Städte Adua und Axum zu erobern. Am 5. Mai 1936 zog Feldmarschall Pietro Badoglio mit seinen Truppen in der abessinischen Hauptstadt Addis Abeba ein, sodass Mussolini am 9. Mai vom Balkon des Palazzo Venezia in Rom vor begeisterten 100.000 Anhängern das offizielle Ende des Krieges und die Annexion Abessiniens erklärte. Der italienische König Victor Emanuel III. wurde zum Kaiser von Abessinien proklamiert und die Kolonien Eritrea und Somalia sowie Abessinien unter dem Namen „Africa Orientale Italiana“ (A.O.I.) zusammengefasst. Großbritannien und Frankreich unterstützen den abessinischen Kaiser Haile Selassie nur halbherzig, war man doch bestrebt, Mussolini nicht in die Arme Hitlers zu drängen. Bereits am 4. Juli 1936 hob der Völkerbund die gegen Italien verhängten Sanktionen auf, was aber Italien nicht hinderte, am 11. Dezember seinen Austritt aus dem Völkerbund zu erklären. In den 1920er Jahren gelang es den italienischen Behörden das italienische Währungssystem in den Kolonien Eritrea und Italienisch-Somalia durchzusetzen. Im Nachbarland Äthiopien war von Beginn des 19. Jahrhunderts an der MTT die offizielle Landeswährung. Die Bank von Äthiopien schätzte 1934 den Gesamtumlauf auf 35 bis 50 Millionen Taler. Sie selbst gab Banknoten zu 2, 5, 10, 50, 100 und 500 Thalers mit Ausgabedatum 1. Mai 1932 aus, von denen zuletzt Noten im Wert von 3,3 Millionen Taler im Umlauf waren. Dies hatte zur Folge, dass der Handel zwischen den italienischen Kolonien und Äthiopien vielfach nur auf der Grundlage des Talers getätigt werden konnte. Deshalb spielte er in beiden italienischen Kolonien auch weiterhin eine wichtige Rolle als Zahlungsmittel. Bereits am 15. Juli 1936 wurde durch Dekret die Lire grundsätzlich auch in Abessinien zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Daneben blieb auch der MTT mit einem amtlichen Kurs als Zahlungsmittel zugelassen. Der Taler-Kurs stieg von 5 Lire im Juli auf 8,50 im November 1936, auf 10,50 im März und schließlich auf 13,50 Lire im Juli 1937. Da die italienische Absicht, den Taler-Umlauf allmählich aufzusaugen, nicht von Erfolg gekrönt war, verbot kurzerhand eine am 16. Juli 1937 erlassene Verfügung die Verwendung von Taler-Münzen zur Bezahlung von Importwaren. Der Taler sollte künftig nur bei Geschäften mit Landesprodukten und Dienstleistungen verwendet werden. Da der Weltmarktpreis für Silber niedriger war, als der amtliche italienische Kurs, strömten auf Schleichwegen weitere MTT ins Land. Daher demonetisierte Italien Anfang 1938 den MTT und die Lire wurde zur alleinigen Währung. Die öffentlichen Kassen nahmen zwar den Taler noch an, zahlten dafür aber nur noch den Silberpreis. Mit zwei Dekreten vom 18. März und 8. August 1938 führte die italienische Regierung spezielle Banknoten der Banca d’Italia in Ostafrika ein. Diese Noten entsprechen in Größe und Gestaltung den bereits in Italien zirkulierenden floralen Banknoten. Zur Unterscheidung waren sie nur farblich geringfügig verändert worden. Zusätzlich erhielten sie einen roten Aufdruck am oberen und unteren Rand. Am oberen Rand lautet er „SERIE SPECIALE AFRICA ORIENTALE ITALIANA“ und am unteren „È VIETATA LA CIRCOLAZIONE FOURI DAI TERRITORI DELL‘AFRICA ORIENTALE ITALIANA“, wodurch sie als Zahlungsmittel nur in der neuen Kolonie zugelassen waren. Die allgemeinen Noten der Banca d’Italia durften nicht mehr in die Kolonie eingeführt werden. Der Umtausch in kolonialen Sondernoten und umgekehrt erfolgte in den Häfen der Kolonie durch Zweigstellen der Notenbank. Es wurden zwei Serien hergestellt. Die erste Ausgabe datiert vom 12. September 1938 und umfasste 13,5 Millionen Banknoten mit einem Gesamtwert von 1,8 Mrd. Lire. Im Einzelnen wurden ausgegeben: 8.000.000 Banknoten zu 50 Lire 4.000.000 Banknoten zu 100 Lire 1.000.000 Banknoten zu 500 Lire 500.000 Banknoten zu 1.000 Lire. Am 14. Januar 1939 folgte eine zweite Ausgabe mit verändertem Datum. Die 4.770.000 Banknoten haben einen Gesamtwert von 498.500.000 Lire. Im Einzelnen wurden ausgegeben: 2.970.000 Banknoten zu 50 Lire 1.500.000 Banknoten zu 100 Lire 200.000 Banknoten zu 500 Lire 100.000 Banknoten zu 1000 Lire. Zum Vergleich: Im Mai 1942 wurden die italienischen Kolonien Ostafrikas von den britischen Truppen besetzt. Die Banknoten der A.O.I. wurden nach Italien zurückgeschickt und beim Hauptsitz der Banca d'Italia eingelagert. Aufgrund der Inflation kam es bei der Banca d’Italia im November 1942 zu Stockungen beim Banknotendruck, sodass der Finanzminister durch Dekret vom 25. November den Umlauf der A.O.I.-Banknoten auch in Italien genehmigte. Leider ist nichts über die Menge, der im Inland umgelaufen A.O.I.-Banknoten bekannt. Man geht aber davon aus, dass der Gesamtbetrag unter einer Milliarde Lire gelegen habe. Uwe Bronnert Abb. der Banknoten: Don Ludwig Literatur: Guido Crapanzano (hrsg. V.), Soldi d’Italia, Un secolo di cartamoneta, Fondazione Cassa di Risparmio di Parma e Monte di Credito su Pegno di Busseto 1995. Guido Crapanzano u. Ermelindo Giulianini, La Cartamoneta Italiana, Corpus Notarum Pecuniariarum Italiae, Volume primo 2003, Milano 2003. Dr. J. Hans, Maria-Theresien-Taler, Zwei Jahrhunderte 1751 – 1951, Epilog 1951 – 1960, 2. Auflage, Leiden, Niederlande 1961.
- Nikolaus oder Weihnachtsmann? – Besinnliche Anmerkungen zu zwei Notgeldscheinen
Plätzchen, Lollis, Gummibärchen, Spielzeug – all das und manches mehr steckt am 6. Dezember in Kinder-Stiefeln, so sie geputzt vor die Tür gestellt wurden. Heimlich gebracht vom Nikolaus. Und dort, wo er in seinem roten Mantel, Bischofs-Mitra und Bischofsstab an die Türe klingelt, singen die Kleinen ihr Nikolaus-Lied oder sagen brav das volkstümliche Gedicht „Von drauß vom Walde komm ich her …“ auf. Sie sind ein wenig ängstlich, wenn er in sein goldenes Buch schaut, um die kleinen Schandtaten vorzutragen und dann doch zu fragen, ob die Kinder auch artig waren. Natürlich wird dies bejaht und die leuchtenden, erwartungsvollen Kinderaugen folgen dem Griff in den großen Sack, in dem die Süßigkeiten und Geschenke auf die Verteilung warten. Dieser Brauch erinnert an den Todestag des Heiligen Nikolaus, der zwischen 280 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren wurde. Mit 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht und wenig später zum Bischof von Myra, dem heutigen Demre, etwa 100 Kilometer entfernt von Antalya gelegen. Während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Galerius Valerius Maximinus (305 – 311) geriet auch Nikolaus in Gefangenschaft und wurde gefoltert. Als Todestag gilt der 6. Dezember, das genaue Jahr ist nicht bekannt. Es dürfte zwischen dem Jahr 345 und 351 liegen. Nikolaus soll ursprünglich in der Kirche St. Nikolaus in Demre bestattet worden sein. Noch heute ist dort der leere Sarkophag, mit der aufgebrochenen Seitenplatte zu sehen. Italienische Seeleute raubten seine Gebeine im Jahr 1087 und brachten sie nach Bari. In der süditalienischen Stadt werden sie noch heute in der Basilika San Nicola von zahllosen Pilgern verehrt. Um die Person des Heiligen Nikolaus ranken sich zahlreiche Legenden, wie die der „Mitgift-Spende“: Einst hatte ein Vater drei Töchter im heiratsfähigen Alter. Weil er so arm war, dass er ihnen keine Mitgift für eine standesgemäße Heirat geben konnte, sollten sie ihr Auskommen als Prostituierte finden. Dies erfuhr der noch Nicht-Bischof Nikolaus. Da er durch Erbschaft ein größeres Vermögen besaß, beschloss er, die Jungfrauen vor diesem Schicksal zu bewahren. In zwei aufeinander folgenden Nächten warf er je einen großen Goldklumpen durch das Zimmerfenster der drei jungen Frauen. Um zu erfahren, wer der edle Spender ist, legte sich der Vater auf die Lauer. In der dritten Nacht warf Nikolaus wieder ein Goldklumpen in das Zimmer der Töchter. Der Vater, der dies sah, fragte ihn nach seinem Namen und dankte herzlich für die Geschenke. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige Nikolaus oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln als Heiligenattribute dargestellt. Der Ursprung, dass der Heilige die Kinder am 6. Dezember besucht und beschenkt, hat seinen Ursprung in dieser Legende, ferner aber auch in den mittelalterlichen Kloster- und Stiftsschulen. Am Tag des Festes der Unschuldigen Kinder, dem 28. Dezember, fanden die sog. Bischofs-Spiele statt. An diesem Tag wurde ein Schüler zum „Bischof“ oder „Abt“ bestimmt, der entsprechend gewandet die anderen Schüler für ihr Betragen belohnte oder bestrafte. Später wurden die Bischofs-Spiele auf den 6. Dezember, dem Nikolaustag, verlegt. Da die evangelischen Reformatoren die Heiligenverehrung allgemein ablehnten, verblasste in den überwiegend protestantischen Gegenden der Nikolaus-Brauch. Martin Luther verlegte 1531 die Beschenkung der Kinder auf den 25. Dezember und an die Stelle des „Heiligen Nikolaus“ trat der „heilige Christ“, das spätere „Christkind“. Damit ist nicht das neugeborene Jesuskind gemeint, wie man annehmen könnte, sondern es hat seinen Ursprung in den Engeln oder engelähnlichen Gestalten von Krippenspielen und Weihnachtsumzügen. Ab dem 19. Jahrhundert bekam des „Christkind“ Konkurrenz durch den säkularisierten „Weihnachtsmann“, wie das bekannte Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann …“, dessen Text 1835 von Hoffmann von Fallersleben verfasst wurde, belegt. Der Weihnachtsmann tritt als rundlicher, freundlicher alter Mann mit langem, weißem Rauschebart, rotem und mit weißem Pelz besetzten Gewand und Mütze auf. Ferner hat er einen Sack mit Geschenken für die lieben und eine Rute für die bösen Kinder dabei und wird in manchen Landstrichen von Knecht Ruprecht begleitet. Auch auf deutschem Notgeld ist der Weihnachtsmann vertreten: Die Stadt Neustadt im einstigen Herzogtum Sachsen-Coburg (heute Bayern) gab unter dem Datum 1. Dezember 1918 einen 50-Pfennig-Notgeldschein aus, auf dessen Rückseite ein rotgekleideter Mann mit Kapuze und langem, weißen Rauschebart zu sehen ist, der sich auf dem Weg zur Bescherung befindet. In der rechten Hand hält er einen Wanderstab aus Holz und in der linken zwei Puppen, auf dem Rücken eine Kiepe mit Kinderspielzeug. Die nur wenige Kilometer von Neustadt entfernte Stadt Sonnenberg im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Meinigen (heute Thüringen) setzte dem Weihnachtsmann auf dem 50-Pfennig-Schein vom 20. Februar 1920 ein Denkmal. Die Rückseite zeigt ihn im Profil in einem Oval stehend mit einem geschmückten Weihnachtsbaum in der rechten Hand und einem Holz-Schaukelpferd und einer Puppe in der linken. Für die Verzierung neben dem Oval standen Holzschnitzereien Pate. Der Thüringer Wald war lange Zeit ein Zentrum der deutschen Spielzeugindustrie. In Sonneberg ist heute des Deutsche Spielzeugmuseum beheimatet und Neustadt bei Coburg wird auch als bayerische Puppenstadt bezeichnet. Es ist immerhein beruhigend, der Weihnachtsmann ist keine Erfindung der Coca-Cola-Company, die 1931 die bekannte Figur des „Coca-Cola Santa Claus“ für eine ihrer Werbe-Aktionen „erfand“. Uwe Bronnert
- Eine versteckte Liebeserklärung – Das Geheimnis des Murnauer Inflationsgelds
Wie so viele Kommunen in Deutschland, schritt auch die Marktgemeinde Murnau am Staffelsee in Oberbayern im August 1923 zur Notgeldausgabe. Am 17. August sprach sich der Gemeinderat einstimmig für eine Emission von lokalem Notgeld aus und am 22. wurde das Ausgabevolumen auf insgesamt 12,5 bis 15 Milliarden Mark festgelegt. Bereits zwei Tage später erteilte das bayerische Innenministerium telefonische die Genehmigung zur Notgeldausgabe. Es ist nicht bekannt, wann die Nominale des auszugebenden Notgelds festgelegt wurden; auch fehlen Angaben darüber, wann an die ortsansässigen Künstler die Entwurfsaufträge ergingen. Während der Historienmaler Hans Stubenrauch (1875–1941) den Millionenwert entwarf, stammen die Entwürfe für die Scheine zu 100.000 und 500.000 Mark vom Architekten Gustav Reutter (1894–1971). Mit dem Druck des Notgelds wurde die heimische Buch- und Kunstdruckerei Josef Fürst beauftrag. Am 28. August 1923 lieferte die Graphische Kunstanstalt A. Gässler & Co., München, zum Preis von 240 Goldmark die notwendigen Klischees und Farben. Die ersten der 10.000 Gutscheine zu 1.000.000 Mark lieferte die Druckerei an das Bankgeschäft Kapfer und die Vereinsbank am 30. August 1923. Beide Banken hatten sich verpflichtet, Scheine im Wert von 8 Milliarden Mark bzw. 5 Milliarden Mark abzunehmen und der Gemeindekasse gutzuschreiben und zu verzinsen. Die Auslieferung der 100.000-Mark-Scheine begann am 8. September 1923 und beim 500.000-Mark-Schein erfolgte dies sogar erst am 18. September 1923. Insgesamt waren beim 100.000er 25.500 und beim 500.000er 10.200 Scheine vorgesehen. Legt man diese Zahlen zugrunde, betrüge der Wert der Gesamtauflage 17,65 Milliarden Mark. Die von Gustav Reutter entworfenen Scheine verdienen es, genauer betrachtet zu werden. Die Vorderseite beider Nominale ist bis auf die Wertangabe identisch, wobei als Emissionsdatum „im August 1923“ angegeben wird. Der Unterdruck ist vom bayerischen Wappen inspiriert, zeigt jedoch die blau-weißen Rauten schräg von Links. Am unteren linken Rand findet sich die fünfstellige Kontrollnummer. Im unteren Teil der Scheine ist ferner neben den beiden gedruckten Unterschriften eine weiße runde Fläche für das Stadtsiegel – mit der Abbildung des Drachen und MURNAU – ausgespart. Die eindrucksvollen Rückseitendarstellungen sind als Bildergeschichte gestaltet und greifen Elemente der Sage vom Murnauer Lindwurm auf: In grauer Vorzeit lebte bei Murnau ein ungeheuerer Lindwurm (Drache). Den Bauern raubte er die Kälber von der Weide, die Jungfrauen aus den Häusern und verschlang diese mit Haut und Haaren mit einem einzigen Biss. Anschließend badete er im Staffelsee und löschte dort seinen Durst, bevor er zu seiner Höhle flog, um sich schlafen zu legen, bis er von neuem ein Schaf oder eine Jungfrau begehrte. Der Drache trieb es so toll, dass in Murnau Schafe, Kälber und Jungfrauen zur Seltenheit wurden. Darum versprach der Kaiser denjenigen zum Ritter zu schlagen, der den Lindwurm zur Strecke bringe, zudem sollte er die allerschönste der noch verbliebenen Jungfrauen zur Frau nehmen. Auch wollte der Kaiser dem Paar eine Burg bauen lassen und das Dorf Murnau zum Markt erheben. Der Drache hatte jedoch eine so dicke Haut, dass kein Schwert sie durchdringen konnte, auch schlug er mit seiner Pranke jeden Reiter vom Pferd. Das Schlimmste aber war, dass er Feuer spie, das jeden Brustpanzer wie Butter in der Julisonne schmolz. Nun gab es im Ort einen armen Schusterjungen, der weder Aussicht hatte, je zu Geld oder Gut zu gelangen, noch zu einer schönen Frau, es sei denn, er könnte den Lindwurm töten. Dies war natürlich nur durch List zu erreichen. Er holte sich beim Abdecker ein frisches Kalbsfell, beim Brennofen ungelöschten Kalk und brachte dann alles mit einer Schubkarre an das Seeufer. Dort nähte er das Kalbsfell zusammen und füllte es mit dem Kalk. Sodann versteckte er sich hinter einem Busch und begann wie ein Schaf zu blöken. Hiervon wurde der Lindwurm wach und verspürte sofort Hunger. Das Erste, was er sah, war das präparierte Kalb, auf das er sich sofort stürzte und mit einem Happs verschlang. Da ihn nun der Durst quälte, soff er aus dem See. Dies hatte eine fatale Wirkung, der Kalk im Drachen erhitzte sich und begann zu quellen. Nur mit Mühe konnte er sich noch in die Luft erheben, bevor es ihn mit lautem Krachen in lauter Fetzen zerriss. Der Kaiser hielt sein Versprechen und Murnau erhielt das Recht einen Lindwurm im Wappen zu führen. Die Sage, in der der Lindwurm die Menschheit bedroht – das Böse verkörpert –wird von Reutter ganz anders interpretiert. Auf dem Schein zu 100.000 Mark füttert ein Engel den Drachen aus einem Füllhorn mit Papiergeld, das dieser dann auf dem Schein zu 500.000 Mark über dem Marktplatz fliegend auf die versammelte Bürgerschaft ausspeit. Dabei wirken die Menschen keineswegs ängstlich. Dies belegt eindrucksvoll die Szene mit der Frau in der linken unteren Ecke. Sie breitet ihre Schürze aus, um das Geld aufzufangen. Für den Betrachter ist das Bild ungewohnt und befremdlich, da bei Reutter der Drache nicht das Untier ist, sondern der Hüter unermesslicher Schätze, die er auf die Bürgerschaft regnen lässt. Der Künstler schließt somit den Bogen. Durch den Tod des Lindwurms erhielt Murnau das Marktrecht verliehen, durch das die Bürger Wohlstand erlangten. Beide Scheine warten mit einer weiteren Überraschung auf, und zwar mit einer Liebeserklärung, die sich im Rankenwert des 500.000 Mark-Scheins verbirgt. Man muss schon genauer hinsehen, um die kleinen, versteckten Buchstaben zu erkennen. Von oben links beginnend nach unten und erneut rechts oben beginnend ergeben sie: „ICH HAB DICH LIEB“ und „GISELA LIPOWSKY“. Dieses originelle Liebeswerben verfehlte nicht seine Wirkung. Gesela Lipowski und Gustav Reutter heirateten 1924 in Murnau. Angemerkt sei noch, dass auch der 100.000 Mark-Schein den Namen der Angebeteten enthält. Beide Scheine sind darüber hinaus diskret signiert: „G. Reutter 23“ in der linken unteren Ecke der Abbildung (500.000 Mark-Schein) bzw. „G. REUTTER“ auf einem am Boden liegenden „Notgeldschein“ unterhalb des Drachenkopfes (100.000 Mark-Schein). Literatur: Peter Freude: Murnauer Notgeld – Dokumente einer schweren Zeit, in: Schriften des Historischen Vereins Murnau am Staffelsee, Jg. 17 (1996), H. 17. Michael G. L. Herrmann, Notgeld, in: Michael G. L. Herrmann et. al.: Vom Regenbogenschlüsselchen zum Euro, Geldgeschichte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, München 2014. Christine Künzel, „[D]ie dunkle Schlange des lügnerischen Papiergeldes“ in: Bild Medien Geld, Bildkulturen und Medienreflexionen des Monitären, hrsg. v. Judith Ellenburger, Felix T. Gregor, Paderborn 2019 Die Sage vom Murnauer Lindwurm nach „Der Drache“: http://www.marschin.de/menschen-helfen/kk2k2/drache.html, Stand: 28.11.2019, 10.45 Uhr. Uwe Bronnert












