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  • Die Dollar-Scheine der World Expo 88

    Am 28. April 1770 erreichte Kapitän James Cook die Ostküste Australiens und nahm das Land formell als New South Wales für die britische Krone in Besitz. Weit ab vom Mutterland suchte die britische Regierung einen Landstrich, in dem sie ihre Sträflinge deportieren konnte. Hierfür bot sich Australien an. Am 26. Januar 1788 trafen die ersten elf Schiffe der First Fleet mit rund 1000 Frauen und Männern an Bord, darunter gut drei Viertel Sträflinge, unter der Führung von Arthur Phillip im Port Jackson ein. Die neue Ansiedlung erhielt den Namen Sydney, zu Ehren des damaligen britischen Innenministers Lord Sydney. Dieses Ereignis beging Australien 1988 mit einer Zweihundertjahrfeier. Im Rahmen der Feierlichkeiten fand in Brisbane, der Hauptstadt von Queensland, vom 30. April bis 30. Oktober 1988 die „World Expo 88“ mit dem Thema „Freizeit im Zeitalter der Technologie“ statt. Offiziell wurde die Veranstaltung am 1. Mai 1988 von Königin Elizabeth II. und dem Vorsitzenden des Veranstaltungskomitees Sir Llew Edwards eröffnet. Die Expo 88 zog mehr als 15.760.000 Besucher an und es wurden Eintrittskarten im Wert von 175 Mio. AUD abgesetzt. Das Ausstellungsgelände befand sich am Südufer des Brisbane River, gegenüber des zentralen Geschäftsviertels der Stadt. Auf einer Fläche von 40 Hektar präsentierten sich 52 Regierungen sowie zahlreiche Unternehmen in rund 100 Pavillons. Für die Veranstaltung emittierte man eigene Geldscheine zu 2 und 5 Dollars, die auf dem Messegelände gültig waren. Die Geldscheine wurden auf Papier ohne Wasserzeichen in mehrfarbigem Druck von der American Bank Note Company hergestellt. Beide Nominale haben die gleiche Größe: 160 mm x 80 mm. Beide Scheine zeigen in der Mitte der Vorderseite das farbenfrohe Sunsails-Logo, der Wert zu 2 Dollars groß und der zu 5 Dollars kleiner. Bei letzterem ist unter dem Logo eine Abbildung des Ausstellungsgeländes von der Flussseite gesehen, abgebildet. Das Logo wurde vom bekannten australischen Künstler Ken Done entworfen. Alle Scheine tragen auf der Vorderseite eine achtstellige Kennziffer und am linken Rand den Hinweis auf die Druckerei. Beide Rückseiten sind ähnlich gestaltet und geben das Globus-Logo wieder. Text. und Abb. Uwe Bronnert

  • Russische Bank-Assignate waren in Preußen anzunehmen

    Nach der Seeschlacht von Trafalgar am 21. Oktober 1805 musste Napoleon I. seine Invasionspläne bezüglich Großbritannien aufgeben. Jedoch meinte er, die Briten dadurch in die Knie zwingen zu können, dass er ihren Handel mit dem europäischen Festland unterbände. Nach seinem militärischen Erfolg über Preußen in den Schlachten bei Jena und Auerstedt erließ er mit dem Berliner Dekret vom 21. November 1806 eine Kontinentalsperre für englische Waren, an der sich nicht nur die Satellitenstaaten (Königreich Spanien, der Rheinbund, Königreich Neapel, Königreich Italien und das Herzogtum Warschau) beteiligten, sondern auch gezwungenermaßen Russland, Österreich, Preußen, Dänemark-Norwegen und Schweden. Das Zarenreich war wirtschaftlich auf den Export von Holz, Getreide und Hanf angewiesen sowie vom Import britischer Kolonial- und Industriegüter abhängig. Die russische Währung büßte infolge der Kontinentalsperre 25 % an Wert ein. Daher legalisierte Alexander I. mit Erlass vom 31. Dezember 1810 den Seehandel mit britischen Waren unter neutraler Flagge. Zugleich verhängte er hohe Zölle auf französische Luxuswaren. Als Napoleon auch das Großherzogtum Oldenburg annektierte – der entthronte Großherzog war ein Verwandter des Zaren – verschlechterten sich die Beziehung zwischen Frankreich und Russland weiter. 1811 begannen Frankreich und Russland mit den Vorbereitungen für einen Krieg. Hierzu gehörte auf Frankreichs Seite auch die Fälschung von Rubelnoten. Ende 1811 wurde in Paris ein Drucker verhaftet. Er gab an, die Falsifikate im Auftrag des französischen Polizeiminister gemacht zu haben. Louis-Philippe de Ségur, ein enger Vertrauter Napoleons berichtete, dass dieser das Falschgeld nur mit deutlichem Widerwillen betrachtete. Der größte Teil des Geldes sei auf Anweisung des Kaisers auf dem Rückzug in Wilna verbrannt worden. Nachdem Napoleon seine Truppen in Ostpreußen zusammengezogen hatte, überschritt Napoleons Grande Armée vom 24. bis zum 26. Juni 1812 auf drei Pontonbrücken die Memel (Njemen), die die Grenze zwischen Preußen und Russland bildete. 600.000 Soldaten aus fast allen Teilen Europas zogen in den Krieg. Nicht einmal die Hälfte kamen aus den französischen Départements. Selbst diese waren nach heutigem Verständnis zu einem erheblichen Teil Italiener, Deutsche, Niederländer, Belgier oder Kroaten, denn Frankreich hatte weite Teile Italiens, Belgien, die Niederlande, deutsche Gebiete westlich des Rheins einschließlich großer Teile Norddeutschlands sowie die dalmatinische Küste annektiert. Hinzu kamen Freiwillige aus Portugal und nordafrikanische Reitertruppen, ferner stellten die Rheinbund-Staaten rund 120.000 und das Herzogtum Warschau 96.000 Soldaten. Unter politischem Druck stellten Österreich 30.000 und Preußen 20.000 Mann als Hilfskorps zur Verfügung. Der Feldzug endete nach anfänglichen französischen Erfolgen bekanntlich in einem Desaster. Am 14. Dezember kamen die Reste der Großen Armee nach Polen zurück. Marschall Murat (1808 – 1815 König von Neapel) meldete seinem Schwager, dem französischen Kaiser, an einsatzfähigen Truppen 4.300 Franzosen und 850 Hilfstruppen. Später folgte noch eine Handvoll Nachzügler. Das preußische Hilfskorps, dass sich zu diesem Zeitpunkt noch in Russland befand, war glimpflicher davongekommen. 15.000 Mann erreichten die Heimat. Der kommandierende General der preußischen Hilfstruppen Ludwig Yorck von Wartenburg schloss ohne Wissen und Billigung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. am 30. Dezember 1812 einen Waffenstillstand – Konvention von Tauroggen – mit dem russischen Generalmajor Hans Karl von Diebitsch. In den folgenden Wochen breitete sich unter der preußischen Bevölkerung eine antinapoleonische Stimmung und patriotischer Enthusiasmus aus, dem sich auch der bis dahin zögernde preußischen König nicht entziehen konnte. Am 26. Februar 1813 schlossen Preußen und Russland im Vertrag von Kalisch eine Koalition gegen Napoleon, verbunden mit der Aufforderung zum Beitritt an Großbritannien und Österreich. Am 4. März 1813 zogen russische Truppen in Berlin ein und am 17. März, dem Tag nach der Ankunft des Zaren Alexander I. im Hoflager des preußischen Königs in Breslau, erklärte Preußen Frankreich den Krieg. Frankreichs Einfluss ging in der Folgezeit schrittweise zurück. In der Konvention von Reichenbach vom 27. Juni 1813 traten auch Großbritannien und Österreich dem Bündnis bei. In der Völkerschlacht bei Leipzig (16. – 19. Oktober 1813) erlitt Napoleon eine schwere Niederlage, sodass er sich zurückziehen musste. In der Folge begann sich der Rheinbund aufzulösen. Es dauerte aber noch bis Ende März 1814 bis die verbündeten Truppen in Paris einzogen. Infolgedessen verzichtete Napoleon am 11. April auf den Thron und erhielt die Insel Elba als Fürstentum. In Frankreich wurde mit Ludwig XVIII. das Königtum restauriert. Da der Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 als Versöhnungsfrieden konzipiert war, blieb Frankreich in den Grenzen von 1792 bestehen. Die Schaffung einer europäischen und deutschen Nachkriegsordnung blieb dem Wiener Kongress überlassen. Das russische Militär, das im Krieg gegen Napoleon weite Teile Deutschlands überschwemmte, brachte natürlich auch sein eigenes Geld mit und unter das Volk. Mancher russische Silberrubel und manche schwere russische Kupfermünze wechselten damals bei Einkäufen den Besitzer. „Gleichsam als Episode der deutschen Geldgeschichte ist zu erwähnen, daß kurze Zeit auch das russische Papiergeld in Preußen Umlaufsrecht genoß. Mit der Ver­ordnung vom 12. Juni 1813 paßte man sich der Tatsache an. … Die erwähnte Ver­ordnung verlangte, daß ab sofort bis zwei Monate ‚nach dem Abmarsch der Russisch-Kaiser­lichen Armeen aus Unseren Staaten‘ die russischen Bank-Assignationen nach ihrem Wert in Sil­ber entsprechend dem Petersburger Börsenkurs ‚gleich dem preußischen Silberkurant als bares Geld und gute Zahlung‘ zwischen Privatpersonen und im Verkehr der Königlichen Kassen ange­nommen würden. Für den Augenblick wurde ein vorläufiger Kurs von 5 Rubel Papier gleich 1 Reichstaler 6 Groschen angegeben.“ [1] Bleibt anzumerken, dass bis 1856 in Preußen der vom preußischen Generalmünz-direktor Graumann vorgeschlagene 14-Taler-Fuß galt. Das preußische Münzgesetz von 1750 bestimmte, dass aus der feinen kölnischen Mark (= 233,8555 g) 14 Taler zu prägen waren. Der preußische Taler wurde bis 1821 in 24 (gute) Groschen zu 12 Pfennig eingeteilt. [1] Herbert Rittmann, Deutsche Geldgeschichte 1484 - 1914, München 1975, S. 506 f. Uwe Bronnert

  • Die Noten der State Bank of the Riff

    Um 1669 ergriffen die Alawiden, die noch heute in Marokko herrschende Dynastie, die Macht. Sie verdrängten die Spanier und Portugiesen weitgehend aus dem Land. Nach der Eroberung Algeriens (ab 1830) versuchte Frankreich, seinen Einfluss auf Marokko auszudehnen. 1843/44 kam es zum Krieg, der mit einer Niederlage der marokkanischen Truppen endete. Infolgedessen wurde Marokko zum Zankapfel der miteinander konkurrierenden europäischen Mächte. Auf der Konferenz von Madrid schlossen der Sultan von Marokko und verschiedene europäische Mächte sowie die USA am 3. Juli 1880 die Madrider Konvention. Sie garantierte die Souveränität des Landes, verpflichtete es aber zur „Politik der offenen Tür“, sodass das Land um die Jahrhundertwende dem semi-kolonialen Status Chinas glich. Frankreich war bestrebt, sein Kolonialreich von Algerien aus bis zum Atlantik auszudehnen, während Großbritannien freie Hand in Ägypten wünschte. Allerdings überschnitten sich die jeweiligen Interessen. Im anglo-französischen Abkommen von 1904 vereinbarten die Vertragspartner, dass England seine Unterstützung für den Sultan von Marokko beendet und im Gegenzug Frankreich auf seine Rechte in Ägypten verzichtet. Diese Entwicklung belastete das Verhältnis des Deutschen Reichs zu Frankreich und führte zur ersten Marokkokrise (1904/1905), die durch die Konferenz von Algeciras beigelegt wurde. Die Ergebnisse wurden in der so genannten „Algeciras-Akte“ zusammengefasst, die am 7. April 1906 unterschrieben wurde. Danach wurden die allgemeine Handelsfreiheit und die Souveränität Marokkos formell zwar anerkannt, doch sicherte sich Frankreich das Zugeständnis, gemeinsam mit Spanien die marokkanische Polizei sowie die Staatsbank verwalten zu dürfen. Unter spanische Kontrolle kamen Tetuan und Larache, an Frankreich fielen Rabat, Safi, El Jadida und Essaouira, während Polizisten beider Länder Tanger und Casablanca überwachen sollten. Das Ergebnis der Konferenz war für die deutsche Delegation enttäuschend, sodass die Spannungen blieben und schließlich zur Zweiten Marokkokrise (1911) führten. Nachdem französische Truppen Fès und Rabat besetzten, entsandte Kaiser Wilhelm II. persönlich das Kanonenboot Panther nach Agadir. Die Krise wurde schließlich am 4. November 1911 mit dem Marokko-Kongo-Vertrag beigelegt, in dem das Deutsche Reich auf seine Ansprüche in Marokko verzichtete und dafür mit einem Teil der französischen Kolonie Französisch-Äquatorialafrika (Neukamerun) entschädigt wurde. Im März 1912 unterzeichnete Sultan Mulai Hafid einen Vertrag, in dem er ein französisches Protektorat über Marokko anerkannte. Im folgenden spanisch-französischen Vertrag übertrug Frankreich Nord-Marokko an Spanien. Die spanische Zone bestand aus zwei großen Gebieten, dem Rif im Osten und dem Jibala im Westen. Durch das Rif-Gebirge getrennt von der übrigen marokkanischen Bevölkerung im Süden des Landes unterscheidet sie sich im Norden in der Physiognomie von den übrigen Berberstämmen: blasshäutig, oft rothaarig mit hellen Augen, sind es mögliche Nachkommen der germanischen Vandalen. Das Rif wird von vielen Stämmen bevölkert, die im Allgemeinen nur in ihrem eigenen Interesse handelten. Es gab nur selten Vereinbarungen, die die Stämme verbanden. Einzig die Abneigungen gegen die Spanier einte sie. Der spanische Einfluss reichte kaum über die Küstenzone hinaus, sodass das Militär bestrebt war, das Hinterland unter Kontrolle zu bringen. Hiergegen regte sich bei einem der größeren Stämme, den Aith Waryagher, im Osten der spanischen Zone stärkerer Widerstand. Si Muhammad n-Si Abd al Krim al-Khatabi oder allgemein als Abd al-Karim (* 1882) bekannt, organisierte den Widerstand. Der Sohn eines Qadi (islamischer Richter) hatte in Madrid Bergbau studiert und unterhielt gute Beziehungen zu den Brüdern Mannesmann, die in Marokko verschiedene Minenkonzessionen besaßen. Ab 1906 arbeitete er viele Jahre in verschiedenen Positionen in der Zentrale für einheimische Angelegenheiten und wurde 1914 Chief Qadi der Melilla-Zone sowie Herausgeber der arabischen Beilage von El Telegrama del Rif. Im Ersten Weltkrieg förderte Walter Zechlin, der Konsul des Deutschen Reichs in Tetuan, antikoloniale Bestrebungen und verhandelte auch mit Mohammed Abd al-Karim, der von 1916 bis 1917 in spanische Haft kam. Ab Anfang 1919 warb Abd al-Karim für die Bildung eines Stammesbündnisses mit dem Ziel, die Spanier aus dem Land zu vertreiben. Sechs Stämme des Rif-Gebirges riefen 1921 Abd al-Karim zum Emir (Befehlshaber, Fürst) aus. 1923 proklamierte er als Präsident der Rif-Republik die Unabhängigkeit von Spanien. Vorausgegangen waren verschiedene Feldzüge. Im Mai 1921 griff er mit dreihundert Kriegern den befestigten spanischen Posten Dar Abara (oder Abaran) an, bei dem die Spanier drei- bis vierhundert Soldaten verloren. Dieser Sieg brachte ihm die Unterstützung weiterer Stämme ein. General Sylvestre, der Befehlshaber der spanischen Streitkräfte in Melilla forderte von Abd al-Karim die Herausgabe der getöteten spanischen Soldaten der Schlacht von Dar Abara. Als der sich weigerte, griff der General, um seine Autorität wieder herzustellen, mit seinen Truppen Sidi-Bouyane bei Anoual an. Wieder wurden die Spanier geschlagen. Daraufhin sammelte der General seine Truppen in Ygueriben, südlich von Anoual. Da die aufständischen Rifkabylen die Versorgung der spanischen Truppe unterbrachen, war der General gezwungen, den sofortigen Angriff zu befehlen. Die Schlacht vom 21. bis 26. Juli endete in einem Fiasko. Fünfzehn- bis neunzehntausend Spanier wurden bei der Schlacht und auf dem Rückzug zur Küste getötet, darunter auch der General. Nach ihren Siegen übernahmen die Rifkabylen die Kontrolle über den Jibala. Abgesehen von der internationalen Enklave Tanger und den spanischen Presidios (Festungen) hielten Abd al-Karim und seine Krieger die gesamte spanische Zone. Trotz der militärischen Erfolge blieb die staatliche Anerkennung durch die Staatengemeinschaft aus. Dies bedeutet aber nicht, dass die die Rif-Republik keine Unterstützung erhielt. So besuchten Sympathisanten, Anhänger und Journalisten die junge Republik, und mancher Besucher vertrat Minengesellschaften, die die Eisenvorkommen der Region erschließen wollten. Unter den Besuchern war auch der britische Abenteurer Captain Charles Alfred Paroy Gardiner, auch gekannt als „Percy“ Gardiner. Er war am Waffenschmuggel ins Rif beteiligt. Im Mai 1923 erwarb Gardiner im Namen eines Konsortiums, dessen Co-Direktor er war, verschiedene Konzessionen, darunter das Recht zur Errichtung einer Emissionsbank in Adjdir. Gardiner wurde wohl wegen des Drucks von Banknoten bei verschiedenen Wertpapierdruckereien in Großbritannien ohne Erfolg vorstellig, da die bekannten Noten zu 1 und 5 Riffans sicherlich keine Produkte einer Wertpapierdruckerei sind. Das Design beider Banknoten unterscheidet sich nur in der Farbe: Der Wert zu 1 Riffan ist rot und der zu 5 Riffans ist grün, ansonsten ist der einseitige Druck gleich gestaltet. In einem Schmuckrahmen, der den ganzen Schein umschließt, befindet sich im oberen Drittel links und rechts am Rand ein Halbmond mit Stern, dazwischen „STATE BANK OF THE RIFF“ und darunter ein Text in arabischer Schrift. Im mittleren Drittel links und rechts ein Beduine auf einem Pferd reitend. Dazwischen in einem Rahmen ein Text in arabischer Schrift. Über diesem Rahmen die sechsstellige schwarze Kennnummer mit vorgesetztem „No.“ und rechts davon die Datumsangabe: „10.10.23“. Im unteren Drittel schließlich links die Wertangabe in einer Ziffer im Kreis sowie rechts in einem Kreis ein Text in arabischer Schrift. Dazwischen die Wertangabe „FIVE RIFFANS“ bzw. „ONE RIFAN“. Darunter zusätzlich zweizeilig „EQUAL TO FIFTY ENGLISH PENCE / BON POUR CINCO FRANCS D’OR“ bzw. beim Wert zu 1 Riffan „EQUAL TO TEN ENGLISH PENCE / BON POUR UN FRANC D’OR“. Eigentlich hatte die englische Währung im Rif-Gebiet keine Bedeutung. Umso erstaunlicher ist ihre Angabe auf den Scheinen. Unverständlich ist dagegen, dass eine Wertangabe in Pesetas unterblieb, zumal sie die gängige Währung in Nordmarokko war. Anzumerken ist noch, dass das Papier kein Wasserzeichen aufweist. Peter Symes geht davon aus, dass die Banknoten nie in den Umlauf gelangten. Er schreibt: „Das Schicksal der Bündel von ‚Riffans“, die an das Rif geliefert wurden, ist unbekannt. Während die Mehrzahl zerstört wurde, wurden einige Noten als Souvenir von spanischen Militärangehörigen nach der Kapitulation der Rifkabylen mitgenommen. Das Ende der Rif-Republik kam 1926, als Frankreich und Spanien die Rifkabylen in einen Zweifronten-Krieg verwickelten. Im Mai 1926 kapitulierte Abd al-Karim und wurde mit seinen engen Freunden auf die Insel Reunion im Indischen Ozean verbannt. Erst 1947 erhielt er die Erlaubnis, in Frankreich zu leben. Auf dem Weg dorthin erhielt er Asyl in Ägypten. Auf das Angebot Sultan Muhammad V. (seit 1956 war Marokko wieder selbstständig) nach Marokko zurückzukehren, ging er nicht ein. Er starb am 6. Februar 1963 in Kairo. Literatur Peter Symes, The Notes of the Rif Revolt, in: International Bank Note Society Journal, Volume 41, No. 3, 2002. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • Die Anweisungen der S.O.S. Kasse in Hadersleben von 1927

    Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags fand in Nordschleswig eine Volksabstimmung statt, bei der die Bevölkerung über die staatliche Zugehörigkeit des Gebiets entscheiden sollte. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung der Zone I (mit Ausnahme der Städte Tondern, Apenrade und Sonderburg sowie Gemeinden im Kreis Tondern wie Hoyer, Udberg und Tingleff ) votierte am 10. Februar 1920 für den Anschluss an das Königreich Dänemark. Wegen der neuen Grenze war der Absatz der landwirtschaftlichen Produkte im angestammten Gebiet nicht mehr möglich. Gleichzeitig waren die Landwirte gezwungen, sich an die übrige dänische Landwirtschaft anzupassen. Dies führte zu einer zunehmenden Kreditnachfrage der Bauern. Auch war man in Nordschleswig der Meinung, dass die Kopenhagener Politiker die Bevölkerung zu wenig unterstützen würde. So entstanden eine Reihe von bäuerlichen Vereinigung im Sønderland. S.O.S. Kasse i Haderslev, 1. Juni 1927, 1 Krone, Vorder- und Rückseite Der 1882 geborene Friese Cornelius Petersen erwarb 1904 das Marschland Westeranfold in der Nähe von Mögeltondern (Møgeltønder). Obwohl er sich zur Wahl der Weimarer Nationalversammlung beworben hatte, wechselte er 1920 die Seiten und vertrat die dänischen Interessen. 1925 gründete er die Partei der Bauernselbst-verwaltung, die für eine weitgehende Autonomie Nordschleswigs eintrat. 1926 verurteilte ihn ein Gericht zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe, weil er den dänischen Premierminister, Thorvald Stauning, in seiner Zeitung verunglimpft hatte. Die Strafe wurde später in eine Geldbuße zu 2000 Kronen umgewandelt, zur damaligen Zeit eine riesige Summe. S.O.S. Kasse i Haderslev, 1. Juni 1927, 2 Kroner, Vorder- und Rückseite Petersens Vereinigung „Bondens Selvstyre“ gab am 4. Juni 1927 eigenes Notgeld, S.O.S Anvisning (Anweisungen) aus. In diesem Jahr war die dänische Nationalbank erst wieder zur Goldwährung zurückgekehrt. Auch die Anweisungen der S.O.S. Kasse in Haderslev gab goldbasiertes Geld aus. Ihre Scheine zu einer, zwei, fünf und 10 Kronen datieren vom 1. Juni 1927. Der Wert der Krone wird auf ihnen mit 20/100 Dollar angegeben. S.O.S. Kasse i Haderslev, 1. Juni 1927, 5 Kroner, Vorder- und Rückseite Die Vorderseite aller Werte ist gleich gestaltet und die Nominale unterscheiden sich nur durch Größe, Farbe und Wertaufdruck. In der linken oberen Ecke befindet sich die fünfstellige Kennnummer, die wohl immer mit „0“ beginnt, vorgesetzt „No“. Alle Scheine zeigen vier gedruckte Unterschriften, denen eine fünfte handschriftliche zugefügt wurde: beim Wert zu einer Krone die von „J. Møller“, „P. Heissel“ oder „C. Petersen“, bei der Anweisung zu zwei Kronen die von „Chr. M. Demkjær“ oder „H. Hansen“, der auch den Schein zu 5 Kronen unterschrieb und schließlich der höchste Wert, der wieder von „C. Petersen“ unterzeichnet wurde. Ferner findet sich auf den ausgegebenen Scheinen die handschriftliche Unterschrift des Kontrolleurs „Alnor“. S.O.S. Kasse i Haderslev, 1. Juni 1927, 10 Kroner, Vorder- und Rückseite Gedruckt wurden die Scheine auf dünnem Wasserzeichenpapier. Geplant war eine Ausgabe von Anweisungen im Wert von 100.000 Kronen. Jedoch dürfte der höchste Wert ihres Umlaufs 7 – 8.000 Kronen nicht überstiegen haben. Im Jahre 1928 stellte die Vereinigung ihre Arbeit ein und Cornelius Petersen starb nach schwerer Krankheit 1935. 1937 war noch ein Betrag von 1.570 Kronen nicht eingelöst. Die Anweisungen der S.O.S. Kasse kommen auch mit Einlösungsstempeln verschiedener Banken vor. Literatur Jesper Lodberg, Det Store Sønderjyske, Nødpenge seddelkatalog – Zone 1, Rønnede, Dänemark 2006 Siegs seddelkatalog Slesvig, Plebiscit zone I og II – samt nødpengesedler fra Sønderjylland, Sidney, Ohio, USA 1969. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • Der Bamberger Reiter auf der 100-Mark-Banknote von 1920

    Der Bamberger Reiter ist ein Mysterium. Er ist nicht nur das erste Reiterstandbild in einer Kirche, sondern auch das erste freistehende überhaupt. Es entstand vermutlich um 1230, zur Zeit der Staufer-Kaiser. Die lebensgroße Skulptur aus Schilfsandstein stand von Anfang an auf einer Konsole am Nordpfeiler des Georgenchors des Doms zu Bamberg. Nur Teile des linken Ring- und des kleinen Fingers, die Spitze eines Fußes und Teile der Krone gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Das einzigartige Kunstwerk hat die Zeit ansonsten spektakulär gut erhalten überdauert: Noch heute ist der leicht geöffnete Mund, die gerunzelte Stirn, die Hufeisen des Pferdes und die bestickte Decke unter dem Kastensattel zu bestaunen. Reiter und Pferd waren ursprünglich mit kräftigen Farben bemalt: So war der Sockel grün, das Pferd weiß mit braunen Flecken, der Umhang und das Kleid rot mit silbernen und goldenen Sternen, die Stiefel braun, die Krone, der Gürtel und die Sporen goldfarben und das Haar schwarz. Niemand weiß, wen die mittelalterliche Figur darstellt. Viele Historiker sowie Kunst- und Religionswissenschaftler haben anhand von Indizien versucht, das Rätsel zu lösen. Da der Reiter gekrönt ist, muss es sich um einen König handeln. Die Statue könnte demnach auf Philipp von Schwaben deuten, der 1208 in Bamberg ermordet wurde und zunächst im Umbau befindlichen Dom unweit des Chorpfeilers beigesetzt wurde, an dem später die Skulptur angebracht wurde. Friedrich II. – Philipps Neffe – ließ seinen Onkel 1213 in den Dom zu Speyer umbetten. Nach einer anderen Theorie weist der Baldachin über dem Reiter auf einen Heiligen hin. Könige, die Beziehungen zu Bamberg haben und zugleich heiliggesprochen wurden, sind Heinrich II. sowie Stephan I. von Ungarn, der mit Heinrich II. verschwägert war. Einer Legende zufolge soll König Stephan Bamberg besucht haben und in den Dom geritten sein, um sich taufen zu lassen. Die Skulptur zeigt sicherlich nicht Heinrich, da dieser mit der Kaiserkrone dargestellt worden wäre. Nach der „Offenbarungs“-Theorie handelt es sich bei dem Reiter um den in der „Offenbarung des Johannes“ prophezeiten Weltenrichter. Am Ende der Zeiten, wenn die sieben Engel ihre Schalen des Zorns über der Erde ausgegossen haben, wenn das Meer und die Flüsse zu Blut geworden sind und ein gewaltiges Erdbeben Mensch und Tier das Fürchten gelehrt hat, kommt der Reiter auf einem weißen Pferd, der das Böse von der Erde vertreibt und die immerwährende Herrschaft Gottes errichtet. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird immer wieder die Meinung geäußert, dass der Bamberger Reiter ein Teil einer Figurengruppe der Heiligen Drei Könige sei. Die Künstler des Mittelalters stellten sie ohne Waffen dar. Auch der Reiter trägt kein Schwert. Alte Akten belegen ferner, dass die Weisen aus dem Morgenland im Ostchor des Doms besonders verehrt wurden. Auch wenn weiterhin die Frage nach der Person des Bamberger Reiter offen ist, ist er eine Art deutsches Kulturheiligtum. Er inspirierte im 19. Jahrhundert die Nationalbewegung. Die Nationalsozialisten sahen in ihm das „Urbild einer Führerpersönlichkeit nordischer Rasse“ und er diente als Beispiel für „das Edle des Ariertums“. 1920 schaffte es der Bamberger Reiter sogar auf die Vorderseite einer 100-Mark-Reichsbanknote. Der Entwurf zu diesem Geldschein stammt vom deutschen Grafiker Oskar Hermann Werner Hadank, (* 17. August 1889 in Berlin; † 17. Mai 1965 in Hamburg). Der Schein wurde von der Reichsdruckerei im Buchdruck in einer Auflage von 603.314.185 Stück gedruckt. Er datiert vom 1. November 1920. In Umlauf gelangte er ab Ende Dezember 1920 und war gesetzliches Zahlungsmittel bis zum 5. Juli 1925. Aufgrund der Inflation war er jedoch sei Juni 1923 wertlos. Die Vorderseite zeigt links und rechts in der oberen Hälfte jeweils den Kopf des Bamberger Reiters in einem Rahmen in schwarzer Farbe. Unter den Kopfbildern rotbraun das Siegel der Reichsbank; dazwischen in der oberen Hälfte die zweizeilige Wertbezeichnung: „Hundert / Mark“, darunter fünfzeilig „ZAHLT DIE REICHSBANKHAUPT- / KASSE IN BERLIN GEGEN DIESE / BANKNOTE DEM EINLIEFERER / BERLIN, DEN 1. NOVEMBER 1920 / Reichsbankdirektorium“. Es folgen in drei Reihen 10 faksimilierte Unterschriften. Hier befindet sich im Unterdruck ein Buchstabe. Dieser Block wir über- und unterschrieben mit „Reichsbanknote“. Das Ganze wird eingefasst in einen Schmuckrahmen. Der Unterdruck ist preußischblau, olivgrau und schwarzbraun. Die Rückseite zeigt in einem Oval in der Mitte „100“, darüber „RBN“ und darunter „Mark“; am Rand des Ovals umlaufend der Strafsatz „Wer Banknoten fälscht …“. Eingefasst wird dieser Teil in zwei weiteren Schmuckrahmen. Der Unterdruck ist in preußischblau und olivgrau gehalten. Wie auf der Vorderseite finden wir auf dem Rand links unten und rechts oben die rotbraune sieben- bzw. achtstellige Kontrollziffer mit vorgesetztem Serienbuchstaben. Der Schein hat die Maße 162 mm x 108 mm und wurde auf Papier mit Wasserzeichen gedruckt, das die Wertbezeichnung „100 + M +“ und „100 * M *“ als senkrechtes Band hell und dunkel zeigt. Zusätzlich sind auf der Rückseite mittig Fasern eingestreut. Angaben nach Alber Pick / Jens-Uwe Rixen, Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, Regenstauf 1998, S. 60, Kat.-Nr. 75, sind folgende Auflagen bekannt: Die Banknoten wurden mit dem Aufdrucken „Muster“ an Sammler abgegeben. Dabei können zwei Ausführungen unterschieden werden: 1. Aufdruck „MUSTER“ 70 mm rot nur auf der Vorderseite. 2. Aufdruck „MUSTER“ 81 mm rot auf Vorder- und Rückseite. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • "Occupation-Reichsmark" des "If-Day" in Kanada von 1942

    Als Antwort auf den deutschen Einmarsch in Polen erklärte Kanada am 10. September 1939 dem Deutschen Reich den Krieg. Über eine Million Männer und Frauen dienten freiwillig in den Streitkräften. Kanadische Soldaten kämpften 1941 in Hongkong, 1942 bei Dieppe (Nordfrankreich), 1943 in Italien, 1944 bei der Landung in der Normandie und 1945 waren sie an der Befreiung der Niederlande beteiligt sowie an der Besetzung Norddeutschlands. Die Kriegskosten wurden u.a. auch durch Kriegsanleihen (Victory Loans) aufgebracht. Um die Bevölkerung von der Notwendigkeit ihrer Zeichnung zu überzeugen, ging man in der Stadt Winnipeg (Provinz Manitoba) einen besonderen Weg: einen simulierten Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Stadt am sog. „If Day“ (Was-wäre-wenn-Tag). Die „If Day“-Kampagne begann am 16. Februar und dauerte bis zum 9. März 1942. Organisiert wurde sie vom Vorsitzenden (John Draper Perrin) des Greater Winnipeg Victory Loan Committees, einer Zweigstelle des National War Finance Committees. Höhepunkt der Aktion war ein simulierter Angriff von Männern in deutschen Wehrmachtsuniformen auf die Stadt am 19. Februar. Um 7:00 Uhr ertönten die Luftschutzsirenen und die Stromversorgung fiel aus. Um 7.30 Uhr begannen die „deutschen“ Truppen mit ihrem Angriff. Die Verteidiger bildeten einen Verteidigungsring um die Industrieviertel und die Innenstadt. Feuergefechte, simulierte Zerstörungen von großen Brücken, großflächige Truppenbewegungen, nachgestellte Explosionen mithilfe von Kohlenstaub und Dynamit unterstützen das Spektakel. Flugabwehrkanonen schossen mit Platzpatronen auf umlackierte Kampfflugzeuge über der Stadt. Feldlazarette wurden eingerichtet, um die „falschen Opfer“ zu behandeln. Um 9.30 Uhr ergaben sich die 3.500 kanadischen Soldaten und die Deutschen übernahmen marodierend die Stadt. Der Union Jack wurde eingeholt und die Hakenkreuzfahne gehisst, die Stadt umgehend in Himmlerstadt und die Main Street in Hitlerstraße umbenannt. Hunderte von führenden Bürgern, unter ihnen der Premierminister John Bracken, der Bürgermeister John Queen, der Vizegouverneur von Manitoba Roland Fairbairn McWilliams und der norwegische Botschafter Wilhelm de Morgenstierne wurden von „Gestapo“-Teams zusammengetrieben und in einem Konzentrationslager interniert. Gottesdienste wurden verboten und Priester, die dagegen protestierten, ebenfalls verhaftet. Bewaffneten Soldaten stoppten Busse auf den Straßen und durchsuchten die Passagiere. Vor der Stadtbibliothek fand eine Bücherverbrennung statt. Hierfür waren extra beschädigte und veraltete Bücher aussortiert worden. Die Winnipeg Tribune wurde in „Das Winnipeger Lügenblatt“ umbenannt und in ihm stark zensierte Meldungen verbreitet. „Gauleiter Erich von Neurenberg“ erließ ein Dekret, nach dem u.a. die Stadt von diesem Tag Teil des Großdeutschen Reichs war; für Zivilisten zwischen 21.00 Uhr und Tagesanbruch eine Ausgangssperre verhängt wurde; jeder Haushalt fünf Soldaten zu versorgen hatte; alle Besitzer von Kraftfahrzeuge, Lastwagen und Bussen diese registrieren zu lassen hatten, um sie ggf. der Besatzungsmacht zur Verfügung zu stellen; Landwirte wurden aufgefordert unverzüglich alle Getreidevorräte und den Viehbestand zu melden und nur über den Versorgungskommandanten in Winnipeg zu verkaufen. Ferner wurden Rationierungsbücher und neue Ausweise angekündigt. Als Teil der Übung wurde auch Besatzungsgeld ausgegeben. Hierbei handelte es sich um eine Imitation der 10-Reichsmark-Banknote vom 22. Januar 1929. Der Schein ist in grün auf weißem Papier gedruckt. Er trägt auf der Vorderseite des Schaurandes den roten großen zweizeiligen Zusatztext „Occupation / Reichsmark“, darunter in Grün kleiner dreizeilig „ARMY OF / OCCUPATION / AUTHORITY“. Es folgt die Unterschrift „von Brauchitsch“. Generalfeldmarschall Walther Heinrich Alfred Hermann von Brauchitsch (* 4. Oktober 1881 in Berlin; † 18. Oktober 1948 in Hamburg) war von 1938 bis 1941 Oberbefehlshaber des deutschen Heeres. Die Rückseite trägt in einem Schaurahmen einen längeren Propagandatext in englischer Sprache, der in der Übersetzung wie folgt lautet: Wie würde es sein, wenn ...? Das ist es, was wir für unsere Arbeit, unsere Dienste, unseren Weizen, unser Land akzeptieren müssen, wenn wir in unserem Job, einen totalen Krieg zu führen, versagen. Unser Geld ist nur dann gut, wenn Kanada den Krieg gewinnt. Dieses wertlose Geld steht für Sklaverei, gebrochene Versprechen, Leid und Erniedrigung. Das darf hier nicht passieren! KAUFT VICTORY BONDS. ... UND HALTET DIESES „BLUT“GELD VON KANADA FERN! Auf dem Schaurand dann groß: Kriegsanleihen oder Knechtschaft... die Wahl liegt bei dir! Der "Besatzungstag" endete um 17.30 Uhr mit der feierlichen Freilassung der Gefangenen, einer Parade und Reden der Würdenträger, dass so etwas nicht passieren dürfe. Die finanziellen Erwartungen der Organisatoren wurden weit übertroffen. In Winnipeg nahm man allein an diesem Tag die Rekordsumme von 3.200.000 Dollars ein. Am Ende der Kampagne waren es 24 Millionen Dollars. Statt der erhofften 45 Millionen Dollars kamen in der Provinz Manitoba 60 Millionen Dollars zusammen. In ganz Kanada wurden 2 Milliarden Dollars für den Kriegseinsatz gesammelt. Uwe Bronnert Literatur: Graham Chandler, If Day: The occupation of Manitoba, https://legionmagazine.com/en/2017/02/if-day-the-occupation-of-manitoba/ Stand: 11.06.2019, 10.28 Uhr. https://en.wikipedia.org/wiki/If_Day Stand: 11.06.2019, 10.15 Uhr.

  • Roger Pfund und der „10-Rubel“-Promotion-Schein von De La Rue

    Mit einer Werbe-Note [1] würdigte die vormals in Lausanne beheimatete Wertpapierdruckerei De la Rue Giori SA den russischen National-Dichter und Begründer der modernen russischen Literatur Alexander Sergejewitsch Puschkin (* 26. Mai/6. Juni 1799 greg. in Moskau; † 29. Januar/10. Februar 1837 greg. in Sankt Petersburg). Der Entwurf dazu stammt vom renommierten Schweizer Grafiker Roger Pfund (* 28. Dezember 1943 in Bern). Pfund machte seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Bern. 1966 schloss er hier bei Kurt Wirth seine Ausbildung als Grafiker ab. Als im Jahr 1969 die Schweizerische Nationalbank unter Leitung von Michael De Rivaz einen Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung einer neuen Notenserie ausschrieb, wurde auch der 25-Jährige zur Teilnahme eingeladen. Der Wettbewerb fand anonym statt. Als dann der Briefumschlag mit dem Namen des Siegers geöffnet wurde, war die Sensation perfekt. Der krasse Außenseiter hatte gewonnen. Seine Idee, Banknoten unter einer Thematik und mithilfe der Computertechnologie zu gestalten, überzeugte das Preisgericht. Allerdings wurden seine Entwürfe nur bei der Reserveserie (7. Emission) berücksichtigt. Wegen seiner fehlenden Erfahrung beauftragte die Nationalbank das Studio E+U Hieststadt mit der neuen Banknotenserie. Auch in den folgenden Jahren blieb Roger Pfund dem Metier treu und entwarf für verschiedene Auftraggeber Banknoten, so die letzte Banknotenserie (1992 – 1997) für die Banque de France, eine Serie für die Banque Centrale des Comores (2006), den 50-Dirhams-Schein der Bank Al-Maghrib (Marokko) zum 50. Bankjubiläum 2009 und die 100-Pesos-Note der Banco Central de la Republica Argentina zum 60. Todestag von Evita Peron 2012. Ferner war er einer der 29 Künstler, die Entwürfe für die neuen Euro-Banknoten einreichten. Auch als Berater verschiedener Notenbanken war er tätig. Aber zurück zum Promotion-Schein. Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre beauftrage ihn De la Rue Giori mit dem Entwurf einer „10-Rubel“-Promotion-Note. Es ging darum, eine „Banknote“ zu kreieren, die den modernsten Anforderungen der Technik, der Druckverfahren und der Sicherheit genügen sollte. Ein möglichst breites Spektrum von Elementen aus Puschkins Leben und seinen Werken sollte hierbei ikonografisch umgesetzt werden. Roger Pfund löste durch seine klare Formsprache die gestellte Aufgabe überzeugend. Im Mittelpunkt der Vorderseite steht das Brustbild des Literaten nach einem Gemälde von Orest Kiprenski (1827). Hierzu musste das Originalgemälde umgezeichnet und in ein lineares Kupferstrichnetz umgesetzt und gestochen werden. Im Hintergrund eine Silhouette St. Petersburgs. Hierbei handelt es sich nicht um die Wiedergabe einer realen Ansicht, sondern der Künstler wählte einige markante Gebäude der Stadt aus und ordnete diese am Ufer der Newa entsprechend an: rechts die Peter-und-Paul-Festung, links das Smolny-Institut und möglicherweise Teile der Eremitage. Rechts neben dem Brustbild schließlich noch die große Wertzahl „10“. Die Rose auf dem Schaurand als Metapher für vollkommende äußere Schönheit, die sich selbst genügt, erinnert an sein Liebesgedicht „Die Nachtigall und die Rose“. Das Hauptmotiv der Rückseite, die „Pique Dame“ deutet auf seine gleichnamige Erzählung hin: Der arme, junge Pionieroffizier Hermann erfährt von seinem Freund, dass dessen Großmutter, die Gräfin, drei Gewinnkarten beim Pharospiel voraussehen kann. Daraufhin sucht er heimlich die Gräfin auf, um das Geheimnis zu erfahren. Er fleht sie an, er droht ihr, doch sie schweigt. Als sie in seiner Hand eine Pistole erblickt, erleidet sie vor Schreck einen Herzanfall und stirbt. Der Geist der Gräfin erscheint Hermann in der Nacht und teilt ihm mit, dass die Drei, die Sieben und das Ass zum Gewinn führen würden. Einige Tage später bietet sich die Gelegenheit zum Spiel. Hermann setzt alle seine Ersparnisse auf die Drei und gewinnt. Am folgenden Tag setzt er alles auf die Sieben und gewinnt erneut. Mittlerweile hat er ein Vermögen von ungefähr zweihunderttausend Rubel, welches er am dritten Tag vermeintlich auf das Ass setzt, das auch gewinnt. Jedoch hatte Hermann unbewusst alles auf die Pique Dame gesetzt. Als ihm dies bewusst wird, meint Hermann auf der Karte die Gesichtszüge der Gräfin zu erkennen, die ihn hämisch angrinst. Über den Verlust seines Geldes verliert er den Verstand und murmelt ständig: „Drei, Sieben, Ass. Drei, Sieben, Dame.“ Zusätzlich wurden auf dem Schaurand der Vorder- und Rückseite kreuzförmig die Kartensymbole „Kreuz, Pik, Karo und Herz“ aufgedruckt sowie „De La Rue Giori“ in Schreibschrift; auf der Vorderseite auch rot „SPECIMEN“. Eine weiterer Rückseiten-Entwurf greift das Ende der Erzählung in besonderer Weise auf, indem die Spielkartensymbole „Karo As, Pik As, Pik 7“ zusätzlich aufgenommen wurden. Rechts vom Brustbild findet sich bei diesem Entwurf eine kleine Darstellung, die das Ende Puschkins wiedergibt: Seine Sekundanten führen ihn nach dem verlorenen Duell vom Platz. Zwei Tage später starb er an den Folgen des erlittenen Bauchschusses. Links auf dem Schaurand sehen wir die Darstellung eines Reiters, eine Anspielung auf sein Gedicht „Der eherne Reiter“ (1833): Bei einer starken Überschwemmung der Newa kommt die Braut eines armen Beamten um. Er gibt dem Zaren Peter I. die Schuld daran, da er St. Petersburg am falschen Ort habe bauen lassen. Er droht und flucht seinem Denkmal [2], woraufhin dieses lebendig wird und den Beamten verfolgt, bis dieser wahnsinnig wird. Am unteren Rand zusätzlich der Aufdruck: „Printed by De La Rue Giori’s process and equipment“. Die Vorderseite des 130 mm x 65 mm großen Scheins wurde im Offset- und Kupferdruckverfahren hergestellt, während die Rückseite nur im Offset-Verfahren gedruckt wurde. Wie bereits erwähnt, wurde der Schein in verschiedenen Ausführungen hergestellt. [1] Promotion-Note (Werbenote) sind besondere „Geldscheine“, mit denen Banknoten-Druckereien mögliche Kunden über neue Sicherheitstechniken informieren. Durch entsprechendes Design der Druckerzeugnisse sollen die möglichen Auftraggeber überzeugt werden. Manchmal gelangen diese Scheine auch in Sammlerhände. [2] Die Zarin Katharina die Große ließ das bronzene Reiterstandbild des Zaren Peter des Großen 1782 von dem berühmten französischen Bildhauer Étienne-Maurice Falconet auf dem St. Peterburger Senatsplatz errichten. Der Herrscher ist mit Lorbeerkranz, Toga und hochgebundenen Sandalen in antiker, idealisierender Weise dargestellt. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • Berliner Stadtkassenscheine vom 9. September 1921

    Die Bundeshauptstadt Berlin ist mit rund 3,5 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste und mit 892 km² die flächenmäßig größte Gemeinde Deutschlands. Urkundliche wurde Berlin erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. Der Name Berlin leitet sich vermutlich von dem slawischen Begriff „br’lo“ bzw. „berlo“ mit der Bedeutung von Sumpf, Morast, feuchte Stelle ab sowie dem Suffix „-in“ bei slawischen Ortsnamen. Das heutige Berlin entstand durch das am 27. April 1920 vom Preußischen Landtag beschlossene und am 1. Oktober 1920 in Kraft getretene „Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde“ (Groß-Berlin-Gesetz). Dadurch wurden die bis dahin bestehenden acht Städte (Alt-)Berlin, Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Schöneberg, Neukölln, Köpenick und Lichtenberg sowie 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke zu Groß-Berlin zusammengefasst. Zu den bis dahin 1,9 Millionen Berlinern kamen damit 1,2 Millionen Einwohner hinzu. Das Stadtgebiet vergrößerte sich von 66 auf 883 km². Das neue Stadtgebiet wurde in 20 Verwaltungsbezirke eingeteilt. Aus Alt-Berlin wurden die Bezirke Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg (zunächst als Prenzlauer Tor), Kreuzberg (zunächst als Hallesches Tor) und Friedrichshain gebildet, die ehemaligen selbstständigen Städte Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Schöneberg, Neukölln, Köpenick und Lichtenberg waren nun Verwaltungsbezirke und aus den übrigen Gebieten entstand die Bezirke Pankow, Reinickendorf, Steglitz, Zehlendorf, Tempelhof, Treptow und Weißensee. Auf der Rückseite des Berliner 1000-Mark-Kassenscheins vom 11. Oktober 1922 wird anhand einer Landkarte die Verwaltungseinteilung Groß-Berlins gezeigt. Bereits zuvor wurden auf einer Serie von 20 Stadtkassenscheinen zu 50 Pfennig vom 9. September 1921 die neuen Verwaltungsbezirke vorgestellt. Den Entwurf dieser Notgeldscheine besorgte der Gebrauchsgrafiker und Maler Ernst Böhm (* 6. März 1890 in Berlin; † 2. September 1963 ebenda). Von 1913 bis 1921 war er Dozent und später bis 1937 Professor an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. Er entwarf nicht nur Berliner Stadtkassenscheine, sondern 1919 auch den Briefmarkensatz zur Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar. Obwohl er 1936 einen Wettbewerb zur Gestaltung der Ehrenurkunde der Olympischen Spiele in Berlin gewann, wurde er von den NS-Behörden aus dem Lehramt entlassen, da er mit einer jüdischen Frau verheiratet war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er an die Hochschule für Bildende Kunst (heute Universität der Künste Berlin) berufen und wirkte als Professor und Dekan der Abteilung Angewandte Kunst. Alle Scheine haben eine einheitliche Vorderseite. Im ersten linken Drittel steht in einem einfachen blauen Rahmen der Berliner Bär und die Wertzahl, darunter ebenfalls im Rahmen die sechsstellige 3 mm, 3,5 mm bzw. 4,5 mm große schwarze Kennziffer mit vorgedruckter blauer „Nr.“. Im rechten Rahmen, der etwa ein Sechstel des Scheins aus macht, findet sich in der Mitte eine weiße Aussparung in Jugendstil-Ornamenten. Sie dient der Wiedergabe des Trockenstempels mit dem gekrönten Stadtwappen und der Überschrift „MAGISTRAT ZU BERLIN“. Der restliche Schein dient den Emissionsangaben. In einem Rahmen siebenzeilig „Fünfzig / Pfennige / Stadtkassenschein / Berlin 9. Sept. 1921 / Magistrat der / Reichshauptstadt / zwei gedruckte Unterschriften“. Der Unterdruck besteht aus beigen sternförmig angeordneten „50“, die durch Striche verbunden sind. Bei den biedermeierlich wirkenden Rückseitendarstellungen wählte der Künstler alte „Berliner“ Ansichten mit Schleppkähnen, Windmühlen, Gutshäusern, Getreidefeldern und Kühen, Dorfansichten mit Postkutsche, Altes Rathaus usw. Auch bei der Rückseite arbeitet der Designer wieder mit dem bekannten Rahmen und den Jugendstil-Ornamenten links und rechts des Bildes. Sie sind bei den Scheinen der Bezirke 1 – 5 orangefarbig, bei den Scheinen der Bezirke 6 – 10 grünblau, bei den Scheinen der Bezirke 11 – 15 beige und bei den Scheinen der restlichen Bezirke blau. In der weißen Aussparung links wird der Bezirk genannt und auf der rechten Seite die Abbildung erklärt. Die Gutscheine haben die Maße 105 mm x 55 mm und wurden auf Papier mit dem Wasserzeichen „Achteckblume“ gedruckt, das jedoch aufgrund des flächigen Druckes nur zu erahnen ist. Der Schein des Bezirkes 2 (Tiergarten) wurde wohl zunächst mit der Jahreszahl 1830 gedruckt und erst später mit dem korrekten Jahr 1816 versehen. Zu den einzelnen Motiven siehe auch folgenden Beitrag: https://www.geldscheine-online.com/post/historische-berliner-ansichten-auf-serienscheinen-von-1921. Es ist anzunehmen, dass diese Scheine weniger dem Kleingeldmangel abhelfen sollten, als vielmehr das Stadtsäckel zu füllen. Der aufblühende Notgeldsammler-Markt verhieß glänzende Gewinnaussichten. Bleibt anzumerken: Nach der Verfassung von Berlin ist heute die Stadt in zwölf Bezirke eingeteilt. Uwe Bronnert Abb. Uwe Bronnert/Hans-Ludwig Grabowski

  • Das Berliner „Fahrschein“-Geld vom 1. März 1922

    Es ist sicher kein Zufall, dass die Notgeldscheine des Berliner Magistrats vom 1. März 1922 nicht als Stadtkassenscheine bezeichnet wurden, waren sie doch für Zahlungen des Fahrpreises bei der Städtischen Straßenbahn bestimmt. Die Geldentwertung, die bereits im Ersten Weltkrieg begonnen hatte, nahm 1922 immer stärker zu, sodass in Berlin der Fahrpreis auf der Stadt- und Ringbahn am 1. Februar 1922 verdoppelt wurde. Er betrug nun in der 3. Wagenklasse 2 Mark. Um dem Kleingeldmangel vorzubeugen ließ der Magistrat daher für die Städtische Straßenbahn Notgeldscheine anfertigen, die genau dem Fahrpreis entsprachen. Die hübschen Scheinchen sorgten aber schon bald für Ärger. Bereits am 1. Juli 1922 stieg der Fahrpreis auf 3 Mark, sodass der Fahrgast zwei Scheine abliefern musste, aber wegen des Kleingeldmangels meist nichts zurück bekam. Wieder entwarf der Berliner Grafiker Ernst Böhm die Notgeldserie, die diesmal aus zehn Scheinen zu 2 Mark bestand. Am oberen Rand der einheitlich gestalteten Vorderseiten steht „GILT BIS AUF WIEDERRUF DURCH BE/“ und am unteren Rand „KANNTMACHUNG IM GEMEINDEBLATT.“, links „2 MARK“ und ein Wappenschild mit dem Berliner Bären, rechts vierzeilig „GUT / FÜR / ZWEI / MARK“, darunter im ausgespartem Feld ein Trockenstempelabdruck mit dem bekrönten Stadtwappen und der Überschrift „MAGISTRAT ZU BERLIN“. Im mittleren Feld auf orangefarbigen Unterdruck mit dem sich ständig wiederholenden versetzten winzigen Text „STÄDTISCHESTRASSENBAHN-MAGSTRATBERLIN …“ sechszeilig „Bei Benutzung / der / Städtischen Straßenbahn / BERLIN / 1. MÄRZ 1922 / DER MAGISTRAT“ und zwei gedruckte Unterschriften. Die Rückseiten zeigen, wie schon bei den Stadtkassenscheinen vom 9. September 1921, in biedermeierischer Manier Bilder, nun nicht aus den verschiedenen Stadtbezirken, sondern aus der Verkehrsgeschichte der Stadt. Am Rand auf einem farbigen Ornament nach außen gekehrt links „2 MARK“ und rechts „Nr.“ und sechsstelliger schwarzer Kennnummer, die in zwei Größen vorkommt: 3,5 bzw. 4,5 mm. Dazwischen die Abbildung mit entsprechenden Angaben: Die Scheine haben die Größe 85 mm x 60 mm und wurden auf gelblich-bräunlichem Papier mit dem Wasserzeichen „Achteckblumen“ gedruckt. Man findet sie im Katalog Grabowski/Mehl: "Deutsches Notgeld, Bände 1 und 2: Deutsche Serienscheine 1918–1922" unter Nr. 92.3. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • Camp Money des DP-Lagers Scheinfeld (1946)

    Im Mai 1945 herrschte in Europa das Chaos. Allein in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands befanden sich 6,5 bis 7 Millionen entwurzelte jüdische Überlebende des Holocaust, ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene sowie zivile osteuropäische Arbeiter, die freiwillig nach Kriegsbeginn die deutsche Wirtschaft am Laufen hielten oder 1944 mit der deutschen Wehrmacht vor der sowjetischen Armee nach Westen geflüchtet waren und nun häufig in Trecks auf eigene Faust durchs Land zogen, um nach Hause oder sonst wo hin zu gelangen. Diesem Personenkreis, den „Displaced Persons“ (DPs), galt die besondere Aufmerksamkeit der „United Nations Relief and Rehabilitation Administration“, kurz UNRRA. Die Hilfsorganisation war bereits während des Zweiten Weltkrieges am 9. November 1943 in Atlantic City (New Jersey, USA) auf Initiative der USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Chinas gegründet worden. Nach Kriegsende wurde sie von den neugegründeten Vereinten Nationen (UNO) übernommen. Die UNRRA war in Europa bis zum 31. Dezember 1946 tätig und wurde dann durch die „International Refugee Organization“ abgelöst. Die UNRRA übernahm die Versorgung der DPs mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Medikamenten aus den Beständen der Besatzungsarmee, leistete Hilfe bei der Errichtung von DP-Lagern und bei der Repatriierung von Personen in ihre Heimatländer. Ausgenommen von diesem Hilfsprogramm waren die deutschen Flüchtlinge, die nicht unter den DP-Status fielen. Seit dem 15. November 1945 oblag der UNRRA die Verwaltung der DP-Lager in der US-amerikanischen Besatzungszone. Eines dieser Lager war das DP Camp in Scheinfeld (Mittelfranken). Es wurde vom UNRRA-Team 569 betreut und am 28. April 1946 eröffnet, als etwa 1.500 litauische DPs aus dem Regensburger Camp verlegt wurden. Erst im August 1949 wurde das Lager aufgelöst. In den frühen 1970er Jahren wurde in Großbritannien ein kleiner Hort bisher unbekannter Geldscheine des DP-Lagers Scheinfeld gefunden und angeboten. Da sich die Exponate in einem unzirkulierten Zustand befanden, zweifelte mancher Sammler die Echtheit der Stücke an. Befragte ehemalige DPs erinnerten sich, dass deutsche und militärische Geldzeichen im Lager umliefen, aber niemand wollte jemals das Lagergeld gesehen haben. Später fand man jedoch in Akten des Lagers einen Bericht des Direktors des UNRRA-Teams 569, Anton A. Pritchard, der vom 15. Juni 1946 datiert, dass ein internes Geldsystem im Lager eingerichtet worden sei, mit dem von Lagerinsassen geleistete Arbeiten bezahlt wurden. Mit diesem Geld konnten Einkäufe in der Lagerkantine bezahlt werden. Aufgrund der akuten Warenknappheit wurde jedoch die Möglichkeiten, das Geld tatsächlich auszugeben, stark eingeschränkt, und das Währungssystem schließlich wieder aufgegeben. Wie es scheint, wurde das Camp Money nur von Mai bis Juli 1946 verwendet. Aus gegeben wurden Scheine zu 10 und 50 Cents sowie 1 Dollar. Alle Werte sind bildgleich. Dies gilt auch für die Vorder- und Rückseiten, die sich in erster Linie durch die verwendete Sprache unterscheiden. Eine Seite ist Englisch, die andere Litauisch. Auf der englischen Seite findet sich ferner ein runder, blauer Handstempelabdruck [am oberen Stempelrand „SCHEINFELD“, am unteren Rand „(TEAM 569)“, dazwischen waagerecht „UNRRA“] und auf der litauischen eine mehrstellige Kontrollnummer. Auf der englischen Seite wird als Emittent am oberen Rand „UNRRA TEAM 569, SCHEINFELD“, auf der litauischen „UNRRA 569 DALINYS, SCHEINFELD“ genannt. Es folgt in einem Schmuckrahmen die Wertangabe in Buchstaben und im Unterdruck in Ziffern sowie die Jahreszahl 1946 sowie in den Ecken jeweils der Wert in Ziffern. Am unteren Rand „CAMP MONEY“ bzw. „STOVYKLOS PINIGAI“. Beim Dollarschein ist links zusätzlich in einem Schmuckrahmen der Wert „1“ angegeben. Der Druck erfolgte in brauner Farbe auf sehr dünnem, wenig geeignetem Papier. Anzumerken ist noch, dass die Rückseite kopfstehend zur Vorderseite steht. Vermutlich wurden alle Scheine des DP-Lagers vernichtet. Es sollen nur etwa fünfzehn Sets als Souvenir aufbewahrt worden sein, was ich persönlich anzweifele, da die Scheine gelegentlich im Fachhandel angeboten werden. Bis zum Herbst 1945 waren vier Fünftel der DPs in ihre Heimat repatriiert. Aus Angst vor Repressalien in ihren Heimatländern weigerten sich immer wieder DPs – besonders viele kamen von ihnen aus der UdSSR – zurückzukehren. Im Winter 1945/1946 kam daher die Repatriierung der DPs fast vollständig zum Erliegen. Im Sommer 1948 lebten in den Westzonen noch rund 493.000 Displaced Persons. Text und Abb. Uwe Bronnert Literatur: Frank Passic und Steven A. Feller, Displaced Persons Camp Money, in: The Numismatist 1984, S. 1602 – 1617. http://www.albionmich.com/history/histor_notebook/S_Camp.shtml. Stand: 10.07.2019, 11.10 Uhr.

  • Khadi Hundis

    Der Begriff Hundi bezeichnet im indischen Geldwesen u.a. einen Wechsel, eine Art Schuldschein, der von Hand zu Hand gehen kann und der für den Inhaber einlösbar ist. Da Indien arm an münzfähigem Metall war, bürgerte sich im Mogul-Reich schon ab dem 17. Jahrhundert zwangsläufig ein bargeldloses Zahlungssystem ein. Ein Schuldner zahlte an seinem Heimatort an einen einheimischen Bankier oder Geldwechsler, Shroff genannt, einen bestimmten Betrag, über den er nun ein Dokument (oft mit einem festen Zahlungsziel) – den Hundi – erhielt. Dieses Dokument schickte er an seinen Gläubiger, der dieses Papier dann bei einem Bankier, der mit dem ausstellenden Shroff in Beziehung stand, zur Zahlung vorlegte. Die größte Verbreitung erreichten Hundis nach dem Ersten Weltkrieg. 1929 schätzte man, dass fast 90 % des von Indern betriebenen Außenhandels über diese unregulierten Finanzdokumente finanziert wurden. Die ersten Khadi-Hundi-Noten wurden 1954/1955 vom All India Khadi & Village Industries Board als lokale Währung ausgegeben. Nach dem Gültigkeits-Text konnte mit ihnen nur in der jeweiligen Region Khadi-Tücher erworben werden, die die Noten ausgab. Zudem waren sie nur bis zum 31. März 1955 einlösbar. Ausgegeben wurden Scheine zu 2, 5 und 10 Rupees . Alle Werte zeigen auf Vorder- und Rückseite Darstellung der Stoffherstellung. Die Khadi Hundis wurden auf handgeschöpftem Papier mit den fortschrittlichsten Sicherheits-Tiefdrucktechniken gedruckt und ähneln im Allgemeinen dem Stil (und dem Format) den regulären Banknoten der Reserve Bank of India. Bei den Khadi-Hundis handelt es sich nun um Noten, mit denen die indische Regierung die Armut in den kleinen, ländlichen Dörfern bekämpfen wollte. Khadi bezeichnet üblicherweise Kleidungsstücke aus handgesponnenen und handgewebten Stoffen heimischer Produktion. Als Rohstoffe können hierbei Baumwolle, Seide oder Wolle dienen. Mahatma Gandhi kleidete sich ausschließlich mit Khadi und propagierte in den 1920er Jahren das Spinnen auf einem Spinnrad namens Charkha, um damit die ländliche Bevölkerung zur Selbstversorgung zu ermutigen und die englischen Stoffe vom indischen Markt zu verdrängen. Die Flagge Indiens wird auch heute noch ausschließlich aus Khadi hergestellt. Eine zweite Ausgabe erfolgte 1957 durch Khadi & Village Industries Commission. Sie waren ab Ausstellungsdatum ein Jahr beim emittierenden Institut einlösbar, wenn sie unterzeichnet waren. Zur Ausgabe gelangten, 2, 5, 10 und 100 Rupees. Bei ihnen weist das Papier im ausgesparten Feld ein stilisiertes Spinnrad als Wasserzeichen auf. 1967 wurde nochmals eine Serie zu 2, 5 und 10 Rupees in veränderter Farbgebung emittiert. Bei allen Scheinen wurde im weißen ausgespartem Feld auf Vorder- und Rückseite das Siegel der Commission aufgedruckt. Über den Erfolg des Programms wurde meines Wissens leider nichts veröffentlich. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • Leistungsbescheinigung vom 10.10.1939

    Schon bald nach der nationalsozialistischen Machtübernahme bereitete sich die Wehrmacht gemäß der Maxime „Volk ohne Raum“ auf einen bevorstehenden Eroberungskrieg vor. Auch die Zivilbevölkerung wurde auf einen möglichen Luftkrieg vorbereitet. Vielerorts fanden Luftschutzübungen statt, die von den NSDAP-Ortsgruppen organisiert wurden. Bereits im Oktober 1935 hatte das Reichsluftfahrt-Ministerium Richtlinien erlassen, wie sich die Bevölkerung in einem möglichen Luftkrieg verhalten sollte. Am 5. Juni 1937 verkündete Herman Göring, Reichsbeauftragter für den Vierjahresplan, die Einführung der „Volksgasmaske“ (VM). Bei der von der Firma Dräger in Lübeck entwickelten Maske „VM 37“ handelt es sich um eine haubenartige Konstruktion, die den Großteil des Kopfes umschließt. Das Gummi der Haube ist sehr robust und völlig undurchlässig gegen chemische Kampfstoffe, einzig gegen Leuchtgas war sie wirkungslos. Die Haube hat zwei getrennte Sichtgläser und einen runden abnehmbaren Atemfilter. Sie wurde in drei Größen hergestellt (Größe „M“ = Männergröße, Größe „F“ = Frauengröße, Größe „K“ = Kindergröße). Ab Juli 1937 wurde die Volksgasmaske an die Bevölkerung ausgegeben. Bis Kriegsende wurden in Deutschland fast 45 Millionen Stück verkauft. Ihr Preis betrug 5 RM, konnte jedoch bei Bedürftigkeit auf 50 Reichspfennig herabgesetzt werden. Um die Bevölkerung von der Notwendigkeit des Erwerbs zu überzeugen, fand nach einer Mitteilung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe in der Zeit vom 18. bis 25. September 1938 im ganzen Deutschen Reich die „Woche der Volksgasmaske“ statt. Wohl nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen muss es zu Lieferengpässen bei den Volksgasmasken gekommen sein. Um den Bedarf in besonders gefährdeten Gebieten decken zu können, sammelte man bereits an die Bevölkerung verkaufte Masken wieder ein. Die Empfänger erhielten im Gegenzug eine Leistungsbescheinigung. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte der bezahlt Kaufpreis rückvergütet bzw. eine neue Maske ausgehändigt werden. Die vom Hauptamt für Volkswohlfahrt ausgestellten und von seinem Leiter (Erich) Hilgenfeldt unterzeichneten Leistungsbescheinigungen datieren vom 10. Oktober 1939. Sie haben das Format 206 x 146 mm. Gedruckt wurden die Scheine von Giesecke & Devrient auf Papier mit dem Wasserzeichen „Giesecke-Dreipass Muster“, das z. B. bereits bei der 500-Mark-Banknote vom 1. Juli 1922 der Sächsischen Bank und bei verschiedenen Notgeldausgaben 1923 verwendet wurde. Am 14. Mai 1944 meldete die Litzmannstädter Zeitung, dass „alle Besitzer derartiger Leistungsbescheinigungen .. nunmehr aufgefordert [werden], diese bis spätestens 31. Mai bei der für sie zuständigen VM.-Ausgabestelle der NSV. vorzulegen und hierfür eine Volksgasmaske kostenlos in Empfang zu nehmen. Nach Ablauf dieses Termins sollen die Leistungsbescheinigungen für ungültig erklärt werden.“ Text und Abb. Uwe Bronnert, Volksgasmaske (Wikipedia)

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