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- Manipulationen – Verfälschungen zum Schaden der Sammler
Am 26. August 2018 versteigerte #orld#ideweb#### bei ebay eine Reichsbanknote zu 1000 Mark von 1910 ohne Kontrollnummern und Siegel (DEU-40 oder 69, Ro./Gra. 45 oder 46) mit rotem Aufdruck „MUSTER“. Sieben Bieter gaben 13 Gebote ab. Der Zuschlag erfolgte bei 63,23 €, obwohl der Verkäufer in seinem Angebot jegliche Garantie auf Authentizität oder Gewährleistung ablehnte. Weiter hieß es dort: „Als Privatverkäufer kann ich keine weiter gehenden Expertisen abgeben. Gekauft wie gesehen, kein Rückgabe- oder Erstattungsrecht. … Fragen sind VOR Gebotsabgabe zu stellen. Nicht beantwortete Fragen gelten als nicht vorgebracht!“ Die Echtheit dieses Scheines erscheint mehr als fragwürdig. Der Aufdruck „MUSTER“ ist garantiert falsch. Der Aufdruck auf den Reichsbanknoten, die die Reichsbank in den 1920er Jahren an Sammler abgab, ist nur 70 mm bzw. 82 mm lang. Auch die Kontrollnummern und Siegel dürften entfernt worden sein. Allerdings könnte dies eindeutig nur bei Vorlage des Scheins geklärt werden. Vieles spricht aber gegen die Authentizität. Der Anbieter hat in den letzten Wochen so manche gestempelte „Seltenheit“ bei ebay verkauft und sogar durchweg positive Bewertungen erhalten. Hier eine Auswahl der Machwerke, die wahrscheinlich unter dem Motto „Wir basteln eine Rarität“ entstanden sind: Text und Abb. Uwe Bronnert
- Der Plan der Handelskammer Saarbrücken für die Ausgabe von Franken-Notgeld 1935
Am 13. Januar 1935 fand im nach dem Ersten Weltkrieg vom Reich abgetrennten und und im Rahmen eines Völkerbundsmandats unter französische Verwaltung gestellten Saargebiet eine Volksabstimmung über dessen Zukunft statt, bei der sich 90,73% für die Wiedervereinigung mit dem Deutschen Reich, 8,87% für die Beibehaltung des Status quo und nur 0,4% für den Anschluss an Frankreich aussprachen. Am 1. Februar 1935 informierte die Direktion der Reichsdruckerei das Reichsbankdirektorium, dass die Handelskammer Saarbrücken einen Auftrag zur Herstellung von Notgeld erteilt habe.[1] Mithilfe eines Banken-Konsortiums sollte Notgeld im Wert von 60 Millionen Franken emittiert werden. Die drei größten Banken des Saargebiets sollten das Notgeld kommissionsweise an Unternehmen abgeben, wenn diese über Guthaben beim Office Franco-Allemand in Paris verfügten und sie bereit seien, die Récépissés (Einkünfte) und Avis de Crédit (Gutschriften) zu pari der Handelskammer als Sicherheit auszuhändigen. In der Zeit vom 1. – 15. März 1935 sollten dann die Notgeldscheine in Reichsmark eingelöst werden. Wegen der Kursschwankungen des französischen Francs sollte jedoch auf den Aufdruck eines Umrechnungskurses verzichtet werden. Vorgesehen waren die folgenden Nominale: 4 Millionen Scheine zu 5 Franken = 20 Millionen Franken 1,5 Millionen Scheine zu 10 Franken = 15 Millionen Franken 1,25 Millionen Scheine zu 20 Franken = 25 Millionen Franken.[2] Der Syndikus der Handelskammer, Martin, begründete gegenüber Vertretern der Reichsbank die Notwendigkeit einer Notgeldausgabe damit, dass der Mangel an Francs-Zahlungsmitteln unerträglich geworden sei. Bisher würden monatlich Waren im Wert von 100 Millionen Francs eingeführt, für die bislang ein durchschnittliches Zahlungsziel von zwei Monaten gewährt worden sei. Jetzt jedoch würden die Franzosen nur noch gegen Barzahlung liefern. Verschärft würde das Problem durch die Immobilienverkäufe von Auswanderern, Autokäufe und der „Hamsterpsychose“. Sofort würden 200 Millionen Francs benötigt.[3] Die Regierungs-Kommission für das Saargebiet stand den Plänen der Handelskammer ablehnend gegenüber. Bereits am 31. Januar 1935 hatte sie für den Fall der Ausgabe von Notgeld mit der Verhängung einer Geldstrafe in Höhe des zehnfachen Ausgabewerts gedroht. Auch die Reichsbank war von der Entwicklung nicht begeistert und wandte sich am 2. Februar 1935 an den Reichswirtschaftsminister und Preußischen Minister für Wirtschaft und Arbeit sowie an den Reichsfinanzminister und das Auswärtige Amt mit der Bitte, zu klären, „wieweit aus einer Nichtbeachtung des Einspruches politische Schwierigkeiten entstehen könnten.“[4] Die Antwort des Auswärtigen Amts am 4. Februar 1935 fiel eindeutig aus: „Es scheint mir nicht angängig, daß die Reichsdruckerei den Auftrag auf Herstellung des Notgeldes ausführt, bevor nicht feststeht, daß die Regierungskommission des Saargebiets der Ausgabe dieses Notgeldes zustimmt. Dieser Standpunkt wird umso mehr einzunehmen sein, als die Regierungskommission inzwischen dem Plane der Handelskammer zu Saarbrücken widersprochen hat.“[5] In dem Schreiben wird ferner ausgeführt, dass die Regierungskommission zu der Angelegenheit noch nicht endgültig Stellung genommen habe und möglicherweise ihre eigene Haltung von der der Reichsregierung abhängig mache. Es erscheine fraglich, ob zur Behebung des Mangels an Franken-Zahlungsmitteln die Ausgabe von Notgeld zweckmäßig erscheine, da das Problem mit der Währungsumstellung am 18. Februar 1935 auf Reichsmark automatisch verschwinden dürfte. Ferner wird im Schreiben ausgeführt: „Abgesehen von der Frage, ob die Récépissés und die Avis de Crédit des Office franco-allemand als ausreichende Deckungsgrundlage angesehen werden könnten, würde die Ausgabe des Notgeldes möglicherweise die Abwanderung der im Saargebiet umlaufenden Franken begünstigen.“ Gerade dies war nicht im Interesse der deutschen Regierung, die für den Rückkauf der Saargruben diese Franken benötigte. Aus gleichen Überlegungen habe auch die französische Delegation bei den Basler Saarverhandlungen gebeten, den Plan der Notgeldausgabe nicht weiter zu verfolgen. Der Handelskammer blieb daher nichts anderes übrig, als ihren Druckauftrag bei der Reichsdruckerei zurückzuziehen. Reichsbankdirektor Sattler notierte nach einem Telefongespräch mit Vertretern der Handelskammer am 12. Februar: „Die auf den Mangel an Frankenzahlungsmitteln herrührenden Schwierigkeiten sollen insbesondere dadurch überwunden werden, daß der Lohnzahlungstag vom 16. d. Mts. auf den 18. d. Mts. verlegt wird.“[6] An diesem Tag begann der Umtausch des französischen Geldes in Reichsmark. [1] BA Berlin, R2/14668, Bl. 99. [2] Ebenda, Bl. 100. [3] Ebenda, Bl. 101 f., Aktennotiz. Notgeldausgabe im Saargebiet. Besuch des Syndikus Martin, Handelskammer Saarbrücken. [4] Ebenda, Bl. 98. [5] Ebenda, Bl. 104. [6] Ebenda, Bl. 107. Uwe Bronnert Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Vorlagemuster zur 500-Mark-Banknote vom 7. Juli 1922
Die Reichsdruckerei in Berlin begann mit dem Druck der Reichsbanknoten erst, wenn die Freigabe durch die Reichsbank erfolgt war. Hierzu waren die Unterschriften zweier Reichsbankdirektoren auf einem Vorlagemuster notwendig. Das Vorlagemuster der Reichsbanknote zu 500 Mark vom 7. Juli 1922 ist eine Banknote mit der grünen Kennnummer „A.0000000“. Zusätzlich wurde die Note mit Lochschrift „DRUCKPROBE“ und handschriftlich mit roter Tinte mit „Muster“ gekennzeichnet. Auf dem rechten Schaurand ist maschinenschriftlich vermerkt: „Genehmigt ! / Berlin, den 21. Juli 1922 / Reichsbank: Direk= / torium.“, darunter die beiden Unterschriften der Direktoren Dr. v. Glasenapp und Dr. v. Grimm in schwarzer Tinte. Für jede Note gibt es in dieser Form nur ein Vorlagemuster, somit handelt es sich um ein Unikat! Uwe Bronnert Abbildung: Uwe Bronnert
- Die 500-Mark-Banknote vom 7. Juli 1922 – ein Dokument der Trostlosigkeit
Bereits während des Ersten Weltkrieges wurde ein großer Teil der Banknoten in Buchdruck hergestellt. Im Sommer 1922 nahm der Wertverfall der Mark so dramatische Formen an, dass sich die Reichsbank genötigt sah, in kürzester Zeit eine Hilfsbanknote zu 500 Mark herstellen zu lassen. Die benötigte Banknotenmenge ließ sich nur durch die Buchdruckschnellpressen und Rotationsmaschinen bewerkstelligen. Das benötigte Papier wurde nur noch in Rollen mit Faserstreifen, Wasserzeichen und zum Teil auch mit farbigem Stoffauflauf auf der Papiermaschine hergestellt. Für die Buchdruckschnellpresse wurde es dann zu Bogen geschnitten. Die als Massendrucksachen und mit größter Beschleunigung in ununterbrochener Folge hergestellten Noten konnten naturgemäß in keiner Weise den Ansprüchen genügen, die an gute Zahlungsmittel gestellt werden. Vielfach bildete das Wasserzeichenpapier mit farbigem Stoffauflauf und Faserstreifen die einzige Sicherung gegen Fälschungen. Mit Datum vom 7. Juli 1922 gelangte ab 4. August 1922 die neue Banknote in Umlauf. Ihr Design bricht mit allen bisherigen Konventionen. Die Banknote ist einseitig, im gewöhnlichen schwarzen Buchdruck ohne irgendwelche drucktechnischen Sicherungsmittel hergestellt. Der achtzeilige Text lautet: „Reichsbanknote / Fünfhundert Mark / zahlt die Reichsbankhauptkasse in Berlin / gegen diese Banknote dem Einlieferer / Vom 1. Januar 1923 ab kann diese Banknote aufgerufen und unter / Umtausch gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel eingezogen werden / Berlin, den 7. Juli 1922 / Reichsbankdirektorium“. Links und rechts neben den Unterschriften der Reichsbankdirektoren die Kontrollstempel mit dem Reichsadler und der Umschrift „Reichsbankdirektorium * 500 *“. Am linken Rand quer nach innen dreizeilig der Strafsatz, rechts quer die rote siebenstellige Kennziffer mit einem vorgesetzten Großbuchstaben (A – F). Der einzige Fälschungsschutz besteht aus dem himmelblau eingefärbten rechten Schaurand der Banknote. Hier sind dunkelrote Faserstreifen eingewirkt – nicht aufgedruckt! Ferner wird hier ein hell und dunkel schimmerndes Wasserzeichen sichtbar, das aus zwei seilartig verschlungenen Bändern besteht, von denen das mit dunkler Randbezeichnung die helle Wertzahl „500 Mk“, das mit heller Randbezeichnung die dunkle Inschrift „500 Mk“ zeigt. Die Maße des Scheines sind 90 x 174 mm. Gleichzeitig wurde eine gleichartige Hilfsbanknote mit dem veränderten Aufrufdatum „1. April 1923“ und einer grünen sieben- bzw. achtstelligen Kennziffer mit vorgesetztem Großbuchstaben (jeweils A – Z) ausgegeben. Das Hamburger Fremdenblatt (Nr. 377) vom 15. August 1922 schrieb: „Bei dieser Gelegenheit sei noch ein Wort über diese 500 Mk.-Note selbst gesagt, die ein Dokument der Trostlosigkeit ist. War es nötig, der Welt schon durch die äussere Aufmachung zu zeigen, wie wertlos uns selbst unser Geld erscheint? Es ist, als sollte mit der Herstellung dieser Banknote ein Billigkeitsrekord in der Fabrikation eines Geldmittels aufgestellt werden. Jeder kleine Drucker kann diese Banknote, wenn er das Papier hat, herstellen, so wenig Wert ist auf die Ausstattung der Banknote verwendet worden. Die Rückseite ist sogar unbedruckt, und in Ermangelung eines anderen Blattes kann man sie also für Notizen verwenden. So hat denn das Ausland den erfreulichen Eindruck, dass in Deutschland einseitig bedruckte Notizblätter – auch Reichsbanknoten sein können.“ Der Autor dieser Zeilen konnte nicht ahnen, dass im Laufe des nächsten Jahres noch so manche Banknote in dieser einfachen Gestaltung folgen würde. Am 1. September 1922 erschien dann eine seit Monaten vorbereitete neue 500-Mark-Banknote mit dem Ausgabedatum vom 27. März 1922, die „die trübselige Interimsausgabe“ ablöste. Uwe Bronnert Abbildungen: Uwe Bronnert
- Separatistische Propaganda – Die 500-Mark-Banknote vom 7. Juli 1922 diente als Vorlage
Im Schutz der alliierten Besatzungsmächte, die nach dem Ersten Weltkrieg das Rheinland und die Pfalz besetzten, bildete sich eine separatistische Bewegung, die einen eigenständigen Rheinstaat anstrebte. Am 21. Oktober 1923 riefen sie in Aachen die Rheinische Republik aus. Bis Anfang November 1923 breiteten sich die Separatisten bis in die Pfalz aus. Allerdings gelang es ihnen nicht, die Mehrheit der Bevölkerung für ihre Ideen zu gewinnen, sodass der Putsch zusammenbrach. Die 500-Mark-Banknote vom 7. Juli 1922 diente als Vorlage für eine Propagandanote der rheinischen Separatisten. Der Text nimmt auf den passiven Widerstand im Ruhrgebiet Bezug und auf Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der achtzeilige Text des Flugblattes lautet: „Reichsbanknot / Fünfhundert Mal / hat die Regierungssippschaft in Berlin / gegen die Staatsmoral verstossen / Vom 11. Januar 1923 ab ist deshalb das Ruhrgebiet gepfändet und wird nur unter / Umtausch gegen andere vollgültige Zahlungsmittel wieder freigegeben werden. / Ruhrland , den 1. April 1923 / Vollstreckungsdirektorium“. Die verballhornten Unterschriften spielen auf Persönlichkeiten des damaligen öffentlichen Lebens an: Cuno v. Dalles (Reichskanzler Cuno), Macker, Stinkes (Großindustrieller Stinnes), v. Pleite, Dudendorff (General Ludendorff), Strebemann (Reichsaußenminister und Reichskanzler Stresemann), Burg v. Kohlen (Großindustrieller Krupp von Bohlen und Halbach). Anstelle des Strafsatzes heißt es: „Wer ehrlich und redlich für eine Verständigung eintritt oder den / Blödsinn der Widerstandspolitik erkennt, wird mit Zuchthaus nicht / unter zwei Jahren bestraft“, rechts auf dem Schaurand die grüne Kennziffer „Z.3005028“. Im linken Stempel wurde der Kopf des Reichsadlers durch ein Hakenkreuz ersetzt. Die Umschrift lautet „In hoc signo capores“ – in diesem Zeichen kaputt. Dabei wurde Latein und rheinische Mundart vermischt. Im rechten Stempel bildet die phrygische Mütze, das Symbol der Französischen Republik, den Kopf des Reichsadlers. Die Umschrift lautet hier „In hoc signo vinces“ – in diesem Zeichen wirst Du siegen. Dies ist eine Anspielung auf das Feldzeichen des römischen Kaisers Konstantin in der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahre 312. Das Flugblatt weicht in der Größe (180 x 79 mm) geringfügig von der Vorlage ab. Uwe Bronnert Abbildung: Uwe Bronnert
- Replacement-Noten, nur ein Sammler-Spleen?
1997 meldeten die Tageszeitungen: „Beim Druck der neuen Hundertmarkscheine hat es eine Riesenpanne gegeben. Durch einen Produktionsfehler sind jetzt echte Hunderter mit unbedruckter ‚blütenweißer‘ Rückseite im Umlauf. In München tauchten zwei fehlerhafte Scheine auf. Wie viele es insgesamt gibt, ist unbekannt.“[1] Die meisten fehlerhaften Drucke sind weniger spektakulär. Schlecht oder unvollständig gedruckte, verdruckte, verschnittene oder sonst zu beanstandende Scheine werden bereits in der Druckerei bei der Qualitätskontrolle aussortiert und vernichtet. Abb. 1.1: Eine fehlerhafte Reichsbanknote, bei der auf der Vorderseite die Kontrollziffern fehlen und die deshalb aussortiert wurde, aber der Vernichtung entging. Sie wurde auf der Vorderseite mit dem Stempel „Fehldruck …“ gekennzeichnet. Reichsbank, 22. Januar 1929, 10 Reichsmark, Zwischenform. Abb. 1.2: Die Rückseite ist fehlerfrei und zeigt die beiden Kontrollziffern. Reichsbank, 10 Reichsmark, 22. Januar 1929, Zwischenform. In der Regel liefern die Druckereien den Ausgabeinstituten die Noten in bankmäßig fertigen mit Streifbändern umschlossenen Päckchen, die je nach Stückelung 100 oder 50 Geldscheine enthalten. Diese Päckchen umfassen jeweils einen bestimmten Nummernkreis, z. B. A1000001 – A1000100. Wenn nun die Note mit der Kontrollziffer A1000067 fehlerhaft ist, wird sie durch eine fehlerfreie sog. Austauschnote ersetzt, damit die Anzahl der gezählten Noten im Päckchen wieder stimmt. Diese nachgeschobenen Noten, auch Ersatznoten oder Replacement-Noten genannt, unterscheiden sich häufig bei den Kontrollnummern von den „regulären“ Ausgaben. Die besonders gekennzeichneten Geldscheine sind bei Sammlern besonders begehrt und erzielen daher bei Verkäufen regelmäßig höhere Preis als die Normal-Banknoten. Am 14. April 1910 bat J. T. Ralph, Direktor des Bureau of Engraving & Printing (BEP), den US-Treasurer Lee McClung, um Erlaubnis einen Bestand an Banknoten mit fortlaufender Nummerierung herstellen zu dürfen, um damit fehlerhafte Exemplare aus der laufenden Produktion austauschen zu können. Sie sollten sich durch einen besonderen Buchstaben oder ein besonderes Zeichen vor und/oder nach der Kontrollziffer von den „regulären“ Noten unterscheiden. Geldpäckchen, die ausgetauschte Noten enthielten, sollten einen entsprechenden Vermerk erhalten. Dieses Verfahren wurde dann erstmals am 21. Juni 1910 bei den 1-Dollar- und 5-Dollars-Silberzertifikaten (Silver Certificates) angewendet. Die Austauschnoten wurden mit einem Stern vor der Kontrollnummer gekennzeichnet: ★1B… bis ★100B… Im Laufe der Zeit wurde das Verfahren auch auf andere Nominale und Ausgaben übertragen und von anderen Druckereien übernommen. Abb. 2: Federal Reserve Bank (USA), 2003, 1 Dollar, Austauschnote, Vorderseite. Abb. 3: Federal Reserve Bank (USA), 1995, 5 Dollars, Austauschnote, Vorderseite. Die besondere Kennzeichnung dieser Noten wurde notwendig, weil es bei der Banknotenproduktion in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts zu mehreren tiefgreifenden technologischen Innovationen kam. Seit Sommer 1903 setzte das BEP bei der Nummerierung der Noten eine Hochgeschwindigkeits-Rotationsnummeriermaschine ein. Sie war in der Lage, jeweils in einem Druckdurchgang einen aus vier Noten bestehenden Druckbogen mit je zwei Kontrollnummern pro Note zu vervollständigen. Das bedeutete eine deutliche Produktionssteigerung. Zuvor wurden die Noten mit einem Paginier-Gerät nummeriert. Dabei wurde jede einzelne Note des Druckbogens nacheinander zweimal mit derselben Kontrollnummer gestempelt, beginnend mit dem obersten Schein, dann stellte das Zählwerk die nächsthöhere Zahl ein und fuhr mit der Nummerierung des nächsten Scheins fort. Der Einsatz der Hochgeschwindigkeits-Rotationsnummeriermaschine war bei der Nummerierung einzelner Austauschnoten kontraproduktiv, da der Nummerierkopf für jede Note neu eingestellt werden musste. Daher nutzte das BEP die alten Paginiermaschinen bei den Ersatznoten weiter. Weil nun die Schrifttypen der Rotationsnummeriermaschinen von denen der Paginiermaschinen geringfügig abwich, lassen sich die Replacement-Noten von den regulären Scheinen unterscheiden. Wie bereits oben erwähnt, verzichtete man beim BEP schließlich auf den Austausch fehlerhafter Noten durch Ersatznoten mit identischen Kontrollnummern und ergänzte die Geldpäckchen mit den „Star Notes“. Bleibt noch anzumerken: Am 17. Juli 2023 gab die Federal Reserve Bank bekannt, dass in Zukunft gemäß des „United States Currency Program“ die neuen Bündel von US-Banknoten nicht mehr fortlaufende Kontrollnummern haben werden. Dadurch erübrigt sich die Herstellung besonderer Austauschnoten.[2] Deutsche Austauschnoten waren in der Notaphilie lange unbekannt. Das ist nicht verwunderlich, gibt es doch von der Reichsdruckerei diesbezüglich keine besonders gekennzeichneten Banknoten. Die Vollzähligkeit der Geldbündel dürfte hier durch Ersatznummerierung mit der Kontrollnummer der ausgesonderten Banknote erfolgt sein. Bereits vor dem Einmarsch der Alliierten in das Deutsche Reich, hatte die US-Regierung bei der privaten Druckerei „Forbes Lithographic Manufactoring Co.“ in Chelsea, Massachusetts, Militärmark-Noten für die „Alliierte Militärbehörde“ drucken lassen. Die Druckerei arbeitete in die Druckplatte ein Geheimzeichen ein. Bei genauem Betrachten der Noten ist im Ornamentrahmen ein kleines „F“ zu erkennen. Die Marknoten haben jeweils eine neunstellige Kontrollnummer, immer beginnend mit „0“. Bei Austauschnoten wurde statt der „0“ ein „-“ der Kontrollnummer vorangestellt. Die Sowjets verlangten ebenfalls Militärmark-Noten drucken zu dürfen. Nach langem Zögern übergab das US-amerikanische Finanzministerium am 18. April 1944 Vorlagen, Papier und Farben an den damaligen Verbündeten. Darunter auch Druckplatten, bei denen allerdings das Geheimzeichen fehlte, sowie Austauschnoten als Muster. Deshalb fehlt bei den sowjetischen Drucken auch das englische "F" im Rahmen und die Kontrollnummer ist achtstellig mit vorangesetztem „-“.[3] Bleibt festzuhalten, dass deshalb nicht alle Noten mit „-“ vor der Kennziffer "Replacements" sind! Abb. 4: Alliierte Militärbehörde, 1944, 1 Mark, US-Druck, Austauschnote „-“, Vorderseite. Abb. 5: Firmenbuchstabe „F“ in der unteren rechten Ecke des Scheins. Abb. 6: Alliierte Militärbehörde, 1944, 1 Mark, UdSSR-Druck, erkennbar am fehlenden Firmenbuchstaben „F“ in der rechten unteren Ecke, Vorderseite. Bei der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 brachten die US-Amerikaner auch Besatzungsgeldscheine für Frankreich mit, die mit „Émis en France“ überschrieben sind. Ihr Aussehen ähnelt den Scheinen der Ausgabe für Deutschland, die ebenfalls bei Forbes gedruckt wurde. Bei den Austauschnoten ging man jedoch anders vor. Sie wurden mit zwei „X“ im Banknotenfeld gekennzeichnet, das entweder zusätzlich oder anstelle der sonst üblichen Ziffern – es dürfte sich hierbei um eine Serienangaben handeln – tritt. Sie sind also nicht Bestandteil der achtstelligen Kontrollziffer. Abb. 7: Émis en France, 1944, 2 Francs, Austauschnote mit „X“, Vorderseite.[4] Abb. 8: Émis en France, 1944, 2 Francs, reguläre Note mit „2“, Vorderseite.[5] Als am 20. Juni 1948 anlässlich der Währungsreform die Reichs- und Rentenmark-Noten gegen DM-Noten umgetauscht wurden, befanden sich unter den aus den USA gelieferten Geldscheinen auch besonders gekennzeichnete Austauschnoten. Die Tudor Press Inc., Boston, lieferte Noten zu 1/2, 1, 2, 5,20 und 50 DM, wovon die Noten ab 2 DM eine achtstellige Kontrollnummer mit vor- und nachgesetztem Buchstaben trugen. Niemand ahnte damals, dass es sich bei den Scheinen deren Nummerierung „G … G“ lautete um Austauschnoten handelte. Es sollte bis in die 1990er Jahre dauern, bis in den deutschen Katalogen darauf hingewiesen wurde.[6] Abb. 9: Westzone, 1948, 5 Deutsche Mark, Austauschnote „G…G“, Vorderseite.[i] Da die übliche Nummerierung von Ersatznoten bei der Washingtoner Bundesdruckerei stets mit 00000001 beginnt und nach oben fortgesetzt wird, errechnete Schöne anhand bekannter Kennziffern für die 2-DM-Austauschnote einen Anteil von 0,28 % an der Gesamtauflage und 1,02 % beim 20-DM-Schein,[8] also etwa 200.000 Noten bzw. 580.000 Noten. Wegen des schnell steigenden Geldbedarfs und dem Aufruf der nicht fälschungssichereren behelfsmäßigen Noten, erhielt Thomas De La Rue & Co, Limited, London, von der Bank deutscher Länder den Auftrag neue 5-DM-Note – „Entführung der Europa" – zu drucken. Bei einem kleinen Teil der Banknoten fällt die abweichende Nummerierung sofort ins Auge. Statt des Zählbuchstabens zeigt die Kontrollnummer einen auf der Spitze stehenden Kreuzstern. Hier war es relativ schnell klar, dass damit eine Austauschnote gekennzeichnet wurde. Die übrigen Noten ließ die Bank deutscher Länder von der American Bank Note Company (10 und 20 DM) und von der Druckerei der Banque de France (50 und 100 DM) drucken. Das erklärt auch den uneinheitlichen Charakter der damaligen deutschen Banknoten. Wie es scheint, stellten die beiden Druckereien keine besonders gekennzeichneten Austauschnoten her. Abb. 10: Bank deutscher Länder, 9.12.1948, 5 Deutsche Mark, Austauschnote mit Kreuzstern, Vorderseite.[9] Am 26. Juli 1957 löste die Deutsche Bundesbank die Bank deutscher Länder ab. Die Bundesbank übernahm zunächst deren Geldzeichen, ließ aber umgehend neue Banknoten drucken, die ab 1961 in Umlauf gelangten. Die Banknoten wurden ausschließlich in Deutschland gedruckt. Von allen Ausgaben und Werten kommen Austauschnoten vor. Ersatznoten mit der Serie „Y“ stammen aus der Bundesdruckerei, Berlin, und die der Serie „Z“ von Giesecke & Devrient, München (später auch Leipzig). Abb. 11: Deutsche Bundesbank, 2. Januar 1980, 5 Deutsche Mark, Austauschnote „Y“ (Bundesdruckerei), Vorderseite. Abb. 12: Deutsche Bundesbank, 1. Oktober 1993, 10 Deutsche Mark, Austauschnote „ZA“ (Giesecke & Devrient), Vorderseite. Nach der Währungsreform in den Westzonen führte auch die sowjetische Besatzungsmacht in der Zeit vom 24. Juli 1948 in ihrer Zone eine Währungsreform durch. Als Zwischenlösung wurden die alten Reichsbanknoten und Rentenbankscheine mit Klebemarken versehen. In der Zeit vom 25. bis 28. Juli 1948 wurden dann die Kuponscheine gegen Noten der Deutschen Notenbank umgetauscht. Die Erstausstattung der Nominale von 0,50 bis 50 DM lieferte die sowjetische Staatsdruckerei GOZNAK, während die Noten zu 100 und 1000 DM in der "Ostzone" gedruckt wurden. Ab 1951 lieferte dann die Wertpapierdruckerei der DDR (vormals Giesecke & Devrient) in Leipzig alle Banknoten der Deutschen Notenbank (DDR) und der Staatsbank der DDR. Die Wertpapierdruckerei kennzeichnete ihre Austauschnoten zunächst durch ein „X“ vor einem weiteren Buchstaben des Alphabets. Ab der Banknotenserie von 1955 sind die Austauschnoten durch „X“, „Y“ und „Z“ vor einem weiteren Buchstaben charakterisiert.[10] Abb. 13: Deutsche Notenbank, 1948, 20 Deutsche Mark, Austauschnote „XH“, Vorderseite. Abb. 14. Staatsbank der DDR, 1985, 500 Mark, Austauschnote „ZA“, Vorderseite, nicht ausgegeben. Nicht von allen Staaten und Druckereien sind besondere Austauschnoten bekannt. Z. B. verzichtete die EZB auf besonders gekennzeichnete Ersatznoten, andere Banken änderten ihr Aussehen im Laufe der Zeit. Es würde den Rahmen der Abhandlung sprengen, wollte man auf alle Ausgaben eingehen.[11] Abschließend wird eine kleine Auswahl weiterer Replacement-Noten vorgestellt. Neben den Noten aus den Vereinigten Staaten gibt es „★“-Noten aus Indien und den Philippinen. Australien nutzte diese Kennzeichnung bis 1972, während Kanada bis 1975 am Anfang der Kontrollnummern einen anderen „✽“ verwendete. Bei einige späteren Ausgaben zeigen die Scheine den Präfix „33“ bzw. „X“. Überhaupt sind Präfixe und Suffixe mit Buchstaben sehr beliebt.[12] Mit „R“ kennzeichneten Argentinien, mit „Z“ die Bahamas, Sri Lanka, Malaysia und Guatemala, mit „ZA“ Serbien, mit „DZ“ Nigeria, mit „ZZ“ Schottland, Hongkong und die Mongolei, mit „Z/0“ Singapur, mit „X“ Indonesien, mit „X3“ Sambia und mit „Buchstabe/99“ der Irak ihre Replacement-Noten. Die spanischen Austauschnoten der Fábrica Nacional de Moneda y Timbre sind seit den 1970er-Jahren am Präfix 9A, 9B und 9C zu erkennen. Ebenfalls aus den 1970er-Jahren stammt die Kennzeichnung der Noten der Philippinen, die von Thomas De La Rue geliefert wurden. Sie zeigen den gleichen Kreuzstern wie beim 5-DM-Schein von 1948. Abb. 15: Centralbank of the Philippiens, o. D., 2 Pesos, Austauschnote mit Kreuzstern, Vorderseite. Abb. 16: Banco de España, 16. September 1980, 200 Pesetas, Austauschnote „9A“, Vorderseite. Trotz aller Sorgfalt, befinden sich in den Päckchen (Bündeln) hin und wieder fehlerhafte Scheine. Die Deutsche Bundesbank bemerkte dazu: „Bei der großen Stückzahl der laufend von den Druckereien übernommenen Banknoten können nicht alle Abschnitte auf drucktechnisch einwandfreie Ausführung geprüft werden. Die Bundesbank muß sich deshalb auf stichprobenweise Prüfungen beschränken, was insofern unbedenklich ist, als die Zahl der in den Druckereipaketen enthaltenen Fehldrucke oder auch Fehlschnitte von Banknoten erfahrungsgemäß äußerst gering ist. Sollten in Einzelfällen ‚Makulaturnoten‘ in den Zahlungsverkehr gelangen, so werden sie von der Bundesbank ohne weiteres gegen einwandfreie Scheine umgetauscht.“[13] Aber, welcher Sammler würde solch einen Geldschein zurückweisen und bei der Bank umtauschen. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Rhein-Zeitung, Nr. 218 vom 19. September 1997. [2] S. Donald Ludwig, US-Star-Banknoten werden ausgemustert. (20.07.2023). [3] Vgl. Uwe Bronnert, In Umlauf gesetzt in Deutschland, Teil 1: Wie es zum Druck der Alliierten Militärmark in der UdSSR kam, Münzen & Sammeln, November 2017, S. 123 – 128. [4] https://www.numiscollection.com/france-2-francs-allied-military-currency-1944-serial-x-p114-a37143-en.html. [5] https://www.numiscollection.com/france-2-francs-allied-military-currency-flag-1944-serial-2-vf-a28651-en.html. [6] Pick/Rixen, Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland 1874 – 1980, Mit Nebengebieten und einer Übersicht über die klassischen deutschen Geldscheine, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, München 1991. Holger Rosenberg, Die Banknoten des Deutschen Reiches ab 1871, 8. Auflage, Hamburg 1991. [7] https://www.ma-shops.de/schmuckstube/item.php?id=31158. [8] Michael H. Schöne, Ersatznoten 1948 (bisher kaum beachtete Abarten der ersten Banknoten der Bank deutscher Länder), in: Der Geldscheinsammler, 6/87, S. 292 ff. [9] https://www.ma-shops.de/schmuckstube/item.php?id=32251. [10] Angaben nach Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 22. überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2020/2021. S. 225 ff. [11] Eine umfangreiche Auflistung Staaten und deren Ersatznoten findet sich unter: https://www.moneypedia.de/index.php/Ersatznote. [12] Von Präfix spricht man, wenn besondere Zeichen, Buchstaben oder Zahlen der Kontrollnummer vorangestellt sind, bei Suffix stehen sie hinter der Kontrollnummer. [13] Banknotenausgabe der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank 11/62 und 2/63, zitiert nach: Kurt Jaeger und Ulrich Haevecker, Die deutschen Banknoten seit 1871, Engelberg/Württ. 1963, S. 165.
- Unter grün-weiß-roter Fahne 1: Separatistenausgaben in der Rheinprovinz
Im Zuge der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress gelangten 1815 das Rheinland und Westfalen an das im Kampf gegen die französische Expansion unter Napoleon letztendlich doch noch siegreiche Preußen. Von Anfang an bestanden gravierende Unterschiede in Kultur und Mentalität zwischen der katholischen Bevölkerung des Rheinlands und der preußisch-protestantischen Elite. Bismarcks Kulturkampf (1871 – 1878) verschärfte diese Gegensätze weiter. Noch 1918 empfand ein großer Teil der mehrheitlich katholischen Bevölkerung im Rheinland die mehr als einhundert Jahre andauernde Zugehörigkeit zu Preußen als „protestantische Fremdherrschaft“. Die November-Revolution 1918 mit ihren Unruhen sowie die alliierte Besetzung des Rheinlands stellte eine ernste Gefahr für die Einheit des Reichs dar. Der französische Präsident Raymond Poincaré (* 20. August 1860 in Bar-le-Duc; † 15. Oktober 1934 in Paris) forderte den Rhein als französische Ostgrenze. Im Rheinland selbst machten sich Tendenzen breit, die eine Abtrennung von Preußen und die Schaffung einer Rheinisch-Westfälischen Republik forderten. Hinter dieser Idee steckte auch das Anliegen, das Übergewicht Preußens im Reich abzubauen. Einer der prominentesten Verfechter dieser Idee war zeitweise der Kölner Oberbürgermeister und spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer (* 5. Januar 1876 in Köln; † 19. April 1967 in Rhöndorf). Im Dezember 1918 trat er für die Schaffung eines Weststaates innerhalb des Reichsverbands ein. Als sich andere rheinische Bürgermeister hiergegen aussprachen, verabschiedete er sich im Laufe des Frühjahrs 1919, wie auch andere Zentrumspolitiker, von dem Plan. Auch im ehemals nassauischen Gebiet war eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen.[1] Im Protokoll der Stadtverordnetenversammlung von Montabaur vom 31. Januar 1919 ist zu lesen: „Die Stadtverordnetenversammlung steht auf dem Standpunkt, dass die Einheit des Deutschen Reiches geachtet werden muss. Sollte dies sich aber nicht erreichen lassen und das Deutsche Reich in einzelne Staaten zerfallen, so wünscht die Versammlung Anschluss an die Rheinisch-Westfälische Republik.“[2] Am 1. Juni 1919 rief der ehemalige Staatsanwalt Dr. Hans Adam Dorten (* 10. Februar 1880 in Endenich; † April 1963 in Nizza, Frankreich) mit Unterstützung des französischen Generals Charles Mangin (* 6. Juli 1866 in Sarrebourg, Frankreich; † 12. Mai 1925 in Paris) in Wiesbaden die „selbstständige Rheinische Republik“ innerhalb des Deutschen Reiches aus, sie schloss auch Rheinhessen, Nassau, Birkenfeld und die bayrische Rheinpfalz ein. Der dilettantische Putschversuch scheiterte nicht zuletzt an der ablehnenden Haltung der Bevölkerung und der Verwaltung. Massendemonstrationen und Streiks in den rheinischen Städten zwangen Dorten und seine Anhänger, das Regierungsgebäude in Wiesbaden unter französischen Geleitschutz wieder zu verlassen. Aufgrund breiter Proteste in Speyer war auch der von General Augustin Grégoire Arthur Gérand (* 2. November 1857 in Dunkerque, Frankreich; † 2. November 1926 in Chateau-Gontier, Frankreich) geförderten „Freien Pfalz“ kein Erfolg beschieden. Als die deutschen Reparationszahlungen ausblieben, besetzten im Januar 1923 französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Die Reichsregierung rief ihre Beamten zum passiven Widerstand auf. Arbeiter und Angestellte der Bergwerke und Hütten solidarisierten sich, sodass alle Räder stillstanden. Die daraufhin einsetzende galoppierende Inflation machte den Menschen ebenso zu schaffen wie Arbeitslosigkeit, Hunger und soziales Elend. Abb. 1: Proklamation der unabhängigen Rheinischen Republik[3] Nun sah Dorten seine Stunde für einen erneuten Anlauf gekommen. Er geriet jedoch unter Zugzwang, als völlig unerwartet am 21. Oktober 1923 bewaffnete Separatisten mit Rückendeckung der belgischen Besatzer unter der Leitung des Industriellen Leo Deckers das Rathaus von Aachen stürmten. Die Proklamation der "Rheinischen Republik" löste in Aachen Tumulte aus und es kam zu Straßenkämpfen. Wie Metastasen breiteten sich die separatistischen Aufstände im besetzten Rheinland aus. Auch in Duisburg, Jülich, Mönchengladbach, Bonn, Wiesbaden, Mainz und anderen Städten ergriffen die Sonderbündler die Initiative. Abb.2: Das besetzte Rheinland mit Ausgabeorten von Separatistengeld (Rot gekennzeichnet). Dorten, der führende Vertreter der Bewegung, besetzte mit Gleichgesinnten am 23. Oktober das Koblenzer Schloss. Eine Regierung wurde gebildet und Joseph Friedrich Matthes (* 10. Februar 1886 in Würzburg; † 9. Oktober 1943 im Konzentrationslager Dachau) zum „Ministerpräsident“ bestimmt. Der französische Hochkommissar und Präsident der Rheinlandkommission, Paul Tirard (* 2. Juni 1879 in Nogent-le-Rotrou; † 23. Dezember 1945), erkannte die Herrschaft der Separatisten am 26. Oktober als legitime Regierung an, obwohl sich ihre Macht im Wesentlichen auf die französischen Bajonette stützte. Abb. 3: Die Mitglieder der Regierung der Rheinischen Republik in Koblenz.[4] Namen der vorderen ganz sichtbaren Personen von links nach rechts: Kohl (Zahlmeister) - Beigeordneter Hausen – Prüm - Oehmen, Koblenz - Koch-Peiffer, Kreis Schleiden - Dr. Kremers. München-Gladbach - Matthes - Rechtsanwalt Dr. Wolterhoff, Düsseldorf - Hektor, Chef der Heeresleitung – Leidner - unbekannt. Namen der hinteren Köpfe von links nach rechts: Simon, Frauenstadt - Architekt Marx, Trier – unbekannt - Dr. Klein. ?, Schlosskommandant ?., Leiter der Koblenzer Polizei - Lehrer Pütz, Boppard. Die "Machtergreifung" in den rheinischen Städten lief fast überall nach dem gleichen Drehbuch ab. Beispielhaft mag dies am Ablauf in Duisburg gezeigt werden. In der Regel verstärkten auswertige Separatistentrupps, die mit der Bahn oder per Lkw anreisten, die örtlichen Sympathisanten. Mitglieder des „Rheinischen Unabhängigkeitsbunds“ besetzten das Rathaus, hissten die grün-weiß-rote Fahne und riefen am 22. Oktober die „Rheinische Republik“ aus. Belgische Besatzung und Separatisten entwaffneten die reguläre Polizei. Die Stadtverwaltung wurde abgesetzt und ein Herr Engel machte sich zum Oberbürgermeister Duisburgs. Die Bevölkerung erfuhr wenig später durch Plakate von der soeben erfolgten „Befreiung vom preußischen Joch“. Die Reichsregierung stellte ihre Zahlungen an die von Separatisten besetzten Kommunen ein und verbot der Bevölkerung, Steuern an diese zu zahlen. Somit standen ihnen die üblichen Geldquellen der Verwaltung nicht zur Verfügung. Wie auch anderswo – wandte man sich an die Sparkasse und verlangte die Auszahlung von Bargeld. Da diese jegliche Zahlung verweigerte, erschienen in der Nacht zum 27. Oktober uniformierte Separatisten in der Druckerei der Volksstimme, in der das städtisches Notgeld gedruckt wurde, um mit dem Hinweis auf die notwendigen Zahlungen an die Erwerbslosen Geld zu requirieren. Zunächst gelang es den Arbeitern die Druckerei zu verteidigen. Doch später drang ein Trupp über die Dächer ein. Allerdings fielen den Eindringlingen keine fertigen Scheine in die Hände. Lediglich halbfertige Bogen des 10-Milliarden-Mark-Scheins wurden erbeutet. Im Rathaus wurden sie dann durch Aufdruck aufgewertet, geschnitten und ausgegeben: 25 Milliarden Mark, 25.9.1923, alter Wert ist dick schwarz durchbalkt, Überdruck „25 Milliarden“; 50 Milliarden Mark, o. D., roter Überdruck „50 Milliarden“; 50 Milliarden Mark, roter Überdruck „50 Milliarden“ sowie unten „26.10.1923“ und „Engel“; 100 Milliarden Mark, o. D., schwarzer überdruck; 10 Milliarden Mark, ohne jeden weiteren Überdruck. Abb. 4: Stadt Duisburg, 50 Milliarden Mark mit Datum (26. Okt. 1923) und Engel, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Abb. 5: Stadt Duisburg, 50 Milliarden Mark, ohne Datum, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Die rechtmäßige Stadtverwaltung warnte in Flugblättern und Zeitungsanzeigen vor der Annahme dieser Gutscheine und Kaufleute weigerten sich das Geld anzunehmen. Daraufhin verordnete die vorläufige Regierung der Rheinischen Republik am 29. Oktober, dass „das von der rheinischen Stadtverwaltung Duisburg ausgegebene neue Notgeld .. als rechtsgültiges Zahlungsmittel im Stadtbezirk Duisburg überall in Zahlung zu nehmen [ist].“ Bei Weigerung wurden hohe Strafen angedroht. „Die Verordnung bewirkte, dass viele Geschäftsleute ihre Waren verschenkten, um auf die hochwertigen nutzlosen Scheine nicht noch gültiges Wechselgeld herausgeben zu müssen.“[5] Bereits am 29. November verloren die Franzosen und Belgier ihr Interesse an der „Herrschaft“ der Duisburger Separatisten, zu stark war der Widerstand der Bevölkerung. Ähnlich waren die Verhältnisse in Berncastel. Auch hier verweigerte die Kreissparkasse die Zahlung. Daraufhin stürmte man die Kasse und bemächtigten sich eines Teils der 50-Milliarden-Gutscheine. „Wenige Tage später, als das Geld, das pro Schein nur etwa 5 Pfennig wert war, ausgegeben war, beschlagnahmten die Separatisten die Druckplatte in der Druckerei Oberhoffer und zwangen den Drucker, neue 50-Milliardenscheine anzufertigen, die sogenannten ‚Separatistenschein‘.“. Sie unterscheiden sich von den echten durch blasseren Druck, durch Kontrollnummern über 10.000 und durch das Fehlen des Kreissiegels. … Nach dem selbsternannten ‚Landrat‘ namens Waldkönig wurden diese Scheine auch WK-Rubel genannt.“[6] Ab 3. Dezember 1923 war Berncastel wieder separatistenfrei. Abb. 6.1: Berncastel, Kreis, 31. Oktober 1923, 50 Milliarden Mark, KN über 10.000, Vorderseite. Abb. 6.2: Berncastel, Kreis, 31. Oktober 1923, 50 Milliarden Mark, KN über 10.000, Rückseite. In Crefeld beschlagnahmten die Aufständischen 509.200 Stadtgeldscheine zu je 10 Milliarden in der Druckerei Worms & Lüthgen.[7] Hierbei dürfte es sich um den folgenden Schein gehandelt haben: Abb. 7: Separatistenführer Böse hält in Krefeld vom Balkon des eben besetzten Rathauses eine Ansprache an seine Truppe.[8] Abb. 8.1: Crefeld, Stadt, 15. Oktober 1923, 10 Milliarden Mark, Vorderseite. Abb. 8.2: Crefeld, Stadt, 15. Oktober 1923, 10 Milliarden Mark, Rückseite. Seit dem 22. Oktober 1923 hatten die Separatisten das Sagen in Düren. Erst in der Nacht zum 23. Februar 1924 verschwanden die letzten aus der Stadt. Bereits am 17. Januar hatte der Beigeordnete Schmitz die grün-weiß-rote Fahne vom Balkon des Rathauses eingeholt. Auch in Düren beschlagnahmten die Sonderbündler bei der Sparkasse städtisches Notgeld. Diese und eine weitere bei der Druckerei Hoesch & Orthaus geraubte Summe reichten jedoch gerade einmal aus, um 50 Erwerbslose auszuzahlen. Daher versuchten sie in den Besitz der Druckplatten für das Notgeld zu kommen. Als dies nicht gelang, emittierte man eigenes Notgeld in den Wertstufen 10, 25 und 50 Milliarden Mark. Überschrieben sind sie mit „Notgeld des Kreises Düren“, darunter die Wertangaben, gefolgt von dem vierzeiligen Text „umlauffähig im ganzen Gebiet der Rheinischen / Republik. Im Kreis Düren muß dieses Geld an- / genommen werden. Zuwiderhandlungen werden / bestraft.“ Dann „Düren, den 29. Oktober 1923. / Der Bezirkskommissar / Klevinghaus.“ Zur Bestätigung der Rechtmäßigkeit folgt dreizeilig „Dieses Notgeld ist seitens der vorläufigen Regierung der / Rheinischen Republik genehmigt. / Matthes. Dr. Kremers. Dr. Wolterhoff.“ Im Unterdruck das Stadtwappen von Düren und auf dem linken Schaurand die sechsstellige Kontrollnummer, wobei Scheine mit der „No 000011“ aus einem speziell angefertigten Gedenkbuch stammen. Abb. 9.1: Düren, Kreis, 29. Oktober 1923, 25 Milliarden Mark, Vorderseite. Abb. 9.2: Düren, Kreis, 29. Oktober 1923, 25 Milliarden Mark, Rückseite. Abb. 10: Düren, Kreis, o. D., 100 Milliarden Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt. Die weiteren Scheine zu 5, 10, 25, 50 und 100 Milliarden Mark nennen weder den Emittenten noch ein Ausgabedatum, sondern nur den Wert, sowie auf dem Schaurand die sechsstellige Kontrollnummer und in einem Kasten: „Umlauffähig in den Regierungsbezirken / Aachen und Köln / Gültig bis 1. April 1924“. Einzig das Stadtwappen von Düren im Unterdruck gibt Auskunft über die Herkunft. Auf Befehl der belgischen Regierung mussten die Separatisten nach fast vierzehntägigem blutigem Kampf Aachen verlassen und auch in Jülich, M.-Gladbach, Rheidt, Erkelenz und anderen Orten wurden sie „abgeschoben“, so dass eine nach Tausenden zählende Streitmacht ins Mittelrheingebiet zog. Nach einer relativ harmlosen Gastrolle in Bonn bewegten sich Teile der separatistischen Rheinlandwehr in den Raum Andernach – Koblenz. In der Zeit vom 6. – 8. November 1923 requirierten sie besonders Großvieh in Maria-Laach und auf dem Alker Hof bei Brohl. Am 9. November kreuzte ein Mordkommando im Ort auf, plünderte wie zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs und erschoss zwei Dorfbewohner. In Linz drangen Sonderbündler am 10. November ein und setzten Bürgermeister Pieper ab. Später wurde das Rathaus in bemerkenswerter Weise demoliert. Auf dem Seiferhof (Gemeinde Vettelschoß) beschlagnahmten sie am 12. November Mengen von Lebensmitteln sowie Wertsachen. In Honnef verschafften sie sich zur Nachtzeit gewaltmäßig Zutritt zum Rathaus und am 14. November zogen sie die grün-weiß-rote Fahne auf. Zeitgenossen berichten von rücksichtslosen Räubereien im Amt Unkel, von Plünderungen in Haanenburg bei Bruchhausen, über furchtbare Rachetaten in Rheinbreitbach und zahlreiche andere Gräueltaten. Im Siebengebirge war die Bevölkerung nicht gewillt, dem Treiben des räuberischen und mörderischen Gesindels tatenlos zuzusehen. In fast allen gefährdeten Orten bildeten sich Selbstschutzverbände, die sich aus verborgenen Quellen zunehmend bewaffneten. Angehörige des Postamtes in Honnef belauschten ein Telefongespräch, nach dem am 15. November ein Ort des hinteren Siebengebirges überfallen werden sollte. Am Morgen des 16. November 1923 setzten die Separatisten ihren Marsch fort, um den Weg zur Kreisstadt Siegburg zu öffnen. In Aegidienberg (Stadtteil von Bad Honnef) kam es zur Entscheidungsschlacht. Die Zahl der Toten und Verwundeten dieses Kampfes konnte nicht genau festgestellt werden. Französischen Zeitungen berichteten von 120 Getöteten und Verwundeten. Der Führer der Separatisten, Rang, zählte über sechzig Tote. Damit endete die Separatistenherrschaft am Mittelrhein.[9] In Andernach gelangten zwei Gutscheine für Lebensmittel in Umlauf, die entweder das Stadtsiegel oder den Stempel der Stadtkasse tragen. Nach Keller druckten die Separatisten in Andernach und Mayen Stadtgeld für über 100.000 Billionen Mark.[10] Abb. 11.1: Andernach, Stadt, 27. Oktober 1923, 5 Milliarden Mark, Vorderseite. Abb. 11.2: Andernach, Stadt, 27. Oktober 1923, 5 Milliarden Mark, Rückseite mit Stempel: Barmer Bank … Abb. 12: Andernach, Stadt, 3. November 1923, 20 Milliarden Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt. Überhaupt gab der separatistische Landrat des Kreises Mayen Schlich zahlreiche Notgeldscheine aus: Mit Datum vom 2. November 1923 die Werte zu 1, 5 und 2 Billionen Mark und mit dem Datum 6. November 1923 Scheine zu 20, 50 und 100 Milliarden Mark sowie einer und 10 Billionen Mark. Abb. 13: Mayen, Kreis, 6. November 1923, 50 Milliarden Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt. Abb. 14: Mayen, Kreis, 6. November 1923, 100 Milliarden Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt. Am 24. Januar 1924, abends gegen 22 Uhr, wurde Wilhelm Schlich auf der Niedermendiger Fallerstrasse am Grundstück über der ehemaligen Gaststätte „Zum letzten Heller“ erschossen. Der oder die Täter wurden nie ermittelt. Im Süden des Regierungsbezirkes Coblenz besetzten am 26. und 27. Oktober 1923 die Separatisten alle öffentlichen Gebäude in Kreuznach. Die Kreiskasse versuchte ihre Geschäfte bargeldlos abzuwickeln, um nicht das von den Separatisten gedruckte Notgeld verwenden zu müssen. Nach Keller wurde der Schein zu einer Billion Mark von den Separatisten ausgegeben. Die Stadt Kreuznach musste später für 160.000 Billionen Mark Separatistengeld einlösen. Abb. 15: Kreuznach u. Meisenheim, Kreise und Stadt Kreuznach, 15. Oktober 1923, 1 Billion Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Nachdem das Herzogtum Nassau den Deutschen Krieg 1866 an der Seite Österreichs verloren hatte, wurde es von Preußen annektiert und bildete zusammen mit der Stadt Frankfurt den Regierungsbezirk Wiesbaden. [2] Zitiert nach Walter Kalb, Montabaur im Weltkrieg 1914 bis 1918 und in der Besatzungszeit, Montabaur 1930, S. 45. [3] Prof. Dr. Karl Rembert, Der Separatistenspuk in Krefeld 1923, Erinnerungsblätter, gesammelt im Auftrag des „Arbeitsausschusses der Rathausverteidiger“. 1933, S. 44. [4] Ebenda, S. 12. [5] Heinz Hohensee, Duisburger Notgeld, Duisburger Forschungen Band 28, Duisburg 1980, S. 64. [6] Gerd Bayer, Notgeld von 1918 – 1923 und 1947 im Gebiet des heutigen Kreises Bernkastel-Wittlich, Kleine numismatische Reihe der Trierer Münzfreunde e. V. Band 9, Bausendorf 1994, S. 29. [7] Prof. Dr. Karl Rembert, S. 43. [8] Ebenda, S. 30. [9] Die Separatistenschlacht im Siebengebirge 1923. (06.06.2016). [10] Dr. Arnold Keller: Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, S. 47 Kat.-Nr. 97 g und h.
- Unter grün-weiß-roter Fahne 2: Separatistenausgaben im Regierungsbezirk Wiesbaden
Eine der Hochburgen des Separatismus wurde Bad Ems. Zum einen residierte hier zeitweise Hans-Adam Dorten, zum anderen agierte hier mit Karl Kaffine der wohl führende Aktivist im rechtsrheinischen Koblenzer Brückenkopf. Der Postsekretär war bis 1922 Vorsitzender der Bad Emser SPD, von der er nach einer tumultartigen Sitzung wegen seiner Beziehung zur französischen Besatzungsmacht und seiner Sympathie für den Separatismus ausgeschlossen wurde. Sofort gründete er eine neue Partei, die „Republikanische Volksgemeinschaft“ und betätigte sich als Herausgeber einer eigenen Zeitung. Der „Republikaner“ stimmte inhaltlich in großen Teilen mit anderen separatistischen Blättern überein, die Dorten in seiner Koblenzer Gutenbergdruckerei herausgab. Nach einem Korruptionsvorwurf wurde Kaffine im Mai 1923 vom Amt des städtischen Beigeordneten suspendiert, das er nach wie vor bekleidet hatte. Die Stunde des Separatisten-Führers schlug mit der Ausrufung der "Rheinischen Republik" in Aachen. Seine Anhänger stürmten am 22. Oktober das Rathaus in Bad Ems und erklärten dem Beigeordneten Stroh, der den ausgewiesenen Bürgermeister Schreck vertrat, dass die militärische Macht nun beim Oberbefehlshaber und kommissarischen Bürgermeister Kaffine läge. Da seine Forderung das städtische Notgeld herauszugeben keinen Erfolg hatte, setzte er sofort die Gelddruckmaschine in Tätigkeit. Zu diesem Zweck beschlagnahmte er die neben dem Rathaus befindliche Druckerei Sommer, dessen Inhaber Fazer aus Helsingfors (Helsinki) stammte. Die 10-, 50- und 100-Milliarden-Scheine mit dem Datum vom 27. Oktober 1923, zu 500 Milliarden mit dem Datum vom 3. November 1923 und zu einer Billion, 10 und 25 Billionen mit Datum vom 6. November 1923 tragen die Unterschrift Kaffines. Von allen Scheinen gibt es zwei Varianten. Der Nummerierung ist „No.“ vorgesetzt. Entweder ist hierbei unter dem „o“ ein Punkt oder ein waagerechter kleiner Strich. Abb. 1: Bad Ems, Stadt, 27. Oktober 1923, 100 Milliarden Mark, „o“ mit Punkt in No., Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Abb. 2: Bad Ems, Stadt, 6. November 1923, 25 Billionen Mark, „o“ mit kleinem Rechteck in No., Vorderseite, Rückseite unbedruckt. „Mit dem Notgeld wurde nunmehr nur so um sich geworfen. Die Löhne der Notstandsarbeiter wurden um das Vierfache erhöht, ebenso die Sätze der Erwerbslosenfürsorge, weiter die Löhne der Arbeiter bei der staatlichen Bade- und Brunnenverwaltung. Die Lebensmittelpreise in Bad Ems gingen alsbald sehr in die Höhe, weil die Annahme sich verdichtete, dass das Kaffine-Geld nicht richtig sei. Die Bad Emser Händler hatten immer grössere Schwierigkeiten beim Wareneinkauf in Koblenz. Die Verkaufspreise stellten sich inzwischen bei Hergabe von Kaffine-Geld um 100 und mehr Prozent höher wie [sic] bei Reichsgeld.“[1] Der ungehemmte Druck von neuem Geld überschwemmte nicht nur die Stadt, sondern den ganzen Unterlahnkreis. Da das Separatistengeld zurückgewiesen wurde, erließ der „Landrat des Unterlahnkreises“ Dr. Kalthoff eine Notverordnung, in der erklärt wurde, dass die Scheine durch das gesamte freie Eigentum des Unterlahnkreises und der Kommunen des Kreises gedeckt seien. Ihr Umtausch solle später in neuer "rheinischer Währung" zu einem Vorzugskurs erfolgen. Anfang November waren Geschäftsleute und Kunden im Besitz großer Mengen wertlosen „Kaffinegeldes“, die Stadt drohte im Chaos zu versinken. In Anbetracht dieser Entwicklung räumte Kaffine mit seinen Separatisten am 16. November das Rathaus und zogen ins Kurhaus. Unter dem Druck der französischen Besatzer verließen sie am 8. Februar 1924 Bad Ems. Am 17. Dezember 1924 meldete der Bad Emser Magistrat an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden, dass die Stadt bis zum 1. Dezember 1923 Notgeld im Wert von 75.000 Billionen Mark ausgegeben habe, von denen rund 50.000 Billionen Mark ungedeckt seien. „Die Gesamtausgabe beträgt bis heute 100.000 Billionen, ungedeckt hiervon 75.000 Billionen. An Separatistengeld für welche die Stadt nicht haftet, sind 100.000 Billionen in Händen der Bevölkerung.“[2] Abb. 3: Anwerbung von neuen Söldnern der „Rheinischen Republik“.[3] Kaffine war Anfang November der Kopf des Aufstands in der gesamten Region. Er steckte auch hinter der Besetzung der Landratsämter in Diez, Langenschwalbach (heute Bad Schwalbach) und Montabaur, ja selbst in Limburg. Dagegen scheiterte die Machtübernahme in Nassau am Widerstand der Nassauer Feuerwehr. Die Separatisten übten „eine Willkürherrschaft schlimmster Art in der Stadt Montabaur“ aus, so der Landrat in seinem Bericht an den Regierungspräsidenten in Frankfurt. „Requisitionen und Beschlagnahmungen von Privateigentum waren an der Tagesordnung, massenweise erfolgten Verhaftungen von Bürgern, die jedoch der Kreisdelegierte wieder rückgängig machte. Fast in jeder Nacht wurden Einbrüche in Geschäftshäusern verübt, und beträchtliche Mengen Waren aller Art von den Separatisten gestohlen.“[4] Der sog. Kreiskommissar Kosiol ließ Gutscheine zu 500 Milliarden Mark drucken. Die Scheine zeigen auf minderwertigem Papier mit grünem Druck und grün-weiß-roter Umrandung das Datum vom 6. November 1923. Unterschrieben sind sie handschriftlich vom Kreissekretär und dem Kreiskommissar. Aufgrund des vorliegenden handschriftlich nummerierten Exemplars mit der Nummer 130 ist anzunehmen, dass die Auflagenhöhe sehr gering war. Der vorangestellte, gedruckte Buchstabe A lässt vermuten, dass weitere Nominale geplant waren. In der Nacht vom 26. zum 27. November rückten die Sonderbündler im Schutz der Dunkelheit aus Montabaur in Richtung Bad Ems ab.[5] Abb. 4: Montabaur, Unterwesterwaldkreis, 6. November 1923, 500 Mrd. Mark, Vorderseite. In aller Frühe des 31. Oktobers fuhren Lastwagen mit einer Horde von 50 mit Maschinengewehren, Karabinern, Äxten, Revolvern und Handgranaten bewaffnete Gestalten vor dem Kreishaus in St. Goarshausen vor; an ihrer Spitze der Rädelsführer Paul Meyer. Rentmeister Hartenfels wurde aufgefordert den Kassenschrank zu öffnen. Da er sich weigerte, wurde ihm der Schlüssel mit Gewalt entrissen. Jedoch welcher Schock, der Schrank war bis auf etwas Notgeld leer. Vorsorglich hatte die Kreisverwaltung das Geld des Kreises in Sicherheit gebracht.[6] Da kein Bargeld zu holen war, ließ Meyer kurzerhand in der dem Kreishaus gegenüberliegenden Usingerchen Druckerei die Klischees für das Notgeld beschlagnahmen und auf eigene Faust drucken. Der Keller-Katalog bezeichnet alle St. Goarshausener Notgeldscheine mit Ausgabedatum 22. Oktober 1923 als Separatistengeld. Er listet eine Vielzahl von Werten mit diversen Varianten auf, beginnend beim Schein zu 5 Milliarden Mark. Das höchste Nominal lautet über 20 Billionen Mark.[7] Alle Geldzeichen waren widerrechtlich mit der Unterschrift des rechtmäßigen Kreisdeputierten Wiegand in Kursiv-Drucktypen versehen. Abb. 5: St. Goarshausen, Kreis, 22. Oktober 1923, 20 Billionen Mark, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Abb. 6: St. Goarshausen, Kreis, 22. Oktober 1923, 500 Milliarden Mark, Druckfehler: Gültig bis zum 1. April 1923, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Abb. 7: St. Goarshausen, Kreis, 7. November 1923, 500 Milliarden Mark, rechtmäßige Ausgabe?, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Nicht nur vom Notgeldschein zu einer Billion Mark sind Drucke mit falscher Gültigkeitsdauer bekannt; so auch von den Nominalen zu 200 und 500 Milliarden Mark. Meyer ließ daher folgende Bekanntmachung veröffentlichen: Rheinische Republik Kreis St. Goarshausen Wir machen hierdurch bekannt, daß bei dem Druck der Ein-Billionen-Scheine des Kreises St. Goarshausen ein Druckfehler ist. Die Gültigkeitsdauer ist bis 1. April 1924 und nicht wie auf den Scheinen angegeben ist 1. April 1923. Die Scheine haben Gültigkeit und sind in Zahlung zu nehmen. St. Goarshausen, den 9. November 1923 Der Kreiskommissar Paul Meyer Obwohl die rechtmäßige Kreisverwaltung vor Annahme des ungenehmigten „Kreisgeldes“ warnte, hatten Geschäftsleute – namentlich auf dem Land – es unter Gewaltandrohung annehmen müssen. Es gab Personen, die ganze Berge vom falschen Notgeld hatten und an den Ruin kamen. Allein bei den Oberpostdirektionen Frankfurt und Koblenz lagen für 200.000 Goldmark unverwertbares Separatistengeld. Inzwischen hatte auch die rechtmäßige Kreisverwaltung, da die Klischees gestohlen waren, neues Notgeld in Braubach und Nastätten drucken und im Dunkel der Nacht nach St. Goarshausen schaffen lassen. Möglicherweise sind dies die Scheine zu 500 Milliarden Mark und 1 Billion Mark mit dem Datum vom 7. November 1923? Zwischen dem 1. und 9. November 1923 hatten die Sonderbündler das Kommando im Untertaunuskreis übernommen. Ihr Anführer war der Kaufmann Kiefer. Vor dem Putsch war er Mitglied des Kreisausschusses gewesen, sodass sich seine Unterschrift rechts auf den Notgeldscheinen des Kreises befindet. Bei einem Überfall auf die Buchdruckerei Georg Grandpierre in Idstein, die das Notgeld des Kreises druckte, hatten seine Männer fertige 50-Milliarden-Mark-Notgeldscheine mit den Kennnummern 33501 – 70000 und 75001 – 75183 sowie Scheine zu 2 Billionen Mark mit den Nummern 11001 – 15000 gestohlen. Unter der Beute befanden sich auch die Druckplatten für die Nennwert zu 500 Milliarden, 1 Billion und 2 Billionen Mark. Abb. 8.1: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, 15. August 1923, 50 Milliarden, Vorderseite. Abb. 8.2: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, 15. August 1923, 50 Milliarden, Rückseite. Da der Schein die Kennnummer 52947 trägt, handelt es sich um einen von den Separatisten gestohlener Schein. Georg Grandpierre Senior kennzeichnete jedoch die Druckplatten, mit denen er für die rechtmäßige Kreisverwaltung druckte. Mit einer Nadel stach er ein Loch in die Matern. An dieser Stelle entstand beim Druck dann ein kleiner winziger Punkt. Somit waren alle Scheine ohne diese Markierung illegal gedruckt worden. Abb. 9.1: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, 15. August 1923, 500 Milliarden, Vorderseite. Abb. 9.2: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, 15. August 1923, 500 Milliarden, Rückseite. Da der Schein unter der 5 von 500 Milliarden einen Punkt aufweist, ist es ein regulärer Druck. Abb. 10.1: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, November 1923, 2 Billionen Mark, Vorderseite. Abb. 10.2: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, November 1923, 2 Billionen Mark, Rückseite. Da der Punkt fehlt, handelt es sich um einen illegalen Separatisten-Druck. Bisher nicht bekannt war ein Separatisten-Schein zu einer Billion Mark mit dem Datum 1. November 1923. Bei dem vorliegenden Schein fehlt die Unterschrift des Bezirkskommissars. Abb. 11.1: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, 1. November 1923, Vorderseite. Abb. 11.2: Langenschwalbach, Untertaunuskreis, 1. November 1923, Rückseite. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] HStA Wiesbaden, Abt. 405 Nr. 5389 Bl. 135. Bericht des Beigeordneten Stroh an den Herrn Regierungspräsidenten Wiesbaden vom 29. November 1923. [2] HStA Wiesbaden, Abt. 405 Nr. 6101 Bl. 109. [3] Prof. Dr. Karl Rembert, Der Separatistenspuk in Krefeld 1923, Erinnerungsblätter, gesammelt im Auftrag des „Arbeitsausschusses der Rathausverteidiger“. 1933, S. 31. [4] HStA Wiesbaden, Abt. 405 Nr. 5289, Bl. 156 f. Bericht des Landrats an den Regierungspräsidenten in Frankfurt. Betr.: Besetzung Montabaurs durch die Separatisten, ihre Bekämpfung und die augenblickliche Lage im Unterwesterwaldkreis vom 13. November 1923. Montabaur wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober besetzt und der Spuk endete in der Nacht vom 26. zum 27. November 1923. [5] Uwe Bronnert, Grün-weiß-rote Fahne über Montabaur, Anmerkungen zu einer Papiergeldausgabe der Separatisten. vom 11.01.2023. [6] St. Goarshausen unter französischer Knute 1918 – 1929. (505.08.2023). [7] Dr. Arnold Keller, Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, S. 890, Kat.-Nr. 4717 d – o.
- Das Vereinsgeld des Männerturnvereins von 1875 Bremen
Nach dem Ersten Weltkrieg standen viele Sportvereine vor einem Scherbenhaufen. Zahlreiche Mitglieder waren auf dem „Feld der Ehre“ gefallen oder kehrten als Krüppel aus dem Krieg zurück. Während des Kriegs hatte der Sportbetrieb in den Vereinen geruht. Nun galt es, ihn wieder zu beleben und die vereinseigenen Sportstätten in Schuss zu setzen. Aber woher sollte das notwendige Geld herkommen? Wie der Männerturnverein von 1875 Bremen e.V. (M.T.V. 1875 Bremen) nutzen auch andere Vereine die Notgeld-Sammelbegeisterung und ließen eigenes "Notgeld" drucken und an Sammler verkaufen. Der M.T.V. 1875 Bremen wurde am 2. Oktober 1875 gegründet. Vorsitzender wurde Carl Osterloh, Turn- und Geschäftswarte Hellmrich Kahrwig und Hinrich Rohde. Die ersten Übungsstunden fanden in der Schule an der Nordstraße statt. Bereits am 1. Oktober 1896 konnte der Verein die vereinseigene Halle in der Nelkenstraße einweihen und am 1. Mai 1914 einen Sportplatz und ein Vereinsheim auf dem Werder/Huckelriede. Auch Turnerinnen waren zum Verein gestoßen und bereits 1897 entstand die erste Turnerinnenriege. Die Mitgliederzahl entwickelte sich erfreulich. 1916 musste jedoch der Turnbetrieb eingestellt werden, da von den 300 Mitgliedern 203 Kriegsdienst leisten mussten. Nach dem Ersten Weltkrieg begann der schwierige Neubeginn des Vereins. Wohl 1922 emittierte dann der Verein vier Gutscheine, deren gesamter Nominalwert 5 Mark entsprach: drei Scheine zu einer Mark sowie ein Schein zu zwei Mark. Nach dem Text der Scheine waren die „Gutscheine für Zahlungen innerhalb des M.T.V.B. 1875“ bestimmt und sollten „Gültig bis 1 Monat nach Bekanntgabe im Kreisblatt“ sein. Die undatierten Scheine wurden auf festem Papier ohne Wasserzeichen von der Druckerei G. Hunckel in Bremen gedruckt. Alle Scheine sind 100 mm x 72 mm groß. Ein Fußballspieler dominiert die Vorderseite des ersten 1-Mark-Scheins, während die Rückseite drei Turner bei einer artistischen Übung zeigt. Den zweiten Schein ziert ein Wanderer mit einer Gitarre auf dem Rücken, der auf ein niedersächsisches Bauernhaus zuschreitend. Auf der Rückseite tanzen zwei Frauen unter einem Baum. Der dritte Schein bildet die Bremer Stadtmusikanten ab, die ein „Konzert“ vor einem Haus anstimmen. Auf der Rückseite erreicht ein Läufer das Ziel. Der Wert zu 2 Mark zeigt auf der Vorderseite schließlich das Vereinsheim und auf der Rückseite einen Turner, der über seinem Kopf in seinen Händen das Wappen des Vereins hält. Im Hintergrund die Silhouette Bremens. Aufgrund der Farbwahl sind Schrift und Abbildungen teilweise schwer zu erkennen. Abb. 1.1/2: M.T.V. 1875 Bremen, o. D. 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 2.1/2: M.T.V. 1875 Bremen, o. D. 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: M.T.V. 1875 Bremen, o. D. 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 4.1/2: M.T.V. 1875 Bremen, o. D. 2 Mark, Vorder- und Rückseite. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich der Verein prächtig. Neue Sportarten wurden ins Programm aufgenommen. 1936 konnte in Bremen ein besonderer Sieg bejubelt werden. Vereinsturnlehrer Walter Steffens errang bei den Olympischen Spielen in Berlin die Goldmedaille im Kunstturnen beim Mannschaftsmehrkampf. Auch den Zweiten Weltkrieg überstand der Verein und erweiterte sein Sportangebot ständig. Beim 100-jährigen Jubiläum wurde er 1975 mit der Urkunde und der Senatsmedaille „Für hohe Leistungen im Sport“ ausgezeichnet. 1994 hatte der Verein 1200 Mitglieder. Durch den Beitritt der ehemaligen Mitglieder des insolventen TuS Walle entstand ein neuer Großverein für die Stadt- und die Ortsteile Walle, Utbremen, Westend, Steffensweg, In den Häfen, Osterfeuerberg, Hohweg, Mitte, Doventor, Stephanitor, Findorff, Bahnhofvorstadt und Überseestadt. Am 11. März 2008 nahm die Mitgliederversammlung des TV Bremen 1875 den neuen Namen an: TV Bremen-Walle 1875 e.V. Uwe Bronnert Literaturempfehlung: Grabowski/Mehl: Deutsches Notgeld, Band 1+2: Deutsche Serienscheine 1918 –1922 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-518-3 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 960 Preis: 45,00 Euro
- Aus privaten Sammlungen: Im Oktober 1944 in Luxemburg abgestempelte belgische Banknote
Objekttyp: Banknote Sammlung: Michael H. Schöne Historischer Kontext: Schon am 12. November 1939 sollte das neutrale Großherzogtum Luxemburg von deutschen Truppen besetzt werden. Das geschah jedoch erst im Zuge des sog. "Westfeldzugs" durch den „Fall Gelb“ ab 10. Mai 1940. Das unbewaffnete Luxemburg konnte sich mit dem aus 461 Mann bestehenden Freiwilligenkorps nicht verteidigen und war einen Tag später völlig besetzt. Das Land wurde sofort durch eine sog. CdZ-Behörde umgebaut, Verwaltungsapparat und Rechtsverhältnisse wurden denen des Deutschen Reichs angepasst. Luxemburg wurde dem Gau Koblenz-Trier zugeschlagen und am 24. Januar 1941 in Gau Moselland umbenannt. Mit der „Verordnung über die Einführung der Reichsmark als gesetzliches Zahlungsmittel in Luxemburg vom 25. August 1940“ galt ab dem folgenden Tag neben den bisherigen luxemburgischen und belgischen Geldscheinen nun auch die Reichsmark – vorerst in Gestalt der Reichskreditkassenscheine. In einer Proklamation vom 13. September 1940 forderte Dr. Munzel von der Zivilverwaltung die Bewohner von Luxemburg auf, alle weltweit konvertierbaren Banknoten innerhalb von zwei Tagen bei den Kassen und Banken abzuliefern. Ebenso sollte alles Gold, gemünzt, in Barren, unverarbeitet oder verarbeitet, zum Kauf angeboten werden. Alle tauschbaren Währungen sollten bis zum 15. September 1940 bei der Reichskreditkasse in Luxemburg für einen späteren Umtausch registriert werden. Erst ab 30. Januar 1941 wurde die deutsche Inlands-Reichsmark (Rentenbankscheine, Reichsbanknoten und Reichsmünzen) alleiniges Zahlungsmittel in Luxemburg („Verordnung über die Außerkurssetzung des belgischen und luxemburgischen Franken und der Reichskreditkassenscheine in Luxemburg vom 29. Januar 1941“. Bis zum 1. März 1941 musste man das bisherige Geld in Reichsmark umtauschen: 1 belg. Frank = 0,08 RM, 1 luxbg. Frank = 0,10 RM – ebenso die RKK-Scheine, im Verhältnis 1:1. In Luxemburg waren belgische Banknoten neben den luxemburgischen Geldscheinen im Umlauf. Durch Gesetz vom 5. März 1922 galt der belgische Frank gleichwertig neben dem luxemburgischen. Seit dem 1. April 1935 wurde die Relation neu festgesetzt: 1 lux. Frank galt nun 1,25 belg. Frank; seit dem 15. Juli 1935 waren die belgischen Scheine der Nationale Bank van België/Banque National de Belgique gesetzliche Zahlungsmittel in Luxemburg – entsprechend der belgisch-luxemburgischen Konvention vom 23. Mai 1935. Nach der Flucht von Großherzogin Charlotte und den meisten Mitgliedern der luxemburgische Regierung schon am 8. Mai 1940 nach Frankreich, Spanien, Portugal, den USA und später nach Kanada, ließ sich die großherzogliche Familie und die Regierung schließlich in London nieder, um den luxemburgischen Widerstand zu unterstützen. Am 11. September 1944 hieß es dann „Lëtzebuerg ass fräi“, als US-Soldaten in die Hauptstadt einzogen. Die luxemburgische Exilregierung kam im November 1944 aus England zurück, die Großherzogin dann am 14. April 1945. Nun galt es Vorbereitungen zur Durchführung einer Währungsreform im Oktober 1944 in Luxemburg zu organisieren. Sämtliche Reichsbanknoten, Rentenbankscheine und frühere (eigentlich ungültige) luxemburgische und belgische Geldscheine mussten für den künftigen Währungsaustausch und zur Registrierung gekennzeichnet werden. Diese Scheine wurden abgestempelt – meist auf den Vorderseiten und mit Doppelabstempelungen: Gemeinde- und Poststempel, seltener mit Amts- oder Sparkassen- oder Eisenbahnstempel. Bereits am 6. August 1940 war verfügt worden, Hochdeutsch als alleinige Amtssprache einzuführen. Deshalb kommen vielerorts auch deutschsprachige Gemeindestempel auf Scheinen vor. Durch den Großherzoglichen Erlass vom 9. August 1944 wurden erste Maßnahmen zum Währungstausch verkündet – Einzelheiten zur Durchführung dann am 2. Oktober 1944 mit dem „Arrêté grand-ducal concernant le recensement et l’estampillage des billets de banque et bons de caisse“ für den Umtausch von Reichsmark in neue luxemburgische Francs. Inhalt: alle Personen im Besitz von deutschem Geld wurden verpflichtet, dieses zur Zählung und Abstempelung vorzulegen; ebenso belgische und luxemburgische Scheine. Ab dem 5. Oktober 1944 waren der Besitz und die Menge bei den Kassen des Staates, der Kommunen oder anderen öffentlichen Einrichtungen durch ausgefüllte Vordrucke an die Staatshauptkasse in Luxemburg zu erklären. Die Besitz-Erklärungen waren von Donnerstag, dem 5. Oktober bis Sonntag, dem 8. Oktober 1944, jeweils von 8.00 bis 11.00 Uhr und von 14.00 bis 17.00 Uhr bei allen Sparkassen oder Postanstalten des Landes abzugeben. Registriert wurden Name, Vorname, Wohnanschrift, Geburtsort und -Datum sowie die genaue Menge an Geldscheinen der jeweiligen Kategorien. Für Deportierte, Kriegsgefangene und Flüchtlinge bspw. wurde die Frist für acht Tage verlängert. Bei Zuwiderhandlungen wurden angedroht: Gefängnisstrafen von acht Tagen bis drei Jahren und Geldstrafen zwischen 200 und 20.000 Francs. Die Abstempelungen erfolgten tatsächlich zwischen dem 5. und 8. Oktober 1944; gefundene Abstempelungen mit späteren Daten auf den Scheinen belegen, dass die Aktion bis zum Sonnabend, den 14. Oktober 1944, 18.00 Uhr, weitergeführt und von sog. Spätheimkehrern genutzt wurde. Der eigentliche Geldumtausch erfolgte dann vom 18. bis 23. Oktober 1944 entsprechend den Bedingungen des im Mémorial du Grand-Duché de Luxembourg Nr. 7 vom 14. Oktober 1944 abgedruckten und noch in London erlassenen Beschlusses. Die einbehaltenen und gestempelten Scheine wurden nach 1945 in einem Stahlwerk verbrannt – die deutschen Geldscheine jedoch erst in der Zeit vom 28. Februar bis 19. Mai 1989 in der Hoffnung, die alte Reichsmark durch Deutschland in D-Mark ersetzt zu bekommen. Die heute noch vorhandenen abgestempelten Scheine wurden entweder beim Geldumtausch 1944 nicht vorgelegt oder stammen aus Diebesgut aus der Vernichtungsaktion. Die Abstempelungen kommen heutzutage am häufigsten auf deutschen, gelegentlich auf belgischen und selten auf luxemburgischen Geldscheinen vor. Ein dem abgebildeten ähnlicher Schein mit gleicher Abstempelung wurde letztmalig vor zehn Jahren bei Heritage Auctions in den USA versteigert: Serie 3318U0511, KN 082944511. Bekannt ist auch ein rückseitig gestempelter Schein mit einem luxemburgischen Vorkriegs-Poststempel mit dem Datum -8.10.44. 8-9 / LUXEMBOURG VILLE. Die abgebildete Banknote wurde am 17. März 1938 als eine der letzten Scheine an diesem Tag gedruckt. Land/Region/Ort: Luxemburg / Gau Moselland / Stadt Luxemburg Emittent: Nationale Bank van Belgie / Banque Nationale de Belgique Nominal: 50 Frank/Francs bzw. 10 Belga/Belgas Datierung: Vs. 17-03-38 = 17. März 1938, Vorderseite: Text BANQUE NATIONALE de BELGIQUE, Aufdruck TRÉSORERIE, Bäuerin mit Ährengarben, zwei Pferde. Poststempel: LUXEMBURG 2 / c / 08.10.44. -14. Gemeindestempel: VILLE DE LUXEMBOURG V ADMINISTRATION COMMUNALE. Rückseite: Text NATIONALE BANK VAN BELGIE, Aufdruck THESAURIE, allegorische Figur mit Segelschiff und Füllhorn. Entwurf: Vs.: ANTO-CARTE.FEC. = belgischer Maler Antoine „Anto“ Carte (1886– 1954) FEC. = lat. fecit „hat es gemacht“; G.MINGUET.SC. = belgischer Grafiker Guillaume Minguet (1884–1969) SC. = lat. sculpsit „graviert“; Rs.: ANTO-CARTE.FEC. und M.POORTMAN.SC. = belgischer Grafiker Maurice Poortman (1890–1954). Material: Papier Wasserzeichen: Kopfbildnis von König Leopold I. Unterschriften: H(enri) Sontag, G(eorges) Janssen Druck: Druckerei der BNB/NBB Druckzeitraum: 20. April 1935 bis 28. April 1947 – unter dem Datum 17-03-38 wurden von diesem Typ 300.000 Scheine gedruckt (in 12 Serien je 25.000 Stück; 1.000 Stück je SBst.; Serien 3307 bis 3318 in dem Nummernbereich: 082650001 bis 082950000) Format: 144 × 87 mm Nummerierung: Serie 3318U0610 / KN 082944610 Umlauf: mit Stempel: 8. bis 23. Oktober 1944 (ohne Stempel: März 1938 bis November 1947) Authentizität: Original Zitate: 106 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) 51.3 L (Schöne: Abstempelungen deutscher Geldscheine 1944 in Luxemburg und Belgien, einschl. der abgestempelten luxemburgischen und belgischen Scheine) Simon, Steffen: Datenbank Banknoten Belgien Michael H. Schöne Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Rekord-Auktionsergebnisse in den USA
Am 30. April 2021 wurde hier auf Geldscheine-Online von Rekordpreisen zu einigen USA-Banknoten berichtet. Vorgestellt wurde eine 10.000-Dollars-Note der FED (Ausgabe 1928 Kansas City, Friedberg-Nr. 2230-J), die bei Heritage Auctions im April 2021 ein Verkaufsergebnis von 456.000 US-Dollars (Schätzpreis 250.000 US-Dollars) erreichte. Von den einst 480 gedruckten Scheinen sind wahrscheinlich nur noch 10 Exemplare vorhanden. Auch weitere der sog. Small Size Notes wurden aufgeführt, die allesamt sehr selten sind und hohe Ergebnisse brachten – beispielsweise: 5.000 $ 1934 (Friedberg 2221-H, 2.400 Expl. gedruckt) = 168.000 US-Dollars 5.000 $ 1934 (Friedberg 2221-K, 2.400 Expl. gedruckt) = 144.000 US-Dollars Von den sog. Large Size Notes – den großformatigen und ab 1929 zurückgezogenen Geldscheinen der USA – sind weit höhere Auktionsergebnisse bekannt. Unvorstellbare Preise in Millionenhöhe wurden in den vergangenen Jahren erzielt: der als „Rainbow“-Note bekannte 500-Dollars-Schein (Legal Tender Note, Friedberg 184) mit dem Porträt des 6. US-Präsidenten John Quincy Adams erreichte bei der Auktion von Stack’s Bowers unglaubliche 1.440.000 US-Dollars! Es sollen noch vier Exemplare vorhanden sein. Auch der 1.000-Dollars-Schein (Legal Tender Note, Friedberg 186-f) brachte beim selben Auktionshaus ebenfalls 1.440.000 US-Dollars. Es ist das angeblich einzige verfügbare Exemplar – ein zweiter bekannter Schein mit der Kontrollnummer Z51324H liegt in den Tresoren der Federal Reserve Bank in Chicago. Mehr als das Doppelte solcher Summen erreichte die berühmteste aller US-Geldscheine: die sog. „Grand Watermelon“ – eine 1.000-Dollars-Treasury-Note von 1890. Der Schein wurde am 10. Januar 2014 bei Heritage Auctions für 3.290.000 US-Dollars ersteigert – nach einem Ausruf von 2 Millionen US-Dollars. Es sind noch sieben Scheine beider Varianten mit unterschiedlichen Unterschriften bekannt. 5 Expl. mit William S. Rosecrans/James N. Huston, 1889–1891, bekannt sind: A3055H, A10895H, A11623H, A13341H, A13343H 2 Expl. mit William S. Rosecrans/Enos H. Nebeker, 1891–1893, bekannt sind: A27170H, A27183H Nicht zu verwechseln sind diese beiden Ausgaben mit denen von 1891, die zwar die selbe Vorderseite zeigen, aber eine andere Rückseite haben und ebenfalls in zwei Unterschriftsvarianten vorliegen. Zwei B-Scheine von insgesamt 32.000 gedruckten Noten haben überlebt: Alle diese als Treasury Notes bzw. Coin Notes bekannten Scheine waren staatliche Schatzanweisungen und wurden aufgrund des Sherman Silver Purchase Act vom 14. Juli 1890 an Einzelpersonen bis 1893 ausgegeben. Durch dieses Bundesgesetz war das US-Finanzministerium verpflichtet, monatlich mindestens 4,5 Mio. Unzen in Silber aufzukaufen. Und es verhinderte die unbegrenzte Schürfung von Silber sowie die Ausprägung von Silbermünzen, die von Anhängern der Free-Silver-Bewegung bis dahin gefordert wurde. Seit 1873 waren Silberdollars keine gesetzlichen Zahlungsmittel mehr. Aber schon 1878 wurde der Silberdollar durch den sog. Bland Allison Act wieder zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Minenbesitzer in den westlichen Bundesstaaten hatten große Mengen Silber gefördert und es entstand ein riesiges Überangebot, das den Silberpreis fallen ließ. Der Silberpreis sank im Jahr 1890 auf 1,16 Dollar je Unze. Bis zum Jahresende war er auf 69 Cents gefallen und sank bis Dezember 1894 weiter bis auf 60 Cents. Am 1. November 1895 wurde die Prägung von Silbermünzen mit der Schließung der Carson City Mint in Nevada eingestellt. Tatsächlich sind die Mengen der ausgeprägten silbernen Morgan-Dollars der Jahrgänge 1893 und 1895 weitaus seltener. Zwischen 1878 und 1921 wurden die nach dem in England geborenen Medailleur George T. Morgan genannten silberne Dollar-Münzen in den Münzstätten Philadelphia, Carson City, San Francisco, New Orleans und Denver in einer Gesamtmenge von 270 Mio. Dollars ausgeprägt. „Der Ursprung des Begriffs ,Münzschein‘ zur Beschreibung des Geldscheins ist unklar – er kann sich entweder auf die Münze beziehen, gegen die er eingetauscht werden könnte, oder auf die Tatsache, dass er ausgegeben wurde, um Silber zu bezahlen, das später in Münzen umgewandelt werden sollte.“[1] Von den insgesamt 28.000 gedruckten Noten wurden bis heute nach dem Martin Gengerke Census 25 Stück noch nicht eingelöst, sind also ausstehend. Im Jahr 1905 waren es lt. dem Treasury Report noch 8.975 Scheine. Jeweilige Ergebnisse bzw. Besitzstand, gedruckt von A1H bis A16000H mit großem Schatzamtssiegel, braun: A3055H im Juni 1983 für 44.000 Dollars bei der J. Melnick Auktion in Baltimore versteigert A10895H befindet sich in der Sammlung der Federal Reserve Bank in San Francisco A11623H befindet sich seit 1978 in der Sammlung der Smithsonian Institution, in jenem Jahr wurde er vom US-Finanzministerium an das Museum in Washington[2] übergeben A13341H befindet sich in der Sammlung der Federal Reserve Bank in Chicago A13343H im Oktober 2005 für 1.092.500 Dollars bei Lyn Knight versteigert Gedruckt von A16001H bis A28000H, mit kleinem Schatzamtssiegel, rot: A27170H im Januar 2014 für 3.290.000 Dollars (Schätzpreis 2,0 Mio. Dollar) bei Heritage Auctions in Orlando versteigert – (das Auktionshaus teilte mit: der neue Besitzer des teuren Scheins wolle anonym bleiben.[3] Der Schein stammte aus der berühmten Sammlung von Albert A. Grinnell und erreichte damals bei der Barney Bluestone Auktion im November 1944 die Summe von 1.230 Dollars und wechselte später an folgende Sammler, Händler oder Katalogautoren: Robert Friedberg, danach an Amon Carter, Jr., dann an Jim Thompson, dann an Dean Oakes, dann an das Ehepaar Dr. Edward und Joanne Dauer ... 1970 hatte der Schein für 11.000 Dollars wiederum den Besitzer gewechselt, bis er im März 2006 für 2.255.000 Dollars und dann im April 2013 für 2.585.000 Dollars (von Heritage Auctions in Chicago) versteigert wurde. A27183H befindet sich in der Sammlung der Federal Reserve Bank in San Francisco Aber auch die anderen Nachfolgescheine der Schatzscheine über 1.000 Dollars sind ebenso selten – nur zwei Exemplare beider Varianten sind als Einzelstücke bekannt: Gedruckt von B1H bis B8000H, mit kleinem Schatzamtssiegel, rot: Von dieser 1891er Variante Rosecrans/Nebeker, ist berichtet worden, sie ist aber bis heute nicht belegt. Es soll sich ein Schein in Privatbesitz befinden.[4] Gedruckt von B8001H bis B32000H, mit kleinem Schatzamtssiegel, rot: B23792H es wurde von einem privaten Verkauf über 2,1 Mio. Dollars im Jahr 2006 berichtet, heute in der Sammlung der Federal Reserve Bank in San Francisco (Unterschriften-Kombination: James F. Tillman/Daniel N. Morgan, gedruckt während der kurzen Amtszeit zwischen Januar bis Juni 1893) B31973H in der Sammlung der Smithsonian Institution Washington Auch die „kleine Wassermelone“, die Treasury Notes zu 100 Dollars von 1890 sind nicht häufig. Es wird geschätzt, dass von den 120.000 gedruckten Scheinen lt. Track & Price noch 35 Exemplare vorhanden sind. Es gibt sie nur mit der Unterschrifts-Kombination Rosecrans/Huston. Die erzielten Auktionspreise lagen in den letzten Jahren zwischen 150.000 bis 200.000 US-Dollars und werden zukünftig mit Sicherheit höhere Wertsteigerungen erreichen. 1996 wurden z.B. „nur“ 13.200 US-Dollars für einen 100-Dollars-Schein von 1891 bezahlt. Alle diese Scheine wurden in Washington bei der Bundesdruckerei BEP gedruckt – auch der 500-Dollars-Musterschein[6]. Davon sind Scheine ohne Kontrollnummer mit den Unterschriften von Rosecrans/Nebeker und solche mit Null-Nummerierung B00000H mit den Unterschriften von Blanche K. Bruce/Ellis H. Roberts aus den Jahren 1897/98 bekannt. Michael H. Schöne Quellen: [1] https://hmongwiki.de [2] https://americanhistory.si.edu/national-numismatic-collection [3] https://www.ha.com [4] Q. D. Bowers „Whitman Encyclopedia of U.S. Paper Money“, 2009 [5] https://www.wikiwand.com/en [6] https://commons.wikimedia.orgM. Cooper, W. H. Douglas, E. M. Hall, A. L. Helm und G. U. Rose Jr.
- "Fremdgegangen" – Die österreichische 100-Schillingnote von 1947
Österreich druckt(e) seine Banknoten selbst[1]. Dieser Satz ist grundsätzlich richtig, denn die Oesterreichische Nationalbank hat – wie auch die Oesterreichisch-ungarische Bank – ihre Banknoten fast ausschließlich in der bankeigenen Druckerei entwerfen und herstellen lassen. Selbst in den wenigen Fällen, in denen außenstehende Druckereien (wie etwa die Staatsdruckerei Wien oder die Druckerei Steyrermühl für die Ausgaben der Serie 1945) hinzugezogen wurden, blieb man, was die Banknotenherstellung angeht, anders als etwa die Schweizerische Nationalbank[2] im Land. Doch einmal ist man fremdgegangen, nämlich bei der Banknote zu 100 Schilling mit Datum 2. Jänner (Januar) 1947[3], die vom 28. Januar 1948 bis Ende Februar 1954 im Umlauf war. Sie wurden bei Bradbury, Wilkinson & Co. in England gedruckt. Warum dieser „Seitensprung“? Mit der Konstituierung der ersten provisorischen österreichischen Regierung der Nachkriegszeit am 27. April 1945 und der Proklamation über die Selbstständigkeit Österreichs am selben Tage erlangte Österreich seine Staatlichkeit zurück. Der Anschluss an das Deutsche Reich im März 1938 wurde für „null und nichtig“ erklärt. Am 29. Mai 1945 wurde durch den Beirat der Oesterreichischen Nationalbank der Neudruck von auf Schilling lautenden Banknoten beschlossen, wobei wegen der Dringlichkeit auf die vorhandenen Klischees der letzten Ausgabe der Schillingnoten der ersten Republik zurückgegriffen wurde. Die Scheine wurden im Offsetdruck hergestellt. Am 3. Juli 1945 wurden das Notenbanküberleitungsgesetz zur Inkraftsetzung des Statuts der Oesterreichischen Nationalbank, das Schaltergesetz und das Kreditlenkungsgesetz beschlossen. Mit dem Erlass des Gesetzes über Maßnahmen auf dem Gebiet der Währung (Schillinggesetz) am 30. November 1945 wurden dann die rechtlichen Grundlagen für die Ausgabe neuer Banknoten gelegt. Das Schillinggesetz regelte zum einen die Wiedereinführung des Schillings als alleinige österreichische Währung ab dem 21. Dezember 1945. Zum anderen wurde ein Umtausch von Reichsmark und Alliierten Militärschillingen in den Wertstufen ab 10 RM/Schilling und darüber in neue Schillingnoten im Verhältnis 1:1 im Zeitraum vom 13. bis zum 20. Dezember 1945 (für Einzelhändler bis zum 22. Dezember 1945) verfügt. Ausgegeben wurden ab dem 13. Dezember 1945 zunächst die Wertstufen zu 10, 20, 100 und 1000 Schilling mit Datum 29. Mai 1945. Diese Scheine blieben bis zum Abschluss des Geldumtauschs vom Dezember 1947 am 24. Dezember 1947 im Umlauf. Wegen der drucktechnisch einfach hergestellten Scheine tauchten bereits im Spätherbst 1946 Fälschungen der 100-Schillingnote auf, deren Stückzahl in der Folgezeit erheblich zunahm. Mitte Dezember 1946 hatte die OeNB in Wien und ihren Zweiganstalten bereits über 800 Fälschungen angehalten, die als Typ 1 und 2 bezeichnet wurden und deren Ursprung man im (italienischen) Südtirol vermutete. Anfang Dezember 1946 war Bankdirektor Kaniak nach Innsbruck gereist, um sich dort persönlich über die Situation zu informieren. Er konnte erreichen, dass österreichische Kriminalbeamte nach Südtirol fahren und dort (ergebnislos) Nachforschungen anstellen konnten. Auch eine (weitere) Fälscher-Werkstatt in Wien (Typ 3) wurde ermittelt. Während in Wien die Täter festgenommen werden konnten, bevor die Fälschungen in den Umlauf kamen, blieb die in Südtirol vermutete Fälscher-Werkstatt unentdeckt. Fälschungen der 100-Schillingnote Ausgabe 29. Mai 1945. Zirkular der Oesterreichischen Nationalbank von 1946. Quelle: Bankhistorisches Archiv, Wien. Für den Zahlungsverkehr war diese Ungewissheit insofern bedrohlich, als dass die 100-Schillingnote die wichtigste Note im Geldumlauf darstellte und jederzeit mit neuen Fälschungen gerechnet werden musste. Tatsächlich tauchten im Frühjahr 1947 weitere Fälschungen auf, deren Anzahl in den kommenden Monaten immer weiter anstieg. Die OeNB musste erwägen, die umlaufenden Noten zu 100 Schilling einzuziehen und gegen neue Scheine auszutauschen. Die technischen Gegebenheiten zur Banknotenherstellung in Österreich waren 1947 äußerst beschränkt und die wenigen verfügbaren Kapazitäten in der Wertpapierdruckerei der OeNB sowie bei der Staatsdruckerei Wien zur Herstellung hochwertiger Geldscheine im Tiefdruck mit der Herstellung von Banknoten zu 10 und 20 Schilling der Ausgabe 1946 ausgelastet. Auch die Herstellung hochwertigen Wasserzeichenpapiers als eine wichtige Voraussetzung für den Fälschungsschutz war durch lokale Papierfabriken nicht darstellbar. Selbst für die Herstellung der 10- und 20-Schillingnoten der Serie 1946 war man bezüglich des Notenpapiers auf Altpapier angewiesen, dass aus der Verkollerung der Ende 1945 eingezogenen Alliierten Militärschilling-Noten gewonnen wurde, kein Wasserzeichen aufwies und hinsichtlich der Festigkeit den Ansprüchen an Banknotenpapier nicht genügte. Eine Alternative musste her, die Anfang 1947 nur in der Herstellung von Banknoten im Ausland liegen konnte, auch wenn hierfür knappe Devisen aufgewandt werden mussten. Firmengebäude von Bradbury, Wilkinson & Co. in New Malden, Surrey. Restauriertes Foto aus den 1940er-Jahren. Persönliche Kontakte aus Vorkriegszeiten wurden reaktiviert: Anfang Dezember 1946 schrieb Bankdirektor Herbert Prack an Richard Shave von der Banknotendruckerei Bradbury, Wilkinson & Co (BWC) in New Malden, England. Man kannte sich aufgrund eines Besuchs von Prack bei BWC im Jahr 1929. BWC hatte sich durch die Übersendung eines Kalenders als Weihnachtsgeschenk an Herbert Prack in Erinnerung gebracht. Dieser reagierte prompt und fragte an, ob BWC einen Auftrag zur Herstellung von 100-Schillingnoten annehmen könne. Als Grundlage für die Erstellung eines Angebots übersandte Prack zwei Musternoten – zum einen die Banknote zu 100 Schilling vom 2. Jänner (Januar) 1925, zum anderen Muster von Vorder- und Rückseite des Entwurfes von Prof. Seeger für die nicht ausgegebene Banknote zu 100 Schilling vom 2. Jänner (Januar) 1936, die Grundlage für die Erstellung der Banknote der Deutschen Reichsbank zu 20 Reichsmark vom 16. Juni 1939 gewesen war. Daraufhin reisten Richard Shave und Direktor Eric Gibbs von BWC, der dort für den internationalen Vertrieb zuständig war, im Januar 1947 nach Wien. Am 13. Januar 1947 trafen sie sich mit OeNB-Präsident Rizzi, Generaldirektor Dr. Bartsch, dem Leiter der Wertpapierdruckerei Prof. Broum sowie Direktor Prack, legten einen Entwurf für eine 100-Schillingnote sowie ein Wasserzeichenpapier vor und erstellten auf Basis dieses Treffens noch am selben Tag ein Angebot zum Druck der Note, das am 15. Januar 1947 in einer Sitzung des Direktoriums der OeNB besprochen wurde. Noch am selben Tag erteilte die OeNB den Vertretern von BWC (zunächst mündlich) einen Auftrag zur Herstellung von 20 Millionen Noten zu 100 Schilling, der in der 15. Generalratssitzung vom 30. Januar 1947 nachträglich formell genehmigt wurde. Die Druckkosten wurden mit 44.000 Pfund veranschlagt, wobei die OeNB die Druckkosten zuerst in 18, dann in 6 Monatsraten zu zahlen plante. Musterdrucke des Scheins sollten vier Monate nach Auftragserteilung vorliegen, die ersten zehn Millionen Banknoten Ende September 1947 durch BWC fertiggestellt und in Holzkisten in Bündeln zu 1000 Scheinen verpackt versandbereit, der Auftrag bis Mitte Dezember 1947 abgeschlossen sein. Mit diesem stattlichen Auftrag in der Tasche reisten Shave und Gibbs am 19. Januar 1947 zurück nach England. Grundlage der grafischen Gestaltung der Banknote bildete eine von BWC erstellteVorlage auf Basis des Entwurfes von Prof. Seeger für die nicht ausgegebenenBanknote zu 100 Schilling vom 2. Jänner (Januar) 1936. Leider ist der Entwurf von BWC in den Unterlagen der OeNB nicht erhalten geblieben ist. Gemäß der Besprechung vom 13. Januar 1947 sollte bei diesem Entwurf ausgetauscht werden (neben dem Staatswappen, das auf das Wappen der 2. Republik zu ändern war) das Porträt auf der Vorderseite. Es sollte durch ein anderes Bild eines Mädchenkopfes ersetzt werden, schon um Verwechslungen mit der Banknote zu 20 Reichsmark von 1939 zu vermeiden. Dafür stellte die OeNB BWC am 30. Januar 1947 eine Vorlage aus dem künstlerischen Archiv der Druckerei (bezeichnet als Nr. IV) zur Verfügung. Zudem sollte die im Entwurf von 1936 verwendete Frakturschrift durch eine moderne Antiqua-Type ersetzt werden, wofür die OeNB ebenfalls eine Skizze als Vorlage lieferte. Schließlich sollten Änderungen in der grafischen Gestaltung der Rückseite vorgenommen werden. Die Vorderseite der Note sollte im Stahlstich sowie im Offsetdruck-Unterdruck in Regenbogenfarben, die Rückseite im Offsetdruck in zwei Druckvorgängen hergestellt werden. Ursprünglich hatte die OeNB für 1948 geplant, selbst auf Basis der Vorlage der 100-Schillingnote von 1936 eine neue 100-Schillingnote zu entwerfen und herzustellen. 100-Schilling-Note vom 2. Jänner (Januar) 1947, Vorder- und Rückseite. Der von BWC hergestellte Schein misst 165 mm x 83 mm, die vorherrschende Farbe des Tiefdrucks auf der Vorderseite ist Schwarzgrün, des Offsetdrucks auf der Rückseite Braunviolett. Der Schein trägt links die Unterschrift von Generalrat Rudolf Buchinger, mittig die Unterschrift von Bankpräsident Dr. Hans Rizzi sowie rechts die Unterschrift von Generaldirektor Dr. Franz Bartsch. 100-Schilling-Note vom 2. Jänner (Januar) 1947 – Ausschnitt aus der Rückseite. Banknote zu 20 Reichsmark vom 16. Juni 1939 (Grabowski DEU-215), Vorder- und Rückseite. Banknote zu 20 Reichsmark vom 16. Juni 1939 (Grabowski DEU-215) – Ausschnitt aus der Rückseite. Zutreffend ist, dass die Abbildung auf der Rückseite (sie zeigt den im Salzkammergut gelegenen Gosausee vor dem Dachsteinmassiv) identisch ist mit der Abbildung auf der Rückseite der nicht mehr ausgegebenen 100-Schillingnote vom 2. Jänner (Januar) 1936 und der Banknote zu 20 Reichsmark vom 16. Juni 1939. Lediglich der Bildausschnitt wurde auf Wunsch der OeNB an beiden Seiten etwas eingekürzt, um Platz für ein vergrößertes Wasserzeichenfeld zu schaffen. Die Vorlage für die Abbildung des Gosausees auf der Rückseite stammt ebenfalls aus dem künstlerischen Archiv der Wertpapierdruckerei der OeNB und wurde dort als Nr. 714 bezeichnet. Foto des Gosausees vor dem Dachsteinmassiv heute. Quelle: Tourismusverband Inneres Salzkammergut. Als Papier wurde, wie von BWC empfohlen, ein von der Firma Portals hergestelltes Wasserzeichenpapier mit einem Gewicht von 80g/m² ausgewählt. Es zeigt auf dem Schaurand einen Kopf des Pollux. Obwohl die OeNB zunächst darauf bestand, enthielt das Papier keinen Sicherheitsfaden. Beauftragt wurden 20 Serien (Serie 1001 bis 1020) zu je 1 Million Noten. Daneben bestellte die OeNB 300 Musternoten in Originalfarben mit Nullnummerierung, BWC erbat sich 50 Musternoten in abweichender Farbgebung zur internen Verwendung. Gedruckt wurde durch BWC in Bögen zu 18 Scheinen. Fristgemäß Anfang Mai 1947 legte BWC der OeNB zwei Druckmuster auf Papier ohne Wasserzeichen vor, da die Lieferung des bestellten Wasserzeichenpapiers durch Portals erst für Mitte Juni angekündigt worden war. Die vorgelegten Entwürfe wurden von der OeNB ohne wesentliche Änderungen gebilligt, und mit geringer Verspätung konnte Ende Oktober 1947 die erste Teillieferung von zehn Millionen Scheinen durch BWC für den Versand nach Wien in New Malden bereitgestellt werden. Damit ergab sich eine Schwierigkeit, die scheinbar zuvor weder von der OeNB (die ja mit dem Druck von Banknoten im Ausland bisher keine Erfahrungen hatte) noch von BWC ausreichend beleuchtet worden war: Wie sollten 20 Millionen Scheine von New Malden nach Wien gelangen? BWC schuldete nur die Bereitstellung der Banknoten in der Druckerei; Versandrisiko und -kosten lagen bei der OeNB, die jedoch weder über die Erfahrung noch über Kontakte verfügte, solch einen internationalen Transport zu organisieren und zu versichern. Man blieb daher auf die entsprechenden Kontakte und Erfahrungen von BWC angewiesen. Zwei Transportwege kamen in Betracht – ein Versand per Luftfracht oder der See-/Landweg per Schiff von England nach Antwerpen und dann weiter per Zug durch Belgien und quer durch die US-amerikanische und britische Besatzungszone Deutschlands bis nach Wien. Für den auf acht bis zehn Tage veranschlagten Zugtransport konnte jedoch eine ausreichende Bewachung nicht sichergestellt werden, zumal die Alliierten eine Verantwortungsübernahme für den Transit durch Deutschland ablehnten und allenfalls ein Anhängen der mit den Banknotenkisten beladenen Güterwagen an einen Militärzug ab der österreichischen Grenze in Aussicht stellen konnten. Damit kam nur ein Lufttransport infrage. Verfügbare zivile Luftfrachtkapazitäten von England nach Wien waren jedoch knapp, insbesondere weil es an Aufträgen für Rückfracht nach England fehlte. Die Verhandlungen für die Bereitstellung von ausreichend Frachtraum zogen sich hin, und erst am 21. November 1947 gelang es BWC, Frachtraum nach Wien-Schwechat zu organisieren, um wenigstens einen ersten Teil der gedruckten Scheine zu versenden. Verschickt wurden am 24. November 1947 85 Kästen mit 8,5 Millionen Banknoten: Alle Scheine der Serien 1001 bis 1008 sowie die Scheine der Serie 1009 mit den Kontrollnummern 000001 bis 500000, die am 25. November 1947 bei der OeNB in Wien eintrafen. An Luftfracht, Versicherungskosten und Spesen waren hierfür durch die OeNB 1570 Pfund, 4 Shilling und 6 Pence an BWC zu bezahlen. Ebenso hatte die OeNB den Transport der Kisten vom Flughafen Schwechat in die Zentrale in der Rockhgasse zu organisieren, was wegen der knappen LKW-Kapazitäten ebenfalls mit Schwierigkeiten verbunden war. Die restliche Auflage war vertragsgemäß bis 15. Dezember 1947 durch BWC fertiggestellt und traf zusammen mit dem Rest der Ende Oktober fertiggestellten Scheine mit einem weiteren Lufttransport Mitte Januar 1948 in Wien ein. Ende Januar 1948 sandte BWC die überlassenen Entwürfe, Bilder und Vorlagen an die OeNB zurück. Bei BWC verblieben neben den vereinbarten 50 Musterstücken weitere sechs Musterexemplare. Am 15. März 1948 inspizierte Herbert Prack zusammen mit zwei Vertretern von BWC in deren Räumen, die zum Druck benutzten Matrizen, Vignetten, Druckplatten und Negative, die in die Tresore von BWC überführt wurden. Abgenutzte Druckplatten wurden am selben Tag unter Aufsicht vernichtet. Insgesamt druckte BWC 21.799.350 Scheine – neben den bestellten 20 Millionen Stück sowie 356 Musterexemplaren wurden 1.798.994 Scheine als Druckausschuss verbucht, die im Februar und März 1948 durch BWC vernichtet wurden. Der hohe Druckausschuss erklärte sich dadurch, dass bei einem Druckfehler BWC den gesamten Druckbogen (mit 18 Scheinen) als Makulatur behandelte, um die gewünschte fortlaufende Nummerierung der Scheine sicherzustellen – Reservenoten der 100-Schillingnote von 1947 gibt es also nicht. Am 22.1.1948 überwies die OeNB den noch ausstehenden Rechnungsbetrag für die Druckkosten (mit 1 % Rabatt) vorzeitig und in einer Summe an BWC. Zertifikat von Bradbury, Wilkinson & Co. über den Abschluss des Druckauftrags vom 19. Februar 1948. Aus ihm ergeben sich die Auflagezahlen, die Anzahl der ausgelieferten Scheine, die Anzahl der Muster sowie der Druckausschuss – 8,25 % der Gesamtauflage waren „Waste“ (Makulatur). Quelle: Bankhistorisches Archiv, Wien. Aufgrund der verzögerten Lieferung stand der Schein für die Währungsumstellung im Dezember 1947 nicht mehr rechtzeitig zur Verfügung, worauf die OeNB bis zuletzt gehofft hatte. Notgedrungen musste stattdessen auf die 100-Schillingnote Ausgabe 1945 mit der Allonge „Zweite Ausgabe“ zurückgegriffen werden, die bereits im Dezember 1946 als sogenannte Ersatznote durch die OeNB bei der Staatsdruckerei Wien in Auftrag gegeben worden, jedoch aufgrund der Erstellung im Offsetdruck hinsichtlich des Fälschungsschutzes ebenfalls unzureichend war. Mit der Ausgabe der 100-Schillingnote vom 2. Jänner (Januar) 1947 wurde durch die OeNB ab dem 28. Januar 1948 begonnen; gleichzeitig wurde die 100-Schillingnote Ausgabe 1945 „Zweite Ausgabe“ zurückgerufen, die bereits am 30. April 1948 außer Kurs gesetzt wurde. Die sehr geringe Umlaufzeit erklärt die Seltenheit dieses Scheins, dessen Ausgabe nur eine Notlösung war. Abgelöst wurde die 100-Schillingnote vom 2. Januar 1947 durch die 100-Schillingnote der Ausgabe vom 2. Januar 1949, die wieder in der Druckerei der OeNB hergestellt und ab November 1949 in Umlauf gegeben wurde. Die Umlauffähigkeit der 100-Schillingnote vom 2. Januar 1947 endete am 27. Februar 1954; die Umtauschfrist bei der OeNB (üblicherweise 20 Jahre nach Ablauf der Umlauffähigkeit) ist längst abgelaufen. Der Schein ist heute von Sammlern gesucht und kostet in wenig gebrauchter Erhaltung auf Auktionen und im Handel inzwischen deutlich über 200 Euro. Auch Musterexemplare mit Nullnummerierung (aus dem für die OeNB angefertigten Kontingent) sind im Sammlermarkt bekannt. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen Der nachfolgende Beitrag beruht auf der Sichtung von Unterlagen im Bankhistorischen Archiv der Oesterreichischen Nationalbank in Wien. Herrn Mag. Antonowicz von der Abteilung für Finanzbildung der OeNB danke ich in diesem Zusammenhang für seine freundlichen Unterstützung. Die Formulare der Interimsserie (1. Serie) 1907 wurden durch Bradbury, Wilkinson & Co., die Noten der 2. Serie (1910-1955) durch Waterlow & Sons hergestellt. Die Noten zu 50 bis 1000 Franken der 5. Serie wurden teilweise durch Waterlow & Sons, teilweise durch Thomas de la Rue gedruckt. Kodnar/Künstner 232, SCWPM 124.












