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  • Lexikon: Bogenreihensammlung

    Spezialsammlung deutscher Reichsscheine aus der Zeit von 1898 bis 1923, also aller Reichsbanknoten, Reichs- und Darlehnskassenscheine aus der Vorinflations- und Inflationszeit mit allen Varianten. Da die Reichsbanknoten der Inflation im Auftrag der Reichsbank von zahlreichen privaten Druckereien hergestellt wurden, die ihre verschlüsselten Firmenzeichen auf die Noten druckten (z.B. BK = Bachem, Köln; GD = Giesecke & Devrient, Leipzig; GU = Gundlach, Bielefeld; OM = Oldenbourg, München; P = Preuss, Berlin) und zum Teil auch mit unterschiedlichen Nummerierwerken arbeiteten sowie außerdem Druckpapiere mit verschiedenen Wasserzeichen verwendet wurden, kann ein Sammler, der auch noch die verschiedenen Bogen-Nummern oder Bogen-Buchstaben beachten möchte, eine Sammlung von über 30.000 verschiedenen Varianten zusammentragen. DEU-84e: 1000 Mark vom 15.9.1922, Papier weiß mit Wasserzeichen Mäander, Firmenzeichen HH = Hartung & Co., Hamburg, Bogenzeichen R, Kontrollnummer 5-stellig braun und groß mit 6 strahligem sternförmigem Plunger, Vorderseite. DEU-84i: 1000 Mark vom 15.9.1922, Papier weiß mit Wasserzeichen Gitter mit 8, Firmenzeichen PL = Poeschel & Trepte, Leipzig, Bogenzeichen Bc, Kontrollnummer 6-stellig schwarz und klein ohne Plunger, Vorderseite. DEU-85: 1000 Mark vom 15.9.1922, Papier gelb mit Wasserzeichen Dornen, Firmenzeichen GP = Pass & Garleb, Berlin, Bogenzeichen Wd, Kontrollnummer 6-stellig rot und groß, ohne Plunger, Vorderseite. Der Aufbau einer solchen Sammlung richtet sich nach folgenden Varianten: 1. Wasserzeichen Folgende Hauptarten gibt es bei den Inflationsnoten: Randwasserzeichen mit Einfärbung (Disteln, Eichenlaub, Wertband), Hakensterne (GD-Muster), Gitter mit 8, Ringe, Kreuzblüten, Rauten, Sterne mit S und auch Wellen. 2. Firmenzeichen Als Doppelbuchstaben vom Sekretariat für Banknotendruck oder als Einzelbuchstaben von der Abteilung Hilfsbanknotendruck der Deutschen Reichsbank vergebene Kennungen für die für die Reichsbank mit dem Druck von Banknoten beauftragten privaten Druckereien. Meist in der Nähe der Nummerierung. 3. Bogenzeichen Je nach Bogengröße und Nutzen (Anzahl der Scheine aus einem Druckbogen) fortlaufende Ziffern oder Buchstaben. 4. Kontrollnummern (Nummerierung) Nach Anzahl der Stellen, Zifferntypen und -größen sowie mit oder ohne verschiedene No-Zeichen und mit oder ohne verschiedene Plunger (Sterne) vor oder hinter der Nummerierung. 5. Unterdruckbuchstaben Gesonderte Unterdruckbuchstaben als zusätzliche Serienbezeichnung. Eine solche Spezialsammlung von nur relativ wenigen Haupttypen lässt sich schlechter darstellen als eine Generalsammlung und findet daher bei Nichtsammlern wenig Anklang. Nur mit Hilfe z.B. einer selbst anzufertigenden Tabelle, in die jeder Schein und jede Variante an einer frei gehaltenen Stelle eingetragen werden kann, lässt sich eine solche Sammlung weiter aufbauen und komplettieren, da sonst das Erkennen fehlender Varianten sehr zeitaufwendig werden kann. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski Abb. Sammlung Hans-Ludwig Grabowski #Lexikon #Varianten #Pick #Grabowski

  • Aus privaten Sammlungen: Unbekanntes belgisches Lagergeld des Zweiten Weltkriegs

    Objekttyp: Lagergeldschein Sammlung: Thomas van Eck Historischer Kontext: In meiner Sammlung befindet sich ein Geldschein der mir Rätsel aufgibt. Der Wert beträgt 5 Francs. Eine KN ist nicht angegeben. Der Druck ist grün auf weißem Papier. Die Rückseite ist leer. Format 76 mm x 51 mm. Unterzeichnet ist der Schein mit der deutschsprachigen Bezeichnung „Der Lagerkommandant“. Leider kann ich die blassrote Unterschrift nicht entziffern. Oben steht als Ausgabebezeichnung „L.B.V. Waterschei“. In Waterschei wurde während des Zweiten Weltkriegs Notgeld des Bergwerks „Charbonnages André Dumont“ (vgl. Keller-Katalog: Das Notgeld des II. Weltkriegs, Nr. 110-126) ausgegeben. Hierunter ist der gesuchte Geldschein nicht aufgeführt. Eine Recherche zur Bezeichnung „L.B.V. Waterschei“ führte zur Internetseite von „wiki-de.genealogy.net – Deutsche Kriegsgefangene in belgischen Bergbaulagern“. Dort ist für das Kohlengebiet Limburg unter Lager-Nummer LB V Waterschei ein entsprechendes Lager des Bergwerks „Charbonnages André Dumont“ gelistet. Es soll im Mai 1945 errichtet worden und mit ca. 3000 Mann belegt gewesen sein. Im Kohlengebiet Limburg gab es insgesamt sieben Lager mit den Bezeichnungen LB I bis LB VII. Vermutlich bestanden diese Lager bis Ende 1946. Seit August 1942 sind Arbeitslager für russische Zwangsarbeiter in den Limburger Kohlengruben bekannt, so u. a. in Waterschei. Diese Lager wurden später für deutsche Kriegsgefangene weiter genutzt. Waterschei ist heute ein Stadtteil von Genk. Das Bergwerk von André Dumont förderte von 1924 bis zu seiner Schließung 1987 Kohle. Die Region war seit den 1920er-Jahren geprägt von Zuwanderung aus Ost- und Südeuropa. Die Gebäude des ehemaligen Lagers in Waterschei wurden ab ca. 1952 mit angeworbenen Minenarbeitern aus Italien belegt. Heute soll sich an dieser Stelle ein Fußballplatz befinden. Ein zweiter entwerteter Schein über 2 Francs ohne Unterschrift ist bekannt. Nicht bekannt ist, ob diese Ausgabe oder ähnliche Scheine anderer Lager bisher katalogisiert wurden. Land/Region/Ort: Belgien / Limburg / Waterschei Emittent: L. B. V. Waterschei (Lager des Bergwerks „Charbonnages André Dumont“) Nominal: 5 Francs Datierung: ohne Datum Vorderseite: Druck grün, einseitig Material: Papier Wasserzeichen: ohne Unterschrift: Faksimile-Stempel, Name unbekannt Format: 76 × 51 mm Nummerierung: ohne Umlauf: wahrscheinlich von Mai 1945 bis Ende 1946 Authentizität: Original Zitate: Nicht katalogisiert! Thomas van Eck Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Aus privaten Sammlungen: Die wahrscheinlich seltenste Ersatznote der Welt

    Passend zu dem Artikel von Herrn Bronnert über die Ersatznoten möchte ich diesen Schein aus meiner Sammlung vorstellen. Objekttyp: Banknote Sammlung: Thomas Neldner Historischer Kontext: Auf den ersten Blick keine Seltenheit, aber die Serie Z verrät, dass es sich um eine sog. Ersatznote (Austauschnote, Replacement Note) handelt, da die Banknote mit der hier vorliegenden 1. Signaturkombination nur in den Serien A bis C (evtl. D?) existiert. Es ist die bislang die einzig bekannte Ersatznote dieser Wertstufe über 10.000 Francs von 2006, für die anderen Nominale ist bislang überhaupt keine entdeckt worden. Es handelt sich also wahrscheinlich um eine der seltensten Austauschbanknoten der Welt. Land/Region/Ort: Komoren Emittent: Banque Centrale des Comores Nominal: 10.000 Francs Datierung: 2006 Vorderseite: Freitags-Moschee in Moroni, Porträt Al-Habib Saïd Omar Bin Soumeit Rückseite: Grüne Vanille-Schoten, grüne Meeresschildkröte, Ylang-Ylang Material: Papier Wasserzeichen: Halbmond mit Sternen und Text BCC Unterschriften: Ahamadi Abdoulbastoi und Remy Rioux Druck: Banque De France Format: 144 x 73 mm Nummerierung: Z004144 Authentizität: Original Referenzen: COM-19a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. III – Modern Issues) B310az (Linzmayer: The Banknote Book: Comoros) Thomas Neldner Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Lexikon: Golddeckung

    Eine Golddeckung ist die laut Bankgesetz vorgeschriebene Deckung von zirkulierenden Geldscheinen in Gold. Abb. KI-generiert. Das deutsche Bankgesetz vom 14. März 1875 kannte die Dritteldeckung, d.h. 1/3 der Summe der umlaufenden Noten musste in Gold gedeckt sein. DEU-11: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote über 100 Mark vom 10. April 1896, Vorderseite. Die deutschen Reichsbanknoten erhielten erst ab 1. Januar 1910 Zwangskurs und wurden den Reichsgoldmünzen gleichgestellt. Im Umlauf mussten sie damit von jedermann in Zahlung genommen werden. Am 31. Juli 1914, dem Tag der Erklärung des "Zustandes der drohenden Kriegsgefahr" wurde ihre Einlösung in Gold eingestellt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Paraguay: Neue Banknotenserie soll eingeführt werden

    Bereits am 5. Oktober 2022 gab die Banco Central del Paraguay bekannt, dass sukzessive eine neue Banknotenserie eingeführt werden soll. Die wichtigsten Änderungen zur aktuellen Serie: die Rückseiten werden geändert. Thema werden die Ökosysteme Paraguays sein. Die Vorderseiten mit den Porträts sollen nicht geändert werden; die einheitliche Größe aller Wertstufen (2000, 5000, 10.000, 20.000, 50.000 und 100.000) wird abgeschafft. Die sechs Wertstufen der neuen Banknotenserie werden sich in der Länge unterscheiden; die 10.000-Guarani-Banknote wird nicht mehr aus Papier/Baumwolle sein, sondern, wie schon die 2000 und 5000 Guarani, aus Polymer-Kunststoff; die Anzahl der Nullen bleibt. Die 2009 geplante Streichung von drei Nullen entfällt; Paraguay, Banco Central del Paraguay: 2000 Guaranies (2008) der aktuellen Serie aus Polymer-Kunststoff, Vorder- und Rückseite. Abb. Sammlung Grabowski. Paraguay, Banco Central del Paraguay: 10.000 Guaranies (2015) der aktuellen Serie aus herkömmlichem Banknotenpapier, Vorder- und Rückseite. Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de. Sieben Banknotendruckereien gaben im Dezember 2022 Angebote ab. Oberthur Fiduciaire S.A.S. erhielt im Februar 2023 den Auftrag für die Gestaltung und Produktion der Noten. Sie legte mit 270.000 US-$ das deutlich niedrigste Angebot vor und erhielt den Zuschlag. Die neue Banknotenserie könnte im Oktober 2023 zum 80. Jubiläum der Einführung der Guaraní-Währung präsentiert werden. Ralf Faust

  • Provinz Sachsen: Frühes Goldmark-Notgeld der Leuna-Werke 1923

    Ende Oktober 1923 forderten immer mehr Vertreter der Arbeitnehmerschaft in Industriebetrieben die Einführung wertbeständigen Notgelds bei der Lohnzahlung. Ab 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld in Goldmark mit Dollar-Valutaklausel (Deckung durch Teile der Reichsgoldanleihe, 1 Dollar = 4.20 Goldmark, formale Erfordernisse). In der Provinz Sachsen waren die Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (AGFA) in Wolfen, das Ammoniakwerk Merseburg G.m.b.H., die Leuna-Werke und die Stadt Merseburg die ersten, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machten. Wertbeständiges Notgeld ist in der Provinz Sachsen zuerst in den Industriegebieten von Bitterfeld und Merseburg emittiert worden. Am 24. Oktober 1923 gab die Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Wolfen, Kreis Bitterfeld, zwei Gutscheine über 42 und 105 Goldpfennig aus; sie tragen dasselbe Datum wie die Berliner Emission der Gesellschaft. Die Ausgabe wurde genehmigt vom Reichsminister der Finanzen. Die Scheine dienten nach Pressemitteilungen zur teilweisen Bestreitung der Lohn- und Gehaltszahlungen. Alle Bankinstitute, Geschäftsleute und Behörden wurden gebeten, sie in Zahlung zu nehmen. Als Einlösungstag war der 31. Dezember 1923 angegeben: Nach Pressebekanntmachung vom 15. Dezember 1923 sollte die Einlösung aber erst am 3. Januar 1924, also auch noch lange vor dem später für die Provinz Sachsen festgesetzten allgemeinen Einlösungstermin für wertbeständiges Notgeld (10. Juni 1924) erfolgen. Ammoniakwerk Merseburg Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Notgeldschein über 0,42 Goldmark = 1/10 Dollar, ausgestellt Leuna-Werke am 27. Oktober 1923. Wasserzeichen: Giesecke & Devrient-Kreuzsternmuster. Die Einführung der Scheine über 0,42 Goldmark = 1/10 Dollar des Ammoniakwerks Merseburg Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Leuna-Werke, vom 27. Oktober 1923 wurde ebenfalls in der Presse bekanntgegeben. Das wertbeständige Notgeld der Gesellschaft wurde auch in Merseburg, Halle, Leipzig, Weißenfels, Naumburg und anderen Orten, in denen Werksangehörige wohnten, in Zahlung genommen. Ammoniakwerk Merseburg Gesellschaft mit beschränkter Haftung, vom 27. Oktober 1923 (Rückseite mit Angabe der Einlösungsstellen). Von dem Notgeldschein existieren zwei verschiedene Ausgaben: Text der Rückseite beginnt mit "Der Umtausch …" Text der Rückseite beginnt mit "Die Einlösung …" Zur Verstärkung des Umlaufs an solchen Zahlungsmitteln gab gleichzeitig die Stadt Merseburg am 26. Oktober 1923 drei Werte wertbeständiges Notgeld über 42 Goldpfennig, 1,05 und 2,10 Mark Gold heraus. Die endgültige Einlösung des Goldmark-Notgelds erfolgte durch Aufruf des Reichsfinanzministers Anfang 1924 für die Provinz Sachsen vom 10. Mai bis 10. Juni 1924. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat (6/2023) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

  • Ein Fingerabdruck als Sicherheitsmerkmal – Notgeld aus dem ostpreußischen Mohrungen

    Auf einer Halbinsel am Schertingsee hatte 1280 der Deutsche Orden eine sog. "Prußenburg" aus Holz errichtet, die später durch einen Steinbau ersetzt wurde. Das hier gegründete Mohrungen erhielt seinen Namen wahrscheinlich nach dem Ort Morungen bei Sangerhausen, von wo aus sich Siedler hier im ostpreußischen Oberland niedergelassen haben, die durch den Lokator Peter von Sumpf aus Thüringen an den Schertingsee geholt wurden. Im Südharz gab es eine Burg, wo der zu seiner Zeit bekannte Minnesänger Heinrich von Morungen gelebt hatte. Abb. 1: Alte Reklamemarke mit dem Stadtwappen von Mohrungen / Provinz Ostpreußen / Regierungsbezirk Königsberg. 1327 erhielt Mohrungen durch den Komtur von Elbing, Hermann von Oettingen, das Stadtrecht verliehen, war ab 1525 Sitz eines Hauptamtes und ab 1752 Kreisstadt. Bereits 1595 hatte die berühmte Familie zu Dohna mit dem sog. "Schlösschen" in Mohrungen eine eigene Residenz erbauen lassen. Im Januar 1807 kam es bei Mohrungen zu einem Gefecht zwischen Russen unter Führung des deutschstämmigen Generals Levin August von Bennigsen und den Truppen des französischen Marschalls Bernadotte, der sich nach seiner Niederlage im Dohna-Schlösschen versteckt haben soll. Bekannt wurde Mohrungen aber vor allem als Geburtsort des berühmten deutschen Dichters, Theologen und Philosophen Johann Gottfried Herder (1744–1803), dessen Geburtshaus noch heute erhalten ist. Abb. 2: Mohrungen, Teilansicht der Stadt mit den Türmen der Evangelischen Kirche St. Peter und Paul links und des Rathauses rechts. Abb. 3: Mohrungen, Marktplatz mit Rathaus. Abb. 4: Mohrungen, Marktplatz mit einer von zwei vor dem Rathaus stehenden erbeuteten Geschützen aus dem Abwehrkampf gegen die 1914 in Ostpreußen eingefallenen Russen und links mit der Zweigstelle der Bank der Ostpreussischen Landschaft. Abb. 5: Mohrungen, Das sog. "Schlösschen" derer zu Dohna. Mit dem Bau von Straßen und Eisenbahnlinien war Mohrungen zu einem wirtschaftlichen Zentrum im Oberland geworden. Es existierten u. a. eine Maschinenfabrik, eine Fassfabrik, eine Eisenbahn-Reparaturwerkstätte, eine Haus- und Küchengeräte-Fabrik, ein Sägewerk, eine Färberei, ein Verlag, eine Brauerei und eine Likörfabrik. Ende des Ersten Weltkriegs hatte die Stadt rund 5.000 Einwohner. Abb. 6: Der ostpreußische Landkreis Mohrungen im preußischen Regierungsbezirk Königsberg i. Pr. im Jahr 1910. Abb. 7: Die sog. "Kreishäuser" waren Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Mohrungen. Hier hatte auch die Kreiskommunalkasse ihren Sitz, die 1918 und 1923 Notgeld ausgab. Abb. 8: Gebäude der Kreissparkasse in Mohrungen, wo die 1918 ausgegebenen Gutscheine des Kreises eingelöst werden konnten. Notgeld der Kreiskommunalkasse in Mohrungen Wie viele andere deutsche Städte und Kommunalverbände, gab die Kreiskommunalkasse Mohrungen am Ende des Ersten Weltkriegs eigenes Notgeld aus. Zum Kreis Mohrungen gehörten 1905 drei Städte (Mohrungen, Liebstadt und Saalfeld), 110 Landgemeinden sowie 103 Gutsbezirke mit insgesamt 1.265 qkm und über 52.000 Einwohnern. Am 9. November 1918 hatte man in Berlin die Republik ausgerufen, das Notgeld für den Kreis Mohrungen war auf den 10. November datiert und am 11. November folgte der folgenreiche Waffenstillstand von Compiègne. Abb. 9: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 50 Pfennig vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Grabowski. Abb. 10: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 5 Mark vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Grabowski. Abb. 11: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 10 Mark vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Abb. 12: Mohrungen, Kreiskommunalkasse, Gutschein zu 20 Mark vom 10. November 1918, Vorderseite, Druck einseitig, ohne Prägestempel, Sammlung Grabowski. Ausgegeben wurden einheitlich gestaltete, einseitig bedruckte Gutscheine in Nennwerten zu 50 Pfennig sowie 5, 10 und 20 Mark. Damit wollte man sowohl dem Kleingeldmangel, wie auch dem Mangel an Zahlungsmitteln in Mark-Beträgen – damals Großnotgeld genannt – begegnen. Die Scheine wurden auf Papier mit Fabrik-Wasserzeichen "NORMAL 3b MARGGRAFF WOLFSWINKEL" gedruckt, oft sind aber kein oder nur Teile des Wasserzeichens sichtbar, weil es sich um kein Flächen-Wasserzeichen handelt, sondern der Schriftzug nur in größeren Abständen im Papier verteilt ist. Als wichtigstes Sicherheitsmerkmal fungieren Präge- oder Trockenstempel. Es wurden zwei verschiedene benutzt: "KREISAUSSCHUSS DES KREISES * MOHRUNGEN *" mit 22,5 mm sowie "KGL. PREUSSISCHES LANDRATSAMT * MOHRUNGEN *" (Adler mit Krone und Zepter) mit 34,5 mm Durchmesser. Der Druck erfolgte bei der Firma Reinhold Kühn in Elbing. Scheine ohne Prägestempel und/oder Kontrollnummer sind wahrscheinlich Reststücke, die an Sammler abgegeben worden sind. Die Gutscheine kommen heute noch recht häufig vor. Notgeld des Magistrats der Stadt Mohrungen Abb. 13: Arthur Weyde (1889–1936) war 1916 im Alter von erst 27 Jahren Bürgermeister von Mohrungen geworden. Seine Handunterschrift findet sich auf städtischen Notgeldscheinen. Als Bürgermeister machte er sich sehr verdient um die Stadt, ließ u. a. das Herderhaus restaurieren und gründete eine Landwirtschaftsschule. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde er 1933 wegen "politischer Unzuverlässigkeit" aus dem Amt entfernt. Seine Frau war Halbjüdin und er selbst Mitglied einer Loge. Arthur Weyde starb 1936 bei einem tödlichen Unfall. Ab Herbst 1922 musste auch die Stadt Mohrungen mit voranschreitender Inflation eigenes Notgeld emittieren. Wie in dieser Zeit üblich, waren die Scheine nun deutlich einfacher gestaltet. Es wurden Werte zu 200 und 500 Mark mit Datum vom 29. September 1922 ausgegeben. Da die Einlösung durch die Stadtsparkasse Mohrungen erfolgen sollte, wurden die Scheine als Schecks bezeichnet. Abb. 14: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 200 Mark vom 29. September 1922, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Abb. 15: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 500 Mark vom 29. September 1922, Vorderseite, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Da der Druck einseitig auf Papier ohne Wasserzeichen erfolgte, waren die einzigen Sicherheitsmerkmale Prägestempel mit dem Motiv des Stadtwappens und der Umschrift "Siegel der Stadt Mohrungen" im Durchmesser von 32 mm sowie zwei Handunterschriften. Auch hier kommen wieder Reststücke ohne Kontrollnummer und/oder Siegel vor. Diese Scheine sind aber deutlich seltener als die Ausgaben von 1918. Abb. 14: Mohrungen, Südseite des Marktes, rechts Rathaus, mittig (rechts von der Kirche) das Gebäude der Stadtsparkasse mit dunkler Hausfassade. Abb. 15: Ausflug der Mitarbeiter der Stadtsparkasse Mohrungen. Ein Jahr später schlitterte das Land in die sog. "Hochinflation", die nicht zuletzt durch die enormen Reparationsforderungen der Alliierten und die Rheinlandbesetzung durch französische und belgische Truppen befeuert worden war. Jegliches Vertrauen in die deutsche Währung ging verloren und es kamen immer mehr Nullen auf den deutschen Reichsbanknoten hinzu. Weil die Reichsbank trotz Unterstützung durch zahlreiche private Druckereien den stetig steigenden Bedarf an Zahlungsmitteln bei gleichzeitigem Währungsverfall nicht mehr decken konnte, mussten Länder, Provinzen, Bezirke, Kreise, Städte, Gemeinden und sogar Firmen eigenes Notgeld ausgeben, um den Zahlungsverkehr aufrecht erhalten zu können. Der Magistrat der Stadt Mohrungen gab im August und September 1923 erneut Schecks auf die Stadtsparkasse aus, nun aber auf Beträge zu 100.000, 500.000 sowie 1, 2, 5 und 20 Millionen Mark. Die Gestaltung wurde – sicher wegen der vermeintlich hohen Nominale – aufwendiger ausgeführt. Der Druck erfolgte aber wieder einseitig auf Papier ohne Wasserzeichen. Hergestellt wurden die Scheine beim Verlag mit Druckerei C. L. Rautenberg in Mohrungen. Auch hier blieb es bei den Prägestempeln und Handunterschriften als einzige Sicherheitsmerkmale. Abb. 16: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 500.000 Mark vom 14. August 1923, Vorderseite mit Stadtwappen im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel, Sammlung Karpinski. Abb. 17: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 1 Million Mark vom 14. August 1923, Vorderseite mit Schlachtszene und Stadtwappen im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel und Handunterschriften, Sammlung Karpinski. Abb. 18: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 5 Million Mark vom 22. August 1923, Vorderseite mit historischer Szene im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel und Handunterschriften, Sammlung Karpinski. Abb. 19: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Scheck zu 2 Million Mark vom 25. August 1923, Vorderseite mit historischer Szene im Unterdruck, Druck einseitig, mit Prägestempel und Handunterschriften, Sammlung Karpinski. Das besondere Sicherheitsmerkmal Im Oktober 1923 steuerte die Inflation auf ihren Höhepunkt zu. Nun mussten Werte in Milliarden-Beträgen ausgegeben werden. Dem Magistrat der Stadt Mohrungen war sicher nicht wohl bei dem Gedanken, dass seine nun wieder sehr schlicht gestalteten Scheine, was natürlich der Eile geboten war, womöglich hätten leicht gefälscht werden können. Schließlich musste die Stadt für die Einlösung haften. Flächen-Wasserzeichenpapier und aufwendigere Motive konnten sich zu dieser Zeit nur wirklich große und reiche Städte leisten, wenn das Papier überhaupt verfügbar und die Zeit ausreichend war. Die Stadtväter von Mohrungen setzten auf ein Sicherheitsmerkmal, das definitiv einzigartig und kaum zu fälschen war: Fingerabdrücke! Die machten schließlich schon seit Beginn des Jahrhunderts von sich reden, weil eine immer moderner werdende Kriminalistik mit ihrer Hilfe zahlreiche Verbrechen aufklären konnte, deren Täter zuvor nie entdeckt worden wären. Wer letztlich auf die Idee kam, die städtischen Notgeldscheine Mohrungens vom Oktober 1923 mit Fingerabdrücken gegen Fälschungen zu sicher, ist nicht bekannt. Die Idee könnte sowohl aus dem Rathaus, als auch aus der Druckerei gestammt haben. Verblüffend ist aber, dass die Stadt dadurch mit einfachsten Mitteln einen kaum zu knackenden Fälschungsschutz erzeugte und man muss sich fragen, warum nicht auch viel mehr andere Notgeld ausgebende Kommunen in Deutschland auf die gleiche Idee gekommen sind. Bekannt sind nur noch wenige andere Ausgabestellen (Aurich, Haßlinghausen, Hildburghausen/Thür., Münster in Westfalen und Olpe). Das sichert den Mohrunger Notgeldscheinen der Hochinflation eine Sonderstellung, weshalb ich hier auch gern etwas ausführlicher darüber berichte. Abb. 20: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Geldersatzschein über 5 Milliarden Mark vom 25. Oktober 1923 mit Fingerabdruck in Druckfarbe, Druck einseitig, Sammlung Karpinski. Abb. 21: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Geldersatzschein über 50 Milliarden Mark vom 25. Oktober 1923 mit Fingerabdruck in Druckfarbe, Druck einseitig, Sammlung Karpinski. Abb. 22: Mohrungen, Magistrat der Stadt, Geldersatzschein über 100 Milliarden Mark vom 27. Oktober 1923 mit Fingerabdruck in Druckfarbe, Druck einseitig, Sammlung Karpinski. Ausgegeben wurden Nominale zu 5, 20 und 50 Milliarden Mark mit Datum vom 25. Oktober sowie 100 Milliarden Mark vom 27. Oktober 1923 auf einseitig bedrucktem Papier ohne Wasserzeichen. Interessant ist, dass die gedruckten Namen für den Magistrat der Stadt bei jedem Wert abweichen. Bei 5 Milliarden finden wir "Günttert" und "Lembke". Die Handunterschrift Günttert sehen wir auch auf Abb. 14/16/17 rechts und die von Lembke auf Abb. 18/19 rechts. Bei dem 20-Milliarden-Schein haben wir die Namen "Seiffart" und "Grunau" für den Magistrat (vgl. Abb. 15 rechts), beim 50-Milliarden-Schein die Namen des Bürgermeisters Weyde (Abb. 14–19 links) und "Grunau" und schließlich bei Schein über 100 Milliarden Mark die Namen "Weyde" und "Szillat". Das ist neben den Fingerabdrücken schon ungewöhnlich genug. Hinzu kommt, dass die Fingerabdrücke unterschiedlich aussehen, und zwar nicht nur unterschiedlich auf den vier verschiedenen Nennwerten, sondern auch unterschiedlich bei Scheinen des gleichen Werts. Wurden die Fingerabdrücke mit gedruckt? Handelt es sich um immer unterschiedliche Fingerabdrücke von Angestellten der Druckerei? Tatsächlich wurden die Fingerabdrücke nicht mit gedruckt, sondern erst nach dem Druck als Echtheitsmerkmal aufgebracht. Dazu nutzte man das, was die Polizei auch nutzte, um Fingerabdrücke von Verdächtigen zu nehmen: Eine Art Stempelkissen. Das ging schneller als eine Handunterschrift, die man im Zweifelsfall sogar hätte fälschen können. Die Namen der Vertreter des Magistrats der Stadt sind deshalb hier auch lediglich gedruckt, ohne aufwendige Faksimile zu benutzen. Die Fingerabdrücke sehen unterschiedlich aus, und tatsächlich stammen sie auch von verschiedenen Personen. Doch auch dahinter verbirgt sich wieder ein System. Jeder Nennwert zeigt unterschiedliche Namens-Kombinationen und jedes Nominal trägt immer einen Fingerabdruck der selben Person. Auch wenn diese Abdrücke bei gleichen Werten auf den ersten Blick ebenfalls unterschiedlich aussehen können, es handelt sich immer um Abdrücke einer Person. Es versteht sich von selbst, dass das Resultat allein von der Art des Aufbringens abhängt. So können waagerechte und senkrechte sowie breitere und schmalere Abdrücke vorkommen. Im Zweifelsfall hätte aber eine polizeiliche Überprüfung schnell jede Fälschung entlarven können, da je Nominal immer nur eine Person die Fingerabdrücke anbrachte, insgesamt also nur vier Personen mit ihrem Fingerabdruck die Echtheit eines Scheins bestätigten. Klaus-Jürgen Karpinski hat in seinem Katalog über das Papiergeld Ostpreußens hierzu Vergleichsabbildungen aufgenommen. Notgeld des Kreisausschusses von 1923 Auch für den Kreis Mohrungen musste auf dem Höhepunkt der Inflation wieder Notgeld ausgegeben werden. Hier behalf man sich einer Möglichkeit, die auch andere Ausgabestellen zu dieser Zeit nutzten. Man hat Notgeld, das durch die Inflation bereits wertlos geworden war, mit zusätzlichen Überdrucken zu einem höheren Nennwert versehen und wieder in Umlauf gegeben. Einige Städte ließen sogar Serienscheine überdrucken, die nie für den Umlauf, sondern lediglich für den Verkauf an Sammler bestimmt waren, und so als Notgeld kursieren. Der Kreis Mohrungen konnte lediglich auf die Notgeldscheine der Kreiskommunalkasse vom November 1918 zurückgreifen, von denen noch reichlich Bestände vorhanden waren. Aus 5 Mark wurden so durch diagonale Überdrucke und zusätzlichen Faksimile-Unterschrifts-Stempel in Rot 5 Milliarden Mark, aus 10 Mark 10 Milliarden in Rot, aus 20 Mark 20 Milliarden in Rot und aus 5 Mark durch grünen Überdruck 50 Milliarden Mark. Ein neues Datum erhielten die Scheine nicht. Abb. 23: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 5 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift rot, Sammlung Karpinski. Abb. 24: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 10 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift rot, Sammlung Karpinski. Abb. 25: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 20 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift rot, Sammlung Karpinski. Abb. 26: Mohrungen, Kreisausschuß Mohrungen, Gutschein zu 50 Milliarden Mark ohne neues Datum (1923), Überdruck und Faksimile-Unterschrift grün, Sammlung Karpinski. Serienscheine hat die Stadt Mohrungen nicht ausgegeben. Von den damals sog. "Neppscheinen" gab es ohnehin nur wenige Ausgabestellen in Ostpreußen, und die meisten der wirklich abgegebenen Scheine erinnern an die Zerstörungen durch die sog. "Russeneinfälle" zu Beginn des Ersten Weltkriegs oder an die Volksabstimmungen zur staatlichen Zugehörigkeit in den sog. Abstimmungsgebieten (Regierungsbezirk Allenstein) nach dem Krieg. Auch Notmünzen wurden in Mohrungen nicht ausgegeben. Die Notgeldgeschichte Mohrungens war 1923 vorbei. Nur 22 Jahre später mussten die Deutschen östlich von Oder und Neiße sowie aus dem Sudetenland ihre Heimat verlassen. Zwei Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben. Damit endeten auch Jahrhunderte deutscher Geschichte und Kultur Ostpreußens und Mohrungens. Heute gehört die Stadt, die einst Mohrungen war, zu Polen und wird von den neuen Bewohnern Morąg genannt. Hans-Ludwig Grabowski Der Erinnerung an die Heimatstadt meines Vaters gewidmet! Literatur: Karpinski, Klaus-Jürgen: Ostpreussisches Papiergeld vom 19. Jahrhundert bis 1923, Gietl Verlag, Regenstauf 2009 Kreisgemeinschaft Mohrungen: Zwischen Narien und Geserich – Bilder aus dem Kreis Mohrungen, Kommissionsverlag G. Rautenberg, Leer (Ostfriesland) 1982 Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe, Handel und Landwirtschaft – Sonderband II – Provinzen Pommern, Posen, Ostpreussen, Westpreussen, Schlesien, Verlag Rudolf Mosse, Berlin 1919

  • Lexikon: Gold Certificates

    Gold Certificates (Goldzertifikate) sind mit Gesetz vom 3. März 1863 ausgegebenes Papiergeld der USA, das in Gold einlösbar war. Man wollte mit diesen Scheinen den Verkehr mit Gold erleichtern. USA-261: USA, Goldzertifikat zu 100 Dollars vom 12. Juli 1882, Vorder- und Rückseite. Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de. Vorübergehend wurde die Ausgabe der Scheine eingestellt (am 1. Dezember 1878), doch wurden durch Gesetz vom 12. Juli 1882 neue Scheine emittiert. Es gab 10-, 20-, 50, 100-, 500-, 1000-, 5000- und 10.000-Dollars-Scheine mit den Daten 3. März 1863, 1875, 1882, 1888, 1900, 1905, 1906, 1907, 1922, 1928 und 1934. Nur die Ausgaben 1928 und 1934 (die nicht mehr für den Umlauf bestimmt waren) sind in kleinem Format (Small Size Notes) erschienen, alle anderen Ausgaben sind großformatige Scheine (Large Size Notes). Gold Certificates sind seit 1933 nicht mehr einlösbar. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Nördlingen 1923: Goldmark und Hocker-Steuer

    In einer bayerischen Stadt gab es 1923 wertbeständiges Notgeld in Goldmark verbunden mit einer eigenartigen Sondersteuer: Der Hocker-Steuer. Die bayerische Stadt Nördlingen gab am 26. November 1923 gemeinsam mit der Fürstlich Öttingen-Wallerstein'schen Standesherrschaft in Wallerstein eine Serie von wertbeständigen Notgeldscheinen über 0,42 Goldpfennige sowie 1,05, 2,10 und 4,20 Goldmark (= 1/10, ¼, ½, 1 Dollar) aus. Die Scheine waren nicht nummeriert. Stadtrat Nördlingen und Fürstlich Öttingen-Wallerstein'sche Standesherrschaft, Wertbeständiger Notgeldschein über 2,10 Goldmark = ½ Dollar, ausgegeben in Wallerstein und Nördlingen am 26. November 1923, Abbildung: Wappen der Stadt Nördlingen und das Wappen der Fürsten von Öttingen-Wallerstein (Vorderseite). Diese Notgeldscheine waren voll gedeckt nach Maßgabe der Bestimmungen der Reichsregierung (Verordnung vom 26. Oktober 1923) durch wertbeständige 6-prozentige Schatzanweisungen des Deutschen Reiches von 1923. Sie sollten binnen Monatsfrist nach Aufruf der städtischen Sparkasse Nördlingen an deren Schaltern nach Wahl entweder gegen Goldanleihe gleichen Nennwerts oder gegen einen entsprechenden Betrag in Rentenmark oder auch gegen einen dem Kurse der hinterlegten Wertpapiere am Tag der Zahlung entsprechenden Betrag in Papiermark umgetauscht werden. Der Aufruf sollte aufgrund Gesetzes oder Verordnung des Reichsfinanzministers erfolgen. Auf einigen der Nördlinger Notgeldscheine war auf der leeren Rückseite eine Quittung über die sogenannte Hocker-Steuer (auch Nacht-Steuer genannt) aufgedruckt: Stadtrat Nördlingen und Fürstlich Öttingen- Wallerstein'sche Standesherrschaft, Wertbeständiger Notgeldschein über 2,10 Goldmark, ausgegeben in Wallerstein und Nördlingen am 26. November 1923 (Rückseite mit Quittung Nummer 1872 über Hocker-Steuer für die 2. Stunde über 40 Pfennig vom 12. Dezember 1923). Rückseite des Notgeldscheins: Aufschrift „So, G'sell so! Mein lieber Zecher, wenn du weiter aus dem Becher schlürfen willst, dann zahle bitte - dieses ist bei uns so Sitte - für dein Hocken eine Steuer! Loben wird dich Wirt und Bräuer, auch der Stadtrat - glaube mir - bleibt alsdann gewogen Dir. Für die Steuer sei zum Trost Dir ein wertbeständig Prost dargebracht: Ersatz p. p. für den Notgeldschein a. D.“, Oben Abbildung Nachtwächter vor Pfarrkirche St. Georg in Nördlingen, unten Quittung für gezahlte Hocker-Steuer. Zum Hintergrund: Nach dem Umsturz des Jahres 1918 standen die Kommunen im Deutschen Reich steuerrechtlich gesehen deutlich schlechter da. Allerdings wurden daraufhin die Möglichkeiten für die Städte und Gemeinden, eigene Abgaben zu erheben, stark verbessert. Denn die Gemeinden hatten die Freiheit erhalten, auf viele Vorgänge des kommunalen Lebens Abgaben zu erheben, so lange die Reichssteuer dadurch nicht tangiert wurde. Die eigenartige Nacht- oder Hockersteuer ist erstmals aus Stuttgart bekannt, um in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs der Stadt zusätzliche Einnahmen zu ermöglichen. In Gastwirtschaften mussten Gäste, die nach 23:00 Uhr noch im Lokal blieben, eine Steuer zahlen, für die sie eine Nachtsteuer-Marke als Quittung erhielten. Nachdem die Städte Nürnberg, Augsburg und Würzburg die Nachtsteuer eingeführt hatten, beschloss auch der Schweinfurter Stadtrat im August 1922 diese „Steuer“ einzuführen. Im Zusammenhang mit der Einführung der Steuer wurden örtlich polizeiliche Verordnungen erlassen, z. B. die „Ortspolizeiliche Vorschrift zur Sicherung der Nachtsteuer in der Stadt Schweinfurt.“ Die Steuerpflicht bestand in der Regel ab 23 Uhr bzw. Mitternacht. Jeder Gastronomiebesucher, der mit Genehmigung über diesen Zeitpunkt hinaus in der Gaststätte blieb, hatte für jede Stunde die „Steuer“ zu bezahlen. Die Höhe richtete sich oft nach der Kategorie des besuchten Lokals, z. B. a) Einfache bürgerliche Gast-, Speise- und Schankwirtschaften, b) Hotels, Cafés, Weinlokale, Gesellschaftsräume usw. und c) Bars, Dielen und ähnliche Luxuslokalitäten. Die so erzielten Steuereinnahmen waren für soziale Zwecke bestimmt. Es kamen teilweise erhebliche Summen durch diese „Hocker-Steuer“ zusammen, in Schweinfurt waren es beispielsweise (inflationsbedingt) 1923: 4.221 Billionen Mark, 1924: 22.388,00 Reichsmark. Im Laufe der Jahre nahm jedoch die Akzeptanz dieser Steuer immer mehr ab, sodass sie zum 1. April 1929 abgeschafft wurde. Auch die Städte Dinkelsbühl oder Nördlingen griffen um 1923 diese Art der Besteuerung auf, schafften sie jedoch 1924 schon wieder ab. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: KENOM - Virtuelles Münzkabinett (7/2023) Anmerkung der Redaktion: Alle Nominale der wertbeständigen Notgeldscheine von Nördlingen kommen ein- oder zweiseitig bedruckt vor. Ganz offensichtlich hat man die nur einseitig bedruckten Notgeldscheine nach deren Einzug weiter benutzt, indem man die Rückseiten mit einem Aufdruck zur Nutzung als Quittung für die Hocker-Steuer versah. Darauf bezieht sich auch die Text-Passage "Für die Steuer sei zum Trost Dir ein wertbeständig Prost dargebracht: Ersatz p. p. für den Notgeldschein a. D." Bei der Verwendung als Hockersteuerquittung hatten die Scheine also bereits ihre Eigenschaft als Notgeld verloren. Die so bedruckten Steuer-Quittungen kommen heute sogar häufiger vor als die ursprünglich einseitig bedruckten wertbeständigen Notgeldscheine. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

  • Das besondere Motiv: Traktoren

    Weltweit zeigen nur ca. fünfzehn Prozent der Geldscheine Bildnisse prominenter Frauen. Erwartungsgemäß unangefochten an der Spitze ist die im letzten Jahr nach über siebzig Jahren auf dem Thron verstorbene englische Königin Elisabeth II. (1926 – 2022), deren Porträts ab 1960 auf zahllosen Banknoten im gesamten Commonwealth verbreitet wurde. Eigentlich sorgen Porträts auf Geldscheinen wegen der höheren Komplexität der Darstellung und einer vermuteten höheren Aufmerksamkeit bei der Betrachtung für eine höhere Fälschungssicherheit. Besonders lange Haare bei Frauen steigern die Herausforderung an den Fälscher. In sozialistischen bzw. kommunistischen Staaten stets gern gewählte Motive für Vorder – oder Rückseiten von Banknoten betreffen landwirtschaftliche Darstellungen. Dabei werden sowohl traditionelle Handarbeit als auch die Moderne dargestellt, z. B. in Form von Arbeit mit Erntemaschinen und Traktoren. Volksrepublik China, Chinesische Volksbank: Banknote zu 1 Yuan von 1960 (CHN-874a, SCWPM), Vorderseite mit Traktoristin und Rückseite berittener Hirte mit Schafherde vor Berglandschaft. Wer aber war nun die junge Traktoristin auf einem der bekanntesten rot-chinesischen Geldscheine, der auch aktuell immer wieder angeboten wird, z. B. auf der Teutoburger Auktion 160 im September diesen Jahres? Die inzwischen verstorbene Bauerntochter und Traktoristin Liang Jun (1930 – 2020) aus der Provinz Heilongjiang reklamierte in hohem Alter, das Model für die Frau auf dem Traktor gewesen zu sein. Ein Gestalter der 1960 gedruckten und 1962 ausgegeben Serie mit einzelnen Werktätigen auf 1-, 2- und 5-Yuan-Scheinen bestritt dies jedoch. Gleichwohl war Liang Jun ein Paradebeispiel für weibliche Aufstiegsmöglichkeiten im kommunistischen China. 1948 nahm sie als einzige Frau an einem der ersten Lehrgänge für Traktorführung in der Volksrepublik teil und wurde eines der Vorbilder im Rahmen der Heldenverehrung des neuen Menschen im Kommunismus. Nach dem Sieg der Rotchinesen auf dem Festland erhielt sie 1950 den Titel einer Nationalen Modell-Arbeiterin und durfte den „Großen Führer“ Mao Zedong (1893 – 1976) persönlich kennenlernen. Sie posierte oft auf Propaganda-Plakaten, weshalb sie wohl dachte, sie könne auch die Traktoristin auf der 1-Yuan-Note von 1960 sein, neben dem Arbeiter an der Drehbank auf dem 2-Yuan-Schein und dem Stahlarbeiter beim Abstich auf dem 5-Yuan-Schein. Ausschnitt eines Propaganda-Plakats mit Liang Jun auf einem Traktor, Schanghai 1953. Die Darstellung von Traktoren finden wir des Öfteren auf Geldscheinen kommunistischer Staaten im asiatischen Raum. Allerdings befinden sich diese traditionellen Modelle ohne Überrollbügel oder Kabine auch versteckt im Bildhintergrund der Rückseiten. Kambodscha, Republik der Roten Khmer, Banque Nationale du Cambodge: Note zu 500 Riels ohne Datum (1975, CAM-16b, SCWPM), Vorderseite: junge Frau mit Wasserkrug, Rückseite: Feldwirtschaft mit zwei Traktoren. Der kambodschanische Schein aus den 1970er-Jahren zeigt auf seiner Rückseite oberhalb des Tempelfrieses rechts und in der Mitte Frauen beim Reispflanzen, während im hinteren Teil zwei Traktoren von Männern gelenkt ein Feld vorbereiten. Das Motiv scheint in der Nationalbank von Kambodscha so gefallen zu haben, dass es 1998 noch einmal auf einem Fünfhunderter Verwendung fand, dieses Mal allerdings in Rot. Nicht nur in Asien fanden Traktoren und landwirtschaftliche Gefährte den Weg auf Geldscheine. Aus Europa können wir einen albanischen und einen bulgarischen Schein als Beispiele aufführen. Also jeweils aus einem damals kommunistischen Land und einem Arbeiter- und Bauernstaat der 1950er-Jahre, in denen mit heute archaisch anmutenden Ungetümen sogenannte „Ernteschlachten“ geschlagen wurden. Beide verfügen statt über Luft- oder Vollgummireifen über Eisenräder mit Ackerkrallen. Albanien, ALB-31a: 500 Lekë von 1957, Vorderseite. Bulgarien, BGR-83a: 10 Leva von 1951, Rückseite. In Südamerika finden wir in Bolivien einen Schein mit Propaganda-Aussage für eine Agrarreform (Inschrift unten rechts Reforma Agraria). Ein Traktor zieht eine Erntemaschine, daneben wird ein traditionelles Ochsengespann beim Pflügen von einem Bauern geführt. Auf dem afrikanischen Kontinent pflügt sogar ein kleiner moderner Traktor mit Kabine und Rückspiegeln den äthiopische Boden. Bolivien, BOL-171a: 100.000 Pesos von 1984, Rückseite, Druck De La Rue. Äthiopien, ETH-56: 50 Birr von 2020, Vorderseite. Auf dem tunesischen Schein über einen halben Dinar von 1973 wacht Langzeit-Präsident Habib Bourguiba (1903 – 2000) auf der Vorderseite über einen Fellachen, der mit einem Kamel pflügt, wohingegen die Rückseite – versteckt hinter Schafen in der Bildmitte neben einem Baum, am Ufer eines Gewässers – einen Traktor zeigt. Tunesien, TUN-69a: 1/2 Dinar von 1973, Vorder- und Rückseite. Immer wieder finden wir Traktoren auf Banknoten der Nachfolgestaaten des ehemaligen französischen Kolonialreichs Indochina, wie auf dem vietnamesischen Zweihunderter von 1987 mit einem schon moderneren Traktor auf der Rück- und mit Onkel Ho ( Ho Chi Minh 1890 – 1969, Revolutionär und vietnamesischer Präsident) auf der Vorderseite. Vietnam, VNM-100a: 200 Dong von 1987, Vorder- und Rückseite. Mein Lieblingsmotiv befindet sich allerdings auf einem afrikanischen Geldschein der Zentralbank Westafrikanischer Staaten: Banque Central des Etats de l´Afrique de l´Ouest (BCEAO). Der abgebildete Einachsschlepper sieht mit seiner typischen Drehgrifflenkung aus wie ein Produkte der Firma Holder aus dem schwäbischen Metzingen, die z. B. ihr Modell ED 2 ab 1953 mit 14.243 Exemplaren gebaut hat. Vielleicht sind auch einige davon in Afrika "gelandet"? Westafrikanische Staaten, WAS-110Ag: 500 Francs ohne Datum (1997), Rückseite. Christian Merker Abb. der Banknoten: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.

  • Leserpost: 100.000 Mark mit schwarzgrüner Kontrollnummer

    Lieber Herr Grabowski, ich habe Ihnen heute mal wieder eine kleine Besonderheit ausgegraben. Sie sehen DEU-93, den 100.000-Mark-Schein vom 01.02.1923 (KN 093287), in Ihrer aktuellen Auflage von "Die deutschen Banknoten ab 1871" S. 84/85. Eigentlich müsste beim Firmendruck die KN grün sein (s. Vergleichsbild, KN 262406). Wie Sie aber feststellen können, ist die KN SCHWARZGRÜN, entspricht also am ehesten der Variante DEU-93e. Es scheint neben dem FZ: V also auch ein FZ: K zu existieren. Und der hier ist in absolut kassenfrischer Erhaltung. Was halten Sie davon? Leider bekomme ich aufgrund der Lichtverhältnisse keine bessere Darstellung hin, ich hoffe der Unterschied ist sichtbar. Viele Grüße aus dem heute enorm verregneten Thüringer Wald. S. Siegel Antwort der Redaktion Hallo Herr Siegel, aufgrund der Vielzahl der am Druck von Reichsbanknoten in der Zeit der Inflation beteiligten privaten Firmen gibt es immer wieder auch farbliche Unterschiede bei den Kontrollnummern. Sicher beinhaltet die Beschreibung „Grün“ eine ganze Bandbreite von Hell- bis Dunkelgrün. Die Variante DEU-93e mit der schwarzgrünen KN unterscheidet sich dabei am deutlichsten von den „normalen“ grünen KN. Letztendlich ist sie aber auch nur eine Druckzufälligkeit und kein bewusst herbeigeführter Unterschied. Dennoch kommen solche Scheine selten vor, was die hohe Bewertung ausmacht, die zwar in Relation zu den Scheinen mit „normal“ grünen KN steht, über deren Berechtigung man allerdings streiten könnte. Ich werde das FZ K noch mit unter der Variante DEU-93e aufführen. Die neue Auflage meines Katalogs "Die deutschen Banknoten ab 1871" wird in diesem Herbst erscheinen! Beste Grüße in meine alte Heimat … Hans-Ludwig Grabowski

  • Lexikon: Girobanken und Giroverkehr

    Girobanken sind im 16. und 17. Jahrhundert entstandene Institutionen (1587 Venedig, Banco di Rialto, 1609 Amsterdam, 1619 Hamburg, 1621 Nürnberg, Banco Publico), die den bargeldlosen Zahlungsverkehr förderten. "Die alte Bank in Hamburg", Abbilund aus "Die Gartenlaube" 1875. Sie führten die Bezeichnung "Giro" (ital. "Kreislauf"), da das Geld im Kreise lief, ohne dass es die Bank verließ. Reine Girobanken gibt es heute nicht mehr. Giroverkehr ist der bargeldlose Zahlungsverkehr durch Übertragung von Konto zu Konto. Voraussetzung ist, dass sowohl der Zahlungsleistende als auch der Zahlungsempfänger über ein Girokonto verfügen. Lesen Sie auch den Beitrag "Hamburgs großer Geldschrank" von Gustav Kopal aus der Zeitschrift "Die Gartenlaube", Heft 51 von 1875. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski

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