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  • Aus privaten Sammlungen: Unfertig – Sudan, 25 Piaster Ausgabe 1956

    Makulatur : Nach dem Papiergeld-Lexikon von Albert Pick (München 1978) die Bezeichnung für alle während der Herstellung misslungenen Drucke, die beim Wertpapierdruck vernichtet werden müssen; nicht zu verwechseln mit Fehldrucken, Druckzufälligkeiten und Druckfehlern. Ist der vorliegende Schein Makulatur? Zum geschichtlichen Hintergrund Am 1. Januar 1956 erlangte der Sudan seine staatliche Unabhängigkeit. Zur Errichtung einer eigenen Währung wurde das auch mit ausländischen Fachleuten besetzte Sudan Currency Board geschaffen, Vorläuferin der 1959 gegründeten Bank of Sudan, die im Februar 1960 den Geschäftsbetrieb aufnahm. Zu den Aufgaben des Sudan Currency Boards gehörte die Schaffung einer eigenen sudanesischen Währung. Auf dem Gebiet des neuen Staates galt das ägyptische Pfund. Die Wertpapierdruckerei Waterlow & Sons in London wurde 1956 mit der Herstellung einer neuen Banknotenserie in den Wertstufen 25 und 50 Piaster, sowie 1, 5 und 10 sudanesische Pfund beauftragt. Die Wertstufen zu 25 und 50 Piaster sowie zu 1 Pfund gelangten im April 1957 in den Umlauf und lösten die ägyptischen Banknoten im Verhältnis 1:1 ab. Eine Zweitauflage der Scheine wurde 1959 bei Thomas de la Rue in England in Auftrag gegeben, und ab 1960 in den Umlauf gegeben. Aus der bei Waterlow & Sons gedruckten Serie stammt der vorliegende unfertige Schein. Es fehlen Serie und Kontrollnummer. Der Schein ist an drei Seiten formatgerecht beschnitten, am vorderseitig rechten Rand fehlt der Beschnitt, so dass der Schein ca. 1 cm länger ist als das Original. Schön zu sehen sind am rechten Rand der Vorderseite die Passmarken für den Unterdruck, der im Offsetdruck ausgeführt ist, während der rote Druck der Hauptplatte im Stahlstich-Tiefdruck ausgeführt wurde. Auf der Rückseite am linken Rand sind die Passmarken für die beiden Druckgänge der Rückseite zu erkennen, die beide im Offsetdruck ausgeführt wurden – dunkelrot für die Guillochen, die Wertangabe und das Bild, hellrot für den Unterdruck. Das Papier enthält die als Fälschungsschutz eingestreute rote und grüne Planchetten. Der Schein zeigt keine Umlaufspuren. Große Wertpapierdruckereien führen über die Druckauflagen der von ihnen produzierten Scheine genau Buch und weisen diese in der Regel auch den Auftraggebern in Form von Protokollen nach, schon um die Auflagenhöhen korrekt nachzuweisen und in Rechnung stellen zu können. Ebenfalls protokolliert werden aussortierte Drucke, etwa aufgrund von Druckfehlern. Diese werden üblicherweise nach Beendigung des Druckauftrags in der Druckerei vernichtet, worüber ebenfalls Protokoll geführt wird. Die Definition Makulatur erfüllt der vorliegende Schein nicht. Er ist nicht während der Herstellung misslungen, sondern schlicht nicht fertig produziert worden. Es fehlt ein Randbeschnitt sowie die Nummerierung. Ob er aus Restbeständen der Druckerei stammt und dort (auf welchem Weg auch immer) der Vernichtung entgangen ist, oder zusammen mit den fertiggestellten Noten 1957 dem Sudan Currency Board übergeben worden ist, ist heute nicht mehr zu klären. Als kassenfrisches Originalstück ist der Schein selten und gesucht. Als unfertiges Exemplar stellt er eine schöne Ergänzung zum gelaufenen Stück dar, an dem man die technische Herstellung der Banknote nachvollziehen kann. Zum Vergleich: Sudan, Currency Board, 25 Piaster vom 05.09.1956, gelaufenes Stück (Vorder- und Rückseite, Sammlung Dr. Sven Gerhard. Objekttyp: Banknote (unfertig) Sammlung: Sammlung Dr. Sven Gerhard Authentizität: Original Land/Region/Ort: Sudan Emittent: Sudan Currency Board Nominal: 25 Piaster Datierung: 5. September 1956 Vorderseite: Emittent, Zahlungsversprechen, Wertangabe in arabischer Schrift, Polizeitruppe mit Gewehr. Rückseite: Emittent und Wertangabe in Englisch, Postreiter auf Dromedar. Unterschriften: Ibrahim Osman Ishag und Mamoun Ahmed A. Beheiry. Material: Papier mit roten und blauen Planchetten. Format: 131 mm x 65 mm. Druck: Waterlow & Sons, London. Nummerierung: keine Umlauf: der Originalschein, ab April 1957 bis vermutlich 1970er-Jahre. Zitate : Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II–General Issues - zu 1 B, The Banknote Book - zu SCB1. Dr. Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .

  • Finnland: Eine nicht ausgegebene 5000-Markkaa-Banknote

    Vor kurzem habe ich über eine irische 100-Pfund-Banknote berichtet, die nie ausgegeben wurde. Über diese Banknote können Sie HIER lesen. Einer unserer engagierten Leser in Thüringen machte uns auf eine weitere, nicht ausgegebene Vor-Euro-Banknote aufmerksam, diesmal aus Finnland. 1986 gab die Suomen Pankki (Bank von Finnland) eine neue Serie heraus, die prominente Finnen aus verschiedenen historischen Epochen zeigt. Die neuen Banknoten sollten in erster Linie die Sicherheit erhöhen, und ihre Ausgabe fiel mit dem 175-jährigen Bestehen der Bank zusammen. Die Motive der 10-, 20- und 50-Markkaa-Scheine spiegeln die Zeit der Unabhängigkeit Finnlands wider, die 100- und 500-Markkaa-Scheine beziehen sich auf das Großherzogtum Finnland (Teil des Russischen Reiches), und der 1000-Markkaa-Schein steht für die Zeit, als Finnland zum Königreich Schweden gehörte (vor 1809). Finnlands 1986 ausgegebene Serie ( prominente Finnen ). Die folgenden Porträts erscheinen auf den Banknoten in aufsteigender Reihenfolge der Nennwerte: Paavo Nurmi (olympischer Läufer), Alvar Aalto (Architekt und Designer), Jean Sibelius (Komponist), Elias Lönnrot (Universalgelehrter, Arzt, Philosoph, Dichter, Musiker, Sprachwissenschaftler, Journalist, Philologe und Sammler traditioneller finnischer mündlicher Poesie) und Anders Chydenius (lutherischer Pfarrer und Mitglied des schwedischen Reichstags). Auch eine 5000-Markkaa-Banknote wurde entworfen. Die Bank von Finnland gab die Zeichnungen für die Banknote bei Torsten Ekström in Auftrag, einem finnischen Grafiker, der sowohl Briefmarken als auch Banknoten entwarf. Die 5000-Markkaa-Note wäre eine Fortsetzung der Banknotenserie von 1986 gewesen, die von Ekström und Erik Bruun, ebenfalls einem finnischen Grafiker, entworfen worden war. Mit dem 5000-Markkaa-Schein sollte Mikael Agricola (1510-1557) geehrt werden, ein finnischer lutherischer Geistlicher, der de facto zum Begründer der finnischen Schriftsprache wurde und ein prominenter Befürworter der protestantischen Reformation in Schweden war, zu der damals auch Finnland gehörte. Er wird oft als "Vater des literarischen Finnisch" bezeichnet. Die Hauptgründe für das Scheitern der Ausgabe der Banknote waren die langsame Inflation und die moderaten Abwertungen der Währung. Der Wert einer so großen Stückelung wurde zu dieser Zeit letztendlich als zu hoch angesehen. Im Jahr 1986 betrug der durchschnittliche Wechselkurs 1 DM = 2,3346 Markkaa. Im Jahr 1990 lag er bei 2,3665. Dies entsprach ca. 2142 DM (€ 1095) bzw. 2113 DM (€ 1080). Es gab einfach keinen wirklichen Bedarf für eine so große Stückelung. Außerdem wurden die Zentralbanken in den 1990er Jahren immer vorsichtiger. Banknoten in großen Nominalen zogen Geldwäscher, Steuerhinterzieher und andere Personen in den Grauzonen der Wirtschaft an. Torsten Ekström skizzierte das Gesicht von Mikael Agricola auf der Vorderseite der Banknote nach einer Statue von Oskari Jauhiainen, die 1952 vor dem Dom von Turku enthüllt wurde. Ekström zeichnete den Dom von Turku für die Rückseite des Scheins. Die Originalzeichnungen dieser geplanten Banknote und anderer Markkaa-Banknoten können im Geldmuseum der Bank von Finnland im Detail betrachtet werden. Donald Ludwig

  • Neue Euros kommen: Der Design-Wettbewerb hat begonnen!

    Im Januar 2015 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Entwürfe für die dritte Serie von Euro-Banknoten bekannt gegeben. Wir haben HIER in unserem Blog darüber berichtet. Am 15. Juli 2025 startete die EZB einen öffentlichen Wettbewerb für die Gestaltung der künftigen Euro-Banknoten. Dies ist der nächste Schritt im Verfahren der Neugestaltung der Euro-Banknoten. Der EZB-Rat hat nach Anhörung von Experten und der Öffentlichkeit bereits zwei mögliche Themen für die künftigen Euro-Banknoten ausgewählt: "Europäische Kultur", mit dem Schwerpunkt auf gemeinsamen Kulturräume und bedeutende Europäer, sowie "Flüsse und Vögel", mit dem Schwerpunkt auf der Widerstandsfähigkeit und Vielfalt der natürlichen Ökosysteme in Europa. Im Januar wählte der EZB-Rat außerdem Motive zur Veranschaulichung der beiden möglichen Themen aus, die in dem oben erwähnten Beitrag dargestellt sind. Drei der sechs vorgeschlagenen Persönlichkeiten (Europäische Kultur). Drei der sechs vorgeschlagenen Vögeln (Flüsse und Vögel). Ziel des Wettbewerbs, an dem Grafikdesigner mit Wohnsitz in der Europäischen Union teilnehmen dürfen, ist es, die besten Gestaltungsvorschläge für die künftigen Euro-Banknoten zu ermitteln. Der Wettbewerb läuft in zwei Phasen ab: eine Bewerbungsphase und eine Entwurfsphase. In der Bewerbungsphase müssen die Designer die in der Wettbewerbsbekanntmachung aufgeführten spezifischen Anforderungen erfüllen. Die Bewerber werden auf der Grundlage ihrer Qualifikationen und Leistungen bewertet. Ausgewählte Entwerfer werden zur Teilnahme an der zweiten Phase eingeladen und können ihre Entwürfe einreichen. Eine Gruppe unabhängiger Experten wird die Vorschläge bewerten und bis zu fünf pro Thema auswählen. Nach Abschluss des Wettbewerbs wird die Öffentlichkeit aufgefordert, ihre Meinung zu den ausgewählten Entwürfen abzugeben. Der EZB-Rat wird voraussichtlich bis Ende 2026 über die endgültigen Entwürfe entscheiden. Die neuen Banknoten werden einige Jahre nach dieser Entscheidung und nach dem Produktionsprozess für den Umlauf bereit sein. Gestalter, die an einer Teilnahme interessiert sind, werden gebeten, ihre Bewerbung bis zum 18. August, 12:00 Uhr MEZ, einzureichen. Weitere Informationen zum Designwettbewerb finden Sie HIER . Donald Ludwig

  • Reisescheckverkehr in der DDR

    Reiseschecks waren über viele Jahre weltweit ein beliebtes Reisezahlungsmittel, bevor Kreditkarten diese Funktion übernahmen. Sie konnten am Wohnsitz des Reisenden bei Banken oder anderen Einrichtungen gegen eine Gebühr käuflich erworben und am Reiseziel gegen Bargeld umgetauscht oder zur Bezahlung verwendet werden. Dafür musste der Inhaber sich mit einer zweiten Unterschrift auf dem Scheck legitimieren (Gegenzeichnung), nachdem die erste Unterschrift bereits bei Ausgabe des Schecks zu leisten war. Daneben boten die Schecks den Vorteil, dass sie bei Verlust ersetzt wurden. Reiseschecks sind ein eigenes Sammelgebiet. Sie können auch eine interessante Ergänzung zu einer Geldscheinsammlung sein, weil sie im Reiseverkehr eine Bargeldersatzfunktion hatten. Es lohnt ein Blick auf gelaufene Reiseschecks, die Ausgabestelle, den Ausgabeort und das Ausgabedatum, sowie den Einlösungsort – jeder Scheck erzählt die Geschichte einer Reise.   Der Reisescheck mit Gegenzeichnung wurde von American Express Company entwickelt. Nach einer Europareise hatte sich ein Angestellter der Firma beklagt, dass er außerhalb der europäischen Hauptstädte kein Bargeld eintauschen konnte. William C. Fargo, der Neffe des American-Express-Mitinhabers William G. Fargo, löste den ersten Reisescheck in Höhe von 50 US-Dollars am 5. August 1891 im Hotel Hauffe in Leipzig ein [1] .   Reisescheck der Staatsbank der DDR über 50 Mark, ausgegeben am 17. Oktober 1986 in Budapest von der Ungarischen Nationalbank und eingelöst im Oktober 1986 bei einer Kreisfiliale der Staatsbank der DDR, genaues Datum und Ort unleserlich. Reisescheck der Staatsbank der DDR über 50 Mark: Rückseite mit Ausgabestempel der Ungarischen Nationalbank und Druckvermerk. Auch im Reiseverkehr zwischen sozialistischen Staaten waren seit den 1950er Jahren Reiseschecks gebräuchlich, die von den Staats- oder Außenhandelsbanken der RGW-Länder ausgegeben wurden [2] . Die ersten Auslands-Reiseschecks der DDR gab 1957 die Deutsche Notenbank aus. Sie lautenden auf Deutsche Mark (der Deutschen Notenbank), bekannt sind Schecks in den Wertstufen 5, 20, 100 und 500 DM-DN. Es gibt zwei unterschiedliche Verwendungsweisen und entsprechend zwei unterschiedliche Ausführungen – zum einen Schecks, die von DDR-Bürgern für Reisen in sozialistische Länder verwendet wurden. Auf der Rückseite sind hier feste Beträge in Landeswährungen sozialistischer Staaten angegeben, zu denen der Scheck im Ausland eingewechselt werden konnte. Zum anderen gibt es Schecks, die im Ausland erworben und in der DDR eingelöst wurden, ein roter Aufdruck auf der Vorderseite des Schecks „Zahlbar in der Deutschen Demokratischen Republik“ sowie die auf der Rückseite aufgeführten Einwechselbestimmungen in der DDR machen das deutlich. Von 1967 bis 1978 übernahm die Ausgabe von Reiseschecks in der DDR die Deutschen Aussenhandelsbank (DABA), die Schecks zu 20, 50, 100, 200 und 500 Mark der DDR ausgab [3] , von denen es ebenfalls analog der Deutschen Notenbank zwei unterschiedliche Ausführungen gibt und die damit sowohl im Reiseverkehr von DDR-Bürgern in das Ausland (Nominale zu 50, 200 und 500 Mark, Serien D-F) als auch - mit Aufdruck - für Reisen in die DDR Verwendung fanden (Nominale zu 20, 100 und 500 Mark, Serien A-C). Identifizieren lassen sich die Ausgabejahre anhand der Druckvermerke auf den Rückseiten der Schecks, die in der DDR für jedes Druckerzeugnis obligatorisch waren [4] . Ab 1978 wurden Reiseschecks von der Staatsbank der DDR ausgegeben. Es gibt nur noch eine Serie mit Wertstufen zu 50, 200 und 500 Mark [5] , die bis 1990 ausgegeben wurden und die grundsätzlich für Reisende aus sozialistischen Staaten in die DDR bestimmt war, wenngleich eine Verwendung durch DDR-Bürgern im Ausland für bestimmte Länder nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden kann. Gelaufene Exemplare dieser Serie sind in der Regel für wenige Euro erhältlich, während gelaufene Exemplare der Reiseschecks der Deutschen Notenbank und der DABA sehr selten sind.   Reisescheck der Rumänischen Aussenhandelsbank über 500 Lei, verkauft am 4. September 1984 durch die Staatsbank der DDR Kreisfiliale Gera und eingelöst am 15. September 1984 in Cluj, Rumänien. Reisescheck der Rumänischen Aussenhandelsbank über 500 Lei: Rückseite mit Einlösungsstempel Cluj. Reiseschecks der sozialistischen Staaten erfüllten einen anderen Zweck als etwa die von Banken, Thomas Cook oder der American Express in westlichen Ländern ausgegeben Reiseschecks in konvertiblen Währungen: Während letztere vor allem dazu dienten, den Reisezahlungsverkehr zu erleichtern, unbegrenzt gültig waren, eine Versicherung bei Diebstahl und Verlust boten und grundsätzlich in unbegrenzter Höhe erworben werden konnten, hatten die Reiseschecks der RGW-Staaten vor allem die Funktion, die Zuteilung von Reisedevisen an Bürger des eigenen Landes im Rahmen der unter den Staats- und Außenhandelsbanken verhandelten Devisenkontingenten zu steuern, da die Währungen dieser Länder nicht konvertibel waren [6] . Das erkennt man auch an den recht hohen Nennwerten der Schecks (die Schecks der Deutschen Notenbank über 5 DM-DN bilden hier eine frühe Ausnahme) – es sollte ein einmaliger Umtausch des für die Reise notwendigen Betrages im Reiseland erfolgen. Vermieden werden sollte durch die Ausgabe von Reiseschecks, Reisende nur mit Bargeld des Reiseziellandes ausstatten zu müssen, dessen Ein- und Ausfuhr auch im Reiseverkehr zwischen sozialistischen Staaten der Höhe nach begrenzt war. Auch die Ausfuhr heimischer Währung zwecks Umtauschs im Reiseland war nicht erwünscht, da dieses die Devisenplanung gestört hätte. Daher war auch die Gültigkeit von Reiseschecks in sozialistischen Ländern regelmäßig auf 6 bzw. 12 Monate ab Ausstellungsdatum beschränkt, nämlich um eine zeitnahe Abrechnung und eine Anrechnung auf bestehende Devisenkontingente sicherzustellen. Im Reiseverkehr zwischen sozialistischen Ländern erfolgte in der Praxis eine Ausstattung von Reisenden bei kürzeren Reisen mit Bargeldbeträgen in ausländischer Währung, während bei längeren Reisen eine Ausstattung mit Reisezahlungsmitteln regelmäßig in Form eines kleineren Bargeldbetrages, sowie im Übrigen in Reiseschecks erfolgte.   Die Grundlage für die Ausgabe von Reiseschecks im Reiseverkehr zwischen den sozialistischen Staaten bildet das sogenannte Bukarester Abkommen vom 24. Juni 1963. Darin verpflichteten sich die Staaten des RGW, ihren Bürger bei Reisen in das sozialistische Ausland den Umtausch von Fremdwährungen im Gegenwert von 10 Rubel je Aufenthaltstag im Ausland zu ermöglichen. Was einfach klingt, sorgte in der Praxis oft für zähe Verhandlungen zwischen den Staatsbanken der Länder, insbesondere wenn es um die rechtzeitige Zurverfügungstellung vereinbarter Bargeldbeträge und Reisescheck-Kontingente sowie die Umrechnung der einzelnen Währungen zueinander ging. Diese standen zwar in einem festen Verhältnis zum sowjetischen (Transfer-)Rubel, jedoch kamen im touristischen Reiseverkehr oftmals abweichende Kurse zur Anwendung, über die intensiv verhandelt wurde.  Reisescheck über 50 Pesos der Banco Nacional de Cuba, verkauft am 27. November 1987 durch die Staatsbank der DDR Kreisfiliale Dresden und eingelöst am 2. Dezember 1987 auf Kuba. Gedruckt wurden diese Schecks in der Staatsdruckerei der Tschechoslowakei in Prag, erkennbar an der Kontrollnummer. Reisescheck über 50 Pesos der Banco Nacional de Cuba: Rückseite mit Einlösestempel vom 2. Dezember 1987 und Abrechnungsstempel der Banco Nacional de Cuba vom 7. Dezember 1987. Für den Reisescheckverkehr in der DDR regelte ab März 1979 die Anordnung über die Durchführung des Reisescheckverkehrs vom 5. Januar 1979 [7] die Details des An- und Verkaufs von Reiseschecks, einmal bezogen auf die Ausgabe und Einlösung von auf Mark lautenden Reiseschecks der Staatsbank der DDR, zum anderen bezogen auf die Ausgabe von Schecks auf Währungen der RGW-Länder und anderer Staaten. Nach § 3 der Verordnung wurden auf Mark lautende Reiseschecks durch die Staatsbank der DDR ausländischen Banken auf Grundlage der mit diesen getroffenen Vereinbarungen zur Verfügung gestellt, während gemäß § 9 die Kreditinstitute der DDR den Verkauf von Reiseschecks ausländischer Währungen gegen eine Gebühr [8] und zu festgelegten Umrechnungskursen vornahmen, welche die Staatsbank der DDR von den jeweiligen Staatsbanken ebenfalls auf Grundlage getroffener Vereinbarungen erhalten hatte. Nach § 12 der Verordnung war mit Zustimmung der Staatsbank ein Verkauf von Reiseschecks in ausländischer Währung auch durch andere Betriebe möglich, etwa durch Reisebüros. Man muss also im Reiseverkehr unterscheiden zwischen in die DDR eingehenden Reiseschecks, die auf Mark lauteten und von der Staatsbank der DDR ausgegeben, und die im Ausland verkauft wurden, sowie den in der DDR verkauften Schecks der Staatsbank sozialistischer Länder in deren Währungen. Daneben war gemäß § 15 der Verordnung auch der Ankauf von Reiseschecks ausländischer Banken geregelt. Diese Regelung betraf neben den Reiseschecks aus westlichen Staaten auch solche Länder, mit denen die DDR kein Abkommen über die Zuteilung von Reisedevisen geschlossen hatte. Die Gültigkeit von Reiseschecks der Staatsbank der DDR betrug 12 Monate ab Ausstellungsdatum. Ein Rücktausch nicht verbrauchter Reiseschecks in ausländischen Währungen war innerhalb der Gültigkeitsdauer bei den Verkaufsstellen spesenfrei möglich.   Das System der gegenseitigen Vereinbarungen über die Zurverfügungstellung von Reisevaluta in bar und in Form von Reiseschecks hatte sich bis Ende der 1970er Jahre zwischen den RGW-Staaten etabliert [9] . Zuvor – seit Mitte der 1960er Jahre – fand für den Verkauf von Reiseschecks in der DDR das sogenannte MARS-System Anwendung. MARS steht für Mark-Auslandsreiseschecks: Bestanden keine gesonderten Abkommen mit ausländischen Staats- oder Handelsbanken über den Verkauf von Reiseschecks lautend auf die Währungen dieser Länder, erhielten Reisende aus der DDR auf DM (DNB), MDN bzw. Mark lautende Schecks der Deutschen Notenbank, der Deutschen Außenhandelsbank bzw. der Staatsbank der DDR, die dann im Ausland zu zwischen den Staatsbanken vereinbarten Wechselkursen in Landeswährung umgetauscht werden konnten. 1981 waren bei der Staatsbank der DDR Reiseschecks in tschechoslowakischen Kronen, Z ł otych, Rubel, Forint, Lewa, Lei und nordkoreanischen Won verfügbar, daneben auch solche in jugoslawischen Dinar. 1982 kamen Schecks aus Kuba hinzu und 1986 solche aus der Mongolei.   Reisescheck über 50 Rubel der Aussenhandelsbank der UdSSR, verkauft am 20. August 1973 durch das Reisebüro der DDR Zweigstelle Dresden, Ernst-Thälmann-Straße 22 und eingelöst am 11. September 1973 in der UdSSR, Einlösungsort und Einlösestelle unbekannt. Reisescheck über 50 Rubel: Rückseite. Hinter der Ausstattung von DDR-Touristen mit Reiseschecks stand ein komplexes System jährlicher Verhandlungen der Staatsbank der DDR mit den Staatsbanken anderer sozialistischer Länder, teilweise unter Einschaltung der Finanzministerien, über die Zuteilung von Reisedevisen in Form von Bargeld und Reiseschecks. Dem voraus ging eine Einschätzung des Bedarfs an einzelnen Währungen pro Jahr durch die Staatsbank der DDR, die sogenannte Valutadienstleistungsplanung. Aus den Beschränkungen der geplanten Beträge an fremden Währungen resultierten für die meisten Währungen [10] ein maximal zulässiger Umtauschbetrag pro Reisenden und Reisetag.   Für den Staatshaushalt der DDR blieb der Saldo des Austauschs von Devisenkontingenten zu Reisezwecken mit anderen sozialistischen Ländern negativ, d.h. es wurden mehr Reisedevisen an DDR-Touristen ausgegeben als von Besuchern aus sozialistischen Ländern eingenommen. 1981 etwa stellte die Staatsbank der DDR für den nichtorganisierten Tourismus Reisezahlungsmittel im Gegenwert von 578 Millionen Mark zur Verfügung [11] , während die Gesamteinnahmen aus dem Tourismus von Reisenden aus sozialistischen Ländern einschließlich des organisierten Tourismus in die DDR nur mit 516 Millionen Mark geplant worden waren. Die negative Differenz musste durch die DDR mittels Exporten in die jeweiligen Länder ausgeglichen werden.   Schwierigkeiten bestanden seit Ende der 1970er Jahre wegen der stetig steigenden Anzahl von Touristen aus der DDR insbesondere im Verhältnis zu Ungarn, da die dortige Staatsbank die Lieferung zugesagter Kontingente an Forint in bar und in Reiseschecks wegen der anhaltend negativen Devisenbilanz und des Ausbleibens zugesagter Warenlieferungen aus der DDR mehrfach zurückhielt. Da der Forint bei der Staatsbank der DDR knapp blieb, konnten auch die Umtauschbeträge für Reisende aus der DDR nach Ungarn nicht erhöht werden. Angesichts des für DDR-Touristen hohen Preisniveaus in Ungarn führte das im Ergebnis zu einer verstärkten illegalen Ausfuhr von Mark und einem Umtausch vor Ort auch durch ungarische staatliche Banken, was wiederum die Staatsbank der DDR alarmierte [12] . Umgekehrt lehnte aber auch diese etwa Anfang der 1980er Jahre Forderungen der polnischen Nationalbank nach einer Erhöhung der Kontingente an Reiseschecks in Mark für Reisende aus Polen ab, was sicherlich den politischen Verhältnissen dort und einer gewünschten Reduzierung auch des Einkaufstourismus aus Polen in die DDR geschuldet war.   Je Land gab es Unterschiede hinsichtlich der Höhe der durch Reisende maximal zu erwerbenden Beträge in Landeswährung und damit in Reiseschecks. Touristen, die in die UdSSR und Polen reisten, konnten 1981 unbegrenzt Landeswährung erwerben, was angesichts praktisch fehlender Individual-Reisemöglichkeiten in die UdSSR und wegen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten nach Polen aufgrund des dort herrschenden Kriegsrechts ohne große Bedeutung blieb. Touristen nach Ungarn konnten bis zu 30,- Mark pro Reisetag, nach Bulgarien bis zu 40,- Mark pro Tag, nach Rumänien bis zu 20,- Mark pro Tag umtauschen. Die Bargeldbeträge für den Erwerb von Währungen dieser Länder waren gedeckelt, für den übersteigenden Betrag wurden Reiseschecks ausgegeben. Für touristische Tagesreisen in die ČSSR galt ein Ausstattungslimit von 60,- Kronen je Person, für 2-Tagesreisen 100,- Kronen pro Tag, für Reisen ab drei Tagen 120,- Kronen pro Tag, wobei für kürzere Reisen nur Banknoten ausgegeben werden sollten. Große Sprünge waren mit diesen Geldbeträgen im Reiseland jedenfalls nicht möglich.   Aufstellung der Staatsbank der DDR für die Abgabe von Lewa-Banknoten und Lewa-Reiseschecks für touristische Reisen nach Bulgarien, mit Umrechnungskursen und Spesen als Arbeitsvorgabe für die Filialien der Staatsbank, 1981. Quelle: Bundesarchiv. Komplex und bürokratisch gestaltete sich die Disposition über die Scheckbestände in ausländischen Währungen bezogen auf den geschätzten Bedarf insbesondere während der Hauptreisezeit im Sommer, die rechtzeitige Bestellung von Schecks bei den Staatsbanken der sozialistischen Länder, die bedarfsgerechte Verteilung der Scheckbestände auf die Filialen der Staatsbank der DDR in den einzelnen Bezirken sowie auf andere mit dem Verkauf befasste Institutionen wie etwa Reisebüros, sowie im Rahmen des Verkaufs die Überwachung der Einhaltung von Umtauschhöchstbeträgen. Der mit der Ausgabe und Einlösung von Reiseschecks verbundene Verwaltungsaufwand bei der Staatsbank der DDR und den am Verkauf von Reiseschecks beteiligten Kreditinstituten war erheblich und band gerade in den Sommermonaten in größerem Umfang Personalkapazitäten.   Reisen blieb auch zwischen sozialistischen Staaten ein (finanzielles) Abenteuer, von dem jeder Reisescheck eine kleine Geschichte erzählen kann. Dr. Sven Gerhard Hinweis Den Ausführungen liegen Unterlagen der Staatsbank der DDR zum Reisezahlungsverkehr zugrunde, die sich heute im Bundesarchiv in Berlin befinden. Ich danke Dr. Frank Metasch, Dresden, für seine Anmerkungen und Kommentare. Anmerkungen [1] Wikipedia Stichwort „Reisescheck“, https://de.wikipedia.org/wiki/Reisescheck , abgerufen am 29.12.2024. [2] S. etwa für die ČSSR Sustek, Korunové cestovné šeky Národnej a Štátnej banky československej z obdobia 1947 – 1992 (Kronen-Reiseschecks der National- und Staatsbank der Tschechoslowakei im Zeitraum 1947-1992), Numismatik 2016, S. 139 (in tschechischer Sprache), oder für Rumänien das Buch von Vasiliţă und Ivan, BANII TURIŞTILOR, Bukarest 2020. [3] S. Huschka, Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR, Neuausgabe 202, RS16 – RS 25. [4] Dazu Grabowski, Reiseschecks der Deutschen Aussenhandelsbank AG der DDR, geldscheine-online.com vom 8. November 2021. [5] Huschka RS27 – RS29. [6] Dazu etwa Gwiazda, Das Währungssystem der RGW-Länder, APuZ 4/1986. [7] Gesetzblatt der DDR 1979 Teil I, S. 48. Ob es bereits vor diesem Zeitpunkt Verordnungen über den Reisescheckverkehr in der DDR gegeben hat, bedarf weiterer Recherche. [8] Diese betrug zwei Prozent des Umtauschbetrages. [9] Ein solches Abkommen bestand beispielsweise seit 1973 mit der CSSR und seit 1974 mit Ungarn. [10] Außer Rubel und Zlotych [11] Interessant ist die Aufspaltung dieses Betrages nach Ländern – für die CSSR waren es 325 Millionen Mark, für Ungarn 142 Millionen Mark, für die UdSSR 64 Millionen Mark, für Polen 23 Millionen Mark, für Bulgarien 18 Millionen Mark und für Rumänien 6 Millionen Mark. Daneben gab es Kontingente für beruflich veranlasste sowie „gesellschaftlich organisierte“ Reisen, und für den Kultur- und Sportaustausch. [12] Aus einem Vermerk des Stellvertreters des Präsidenten der Staatsbank der DDR über ein Gespräch vom 1.7.1981 mit dem stellvertretenden Finanzminister der DDR.

  • Neue Euros kommen: Europäische Kultur oder Flüsse und Vögel?

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 31. Januar 2025 die Motive für die dritte Serie der Euro-Banknoten bekannt gegeben. Die Euro-Banknoten der ersten Serie wurden am 1. Januar 2002 eingeführt, gefolgt von der zweite Serie, die ab 2013 in Umlauf gebracht wurde. Die Absicht, die neuen Euro-Banknoten anders zu gestalten, wurde schon im Dezember 2021 bekannt gegeben. Die neuen Euro-Banknoten sollten möglichst nachhaltig und umweltfreundlich sein. Deshalb befasst die EZB mit ihrem ökologischen Fußabdruck, um herauszufinden, wie sich ihre Umweltauswirkungen mit neuen Produkten und Verfahren verringern lassen. Im Zuge der Neugestaltung kann man die Banknoten überdies inklusiver für alle Menschen in Europa machen. Am 29. November 2023 beschloss der EZB-Rat, die nächste Stufe des Neugestaltungsprozesses für die Euro-Banknoten einzuleiten: Die Themen "Europäische Kultur" sowie "Flüsse und Vögel" und die zugehörigen Motive sollen weiter bearbeitet werden. Thema: Europäische Kultur Europa besitzt ein reiches kulturelles Erbe. Seine dynamische Kultur- und Kreativszene stärkt die europäische Identität und schafft ein Zugehörigkeitsgefühl. Kultur fördert gemeinsame Werte, schließt niemanden aus und sorgt für Austausch in Europa und in der Welt. Kultur bringt Menschen zusammen. Folgende Persönlichkeiten und Motive wurden ausgewählt: 5 Euro: Darstellende Kunst Vorderseite: Maria Callas Rückseite: Straßenkünstler (Musik, Tanz, Theater) unterhalten vorbeilaufende Menschen. 10 Euro: Musik Vorderseite: Ludwig van Beethoven Rückseite: Sängerfest mit Chor aus Kindern und jungen Erwachsenen. 20 Euro: Schulen und Universitäten Vorderseite: Marie Curie Rückseite: Schule oder Universität und Lehrerin mit Schülerinnen und Schülern bzw. Studenten. Auf den Tischen liegen Notebooks und Bücher. 50 Euro: Bibliotheken Vorderseite: Miguel de Cervantes Rückseite: Eine Bibliothek, in der einige Erwachsene Bücher und E-Bücher lesen. Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen versuchen, sich ein Buch aus einem Regal zu holen. 100 Euro: Museen und Ausstellungen Vorderseite: Leonardo da Vinci Rückseite: Personen unterschiedlichen Alters bewundern sog. "Streetart", zeitgenössische Kunst usw. 200 Euro: Öffentliche Plätze Vorderseite: Bertha von Suttner Rückseite: Ein Platz mit Bäumen, auf dem Jung und Alt zusammenkommen, sich unterhalten, spazieren gehen und spielen. Obere Reihe: Maria Callas, Ludwig van Beethoven, Marie Curie. Untere Reihe: Miguel de Cervantes, Leonardo da Vinci, Bertha von Suttner. Maria Callas ist bisher nie auf einer Banknote erschienen, sondern nur auf Euro-Münzen. Ludwig van Beethoven ist bis heute nicht auf einer Banknote, sondern nur auf Münzen und ein Paar Notgeldscheinen aus Bonn abgebildet worden. Marie Curie erschien auf der letzten 500-Francs-Note Frankreichs, auf Banknoten aus Polen und auf Münzen. Miguel de Cervantes erschien auf Banknoten aus Spanien und auch auf Münzen. Leonardo da Vinci erschien auf italienischen Banknoten und auch auf Münzen. Bertha von Suttner erschien auf einer 1000-Schilling-Note aus Österreich und auch auf Münzen. Thema: Flüsse und Vögel Flüsse und Vögel kennen keine Grenzen. Sie stehen für die Freiheit und Einheit der Menschen in Europa und symbolisieren unsere Naturverbundenheit. Europa verfügt über zahlreiche Flüsse und Vogelarten, die uns inspirieren und daran erinnern, dass wir für den Schutz unserer Umwelt verantwortlich sind. Folgende Motive wurden ausgewählt: 5 Euro: Vorderseite: Gebirgsquelle / Ein Mauerläufer neben einer Gebirgslandschaft Rückseite: Europäisches Parlament 10 Euro: Vorderseite: Wasserfall / Ein Eisvogel in einem Wasserfall oder langsamen Flussabschnitt Rückseite: Europäische Kommission 20 Euro: Vorderseite: Eingegrabenes Flusstal / Ein Schwarm von Bienenfressern in einer Sandwand entlang des Ufers eines breiten, eingegrabenen Flusstals Rückseite: Europäische Zentralbank 50 Euro: Vorderseite: Gewundener Fluss / Ein Weißstorch fliegt über ein gewundenes, flaches Flusstal Rückseite: Gerichtshof der Europäischen Union 100 Euro: Vorderseite: Flussmündung / Ein Säbelschnäbler sucht im Schlamm nach Nahrung Rückseite: Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union 200 Euro: Vorderseite: Meereslandschaft / Ein Basstölpel schwebt über hohen Ozeanwellen Rückseite: Europäischer Rechnungshof Obere Reihe: Mauerläufer, Eisvogel, Bienenfresser. Untere Reihe: Weißstorch, Säbelschnäbler, Basstölpel. Nun, da die Motive für die beiden Themen der künftigen Euro-Banknoten ausgewählt sind, kann der Gestaltungswettbewerb stattfinden. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen wird die EZB über ihre offiziellen Kommunikationskanäle bekannt geben. Sobald der EZB-Rat eine Vorauswahl der Entwürfe getroffen hat, werden wir, die Bürger, zu unseren Präferenzen befragt. Über die künftigen Designs wird der EZB-Rat dann vermutlich 2026 entscheiden. Wenn die Entwürfe feststehen, wird der EZB-Rat festlegen, wann die neuen Euro-Banknoten hergestellt und ausgegeben werden. Bis die ersten Banknoten fertig sind und wir sie in den Händen halten können, werden allerdings noch einige Jahre vergehen. Donald Ludwig

  • Leserpost: Lagergeld des Zweiten Weltkriegs

    Guten Tag Herr Grabowski, ich habe in meiner Sammlung einen Schein Lagergeld 10 Pfennig auf bräunlichem Papier, ohne Wasserzeichen, entwertet und mit Unterschrift "Der Lagerkommandant" Hermann. Er hat Gebrauchsspuren! Ich gehe davon aus, dass er in einem Lager auch in Umlauf war. Die Entwertung ist sicherlich erfolgt, als die Lagerscheine mit Wasserzeichen Kreuzblüten und Unterschrift mit OKW in Umlauf kamen. Vielleicht lässt sich zu diesem Schein noch mehr sagen. Vielen Dank und mit besten Grüßen  G. Schulze Antwort der Redaktion Da haben Sie einen sehr seltenen Schein in Ihrer Sammlung. Leider ist bis heute nicht geklärt, was es mit der vermutlich ersten Auflage des Kriegsgefangenenlagergelds der Wehrmacht mit „Der Lagerkommandant“ auf sich hat. Diese Scheine, von denen bisher nur Werte zu 1 und 10 Reichspfennig sowie 1 und 5 Reichsmark nachgewiesen sind, zeigen zwei Faksimile-Unterschriften, davon eine "Hermann" und sollen ebenfalls das Wasserzeichen Kreuzblüten wie die späteren Ausgaben mit "Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht" haben. Laut Auskunft durch unseren Autor Uwe Bronnert, ist dessen Schein mit "Der Lagerkommandant" aber ebenfalls ohne Wasserzeichen ausgeführt. Es fehlen schlicht die entsprechenden Unterlagen bzw. diese wurden noch nicht gefunden. Da bietet sich ein wahrhaft interessantes Feld für die Forschung. Der Schein ist in meinem aktuellen Katalog „Die deutschen Banknoten ab 1871“ unter DWM-13 aufgeführt und mit LP bewertet. Allerdings wird hier das Wasserzeichen Kreuzblüten angegeben. Wenn Ihr Schein kein Wasserzeichen hat, dann ist zu prüfen, ob es sich tatsächlich um ein Original aus der Zeit oder aber um eine Fälschung handelt. Fälschungen ohne Wasserzeichen sind ja von den OKW-Ausgaben bekannt. Kriegsgefangenen-Lagergeld: Muster zu 10 Reichspfennig mit "Der Lagerkommandant". Kriegsgefangenen-Lagergeld: 10 Reichspfennig mit "Der Lagerkommandant" und Kontrollnummer. Die sichtlichen Gebrauchsspuren ihres Scheins deuten auf eine Nutzung in einem Lager hin. Die Gegenlichtaufnahme bestätigt, dass ihr Schein kein Wasserzeichen hat. Ich habe die Abbildung ihres Scheins mit der mir vorliegenden Abbildung eines Originals verglichen. Das Druckbild ist deckungsgleich und auch die Zifferntypen der Kontrollnummer stimmen überein. Der Schein ist also allem Anschein nach echt, wobei das fehlende Wasserzeichen Fragen aufwirft, zumal Gebrauchsspuren auch absichtlich erzeugt werden können. Ich gehe trotz allem davon aus, dass es sich um einen echten Schein aus der Zeit handelt. Interessant wäre es nicht nur zu klären, was es mit der vermeintlich ersten Auflage auf sich hat, sondern ob andere Sammler auch noch über derartige Stücke ohne Wasserzeichen verfügen, so wie Herr Bronnert. Vielleicht wurden sogar alle "Lagerkommandanten-Scheine" als Muster auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt? Hermann Reinecke als Angeklagter im OKW-Prozess 1947/48. Abb. Wikipedia. Die Entwertung hängt sicher mit der Einführung der OKW-Serie zusammen. Die OKW-Scheine tragen übrigens die Unterschrift von General Hermann Reinecke  (1888 – 1973), der von 1939 bis 1945 unter dem Chef des OKW, Wilhelm Keitel, verantwortlich für das Kriegsgefangenenwesen war. Ab 1942 war er außerdem Chef des Allgemeinen Wehrmachtsamtes im OKW und ab 1943 Chef des NS-Führungsstabes des OKW. Kriegsgefangenen-Lagergeld: 10 Reichspfennig mit "Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht" und Unterschrift von General Reinecke. Ob, und in welchen Kriegsgefangenen-Lagern die Ausgabe mit "Der Lagerkommandant" genutzt wurde sowie ab wann und wie lange sind natürlich spannende Fragen. Dass es sich ausschließlich um eine Musterserie handelt, die nie ausgegeben wurde, könnte ihr gebrauchter und entwerteter Schein widerlegen. Für die Musterserie sprechen allerdings die nicht bestimmbaren Unterschriften und die Bezeichnung "Der Lagerkommandant". Beides spricht dafür, dass ursprünglich die Ausgabe der Scheine – wahrscheinlich in Kombination mit Lagerstempeln und den Unterschriften der echten Lagerkommandanten – durch die einzelnen Lager erfolgen sollte, wie dies im Ersten Weltkrieg der Fall war. Wie bekannt, hat man sich dann auf die Einheitsausgabe durch das OKW verständigt und die teilweise noch verwendeten Abstempelungen durch einzelne Lager eingestellt. Gegen die Muster-Theorie spricht natürlich auch die Nummerierung. Bei Mustern ist nur die Serie 1 angegeben (siehe Abb.). Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis:  39,90 EUR Zur Leseprobe Zum Buch

  • Neue Weltbanknoten-Varianten: Juli 2025, Teil 1

    Honduras, Indien, Kolumbien, Madagaskar, Mauritius, Nigeria, Westafrikanische Staaten (Burkina Faso), Zentralafrikanische Staaten BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Honduras 5 Lempiras vom 09.05.2024 BNB B346f: wie BNB B346e (SCWPM 98), aber mit neuen Unterschriften (Santos/Ávila/Duarte) und neuem Datum (9 DE MAYO DE 2024). 10 Lempiras vom 09.05.2024 BNB B347f: wie BNB B347e (SCWPM 99), aber mit neuen Unterschriften (Santos/Ávila/Duarte) und neuem Datum (9 DE MAYO DE 2024). Anmerkung: Die Abbildung der obigen Rückseite ist von einer früheren Variante. Die Druckerei könnte von PWPW zu Oberthur Fiduciaire gewechselt haben. 20 Lempiras vom 09.05.2024 BNB B348f: wie BNB B348e (SCWPM 100), aber mit neuen Unterschriften (Santos/Ávila/Duarte) und neuem Datum (9 DE MAYO DE 2024). Anmerkung: Die Abbildung der obigen Rückseite ist von einer früheren Variante. Die Druckerei könnte von PWPW zu Oberthur Fiduciaire gewechselt haben. Indien 500 Rupees von 2025 BNB B303j: wie BNB B303i (SCWPM 114), aber mit neuer Unterschrift (Malhotra) und neuem Jahr. Kolumbien 50.000 Pesos vom 27.07.2021 BNB B997i: wie BNB B997h (SCWPM 462), aber mit neuen Unterschriften (Villar/Ocampo) und neuem Datum (27 DE JULIO DE 2021). 100.000 Pesos vom 24.10.2023 BNB B998g: wie BNB B998f (SCWPM 463), aber mit neuem Datum (24 DE OCTUBRE DE 2023). Madagaskar 100 Ariary, neue Auflage BNB B332c: wie BNB B332b (SCWPM 97), aber mit neuer Unterschrift (Andrianarivelo). 20.000 Ariary, neue Auflage BNB B339b: wie BNB B339a (SCWPM 104), aber mit neuer Unterschrift (Andrianarivelo). Mauritius 25 Rupees von 2024 BNB B430d: wie BNB B430c (SCWPM 64), aber mit neuem Jahr. Nigeria 1000 Naira von 2025 BNB B246f: wie BNB B246e (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Westafrikanische Staaten (Burkina Faso) 500 Francs CFA von 2025 BNB B120Cn: wie B120Cm (SCWPM 319C), aber mit neuem Jahr (20)25 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe C = Burkina Faso. Zentralafrikanische Staaten 500 Francs CFA, neue Auflage BNB B111b: wie BNB B111a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Bangui/Angue). Donald Ludwig (polymernotes.org) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book und Stane Straus, polymernotes.org )

  • Trinidad und Tobago: Neue 100-Dollars-Polymerbanknote auf unbestimmte Zeit verschoben

    Das neu gestaltete Staatswappen von Trinidad und Tobago, das das Steelpan anstelle der Schiffe von Christoph Kolumbus zeigt, hätte ohne zusätzliche Kosten in die neue 100-Dollars-Polymerbanknote integriert werden sollen. Das neue Staatswappen von Trinidad und Tobago. Die Einführung der neuen 100-Dollars-Polymerbanknote war ursprünglich für Dezember 2024 vorgesehen, wie HIER in unserem Blog berichtet, wurde aber aufgrund der Entscheidung, das Staatswappen des Landes neu zu gestalten, auf 2025 verschoben (wie HIER in unserem Blog berichtet). Der neu gestaltete 100-Dollars-Schein sollte dann im September 2025 in Umlauf gebracht werden, wie HIER in unserem Blog berichtet. Am 14. Juni 2025 gab die Zentralbank von Trinidad und Tobago die folgende Pressemitteilung heraus: [übersetzt] Update zur 100-Dollars-Banknote der Serie 2025 Im Anschluss an eine frühere Mitteilung an die Öffentlichkeit über die 100-Dollars-Banknote der Serie 2025 gibt die Zentralbank die folgende Aktualisierung bekannt, die sich wahrscheinlich auf den Zeitplan auswirken wird. Nach einer Aufforderung des Finanzministers, den Druck neuer Banknoten mit dem überarbeiteten Staatswappen bis auf weiteres auszusetzen, hat die Zentralbank die beauftragte Banknotendruckerei angewiesen, alle Arbeiten im Zusammenhang mit dem Druck, der Vorbereitung und der Gestaltung der 100-Dollars-Banknote der Serie 2025 einzustellen. Die Bank wird die Öffentlichkeit weiterhin über die Entwicklungen in diesem Bereich auf dem Laufenden halten. Donald Ludwig ( polymernotes.org )

  • Die Bank of England wird ihre Banknoten umgestalten

    Die von der Bank of England herausgegebenen Banknoten stehen vor der ersten größeren Umgestaltung seit mehr als 50 Jahren. Historische Persönlichkeiten wie Sir Winston Churchill, der auf der aktuellen Fünf-Pfund-Note abgebildet ist, sind seit 1970 auf den englischen Geldscheinen zu sehen, könnten aber bald ausgedient haben. Die Öffentlichkeit wird um ihre Meinung zu neuen Themen gebeten, z. B. Natur, Innovation oder Schlüsselereignisse der Geschichte. So könnten britische Vögel, Brücken oder "bangers and mash" (ein traditionelles britisches Gericht, das aus Würstchen und Kartoffelpüree besteht) auf den nächsten Serien der 5-, 10-, 20- und 50-Pfund-Banknoten zu sehen sein. Nationale Identität Die aktuelle 10-Pfund-Banknote mit König Charles III. abgebildet (Vorderseite). Der jeweils regierende Monarch ist seit 1960 auf den Noten der Bank of England zu sehen. Bilder historischer Persönlichkeiten, beginnend mit William Shakespeare, waren erstmals ein Jahrzehnt später auf der Rückseite zu sehen. Die Wahl der Motive hat die Bank gelegentlich in Schwierigkeiten gebracht. Die Tatsache, dass außer Königin Elisabeth II. keine Frauen auf den Banknoten abgebildet waren, löste 2013 eine heftige Gegenreaktion aus. Nun schlägt die Bank vor, dass die Designs der nächsten Banknotenserie ein neues Thema aufgreifen könnten. Während bemerkenswerte historische Persönlichkeiten nach wie vor eine Option sind, schlägt die Bank andere mögliche Themen vor: Architektur und Wahrzeichen, wie berühmte Gebäude oder Schlösser. Kunst, Kultur und Sport, einschließlich Essen, Film und Romane. Bemerkenswerte Ereignisse in der Geschichte. Innovation, z. B. Technologie oder Entdeckungen. Natur, z. B. Pflanzen, Tiere oder Naturlandschaften, wie Flüsse oder Küstenlandschaften. Victoria Cleland, Hauptkassiererin der Bank, fragt die Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, ihre Meinung zu äußern. Sie können auch eigene Themen vorschlagen, was zu vielen Witzen und Diskussionen führen könnte. "Banknoten sind mehr als nur ein wichtiges Zahlungsmittel. Sie sind eine symbolische Darstellung unserer kollektiven nationalen Identität und eine Gelegenheit, das Vereinigte Königreich zu feiern", sagte Victoria Cleland, die Hauptkassiererin der Bank, deren Unterschrift auf den Banknoten erscheint. "Ich bin sehr daran interessiert zu erfahren, welche Themen die Öffentlichkeit gerne dargestellt sehen würde". Die in Schottland und Nordirland ausgegebenen Banknoten tragen bereits Abbildungen von Wahrzeichen und Tieren wie Ottern und Fischadlern. Auf den Euro-Banknoten sind architektonische Stile abgebildet, und viele Banknoten aus aller Welt sind sehr bunt und innovativ. Die Banknoten der Bank of England sind weniger dramatisch und zeigen abstrakte geometrische Muster, Löwen oder die Britannia in früheren Jahren. Die historischen Persönlichkeiten auf der aktuellen Serie umlaufender Banknoten sind - in aufsteigender Reihenfolge des Nennwerts - Winston Churchill, Jane Austen, J. M. W. Turner und Alan Turing. Historische Persönlichkeiten zieren die Rückseiten der aktuellen Serie. Die Befragung der Öffentlichkeit bezieht sich auf die nächste Serie der Bank, die auch weiterhin ein Bild des Monarchen enthalten wird. Die Bürger können ihre Meinung bis Ende Juli über ein Online-Formular auf der Website der Bank oder per Post mitteilen. Die endgültige Entscheidung darüber, was genau auf einer Banknote abgebildet wird, liegt beim Gouverneur der Bank of England. Es sind mehr als 4,7 Milliarden Banknoten der Bank of England im Umlauf, die zusammen einen Wert von rund 86 Milliarden Pfund haben. Die Verwendung von Bargeld ist im Zuge der Weiterentwicklung der Zahlungsverkehrstechnologie auf 12 % der Transaktionen zurückgegangen, aber die Bank hat erklärt, dass sie Bargeld für diejenigen bereitstellen wird, die es verwenden möchten. Donald Ludwig ( polymernotes.org )

  • Aus privaten Sammlungen: 20 DM "Liberty" der Bank deutscher Länder von 1948

    Die Bank deutscher Länder wurde am 1. März 1948 durch Gesetz der US-amerikanischen, britischen und später auch der französischen Militärregierungen als Zentralbank und alleinige Notenbank für die drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands errichtet. Am 20. Juni 1948 kam es entsprechend Gesetz über die Neuordnung des Geldwesens zur Währungsreform, bei der alle bis dahin umlaufenden Reichsbanknoten, Rentenbankscheine und Noten der Alliierten Militärbehörde ungültig und durch neue Noten mit der Währungs- bezeichnung Deutsche Mark ersetzt wurden, die man in den USA gedruckt hatte. Zunächst wurde lediglich ein sog. „Kopfgeld“ in Höhe von 60 DM pro Person im Verhältnis 1:1 umgetauscht. Darüber hinaus erfolgte der Umtausch nur für anerkannte Gelder, Forderungen und Schulden im Verhältnis 10:1. Ausgegeben wurden Werte zu 1/2, 1, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 DM, wobei es von den Zwanzigern und Fünfzigern je zwei verschiedene Ausführungen gab. Neben den Scheinen der normalen Serie mit Datierung 1948 gab es auch 20- und 50-DM-Scheine ohne Datierung und mit weiblichen Kopfbildnissen (Liberty), die sehr viel seltener sind, aber auch zur Währungsreform in Umlauf kamen. Sie wurden allerdings schon 1949, also viel früher als die anderen Scheine der Währungsreform, aus dem Verkehr gezogen. Während die 20- und 50-DM-Scheine der normale Serie 1948 von der American Bank Note Company hergestellt worden waren, kamen die beiden Scheine mit weiblichen Kopfbildnissen aus der Druckerei Tudor Press in Boston. Die überraschende Währungsreform in den Westzonen war die logische Konsequenz aus den offenen Widersprüchen zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion, trug damit aber auch zur Teilung Deutschlands bei. Sie stand am Beginn des „Deutschen Wirtschaftswunders“, das ohne die DM nicht möglich gewesen wäre. Nachfolgerin der Bank deutscher Länder wurde 1957 die Deutsche Bundesbank. Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Reich, Deutschland unter alliierter Besatzung, US-amerikanische, britische und französische Besatzungszone, Bank deutscher Länder: 20 Deutsche Mark ohne Datum (1948), "Liberty" Vorderseite: Links weibliches Kopfbildnis im Oval (Liberty), guillochen, Wertzahlen in den vier Ecken Rückseite: Wertangabe in Ornamenten Wasserzeichen: ohne Format: 156 mm x 67 mm Druck: Tudor Press, Boston Massachusetts, USA Umlauf: 20. Juni 1948 – 3. August 1949 Katalogreferenzen: WBZ-9a (Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) FRG-9a (World Paper Money, Vol. II, General Issues) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .

  • Das preußische wertbeständige Notgeld von 1924: Der 5 Goldmark-Schein vom 3. Januar 1924

    Die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld bedurfte 1923 nach der Verordnung vom 26. Oktober 1923 der Genehmigung des Reichsministers der Finanzen. Die Genehmigung wurde von der Hinterlegung von Schatzanweisungen der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches in Höhe des ausgegebenen Notgeldes (Reichsgoldanleihe) oder später von 6 %igen Goldschatzanweisungen, die eigens zur Deckung dieses Notgelds geschaffen wurden, abhängig gemacht. [1] Der Chef der Heeresleitung und zu diesem Zeitpunkt der Inhaber der vollziehenden Gewalt, General Hans von Seeckt, hatte unter dem Datum des 12. November 1923 eine Verordnung erlassen, in der er zur Beschaffung von Lebensmitteln Länder, Provinzen und Kommunen zur Ausgabe wertbeständigen Notgelds berechtigte. Der eingetretene Frost lasse es nicht zu, lange zu überlegen, um dem drohenden Hunger in der Bevölkerung entgegenzutreten und zu gewährleisten, dass die Bevölkerung in den Städten mit Lebensmitteln versorgt werden kann. Das Notgeld dürfe, wie schon in der Verordnung vom 26. Oktober 1923 vorgesehen, nur insoweit ausgegeben werden, wie es vom Reichsfinanzministerium als gedeckt angesehen werde. Die Nichtannahme des Notgeldes in den Ausgabebezirken werde unter Strafe gestellt. [2]   Abb. 1: Generaloberst von Seeckt (links), mit Reichswehrminister Otto Geßler, 1926.   Am gleichen Tag schrieb General Hans von Seeckt an seinen früheren Ausbilder General Richard von Kraewel: „Eine tolle Zeit, in der ich zu allerlei Tätigkeit komme, für die Sie mich seinerzeit nicht ausgebildet haben. Geht die Sache also schief, so ist das Ihre Schuld. Finanzminister habe ich nicht gelernt und ich werde mir auch keine Freunde machen, mit dem mehr als je unrechten Mammon, und von der Landwirtschaft habe ich auch nur das Sprichwort von den dicksten Kartoffeln verstanden. Aber was macht der Soldat nicht alles! Heute drucke ich Geld und eine Zeitung.“ [3] Am 23. November 1923 erklärte der Chef der Heeresleitung, als Inhaber der vollziehenden Gewalt habe er mit dieser Verordnung wertbeständiges Notgeld fördern wollen, damit die Erntezufuhr in die verbrauchenden Städte gesichert werde. Auf Antrag des Reichsfinanzministeriums und im Einvernehmen mit ihm sei eine entsprechende Erklärung veröffentlicht worden. Wie bisher seien für die Ausgabe von Notgeld Anträge an das Reichsfinanzministerium zu stellen, das in Sonderfällen Ausnahmen hinsichtlich der Deckung gestatte. Das Notgeld stelle kein gesetzliches Zahlungsmittel gegenüber den Kassen des Reichs und der Länder oder der Reichsbank dar; allerdings müssten Länderkassen das vom jeweiligen Land ausgegebene Notgeld annehmen. [4] Die Verordnung vom 26. Oktober 1923 sah vor, dass das wertbeständige Notgeld zum 15. Dezember 1923 aufgerufen werde. Es blieb also wenig Zeit, um die Scheine zu produzieren und auszugeben. Am 12. Dezember 1923 wurde dieser Vorschrift entgegengetreten. In der zweiten Verordnung zur Änderung des Gesetzes über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld vom 17. Juli 1922 wurde dieser Termin auf unbestimmt verschoben und dem Reichsfinanzminister überlassen, den Termin in Einvernehmen mit der obersten Landesbehörde festzusetzen. [5]   Abb. 2: Reichsgesetzblatt I 1923, S. 1194, Zweite Verordnung zur Änderung des Gesetzes über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld vom 17. Juli 1922.   Damit war es möglich, auch nach dem 15. Dezember 1923 wertbeständiges Notgeld auszugeben. Diese Maßnahme war notwendig, da in stark landwirtschaftlich genutzten sowie industriellen Gegenden nicht auf das wertbeständige Notgeld verzichtet werden konnte, solange die Rentenmark nicht im vollen Umfang ausgegeben wurde. [6] Zudem erkannte man auch im Reichsfinanzministerium, dass die finanzielle Lage der Länder und Kommunen schlecht war. So erklärte Preußen, dass seine Kommunen zahlungsunfähig seien, wenn nicht Konzessionen zur Geld- oder Anleihenausgabe gemacht würden. [7] Hierbei spielte sicherlich der Beschluss des Reichsfinanzministeriums eine Rolle, zum 1. Januar 1924 die Zuschüsse zur Beamtenbesoldung der Länder und Gemeinden zwar weiterhin bei 75% zu belassen, aber aufgrund der veränderten Berechnungsgrundlage die Zuschüsse auf 35% reduziert würden. Da die Gemeinden innerhalb der kurzen Frist zwischen Weihnachten und Neujahr den Fehlbetrag nicht ausgleichen könnten, drohten die Gehaltszahlungen auszufallen. [8] Weil die Länder souverän ihre Anlagen gestalteten, sollten über preußische Provinzial-Obligationen die Mittel beschafft werden. Die Souveränität war allerdings dann beschränkt, wenn die Anleihestücke in ihrer Ausstattung im Wirtschaftsverkehr als Zahlungsmittel und nicht als Kapitalanlage verwendet werden sollen. Solche Anleihescheine sind Notgeld und müssen durch das Reichsfinanzministerium genehmigt werden. [9] Um die Gemeinden in dieser Notlage zu unterstützen, hat der Reichsfinanzminister zugelassen, Anleihezwischenscheine bis herunter zu Stückelungen zu 5 Mark auszugeben. [10] In diesem Zusammenhang ist der Schein zu 5 Goldmark mit dem Datum vom 3. Januar 1924 zu sehen, der nicht mehr ausgegeben wurde und von dem nur ein Exemplar im Berliner Münzkabinett bekannt ist. [11] Ein echtes Unikat, wie es scheint, das als einziges Exemplar der Vernichtung in den Öfen der Reichsdruckerei entgehen konnte. Abb. 3: Freistaat Preussen, Finanzminister, Druckprobe zu 5 Goldmark = 50/42 Dollar nordamerikanischer Währung vom 3. Januar 1924, Vorder- und Rückseite. Doch könnte es sein, dass es nicht doch noch weitere Exemplare gibt? Schließlich sollten auch keine Bundeskassenscheine, die 1967 durch die Bundesdruckerei im Auftrag des Bundesfinanzministeriums hergestellt wurden, um im Krisenfalle auf einen Kleingeldmangel vorbereitet zu sein, in Sammlerhände gelangen, sondern nach der deutschen Wiedervereinigung vernichtet werden. [12] Auch die Banknoten der DDR zu 200 und 500 Mark mit dem Datum 1985 waren nach der Wiedervereinigung nicht mehr notwendig und sollten vernichtet werden. Dennoch sind sowohl von den Bundeskassenscheinen, als auch von den hohen Banknoten der Staatsbank der DDR Exemplare auf dem Markt erhältlich und stecken in so manchem Album. Wäre so etwas auch in der Reichsdruckerei möglich gewesen? Der Diebstahl von zur Vernichtung bestimmter Geldzeichen, die so in unbefugte Hände kommen, sei es zu Sammlerzwecken oder zur Bereicherung? Dass die Reichsdruckerei auch in Friedenszeiten nicht gegen Diebstahl von geldwerten Druckerzeugnissen gefeit war, hatte 1898 die Grünenthal-Affäre gezeigt, die als größtes Ereignis dieser Art in der Reichsdruckerei gesehen werden kann. Hier hatte der Oberfaktor Paul Hugo Grünenthal Banknotenformulare, die als Druckausschuss vernichtet werden sollten, entwendet und mittels einer Tiegelpresse und eines „entliehenen“ Stempels und Ziffernsatzes zu Hause vervollständigt. Die so hergestellten Banknoten brachte er zum Teil in den Verkehr oder versteckte er als Reserve. Bevor der Fall aufgedeckt wurde und Belegexemplare verfügbar waren, war es den Beamten der Reichsbank nicht möglich, die so fertiggestellten Banknoten zu erkennen und als Fälschungen auszusortieren. Mit Hilfe der Belegexemplare konnte eine Glastafel angefertigt werden, mit der die Fälschungen erkannt und zugeordnet werden konnten. Bis 1922 wurden Grünenthalfälschungen gefunden, sodass man von einer Summe von über 2,5 Millionen Mark ausgehen darf, die alleine an Banknotenformularen zu 1000 Mark entwendet wurden. [13] Der Rechnungshof stellte in seinen anschließenden Untersuchungen fest, dass Kontrollen im Geschäftsbetrieb der Reichsdruckerei unzureichend waren, ja sogar gänzlich ausblieben und diese Versäumnisse bedenkliche Missstände hervorgerufen und begünstigt haben. [14] Die Dienstanweisung zur Sicherung des Geschäftsbetriebs bei Fertigung und Verwaltung geldwerter Papiere [15] wurde nicht eingehalten.   Abb. 4: Frontblatt der Dienstanweisung zur Sicherung des Geschäftsbetriebs bei Fertigung und Verwaltung geldwerter Papiere der Reichsdruckerei von 1893.   In der Folge wurde der Dienstbetrieb angepasst und die Kontrollen verschärft. Eine Dienstreise des Direktors der Reichsdruckerei Wendt mit dem Betriebsinspektor Zinke vom 20. August bis zum 2. September 1901 nach Wien sollte neue Erkenntnisse aus anderen Druckereien bringen, wie verhindert werden könnte, dass sich die Vorkommnisse der Affäre Grünenthal wiederholen. Der Schluss war, dass spezielles Kontrollpersonal gewährleistete, dass die Materialbestände richtig erfasst wurden. Es wäre aufgrund der räumlichen Gegebenheiten in der Reichsdruckerei nur schwer möglich gewesen, ähnliches einfach einzuführen. Umbauten und zusätzliche Personalkosten wären mit 350.000 Mark pro Jahr anzusetzen gewesen. Aufgrund der zusätzlichen Kontrollen würde auch die Produktivität beeinflusst und reduziere sich um 30%. [16] Am 13. Dezember 1901 legte der Direktor der Reichsdruckerei Wendt einen Bericht zur Umgestaltung der Kontrolleinrichtungen in der Reichsdruckerei vor. Die vorgeschlagenen Verbesserungen beruhten in erster Linie auf zusätzlichem Personal, die Bestände zählten. Dabei sollten die Zähler für die Reichsbanknoten und Reichskassenscheine aufgrund der Bedeutung dieser geldwerten Papiere im Beamtenstatus stehen, da Beamte auch nach außen hin als zuverlässiger galten. Die Abteilung wurde von einem Sekretär geleitet. Die Personalkosten wurden auf zusätzliche 34.000 Mark pro Jahr veranschlagt. Die Kosten für die geringere Produktivität würde etwa 50.000 Mark pro Jahr betragen. [17] Diese Zahlen waren deutlich geringer als noch im Bericht über die Reise nach Wien vermutet. In diesem zweiten Bericht wurden die Kosten zu Einsparungen gegengerechnet und wohl auch realistischere Grundlagen bei der Kostenschätzung angenommen. Die Maßnahmen scheinen gegriffen zu haben. Berichte und Skandale aus der Reichsdruckerei aufgrund von größeren Diebstählen sind bis zum Ende des Kaiserreichs kaum zu finden. Selbst während der Besetzung der Reichsdruckerei während des "Spartakus-Aufstands" im Januar 1919 wurden keine Betriebsmittel und „Drucksachen“ gestohlen. Die Inflation stellte neue Herausforderungen an die Reichsdruckerei und die Herstellung von geldwerten Papieren. Die schieren Mengen an Banknoten, an zusätzlichem Personal, die Materialknappheit und der Einsatz von externen Druckereien erhöhten das Sicherheitsrisiko und die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Zwischenfällen kommen könnte. So wurden 1919 in Privatdruckereien, die 50-Markscheine für die Reichsbank herstellten, nicht nur Banknoten, sondern auch Druckplatten gestohlen, die jedoch zurückgebracht werden konnten. [18] Während der Hoch-Inflation war bei der rasenden Geldentwertung der Diebstahl kaum noch attraktiv, vielleicht aber auch nur keine Zeitungsmeldung mehr wert.  Abb. 5: Frau nutzt wertloses Geld, um den Herd anzufeuern. Abb. 6: Geldauslieferungsstelle (Sammelstelle) in der Berliner Reichsbank, Oktober 1923.   Doch kommen wir zurück zu unserem "Einhorn", den 5-Goldmark-Schein vom 3. Januar 1924. Die Inflation lief aus und der Bedarf an Geldmitteln reduzierte sich. Die Tresore waren teilweise gefüllt mit Beständen, die keiner mehr brauchte. Dafür wurde der Platz in den Tresoren für das neue Geld benötigt, das gedruckt werden sollte. Also wurde der Schredder gestartet und das wertlose Papier für den Ofen vorbereitet. Die Massen warteten und die Sicherheitsvorkehrungen waren vielleicht nicht mehr so streng, wie sie waren, als das Geld noch etwas Wert war. Inzwischen hatte sich die Währung stabilisiert, aber das alte Denken und die Furcht vor einer neuen Geldentwertung herrschte auch weiterhin.   Abb. 7: Gefüllter Tresorraum einer Berliner Bank.   Abb. 8: Erfassung zu vernichtender Geldbestände. Abb. 9: Vernichtung wertlosen Papiergelds; vor dem Verbrennen wird es erst zerkleinert.   So ist es nicht verwunderlich, dass ein 61-jähriger Arbeiter an der Vernichtungsmaschine in der Reichsdruckerei sich nichts dachte, als er begann, regelmäßig kleinere und größere Partien von Fehldrucken und anderen geldwerten Papieren, die in Rauch aufgehen sollten, mit nach Hause zu nehmen. So geschah es seit Weihnachten 1923 zweimal die Woche. Zu Hause angekommen, gab er die Bündel seinem Enkel zum Spielen. Wenn man sich die Bilder aus der Inflation ansieht, scheint es nicht unüblich gewesen zu sein, das wertlose Papier den Kindern in die Hand zu geben und so günstiges Spielzeug zu haben (siehe Abbildung). Auch heute noch passiert es, dass die nahezu wertlosen Druckerzeugnisse der Inflation Kindern zum Spielen überlassen werden. Ein Posten Inflationsnoten mit Bunt- und Bleistift angepassten, von unsicherer Kinderhand aufgetragenen Wertangaben in meiner Sammlung sind hierfür ein einfacher Beleg.    Abb. 10: Spielende Kinder, die mit Geldbündeln eine Pyramide bauen.   Während der Mitarbeiter der Reichsdruckerei unbedarft die Sachen seinem Enkel überließ, war der Vater des Kindes deutlich realistischer. Er sah die Möglichkeit, aus den Geschenken für seinen Sohn Geld zu schlagen. So nahm er dem die Sachen wieder ab und machte sich auf die Suche nach Abnehmern wie interessierten Sammlern. In der Linienstraße, unweit der Reichsdruckerei fand er in einem berüchtigten Quartier mit „Bolle-Max“ einen Interessenten. Bolle-Max stand in Kontakt mit „Swenska“, einem wiederholt vorbestraften Kriminellen, der den Vertrieb übernahm und auf immer neues Material drängte. Das Netzwerk weitete sich aus, der Bedarf stieg, doch beim Vater des Kindes blieb nur wenig vom Geld hängen. Der Großvater erhielt keine Mark und durfte sich mit der vorübergehenden Freude seines Enkels begnügen. Im Februar 1924 schließlich kamen die Ermittler der Kriminalpostdienststelle der Sache auf die Spur, als sie einen Herrn Isaak Kohn festnahmen, nachdem er von Bolle-Max eine Lieferung im Wert von 30.000 Mark erhalten hatte. Herr Kohn konnte sich herausreden und durfte wieder gehen, stand aber danach unter Beobachtung. So wurde die Vernichtungsstelle der Reichsdruckerei als Quelle für diese Druckerzeugnisse ermittelt. Die Gesellschaft ging soweit, zu versuchen, selbst bei der Post Briefmarken aus den Diebstählen verkaufen zu wollen. Sie waren damit allerdings nicht erfolgreich, da die Post keine Marken zurückkaufte. Großbanken und Juweliere waren unter den Kunden des Netzwerks und wurden in die Ermittlungen einbezogen. Neben Brief- und Steuermarken wurden auch Geldscheine aus der Vernichtungsstelle mitgenommen. Ein Posten 10-Rentenmarkscheine wurde unserem wohlbekannten Bolle-Max zum Verhängnis. Er versuchte, die Scheine einzutauschen. Da sie jedoch Fehldrucke waren, die vernichtet werden sollten, wäre er mit diesen Scheinen aufgefallen. Also brannte er 24 Stück so an, dass nur noch die Wertzahl und die Kontrollnummern gut zu erkennen waren. Statt, wie gewünscht, den Wert ersetzt zu bekommen, wurde Bolle-Max verhaftet. Die Scheine waren dann doch so perfekt angebrannt, dass sie das Misstrauen des Schalterbeamten erweckten, der die Polizei benachrichtigte. Seine Geschichte, wie es zu diesem Brandschaden kam, war anscheinend nicht glaubwürdig genug. [19]   Abb. 11: Vorderseite eines Scheins zu 10 Rentenmark vom 01. November 1923 wie Bolle-Max sie ansengte und einzulösen versuchte.   Insgesamt wurden bis zum 15. Juli 1924 24 Personen verhaftet. Weitere Verhaftungen wurden erwartet. So wurden auf einem Schulgrundstück im Norden Berlins Fehldrucke von Marken und Geldscheinen zum halben Preis des Nennwerts angeboten. Der Umsatz war so groß, dass die Kriminalpolizei davon Kenntnis erhielt, zumal auch anderenorts im Reich große Mengen ähnlicher Ware verkauft wurden. Der Wert wurde mit mehreren Millionen Mark angegeben. [20] Auch eine Menge an „Preußenscheinen“ zu 5 Goldmark, die offiziell nicht ausgegeben wurden, kamen durch diese Bande in den Verkehr. [21] Dort wurden sie nicht hinterfragt und als seltenes wertbeständiges Notgeld akzeptiert. Im Artikel der "Deutschen Zeitung" vom 7. Februar 1924 „Gültiges und Ungültiges Notgeld“ wird berichtet, dass preußisches wertbeständiges Notgeld zu einem zehntel und einem viertel Dollar zurückgewiesen wurde, da es nicht mehr gültig oder gar gefälscht sei. Es wurde darauf hingewiesen, dass diese Behauptung nicht stimme. Weder seien die Noten ungültig noch seien Fälschungen vorgekommen. Diese Scheine seien aufgrund der Machart schwer nachzumachen. Das gelte auch für die in ganz geringen Mengen im Verkehr befindlichen wertbeständigen 5-Goldmark-Notgeldscheine des Freistaats Preußen. In der Liste der in Zahlung zu nehmenden Geldscheine wird der 5-Goldmark-Notgeldschein noch einmal explizit erwähnt. [22] Geschäftsleute, die noch im guten Glauben erworbene 5-Goldmark-Notgelscheine besaßen, konnten sich bei der Polizeidienststelle in der Königstraße in Berlin melden. [23] Ob sich alle meldeten, um die Scheine ersetzt zu bekommen, oder ob einige diese Scheine behielten und sie in Schubladen oder Sammlungen verschwanden, ist nicht bekannt.   Vielleicht werden wir im Laufe der nächsten Jahrzehnte überrascht, wenn Exemplare dieser Rarität auf dem Markt auftauchen und einen neuen Besitzer suchen. Vielleicht bleibt es aber auch bei diesem einen Exemplar in der Sammlung des Münzkabinetts in Berlin. Oliver Herzberg Anmerkungen: [1] Hans-Georg Glasemann, Ungenehmigtes Goldmark-Notgeld in Hamburg 1923, 22. April 2024, https://www.geldscheine-online.com/post/ungenehmigtes-goldmark-notgeld-in-hamburg-1923 , abgerufen am 25. Dezember 2024 [2] BArch R 43 I/2702, Bl. 3 [3] BArch-MA: NL von Seeckt 227 [4] BArch R 43 I/2702, Bl. 15 [5] RGBl. I 1923, S. 1194 [6] Mannheimer General-Anzeiger 1923, 572 (12.12.1923) Mittag-Ausgabe, S. 2 [7] BArch R 3101/1822, Bl. 39 [8]  Vossische Zeitung 1924, 8 (5.1.1924) Morgen-Ausgabe, S. 2-3 [9] BArch R 3101/ 1822, Bl. 50-51 [10] BArch R 3101/1822 Bl. 39 [11] Hans-Ludwig Grabowski, Deutsches Notgeld, Band 10, Das Papiergeld der deutschen Länder 1871-1948, H. Gietl-Verlag, Regenstauf, 2. Auflage, 2006, S. 335 [12] Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf, 22. Auflage 2020, S. 311-312 [13] Uwe Bronnert, Die Affäre Grünenthal (1898), 22. Juli 2020, https://www.geldscheine-online.com/post/die-aff%C3%A4re-gr%C3%Bcnenthal-1898 , abgerufen am 25. Dezember 2024 [14] BArch R 4701/ 16554 S. 197-198, Schreiben des Rechnungshofs an den Staatssekretär des Reichspostamts, Berlin, vom 10. Dezember 1898 [15] BArch R 4701/11266 Bl. 501-572 [16] BArch R 4701/ 16554 S. 519-546 Bericht des Direktors der Reichsdruckerei vom 15. September 1901 über die Wahrnehmungen in Wien [17] BArch R 4701/ 16555 S. 500-507 Bericht des Direktors der Reichsdruckerei vom 13. Dezember 1901 über die Umgestaltung der Kontrolleinrichtungen der Reichsdruckerei [18] BArch R 3101/ 677 Bl. 167 [19] Vorwärts, 41. Jahrgang, Nr. 329 Ausgabe B Nr. 165 vom 15. Juli 1924 S. 3 [20] Teltower Kreisblatt, 68. Jahrgang, Nr. 165 vom 16. Juli 1924, S. 3 [21] Vorwärts, 41. Jahrgang, Nr. 329 Ausgabe B Nr. 165 vom 15. Juli 1924 S. 3 [22] Deutsche Zeitung, 28. Jahrgang, Nr. 58 vom 7. Februar 1924, S. [23] Vorwärts, 41. Jahrgang, Nr. 329 Ausgabe B Nr. 165 vom 15. Juli 1924 S. 3 Abbildungen: Bundesarchiv, Bild 102-10883 / CC-BY-SA, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6046868 https://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=dra&datum=1923&page=1328&size=45 Staatliche Museen zu Berlin (Münzkabinett), Stiftung Preussischer Kulturbesitz, vielen Dank an Dr. Johannes Eberhardt BArch R 4701/ 11266 Bl. 501 http://hdl.loc.gov/loc.pnp/fsa.8b08253 Bundesarchiv, Bild 183-R1215-506 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5436340 )   https://www.loc.gov/pictures/item/2014716642/ BArch Bild 102-11823/ Pahl, Georg BArch Bild 102-00238/ Pahl, Georg www.geldscheine-online.com Sammlung O. Herzberg

  • Lexikon: Law, John

    John Law (Law of Lawriston) wurde 1671 in Edinburgh geboren und starb 1729 in Venedig. Der Geld- und Kredittheoretiker war Sohn eines schottischen Goldschmieds und Bankiers. Er musste 1694 Schottland verlassen und reiste in die Niederlande und nach Italien, wo er das Geld- und Wirtschaftsleben studierte. 1702 kehrte er nach Schottland zurück. John Law, 1671-1729 Sein erster Plan war die Gründung einer Notenbank mit Notendeckung nicht durch Metallgeld, sondern durch Grund und Boden, den er in seinem 1705 veröffentlichtem Buch "Money and Trade considered" publizierte, fand jedoch in Schottland keinen Widerhall. Er kehrte nach Italien zurück. Nach dem Tod des verschwenderischen Königs Ludwigs XIV. von Frankreich (1715) versuchte er, den neuen Regenten Philipp von Orléans für seine Pläne zu gewinnen, die er in seinen Denkschriften "Mémoire sur les banques" und "Restablissement du commerce" zusammenfasste. Er versprach mit Hilfe einer Bank die französische Staatsschuld zu tilgen. Nach seiner Meinung sollte einer Deckung der auszugebenden Noten zu 50% mit Metallgeld genügen und den Geldumlauf verdoppeln. 1716 erhielt der die Genehmigung zur Errichtung der Banque Générale , die eigene Noten ausgab. 1718 wurde die Bank vom französischen Staat übernommen und Law ihr Direktor und Leiter der Compagnie d'Occident . Law's Pläne richteten sich auf die Erschließung der französischen Kolonien mit Hilfe der Kolonialgesellschaften. Als Finanzminister verstand er es, die Aktien der Gesellschaften mit zum Teil riesigem Aufgeld zu verkaufen und ganz Frankreich in einen Spekulationstaumel zu versetzen. Verkäufe der Aktien fing er durch Ankäufe der Bank auf, deren Notenumlauf sich ständig steigerte. Als der Kursverlust trotz aller Maßnahmen nicht mehr gebremst werden konnte, koppelte er ihn mit der Wertminderung der Noten. Eine Katastrophe war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Nach der Liquidation der Bank war auch die mit ihm vereinigte Compagnie des Indes nicht mehr zu retten. Law verließ 1721 das Land und starb 1729 verarmt in Venedig. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de

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