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  • Lexikon: Freiwillige Westarmee

    Mitte 1919 stellte der russische Oberst Awalow-Bermondt im lettischen Mitau eine konterrevolutionäre Freiwilligen-Armee, die hauptsächlich aus Deutschen bestand, zum Kampf gegen die Rote Armee auf. Zur Finanzierung der Armee wurden Kassenscheine (in deutscher und russischer Sprache) mit Datum vom 10. Oktober 1919 in den Werten 1, 5, 10 und 50 Mark ausgegeben, deren Gegenwert durch den Staatsbesitz des von der Armee besetzten Gebiets gedeckt sein sollte. Freiwillige Westarmee, Mietau: Kassenschein über 10 Mark vom 10. Oktober 1919, Vorderseite in Russisch und Rückseite in Deutsch. Die Freiwillige Westarmee griff Anfang Oktober 1919 die lettische Hauptstadt Riga an, die jedoch von der Roten Armee heftig verteidigt wurde. Nur einen Monat später war die Freiwillige Westarmee aus Riga und ganz Lettland vertrieben. Nicht fertig gedruckte Bogen der Kassenscheine wurden 1920/21 für die Herstellung von lettischen Briefmarken verwendet. Lesen Sie auch unseren Beitrag: Fürst Awalow-Bermondt und die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Literatur: Die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee findet man jetzt auch im aktuellen Deutschland-Katalog: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 928 Preis: 39,90 Euro

  • Österreich: Bereits 1949 war in Wien eine Internationale Gesellschaft für Papiergeldkunde geplant

    Als zentrale Anlaufstelle für Banknotensammler aus aller Welt fungiert heutzutage die 1961 gegründete IBNS (International Banknote Society). Wenig bekannt ist, dass es bereits viel früher in Österreich Versuche gab, eine internationale Papiergeldorganisation ins Leben zu rufen. Davon zeugt heute nur mehr die als Titelbild dieses Beitrags gezeigte historische Einladung zum ersten Tauschabend der Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde am 16. September 1949 und ein zeitgenössischer Bericht in der Zeitung „Die Weltpresse“. Einladung zum Papiergeld-Tauschabend der "Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde" am 16. September 1949 in Wien. Zeitungsausschnitt zur Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde, (Weltpresse, 19.09.1949). Die Pläne waren demnach sehr ambitioniert und beinhalteten die erstmalige Erstellung und Herausgabe eines Weltbanknoten-Katalogs, damals existierte noch kein solches Werk. Dazu gab sogar schon eine Abbildung des Titels mit der Katalogbezeichnung „Hugl’s World Catalogue for Paper money and Philassignaty“. Als (geplanter) Autor firmierte vermutlich Fritz Hugl, der als einer der Funktionäre der Gesellschaft genannt wird. Das Wort „Philassignatie“ ist eine eigene Wortschöpfung der Gesellschaft für das Sammeln von Banknoten, Notgeld und Lagergeld. Ihr gehörten zu diesem Zeitpunkt rund 400 Mitglieder an, zum größten Teil allerdings Münzensammler. Die Pläne waren weitreichend, aber zu dem Katalog dürfte es nie gekommen sein und auch die Gesellschaft selbst sowie die laut Einladung geplanten wöchentlichen Sammlertreffen im Cafe Kraus, Wien VII, dürften nicht lange Bestand gehabt haben, denn man findet dann später keinerlei Hinweise mehr auf Aktivitäten einer Internationalen Gesellschaft für Papiergeldkunde. Das Ziel, Wien zu einem wichtigen Zentrum des Banknotensammelns zu machen, wurde damit leider verfehlt. Johann Kodnar

  • Die Regiefrankenaffäre

    Am 9. Mai 1924 verhaftete die badische Polizei in Ludwigshafen einen Dienstmann, der gefälschte "Regiefranken" umzutauschen versuchte.[1] Die Beamten konnten nicht ahnen, dass sie mit ihrer Verhaftung in ein Wespennest stachen und die so genannte "Regiefrankenaffäre" auslösten. Es war klar, dass dieser einfache Arbeiter nicht der Urheber der Fälschungen war. Zu professionell war ihre Ausführung, als dass sie dem normalen Publikum aufgefallen wären. Erst bei genauerer Betrachtung fallen die kleinen Unterschiede auf. Die Farben sind bei der Fälschung weniger leuchtend, die Schrift ein wenig verschwommen. Bei der Dampflokomotive fehlt die Rauchfahne und Vater Rhein blickt grimmiger. Das Papier hat einen leicht anderen Farbton. Abb. 1: Fälschung, 20 Francs, Vorderseite. Abb. 2: Fälschung, 20 Francs, Rückseite. Abb. 3: Original, 20 Francs, Vorderseite. Abb. 4: Original, 20 Francs, Rückseite. Bei den Ermittlungen stieß man auf den Zahnarzt Dr. Hermann Eberlein. Gleichzeitig gelangte die „Pfalzzentrale“ in den Fokus der Untersuchungen.[2] Sie unterstützte nicht nur den passiven Widerstand gegen die französische Besatzung, sondern schmuggelte wiederholt Waffen, Munition und Sprengstoff in die Pfalz, mit denen Sabotageakte durchgeführt und im Kampf gegen die Separatisten eingesetzt wurden. Leiter der Organisation war der Vater des Zahnarztes, Hauptmann d. R. Dr. August Ritter von Eberlein (1877–1949), ehemals Direktor der höheren Mädchenschule Pirmasens. Die Organisation ging aus der „Bayerische Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten“ hervor. Ihr Gründer war der am 31. Mai 1919 wegen seines Widerstands gegen die französische Pfalzpolitik ausgewiesen Speyerer Regierungspräsident Theodor von Winterstein (1861–1945). Die Zentralstelle hatte ihren Sitz in Mannheim und verfügte als Propaganda-, Nachrichten- und Auskunftsdienst über ein dichtes Netz von Informanten in den pfälzischen Behörden sowie über einen geheimen Kurierdienst in der Pfalz. Die Arbeit der Zentralstelle wurde parteiübergreifend durch einen Aktionsausschuss aus Vertretern der SPD, BVP, DVP und DDP sowie Repräsentanten der pfälzischen Wirtschaft unterstützt. Die notwendigen finanziellen Mittel stellten das Reich und die bayerische Staatsregierung zur Verfügung. Der Sitz wurde im März 1921 nach Heidelberg verlegt und der Name in „Zentralfürsorgestelle für das besetzte Gebiet“ umbenannt. Auf Betreiben der Alliierten wurde die Organisation am 1. Oktober 1921 offizielle aufgelöst. Insgeheim bestand sie jedoch in der Firma „August Müller Nachf., Kommissionshandlung für Lebensmittel, insbesondere Kartoffeln“ in Mannheim weiter und arbeitete später als „Haupthilfsstelle für die Pfalz“, kurz „Pfalzzentrale“ genannt, in Heidelberg. Nach der Aufdeckung ihrer fragwürdigen Aktivitäten und der Verwicklung in die Falschgeldaffäre schloss der badische Innenminister Adam Remmele (1877–1951), gestützt auf einen Kabinettsbeschluss, in den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1924 die Pfalzzentrale. Dr. Hermann Eberlein, der in Reutlingen als Assistenzarzt tätig war, fand milde Richter. Ein Heidelberger Schöffengericht verurteilte ihn wegen Urkundenfälschung und Gebrauchs gefälschter Urkunden lediglich zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Helmut Gembries, Regiefranken, 1923/24, publiziert am 16.04.2007; in: Historische Lexikon Bayerns. URL: (11.05.2020). [2] S. Helmut Gembries, Bayerische Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten, 1919–1924, publiziert am 3.7.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: (12.5.2020).

  • Falschgeldbericht 2022

    Foto: Dedert, dpa. Die Deutsche Bundesbank hat im Jahr 2022 insgesamt 44.100 falsche Euro-Banknoten registriert. Das ist ein geringer Anstieg um gut 5 % im Vergleich zu den 2021 aus dem Verkehr gezogenen 41.950 "Blüten". 2021 war das Falschgeld-Aufkommen im Vergleich zu 2020 sogar um 29 % zurückgegangen, weil die Corona-Pandemie den Absatz von falschen Banknoten deutlich erschwert hatte. Damit war 2021 der durch Falschgeld verursachte Schaden mit 1,9 Millionen Euro auf dem niedrigsten Stand seit der Euro-Bargeldeinführung 2002 überhaupt. Der leichte Anstieg im letzten Jahr ist wohl nicht nur auf die Lockerung der Corona-Einschränkungen zurückzuführen, sondern womöglich auch auf die Inflation und deutlich gestiegene Verbraucherpreise, ganz besonders bei Lebensmitteln, Kraftstoffen sowie für Heizung und Strom. Es würde nicht weiter verwundern, wenn da auch der eine oder andere ehrliche Bürger trotz staatlicher Hilfspakete in der Not zum unfreiwilligen Fälscher wird. Neben einer Vielzahl gut gemachter Fälschungen, die der organisierten Kriminalität zuzuschreiben sind, tauchen jedenfalls auch immer wieder einfache Farbkopien auf. Die Bundesbank weist deshalb erneut auf die Prüfung der Sicherheitsmerkmale (Stichworte: kippen, fühlen, sehen) hin und bittet selbst erkannte Fälschungen bei der Polizei zu melden, auch wenn man dafür keinen Ersatz erhält. Die Weitergabe von Fälschungen im Zahlungsverkehr ist dagegen natürlich strafbar, wie wir Sammler alle auch schon sehr gut von Straftexten auf historischen Banknoten wissen. Hans-Ludwig Grabowski

  • Geldscheine auf und am Ende des „Baltischen Wegs“

    Am 23. August 1989, gegen 19 Uhr, hatten es die fast zwei Millionen Esten, Letten und Litauer geschafft, eine 675 km lange Menschenketten durch die damals drei baltischen Sowjetrepubliken zu schließen. Die Frauen, Männer und Kinder hatten sich auf den Autobahnen und Landstraßen, in Städten und Gemeinden zwischen Tallinn, Riga und Vilnius versammelt, hielten sich an den Händen, sangen und tanzten, teilweise in historischen Trachten. Zehntausende Ladas, Wolgas und Polski Fiats säumten die Straßenränder und die Menschen zeigten allerorts die früheren baltischen Nationalflaggen. Abb. 1: Der „Baltische Weg“; Estnisch: Balti kett; Lettisch: Baltijas ceļš; Litauisch: Baltijos kelias; organisiert von Dissidenten und Helsinki-Gruppen der estnischen Rahvarinne, der lettischen Tautas Fronte und der litauischen Sajūdis. Anlass des friedlichen Protests war die Forderung nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit der drei früheren Republiken Estland, Lettland und Litauen. In der von baltischen Oppositionellen aufgerufenen Demonstration hieß es in ihrem Appell „Lasst uns einander die Hände reichen und auf dem gemeinsamen Weg voranschreiten. Der baltische Weg – das ist der Weg Europas, der baltische Weg – das ist der Weg der Befreiung, der baltische Weg – das ist der Weg zur Errichtung unseres gemeinsamen Hauses! Wir gehen voran!“ Abb. 2: Momentaufnahme vom „Baltischen Weg“ in Lettland, Foto: Imants Prēdelis. Abb. 3: Luftaufnahme vom „Baltischen Weg“ in Litauen (auf einschlägigen Internetseiten werden tausende Fotos und Videos gezeigt). Man forderte vor allem die Annullierung des sog. Hitler-Stalins-Pakts (Nichtangriffsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR) – insbesondere die Ächtung der damit verfassten vier Punkte im Geheimen Zusatzprotokoll vom 23. August 1939. Abb. 4: mitgeführter Banner mit Forderungen an die UdSSR: „Beseitigung der Folgen des Sowjet-Nazi-Pakts: 1. Abzug der sowjetischen Besatzungsarmee und der Zugewanderten; 2. Entschädigung für Personen- und Materialschäden, die während der Zeit der Besetzung entstanden sind; 3. Verhandlungen zwischen den neutralen baltischen Staaten und der Sowjetunion aufnehmen“. In einer geheimen Abfassung wurden territoriale Interessen und die Aufteilung des Baltikums vereinbart – Originaltext: „Aus Anlaß der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben die unterzeichneten Bevollmächtigten der beiden Teile in streng vertraulicher Aussprache die Frage der Abgrenzung der beiderseitigen Interessenssphären in Osteuropa erörtert. Die Aussprache hat zu folgendem Ergebnis geführt: 1. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung in den zu den baltischen Staaten (Finnland, Estland, Lettland und Litauen) gehörenden Gebieten bildet die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessenssphäre Deutschlands und der UdSSR. Hierbei wird das Interesse Litauens am Wilnaer Gebiet beiderseits anerkannt. ...“ Anmerkung der Redaktion: Im Klartext heißt das, dass Litauen Teil der deutschen Interessensphäre war, was das 1920/22 von Polen annektierte südöstliche litauische Gebiet um die Hauptstadt Wilna (Vilnius) mit einschloss. Das wird leider oft bei Interpretationen des Zusatzprotokolls übersehen. Den kompletten sog. "Hitler-Stalin-Pakt" finden Sie hier: https://www.archiv-fuer-zeitgeschichte.com/post/deutsch-sowjetischer-nichtangriffsvertrag-vom-23-8-1939 Das komplette geheime Zusatzprotokoll finden Sie hier: https://www.archiv-fuer-zeitgeschichte.com/post/geheimes-zusatzprotokoll-zum-deutsch-sowjetischen-nichtangriffsvertrag-vom-23-8-1939 Erst mit dem sog. Deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 mit einer entsprechenden Regelung in einem ebenfalls geheimen Zusatzprotokoll dazu wurde Litauen (ohne das vormals ostpreußische und 1923 von Litauen annektierte Memelgebiet) der Sowjetunion als Interessensphäre überlassen. Den kompletten Deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag inkl. geheimen Zusatzprotokoll und Landkarte finden Sie hier: https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0027_gre&l=de Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs marschierten am 1. September 1939 zuerst deutsche Truppen und am 17. September die Rote Armee in Polen ein. Danach wurden die drei baltischen Republiken von der Sowjetunion annektiert: Litauen wurde am 15. Juni 1940 besetzt und als Litauische SSR am 21. Juli 1940 in die Sowjetunion eingegliedert – ebenso wurde Lettland am 17. Juni 1940 von Sowjettruppen besetzt und am 21. Juli die Lettische Sowjetrepublik gegründet, die am 5. August 1940 der Sowjetunion beitrat; Estland verlor seine Unabhängigkeit nach dem Einmarsch der Roten Armee und nach Scheinwahlen ebenfalls am 21. Juli 1940. Am 6. August 1940 nahm die UdSSR die Estnische Sowjetrepublik als Teilrepublik auf. Mit der sowjetischen Annexion wurden auch die bisherigen Nationalwährungen der baltischen Republiken nach und nach ungültig. Ab dem 23. November 1940 kam in Litauen der sowjetische Rubel in Umlauf. Bis zum 25. März 1941 kursierten zwei Währungen; ein Umtausch des litauischen Litas in sowjetische Rubel war bis zu diesem Tag beim Wechselkurs von 100 Litas = 90 Rubel möglich. Zwischen dem 1. und 30. April 1941 wurden alle in den Tresoren gelagerten Litas-Banknoten verbrannt. Abb. 5: 100 Litų der Lietuvos Bankas, 31. März 1928, Vs.; Hersteller: Wertpapierdruckerei Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd., Großbritannien. Ähnlich wie in Litauen blieb nach der Besetzung Lettlands auch der Lats als Zahlungsmittel vorerst gültig. Entsprechend dem Rat der Volkskommissare der Lettischen SSR vom 25. November 1940 wurde der Sowjetrubel eingeführt. Der Wechselkurs von Lats zum Rubel wurde im Verhältnis 1:1 festgelegt. Ohne Vorwarnung wurde die lettische Währung zum 26. März 1941 für ungültig erklärt und private Einlagen von mehr als 1000 Lats verstaatlicht. Abb. 6: 100 Latu der Latvijas Bankas, 1939, Vs.; Hersteller: Valsts Papīru Spiestuve Un Naudas Kaltuve, Rigaer Staatsdruckerei. Die gleichen Vorgänge wiederholten sich im besetzten Estland: seit dem 25. November 1940 waren Rubel und Krone nebeneinander im Umlauf. Ab dem 26. März 1941 war in Estland nur noch der Sowjetrubel im Umlauf. Der festgelegte Wechselkurs war 100 Krone = 125 Rubel. obwohl der offizielle Wechselkurs höher lag. Abb. 7: 100 Krooni der Eesti Pank, 1935, Vs.; Hersteller: Riigi Trükikoda, estnische Landesdruckerei Tallinn. Ganz anders war es in Finnland, das nach dem geheimen Zusatzprotokoll ebenfalls der sowjetischen Interessensphäre überlassen wurde. Im sog. sowjetisch-finnischen Winterkrieg vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 versuchte die UdSSR das neutrale Nachbarland zu okkupieren, scheiterte aber am Widerstand der Finnen. Um weitere Opfer zu vermeiden, wurde der Krieg im „Frieden von Moskau“ beendet und die Ergebnisse am 21. März 1940 von beiden Seiten akzeptiert. Finnland musste erhebliche Gebietsverluste hinnehmen, blieb aber so von einer Besetzung verschont. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion erfolgte auch der Einmarsch der Wehrmacht ins Baltikum. Am 25. Juli 1941 wurde das Reichskommissariat Ostland gebildet und Reichskreditkassenscheine (1 RM = 10 Rubel) eingeführt. Sie galten von 1941 bis 1945 und wurden nach Wiedereinführung des Sowjetrubels ungültig. Bis zur Unabhängigkeit der drei Baltenstaaten von der UdSSR gingen nach dem „Baltischen Weg“ noch zwei lange Jahre zwischen Hoffen und Bangen ins Land. Die Sowjets fuhren Panzer auf, um die Unabhängigkeitsbewegungen zu stoppen. Es gab mindestens 15 Tote in Litauen; in Riga demonstrierten 700.000 Letten und errichteten Barrikaden gegen die Sowjetarmee; es gab sechs Tote. Doch letztlich waren es die friedlichen Proteste der „singenden Revolution“, durch die sich Esten, Letten und Litauer ihre Zukunft eroberten. Am 11. März 1990 erklärte Litauen seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion, setzte im Februar 1990 die sowjetische Verfassung außer Kraft und rief die eigenständige „Republik Litauen“ aus. Am 4. Mai 1990 folgten Lettland und am 8. Mai 1990 Estland. Doch erst am 6. September 1991 erkannte die Sowjetunion die Unabhängigkeit der baltischen Staaten an. Dort mussten sich die neuen Verwaltungen um die Schaffung nationaler Währungen kümmern. Der Ausstieg aus dem sowjetischen Zahlungssystem war für alle drei Länder zwingend, zumal sich die Inflation in der UdSSR verschärfte. Im September 1990 beschloss die estnische Regierung die Bildung einer Währungsreformkommission, die eine Druckerei für die neue Währung suchte. Man vergab an De La Rue die ersten Druckaufträge und bestellte für 1,62 Mio. Rubel die ersten Banknoten der Eesti Pank. Vom 20. bis 22. Juni 1992 konnten/mussten die Menschen Rubel in Krooni umtauschen – im Verhältnis 10:1. Aus 1.500 Rubel wurden 150 estnische Kronen und das war gleichzeitig auch der Höchstbetrag, der umgetauscht werden konnte. Die estnische Krone war an die Deutschen Mark gekoppelt: 100 Kronen = 12,50 DM/100 DM = 800 Kronen. Abb. 8: 100 Krooni der Eesti Pank, 1991, Vs.; Hersteller: De La Rue. Anders in Lettland: Anfang der 1990er Jahre waren die Probleme mit dem Rubel ähnlich. Um diese zu lösen, verabschiedete die Währungsreformkommission der Republik Lettland am 4. Mai 1992 eine Entschließung „Über die Einführung des lettischen Rubels“ als Zwischenwährung. Die als „Repšes Rublis“ oder auch „reps“, „repsīs“ oder „repsīks“ genannten Scheine (nach dem lettischen Finanzminister Einārs Repše) wurden ab dem 7. Mai 1992 parallel zu den sowjetischen Rubelnoten als gesetzliches Zahlungsmittel in Umlauf gebracht. Es liefen neun Wertstufen um: 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 LR (Latvijas rublis ). Der Umrechnungskurs war 1:1 zum Sowjetrubel. Am 18. Oktober 1993 wurden diese schlichten Scheine aus dem Verkehr gezogen Der letzte Schritt zur neuen Nationalwährung Lettlands war die folgende Einführung der Lats-Banknoten durch die Latvijas Banka. Bis zum 1. Juli 1994 konnten die LR-Scheine gegen Lats eingetauscht werden, im Verhältnis von 200 LR für 1 lettischen Lats. Abb. 9: 200 Latvijas Rubļu der Latvijas Bankas, 1992, Vs.; Hersteller; Rīgas Paraugtipografija, Staatsdruckerei Lettlands Riga. Abb. 10: 100 Latu der Latvijas Bankas, 1992, Vs.; Hersteller: Giesecke & Devrient. Auch in Litauen stand man unter dem Druck, hochwertige Banknoten einer neuen Währung schnellstmöglich herzustellen. Damals kamen Gerüchte von einer Währungsreform in der UdSSR auf. Danach hätte sich die Moskauer Gosbank mit Sicherheit nicht um die Belange der abtrünnigen baltischen Länder gekümmert. Die Gründung des Finanzministeriums in Litauen erfolgte schon am 17. Januar 1990 und am 5. August 1991 wurde ebenfalls als eine Übergangswährung der „Talonas“ neben den umlaufenden Sowjetrubeln eingeführt. Die auch als „Tiergeld“ oder auch als „Vagnorkes“ (nach dem damaligen litauischen Ministerpräsidenten Gediminas Vagnorius) benannten Geldscheine sollten eine Inflation vermeiden. In Umlauf gegeben ab dem 5. August 1991 wurden Löhne und Gehälter zu 20 Prozent in Talonas ausbezahlt – Waren waren nur zu 50 Prozent in Talonas erhältlich. Man rechnete den Sowjetrubel 1:1 zum Talon. Die Talonas waren mit dem Verlassen der sog. Rubelzone dann ab 1. Oktober 1992 die alleinige gesetzliche Währung in Litauen und bis zum 24. Juli 1993 gültig – in der Zwischenzeit war eine zweite Serie Talonas im Umlauf. Mit der Einführung des Litas erhielt Litauen am 25. Juni 1993 eine neue Währung. Die Talonas konnten/mussten im Verhältnis 100:1 in die neuen Litas getauscht werden. Der Litas war von 1993 fest an den US-Dollar gekoppelt. Abb. 11: 100 Talonų der Republik Litauen, 1991, Vs., Hersteller: Radius-Druckerei Kaunas. Abb. 12: 100 Litu der Lietuvos Bankas, 1991, Vs.; Hersteller: United States Banknote Co. Im Jahr 1994 hatten dann die baltischen Republiken ihre Nationalwährungen wieder, wie sie sie bis 1940 besaßen. Mit dem Erreichen der sog. "Maastrichter Kriterien" gelangten die drei Staaten in die Euro-Zone. Als erstes baltisches Land führte Estland zum 1. Januar 2011 den Euro ein und wurde damit das 17. Land in der Euro-Gemeinschaft. Die estnischen Kronen waren bis zum 15. Januar 2011 umlauffähig und bis zum 30. Juni 2011 bei Banken umtauschbar. Lettland wurde am 1. Januar 2014 Mitglied des Euroraums. Nach Ablauf eines zweiwöchigen Zeitraums, in dem beide Währungen parallel verwendet werden konnten, verlor der Lats am 15. Januar 2014 seine Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel, konnte aber noch bis zum 31. März 2014 bei den Postämtern und bis zum 30. Juni 2014 bei den Banken umgetauscht werden. Abb. 13: 100 Euro 2002, Vs., Estland 2011: 100 Euro = 1.564,66 Kronen, 100 Kronen = 6,39 Euro; Lettland 2014: 100 Euro= 70,28 Lats, 100 Lats = 142,28 Euro; Litauen 2015: 100 Euro = 345,28 Litas 100 Litas = 28,96 Euro. Der Litas war bis zum 31. Dezember 2014 die litauische Währung und wurde dem ab 1. Januar 2015 durch den Euro ersetzt und war noch bis zum 15. Januar 2015 bei den Postämtern eintauschbar; die meisten Banken wechselten die Litas-Banknoten noch bis zum 30. Juni 2015 und manche Geldinstitute sogar bis zum 31. Dezember 2015 um. Die Bank von Litauen tauscht Litas-Banknoten und -Münzen zu einem festen Wechselkurs, ohne Begrenzung der Beträge und für unbegrenzte Zeit. Abb. 14: der „West-Express“, die Karikatur von Jocius Gintaras aus dem Jahr 2014 zeigt den früheren Finanzminister Romualdas Sikorskis, der 1991 den Waggon mit den Sowjetrubel abkoppelte – danach koppelte Finanzminister Eduardas Vilkelis die Talonas-Waggons ab – und schließlich sieht man Finanzminister Rimantas Šadžius, der die Litas-Waggons abkoppelte und sich mit den Euro-Banknoten auf dem richtigen Gleis befindet. Der lettische Karikaturist Jocius Gintaras fand mit seiner aussagekräftigen Bildgeschichte zur litauischen Währung von 1990 bis 2015 allgemeine Anerkennung und Auszeichnungen. Michael H. Schöne Quellen: Ilmar Lepik „Pikk üleminek: Eesti valuutakomitee 1992–2010“, Eesti Pank, Tallinn 2014 Vidmantas Laurinavičius „Pinigai Ir Pinigų Sistemos Pokyčiai Lietuvoje“ (1988–2016), Lietuvos bankas, Vilnius 2017 Villu Zirnask „Eesti Pangalugu“, Eesti Pank, Tallinn 2019 https://de.wikipedia.org https://enciklopedija.lv https://geschichte-wissen.de https://www.caricatura.lt https://www.delfi.ee

  • Russland: Neue 1000- und 5000-Rubel-Noten sollen im Sommer erscheinen

    Der stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank der Russischen Föderation Sergej Below gab bekannt, dass die geplante Einführung neuer Banknoten über 1000 und 5000 Rubel im Sommer dieses Jahres erfolgen werde. Die beiden Nominale sollen im Zuge der Aktualisierung der Umlaufnoten bis 2025 erneuert werden; außerdem sollen 2024 neue 500-Rubel-Noten folgen und 2025 Scheine über 10 und 50 Rubel. Der Grund für die Einführung neuer Noten liegt in der Notwendigkeit, die Fälschungssicherheit wiederherzustellen – die derzeit im Umlauf befindliche Banknotenserie stammt nämlich noch aus dem Jahr 1997. Daher können neben Änderungen in der Gestaltung auch viele neue Sicherheitsmerkmale erwartet werden. Jedes Nominal der neuen Banknotenserie hat jeweils einen Kreis der Russischen Föderation und deren Hauptstadt zum Thema: Mit dem 1000er soll Wolga mit der Hauptstadt Nischni Nowgorod und mit dem 5000er Ural mit Jekaterinburg vorgestellt werden. Zwar wurde die Gestaltung der beiden Nominale noch nicht präsentiert, jedoch wird vermutet, dass die Scheine jeweils entweder den Kreml, das Staatsbankgebäude oder das Maxim-Gorki-Denkmal von Nischni Nowgorod sowie eine Panoramaansicht der Stadt Jekaterinburg zeigen könnten. Die aktuelle 1000-Rubel-Banknote, die im Sommer durch neue ersetzt werden wird. Die aktuelle 5000-Rubel-Banknote, die im Sommer durch neue ersetzt werden wird. Kana Totsuka Abb. Hartmut Fraunhoffer (www.banknoten.de)

  • Reiner Kammerl: Krisenjahr und Inflation 1923 in Weißenburg

    "… in der insbesondere auch für unsere Hausfrauen schrecklichen Inflationszeit" in: Weißenburger Blätter; Geschichte, Heimatkunde, Kultur; villa nostra 1/2023; 35 Seiten, farbig illustriert, Format 200 x 210 mm, Softcover mit Klammerheftung; Kostenlose Abgabe durch die Stadtverwaltung: https://www.weissenburg.de/kontakt/ Kostenloser PDF-Dowmload: https://www.weissenburg.de/villa-nostra/ Vor 100 Jahren erreichte die deutsche Inflation ihren Höhepunkt. Seit Kriegsbeginn 1914 verringerte sich der Wert der Mark kontinuierlich und ab August 1923 befand sie sich im freien Fall. Erst im November gelang die Währungsstabilisierung mithilfe der Rentenmark. Der Weißenburger Stadtarchivar Reiner Kammerl erinnert im Rahmen der „Weißenburger Blätter“ an die deutsche Hyperinflation 1923. Dabei steht zunächst die wirtschaftliche Situation der Weißenburger Bürger im Fokus seiner Darstellung. Er erinnert an die Ursachen der Inflation, den enormen Kriegskosten, die Finanzierung durch Kriegsanleihen, berichtet über das Leben mit der Inflation. Aus Stadtratsprotokollen erfährt der Leser über die Bemühungen der Stadt die Lebensmittelversorgung zu gewährleisten, z. B. von den enormen Schwierigkeiten, die der Kartoffeleinkauf im Herbst 1923 in Stettin bereitete. Eine Übersicht über Preisentwicklungen, eine Zeitungsanzeige über den wöchentlichen Abonnementspreis der Weißenburger Zeitung, ein Zeitungsbericht über die Wirtschaftszahlen vom 12. Dezember 1923 usw. machen das ganze Ausmaß der Inflation sichtbar. Kammerl beschränkt sich nicht nur auf das Jahr 1923, sondern berichtet auch über Maßnahmen seitens der Stadt und von Organisationen, mit denen Bedürftige unterstützt wurden: Volksküche, Weißenburger Hilfswerk, Suppenküche des Roten Kreuzes. Den größten Teil des Heftes nimmt natürlich das Notgeld ein. Zunächst erklärt der Autor, was unter Notgeld zu verstehen ist und gibt anschließen einen kurzen Überblick über die verschiedenen Notgeld-Epochen. Danach behandelt er die Notgeldausgaben der Stadt Weißenburg, beginnend mit den Kriegsnotgeldscheinen mit dem Ausgabedatum vom 11. Dezember 1916 und der Kriegsmünze zu 50 Pfennig aus den Jahren 1918/19. Es folgt ein Bericht über ein gescheitertes Notgeldprojekt von 1921 und den Notgeldscheinen des Jahres 1922. Es folgen die verschiedenen Ausgaben der Hyperinflation. Die letzte Gruppe des Stadtnotgeldes umfasst die auf Goldmark lautenden Scheine, die lt. Stadtratsbeschluss vom 18. Dezember 1923 in erster Linie zum Einzug des alten Papiernotgelds und zur Auszahlung von Gehältern und Löhnen an die städtischen Beamten und Arbeiter dienen sollte. Abschließend wird über die Einlösung des städtischen Notgeldes berichtet. Sozusagen als Anhang werden die Notgeldscheine Weißenburger Unternehmen vorgestellt. Kammerl bemerkt dazu, dass die städtischen Kassen angewiesen wurden, keine Firmenscheine anzunehmen und dass dies wohl der Grund dafür sei, dass sich in den städtischen Sammlungen nur wenige Ausgaben erhalten haben. Den Abschluss bildet das Lagergeld des Offiziersgefangenenlagers auf der Festung Wülzburg. Der Autor will mit diesem Heft keinen Notgeld-Katalog ersetzen. Es wendet sich in erster Linie an interessierte Bürger der Stadt Weißenburg, aber auch der Sammler wird sich über die farbigen Abbildungen der Scheine und den detaillierten Hintergrundinformationen freuen. Das Heft erschien in einer Auflage von 2.500 Stück und wird von der Stadtverwaltung kostenlos abgegeben, es kann aber auch kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Uwe Bronnert

  • Wie die Deutsche Notenbank den Banknotendruck für Syrien verhinderte

    Die Konferenz von Bandung/Indonesien im April 1955 gilt als Gründungsereignis der Bewegung der "Blockfreien Staaten" und Ausgangspunkt der Dekolonisierungsbewegung. In den darauffolgenden Jahren erlangten zahlreiche Staaten in Afrika und Asien ihre Unabhängigkeit. Auch die DDR war bestrebt, diplomatische sowie Handelsbeziehungen mit den neu entstandenen Staaten aufzunehmen. Denn diese schufen als Zeichen staatlicher Souveränität ihre eigene Währung und gaben neue Geldscheine heraus. Vielleicht lag darin ein Ansatz für Handelsgeschäfte, hatte man doch in Leipzig den VEB Deutsche Wertpapierdruckerei (DWD) – hervorgegangenen aus der 1948 verstaatlichen Banknotendruckerei Giesecke & Devrient, die vor dem Krieg Geldscheine für diverse Länder gedruckt hatte? Könnte man hier Exportaufträge an Land ziehen? Am 29. Mai 1956 besuchte ein Vertreter der DWD die Deutsche Notenbank in Berlin und legte eine Aufstellung nebst Musterscheinen aus Leipziger Produktion vor; die DWD setzte schriftlich am 8. Juni 1956 nach: Man stehe in Verhandlungen mit dem (seit 1946 unabhängigen und der Bewegung der Blockfreien angehörigen) Staat Syrien über den Druck von Banknoten. Daher habe man Mustermappen mit Druck-Erzeugnissen aus Leipzig zusammengestellt, die man zugleich den Vertretern der Deutsche Buch Export- und Import in Leipzig[1] an die Hand geben wolle als Referenz für das drucktechnische Können der DWD. Die Deutsche Notenbank möge hierzu bitte ihr Einverständnis erteilen. Dort schrillten die Alarmglocken. Denn nicht etwa Scheine der Deutschen Notenbank Serie 1948 aus Leipziger Produktion hatte die DWD als Musterstücke ausgewählt. Neben Banknoten zu 100 RM vom 11. Oktober 1924[2] sowie zu 50 RM vom 1.9.1925[3], Scheinen zu 2 und 5 Valuta-Mark der Messeschecks zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949, Gutscheine zu 10 Pfennig, 1 und 10 DM des "Internationalen Basars", Inlandreiseschecks der DDR und anderen Wertpapierdrucken wollte man – ausgerechnet – diverse Exemplare der von Giesecke & Devrient 1936 und 1938 für die Banco de España Filiale Burgos gedruckten Noten zu 5 bis 1000 Pesetas[4] der Mustermappe beifügen. Bayerische Notenbank, BAY-24: Muster zu 100 RM vom 11. Oktober 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. Battenberg Gietl Verlag. Sächsische Bank zu Dresden, SAX-27: Muster zu 100 RM vom 11. Oktober 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. Battenberg Gietl Verlag. Bayerische Notenbank, BAY-25: Muster zu 50 RM vom 1. September 1925, Vorder- und Rückseite. Abb. Battenberg Gietl Verlag. Deutsche Notenbank: Muster zu Messe-Scheck über 1 Valuta-Mark zur Frühjahrsmesse 1949, Vorder- und Rückseite. Abb. Henning Huschka. Messeschecks in verschiedenen Nominalen waren in einem Gutscheinheft im Wert von insgesamt 100 Valuta-Mark zusammengefasst und dienten als Zahlungsmittel für westliche Messebesucher. Sie wurden an diese im Tausch gegen Devisen ausgegeben. Banco de España Filiale Burgos, ESP-101a: Banknote zu 100 Pesetas vom 21. November 1936, Vorder- und Rückseite. Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de. Dieses Vorhaben war aus verschieben Gründen überaus pikant: Zum einen waren die Scheine nunmehr fast 20 Jahre alt und weder drucktechnisch noch grafisch herausragend. Sie waren wie die 1956 umlaufenden Banknoten der DDR im Buchdruck hergestellt; die grafische Gestaltung der Ausgabe 1936 der Banco de Españia Filiale Burgos war auf der Vorderseite mit den umlaufenden Scheinen der Deutschen Notenbank vergleichbar. Zudem waren die Scheine von Giesecke & Devrient produziert worden – und zwar für die Regierung von Francisco Franco während des Spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939, die ihren Sitz in Burgos hatte. Banknoten gedruckt für einen faschistischen Diktator als Referenzen für die Leistungen eines volkseigenen Betriebes! Wie konnte man die DWD von diesem Vorhaben abbringen, ohne an höherer Stelle unangenehm aufzufallen? Direktor Johannes Weissflog von der Deutschen Notenbank wurde mit der Sache beauftragt, die Rechtsabteilung um Stellungnahme gebeten sowie die Falschgeldabteilung (Ag 45) hinzugezogen. In einem internen Vermerk wies man zunächst darauf hin, dass die betreffenden Scheine aus Spanien nach dem Interpol-Referenzwerk „Contrefacons et Falsifications“[5] in Spanien noch im Umlauf seien. Das stimmte nur bedingt: Zwar waren die von der Banco de Españia Filiale Burgos ausgegeben Scheine nach dem Sieg Francos allein gesetzliche Zahlungsmittel in Spanien. Sie waren nicht eingezogen worden und damit noch gültig, jedoch Mitte der 1950er Jahre nicht mehr im Umlauf anzutreffen und durch andere Scheine mit Ausgabeort Madrid[6] ersetzt worden, die in der staatlichen Wertpapierdruckerei Fábrica Nacional de Moneda y Timbre gedruckt und von denen die höheren Werte im Stahlstich-Tiefdruck ausgeführt waren. Das konnte man in Ost-Berlin wahrscheinlich nicht wissen, dennoch war das Argument tauglich: Musterscheine aus anderen Staaten erhalte man nur auf vertraulicher Basis, man müsse diese sicher verwahren und dürfte sie ohne Genehmigung der herausgebenden Bank nicht weiterverwenden. Diese Genehmigung habe die Notenbank für die betreffenden spanischen Banknoten nicht und hätte sie angesichts der Umstände auch nicht erhalten können. Denn gedruckt wurden die Noten ja noch von Giesecke & Devrient, und die Notenbank hätte schon aus politischen Gründen kaum in Madrid um Erlaubnis zur Verwendung in der Mustermappe bitten können. Auch eine Anfrage bei Giesecke & Devrient in München kam nicht in Betracht, nachdem das Unternehmen 1948 verstaatlicht und in die DWD überführt worden war. Hier lag eine weitere Pikanterie des Falles: Unbekannt war auch, ob sich Giesecke & Devrient die Schutzrechte an den Scheinen gesichert hatte. Einer Auseinandersetzung darüber wollte man in jedem Fall aus dem Weg gehen. Politisch verklausulierte man, dass die DWD nicht offiziell in den Besitz dieser Scheine gelangt sei – eine in der Sache durchaus zutreffende Feststellung. Für die HO-Kaufberechtigungen des "Internationalen Basars", die noch in Gebrauch seien, sei man als Notenbank nicht verantwortlich und könne keine Entscheidung treffen. Gegen die Verwendung von außer Kurs gesetzten Reichsmarknoten habe man dagegen keine Bedenken. Dabei konnten neben den spanischen Banknoten auch die anderen für die Mustermappe vorgesehenen Scheine nicht unbedingt als Erzeugnisse von Spitzenqualität gelten: Die Messeschecks zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 waren in einfachem Offsetdruck hergestellt und grafisch wenig ansprechend. Die ausgewählten Scheine der deutschen Privatnotenbanken aus den Jahren 1924 und 1925 waren über 30 Jahre alt und konnten auch mit viel gutem Willen im Ausland nicht mehr als Druck-Erzeugnisse von zeitgemäßer Ausführung durchgehen, insbesondere wenn man sie mit den Produkten englischer Wertpapierdruckereien wie Thomas de la Rue oder Bradbury Wilkinson & Co. aus der Mitte der 1950er Jahre vergleicht, mit denen man in Wettbewerb treten wollte. Nachdem alle Argumente zusammengetragen und besprochen waren, antwortete die Deutsche Notenbank mit Schreiben vom 20. Juni 1956 direkt an das Ministerium der Finanzen. Dabei trug man in gesetzter Form die dargestellten Argumente vor. Auch wies man darauf hin, dass eine Werbung im Ausland mit Erzeugnissen des verstaatlichten Privatunternehmens Giesecke & Devrient dem nunmehr volkseigenen Betrieb DWD kaum gedient sei. Die Messe- und Basarschecks sowie die Inlandreiseschecks der DDR hielt man als Werbeerzeugnisse für ungeeignet. Jedenfalls insoweit hatte man wohl auch aufgrund des Umgangs mit ausländischen Zahlungsmitteln bei der Notenbank in Berlin eine realistische Einschätzung von der Qualität dessen, was die DWD anbieten konnte. Schreiben des stellvertretenden Finanzministers der DDR vom 8. Dezember 1956 an die Präsidentin der Deutschen Notenbank. Abb. des Autors. Doch diese ließ nicht locker und eskalierte den Konflikt. Im Dezember 1956 wandte sich der stellvertretende Finanzminister der DDR schriftlich an die Präsidentin der Deutschen Notenbank, Greta Kuckhoff[7], und drängte angesichts der politischen Bedeutung auf rasche Genehmigung. Nunmehr war (ohne nähere Beschreibung) auch von luxemburgischen Banknoten die Rede[8], die dieser Mustermappe beigefügt werden sollten. Dabei zeigte auch der stellvertretende Finanzminister ein erstaunliches Maß an Realismus, was die Beurteilung der Qualität der von der DWD für die Deutsche Notenbank produzierten Scheine betraf: Mit den Banknoten der DDR könne keine Exportwerbung betrieben werden, weil bei diesen Noten nicht die besten Papiere und nicht der Qualitätsdruck verwendet wurde, der heute bei Banknoten gefordert sei. Deutlicher hätte man auch auf ministerieller Ebene kaum sagen können, auf welchem Niveau die DWD 1956 zu produzieren imstande war. Vom angestrebten „Weltstandard“ waren die Druck-Erzeugnisse der DWD weit entfernt. Doch politisch wollte man im Ausland Flagge zeigen. Die Präsidentin der Notenbank blieb trotz direkter Intervention des Finanzministeriums standhaft – eine Genehmigung wurde weiterhin versagt. Das Projekt Mustermappe verschwand schließlich in der Schublade. Bei dem angestrebten Druckauftrag für Syrien ging DWD leer aus: Die Banknoten der Ausgabe 1958 der Syrischen Zentralbank wurden für die kleineren Wertstufen zu 1, 5 und 10 Pfund[9] von der Pakistanischen Staatsdruckerei und für die Werte 25, 50, 100 und 500 Pfund[10] von der niederländischen Wertpapierdruckerei Joh. Enschede & Zn. gedruckt. Beide Druckereien lieferten grafisch ansprechende Scheine in zeitgemäßer Gestaltung und von hoher drucktechnischer Qualität. Peoples Bank of Burma, BUR-54: Banknote zu 10 Kyats ohne Datum (1965), Vorder- und Rückseite. Abb. Sammlung Grabowski. Einige Jahre später kam die DWD dann doch noch zum Zug, nämlich beim Druck der Scheine der Ausgabe 1965 von Burma[11]. Anfang des Jahres 1964 unternahm der Stellvertretende Vorsitzende des Ministerrats der DDR, Bruno Leuschner, eine ausgedehnte Reise nach Südostasien, die ihn unter anderem auch nach Burma führte. Dort hatte die DDR schon 1961 ein Generalkonsulat eingerichtet. Es wurden politische Beziehungen zu der 1962 errichteten sozialistischen Regierung unter General Ne Win aufgebaut, die dann – vielleicht unabhängig von der Qualität der Druckleistung – zu einer Beauftragung der DWD führten. Da die Scheine Burmas allein im Inland zirkulierten und sich das Land zunehmend handelspolitisch isolierte, kam es auf einen Vergleich mit dem „Weltstandard“ nicht an. Ob Leuschner eine Mustermappe der DWD mit sich führte und welche Scheine sie enthielt – wer weiß? Dr. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Der 1953 gegründete Außenhandelsbetrieb Deutscher Buch-Export und -Import war zuständig für den Export und Import von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, Kunstdrucken, Noten, Briefmarken, Kalendern, Schallplatten u. a. Er war dem Ministerium für Außenhandel und dem Ministerium für Kultur der DDR unterstellt. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig. [2] Es könnte sich um den Schein BAY-24 der Bayerischen Notenbank oder SAX-27 der Sächsischen Bank zu Dresden gehandelt haben. [3] BAY-25 der Bayerische Notenbank. [4] ESP-99, 100, 101, 110, 111, 112, 113, 114 und 115 (World Paper Money). [5] Contrefaçons et falsifications: Revue internationale des marques caractéristiques de billets de banque et autres valeurs authentiques et de leurs falsifications – diverse Jahrgänge. [6] ESP-116 ff. [7] Greta Kuckhoff war von 1950 bis 1958 Präsidentin der Deutschen Notenbank. Im April 1958 trat sie von ihrem Amt zurück. [8] Giesecke & Devrient hatte diverse luxemburgische Banknoten hergestellt, zuletzt die Kassenscheine zu 1000 Franken mit Datum 1.9.1939 (LUX-40) sowie zu 10 Franken mit Datum 20.4.1940, die unter deutscher Besatzung ausgegeben wurden. [9] SYR-86-88. [10] SYR-89-92. [11] BUR-52-55.

  • Besuchen Sie uns auf der NUMISMATA vom 4.-5. März 2023 in München!

    Nach drei Jahren Corona-Zwangspause findet am 4. und 5. März 2023 im MOC in München mit der NUMISMATA endlich wieder eine der renommiertesten internationalen Münzbörsen überhaupt statt. Es werden zahlreiche Händler aus vielen Ländern erwartet und auch der Battenberg Gietl Verlag ist natürlich wieder mit seiner Fachliteratur für Sammler vertreten. Muenzen- und Geldscheine-Online haben je drei Dauerkarten verlost und die Gewinner und den Veranstalter bereits benachrichtigt. Besuchen Sie uns auf der NUMISMATA am Stand E3 und sprechen Sie mit uns persönlich, wir freuen uns auf Sie! Hans-Ludwig Grabowski Redakteur

  • Barter Unit Certificates

    Der Tauschhandel beherrscht das Wirtschaftsleben der ersten Nachkriegsjahre Deutschland lag bei Kriegsende am Boden. In den Städten überall Ruinen, Schuttberge, Trümmerfelder, geborstene Fabrikhallen und zerstörte Brücken. Unermesslich war das Wohnungselend. Durch den Luftkrieg waren in den Westzonen von den 10,7 Millionen Wohnungen (1939) 2,3 Millionen total zerstört oder unbewohnbar. Einen Teil des stark dezimierten Wohnungsbestandes beanspruchten darüber hinaus die Besatzungsmächte und zusätzlich waren neun Millionen Flüchtlinge aus den Ostgebieten unterzubringen. So vegetierten Millionen in Gartenhäusern, Schuppen, Baracken, in Kellern unter zerstörten Häusern, ohne ausreichende Heizung und Ernährung. 1947/48 gab es für „Normalverbraucher“, also jene die keine Zulagen erhielten, wie Schwerarbeiter und Schwangere, ganze 150 Gramm Fett in der vierwöchigen Zuteilungsperiode und etwa alle drei Monate ein Ei. Im Schnitt kam man nur auf ca. 1500 Kalorien pro Tag. „Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben.“ Täglich zogen daher Städter scharenweise aufs Land, um bei den Bauern Lebensmittel einzutauschen oder zu erbetteln. Mit Rucksäcken, Koffern und Körben drängten sich die „Hamsterer“ in die Eisenbahnwaggons, andere waren mit dem Fahrrad oder zu Fuß, einen alten Kinderwagen vor sich herschiebend, unterwegs. Alles Essbare war gefragt. Der Einsatz war meist „happig“. Die Bauern nahmen die entwertete Reichsmark nicht an, sie verlangten Sachwerte.[1] So wechselte vieles von dem, was noch in letzter Sekunde aus den brennenden Häusern gerettet werden konnte die Besitzer, z. B. Essbestecke, Kaffeeservices, Betttücher, Schmuck, Kunst usw. Damals kam die böse Floskel vom „Perserteppich im Kuhstall“ auf. Abb. 1: Auf zur Hamsterfahrt aufs Land: ein völlig überfüllter Zug im Bahnhof von Remagen im Jahr 1947. Foto: Bundesarchiv/B 145 Bild-F080295-0003/Vollrath/CC-BY-SA 3.0. Fehlende Lebensmittel waren nur eine Seite. Nach Berechnungen standen jedem Einwohner der Westzonen jedes Jahr 343 Gramm an Textilien, alle zwei Jahre ein Wasserglas, alle vier Jahre ein Stück Porzellan, alle fünfzehn Jahre ein Kochlöffel und alle 150 Jahre ein Waschbecken zu und in alle Ewigkeit keine Zahnbürste und kein Rasierpinsel.[2] Bei dieser Mangellage behielten die Alliierten das NS-Rationierungssystem mit Warenbezugsscheinen und Lebensmittelkarten bei.[3] Geld spiele praktisch keine Rolle mehr. Es hatte nur noch bei staatlichen Transaktionen, wie der Zahlung von Steuern und Beamtengehältern seine Bedeutung. Dies wird auch daran deutlich, dass ein Normalverbraucher für alle ihm zustehenden Lebensmittel einer vierwöchigen Kartenperiode gerade einmal 9,56 Reichsmark zu zahlen hatte. Viele wären verhungert, hätte es nicht neben diesem zwangsbewirtschaften und seit 1936 preisgestoppten Bereich nicht auch noch den Tauschhandel auf dem Schwarzmarkt gegeben. Hier wurden vorwiegend Waren gegen Waren getauscht oder gegen weit überhöhte Preise verkauft, die um das Dreißig-, Fünfzig- und Hundertfache höher lagen als die amtlich verordneten Preise. So kostete z. B. eine US-amerikanische Zigarette 6 RM, ein Pfund Kaffee 400 RM, eine 50-Watt-Glühbirne 50 RM oder ein Radio 3.000 RM. Das Nachkriegsdeutschland funktionierte wie eine währungslose Wirtschaft. In den Großstädten gab es Tag und Nacht geöffnete „Börsen“, in der Regel in der Nähe der Bahnhöfe, auf denen alles gehandelt werden konnte, von Bahnfahrkarten bis hin zu gefälschten Dokumenten. Zigaretten wurden hier in gewisser Weise zu einer Art staatenloser Währung, die den Schwarzmarkt dominierte. 1946 gingen Schätzungen davon aus, dass bis zu 50 % des Handels mit bestimmten Waren in illegalen Tauschbörsen stattfanden und sogar zwischen einem Drittel und der Hälfte aller geschäftlichen Transaktionen über Tauschgeschäfte abgewickelt wurden. Abb. 2: Schwarzhandel am Potsdamer Platz in Berlin. Foto: Bundesarchiv_Bild_183-19000-3293, Berlin, Schwarzmarkt_-Zigaretten. Der Verkauf von Zigaretten auf dem Schwarzmarkt bot US-amerikanischen Soldaten ungeahnte Verdienstmöglichkeiten. So importierten viele GIs Zigaretten aus den USA. Geschätzt wird, dass die Hälfte der Millionen von Paketen, die jeden Monat mit der Militärpost in Deutschland ankamen, Zigarettenlieferungen waren. In den PX-Läden[4] kostete eine Stange Lucky Strikes einen US-Dollar. Auf dem Schwarzmarkt erzielte man dafür über 1000 Reichsmark. Dieses Geld tauschten die US-Soldaten wie ihren Sold, den sie in Marknoten der Alliierten Militärbehörde ausbezahlt bekamen, zum Kurs von 10 Mark pro US-Dollar. Ein GI lebte nicht nur gut in Deutschland und hatte praktisch keine Ausgaben, sondern schickte auch enorme Summen nach Hause. In einem einzigen Monat im Jahr 1945 überwiesen die in Berlin stationierten US-Soldaten allein 3.163.519 US-Dollars, über 100.000 Dollars mehr als ihren Sold und dies selbst, nachdem sie etwa 300.000 US-Dollars in den PX-Läden ausgegeben hatten! Die in Deutschland stationierten Soldaten überwiesen eine halbe Milliarde US-Dollars, euphemistisch „Pokergewinne“ genannt, nach Hause.[5] Natürlich war dies aus unterschiedlichen Gründen bei der US-amerikanischen Militärverwaltung unerwünscht. Verschiedene Maßnahmen sollten den Schwarzmarkthandel der GIs einschränken. Ab November 1945 war der unbeschränkte Umtausch von Reichsmark nicht mehr in US-Dollar und Überweisungen nur noch in Höhe des Soldes möglich. Ab 16. September 1946 erfolgte die Soldzahlung in auf US-Dollars lautende „Militär Payment Certificates“ und am 26. Mai 1947 verbot die US-Armee die kostenlose Einfuhr von Zigaretten aus den USA durch ihre Soldaten in Deutschland. Abb. 3.1: Military Payment Certificate, Series 461, o. D. (1946), 1 Dollar, Vorderseite. Abb. 3.2: Military Payment Certificate, Series 461, o. D. (1946), 1 Dollar, Rückseite. Wenn man den Schwarzmarkthandel schon nicht beseitigen konnte, so wollte man ihn zumindest regulieren. Der Plan des kommandierenden Generals der US-Streitkräfte in Berlin, Lucius D. Clay, sah die Eröffnung einer Tauschzentrale vor, in der Waren aus legalem Besitz getauscht werden konnten, indem der Verkäufer nach Begutachtung der Ware spezielles „Ladengeld“ – Barter Units – erhielt, mit dem er seinerseits Waren erwerben konnte. Am 20. Juni 1946 wurde in Berlin ein Tauschhandelszentrum eröffnet, in dem Barter Units mit den Wertstufen 1, 5, 10, 25, 50 und 100 Einheiten (Units) benutzt wurden. Die Scheine, die mit „O.M.G.U.S. Barter Center“ überschrieben sind, wurden in einer lokalen Druckerei hergestellt. Nur wenige Exemplare haben die Zeit überdauert und gelangten in Sammlerhände. Anfangs wurde die Stange Zigaretten mit 20 Einheiten bewertet, später stieg der Wert auf 45 und schließlich auf 95 Einheiten. Im September 1946 legte das Office of Military Government for Germany (U.S.), kurz OMGUS[6], den Wert auf 55 Einheiten fest.[7] Dieser willkürliche Versuch einer Währungspolitik mit einem Zigarettenstandard brachte die Barter-Mart-Werte in etwa auf das Niveau des Schwarzmarktes, hatte aber grundsätzlich den Vorteil, dass die Tauschtransaktionen legal waren, anders als die der Schwarzmarktwirtschaft. Weder US-Amerikaner noch Deutsche liefen Gefahr, dass ihre Waren von der Polizei beschlagnahmt wurden. Der kommandierende U.S.-General in Frankfurt am Main, Joseph T. McNarney, griff die Berliner Idee auf und ließ in einem leerstehenden Ladenlokal in der Kaiserstraße 48-50 (Ecke Weserstraße), nur wenige Straßen vom Bahnhof entfernt, auf zwei Etagen eine Tauschzentrale unter dem Namen „Barter Mart“ einrichten. Die Leitung übernahm Robert D. Branagan, Leutnant des Transportkorps. Die Einrichtung nahm am 14. Oktober 1946 ihre Arbeit auf.[8] Der Frankfurter Barter Mart nutzte ebenfalls ein eigenes Ladengeld, das auf B.U.T.E. lautete. Die Wertstufen waren die gleichen wie in Berlin. In Frankfurt am Main kostete ein Pfund Butter 16 BUTEs, ein Pfund Kaffee 18, die in den USA besonders geschätzte Leica-Kamera hatte den Gegenwert von 5.000 Zigaretten, etwa 22 US-Dollars und 50 Cent, die dann in den USA für 600 US-Dollars verkauft wurde. Für 600 US-Dollars bekam man 134.000 Zigaretten, also 26 4/5 Leicas. Ein lukratives Geschäft für die GIs. Zur Ausgabe gelangten vier Serien von „Barter Unit Certificates“: Die Scheine der ersten Ausgabe tragen auf der Vorderseite den roten Aufdruck „Series 1946“ und eine sechsstellige Kontrollnummer mit angefügtem Stern. Bis auf die Wertangabe in Deutsch ist der Schein in englischer Sprache ausgeführt. Emittent ist das „Headquarters Command Barter Center“. Die Rückseite zeigt nur einen fünfzackigen Stern mit einem Wappenschild mit einem Schwert vor einer Flamme. Die Scheine wurden auf überschüssigem Kartenpapier von einer lokalen Druckerei gedruckt. Abb. 4.1: Headquarters Command Barter Center, Series 1946, 1 B.U.T.E., Vorderseite. Abb. 4.2: Headquarters Command Barter Center, Series 1946, 1 B.U.T.E., Rückseite. Die zweite Serie ist bis auf die Serienbezeichnung „Series 1947“ mit der vorherigen identisch. Sie wurde nötig, weil die Vorräte der 1946er Serie zur Neige gingen. Beide Ausgaben wurden am 16. Juli 1947 durch die dritte Serie – „Series 1947“ – in neuer Zeichnung ersetzt. Auf der Rückseite sind die Initialen von Leutnant Branagan (R.D.B.) in Ecken der Verzierung eingraviert und auf der Vorderseite die Jahreszahl 1947. Abb. 5.1: Headquarters Command Barter Center, Series 1947, 1 B.U.T.E., Vorderseite. Abb. 5.2: Headquarters Command Barter Center, Series 1947, 1 B.U.T.E., Rückseite. Als Fälschungen auftauchten, wurden die Scheine durch die vierte Serie ersetzt. Sie trägt die Serienbezeichnung „Series 1947 A“. Auf ihr findet sich erstmals die Unterschrift von Robert D. Branagan über seiner Dienstbezeichnung „1st. Lt. T. C. and Barter Center Mgr.“. Der Druck dieser Ausgabe ist anspruchsvoller, so wird der Nennwert und die Bezeichnung sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite genannt. Beim Papier verwendete man nun sogar solches mit einem Wasserzeichen. Abb. 6.1: Headquarters Command Barter Center, Series 1947 A, 1 B.U.T.E., Vorderseite. Abb. 6.2: Headquarters Command Barter Center, Series 1947 A, 1 B.U.T.E., Rückseite. Eine „Series 1947 B“ wurde zwar für eine mögliche Verwendung vorbereitet, aber nicht mehr ausgegeben. Anfang Januar 1948 gab Clay bekannt, dass die Tauschzentralen in Berlin und Frankfurt am Main nach dem 1. April keine Waren mehr annehmen und am 1. Mai ganz schließen würden. Danach würden die ausstehenden Scheine wertlos. Nach Schwan und Boling wurde der Markt in Frankfurt aber erst im Oktober 1948 geschlossen, womit auch die Scheine der Serie 1947 A ungültig wurden.[9] Die Lagerbestände wurden in einem großen Ausverkauf aufgelöst. Die verbliebenden Bestände konnten von den Angehörigen des Militärs gegen Militärscheine zum Preis von 5 Cent pro BUTE erworben werden. Der Erlös belief sich auf 38.000 US-Dollars, die zur Förderung der deutschen Jugend verwendet wurden. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die deutsche Geldmenge stieg während des Krieges sprunghaft an; Bargeld und Einlagen, die 1938 bei 56,4 Milliarden Reichsmark lagen, erreichten zum Zeitpunkt der Kapitulation im Mai 1945 etwa 300 Milliarden Reichsmark. Hinzu trat nun noch die in Umlauf gesetzte Alliierte Militärmark. [2] Vgl. Hans Roeper, Geschichte der D-Mark, Frankfurt am Main und Hamburg 1968, S. 11. [3] Am 28. August 1939, wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurden im Deutschen Reich Lebensmittelmarken und Bezugsscheine für Benzin ausgegeben. Nur wenig später folgte die Reichskleiderkarte. Z. B. berechtigten Lebensmittelkarten und Bezugsscheine zum Empfang bestimmter Warenmengen, soweit die Waren zur Verfügung standen. Die Warenbewirtschaftung sollte eine „gerechte“ Warenverteilung gewährleisten. Dieses System behielten die Alliierten nach Kriegsende bei. Die letzten Lebensmittelkarten wurden in der Bundesrepublik am 1. Mai 1950 abgeschafft und in der DDR im Mai 1958. [4] „PX“ steht für „Post Exchange“ und bezeichnet ein Einkaufszentrum mit US-amerikanischem Angebot, das nur von US-Soldaten und deren Angehörigen mit speziellen Ausweisen besucht werden konnte. [5] Loren Gatch, From Black Market to Barter Mart in Postwar Germany, (20.12.2022) [6] Das Office of Military Government for Germany (U.S.) war die höchste Verwaltungseinrichtung der US-amerikanischen Besatzungszone Deutschlands und des US-amerikanischen Sektors von Berlin in den ersten vier Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Hauptsitz von OMGUS war Berlin, zusätzlich gab es auch Außenstellen in Frankfurt am Main. [7] Vgl. Loren Gatch. [8] Weitere Zentren sollen in München und Heidelberg existiert haben. [9] C. Frederick Schwan u. Joseph E. Boling, World War II Remembered, history in your hands – a numismatic study, Port Clinton 1995, S. 269 f.

  • Ukraine: Gedenkbanknote zum Jahrestag des Russisch-Ukrainischen Kriegs

    Am 24. Februar 2023, ein Jahr nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, gab die Nationalbank der Ukraine 20-Griwen-Gedenkbanknoten mit dem Titel "WE WILL NOT FORGET! WE WILL NOT FORGIVE!" aus. Die Scheine sind mit Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen, OVI- und SPARK-Elementen, einem 12 mm breiten Sicherheitsfaden und irisierenden Teilen ausgestattet und gelten als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Vorderseite der vertikal gestalteten Papierbanknote, die 165 x 80 mm misst und von Volodymyr Taran gestaltet wurde, zeigt Soldaten mit der ukrainischen Flagge vor dem Hintergrund einer Umrisskarte des Landes. Diese Darstellung ist einem Foto von Oleksandr Smirnov nachempfunden. Links daneben finden sich die Flaggen der hauptsächlichen Unterstützer der Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression: Großbritannien, die Europäische Union, die USA und Kanada. Auf der Vorderseite findet man ganz oben auch zwei Textblöcke, links in Ukrainische und rechts in Englisch: Am 24. Februar 2022 begann eine neue Phase der bewaffneten Aggression gegen die Ukraine mit einem umfassenden Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine. Der Volkskrieg für die Unabhängigkeit und Souveränität der Ukraine dauert bereits seit 2014 an. Dies ist auch ein Krieg um eine zivilisatorische Entscheidung: Die Ukraine verteidigt ihren Platz in der europäischen Zivilisation und kämpft gleichzeitig für die Grundwerte, Rechte und Freiheiten, auf denen die westliche Welt beruht. Auf der Rückseite sind hinter dem Körper zusammengebundene Hände und eine durch eine Mohnblume symbolisierte Schusswunde, entworfen von Serhii Mishakin, abgebildet. Die Note ist in den Nationalfarben der Ukraine gehalten und weist auf beiden Seiten patriotische Aufschriften sowie stilisierte Mohnblumen zu Ehren der getöteten Soldaten auf. Beidseitig findet man außerdem einen Lorbeerkranz, der die Siegesgewissheit der Ukraine zum Ausdruck bringt. Die Ausgabe erfolgte in einer Auflage von 300.000 Exemplaren, davon 200.000 in einem Folder und 99.900 in einem Umschlag. Kana Totsuka Abb. Owen W. Liinizmayer (www.banknotebook.com)

  • Das Geldwesen Niederländisch-Indiens während der Zeit der japanischen Besetzung

    Am 11. Januar 1942 erklärte das Kaiserreich Japan den Niederlanden den Krieg. Zwischen Januar und April 1942 eroberte die Kaiserlich-Japanische Armee Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien. Tokio hatte es auf die reichen Bodenschätze der Kolonie abgesehen, vor allem auf Erdöl und Kautschuk, das Japan seit dem Embargo der Westmächte dringend benötigte. Das Mutterland, die Niederlande, war 1940 von deutschen Truppen überrannt worden und konnte seiner Kolonie nicht helfen. Trotz der Unterstützung Großbritanniens, Australiens und der USA waren die Truppen vor Ort für die kampferprobte japanische Kriegsmaschine kein wirklicher Gegner. Die Japaner trieben über 100.000 niederländische Zivilisten – zwei Drittel unter ihnen Frauen und Kinder – zusammen und internierten sie in mehr als fünfzig Lagern, die über den ganzen Archipel verteilt waren. Hunger und Unterernährung waren in den Lagern weit verbreitet. Auch Gewalt und Erniedrigung durch die Wachen gehörten in den japanischen Lagern zum Alltag. Schätzungsweise 13.000 Lagerinsassen und -insassinnen starben an Erschöpfung, Krankheit und Hunger. Die Männer im kampffähigen Alter verschwanden in Kriegsgefangenenlagern. Sie wurden, wie Kriegsgefangene anderer Nationen, von den Japanern nach Südostasien verschifft und mussten als Zwangsarbeiter Japans Kriegsanstrengungen unterstützen, etwa beim Bau von Eisenbahnen. Tausende schufteten sich zu Tode, Hunderte wurden hingerichtet. Zahllose andere starben an Krankheiten und Hunger. Niederländisch-Indien wurde von den Japanern verwaltungsmäßig nicht als Einheit behandelt. Die 16. Armee besetzte Java und Madura und schlug ihr Hauptquartier in Batavia (Djakarta) auf, während die 25. Armee Sumatra zusammen mit Malaya verwaltete. Im Mai 1943 wurde das Hauptquartier von Singapur nach Sumatra verlegt. Die anderen Gebiete der niederländischen Kolonie wurden von der japanischen Marine besetzt, die ihr Hauptquartier in Makassar auf Celebes einrichtete. Gleich nach Besetzung des Archipels ging die japanische Militärverwaltung daran, die Wirtschaft umzugestalten. Umgehend wurde die Liquidation der ausländischen Banken und die Herausgabe aller Vermögenswerte verfügt. An ihre Stelle traten japanische Banken, die Yokohama Specie Bank operierte auf Java und die Taiwan Bank außerhalb von Java. Angesichts der japanischen Bedrohung hatte Dr. van Butingha Wichers, der Präsident der „De Javasche Bank“, die Goldreserven in Höhe von 104 Millionen Gulden nach Südafrika und Australien evakuieren lassen.[1] Schon vorher waren Gold im Wert von 378 Millionen Gulden in die USA und 273 Millionen Gulden nach Südafrika verlagert worden, sodass die japanischen Soldaten als sie am 28. Februar 1942 auf Java landeten nur noch Gold im Wert von 501.000 Gulden in den Tresoren in Batavia vorfanden.[2] Der japanische Angriff auf die südostasiatischen Gebiete war schon länger geplant, so hatte die japanische Regierung Gulden-Militärscheine für Niederländisch-Indien, Straits-Dollar-Militärscheine für die malaiische Halbinsel und Nordborneo, Rupien-Militärscheine für Burma, Peso-Militärscheine für die Philippinen und Pfund-Militärscheine für die Australischen Treuhandgebiete drucken lassen. Die Parität wurde meist mit 1:1 festgelegt, d. h. ein Gulden, ein Dollar, eine Rupie und ein Peso entsprachen jeweils einem Yen. Nur das Pfund wurde mit zehn Yen bewertet. Zur Ausgegeben in Niederländisch-Indien gelangten: Abb. 1.1/2: 1 Cent, o. D. (1942), Vorder- und Rückseite, Größe: 95 x 45 mm, Papier ohne Wasserzeichen, Serienbuchstaben: SA bis SZ und S/AA bis S/GR. Abb. 2.1/2: 5 Cent, o. D. (1942), Vorder- und Rückseite, Größe: 100 x 48 mm, Papier ohne Wasserzeichen, Serienbuchstaben: SA bis SZ; S/AA bis S/DB und S1 bis S41. Abb. 3.1/2: 10 Cent, o. D. (1942), Vorder- und Rückseite, Größe: 105 x 50 mm, Papier ohne Wasserzeichen, Serienbuchstaben; SA bis SZ; S/AA bis S/EX, S1 bis S31. Abb. 4.1/2: ½ Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit der Abbildung einer Fächerpalme und Rückseite, Größe: 120 x 60 mm, Serienbuchstaben: SA bis SB, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SM, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 5.1/2: 1 Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit Abbildung von Brotfrüchten und Rückseite, Größe: 140 x 66 mm, Serienbuchstaben: SA bis SB mit 6-stellige Kontrollnummer, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SN, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 6.1/2: 5 Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit Abbildung von Kokospalmen und Rückseite, Größe: 150 x 70 mm, Serienbuchstaben: SA bis SB mit 6-stelliger Kennnummer, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SG, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 7.1/2: 10 Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit Abbildung von Bananen, Brotfrüchten und Durianfrüchte und Rückseite mit Abbildung von Palmen und Schiff am Horizont, Größe: 161 x 77 mm, Serienbuchstaben: SA mit 6-stelliger Kennnummer, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SL, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 8: Wasserzeichen Vierpass-Blume, 22 x 22 mm. Sieht man von den japanischen Schriftzeichen – „Dai Nippon Teikoku Seihu“ [Regierung des Großjapanischen Kaiserreichs] – auf der Vorderseite im Rahmen der Scheine und im Siegel des Finanzministers ab, sind sie vollkommen in niederländischer Sprache abgefasst. Die Cent-Noten sind mit „DE JAPANSCHE REGEERING“ und die Werte ab ½-Gulden mit „DE JAPANSCHE REGEERING BETAALT ANN TOONDER“ überschrieben. Abb. 9: Randschrift mit japanischen Schriftzeichen. Abb. 10: Siegel des Finanzministers. Das Umlaufgebiet der jeweiligen Militär-Geldzeichen ergibt sich aus dem der Kontrollnummer vorangestellten Buchstaben bzw. dem ersten Buchstaben der Blockbuchstaben-Kombination. Dabei steht S für Niederländisch-Indien, B für Burma, M für Malaya, P für die Philippinen und O für die australischen Treuhandgebiete (Ozeanien). Es wird angenommen, dass bei jeder Serienbuchstaben-Kombination eine Million Banknoten gedruckt wurden. Allerdings scheinen nicht alle Kombinationen verwendet worden zu sein, auch ist es möglich, dass komplette Serien während oder nach dem Krieg vernichtet wurden. Da die Geldversorgung aus dem fernen Japan während des Kriegs immer schwieriger wurde, druckte „NV Kolff Offsetdrukkerij“ in Batavia ab Oktober 1943 die 5- und 10-Cent-Scheine.[3] Die Ausgabe des 1-Cent-Scheins wurde entbehrlich, da sie aufgrund der hohen Inflation nicht mehr benötigt wurde. Am 30. September 1942 fand ein Treffen zwischen dem australischen Finanzminister Joseph Benedict Chifley und dem Geschäftsführenden Direktor der Javaschen Bank Dr. R. E. Smits in Canberra statt. In dem Gespräch, über das absolute Geheimhaltung vereinbart wurde, ging es um den Nachdruck – sprich die Fälschung – japanischer Invasionsgeldscheine. Die „Niederländische Kommission für Australien und Neuseeland“ trat dann am 5. Oktober 1942 an den Gouverneur der Commonwealth Bank of Australia, der heutigen Reserve Bank of Australia, in Sydney heran, um 12.000 Scheine zu ½ Gulden 30.000 Scheine zu 10 Cent 10.000 Scheine zu 5 Cent 10.000 Scheine zu 1 Cent drucken zu lassen. Die australische Bank muss dem Ansinnen entsprochen haben, den am 20. Januar 1943 wandte sich die Kommission erneut an die Commonwealth Bank und bat um eine weitere Lieferung von Scheinen.[4] Wahrscheinlich wurden noch weitere Noten geliefert. Die Commonwealth Bank fälschte während des Zweiten Weltkrieges Hunderttausende von japanischen Invasionsnoten. Das Falschgeld diente den Soldaten bei Kommandounternehmen im Feindesland zur Zahlung bei einheimischen Händlern. Darüber hinaus sollten die besetzten Gebiete mit Falschgeld überschwemmt und die Besatzungswährung entwertet werden. Am 1. April 1943 gründete die japanische Militärbehörde die „Nanpo Kaihatsu Ginko“ (Entwicklungsbank für den Süden). Sie übernahm die Aufgabe einer Notenbank in den besetzten Gebieten. Die Bank wurde allgemein „Nanpatsu“ genannt. Ab September 1944 gab sie in Niederländisch-Indien die sog. „Nanpatsu-Serie“ aus, wobei der Wert zu 100 Rupien erst 1945 folgte. Ihr Druck erfolgte bei Kolff. Die Scheine sind mit „DAI NIPPON TEIKOKU SEIHU“ – Kaiserlich Japanische Regierung – überschrieben und lauten auf Roepiah (Rupien), wobei der Wert der Roepiah dem Wert des Guldens entsprach. Bemerkenswert ist das Design dieser Noten, da bei ihnen auf regionale Motive zurückgegriffen wurde; vielleicht ein Hinweis darauf, dass man auf die Unterstützung einer kollaborierenden einheimischen Regierung hoffte. Abb. 11.1/2: ½ Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung mythologischer (hinduistischer), gekrönter Riesenschlangen mit verschlungenen Schwänzen sowie Rückseite, Größe: 120 x 58 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SP. Abb. 12.1/2: 1 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildungen von Bauern auf dem Reisfeld und Rückseite mit Abbildung von Banyan-Bäumen,Größe: 139 x 67 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SN. Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de. Abb. 13.1/2: 5 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung eines regionalen, strohgedeckten Hauses und Rückseite einer einheimischen Frau mit Hut, Größe: 150 x 71 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SM. Abb. 14.1/2: 10 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung eines einheimischen Tänzers und Rückseite mit Abbildung mit Buddha und Löwenwächter, Größe: 159 x 77 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SL. Abb. 15.1/2: 100 Roepiah, o. D. (1945), Vorderseite mit Abbildungen: links Löwenwächter und rechts geflügelte Statue des Königs Airlangga und Rückseite mit einer Abbildung einer Schattenspielfigur (Arjuna Wayang Kulit), Größe: 174 x 83 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SK. Die japanische Militärverwaltung ließ für Sumatra 1945 noch zwei zusätzliche Noten über 100 und 1000 Roepiah drucken, die im Design den Straits-Dollar-Militärscheinen zu 100 und 1000 Dollars entsprechen. Es ist umstritten, ob der Wert zu 1000 Roepiah überhaupt noch in Umlauf gesetzt wurde. Abb. 16.1/2: 100 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung von Hütten am Flussufer und Rückseite mit Abbildung eines Mannes mit zwei Büffeln, Größe: 166 x 80 mm, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume, Serienbuchstaben: SO. Beim 100-Roepiah-Schein können deutlich zwei Ausgaben unterschieden werden. Zunächst wurden Scheine in hoher Qualität in Japan gedruckt, während die späteren von schlechter Qualität sind. Neben den genannten Scheinen waren auch Ausgaben aus anderen besetzten Gebieten gesetzliche Zahlungsmittel in Niederländisch-Indien. Vor allem auf Sumatra war viel malaiisches Geld im Umlauf. Abb. 17.1/2: Malaya, 100 Dollars, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung von Hütten am Flussufer und Rückseite mit Abbildung eines Mannes mit zwei Büffeln, Größe: 170 x 82 mm, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume, Serienbuchstaben: MT. Abb. 18.1/2: Malaya, 1000 Dollars, o. D. (1945), Vorderseite mit Abbildung: Büffel ziehen einen Wagen, im Hintergrund eine Hütte und Rückseite mit Abbildung eines Mannes mit zwei Büffeln, Größe: 170 x 82 mm, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume, Serienbuchstaben MA. Im Gegensatz zu den zahlreichen Papiergeldausgaben sind nur wenige Münzen bekannt. Die japanische Münzanstalt in Osaka prägte mit den Jahreszahlen 2603 und 2604 drei Münzwerte für Niederländisch Ostindien:[5] 300 Millionen 1-Sen- und 180 Millionen 10-Sen-Münzen. Die Prägezahl der 5-Sen-Münze ist nicht bekannt. Alle Nominale sind ausschließlich japanisch beschriftet und zeigen Arjuna als Schattenspielfigur, der Wert zu 1 Sen allerdings nur den Kopf.[6] Mit der Jahreszahl 2603 wurden auch Stücke aus Silber geprägt. Für wenige Wochen zirkulierten nach der Besetzung auch japanische Münzen zu 1, 5, 10 und 25 Sen.[7] Abb. 19: 1 Sen, 2604 (1944), Aluminium, Ø 16 mm, 0,6 g. Abb. 20: 5 Sen, 2603 (1943), Aluminium, Ø 19 mm, 0,8 g. Abb. 21: 10 Sen, 2604 (1944), Zinn, Ø 22 mm, 1,0 g. Da die alliierten Truppen beim Vorgehen gegen die Japaner die bevölkerungsreichen Inseln Java und Sumatra umgingen, war der größte Teil Niederländisch-Indiens zum Zeitpunkt der Kapitulation Japans am 15. August 1945 noch besetzt. Über die Menge des von den Japanern in Umlauf gebrachten Papiergelds ist nicht viel bekannt und die Angaben in der Literatur sind sehr widersprüchlich. Die Javasche Bank schätzte 1947 die Umlaufmenge des Militärgelds für Java auf 2,4 Milliarden und für Sumatra auf 1,6 Milliarden Gulden. Nach der japanischen Kapitulation kamen noch weitere 2 Milliarden Gulden in den Verkehr, ohne dass die niederländischen Behörden oder das alliierte Kommando dies genehmigt hätten. Die Scheine gelangten zum Teil in betrügerischer Weise von japanischen Banken auf Sumatra und teilweise auch durch Raub aus den Tresoren der Javasche Bank in Umlauf. Darüber hinaus finanzierte die Regierung von Niederländisch-Indien von September 1945 bis März 1946 große Ausgaben mit Invasionsgeld. Der Gesamtumlauf schwoll auf etwa 8 Milliarden Gulden an. Ende Dezember 1945 befanden sich in den Tresoren der Banken außerdem noch etwa 1,8 Milliarden japanisches Papiergeld. Dabei handelte es sich vor allem um die durch die Inflation unbrauchbar gewordenen kleinen Scheine von 1 bis 50 Cent.[8] Van Gelder nennt einige interessante Zahlen und beruft sich dabei auf eine Veröffentlichung von Spinosa Catella vom November 1945. Danach waren Ende März 1943 an japanischem Militärgeld 97 Millionen Gulden im Umlauf. In den letzten acht Monaten des Jahres 1943 seien weitere 36 Millionen Gulden ausgegeben worden, im Jahr 1944 etwa 532 Millionen, vom 1. Januar bis zum 1. August 1945 etwa 606 Millionen und schließlich vom 1. bis 31. August 1945 nochmals rund 395 Millionen Gulden.[9] An gleicher Stelle finden sich die folgenden Zahlen, die allerdings von den oben genannten erheblich abweichen: Das niederländisch-indische Geld der Vorkriegszeit wurde von den Japanern nie aus dem Verkehr gezogen und behielt seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass die Japaner zu den am 8. März 1942 im Umlauf befindlichen 367 Millionen Gulden, weitere 87 Millionen Gulden aus den Beständen der Javaschen Bank in Umlauf gebracht hatten. Der Befehlshaber der alliierten Landstreitkräfte in Niederländisch-Indien, Generalleutnant Stopford, gab am 6. März 1946 bekannt, dass an die Stelle des Vorkriegsgeldes die Scheine der Netherlands Indies Civil Administration (NICA) treten würden. Diese Staatsnoten wurden bei der American Banknote Company gedruckt. Gleichzeitig ordnete er an, dass die japanische „Invasions“-Währung bis auf Weiteres gültig bliebe – aber bereits gegen die NICA-Noten umgetauscht werden könnten. Ein „japanischer Gulden“ entsprach drei NICA-Cent, also 1 ¼ d.[10] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die Javasche Bank hatte auch eine Niederlassung in Amsterdam. Als die Deutsche Wehrmacht in die Niederlande einmarschierten, gelang ihr zwischen dem 10. und 14. Mai 1940 alle hier gelagerten Goldmünzen nach England zu verschiffen und die vorhandenen Banknoten zu entwerten. Darüber hinaus wurden bei der Druckerei Joh. Enschedé & Zonen die Druckmaterialien für die Wajang-Serie vernichtet. Die Wajang-(Java-Tänzer)-Serie wurde zwischen 1934-1939 in Umlauf gesetzt und ist benannt nach den Wajang-Wong-Tänzern, Prinzen und Prinzessinnen aus den Fürstentümern Solo (Soerakarta) und Djokjakarta, die auf den Scheinen abgebildet sind. [2] Shibata Yoshimasa, The monetary policy in the Netherlands East Indies under the Japanese administration, in: Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde, Japan, Indonesia and the War Myths and realities 152 (1996), no: 4, Leiden, S. 699-724. (24.07.2022). [3] Wie beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs hortete die Bevölkerung auch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die großen silbernen ½-, 1- und 2 ½-Gulden-Münzen. Daher mussten schnell Maßnahmen ergriffen werden. NV Kolff Offsetdrukkerij in Batavia druckte Schatzscheine zu 1 und 2 ½ Gulden. Der 1-Gulden-Schein war bereits 1937 von Lion Cachet als Reserveschein entworfen worden. [4] Gregory Hale, Japanese Invasion Money, Includes photos, descriptions and values of Japanese Invasion Money from World War II, Second Edition, Albany Creek Qld, Australien 2019, S. 30 ff. [5] Am 1. Januar 1873 übernahm die Meiji-Regierung den gregorianischen Kalender. Jedoch wollte man nicht die Jahreszählung nach Christi Geburt einführen. Start der Zählung wurde das Jahr, in dem der erste Tennō Jimmu den japanischen Thron bestieg. Bei dieser Kōki (皇紀) genannten Zählweise fängt die Zeitrechnung im Jahr 660 v. Chr. mit Kōki 1 an. Kōki 2600 bezeichnet demnach das Jahr 1940 der christlichen Zählweise. Die Kōki-Zählweise wurde bis zur Kapitulation Japans beibehalten. [6] Arjuna ist der Sohn des Himmelsgottes Indra und der Königin Kunti, welche mit dem Fürsten Pandu und dessen Nebenfrau Madri in einer polygamen Ehe lebt. Pandu kann aufgrund eines Fluches keine Kinder zeugen; darum gebären seine beiden Frauen Söhne, die von Göttern gezeugt wurden. [7] Gregory Hale, S. 26. [8] Hans P. Weeren, The circulation of paper money in the Netherlands Indies and Indonesia, 1940 – 1950. (17.07.2022). [9] Ed van Gelder; De Japansche Regeering haar papieren betallmiddelen uitgegeven in Nederlandsch-Indie 1942 – 1945, Eigenverlag, Heerlen 1986, S. 29. [10] Hans P. Weeren.

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