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- Anatomie der tibetischen 100-Srang-Note
Das Papiergeld Tibets ist möglicherweise das schönste und kunstvollste unter dem des 20. Jahrhunderts. Es stellt eine einzigartige Mischung aus der Kunstfertigkeit des Druckers und einer langen Tradition der tibetischen Malerei dar. Die hier abgebildete undatierte 100-Srang-Note, die wie ein bunter Wandteppich daherkommt, entführt uns in die geheimnisvolle und exotische Welt Tibets. Sowohl die Schrift[1] wie auch die Darstellungen sind uns fremd und unverständlich, voller mystischer Symbole. Abb. 1: Vorderseite der 100-Srang-Note, Format: ca. 205 x 143 mm. Abb. 2: Rückseite der 100-Srang-Note. Bevor dieser Geldschein genauer betrachtet wird, scheint es sinnvoll zunächst einen kurzen Blick auf das Land und seine Geschichte zu werfen. Die zentralasiatische Region Tibet, auch das Dach der Welt genannt, wird im äußersten Süden von einem großen Teil des Himalayas, im Westen vom Karakorum, im Norden von der Altun-Qilian-Kunlun-Kette und im Osten vom Hengduan Shan begrenzte. Das Hochland liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 4500 Metern. Schon vor dem 7. Jahrhundert entwickelte sich in dieser abgeschiedenen Region eine eigenständige Kultur. Mitte des 13. Jahrhunderts geriet das Hochland unter die Herrschaft Kublai Khans und in den Einzugsbereich des chinesischen Vielvölkerstaates. Infolge der chinesischen Revolution im Oktober 1911 und dem Sturz der Qing-Dynastie proklamierte am 14. Februar 1913 der 13. Dalai Lama, Thubten Gyatsho,in Lhasa die staatliche Unabhängigkeit. Die buddhistische Religion bestimmte das Leben der von der Landwirtschaft lebenden Bevölkerung. Die damalige feudalistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung erinnert an die des europäischen Mittelalters. Meist wurden Waren gegen Waren getauscht. Wenn dies z.B. bei größeren Transaktionen nicht möglich war, wurden die Waren mit Silbermünzen oder -barren bezahlt. Banknoten fanden in Tibet erst relativ spät Eingang, obwohl das Land mehr als 1.000 Jahre lang in Kontakt mit China stand, wo das Papiergeld bereits seit Jahrhunderten genutzt wurde. Als 1912 die ersten Banknoten zu 5, 10, 15, 25 und 50 Tam (auch Tamka, Tramka, Tangka oder Tranga genannt) in Tibet in Umlauf gegeben wurden, betrachtete die Mehrheit der analphabetischen Bevölkerung diese Zahlungsmittel mit großem Misstrauen. Die Scheine wurden zunächst ausschließlich mit schwarzer Tinte mit gravierten Holzplatten # (Xylographie) gefertigt. Erst im Jahr 1926 wurden mehrfarbige 50-Tam-Schein gedruckt. Hierbei verwendete man für jede Farbe einen eigenen Druckstock. Ab 1941 wurde die Tam- durch die Srang-Währung ersetzt.[2] 7 ½ Srang entsprachen 50 Tam oder 1 Srang 6 ⅔ Tam. Zur Ausgabe gelangten Scheine zu 5, 10, 25 und 100 Srang. Nach dem Tod des 13. Dalai Lama im Dezember 1933 geriet Tibet in eine Phase der politischen Instabilität und war viele Jahre lang ohne verantwortungsvolle Führung. Waren die ersten tibetischen Banknoten in streng kontrollierter Anzahl ausgegeben worden und bis zu einem gewissen Grad durch Gold gedeckt, so scheint es, dass diese beiden Vorsichtsmaßnahmen bereits nach der Eröffnung der Notendruckerei und Münzanstalt „Trabshi Lekhung“, die 1932 ihren Betrieb aufnahm, weitgehend aufgegeben wurden. Geldscheine wurden in immer größerer Zahl ausgegeben, um den Staatshaushalt zu decken. Die Inflation nahm besonderes nach Ausgabe der 100-Srang-Noten zu. Der Preis für Gerste, das tibetische Grundnahrungsmittel, lag 1959 zwanzigmal höher als 1936. Nach chinesischen Schätzungen wurden in Trabshi Lekhung zwischen 1932 und März 1959 Münzen und Banknoten im Nennwert von 200 Millionen Srang produziert, dabei entfielen ungefähr 135 Millionen Srang auf das höchste Nominal, die 100-Srang-Note. Die tibetischen Geldscheine bestanden ursprünglich aus drei Lagen Papier, die nach dem Druck der einzelnen Papierbögen zusammengeklebten wurden. Die mittlere Lage nahm dabei einen aufgedruckten Text auf. Die 100-Srang-Note besteht dagegen nur noch aus zwei Lagen, wobei auf der Innenseite eines Blattes die zweizeilige Sicherheitslegende in schwarzer Farbe gedruckt wurde. Wird der Schein gegen eine starke Lichtquelle gehalten, wird das „schwarze Wasserzeichen“ sichtbar. Es bedeutet: „Der Palast der Regierung von Tibet, gekennzeichnet durch den Himmel, der in allen Richtungen völlig siegreich ist“. Wie es scheint, wurden zu Beginn der chinesischen Besatzung einige 100-Srang-Noten ohne sie ausgegeben. Dabei handelte es sich wohl nicht um Fälschungen, sondern um Banknoten, die außerhalb der offiziellen Kanäle in Umlauf gebracht wurden. Das Papier der Srang-Ausgaben wurde in der Nähe von Lhasa in einer speziellen Papierfabrik mit dem Namen „Jing-Dong“ produziert. Es wurde ausschließlich für die Banknoten verwendet und sein Verkauf an Privatpersonen war verboten. Die monatliche Papierproduktion wird auf 500 Kisten geschätzt, von denen jede zwischen 500 und 1.000 Blatt Papier enthielt. Als Rohmaterial des Papiers verwendete man Seidelbaststräucher, nämlich „Daphne papyracea“ sowie die giftige „Daphne bholua“, sie sollte den Papierfraß durch Insekten und Ratten verhindern. Generell ist festzustellen, dass das für die Srang-Banknoten verwendete Papier viel dünner ist, als das für die frühen Tam-Banknoten. In den späteren Jahren der Srang-Ausgaben wird es tendenziell noch dünner, offensichtlich wollte man mit der gleichen Menge an Rohmaterial Papier eine größere Anzahl von Banknoten gherstellen. Die 100-Srang-Noten wurden mit importierten Druckmaschinen aus Britisch-Indien und Metalldruckstöcken gedruckt. Auch weiterhin wurde für jeden Farbton ein eigener Druckstock verwendet. Die Hauptthemen der tibetischen Noten sind religiöser Natur und spiegeln die Kultur des Landes wider. Auf diese uns fremde Welt soll nun näher eingegangen werden. Dabei dienen die Ziffern und kleinem Buchstaben im Kreis des folgenden Textes der Kommentierung der abgebildeten 100-Srang-Note. Abb. 3: Kommentierte Vorderseite der 100-Srang-Note. Abb. 4: Kommentierte Rückseite der 100-Srang-Note. Die Vorderseite der Note ist dreifarbig - Rot, Schwarz und Gelb. Der rote Außenrahmen ① ist mit einem Rautenmuster verziert, in dessen Rauten sich kleine Hakenkreuze befinden. Die Swastika ⓐ, die sich die Nationalsozialisten für ihre Zwecke aneigneten, sind ein altes buddhistisches Symbol für „gutes Omen“ oder „Erlösung“. Der erste innere Rahmen ② zeigt abwechselnd acht heilige Glückssymbole („ashtamangala“), die die tibetischen Buddhisten in Haushalt und öffentlicher Kunst verwenden: Das rechtsdrehende weiße Schnecken-hornⓑ, ist eigentlich ein Musikinstrument. Ruft der Mönch in das Gehäuse, so entsteht der tiefe, melodiöse, durchdringende und allgegenwärtige Laut, wie er in den buddhistischen Klöstern zu hören ist. Genauso wie sich dieser Ton in alle Richtungen verbreitet, so breitet sich der Ruhm der Lehre Buddhas in alle Himmelsrichtungen aus. Die Schnecke steht für ethisches Wissen und Moral. Der endlose Knoten ⓒ spiegelt die Unendlichkeit der Lehre Buddhas wider und die endlose Wiedergeburt, denen der Mensch ausgesetzt ist. Daneben repräsentiert er Kontinuität bei weltlichen Dingen, wie z. B. Freundschaft oder Liebe. Die zwei Goldfische ⓓ symbolisieren Glück, Reichtum und Fruchtbarkeit. Die heilige Lotusblume ⓔ steht für die ursprüngliche Reinheit von Körper, Sprache und Geist. Das Banner ⓕ steht für den Sieg des Buddhismus über die Unwissenheit, des Guten über das Böse. Die Schatzvase oder Urne der Weisheit ⓖ steht für Gesundheit, Langlebigkeit, Wohlstand, Fülle, Weisheit und das Phänomen des Raums. Das Rad ⓗ ist von besonderer Bedeutung. Die acht Speichen stehen für den „Edlen Achtfachen Pfad“, den Buddha als praktische Anleitung verkündete, wie man Weisheit erlangt und Unwissenheit überwindet. Der juwelenbesetzte Sonnenschirm ⓘ repräsentiert den Schutz von Lebewesen vor schädlichen Einflüssen und Krankheit. Einzigartig macht die Scheine die Tatsache, dass sie von Hand nummeriert wurden. Diese Tätigkeit erforderte eine spezielle Fachausbildung in Kalligrafie. Die Kopisten wurden innerhalb des Potala von einem Amt namens „e-khang“ ausgebildet. Dort wurde das kalligraphische Schreiben von Regierungsdokumenten erlernt. Jemandem, der nicht über diese Spezialausbildung verfügt, ist es beinahe unmöglich die auf den Noten geschriebenen Ziffern exakt nachzuahmen. Fälschungen lassen sich deshalb anhand einer laienhaften Schreibweise der Kontrollnummern leicht enttarnen. Die schwarzen Nummern ③ befinden sich in der oberen linken und unteren rechten Ecke des ersten inneren Rahmens. In den beiden oberen Ecken des zweiten inneren Rahmens befinden sich die Währungs-bezeichnung „Srang“ ④ und in den unteren Ecken die Wertangabe „100“ ⑤ in tibetischen Ziffern. Zwischen den Währungsbezeichnungen sowie den Wertangaben die folgenden Texte ⑥: Die Übersetzung lautet: „Papiergeld des 16. Rab-byung[3], der doppelten religiösen und zivilen Macht des Palastes des siegreichen Dga'ldan[4] in allen Himmelsrichtungen. Vom Himmel erwählt“. Die Abbildung ⑦ in der Mitte des Scheins zeigt zwei Schneelöwen, das nationale Symbol Tibets, mit einer Obstschale. Der Schneelöwe ist ein allegorisch-mythologisches Tier des tibetischen Buddhismus. Neben dem schlangetötenden, halb mensch-, halb adlergestaltigen Reittier, dem Garuda, dem Drachen und dem Tiger, gehört er zu den vier Würden der vier Himmelsrichtungen. Das Garuda symbolisiert Weisheit, der Drache sanftmütige Macht, der Tiger Zuversicht und Vertrauen und der Schneelöwe furchtloses Glück. Der Schneelöwe wird der Himmelsrichtung Osten und nach der buddhistischen Fünf-Elemente-Lehre dem Element Erde zugeordnet.[5] Auf der vertikalen Seite des innersten Rahmens findet sich links ein rundes, rotes Siegel ⑧, das die Autorität des XIV. Dalai Lama symbolisiert. Das schwarze, rechteckige Siegel dagegen steht für das Schatzamt ⑨. Es hat eine lesbare Inschrift. Die Quadratschrift wird auch Phagspa-Schrift genannt, die mit „Jede Daseinsform vermehrt das Gute“ oder „Eine friedvolle Regierung bringt Wohlstand hervor“ übersetzt werden kann. Beide Siegel wurden in einer Zeremonie angebracht. Erst dadurch wurde das Papier zu Geld. Die Rückseite weist fünf Farben auf: rot, gelb, grün, blau und rosa. Beherrscht wird die Rückseite durch ein großes Bild, das in der tibetischen Ikonographie die „Sechs Gefährten der Langlebigkeit“ symbolisieren. In der Mitte ein alter, heiliger Mann ⑩ unter einer Linde auf dem Boden sitzend, schräg hinter ihm hockt ein kleiner Jüngling ⓙ. Der Heilige hält eine magische Flasche ⓚ in der Hand, die die Düngung der Erde symbolisiert; die zwei Fledermäuse ⓛ in den oberen Ecken verheißen Glück. Rechts unterhalb der heiligen Männer zwei Hirsche ⓜ, die Wohlstand verheißen. Die zwei Kraniche ⓝ am linken Bildrand stehen für Langlebigkeit. Der Hintergrund des Heiligen ist mit einer Landschaft aus Bergen, Wasserfall ⓞ und Wolken ausgefüllt. Der Wasserfall steht als Sinnbild für den Strom des Lebens. Ein blauer „Punkt“ ⓟunterhalb der rechten Fledermaus, der wie zufällig aufgedruckt erscheint, ist als weiteres Sicherheitsmerkmal anzusehen. Der rote äußere Rahmen ist der gleiche wie auf der Vorderseite: Rauten mit Hakenkreuzen ⓐ. Der innere grüne Rahmen ⑫ ist mit einem Blumenmuster bedruckt, an den vertikalen Seiten des Rahmens ist eine Inschrift in Quadratschrift ⑬ angebracht. Diese sigilläre Texte lauten übersetzt „Palast der Dga’ldan“ (links) und „Siegreich in allen Richtungen“ (rechts). Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und Gründung der Volksrepublik China unter Führung von Mao Tse-tung im Oktober 1949 erwachte der chinesische Anspruch auf Tibet erneut. 1950 marschierte die chinesische Armee in das Land ein und am 23. Mai 1951 unterzeichneten Vertreter Chinas und Tibets das sog. 17-Punkte-Abkommen, mit dem Tibet zur „Autonomen Region Chinas“ wurde. Das Abkommen garantierte die Rechte und die Würde des Dalai Lama als geistliches Oberhaupt des tibetischen Buddhismus. Acht Jahre nach Unterzeichnung der Vereinbarungen begann der sogenannte Tibet-Aufstand. Auslöser war eine Einladung des Dalai Lama zu einer Theateraufführung in einem chinesischen Militärlager außerhalb der Hauptstadt Lhasa, die das geistige und politische Oberhaupt der Tibeter jedoch ohne Leibwächter besuchen sollte. Viele Tibeter fürchteten wegen der bestehenden Spannungen eine Verhaftung und Verschleppung des Dalai Lama. Am 10. März 1959 kam es zu Massenprotesten. China behauptete, dass es sich bei den Demonstrationen um einen von der tibetischen Führung organisierten Aufstand handelte und zog Truppen der Volksbefreiungsarmee zusammen. Am 17. März, eine Woche nach Ausbruch der Proteste, floh der 14. Dalai Lama nach Dharamsala in Indien. Hier nahm die tibetische Exilregierung ihren Sitz. Die tibetischen Banknoten wurden zusammen mit den tibetischen Münzen im August 1959 demonetisiert; dieses Datum markiert auch das Ende der kurzen Geschichte der tibetischen Papierwährung. 50 Srang wurden von den Chinesen in einen Yuan Renminbi umgewechselt. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die tibetische Schrift gehört zu den indischen Schriften. Wie diese, ist sie eine Zwischenform aus Alphabet- und Silbenschrift, eine sog. Abugida. Durch ihre Silbenstruktur unterscheidet sie sich aber grundlegend von den anderen indischen Schriften. Die tibetische Schrift wird hauptsächlich zur Schreibung der tibetischen Sprache in Tibet, des Dzongkha in Bhutan sowie des Bhoti im indischen Unionsterritorium Ladakh verwendet. Sie ist die Schrift, in der die heiligen Texte der tibetischen Buddhisten abgefasst sind. https://de.wikipedia.org/wiki/Tibetische_Schrift (01.09.2021) [2] Der Tam (auch Tangka, Tamka, Tamba) wurde von Nepal aus übernommen. Das Gewicht entsprach ursprünglich 10,5 g Silber. 1914 entsprach 1 Tam ca. 0,12 US-Dollar. Der Srang war ursprünglich eine Gewichtseinheit, die dem chinesischen Tael entsprach und knapp über 37 g wog. 1908 wurde erstmals ein Silber-Srang geprägt, der jedoch nur die Hälfte des Gewichts hatte, nämlich ca. 18,65 g. (28.08.2021) [3]„Der Rab-byung-Zyklus ist ein Sechzig-Jahres-Zyklus indischer Herkunft, auch als (Sanskrit) Brhaspaticakra bezeichnet. Dieser Sechzig-Jahres-Zyklus entstand in Tibet durch Übernahme der indischen „Telinga Jahreszählung“, wobei das Jahr 1027, welches in Tibet das 1. Jahr im 1. Rab-byung-Zyklus ist, mit dem 1. Jahr des 70. Zyklus der Telinga-Zeitrechnung gleichzusetzen ist. Der Rab-byung-Zyklus wurde mit der Übersetzung des Kalacakratantra (Zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts) in Tibet bekannt. Zu Datierungszwecken wurde er aber erst viele Jahrhunderte später verwendet.“ (01.09.2021) [4] Der Text nimmt Bezug auf eines der geistigen Zentren der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus. Dga’ldan ist eines der „Drei Großen Klöster“ Tibets. [5] Der Buddhismus kennt die Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Leere. Literatur: Wolfgang Bertsch: A Study of Tibetan Paper Money with a Critical Bibliography, Dharamsala 1997. Wolfgang Bertsch: The Currency of Tibet, A sourcebook for the Study of Tibetan Coins, Paper Money and other Forms of Currency, Dharamsala 2002. Maurice Muszynski: Anatomie d’un Billet Tibetain, in: pm Magazine, Bulletin de l’Association Française pour l'Etude du Papier-monnaie, No. 7, Janvier 1996.
- Die japanische 10-Yen-Banknote als Vorlage US-amerikanischer Propaganda-Scheine
Im Sommer 1945 warfen fast täglich US-amerikanische Flugzeuge über Japan Propaganda-Flugblätter ab. Wie man aus Geheimdienstberichten wusste, wurden diese Flugblätter wegen der großen abgeworfenen Menge von der japanischen Bevölkerung immer weniger zur Kenntnis genommen. Daher suchte man nach Wegen, erneut Aufmerksamkeit zu erregen. Die Idee bestand darin, Geld vom Himmel regnen zu lassen. Wer könnte dem schon widerstehen und es nicht aufheben? Das Military Intelligence Hawaiian Department unter Oberstleutnant Richardson erhielt den Auftrag, die Vorderseite der aktuellen 10-Yen-Note zu reproduzieren und die freien Rückseiten mit Propaganda-Texten zu versehen. Ziel dieser Aktion war es, Ressentiments in der japanischen Bevölkerung gegen die gegenwärtige japanische Regierung zu erzeugen und Unzufriedenheit zu schüren. Die 10-Yen-Note der Bank von Japan ist 142 x 81 mm groß und gelangte ab 21. Mai 1930 in Umlauf. Von späteren Auflagen unterscheidet sie sich durch die sieben Schriftzeichen, die mittig am oberen Rand der Vorderseite angebracht sind und den Schein als konvertible Note der Bank von Japan identifizieren. Die rechte Hälfte nimmt das Brustbild des japanischen Beamten Wake no Kiyomaro (和気清麻呂; * 733–799 in Kioto) ein, der im Jahr 769 die Thronbesteigung des buddhistischen Mönchs Dōkyō verhinderte – nach der Meiji-Restauration wurde Dōkyō gemeinsam mit zwei weiteren Persönlichkeiten der japanischen Geschichte als die Drei Bösen Japans bezeichnet, da sie gegen das Kaisertum intrigiert hatten. Die Rückseite zeigt die Haupthalle des Goō-Schreins in Kioto, in dem Wake no Kiyomaro verehrt wird. Abb. 1: Bank of Japan, o. D. (1930), 10 Yen, Vorder- und Rückseite. Abb. 2: Gemeinsame Vorderseite der Propagandanote. Die Vorderseite der Propaganda-Note, die als Lithografie produziert wurde, weist die gleichen Maße wie das Original auf und ist eine sehr gelungene Nachahmung. Einziger auffälliger Unterschied ist die Farbe des Stempels des Generaldirektors der Bank von Japan, in Rot auf echten Scheinen und beim Nachdruck in Braun, der gleichen Farbe wie der Unterdruck. Alle Propaganda-Scheine tragen die Nummer 450941 und die Blocknummer 1124. Insgesamt wurden Noten mit vier verschiedenen rückseitigen Propaganda-Texten gedruckt. Jede Ausgabe ist mit einer Code-Nummer in der rechten oberen bzw. unteren Ecke gekennzeichnet: 2009, 2016, 2017 und 2034. Die Botschaft des Scheins mit der Code-Nummer 2009 fordert die Japaner auf, die Steuern mit diesem Schein zu bezahlen. Die Übersetzung des Propaganda-Aufdrucks lautet: „Zahlt mit diesem Geld Ihre Steuern. Die Militärclique (gunbatsu) verschleudert Euer Steuergeld. Das Militär vergeudet für diesen Krieg eine Unsumme von 5000 Yen pro Person. Je länger der Krieg dauert – sei es auch nur ein Tag –, umso mehr verprassen die Militaristen von Eurem Geld.“[1] Abb. 3: Rückseite der Propagandanote mit der Code-Nummer 2009. Der Schein mit dem Code 2016 wendet sich an Fabrikarbeiter. Es war bekannt, dass die Familien von Soldaten und Offizieren besondere Privilegien bei rationierten Waren genossen. Dies nutzten die Propagandisten bei der Abfassung des Rückseitentextes, um Unzufriedenheit unter den Arbeitern zu erzeugen: „Fabrikarbeiter! Bis jetzt haben Sie eine Menge Geld verdient. Aber was nützt es Ihnen? Dieser Schein steht einem 10-Yen-Schein in der Kaufkraft um nicht viel nach. Diejenigen, die sich mit aller Kraft für die Produktion von Kriegswaffen einsetzen, sind nichts anderes als Soldaten. Sie sind Soldaten der Produktion. Aber können Sie ausreichend Reis oder Bier kaufen? Sind auch Sie in der Lage, Sonderrationen zu erwerben, wie sie die Soldaten und deren Familien kaufen können?“ Abb. 4: Rückseite der Propagandanote mit der Code-Nummer 2016. Auch in Japan zeichnete die Bevölkerung Kriegsanleihen, deren Wert im Schein mit dem Code 2017 angezweifelt wird. Die Übersetzung lautet: „An das japanische Volk. Was nützt das Geld in der Bank oder die Anleihen? Wir empfehlen Ihnen, Waren des täglichen Bedarfs und solche, die Sie in der Zukunft brauchen werden, zu kaufen, weil die Waren knapp werden. Wegen der Luftangriffe werden viele Geschäfte bald ihre Türen schließen, während andere nur für begrenzte Zeit geöffnet sein werden. In diesen schwierigen Zeiten empfehlen wir Ihnen, Lebensmittel, Kleidung und Güter des täglichen Bedarfs zu kaufen. Geld allein kann den Hunger nicht stillen oder Sie kleiden. Anleihen werden Ihr Kind nicht vom Weinen abhalten. Wenn Sie umsichtig sind, werden Sie Waren kaufen, anstatt Ihr Geld zu deponieren. Dies ist die Zeit des Kaufs von Waren.“ Anmerkung der Redaktion Natürlich machten sich die US-Militärs nicht wirklich Sorgen darum, ob die Japaner auch genügend zu Essen oder an Bekleidung hatten. Mit diesem Aufruf sollte vielmehr ganz gezielt ein Kaufrausch ausgelöst werden, der zwangsläufig zu Versorgungsengpässen und damit zu wachsender Unzufriedenheit und Verunsicherung in der japanischen Bevölkerung führen sollte. Sämtliche Propaganda war natürlich Teil der sog. "Psychologischen Kriegsführung", die bereits im Ersten Weltkrieg praktiziert wurde. Der letzte Schein, der hier vorgestellt wird, hat den Code 2034 und zeigt anhand von Beispielen die inflationistischen Tendenzen in der Wirtschaft auf: „Bevor die Militärclique den Krieg in China begann, konnte man 1930 die folgenden Waren um 10 Yen kaufen: • 2 to 5 shō [etwa 45 l] guten Reis • oder Stoff für 8 Sommerkimonos • oder 4 hyō [Menge je Sack regional unterschiedlich] Holzkohle. Im Jahr 1937, nach dem Beginn des China-Zwischenfalls, konnte man mit 10 Yen die folgenden Waren kaufen: • 2 to 5 shō Reis minderer Qualität • oder Stoff für 5 Sommerkimonos • oder zwei hyō Holzkohle. Heute, nachdem Ihr drei Jahre lang einen aussichtslosen Krieg mit der größten Weltmacht geführt habt, kann man mit 10 Yen Folgendes kaufen: • 1 shō 2 gō [etwa 2,165 l] Reis von guter Qualität auf dem Schwarzmarkt • eine kleine Menge Holzkohle (wenn man sie bekommen kann) • Baumwollstoff: nichts. Dies sind die Ergebnisse der gemeinsamen Wohlstandssphäre, von der Eure Führer reden!“ Abb. 5: Rückseite der Propagandanote mit der Code-Nummer 2034. Als die US-Militärbehörde nach dem Krieg japanische Führungskräfte interviewte, wurde ihnen von diesen berichtet, dass diese Kriegspropaganda recht erfolgreich war. Uwe Bronnert Abb. 1: Hartmut Fraunhoffer (www.banknoten.de) Abb. 2–5: Uwe Bronnert [1] Die Übersetzungen folgen US-amerikanischen Übersetzungen: Gregory Hale, The Collector’s Guide to Japanese Invasion Money, Second Edition, Albany Creek Qld. 2019, S. 16. SGM Herbert A. Friedman (Ret.), WWII Allied Propaganda Banknotes (30.03.2021).
- Nordafrika im Fokus der Deutschen Wehrmacht
Mit Anmerkungen zur 1000-Francs-Note der Banque de l‘Algerie Der italienische Diktator Benito Mussolini begründete seine Entscheidung an der Seite Hitlers am 10. Juni 1940 in den Krieg gegen Großbritannien und Frankreich einzutreten mit den zynischen Worten: „Er brauche ein paar hundert Tote, um sich an den Tisch der Sieger setzen zu können.“[1] Frankreich stand zu diesem Zeitpunkt vor dem Fall und England würde schon bald folgen, so sein Kalkül. Mussolini setzte daher große Hoffnungen auf einen Sieg über die Briten in Ägypten. Er sollte ihm nicht nur die Herrschaft über die wichtige Schifffahrtsroute durch den Suezkanal sichern und Zugang zu den Ölfeldern des Nahen Ostens ermöglichen, sondern auch ein zusammenhängendes Kolonialreich vom italienischen Libyen bis zum italienischen Ostafrika unter Einschluss von Ägypten und dem Sudan. Zum Zeitpunkt der Kriegserklärung hatte Italien zwei Armeen in der Kolonie Libyen stationiert. Während die 5. Armee die Grenze zum französischen Protektorat Tunesien sicherte, überschritt am 13. September 1940 die 10. Armee mit 170.000 Mann die libysch-ägyptische Grenze. Der Vormarsch erwies sich wie erwartet als äußerst schwierig. Die zahlenmäßig hoffnungslos unterlegenen Briten zogen sich langsam zurück und verminten das hinter ihnen liegende Gelände. Dem italienischen Befehlshaber Marschall Rodolfo Graziani war bewusst, dass aufgrund von Versorgungsengpässen und der unterlegenen Feuerkraft der italienischen Panzer, die alliierten Verbände nicht zu schlagen seien. Daher ließ er seine Truppen etwa 100 km hinter der Grenze in Sidi Barrani halten und Feldbefestigungen bauen. Die Situation in Nordafrika blieb militärisch zunächst weitgehend unverändert, bis die Briten schließlich am 9. Dezember 1940 mit der Operation Compass einen Gegenangriff starteten, die italienischen Stellungen durchbrachen und dabei etwa 40.000 Gefangene machten. Geschockt traten die Italiener fluchtartig den Rückzug an. Bis Anfang Februar 1941 hatten die britischen Truppen die gesamte Cyrenaika besetzt und 130.000 Gefangene gemacht sowie 845 Geschütze und 380 Panzer erbeutet. Hitler sah sich gezwungen, dem bedrängten Verbündeten zu Hilfe zu kommen. Zwar sah die Weisung Nr. 22 vom 11. Januar 1941 zunächst nur die Aufstellung eines „Sperrverbandes“ vor, jedoch wurde schnell klar, dass dies nicht ausreichen würde, um die Niederlage Italiens abzuwenden. Anfang Februar 1941 begann das „Unternehmen Sonnenblume“. Erste Konvois mit deutschen Truppen verließen den Hafen von Neapel in Richtung Tripolis, wo sie am 11. Februar eintrafen. Am 16. Februar wurde der Stab des „Befehlshabers der deutschen Truppen in Libyen“ eingerichtet, der wenige Tage später in „Deutsches Afrikakorps“ umbenannt wurde. Obwohl die deutschen Truppen formal dem „Comando Supremo“, dem italienischen Oberkommando, unterstellt waren, lag die eigentliche Führung des „Afrikakorps“ bei Generalleutnant Erwin Rommel. Auf Anweisung Churchills wurden ab März 1941 britische Truppen zur Verteidigung Griechenlands abgezogen. In der Cyrenaika blieben nur Sicherungstruppen. Diese Schwäche nutzte Rommel. Am 24. März, noch bevor das gesamte Afrikakorps eingetroffen war, wurden die britischen Stellungen bei El Agheila durchbrochen und die Mersa-el-Brega-Stellung genommen. Am 4. April stand die deutsche Panzerspitze vor Bengasi. Das Afrikakorps setzte den Vormarsch weiter fort und erreichte eine Woche später Tobruk, wo sich mehrere australische Divisionen einigelten und sich erst nach 242-tägiger Belagerung am 7. Dezember ergaben. Die Hauptstreitmacht des Afrikakorps folgte den zurückweichenden Briten nach Ägypten. Am 30. Juni 1942 stieß man 100 Kilometer vor Alexandria bei El Alamein an die letzte britische Verteidigungslinie. Den Truppen der Achsenmächte gelang es aber nicht, diese Verteidigungsstellungen zu durchbrechen. Die alliierte Lufthoheit war so erdrückend, dass die Versorgung des Afrikakorps erhebliche Probleme bereitete. In den Monaten Juli, August und September 1941 wurden 43 Schiffe mit 150.000 Tonnen und 64 Kleinfahrzeuge des Afrikana-Nachschubs versenkt. Im Oktober erreichten 60 Prozent aller deutschen Transporte nicht ihr Ziel.[2] Nach vorübergehender Besserung kamen im Herbst 1942 nur noch vereinzelte kleine Schiffe nach Tripolis durch. Die Versorgung der Frontbesatzung wurde noch dadurch erschwert, dass die Güter auf dem Landweg über weite Entfernungen transportiert werden mussten. Es fehlte an Treibstoff, Munition und Lebensmitteln. Am 23. Oktober gingen 230.000 britische, südafrikanische, indische und neuseeländische Soldaten der 8. Armee mit über 1.200 Panzern zum Gegenangriff über. Ihnen standen knapp 100.000 deutsche und italienische Soldaten mit 550 Panzern gegenüber. Als die Briten am 2. November 1942 die deutschen Stellungen durchbrachen, verfügte Rommel gegen den Befehl Hitlers den Rückzug seiner fast völlig aufgeriebenen und erschöpften Truppen nach Libyen. Damit nicht genug. In Marokko und Algerien landeten bei der „Operation Torch“ am 8. November 1942 insgesamt 100.000 US-amerikanische und britische Soldaten, denen anfänglich französische Vichy-Truppen[3] Widerstand leisteten. Als Reaktion auf die Landung der Alliierten in Nordafrika besetzen deutsche und italienische Truppen die Süd-Zone Frankreichs (Unternehmen Anton). Bereits im November 1942 wurden mehrere deutsche und italienische Divisionen aus Frankreich und Italien nach Tunesien verlegt,[4] wo sie in der 5. Panzerarmee unter dem Befehl von General Hans-Jürgen von Arnim zusammengefasst wurden. Sie sollten den Nordwesten Tunesiens gegen die aus Westen anrückenden alliierten Truppen verteidigen. Am 23. Januar 1943 besetzten britische Einheiten Tripolis. Die zurückweichende italienische 1. Armee zog sich gemeinsam mit dem Deutschen Afrikakorps in das südliche Tunesien zurück und bezog Stellung an der Mareth-Linie, eine Befestigungsanlage die Frankreich 1936 und 1940 stark ausgebaut hatte, um das Protektorat Tunesien gegenüber der italienischen Kolonie Libyen zu schützen. Am 16. März griffen die Alliierten sowohl im Süden als auch im Westen an. Nach schweren Kämpfen mussten sich die deutsch-italienischen Verbände immer weiter zurückziehen. Am 9. Mai 1943 konnten sie ihre Stellungen nur noch auf Cap Bon und bei Enfidaville halten. Am 12. Mai kapitulierten die Reste der 5. Panzerarmee und einen Tag später auch die 1. italienische Armee. 160.000 deutsche und 90.000 italienische Soldaten gingen in Gefangenschaft, unter ihnen der Oberbefehlshaber Feldmarschall Giovanni Messe, wie auch General von Arnim. Die deutsche Öffentlichkeit erfuhr erst nach der Kapitulation des Afrikakorps, dass Rommel Afrika bereits im März verlassen hatte. Die deutsche Bevölkerung sprach von einem „2. Stalingrad“ oder passend von „Tunisgrad“. Am 15. Januar 1943 hatte der deutsche General von Arnim das Kommando in Tunesien übernommen, das ab November 1942 von der Versorgung aus Frankreich weitgehend abgeschnitten war. Schon bald machte sich ein Mangel an Zahlungsmitteln höherer Nominale bemerkbar, sodass die tunesische Verwaltung in Vichy um die Erlaubnis bat, 1000-Francs-Banknoten ausgeben zu dürfen. Es ist anzunehmen, dass sich in Tunis größere Reserven an alten, bisher nicht emittierten 100 Francs-Noten der Banque de France befanden. Sie wurden mit „MILLE FRANCS“ und „BANQUE DE L'ALGERIE“ überdruckt. Die Noten sind mit einem Datum zwischen dem 5. Mai und 22. August 1892 versehen und wurden nun aufgewertet in Tunesien zwischen dem 4. Februar und 15. April 1943 in Umlauf gesetzt. Abb. 1.1: BANQUE DE L'ALGERIE, 17-5-(18)92, 1000 Francs, Vorderseite. Abb. 1.2: BANQUE DE L'ALGERIE, 17-5-(18)92, 1000 Francs, Rückseite. Der Druck der 180 x 112 mm großen Scheine ist blau und rosa. Auf der Vorderseite wurden die alten blauen Texte „BANQUE DE FRANCE“ und „CENT FRANCS“ durchbalkt und dafür zwei schwarze Aufdrucke „BANQUE DE L'ALGERIE“ und „MILLE FRANCS“ angebracht. Die links sitzende Frau symbolisiert Minerva, die rechts sitzende Abundantia, die Göttin des Überflusses. im Medaillon links ein Frauenkopf, die Industrie symbolisierend, und rechts ein Frauenkopf als Symbol für die Landwirtschaft. In der Mitte sitzt Merkur schreibend. Die oberen Ecken der Rückseite zeigen in Medaillons die Porträts von zwei jungen Frauen. In der Mitte der Rückseite eine aus drei Personen bestehende allegorische Gruppe: Göttin Fortuna zwischen einer Frau, die auf einer Garbe sitzt und die Landwirtschaft verkörpert und einem auf einem Amboss sitzenden Schmied, der für die Arbeit steht. Das Wasserzeichen zeigt links das Profil eines behelmten Kriegers und rechts das Profil einer Frau mit Haarband. Die Nummerierung ist für die Banque de France typisch. Gedruckt wurden die Serien 1 bis 84 mit jeweils einem Buchstaben des Alphabets. Die Unterschriften stammen vom Generalsekretär J. B. Billotte, dem Generalrechnungsprüfer A. Delmotte und dem Hauptkassierer V. d'Anfreville. Der Entwurf der Note stammt von Daniel Dupuis und G. Duval, die Gravur der Druckplatte von A. Leveille und L. Rousseau. Bereits im Mai 1943, nach der Rückeroberung des Protektorats Tunesien, wurden die Geldscheine wieder eingezogen. Anzumerken ist, dass es ähnliche Aufdrucke für Guadeloupe, die Banque de Madagascar (ausgegeben 1926) und die Banque de l’Afrique Occidentale gibt. Nach der Dienstanweisung für das Deutsche Afrikakorps erhielten Wehrmachtsangehörige für die Dauer ihrer Anwesenheit auf dem afrikanischen Kontinent eine tägliche Zulage zu ihrem Wehrsold. Mannschaftsdienstgrade2 RM, Unteroffiziere 3 RM und Offiziere 4 RM. Die gleiche Regelung galt auch für Wehrmachtsbeamte. Die Afrika-Zulage wurde steuerfrei gewährt und nicht auf andere Zulagen angerechnet. Da sie eine Urlaubs- und Erholungsbeihilfe darstellte, wurde sie dem Empfangsberechtigten erst nach Beendigung des Afrika-Einsatzes ausgezahlt. Im Gegensatz dazu, dürften der Sold in italienischen Münzen und Banknoten ausgezahlt worden sein. Eigene Zahlungsmittel der Wehrmacht für Libyen und Tunesien sind nicht bekannt, verwendet wurden italienische Münzen und Banknoten in Libyen bzw. die auf Francs lautende Währung in Tunesien. Bei den Kämpfen gerieten zahlreiche Soldaten der alliierten Truppen in Kriegsgefangenschaft. Sie führten häufig Geld ihres Heimatlandes mit sich. So gelangten „exotische“ Währungen zum Umtausch an die Wehrmachts-Kassendienststellen in Nordafrika. Die Hauptverwaltung der Reichskreditkassen sah sich genötigt auf die Wehrmachtskurse hinzuweisen, die im Heeresverordnungsblatt, Teil B 1942, aufgeführt waren.[5] So wurden umgetauscht: Abb. 2.1/2: Maria-Theresia-Taler, 1780 (spätere Prägung), Vorder und Rückseite. Welche Bedeutung der Maria-Theresien-Taler noch in Afrika und auf der arabischen Halbinsel hatte, zeigt die Tatsache, dass im Oktober 1941 die Auslandsabwehr beim Reichsfinanzministerium den Antrag stellte, 6.000 Taler der bereits seit dem 1. November 1858 in Österreich demonetisierten Münze in Wien prägen zu lassen. Da noch ein Bestand von 6.900 Münzen vorhanden war, erübrigte sich die Prägung. In den folgenden Wochen wurde aber heftig darüber gefeilscht, wer entsprechende Silbermengen an die Münze zu erstatten habe; auch über die Höhe der Prägekosten wurde gestritten. „Am 31. Dezember 1941 übersandte das Hauptmünzamt dem Reichsfinanzministerium eine Rechnung über 6.033,63 Reichsmark, die sich aus 5.404,86 Reichsmark für Silber, 20,77 Reichsmark für Kupfer, nur 600,- für Prägekosten und 10,- Reichsmark für Verpackung zusammensetzten. Am 22. Januar 1942 präsentierte das Ministerium dem OKW die Rechnung und ersuchte es, diese in Wien direkt zu begleichen.“[6] Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Christian Zentner (Hrsg.), Der Zweite Weltkrieg; Daten, Fakten, Kommentare, Rastatt 1994, S. 153. [2] Ebenda, S. 162. [3] Mit dem Waffenstillstand von Compiègne, der am 22. Juni 1940 in Compiègne unterzeichnet wurde, wurde De-facto Frankreich in einen unter deutscher Militärverwaltung stehenden Nord- und Westteil sowie einen unbesetzten Südteil (etwa 40 % der Landesfläche) mit Vichy als Sitz der französischen Regierung geteilt. Diese Regierung erhob grundsätzlich den Anspruch, weiterhin für ganz Frankreich einschließlich der Überseegebiete zuständig zu sein. Die Vichy-Regierung unter Marschall Philippe Pétain war um eine Neutralität Frankreichs zwischen den kriegführenden Parteien bemüht. Im Gegensatz dazu rief General Charles de Gaulle von London aus zum Kampf gegen die deutschen Besatzer und die Vichy-Regierung auf. Ende Juli 1940 bildet er die Forces françaises libres. [4] Zwischen dem 8. und 10. November 1942 zogen sich die vichy-französischen Streitkräfte in Tunesien unter Kommando von General Georges Barré an die algerische Grenze zurück und überließen den Deutschen kampflos das Land. Erst nach entsprechenden Befehlen des Generals Juín, nahm die Tunesienarmee, das sog. 19. Korps, mit ca. 60.000 Mann den Kampf gegen die deutschen und italienischen Truppen auf. [5] Bundesarchiv Berlin, Aktenbestand R29/260. TAO 2/43. [6] Konrad Schneider, Die Ausprägung von Mariatheresientalern im Auftrag des Oberkommando der Wehrmacht für Zwecke der Auslandsabwehr im Winter 1941/42 und ihre Vorgeschichte, in: Hamburger Beiträge zur Numismatik, Heft 30/32, 1976/78, hrsg. Von Walter Hävernick und Gert Hatz, S. 204. Literatur: Grabowski, Huschka und Schamberg, Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Regenstauf 2006. Maurice Muszynski und Maurice Kolsky, Les Billets du Maghreb et du Levant, Volume 11, Collection Histoire du Papier monnaie Français, Monaco 2002. Zum Buch ...
- „Corona-Fünfziger“
Vor einigen Tagen war ich mit meinem Hund im Wald unterwegs. Immer Ausschau haltend nach interessanten Fotomotiven sah ich an einem Schild einer Wegmarkierung etwas, das ganz nach einer 50-Euro-Banknote aussah. Hatte hier in der Nähe etwa ein Wanderer den Geldschein verloren und ein ehrlicher Finder hatte diesen dort befestigt? Oder machten Kinder einen Schabernack mit einer Imitation und beobachteten aus einem sicheren Versteck die Reaktion der Erwachsenen? Natürlich war meine Neugierde geweckt. Obwohl ich nur einen Teil des Scheins sah, kamen mir beim Näherkommen Zweifel ob seiner Echtheit. Also zog ich ihn vorsichtig aus der Haltung heraus. Ich staunte nicht schlecht, als ich mir das Druckerzeugnis genauer ansah. Hielt ich doch eine waschechte Blüte in der Hand. Abb. 1.1: Blüte, 50 Millionen Coronen, Vorderseite. Abb. 1.2: Blüte, 50 Millionen Coronen, Rückseite. Abb. 2.1: EZB, 2017, 50 Euro mit der Unterschrift der EZB-Präsidentin Lagarde, Vorderseite. Abb. 2.2: EZB, 2017, 50 Euro mit der Unterschrift der EZB-Präsidentin Lagarde, Rückseite. Die Vorderseite war einer echten 50-Euro-Note gut nachempfunden, zeigte andererseits aber auch erhebliche Unterschiede. Statt Euro steht dort „FÜNFZIG MILLIONEN CORONEN“ und an Stelle der Europa-Flagge und der Unterschrift der EZB-Präsidentin Lagarde befindet sich das Konterfeit und die Unterschrift von Bill Gates; darunter klein sechszeilig „DARK WINTER . ATLANTIC / STORM . CLADE X . ID 2020 / EVENT 201 . THE GREAT RESET / GLOBAL GOVERNANCE / ERKLÄRUNGEN HIERZU / WWW.CORONEN.ORG“. Die den Schein dominierende Abbildung, das Renaissance-Fenster, weist zerbrochene Glasscheiben auf und die umgebenden Sterne wurden durch Abbildungen von Corona-Viren ersetzt. Der rechte Streifen mit den Porträt-Hologramm wird angedeutet und enthält von oben nach unten die Kopfbilder des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der Bundeskanzlerin Angela Merkel, des Chefs der Virologie an der Charité Christian Drosten sowie des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, in der Mitte dreizeilig „Sind sie / wirklich / für uns da?“. Schließlich werden am linken Rand nicht die Abkürzung für Europäische Zentralbank in verschiedenen Sprachen angegeben, sondern „NWO IWF UNSC NATO G7 WTO WEF CFR WHO GAVI BLACKROCK FB ALPHABET AMAZON ZOOM“. Auf der Rückseite werden unter der beschädigten Renaissance-Brücke die drei Affen (nichts sehen – nichts hören – nichts sagen) mit Mundschutz abgebildet. Statt des €- Zeichens in der oberen linken Ecke „C“ und des Durchscheinregisters mit dem Kopf Europas, das Brustbild des SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach. In der rechten Ecke wird die Wertangabe EURO durch „MILLIONEN / CORONEN / Coronen bestellen unter / www.coronen.org“ ersetzt. Als Kennziffer wird „ZC1933-1984-2020“ angegeben und auf dem „Schaurand“ „FÜR WAHRHEIT / UND GERECHTIGKEIT“. Zusätzlich nennt der Schein eine Anzahl von Internet-Adressen: www.corona-ausschuss.de, www.corona.org, www.swprs.org, www.wodarg.de, www.nichtohneuns.de und www.reitschuster.de“. Mein Verdacht, dass ich hier einen Propaganda-Flyer von Impfgegnern in Händen hielt, wurde bestätigt, als ich die angegebenen Internetseiten aufrief. Die hier dargebotenen Berichte reichen von besorgten Fragen über kaum nachprüfbare Behauptungen und Falschmeldungen bis hin zu absurden Verschwörungstheorien, wie z. B. um die Person Bill Gates. Danach soll die Bevölkerung aufgrund ihrer Angst vor dem Corona-Virus dazu gezwungen werden, sich impfen zu lassen. Geldgierige Geschäftsleute rund um Microsoft-Gründer Bill Gates injizieren auch gleich einen winzigen Mikrochip in den Körper, um die „totale Kontrolle“ über die Menschen zu erhalten. Als Beweis für ihre Behauptungen, dass das Covid-Virus durch Regierungsstellen freigesetzt wurde, ziehen Impfgegner gerne einige Planspiel heran, die in den USA durchgeführt wurden. Clade X ist die Bezeichnung des Wirkstoffs in einem danach benannten pandemischen Planspiel im Mai 2018 vom Center for Health Security der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Simuliert wurde eine Atemwegserkrankung durch ein Laborvirus. Die Simulation geht von 900 Millionen Toten aus. Andere Quellen sprechen von 150 Millionen Toten. Es war das vierte Planspiel von fünf dieser Art. Im Pandemie-Planspiel „Dark Winter“, das am 22. und 23. Juni 2001 vom Johns-Hopkins-Center for Civilian Biodefense Strategies zusammen mit dem Center for Strategic and International Studies, dem Analytic Services Institute for Homeland Security und dem Oklahoma National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism durchgeführt wurde, simulierten die Forscher eine Pockenepidemie, die von unbekannten Angreifern ausgelöst wurde. Um ähnliche Szenarien ging es auch in anderen Planspielen: Atlantic Storm (2005), SPARS Pandemic 2025-2028 (2017) oder Event 201 (2019). Das Misstrauen gegenüber der deutschen Regierung drücken die Impfgegner nicht nur durch den Aufdruck im Streifen mit den Porträt-Hologramm „Sind sie wirklich für uns da!“ aus, sondern auch in der Angst, dass der Staat Freiheitsrechte beschneidet. Die Kennnummer „ZC1933- 1984-2020“ symbolisiert dies deutlich: 1933 Machtübernahme Hitler und Errichtung des Dritten Reiches; 1984 steht für den totalitären Überwachungsstaat (im Roman von George Orwel); und 2020 deutet auf die Beschränkungen durch die Corona-Gesetzgebung hin. Egal wie man zu den Impfgegnern steht, die Blüte erregt Aufmerksamkeit. Bleibt zum Schluss noch anzumerken, dass sich neben den 50-Millionen-Coronen-Scheine auch 20-Millionen-Coronen-Scheine im Stil der 20-Euro-Note im Angebot der Corona-Leugner befinden, das Bündel zu 100 Stück zum Preis von fünf Euro. Das Porto ist im Preis bereits eingeschlossen. Uwe Bronnert
- Anmerkungen zu einem Wertgutschein der Kantine des Truppenübungsplatzes Jüterbog
Ab 1860 begann die preußische Armee Gelände bei der Stadt Jüterbog zu erwerben, zunächst 249 Morgen seitlich der Chaussee Jüterbog-Treuenbrietzen. Hier wurde der erste Schießplatz errichtet, der anfänglich 650 Meter breit und 850 Meter lang war. 1864 entstanden wohl auch die ersten Kasernen. Damals wurde der Feind von den Artilleristen noch im direkten Richten bekämpft und das Ergebnis konnte noch von der Batteriestellung beobachtet werden. Bedingt durch die rasante Entwicklung der Waffentechnik (rauchloses Pulver als Treibladung, Dynamit als Sprengmittel der Granaten und das Laden der Geschütze von hinten) waren Ziele in viel größerer Reichweite möglich und man ging zum indirekten Schießen über. Da man für das Übungsschießen ein hügliges Gelände benötigte, dass eine Weitsicht erschwerte und gefechtsnahe Bedingungen entsprach, wurde der Schießplatz durch Ankäufe von weiteren Ländereien erweitert. Zuletzt war er rund 8.000 ha groß. Truppenübungsplatz Jüterbog, "Altes Lager" in der Zeit des Ersten Weltkriegs (Abb. https://ansichtskarten-lexikon.de) 1897 wurde aus dem Schießplatz der Truppenübungsplatz, der einen eigenen Heeresgutsbezirk bildete. Von den 2.229 Einwohnern waren im Jahr 1900 1.996 Soldaten von Heer und Marine. Ab 1909 fanden Schießversuche mit der „Dicken Berta“ statt. Das Geschütz wurde auf dem Pionierübungsplatz Markendorf in Stellung gebracht und damit Ziele auf dem Schießplatz in Jüterbog beschossen. Nach dem Ersten Weltkrieg durfte das Deutsche Reich nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags nur noch ein Berufsheer von 100.000 Mann zuzüglich 15.000 Marinesoldaten unterhalten. Auch der Besitz schwerer Waffen war untersagt, dies galt nicht nur für jegliche Art von Luftstreitkräften, Panzerfahrzeugen, U-Booten und Großkampfschiffen, sondern auch für Artillerie oberhalb des Kalibers 105 mm. Obwohl die Bestimmungen bis 1927 von der Interalliierten Militär-Kontrollkommission überwacht wurden, umging die Reichswehr-Führung durch eine Reihe geheimer und illegale Maßnahmen diese. Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb der Truppenübungsplatz in Jüterbog als Artillerie-Schießplatz erhalten. Truppenübungsplatz Jüterbog, Verwaltungsgebäude und "Neue Kaserne" 1925 (Abb. https://www.lexikon-der-wehrmacht.de) Schießplatz Jüterbog, St. Barbara-Kirche 1929 (Abb. https://ansichtskarten-lexikon.de) Aus der Zeit der "Weimarer Republik" stammt ein Wertgutschein über 50 Reichspfennig der Kantine des „TrÜbPlatzes Jüterbog, Schiessplatz“, aus dem Jahr 1929. Der Schein ist einseitig mit blauer Schrift auf einem gelblichen, gemusterten Papier gedruckt. In den vier Ecken die Zahl 50 und in der Mitte das Wappen von Jüterbog. Das geteilte spätgotische Wappenschild ist oben silberfarbig und Rot, darauf ein vom Betrachter links springender schwarzer Bock mit goldenen Hufen und Hörnern. Zusätzlich trägt der Schein ein Siegelabdruck mit dem auffliegenden preußischen Adler und der Umschrift „AMT SCHIESSPLATZ JÜTERBOG – JÜTERBOG-LUCKENWALDE". Am rechten unteren Rand die Kontrollnummer „00070“. Abb. 1: Jüterbog, Kantine TrÜbPlatz, Schießplatz, 1929, 50 Reichspfennig, Vorderseite. Abb. 2: Jüterbog, Kantine TrÜbPlatz, Schießplatz, 1929, 50 Reichspfennig, Rückseite. Warum dieser Schein ausgegeben wurde, ist leider nicht bekannt. Da er jedoch keinen Siegelabdruck einer militärischen Einheit trägt und von einer zivilen Behörde ausgegeben wurde, ist anzunehmen, dass damit zivile Beschäftigten des Übungsplatzes entlohnt wurden oder darüber eine Zusatzversorgung erhielten. Vielleicht wollte man damit erreichen, dass das Geld vor Ort ausgegeben wurde. Verschiedene Kommunen verfuhren so während der Weltwirtschaftskrise. Truppenübungsplatz Jüterbog, "Altes Lager" (Luftaufnahme) 1933 (Abb. https://ansichtskarten-lexikon.de) Ab 1930 fanden wieder vermehrt Übungen auf dem Truppenübungsplatz statt und im Alten Lager entstand 1933 der Fliegerhorst Niedergörsdorf und im Zinnaer Forst wurde Anfang der 1930iger Jahre das Adolf-Hitler-Lager (auch als Lager III oder Waldlager bezeichnet) errichtet. 1934 war Jüterbog der größte Truppenübungsplatz Deutschlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände bis 1992 von der Roten Armee genutzt. Im April 1994 ging es wieder in deutsche Verwaltung über und ist seit dem 24. November 1999 Naturschutzgebiet (Forst Zinna-Jüterbog-Keilberg), dass bei Waldbränden in der Presse immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Im August 2018 hieß es z. B., dass das Brandgebiet so groß ist, dass es zwei Stunden dauere, um es mit einem Geländewagen zu umrunden. Es gebe kaum Wege in dem Waldgebiet. Das Feuer könne nicht direkt bekämpft werden, weil sich im Boden noch Munition befinden könnte. Uwe Bronnert
- KdF-Sparer fordern Vertragserfüllung – Certifikat der Arbeits- und Interessengemeinschaft
Im Herbst 2015 wurde bekannt, dass bei bestimmten VW-Dieselmotoren eine Software eingebaut war, die den Ausstoß von Stickoxid nur auf dem Prüfstand senkt, nicht aber im Straßenverkehr. Rund um den Globus gab es mehrere Gerichtsverfahren. VW musste in der Folge Entschädigungszahlungen sowie Gerichtskosten von rund 32 Milliarden Euro leisten. Für den Weltkonzern aus der niedersächsischen Provinz ist das kein Novum. Schon in seinen frühen Jahren musste Volkswagen sich mit Forderungen Hunderttausender Kunden auseinandersetzen, die allerdings nie einen VW besessen hatten. Begonnen hatte alles in den 1930er Jahren. Schon 1930 beschäftigte sich der Reichsverbandes der Deutschen Automobilindustrie (RDA) mit dem Projekt, ein kostengünstiges Auto zu fertigen. Im März 1934 propagierte Adolf Hitler dann anlässlich der Eröffnung der Automobilausstellung das Auto für Jedermann und beauftragte den Konstrukteur Ferdinand Porsche mit der Planung eines Fahrzeugs, das nicht mehr kosten sollte als ein mittleres Motorrad. Schon 1935 fuhren die ersten luftgekühlten Prototypen des Volkswagen zu Testzwecken auf Deutschlands Straßen. Im Mai 1937 wurde die „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens“ (Gezuvor) gegründet und ein Jahr später, am 26. Mai 1938, legte Hitler im Rahmen einer aufwendigen Einweihungsfeier den Grundstein für das Volkswagenwerk in Wolfsburg. Träger des gesamten Projekts war die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF), eine Unterorganisation der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF), die 50 Millionen Reichsmark zur Verfügung stellte. Dieses Geld stammte fast ausschließlich aus dem beschlagnahmten Vermögen des ehemaligen „Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes“ (ADGB). Abb. 1: Titelseite der Werbeschrift „Dein KdF-Wagen. Ab 1. August 1938 wurde der KdF-Wagen, wie er nun hieß, mit dem Slogan „5 Mark die Woche mußt du sparen, willst du im eigenen Wagen fahren!“ beworben. Das Serienmodell sollte 990 RM, die Cabrio-Limousine 1050 RM kosten, hinzu kamen 200 RM für eine zweijährige Kasko- und Haftpflichtversicherung sowie 60 RM für den Transport zur jeweiligen Gau-Hauptstadt des Käufers. Der Prototyp des Volkswagens war 4,20 Meter lang, 1,55 Meter breit und hoch und bot Platz für vier Erwachsene und ein Kind. Das Auto hatten einen Vierzylinder-Boxermotor, der im Heck des Wagens untergebracht war. Die Zylinder arbeiteten im Viertakt und hatten einen Hubraum von 986 ccm. Bei einer normalen Drehzahl von 3000 p. M. leistete der Motor 23,5 PS, das entsprach einer Reisegeschwindigkeit von 100 km/h; der Verbrauch lag bei sechs bis sieben Liter auf 100 Kilometer (Angaben nach der Werbebroschüre „Dein KdF-Wagen). Bezahlt werden sollte das Auto durch Sparraten von wöchentlich mindestens 5 RM. Zum Nachweis der Sparraten mussten Marken, die von den örtlichen Dienststellen der KdF ausgegeben wurden, auf besondere KdF-Wagen-Sparkarten geklebt werden. War eine Karte voll, d.h. 250 RM angespart, gab es eine neue, bei der dritten die Gaubestell- und bei der vierten die Reichsbestellnummern, die vom VW-Werk ausgegeben wurden. In der Reihenfolge der Reichsbestellnummern sollten die Wagen dann ausgeliefert werden. Das von den Sparern eingezahlte Geld wurde treuhänderisch von der Deutschen Arbeitsfront verwaltet. Entgegen der offiziellen Propaganda kam der KdF-Wagen nicht als ein „Volkswagen“ für die Arbeiterschaft in Betracht. Bei den KdF-Sparern handelte es sich überwiegend um vergleichsweise gut situierte Mittelständler. Facharbeiter, deren Tariflöhne damals bei weniger als 80 Pfennig/Stunde lagen, konnten es sich nicht leisten, jede Woche für 5 RM Sparmarken zu erwerben. Ende 1939 sparten bereits 273.000 Kaufinteressenten für einen KdF-Wagen. Ende Dezember 1944 betrug die gesamte Sparsumme 268 Millionen RM bei 336.638 Sparern (Oktober 1944). Abb. 2: KdF-Wagen-Sparkarte. Abbildung aus: „Dein KdF-Wagen", S. 26. Abb. 3: Sparmarke über 5 RM für KdF-Wagen, Deutsche Arbeitsfront. Nach dem Willen des Führers sollten innerhalb weniger Jahre mindestens 6.000.000 KdF-Wagen auf den Straßen des Deutschen Reichs unterwegs sein und innerhalb von zehn Jahren sollte jeder arbeitende Deutsche einen Volkswagen besitzen. Doch es sollte alles anders kommen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Fertigung des KdF-Wagens als ziviler Pkw zugunsten militärischer Fahrzeuge eingestellt. Kübelwagen Typ 82, Kommandeurswagen Typ 87 und Schwimmwagen Typ 166 basierten allesamt auf dem KdF-Wagen. Keiner der KdF-Sparer konnte für sein Guthaben ein Fahrzeug in Empfang nehmen. Die 630 bis dahin produzierten zivilen Autos wurden an das Deutsche Afrikakorps, die Luftwaffe und zivile Dienststellen ausgeliefert. Nach dem Krieg forderten die ehemaligen Sparer Vertragserfüllung vom VW-Werk. Deren Geschäftsleitung lehnte dies jedoch mit dem Hinweis ab, dass nicht sie, sondern die KdF-Organisation der Vertragspartner gewesen sei. Auch habe das VW-Werk keine Zahlung erhalten. Abb. 4: Certificat der Arbeits- und Interessengemeinschaft, o. D., 5 DM / Dollarmark, Vorderseite, Größe: 122 x 76 mm Abb. 5: Certificat der Arbeits- und Interessengemeinschaft, o. D., 5 DM / Dollarmark, Rückseite. Auf der Rückseite des hier vorgestellten Dollarmark-Zertifikats ist folgender Text aufgedruckt: Mahnung Das Volkswagenwerk Wolfsburg-Fallersleben wurde mit Hilfe der Kreditstütze der Volkswagensparer, welche 1945 zu einem Kapitalbetrag von 302 Millionen Reichsmark angewachsen war, errichtet zu dem Zweck, einen Volkswagen zum Preise von ca 1000 Mark auf den deutschen Markt zu bringen und die mit den Volkswagensparern abgeschlossenen Verträgen zu erfüllen. Technische Gutachten ergeben, daß auch heute dieser Preis in DM nicht überschritten zu werden brauchte. Die Sparer sind ihren Pflichten aus den auf Treu und Glauben mit dem Werk abgeschlossenen Verträgen nachgekommen. Durch Nichteinhaltung der gegebenen Lieferversprechen, Preissteigerung und Mißbrauch der Spargelder wurde der Sparer um die Lieferung seines angesparten Volkswagens betrogen. Dieser Betrug ist wieder gutzumachen. Jeder, der für diese Wiedergutmachung eintritt, ist berechtigt, dieses Certificat zu erwerben. Unterschrift und Anschrift des Geschädigten Das Certificat ist ohne diese Unterschrift ungültig. Leider findet sich auf dem Schein keine Ortsangabe und auch die Unterschrift ist nicht zweifelsfrei zu entziffern, sodass eine Zuordnung zu einem der vielen Hilfsverein nicht möglich ist. Auch das verwendete Wappen hilft nicht weiter. Erst im Oktober 1961 endete der zwölfjährige Rechtsstreit, der durch neun Instanzen ging und den Bundesgerichtshof in Karlsruhe viermal beschäftigte. Der 66jährige Rentner Karl Stolz aus dem sauerländischen Dorf Erlinghausen und sein Mitstreiter Rudolf Meichsner erklärten sich schließlich bereit, den Vergleichsvorschlag des Karlsruher Senatspräsidenten Dr. Kurt Padendarm anzunehmen; und auch der VW-Chef Heinz Nordhoff war des Prozessierens müde. Unter dem Titel „Nordhoff zahlt“ berichtete die Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ in Heft 44/1961 über einen gerichtlichen Vergleich zwischen der Volkswagen AG und einem Verein aus dem Hochsauerland. Danach erhielten Sparer, die mehr als 750 RM angespart hatten, die Möglichkeit, einen Volkswagen mit 1,2-Liter-Motor 600 DM unter dem Listenpreis zu erwerben. Bei Kaufverzicht sollten 100 DM bar ausgezahlt werden. Wer mehr als 500 RM angespart hatte, erhielt einen Rabatt beim Kauf von 450 DM bzw. 75 DM bar usf. Im Gegenzug konnte VW-Chef Nordhoff nun über das Arbeitsfront-Konto 21 706 bei der ehemaligen Bank der Deutschen Arbeit verfügen. Auf ihm waren knapp 300 Millionen RM eingefroren, die nun gemäß Umstellungs-Ergänzungsgesetz auf fünf Prozent abgewertet wurden. Uwe Bronnert Literatur: Werbebroschüre „Dein KdF-Wagen“. Johannes Bähr, „Dein Sparen hilft dem Führer.“ Sparen in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Sparen. Geschichte einer deutschen Tugend, hrsg. von Robert Muschalla für das Deutsche Historische Museum, Berlin 2018. Es läßt sich nachrechnen, in: Der Spiegel 8/1952. Nordhoff zahlt, in: Der Spiegel 44/1961.
- Notaphile Gedanken zum Martinstag
„Laterne, Laterne, …“. Jedes Jahr ziehen Scharen von Kindern mit bunten Laternen Martins- und Laternenlieder singend durch die dunklen Straßen zu einem Platz, wo das Martinsfeuer entfacht wird. Hier verteilt Sankt Martin Stutenkerle (Wecken) aus Hefeteig an Kinder mit strahlenden Augen. Die Szene des Lampionumzugs vor der Stadtsilhouette mit dem voranreitenden Heiligen Martin, der seinen Mantel teilt und ihn einem frierenden Bettler gibt, hat der 50-Pfennig-Kriegsnotgeld-Schein vom 20. Oktober 1918 der Stadt Erfurt stimmungsvoll festgehalten. Er wurden ab dem 5. Februar 1919 ausgegeben und blieb bis zum 2. Januar 1922 im Umlauf. Unterzeichnet sind sie von Oberbürgermeister Dr. Hermann Schmidt und Stadtrat Wallis. In einer kleinen runden, weißen Aussparung befindet sich ein kleiner Trockenstempel mit dem Stadtsiegel. Der mehrfarbige Gutschein ist 86 x 52 mm groß und wurde auf Papier mit dem Wasserzeichen „Stern-Sechseckmuster“ von der Druckerei Ohlenroth in Erfurt gedruckt. Die Auflage betrug eine Million Exemplare. Hierfür berechnete die Druckerei ca. 9.000 Mark. Der Entwurf stammt von Prof. Friedrich Sass (1873 – 1925). Er war Oberlehrer ab der Kunstgewerbeschule in Erfurt.[1] Abb. 1.1: Erfurt, Stadt, 20. Oktober 1918, 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 1.2: Erfurt, Stadt, 20. Oktober 1918, 50 Pfennig, Rückseite. Meines Wissens ist dies der einzige Geldschein, der den Martins-Umzug thematisiert. Dies kommt nicht von ungefähr. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert entwickelte sich im Rheinland der Brauch der Martins-Umzüge, bei denen der heilige Martin als Soldat oder Bischof mitreitet. Die Laternenumzüge selbst gehen auf Lichterprozessionen zurück, die am Vorabend hoher kirchlicher Feste stattfanden und das Martinsfeuer dürfte ein Überbleibsel eines vorchristlichen, germanischen Erntedankfestes sein. In der christlichen Symbolik kommt dem Licht eine besonders wichtige Bedeutung zu. Es steht für die Heiligkeit Gottes und für Christus, während die Dunkelheit den Teufel und das Böse versinnbildlichen. Wer war eigentlich der Heilige Martin, an den jährlich am Martinstag (Martini) am 11. November – besonders in katholischen Gegenden – auch mit Gänsebraten erinnert wird? Martin ist einer der bekanntesten Heiligen und der erste, dem diese Würde nicht als Märtyrer, sondern als Bekenner des christlichen Glaubens zugesprochen wurde. Um ihn ranken sich verschiedene Legenden. Er wurde um das Jahr 316 als Sohn eines römischen Militärtribuns in Savarin, dem heutigen ungarischen Szombathely (Steinamanger) geboren. Bereits im Alter von 15 Jahren wurde er Soldat im römischen Heer. Ab 334 diente er bei der Reiterei der Kaiserlichen Garde in Amiens (Gallien). Hier spielte auch die allseits bekannte Geschichte. An einem Wintertag begegnete er vor dem Stadttor einem spärlich bekleideten Bettler, der ihn um eine Gabe anflehte. Da Martin außer seinem Schwert nur einen Militärmantel bei sich hatte, teilte er diesen und gab eine Hälfte dem frierenden Mann. Abb. 2.1: Schweizerische Nationalbank, 7. März 1973, 100 Franken, Rückseite. Abb. 2.2: Schweizerische Nationalbank, 7. März 1973, 100 Franken, Vorderseite. Zu Beginn der 1950er Jahre entschloss sich die Schweizerische Nationalbank, eine neue Banknotenserie zu emittieren. „Man wollte sich neuer Methoden der Papierherstellung, des Druckverfahrens und der Farbmischung bedienen und natürlich dem Zug der Banknotengestaltung in anderen Ländern folgen und die Scheine moderner und gefälliger gestalten.“[2] Ab 1955 gelangte die ersten Noten der neuen Serie in den Umlauf. Sie bestimmten die nächsten 20 Jahre das Notenbild des Schweizerfranken. Entworfen wurde die 5. Serie vom Grafiker Pierre Gauchat [* 5. Januar 1902 in Zürich; † 26. Februar 1956 in Kairo]. Der Künstler thematisiert Werden und Vergehen mit der Darstellung des „Totentanzes“ auf der Rückseite des Tausenders und des „Jungbrunnes“ beim Fünfhunderter. Für Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe steht die Rückseite der 100-Franken-Banknoten, auf der der Heilige Martin seinen Mantel teilt. Scheine zu 50 Franken, die mit der Abbildung der Apfelernte die Fruchtbarkeit symbolisieren, vervollständigen die Serie. Gedruckt wurden die Noten in Kupferdruck und Offsetdruck in London bei Thomas de la Rue. Der Erstausgabetag der 100-Franken-Note war der 14. Juni 1957. Sie wurden am 1. Mai 1980 zurückgerufen und waren noch bis zum 30. April 2000 gültig. Insgesamt wurden 250 Millionen Noten mit verschiedenen Ausgabedaten gedruckt (25. Oktober 1956 – 7. März 1973). Abb. 3.1: Meiningen, Kleinrentner-Nothilfe, o. D., 75 Pfennig, Rückseite. Abb. 3.2: Meiningen, Kleinrentner-Nothilfe, o. D., 75 Pfennig, Vorderseite. Im thüringischen Meiningen ließ die Kleinrentner-Nothilfe 1922 vier farbenfrohe Spendenscheine zu 75 Pfennigen bei der Firma Offsetdruck Arthur Kirchner in Erfurt drucken. Die Rückseite eines Scheins zeigt in einem blätterbekränzten Halbkreis die bekannte Szene. Unter dem Bild zweizeilig „Der Heilige Martin / teilt seinen Mantel mit dem Armen“. Die Vorderseite ist dreigeteilt. Im oberen Feld ein Bibelzitat aus dem Alten Testament: „Wohltun ist wie ein gesegneter Garten / und Barmherzigkeit bleibt ewiglich. Sir 40,17.“ Im unteren Feld dreizeilig: „Dieser Schein ist lediglich der / Wohltätigkeit gewidmet, nicht / für den Zahlungsverkehr bestimmt“. In der Mitte links und rechts von der Wertzahl „75“ eingerahmt der vierzeilige Text „Notgeld der / Kleinrenter- / Nothilfe in / Meiningen“. Nach der barmherzigen Handlung erschien Martin in der folgenden Nacht Jesus Christus im Traum, bekleidet mit dem halben Mantel des Bettlers. Seine Worte „… ich war nackt und ihr habt mir Kleider gegeben … Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ [Matthäus Evangelium, 25, 35–40] sind der Auslöser für Martin, sich taufen zu lassen, seinen Soldatendienst aufzugeben und Schüler des berühmten Kirchenlehrers Hilarius zu werden. Um das Jahr 370 wählten ihn die Bürger von Tours zum Bischof. Da er sich selbst als unwürdig empfand, versteckte er sich im Gänsestall. Jedoch verrieten ihn die aufgeregt schnatternden Gänse und so musste er das Bischofsamt annehmen. Nach einer anderen Legende watschelten die Gänse während eines Gottesdienstes in die Kirche und störten durch ihr Geschnatter Martins Predigt – zur Strafe wurden sie gebraten. Historiker sind sich einig, dass die Tradition des Martinsgans-Essens darauf beruht, dass am 11. November die Steuer oder Lehensabgabe fällig wurde und diese meist in Naturalien – etwa einer Gans – erbracht wurde. Zugleich war der 11. November der letzte Tag vor der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten. Die letzte Gelegenheit, noch einmal einen deftigen Braten zu genießen. Am 8. November 397 starb der Bischof von Tours im Alter von 81 Jahren bei einem Besuch in Candes. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er am 11. November in Tours beigesetzt. Bereits wenige Jahre nach seinem Tod wurde sein Grab im Kloster Primulacum und hier besonders sein Mantel zum Pilgerziel. Um 480 legte Perpetuus, der dritte Nachfolger Martins als Bischof von Tours, den Gedenktag des heiligen Martin auf den Tag seiner Beisetzung. Zahlreiche Gemeinden, wie z. B. die Stadt Bingen und die Stadt Lorch, führen in ihrem Wappen den Heiligen Martin. Von diesen beiden Städten sind einige Notgeldscheine bekannt, bei denen dieses Wappen ein bestimmendes Gestaltungselement ist. Die Stadt Lorch gab unter dem Datum vom 20. August 1920 Serienscheine zu 10, 25 und 50 Pfennigen aus, die auf der Vorderseite jeweils groß das Stadtwappen mit dem Heiligen Martin zeigen. Abb. 4.1: Lorch, Stadt, 20. August 1920, 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 4.2: Lorch, Stadt, 20. August 1920, 50 Pfennig, Rückseite. Vielleicht noch auffälliger ist diese Darstellung auf der Vorderseite der Gutscheine zu 50 Pfennig sowie 5 und 10 Mark der Stadt Bingen vom 25. Oktober 1918. Ausgegeben wurden sie wegen des Zahlungsmittelmangels am Ende des Ersten Weltkriegs. Den Druck der Scheine besorgte J. Maulbach & Co in Frankfurt am Main. Abb. 5.1: Bingen, Stadt, 25. Oktober 1918, 10 Mark, Vorderseite. Abb. 5.2: Bingen, Stadt, 25. Oktober 1918, 10 Mark, Rückseite. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Angaben nach Hans-Peter Brachmanski, Torsten Pappler, Ringo Staudt, Erfurter Papiergeld und geldähnliche Belege von 1814 bis 2001, Selbstverlag 2020, S. 29. [2] Herbert Rittmann, Schweizer Münzen und Banknoten, Zürich und München 1980, S. 47.
- Gregor MacGregor, König der Betrüger – „Cazique of Poyais“
Am 10. September 1822 verließen 70 Auswanderer auf der Brigg „Honduras Packet“ London. Bei ihnen handelte es sich hauptsächlich um Schotten, vor allem um ältere Männer und Frauen. Nicht nur Bauer und Handwerker, sondern auch Ärzte, Ingenieure und sogar Bankiers wollten ihr Glück im sagenhaft reichen Poyais versuchen, angelockt durch Thomas Strangeways[1] Reisebeschreibung „Sketch of the Mosquito Shore, Including the Territory of Poyais“. Sie beschrieb das Land als ein wahres Paradies mit kristallklarem Wasser, von exotischen Pflanzen bedeckten Berghängen und einem höchst angenehmen und gesundem Klima. Das fruchtbare Land ließe jedes Bauernherz höherschlagen. Das ganze Jahr über ließen sich tonnenweise Mais und anderer Feldfrüchte ernten, auch Kakao, Kaffee, Zuckerrohr, Tabak, Baumwolle, edle Gewürze und Indigo gediehen prächtig. In den Wäldern wüchsen Mahagoni, Orangen, Vanille und Pfeffer. Durch die Ebenen spazierten Antilopen, Truthähne und Wildschweine. Die Flüsse und die Küstengewässer böten Fisch in Überfluss sowie Austern von höchst delikater Qualität. Zudem fände man in den Flüssen tonnenweise Goldstaub. Auch Arbeitskräfte gebe es genügend. Die eingeborenen Indianer würden bereitwillig für monatlich 25 Schilling arbeiten, jedoch zögen sie es vor, in Kleidung und Tand entlohnt zu werden. In der aufstrebenden Hauptstadt „St. Joseph“ gebe es ein Schloss, Parlamentsgebäude, Opernhaus, Kathedrale, Krankenhaus, Schulen und von Palmen gesäumte Boulevards mit Villen sowie moderne Hafenanlagen. Abb. 1: Thomas Strangeways: Sketch of the Mosquito Shore, Including the Territory of Poyais Quelle: Fast alles in diesem Buch war Fiktion, aber es zerstreute jeden Zweifel beim Publikum. Es gelang dem selbst ernannten Prinzen von Poyais, Gregor MacGregor, poyaisische Landzertifikate zu zwei Schilling und drei Pence pro Acre[2], ungefähr dem Tageslohn eines Arbeiters, abzusetzen. Die Nachfrage nach den Papieren war so groß, dass er im Juli 1822 den Preis auf zwei Schilling und sechs Pence und schließlich auf vier Schilling anheben konnte. Von der renommierten Londoner Bank „Sir John Perring, Shaw, Barber & Co.“ erhielt er ein Darlehen über 200.000 Pfund. Als Sicherheit sollten alle Einnahmen der Regierung von Poyais dienen, einschließlich der Erlöse aus dem Verkauf von Land und den Einnahmen aus der 6%igen poyaisischen Anleihe vom 23. Oktober 1822. Diese wurde Interessenten zu 80 Prozent des Nominalwertes in Stücken zu £ 100, £ 200 und £ 500 zur Zeichnung angeboten. 15 Prozent des Kaufpreises waren sofort fällig, der Rest in zwei Raten am 17. Januar und 14. Februar 1823. Den Anlegern wurde ferner die Möglichkeit eingeräumt, ihre Obligationen jederzeit gegen gleichwertigen Grundbesitz in Poyais umzutauschen. Der Verkaufserfolg war überwältigend. Zusätzliche Einnahmen generierte der „Fürst“ durch den Verkauf von Titeln und Posten in seinem Militär oder für das Recht, Schuhmacher oder Juwelier der Prinzessin zu sein. Er gab sogar eigene Banknoten aus, in die die Auswanderer ihre Ersparnisse und Erlöse aus dem Verkauf von Hab und Gut bereits in Schottland in die in Poyais gültige Währung wechseln konnten. Die Banknoten sind im Stil der damaligen englischen und US-amerikanischen Noten ausgeführt: Einseitiger Druck mit schwarzer Schrift und einer kleinen Vignette (die das Staatswappen von Poyais zeigt) sowie Verwendung von Wasserzeichenpapier. Der Notentext verspricht dem Besitzer die Auszahlung von „One Hard Dollar“ – d. h. in Silber-Dollar-Münzen – bei Vorlage bzw. drei Monate nach Sicht in den Geschäftsräumen der Bank of Poyais in St. Joseph. Emittent war jedoch nicht die Bank, sondern seine „Highness (Hoheit) Gregor, Cazique of Poyais“. Die Gravur der Druckplatte wie auch den Druck selbst besorgte William Home Lizars [* 1788 in Edinburgh; † 30. März 1859 in Jedburgh]. Dies ist unterhalb der Vignette vermerkt: W.H. Lizars Sculpt EdinI. Lizars. Er arbeitete auch für die Bank of Scotland. Es haben sich wohl nur Blanketten erhalten. Bei den bekannten Exemplaren fehlen am unteren rechten Rand die Unterschriften des Managers und einer weiteren Person, Accontant genannt, ferner die Kennnummer. Am 16. Dezember 2008 wurde eine Note bei „Staples Numismatic, Inc.“ für 3.950 US-Dollar angeboten. Abb. 2: Bank of Poyais, o. D., 1 Hard Dollar von 182…, Vorderseite. Abb. 3: Staatswappen von Poyais (Ausschnitt aus der Banknote) Unter dem Staatswappen der Wahlspruch „IN LIBERTA TE SOCICORUM DEFENDENDA“. Er enthält gleich zwei Rechtschreibfehler und müsste richtig „IN LIBERTATE SOCIORUM DEFENDENDA“ heißen, also „Die Freiheit der Verbündeten verteidigen“. Im November 1822 erreichte das unter poyaisischer Flagge (grünes Kreuz auf weißem Tuch) segelnden Schiff den Black River an der Moskito-Küste, im heutigen Honduras. Was die Ankömmlinge jedoch vorfanden, war ernüchternd. Vom Deck des Schiffes konnten sie die markante Silhouette der Sugarloaf Mountains (Zuckerhutgebirge) sehen. Die üppige Vegetation, die palmengesäumte Landzunge, die die Lagune vom Meer abschirmte. Für Verwunderung sorgte an Bord jedoch die Tatsache, dass jegliches geschäftige Treiben fehlte, keine einzige Schaluppe, kein Boot war zu entdecken. Wo waren die modernen Hafenanlagen? Auch von der Hauptstadt St. Joseph war nichts zu sehen, weder die Kuppel der Kathedrale noch der Königspalast, das Parlament, das Theater oder die Nationalbank. Und – wieso waren keine Rauchfahnen am Himmel zu entdecken, schließlich sollten in der Stadt 15.000 Menschen leben? Stattdessen nur sumpfiger, unwirtlicher Urwald weit und breit. Abb. 4: Die angebliche Darstellung des Landes Poyais zeigt regen Schiffsverkehr vor der Küste des Landes. Doch der Stich war frei zusammenfantasiert, wie das ganze Buch von Thomas Strangeways über den Staat, den es nie gab. Noch bevor alle Vorräte ausgeladen waren, kam ein Sturm auf und die "Honduras Packet" musste die Lagune verlassen. Sie segelte los, um nicht zurückzukehren. Ein zweites Auswandererschiff, die „Kennesley Castle“, traf am 22. Januar 1823 mit 180 hoffnungsfrohen Siedlern ein. Auch sie wurden enttäuscht. Poyais und St. Joseph existierten nicht. Die vor einigen Wochen zuvor Gelandeten hausten in Zelten, Holzverschlägen und Hütten aus Palmblättern. Schnell wurde das versprochene Paradies zur Hölle: Mit der Regenzeit befielen Insektenscharen das Lager, viele wurden krank vom schmutzigen Trinkwasser. Malaria und Gelbfieber verbreiteten sich und geschwächte und ältere Menschen starben. Unterernährung war ein Problem, die grassierende Verzweiflung ein anderes. Manche trieb sie in den Suizid. Anfang Mai entdeckte die Besatzung des vorbeifahrenden Schoners „Mexican Eagle“ die armseligen Unterkünfte und brachte die Überlebenden nach Britisch-Honduras (Belize). Von hier kehrten weniger als 50 von ihnen nach Großbritannien zurück, mindestens 180 Siedler kamen ums Leben. Abb. 5: „El General Mac Gregor“: Gregor MacGregor, gemalt von JS. Rochard, graviert von SW. Reyolds Bayswater, 1820 – 1835. Sie hatten dem „Fürsten“ Gregor MacGregor blind vertraut, obwohl er ihnen eigentlich vollkommen unbekannt war. Wer war nun dieser etwa 1,75 m große und stämmige Hochstapler und Betrüger? Zeitgenossen beschrieben ihn als „Genussmenschen“, der gerne aß, trank und rauchte und mit zunehmendem Alter immer beleibter wurde. Geboren wurde er am 24. Dezember 1786 in Glendale, im Herzen des heutigen schottischen Loch Lomond Nationalparks, etwa 48 km nördlich von Glasgow. Sein Vater Daniel MacGregor, ein ehemaliger Hauptmann der East India Company, starb 1794. Gregor und seine beiden Schwestern wurden unter Vormundschaft gestellt und von der Mutter Ann, geborene Austin, mit Hilfe von Verwandten erzogen. Im März 1803 beschloss er, in die Fußstapfen seines Großvaters zu treten und wurde Soldat im 57. (Middlesex) Regiment zu Fuß und bereits im Februar 1804 zum Leutnant befördert. Durch seine Heirat (1805) mit der wohlhabenden Maria Bowater, der Tochter eines verstorbenen Admirals, machte er schnell Karriere und stieg zum Hauptmann und Kompaniechef auf, musste jedoch im Mai 1810 wegen Unstimmigkeiten mit seinem Vorgesetzten seinen Abschied nehmen. Daraufhin trat er in portugiesische Dienste und wurde Major. Auch dieses Mal musste er nach kurzer Zeit unfreiwillig die Armee verlassen. Er kehrte in seine Heimatstadt Edinburgh zurück. Hier trat er als Oberst a. D. und mit angeblichen portugiesischen Adelstitel auf. Durch den überraschenden Tod verlor er ein Jahr später nicht nur seine Frau, sondern auch die gesellschaftliche und finanzielle Unterstützung ihrer Familie. Da kam ihm Simón Bolívars Besuch in London gerade recht. Der venezolanische Revolutionsführer suchte Offiziere für seine Befreiungsarmee. MacGregor verkaufte sein schottisches Anwesen und siedelte nach Caracas über, wo er am 10. Juni 1812 Doña Josefa Antonia Andrea Aristeguieta y Lovera, die Nichte Simón Bolívars heiratete und eine führende Rolle im Befreiungskrieg spielte. 1817 nahm er im Rang eines Generals seinen Abschied und ging in die USA. Dort leitete er ein von amerikanischen Geschäftsleuten finanziertes Filibuster-Unternehmen[3] zur Eroberung Floridas, das damals noch spanisch war. Am 29. Juni 1817 gelang ihm und seinen 55 Männern die Eroberung von Amelia Island, die er unter der Flagge des „Green Cross of Florida“ für unabhängig erklärte. Als weitere Unterstützungszahlungen ausblieben, verließ MacGregor die Insel im September 1817. An diese Episode erinnert ein Geldschein über 6 ¼ Cents vom 19. August 1817, der von MacGregor mitunterzeichnet ist. Die abgebildete Note ist das einzige bekannte Exemplar dieses Scheins, dessen Wert 1980 mit 20.000 US-Dollars angegeben wurde. Abb. 6: Amelia Island, 19. August 1817, 6 ¼ Cents, Vorderseite. Quelle: Nach dem Florida-Abenteuer kehrte er zunächst nach Caracas zurück, um erneut in Bolívars Armee einzutreten. Später brach er dann nach Mittelamerika auf. An der Moskitoküste gelangte er an den Hof „King Georg Friedrich August“. Bei den Bewohnern dieses Landstriches handelte es sich um Nachfahren von schiffbrüchigen afrikanischen Sklaven und Indigenen. Im Tausch gegen Rum und Schmuck erwarb MacGregor am 29. April 1820 von König Georg für sich und seine Erben ein 8.000.000 Acres (12.500 Quadratmeilen; 32.375 Quadratkilometer) großes Territorium, das ungefähr ein Dreieck mit Ecken bei Cape Gracias a Dios, Cape Camarón und dem Quellgebiet des Black River bildete und damit größer als Belgien war. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Land schlecht und für die Landwirtschaft vollkommen unbrauchbar war. Daher änderte er seine Pläne. Es sollte doch möglich sein, seine Erwerbung, die er nach den Ureinwohnern des Hochlandes „Poyais“ nannte, zu Geld zu machen. Mitte 1821 war MacGregor wieder in London. Der Ankömmling nannte sich „Cazique of Poyais“. Als Staatsoberhaupt trat er als Prinz auf.[4] Der Fremde übte auf die Londoner Gesellschaft eine exotische Anziehungskraft aus, die durch die Ankunft der auffallend schönen „Prinzessin von Poyais“, Josefa, verstärkt wurde. Schon bald war das Ehepaar MacGregor der Fixstern am Himmel der High-Society der Stadt. Abb. 7: Josefa MacGregor – Frau des Hochstaplers Gregor MacGregor, Cousine des südamerikanischen Revolutionärs Simón Bolívar. Seine Tage in England waren jedoch gezählt. Kurz bevor die kleine Gruppe der Poyais-Überlebenden am 12. Oktober 1823 in England eintraf, setzte sich das Ehepaar nach Frankreich ab, um hier die Betrügereien fortzusetzen. MacGregor gründete in Frankreich Unternehmen, um die Reichtümer von Poyais auszubeuten. 1827 zurück in London, wurde er wegen Betrugs verhaftet, aber schon kurze Zeit darauf entlassen. Hochgestellte Persönlichkeiten hatten es wohl geschafft, dass die Anklage fallen gelassen wurde. Wahrscheinlich fürchteten diese Kreise den Skandal, wenn ihre Verstrickungen bei den Betrügereien des „Prinzen“ bekannt würden. Danach zog es MacGregor wieder nach Frankreich, wo er seinen Reichtum genoss und das Geld in vollen Zügen ausgab. 1839 scheinen seine Mittel aufgebraucht gewesen zu sein, denn er wandte sich an die venezolanische Regierung um Hilfe. Diese akzeptierte seine Bitte und setzte ihn als Divisionsgeneral in der Armee ein. Am 4. Dezember 1845 starb er in Caracas, Venezuela. Gregor MacGregor kann wahrlich als König der Betrüger bezeichnet werden. Im Laufe seines Lebens beliefen sich seine Gaunereien auf 1,3 Millionen Pfund, was nach heutigem Wert rund 3,6 Milliarden Pfund ausgemacht haben soll. Drei Faktoren dürften zu MacGregors „Erfolg“ beigetragen haben. Erstens war er sehr charmant und hatte unglaubliches Charisma. Dies war wahrscheinlich auch seine größte Eigenschaft als militärischer Führer während der lateinamerikanischen Unabhängigkeitskriege. Wenn er sprach, hörten die Leute zu. Er vermittelte ihnen Autorität und Authentizität. – Sein Name und seine Titel sorgten darüber hinaus für den notwendigen Respekt und öffneten ihm den Zugang zu den höchsten Kreisen der Londoner Gesellschaft. Zweitens untermauerte er seine Mär von Poyais, indem er in London eine gefälschte Botschaft eröffnete, eine Nationalflagge entwarf, eine Nationalhymne schuf und sogar eigene Banknoten ausgab. Das bereits erwähnte Buch von Strangeways schilderte das märchenhafte Land überschwänglich, Karten und Illustrationen unterstrichen das Gesagte, sodass nur wenige Menschen an der Existenz des Landes zweifelten. Verstärkt wurde das Ganze durch Berichte und Interviews, die er in den entsprechenden Zeitungen lancierte. Heute würde man sagen, er beherrschte die Klaviatur des Marketings perfekt. Drittens war der wichtigste Faktor für seinen Erfolg das Timing. In den 1820er Jahren erlebte London eine Investitionsblase bei lateinamerikanischen Wertpapieren, die durch die erst kurz zuvor eingetretenen politischen Veränderungen ausgelöst wurde. Renditehungrige Anleger vermuteten enorme Bodenschätze in Südamerika und ein riesiges Wirtschaftspotenzial. Die Geografie Lateinamerikas war ständigen Veränderungen ausgesetzt und es war manchmal schwierig zu bestimmen, wer was und wo zu einem bestimmten Zeitpunkt regierte. Niemand war sonderlich überrascht, dass zwischen Honduras und Nicaragua ein neues Land namens „Poyais“ entstanden sein sollte. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Ob es je einen Thomas Strangeways gegeben hat, ist ungeklärt. Wahrscheinlich hat MacGregor einen "Ghostwriter" beauftragt – oder das Buch selbst geschrieben. Die Namenswahl deutet auf Humor: „Strangeways“ lässt sich mit „merkwürdige Sitten“ übersetzen. Man darf sich vorstellen, wie MacGregor bei dieser Narretei vergnügt in sich hineinkichert. [2] 1 Acre = 4.046,8564224 m². [3] Als Filibuster wurden im 19. Jahrhundert Freibeuter, also gesetzlose Plünderer, die in Südamerika tätig waren, bezeichnet. [4] „Cazique“ – deutsch Kazike – steht im Spanischen für einen einheimischen Häuptling, der bei MacGregors die Bedeutung von „Prinz“ annahm.
- Bons der Camps de Prisonniers in Algerien und Tunesien
Ein Angehöriger des deutschen Afrikakorps gibt einem verbündeten italienischen Soldaten Feuer. Foto: Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München. Am 12. Mai 1943 kapitulierten die Reste der deutschen 5. Panzerarmee und einen Tag später auch die 1. italienische Armee in Nordafrika. 160.000 deutsche und 90.000 italienische Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft, unter ihnen der Oberbefehlshaber Feldmarschall Giovanni Messe, wie auch General von Arnim. Ein relativ kleines Kontingent verblieb in Nordafrika in französischer Hand, während der Großteil der Gefangenen entweder in die USA oder in die britischen Kolonien Australien sowie Kanada verschifft wurde. General Juin unterzeichnete am 30. Mai 1943 ein Dekret, durch das die französischen Kriegsgefangenenlager in Nordafrika geschaffen wurden. Alphonse Juin (* 16. Dezember 1888 in Bône, heute Annaba, Algerien; † 27. Januar 1967 in Paris) war 1941 aus deutscher Kriegsgefangenschaft entlassen und von der Vichy-Regierung nach Nordafrika entsandt worden, um dort das Kommando über die Vichy-Truppen zu übernehmen. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika 1942 wechselte er die Seite und ging zu den freifranzösischen Truppen. Zu den wichtigsten Gefangenenlagern in Nordafrika gehörten in Algerien Djelfa und Constanine und in Tunesien Zaghouan sowie Merja in der Sahara. In den französischen Lagern Nordafrikas wurden Bons zu 5, 10, 50 und 100 Francs im Zahlungsverkehr benutzt. Am 19. Juni 1943 erhielt die Druckerei Miert in Algier den Auftrag, 50.000 Scheine zu 100 Francs, 50.000 Scheine zu 50 Francs, 125.000 Scheine zu 10 Francs und 250.000 Scheine zu 5 Francs herzustellen. Alle Geldscheine sind undatiert und auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Der Bon zu 5 Francs hat die Maße 123 x 74 mm und ist mehrfarbig. Die dominierenden Farben sind rot für den Text und hellgrün für die Zeichnungen. Auf der Vorderseite werden zwei Arkaden im maurischen Stil abgebildet. Unterhalb der linken Arkade befindet sich der Kopf eines Mauren mit Turban und rechts die zweizeilige Inschrift „CAMPS DE / PRISONNIERS“, darunter in einem Kreis fünfzeilig „TOUT / FALSIFICATEUR / EST PASSIBLE / DE LA COUR / MARTIALE“ (Jeder Fälscher wird vor das Kriegsgericht gestellt). Im Hintergrund der Arkaden wird eine Berglandschaft abgebildet; unter der Darstellung und dem Text zweizeilig „BON POUR / CINQ FRANCS“ (gut für fünf Francs), flankiert von der Ziffer 5. Darunter „CES BONS NE SONT VALABLES OU’A L’INTÉRIEUR DES CAMPS DE PRISONNIERS“ (Diese Gutscheine sind nur innerhalb der Gefangenenlager gültig), am oberen Rand „REPUBLIQUE FRANÇAISE“. Auf der Rückseite in den oberen Ecken links der Nennwert und rechts „CAMPS DE / PRISONNIERS“; in der Mitte des Scheins die Wertangabe in Worten und darüber die Nummerierung: No und sechs Ziffern. Unter der Wertangabe nochmals der Hinweis, dass der Schein nur im Gefangenenlager gültig ist. Im Unterdruck stilisierte Blumen. Auf der rechten Seite schräg aufgedruckt „Le Trésorier Gal Agent Comptable“ und Unterschrift. Der Entwurf stammt von J. Favrolles. Abb. 1: Camps de Prisonniers, o.D., 5 Francs, Vorder- und Rückseite. Quelle: http://worldandmilitarynotes.com/pow/north-africa-pow-camp-vichy-5-francs/ (20.09.2021). Die Note zu 10 Francs ist 131 x 77 mm groß und wie der Wert zu 5 Francs gestaltet. Nun ist der Text in blauer Farbe und die Abbildung in roter Farbe ausgeführt. Beide Scheine kommen sowohl mit fettem als auch mit dünnem „No“ vor. Abb. 2.1: Camps de Prisonniers, o.D., 10 Francs, Vorder- und Rückseite. Die Scheine zu 50 und 100 Francs unterscheiden sich deutlich von den zuvor beschriebenen Werten. Sie haben die Maße 129 x 79 mm. Der Wert zu 50 Francs wurde auf grau-beiges Papier gedruckt. Der Schein zeigt auf der Vorderseite in der Mitte die Wertangabe in Ziffern in einem Kreis, links davon in Schreibschrift „Ces bons ne sont valables ou’a l’intérieur des Camps de Prisonniers“ und rechts die Strafandrohung „Toute falsification est passible de la Loi Martiale“. Über der Wertangabe in Ziffern links die Wertangabe als Wort und unter der Wertangabe in Ziffern rechts FRANCS. Am oberen Rand „REPUBLIQUE FRANÇAISE“ und am unteren Rand „CAMPS DE PRISONNIERS“. Auf der Rückseite in der Mitte die Wertangabe, darunter die Kennziffer, am oberen Rand wieder „REPUBLIQUE FRANÇAISE“ und am unteren „CAMPS DE PRISONNIERS“. Verziert sind die Scheine mit Blattwerk. Der Entwurf der Vorderseite stammt von Vrillo und die der Rückseite von A. Petit. Abb. 3.1: Camps de Prisonniers, o.D., 50 Francs, Vorder- und Rückseite. Quelle: http://worldandmilitarynotes.com/pow/north-africa-pow-camp-vichy-50-francs/ (20.09.2021). Der 100-Francs-Bon wurde auf beige-rosa Papier gedruckt und die dominierende Farbe ist Rotbraun. Abb. 4.1: Camps de Prisonniers, o. D., 100 Francs, Vorder- und Rückseite. Quelle: http://worldandmilitarynotes.com/pow/north-africa-pow-camp-vichy-100-francs/ (20.09.2021). Uwe Bronnert Literatur: Maurice Muszynski und Maurice Kolsky, Les Billets du Maghreb et du Levant, Volume 11, Collection Histoire du Papier monnaie Français. Monaco 2002.
- Der Besitz dieser Banknote konnte den Tod bedeuten
Anmerkungen zu einer französischen Propaganda-Collage Nach den Kriegserklärungen von Frankreich und Großbritannien an Deutschland vom 3. September 1939 herrschte an der deutsch-französischen Grenze eine fast ununterbrochene Waffenruhe. Diesen monatelangen „Sitzkrieg“ beendete die Wehrmacht am 10. Mai 1940 mit einer für Frankreich überraschenden Offensive. In nur sechs Wochen überrannte die Wehrmacht die gut gerüstete französische Armee. Den Franzosen bot sich im Juni 1940 das Bild eines Landes am Abgrund: Die totale Auflösung der staatlichen Ordnung verursachte die größte Flüchtlingswelle, die das Land je gesehen hatte, 60.000 Gefallene waren zu beklagen und 1,8 Millionen Soldaten gingen in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der die meisten erst 1945 heimkehren sollten. Rettung in dieser trostlosen Lage versprach ein Mann, der sich schon im Ersten Weltkrieg um das Vaterland verdient gemacht hatte: der Held von Verdun, Marschall Philippe Pétain. Der beendete am 22. Juni mit der Annahme der deutschen Waffenstillstandsbedingungen einen Krieg. Die französischen Unterhändler erreichten gewisse Zugeständnisse. So blieb der Süden Frankreichs, etwa 40 % Landes, als „zone libre“ unbesetzt. Frankreich durfte eine 100.000 Mann starke Freiwilligen-Armee, eine kleine Luftwaffe und einen bedeutenden Teil der Kriegsmarine unterhalten und behielt seine Kolonien, zumindest bis die meisten von der France Libre erobert wurden. Der größte Teil des Staatsgebietes wurde von deutschen Truppen besetzt und unterstand General Otto von Stülpnagel, dem Chef der Militärverwaltung in Paris. Es umfasste das Industriegebiet Nord- und Westfrankreichs sowie die gesamte Kanal- und Atlantikküste bis zur spanischen Grenze, während die Départments Nord und Pas-de-Calais unter dem deutschen Militärbefehlshaber, General Alexander von Falkenhausen, in Brüssel unterstellt waren. Das Territorium des ehemaligen Reichslandes Elsaß-Lothringen wurden als CdZ-Gebiete dem Reich eingegliedert. Berittene deutsche Wehrmachts-Einheit vor dem Eiffelturm in Paris. Abb. Foto der Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München. Die Niederlage bot Pétain und seinen Anhängern die Möglichkeit die parlamentarische Republik zu beseitigen und ein autoritäres Regime zu etablieren. Am 10 Juli 1940 trat die Nationalversammlung im unbesetzten Kurort Vichy zusammen, verlieh dem Marschall die volle exekutive und legislative Macht und setzte damit de facto die Verfassung außer Kraft. Das Regime in Vichy ähnelte in Vielem dem der faschistischen Diktaturen in Deutschland und Italien: strenge hierarchische Gliederung der Gesellschaft, Presse-Zensur, massive Unterdrückung der Opposition, „Führerkult“ und extreme Feindlichkeit. Auch ohne deutschen Druck wurden Juden von allen öffentlichen Ämtern und zahlreichen freien Berufen ausgeschlossen und ab Sommer 1942 begann ihre systematische Deportation in die deutschen Vernichtungslager. Bereits am 17. Juni 1940, Pétain hatte gerade um Waffenstillstand nachgesucht, meldete sich aus London über BBC der unbekannte Brigadegeneral Charles de Gaulle und forderte die französische Bevölkerung zur Fortsetzung des Krieges auf. Allerdings war von einem aktiven Widerstand zunächst nur wenig zu spüren. Die Anfänge der Résistance gehen auf das individuelle Engagement einiger Weniger zurück und beschränkten sich auf die Verbreitung von Flugblättern und improvisierter Untergrundzeitungen. Nach der widerstandslosen Besetzung Vichy-Frankreichs durch die Wehrmacht im November 1942 und 1943 die Dienstverpflichtung der Bürger in der deutschen Rüstungsindustrie oder Landwirtschaft zu arbeiten, schwand die anfängliche Unterstützung des Vichy-Regimes. Bis 1943 bildeten sich in Frankreich zahlreiche Widerstandsgruppen, die aber kaum Kontakt untereinander oder zu de Gaulles Exilregierung in London hatten. Im besetzten Norden operierte die Libération Nord und im Süden ihr Pendant, die Libération Sud. Die Franc-tireur, die bereits 1871 Widerstand gegen die preußischen Truppen geleistet hatten, wurden von Jean-Pierre Levy neu gegründet und zur Anlaufstelle von Sozialisten. Die Kommunisten sammelten sich in der Gruppe Front National um Pierre Villon und in den Städten leistete Henri Frenays Gruppe Combat Widerstand. Abb. 1: Banque de France, 20 Francs vom 24.09.1942, Vorderseite. Der deutschen Wehrmacht, den Alliierten und der Résistance war die psychologische Kriegsführung nicht unbekannt, so suchte man auch die französische Bevölkerung mit unzähligen Flugblättern – einige als Banknoten getarnt – zu beeinflussen. Besonders hervorzuheben ist hierbei eine 20-Francs-Note der Banque de France, die wahrscheinlich von einzelnen französischen Bürgern aus Protest gegen die Besatzung ihres Landes verfremdet wurde. Der Schein wurde zwischen dem 12. Februar 1942 und 9. Februar 1950 gedruckt und ab 1. Dezember 1942 ausgegeben.[1] Er stammt aus einer Zeit, in der vom Vichy-Regime der Wahlspruch „TRAVAIL, FAMILLE, PATRIE“ (Arbeit, Familie, Vaterland) postuliert wurde. Lucien Jonas hat ihn sehr realistisch umgesetzt. Die Vorderseite des Scheins bildet einen bretonischen Fischer beim Einholen seines Netzes ab; im Hintergrund die Hafeneinfahrt von Concareau. Die glückliche Mutter mit ihren beiden Kindern beherrscht den linken Teil der Rückseite des Scheins. Unter dem Bild der Strafsatz „LE CONTREFACTEUR SERA PUNI DES TRAVAUX FORCES A PERPETUITE“ (Der Fälscher wird mit lebenslanger Zwangsarbeit bestraft). Ab 15. November 1950 wurden die Scheine schrittweise aus dem Verkehr gezogen und durch eine 20-Francs-Münze aus Aluminiumbronze ersetzt. Abb. 2: Banque de France, 20 Francs vom 28.01.1943, Collage mit dem Hitlerkopf, Vorderseite. Abb. 3: Banque de France, 20 Francs vom 28.01.1943, unveränderte Rückseite. Dieser Schein wurde geschickt umgestaltet, indem das Porträt Hitlers aus einer Briefmarke der Reichspost ausgeschnitten und so auf die Banknote geklebt wurde, als würde das Seil in den Händen des Fischers den Führer strangulieren. Sicherlich sollte damit symbolisiert werden, dass Frankreich das Deutsche Reich (in absehbarer Zeit) "erwürgen" würde. Der Hitler-Kopf auf den Banknoten kommt in verschiedenen Farben vor, da zu dieser Collage alle Briefmarken der Hitler-Serie verwendet worden sein können. Die Serie wurde ab 1941 im Postverkehr benutzt.[2] Obwohl es kindisch erscheint, drohte Jedem, der mit einer solchen Banknote aufgegriffen wurde eine harte Bestrafung bis hin zum Todesurteil. Dennoch hat den hier abgebildeten Schein ein deutscher Soldat aus Frankreich als Souvenir mitgebracht. Da die 20-Francs-Banknoten wie auch die Briefmarken der Hitler-Serie auch heute noch leicht zu beschaffen sind und in jedem Haushalt eine Schere vorhanden ist, ist die Authentizität der Collagen kaum nachweisbar, es sei denn, es gelingt ein lückenloser Nachweis der Vorbesitzer. Bleibt noch anzumerken, dass sich nach der Invasion der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 die deutschen Truppen aus Frankreich zurückziehen mussten. Nach dem Krieg wurde rasch an einer Legende um den Freiheitskampf der Résistance gestrickt, hatte die blitzartige Niederlage gegen die Wehrmacht im Frühjahr 1940 doch stark am Selbstvertrauen der Grande Nation gerüttelt. Und auch die Kollaboration des Vichy-Regimes gehört nicht gerade zu den Sternstunden der französischen Geschichte. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Claude Fayette, Les Billets de la Banque de France et du Trésor 1800 – 2002, 6 ème édition, Nice 2004, S. 218 f. [2] Michel Briefmarken-Katalog Deutschland 1984, München, S. 90, Katalog-Nummern 781 – 798.
- Lackierte Euro-Banknoten
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main feierte am 1. Januar 2022 den 20. Jahrestag ihrer Geldzeichen. Am 1. Januar 2002 lösten die Euromünzen zu 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Cent, 1 und 2 Euro sowie die Eurobanknoten zu 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Euro die nationalen Währungen in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Portugal und Spanien ab. „Planung, Produktion und Ausgabe … [dieser] Euro-Banknotenserie haben seinerzeit zehn Jahre in Anspruch genommen. Da der Lebenszyklus von Banknotenserien in den letzten Jahren wegen der Fortschritte in der Kopiertechnik immer kürzer geworden ist und viele Länder der Auffassung sind, Banknotenserien sollten in Abständen von sieben bis zehn Jahren erneuert werden, wurde die Planung schon recht bald nach der Ausgabe der ersten Serie in Angriff genommen.“[1] Der Banknotenausschuss befasste sich bereits im Frühjahr 2003 mit der Frage einer neuen Euro-Banknotenserie und der EZB-Rat sprach sich im März für die Beibehaltung des Themas „Zeitalter und Stile in Europa“ bei der Gestaltung der zweiten Banknotenserie aus. Als ihr frühester Ausgabezeitpunkt war Anfang 2008 vorgesehen. Der genaue Termin sollte allerdings von der Entwicklung bei den Banknotenfälschungen abhängig gemacht werden. Der Entwurf der erste Euro-Banknotenserie stammte von Robert Kalina, einem Mitarbeiter der Druckerei der Oesterreichischen Nationalbank. Er diente nun als Grundlage für die Gestaltung der neuen Serie, bei der solche Motive wie Fenster, Tore und Brücken, die Landkarte Europas und die Europaflagge beibehalten werden sollten. Aus dem Gestaltungswettbewerb im Jahr 2006 ging der von der Deutschen Bundesbank nominierte Grafiker Reinhard Gerstetter (Berlin) als Sieger hervor. Die zweite Serie wird auch „Europa-Serie“ genannt, weil zwei der Sicherheitsmerkmale ein Porträt der Europa zeigen,[2] und zwar als Wasserzeichen auf dem Schaurand und als Hologramm, einem silberfarbigem Streifen am rechten Rand der Vorderseite. Die Abbildung selbst stammt von einer über 2000 Jahre alten Vase, die im Pariser Louvre zu sehen ist. Weitere neue bzw. veränderte Sicherheitsmerkmale sind die Smaragdzahl in der linken unteren Ecke, deren Farbe sich je nach Blickwinkel verändert. Ferner ein Glanzstreifen auf der Rückseite, der je nach Betrachtungswinkel golden glänzend oder als fast unsichtbar Schatten wahrgenommen wird. Die Noten zu 50, 100 und 200 Euro weisen zusätzlich ein Porträt-Fenster im Hologramm auf. Die EZB ist der Meinung, dass der Euro grundsätzlich die Währung für alle EU-Mitglieder werden soll. Eine mögliche Erweiterung der Euro-Zone wurde daher auf der Europa-Serie vorweggenommen, indem die Währungsbezeichnung und die Akronyme[3] der Europäischen Zentralbank auch um die Schreibweise aller EU-Sprachen ergänzt wurde, selbst wenn sie nicht an der Euro-Währung teilnehmen. Befinden sich auf den Scheinen der ersten Serie fünf Kürzel für die Angabe des Emittenten – BCE, ECB, EZB, EKT, EKP – so sind es nun bei den Scheinen zu 5, 10 und 20 Euro neun: BCE (Französisch, Irisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch, Spanisch), ECB (Dänisch, Englisch, Lettisch, Litauisch, Niederländisch, Schwedisch, Slowakisch, Slowenisch, Tschechisch), EZB (Deutsch), EKP (Estnisch, Finnisch), ΕΚΤ (Griechisch), ЕЦБ (Bulgarisch; in kyrillischen Buchstaben), EKB (Ungarisch), BĊE (Maltesisch) und EBC (Polnisch). Die Angaben auf den 100- und 200-Euro-Scheinen wurde mit dem Kürzel ESB (Kroatisch) ergänzt. Seit dem Beitritt Bulgariens zur EU wird die Währungsbezeichnung EURO neben der bisherigen Benennung in lateinischen und griechischen Buchstaben (ΕΥΡΩ) nun auch in der kyrillischen Schreibweise „ЕВРО“ aufgeführt. Ferner machte der Beitritt Maltas und Cyperns zur EU eine Neugestaltung der Landkarte auf der Rückseite der Noten notwendig. Am 2. Mai 2013 gab die EZB die ersten Banknoten der neuen Europa-Serie in Umlauf. Die übrigen Nominale folgten sukzessive; am 23. September 2014 der Zehner, am 25. November 2015 der Zwanziger, am 4. April 1917 der Fünfziger und zuletzt am 28. Mai 2019 die Scheine zu 100 und 200 Euro. Die 500-Euro-Note wird seit 2014 nicht mehr produziert und ab dem 27. April 2019 nicht mehr ausgegeben. Sie bleibt aber wie auch alle anderen Scheine der ersten Serie gültig. Auf den Noten der einzelnen Wertstufe ist jeweils das Jahr der Erstausgabe angegeben. Im Herbst 2019 übernahm Christine Lagarde das Amt der Präsidentin der Europäischen Zentralbank von Mario Draghi. Somit gibt es von den meisten Nominalen der Europa-Serie bereits zwei Ausgaben, eine mit der Unterschrift Draghis und die andere mit der von Lagarde. Abb. 1: Wann wurde welche neue Euro-Banknote der Europa-Serie eingeführt? Quelle: EZB: www.ecb.europa.eu Eine weitere Neuerung bei den Noten zu 5, 10 und 20 Euro blieb bei der Öffentlichkeit fast unbemerkt. Da die kleinen Stücklungen, also besonders die 5- und 10-Euro-Noten bereits nach einem Jahr verschlissen waren, strebte man bei den Scheinen der neuen Serie eine längere Haltbarkeit an. Bereits im Mai 2003 lud die EZB Vertreter der führenden Banknotendruckereien und Notenpapier-Hersteller zu einer Sitzung ein, um das Problem zu erörtern. Bei den anschließenden Laborversuchen wurden verschiedene Materialien, sowohl aus Kunststoff als auch beschichtete Papiersorten aus Baumwollfasern, auf ihre Brauchbarkeit getestet. 16 alternative Materialien standen zur Auswahl. Für jede von ihnen druckten zwei Banknotendruckereien Testnoten. Am Ende blieben fünf Alternativen für weitere Untersuchungen übrig, mit denen der Gebrauch unter authentischen Bedingungen simuliert wurde. Dabei ging man der Frage nach, wie sich Schmutz und Feuchtigkeit, aber auch der Einsatz von Hochgeschwindigkeitsbearbeitungsmaschinen und die Nutzung im Zahlungsverkehr auf die Haltbarkeit auswirken. 2007 entschloss man sich dann einen Gebrauchstest mit echten, unterschiedlich beschichteten Euro-Banknoten in den Niederlanden, Irland und Portugal durchzuführen. „Da die getesteten Alternativen sich in den verschiedenen Ländern in gleicher Weise verhielten, konnte man aufgrund der Testergebnisse für die Europa-Serie eine solche Beschichtung wählen, die die Haltbarkeit der Banknoten mit niedrigen Nennwerten verbesserte.“[4] Abb. 2.1: Beschichtete Musternote für den Haltbarkeitstest, Vorderseite. Abb. 2.2: Beschichtete Musternote für den Haltbarkeitstest, Rückseite, Größe: 133 x 72 mm. Sie entspricht damit der Größe der 20-Euro-Banknote. Mit Wasserzeichen „Auge“ im oberen und „LD“ im unteren Schaustreifen. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden bei der Produktion der Europa-Serie berücksichtigt. Die zwei niedrigsten Werte der neuen Serie erhielten eine Schutzschicht aus Speziallack. Dies gilt nun auch für die 20-Euro-Scheine. Alle seit dem 1. Januar 2021 neu in Umlauf gebrachten Noten werden ebenfalls mit Lack behandelt. Die Beschichtung ist kein neues Sicherheitsmerkmal, sondern dient in erster Linie einer längeren Haltbarkeit der Banknoten. Der Unterschied zu nicht lackierten Scheinen ist visuell kaum erkennbar. Die gelackten Banknoten fühlen sich aber etwas glatter an als die Unbeschichteten. Bleibt noch anzumerken, dass das Gewicht der lackierten Scheine geringfügig höher liegt als bei den unlackierten Scheinen. Betrug das Gewicht der 5-Euro-Note vorher 0,68 g, so liegt es nun bei 0,71 g. Abb. 3.1: EZB, 2013, 5 Euro, Vorderseite. Abb. 3.2: EZB, 2013, 5 Euro, Rückseite. Abb. 4.1: EZB, 2014, 10 Euro, Vorderseite. Abb. 4.2: EZB, 2014, 10 Euro, Rückseite. Abb. 5.1: EZB, 2015, 20 Euro, Vorderseite. Abb. 5.2: EZB, 2015, 20 Euro, Rückseite. Was des einen Freud ist, ist des anderen Leid. Diese Erfahrung musste die Polizei im Zusammenhang mit den lackierten Euro-Banknoten machen. „Die lackierten Oberflächen … bereiten der Polizei .. große Probleme: Die Lackierung, die die Scheine haltbarer machen soll, verhindert gleichzeitig, dass sich auf der Oberfläche Fingerabdrücke anhaften – diese sind derzeit also mit herkömmlichen Methoden nicht nachweisbar. Die kriminaltechnische Sicherung von Fingerabdrücken auf Geldscheinen ist unter anderem bei der Verfolgung von Diebstahl-, Raub- und Drogendelikten wichtig.“[5] Anfang Dezember 2021 kündigte die EZB an, dass sie in den nächsten Jahren Banknoten mit einem völlig neuen Design ausgeben wolle. „Wir wollen Euro-Banknoten entwickeln, mit denen sich die Bürgerinnen und Bürger in Europa identifizieren können und die sie mit Stolz verwenden“, so EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta. Über das Aussehen der neuen Noten soll in einem mehrstufigen Verfahren, bei dem auch die EU-Bürger beteiligt werden sollen, bis 2024 entschieden werden. „Bis sich die Menschen an erneuerte Euro-Banknoten gewöhnen müssen, wird es noch dauern. Selbst im Fall einer EZB-Entscheidung 2024 würden .. [die neuen] Geldscheine erst Jahre später nach umfangreichen Tests unters Volk gebracht. Eine logistische Herausforderung ist ein solches Projekt ohnehin: Im Oktober 2021 waren nach EZB-Angaben mehr als 27,6 Milliarden Euro-Banknoten im Gesamtwert von gut 1,5 Billionen Euro im Umlauf.“[6] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Antti Hennen, Die ersten Euros, Entstehung, Einführung und das erste Jahrzehnt der Euro-Banknotenserie, Herausgeber: Deutsche Bundesbank (deutsche Fassung), Siemen Pankok (Originalfassung), Frankfurt am Main 2014. S. 226. [2] Europa ist eine Gestalt der griechischen Mythologie. Zeus verliebt sich in Europa, der Tochter des phönizischen Königs Agenor und seiner Frau Telephassa. Um sich Europa nähern zu können, verwandelt sich Zeus in einen Stier und gelangt inmitten einer Stierherde in die Nähe der am Strand von Sidon spielenden Europa. Diese steigt auf den Rücken des Zeus-Stiers. Er entführt die Prinzessin nach Matala auf der Insel Kreta, wo er sich in den Göttervater zurückverwandelte. Aus der Verbindung mit ihm entsprangen drei Kinder: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. [3] Ein Akronym ist ein Sonderfall der Abkürzung. Akronyme entstehen dadurch, dass Wörter oder Wortgruppen auf ihre Anfangsbestandteile gekürzt werden. [4] Antti Heinonen, S. 229. [5] (2.1.2022) [6] (7.1.2022)
- Meißen anno 1923
Zur Ikonographie des 50-Millionen-Mark-Scheines der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen vom August 1923. „Anno 1923“ steht auf dem gewundenen Band in der Mitte des Fünfzig-Millionen-Mark-Scheins, der von der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen für den „inneren Verkehr“ ausgegeben wurde. Er datiert vom 15.8.1923. Der einseitige schwarze Druck erfolgte auf weißem Büttenpapier ohne Wasserzeichen. Durch den breiten Schaurand an der linken Seite, ist der Schein 186 mm x 80 mm groß. Links und rechts die gekreuzten Schwerter, das Markenzeichen der Manufaktur. Eine handschriftliche Nummerierung und Unterschrift vervollständigen den Schein. Leider ist nicht bekannt, welche Druckerei diesen druckte. Abb. 1: Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, 15.8.1923, 50 Millionen Mark, Vorderseite. Abb. 2: Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, 15.8.1923, 50 Millionen Mark, Rückseite. Die Unterschrift für die Direktion leistete Max Adolf Pfeiffer [* 22. Juni 1875 in Berlin; † 14. Januar 1957 im Haus Falkenheim in Tutzing]. Von 1913 bis 1933 war er kaufmännischer Direktor der Manufaktur. Sein beruflicher Werdegang begann mit einem Maschinenbau- und Chemiestudium an der Technischen Hochschule Darmstadt und Braunschweig, das er 1899 abschloss. Sein 1. Staatsexamen ließ er in den akademischen Grad eines Diplom-Ingenieurs umwandeln, als dieser 1900 neu eingeführt wurde. Nach verschiedenen Stationen als Hochschul-Assistent, Dozent, Konstrukteur und Direktor der Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst in Unterweißbach (Thüringen) wurde er am 1. April 1913 kaufmännischer Direktor der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen. Unter seiner Leitung erlebte die Manufaktur in den 1920er Jahren eine besondere künstlerische Blüte. Sein Kunstverständnis passte nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten. So wurde er nach der Machtübernahme am 20. Mai 1933 von seinem Amt beurlaubt und am 31. März 1934 endgültig entlassen. Es gibt sicherlich nur wenige Geldscheine, deren Bildersprache so vielschichtig ist, wie die des 50-Millionen-Mark-Scheins der Staatlichen Porzellanmanufaktur. Der Entwurf dazu stammt von Emil Paul Börner [* 12. Februar 1888 in Meißen; † 7. November 1970 ebenda], wie die Signatur „EPB“ belegt. Sicherlich unterstützt vom Hobby-Numismatiker Generaldirektor Pfeiffer, begann er sich 1920 mit Kleinreliefs in Form von Notmünzen zu beschäftigen. Börner gestaltete hunderte Münzen, Medaillen und Plaketten aus Porzellan und etablierte binnen kurzer Zeit eine eigene, neue Betriebsabteilung innerhalb der Manufaktur. Seine Entwürfe spiegeln seine ausgeprägt nationalistische Überzeugung wider.[1] Mit Vorliebe verwendete er hierbei patriotische Symbole, wie beim 50-Millionen-Mark-Schein: Ein auf dem Rücken liegender Adler wird von zwei Raben attackiert, während ein majestätisch liegender Löwe und ein stolz daher schreitender Hahn das Bild vervollständigen. Viele Bürger werden damals das gleiche empfunden haben wie Börner. Besonders schmachvoll empfanden sie Artikel 231 des Versailler Vertrags, nach dem dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs auferlegt wurde. Deutschland, symbolisiert durch den Adler, liegt militärisch, wirtschaftlich und politisch am Boden, ohnmächtig sich gegen seine Feinde zur Wehr setzen zu können, denn der Friedensvertrag gestand dem Reich nur eine Berufsarmee von 100.000 Mann zu, kaum groß genug, um die Grenzen sichern zu können. Der Besitz schwerer Waffen, von Flugzeugen und größeren Schiffen war verboten. Schwer wog der territoriale Verlust: 13 Prozent des Reichsgebiets (u. a. Elsass-Lothringen, Posen und Westpreußen, Nordschleswig und Teile Oberschlesiens) mit 10 Prozent seiner Bevölkerung bedeuten das Sinken der Eisenerzproduktion um rund die Hälfte, der Steinkohleförderung um ein Viertel, der Kartoffelernte um 17, der Weizenernte um 13 Prozent und dies bei den enormen Reparationsforderungen, die auch zu großen Teilen durch Sachleistungen zu begleichen waren. Seit dem Waffenstillstand im Wald von Compiègne im November 1918 war das Rheinland von französischen, belgischen, britischen und US-amerikanischen Truppen besetzt. Und am 11. Januar 1923 besetzten Frankreich und Belgien das wirtschaftliche Herz des Reiches, das Ruhrgebiet. Als Vorwand hierfür diente ihnen die Feststellung der alliierten Reparationskommission, das Deutschland mit der der Kohlenlieferung im Rückstand sei.[2] Ein parteiübergreifender Sturm der Entrüstung ergriff die deutsche Bevölkerung. Die Regierung unter Wilhelm Cuno forderte die Bevölkerung zum passiven Widerstand auf und verbot ihren Beamten, Befehle der Besatzungsmächte zu befolgen. Arbeiter und Eisenbahner weigerten sich, für die Besatzer zu arbeiten. Diese verhängten den Ausnahmezustand und reagierten mit Terror gegenüber der Bevölkerung, mit abendlichen und nächtlichen Ausgangssperren, Ausweisungen, Verhaftungen, Gerichtsverfahren mit harten Urteilen, bis hin zur Todesstrafe, sowie Plünderungen, Erhebung von Kontributionen und Requirierungen aller Art, wovon auch die Reichsbank nicht ausgenommen war. Die wirtschaftliche Absperrung des Ruhrgebiets und die Produktionsausfälle ruinierten die deutsche Wirtschaft vollends.[3] Die Kosten des passiven Widerstands überstiegen die Reichsfinanzen bei weitem, die Inflation und die mangelhafte Ernährungslage nahmen erschreckende Ausmaße an. War es der Reichsbank am Anfang gelungen, durch Stützungskäufe die Mark stabil zu halten, so brachen im Juli alle Dämme. Im August lag der Kurs des Dollars bei fast 4 Millionen Mark und er sollte bis zum Jahresende auf 4,2 Billionen Mark steigen. Angesichts dieser Entwicklung gab die Reichsregierung unter dem neuen Reichskanzler Gustav Stresemann den passiven Widerstand im September auf. Die Feinde des Reichs, verkörpert durch die zwei Raben, die auf den Adler einhacken, sind nur vordergründig die Sieger des Krieges, die ein Stück aus dem Körper des Adlers reißen. Die Existenz der Republik war seit Beginn auch von Feinden im Inneren bedroht. Spartakus-Aufstand und Kapp-Putsch waren 1923 sicherlich noch nicht vergessen. Nahm die Darstellung nicht die politische Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte voraus? Im Rheinland unterstützen Franzosen und Belgier separatistische Bünde, die die Bildung eines Rheinstaates forderten. In verschiedenen Städten des Rheinlandes kam es zur Ausrufung der Rheinischen Republik. In Hamburg probten im Oktober Kommunisten den Aufstand und in Bayern unternahmen im November konservative und nationalsozialistische Kreise mit Hindenburg und Hitler an der Spitze und dem Marsch auf die Feldherrnhalle einen Putschversuch. Wie instabil die politischen Verhältnisse waren, wird durch die Tatsache sichtbar, dass drei Reichsregierungen im Jahr 1923 ihr Glück versuchten. Und dann waren da noch die Spekulanten und Schieber, die ohne Rücksicht auf die verarmte Bevölkerung riesige Vermögen zusammenrafften. Gegensätzlicher zum Adler könnten die beiden anderen Protagonisten auf dem Schein nicht dargestellt sein. Der majestätisch ruhende Löwe blickt müde und gelangweilt vom Adler weg, als ginge ihn das Gemetzel in seinem Rücken nichts an. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Briten die Ruhrbesetzung eigentlich ablehnten. Der gallische Hahn steht stolz über allem. Auch die Franzosen verloren ihr Interesse an Deutschland, das sie wie die Briten mehr oder weniger ihrem Schicksal überließen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Vgl. Christian Lechelt, Manufaktur und Manufakturkünstler. Über das porzellankünstlerische Schaffen von Paul Emil Börner (1888 – 1970), Diss. Hamburg 2012, S. 49. [2] Bereits am 10. Januar 1923 besetzten litauische Truppen das unter alliierter Verwaltung stehende ostpreußische Memelgebiet. Nur einen Monat später (16. Februar) stimmte die Botschafterkonferenz der alliierten Staaten der Übernahme durch Litauen zu. [3] Die Besatzer verlegten die westliche deutsche Zollgrenze am 13. Februar 1923 an die östliche Grenze des Ruhrgebiets.












