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- Bilder einer Ausstellung
Vom 3. bis 11. September 1921 fand in der thüringischen Stadt Kahla eine Notgeldausstellung statt, zu der das Stadt-Verkehrs-Amt sogar ein eigenes Album ausgab. Kahla ist Notgeldsammlern natürlich von seiner überdurchschnittlich hohen Anzahl von Serienschein-Ausgaben bekannt. Thüringer Städte und Gemeinden zählten damals ohnehin zu den eifrigsten Emittenten dieser Scheinchen, die vorwiegend für die Alben der Sammler hergestellt wurden, aber auch heute noch beliebte Sammelobjekte sind. Mit der Notgeldausstellung warb Kahla gleichzeitig für den damaligen Sammel-Boom und die eigene Ausgaben. Wir möchten Ihnen das Album zur Notgeldausstellung vorstellen, das nicht nur Verkehrsausgaben und Serienscheine der Stadt Kahla enthält, sondern auch seltene historische Fotos der Ausstellung und der Belegschaft des Stadt-Verkehrs-Amtes, das zur Ausstellung auch eine besondere Ausgaben "Das Notgeld des Notgelds" emittierte, und laden Sie ein, hierzu eine erste Galerie in unserem Blog für Geldscheinsammler zu besuchen, der noch weitere folgen sollen. Zum Album der Notgeldausstellung von 1921 in Kahla. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Bankhaus Xīntàihòu in China
Das Bankhaus (新泰厚) gehörte in den beiden letzten Regierungsepochen der Qingzeit, Guāngxù und Xuāntǒng, zu den größten Bankhäusern in China. Zuerst war die Firma ein Seidengeschäft in Píngyáo (平遥) in der Provinz Shanxi, aber ihre Besitzer, ein Herr Hou und ein Herr Zhao, wandelten die Firma 1826 in ein Geldwechslergeschäft um. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich eine der größten Bankhäuser der damaligen Zeit, mit Filialen im ganzen Land, hauptsächlich aber im Norden Chinas. Das Anfangskapital betrug 150.000 Liang (auch Tael genannt) Silber. Die Provinz Shanxi war damals, was das Finanzwesen betraf, eine der fortschrittlichsten. Hier gab es insgesamt 32 unabhängige Bankhäuser, mit zusammen über 400 Filialen in ganz China und einigen im Ausland (Yokohama, Singapur, Kalkutta, Moskau, um nur wenige zu nennen). Diese Banken waren gewissermaßen Aktiengesellschaften, den Inhabern der Anteile wurden alle drei bzw. vier Jahre Dividenden ausgezahlt. Die wichtigsten dieser Bankhäuser gaben eine Art Geldscheine heraus, genannt Qiántiē (錢帖) oder Yínpiào (銀票). Denn es gab damals kein anderes funktionierendes Geldschein-System in China. Die Geldscheine, die in der Periode Xiánfēng 咸豐 (1851–1861) ausgegeben worden waren, hatten sich als Fehlschlag erwiesen, sie waren durch Inflation völlig entwertet worden. Die von den Bankhäusern, darunter der hier in Rede stehenden Bank Xīntàihòu ausgegebenen Noten waren noch keine echten Geldscheine im heutigen Sinne. Die Wertstufen wurden von Hand ausgefüllt und waren oft keine Standardwerte. Mir liegen z.B. Scheine über 2370 Liang vor. Auch das Ausgabedatum (Jahr, Monat, Tag) wurde exakt von Hand eingetragen. Mit diesen Scheinen ging man nicht in ein Geschäft, um etwas zu bezahlen. Aber wenn man z.B. Schulden beglich, so wurden diese Scheine ebenso wie wirkliches Silber akzeptiert. Wie bei unseren heutigen Geldscheinen, wurde der Gegenwert jedem ausgezahlt, der den Schein vorlegte, der Schein war also nicht an eine bestimmte Person gebunden. Die Abbildung zeigt einen Schein über 20 Liang, datiert Guāngxù Jahr 32, Monat 3, Tag 3, das heißt 3. März 1894. Links unten steht die Adresse der ausgebenden Filiale in Běijīng. Wer einen solchen Schein weitergab, garantierte mit seinem Namen (Siegel und Handzeichen) für die Echtheit. Die vielen Einträge auf der Rückseite des Scheins zeigen, dass er bei zahlreichen Transaktionen benutzt wurde. Die Bedeutung des Bankhauses Xīntàihòu war so groß, dass die kaiserliche Regierung dieser Bank oft den Auftrag erteilte, riesige Summen von einer Provinz zur anderen zu transferieren, etwa zur Bezahlung von Soldatensold. An „Überweisungsgebühr“ kassierte die Bank jeweils 1 oder 2 Prozent des Überweisungsbetrags, abhängig von der Entfernung des Empfängers von der überweisenden Filiale. Weiter verdiente die Bank Geld, indem sie Geld verlieh, an staatliche Organisationen ebenso wie an Privatpersonen. Eine andere Geldquelle erschloss sich durch das Gießen von standardisierten Silberbarren. Fabriken konnten meist nur gebaut, Eisenbahnlinien nur errichtet werden, weil die „Shanxibanken“ die entsprechenden Kredite gewährten. Zinsen für Einlagen waren sehr niedrig, Zinsen für Kredite aber sehr hoch. Über die Wertentwicklung der Anteilscheine des Bankhauses Xīntàihòu selbst liegen mir keine Daten vor, wohl aber von einer ähnlich großen Shanxibank. Der Wert einer Einzelaktie dieser Bank entwickelte sich wie folgt: 1889=850 Liang, 1896=3.150 Liang, 1900=4.024 Liang, 1908=17.000 Liang. Vielleicht seit 1880 entwickelten sich in der Provinz Zhèjiāng eine Reihe von Geschäftsbanken. Diese waren zunächst von den Shanxibanken abhängig, weil sie von ihnen Geld leihen mussten. Aber später entwickelten sie sich zu einer großen Konkurrenz der Shanxibanken, deren Höhepunkt nach 1900 überschritten war. Es kam hinzu, dass es nun staatliche Banken gab, die Geldscheine emittierten, z.B. die Bank of Communications oder die Bank of China. Zusätzlich wurden in fast jeder Provinz eigene Regierungsbanken gegründet, die ebenfalls eigene Scheine ausgaben. Als dann 1912 die Qingzeit endete, versuchten die Shanxibanken sich umzustellen, was sich als schwierig erwies. Die jeweiligen „warlords“ beraubten die Banken schamlos, um ihre militärischen Abenteuer zu finanzieren. Aus diesem Grunde musste das Bankhaus Xīntàihòu nach 95 Geschäftsjahren im Jahre 1921 endgültig schließen. Zu den Scheinen des Bankhauses Xīntàihòu ist noch zu bemerken: Im Augenblick kenne ich verschiedene Wertstufen, 20 Liang (hier abgebildet), 100 Liang, 200 Liang und 2530 Liang. Sicher werden noch zahlreiche andere Wertstufen auftauchen. Da es verschiedene Silberstandards gab, war es nötig, die Art Silberstandards auf der Note anzugeben. Wir finden meist 平京 (Píngjīng), der „in Běijīng gültige Standard“; aber ich sah auch 松江 (Sōngjiāng), ein Standard, der in der Provinz Jilin üblich war. Erwin Beyer
- Dokumente der Reichsbank: Zur Ausgabe 500.000 Mark vom 1. Mai 1923
Wir möchten Ihnen historische Dokumente der Reichsbank zur deutschen Papiergeldgeschichte vorstellen, heute eine Bekanntmachung des Reichsbank-Direktoriums vom 4. Juli 1923 zur Ausgabe neuer Reichsbanknoten zu 500.000 Mark mit Datum vom 1. Mai 1923. Von dieser Banknote gibt es bekanntlich Reichsdrucke und Firmendrucke. Die Bekanntmachung bezieht sich auf die Reichsdrucke mit je zwei Serienbuchstaben und Kontrollnummern auf Vorder- und Rückseite in rotbrauner Farbe. Durch die anhaltende und weiter ansteigende Inflation kam es dann schließlich später zu vereinfachten Drucken der Reichsbank mit nur zwei Serien und Kontrollnummern auf der Vorderseite sowie zu Firmendrucken mit nur zwei oder sogar nur einer Serie und Kontrollnummer auf der Vorderseite. Firmendrucke fertigten folgende Druckereien: AB C. F. Müller, Karlsruhe AC Förster & Borries, Zwickau W L. C. Wittich'sche Hofbuchdruckerei, Darmstadt Z Hartung & Co., Hamburg Hans-Ludwig Grabowski
- Eine kleine Währungsreform 1947 in der UdSSR
Obwohl die UdSSR als überragender Sieger zusammen mit den Alliierten USA und Großbritannien aus dem fürchterlichsten aller bisherigen Kriege hervorgegangen ist, war für das Land und seine Bewohner die nun folgende Zeit alles andere als rosig. Die Nachkriegswirtschaft war gekennzeichnet von fortlaufend verstärkter Militarisierung und durch die schrecklichen Verwüstungen des Krieges hervorgerufener Armut und Verzweiflung. Ein ineffizientes Rationierungssystem, sowie die Anwendung von Zwangsmaßnahmen zur Mobilisierung von Arbeitskräften wurden außerdem den berechtigten Hoffnungen der einfachen Menschen noch immer nicht gerecht. Die Folgen des Krieges waren besonders auch im Staatshaushalt spürbar und hauptsächlich durch einen stark vermehrten Papiergeld-Umlauf getragen worden. Das Ergebnis war dementsprechend eine Inflation der Landeswährung. Die Währungsreform Betroffen von der Außerkurssetzung waren folgende Geldzeichen der UdSSR : Staatliche Währungsnoten von 1923 (ab Pick Nr.: 181) Staatstresornoten von 1928–1934 (ab Pick Nr.: 206) Und von 1938 (Pick Nr.: 213–215 = 1, 3 und 5 RUBEL) Bemerkenswert ist bei allen drei Banknoten der Ausgabe 1938 das deutlich militärische Erscheinungsbild! Banknoten Pick Nr.: 213, 214, 215 Staatstresor-Noten der Ausgabe 1938 zu 1, 3 und 5 Rubel Um die umlaufende Geldmenge zu reduzieren, ließ die Staatsführung der UdSSR eine neue Banknotenserie drucken und entwertete gleichzeitig die alten Scheine. Der Finanzkommissar der Kriegszeit, Arsenij Swerew, behauptete, dass er eine solche Maßnahme bereits während des Kriegs vorgeschlagen hatte, aber 1943 wurde beschlossen, eine solche Währungsreform erst nach dem Krieg durchzuführen. Jetzt wurden die Stabilisierung der Finanzen und die Abschaffung des Rationierungssystems zu einer Frage von großer politischer Bedeutung! Am 14. Dezember 1947 um 18 Uhr wurde im Radio und am nächsten Tag in der Presse die Durchführung einer Währungsreform und die Abschaffung der Lebensmittelkarten bekannt gegeben. Die neuen Geldscheine der UdSSR Banknote Pick Nr.: 218, 3 RUBEL 1947 (Typ I) Staatstresor-Noten in zwei Typen des Staatswappens : im Jahr 1947 ausgegebene mit 8 + 7 Bandschleifen im Staatswappen rechts & links, da noch 15 Unionsrepubliken bestanden. Banknote Pick Nr.: 217, 1 RUBEL 1947 (Typ II) Die in der gleichen Art gestalteten, mit Jahreszahl 1947, aber erst 1957 ausgegebenen Scheine, zeigen nun nur noch 14 solcher Bandschleifen, die die bestehenden Unionsrepubliken repräsentieren. Die Karelo-Finnische SSR bestand seit dem 16.7.1956 nicht mehr. Weitere Nominale dieser Gestaltungsart gab es zu 3, 5 und 10 RUBEL (Pick Nr.: 218–221) Auffällig ist bei den drei Noten des Jahres 1947, dass sie eine frappierende Ähnlichkeit mit einer Serie zaristischer Geldscheine aufweisen, die in den Jahren 1903 bis 1917 mit 3, 5 & 10 Rubel im Umlauf waren. ( siehe Pick Nr.: 9–11) Über Nacht, vom 14. auf den 15. Dezember 1947, wurden die Ersparnisse vieler Bürger entwertet. Für 10 alte Rubel Bargeld bekamen sie nur noch 1 Rubel ausgehändigt. Bei Bankguthaben war ein kompliziertes System vorgesehen. Es sollte ein Schlag gegen die "Spekulativen Elemente" sein, die große Geldvorräte angehäuft hätten. Gerade dieser Kreis hätte doch jede Möglichkeit gehabt, trotz dieser schweren Zeit, sein überschüssiges Bargeld in wertbeständige Güter anzulegen. Stalin versprach der Bevölkerung , dass dies das "letzte Opfer des sowjetischen Volkes" sein werde. Große Reformen sind immer mit einigen Schwierigkeiten verbunden und so bildete auch die sowjetische Währungsreform keine Ausnahme. Die neuen Banknoten wurden bereits 1946 gedruckt und dann Ende 1947 ausgegeben. Gleich zu Anfang erwies sich angeblich ein Großteil der neuen Scheine als fehlerhaft gedruckt und musste erneuert werden. Worin diese Mängel bestanden, ist aber bis heute nicht bekannt geworden. Banknote Pick Nr.: 232, 100 RUBEL 1947 Die Nominale der Serie waren 10, 25, 50 & 100 RUBEL (Pick Nr.: 226–232. Diese Staatsbanknoten 1947 gibt es ebenfalls in zwei Typen, mit 14 und 15 Schleifenbändern wie bei den Tresornoten von 1947. In der Phase des Geldumtauschs kam es im ganzen Lande zu einem mitunter rauschhaftem Konsumverhalten. Die verunsicherten Bürger versuchten, noch möglichst hohe Summen ihres alten Geldes in Industriewaren und haltbare Lebensmittel umzusetzen (Hamsterkäufe). Im Jahr 1947 betrug das Gehalt eines einfachen Arbeiters oder Büroangestellten etwa 7.000 Rubel im Jahr, ein in der Landwirtschaft Tätiger hatte in dieser Zeit weniger als ein Viertel dieser Summe zur Verfügung! Am 15. Dezember 1947 trat die Währungsreform in Kraft und Anfang Januar 1948 war sie abgeschlossen. Alle Noten mit der Jahreszahl 1947, ob staatliche Tresornoten (Schatzscheine) oder Staatsbanknoten hatten bis 1961 Gültigkeit. In diesem Jahr fand am 1. Januar eine erneute kleine Währungsreform, 10 alte RUBEL = 1 neuer Rubel, statt. Übrigens erhielt im Jahre 1951 zum Beispiel ein Minister ein monatliches Gehalt von 20.000 RUBEL und sein Stellvertreter ca. 10.000 Rubel. Dagegen ein in der Landwirtschaft tätiger einfacher Bauer weniger als 200 RUBEL im Monat. Meine Darstellungen stützen sich unter anderem auf folgende Quellen : Kollektiv : "Große Sowjetenzyklopädie", Moskau/Berlin 1957 Popow : "Die Politökonomie der UdSSR", Moskau 1949 Kollektiv : "Geschichte der UdSSR", Moskau 1968 Krause/Mishler : "World Paper Money", Iola 2008 Matthias Böhme Abb. 213–215 und 217 Matthias Böhme Abb. 218 und 232 Banknoten Hilmer
- Falsche Abstempelungen des Befehlshabers Saloniki-Ägäis
Der Kampf gegen Fälschungen und Manipulationen zum Schaden der Sammler auf ebay geht weiter! Kürzlich endete das Angebot eines Behelfszahlungsmittels der Wehrmacht über 50 Reichspfennig mit falschen Stempeln des Befehlshabers Saloniki-Ägäis und der Hauptverwaltung Makedonien auf der Rückseite. https://www.ebay.de/itm/Ro-504-50-Reichspf-Behelfszahlungsmittel-der-Wehrmacht-034-Saloniki-Entwertung-034-/254309510261?_trkparms=aid%3D111001%26algo%3DREC.SEED%26ao%3D1%26asc%3D20170511121231%26meid%3D3575c42fe2674d0cb7d1e64eae920eae%26pid%3D100675%26rk%3D6%26rkt%3D15%26sd%3D283548246968%26itm%3D254309510261%26pg%3D2481888&_trksid=p2047675.l2557&nma=true&si=z0NEJN9qBBNrQbkuQSyCZ8ONYfQ%253D&orig_cvip=true&nordt=true&rt=nc Der Schein ist zwar echt, aber ohne Stempel auch kaum etwas wert (rund 10 Euro). Mit echten Stempeln wäre der Schein etwa 750 Euro wert. Durch die falschen Stempelaufdrucke hat der Anbieter immerhin den fünffachen Wert herausgeholt! Wir haben die Information an ebay gemeldet und uns gefragt, ob wir dieses Mal wieder eine Antwort darauf bekommen, oder ebay den Kampf gegen betrügerische Angebote schon aufgegeben hat????? Hans-Ludwig Grabowski Vielen Dank an Uwe Bronnert
- Bekanntmachung der Reichsbank vom 1. September 1922 zur Ausgabe neuer Reichsbanknoten zu 500 Mark
Mit diesem Beitrag soll eine kleine Reihe begonnen werden, in der historische Dokumente zur Papiergeldgeschichte vorgestellt werden. Den Anfang macht eine Bekanntmachung des Reichsbank-Direktoriums vom 1. September 1922 zur Ausgabe neuer Reichsbanknoten zu 500 Mark mit Datum vom 27. März 1922. Selbst solche historischen Bekanntmachungen können mit ihren Beschreibungen der Banknoten und ihrer Motive auch heute noch von Interesse sein. Für die nächste Auflage des Katalogs "Die deutschen Banknoten ab 1871" habe ich mir jedenfalls schon mal vorgemerkt, dass das Porträt auf der Vorderseite nicht Junker Jakob Mayer zum Pfeil, sondern Junker Jakob Meyer zum Pferd zeigt! Dieser Fehler zog sich schon seit Holger Rosenberg durch den Katalog. Für alle die, die auch immer schon wissen wollten, wer denn da alles im Namen des Reichsbankdirektoriums unterschrieben hat, auch denen kann die Bekanntmachung weiterhelfen. In der zweiten Zeile von unten sehen wir übrigens den Namen Seiffert. Hier befindet sich auf den Reichs-banknoten die Unterschrift des Geheimen Finanzrats Otto Seiffert, der von 1914 bis 1924 im Direktorium der Reichsbank war und dessen private Sammlung von über 100 Musterscheinen von Reichsbanknoten, Reichskassenscheinen und Darlehnskassenscheinen noch in diesem Jahr versteigert werden soll. Wir berichten darüber ausführlicher, wenn es soweit ist. In solchen Briefumschlägen mit Fenster aus Pergament hatte die Reichsbank nach der Währungsstabilisierung und Einführung der Reichsmark übrigens mit "MUSTER" überdruckte deutsche Geldscheine aus laufender Serie an Sammler abgegeben. Der Umschlag mit dem in der Bekanntmachung angekündigten 500-Mark-Schein stammt aus der persönlichen Sammlung des Geheimen Finanzrats Otto Seiffert. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Ein Notgeldschein aus der chinesischen Provinz Húnán
Vor kurzem sandte mir ein Sammler aus Österreich den Scan eines alten chinesischen Scheins zu und bat um Informationen. Da die Note ein sehr interessantes Design zeigt, möchte ich sie hier vorstellen. Die Note wurde ausgegeben von einer Privatfirma namens Yǒugōng Táng (友恭堂). Als Datum lesen wir 光緒三十四年吉月吉日 = Jahr 34 der Regierungsepoche Guāngxù, das ist 1908. Die vier letzten Zeichen bedeuten „Monat so und so, Tag so und so“, es wird also kein genaues Datum angegeben. Auf dem Schein findet sich keine Ortsangabe, doch hat dieselbe Firma –ebenfalls im Jahr 1908 – noch einen Schein über 100 Wen (im Deutschen oft auch als 100 Cash wiedergegeben.) ausgegeben, und auf diesem steht als Ortsangabe „益陽四里“, also Yìyáng Sìlǐ. Yìyáng ist eine Stadt in der Provinz Húnán, Sìlǐ ist der Name eines Stadtviertels von Yìyáng. Die Wertbezeichnung lautet 1 Chuan, im Englischen „1 String“ genannt. Die Cashmünzen aus Kupfer hatten bekanntlich im Zentrum ein viereckiges Loch, eine Schnur mit 1000 solcher Münzen war „1 Chuàn“ bzw. „1 String“. Das chinesische Zeichen für „Chuàn“ ist 串. Man sieht die Schnur und zwei daran aufgereihte Cashmünzen. In der Wertzeile, das ist die vertikale Zeile in der Mitte der Note, findet sich ein so genanntes „Komplexzeichen“, es ist aus zwei Zeichen zusammengesetzt. Das eine Zeichen lautet 九, wobei der rechte Bogen in die Länge gezogen ist. Über diesem Bogen sieht man kleine Striche, zwei waagerechte und einen senkrechten. Das bedeutet „7“, in der damals üblichen Kurzschreibweise von Geschäftsleuten. Das „Komplexzeichen“ meint also „97“. Das heißt, wenn man die 1 Chuàn-Note in Kupfermünzen umtauscht, erhält man nicht 1000 Münzen, sondern nur 970. Wie die meisten chinesischen Scheine der damaligen Zeit zeigt auch der vorliegende ein vertikales Format. Auf der Vorderseite oben sieht man eine Straßenwalze. Der Text (Datumzeile, Wertzeile, Individualnummer) ist eingerahmt von neun Tieren, die Löwen darstellen sollen, auch wenn sie nicht so aussehen. Der Löwe, der in China nie wild vorkam, war in der Qingzeit ein Symbol für Macht, Kraft und Schutz und neben Phönix-Vogel und Drache ein beliebtes Motiv auf Geldscheinen. Links unten sehen wir noch sechs Schriftzeichen, nämlich 慶義石印局石印 = „lithographisch gedruckt von der Lithographie-Druckerei Qìngyì“. Erwin Beyer Abb. Rudolf Richter
- Schulgeld der Bank of China: Niederländische Gulden
Die Bank of China (BOC) hat in den 1970er und 1980er Jahren, aber auch noch bis nach 2000, einfache Nachdrucke von Geldscheinen verschiedener bedeutender konvertibler Währungen wie z.B. US-Dollar, Britisches Pfund, Deutsche Mark, Schweizer Franken, Französischer Franc, Japanischer Yen usw. herstellen lassen, um sie als Schulgeld für Auszubildende zu nutzen. Die Vorderseiten entsprechen dabei jeweils den Originalmotiven, haben aber zusätzliche chinesische Aufdrucke, und die Rückseiten sind einheitlich mit einem Muster mit dem Namen der Bank in Englisch ("BANK OF CHINA") und mit chinesischer Schrift ausgeführt. Das Schulgeld diente den Auszubildenden der Bank sowohl als Hilfsmittel zur Erkennung von Fremdwährungen, als auch als Übungsmittel zum Zählen von Geldscheinen. Ich möchte mit diesem kleinen Beitrag die mit dem Britischen Pfund und Schweizer Franken begonnene Reihe fortführen und die 25-Gulden-Note der Nederlandschen Bank von 1971 als Schulgeld und Original vergleichen. Der Schulgeldschein ist als solcher leicht an den chinesischen Überdrucken und der charakteristischen Rückseite zu identifizieren. Er sollte ja schließlich auch nicht als Nachahmung oder gar Fälschung dienen. Seinen Zweck für Übungen und Schulungszwecke erfüllte er allemal. Natürlich handelt es sich auch nur um einfaches Papier ohne Wasserzeichen. Das Original erkennt man natürlich auch leicht an dem hochwertigen Druck und der normalen Rückseite. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Japanische Besatzungsausgaben im Zweiten Weltkrieg: Niederländisch-Indien
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erklärte die niederländische Exilregierung am 7. Dezember 1941 Japan den Krieg. Daraufhin annektierten japanische Truppen zwischen dem 16. Dezember 1941 und dem 8. März 1942 die komplette Kolonie Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien. Die bedingungslose Kapitulation der Verteidiger erfolgte am 9. März 1942 auf der Insel Java. Die Kolonie blieb bis zum Kriegsende unter japanischer Kontrolle. Die Japaner duldeten und unterstützten sogar eine indonesische Nationalbewegung unter Sukarno und Hatta. Bereits 1942 gab die "Japansche Regeering" eigene Geldscheine aus. Diesen folgten 1944/1945 Ausgaben des "Japanese Government" und des "Imperial Japanese Government". Nach der Kapitulation Japans erklärte Sukarno am 17. August 1945 Niederländisch-Indien für unabhängig, was die einstige Kolonialmacht jedoch nicht anerkannte. In einer Übergangszeit waren japanische Truppen unter britischer Kontrolle für ruhe und Ordnung zuständig, während es den Republikanern gelang größere Gebiete zu kontrollieren. Die Niederländer eroberten dann zwar in zwei als "Polizeiaktionen" bezeichneten Militärmissionen große Gebiete der Republikaner, das wurde aber von der Weltöffentlichkeit, allem voran von den USA, verurteilt. Die Niederlande musste schließlich am 27. Dezember 1949 die Unabhängigkeit Indonesiens anerkennen, nicht zuletzt weil sie von finanzieller Hilfe der USA abhängig war. De Japansche Regeering / The Japanese Government (1942) Die Scheine der "Japanschen Regeering" (Japanische Regierung) tragen kein Datum, kamen aber 1942 in Niederländisch-Indien in Umlauf. Die Scheine tragen als Kennung als ersten Buchstaben der Serie ein "S". Ausgabe ohne Datum (1942): 1, 5 und 10 Cents; 1/2, 1, 5 und 10 Gulden Pemerintah Dai Nippon / The Japanese Government (1944–1945) 1944 kamen zwei hohe Nominale zu 100 und 1000 Roepiah (Rupien) in Umlauf, womit die Gulden-Währung abgelöst wurde. Auch hier lautet der Kennbuchstabe "S". Ausgabe ohne Datum (1944-1945): 100, 1000 Roepiah Dai Nippon Teikoku Seihu / Imperial Japanese Government (1944) Die kleinen Nominale in der neuen Rupien-Währung gab das Imperial Japanese Government 1944 aus, nur vom Hunderter gab es bereits eine Ausgabe von 1943. Als Kennbuchstabe (erster Buchstabe der Serie) wird wieder ein "S" verwendet. Ausgabe ohne Datum (1943/1944): 1/2, 1, 5, 10, 100 Roepiah (1943 und 1944) Exilserie Bleibt anzumerken, dass die Niederländer während der japanischen Besatzung eine neuen Serie Muntbiljets (Münzscheine) bei der American Ban Note Company (ABNC) mit Datum vom 2. März 1943 in Gulden-Währung drucken ließen. Alle Scheine zeigen auf der Vorderseite ein Porträt von Königin Wilhelmina. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Banknoten des Altai-Gebiets
Bis 1919 war das so genannte Altai-Gebiet direkt der Regierung in Peking (Beijing) unterstellt. Um die laufenden Kosten für Verwaltung und Militär zu decken, wurde jeden Monat eine bestimmte Summe, nämlich 20.000 Yuan, in das Gebiet geschickt, und zwar in Banknoten der „Bank of China“ und der „Bank of Communications“. Doch weil die Entfernung von Peking so groß und der Transportweg beschwerlich war, trafen die Banknoten oft nicht pünktlich ein, so dass die Bediensteten der Verwaltung und die Soldaten der in Altai stationierten Truppen nicht immer rechtzeitig bezahlt werden konnten. Das führte mehrfach zu starken Protesten. Also entschloss sich der Chef der Altai-Lokalregierung, ein gewisser Zhāng Qìngtǒng (張慶桶 ) spezielle Geldscheine auszugeben, um alle pünktlich bezahlen zu können. Diese Ersatzscheine sollten dann jeweils in „echte“ Geldscheine umgetauscht werden, sobald diese aus Peking einträfen. Die Noten erhielten die amtliche Bezeichnung 阿爾泰通用銀券 = „in Altai umlaufende Silbernote“, diese Bezeichnung steht auch als Titel auf den Scheinen, nach damaliger Sitte von rechts nach links zu lesen. Anfangs schien der Plan aufzugehen, jedoch kam es zu Unregelmäßigkeiten bei der Auszahlung der Scheine. Kommissar Zhāng Qìngtǒng hatte schlicht eine große Summe dieses Geldes unterschlagen. Das führte zu einem größeren Aufstand, der als „Ashan Meuterei“ (阿山兵變) in die Geschichte Chinas einging. Zahlreiche Personen wurden getötet, darunter auch der Leiter der Finanzabteilung. Zhāng Qìngtǒng selbst wurde in Gewahrsam genommen und hätte beinahe auch sein Leben verloren. Doch gelang es einem gewissen Zhōu Wùxué (週務學), den Aufstand niederzuschlagen. Der Rebellen-führer wurde hingerichtet. Die in den Aufstand verwickelten Soldaten wurden entlassen. Zhāng Qìngtǒng wurde nach Peking geschickt, wo er sich verantworten musste. Er wurde für sechs Jahre von allen Ämtern suspendiert. Danach hat man nie mehr etwas von ihm gehört. Die Notenausgabe umfasste drei Nennwerte, 1, 5 und 10 Yuan. Im SCWPM sind sie als S2490J, SJ2490K und S2490L gelistet. Sie sind im Prinzip alle gleich gestaltet, zeigen aber verschiedene Farben. Unten links findet sich ein kleines rechteckiges Siegel mit den Zeichen 財政局印 = „Siegel des Finanzbüros“. Oben in der Mitte sieht man – oft sehr undeutlich- einen großen ovalen Stempel in orangeroter Farbe: 阿爾泰行政公 = „Finanzbüro des Altai-Verwaltungsamtes“. Als Datumszeile ist „gedruckt im Jahr 7 der Chinesischen Republik“ angegeben, das entspricht 1918. Die Scheine wurden in Peking gedruckt, im Altai-Distrikt selbst gab es damals keine Druckerei, die diese anspruchsvolle Aufgabe hätte übernehmen können. Als Maßnahme gegen Fälschungen trugen die Noten am oberen Rand einen Kontrollabschnitt, der bei Ausgabe der Noten abgeschnitten wurde und beim Finanzbüro verblieb. Auf der Rückseite schrieb man genau entlang der Schnittlinie von Hand mit schwarzer Tusche die individuelle Nummer des Scheins in chinesischen Schriftzeichen. Bei einem eventuellen Zweifel, ob der Schein echt sei, konnte man Note und Kontrollabschnitt aneinander legen und sehen, ob die beiden Teile zueinander passten. Auf der beigefügten Abbildung der Notenrückseite kann man am oberen Rand die durch den Schnitt „halbierten“ Schriftzeichen deutlich erkennen. Eine Note mit noch anhängendem Kontrollabschnitt ist bisher in Sammlerkreisen ebenso wenig aufgetaucht, wie ein isolierter Kontrollabschnitt. Auf der Vorderseite unten rechts erkennen wir ganz schwach den violetten Stempel einer Unterschrift; diese ist mit kyrillischen Buchstaben geschrieben und leider noch nicht deutbar. Auf der Rückseite sehen wir links die Wertstufe auf Uighurisch (mit arabischen Buchstaben) und rechts auf Mongolisch. Im Juni 1919, nach Ende des Aufstands, wurde der Altai-Distrikt in die Provinz Xīnjiāng (früher meist „Sinkiang“ genannt) eingegliedert. Zhōu Wùxué, der den Aufstand erfolgreich niedergeschlagen und für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte, wurde am 13.6.1919 zum Verwalter des Altaibezirks ernannt, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod im Mai 1920 innehatte. Die provisorischen Noten wurden eingezogen und im Verhältnis 10:7 gegen die in der Provinz umlaufenden Noten umgetauscht. Text und Abb. Erwin Beyer
- Die Rekonstruktion altdeutscher Geldscheine
Der Versuch, ein Sammelgebiet noch attraktiver zu machen Wie es dazu kam: Inspiriert und vor allem fasziniert war ich von den Artikeln des Herrn Lienhard Buck im damaligen „Der Geldscheinsammler“ 1997 über die Churfürstlich Sächsischen Cassen=Billets des Jahres 1772. Hier wurde der Entstehungsvorgang des ersten sächsischen Papiergelds in anschaulicher und spannender Art und Weise vom Autor geschildert. Auch sehr schöne Abbildungen der beschriebenen Scheine waren vorhanden, wenngleich nur in gebrauchtem Erhaltungszustand. Da ich mich schon immer für grafisch-künstlerische Erzeugnisse und vor allem für alte Banknoten interessiert habe, kam in mir das Verlangen auf, selbst solch einen Schein mal in der Hand zu halten. Allerdings existieren ja bekanntlich nur sehr wenige Originale und diese sind natürlich auch sehr teuer. Bemerkenswert sind auch die verschiedenen Schriftarten, die sich auf diesen Banknoten befinden. Sich mit historischen Schriftarten zu beschäftigen und diese auch selbst schreiben zu können, ist ebenfalls recht interessant. Die handschriftlichen Unterschriften sehen künstlerisch gelungen aus und wurden wahrscheinlich mit einem Gänsekiel geschrieben. Da die beiden höchsten Nennwerte zu 50 und 100 Reichsthalern offenbar nirgends mehr als Originale verfügbar sind und auch keine diesbezüglichen Abbildungen existieren, habe ich versucht, diese in ähnlicher Gestaltung auferstehen zu lassen. Nachdem ich die fehlenden Werte von 50 und 100 Reichsthalern in stark vergrößerter Form nach Beschreibungen im Artikel des Herrn Buck nachempfunden habe, konnte ich mir diese dann auch in der verkleinerten Form in Originalgröße ausdrucken. Vor allem in einer Qualität, die man heute wahrscheinlich als kassenfrisch oder bankfrisch bezeichnen würde. Ich wollte einfach den Zustand der Scheine nachempfinden, der ungefähr dem entsprach, als diese damals in Umlauf gesetzt worden sind. Die stark vergrößerte Handzeichnung der Scheine ist notwendig, da die Details so viel besser erkennbar gemacht werden können. Eine anschließende Verkleinerung des Drucks auf Originalgröße bedeutet dann auch meistens den Erhalt einer sehr guten Abbildungsqualität. Ein nachempfundenes Wasserzeichen wurde mit Wasserzeichentinte und einem selbst hergestellten Gummistempel in der Mitte des Formats aufgebracht. Wenn man die Note gegen das Licht hält, erscheinen die Buchstaben „CSCB“ in einem Oval. Es ist nicht mit einem echten Wasserzeichen zu verwechseln, welches ja gleich in der Papierherstellung mit einfließt. Nun fehlte noch die auf jeden Fall aufzubringende Kennzeichnung als Kopie oder Reproduktion, um auch dem Laien unter den Sammlern eindeutig klar zu machen, dass es sich um kein Original handelt (siehe hierzu noch Hinweise am Ende des Artikels). In meinem speziellen Fall würde am ehesten das Wort "Rekonstruktion" mit der zugehörigen Jahreszahl zutreffender sein. Die weiteren noch von mir hergestellten Drucke anderer altdeutscher Geldscheine sind eigentlich nur Versuchsmuster bzw. Proben, um die Brauchbarkeit dieser grafischen Aufbereitungstechnik für die Rekonstruktion seltener und fast bis zur Unkenntlichkeit zerschlissener Geldscheine altdeutscher Staaten anwenden zu können. Es geht also nicht um die quantitative und kommerzielle Herstellung von Kopien des Ist-Zustands, von denen ohnehin recht viele bereits angeboten werden. Es geht mir vielmehr um die Wiederherstellung – ja Rettung – des grafischen Erscheinungsbildes, den Versuch also, eine Banknote als grafisches Kleinkunstwerk wieder mit Leben zu erfüllen. Als ich einen wirklich sehr abgegriffenen, verschmutzten und in der Mitte geteilten Talerschein zu einem für mich erschwinglichen Preis erwerben konnte, habe ich diese Technik der "Erneuerung" angewendet (siehe Abb.). Der Geldschein wurde um das Mehrfache seines Formates vergrößert. Anschließend wurde die stark vergrößerte Grafik mit Hilfe von Tusche-Zeichengeräten mit schwarzer Tusche auf ein Transparentpapier zeichnerisch übertragen. Hierbei kommt es insbesondere darauf an, die kaum mehr sichtbaren Teile zeichnerisch zu ersetzen und eventuell fehlende Teile zu ergänzen bzw. zu rekonstruieren. Hierbei sind natürlich die Besonderheiten der ursprünglichen Drucktechniken (Buchdruck oder Tiefdruck) der Originale in der Grafik zu berücksichtigen. Ich weise auch daraufhin, dass es sich nicht um die Restaurierung eines Originalscheins handelt, dafür gibt es Experten, die spezielle Techniken der Papier-Restaurierung und Ausbesserung von Originalscheinen professionell anbieten können. Die damalige Herstellungstechnik beinhaltete mitunter auch die Aufbringung eines oder mehrerer Trockenstempel, welche ebenfalls vom Motiv her sehr reizvoll und typisch für einen Schein dieser Zeit sein können. Hier wird eine Matrize aus Holz hergestellt, die das Negativbild des Motivs beinhaltet. Der Holzstempel wird dann mit starkem Druck auf den rekonstruierten Schein gepresst, der auf einer weichen Unterlage liegt. Somit überträgt sich das negative Bild des Holzstempels als positive Abbildung auf das Papier und hinterlässt ein recht gut erkennbares und fühlbares Reliefmotiv. Am schwierigsten sind natürlich schadhafte Guillochen zu rekonstruieren, da ja bekanntlich hierfür ursprünglich spezielle Maschinen eingesetzt worden sind. Aber auch das Unterdruckmuster ist oftmals sehr schwach und verschmutzt und dadurch schwer vom Betrachter nachvollziehbar. Bei fast hoffnungslosen Fällen nur noch zu erahnender Untergrundmuster muss man eben zeichnerisch versuchen zumindest die Ähnlichkeit mit dem Muster herzustellen. Die Farbe kann dann am Computer dem Original, soweit noch irgendwie erkennbar, nachempfunden werden. Bei der Farbgebung ist meistens auch die Beschreibung des Scheins mit der Fantasie des Gestalters in Übereinstimmung zu bringen, da der Originalschein oftmals kaum noch Farben erkennen lässt. Zum Schluss muss jeder neue Schein noch eine Art Versiegelung erhalten, damit die Farben zumindest wischfest sind. Nun gibt es natürlich auch Sammler, die Kopien oder Rekonstruktionen jedweder Art ablehnen, da es keine Originalscheine sind und somit der eigentliche Wert nicht mehr gegeben ist. Ich vergleiche es einfach mal mit historisch bedeutsamen Bauwerken, die zum Teil rekonstruiert oder sogar als Totalersatz in historischer Form wieder aufgebaut worden sind. Hierzu gibt es sicherlich auch unterschiedliche Auffassungen. Der Sammler, der auf die grafische Schönheit und die Unversehrtheit des Scheins einen gewissen Wert legt, der könnte auch an solch einer Rekonstruktion, die durchaus als Platzhalter für unerreichbare oder nicht mehr existente Originale dienen könnte, Gefallen finden. Denn Originale in brauchbarer oder sammelwürdiger Form, sind bei altdeutschen Taler- und Guldenscheinen leider recht selten und vor allem sehr teuer. Um aber all die Sammler von Originalen zu beruhigen, die Bedenken haben, dass die rekonstruierten Scheine als Originale angeboten werden könnten, zähle ich nachfolgende Merkmale der Erkennbarkeit einer Rekonstruktion auf: Die rekonstruierten Scheine weisen nicht die Sicherheitsmerkmale wie die Originale auf (z.B. kein echtes Wasserzeichen – wird nur aufgedruckt, Papier weicht vom Original ab usw.) Es erfolgt eine eindeutige und für Jedermann sichtbare Kennzeichnung mit dem Wort „Rekonstruktion“ oder „Reproduktion“ und der entsprechenden Jahreszahl. Hier könnte ich mir vorstellen, dass man sogar mit einer ölhaltigen Stempelfarbe arbeitet. Der Erhaltungszustand ist mit druckfrisch oder kassenfrisch einzuschätzen. Originale Scheine aus dieser Zeit in diesem Erhaltungszustand sind meines Wissens nicht mehr existent. Wobei selbst sehr gut erhaltene Originale, sollten welche existieren, auch immer altersbedingte Spuren auf dem Papier hinterlassen und sich somit von neuen Scheinen unterscheiden. Originaler Tiefdruck und Buchdruck sind von modernen Computer-Ausdrucken (egal ob Tintenstrahldrucker oder auch Laserdrucker) zu unterscheiden. Digitaldruck und Offsetdruck sind zum Zeitpunkt der Herstellung der Originale noch nicht bekannt gewesen. Im Tiefdruckverfahren sind die Motive reliefartig fühlbar und beim Buchdruck ist das Motiv auf der Rückseite des Papiers als leichte Vertiefung sichtbar. Auch die fortlaufende Nummerierung mit einem heutigen Paginier-Stempel wäre als Kennzeichnung der jeweiligen Note denkbar und somit eindeutig als Abweichung vom Original erkennbar. Abschließend möchte ich nochmals eindeutig darauf hinweisen, dass ich mit meinen Bestrebungen des Nachempfindens und Rekonstruierens dieser alten Geldscheine keine kommerziellen Interessen verfolge. Mein Bestreben ist es vielmehr, Sammlern altdeutscher Geldscheine insbesondere für die künstlerisch–gestalterische Seite in Bezug auf Motivwahl, Komposition und Schriftgestaltung eine Möglichkeit zu geben, die Sammelleidenschaft noch weiter zu entwickeln bzw. Anfängern Mut zu geben, sich diesem Sammelgebiet trotz der eingeschränkten Verfügbarkeit von Originalen, zuzuwenden. Persönlich könnte ich mir vorstellen, dass bei Nachfragen aus Sammlerkreisen zu Geldscheinen altdeutscher Staaten, die nur noch in sehr schlechtem Erhaltungszustand im Handel angeboten werden können, eine Rekonstruktion durchaus angebracht wäre, um die Schönheit dieser besonderen Kleinkunstwerke auch für die Zukunft in ihrer angedachten gestalterischen Ursprünglichkeit erhalten zu können. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Herrn Hans-Ludwig Grabowski recht herzlichen Dank ausrichten, da er mir stets bereitwillig und kompetent sachgerechte Informationen zur Geldgeschichte der altdeutschen Staaten vermittelt hat. Über eine weitere diesbezügliche Unterstützung würde ich mich sehr freuen. Beispiele für rekonstruierte altdeutsche Geldscheine Ullrich Bierbach Abb. Ullrich Bierbach/Hans-Ludwig Grabowski
- China: Banknote mit Überdruck der Falun Gong
Bei seinem letzten Besuch in Shanghai fand Erwin Beyer eine 10-Yuan-Note im Umlauf, auf deren Rückseite sich rechts ein vierzeiliger Überdruck der in China verbotenen und verfolgten Falun Gong-Bewegung befindet. Wir hatten dazu schon einmal kurz berichtet, konnten jetzt aber das Original scannen und informieren, was es damit auf sich hat. Das Symbol der Falun Gong-Bewegung zeigt zwar wiederholt Swastika (hier seitenverkehrte Hakenkreuze), die sind aber in China kein Symbol einer politischen Gesinnung, sondern stehen für Glück. Außerdem findet man das buddhistische Symbol für das individuelle Yin und Yang. Falun Gong oder auch die Gesetzesrad-Praktik ist eine Qigong-Praktik der buddhistischen Schule, die zu Beginn der 1990er Jahre von den chinesischen Kommunisten gefördert wurde. Wegen der Größe der Bewegung mit bis zu 100 Millionen Anhängern und ihrer Unabhängigkeit vom Staat, wird sie jedoch seit Mitte der 1990er Jahre von der Staatssicherheit bespitzelt. Als im April 1999 10.000 Anhänger von Falun Gong in Peking friedlich für eine rechtliche Anerkennung der Bewegung und gegen staatliche Einmischung demonstrierten, begann deren Verfolgung. Bereits im Juni 1999 kündigte die Kommunistische Partei an, die Bewegung auszulöschen. Übersetzt bedeutet der Überdruck: "Wenn Du diesen Geldschein bekommst, wünsche ich Dir ein gutes Schicksal. Merke, dass Falun Gong gut ist, Du sollst Glück haben und lange leben." In China findet man immer wieder mal einen Geldschein mit diesem Überdruck. Man schätzt, dass etwa jeder Millionste 1-Yuan-Schein so nachträglich mit der Botschaft von Falun Gong versehen ist. Bei 10-Yuan-Scheinen ist der Überdruck deutlich seltener. Herr Beyer kennt nur den hier gezeigten Schein. Überdrucke von anderen Organisationen sind nicht bekannt. Erwin Beyer, Hans-Ludwig Grabowski Abb. Erwin Beyer












