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  • Japanische Besatzungsausgaben im Zweiten Weltkrieg: Burma

    Nach einem dritten Krieg zwischen Großbritannien und dem damaligen Birma hatten die Briten 1885 das südostasiatische Land vollständig unterworfen und 1886 in ihre Kolonie Britisch-Indien einverleibt. 1923 wurde Birma dann eine eigenständige Kolonie. Anfang 1942 besetzten japanische Truppen das Land. Den sog. Shan-Staat (mit ca. einem Viertel der Gesamtfläche die größte Verwaltungseinheit des Landes) übergaben die Japaner an das verbündete Thailand. Am 1. August 1943 erklärte das von einer durch Japan eingesetzten Marionettenregierung verwaltete Land seine Unabhängigkeit und den Alliierten den Krieg. Mit Unterstützung der Japaner wurde die Burma National Army nach dem Vorbild faschistischer Milizen aufgebaut. Ein Jahr später gründete sich unter Beteiligung von Kommunisten, Sozialisten und Teilen der Burma National Army eine Widerstandsbewegung gegen die japanische Besatzung und die kollaborierende Regierung. Kurz vor Kriegsende 1945 wechselte der "Staat Burma" die Seiten und erklärte Japan den Krieg. Nach dem Krieg kam Burma vorübergehend wieder unter britische Herrschaft und wurde dann am 4. Januar 1948 unabhängig. Heute heißt das Land Myanmar. The Japanese Government (1942 – 1944) Unter japanischer Besatzung gab das Japanese Government eigene Geldscheine ohne Datum aus. Die Ausgabe für Burma erkennt man am ersten Buchstaben der aus zwei bis drei Buchstaben bestehenden Serie. Für Burma steht das "B" am Anfang der Serienbuchstaben. Ausgabe ohne Datum (1942): 1, 5 und 10 Cents; 1/4, 1/2, und 1 Rupie Ausgabe ohne Datum (1942 – 1944): 5 und 10 Rupien Ausgabe ohne Datum (1944): 100 Rupien Ausblick Die japanischen Besatzungsgelder des Zweiten Weltkriegs für weitere Länder und Regionen stellen wir in weiteren Beiträgen vor. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • "Goldene Zwanziger Jahre"

    Die wirtschaftliche Lage Deutschlands war in Anbetracht der zerrütteten Wäh­rungsverhältnisse 1923 fast aussichtslos. Im November 1923 wurde die Inflation zum Stehen gebracht und eine neue Währung eingeführt. Man setzte alles auf eine Karte und wiederholte das, was in Frankreich im 18. Jahrhundert zweimal in die finanzielle Katastrophe geführt hatte: Die Schaffung einer Währung auf Grundlage von Sachwerten, nämlich Grund und Boden sowie Industrieanlagen. Dies war die Geburtsstunde der Rentenmark, wie sie nach Vorschlag von Finanzminister Luther heißen sollte. Ihr Wertverhältnis war 1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark. Gedeckt war diese Währung nicht durch Gold, sondern durch den gesamten deutschen land- und forstwirtschaftlichen Besitz. Zugleich wurde ein Außenkurs zum Dollar im Vorkriegsstandard 1:4,20 fixiert. Im August 1924 wurde die Reichsbank wieder als Währungs- und Emissionsbank eingesetzt, die nun erneut Reichsbanknoten ausgab. Die Rentenbankscheine kursierten aber lange Zeit noch nebenher als gleichwertiges Geld. Diesmal gelang das, was Frankreich zweifach zum Verhängnis wurde. Man hatte die gigantische Inflation gestoppt und wertbeständiges Geld ohne Golddeckung und Devisen­reserven eingeführt. Die neben der Ren­tenmark eingeführte neue Reichsmark wurde wieder zur Goldwährung. Doch Goldmünzen gab es nicht mehr für den Zahlungsverkehr. Die neue Wäh­rung war eine „Goldkernwäh­rung“, was bedeutete, dass Privatpersonen keinen Anspruch auf Einlösung von Papiergeld in Gold hatten. Eine Einlösepflicht in Gold oder Devisen bestand nur gegenüber anderen Zentral- und Notenbanken. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • Der Revolutionär Giuseppe Garibaldi und seine Geldscheine

    Vermutlich hat jeder von uns in seinem Urlaub in Italien bereits einmal einen Cappuccino, ein Bicchiere di vino rosso oder einen Teller mit einer riesigen Pizza al prosciutto genossen und dabei gar nicht bemerkt, dass das Ristorante zum Beispiel "Piazza Garibaldi" heißt. Es gibt wohl keine italienische Stadt, in der ein Platz mit dem Namen Giuseppe Garibaldis fehlt. Wer aber war dieser Giuseppe Garibaldi, der als Vereinigungsheld für Italien solche Berühmtheit erlangte? Geboren am 4. Juli 1807 in Nizza (nach der Schlacht von Marengo vom 14. Juni 1800 in jenen Jahren zum napoleonischen Frankreich gehörend), wurde er schon früh vom Gedankengut des italienischen „Risorgimento“ beeinflusst. Die Zeit der Unabhängigkeitsbewegung bis zur Einigung Italiens von 1820 bis 1870 wird mit diesem Begriff zusammengefasst und bedeutende italienische Denker, Künstler und Freiheitskämpfer engagierten sich für die nationalen Ideen des Risorgimentos. Mit 27 Jahren nahm Garibaldi erstmals an einem Umsturzversuch im Piemont teil, wurde verhaftet und in Genua sogar zum Tode verurteilt. Es gelang ihm jedoch die Flucht über Marseille nach Südamerika, wo er im Argentisch-Uruguayanischen Bürgerkrieg beteiligt war und es 1842 bis zum Befehlshaber eines Flottenkommandos und später einer kleinen italienischen Legion brachte. 1848 kehrte Garibaldi mit seiner Familie nach Italien zurück, wo er kurz darauf die kleine Streitmacht der 1849 ausgerufenen und nur fünf Monate bestehenden Römischen Republik befehligte. Erneut musste Garibaldi fliehen, dieses Mal für vier Jahre nach New York. 1854 war er wieder in Italien. 1857 wählte er sein Domizil auf Caprera, einer kleinen Insel am nördlichen Rand Sardiniens. Wir kommen zu den zweiten Unabhängigkeitsbestrebungen für Italien, und auch da finden wir den Revolutionär Garibaldi involviert, sei es im Kampf gegen Österreich 1859 in der Lombardei oder im folgenden Jahr 1860, als er sich mit dem „Zug der Tausend Rothemden“ von Sizilien aus Richtung Königreich Neapel durchkämpfte. Nach einer Verwundung 1862 zog er sich zwischenzeitlich wieder nach Caprera zurück. Der dritte Unabhängigkeitskrieg gegen Österreich begann 1866 und im folgenden Jahr versuchte der Freiheitskämpfer erneut ins Geschehen einzugreifen und mit einigen Freischärlern Rom einzunehmen, um die Stadt zur Hauptstadt eines geeinten Italiens zu machen. Dies gelang allerdings erst am 1. Juli 1871, nachdem die Souveränität des Vatikanischen Pontifikats (Vatikanstadt) garantiert war. Ab 1874 war er Mitglied des Parlaments in Rom und konnte endlich die Gedanken des Risorgimento auch politisch vertreten. Giuseppe Garibaldi starb am 2. Juni 1882 in seinem Haus auf Caprera. Seine Hartnäckigkeit, sein Einsatz für die Einigung Italiens und auch Europas machten seinen Namen unsterblich. Es ist nur gerade ein Jahr vergangen, seit ich in der Zeitschrift "Münzen & Sammeln" im Aufsatz „Geldscheine für die Zukunft“ einige sog. "Banknoten" vorstellen durfte, die im Voraus gekauft werden konnten/sollten, um eine revolutionäre Bewegung zu finanzieren. Immer mit der Garantie, dass die Scheine nach erfolgreichem Umsturz in reguläres Geld eingetauscht werden könnten. Mit dabei waren auch der Italiener Giuseppe Mazzini und sein Geldschein zur „Subskription für das Republikanische Europäische Commitee“ über 50 Cents. Mazzini war übrigens ebenfalls Teilnehmer an Garibaldis „Zug der Tausend Rothemden“; die beiden Rebellen kannten sich und pflegten das selbe Gedankengut. Auch Giuseppe Garibaldi hat solche Scheine ausgegeben mit den Werten 5 Lire, 25 Lire und 100 Lire. Seine Unterschrift findet sich an verschiedenen Stellen auf den Scheinen. Bei dem abgebildeten Stück zu 100 Lire ist sie am linken Rand. Die Rückseite erklärt in dramatischen Worten den Grund, welcher zur Ausgabe geführt habe. Italiani ! Nel nostro programma del 1° Aprile corrente noi abbiamo esplicamente dichiarato il nostro scopo. Noi intendiamo valerci ad ogni costo del diritto che venne dalla stessa Diplomarzia si conosciuto, accettando il principio che Roma appartiene ai Romani. Mentre noi attendiamo colla energia della disperazione e col senno dei nostri antichi padri ad affrettare il momento della riscossa, sentiamo il dovere di arrecare sollievo alle dolorose condizioni, nelle quali la mala signora del prete mantiene ancora la infelici nostre popolazioni. Abbiamo dunque risoluto ad unanimità la emissione di Vaglia di Chinque, Venticinque, e Cento Lire Italiane, perche ciasenno possa a secondo delle proprie forze, concorrere a questa opera pietova. Perché questa emissione di Vaglia abbia le necessarie garanzie, noi sie affidiamo esclusivamente l’incarico ai nostri esuli concittadini, che il nostro Generale Garibaldi ha formato in centro della emigrazione romana in Firenze, investendoli di tutte le facoltà necessarie. Concidattini e Fratelli Italiani ! Noi facciamo ora appello alle carità nazonale, fidenti che ci risponderà volenterosa, come noi risponderemo alle fiducia di cui siamo onorati. Roma 30 Aprile 1867 Il Centro d’insurrezione Frei übersetzt: Italiener ! In unserem Programm vom 1. April haben wir unser Ziel ausdrücklich festgelegt. Wir wollen uns um jeden Preis des Gesetzes bedienen, das aus derselben Diplomatie stammt, die Sie kennen, indem wir das Prinzip akzeptieren, dass Rom den Römern gehört. Während wir mit der Energie der Verzweiflung und der Rückschau unserer alten Väter warten, um den Moment der Entlastung zu beschleunigen, fühlen wir uns verpflichtet, die schmerzhaften Zustände zu lindern, an denen unsere unglückliche Bevölkerung noch immer leidet. Wir haben daher einstimmig beschlossen Zahlungsanweisungen von fünf, fünfundzwanzig und hundert italienischen Lire auszugeben, so dass jedermann, je nach seinen Stärken, zu diesem Ergebnis beitragen kann. Damit diese Ausgabe von Geldanweisungen die notwendigen Garantien hat, betrauen wir ausschließlich unsere Mitbürger, die unser General Garibaldi im Zentrum der römischen Emigration nach Florenz gebildet hat, indem er sie mit allen notwendigen Fähigkeiten ausgestattet hat. Mitbürger und Brüder von Italien ! Wir appellieren jetzt an die nationalen Wohltätigkeitsorganisationen, und vertrauen darauf, dass sie bereitwillig reagieren werden und uns Unterstützung entgegenbringen. Rom 30. April 1867 Das Zentrum des Aufstands Wir wissen leider nicht, wie erfolgreich diese Ausgaben zur Unterstützung der Einigung Italiens beigetragen haben, jedenfalls sind sie bedeutende historische Dokumente, die in jeder Banknoten-Sammlung einen würdigen Platz einnehmen. Der Schein wird am 25. Oktober 2018 von SINCONA AG, Zürich in Auktion 52 unter Los 5202 versteigert. Ruedi Kunzmann Abb. SINCONA AG, Zürich

  • Die große Inflation!

    Vor 100 Jahren –Ende 1918 – waren die Völker Europas kriegsmüde. Der jahrelange Stellungskrieg hatte Millionen Menschen­leben gekostet, halb Europa war ver­wüstet und in Deutschland verhungerten die Menschen. Ein Waffenstillstand beendete schließlich die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, in Deutschland kam es zur Revolution, die Monarchie brach zusammen. Der jungen "Weimarer Republik", die mit dem Versailler Vertrag politisch ohnmächtig die Willkür der ehemaligen Gegner über sich ergehen lassen musste, wurden nicht nur Verluste an Gebieten und Bevölkerung abverlangt, sondern auch unzumutbare Forderungen wirtschaftlicher und finanzieller Art. Deutschland sollte von einer einstigen Weltmacht in ein unterentwickeltes Agrarland zurückkatapultiert werden. Die gigantischen Kriegsreparationen ließen die deutsche Währung bald zusammenbrechen. Aus dem Zahlungsverkehr verschwanden die Reichsmünzen und bald gab es nur noch Papiergeld, das immer weniger Wert war. Die Preise waren schon während des Krieges kräftig gestiegen, doch durch die Rationierung von fast allen Waren und Lebensmitteln war der Wertverlust der Mark nicht sofort für jeden offenkundig geworden. Am Ende des Ersten Weltkriegs hatte aber die Mark schon die Hälfte an Kaufkraft verloren. Schließlich kam es zu einer gigantischen Inflation, die Ende 1923 ihren Höhepunkt fand und Deutschland eine derart große Zahl an regionalen, kommunalen und privaten Notgeldausga­ben bescherte, dass selbst das Wort „Notgeld“ bei Sammlern in aller Welt zu einem festen Begriff wurde. Die zur Kaiserzeit in Goldmark ersparten Ver­mögen auf Konten oder als Papiergeld wurden völlig wertlos, genauso wie die während des Kriegs massenhaft in der Bevölkerung angekauften Kriegsanleihen. Nur die ­alten Goldstücke und Sachwerte, Grund und Boden oder „harte Devisen“ hatten Bestand. Der Staat selbst entledigte sich seiner Schulden mit der Druckpresse. Mit der wachsenden Inflation war die Reichsbank bald nicht mehr in der Lage, ausreichende Mengen an Geldscheinen zu drucken. Hatte man Anfangs die lokalen Notgeldausgaben bekämpft oder toleriert, so wurde dieses Notgeld bald zur Regel und im Einvernehmen mit der Regierung und Reichsbank ausgegeben. Unterdessen liefen die Notenpressen auf Hochdruck. Ende 1923 arbeiteten schließlich 133 Druckereien und 30 Papierfabriken an der Herstellung von Reichsbanknoten. 29 galvanoplastische Anstalten stellten 400.000 Druckplatten her und mit dem produzierten Banknotenpapier hätte man 1700 Eisenbahnwaggons beladen können. Aus diesem Papier fertigten die Druckereien 10,1 Milliarden Reichsbanknoten mit einem Gesamtwert von 3.877 Trillionen Mark. Die Reichsbank konnte trotz gewaltiger Anstrengungen den immer größeren Bedarf an Banknoten nicht abdecken. Schließlich waren Ende 1923 mehr als 30.000 Menschen in allen Großdruckereien im gesamten Reich nur mit der Herstellung von immer wertloser werdenden Reichsbanknoten beschäftigt. Die Nullen auf den Geldscheinen wurden immer mehr und Löhne und Gehälter wurden täglich gezahlt, da das Geld bereits am nächsten Tag nicht mehr viel wert war. Menschen rannten mit Wäschekörben voller Geldscheinen zum Einkauf. Jedermann war plötzlich Millionär und bald schon Milliardär. Im Jahre 1923 soll allein an Reichsbanknoten die unvorstellbare Summe von 456.507.424.771.974.000.000 Mark im Verkehr gewesen sein, dazu kam das Doppelte an Notgeldscheinen. Mit den „kleinen Scheinen“ unter 10 Milliarden Mark Nennwert konnte man bald nur noch den Ofen heizen, zu kaufen gab es dafür nichts mehr. Zugleich stiegen die Preise für alle Waren und für ausländische Währungen immer rasanter. Ein US-Dollar stand im Januar 1919 noch bei 7,95 Mark, im Januar 1921 waren es schon 74,50 Mark und im November 1923 kostete er dann schließlich 4,2 Billionen Mark. Die finanzielle Katastrophe hatte aber bereits mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begonnen. Jeder Kriegsmonat kostete anfangs 1,2 Milliarden Goldmark. Schnell war der Reichskriegsschatz aufgebraucht und die Ausgabe an Darlehnskassenscheinen wurde mehr­fach erhöht. Gegen Ende des Kriegs kostete jeder Monat schon 5 Milliarden Goldmark! Bereits in den ersten zwei Kriegswochen des Jahres 1914 stieg der Notenumlauf um rund 2 Milliarden Mark, also um ein Drittel des gesamten Friedensgeldumlaufs. Bis Kriegsende schwoll er nochmals um 20 Milliarden Mark an. Vom November 1918 bis November 1922 versiebenfachte er sich und kletterte dann 1923 um mehr als das Hundertmillionenfache! Diese nüchternen Zahlen geben keinen Aufschluss darüber, wieviel Leid diese Inflation den Menschen gebracht hat. Wer keine Waren oder Werte besaß, war dieser Entwicklung schutzlos ausgeliefert. Die Menschen hungerten und froren und die Selbstmordrate stieg rapide an. Das Land wurde von Streiks, Unruhen und Aufständen überzogen. Politisch radikale Parteien von Links wie von Rechts nutzten diesen Nährboden, aus dem später mit dem Nationalsozialismus eine neue Menschheitskatastrophe seinen Anfang nehmen sollte. Zum Ende der Hochinflation lautet der höchste je ausgegebene Wert einer Reichsbanknote auf 100 Billionen Mark. Der höchste Nennwert der Inflation überhaupt war ein Notgeldschein der Stadt Duderstadt über 1 Billiarde Mark. Um derartige Zahlen, mit denen wir im täglichen Leben kaum zu tun haben, besser verstehen zu können, nur noch eine kleine Anmerkung zum Them Inflation. 100 Billionen Mark ist eine Summe, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann. In Ziffern sieht das so aus: 100.000.000.000.000. Doch in Ungarn sollte es nach dem Zweiten Weltkrieg und während so­wjeti­scher Besetzung noch viel „dicker“ kommen. Im Mai 1946 wurde ein Schein über 100 Millionen Adópengö (Steuerpengö) ausgegeben Ein Adópengö waren 2 Trillionen Pengö. In Pengö ausgedrückt waren dies also 200 Quadrillionen Pengö – eine „2“ mit 26 Nullen: 200.000.000.000.000.000.000.000.000. Damit brachte die ungarische Inflation die höchsten Nennwerte hervor, die es jemals in einer Inflation gegeben hat. Doch kehren wir wieder in das Deutschland der 1920er Jahre zurück. Wenn die ungarische Inflation nach dem Zweiten Weltkrieg die Zahlen mit den meisten Nullen bringen sollte, so bescherte die deutsche Inflation nach dem Ersten Weltkrieg die meisten Notgeldausgaben der Welt. Die Geldscheine der Inflationszeit, also von 1919 bis Anfang 1924, sind ein sehr interessantes Sammelgebiet, vermitteln sie doch noch heute einen Eindruck von einer Zeit, die auch als "Tollhaus der Proportionen" bezeichnet wird. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • Österreich: Noten für den geplanten Donaustaat 1919

    Geplanter Donaustaat Nach dem Ersten Weltkrieg hofften einflussreiche Politiker, in einer Föderation zumindest Österreich und Ungarn und vielleicht auch noch Böhmen und Mähren wirtschaftlich und politisch in einem „Donaustaat“ vereinen zu können und damit das Erbe der k.k. Monarchie anzutreten. Da Ungarn einen eigenen nationalen Weg ging und Böhmen und Mähren in der von den Alliierten geschaffenen Tschechoslowakei aufgingen, blieb ein „Donaustaat“ Illusion. Nach den Ergebnissen des Friedensvertrags von Saint-Germain vom September 1919 kam es nicht mehr zum geplanten Donaustaat. Die österreichische Reichshälfte wurde – wie auch die ungarische mit dem Friedensvertrag von Trianon – aufgelöst und die Bedingungen für die Republik Deutschösterreich geregelt. Donaustaat-Noten Der politische Einfluss der Befürworter einer Donauföderation und der Monarchisten war zuvor groß genug, dass sogar eigene Geldschein-Ausgaben vorbereitet wurden. Da weder der künftige Staatsname, noch die Währungsbezeichnung feststanden, wurden jedoch nur die Unterdrucke ohne Text fertiggestellt. Die unfertigen Scheine wurden später der Österreichischen Staatslotterie übergeben, die sie überdruckte und von 1923 bis 1937 als Lose ausgab. Scheine ohne Lotterieaufdruck sind selten bis sehr selten. 10 (Kronen) ohne Datum (1919) Vorderseite: rechts Frauenkopf, Rückseite: Guillochen, ohne Wasserzeichen 20 (Kronen) ohne Datum (1919) Vorderseite: rechts Frauenkopf, Rückseite: Guillochen, ohne Wasserzeichen 50 (Kronen) ohne Datum (1919) Vorderseite: rechts Frauenkopf mit Früchtekranz, Rückseite: Guillochen, ohne Wasserzeichen 100 (Kronen) ohne Datum (1919) Vorderseite: rechts Frauenkopf mit Lorbeer- und Eichenlaubkranz, Rückseite: Guillochen, ohne Wasserzeichen 1000 (Kronen) ohne Datum (1919) Vorderseite: rechts Frauenkopf, Rückseite: Ornamente, ohne Wasserzeichen 1000 (Kronen) ohne Datum (1919) Vorderseite: Ornamente, Rückseite: Frauenköpfe, ohne Wasserzeichen Donaustaat-Noten Der politische Einfluss der Befürworter einer Donauföderation und der Monarchisten war groß genug, dass sogar eigene Geldschein-Ausgaben vorbereitet wurden. Da weder der künftige Staatsname, noch die Währungsbezeichnung feststand, wurden jedoch nur die Unterdrucke ohne Text fertiggestellt. Nach den Ergebnissen des Friedensvertrags von Saint-Germain kam es jedoch nicht mehr zum geplanten Donaustaat. Die unfertigen Scheine wurden der Österreichischen Staatslotterie übergeben, die sie überdruckte und von 1923 bis 1937 als Lose ausgab. Scheine ohne Lotterieaufdruck sind selten. Hans-Ludwig Grabowski Abb. KPM

  • Papiergeld im deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918

    Die Geldgeschichte des Kaiserreichs ausführlich zu behandeln, ist in diesem Rahmen unmöglich. Die technische Revolution des 19. Jahrhunderts erforderte große Geldmengen für Investitionen, die von einzelnen Kaufleuten oder Banken allein nicht mehr aufgebracht werden konnten. Zuvor unvorstellbare Summen wurden überall auf der Welt als Kredite aufgenommen und vergeben, Jahrhundertbauwerke wurden begonnen und vollendet und neue Weltwunder geschaffen. Denken wir in diesem Zusammenhang nur an Projekte wie den Suez-Kanal oder an den Ausbau des Eisenbahnnetzes in Europa und der ganzen Welt. Während England schon seit 1816 eine einheitliche Landeswährung auf Goldbasis eingeführt hatte, herrschten in Deutschland vor der Reichsgründung kaum überschaubare Währungsverhältnisse, die auch in der Kleinstaaterei begründet waren. Die Reichseinigung und Einführung einer einheitlichen Währung wurde nach dem Krieg von 1870/71 gegen Frankreich endlich Realität. Dem unterlegenen Kriegsgegner Frankreich wurden 5 Milliarden Goldfrancs als Kontribution auferlegt. Dieses Geld führte im jungen Kaiserreich nicht nur zu einem enormen Wirtschaftsaufschwung, sondern war zugleich ein gutes Fundament für die Schaffung einer deutschen Goldwährung. Zur Vereinheitlichung des Bankwesens als Grundlage für die Schaffung eines nationalen Marktes hatte der Norddeutsche Bund bereits im März 1870 ein Banknotensperrgesetz vorgesehen, nach­dem die Ausweitung regionalstaatlicher Notenbanken von einem Bundesgesetz abhängig gemacht werden sollte. Aber erst nach der Reichsgründung konnte man Anfang 1872 das Gesetz nach anfänglichem Widerstand einiger süddeutscher Staaten für das ganze Reich einführen. Da weder die nördlichen Länder ihre Taler-, noch die südlichen ihre Guldenwährungen aufgeben wollten, wurde mit den Gesetzen von 1871 und 1873 ­eine einheitliche Reichswährung, die Mark geschaffen. Mit der Mark erfolgte auch die Umstellung der Währung auf Gold, zuvor hatte nur das kleine Bremen eine Goldwährung gehabt. Da zunächst noch keine Zentralnotenbank bestand, gab die Preußische Bank im Auftrag der Reichsschuldenverwaltung Reichskassenscheine als Staats­papiergeld mit Zwangskurs aus. Preußen war der mächtigste Bundesstaat des Reichs und spielte auch bei der Neuordnung des Geldwesens eine dominierende Rolle. Die Deutsche Reichsbank ging am 1. Januar 1876 aus der schon 1765 gegründeten Königlichen Giro- und Lehnbank hervor, deren Name ab 1847 Preußische Bank lautete. Die Reichsbank unterstand bis 1924 direkt der Reichsregierung und begleitete die Papiergeld­geschichte Deutschlands bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bei Einführung des auf Mark lautenden Papiergelds gab es noch eine Vielzahl von Staatspapiergeldscheinen der verschiedenen Bundesländer, die nach und nach eingezogen und durch die Reichskassenscheine ersetzt wurden. Hinzu kamen verschiedene Noten von Privatbanken, deren Rechte man in der Folgezeit stark einschränkte. Die bisherigen Taler- und Guldenscheine wurden eingezogen und die Banken durften nur noch Noten in Mark-Währung ab 100 Mark Nennwert ausgeben, die durch Gold oder Reichsbanknoten gedeckt sein mussten. Die gesetzliche Begünstigung der Reichsbank gegenüber den Länderbanken führte schließlich dazu, dass deren Anzahl ständig abnahm. Bis 1906 verfügten von den vormals 32 privaten Notenbanken nur noch die vier großen Ländernotenbanken von Baden, Bayern, Sachsen und Württemberg über ihr Notenprivileg, das schließlich erst mit Kündigung durch das Reichswirtschaftsministerium zum 1.1.1935 erlosch. Lange Zeit gab es in verschiedenen deutschen Ländern Kritik an der Wäh­rungspolitik der Reichsbank. In Preußen und Bayern war die Ausgabe von Papiergeld seit Jahrzehnten konservativ und maßvoll. Doch die Zurückhaltung der dortigen Notenbanken eröffnete den kleineren Ländern ein immenses Geschäftspotential, was letztlich der Währungsstabilität abträglich war. Verständlich ist, dass die Reichsbank dieser Entwicklung mit allen Mitteln entgegentrat. Was die Deckung der Reichsbanknoten anging, so erfolgte diese nicht zu 100% in Gold. Die Reichsbank war verpflichtet, ihre ausgegebenen Noten nur zu einem Drittel des Betrags in kursfähigem deutschen Geld, Reichskassenscheinen, in Goldbarren oder ausländischen Münzen zu decken. Die verbleibenden beiden Drittel waren durch diskontierte Wechsel gedeckt. Reichsbanknoten muss­ten, das ist auch der ursprüngliche Sinn der Banknote als Zahlungsversprechen, falls gewünscht ohne Legitimationsprüfung bei der Reichsbank in Berlin in Goldmünzen ausgezahlt werden. Erst zum 1.1.1910 erhielten ja die Reichsbanknoten den Status von vollwertigen Zahlungsmitteln, die von jedermann anzunehmen waren. Vor 1906 durfte auch die Reichsbank lediglich Banknoten in Wertstufen ab 100 Mark ausgeben. Deshalb kursierten zusätzlich zu den Reichsbanknoten die schon erwähnten Reichskassenscheine in kleineren Nennwerten, die der Reichskanzler nach Gesetz von 1874 in Höhe von 120 Millionen Mark (aufgeteilt nach Einwohnerzahlen der 22 deutschen Bundesstaaten) herstellen lassen konnte. Diese Summe entsprach dem Betrag, der im Reichskriegsschatz zinslos aufbewahrt wurde. Zugleich durfte das Reichspapiergeld in dem Maße ausgegeben werden, wie das ­alte­ Staatspapiergeld der deutschen Länder eingezogen wurde. Nachdem die Reichsbank ab 1906 auch Reichsbanknoten zu 20 und 50 Mark in Umlauf gab, wurde die Ausgabe von Reichskassenscheinen auf Nennwerte zu 5 und 10 Mark beschränkt. Die Bevölkerung hatte sich schon vor 1900 längst an die Geldscheine der Reichsbank gewöhnt und vertraute diesem „stoffwertlosen“ Geld wie den Goldstücken selbst. Auch in vielen anderen Staaten hatte zu dieser Zeit die Banknote längst ihren Siegeszug im Geldverkehr angetreten. Ab 1900 versuchte die Reichsbank zunehmend, die umlaufenden Goldmünzen einzubehalten. Die Konzentration des Goldschatzes in Reichsbanktresoren hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Gründe. Im Falle eines Krieges musste man, um Waren und Rohstoffe im Ausland kaufen zu können, unbedingt „Bares“ in Form von Barren- oder Münzgold zur Verfügung haben. Um die Jahrhundertwende hatte sich das Volumen des umlaufenden Geldes bereits beachtlich vergrößert, Einkommen und Preise waren mit dem Wirtschaftswachstum im Kaiserreich erheblich gestiegen und Reichsbanknoten und Reichskassenscheine bestimmten längst den Zahlungsverkehr. Zugleich nahm auch das Giral- oder Buchgeld zu. Man führte auch im Kaiserreich und lange davor bereits Konten, gab Schecks und Wechsel aus, und sogar tele­grafische Geldanweisungen wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts üblich. Ab dem 31. Juli 1914, dem Tag der Erklärung des „Zustandes der drohenden Kriegsgefahr“, wurde durch die Reichsbank die Einlösung der Reichsbanknoten in Gold eingestellt. Nur wenige Tage später bildete man die Darlehnskasse, die die Reichsbank entlasten und die erhöhten privaten sowie kommunalen und staatlichen Kreditanfragen befriedigen sollte. Die Filialen der Darlehnskasse, die den Reichsbankstellen angeschlossen waren, gaben Darlehnskassenscheine an die Reichsbank und erhielten dafür Banknoten, mit denen Kredite gewährt werden konnten. Die Darlehnskassenscheine wurden von der Reichsbank mit zur Deckung der in Umlauf befindlichen Noten genutzt, aber auch in den Zahlungsverkehr gegeben. Der Nachteil dieser Form der Geldschöpfung zeigte sich jedoch bald in ­einer steigenden Überfüllung des Zahlungsverkehrs mit Zahlungsmitteln, was ursächlich auch die beginnende Entwertung der Mark während des Ersten Weltkriegs mit verursachte. Hinzu kam, dass ab Mitte des Krieges Kriegsanleihen und andere Staatspapiere den Hauptteil der Deckung ausmachten und damit die Darlehnskassenscheine immer mehr zu reinen staatlichen Zahlungsversprechen wurden, die als uneinlösliches Papiergeld staatlichem Zwangskurs unterlagen und deshalb von allen staatlichen Kassen in Zahlung genommen wurden. Zwar waren die Darlehnskassenscheine kein gesetzliches Zahlungsmittel, sie kursierten aber dennoch in großen Mengen in der Bevölkerung, da ihre kleinen Nennwerte ab 1 Mark eine wichtige Rolle im Einzelhandel spielten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs war nicht nur in Deutschland die Zeit der Goldwährungen vorbei. Die meisten National- und Zentralbanken gaben keine Goldmünzen mehr aus und hoben die Einlösungspflicht für Banknoten in Gold auf. Es begann nun endgültig das Zeitalter des Papiergelds, allerdings unter schlechten Vorzeichen. Die Goldmünzen verschwanden sehr schnell aus dem Geldverkehr, wurden von der Reichsbank eingezogen aber auch privat gehortet. Schließlich wurden auch Silbermünzen und sogar Münzen aus unedlen Metallen knapp. Wer konnte, hortete nun auch das Silbergeld, denn Silber hatte im Gegensatz zu Papier ja immerhin noch einen Materialwert. Die Ausprägung von Goldmünzen im Reich wurde 1915 endgültig eingestellt, während Silbermünzen noch bis 1919 weiter geprägt wurden, zum Teil gleich von der Münzstätte geschwärzt, in der trügerischen Hoffnung, die Bevölkerung würde diese dann nicht zurückbehalten. Der allgemeine Kleingeldmangel wurde so schlimm, dass es während des Ersten Weltkriegs zu einer Vielzahl von lokalen Notgeldausgaben kam, auf die noch später eingegangen werden soll. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • Euro-Gedenkbanknoten?

    Viele Länder geben neben Gedenkmünzen auch Gedenkbanknoten aus, nur die Europäische Zentralbank (EZB) nicht! Dabei gab es schon 2010 eine Initiative, die für Gedenkbanknoten in Euro-Währung warb. Der in Frankreich gegründete Verein der Freunde des Euro (www.amisdeleuro.org), hatte bereits 2010 vier Entwürfe für eine mögliche Euro-Gedenkbanknote aus Anlass des 60. Jahrestags der historischen Erklärung des französischen Politikers deutsch-luxemburgischer Abstammung Robert Schuman (1886 – 1963) zur Einigung Europas vom 9. Mai 1950 veröffentlicht. Beginnend mit der sog. "Montanunion" wurden 1951 die Grundlagen für die spätere Europäische Gemeinschaft und die heutige Europäische Union geschaffen. 1950 stieß Schumans Idee einer europäischen Einigung in Frankreich aber auf keine Resonanz, sodass er 1952 sogar sein Amt als Außenminister niederlegen musste. Bereits seit 2007 gab der Verein jährlich Gedenkboxen in limitierter Auflage aus, die vorerst nur Euro-Münzen enthielten. 2010 folgten dann Gedenkbanknoten auf Kartonpapier. Der Verein wollte erreichen, dass ähnlich wie bei den Gedenkausgaben von 2-Euro-Münzen, die zu einem beliebten Sammelgebiet geworden sind, die EZB jährlich zu besonderen Anlässen auch 5-Euro-Gedenkbanknoten ausgibt. Die Europäische Zentralbank hat die Idee von Euro-Gedenkbanknoten bis heute jedenfalls nicht aufgegriffen und um den Verein der Freunde des Euro, der heute immerhin noch über 1200 Mitglieder zählt, ist es zumindest im Internet ruhig geworden. Das letzte Update der Vereins-Seite ist aus dem Jahr 2010. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • Alfred Dickie – einer der Holzkönige von Kanada und sein Geld

    Kanada, nach Russland das zweitgrößte Land der Erde ist fast so groß wie ganz Europa. Und von Europa aus wurde dieses riesige Territorium ab dem beginnenden 17. Jahrhundert von Osten nach Westen kolonialisiert. Hauptsächlich waren es Briten und Franzosen, aber auch Menschen aus vielen anderen Ländern, die die heutige Ethnien-Vielfalt Kanadas ausmachen. Dass die Entdeckung dieses riesigen Gebiets nicht immer ohne kleinere und mittelgroße Konflikte vonstatten ging, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen. Lebten um 1900 etwa 7 bis 8 Millionen Einwohner in dem Land, so waren es 1961 etwa 18 Millionen, und bis heute hat sich diese Zahl verdoppelt. Etwa 10 % der weltweiten Waldfläche liegt auf kanadischem Territorium. Das zeigt, dass dieser Reichtum an Holz ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor des Landes war und weiterhin ist. Dass Kanada zudem vor allem an der Ostküste von vielen Flüssen und Strömen durchzogen wird, war natürlich für den Transport der Hölzer früher besonders wichtig. Am 28. März 1860 wurde Alfred Dickie in Upper Stewiacke in Nova Scotia als erstes Kind einer bereits damals reichen Handelsfamilie geboren. Alles, was Einwanderer brauchten, um das große Land zu entdecken, fand man im Laden der Familie, die auch gleichzeitig ein Holz­geschäft betrieb. Alfred Dickie gründete mit einer entfernt verwandten Cousine eine Familie, von der die meisten Kinder im väterlichen Unternehmen arbeiteten. Im Alter von etwa 30 Jahren begann Dickie Firmen aufzubauen, die zumeist mit Holzschlag und -Verarbeitung zu tun hatten. Um die Jahrhundertwende wagte er sich auch auf andere Landstriche, außerhalb der Halbinsel Nova Scotia. Im Zentrum des Gebiets Labrador, am Ufer des Grand River bei Goose Bay, gründete er die Grand River Pulp & Lumber Company. Wir müssen uns klar vor Augen halten, dass die Holzfäller in diesen menschenleeren Regionen tagelang, ja wochenlang Bäume schlugen und sie anschließend über die Flüsse in die Holzverarbeitungs-Zentren überführen mussten. Und es waren risikoreiche Geschäfte, denen die ganze Holzwirtschaft ausgesetzt war. Stark volatile Konjunktur-Zyklen galt es regelmäßig zu überstehen und das Klima mit riesigen Wasser- und Schneemassen, aber auch Trockenperioden, hatte oft katastrophalen Einfluss auf den Betrieb. Außerdem musste Dickie bis 1897 gleich viermal erleben, dass ein Brand seine Dampfmühlen zerstörte. Nun, die Arbeit in so abgelegenen Gegenden war damals hart und einfach strukturiert. Man lebte meistens von der Hand in den Mund; reich wurden die Arbeiter kaum. Münzen oder Banknoten waren gar nicht oder spärlich vorhanden, so dass sich die Leute mit Warentausch oder mit „Privatgeld“ behelfen mussten. In diesen abgelegenen Regionen eignete sich am ehesten Privatgeld, mittels welchem im Firmengeschäft und oft auch in der lokalen Wirtschaft bezahlt werden konnte. Die Holzfäller hatten wohl auch kaum Alternativen, das Geld woanders auszugeben. Die Scheine sind auf farblich unterschiedlichem Papier, teilweise auch mit verschiedenen Druckfarben, herausgegeben worden und die Unterschrift von Dickie findet sich jeweils in der unteren linken Ecke. Die Scheine wurden zusätzlich mit aufgestempelten Nummern versehen. Die Rückseiten sind unbedruckt. In der Mitte der Scheine ist jeweils eine typische Holzfällerszene dargestellt; das Fällen und Zersägen der Bäume – alles schweißtreibende Handarbeit. Diese Script-Scheine gehören zu den großen Raritäten der Papiergeld-Geschichte Kanadas, und im Zusammenhang mit dieser Fabrik am Ufer des damals Hamilton River genannten Flusses kann noch eine zusätzliche Anekdote erzählt werden. Ein Konflikt zwischen den Vermessungsingenieuren und dem Dickie-Unternehmen bei der Vergabe der Holz-Lizenzen führte dazu, dass die Regierung von Quebec gegen diejenige von Neufundland eine Beschwerde einreichte, ja man ging in Quebec so weit, dass Dickies Baumstämme später als Quebec-Holz gestempelt wurden. Das Ganze eskalierte quasi zu einen Grenzkonflikt zwischen Quebec und Neufundland/Labrador, worauf sich sogar 1904 der British Privy Council damit beschäftigen musste. Der jahrelange juristische Konflikt endete erst 1927 zu Gunsten Neufundland/Labradors. Quebec akzeptierte das Urteil nicht und ging in Berufung. Jahrelang verschlampte man allerdings den Weg zu einem Urteil, bis es erst 1971 offiziell aufgehoben wurde. Alfred Dickie war eine sehr umtriebige Persönlichkeit. Neben seinen Geschäften als Holzkönig, mit denen er alle Höhen und Tiefen der weltweiten Wirtschaft miterleben musste, versuchte er sich auch in der Politik, verlor aber die Provinzwahlen 1894 gegen einen erfolgreicheren Kandidaten. Er war jedoch von 1906 bis 1911 Erster Bürgermeister der Stadt Stewiacke und von 1921 bis 1923 Schulkommissar von Halifax sowie Präsident der North British Society. Er starb am 6. September 1929 und hinterließ trotz manch geschäftlicher Rückschläge ein beträchtliches Vermögen von 315.000 Dollars. Er wurde auf dem Familiengrundstück in Stewiacke begraben. Ruedi Kunzmann Abb. Sincona AG, www.sincona.com Anmerkungen Die indianische Urbevölkerung der Labrador-Innu nannte des Fluß damals Mishtshipu (Großer Fluß/Grand River). 1839 wurde er in Hamilton River und 1965 in Churchill River umbenannt. Übersetzung: Lumber = Holzstämme; Pulp = Holzbrei, der beim Sägen/Holzbearbeitung entsteht. Die Provinz besteht aus der Insel Neufundland und dem Gebiet Labrador auf dem Festland (beide englisch geprägt), welche von der Provinz Quebec (französisch geprägt) vollständig umfaßt wird. Die Halbinsel Nova Scotia liegt südlich von Neufundland. Diese Scripts fehlen im Charlton Canadian Merchant Script Katalog von R. J. Graham Diese Privatgeldserie wird am 25. Oktober 2018, anlässlich der Auktion 52 von SINCONA AG in Zürich unter der Los-Nr. 5217 versteigert. 1912 ging Alfred Dickie in Pension

  • Frankreichs zweiter Anlauf

    Ende des 18. Jahrhunderts brauchten die Franzosen eine zweite Lektion in Sachen Papiergeld, als ob man nichts aus dem Desaster von John Law gelernt hatte. Wieder einmal waren die öffentlichen Kassen leer und die revolutionäre Nationalversammlung beschloss den Verkauf staatlicher Domänen und des Kirchenbesitzes. Auf Vorschuss für zu erwartende Erträge wurden von 1789 – 1796 die berüchtigten „Assignate“ ausgegeben, dies waren Anweisungen auf die französischen Nationalgüter. Anfänglich wurden noch die sog. „Königsassignaten“ in Umlauf gebracht (1789 – 1792), die auch nach Absetzung und Hinrichtung des Königs im Jahre 1793 gültig blieben. Die neu gegründete Republik brachte jedoch verstärkt eigene Assignate heraus und auch die Einführung der Franc-Währung im Jahre 1795 konnte die rasante Inflation nicht stoppen. Schließlich lag am Ende der Wert des Papiers der Assignaten höher als der darauf angegebene Geldwert, und die Scheine waren so wertlos geworden, dass man ganze Bögen davon zum Tapezieren von Wänden benutzte. Was in dieser Zeit geschah, erinnert peinlich an heutige Versuche zur Sanierung staatlicher oder kommunaler Finanzen: Die Verkaufserlöse entsprachen keinesfalls den Erwartungen, die ganze Sache wurde ein riesiger Flop. Die Kosten überstiegen die Einnahmen, und trotzdem arbeiteten die Notenpressen weiter. Im Februar 1796 wurden schließlich die Druckplatten zerstört und die völlig wertlosen Scheine gingen in Flammen auf. Nicht wenige dieser „Assignaten“ hingegen überstanden, zur Freude der Geldscheinsammler, bis heute. Man kann sie oft schon für recht wenig Geld bekommen. Zugleich nehmen diese Scheine in ihrer Ausführung schon die Form von Banknoten an, mit Zierleisten, allegorischen Darstellungen und Siegeln. Die Moral von der Geschichte Es gibt noch verschiedene andere, interessante Beispiele zu Papiergeldexperimenten in der Geschichte. Es sollte keineswegs bei Rückschlägen in Schweden, Norwegen und Frankreich bleiben. Über noch viel gigantischere Geldvernichtung und Inflation wird noch zu berichten sein, ebenso über positive Erfahrungen mit Papiergeld, die es zweifellos auch schon im 18. und 19. Jahrhundert gab. Doch es war ein langer Weg, bis sich das Papiergeld schrittweise durchsetzte und schließlich zum eigentlichen Geld wurde. Bei den aufgeführten Beispielen zur frühen europäischen Papiergeldgeschichte wurden grundlegende ökonomische Gesetze verletzt. Geld als Zahlungsmittel und allgemein anerkanntes Äquivalent darf nicht in unbegrenzter Menge ausgegeben werden. Beim Metallgeld, so bei Gold, ist die Geldsumme stets durch die verfügbare Menge an Metall begrenzt. Die Bindung des gesamten Wirtschaftskreislaufs an die Metallmenge ist allerdings nicht unproblematisch. Beispielsweise hätte um 1900 eine gesamte Ernte im Deutschen Reich, die nun einmal naturgemäß im Herbst anfällt, gar nicht mit den verfügbaren Goldmünzen bezahlt werden können. Große Investitionen verlangten zunehmend Geldsummen, die in Gold gar nicht mehr zu beschaffen waren. Kreditschöpfung mit Augenmaß ist für jede Wirtschaft notwendig. Es gibt bis heute nur sehr wenige Staaten, die nicht „auf Pump“ leben und mehr oder minder hoch verschuldet sind. Man gibt Geld in Erwartung zukünftiger Steuereinnahmen aus. Kommen diese dann nicht, erhöht sich die Staatsverschuldung. Darf der Staat selbst Geld nach Belieben drucken, kommt es zwangsläufig zur Geldentwertung in mehr oder minder großem Umfang. Selbst Staatsbankrotte kennt die Geschichte zur Genüge. Hans-Ludwig Grabowski Abb. 1 Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv Abb. 2 Hans-Ludwig Grabowski

  • Sammelgebiete deutschen Papiergelds

    Auch wenn Scheine im Vergleich zu Münzen eine eher junge Form von Geldzeichen darstellen – die Noten der Deutschen Reichsbank wurden erst 1910 gesetzliche Zahlungsmittel, so kann doch schon allein die deutsche Papiergeld-Geschichte mit einer Vielzahl verschiedenster Arten von Geldschein-Ausgaben aufwarten, die sowohl vom historischen wie auch numismatischen Gesichtspunkt aus gesehen lohnende Forschungs- und Sammelobjekte darstellen und Zeitgeschichte dokumentieren. War frühes Geld aus Papier in aller Regel nur Ersatzgeld in Kriegszeiten, so war bereits die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert ohne Papiergeld unmöglich gewesen, da die riesigen Investitionen – denken wir nur an den Eisenbahnbau – mit Münzgeld nicht mehr finanziert werden konnten. So spannt sich der Bogen von Kriegsnotgeld über Noten privater und Länderbanken zu denen der Deutschen Reichsbank, der Bundesbank und der DDR. Hinzu kommen Ausgaben für Kolonien und in besetzten Gebieten sowie Notgeld und Sammlerscheine. Darüber hinaus gab es Militärgeld, Lagergeld und sogar Schiffsgeld. Mit diesem Beitrag soll der Versuch unternommen werden, einen kleinen Überblick über die Vielfalt deutschen Papiergelds zu vermitteln. Europas ältestes erhaltenes Geld aus Papier: Pappmünze der Stadt Leyden über 20 Stuiver aus dem Jahr 1574 (eingefasst). Papiergeld im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation Das früheste Geld aus Papier auf damaligem Reichsgebiet und zugleich das älteste erhaltene Papiergeld Europas sind Pappmünzen der niederländischen Städte Middelburg und Leyden aus den Jahren 1573/1574. Im Spanisch-Niederländischen Krieg (1568–1648) war Leyden 131 Tage lang von spanischen Truppen belagert. Während der Belagerung fehlte es in der Stadt nicht nur an Lebensmitteln, es war auch kein Silber zur Prägung von Münzen mehr vorhanden. Auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses vom 24. Dezember 1573 nutzte man deshalb Pappe aus den Deckeln von Kirchenbüchern und prägte daraus Notgeld mit den Stempeln der städtischen Silbermünzen in verschiedenen Werten. Bereits ein Jahr zuvor hatte sich die Stadt Middelburg in der Provinz Seeland zum Königreich Spanien bekannt und es kam daraufhin zur Blockade der spanischen Besatzung durch die Niederländer. Als das Geld in der Stadt knapp wurde, ließen die Spanier Pappmünzen mit Dukaten-Stempel und der Jahreszahl 1573 prägen. Belegstücke sind heute leider nicht mehr erhalten. Nach langer Belagerung wechselte die Stadt 1574 dann auf die Seite Wilhelms von Oranien. Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) gab es verschiedene Ersatzgelder aus Papier, so die Gutscheine eines der bekanntesten und eigenwilligsten Feldherrn im Kampf gegen die Katholische Liga, des Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel („Toller Christian“) um 1620 oder die Ausgaben der Belagerer und Belagerten der Stadt Magdeburg von 1631. Sammelbar sind solche Ausgaben freilich nicht, der Geschichte halber sollten sie aber nicht unerwähnt bleiben. Das Sammelgebiet, das sich dem frühesten deutschen Papiergeld widmet, wird meist mit „Papiergeld der altdeutschen Staaten“ umschrieben. Churfürstlich Sächsisches Cassen-Billet über 2 Reichs-Thaler vom 6. Mai 1772. Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, 10 Gulden vom 1. Juli 1865, Vorderseite. Papiergeld der altdeutschen Staaten Obwohl das von den Habsburgern regierte Heilige Römische Reich bis 1806 bestand und nach dem Sieg im Befreiungskampf gegen Napoleon I. Österreich mit all seinen damaligen Besitzungen, also u.a. auch mit Böhmen und Mähren und dem Krain, bis 1866 Teil des Deutschen Bundes war, wird das Sammelgebiet oft nur auf die Ausgaben auf dem Gebiet des 1871 unter preußischer Führung gegründeten Deutschen Reichs beschränkt, was historisch falsch ist. Auch Luxemburg gehörte bis 1806 zum Heiligen Römischen Reich und 1815–1866 zum Deutschen Bund. Die deutsche Kleinstaaterei führte zu einer Vielzahl verschiedenster Papiergeld-ausgaben. Als erstes tatsächliches Papiergeld kann man die Bancozettel der 1705 vom pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm in Köln gegründeten Banco di gyro d’affricatione ansehen, auch wenn sie im Zahlungsverkehr – wie andere ähnliche Ausgaben – kaum eine Rolle spielten. Größere Bedeutung hatten erst die ab 1772 ausgegebenen Sächsischen Cassen-Billets. Das erste provisorische Papiergeld Österreichs waren die höchstwahrscheinlich nicht ausgegebenen „Zahlungspapiere“ der Wiener Stadt-Banco von 1759. Die erste reguläre Ausgabe der Wiener Stadtbank datierte auf den 1. Juli 1762, also noch zehn Jahre vor den Sächsischen Cassen-Billets. In Preußen hatte die Königliche Giro- und Lehnbank erste Geldscheine mit Datum von 1766 in Umlauf gesetzt. Trotz solch früher Emissionen blieben Geldscheine noch lange unbeliebt. Dies lag vor allen Dingen an den fehlgeschlagenen Papiergeld-Experimenten in Schweden, Norwegen und vor allem Frankreich. Die Napoleonischen Kriege führten erneut zu Belagerungsausgaben, so von der Festung Mainz 1793, von der Festung Kolberg 1807 und während der Blockade der Stadt Erfurt mit dem Kaiserlich Französischen Militär-Gouvernement nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Auch die preußischen Tresorscheine (1806/1809) waren eine Folge des napoleonischen Kriegszugs. Erst ab 1848 gaben auch viele kleinere deutsche Staaten eigenes Papiergeld aus und vergaben zusätzlich noch Notenkonzessionen an private Notenbanken. Ein einheitliches Papiergeld existierte im Deutschen Bund nicht. Als während der Industrialisierung immer neue Notenbanken und sogar Eisenbahngesellschaften Geldscheine in Umlauf setzten, wurde die Ausgabenflut fast unüberschaubar, zumal neben im jeweiligen Teilstaat gültigen Scheinen auch gleichzeitig Ausgaben von Nachbarländern kursierten. 1870 wurde deshalb im Norddeutschen Bund ein Banknoten-Sperrgesetz erlassen. Doch erst mit Schaffung der Deutschen Reichsbank nach der Reichsgründung von 1871 und der Einführung der Mark wurde das Notenbankwesen zentralisiert. Die meisten Notenbanken verzichteten wegen der Beschränkungen zur Ausgabe von Banknoten auf ihr Notenrecht. Das Notenrecht der ab 1906 letzten vier verbliebenen deutschen Ländernotenbanken von Baden, Bayern, Sachsen und Württemberg wurde erst zum 1. Januar 1935 gekündigt. Die meisten altdeutschen Scheine sind heute sehr selten, und eine größere Sammlung aufzubauen, ist deshalb schwierig. Deutsche Reichsbank: 50 Reichsmark vom 11. Oktober 1924. Bank deutscher Länder: 10 DM 1948, Musterschein. Deutsche Notenbank DDR: 100 Mark 1964 mit Porträt von Karl Marx. Deutsche Banknoten ab 1871 Die deutschen Banknoten ab der Reichsgründung 1871 und deutsches Staatspapiergeld, die für Deutschland sowie deutsche Gebiete und Kolonien sowie die in deutschem Namen für besetzte Gebiete in beiden Weltkriegen ausgegebenen Geldscheine bilden das Hauptsammelgebiet deutscher Geldscheinsammler. Streng genommen könnte man die in diesem Gebiet auch katalogmäßig vereinten Arten von Geldscheinen auch als eigenständige Sammelgebiete separieren. Hier bleibt es jedem Sammler selbst überlassen, ob über die für das Deutsche Reich, die Bundesrepublik und die DDR emittierten Geldscheine hinaus auch noch sog. „Nebengebiete“ gesammelt werden. Es gibt natürlich auch Sammler, die sich ausschließlich auf Bundesrepublik oder DDR beschränken. Allein in der DDR gab es neben den Noten der Deutschen Notenbank und späteren Staatsbank der DDR, den Schecks der Forum-Außenhandelsgesellschaft für die sog. „Intershops“ und Militärgeld der Nationalen Volksarmee für den Kriegsfall z.B. auch noch Hotelgeld, Geld landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften, Messegeld und sogar Gefängnisgeld. Genauso wie sich Sammler etwa auf die Bundesrepublik beschränken, hier dann aber sogar nach ausgegebenen Serien sammeln und möglichst viele Musterscheine zusammentragen, gibt es Sammler, die etwa die Geldscheine der ehemaligen deutschen Kolonien zu ihrem ganz besonderen Sammelgebiet erkoren haben. Deutsche Banknoten sind beliebt und werden auch im Ausland gesammelt. Serienschein der thüringischen Stadt Eisenach über 50 Pfennig von 1921. Vorderseite mit Wartburg, Stadtwappen und Nikolaikirche mit Nikolaitor. Rückseite mit Luther als „Junker Jörg“ auf der Wartburg bei der Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Großnotgeldschein der Stadt Würzburg über 20 Mark vom 8. Oktober 1918. Notgeldschein der Deutschen Reichsbahn (Reichsverkehrsminister Berlin) über 20 Millionen Mark vom 18. September 1923. Wertbeständiges Notgeld der Finanzdeputation der Freien und Hansestadt Hamburg über 2,10 Goldmark = 1⁄2 Dollar vom 7. November 1923. Deutsche Notgeldscheine Erster Weltkrieg und Inflation sorgten im Deutschen Reich für eine wahre Notgeldflut. Zwar wurden auch Notmünzen ausgegeben, doch Notgeldscheine nahmen den weitaus größeren Anteil ein. Allein die verschiedenen deutschen Notgeldepochen bilden jede für sich eigene Sammelgebiete und sind deswegen auch in gesonderten Katalogen dokumentiert. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Einlösung der Reichsbanknoten in Gold eingestellt. Alle öffentlichen Kassen, auch die von Reichsbahn und Reichspost, hatten alle eingehenden Goldmünzen direkt an die Reichsbank abzuliefern. Die Menschen horteten nun Edelmetall-Münzen, die im Zahlungsverkehr fehlten. Besonders in den bedrohten Grenzgebieten, in denen die Bevölkerung auch Lebensmittel hortete, fehlte es an Münzgeld. Die erste Notgeldepoche umfasst das Notgeld von 1914/1915. Dr. Arnold Keller – Pionier der deutschen Notaphilie, der schon damals begann, alle Ausgaben zu katalogisieren, vermerkte für diese Zeit zirka 400 Ausgabestellen mit rund 2000 verschiedenen Arten. Viele dieser Scheine waren sehr einfach gestaltet, manche sogar handschriftlich verfasst. Zwischenzeitlich konnte die Reichsbank die Lage stabilisieren, doch Ende 1916 kam es erneut zur Verknappung der umlaufenden Münzen. Wieder mussten Städte und Gemeinden, später sogar Firmen und private Geschäftsleute, eigene Geldscheine ausgeben. Die sog. deutschen Kleingeldscheine umfassen alle Wertstufen unter einer Mark, also Pfennig-Beträge. Bezeichnung und Definition gehen auf Dr. Arnold Keller zurück. Nach einer Übersicht aus dem Jahr 1930 gaben etwa 4000 Ausgabestellen rund 30.000 verschiedene Grundtypen aus. In diese Aufstellung eingerechnet sind die sog. Serienscheine, die schon wieder als eigenes Sammelgebiet bezeichnet werden können. Nicht zuletzt durch verschiedene Publikationen zum „Kriegsnotgeld“ und die bereits einsetzende Inflation, die das Kleingeld entwertete, gab es nach dem Krieg zahlreiche Notgeldsammler und die Nachfrage nach den papiernen Zeugnissen der Zeitgeschichte stieg ständig an. Nun jedoch nicht, weil sie als Geldersatz dringend benötigt wurden, sondern um sie in Sammleralben zu horten. Bald erkannten Städte, Gemeinden und sogar Firmen und Vereine, dass man mit Notgeld auch Geld verdienen kann. Für Künstler ergab sich ein völlig neues Betätigungsfeld. Sie schufen nun ganze Serien von Kleingeldscheinen (mitunter auch Mark-Beträge), die durch ihre Gestaltung und den regionalgeschichtlichen Bezug bei Sammlern sehr beliebt und auch „Bildergeld“ genannt wurden. Die Faszination, die von den bunten Scheinen ausgeht, hält bis heute an. Deutsche Serienscheine zählen zu den beliebtesten Sammelgebieten deutschen Papiergelds überhaupt, auch wenn diese eigentlich nie echtes Geld waren, sondern nur für Sammlerzwecke produziert wurden. Während viele dieser Scheine den Eindruck echten Notgelds erwecken, bringen es die des Rhönklubzweigvereins im thüringischen Dermbach von 1922 auf den Punkt: „Wer diesen Schein für Notgeld hält, der ist von vornherein geprellt.“ Besonders beliebt sind Serienscheine bei Regionalsammlern, da sie mit ihren Motiven und Sprüchen wie kein anderes Sammelobjekt Heimatgeschichte erzählen. Als am Ende des Ersten Weltkriegs die Mark schon die Hälfte ihrer Kaufkraft eingebüßt hatte, herrschte auch immer mehr Mangel an sog. Großgeld. Dr. Keller prägte seinerzeit diesen Begriff, der alle Notausgaben in Nennwerten ab 1 bis 100 Mark umfasst. Dass den Deutschen eine Inflation von bislang unbekanntem Ausmaß erst noch bevorstehen sollte, ahnte damals noch niemand. Großnotgeld gilt als eigenes Sammelgebiet, auch wenn Regionalsammler natürlich alle Notgelder ihrer Stadt oder näheren Umgebung suchen. Beim Großnotgeld 1918/1919 wurden etwa 500 Ausgabestellen mit 2000 Grundtypen verzeichnet. Was folgte war das Notgeld der Inflation 1922, auch Vorinflation genannt. Hier gab es rund 400 Emittenten mit 1500 Ausgaben (ohne Varianten). Die Epoche umfasst alle Ausgaben über 100 Mark in der Zeit vom August 1922 bis zum Juni 1923. Die meisten und von den Nominalen her höchsten Notgeldausgaben stammen aus der Zeit der sog. Hochinflation 1923. Mit dem rasanten Verfall der deutschen Währung, der nicht zuletzt den immensen Kriegsreparationen geschuldet war, die dem Reich auferlegt worden waren und die ihre Initialzündung in der französisch- belgischen Rheinlandbesetzung fand, konnte die Reichsbank nicht mehr Schritt halten. 1923 waren neben der Reichsdruckerei über 130 private Druckereien und 30 Papierfabriken mit der Herstellung von Reichsbanknoten beschäftigt. Dennoch mussten Länder und Kommunen und schließlich auch Firmen enorme Mengen eigenen Notgelds herstellen lassen, um den Zahlungsverkehr bei stetig fallenden Kursen aufrecht zu erhalten. In dieser Zeit gaben rund 8000 Ausgabestellen etwa 65.000 verschiedene Typen von Notgeld aus. Zu diesem riesigen Sammelgebiet fehlt eine aktuelle Neubearbeitung. Hier muss sich der Sammler entweder auf die längst nicht für alle deutschen Länder vorliegenden Regionalkataloge stützen oder aber die Arbeit von Dr. Arnold Keller nutzen, die bis heute Zitierwerk blieb. Das Papiergeld der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke – also sowohl Länderbanknoten als auch Notausgaben – wird in einem gesonderten Katalog behandelt. Neben den Ländern gaben auch die staatlichen Institutionen Reichsbahn und Reichspost eigene Notgeldscheine aus. Auch hierzu gibt es einen eigenen Katalog. Am Ende der Inflation kam es zur Ausgabe von sog. wertbeständigem Notgeld, also Notgeld, das meist auf Gold oder US-Dollar lautete, aber auch auf andere stabile Werte wie Roggen, Kilowattstunden Strom, Kohle, Holz, Fett, Mehl oder sogar Ziegelsteine. Dieses äußerst interessante Sammelgebiet umfasst etwa 500 Ausgabestellen mit 2000 unterschiedlichen Grundtypen. Nicht vergessen werden soll das sog. Notgeld der besonderen Art. Dr. Keller fasste damit Notgeld zusammen, das entweder besonders ausgeführt oder auf besonderen Materialien gedruckt war. Meist wird damit aber Notgeld auf Stoff (Leinen, Seide, Samt), auf Leder, Holz und Aluminiumfolie bezeichnet, das damals bereits für Sammler hergestellt wurde. Lagergeld des KZ Oranienburg über 50 Pfennig ohne Datum (1933). Was es sonst noch gab Ganz besondere Zeitdokumente sind Geldscheine aus Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagern sowie jüdischen Ghettos aus der NS-Zeit. Aus dem Zweiten Weltkrieg gibt es außer dem Wehrmachtsgeld auch verschiedenste Besatzungsausgaben, so z.B. für das Protektorat Böhmen und Mähren oder für das Reichskommissariat Ukraine. Die Sammelgebiete deutschen Papiergelds werden abgerundet durch geldähn - liche Wertpapiere und Gutscheine, wie Konversionskassen- und Steuergutscheine des Dritten Reichs. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Gutscheine, wie jene des Winterhilfswerks, die für Geldscheinsammler von Interesse sind. Wer sich ausführlicher über die Sammelgebiete beim Papiergeld informieren möchte, dem sei das „Handbuch Geldscheinsammeln“ empfohlen, das auch eine Vielzahl praktischer Tipps bereit hält. Hans-Ludwig Grabowski

  • Japanische Besatzungsausgaben im Zweiten Weltkrieg: China

    Im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg (7.7.1937 – 9.9.1945) wurden zahlreiche japanische Geldscheine ausgegeben, die in den japanisch besetzten Zonen bzw. von Japan abhängigen Gebieten Chinas umliefen. Sammler kennen diese Ausgaben aus dem Katalog "World Paper Money", wo sie bei China unter dem Oberbegriff "Puppet Banks" (Marionetten-Banken) zusammengefasst sind. Einige dieser Banken/Ausgaben sollen hier kurz vorgestellt werden. Central Reserve Bank of China Die durch die japanische Besatzungsmacht kontrollierte Central Bank of China gab mehrere Serien von Banknoten aus. Das Porträt zeigt den auch auf chinesischen Banknoten abgebildeten Revolutionär und ersten provisorischen Präsidenten der Republik China, Sun Yat-sen (1866 – 1925). Ausgabe 1940: 1 und 5 Fen = 1 und 5 Cents; 1, 2 und 5 Chiao = 10, 20 und 50 Cents; 1, 5 und 10 Yuan Ausgabe 1942: 100 und 500 Yüan Ausgabe 1943: 1, 2 und 5 Chiao = 10, 20 und 50 Cents; 1, 10, 100 und 500 Yuan Ausgabe 1944: 100, 200, 1000 und 10.000 Yuan Ausgabe 1945: 5000 und 100.000 Yuan Federal Reserve Bank of China Die Federal Reserve Bank of China war ebenfalls eine der japanischen "Marionetten-Banken" im besetzten China. Im Gegensatz zu den Noten der Central Bank, erkennt man ihren Ausgaben jedoch deutlich die japanischen Einflüsse an. Ausgabe 1938: 1/2, 1, 5, 10, 20 und 50 Fen; 1, 2 und 5 Chiao = 10, 20 und 50 Cents; 1, 5, 10 und 100 Dollars; 100 Yuan Ausgabe 1938 (1939): 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1941): 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1943): 10, 100 und 500 Yuan Ausgabe ohne Datum (1944): 5, 10, 100 und 500 Yuan Ausgabe 1944: 5 Chiao = 50 Fen und 1 Yuan Ausgabe ohne Datum (1945): 1, 10, 50, 100, 500, 1000 und 5000 Yuan Mengchiang Bank Mengchiang (Innere Mongolei) war ein japanischer Marionetten-Staat, der international nicht anerkannt war. Der Mengchiang-Yuan war 1:1 ab deb japanischen Yen gekoppelt. Siehe auch den Beitrag: China: Mengchiang-Bank. Ausgaben alle ohne Datum zwischen 1938 und 1945. Ausgaben: 5 Fen; 1 und 5 Chiao; 1, 5, 10 und 100 Yuan Central Bank of Manchukuo Mandschukuo (die Mandschurei) war ein bereits vor dem Chinesisch-Japnischen Krieg gebildeter japanischer Marionetten-Staat, in dem der letzte chinesische Kaiser, Puyi, der mit Japan kollaborierte, erneut als Kaiser einen Thron bestieg und der nur von insgesamt 23 Staaten, darunter dem Deutschen Reich, anerkannt war. Der Mandschukuo-Yuan war seit 1935 an den japanischen Yen gebunden. Die Bank selbst wurde 1932 aus den Provinz-Banken der drei chinesischen Ostprovinzen (Frontier Bank, Heilungkiang Provincial Bank und Kirin Provincial Bank) gebildet. 1945 wurde die Mandschurei von der Roten Armee besetzt, die sowjetisches Besatzungsgeld ausgab. Provisorische Ausgabe 1932 (altes Datum 1929): 1, 5 und 10 Yuan Ausgabe ohne Datum (1932/1933): 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1935 – 1938): 5 Chiao = 50 Fen; 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgabe ohne Datum (1944): 5 Chiao = 50 Fen; 1, 5, 10 und 100 Yuan Ausgaben ohne Datum (1941 – 1945): 1 und 5 Chiao = 10 und 50 Fen; 100 und 1000 Yuan Neben den genannten "Marionetten-Banken" gab es auch noch Noten Hua-Hsing Commercial Bank, der Chi Tung Bank und der Chanan Bank (alle sehr selten). Japanese Imperial Government Neben den Ausgaben der "Marionetten-Banken" kursierte die Besatzungsausgaben des kaiserlichen japanischen Gouvernements in den besetzten Gebieten Chinas. Genutzt wurden japanische Geldscheine mit chinesischen Überdrucken und eigens angefertigte Scheine des Gouvernements. In China sind die Ausgaben der japanischen Besatzung aus verständlichen Gründen bei Sammlern nicht sonderlich beliebt. Auf alle Fälle handelt es sich um sehr interessante Dokumente zur Geld- und Zeitgeschichte, das mehr Beachtung finden sollte. Ausblick Die japanischen Besatzungsgelder des Zweiten Weltkriegs für weitere Länder und Regionen stellen wir in anderen Beiträgen vor. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • Was wird aus meiner Sammlung nach mir? – Ein Thema, das viele Sammler bewegt!

    Die Frage danach, was mit der eigenen Sammlung im Todesfall geschehen soll, stellt sich sicher jeder Sammler hin und wieder und doch beschäftigt sie einige auch länger. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Münzen, Medaillen, Banknoten, Wertpapiere, Orden oder andere historische oder moderne Objekte sammelt. Da ich selbst seit 30 Jahren Bank­noten sammle, habe ich mich mit dem Thema nicht nur aus diesem Grund, sondern auch weil ich beruflich als Vermögensnachfolge-Experte bei der HVB, zertifizierter Generationen-Berater und regionaler Stiftungsbeauftragter tätig bin, auseinander-gesetzt. Vor Jahren sind mir auf einer Auktion der KPM in Mannheim zwei ältere Damen aufgefallen, die sich bei jedem Zuschlag, und die waren bei einzelnen Banknoten durchaus im fünfstelligen Bereich, auffällig gefreut haben. Gerade solche Ereignisse laden zum Grübeln ein. Sicherlich haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was ist wohl mit der Sammlung eines verstorbenen Bekannten passiert? Im Nachgang erfährt man, dass die Sammlung verschollen, Teile sogar gestohlen oder weit unter Wert von den Erben verkauft worden sind. Stellen Sie sich selbst einmal einige Fragen: Was soll mit der eigenen Sammlung geschehen? Hat jemand aus der Familie Interesse? Weiß jemand aus der Familie, welchen Wert die Sammlung hat? Wer ist ein vertrauensvoller Ansprechpartner (vielleicht aus Sammlerkreisen)? Relativ einfach ist der Fall, wenn Ehegatten und/oder Kinder da sind und diese die Sammlung erben sollen. Wenn jemand die Sammlung fortführen möchte, sollte geklärt werden, ob diese Person die Sammlung zusätzlich zum Erbe erhalten oder ob sie ein Teil des Erbes sein soll. Man kann in einem Testament auch den Wert, mit dem die Sammlung angesetzt werden soll, vorgeben. Aber bedenken sollte man in diesem Fall, dass eine sehr werthaltige Sammlung ggf. auch gesetz­liche Ansprüche anderer Familienmitglieder reduzieren und Geldforderungen gegen den Sammlungsempfänger auslösen kann. Sollte innerhalb dieses Personenkreises aber kein potentieller Sammler sein, wie es meistens der Fall ist, so sollte die Familie den Wert der Sammlung wenigstens annähernd kennen und Ansprechpartner im Sammlerkreis oder vertrauenswürdige Fachhändler bzw. passende Auktionshäuser genannt bekommen. Die Sammlung wird dann wieder dem Sammlermarkt zu fairen Preisen zugeführt und die Erben erhalten den für sie sinnvolleren Erlös aus dem Verkauf. Man kann das ganz einfach so lösen, dass die nächsten Angehörigen immer aktuell darüber informiert sind, welches Auktionshaus (auch das kann über die Jahre wechseln) für einen Verkauf in Frage käme. Auch welche Sammlerfreunde, die nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sind, für eine Unterstützung zum Verkauf der Sammlung in Frage kämen, aber auch welche auf keinen Fall einbezogen werden dürfen, sollte besprochen oder festgehalten werden. Darüber hinaus, welcher Händler des eigenen Vertrauens für einen Verkauf zu Rate gezogen werden kann. Als ich vor einiger Zeit von einem befreundeten Sammler mit einer beachtlichen Sammlung angesprochen wurde, ob seine Ehefrau im „Fall der Fälle“ auf mich zukommen könne, war ich sehr gerührt und werde diese Verantwortung, die ich hoffentlich nie übernehmen brauche, natürlich nur im Sinne und zum Wohle dieser ausüben. Auf der anderen Seite habe ich von einem Sammlerfreund gehört, der meinte, seine Sammlung bekäme sein Bruder. Auf die Frage, ob er etwas schriftlich geregelt habe, meinte dieser nur: er wisse, wo die Sammlung sei und das reiche aus. Aber wie sieht es dann mit den Ansprüchen der Ehefrau aus, die eigentlich Erbin wäre? Ist da nicht bereits Ärger vorprogrammiert? Als Sammler sollte man sich unbedingt Gedanken zum Nachlass machen und soll, wie ich auch schon oft erlebt habe, der Partner aktuell nichts vom genauen Wert einer Sammlung erfahren, so sollte der wenigstens schriftlich festgehalten werden! Hier empfiehlt sich die Dokumentation der Sammlung in Form einer Liste bzw. Tabelle mit der Angabe von Kaufpreisen und/oder aktuellen Marktpreisen. Das war eigentlich der einfache Teil. Was aber soll passieren, wenn keine Familie vorhanden ist oder keine persönlichen Ansprechpartner zur Verfügung stehen? Soll die Sammlung oder Teile davon erhalten bleiben? Gibt es Einzelstücke, Glanzstücke und große Raritäten? Wäre eine Stiftung, eine öffentliche Sammlung oder ein Museum als Empfänger der Sammlung sinnvoll? Auch hier habe ich mir meine eigene Meinung bilden können. Im seltensten Fall sind ganze Sammlungen für ein Museum interessant, da diese meistens bereits eine größere Sammlung besitzen, insofern sie sich mit dem Thema Numismatik, Notaphilie usw. beschäftigen. Einzelne Stücke zur Schließung von Lücken sind dagegen immer willkommen. Durch meine jahrelange Sammeltätigkeit weiß ich, dass so manch eine Sammlung, die mit der Auflage „im Ganzen“ erhalten bleiben zu müssen, dann am Ende nur eingelagert und nicht korrekt in die Hauptsammlung integriert und bearbeitet werden kann. Zudem sind die Dubletten, die an sich auch ihren Platz in einer schönen Sammlung verdient haben, dort aber eben schon vorhanden. Sie werden dann in einem Archiv gelagert und so auf Dauer dem Sammlermarkt entzogen. Daher macht es durchaus Sinn, sich im Vorfeld über den potentiellen Empfänger zu informieren, diesen nur mit den entsprechenden Stücken zu bedenken und ggf. Regelungen zu finden, um den Erlös aus dem Verkauf von Dubletten anderen Personen und Organisationen oder aber auch diesem Empfänger für Neuanschaffungen zu hinterlassen. Nur eine wirklich herausragende Sammlung, und da fällt mir persönlich nur eine ein, die ich kenne, kann einen eigenen Grundstock für ein Museum oder eine Stiftung bilden. Dabei darf man nicht vergessen, dass eine Stiftung nur überlebensfähig ist, wenn diese über genügend Liquidität für die Verwaltung, Aufarbeitung, Ausstellung und ggf. Neuanschaffungen verfügt. Hier ist die Stiftung „Geldscheinsammlung“ der HypoVereinsbank ein gutes Beispiel. Eine lebzeitige Zustiftung oder Sachspende kann auch eine sinnvolle Alternative sein, um den Weg der eigenen Stücke bzw. der Sammlung bereits selbst erleben und dies ggf. außerhalb der Erbfolge umsetzen zu können. Natürlich können auch Münzkabinette verschiedener Museen oder das Geldmuseum der Bundesbank in Frage kommen, wenn diese Interesse zeigen. Aber es sollte ein schlüssiges und sinnvolles Konzept erarbeitet werden. Selbst musste ich in einem Fall in Karlsruhe erfahren, dass Museen, in diesem Fall handelte es sich um ein Gemälde mit einem Wert von fast einer Million Euro, kaum an Leihgaben interessiert sind, sondern entsprechende Stücke nur im Eigentum übernehmen möchten. Daher sollte man sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigen und beraten lassen. Auch ist es sinnvoll, dass der Wunsch des Sammlers von einem erfahrenen Anwalt oder Notar aufgesetzt werden sollte, damit es im Nachgang nicht zu Ergebnissen kommt, die vom Sammler so nicht gewünscht oder gewollt waren. Gerade selbst geschriebene Testamente führen leider oft genau zu Problemen, dass der Streit, der vermieden werden sollte, oder die Regelung, die gewünscht war, nicht umgesetzt werden können. Als Vermögensnachfolge-Experte habe ich auch Kontakte zu Steuer- und Rechtsanwaltskanzleien aufgebaut, die sich auf die Abwicklung bzw. Veräußerung von Sammlungen im Nachlass spezialisiert haben. Praktisch sind für eine optimale Beratung auch Kontakte zu Nachlass-Pflegern oder Testaments-Vollstreckern, die selbst ein entsprechendes Wissen und Netzwerk aufgebaut haben. Wer kennt sich aber ehrlich gesagt besser mit der Sammlung aus, als der Sammler selbst? Deshalb sollte sich jeder Sammler, der eine bedeutende Sammlung aufgebaut hat, die oft auch sein Lebenswerk ist, informieren und seine ganz persönliche Lösung finden. Für den Fall das evtl. dritte Personen aufgrund von Krankheit oder Unfall zu Betreuern bestellt oder für den Sammler handlungsfähig werden, sollten unbedingt die Wünsche des Sammlers bezüglich der Vorgehensweise in bezug auf die Sammlung in die Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung eingefügt und berücksichtigt werden. Denn sollte der Betreuer die Sammlung verkaufen, laufen alle Überlegungen und Regelungen aus einem Testament ins Leere. Die eingangs erwähnten zwei älteren Damen waren anscheinend gut informiert und beraten worden, und konnten so einen fairen Preis für die hinterlassene Sammlung erzielen. Ansprechpartner zum Thema Vermögensnachfolge findet man unter: Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V. (www.dvev.de), Verein Estate Planner Deutschland e.V. (www.vepd.de) oder bei der HypoVereinsbank unter www.hvb.de (Suchwort: Vermögensnachfolge). Jens Dobokay Abb. 1. Hans-Ludwig Grabowski, 2. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

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