top of page

Search this site

3677 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Wahre Verbrechen: Die „Cooper-Dollars“

    Am 9. Februar 1980 machte Brian Ingram im Nordwesten der USA einen aufsehenerregenden Fund: Am Ufer des Columbia River entdeckte der damals Achtjährige 290 20-Dollars-Noten der Federal-Reserve-Banken im Sand. Beim Anlegen einer Feuerstelle für das Wochenend-Picknick der Familie zog er drei Pakete mit größtenteils beschädigten Geldscheinen zwischen den Steinen hervor. Seine Mutter rief später den örtlichen Sheriff Tom McDowell an, las die Kontrollnummern der Scheine ab, und von da an begannen umfangreiche Ermittlungen des FBI unter dem Codenamen „Norjak“ (= North Hijacking). Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Oregon und im Staat Washington, und schon am 13. Februar 1980 berichtete u.a. die „Muncie Evening Press“ unter der Überschrift „Kiddies find bills of D.B. Cooper loot in sand“ (= Kinder finden Geldscheine von D.B. Coopers Beute im Sand). Aber welche Scheine waren das? Es waren die 20-Dollars-Scheine, die ein gewisser Dan Cooper 1971 vom Staat erpresst hatte. Am Vorabend des US-amerikanischen Erntedankfestes (Thanksgiving), dem 24. November 1971, bestieg ein Mann mittleren Alters in Portland, Oregon, ein Flugzeug der Northwest Orient Airlines. Er buchte für 20 US-Dollars ein One-Way-Ticket nach Seattle und gab als Namen Dan Cooper an. Das war natürlich falsch. Auf dem Flug 305 gab er einer Stewardess einen Zettel. Darauf stand: „Miss, ich habe eine Bombe und möchte, dass Sie sich neben mich setzen“. Er öffnete seine billige Aktentasche. Darin befanden sich mehrere rot gefärbte Drähte und Stäbe. Flugbegleiterin Tina Mucklow musste aufschreiben, was er forderte: vier Fallschirme und 200.000 US-Dollars Lösegeld in 20-Dollars-Scheinen – zu übergeben bei der Landung. Und die Boing 727 sollte aufgetankt werden für den Weiterflug nach Mexico City. Abb.1: auch das „Oregon Journal“ berichtete am 25. November 1971 von der Lösegeld-Erpressung. Nach der Landung in Seattle ließ der Entführer die 36 Passagiere frei und nahm das geforderte Geld, die Fallschirme und die Vorräte in Empfang – drei Piloten und eine Flugbegleiterin mussten als Geiseln im Flugzeug zurückbleiben. Die Maschine startete am Abend in Richtung Süden. Nach einer Dreiviertelstunde Flugzeit – gegen 20 Uhr und irgendwo zwischen Seattle und Reno – schickte Cooper die Stewardess ins Cockpit mit der Anweisung, eine der Luken zu öffnen. Er band die Segeltuchtasche mit den 10.000 Banknoten an einen der Fallschirme ... und sprang mit dem zweiten aus rund 3.000 Metern Höhe in die Nacht. Seitdem hat man den Erpresser nie wieder gesehen, noch hat man je wieder von ihm gehört. Unmittelbar nach der Landung des Flugzeugs und ersten Untersuchungen wurden eine Lockheed C-130 und ein Hubschrauber eingesetzt. Zusätzlich durchsuchten etwa 1.000 Soldaten zu Fuß das vermutete Absprunggebiet. Ein streng geheimes Spionageflugzeug SR-71 kam ebenfalls zum Einsatz, um die gesamte Flugroute zu fotografieren, doch von D.B. Cooper wurde nie eine Spur entdeckt. In den folgenden fünf Jahren wurden mehr als 800 Verdächtige in Betracht gezogen und bis auf zwei Dutzend wieder verworfen. Keiner konnte jedoch anhand von DNA-Spuren identifiziert werden. Erst nach dem Fund der Geldscheine am Columbia River wurde die Suche wieder intensiviert. FBI-Agenten gruben später auf der Fazio Ranch, fünf Meilen westlich von Vancouver, WA, weitere nasse 20-Dollars-Scheine am Flussufer aus. Das FBI hatte schon bald nach dem aufgedeckten Verbrechen Listen mit allen Kontrollnummern veröffentlicht; es handelte sich immer um die Ausgaben 20 Dollars Federal Reserve Noten der Drucktypen 1963 A und 1969. Vergleichsscheine: Abb. 2: 20 Dollars 1963A, Vs., Unterschriftenkombination Kathryn (Elizabeth) O‘Hay Granahan (U.S.Treasurer) und Joseph Walker Barr (Secretary of the Treasury), gemeinsame Amtszeit vom 23. Dezember 1968 bis 20. Januar 1969. Abb. 3: 20 Dollars 1969, Vs., Unterschriftenkombination Dorothy Andrews Elston (U.S.Treasurer) und David Matthew Kennedy (Secretary of the Treasury), gemeinsame Amtszeit vom 8. Mai 1969 bis 16. September 1970. Abb. 4: 20 Dollars 1963A und 1969, Rs., White House Washington/DC. Abb. 5: eine der Listen mit den Kontrollnummern aller Lösegeld-Scheine; unter https://vault.fbi.gov/D-B-Cooper /D.B. Cooper Part 01-10/view findet man weitere Listen. Abb. 6: Veröffentlichung von Lösegeld-Scheinen der Ausgabe 1969 in der „Los Angeles Times“ vom 21. Oktober 1972, Seite 40. Das gefundene Geld war bis 1986 in Gewahrsam staatlicher Stellen, danach entschied ein Gericht, es unter Ingram, dem FBI sowie der Northwest Airlines und deren Versicherungsgesellschaft aufzuteilen. Von den 5.800 US-Dollars, die Brian Ingram fand, durfte er 3.000 US-Dollars behalten. Er verkauft alle Banknoten mit lesbaren Kontrollnummern, darunter nur 15 „ganze Scheine“ für 37.000 US-Dollars, die an den Rändern beschädigt waren, sowie zehn „halbe Scheine“, die noch weiter beschädigt waren. Den Rest der 125 Scheine – eigentlich konfettiähnliche Papierfetzen – behielt der heute 52-Jährige. Abb. 7: Fragment einer der Lösegeld-Scheine mit der Kontrollnummer 45632911 B, Ausgabe FRB Chicago mit SBst. G, Typ 1963A. Abb. 8: Fragment einer der Lösegeld-Scheine mit der Kontrollnummer 47621840 A, Ausgabe FRB San Francisco mit SBst. L, Typ 1969. Abb. 9: Brian Ingram mit Fragmenten seiner gefundenen 20-Dollars-Noten. 2023 traf sich Brian Ingram mit den Investigativ-Journalisten Josh Gates am Strand des Columbia Rivers und zeigte ihm den Fundort von 1980. Allgemein herrscht die Annahme, dass die „Cooper-Dollars“ in der Nähe von Tena Bar am gegenüber liegenden Ufer aufs Land trafen, aber die Lage durch Bagger-Arbeiten am Columbia River oder durch die Überschwemmungen von 1979 verändert wurde. Ingram gab nochmals Auskunft: „Ich fand drei Bündel mit 20-Dollars-Scheinen im Wert von insgesamt 5.800 Dollars. Sie wurden entdeckt, als ich für ein Familienpicknick eine flache Stelle im Sand freikratzte, um ein Feuer zum Braten von Hot Dogs zu machen. Die Bündel lagen leicht schief übereinander und waren außerdem mit einem intakten Gummiband umwickelt. Die Scheine waren an den Rändern abgenutzt und sahen verwittert aus, als wären sie eine Zeit lang im Sand vergraben gewesen. Mit meinen Eltern Dwayne und Patricia und meiner Cousine Denise haben wir den Strand nach weiteren Scheinen abgesucht. Wir wollten mehr Geld finden, haben aber nichts mehr gefunden. Wir haben die Scheine mitgenommen, aber bei jedem Versuch, sie auseinanderzuziehen zerbrachen sie in Stücke. Meine Mutter versuchte, das Geld in der Küchenspüle einzuweichen, aber es ließ sich nicht trennen. Sie fügte bei ihrem Versuch Spülmittel und sogar Clorox hinzu, weil wir hofften, das Geld zu einer Bank bringen und einlösen zu können. ... Später gab es ein Gespräch mit FBI-Agent Ralph Himmelsbach in Portland.“ Abb. 10: Brian Ingram (rechts) zeigt dem Chef des Investigativ-Teams Josh Gates (links) und Joe Koenig die Fundstelle von 1980. Abb. 11: Karte vom Columbus River, links Oregon/rechts Washington State, mit der Fundstelle (roter Punkt) und der Flugroute (rote Linie); irgendwo hier sprang der Erpresser im stürmischen Regen in die Tiefe. Dutzende von FBI-Agenten, Zeitungsreporter und Kamerateams waren dann bei Tena Bar eingetroffen und fanden weitere Teilstücke der Scheine im Umkreis von 20 Meter und in einer Tiefe bis zu einem Meter. Im Pfandhaus Pawn Stars Las Vegas/NV wechselte 2018 ein Fragment-Schein für 1.600 US-Dollars den Besitzer. Ein erstaunlicher Preis für einen Schein in wahrlich nicht sammelwürdiger Erhaltung, aber mit einer faszinierenden Geschichte. Abb. 12: vom FBI gezeigte Teilscheine der Ausgaben 1963A und 1969. Das FBI recherchierte von November 1971 bis zum Mai 1992; dann wurde die Suche beendet. In all den Jahren ließen sich viele Menschen in den USA bei Banken größere Geldbeträge nur in 20-Dollars-Scheinen auszahlen – in der Hoffnung, einen „Cooper-Schein“ zu finden und dafür die ausgelobte Belohnung von 1.000 US-Dollars zu erhalten. Michael H. Schöne Quellen: Chris Bradford „Lucky Find“, in „The Sun U.S.“ vom 18. Februar 2024 https://archives.fbi.gov https://en.wikipedia.org https://www.newspapers.com https://www.thedbcooperforum.com https://www.the-sun.com

  • Das deutsche Kriegsschiff "Hindenburg" und seine Gutscheine

    Bei strahlendem Sonnenschein lichteten am 19. November 1918 gegen 13.30 Uhr in Wilhelmshaven 14 Großkampfschiffe der ehemals kaiserlichen Hochseeflotte, dazu sieben Kreuzer und 50 Torpedoboote – der damals in Deutschland übliche Name für Zerstörer – die Anker und nahmen Kurs in die Nordsee. Ihr angebliches Ziel: neutrale Häfen, in denen sie interniert werden sollten. Abb. 1: In Kiellinie fährt die Hochseeflotte im November 1918 nach Scapa Flow. Quelle: Wikimedia / Public Domain. Foto restauriert mit KI. Matthias Erzberger hatte als Unterhändler der neuen Reichsregierung am 11. November 1918 im Wald von Compiègne die Bedingungen des Waffenstillstands akzeptieren müssen. Paragraf 23 sah vor, dass alle deutschen U-Boote, sechs Schlachtkreuzer, zehn Linienschiffe, acht Kreuzer und 50 Zerstörer der jeweils modernsten Bauart abzuliefern seien. Welche Schiffe davon betroffen waren, legten Marine-Experten der Siegermächte fest. Sie waren wohl gut informiert, denn sie benannten tatsächlich die kampfstärksten und neuesten deutschen Schlachtkreuzer: S.M.S Derfflinger, S.M.S. Hindenburg, [1]  dazu ihre Vorläufer S.M.S. von der Tann, S.M.S. Moltke und S.M.S. Seydlitz. Der sechste beanspruchte Schlachtkreuzer, die S.M.S. Mackensen war noch nicht fertig und in Dienst gestellt. Stattdessen forderte man die S.M.S. Baden. Sie folgte dem Rest der Flotte am 7. Januar 1919. Die deutschen Schlachtkreuzer hatten die Royal Navy im einzigen großen Seegefecht des Ersten Weltkriegs, der Schlacht in der Skagerrak-Straße am 31. Mai und 1. Juni 1916, in Panik versetzt. Vor allem die schnellen, wie feuerstarken Schiffe hatten sich ihren direkten britischen Konkurrenten deutlich überlegen gezeigt. Nur ein deutscher Schlachtkreuzer, die S.M.S. Lützow war so schwer beschädigt worden, dass sie aufgegeben werden musste. Hingegen waren drei britische Großkampfschiffe, die HMS Queen Mary, die HMS Indefatigable und die HMS Invincible während des Gefechts explodiert. Abb. 2: 1914: Die "Hindenburg" im Bau auf der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven. Foto restauriert mit KI. Abb. 3: Stapellauf der "Hindenburg" 1915. Foto restauriert mit KI. Die Kiellegung der "Hindenburg" erfolgte am 1. Oktober 1912 auf der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzögerte die Fertigstellung, da zunächst die Schiffe der Reserveflotte auf der Werft aufgerüstet werden mussten. Nach dem Stapellauf am 1. August 1915 dauerte es noch fast zwei Jahre, bis sie am 10. Mai 1917 in Dienst gestellt wurde. Die S.M.S Hindenburg war das letzte Großkampfschiff der Kaiserlichen Marine, das fertiggestellt wurde. Die Baukosten für das 212,8 m lange und 29 m breite Schiff betrugen 59 Millionen Mark. Haushaltsrechtlich galt sie als Ersatzbau für den Großen Kreuzer Hertha. Mit 72.000 Wellen-PS hatte die Hindenburg die stärkste Maschinenleistung aller Schiffe der Kaiserlichen Marine. Mit den 14 Marinekessel und 2 Marineturbosätzen erreichte das Schiff wie die "Seydlitz" eine Höchstgeschwindigkeit von rund 29 Knoten. Bewaffnet war das Schiff mit 8 x 30,5 cm Schnellladekanonen 12 x 15,0 cm Schnellladekanonen und 4 x 8,8 cm Flakgeschützen sowie 4 Torpedorohren. Die Panzerung erreichte stellenweise 300 mm. Das Schiff hatte eine maximale Verdrängung von 31.500 t. Die Besatzung bestand aus 1.182 Mann. [2] Nach Abschluss der Probe- und Ausbildungsfahrten wurde Wilhelmshaven der Heimathafen. Hier löste sie die S.M.S. Seydlitz als Flaggschiff des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe und Führers der I. Aufklärungsgruppe, Vizeadmiral Ritter von Hipper, ab. Die I. Aufklärungsgruppe bestand damals aus S.M.S. Hindenburg, S.M.S. Derfflinger, S.M.S. Seydlitz, S.M.S. Moltke und S.M.S. von der Tann. Als am 17. November 1917 starke britische Seestreitkräfte (fünf Großkampfschiffe sowie eine größere Zahl Kleiner Kreuzer und Zerstörer) versuchten, in die Deutsche Bucht einzubrechen, kam es zu Kampfhandlungen mit den deutschen Vorpostenschiffen. Als die S.M.S. Hindenburg und die S.M.S. Moltke auf dem Kampfschauplatz erschienen, suchten die Briten das Weite. Nur ein Jahr später befand sich die S.M.S. Hindenburg, nun nur noch Kriegsschiff Hindenburg, mit den meisten deutschen Schiffe der Hochseeflotte auf dem Weg in die „Internierung“. Das Kommando über den sich mehr als 50 Kilometer erstreckenden Trauerzug hatte Konteradmiral Ludwig von Reuter. Als Kapitän der "Derfflinger" und Geschwaderchef hatte er an der Skagerrakschlacht teilgenommen. 1918 wurde er Befehlshaber der schnellen Kräfte der Hochseeflotte, vor allem der Schlachtkreuzer. In dieser Funktion übernahm er die traurige Aufgabe die deutschen Schiffe zu überführen. Da angeblich für die Internierung keine ausreichend große Anzahl von Liegeplätzen in neutralen Häfen zur Verfügung standen, sollte die deutsche Flotte auf Anweisung der Royal Navy den Firth of Forth in Ost-Schottland ansteuern. Hier liefen den deutschen Schiffen britische Kreuzer und Schlachtschiffe entgegen und nahmen sie in die Mitte. Schließlich kam die Anweisung, weiter nach Norden zu dampfen, in die Bucht von Scapa Flow zwischen den Orkney-Inseln, dem Hauptstützpunkt der Royal Navy. Hier forderte der Oberbefehlshaber der britischen Grand Fleet, Admiral David Beatty, ultimativ, die Kriegsflagge der Marine zu streichen. Eine weitere bewusste Demütigung. Abb. 4: S.M.S. Hindenburg und im Hintergrund S.M.S. Derfflinger mit anderen Schiffen der deutschen Hochseeflotte in Scapa Flow. Foto restauriert mit KI. In den folgenden gut sieben Monaten geschah nichts. Die deutschen Schiffe lagen mit Rumpfmannschaften in der Weite von Scapa Flow vor Anker und die Kessel wurden regelmäßig angefeuert, um sie betriebsbereit zu halten. Am 21. Juni 1919, dem Tag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, gab Admiral Ludwig von Reuter den seit Monaten vorbereiteten Befehl zur Selbstversenkung der Schiffe. Zuerst schwankte S.M.S. Friedrich der Große. Kurz gegen zwölf Uhr Ortszeit neigte sich das ehemalige Flaggschiff der deutschen Hochseeflotte, gerade etwas mehr als sechs Jahre alt, unter gleichzeitigem Tiefersinken mehr und mehr zur Seite. Abb. 5: Konteradmiral Ludwig von Reuter (1869-1943) hatte die "schaurige Aufgabe", die Kapitulation der Flotte zu vollziehen, Quelle: Wikimedia / Public Domain. Foto restauriert mit KI. In den folgenden vierdreiviertel Stunden gingen fünf moderne Schlachtkreuzer, neun weitere Großlinienschiffe, von denen keines vor 1912 in Dienst gestellt worden war, fünf Kleine Kreuzer und 32 Große Torpedoboote unter. Als letztes Schiff sank um 17 Uhr die S.M.S. Hindenburg, das letzte im Ersten Weltkrieg fertig gestellte deutsche Großkampfschiff, das niemals an einem Seegefecht teilgenommen hatte. Abb. 6: Die Aufbauten der "Hindenburg" nach der Selbstversenkung in Scapa Flow. Auffällig sind der markante Dreibeinmast zwischen der unter Wasser liegenden Kapitänsbrücke und dem ersten Schornstein sowie der im Vergleich schlanke Röhrenmast am zweiten Schornstein. Foto restauriert mit KI. Von 1925 an wurden mehrere Bergungsversuche durch die Briten unternommen, aber erst 1930 wurde das Wrack der "Hindenburg" gehoben, nach Rosyth geschleppt und 1931/32 abgewrackt. Abb. 7.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 11.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 50 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 12: Stempel der Hindenburg. Durchmesser: 37 mm. Von der Hindenburg sind folgende Gutscheinwerte bekannt: 50 Pfennig, 1, 5, 20 und 50 Mark. Alle Scheine haben – abgesehen von der Wertangabe – den selben Text-Aufdruck in Frakturschrift: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“ | über | Wertangabe (auf einem ornamentalen Unterdruck) | Gegen Ablieferung dieses Gutscheines zahlt die Kassen- | verwaltung „Hindenburg“ obigen Betrag. Dieser Schein gilt | nur an Bord „Hindenburg“ und ist bei Abkommandierung | des Inhabers bei der Kassenverwaltung einzutauschen. | 25. Februar 1919. – Die Kassenverwaltung | faksimilierte Unterschrift (A. Paeßcke?) | Marine-Stabszahlmeister.“  Alle Scheine erhielten einem schwarzen Stempelabdruck, der in der Mitte den bekrönten Adler auf einem Anker stehend – bekannt auch von den Cent-Münzen aus Kiautschou – zeigt. Am oberen Rand „ . KAISERLICHE MARINE .“ und am unteren Rand „KASSENVERWALTUNG S.M.S. HINDENBURG“ . Der Stempel hat einen Durchmesser von 37 mm. Das Ganze wird umschlossen von einem Zierrahmen. Den Unterdruck bilden kleine grüne Quadrate, die selbst durch sich kreuzende senkrechte und waagerechte Linien ausgefüllt sind. Die Rückseite weist nur den beschriebenen Unterdruck auf. Das Farbspektrum des grünen Unterdrucks reicht von hellgrün bis olivgrün. Die Schriftfarbe ist bei allen Werten verschieden: der Text bei den Scheinen zu 50 Pfennig ist violett, beim Schein zu einer Mark schwarzbraun, beim 5er dunkelblau, beim Wert zu 20 Mark orangerot und beim Gutschein zu 50 Mark grün. Die Scheine weisen eine einheitliche Größe von ca. 122 mm x 80 mm auf. Gedruckt wurden die Scheine auf festerem Papier mit dem Wasserzeichen „Wellenbündel“. Keller beschreibt es folgendermaßen: Die Papierfabrik Poensgen & Heyer in Letmathe führt ein Muster aus hellen Wellenlinien, von denen je 2 mit 2 mm Abstand parallel laufen, jedoch entgegengesetzt den benachbarten -Paaren; Wellental der einen Linie berührt sich mit dem Wellenberg der anderen, doch nicht genau mit den Höhepunkten, sondern ein wenig seitlich verschoben. In die dadurch gebildeten freien Räume sind einige kleine Wellenlinien eingefügt, parallel zu der einen Seite des Feldes und innerhalb derselben Reihe dann durchweg in gleicher Richtung; in der Nachbarreihe dagegen laufen die kleinen Wellen der anderen Seite parallel. Durch diesen regelmäßigen Wechsel wirkt das Muster lebhaft und plastisch. Es gibt zwei Varianten dieses Musters. Bei der älteren Form a sind die Felder mit 3 Innenlinien ausgefüllt, sodass sie daher in 4 dunkle Streifen zerfallen. Die Felder scheinen hier länger und das ganze Muster ansehnlicher als bei der zweiten Art. … Das Wellenmuster ist das weitaus am häufigsten zu Notgeldscheinen verwendete Papier.“[3] Abb. 13: Wasserzeichen 133 „Wellenbündel“. Da die Nominale nicht nummeriert sind, ist ihre Auflagenhöhe ebenso unbekannt wie die herstellende Druckerei. Keller schrieb in seinem Katalog zu den Kleingeldscheinen bezüglich des Ausgabeortes: „ausgegeben vor Libau, Kurland“. [4]  Dies trifft sicherlich nicht zu. Am aufgedruckten Ausgabedatum befand sich die "Hindenburg" bereits in der Bucht von Scapa Flow! Als die "Hindenburg" 1930 gehoben wurde, fand man im Schiffstresor auch besagte Gutscheine. Im Internationalen Maritimen Museum Hamburg, wird unter Inventarnummer D_25_390, Objektnummer 165302 ein Gutschein zu einer Mark aufbewahrt. Im Vermerk dazu heißt es: Das Kriegsschiff "Hindenburg" auf seiner letzten Fahrt, nach 10jähriger Ruhepause, von Scapa-Flow nach Rosyth. Der Kassenschein lag während dieser langen Zeit, im Tresor des Schiffes und hat sich wunderbar erhalten. Herrn Admiral von Karpf, zur Erinnerung an das 5jährige Stiftungsfest der Hamburger Kameradschaft des ehem. I.R. "Generalfeldmarschall von Hindenburg" (II. Mas.) Nr. 147 am 11. Oktober 1936 herzlichst zugeeignet. – Der Kameradschaftsführer. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Benannt nach dem Chef der Obersten Heeresleitung und Sieger von Tannenberg, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. [2]  Angaben nach: < https://de.wikipedia.org/wiki/Hindenburg_(Schiff,_1917) > (11.07.2024) [3]  Dr. Arnold Keller, Deutsche Wertpapierwasserzeichen, Die Wasserzeichenpapiere des deutschen Notgeldes 1914 – 1948, Abbildungen gezeichnet von Kurt Lehrke, Berlin-Wittenau 1955, S. 41, Wasserzeichen Nummer 133, Abbildung auf Tafel 6. [4]  Das Deutsche Notgeld, Katalog Kleingeldscheine 1916 – 1922, I. – III. Teil: Verkehrsausgaben, Zusammengestellt von Dr. Arnold Keller, neubearbeitet von Albert Pick und Carl Siemsen, München 1979, S. 684, Kat.-Nr. 2966.

  • Aus privaten Sammlungen: National-Banknote zu 10 US-Dollars, Serie 1902

    In den USA wurden National-Banknoten seit 1863 bis ins Jahr 1935 vom Bureau of Engraving & Printing (BEP) für Privatbanken gedruckt. Dafür benötigten sie die Erlaubnis vom US-Finanzministerium. 14.348 Lizenzen wurden an Banken genehmigt, aber nur 14.320 machten vom Geldscheindruck Gebrauch. Im Jahre 1877 gründete John Thompson die Chase National Bank of the City of New York (ChNB) und erhielt die sog. Charter-Nr. 2370. Die Bank ließ bis 1935 Banknoten im Wert von über 134,7 Mio. US-Dollars drucken. Der Name der Bank geht auf Salmon P. Chase zurück – er war der frühere Gouverneur von Ohio und spätere Finanzminister unter Abraham Lincoln. Die 10-Dollars-Noten der ChNB von 1917 wurden in Nutzen zu 4 x 10 Scheine in einer Menge von 92.500 Bogen gedruckt. Bis heute wurden schätzungsweise 4.000 Scheine (aller Nationalbanken, die diesen Typ drucken ließen) noch nicht eingelöst. Diese Zehner sind auch unter der Bezeichnung „Third Charter Note, Blue Seal, Plain Back“ bekannt und wurden von 1908 bis 1929 gedruckt. Die Chase National Bank of the City of New York fusionierte 1955 mit der schon 1799 gegründeten Bank of the Manhattan Co. zur Chase Manhattan Bank. Ab 1996 firmiert die Bank unter JP Morgan Chase & Co. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Michael H. Schöne Authentizität: Original Land/Region/Ort: Vereinigte Staaten von Amerika Emittent: Chase National Bank of the City of New York Nominal: 10 Dollars Datierung: 12. September 1917 (Serie 1902) Vorderseite: Porträt von William McKinley, Jr., 25. Präsident der USA (1897 bis 1901), Text, Wertangabe, Nummerierungen und blaues Siegel sowie Bank-Nr. Rückseite: Wertangabe im Ornamentrahmen, mittig die Skultur „Liberty and Progress“ von zwei Dampfschiffen flankiert Material: Papier, ohne Wasserzeichen Format: 187 mm x 79 mm Unterschriften: oben: Houston B. Teehee / John Burke unten: W. P. Holly / Albert H. Wiggin Graveur: Frederick C. Smillie, Vs.-Porträt nach einem Foto von der Pan-American Exposition in Buffalo, Rs.-Skulptur nach dem Werk des Bildhauers Walter Shirlaw Druck: Bureau of Engraving & Printing, Washington/DC Bank-Nr.: 2370, (Charter No.) E = East = Oststaaten Nummerierung: Serie: 54817 mit Serienbuchstabe V, 108342 mit Suffix-Pheon in Blau Umlauf: 1917 bis 1929 Zitate: W-1428, in: „Whitman Encyclopedia of U.S. Paper Money“ (Q. D. Bowers, 2009) 632/S-1497, in: „Paper Money of the United States“ (A. L. und I. S. Friedberg, 19. Aufl. 2010) Michael H. Schöne Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • PMG beginnt ganzjährig mit der Bewertung von Banknoten in München

    München, Deutschland (18. Juni, 2024) —   Die Einführung eines ganzjährigen PMG-Bewertungsservices in München, der zunächst für die Kategorien "Bulk" und "Modern" angeboten wird, stellt einen bahnbrechenden Moment für das Unternehmen und die europäische Papiergeldsammlergemeinschaft dar. Paper Money Guaranty® (PMG®) freut sich, ankündigen zu dürfen, dass das Unternehmen in Kürze die Echtheitsprüfung, Bewertung und Verkapselung von Papiergeld auf Vollzeitbasis über die Certified Collectibles Group - International GmbH (CCG GmbH), ihre Tochtergesellschaft in München, anbieten wird. Ab dem 18. Juni 2024 werden alle bei der CCG GmbH in München eingereichten Noten der Kategorien Bulk und Modern in München bewertet. Noten, die für andere Kategorien und Dienstleistungen eingereicht werden, werden weiterhin mit einer Hin- und Rücktransportversicherung zur Zertifizierung an den Hauptsitz von PMG in den USA versandt, es sei denn, sie werden bei einer der PMG-Bewertungsveranstaltungen vor Ort in Europa eingereicht. "Da immer mehr Sammler und Händler in Europa die fachkundige und unparteiische Zertifizierung von PMG in Anspruch nehmen, arbeiten wir hart daran, unsere Dienstleistungen sowohl schneller als auch leichter zugänglich zu machen" , sagte Max Spiegel, Präsident der Certified Collectibles Group® (CCG®), zu der PMG gehört. "Wir erwarten eine starke Nachfrage nach der Schnelligkeit und dem Komfort dieser Dienstleistungen, die dazu beitragen, eine sicherere, transparentere und lebendigere Sammlergemeinschaft zu fördern." PMG wurde 2005 als völlig unabhängiger Drittanbieter für die Bewertung von Papiergeld gegründet. Mit einem beispiellosen Engagement für Genauigkeit, Konsistenz und Integrität hat PMG mehr als 10 Millionen Banknoten zertifiziert. Jede von PMG zertifizierte Banknote wird durch die umfassende PMG-Garantie für Echtheit und Bewertung abgesichert, was Käufern und Verkäufern zusätzliches Vertrauen gibt. Die Einführung des PMG-Bewertungsdienstes in München folgt auf die wachsende Beliebtheit der PMG-Bewertungsveranstaltungen vor Ort, die in den letzten Jahren regelmäßig in Europa stattgefunden haben. Bei der Vor-Ort-Bewertung bietet PMG seine umfassenden fachkundigen und unparteiischen Dienstleistungen zur Echtheitsprüfung, Einstufung und Verkapselung vor Ort mit einer extrem kurzen Bearbeitungszeit an. PMG plant, auch mit dem Beginn der Vollzeit-Bewertung in München weiterhin Vor-Ort-Bewertungs-Veranstaltungen anzubieten. Die nächsten PMG-Vor-Ort-Bewertungen in Europa sind für September geplant. Für Bulk- und Modern-Einreichungen, die in der Münchner Niederlassung im Rahmen des regulären Geschäftsbetriebs bewertet werden, fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Für alle Einreichungen, die vor Ort bewertet werden (einschließlich Bulk- und Modern-Einsendungen), wird jedoch eine zusätzliche Gebühr von 5 € pro Note erhoben. PMG bietet mehrere Optionen für Mengeneinreichungen an, die eine Mindestanzahl von 50 Banknoten im Wert von jeweils 300 € oder weniger erfordern. Auf der Stufe "Modern" akzeptiert PMG alle Noten, die von 1957 bis heute ausgegeben wurden, sofern sie jeweils einen Wert von 300 € oder weniger haben. Bitte beachten Sie, dass PMG nach eigenem Ermessen beschließen kann, Bulk- oder Modern-Noten für zusätzliche Recherchen oder aus betrieblichen Gründen an die US-Zentrale zu senden. Eine vollständige Liste der von der PMG-Niederlassung in München angebotenen Dienstleistungen und Gebühren finden Sie hier . "Die Erweiterung der PMG-Dienstleistungen in München ist ein wichtiger Meilenstein für die numismatische Gemeinschaft in Europa", sagte Richard Stein, Director of European Operations bei CCG. "München ist erst der dritte Ort auf der Welt, an dem CCG die Bewertung auf Vollzeitbasis anbietet." Um sich bei PMG in München anzumelden, müssen Sie nur diese einfachen Schritte befolgen: Werden Sie hier  Mitglied bei PMG. Mitgliedschaften beginnen bei nur $ 25 (USD) pro Jahr. Klicken Sie auf der PMG-Website in der Menüleiste auf "Einreichen" und gehen Sie dann zu "Einreichungsformulare". Füllen Sie das europäische Einreichungsformular von PMG aus. Verpacken Sie Ihre Sammlerstücke auf sichere Weise und lassen Sie sie an unser Büro in München liefern, oder bringen Sie sie zu einer Veranstaltung, einem offiziellen Einreichungszentrum oder zu einem autorisierten Händler, bei dem PMG-Einreichungen akzeptiert werden. Wichtig:  Wenn mehr als 20 % der Noten in einer Einreichung Anpassungen erfordern, weil die Noten in einer falschen Bewertungsstufe eingereicht wurden (z. B. weil der Wert der Noten den Höchstwert für die gewählte Bewertungsstufe übersteigt), wird die gesamte Einreichung in die zutreffende Stufe verschoben, die Bewertungsgebühr wird für alle Noten in der Einreichung angepasst, und die Einreichung kann zur Bewertung an das US-Büro weitergeleitet werden. Noch Fragen? Kontaktieren Sie das Münchner Büro unter +49 (0) 89 550 66 780 oder Service@CollectiblesGroup.de . Über Paper Money Guaranty® (PMG®) PMG wurde 2005 gegründet und ist mit mehr als 10 Millionen zertifizierten Banknoten der weltweit größte und vertrauenswürdigste Drittanbieter für die Bewertung von Papiergeld. Darunter befindet sich ein einzigartiger $5.000 Legal Tender aus dem Jahr 1878, der einen Wert von über $800.000 erzielte. Jede von PMG zertifizierte Banknote wird durch die umfassende PMG-Garantie für Echtheit und Bewertung abgesichert, was das Vertrauen der Sammler stärkt. Dies führt zu höheren erzielten Preisen und größerer Liquidität für PMG-zertifizierte Banknoten. Um mehr zu erfahren, besuchen Sie PMGnotes.com . PMG ist Teil der Certified Collectibles Group® (CCG®), deren Ziel es ist, Sammlern Dienstleistungen anzubieten, die ihre Leidenschaft entfachen, Werte schaffen und eine Gemeinschaft aufbauen. Mit mehr als 90 Millionen zertifizierten Sammlerstücken in einer Vielzahl von Kategorien stehen die vier Marken der CCG — PMG, Numismatic Guaranty Company® (NGC®), Certified Guaranty Company® (CGC®) und Authenticated Stamp Guaranty® (ASG®) — als Synonym für Vertrauen und Kompetenz in ihren Hobbys. © 2024 Paper Money Guaranty. Alle Rechte vorbehalten.   PMG, NGC, CGC, ASG und CCG sind eingetragene Marken oder nicht eingetragene Marken von Paper Money Guaranty und/oder seinen verbundenen Unternehmen in den Vereinigten Staaten und/oder anderen Ländern. Alle anderen Namen und Marken, auf die in dieser Mitteilung Bezug genommen wird, sind Handelsnamen, Marken oder Dienstleistungsmarken ihrer jeweiligen Eigentümer. Pressemitteilung

  • Auktion im Warschauer Schloss

    Es gibt heute eine Vielzahl von Auktionen für numismatisches Material in Europa, so beispielsweise „Dauerauktionen“, bei denen Privatverkäufer und Firmen Ware einstellen, ebenso wie öffentliche Versteigerungen professioneller Verkäufer im Saal. Eine Mail erinnert interessierte Internetnutzer stets an die wöchentlich anstehenden Auktionen. Münz- und Banknotenfreunde kaufen dort gern und lassen eigenes Material versteigern, aber auch viele Nachlässe kommen bei Versteigerungen „unter den Hammer“. Das Prozedere einer Auktion ist bei den europäischen Firmen meist gleich oder zumindest sehr ähnlich. Dennoch gibt es Unterschiede, was Ausstattung, Dauer und vor allem das angebotene Material angeht. Beachtliche Unterschiede gibt es natürlich auch, was die Wahl des Versteigerungslokals angeht. Warschau: Der Hintereingang des Königsschlosses war auch der Eingang zur Auktion, Foto: Ingrid Mehlhausen. Berichtet werden soll über eine besondere Versteigerung in unserem Nachbarland Polen. Die Firma Marciniak sp.k., Warschau, gegründet 2003 führte am 8. Juni 2024 bereits ihre 23. Auktion durch, die schon am 3. Juni mit Sitzung 1 startete und mit Sitzung 11 am 13. Juni endete. Insgesamt waren 7.751 Positionen im Angebot. 10 Sitzungen wurden im Internet und in den eigenen Räumen der Firma in Warschau abgearbeitet, aber ein Höhepunkt war die 6. Sitzung, die am 8. Juni 2024 im wieder erbauten Königlichen Schloss Warschau stattfand. Der letzte König Polens Stanislaus August Poniatowski war bekanntlich selbst Münzenliebhaber. Zu dieser Versteigerung in einem sehr ansprechend hergerichteten und gut geeigneten Saal des Königsschlosses wurden für diesen Tag die herausragendensten Stücke von Münzen, Phaleristik und Banknoten ausgesucht. Für sie gab es einen gedruckten Katalog, der bei der Position 6.001 begann und mit 6.350 endete. Der Katalog für alle anderen Sitzungen war im Internet vor und nach der Auktion einzusehen. Die Internet-Präsentation ist ausgezeichnet, ähnlich wie bei anderen großen Versteigerungen. Im Saal waren hinter dem Versteigerer die zum Verkauf aufgerufenen Artikel immer mit Vor- und Rückseite abgebildet, dazu war sehr gut der aktuelle Bieterstand in Zloty ebenso wie in Euro und US-Dollar zu finden. Parallel dazu gab es rechts vom Versteigerer noch einen zweiten Bildschirm, auf dem das Objekt in der Hand gedreht gezeigt wurde. Dort konnte man hervorragend die Qualität eines Stückes oder auch seine Fehler sehen und erkennen. Bei teuren Exponaten konnten aber auch Internet-Besucher bei ausgewählten Positionen kleine Filme vorab ansehen, um alle Details richtig beurteilen zu können. Der Versteigerer nahm sich in dem dunkelrot beleuchteten Raum die notwendige Zeit, nochmals auf Besonderheiten hinzuweisen und gab die Chance, über die höchste Gebotsabgabe im Saal nachzudenken, wobei sich niemand gedrängt fühlen musste. Geboten wurde bei dieser Sektion übrigens im Saal, im Netz und dazu auch noch am Telefon. Ausgewählte Artikel im Schloss Der absolute Höhepunkt der Versteigerung im Schloss war die „Aukcja Wieczoru“, die „Auktion am Abend“ vom 8. Juni 2024, die schon gleich mit Geldscheinen von 1794 begann. Neben den Münzen nahm Papiergeld einen recht beachtlichen Raum ein. Eine 5-Zloty-Note (Los 6.268) aus dem Jahr 1824, auch Erhaltung 5 (rückseitig geklebt) wurde mit nur 5.000 PLN geschätzt, aber erbrachte stolze 8.000 € (34.000 PLN). Zwei weitere Noten dieser Zeit (6.283: 3 Rubel 1841 und 6.284: 1 Rubel 1853 wurden mit 19.588 und 8.412 Euro verkauft. Sehr viel Geld zahlen die polnischen Sammler für gute Erhaltungen der Zwischenkriegszeit. Eine 10-Zloty-Note 1919 mit violettem Kreis in 1/1- (Los 6.294) wurde erst bei 6.588 € zugeschlagen, um nur ein Beispiel zu nennen. Geldscheine waren auch bei den anderen Sitzungen im Angebot und fanden sehr guten Absatz. Unverkauft blieb nichts, alles erfuhr teilweise recht hohe Zuschläge, ausgerufene Zloty-Preise erreichten sehr häufig beim Zuschlag gleich hohe Euro-Preise und gelegentlich auch mehr. Sehr viel Geld gab es auch wieder für die Noten, die vor dem Zweiten Weltkrieg in England gedruckt, aber nie ausgegeben wurden. Die ganze Serie als Muster war die letzte bei der Rubrik Geldscheine (Los 6.340) und startete mit 80.000 Zloty und wurde für 86.000 PlLN zugeschlagen (20.235 €), aber es handelte sich hier um WZÓR = Musterscheine. Zwei „echte“, also nicht als Muster gekennzeichte Scheine zu 2 und 10 Zloty 1939 in dürftiger Erhaltung (4-4+) verkaufte man für 2.235 und 2.118 €. Niemand vermag zu erklären, wie die nie ausgegebenen Scheine so stark zerknittert sein können wie alte, lange im Verkehr umgelaufene Noten. Drei Raritäten bei Münzen, Banknoten und Orden Drei Spitzenstücke erzielten beachtliche Preise. Bei den Münzen war die Nr. 6.346, ein Zehnfachdukat Sigismund III. von Danzig, das mit mit 500.000 PLN getaxt war und bei 590.000 PLN *) (138.824 €) zugeschlagen wurde. Bei der Phaleristik war ein Unikat im Angebot: ein Kommandeurskreuz des Ordens Virtuti Militari, das das Militärmuseum für 92.000 PLN ( 21.647 €) erwarb, was zugleich das letzte Los im Saal war. Ein drittes Superangebot gab es beim Papiergeld. Dies war die Position 6.347: eine 10 Silber-Rubel-Note von 1847 (Erhaltung 5). Sie wurde mit höchster Seltenheitsstufe (R8) bezeichnet und war nach bisherigen Kenntnissen nur zweimal: 1993 und 2012 zum Verkauf angeboten worden. Geschätzt wurde der Schein mit 40.000 PLN und ging aber erst bei 140.000 PLN (32.941 €) an einen neuen Besitzer. Eine weitere Banknote dieser Epoche: ebenfalls 10 Silberrubel von 1844 erwies sich als Fälschung, weil das Wasserzeichen fehlte, aber dieses „Falschgeld“ war sehr gut gemacht, wurde aber damals nicht erkannt und lief lange Zeit um, wie die starke Abnutzung bewies und stellt ein durchaus sammelwürdiges Unikat dar. Entsprechend hoch war auch der erzielte Preis für Los-Nr.6.348: geschätzt: 20.000 PLN, vekauft für 35.000 PLN (8.235 €). Fazit für Geldscheinsammler: hohe Preise Recht gut verkauft wurden eigentlich alle Scheine, auch die der Volksrepublik Polen, bei denen es auch fast keine Rücklose gab, aber durchweg gute Preise. Das spricht dafür, dass es noch immer „Sammlernachwuchs“ gibt, denen auch viele noch günstig zu bekommende Banknoten fehlen. Wenn selbst noch umlauffähige frühe Banknoten der Republik Polen mit etwas Glück mit der Qualität und niedrigen Kontrollnummern gutes Geld bringen, wird den Banknotenliebhabern signalisiert, dass Ausgaben für die Sammlung gute Rendite bringen können. Münzsammlungen ohne Geldscheine: Torso? Allgemein ist festzustellen, dass in Polen sehr viel mehr Münzensammler zugleich auch Geldscheine sammeln. Bei uns sind die Papiergeldfreunde eine kleinere „Gemeinde“ bei der Numismatik. Es ist schwer zu erraten, warum dies so ist. Tatsache ist aber, dass in Polen sehr viele Papiergeldsammler anzutreffen sind.  Gesammelt werden die Notenbankausgaben, aber auch das viele Not- und Ersatzgeld aus polnischer wie deutscher Zeit. Vielfach werden Sammlungen ohne Papiergeld als „Torso“ bezeichnet. Großen Wert legen die polnischen Sammler bei den Notenbankausgaben auf die Serienbuchstaben und Nummern. Gibt es ein- und zweistellige Buchstaben, so werden auch diese gesammelt, sogar bei dem derzeit umlaufenden Geld. Wer also irgendwann mal Scheine einer A-Serie weggelegt hat, kann sie zu unter Umständen einem Vielfachen des Nennwertes verkaufen. Hier erzielt man „Traumpreise“, wenn es Zahlenkombinationen mit 12345… gibt, oder ganz niedrige Kontrollnummern wie B 00001234. Erfreulich ist, dass es gute Literatur für Sammler polnischer Banknoten gibt. Die Ausgabe eines 2024er Banknotenkatalogs von Parchimowicz ist noch nicht entschieden, aber frühere Werke müssen hinsichtlich der Preise unbedingt aktualisiert werden. Sahnebonbons mit Geldscheinverpackung In den Räumen des Schlosses vor dem eigentlichen Bietersaal gab es übrigens auch nicht nur Kaffe, Tee und sonstige Getränke, sondern auch Häppchen und Kuchen sowie Dinge zum Knabbern, was bei Versteigerungen wahrlich nicht die Regel ist. Nach der „Abendsitzung“ am 8. Juni 2024, wo die teuersten Raritäten versteigert wurden, wurde sogar ein hervorragendes warmes Abendessen serviert. Eine wirklich ansprechende Idee war es, Sahnebonbons anzubieten, die in Papier gewickelt waren, auf denen einige der versteigerten Raritäten, so auch der beschriebene 10-Silberrubel-Schein 1844 abgebildet waren. Reklame oder Werbung kann also auch heute noch Freude und Spaß machen, was wahrlich nicht immer der Fall ist, denken wir nur an die vielen unerwünschten Offerten auf dem Handy oder im Briefkasten, die keiner braucht und keiner will. Blick ins Netz – kein Problem Im Internetzeitalter kann man nicht nur diese 23. Auktion immer noch im Internet aufrufen, auch frühere Versteigerungen sind dort zu finden, ebenso wie die Preise und sehr gute Bilder. Der Inhaber der Firma Damian Marciniak ist im Netz ständig präsent mit kleinen Filmen zu verschiedenen Sachen. Er beschreibt das Reinigen von Münzen und zeigt auch viele andere Dinge, die mit Scheinen und Geldstücken zusammenhängen, in polnischer Sprache. Informationen zu den aktuellen und vergangenen Auktionen erhält man stets unter: https://marciniak.onebid.pl/pl/auction Man kann auch im Archiv nachforschen, ob eine Banknote oder Münze schon einmal verkauft oder angeboten worden ist und wie die Verkaufspreise waren. Das alles macht viele Recherchen heute sehr einfach. Die Adresse der Auktionsfirma lautet: MARCINIAK sp.k. Al. Jerozolimskie 65/79 oA.02 PL-00-697 Warszawa POLSKA-POLEN Wolfgang J. Mehlhausen -------------------------------------------------------------------------------------------------------- Bemerkung: *) Alle Preise: Zuschlagpreise in Zlotly (PLN) ohne Aufgeld, Kurs (Durchschnitt) zum Euro am Versteigerungstag

  • Leserpost: Varianten deutscher Banknoten, Teil 4 – 5 Milliarden Mark 1923 ohne Einfärbung

    DEU-132a ohne Einfärbung Bei einer meiner Banknoten zu 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 fehlt die violette Einfärbung auf der rechten Seite, obwohl es sich um einen Reichsdruck mit Wasserzeichen Eichenlaubstreifen handelt (siehe Abb.). Ich kann ihn deshalb weder unter DEU-132a (Ro/Gra 112a) einordnen, weil hier alle Scheine diese Einfärbung haben, noch unter DEU-133 (Ro/Gra 112c), weil der Schein hier zwar keine Einfärbung hat, aber Wasserzeichen Kreuzblüten aufweisen müsste. Sollte diese neue Variante nicht in den Katalog aufgenommen werden? K. Sokač 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 (DEU-132a), Reichsdruck, ohne violette Einfärbung. 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 (DEU-132a) ohne Einfärbung im direkten Vergleich mit der normalen Ausführung mit violetter Einfärbung. 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 (DEU-132a) ohne Einfärbung in der Durchsicht mit Wasserzeichen Eichenlaubstreifen. Antwort der Redaktion Es handelt sich eindeutig um einen Reichsdruck, bei dem die violette Färbung auf der rechten Seite zu fehlen scheint. Diese Einfärbung ist nicht immer gleich breit oder deutlich ausgeprägt, sondern oft nur schwach sichtbar. Auf jeden Fall hat ihr Schein Fasereinlagen und das Wasserzeichen Eichenlaubstreifen und ist somit ganz klar eine DEU-132a. Es war gut, dass ich das Original sehen konnte. Man könnte eine Anmerkung im Katalog aufnehmen, damit andere Sammler die Möglichkeit haben, ähnliche Noten ohne Einfärbung zu melden. Es ist aber noch viel zu früh und unsicher für mich, sie als Variante zu erfassen. Es könnte theoretisch auch sein, dass der Druck auf einem Teil des Bogens versetzt erfolgte, der nicht eingefärbt war. Wenn das der Fall wäre, dann handelt es sich um einen echten Fehldruck. Dazu brauche ich mehr belegbare Beispiele (z. B. aus der gleichen Serie in einem erkennbar kleinen Nummernbereich). Man muss auch bedenken, dass diese Scheine inzwischen 100 Jahre alt sind und in dieser Zeit vielen Umständen ausgesetzt sein konnten (z.B. Licht und Feuchtigkeit), die die Einfärbung verblassen ließen konnten. Ich habe selbst schon öfters Scheine mit stark verblassten Einfärbungen gesehen, bei denen diese erst auf den zweiten oder dritten Blick sichtbar wurde. Bei genauerer Betrachtung findet man auf dem Schein sogar einen leichten Rest der violetten Farbe, ganz besonders ist dies auf der ersten Abbildung sichtbar. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe!

  • Lexikon: Deutsche Mark

    Die Deutsche Mark (D-Mark, 1 DM = 100 Deutsche Pfennig) war die Währungseinheit der westlichen Besatzungszonen Deutschlands, der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins seit der Währungsreform vom 20. Juni 1948 bis zum 31. Dezember 2001, dem Tag vor der Einführung des Euro-Bargelds. WBZ-5, Bank deutscher Länder: 10 Deutsche Mark von 1948, eingeführt zur Währungsreform vom 20. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen und Westberlin (mit B-Kennzeichnung). Am 20. Juni 1948 kam es entsprechend Gesetz über die Neuordnung des Geldwesens zur Währungsreform, bei der alle bis dahin umlaufenden Reichsbanknoten, Rentenbankscheine und Noten der Alliierten Militärbehörde ungültig und durch neue Noten mit der Währungs- bezeichnung Deutsche Mark ersetzt wurden, die man in den USA gedruckt hatte. BRD-1M2, Bank deutscher Länder: 5 Deutsche Mark vom 9. Dezember 1948 mit der Europa auf dem Stier, Musterschein der englischen Druckerei De La Rue, Vorder- und Rückseite. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Die letzten Scheine der Bank deutscher Länder mit Datum vom 9. Dezember 1948 kamen allerdings erst 1950 bis 1952 in Umlauf. Die Deutsche Bundesbank wurde am 26. Juli 1957 gegründet und war Nachfolgerin der Bank deutscher Länder. Ihre erste Notenserie (Gemäldeserie) datiert auf den 2. Januar 1960. Die Serie wurde mit geänderten Unterschriften mit Daten von 1970, 1977 und 1980 fortgeführt. BRD-21a, Deutsche Bundesbank: 50 Deutsche Mark vom 1. Juni 1977, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). In der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands wurde als Reaktion auf die Währungsreform im Westen am 23. Juni 1948 ebenfalls eine Währungsreform durchgeführt und eine eigene Deutsche Mark als Währungseinheit geschaffen, die zunächst nach Gründung der Deutschen Demokratischen Republik weiter galt. SBZ-16M, Deutsche Notenbank: 50 Deutsche Mark von 1948, sowjetischer Druck mit MUSTER-Perforation und zusätzlichen Balkenstempeln aus dem Tresor der Staatsbank der DDR, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Die letzte DM-Serie der Deutschen Notenbank war die mit der "Aktion Blitz" eingeführte Serie von 1955 (eingeführt am 13. Oktober 1957). DDR-15M1, Deutsche Notenbank: 100 Deutsche Mark von 1955, Musterschein mit Perforation und Überdruck "MUSTER" und KN AA 0123456, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Die spätere Währungsbezeichnung änderte sich ab der Banknotenserie 1964 auf Mark der Deutschen Notenbank und mit der Umbenennung der Notenbank in Staatsbank der DDR mit Einführung einer neuen Serie von 1971 auf Mark der DDR. Nach der friedlichen Revolution in der DDR kam es am 1. Juli 1990 zur Währungsunion der Bundesrepublik und der DDR, in der an diesem Tag die Deutsche Mark eingeführt wurde. BRD-48b, Deutsche Bundesbank: 20 Deutsche Mark vom 1. Oktober 1993, Austauschnote mit Serie ZA, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Die letzte Banknotenserie der Deutschen Bundesbank über Werte in Deutscher Mark war die sog. Persönlichkeitsserie mit Daten von 1989, 1991, 1993, 1996 und 1999 (in Umlauf ab 1991). Im sog. "Kalten Krieg" hatte die Bundesbank zwei verschiedene Ersatzserien für Westdeutschland (1960) und für Westberlin (1963) drucken und einlagern lassen, die ebenfalls auf Deutsche Mark lauteten und nach der Wiedervereinigung vernichtet wurden. Für ihren Druck griff man auf bis dahin nicht verwendete Entwürfe für die erste Serie BBk I der Deutschen Bundesbank zurück. BRD-61a, Deutsche Bundesbank: 5 Deutsche Mark vom 1. Juli 1963 der Ersatzserie für Westberlin, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Nicht unerwähnt sollen die Bundeskassenscheine des Bundesfinanzministers ohne Datierung (1967) bleiben, die ebenfalls im "Kalten Krieg" in DM-Währung gedruckt und für den Krisen- und Kriegsfall eingelagert worden waren, für den Kleingeldmangel zu erwarten war. Auch diese Bestände wurden nach der Wiedervereinigung vernichtet. BRD-69a, Bundesfinanzminister: Bundeskassenschein über 1 Deutsche Mark ohne Datum, 1967, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/24 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe ... Zum Buch ...

  • Die Heimschaffung, Teil 1

    Wie die Versorgung der Schweiz mit Banknoten während des Zweiten Weltkriegs gelang Mit der Ausgabe der zweiten Banknotenserie ab 1911[1] hatte sich die Schweizerische Nationalbank entschieden, Banknoten in den Wertstufen zu 50 bis 1000 Franken nicht in der Schweiz drucken zu lassen, sondern durch die Firma Waterlow & Sons in London. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte sich daran nichts geändert. Zwar war der Druck von Scheinen zu 5 und 20 Franken der Schweizer Druckerei Orell Füssli in Zürich übertragen worden. An eine Vergabe des Druckauftrages in die Schweiz auch für die höheren Wertstufen traute sich die SNB jedoch nicht, obwohl Orell Füssli diesbezüglich immer wieder an die SNB herangetreten war. Die Qualität der in London im Stahlstich gedruckten Banknoten schien Schweizer Druckerzeugnissen überlegen, gleichwohl Orell Füssli mit der ab 1930 ausgegeben Banknote zu 20 Franken Typ „Pestalozzi“[2] erstmals eine Banknote im Tiefdruck anfertigte, der dem für die Vorgängernote Typ „Vreneli“ verwendeten Stein- bzw. Offsetdruck hinsichtlich der Fälschungssicherheit überlegen war. An der Vergabe des Druckauftrages nach London wollte man seitens der SNB nicht rütteln, weil man sich von den durch eine international tätige Banknotendruckerei hergestellten Noten die Einhaltung bestmöglicher Standards hinsichtlich des Fälschungsschutzes versprach. Gebäude von Waterlow & Sons im Londoner Stadtteil Finsbury, um 1934. Quelle: https://www.gracesguide.co.uk/File:Im1934BCI-Water07.jpg Unter normalen Umständen konnten die von Waterlow & Sons gedruckten Noten innerhalb weniger Tagen von London nach Bern speditiert werden. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurden bei der SNB die Sorgenfalten hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Banknotenversorgung aus London tief – wie konnte für den Fall, dass die Transportwege von London in die Schweiz unterbrochen wären, sichergestellt werden, dass die Versorgung der Schweiz mit Banknoten nicht ausbliebe? Schon während des Ersten Weltkriegs war der Transport von Banknoten aus London zeitweilig unterbrochen gewesen. Würde eine solche Situation erneut eintreten? Immerhin führte der Transportweg der Scheine in England per Zug bis zur englischen Kanalküste, sodann per Schiff über den Ärmelkanal nach Frankreich und von dort weiter per Bahn nach Bern. England und Frankreich befanden sich im Kriegszustand mit Deutschland, es drohten Angriffe insbesondere auf den Schiffsverkehr über den Ärmelkanal durch deutsche U-Boote. Die SNB begann mit den Vorbereitungen zur Schaffung von Reservenoten im Falle einer Knappheit bei der Banknotenversorgung aus London. Ein erster Schritt war der ab November 1939 eingeleitete Überdruck von 30 Serien der von Orell Füssli gedruckten 100-Frankennote Typ „Tell“ mit Ausgabedaten von 1918 bis 1920[3]. Eine Vorgängerversion dieses Scheins mit leicht verändertem Kopfbildnis[4] war schon im September 1918 ausgegeben worden, erwies sich jedoch wegen der Druckausführung als nicht ausreichend fälschungssicher und musste daher zurückgerufen werden. Die Scheine erhielten einen Sicherheitsaufdruck, der den Fälschungsschutz verbessern sollte. Das Ganze blieb eine Übergangslösung für den Notfall. Die SBN blieb von Banknotenlieferungen aus England abhängig. Reservenote zu 100 Franken mit Datum 4. Dezember 1942, gedruckt bei Orell Füssli in Zürich. Die Note wurde nie ausgegeben. In den ersten Monaten nach Kriegsausbruch blieben Kampfhandlungen in Westeuropa aus. Mit der als „drôle de guerre“ (komischer Krieg) bezeichnen Anfangsphase des Zweiten Weltkrieges in Westeuropa trat ein Zustand ein, in dem Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich zwar den Krieg erklärt hatten[5], die Kriegsparteien sich militärisch jedoch weitgehend passiv verhielten. In Bern und Zürich fragte man sich, ob und wie lange dieser Zustand anhalten würde. Konnte man weitere Banknotentransporte über das Territorium von Staaten im Kriegszustand in die Schweiz riskieren, und Waterlow & Sons neue Druckaufträge erteilten? Die SNB entscheid sich schließlich, dieses Risiko einzugehen. Anfang November 1939 – zwei Monate nach Kriegsausbruch – traf ein planmäßiger Transport von Banknoten in Bern ein. Es handelte sich um 350.000 Scheine zu 100 Franken und 400.000 Scheine zu 50 Franken. Der Transport dauerte 3 ½ Tage und wurde durch die Firma Machinery & Technical Transport mit Sitz in London organisiert[6]. Trotz des seit zwei Monaten herrschenden Kriegszustandes erfolgte die Verladung per Schiff über den Ärmelkanal und weiter per Zug durch Frankreich reibungslos. Die SNB profitierte – trotz kriegsbedingt erhöhter Transportkosten – sogar noch von rund 11% günstigeren Druckkosten gegenüber dem letzten Auftrag zu Friedenszeiten, denn der Wechselkurs des englischen Pfundes war mit Kriegsausbruch gegenüber dem Schweizer Franken gefallen. Durch die SNB waren bei Waterlow & Sons bereits weitere Noten bestellt worden, über deren geplante Auslieferung in der Direktoriumssitzung vom 3. November 1939 durch das für die Bargeldversorgung zuständige II. Department des SNB wie folgt berichtet wurde: 200.000 Stück zu 1000 Franken (Serien 1M und 1N mit Ausgabedatum 7. September 1939), versandbereit am 12. Dezember 1939 und am 17. Januar 1940; 200.000 Stück zu 500 Franken (Serien 1J und 1K mit Ausgabedatum 7. September 1939), versandbereit am 27. Dezember 1939 und am 31. Januar 1940; 1.000.000 Stück zu 100 Franken (Serien 9C bis 9M mit Ausgabedatum 3. August 1939), monatlich 4 Serien, versandbereit bis Mitte März 1940, sowie 1.000.000 Stück zu 50 Franken (Serien 9G bis 9Q mit Ausgabedatum 3. August 1939), ebenfalls monatlich 4 Serien bis versandbereit bis Mitte März 1940. Da im Dezember 1939 erneut ein Transport aus London wohlbehalten in Bern eintraf, war man guter Dinge, dass die Transportwege in die neutrale Schweiz trotz des Krieges weiter offenbleiben würden. Daher entschied die SNB, Waterlow & Sons mit weiteren Druckaufträgen zu betrauen. Am 19. Februar 1940 beauftragte man je 1 Millionen Noten zu 50 Franken und zu 100 Franken. Ein weiterer Transport Schweizer Noten aus London erreichte Bern planmäßig Anfang Mai 1940. Es sollte vorerst der letzte bleiben. Traf mit dem letzten planmäßigen Transport aus London Anfang Mai 1940 in Bern ein: Banknote zu 50 Franken mit Ausgabedatum 3. August 1939, Kontrollnummer 9N 030901. Mit dem Ausbruch von Kampfhandlungen in Westeuropa ab Anfang Mai 1940 änderte sich die Situation schlagartig: Am 10. Mai 1940 besetzte die Deutsche Wehrmacht die Niederlande und Belgien, am 25. Juni 1940 trat ein Waffenstillstand mit Frankreich in Kraft; Teile Frankreichs wurden durch deutsche Truppen besetzt. Ein für Ende Mai 1940 geplanter Transport per Schiff von Liverpool nach Bordeaux und von dort über Lyon nach Bern wurde zunächst verschoben und sodann durch Waterlow & Sons am 17. Juni 1940 endgültig storniert: Der Landtransportweg durch Frankreich war blockiert. Ab Juli 1940 setzten zudem massive deutsche Luftangriffe auf England ein, die auch die Produktionsstätten bei Waterlow & Sons beschädigten, wobei die SNB über das Ausmaß der Schäden und die Auswirkungen der Kriegsereignisse auf den Banknotendruck für die Schweiz zunächst keine Vorstellungen hatte. Eine deutsche Invasion in England stand zu befürchten. Der Versorgung der Schweiz mit Banknoten aus Londoner Produktion stand unvermittelt auf der Kippe. Mitte Juli 1940 entschied die SNB, trotz unterbrochener Transportwege Waterlow & Sons mitzuteilen, dass der Druck der Banknoten zu 50 und zu 100 Franken, der im Februar 1940 beauftragt worden war, fortgesetzt werden sollte, sofern die Kriegsverhältnisse in England eine weitere Tätigkeit von Waterlow & Sons überhaupt gestatteten. Allerdings wurde der Druckauftrag auf die Hälfte des ursprünglich erteilten Auftragsvolumens beschränkt. Man hoffte, dass eine – wenn auch zeitlich gestreckte – Ausführung des erteilten Druckauftrages in London noch möglich sein würde. Mitte August 1940 konnte das II. Department der SNB dem Direktorium mitteilen, dass Warterlow & Sons die Serien 9N bis 9R der Scheine zu 100 Franken sowie die Serien 9R bis 9V der Scheine zu 50 Franken habe fertigstellen können. Diese lägen in London bereit, könnten aber nicht versandt werden. Trotz der noch nicht erfolgten Ablieferung – erst einen Monat nach Lieferung wurde die Vergütung von Waterlow & Sons zur Zahlung fällig – entschloss sich die SNB, die Hälfte der bereits fertig gestellten Noten (also ein Viertel des gesamten Druckauftrages) zu bezahlen. Wie und auf welchen Wegen konnten die fertig gedruckten Scheine aus den Tresoren von Waterlow & Sons in London in die Tresore der SNB nach Bern gelangen? Überlegungen dazu setzen ein sowohl bei der SNB als auch bei Waterlow & Sons, mit denen die SNB per Brief (deren Laufzeit mehrere Wochen betrug) sowie über Radiogramm[7] in Verbindung blieb. Da sich für das Transportproblem keine schnelle Lösung abzeichnete, entschied das Direktorium der SNB, mit der Freigabe der zweiten Hälfte des ursprünglichen Auftrages vom Februar 1940, sowie mit weiteren Aufträgen noch abzuwarten . Erst in der Direktoriumssitzung vom 30. Oktober 1941 wurde auf Anregung von Bankratspräsident Dr. Bachmann beschlossen, die noch ausstehende zweite Hälfte der Druckauftrages vom Februar 1940 bezüglich der 50-Frankennote wieder anzustoßen und deswegen mit Waterlow & Sons Kontakt aufzunehmen. Überlegt – und später wieder verworfen - wurde zugleich, neben den Unterschriften auch die Serien und Nummern nunmehr in der Schweiz auf die von Waterlow & Sons gelieferten Notenformulare aufdrucken zu lassen, damit im Falle eines Verlustes der Noten auf dem Transport keine ausgabefertigen Scheine in unbefugte Hände gelangten, die man nur schwer hätte aus dem Umlauf zurückrufen können. Am 19. November 1941 erhielt Waterlow & Sons schließlich den Auftrag zur Fertigstellung des Druckauftrages vom Februar 1940, und zwar für die Serien 9W bis 10A der Scheine zu 50 Franken und die Serien 9S bis 9W der Scheine zu 100 Franken, beide mit Ausgabedatum 15. Februar 1940. Denn zwischenzeitlich hatte ein Teil der im August 1940 fertig gestellten Scheine auf abenteuerlichen Wegen die Schweiz erreicht. Hier geht es zur Fortsetzung. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Richter/Kunzmann CH 1-3, 7-9, 13-15, CH 21-23; Pick P.5/34, 6/28,35; 7/29/36 und 6/30/37 [2] Richter/Kunzmann CH 29, Pick 39 [3] Richter/Kunzmann RS4, Pick 10. [4] Richter/Kunzmann CH14, Pick 9. [5] Am 3.September 1939. [6] Protokoll der Direktoriumssitzung vom 3. November 1939. [7] Ein durch Funk übermitteltes Telegramm.

  • Aus privaten Sammlungen: Abstempelung des Befehlshabers Saloniki-Ägäis 1944

    Nach der italienischen Annexion Albaniens im April 1939 hatten Großbritannien und Frankreich für die Unabhängigkeit Griechenlands garantiert. Am 28. Oktober 1940 richtete Mussolini dennoch ein Ultimatum an das neutrale Land. Nach dessen Ablehnung überfiel er Griechenland mit seinen völlig unvorbereiteten Truppen und ohne Abstimmung mit dem deutschen Verbündeten, wurde aber bald von griechischen und britischen Truppen bis auf albanisches Gebiet zurückgeschlagen. Hitler gab am 12. November 1940 die Weisung zur Vorbereitung eines Angriffs auf Griechenland, um den verbündeten Italienern beizustehen. Der deutsche Angriff begann am 6. April 1941 und bereits am 27. April fiel Athen. Am 1. Mai 1941 wurde eine neue griechische Regierung unter deutsch-italienischer Besatzung gebildet. Im September/Oktober 1944 wurde Griechenland von der Wehrmacht geräumt – bis dahin herrschte Wirtschaftskrise, Inflation und Hunger. Die letzten deutschen Soldaten verließen das griechische Festland am 31. Oktober 1944. Auf einigen Inseln, wie z.B. Kreta, hielten sich sogar noch deutsche Kampfverbände bis Kriegsende. Einige Behelfszahlungsmittel der Wehrmacht kommen mit Abstempelungen des Befehls- habers Saloniki-Ägäis vor, die in Makedonien und Nordgriechenland kursierten und aus der Endzeit der deutschen Besatzung stammen. Sie dienten wahrscheinlich sogar als Notgeld für die Zivilbevölkerung. 1 Reichspfennig entsprach dabei 625.000 Griechischen Drachmen. Die Scheine tragen einen roten Stempel der Hauptverwaltung in Makedonien in griechischer und einen violetten oder blauen Wehrmachtsstempel in deutscher Sprache. Vom letzteren sind drei Varianten bekannt: "Befehlshaber Saloniki-Ägäis 7", "Wehrmachtintendant beim Bfh. Griechenland" und "Wehrmachtintendant Griechenland, Außenst. Saloniki-Ägäis". Derart abgestempelte Scheine sind selten. Objekttyp: Militärgeld (Behelfszahlungsmittel für die Deutsche Wehrmacht), nach Abstempelung als Notgeld genutzt Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Authentizität: Original (Abbildungsvorlage für Katalog) Land/Region/Ort: Großdeutsches Reich, besetztes Griechenland, Makedonien Emittent: Deutsche Wehrmacht: Befehlshaber Saloniki-Ägäis Nominal: 10 Reichspfennig = 6.250.000 Griechische Drachmen Datierung: ohne Datum (1944) Vorderseite: Wehrmachtsadler im Unterdruck, zwei Siegel der Deutschen Wehrmacht Rückseite: unbedruckt, ein Stempel des Befehlshabers Salonki-Ägäis sowie ein griechischer Behördenstempel (Griechischer Staat – Hauptverwaltung Makedonien) Material: hellgrünes Papier mit Wasserzeichen Kreuzblüten Format: 110 mm x 55 mm Nummerierung: ohne Gültigkeit: September 1944 bis 1945 Zitate: ZWK-105 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) Ro/Gra 507 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) SCWPM M21 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues: Greece) B2103a (Linzmayer: The Banknote Book – Greek) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Bestellung über den Verlags-Shop

  • Aus Swaziland wird eSwatini: Neue 200-Emalangeni-Note

    In dem kleinen afrikanischen Königreich ist eine neue 200-Emalangeni-Note in Umlauf, die in ihrer Gestaltung der bisherigen Note des gleichen Nominals (vgl. SWZ-40 bzw. Linzmayer B238) entspricht, aber auf der Rückseite einen neuen Banknamen (Central Bank of eSwatini statt Central Bank of Swaziland) aufführt. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com #Nachrichten #Weltbanknoten #Afrika #Swaziland #Emalangeni #Grabowski

  • Lexikon: Klasen, Dr. Karl

    Karl Klasen wurde am 23. April 1909 in Hamburg geboren. 1933 schloss er ein Studium der Rechtswissenschaften mit Promotion als Dr. jur. an der Universität Hamburg ab. Dr. Karl Klasen, Präsident der Deutschen Bundesbank 1970 – 1977. Abb. Deutsche Bundesbank. Vom 1. April 1948 bis 31. Mai 1952 war er Präsident der Landeszentralbank der Hansestadt Hamburg, von 1957 bis 1969 Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und vom 1. Januar 1970 bis 31. Mai 1977 Präsident der Deutschen Bundesbank. Seine Unterschrift findet sich auf den Noten der Deutschen Bundesbank mit Datum von 1970. Dr. Karl Klasen starb am 22. April 1991 in Hamburg. Deutsche Bundesbank: Muster eine Bundesbanknote zu 50 Deutschen Mark vom 2. Januar 1970 mit Faksimile-Unterschrift von Karl Klasen (links). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Grabowski / Mehlhausen: Handbuch Geldscheinsammeln Ein Leitfaden für Geldscheinsammler und solche, die es werden wollen – Tipps, Tricks und Infos vom Fachmann Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-249-6 Auflage: Aktualisierte 2. Auflage 2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 224 Preis: 19,90 EUR Leseprobe Zum Shop

  • Wahre Verbrechen: Die „Lindbergh-Dollars“

    1927 überquerte Charles A. Lindbergh (1902 – 1974) als erster Mensch der Welt im Alleinflug den Atlantik von New York nach Paris. Das machte ihn schlagartig auf der ganzen Welt berühmt und zu einem gefeierten Helden der noch jungen Luftfahrt. Charles Lindbergh um 1928, mit Helm und Schutzbrille, im offenen Cockpit eines Flugzeugs in Lambert Field, St. Louis, Missouri. In den 1930er Jahren machte ein unfassbares Verbrechen international Schlagzeilen: Die Entführung und Ermordung des Sohns von Atlantik-Überflieger Lindbergh. Am 1. März 1932 wurde das 20 Monate alte Kind im Kinderzimmer der Lindberghs in Hopewell/New Jersey vermisst – gefunden wurde auf dem Fensterbrett eine Lösegeldforderung über 50.000 Dollars. Die „Buffalo Evening News“ titelte am 2. März 1932 „Lindbergh-Baby entführt / umfangreiche Fahndung erfolglos“. Charles Lindbergh Jr., restauriertes Foto von einem Poster, mit dem 1932 nach dem Kind gesucht wurde. Der Entführer forderte die Summe in drei Wertstufen: 25.000 Dollars in 20-Dollars-Noten, 15.000 Dollars in 10-Dollars-Noten und 10.000 Dollars in 5-Dollars-Noten. Der Text lautete „Dear Sir! / Have 50 000 $ redy. 25 000 $ in / 20 $ bills 15 000 $ in 10 $ bills / and 10 000 $ in 5 $ bills. After 2–4 days / we will inform you were to deliver / the many. / We warn you for making / anyding public or for notify the police / the child is in gut care. / Indication for all letters are / singnature and 3 holes.“ Die Lindberghs waren bereit, das Geld zu zahlen. Schreiben mit der 50.000-Dollars-Forderung; 1.250 Noten zu 20 $, 1.500 Noten zu 10 $ und 2.000 Noten zu 5 $ – nach heutigem Wert fast eine Million US-Dollars. Die Lösegeldforderung war in schlechtem Englisch verfasst; die Polizei deutete das auf einen deutschen oder skandinavischen Absender. Die Analyse bestätigte sich durch die späteren Ermittlungen als richtig. Am 4. März 1932 wurde im New Yorker Stadtteil Brooklyn ein zweites Lösegeld-Schreiben an Lindbergh abgeschickt, in dem die Lösegeldforderung um 20.000 Dollars auf nunmehr 70.000 Dollars erhöht wurde. Dr. John F. Condon, ein Vertrauter der Lindberghs und pensionierter Schulleiter aus New York, erhielt von Lindbergh am 10. März 1932 die 70.000 US-Dollars in bar und die Vollmacht zu Verhandlungen mit dem Unbekannten. Der Entführer drohte mit einer weiteren Erhöhung des Lösegelds auf 100.000 US-Dollars, falls Lindberghs Vermittler und Unterhändler seinen Forderungen nicht nachkommen. Man verständigte sich über Zeitungsanzeigen und in konspirativen Treffen. Der Kidnapper hatte insgesamt 13 Schreiben verfasst. Vor der Geldübergabe am 2. April 1932 auf dem Woodlawn-Friedhof an der Webster Avenue in der nördlichen Bronx/NY hatte das BOI (Bureau of Investigation, ab 1935 in FBI umbenannt) 250.000 Broschüren mit den Kontrollnummern aller Scheine drucken lassen, die vorwiegend im Großraum New York verteilt wurden. Am 26. Mai 1932 wurden von der New Jersey State Police eine Belohnung in Höhe von 25.000 Dollars für Informationen in Aussicht gestellt, die zur Festnahme des Entführers führen sollten. Das tote Lindbergh-Baby wurde am 12. Mai 1932 etwa sieben Kilometer von Lindberghs Haus gefunden. Titel der Broschüre und Seite 3 mit den Kontrollnummern von 5-Dollars-Scheinen. 5 US-Dollars 1928, Vorderseite, US Note, KN und Siegel in Rot, Porträt Abraham Lincolns, 16. Präsident der USA. 5 US-Dollars 1928, Rückseite, US Note, Ostansicht des Lincoln Memorial im West Potomac Park in Washington/DC (zwischen 1915 und 1922 erbaut). Über 19.000 Polizeibeamte waren an der Aufklärung des Falls beteiligt. Mit Arglist der Ermittler war die Lieferung der 10- und 20-Dollars-Scheine in sog. Gold Certificates erfolgt: diese Geldscheine mussten gemäß Executive Order 6102 bis zum 30. April 1933 eingetauscht werden. Dadurch wurde der Entführer in Zeitnot gezwungen, diese Scheine innerhalb eines Jahres auszugeben bzw. umzutauschen. 10 US-Dollars 1928, Vorderseite, Gold Certificate, KN und Siegel in Gelb, Porträt Alexander Hamiltons, erster Finanzminister der USA. 10 US-Dollars 1928, Rückseite, Gold Certificate, Nordansicht des US Treasury Building an der Pennsylvania Avenue in Washington/DC, Sitz des Finanzministeriums. Über ein Jahr lang hatte das Bureau of Investigation im Fall Lindbergh keine „heiße Spur“. Erst am 1. Mai 1933 wurden Lösegeldscheine eingezahlt und am folgenden Tag als solche in der Federal Reserve Bank of New York in Lower Manhattan erkannt. Das waren 2.980 US-Dollars (= 296 Zehner und 1 Zwanziger) in Goldscheinen. Umgehend wurden die Einzahlungsbelege vom 1. Mai geprüft; darauf waren Name und Adresse vermerkt: J. Faulkner und 537 West 149th Street. Dort lebte niemand mit dem Namen; logischerweise hatte der Einzahler nicht seinen wirklichen Namen und richtige Adresse hinterlassen. Die Beamten fanden jedoch heraus, dass 1913 dort eine Frau Jane Faulkner wohnte. Nach ihrer Hochzeit mit einem Deutschen war sie weggezogen. Beide hatten jedoch mit der Entführung nichts zu tun. Erst eineinhalb Jahr später wurden im Spätsommer 1934 weitere 16 „Lindbergh-Dollars“ registriert, obwohl die Polizei bis dahin gehofft hatte, dass sich jemand mit einer größeren Menge Golddollars-Scheinen verdächtigt machen würde. 20 US-Dollars 1928, Vorderseite, Gold Certificate, KN und Siegel in Gelb, Porträt Andrew Jacksons, 7. Präsident der USA. 20 US-Dollars 1928, Rückseite, Gold Certificate, Südansicht The White House, Wohnsitz und Arbeitsort der US-Präsidenten, an der Pennsylvania Avenue in Washington/DC. Nach insgesamt zweieinhalb Jahren glückte der Polizei doch noch die Aufklärung des Verbrechens ... durch „Kommissar Zufall“. Am frühen Nachmittag des 18. September 1934 informierte ein Mitarbeiter der New Yorker Corn Exchange Bank and Trust Company das NY City Bureau, dass man einen 10-Dollars-Lösegeldschein gefunden habe. Vorgelegt hatte ihn der Besitzer einer Tankstelle an der Kreuzung East 127th Street/Lexington Avenue. Am 15. September 1934 hatte ein Unbekannter, der der Fahndungszeichnung ähnelte, mit dem Schein für die getankten knapp 20 Liter Benzin bezahlt. Der Tankwart wurde misstrauisch und schrieb das Nummernschild auf den Zehner: NY / 4U 13·41. Damit war es ein Leichtes, den Halter zu ermitteln und die Verhaftung vorzubereiten. Das Kfz-Kennzeichen wurde an einen Bruno Richard Hauptmann, 1279 East 222nd Street, Bronx/NY, vergeben. Hauptmanns Haus wurde observiert, um 9.00 Uhr am 19. September 1934 wurde er verhaftet, als er in sein Auto steigen wollte. In seiner Garage fand man in einem Benzinkanister 14.600 Dollars (474 Zehner und 493 Zwanziger) in Goldzertifikaten des Lösegelds; ebenso die Schuhe, die er am 8. September 1934 mit einem 20-Dollars-Schein gekauft hatte. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die Leiter, die bei der Entführung benutzt wurde, aus einer Dachlatte in Hauptmanns Werkstatt gefertigt worden war. Bei der Gegenüberstellung in der Nacht des 19. September 1934 wurde Hauptmann vom Taxifahrer Joseph Perrone eindeutig als Überbringer eines der Schreiben mit Lösegeldforderung identifiziert. Hauptmann gab mehrere Käufe zu, die mit Lösegeldscheinen bezahlt wurden. Nach Anklagen am 26. September 1934 in New York wegen Erpressung und nach einer weiteren am 8. Oktober 1934 in Flemington/NJ wegen Mordes begann der Hauptprozess am 3. Januar 1935 und dauerte fünf Wochen. Nach Bekanntgabe des Urteils durch die Jury am 13. Februar 1935 – schuldig des Mordes ersten Grades – bestritt er bis zu seinem Tod am 3. April 1936 wiederholt seine Schuld. Richard Hauptmann, ein wegen Raub vorbestrafter Tischler aus dem sächsischen Kamenz ging Anfang Juli 1923 in Bremen als blinder Passagier an Bord der „Hannover“, erreichte am 13. Juli 1923 New York City, wurde verhaftet und ausgewiesen. Im August 1923 scheiterte eine weitere illegale Einreise über Kanada, er schaffte es aber im November 1923. Hauptmann wurde im New Jersey State Prison in Trenton auf dem „elektrischen Stuhl“ hingerichtet. Nicht einmal die Hälfte des übergebenen Lösegelds wurde je gefunden oder registriert. In Finn’s Report vom 28. September 1934 findet sich die Aufstellung aller angehaltenen Lösegeldscheine. Ein weiterer Beitrag über Lösegeldforderungen in den USA, bis heute ungeklärt, erscheint demnächst hier im Geldschein-Blog! Michael H. Schöne Quellen: https://en.wikipedia.org https://lindberghkidnap.proboards.com https://numismatics.org https://www-fbi-gov https://www.rrauction.com http://www.lindberghkidnappinghoax.com (Die abgebildeten Geldscheine zeigen die Notentypen von 1928 mit den Unterschriften von Schatzmeister Walter Orr Woods sowie von Finanzminister Andrew William Mellon und wurden während ihrer gemeinsamen Dienstzeit vom 18. Januar 1929 bis 12. Februar 1932 gedruckt.)

www.geldscheine-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page