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  • Der Gulden: Etymologie und Verbreitung

    Bei dem Währungsbegriff „Gulden“ denkt man zunächst an die früher vor allem in Süddeutschland und Österreich umlaufende Währung. Der Name geht auf die im 13. Jahrhundert in Florenz erstmals geprägten Goldmünzen zurück. Fiorino steht für Florenz mit der Florentiner Lilie im Wappen, die auch die erste Goldmünze der Republik Florenz zierte. Die Accademia della Crusca, eine in Florenz ansässige Gesellschaft von Gelehrten der italienischen Linguistik und Philologie, vertritt die Theorie, dass Florentia ein Name ist, der Glück symbolisiert: „Mögest du blumig sein“ (Fiore = Blume). Abb.1: Fiorino d’oro (o. J., von 1252 bis 1303 geprägt), Goldmünze, Umschrift Vs.: @FLOR ENTIA = Florenz, Umschrift Rs.: @·S˙IOHA NNES˙B = Sanctus Johannes Baptista (Quelle: www.sunflower.ch) Der Name „Gulden“ ist somit die mittelhochdeutsche Übersetzung von fiorino d’oro = guldîner florîn. Erste Belege finden sich im „Urkunden-Buch des Landes ob der Enns“ [1] aus dem Jahr 1348: „... segsthalb hundert guldein phenning floryn ...“. Auch in „Ottokars österreichischer Reimchronik“ heißt es: „... der grâve Albreht nam ... zweinzic tûsent phenninge / guldîner florîn ...“. [2] Und in einem Gedicht: „... zwelf pfunt guldîner pfenning ...“. [3] Aus dem Adjektiv „guldîn“ (= golden) entstand im Neuhochdeutschen das Substantiv „Gulden“. Bereits im Althochdeutschen [4] sprach man von „guldīn“, das auf das germanische „gulþīna“ zurückgeht und sich vom indogermanischen „g̑hel“ ableiten lässt. Auch das heutige „Gelb“ ist mit dem Begriff „Gulden“ verwandt. Aus dem indogermanischen „gwhel“/„ghltom“ wurde im Althochdeutschen „gelo“ und im Mittelhochdeutschen [5] „gel“ (das fehlende „b“ stammt von der gebeugten Form „gelw“ und hatte ursprünglich die Bedeutung „glänzend, schimmernd, hell“). Guldenmünzen waren bis zum Druck der ersten Guldenbanknoten sowohl in Europa als auch in Übersee weit verbreitet ... auch in den sprachlichen Entsprechungen der jeweiligen Länder. Gulden In den Ländern auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs wurden Guldenbanknoten zuerst 1836 im Königreich Bayern gedruckt, es folgten die Ausgaben im Herzogtum Nassau 1840, in der Grafschaft Solms-Laubach 1847, im Großherzogtum Hessen-Darmstadt 1848, im Königreich Württemberg und im Großherzogtum Baden 1849, in der Freien Stadt Frankfurt und in der Landgrafschaft Hessen-Homburg 1855 sowie vom Bürgermeisteramt Kaiserslautern 1870. Abb. 2: 10 Gulden, 1. Juni 1836, Banknote, Vs., Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank München (Quelle: G+D Stiftung Geldscheinsammlung/www.geldscheinsammlung.de). Frühere Guldenscheine sind aus Österreich bekannt: Vor der Ausgabe der Wiener-Stadt-Banco-Scheine ab 1782 beabsichtigte die Stadt Wien bereits 1759, sogenannte Zahlungspapiere zu drucken. Es sind jedoch nur Formulare bekannt, obwohl die folgende Abbildung eines 20-Gulden-Scheins in stark gebrauchter Erhaltung vorliegt. Abb. 3: 20 Gulden, 1. November 1759, Zahlungspapier, Vs.,Peter Joseph v. Kofler, Bürgermeister von Wien (Quelle: https://sammlung.wienmuseum.at). 1811 wurden Einlösungsscheine eingeführt, um die Banco-Zettel im Verhältnis 1:5 aus dem Verkehr ziehen zu können. Zu diesem Zweck wurde 1810 die „Privilegirte vereinigte Einlösungs- und Tilgungs-Deputation“ eingerichtet. Die Scheine zu 1 bis 100 Gulden waren teilweise vom 20. Juni 1811 bis zum 1. Juli 1858 im Umlauf. Abb. 4: 1 Gulden,1. März 1811, Einlösungsschein, Vs., Privilegirte vereinigte Einlösungs- und Tilgungs-Deputation (Quelle: Aurea Numismatika Praha). Auf ihnen wurden neben der Wertbezeichnung "Gulden" die Übersetzungen in Ungarisch ("forint"), Tschechisch/Slowakisch ("zlatý") und Polnisch ("ryński" = Rheinischer Gulden) und in den jeweiligen Pluralformen hinzugefügt. Auf dem 1-G.-Schein ist „Geden zlatý“ zu lesen, das Zahlwort müsste aber „Jeden“ lauten und es handelt sich wahrscheinlich um einen Druckfehler. Auf den späteren Staatsnoten der K.u.K. Staats-Central-Casse wurden mehrsprachige Wertangaben gedruckt. Die letzten österreichischen Guldenbanknoten hatten nur noch deutsche und ungarische Aufdrucke und waren teilweise bis 1904 im Umlauf. Der Gulden war in den niederländischen Kolonien weit verbreitet und blieb im Mutterland bis 2002 die gültige Währung. Die ersten Guldenbanknoten kamen nach der Gründung des Königreichs der Niederlande 1813 in Umlauf: Ab 1814 gab die Nederlandsche Bank Banknoten von 25 bis 1000 Gulden aus. Daneben emittierte das Finanzministerium auf Gulden lautende Muntbiljets und Zilverbons. Abb. 5: 50 Gulden, 15. September 1853, Munt-Biljet, Vs., Finanzministerium (Quelle: https://www.numisbids.com). Gulden-Banknoten aus dem 19. Jahrhundert sind auch für die Schweiz belegt. In der US-amerikanischen Druckerei Draper, Toppan, Longacre & Co. in Philadelphia wurde 1838 für die Bank von St. Gallen eine erste Serie mit Noten zu 10, 50 und 100 Gulden hergestellt. Eine zweite Serie mit den gleichen Nennwerten folgte 1858. Alle Banknoten wurden nach und nach bis 1882 aus dem Verkehr gezogen. Abb. 6: 50 Gulden, 18__, Anweisung, entwerteter Musterschein, Vs., Die Bank in St. Gallen (Quelle: https://www.bavarikon.de). Eine weitere Guldenwährung wurde nach dem Ersten Weltkrieg in der Freien Stadt Danzig am 20. Oktober 1923 eingeführt. Um die Inflation einzudämmen, musste in der ehemaligen Hansestadt eine neue Finanzordnung geschaffen werden. Die Ausgabe neuer Banknoten in deutscher oder polnischer Mark wurde vom Senat abgelehnt; auch eine neue Talerwährung (wie 1857 bis 1873) wurde nicht favorisiert. Auch durch den Einfluss der Bank von England entschied man sich in Danzig für die Einführung eines „Danziger Gulden“. Vor der Gründung der Bank von Danzig wurden in zwei Serien Banknoten der Danziger Zentralkasse ausgegeben. Ab dem 7. März 1924 wurden Banknoten zu 10, 25, 500 und 1000 Gulden in Umlauf gebracht, die bis zum 31. Dezember 1924 gültig waren. Die Guldenbanknoten wurden über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren in der englischen Wertpapierdruckerei Bradbury, Wilkinson & Co. hergestellt. Abb. 7: 50 Danziger Gulden, 1. November 1923, Kassenschein, Vs., Danziger Zentralkasse AG, gedruckt bei der ortsansässigen Firma Julius Sauer (Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek). Guilder Die Ableitung vom holländischen Gulden wurde in englischer Übersetzung für den Druck von Geldscheinen der britischen Kolonien Demerary und Essequebo verwendet. Nach der Eroberung der Kolonie durch Großbritannien im Jahr 1814 war der Guilder 20 Stivers wert. Ab 1830 gaben die Behörden Geldscheine zu 22, 44, 66, 220 und 440 Guilders (= 1, 2, 3, 10 und 20 Joes) heraus. Vor Ort wurden die Scheine „Joe Notes“ genannt und entsprachen einem brasilianischen Peça. Es sollen auch „Half Joe Notes“ im Umlauf gewesen sein – entsprechend der Erwähnung auf Seite 242 in „The Laws of British Guiana“ von 1870. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1837 geben die Stückzahlen der jeweiligen Nominale an: 1 Joe (13.258 Stück), 2 Joes (8.189), 3 Joes (4.201), 5 Joes (3.150), 10 Joes (1.700) und 20 Joes (1.250). 1839 wurde diese Kolonialwährung (Colonial Currency) durch den britischen Guayana-Dollar ersetzt. Unter der Herrschaft von George III. und William IV. wurden auch Münzen zu 1, 2 und 3 Guilders geprägt, ebenso wie ¼ und ½ Guilder-Stücke und 22 Guilder-Goldmünzen. Abb. 8: 1 Joe = 22 Guilders, 1. Mai 1830, Sicherungsschein, Vs., Kolonie Demerary und Essequebo (Quelle: https://en.wikipedia.org). Forint Die ersten Forint-Scheine wurden während der Revolution von 1848/49 in Ungarn gedruckt. Auch die verschiedenen Übersetzungen in die Sprachen des ehemaligen Vielvölkerstaates wurden verwendet. Alle Bezeichnungen gehen auf „Florentia“ zurück. Abb. 9: 5 Forint, 1. September 1848, Banknote, Vs., Ungarische Handelsbank (mit der Unterschrift des Finanzministers L. Kossuth). Nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution floh Lajos Kossuth über die heutige Türkei nach England und emigrierte 1851 in die USA, wo er bei der bekannten Wertpapierdruckerei Toppan, Carpenter, Casilear & Co. in Philadelphia Forint-Scheine drucken ließ. Es waren Spendenscheine, mit denen Kossuth Geld für seine Rückkehr nach Ungarn sammeln wollte, um eine demokratische Regierung zu unterstützen. Das Projekt erfüllte Kossuths Hoffnungen nicht. Ähnlich erging es den in New York gedruckten „Hungarian Fund“-Dollars. Abb. 10: 1 Silber-Forint, o. D. (1852), Remainder, Vs., nicht ausgegebener Spendenschein des „Exil-Ungarischen Finanzministeriums“, (Quelle: https://katzauction.com). Fiorino In der Toskana zirkulierten Silbermünzen zu einem halben Fiorino und zu einem Fiorino. Der 1 Fiorino war von 1826 bis 1859 die Hauptmünze des Großherzogtums und wurde in 100 Quattrini unterteilt. Die Goldmünzen zu 80 Fiorini bildeten den höchsten Wert und entsprachen bei der Wiedereinführung der toskanischen Lira etwa 133 Lire. Abb. 11: 1 Fiorino, 1826, Silber, Silbermünze, Vs.: Florentiner Lilie, Rs.: Leopoldo II., Großherzog der Toskana (Quelle: https://www.ebay.de). Florin Im früheren britischen Münzsystem gab es ebenfalls Fiorino-Münzen, die jedoch Florin genannt wurden. Sie hatten einen Wert von einem Zehntel Pfund = 2 Schilling und wurden aus 925er und später 500er Sterling-Silber geprägt. Sie wurden von 1849 bis 1967 ausgegeben. Auf Florin lautende Geldscheine wurden jedoch nur selten gedruckt. Ein Beispiel ist der 10-Florin-Schein (= 1 Pfund) des britischen Ostafrikanischen Währungsamtes von 1920. Es kamen auch Scheine zu 1, 5, 20, 50, 100, 200 und 500 Florin in Umlauf. In dieser Kolonie und in anderen britischen Überseegebieten wie Australien und Neuseeland liefen 1-Florin-Münzen um. Abb. 12: 10 Florins, 1. Mai 1920, Auftragsmuster, Vs., Perforation CANCELLED, The East African Currency Board, Druck: Bradbury, Wilkinson & Co. (Quelle: https://en.numista.com). Der Florin ist auch die offizielle Währung von Aruba, einem der niederländischen Überseebesitzungen in der Karibik. Im Gegensatz zu Curaçao u.a. (bis 2010 Niederländische Antillen) gilt dort der Antillen-Gulden bzw. US-Dollar. Dieser soll demnächst durch den Karibischen Gulden ersetzt werden. Auf Aruba wurde bereits 1986 der Arubaanse florin eingeführt. Er ist wie der Antillen-Gulden an den US-Dollar gekoppelt. Abb. 13: 5 Florin, o. D. (1986), Banknote, Vs., Banco Central di Aruba. Der Florin ist auch im Niederländischen unter dem Namen Florijn bekannt, wie die regionalen Münzen im belgischen Ostende von 1980 zeigen. Die Begeisterung für das belgische Kommunalgeld endete jedoch Ende 1981, obwohl die Gestaltung des Oostendse Florijn von hoher Qualität war. Złoty/Złote/Złotych Die polnische Bezeichnung für den Gulden lautet seit dem 14. Jahrhundert „Złoty“ und bedeutet „der Goldene“. Die Währungsbezeichnung geht auf das Wort „złoto“ für „Gold“ zurück. Aus dem indoueropäischem „ghltom“ wurde das slawische “zolt“ und das indogermanische „g̑hel““ - immer in der Bedeutung „gelb“. Während des Kościuszko-Aufstandes wurden 1794 erstmals polnische Schatzscheine in Złotych gedruckt. Abb. 14: 5 Złoty, 9. Juni 1794, Schatzschein, Vs., Obersten Nationalrat = Rady Najwyższej Narodowej (Quelle: https://en.wikipedia.org). Wikipedia beschreibt das komplexe und komplizierte polnische Währungssystem für die Zeit danach treffend: „Während des Novemberaufstandes 1830 gaben die Aufständischen ihr eigenes "Rebellengeld" heraus – goldene Dukaten und Silbermünzen im Wert von 2 und 5 Złoty mit dem Revolutionswappen und die kupfernen 3 und 10 Groschen. Diese Münzen wurden noch lange nach der Niederschlagung des Aufstandes gehandelt. Als Folge des Aufstandes wurde der Rubel ab 1842 alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel in Kongresspolen, obwohl in Warschau bis 1865 Münzen mit der Aufschrift Złoty parallel zum Rubel geprägt wurden und bis 1890 gültig blieben. ... Zwischen 1835 und 1846 verwendete die Freie Stadt Krakau auch eine eigene unabhängige Währung, den Krakauer Złoty, dessen Münzen tatsächlich in Wien hergestellt wurden und bis 1857 gültig blieben.“ [6] Erst fünfeinhalb Jahre nach Ausrufung der Republik Polen, im April 1924, wurde der polnische Złoty zur neuen Währung, blieb auch während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gültiges Zahlungsmittel und ist bis heute in 100 Groszy (Groschen) unterteilt. Auf älteren österreichischen und ungarischen Geldscheinen finden sich im Aufdruck noch die Lehnwörter Zlatych, Złatý sowie Złotych Reńskich (= Rheinischer Gulden) und Ryński/Реньских (= Rheinischer). Eine Besonderheit ist das slowenische Fremdwort Goldinarjev (= golden). Auch die slawischen Namen Флоріні/Форинтік/Forintik finden sich auf den Scheinen. Für den Gulden wird im Allgemeinen die Abkürzung „f“, „Fl“ sowie die Ableitungen „Ft“, „Zł“ usw. verwendet. In der Numismatik gibt es noch die Bezeichnung „Goldgulden“. Eigentlich handelt es sich um einen pleonastischen Begriff wie „großer Riese“, „runder Kreis“ oder der umgangssprachliche „weiße Schimmel“. Michael H. Schöne Anmerkungen [1] in Verwaltungs-Ausschuß des Museums Francisco-Carolinum zu Linz, Wien 1852–1950 [2] nach den Abschriften Franz Lichtensteins, hg. von Joseph Seemüller (MGH Deutsche Chroniken V), Hannover 1890–1893 [3] „Jansen Enikels Weltchronik, Fürstenbuch (1277–1290)“, in: Strauch, Philipp, „Enikels Werke“ 1900, Nachdruck München 2001 [4] althochdeutsch: etwa von 750 bis 1050 [5] mitttelhochdeutsch: etwa von 1050 bis 1350 [6] https://en-m-wikipedia-org.translate.goog/wiki/Polish_złoty https://sammlung.wienmuseum.at https://www.koeblergerhard.de http://www.mhdwb-online.de https://hls-dhs-dss.ch https://www.lastdodo.de

  • Leserpost: Bisher nicht katalogisierte Variante 5 DM 1948 mit B-Stempel

    Unlängst habe ich einen 5-DM-Schein der Bank deutscher Länder von 1948 mit B-Stempel bekommen, der nicht in Ihrem aktuellen Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" aufgeführt wird. Hier findet man unter WBZ-23b lediglich Ziffern von 1 bis 6 vor der Kontrollnummer. Mein Schein hat aber die Ziffer 9. Muss der Katalog hier ergänzt werden, oder handelt es sich um eine Manipulation? H. Melzer, Leipzig Antwort der Redaktion Die Kennzeichnungen der Noten der Bank deutscher Länder mit B-Stempel, B-Perforation bzw. beidem für West-Berlin wurden nur bis zum 23. Dezember 1953 vorgenommen. Schon allein deshalb konnte man original bei 5-DM-Scheinen vom 9. Dezember 1948 (Europa auf dem Stier) mit Serienziffer vor der Kontrollnummer lediglich die Serien 1 bis 6 verwenden, die in der Druckerei Thomas De La Rue in London hergestellt worden waren. Die Serien 7 bis 13 wurden dagegen erst in den Jahren 1956 bis 1961 in der Bundesdruckerei in Berlin gedruckt, als es bereits keine Kennzeichnung für West-Berlin mehr gab. Man könnte also von einer Manipulation sprechen. Bekannt ist aber auch, dass die Bundesbank auf Bitte eines bekannten Händlers (Holger Rosenberg, nach eigenen Aussagen) nachträglich in den späten 1970er-Jahren viele Scheine mit Original-Stempelwerkzeug aus Gefälligkeit abgestempelt haben soll, die dann auf dem Sammlermarkt angeboten wurden. Um ein solches Stück dürfte es sich wahrscheinlich handeln. Eine Ergänzung des Katalogs ist daher nicht ratsam. Ihr Schein wäre eigentlich unter BRD-1e einzuordnen, hier dann aber ohne den B-Stempel. So genau hat man damals wohl nicht darauf geachtet, was man da nachträglich abgestempelt hat. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/2024 Format: 14,8 x 21 cm, Hardcover Abbildungen: durchgehend farbig Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 EUR Zur Leseprobe Mehr lesen

  • Aus privaten Sammlungen: Fälschung des 5-Rentenmark-Scheins vom 1. November 1923

    Auf dem Höhepunkt der Inflation wurde die Deutsche Rentenbank durch Rentenbankverordnung vom 15. Oktober 1923 als juristische Person des Privatrechts gegründet. Mit ihr entstand eine zweite Notenbank neben der Reichsbank. Die Deutsche Rentenbank erhielt das Recht Rentenbankscheine auszugeben, die auf Rentenmark lauteten. Allerdings waren die Rentenbankscheine kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur ein gesetzlich zugelassenes Geld, das nur von den öffentlichen Kassen angenommen werden musste. Die Rentenmark war als reine Binnenwährung konzipiert. Ihr Wert war durch Hypotheken auf land- und forstwirtschaftliche Grundstücke sowie der industriellen, gewerblichen und Handelsbetriebe gesichert. Über Stücklung und Aussehen der neuen Währung wurde in den folgenden Wochen wild spekuliert und man rechnete mit ihrer Ausgabe in der ersten oder zweiten Novemberwoche. Dass es dann bis zum 15. November dauerte, war dem Streik der Buchdrucker geschuldet. Am 15. November 1923 gelangten die ersten Rentenmark-Zahlungsmittel in Umlauf, und zwar nach und nach die Scheine zu 1, 2, 5, 10, 50, 100, 500 und 1000 Rentenmark. Es ist kaum vorstellbar, dass die notwendigen Arbeiten in nur 31 Tagen bewältigt wurden. Neben den administrativen Arbeiten, wie die Ausarbeitung der „Satzung der Deutschen Rentenbank“, der gesetzlichen Regelung der Hypotheken, der Besetzung des Verwaltungsrates der Rentenbank mit Vertretern der Wirtschaft, mussten auch noch die Scheine hergestellt werden, d. h. diese mussten entworfen und gedruckt werden. Dazu waren Druckplatten zu fertigen, Papier und Farben zu beschaffen, schließlich mussten die Scheine zu den Ausgabestellen transportiert und in Verkehr gesetzt werden. Wie im Gesetz festgelegt, stellte die Reichsbank am 16. November 1923 die Diskontierung von Reichsschatzanweisungen ein. Damit war die wichtigste Voraussetzung für die Stabilisierung der Mark verwirklicht. Die Umtauschrelation zwischen Rentenmark und Papiermark betrug anfangs 1:600 Milliarden, entsprechend dem vom 15. Bis 19. November 1923 geltendem Kurs von 2,52 Billionen Mark für einen US-Dollar. Am 20. November wurde die Stabilisierung der deutschen Währung bei einem Dollarkurs von 4,2 Billionen Mark erreicht. Ab nun entsprach eine Rentenmark einer Billion Mark. Obwohl die neue Währung auch nur aus einem Stück Papier mit einem Zahlungsversprechen bestand, muss die psychologische Wirkung enorm gewesen sein. Trotz der schlechten Erfahrungen, die die Bevölkerung in der Zeit der Inflation gemacht hatte, wurde schon bald wieder gespart. Die Rentenbankscheine wurden beidseitig im Buchdruck auf Papier mit dem Wasserzeichen „Kreuzringelmuster“ hergestellt. Bei den Nominalen zu 500 und 1000 Rentenmark wurde darüber hinaus ein senkrecht geripptes Papier verwendet. Die Scheine sind weitgehend gleich gestaltet und weisen fünfzehn Unterschriften auf. Da der Vorstand der Rentenbank zu spät ernannt wurde – der Druck der Scheine war bereits angelaufen – fehlen die Unterschiften von Kißler und Lipp auf ihnen. Am Druck der Rentenbankscheine waren neben der Reichsdruckerei die Druckereien Giesecke & Devrient, Leipzig, sowie in Berlin W. Büxenstein und Dr. Selle & Co. Beteiligt. Bedingt durch das Druckverfahren kommen zahlreiche Druckfälschungen der Rentenbankscheine vor. Vom 5-Rentenmark-Schein, der bis zum 31. Januar 1927 im Umlauf war und ab 15. April 1927 nicht mehr umgewechselt wurde, liegt der folgende handgezeichnete Schein vor. Objekttyp: Rentenbankschein (Fälschung) Sammlung: Sammlung Bronnert Authentizität: Original Land/Region/Ort: Deutsches Reich ("Weimarer Republik") Emittent: Deutsche Rentenbank Nominal: 5 Rentenmark Datierung: 1. November 1923 Vorderseite: Text in einem Schmuckrahmen Rückseite: Wertangabe in Ziffern und Buchstaben auf Untergrund mit Guilloche Unterschriften: Lentze (Präsident des Verwaltungsrates), Brandes, Bücher, Crone-Münzebrock, Dietrich, Gennes, H. Grünfeld, Heim, Hilger, Keinath, Millington-Herrmann, Roesicke, Siemens, Sorge, Urbig Material: einfaches glattes Papier ohne Wasserzeichen Format: 125 mm x 68 mm Druck: handgezeichnete Fälschung Nummerierung: G • 01467191 Gültigkeit: 15. November 1923 bis 31. Januar 1927 Zitate: DEU-201 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) Ro/Gra 156 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) GER-163 (Standard Catalog of World Paper Money) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Bestellung über den Verlags-Shop

  • Norwegen: Jahresbericht 2023 der Norges Bank

    Einmal im Jahr, gewöhnlich Ende Januar, veröffentlicht Norges Bank – die Zentralbank Norwegens – teilweise sehr detaillierte Daten zu Münzen und Banknoten aus dem Vorjahr. So auch dieses Jahr. Die für Sammler wohl interessanteste Neuigkeit direkt vorne weg. Nachdem die Bank bereits 2022 21,2 Millionen 200-Kronen-Scheine der aktuellen Serie VIII drucken ließ (die Erstausstattung dieses Nennwertes wurde 2016 und 2017 mit der Jahreszahl 2016 gedruckt), wurden im Jahr 2023 21,201 Million 100-Kronen-Scheine der aktuellen Serie gedruckt (die Erstausstattung dieses Nennwertes wurde ebenfalls 2016 und 2017 ebenfalls nur mit der Jahreszahl 2016 gedruckt). Also: Ausschau halten nach neuen Jahreszahlen und/oder Unterschriften- Kombinationen auf diesen Wertstufen. Bis jetzt gibt es keine Berichte, dass welche gefunden wurden. Da Norwegen zu den ''cash light''-Ländern zählt (wenig Zahlungen mit Bargeld), ist dies auch eine schwierige Aufgabe. Hier noch ein paar Informationen: Im Jahr 2023 ist die Anzahl der Geldscheine im Umlauf im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr ganz leicht auf 115,2 Millionen (von 115,6 Mill.) gesunken. Höchststand war 2015 mit 128,3 Millionen. Der Wert aller Geldscheine im Umlauf stieg allerdings von 35,32 Milliarden Norwegischen Kronen auf 36,01 Mrd. Der Grund ist ganz einfach. Die Anzahl der 1000- und 500-Kronen-Scheine (sowie der 50 Kronen) stieg an und glich die Verringerung der Anzahl der Hunderter und Zweihunderter im Umlauf wertmäßig aus. Man kann nur hoffen, dass Norges Bank (im Gegensatz zu Danmarks Nationalbank) am 1000-Kronen-Schein festhält. Er hat offensichtlich immer noch seinen berechtigten Platz, auch in einer ''cash light''-Gesellschaft. Bei den Münzen hat sich in Norwegen 2023 nicht viel getan. Die Anzahl aller fünf Wertstufen hat im Umlauf ganz leicht abgenommen. Von der Umlauf-Gedenkmünze ''250 Jahre Kartografisches Institut'' zu 20 Kronen wurden 513.000 Stück geprägt. Ralf Faust

  • Schein und Geldschein!

    Zitate rund ums Geld und Diese Welt: "Man soll den Schein meiden – wenn er nicht von Papier ist." Benedikt XIV. Eigentlich Prospero Lorenzo Lambertini oder auch Prosper Lambertini. (1675–1758) Papst von 1740 bis 1758. Anmerkung: Natürlich meinte dieser Papst mit dem Schein aus Papier Geldscheine, die er dem Schein als Trugbild vorzieht. Er konnte natürlich nicht wissen, dass es dereinst auch Geldscheine aus Polymer-Kunststoff geben würde.

  • Niederlande: Druckaufträge für Euro-Banknoten 2025/26

    De Nederlansche Bank, die Zentralbank der Niederlande (im nachfolgenden DNB genannt), hat am 21.12.2023 entschieden, welche Firmen den Auftrag bzw. die Aufträge für den Druck von Euro-Banknoten der zweiten Serie (Europa Serie) für die Jahre 2025 und 2026 erhalten, die der DNB von der Europäischen Zentralbank zugewiesen werden. Eine Verlängerung der Verträge für die Jahre 2027 und 2028 ist möglich. Die Auftragsvergabe wurde am 1. Februar 2024 veröffentlicht. Der Wert der Aufträge liegt laut der Ausschreibung zwischen 224 Millionen und maximal 675 Millionen Euro. Die DNB hat auf ihre Ausschreibung für die Banknotenproduktion für 2025 und 2026 (mit Verlängerungsmöglichkeit für zwei weitere Jahre) drei Angebote erhalten. Alle drei Firmen, die sich an der Ausschreibung beteiligt haben, haben auch den Zuschlag erhalten. Dies sind: Giesecke+Devrient Currency Technology GmbH, München Oberthur Fiduciaire SAS, Paris Bundesdruckerei GmbH, Berlin Nicht öffentlich bekannt ist, wie nun die Aufteilung zwischen den drei Druckereien sein wird. Für das Jahr 2025 ist die DNB nur für die Produktion von 20-Euro-Banknoten verantwortlich. Es sollen 2025 insgesamt 1,2671 Mrd. Zwanziger produziert werden. Wie hoch der Anteil der DNB daran ist, ist nicht ersichtlich. Obwohl bekannt ist, dass die DNB im Rahmen des Eurosystems für knapp 5,5 % der Banknoten verantwortlich ist (zum Vergleich: die Bundesbank für knapp 25 %). Die Kosten der DNB für die Produktion von Eurobanknoten lag 2019 bei 11,0 Mill. Euro, 2020 bei 23,0 Mill. Euro, 2021 bei 42,1 Mill. Euro und 2022 bei 8,5 Mill. Euro. Neuere Daten liegen noch nicht vor. Noch eine recht interessante Information aus dem Jahresbericht von 2022. Die DNB hat 2022: 17.356.000 500-Euro-Scheine aus dem Umlauf erhalten (und einbehalten). Das sind fast 50 % (!) der Fünfhunderter, die zwischen Dezember 2021 und Dezember 2022 aus dem Umlauf im gesamten Euroraum genommen wurden; 25.490.000 200-Euro-Scheine mehr in den Umlauf gebracht als aus dem Umlauf erhalten; 87.880.000 100-Euro-Scheine mehr aus dem Umlauf erhalten als herausgegeben; 898.880.000 50-Euro-Scheine mehr in den Umlauf gebracht als aus dem Umlauf erhalten; 600.950.000 20-Euro-Scheine mehr aus dem Umlauf erhalten als herausgegeben; 233.100.000 10-Euro-Scheine mehr aus dem Umlauf erhalten als herausgegeben; 199.600.000 5-Euro-Scheine mehr aus dem Umlauf erhalten als herausgegeben. Unterm Strich hat die DNB also 214.516.000 Euroscheine mehr aus dem Umlauf erhalten als herausgegeben. Wertmäßig sieht es aber genau anders herum aus. Da hat die DNB Euro-Banknoten im Wert von 17,228 Mrd. Euro mehr in den Umlauf gebracht als daraus erhalten. Ralf Faust

  • Die Leipziger Messeschecks 1949 bis 1951: Ein Nachtrag

    Die Deutsche Notenbank gab zur Leipziger Herbstmesse 1949 und danach bis zur Leipziger Herbstmesse 1951 Messeschecks für ausländische Besucher heraus, die diese gegen Devisen einlösen (eine Verpflichtung bestand nicht) und mit denen sie ihre Ausgaben während ihres Aufenthaltes in Leipzig bestreiten konnten[1]. Für die ausgegebenen Serien konnten nun die Auflagen sowie die Ausgabezahlen ermittelt werden. Ebenso liegen für alle Ausgaben Informationen über die Höhe der nicht eingelösten Messeschecks vor. Deutsche Notenbank, Berlin: Messe-Scheck über 10 Pfennig vom 20. Februar 1951. Von der Gesamtauflage wurde nur ein Teil ausgegeben. Ungeklärt ist, warum die Deutsche Notenbank trotz rückläufiger Umtauschzahlen bis zum Ende der Verwendung von Messeschecks beim VEB Deutsche Wertpapierdruckerei Leipzig weit über den Bedarf hinaus Auflagen bestellte, von denen ein großer Teil nach Ende der jeweiligen Messe vernichtet wurde. Es zeigt sich, dass die ausländischen Messebesucher die Frühjahrsmesse stärker frequentierten als die Herbstmesse, dass aber die Entwicklung der gewechselten Devisenbeträge zwischen 1949 und 1951 rückläufig war. Dafür gab es mehrere Gründe. Für Geschäftsleute aus Westeuropa wurde der Handel mit den Staatshandelsländern Osteuropas durch die Verstaatlichung der Industrien und die zunehmende Reglementierung der Exporttätigkeit, aber auch durch politisch motivierte Exportverbote seitens der USA und westlicher Staaten immer schwieriger[2]. Ein weiterer Grund war sicherlich auch der Aufstieg der 1947 in Hannover gegründeten Deutschen Industrie-Messe, die in den Westzonen bewusst ein Gegengewicht zur Leipziger Mustermesse bilden sollte. Ab 1950 beteiligten sich auch ausländische Aussteller an der Deutschen Industrie-Messe Hannover, die sich schnell zu einer Leistungsschau der westdeutschen Exportindustrie entwickelte. Ungünstige offizielle Umtauschkurse und der fehlende Umtauschzwang in Verbindung mit einem schmalen Angebot an Konsumgütern für den persönlichen Bedarf machten die Messe in Leipzig für Besucher aus den westlichen Ländern zunehmend unattraktiv. Aufgrund der geringen Beträge nicht eingelöster Messeschecks sind diese als gelaufene Stücke weiterhin gesuchte Sammlerobjekte. Eingelöste Schecks sollten als Belege bei der Emissions- und Girobank, Filiale Leipzig bzw. der Deutschen Notenbank, Filiale Leipzig verbleiben und wurden vermutlich später vernichtet; im Sammlermarkt bekannt sind entwertete Schecks zu 0,10 DM/DN der Ausgabe zur Herbstmesse 1951 (Serie E). Dr. Sven Gerhard Anmerkungen [1] S. dazu den Beitrag „Die Leipziger Messeschecks 1949 – 1951“ in geldscheine-online.com vom 17.5.2023 sowie in Münzen & Sammeln Ausgabe 10/2023, S. 127 [2] Am 1. Januar 1950 nahm das auf Betreiben der USA gegründete Coordinating Committee for East West Trade Policy mit Sitz in Paris seine Arbeit auf. Es sollte verhindern, dass Länder unter sowjetischem Einfluss Zugang zu moderner Technologie erhielten. In der Folgezeit wurden viele Exportgüter aus westlichen Ländern mit Exportverboten in sozialistische Länder belegt.

  • Wetzlar: Goldmark 1923

    Ab 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, wenn es auf Teile der Reichsgoldanleihe vom 14. August 1923 lautete und durch diese Anleihe gedeckt war. Das Notgeld musste nominal auf 4,20 Mark Gold oder kleiner lauten. Die Scheine mussten neben der Bezeichnung „Notgeldschein“ den Vermerk „Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen“ tragen. Die höheren Nennwerte der Reichsgoldanleihe wurden daraufhin in beträchtlichem Umfang auch von Handelskammern und Städten bei der Reichsbank hinterlegt und so zur Deckung ihrer eigenen wertbeständigen Notgeldausgaben verwendet, so auch in der Stadt Wetzlar. In der zum Rheinland gehörenden, aber im hessischen Sprach- und Wirtschaftsgebiet liegenden Stadt Wetzlar sind Ende 1923 vier verschiedene Emissionen wertbeständigen Notgelds erfolgt. Handelskammer für den Kreis Wetzlar, Notgeldschein für wertbeständige Anleihe des Deutschen Reiches über 0.21 Mark Gold = 1/20 Dollar, ausgegeben in Wetzlar am 6. November 1923. Aufruf zum Umtausch des Scheines spätestens am 15. Dezember 1923. Davon hat jedoch nur die Ausgabe der Handelskammer für den Kreis Wetzlar eine größere Bedeutung erlangt. In der Vollversammlung vom 3.11.1923 beschloss die Handelskammer die Herausgabe wertbeständigen Goldmark-Notgelds unter den bekannten Bedingungen des Reichsministers der Finanzen. Die Stellung der erforderlichen Kontrollpersonen während des Drucks der Scheine wurde den Firmen Stahlwerk Buderus-Röchling A.-G., Ernst Leitz und Friedrich Hollmann A.-G. übertragen. Weiterhin wurde beschlossen, das Notgeld an jede handelsgerichtlich eingetragene, im Kammerbezirk ansässige Firma, mit der Verpflichtung abzugeben nicht mehr als 25% der Löhne und Gehälter wertbeständig zu zahlen. Die Verpflichtung musste schriftlich eingegangen werden. Die Ausgabe der Stücke in den Nennwerten 0.21, 0.42 und 1.05 Mark Gold (Goldmark mit Dollar-Valutaklausel = 1/20, 1/10, ¼ Dollar) begann am 13. November 1923 und zog sich entsprechend der langen Druckdauer für die verhältnismäßig große Menge von rund 315.000 Goldmark bis zum 11. Dezember 1923 hin. Handelskammer für den Kreis Wetzlar, Notgeldschein für wertbeständige Anleihe des Deutschen Reiches über 0.42 Mark Gold = 1/10 Dollar, ausgegeben in Wetzlar am 6. November 1923. Aufruf zum Umtausch des Scheines spätestens am 15. Dezember 1923. Das von der Stadtverwaltung Wetzlar in vier Wertstufen von 0.42, 1.05, 2.10 und 4.20 Mark Gold (Goldmark mit Dollar-Valutaklausel = 1/10, ¼, ½, 1 Dollar) mit Datum vom 20. November 1923 gedruckte Notgeld ist erst ab Anfang Dezember in den Verkehr gegeben worden. Da bereits ansehnliche Mengen des Handelskammergeldes umliefen, brauchte man nur rund 81.000 Goldmark zu emittieren. Stadt Wetzlar, wertbeständiger Notgeldschein über 1.05 Mark Gold = ¼ Dollar, gedeckt durch Hinterlegung von wertbeständiger Anleihe des Deutschen Reiches, ausgegeben in Wetzlar am 20. November 1923. Das Goldmark-Stadtgeld Wetzlars geriet durch eine ungeschickt formulierte Bekanntmachung der Handelskammer vom 6. Dezember 1923 einige Zeit in Misskredit. Im "Wetzlarer Anzeiger" vom 7.12.1923 veröffentlichte die Kammer, dass für das von ihr „herausgegebene wertbeständige Notgeld - im Gegensatz zu dem von der hiesigen Stadtverwaltung herausgegebenen - alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind“. Bereits in der nächsten Nummer der Zeitung musste die Kammer diese Mitteilung berichtigen. In der Stadtverordnetensitzung vom 13.12. 1923 erklärte Bürgermeister Dr. Kühn, dass durch diese diskriminierende Meldung das Ansehen der Stadt sehr geschädigt worden sei. Stadt Wetzlar, wertbeständiger Notgeldschein über 2.10 Mark Gold = ½ Dollar, gedeckt durch Hinterlegung von wertbeständiger Anleihe des Deutschen Reiches, ausgegeben in Wetzlar am 20. November 1923. Die Wetzlarer Firma Ernst Leitz, Optische Werke, gab mit Datum vom 6. November 1923 ohne Genehmigung des Reichsministers der Finanzen Gutscheine in vier Nennwerten (0.05, 0.10, 0.50, 1 Goldmark) mit Gültigkeit bis zum 15.12.1923 aus. Ebenso gaben die Stahlwerke Buderus-Röchling A.-G. mit Datum 27. November 1923 bzw. 1. Dezember 1923 Gutscheine in fünf Nennwerten (0.05, 0.10, 1, 2 und 5 Goldmark) aus. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

  • Europäische Währungsunion: 2023 deutlich mehr Falschgeld

    Laut Bundesbank ist das Falschgeldaufkommen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Allein in Deutschland wurden durch Polizei, Banken und den Handel knapp 56.600 falsche Euro-Scheine aus dem Verkehr gezogen, das sind gut 28 % mehr als im Vorjahr 2022. Bundesbankvorstand Burkhard Balz erläuterte: "Der Anstieg der Falschgeldzahlen liegt in wenigen großen Betrugsfällen, vor allem mit gefälschten 200- und 500-Euro-Banknoten begründet." Kriminelle haben dabei Besitzern von Luxusgütern mehrfach im großen Stil "Blüten" untergeschoben. Den Verkäufern werden zuerst Taschen mit echten Banknoten gezeigt, die dann in einem unbeobachteten Moment gegen Taschen mit Falschgeld ausgetauscht werden. Die Verkäufer bleiben auf dem Schaden sitzen, sie sind das Luxusgut los und das Falschgeld wird nicht erstattet. 8.763 falsche 200-Euro-Scheine wurden in 2023 sichergestellt, im Vorjahr waren es "nur" 2.396 gewesen. Vom 500-Euro-Schein, der seit 2019 nicht mehr hergestellt wird, waren es 2.641 im Vergleich zu 989 im Jahr 2022. Durch die Fälschung der hohen Nennwerte stieg die Schadensumme um 90 % auf 5,1 Millionen Euro, davon 4.825.700 Euro allein bei den beiden höchsten Nominalen. Die Bundesbank beruhigt "Trotz der deutlich höheren Zahl an Fälschungen ist das Risiko für Normalbürger, mit Falschgeld in Berührung zu kommen, nach wie vor gering." 2023 entfielen in Deutschland sieben falsche Euro-Banknoten auf 10.000 Einwohner. Das bisherige Allzeithoch war 2015 verzeichnet worden, damals wurden 95400 "Blüten" in Deutschland aus dem Verkehr gezogen. Auch in Europa stieg das Falschgeldaufkommen 2023 gegenüber dem Vorjahr deutlich um 24 % an. Aus dem Verkehr gezogen wurden 467.000 falsche Euro-Scheine im Wert von 25 Millionen Euro. 2022 betrug der Schaden durch Falschgeld noch 21,5 Millionen Euro. 2023 kamen in Europa 14 falsche Euro-Scheine auf 10.000 Einwohner, also das doppelt so viele wie in Deutschland allein. Laut Bundesbank sei die Qualität der Fälschungen nicht gestiegen, sondern ganz im Gegenteil sei eine große Masse Fälschungen in sehr niedriger Qualität sichergestellt worden. 16 % der aus dem Verkehr gezogenen "Blüten" in Deutschland trugen Aufdrucke wie "Movie Money" oder "Prop copy". Solche Scheine kann man inzwischen im Internet preiswert als Filmrequisiten kaufen. Obwohl diese Scheine über keine Sicherheitsmerkmale verfügen, werden sie immer wieder im Zahlungsverkehr von Menschen angenommen. Hans-Ludwig Grabowski

  • World Money Fair 2024

    Vom 2. bis 4. Februar findet im Estrel Congress Center in Berlin, dem Austragungsort der weltweit größten Münzenmesse, wieder die World Money Fair statt. Mehr als 300 Aussteller aus über 50 Nationen präsentieren dann auf 9.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche an der Berliner Sonnenallee ihr numismatisches Sortiment – von traditionellen Sammlerstücken bis zu faszinierenden Neuheiten mit beeindruckenden Prägungen. „Die World Money Fair richtet sich nicht nur an Kennerinnen und Kenner der Numismatik“, sagt Goetz-Ulf Jungmichel, Geschäftsführer der World Money Fair. „Viele der Aussteller bieten auch Angebote für Menschen, die ihre Sammelleidenschaft erst entdecken oder sich für Münzen und Medaillen als Wertanlage interessieren.“ Im Eingangsbereich der Messe bietet der Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels e. V. aus diesem Grund beispielsweise eine Einsteigerberatung zum Münzensammeln an. Wir freuen uns auf Ihren Besuch am Stand des Battenberg Gietl Verlags in der Convention Hall 1, Stand E8. Sprechen Sie persönlich mit der Redaktion von Geldscheine-Online. Wir sehen uns in Berlin! www.worldmoneyfair.de Hans-Ludwig Grabowski Redakteur

  • Schwarzhandel mit Ost- und Westmark: Die erste Devisenverordnung der SBZ 1948

    Am 20. November 1948 erschien in der US-amerikanischen Zeitung "New York Herald Tribune" ein Artikel, der seinen Weg über den Atlantik in die Akten der Deutschen Notenbank (DNB) in Ost-Berlin fand, wo eine deutsche Übersetzung mit zahlreichen Anstreichungen mit Rotstift davon zeugte, dass man sich intensiv mit dem Inhalt auseinandergesetzt hatte. Die darin enthaltenen Botschaften werden kaum Begeisterung ausgelöst haben; Reaktionen und Proteste bei offiziellen Stellen waren nicht möglich. Worum ging es? Die "New York Herald Tribune" zitierte in dem genannten Zeitungsartikel alliierte Bank- und Militärkreise in Westdeutschland, wonach die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) DM-BdL-Noten zu Preisen weit unter dem offiziellen Kurswert (dieser Betrug betrug im November 1948 3,33 DM-BdL pro US-Dollar) nach Zürich verkaufe, die von dort in die USA gelangten und in Wechselstuben in New York und New Jersey zu Preisen von 5 bis 9 US-Cent pro DM-BdL angeboten würden. Der Handel sei gut organisiert und liefe über mehrere Zwischenhändler, die daran gut verdienten. Er sei möglich, weil die Zollgrenzen der Westzonen nicht ausreichend gesichert seien – dort, so der britische Militärgouverneur General Robertson auf einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main, gingen „viele unerlaubte Dinge … vor“. Der Umsatz des geschilderten Handels mit DM-BdL-Noten würde sich auf mehrere Millionen US-Dollars belaufen. Möglich wurde dieser Handel, weil die SMAD ihn aktiv förderte. Denn für die UdSSR eröffnete er eine Gelegenheit, außerhalb der offiziellen Bankenkanäle in einem vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Ost-West-Konfliktes schwierig geworden, Umfeld für Finanztransaktionen an konvertible US-Dollars zu gelangen. Schlimm für die Deutsche Notenbank – bei entsprechenden Geschäften hätte die SMAD laut Zeitungsbericht keinerlei Hemmungen, auch deren Banknoten in DM-DN weit unter dem offiziellen Kurswert (der ebenfalls 3,33 DM-DN je US-Dollar betrug) zum Verkauf anzubieten. Dabei waren die Kurse für DM-DN noch schlechter als für DM-BdL – berichtet wird von 4 US-Cents für 1 DM-DN. Schlimmer noch – berichtet wird auch darüber, dass die SMAD in Westberlin aktiv DM-West gegen DM-Ost aufkaufe. Auch andere zeitgenössischen Pressequellen enthalten Hinweise, dass die SMAD in Westberlin im Sommer 1948 größere Bestände an DM-Noten der Bank deutscher Länder gegen Ost-DM erwarb[1], die die Deutsche Notenbank der SMAD zur Verfügung stellen musste. US-Silver-Certificate 1 Dollar, Ausgabe 1935-A, Vorder- und Rückseite. Bank deutscher Länder, Banknote zu 5 DM-BdL Kopfgeld 1948, Vorder- und Rückseite. Bank deutscher Länder, Banknote zu 10 DM-BdL Kopfgeld 1948, Vorder- und Rückseite. Beides vergrößerte unkontrolliert den Umlauf an DM-Noten der Deutschen Notenbank außerhalb der sowjetischen Besatzungszone. Diese Geldbestände drängten in die sowjetische Besatzungszone zurück und konterkarierten die Politik der DNB, den Bargeldumlauf in der sowjetisch besetzten Zone möglichst knapp zu halten. Der Gipfel war jedoch – für die Versorgung der SMAD mit DM-Banknoten der Bank deutscher Länder, die möglicherweise auch in diesen Handel flossen, der der Notenbankpolitik der DNB massiv zuwiderlief, musste ausgerechnet sie selbst die organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Banknote zu 20 DM-DN Ausgabe 1948 (sowjetischer Druck), ausgegeben durch die Deutsche Notenbank ab 25. Juli 1948. Mit den Währungsreformen in den Westzonen und in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands entstanden schon Ende Juni 1948 zuerst in Westberlin[2], dann auch in anderen Orten in Westdeutschland Wechselstuben[3], in denen DM-West gegen DM-Ost und umgekehrt getauscht werden konnte[4]. Die Kurse schwankten, waren aber im Hinblick auf die DM der Deutschen Notenbank ungünstig und betrugen im Herbst 1948 etwa 1:3 bis 1:4[5]. Weniger bekannt ist, dass auch in der sowjetischen Zone mit dem Aufbau von Wechselstuben begonnen wurde. Am 26. November 1948 beschloss die Deutsche Wirtschaftskommission eine Verordnung[6] über den Umtausch von Geldzeichen der westlichen Besatzungszonen im DM-DN bei der Einreise in die sowjetische Besatzungszone und nach Großberlin[7]. Die Vorarbeiten für die Umsetzung dieser Verordnung liefen – streng vertraulich – bei der DNB schon seit August 1948[8]. Danach wurde die Einfuhr von DM-West in die sowjetische Besatzungszone und nach Großberlin verboten. Bargeldbeträge in DM-BdL konnten durch in Deutschland ansässige Personen bei der Einreise in den Wechselstuben der ostzonalen Kontrollpunkte (die durch die jeweiligen Emissions- und Girobanken der Länder in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kontrollkräften der SMAD zu errichten und durch die Emissions- und Girobanken mit Bargeldbeständen in DM-DN auszustatten waren) bis zu einem Gegenwert von 500 DM-DN gebührenpflichtig[9] umgetauscht werden. Der Umtauschkurs betrug 1 DM-Ost = 1,25 DM-West, was angesichts der gleichen Dollarparität beider Währungen und der in den Westberliner Wechselstuben tatsächlich gezahlten Umtauschkurse für die Ostmark in der westlichen Presse einen Sturm der Entrüstung hervorrief. Schnell war von einem Zwangskurs die Rede. Da die Einfuhr von DM-West durch die Verordnung verboten worden war, kam der Umtausch im Ergebnis einer Umtauschpflicht für Deutsche im Interzonen-Reiseverkehr gleich. Für Ausländer fand nach § 7 der Verordnung kein Umtausch und keine Hinterlegung statt[10]. Beträge über 500 DM-DN (= 625 DM-BdL) waren gegen Bescheinigung bei der Grenzwechselstube ebenfalls gebührenpflichtig[11] zu hinterlegen. Auf die Hinterlegungsbescheinigung konnten in der sowjetischen Besatzungszone Auszahlungen durch die DNB, die Emissions- und Girobanken der Länder, die Landeskreditbanken, das Berliner Stadtkontor sowie die Garantie- und Kreditbank AG erfolgen, wobei Auszahlungen von mehr als 5.000 DM-DN durch die DNB zu genehmigen waren. Die Hinterlegungsbescheinigung verloren nach sechs Monaten ihre Gültigkeit, der Hinterlegungsbetrag war dann verfallen. Um (Ver-)Fälschungen der Bescheinigung zu erschweren, entwarf die DNB sogar ein spezielles, als streng geheim geführtes System von Sicherungsstempeln mit zwei Buchstaben, die je Tag variierten und auf den Bescheinigungen angebracht wurden, sowie Stichzahlen, aus denen sich die Höhe des umgetauschten Betrages und das Umtauschdatum ergaben. Die errechnete Stichzahl war auf der Hinterlegungsbescheinigung einzutragen[12]. Abbildung: Muster einer Umtauschbescheinigung 1948 und einer Hinterlegungsbescheinigung 1948. Quelle: Bundesarchiv. Attraktiv war der Umtausch nicht – auch deshalb, weil pro Aufenthaltstag in der sowjetischen Besatzungszone ein Betrag von 20 DM-DN nicht rücktauschbar war. Zusammen mit dem Einfuhrverbot und der Umtauschpflicht für DM-BdL führte das im Ergebnis zu einem Zwangsumtausch durch die Hintertür für deutsche Reisende im Interzonen-Verkehr. Was die Verordnung nicht erwähnt, und was sich allein aus den geheimen Anweisungen der DNB an die Emissions- und Girobanken der Länder ergibt: Die durch die Grenzwechselstuben im Umtausch eingenommenen Beträge in DM-BdL waren nicht an die Deutsche Notenbank, sondern durch die jeweilige Emissions- und Girobank innerhalb von zehn Tagen an die Garantie- und Kreditbank AG abzuführen, die dafür den Gegenwert in DM-DN erstattete. Ebenso waren die in DM-BdL hinterlegten Beträge mit der Garantie- und Kreditbank abzurechnen, die regelmäßig die bei Wechselstuben verbliebenen, nicht wieder rückgetauschten Beträge in DM-BdL über die entsprechende Emissions- und Girobank des Landes anforderte. Die DNB erhielt lediglich Kopien der Abrechnungen. Die 1920 in Berlin als Garantie- und Kreditbank für den Osten gegründete Garantie- und Kreditbank AG diente ursprünglich der Finanzierung von Geschäften mit der Sowjetunion. 1941 geschlossen und 1945 reaktiviert, war sie der Form nach eine Niederlassung der sowjetischen Staatsbank und Dienstleister der SMAD in Deutschland, über die die SMAD den Zahlungsverkehr in ihrer Besatzungszone, darunter auch die Reparationszahlungen, abwickelte. Die Einführung der Umtauschpflicht hatte daher nur einen einzigen Zweck – der SMAD Bargeldbeträge in DM-West zu verschaffen. Von der Verordnung profitierte allein die SMAD, denn durch sie erhielt sie Zugang zu den Geldbeträgen von Reisenden in die Ostzone. Außen vor blieb die Deutsche Notenbank, die – streng vertraulich – zwar die Abwicklung des Umtausches zu organisieren hatte und zusammen mit den Emissions- und Girobanken mit den Kosten hierfür belastet war, zudem sehen musste, wie sie den Bargeldumlauf in der sowjetischen Besatzungszone in den Griff bekam, an der die Einnahmen in DM-BdL aus Umtausch und Hinterlegung im Interzonen-Reiseverkehr aber vorbeiliefen. Zähneknirschend musste man mitmachen, denn gegen die Vorgaben der SMAD war nichts auszurichten. Umso ärgerlicher muss es gewesen sein, in einer US-amerikanischen Zeitung nachlesen zu müssen, wie billig die erworbene Westmark durch die SMAD verschleudert wurde, um an US-Dollars zu gelangen. Es blieb bei den Anstreichungen mit dem Rotstift in den Akten. Erst nach Gründung der DDR im Oktober 1949 begann die DNB langsam, die Kontrolle über die Deviseneinnahmen zu gewinnen. Die Verordnung vom 26. November 1948 wurde durch spätere Verordnungen überholt. 1956 erlangte die DNB dann durch das Devisengesetz und die dazu erlassenen Durchführungsbestimmungen auch offiziell die Kontrolle über den Devisenverkehr in der DDR[13]. Große Einnahmen brachte die Verordnung vom 26. November 1948 der Garantie- und Kreditbank nicht, wie aus den Unterlagen der DNB aus dem Jahr 1949 zu entnehmen ist. Manche der an den Grenzkontrollpunkten errichteten Wechselstuben – etwa für Binnenschiffer – tauschen im ersten Halbjahr 1949 insgesamt nur wenige hundert Ostmark um. Viele Reisende im damals noch relativ offenen Interzonen-Reiseverkehr entzogen sich scheinbar dem Geldumtausch in der sowjetischen Zone und zogen es trotz der Risiken vor, Geldbeträge in Ostmark bereits viel vorteilhafter in Westdeutschland oder Westberlin zu wechseln und dann illegal in die sowjetische Besatzungszone einzuführen. Abbildung: Wechselstube am Autobahnkontrollpunkt Helmstedt, 1951. Für 100 DM-BdL wurden lt. Kurstafel 530 DM-DN geboten. Quelle: Bildarchiv Region Hannover, Signatur ARH NL Dierssen 1122/0021. Wie lange die Verkäufe von DM-BdL über die erwähnten Kanäle nach Zürich und weiter in die USA angedauert haben, ist nicht bekannt, vermutlich jedoch nicht über das Jahr 1949 hinaus. Im März 1949 erkannte der sowjetische Stadtkommandant faktisch die Verwendung von DM-BdL im Zahlungsverkehr in Westberlin an. Ab Ende 1949 stieg der Kurs der DM-BdL in Zürich deutlich – betrug er Anfang 1949 etwa 23 Franken je 100 DM, waren es im Mai 1952 bereits 93,56 Franken (bei einer Parität, d.h. einem offiziellen Kurs von 104,11 Franken). Dadurch wurde es zunehmend unattraktiv, Beträge in DM-BdL zu Bruchteilen des offiziellen Kurses in die USA zu verkaufen. Vielmehr waren jetzt die Wechselkurse etwa im Züricher Freiverkehr für einen Umtausch deutlich attraktiver, zumal die Nachfrage nach DM-BdL im internationalen Handel stieg. Dadurch wurden Bestände an DM-BdL auch für die DDR zunehmend interessanter. Die DM-DN blieb eine Binnenwährung, bei der der offizielle Wechselkurs und freie Kurse deutlich voneinander abwichen, ein Umtausch zum offiziellen Kurs blieb jedenfalls für Reisende unattraktiv. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Interessant dazu: https://www.spiegel.de/wirtschaft/strumpfgeld-a-a3d05213-0002-0001-0000-000044419027 [2] Am 27. Juni 1948 waren auf Veranlassung der westlichen Stadtkommandanten die Bürgermeister in den Westsektoren angewiesen worden, möglichst bald „nichtamtliche Geldumtauschstellen zu lizenzieren“, die DM-BdL gegen DM-DN umtauschen sollten, s. dazu Karl-Heinz Arnold, Alltäglicher Gang über den Strich. Von Grenzgängern und Grenzgeschäften. Berlinische Monatsschrift Heft 3/2001, S. 26. [3] So etwa im November 1948 am Grenzbahnhof Bebra, s. „Die Welt“ vom 27. November 1948 [4] An großen Bahnhöfen in Westdeutschland war die 1926 von der Deutschen Reichsbahn gegründete Deutsche Verkehrs-Kredit-Bank in diesem Wechselstubengeschäft aktiv [5] Interessant dazu: https://www.spiegel.de/wirtschaft/strumpfgeld-a-a3d05213-0002-0001-0000-000044419027 [6] Zentralverordnungsblatt 1948 Nr. 58 vom 23. Dezember 1948 [7] Für Großberlin mit der Währungsreform wurde zunächst nur die DM-DN als alleiniges Zahlungsmittel anerkannt. [8] Rundschreiben der DNB an die Präsidenten der Emissions- und Girobanken der Länder in der SBZ vom 4. sowie vom 29. September 1948. [9] Die Gebühr für den Umtausch betrug bei Beträgen bis 200 DM-DN pauschal 1,- DM-DN, darüber 2 DM-DN. [10] Für Ausländer wurden entsprechenden Regelungen erst in der Anordnung der SMAD vom 23.3.1949 (ZVOBl 1949, S. 211) getroffen. [11] Die Gebühr für die Hinterlegung selbst betrug 1 Promille des Hinterlegungsbetrages, mindestens 1 DM-DN, für die Einlösung der Hinterlegungsbescheinigung 1 Promille des Hinterlegungsbetrages, mindestens 2 DM-DN. [12] Die Stichzahl wurde gebildet aus der Addition der ersten und der letzten Kontrollziffer der Nummer der Hinterlegungsbescheinigung, des Betrages der Hinterlegungsbescheinigung auf volle hundert Markt nach unten abgerundet, sowie dem Ausstellungstag der Hinterlegungsbescheinigung. Von der so erhaltenen Summe war die Monatszahl des Ausstellungstages der Bescheinigung abzuziehen. Die Bescheinigung für einen am 15.11.1948 mit Bescheinigung Nr. 7126 hinterlegten Betrag von DM-DN 745,- erhielt also die Stichzahl (7+6+7+15-11=) 24. [13] Eine verbindliche Regelung erfolgte dann mit Gesetz über Devisenverkehr und Devisenkontrolle (Devisengesetz) vom 11.2. 1956, Gesetzblatt DDR 1956 I S. 321, sowie den dazu erlassenen Durchführungsbestimmungen.

  • Neue Weltbanknoten-Varianten: Januar 2024, Teil 2

    Brasilien, Burundi, Dominikanische Republik, Europäische Union, Libanon, Nigeria, Schweden, Sri Lanka, Südsudan, Türkei, Uganda, Westafrikanische Staaten (Burkina Faso, Niger) BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (vergriffen) Brasilien 100 Reais von 2023 BNB B879g: wie BNB B879f (SCWPM 257), aber mit neuen Unterschriften (Fernando Haddad/Roberto de Oliveira Campos Neto) und neuem Jahr (Präfix NI = 2023 September) Burundi 2000 Francs vom 11.09.2023 BNB B243a: wie BNB B238 (SCWPM 52), aber mit neuen Unterschriften (Musharitse/Murengerantwari) und neuem Datum (11-09-2023). Dominikanische Republik 50 Pesos Dominicanos von 2023 BNB B727f: wie BNB B727e (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. 200 Pesos Dominicanos von 2023 BNB B729e: wie BNB B729d (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. 500 Pesos Dominicanos von 2022 BNB B730b: wie BNB B730a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Albizu/Dubocq) und neuem Jahr. 1000 Pesos Dominicanos von 2022 BNB B731d: wie BNB B731c (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Europäische Union 5 Euro, neue Auflage BNB B108y4: wie BNB B108y3 (SCWPM 20), aber mit neuer Unterschrift (Lagarde) und Präfix Y (Druckerei Bank of Greece). 20 Euro, neue Auflage BNB B110s4: wie BNB B110s3 (SCWPM 22), aber mit neuer Unterschrift (Lagarde) und Präfixen SP/SR/ST/SU/SW/SX (Druckerei Banca d'Italia). Libanon 100.000 Livres vom 01.08.2023 BNB B549b: wie BNB B549a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Yakzan/Mansouri) und neuem Datum (01.08.2023). Nigeria 1000 Naira, neue Auflage BNB B246c: wie BNB B246b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Cardoso/Kwaghe). Schweden 500 Kronor von 2022 BNB nicht gelistet: wie SCWPM 73, aber mit neuem Jahr (durch Präfix K [2022] gekennzeichnet). Sri Lanka 500 Rupees vom 04.07.2022 BNB B126h: wie BNB B126g (SCWPM 126), aber mit neuen Unterschriften (Wickremesinghe/Weerasinghe) und neuem Datum (2022-07-04). Südsudan 1000 Pounds von 2023 BNB B117c: wie BNB B117b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Garang/Ngor) und neuem Jahr. Türkei 200 Lira, neue Auflage BNB B305f: wie BNB B305e (SCWPM 227), aber mit neuen Unterschriften (Erkan/Akcay). Uganda 10.000 Shillings von 2023 BNB B157h: wie BNB B157g (SCWPM 52), aber mit neuen Unterschriften (Atingi-Ego/Kanyemibwa) und neuem Jahr. Westafrikanische Staaten (Burkina Faso) 500 Francs von 2023 BNB B120Cl: wie BNB B120Ck (SCWPM 319C), aber mit neuen Unterschriften (Yaya/Brou) und neuem Jahr (20)23 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Ausgabejahr an). Westafrikanische Staaten (Niger) 5000 Francs von 2023 BNB B123Hw: wie BNB B123Hv, aber mit neuen Unterschriften (Yaya/Brou) und neuem Jahr (20)23 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Ausgabejahr an). Abbildung fehlt. Donald Ludwig (polymernotes.org) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book)

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