Aus alten Zeitungen: 17jährige entlarvt raffinierten Fälscher
- Hans-Ludwig Besler (Grabowski)

- vor 4 Stunden
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Gefunden in: "Hamburger Morgenpost" vom 31. Mai 1955

17jährige entlarvt raffinierten Fälscher
20 Jahre lang unentdeckt – Komfortable Druckerei im Keller
Leeds (England), 31. Mai (Eig. Ber.)
Scotland Yard und die Bank von England atmen auf. Eine 17jährige Verkäuferin entlarvte am Wochenende einen raffinierten Geldfälscher, der Südengland seit fast 20 Jahren mit Tausenden falscher Pfundnoten überschwemmte. Das junge Mädchen, Delia Ward, ist die Heldin des Tages. Der Leiter der Bank von England hat ihr zum Dank für ihre Wachsamkeit eine hohe Belohnung überreicht.
Delia, die in einem Kaufhaus in Leeds arbeitet, warf einen langen Blick auf eine Einpfundnote, die ihr eine ältere, seriös wirkende Dame überreicht hatte. Der Verkäuferin fiel auf, daß die Zeichnung am Rande des Geldscheines verwaschen war. Unter einem Vorwand bat sie die Kundin, sich einen Augenblick zu gedulden, und stürzte ans Telephon.
Fünf Minuten später traten zwei Beamte vom britischen Falschgelddezernat neben die Kundin, die leichenblaß wurde.
Delia reichte den beiden Männern den Schein. Sie erkannten sofort, daß die Note falsch war.
Die grauhaarige Dame wies sich als die 63jährige Mrs. Sarah Wainwright aus. Die Beamten luden sie sofort in ihren Wagen und fuhren mit ihr zu ihrer Wohnung, einer respaktablen Villa.
Per Funk beorderten sie einen Mannschaftswagen zu dem Haus, der fast zur gleichen Zeit mit ihnen dort eintraf. Blitzschnell besetzten die Polizisten die Villa bis unters Dach und begannen mit der Haussuchung.
Was sie fanden, ließ manchem von ihnen die Augen übergehen.
Im Keller standen, hübsch ausgerichtet, komfortable Druckpressen, lagen in Schränken Druckplatten, Stapel von Banknotenpapier, falsche Geldscheine und echte Muster. In einem Album waren sogar einige Meisterstücke aus der Produktion des Hauses fein säuberlich eingeklebt. Darunter sogar einige falsche Banknoten aus der Vorkriegszeit.
Endlich hatte Scotland Yard die Quelle der Fälschungen entdeckt, die um 1936 zum ersten Male in Südengland auftauchten.
Der Herr des Hauses, der 68jährige Sydney Wainwright und sein 27jähriger Sohn Gordon verfolgten ängstlich die Untersuchungen
der Beamten.
Als sie sahen, daß nichts verborgen blieb, gestanden sie, die Hersteller des Falschgeldes zu sein. Zusammen mit seinem Sohn,
der Graveur ist, hatte Wainwright jahrelang Pfundnoten gedruckt
und hauptsächlich durch seine Frau bei Einkäufen in Umlauf bringen lassen.
Ende vergangenen Jahres schwoll der Strom der "Blüten" in Leeds derart an, daß die Polizei das Zentrum der Falschmünzer in dieser Stadt vermutete. Aber alle Versuche, den Herstellern auf die Spur zu kommen, mißlangen –, bis jetzt durch die kleine Delia der Fälscherfamilie endlich das Handwerk gelegt werden konnte.
Nach seiner Verhaftung erklärte Mr. Wainwright senior im Verhör: "Das einzige, was ich bedaure, ist, daß es mir nicht gelang, das Geld so einwandfrei ‚hinzukriegen‘, daß es von echtem nicht mehr zu unterscheiden war."
Immerhin: Der Schaden, den die Bank von England durch die Falschmünzer während der letzten zwei Jahrzehnte erlitt, beläuft sich auf fast eine Million D-Mark.
Hier berichten wir über die weitaus umfangreicheren deutschen Fälschungen britischer Pfundnoten (Unternehmen "Bernhard") während des Zweiten Weltkriegs:
Hans-Ludwig Besler (Grabowski)
Anmerkung der Redaktion
Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen.
Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!



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