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Aus dem Archiv: Banknotenfälscher

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  • vor 2 Stunden
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Der Kampf an der Falschgeldfront vor dem "Mauerbau" im "Kalten Krieg" –

Ein Lehrstück zur Falschgeldbekämpfung in der frühen DDR.




Das Herstellen von Falschgeld ist ein schweres Verbrechen, das in hohem Grade gesellschaftsgefährlich ist, und deshalb unsere größte Aufmerksamkeit erfordert.

Die Analyse derartiger Straftaten zeigt, daß der Herstellung von Falschgeld im wesentlichen zwei Tatmotive zugrunde liegen. Einmal handelt es sich bei den Tätern um Menschen, die diese Verbrechen zum Zwecke persönlicher Bereicherung durchführen, und zum anderen um solche, die im Auftrage der Feinde unseres Arbeiter- und-Bauern-Staates versuchen, unseren sozialistischen Aufbau zu hemmen. So wurde z. B. im Prozeß gegen den Agenten Burianek u. a. im Jahre 1952 durch das Oberste Gericht nachgewiesen, daß diese Gruppe zur Finanzierung ihrer Untergrundorganisation über eine Million DM Falschgeld herstellen und in unsere Republik einschleusen wollte.

Im Gegensatz zu den sozialistischen Staaten stellen in den Ländern des Kapitalismus, also auch in der deutschen Bundesrepublik, Fälschungen von Zahlungsmitteln besonders typische Verbrechen dar.
Diese Tatsache liegt im kapitalistischen Wirtschaftssystem begründet, weil die dort herrschenden Verhältnisse manche Menschen veranlassen, raffinierte Verbrechen zu begehen, was auch in der Herstellung von Falschgeld seinen Ausdruck findet. Besonders charakteristisch für diese Feststellung ist folgender Fall:

Der Fotografengehilfe W. Berg, wohnhaft in einer westberliner Laubenkolonie, konnte als Hersteller und Verbreiter mehrerer Nachbildungen von Mark der westdeutschen Bank Deutscher Länder und der Deutschen Notenbank (DDR) festgenommen werden. B. besaß in Westberlin eine Fälscherwerkstatt, in der fast alle seine Familienangehörigen mit der Herstellung und Verbreitung von Falschgeld beschäftigt waren. Die Lebensbedingungen dieser Familie waren erbärmlich. Infolge langjähriger Arbeitslosigkeit mehrerer Familienangehöriger, die während dieser Zeit auch keine Unterstützung bekamen, war die Familie bei Geschäftsleuten arg in Schulden geraten. Ws wurden die ärmlichsten Verhältnisse festgestellt. Um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, hatte diese Fälschergruppe in primitiver Art und mit wenigen Mitteln Falschgeld hergestellt. Die kapitalistischen Wirtschaftsverhältnisse führten sie auf die Bahn des Verbrechens.

In Westdeutschland kommen auf je 100 000 Einwohner allein im Jahr 1955 insgesamt 12 Fälle von Falschgeldverbreitung. Auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik wurden seit 1948 insgesamt siebenundzwanzig verschiedene Nachbildungen von West-Mark mit über 600 Banknoten und bei Münzfälschungen 81 Fälschungsklassen mit über 1800 Falsifikaten registriert. Auf Grund einer übergroßen Zahl von Nachahmungen sah sich die Bank Deutscher Länder bereits 1949/50 gezwungen, mehrere Notenserien von 50-, 20- und 5-Mark-Scheinen außer Kurs zu setzen, die erst im Jahre 1948 in umlauf gebracht worden waren. Aber auch die neu herausgegebenen Werte wurden wiederum gefälscht. Im Juni 1956 mußten außerdem verschiedene Notenserien von Hundertmarkscheinen aus dem Verkehr gezogen werden, da diese "Blüten" in großer Anzahl vornehmlich in Westberlin kursierten. Anfang des Jahres 1955 gelang es der westdeutschen Kriminalpolizei, einen Fälscherring auszuheben. Die Täter hatten "50-Mark-Blüten" hergestellt, die echten Banknoten kaum nachstanden. Der Fälscher hatte zusammen mit weiteren Tätern vier Jahre lang Banknoten der Bank Deutscher Länder hergestellt und für über 50 000 Westmark Falsifikate verbreitet. Im Gegensatz zur Bonner Bundesrepublik gibt es bei uns auf diesem Gebiet nur eine geringe Kriminalität. Abgesehen von wenigen, nur als Einzelexemplare aufgetretenen Handzeichnungen, die aufgrund ihrer Primitivität nicht erwähnenswert sind, wurden seit 1948 13 Fälle von Fälschungen der Mark der Deutschen Notenbank festgestellt. Einen der gefährlichsten Banknotenfälscher gelang es im Jahre 1952 festzunehmen. Er hatte eine in jahrelanger Arbeit entwickelte und hinsichtlich der Qualität äußerst gefährliche Nachbildung in Umlauf gebracht. Dem Fälscher war es geglückt, innerhalb von 14 Tagen 3000 Falsifikate von 20-DM-Noten umzusetzen.

Dieser Fall zeigte, daß es bei auftretenden Fälschungen notwendig ist, unverzüglich mit der Verbrechensbekämpfung zu beginnen, auch wenn nur eine geringe Verbreitung erfolgt oder die Nachahmung sehr plump erscheint.

Jeder Fälscher ist bestrebt, seine Falsifikate fortlaufend zu verbessern, um eine Fälschung zu schaffen, die den echten Noten sehr nahe kommt und im allgemeinen für den Laien als Falsifikat nicht erkennbar ist. Das gelingt allerdings nur in den wenigsten Fällen. Kaum ein anderer Verbrecher kalkuliert in seine Straftaten die Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit der Mitmenschen in solche starkem Maße ein wie der Banknotenfälscher. Er weiß, daß er bei der Verbreitung des Falschgeldes ständig der Gefahr ausgesetzt ist, daß seine Fälschungen erkannt werden. Deshalb ist er auch bestrebt, die ihm durch die Herstellung entstandenen Unkosten schnell zu decken und darüber hinaus einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Er bringt daher meist erst dann größere Mengen Falschgeld in Umlauf, wenn er eine einigermaßen gute Fälschung geschaffen hat.
 
Banknotenfälscher Berg in seiner Werkstatt. Die Fälscherwerkstatt und die vom Täter verwendeten Werkzeuge beseitigen alle Zweifel darüber, daß an jedem beliebigen Ort falsche Banknoten hergestellt werden können. Dem Verbrecher gelang es, mit relativ einfachen Mitteln gute Falsifikate anzufertigen.
Banknotenfälscher Berg in seiner Werkstatt. Die Fälscherwerkstatt und die vom Täter verwendeten Werkzeuge beseitigen alle Zweifel darüber, daß an jedem beliebigen Ort falsche Banknoten hergestellt werden können. Dem Verbrecher gelang es, mit relativ einfachen Mitteln gute Falsifikate anzufertigen.


Schnelle kriminalistische Aufklärungsarbeit erforderlich
Große Mengen in Umlauf gesetzter Fälschungen bedeuten für unsere Wirtschaft eine nicht unerhebliche Gefährdung, die auch zu schwerwiegenden politischen Folgen führen kann. Wenn trotz aller seitens der Notenbank und der Volkspolizei eingeleiteten Maßnahmen der Täter nicht ergriffen wird, müssen eventuell bestimmte Notenserien aus dem Verkehr genommen werden. Der Neudruck von Banknoten ist jedoch stets mit der Beschaffung hochwertiger Rohstoffe und mit erheblichen Kosten verbunden, die für unseren Aufbau zweckmäßiger verwendet werden können.

Bei Geldfälschern und -verbreitern handelt es sich fast ausschließlich um reisende Täter. Das macht die Bekämpfung dieser Verbrechen besonders schwierig. Wie die Erfahrungen zeigen, handeln Fälscher äußerst geschickt und raffiniert. In der Regel arbeiten sie ausnahmslos außerhalb ihres ständigen Wohnbereiches unter möglichst schnellem Wechsel der Verbreitungsorte. Beispielsweise suchen sie oft erst wochenlang einzelne Geschäfte auf, um zu beobachten, wo sich infolge der Gleichgültigkeit des Verkaufspersonals die besten Absatzmöglichkeiten für die Falsifikate bieten.

Fast sämtliche verbreiteten Falsifikate werden erst von der Deutschen Notenbank, von Sparkassen oder anderen Kreditinstituten als Fälschung erkannt. Dadurch vergeht meist eine gewisse Zeit bis zur Feststellung der Falsifikate, so daß es schwerfällt, den letzten Verausgeber zu ermitteln. Oft hat der Verbrecher nur einen falschen Schein mitgenommen, während der sich in der Nähe aufhaltende Mittäter eine größere Anzahl bei sich trägt. Das geschieht aus Sicherheitsgründen, Beobachtet der Komplice beispielsweise, daß die Falschgeldverbreitung mißlingt, d. h. daß der Verkäufer Verdacht geschöpft hat, dann muß er schnellstens sämtliche Spuren, die auf eine Falschgeldherstellung schließen lassen, verwischen. Deshalb ist bei Feststellung eines Verbreitens unbedingt notwendig, daß dessen Wohnung gesichert wird, um vorzubeugen, daß sachliche Beweise beiseite geschafft werden können.
   
Nach einer sofortigen Ergreifung des Falschgeldverbreiters erfolgte schlagartig eine gründliche Wohnungsdurchsuchung. Es konnten mehrere solche Koffer, die Falschgeld enthielten, beschlagnahmt werden. Der Verbrecher hatte 20-DM-Noten en gros hergestellt.
Nach einer sofortigen Ergreifung des Falschgeldverbreiters erfolgte schlagartig eine gründliche Wohnungsdurchsuchung. Es konnten mehrere solche Koffer, die Falschgeld enthielten, beschlagnahmt werden. Der Verbrecher hatte 20-DM-Noten en gros hergestellt.

In der Regel versucht ein Fälscher oder Falschgeldverbreiter für die verausgabten Falsifikate eine möglichst große Summe echten Geldes zurückzubekommen. Daher kauft er fast ausnahmslos Gegenstände von geringem Wert, beispielsweise Zigaretten, Seife, Kämme, Filme u. a. Diese Waren befinden sich meist in größeren Mengen in seiner Wohnung. So konnten bei einem Fälscher, der seine Falsifikate selbst umsetzte, für einige tausend Mark Münzen im Werte von zehn und fünfzig Pfennig, die er als Wechselgeld empfangen hatte, beschlagnahmt werden.

Bei der Durchsuchung von Wohnungen, Werkstätten und anderen Räumen muß auf die unscheinbarsten Dinge geachtet werden. Die zur Herstellung von Falschgeld verwendeten Materialien – beispielsweise Bildwerfer, Fotoapparate, Vergrößerungsgeräte, Flaschen mit Säuren, Metallteile, entsprechende Fachliteratur – sind stets gut versteckt. Eine Fälscherwerkstatt kann in jeder Wohnung, sei es in der Stadt oder auf dem Lande, in einer einfachen Wohnlaube oder in Geschäfts- oder Lagerräumen eingerichtet sein. Es ist notwendig, jede Person, die mit einem Falsifikat angetroffen wird, der örtlichen VP-Dienststelle zuzuführen und durch die Kriminalpolizei feststellen zu lassen, ob es sich um eine wissentliche oder eine gutgläubige Verbreitung handelt.

Das Schwergewicht der vorbeugenden Tätigkeit bei Falschgelddelikten liegt in einer wirksamen Zusammenarbeit mit dem Handel oder anderen Institutionen, bei denen wiederholt Falsifikate aufgetaucht sind. Dazu können auch Informationen in mündlicher oder schriftlicher Form, beispielsweise durch Handzettel, erteilt werden. Wenn sich jedoch Anhaltspunkte ergeben, die eine Ergreifung des Täters möglich machen, oder wenn die Verbreitung noch keinen großen Umfang angenommen hat, muß von einer Veröffentlichung zweckmäßigerweise Abstand genommen werden. Erhält der Fälscher irgendwie Kenntnis durch die Presse oder durch andere Umstände, so wird er meist seine Tätigkeit vorübergehend einstellen, das Falsifikat verbessern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Verbreiter – oft mit besseren Fälschungen – in Erscheinung treten. Es gibt auch Fälscher, die nur alle Wochen oder Monate einzelne Falsifikate umsetzen.

Am häufigsten wurden bisher 20-DM-Noten gefälscht. Die Täter gingen dabei von der Tatsache aus, daß bei diesen gebräuchlichen Zahlungsmitteln vom Verkaufspersonal kaum eine Prüfung erfolgt.

Meist haben sich Banknotenfälscher ihr Wissen durch ein ausgiebiges, oft Jahre dauerndes Selbststudium angeeignet. Voraussetzung ist jedoch, daß der Fälscher gründliche Kenntnisse über den gesamten Druckvorgang sowie technische Fertigkeiten besitzt. Falsch ist, anzunehmen, daß Fälscher vorzugsweise aus dem grafischen Gewerbe kommen, Kunstmaler sind, Fotograf oder ähnliche Berufe erlernt haben. Es gibt Beispiele, wo Elektriker, Bäcker, Musiker oder Personen anderer Berufsarten qualitativ gute Fälschungen produzieren.

Ein Vergleich des echten Wasserzeichens [links] mit dem Wasserzeichen des Falsifikats [rechts] läßt die Fälschung klar erkennen.
Ein Vergleich des echten Wasserzeichens [links] mit dem Wasserzeichen des Falsifikats [rechts] läßt die Fälschung klar erkennen.

Wie erkennt man falsche Banknoten?
Echte Banknoten sind gegen Fälschungen durch Spezialpapier, Wasserzeichen, Faserstreifen sowie durch die Zeichnung des Notenbildes und andere Sicherheiten geschützt. Es ist bisher kaum einem Fälscher gelungen, die Wasserzeichen oder die Faserstreifen naturgetreu nachzubilden. Falsifikate ohne diese Sicherheiten sind bei einem Vergleich mit einer echten Note sofort zu erkennen. 
So bieten Wasserzeichen und Faserstreifen einen besonderen Schutz. 
Das Wasserzeichen bei einer echten Note entsteht im Produktionsprozeß. Fälscher versuchen durch Verdünnung des Papiers an der entsprechenden Stelle oder mittels Fettaufdruck u. ä. das Wasserzeichen nachzuahmen. Der Faserstreifen ist in das Papier eingewirkt und die Fäserchen sind mit dem Papierstoff verfilzt (außer bei 0,50-DM-Scheinen). Die Fälscher versuchen meist, diese Fasern aufzukleben oder aufzuzeichnen. Fast ausnahmslos ist das gesamte Notenbild einer Fälschung verschwommen, matt getönt und unscharf wiedergegeben; dagegen zeigt das Notenbild der echten Note eine satte Färbung, einen sauberen, deutlichen und klaren Druck.
Die mit Tintenstift vorgetäuschten Faserstreifen (links) haben einen ganz anderen Charakter als die Faserstreifen echter Banknoten (rechts). Beide Ausschnitte wurden 300fach vergrößert.
Die mit Tintenstift vorgetäuschten Faserstreifen (links) haben einen ganz anderen Charakter als die Faserstreifen echter Banknoten (rechts). Beide Ausschnitte wurden 300fach vergrößert.

Die Bekämpfung eines Schwerpunktes hat auf Grund der Schwierigkeiten bei der Ermittlung meist nur dann Erfolg, wenn eine Einsatzgruppe die zentrale Bearbeitung durchführt. Dieser Einsatzgruppe erwächst die Aufgabe, eine systematische und wirksame Bekämpfung zu organisieren. sie muß sich vorerst über die Lage informieren und entsprechende Unterlagen schaffen.

Der Erfolg der Bekämpfung von Falschgelddelikten ist häufig davon abhängig, im welchem Maße außer der Abteilung zum Schutze des Volkseigentums auch andere Dienstzweige von dem Vorhandensein und über die Merkmale der Fälschung informiert werden. Die Zusammenarbeit der einzelnen Dienstzweige darf keinen zufälligen Charakter tragen, sondern alle Maßnahmen müssen systematisch vorbereitet und durchgeführt werden. Die Volkspolizei hat zur Aufklärung dieser Delikte verschiedene Möglichkeiten. Es können beispielsweise Druckereien, Klischeeanstalten und ähnliche Betriebe durch die Abteilungen Erlaubniswesen nach bestimmten Hinweisen überprüft werden. Das kann wiederum Ermittlungen über Personen nach sich ziehen. Dazu müssen besonders die Abschnittsbevollmächtigten herangezogen werden, da sie in ihrem örtlichen Zuständigkeitsbereich die besten Möglichkeiten haben, Auskünfte über diese Menschen zu erlangen.

Ähnlich verhält es sich mit der Überprüfung von Personen, die wegen ähnlicher Verbrechen bereits vorbestraft sind. Bisher wurde es oft nicht verstanden, individuell solche Überprüfungen vorzunehmen und genaue Informationen einzuholen. Manchmal ist es auch notwendig, Überprüfungen von Einzelpersonen und von Personengruppen vorzunehmen, die sich zum Zeitpunkt des Anfalls in Hotels oder anderen Übernachtungsstätten aufgehalten haben. Hier ist eine gute Zusammenarbeit mit der Fahndung erforderlich, die über den Schwerpunkt und die eingeleiteten Maßnahmen informiert werden muß.

Rudi Augustiniok

Herzlichen Dank unserem Leser Stephan Ziegler für die Bereitstellung des historischen Artikels!

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