Baustein des Weilburger Rudervereins


Abb. 1: Baustein des Weilburger Rudervereins zu 20 Mark, undatiert, Vorderseite.

Abb. 2: Baustein des Weilburger Rudervereins zu 20 Mark, undatiert, Rückseite.

Vor Erfindung von dampf- und motorangetriebenen Booten und Schiffen war man auf gute Winde angewiesen, wollt man sich im Wasser fortbewegen, es sei denn, man setzte Muskelkraft ein. Seit der Antike befuhren Händler und Krieger rudernd das Mittelmeer. Rudern wurde auch als Sport betrieben.

„1715 schrieb der Engländer Thomas Doggett den ersten Ruderwettkampf der Neuzeit aus; die erste Regatta auf der Themse fand 1775 statt, das so genannte ‚Doggett’s Coat and Badge Race‘. Die bekannteste Regatta auf der Themse ist der Wettkampf der Ruder-Achter der Universitäten von Cambridge und Oxford, das sogenannte Boat Race, das im Jahr 1829 zum ersten Mal stattfand. 1836 wurde der Hamburger Ruder-Club gegründet, und die erste deutsche Ruderregatta gab es 1844 in Hamburg. 1896 wurde Rudern olympisch.“ (Wikipedia)

Auch in Weilburg an der Lahn trafen sich zwölf ruderbegeisterte Herren im Hotel Traube und gründeten am 28. Februar 1905 den Weilburger Ruderverein. Bereits im Juni 1906 konnte das Bootshaus eingeweiht werden. Die Vereinsmitglieder waren wohl bestens vernetzt, wie man heute sagen würde, denn Großherzog Wilhelm von Luxemburg förderte den jungen Verein und nach dessen Tod trat 1912 Großherzogin Marie Adelheid an seine Stelle.

Der Neubeginn nach dem Ersten Weltkrieg stellte den Verein vor große finanzielle Herausforderungen. In diesem Zusammenhang muss sicherlich der hier abgebildete Baustein über 20 Mark gesehen werden.

Der Schein hat die Maße 70 x 100 mm und wurde auf bräunlichem, wasserzeichenlosen Papier gedruckt. Der Druck ist zweifarbig: Hauptdruck schwarz, Unterdruck bräunlich. Die Vorderseite ist im Hochformat ausgeführt und zeigt in der oberen linken Ecke das Wappen der Stadt Weilburg und in der rechten steht zweizeilig „20 / Mk.“, dazwischen eine Kennnummer und darunter in einem Achteck ein stehender Ruderer, der in der linken Hand einen Pokal hält und rechts die Ruder geschultert hat, im Hintergrund ist ein Vierer mit Steuermann zu sehen. Die untere Scheinhälfte enthält den sechszeiligen Text: „Baustein / über / 20 Mk. / vom / Weilburger / Ruderverein“. Die waagerechte Rückseite bildet groß das Weilburger Schloss von der Lahnseite ab, darüber zweizeilig „Baustein vom / Weilburger Ruderverein“, unter der Abbildung zwischen „Zwanzig und Mark“ die Darstellung eines Ruderbootes mit einem Ruderer. Die Schrift ist in Fraktur ausgeführt. Leider wird auf dem Schein keine Druckerei genannt.

Von der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb auch der Verein nicht verschont. Die Boote mussten auf Anweisung des Ortsgruppenführers an die Ruder-Kampfspielgemeinschaft IV/261 der SA-Standarte 261 übergeben werden. Am 30. Dezember 1936 legte der Vorstand seine Ämter nieder, so dass die Vereinsarbeit die nächsten Jahre ruhte.

Obwohl nach Ende des Zweiten Weltkriegs Vereine zunächst nicht zugelassen waren, fanden sich ruderbegeisterte junge Leute zusammen. Sie schlossen sich zunächst dem im September 1945 gegründeten Sportverein 1919 an und bildeten dort eine Ruderabteilung. Am 14. Januar 1950 war es dann so weit. 46 Gründungsmitglieder riefen den Weilburger Ruderverein 1905 e. V. wieder ins Leben.

Angaben zur Vereinsgeschichte nach http://wip.weilburgerruderverein.de/der-verein/verein.


Bliebe noch zu erwähnen, dass der Baustein des Weilburger Rudervereins im Katalog

Deutsches Notgeld, Band 1+2: Deutsche Serienscheine 1918–1922 unter der Katalog-Nr. 1392.1 zu finden, heute relativ selten und deshalb auch hoch bewertet ist.


Text und Abb. Uwe Bronnert

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