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Carl Schurz: vom preußischen Rebell zum Innenminister der USA

Carl Christian Schurz wurde am 2. März 1829 im Pächterhaus des Wasserschlosses Gracht in Liblar im Bergheim-Erft-Kreis in der preußischen Rheinprovinz geboren und war der älteste Sohn des Dorflehrers Christian Schurz und seiner Ehefrau Marianne. Ab 1836 besuchte er die Schule im Dorf; ein Jahr später wechselte er zur Elementarschule in Brühl. Das Lehrergehalt seines Vaters mit Bezügen von monatlich etwa 10 Thalern reichte für die Versorgung der Familie nicht aus; so verließ dieser den Schuldienst und eröffnete eine kleine Eisenwarenhandlung.


Abb. 1: 5 Thaler Courant, 6. Mai 1824, Vs., 130 mm x 90 mm; Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Abb. 1: 5 Thaler Courant, 6. Mai 1824, Vs., 130 mm x 90 mm; Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden.

Von 1839 bis 1846 besuchte Schurz das Marzellen-Gymnasium in Köln. Aber Geldprobleme der Familie zwangen Carl Schurz zum Abbruch der Schule in der vorletzten Jahrgangsstufe. Im Selbststudium brachte er sich den Stoff der Oberprima bei und legte als „Auswärtiger“ erfolgreich die Abiturprüfung ab; außerdem war er 1846/47 Gasthörer an der Universität Bonn. Schon in seiner Jugendzeit erfuhr er freiheitlich-demokratisches Gedankengut; selbst schrieb er 1905:

„Unterdessen wurde von meinem Vater und meinen Oheim Amerika eifrig besprochen. Da hörte ich denn zum ersten Male von dem unermeßlichen Lande jenseits des Ozeans, seinen ungeheuren Wäldern, seinen großartigen Seen und Strömen, von der jungen Republik, wo es nur freie Menschen gäbe, keine Könige, keine Grafen, keinen Militärdienst und, wie man in Liblar glaubte, keine Steuern. Alles, was über Amerika Gedrucktes aufgetrieben werden konnte, wurde mit Begierde gelesen, und so sah ich im Pfennigmagazin zum erstenmal das Bildnis Washingtons, den mein Vater den edelsten aller Menschen in der Geschichte der Welt nannte, da er als Feldherr im Kriege für die Befreiung seines Volkes große Heere kommandiert und dann, statt sich zum König zu machen, all seine Gewalt freiwillig niedergelegt und wieder als einfacher Landwirt den Pflug in die Hand genommen habe. An diesem Beispiel erklärte mein Vater mir, was ein »Freiheitsheld« sei.“ [1]

1847 schrieb sich Schurz an der Bonner Universität ein, studierte Philologie und Geschichte und hörte Vorlesungen bei Professor Johann Gottfried Kinkel. Dessen antimonarchistische Ansichten begeisterten Schurz, sie freundeten sich an und beteiligten sich gemeinsam am

10. Mai 1849 an der Erstürmung des Waffenlagers in Siegburg.


Zur Finanzierung des militärischen Aufstands und der Errichtung demokratischer Verhältnisse in Süddeutschland gab der liberale Rechtsanwalt Gustav von Struve Schuldscheine in Höhe von u. a. 35 Kreuzer als Anleihe aus. Am 21. September 1848 hatte der Abgeordnete der badischen Kammer in Lörrach eine „Deutsche Republik“ ausgerufen.


Abb. 2: 35 Kreuzer, Januar 1849, Vs., 187 mm × 242 mm, 5 %-er Schuldschein der Gesellschaft deutscher Republikaner („Freiwilliges Anlehen“ zu Gunsten der deutschen Republik).
Abb. 2: 35 Kreuzer, Januar 1849, Vs., 187 mm × 242 mm, 5 %-er Schuldschein der Gesellschaft deutscher Republikaner („Freiwilliges Anlehen“ zu Gunsten der deutschen Republik).

Nach dem Scheitern des sog. Siegburger Zeughaussturms war Schurz am Ende des badisch-pfälzischen Aufstands in der Festung Rastatt wie viele meuternde badische Militärs von preußischen Truppen eingeschlossen. Die Festung fiel nach dreiwöchiger Belagerung am

23. Juli 1849. In der Nacht zum 24. Juli begann seine viertägige Flucht durch einen Abwasserkanal aus der Festung nach Steinmauern ins elsässische Seltz. Die geheime Bootsfahrt über den Rhein kostete Carl Schurz 5 Thaler.


Abb. 3: 5 Thaler Courant, 2. Januar 1835, Vs., 130 mm x 85 mm, Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Abb. 3: 5 Thaler Courant, 2. Januar 1835, Vs., 130 mm x 85 mm, Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden.

In Seltz erfuhr er, dass Professor Gottfried Kinkel nach Kämpfen an der Murlinie verwundet und in die Festung Rastatt gebracht wurde. Kinkel wurde am 4. August 1849 vom preußischen Kriegsgericht in Rastatt zu lebenslanger Festungshaft verurteilt.


Nach seiner Flucht erreichte Schurz Straßburg, sollte dort interniert werden und fuhr in Richtung Schweiz, wo er einige ihm bekannte Revolutionäre in Bern zu treffen hoffte.

Er überquerte illegal und ohne Pass die Grenze.


Abb. 4: 100 französische 5-Franken-Thaler, Vs., 1. Januar 1849, Vs. 204 mm x 144 mm; Banknote der Deposito-Cassa der Stadt Bern (ursprünglich lauteten die befristeten Noten auf 500 Franken alter Währung).
Abb. 4: 100 französische 5-Franken-Thaler, Vs., 1. Januar 1849, Vs. 204 mm x 144 mm; Banknote der Deposito-Cassa der Stadt Bern (ursprünglich lauteten die befristeten Noten auf 500 Franken alter Währung).

Im Mai 1850 wurde Kinkel in das Zuchthaus Spandau überführt und seine Frau erwirkte durch eine Öffentlichkeitskampagne eine mildere lebenslange Haft in einer „Zivilanstalt“. Schurz befreite seinen Freund in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1850. Durch Bestechung des Gefängniswärters Georg Brune gelang die spektakuläre Aktion mit Hilfe von Gleichgesinnten und einem 20 Meter langen Seil. Beide flohen gemeinsam über Oranienburg, Neubrandenburg und Güstrow nach Rostock. In Warnemünde gingen sie unter den Decknamen Kaiser und Hensel an Bord des Segelschiffs „Kleine Anna“ und landeten am 1. Dezember 1850 im Hafen von Leith bei Edinburgh. Gemeinsam fuhren sie nach London, wo sich ihre Wege trennten – Kinkel blieb in London, Schurz ging nach Frankreich.


Abb. 5: Gottfried Kinkel (links) hatte am 31. Mai 1848 den Demokratischen Verein in Bonn gegründet und galt seitdem als radikaldemokratisch, er wurde zum Märtyrer der Revolution; Carl Schurz (rechts) wurde Adjutant von Fritz Anneke in der badischen Revolutionsarmee.
Abb. 5: Gottfried Kinkel (links) hatte am 31. Mai 1848 den Demokratischen Verein in Bonn gegründet und galt seitdem als radikaldemokratisch, er wurde zum Märtyrer der Revolution; Carl Schurz (rechts) wurde Adjutant von Fritz Anneke in der badischen Revolutionsarmee.
Abb. 6: 1 Thaler, 1848, Vs./Rs., 34,5 mm Ø, 750-er Silber, sog. „Angsttaler“ Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Großherzog Friedrich Franz II.
Abb. 6: 1 Thaler, 1848, Vs./Rs., 34,5 mm Ø, 750-er Silber, sog. „Angsttaler“ Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Großherzog Friedrich Franz II.
Abb. 7: 1 Pound/20 Shillings, 1. Mai 1838, Vs., 132 mm × 122 mm, Banknote der Leith Banking Co.
Abb. 7: 1 Pound/20 Shillings, 1. Mai 1838, Vs., 132 mm × 122 mm, Banknote der Leith Banking Co.
Abb. 8: 1 Pound, 20. Mai 1816, Vs., 200 mm × 113 mm, Banknote der Bank of England.
Abb. 8: 1 Pound, 20. Mai 1816, Vs., 200 mm × 113 mm, Banknote der Bank of England.
Abb. 9: 100 Francs, 22. Februar 1849, Vs., 180 mm × 110 mm, Banknote der Banque de France; Schurz verdiente durch journalistische Arbeiten etwa 180 Francs monatlich.
Abb. 9: 100 Francs, 22. Februar 1849, Vs., 180 mm × 110 mm, Banknote der Banque de France; Schurz verdiente durch journalistische Arbeiten etwa 180 Francs monatlich.

Die französischen Behörden überwachten Carl Schurz, inhaftieren ihn Ende Mai 1851 für vier Tage und erklärten ihn zur unerwünschten Person. Er kehrt deshalb im Sommer nach London zurück, wo außer den Kinkels noch viele weitere politische Flüchtlinge lebten; dort lernte er Margarethe Meyer, Tochter eines Hamburger Fabrikanten, kennen und sie heirateten am

6. Juli 1852 kurz vor ihrer gemeinsamen Auswanderung in die USA. Am 17. September 1852 erreichten sie auf dem Paketschiff „City of London“ New York. Beide hielten sich später in Philadelphia und Washington auf. Schurz studierte die englische Sprache intensiv und besuchte den Senat und das Abgeordnetenhaus im Capitol. Schurz’ Eltern und Schwestern kamen im Frühjahr 1853 nach Philadelphia, nachdem die preußische Polizei das elterliche Haus durchsuchte und verwüstete. Die Großfamilie mietete ein Haus und die beiden Schwestern Anna und Antonie eröffneten ein Modegeschäft. Am 3. Mai 1853 wurde Schurz’ erstes Kind Agathe geboren. 1854 kaufte er ein Grundstück in Wisconsin und ließ ein Haus in Watertown bauen.


Abb. 10: 10 Dollars, Juli 1850, Vs., 185 mm × 77 mm, Banknote der Bank of Wisconsin.
Abb. 10: 10 Dollars, Juli 1850, Vs., 185 mm × 77 mm, Banknote der Bank of Wisconsin.

Schurz praktizierte ab 1858 als Rechtsanwalt am Circuit Court in Milwaukee/Illinois. Wegweisend für seine Zukunft war die Begegnung mit Abraham Lincoln am 12. Oktober 1858. Während einer Zugfahrt kam es zu einer denkwürdigen Begegnung: Carl Schurz lernte den späteren 16. Präsident der USA kennen. Dieser debattierte damals mit dem Herausforderer Stephen A. Douglas über die Sklaverei – beide wollten für Illinois in den Washingtoner Senat. Lincoln verlor gegen Douglas, hatte aber schon den Präsidentschaftswahlkampf 1860 im Blick. Schurz unterstützte Lincoln dabei und entsprechend seinem ausgeprägten Ego behauptete er später: „Ich habe mehr als alle anderen getan, um Lincoln auf dem richtigen Weg zu halten.“ Lincoln gewann die Präsidentschaft am 6. November 1860 und Carl Schurz sollte als US-Botschafter nach Sardinien gehen, wurde jedoch 1861 von Außenminister William H. Seward als Gesandter in die Botschaft der USA nach Spanien geschickt.


Abb. 11: 100 Reales de Vellón, 1. August 1861, Vs., 178 mm × 114 mm, Banknote der Banco de Cádiz.
Abb. 11: 100 Reales de Vellón, 1. August 1861, Vs., 178 mm × 114 mm, Banknote der Banco de Cádiz.

Nach einem halben Jahr kehrte Schurz in die Vereinigten Staaten zurück, um sich auf Seiten der Nordstaaten am Bürgerkrieg zu beteiligen. Schurz diente als Brigadegeneral unter den Generälen Frémont und Sigel in der Virginia-Armee. Im Sommer 1863 wurde er zum Generalmajor befördert, befehligte die Army of the Cumberland und nahm an verschiedenen Schlachten z. B. bei Chancellorsville und Gettysburg teil. 1864 wurde er Truppenausbilder in Nashville/Tennessee.


Abb. 12: 1 Dollar, 4. Januar 1863, Vs., 186 mm × 78 mm, Banknote der Bank of Chattanooga/Tennessee (Südstaaten).
Abb. 12: 1 Dollar, 4. Januar 1863, Vs., 186 mm × 78 mm, Banknote der Bank of Chattanooga/Tennessee (Südstaaten).
Abb. 13: 5 Dollars, 5. Mai 1859, Vs., 186 mm × 78 mm, Banknote der City Bank Philadelphia/ Pennsylvania (Nordstaaten).
Abb. 13: 5 Dollars, 5. Mai 1859, Vs., 186 mm × 78 mm, Banknote der City Bank Philadelphia/ Pennsylvania (Nordstaaten).

Nach dem tödlichen Attentat auf Präsident Lincoln während seiner zweiten Amtszeit am

15. April 1865 wurde der Vizepräsident Andrew Johnson ins Präsidentenamt vereidigt.

Schurz brach nach Meinungsverschiedenheiten mit Johnson und beendete vorerst seine politische Karriere.


Schurz zog sich ins Privatleben zurück und wurde u. a. Washington-Korrespondent für die „New York Tribune“ und Redakteur bei der „New York Evening Post“. Zusammen mit seiner Frau Margarethe, die als erste Gründerin eines Kindergartens in den USA gilt, reiste er 1867 nach Deutschland und nach einem Aufenthalt im inzwischen an Preußen gefallenen Nassau nahm er von Wiesbaden aus im Januar 1868 eine persönliche Einladung des damaligen Bundeskanzlers des Norddeutschen Bundes Otto von Bismarck an.


Bismarck, der Schurz seit 1851 steckbrieflich suchen ließ, empfing ihn freundlich im Kanzlerpalais in der Berliner Wilhelmstraße. In einem der Gespräche überraschte er Schurz mit einer nüchternen Prophezeiung über den französischen Kaiser Napoleon III.:


„... Dazu wird er unter irgendeinem Vorwand Streit mit uns anfangen. Ich glaube nicht, dass er persönlich diesen Krieg herbeisehnte, ich glaube sogar, er würde ihn lieber vermeiden, aber seine unsichere Lage wird ihn dazu treiben. Nach meiner Berechnung wird diese Krisis in etwa zwei Jahren eintreten. ... Wir werden siegen und das Ergebnis wird gerade das Gegenteil von dem sein, was Napoleon anstrebt, nämlich die vollständige Einigung Deutschlands außerhalb Österreichs und wahrscheinlich auch der Sturz Napoleons.“

Der Krieg zwischen Frankreich und Preußen brach im Juli 1870 aus, Napoleon III. wurde am

4. September 1870 gestürzt und das Deutsche Reich am 1. Januar 1871 errichtet– eine zutreffende Voraussage des preußischen Ministerpräsidenten.[2]


Abb. 14: 5 Thaler Courant, 15. September 1856, Vs., 130 mm × 85 mm, Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Abb. 14: 5 Thaler Courant, 15. September 1856, Vs., 130 mm × 85 mm, Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden.

Wieder in den USA angekommen, begab sich Schurz erneut auf das innenpolitische Parkett. Der inzwischen 40-Jährige kandidierte 1869 für das Amt eines US-Senators für Missouri, gewann das Mandat und sagte selbst über sich:


„Die Schlacht ist geschlagen. Es ist der größte Sieg meines Lebens ... Nur wenig mehr als sechzehn Jahre waren vergangen, seitdem ich in Amerika gelandet war, ein Heimatloser, ein aus dem großen Schiffbruch der revolutionären Bewegung in Europa Geretteter.“

Er begleitete sein Washingtoner Amt bis 1875; der republikanische Gouverneur von Ohio,

Hayes, wurde in dieser Zeit auf Schurz aufmerksam, der 1872 die Liberal-Republikanischen Partei mitbegründete. Nach der 1876 gewonnenen Präsidentschaft ernannte Rutherford B. Hayes sieben Tage nach Amtseinführung den früheren Senator Schurz zum Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika.


Abb. 15: Ernennungsurkunde als Innenminister der USA im Kabinett Hayes vom 12. März 1877 mit dem Text „... know ye, that, reposing special trust and confidence in the patriotism, integrity and abilities of Carl Schurz of Missouri, I have nominated, and, by and with the advice and consent of the Senate, do appoint him to be Secretary of the Interior, and do autorize and empower him to execute and fulfil the duties according to law, and to have and to hold the said office, with all the powers, the privileges, and emcluments to the same of right appertaining ...“ (... hiermit bezeuge ich, dass ich, im besonderen Vertrauen auf den Patriotismus, die Integrität und die Fähigkeiten von Carl Schurz aus Missouri, ihn mit Zustimmung des Senats zum Innenminister nominiert habe und ernenne und ermächtige ihn, die ihm gesetzlich zustehenden Pflichten zu erfüllen und das Amt mit allen damit verbundenen Befugnissen, Privilegien und Rechten auszuüben ...) – am 12. März 1877 in Washington von Präsident R. B. Hayes unterzeichnet (US-Banknoten mit dem Abbild von Präsident Hayes gibt es nicht – lediglich eine Fantasienote über 100 Dollars Serie 1924). Schurz erhielt als Innenminister ein Gehalt von jährlich 8.000 US-Dollars – nach heutigem Wert etwa 240.000 bis 260.000 US-Dollars.
Abb. 15: Ernennungsurkunde als Innenminister der USA im Kabinett Hayes vom 12. März 1877 mit dem Text „... know ye, that, reposing special trust and confidence in the patriotism, integrity and abilities of Carl Schurz of Missouri, I have nominated, and, by and with the advice and consent of the Senate, do appoint him to be Secretary of the Interior, and do autorize and empower him to execute and fulfil the duties according to law, and to have and to hold the said office, with all the powers, the privileges, and emcluments to the same of right appertaining ...“ (... hiermit bezeuge ich, dass ich, im besonderen Vertrauen auf den Patriotismus, die Integrität und die Fähigkeiten von Carl Schurz aus Missouri, ihn mit Zustimmung des Senats zum Innenminister nominiert habe und ernenne und ermächtige ihn, die ihm gesetzlich zustehenden Pflichten zu erfüllen und das Amt mit allen damit verbundenen Befugnissen, Privilegien und Rechten auszuüben ...) – am 12. März 1877 in Washington von Präsident R. B. Hayes unterzeichnet (US-Banknoten mit dem Abbild von Präsident Hayes gibt es nicht – lediglich eine Fantasienote über 100 Dollars Serie 1924). Schurz erhielt als Innenminister ein Gehalt von jährlich 8.000 US-Dollars – nach heutigem Wert etwa 240.000 bis 260.000 US-Dollars.
Abb. 16: Carl Schurz, im Januar 1869 als Senator von Missouri gewählt, war als erster Deutsch-Amerikaner bis 1875 Kongressabgeordneter und ab 1877 US-Innenminister – seine Reformierung des öffentlichen Dienstes warf man ihm „als Einführung unamerikanischer ‚preußischer‘ Verhältnisse“ vor; schon damals war es in den USA üblich, nach jeder Wahl alle Ämter neu zu besetzen (Foto: Mathew B. Brady 1877).
Abb. 16: Carl Schurz, im Januar 1869 als Senator von Missouri gewählt, war als erster Deutsch-Amerikaner bis 1875 Kongressabgeordneter und ab 1877 US-Innenminister – seine Reformierung des öffentlichen Dienstes warf man ihm „als Einführung unamerikanischer ‚preußischer‘ Verhältnisse“ vor; schon damals war es in den USA üblich, nach jeder Wahl alle Ämter neu zu besetzen (Foto: Mathew B. Brady 1877).
Abb. 17: 1 Dollar, 25. Mai 1877, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der German American National Bank of Washington.
Abb. 17: 1 Dollar, 25. Mai 1877, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der German American National Bank of Washington.

Abb. 18: 20 Dollars, 6. Juli 1885, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der National City Bank of New York.
Abb. 18: 20 Dollars, 6. Juli 1885, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der National City Bank of New York.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst arbeitete Schurz ab 1881 wieder als Journalist und war als Herausgeber der „Evening Post“ und als Chefredakteur bei „Harper’s Weekly“ von 1892 bis 1893 tätig. Er leitete auch die „New York Civil Service Reform League“ und blieb als anerkannter Führer in der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft politisch aktiv.

Schurz’ letzter öffentlicher Kampf richtete sich gegen den US-Imperialismus; er verurteilte den Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898. Am 10. Dezember 1898 verzichtete das Königreich Spanien im Frieden von Paris auf wichtige Außenbesitzungen. Kuba, Guam, Puerto Rico, die Jungferninseln und die Philippinen kamen für 20 Millionen US-Dollars an die Vereinigten Staaten. Er prangerte das Vorgehen der Amerikaner an, das nicht den Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung entsprach und eine Verletzung der Verfassung der USA darstellte.


Carl Schurz starb am 14. Mai 1906 an einer Lungenentzündung in seiner Wohnung East 91st Street 24 in New York City und wurde auf dem Friedhof von Sleepy Hollow im Westchester County beigesetzt. Er überlebte seine Frau Margarethe, die 1876 kurz nach Geburt ihres zweiten Sohns Herbert starb. Ihre Tochter Emmy wurde nur zwei Jahre alt und Herbert starb 24-jährig in London an einem Herzleiden. Der jüngste Sohn Carl Lincoln Schurz war Rechtsanwalt in New York und starb 1924 im Alter von 53 Jahren im hessischen Bad Nauheim ebenfalls an einer Herzerkrankung. Schurz’ Töchter Agathe und Marianne blieben unverheiratet und widmeten sich sozialen Projekten – sie starben 1915 bzw. 1929.


Abb. 20: 5 Dollars, 1. Juli 1905, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der American Exchange National Bank of New York.
Abb. 20: 5 Dollars, 1. Juli 1905, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der American Exchange National Bank of New York.

Schurz galt viele Jahrzehnte in Deutschland und in den USA als vorbildlicher Demokrat. Seine historische Bedeutung wird neuerdings problematisch gesehen und ist Thema kritischer Aufarbeitung. So wirft man ihm den Aufbau brutaler Anstalten zur Assimilierung und einen erzwungenen Ausverkauf der verbliebenen Reservate (Aufteilung der Indianer-Reservate in Privatgrundstücke und Verkauf des nicht verteilten Landes an weiße Siedler) während seiner Dienstzeit als Innenminister vor. Die vorige US-Innenministerin Deb Haaland (2021–2025) gab eine Studie der Federal Boarding School Initiative in Washington in Auftrag, in der eine jahrzehntelange Zwangsverschickung indigener Kinder und deren Umerziehung in staatlichen Internaten anprangert wurde. Auch war er dafür verantwortlich, dass 1877 Bestrebungen für die Gleichberechtigung von Schwarzen in den Südstaaten gestoppt wurde.


Michael H. Schöne


Quellen:

[1] Carl Schurz „Sturmjahre, Lebenserinnerungen 1829–1852“, Ostberlin 1982

[2] Carl Schurz „Unter dem Sternenbanner, Lebenserinnerungen 1852–1869“, Ostberlin 1981

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