DDR: Nicht umgesetzte Entwürfe zur Banknotenserie 1971/1975

Aktualisiert: 23. Aug 2018

Die Banknotenserie 1964 der Deutschen Notenbank der DDR kam am 1. August 1964 in Umlauf. Bereits kurz darauf gingen Kritiken und Eingaben aus der Bevölkerung ein, die das Ministerium der Finanzen der DDR (MdF) veranlassten, über eine in späteren Jahren durchzuführende Gelderneuerung nachzudenken. Am 7. November 1964, also nur rund drei Monate nach Einführung der 1964er Serie ging eine Orientierung des MdF hierzu an die Bezirksdirektionen.

Am 19. Dezember 1964 wurde in einem vertraulichen Hausbrief des MdF zur Erneuerung der Banknoten mitgeteilt, dass der Ministerpräsident der DDR, Willi Stoph, darum gebeten hat, ihm einen Vorschlag wegen einer späteren Gelderneuerung nach entsprechender Fertigstellung sofort für eine Beschlussfassung im Präsidium des Ministerrats vorzulegen. Dazu waren Überlegungen für Entwicklungsaufgaben zur Papierherstellung anzustellen, die zunächst mit dem MdF und dem Leiter der DWD (Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig) beraten werden sollten.

Im Rückblick muss man die Serie 1964 eher als die gelungenste der DDR bezeichnen, während die folgenden Scheine schon allein wegen ihrer geringen Größe in der Bevölkerung als "Spielgeld" verspottet wurden.


Vorlage aus einer Dokumentenmappe für das Politbüro des ZK der SED über die Emmission und den Druck von Banknoten der DDR der Serie 1971/1975.

Die Anlage 4 aus der Vorlagen-Mappe für das ZK der SED zur Banknotenserie 1971/1975 zeigt nicht umgesetzte Entwürfe von Banknoten (nur Vorderseiten) über 5, 10, 20, 50 und 100 Mark der Staatsbank der DDR, die den später ausgegebenen Noten in ihrer Gestaltung ähneln, allerdings alle das Porträt von Karl Marx zeigen und in anderen Farben ausgeführt sind: 5 Mark Braun statt Violett, 10 Mark Blau statt Braun, 20 Mark Rot statt Grün, 50 Mark Grün statt Rot. Nur beim Hunderter blieb es beim traditionellen Blau, das schon seit der Kaiserzeit für diesen Wert verwendet wurde.



Die Anlage 2 zeigt den ursprünglichen Entwurf der Vorder- und Rückseite des Hunderters. Auf der Rückseite ist hier das Staatsratsgebäude der DDR in Berlin abgebildet. Erst mit Beschluss des Politbüros vom 1.6.1971 (1/206 21/71) wurde festgestellt, dass für die Gestaltung der Rückseite der Banknote zu 100 Mark ein Motiv des Stadtzentrums bestätigt wurde. Nach dem Emissionsplan konnte die Ausgabe des neuen Hunderters kurz nach der Fertigstellung des Palastes der Republik erfolgen. Es wurde deshalb vorgeschlagen, als endgültiges Motiv für die Rückseite das Ensemble um den Marx-Engels-Platz mit dem Palast der Republik im Mittelpunkt zu bestätigen. Hierzu wurde ein entsprechender neuer Entwurf vorgelegt.


"Der Entwurf geht von der modernen Gestaltung des zentralen Platzes der Hauptstadt unserer Republik in Verbindung mit der Darstellung historischer Gebäude und Wahrzeichen Berlins aus. Das Motiv stellt eine harmonische Verbindung moderner und prägnanter Bauwerke sozialistischen Charakters mit der historischen klassizistischen Architektur Berlins dar. Die beiliegende Entwurfsskizze muss im Hinblick auf die Übereinstimmung des Motivs mit der äußeren Gestaltung des Palastes vervollkommnet sowie in der künstlerischen Darstellung weiter verbessert werden. Die endgültige Motivgestaltung wird dem Politbüro mit dem Andruck der Banknote zu 100 Mark zur Bestätigung vorgelegt."




Die Anlage 5 der Vorlage für das Politbüro enthielt ebenfalls Entwürfe, die alle auf den Vorderseiten ein Porträt von Karl Marx zeigen, aber im Vergleich zu den Entwürfen der Anlage 2, die später in ähnlicher Form auch umgesetzt wurden, sehr einfach gestaltet waren. Die Rückseiten zeigen je ein aufgeschlagenes Buch, das Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels.


Hans-Ludwig Grabowski, mit Dank an Matthias Böhme

Abb. Historisches Konzernarchiv KfW Berlin

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