Ein scheinbar unedierter Notgeldschein des Donnerstags Kegel-Club der Stadt Vohwinkel
- Thomas van Eck

- vor 7 Stunden
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Vohwinkel war bis 1929 eine selbstständige Stadt innerhalb der preußischen Rheinprovinz und gehörte von 1877 bis 1929 zum Kreis Mettmann. Der Landkreis Mettmann hatte bis dahin seinen Sitz in Vohwinkel. Durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets vom 29. Juli 1929 wurde Vohwinkel zusammen mit den Städten Barmen, Cronenberg, Elberfeld und Ronsdorf zunächst zu Barmen-Elberfeld vereinigt. Noch im selben Jahr beschloss die Stadtverordnetenversammlung der neu gegründeten Gemeinde, dem Preußischen Staatsministerium vorzuschlagen, die Stadt in Wuppertal umzubenennen. Dem Vorschlag wurde im Januar 1930 stattgegeben.
Von der Stadt Vohwinkel wurde im Jahr 1923 auch eigenes Notgeld ausgegeben. Hierzu wurde bereits in diesem Blog ein lesenswerter Artikel veröffentlicht, auf den ich gerne verweise.[1]
Am 10. August 1923, einem Freitag, wurden die ersten städtischen Notgeldscheine ausgegeben. Die Scheine über 100.000, 500.000, 1 Million, 5 Millionen und 10 Millionen Mark tragen dieses Datum. Die Ausgaben sind alle ohne Wasserzeichen, eine Druckfirma ist auf den Scheinen nicht angegeben. Einzige Ausnahme ist die Ausgabe über 500.000 Mark gedruckt auf rotem Papier. Auf diesen Scheinen ist als Druckfirma „Hüster & Vogel, Vohwinkel“ genannt. Dieser rote Schein ist in seiner Gestaltung etwas anders als die übrigen städtischen Notgelder.[2] Er hatte eine Auflagenhöhe von 18.000 Exemplaren und wurde bereits zum 1. September 1923 zu Einlösung aufgerufen.
In Vohwinkel gab es neben der Druckerei Hüster & Vogel auch die Meise & Möcking GmbH, diese stellte u.a. auch diverse Ausgaben an Briefmarkenkapselgeld her. Die städtischen Notgeldscheine sind aufgrund ihrer Gestaltung wahrscheinlich von einer heute nicht mehr verifizierbaren Druckerei hergestellt worden.
Ein besonderer Gutschein aus Vohwinkel, der auf den ersten Blick wie ein Notgeldschein wirkt, soll an dieser Stelle vorgestellt werden. Es handelt sich um einen Gutschein über 500.000 Mark vom 13. August 1923[3], ohne Wasserzeichen, beidseitig bedruckt.
Aussteller ist der „Donnerstags Kegel-Club der Stadt Vohwinkel“. Unterzeichnet durch den Präsidenten des Kegel-Clubs mit „Baas“. In der rheinischen Mundart bezeichnet Baas einen Vorsitzenden, Meister, Herr oder einen der die Oberaufsicht hat.
Im Text auf der Vorderseite des Gutscheins ist zu lesen:
„Dieser Gutschein wird von allen Kassen nicht angenommen. Der Gutschein verliert seine Gültigkeit mit dem Tage der Annahme; er wird nie eingelöst, da als Zahlungsmittel nicht zulässig. Vor Annahme wird gewarnt.“


Die Bezeichnung „Donnerstags Kegel-Club der Stadt Vohwinkel“ suggeriert, dass es sich bei den Mitgliedern des Kegel-Clubs möglicherweise um Bedienstete der Stadtverwaltung Vohwinkel gehandelt haben könnte, die sich regelmäßig an einem Donnerstag zu einem geselligen Beisammensein trafen. Leider konnten keine weiteren Angaben zu diesem Kegel-Club gewonnen werden. Allerdings spricht einiges dafür, dass die v.g. Annahme vielleicht richtig sein könnte. Folgende Anhaltspunkte weisen daraufhin: die grafische Gestaltung es Gutscheins weist wie das städtische Notgeld einen starken Heimatbezug auf, die Schreibweise von Ort und Datum stimmen mit Ausnahme der verwendeten Schrifttype überein, das verwendete Papier ist das gleiche wie bei den städtischen Ausgaben und der Gutschein wurde nur drei Tage später datiert. Denkbar ist, dass Mitglieder des Kegel-Clubs als Bedienstete der Stadt Vohwinkel mit der Gestaltung des städtischen Notgelds beruflich involviert waren.
Im lilafarbigen Unterdruck des Gutscheins werden Szenen aus Vohwinkel gezeigt, aber was ist darauf zu sehen?
Auf der Vorderseite ist links ein Eckhaus, rechts Teile des Stadtgartens und natürlich die Schwebebahn. Als Vorlage wurde hier eine Ansicht „Stationsgarten Vohwinkel im Jahre 1900“ verwendet. Die Fläche des Stationsgartens lag damals neben der Endstation der Schwebebahn.

Eine spätere Postkarte „Vohwinkel, Schwebebahn am Kaiserplatz“ zeigt eine ähnliche
Ansicht.[4]

Im Eckhaus ist nun das Café H. Bremkamp zu erkennen. Der Kaiserplatz ist und war die zentrale Straßenkreuzung in Vohwinkel.[5] Das Café des Hugo Bremkamp war Conditorei, Restauration und beliebter Treffpunkt. Gegründet Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte es zu den besseren Restaurants und verfügte auch über eine eigene Musikkapelle. Eine eigene Kegelbahn gehörte ebenfalls dazu.



Es ist zu vermuten, dass sich der „Donnerstags Kegel-Club“ regelmäßig in der Restauration Bremkamp getroffen haben könnte. Die eigenen Gutscheine könnten als eine Art Spielgeld gedient haben. Die linksseitig gedruckte vierstellige Kennnummer könnte auch einzelne Punkte, die man beim Kegeln erzielen kann, darstellen.
Auch die Rückseite des Gutscheins zeigt eine Straßenszene für die eine historische Vorlage verwendet wurde. Sie zeigt die Kaiserstraße.

An dieser Stelle gilt mein Dank dem Bürgerverein Vohwinkel und dem Bezirksbürgermeister von Vohwinkel Herrn Andreas Schäfer für die freundliche Unterstützung.[6]
Im Jahr 2026 feiert die Schwebebahn ihren 125. Geburtstag mit vielen Veranstaltungen.[7]
Zu diesem Anlass gibt die Münze Deutschland im September 2026 eine 35-Euro-Silbermünze aus.[8] Zur Geschichte der Schwebebahn sei auf die lesenswerten Ausführungen in Wikipedia verwiesen.[9] In Wuppertal gibt es aber noch viel mehr zu entdecken, es lohnt sich.
Übrigens, die Schwebebahn kann man auch mit dem Deutschlandticket nutzen.
Thomas van Eck
Anmerkungen
https://www.geldscheine-online.com/post/vohwinkel-1923-goethe-notgeld
Sammlung van Eck.
Alle Postkarten aus der Sammlung U. Johenneken, Wuppertal.
https://www.wsw-online.de/mobilitaet/schwebebahn/jubilaeum-der-schwebebahn/




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