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Fehldrucke der Banknote zu 50 Mark der Staatsbank der DDR Ausgabe 1971


"Ausschuss im Umlauf“ lautete der Untertitel eines Beitrags von Michael H. Schöne in der Zeitschrift Der Geldscheinsammler Ausgabe Mai 1998[1]. Beschrieben wurden darin Fehldrucke der Banknoten der Staatsbank der DDR der Ausgaben 1971 und 1975. Für die Banknote zu 50 Mark von 1971 wurden genannt: Kopfstehendes Wasserzeichen, dreifach nummerierte Scheine und Abklatsche (Teile der linken Vorderseite spiegelverkehrt auf der Rückseite). Schon kurz nach der "Wende" war auf diese Fehldrucke hingewiesen worden[2]. Auch im online-Sammlerforum www.banknotesworld.com waren sie immer wieder Grund für Diskussionen.

 

Fast drei Jahrzehnte sind seit der Veröffentlichung des Beitrags vergangen. Viel ist seither passiert, vor allem aber: Viele Unterlagen über den Druck der Banknoten der DDR sind heute zugänglich[3]. Daher können interessante Hintergrundinformationen ergänzt werden, warum es zu diesen Fehldrucken bei der Erstauflage der Banknote zu 50 Mark von 1971 kam.

Mehr noch: Weitere Druckfehler der Erstauflage können belegt werden, von denen vielleicht noch einige unerkannt in Sammlungen schlummern.

 

Das Politbüro des Zentralkomitees der SED[4] legte am 10. November 1970 die Motive für die Ausgabe einer neuen Banknotenserie der Staatsbank der DDR fest. Für die Wertstufe zu 50 Mark beschloss man für die Vorderseite die Abbildung eines Kopfporträts von Friedrich Engels, für die Rückseite eine Abbildung der Chemischen Industrie in Schwedt. Die Farbe des Scheines wurde mit karminrot festgelegt. Dem Politbüro lagen für die Beschlussfassung Entwürfe der Vorder- und Rückseiten für die Wertstufen von 5 bis 100 Mark vor, wobei sich das Kopfbildnis von Friedrich Engels im vorgelegten Entwurf leicht von der später ausgegebenen Note unterscheidet. Dank der Recherchen von Peter Reissig (†)[5] wissen wir, dass die Gestaltung der Vorderseite von Gerhard Faulwasser, die der Rückseite von Margot Bitzer ausgeführt wurde. Vor der Produktionsaufnahme war dem Politbüro durch den Präsidenten der Staatsbank ein Andruck jeder Banknote zur Bestätigung vorzulegen[6].

 

Vorausgegangen waren Untersuchungen, ob die neue Banknotenserie der 1967 aus der Deutschen Notenbank hervorgegangenen Staatsbank der DDR erneut in der Druckerei Gosnak in Moskau, oder aber beim VEB Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig (DWD) hergestellt werden sollte[7]. Letzteres setzte sich aus zwei Gründen durch: Zum einen ersparte es Ausgaben in Devisen, zum anderen war die DWD seit Ende der 1960er Jahre infolge der Anschaffung einer modernen Tiefdruckanlage erstmals in der Lage, auch Wertpapiere im Stahlstich-Tiefdruck in hohen Auflagenzahlen zu drucken. Zudem konnte

der VEB Feinpapierfabrik Königstein ab 1969 erstmals auch Wasserzeichenpapier mit Sicherheitsfaden für den Banknotendruck liefern.

 

Die Ausgabe der Banknote zu 50 Mark sollte ursprünglich 1974 erfolgen, und zunächst als erster Schein der neuen Serie 1973 die Wertstufe zu 20 Mark ausgegeben werden.

Später entschied man, die Ausgabe des 50-Mark-Scheins vorzuziehen, da die Restbestände der bei Gosnak gedruckten Scheine zu 50 MDN der Ausgabe 1964 zur Neige gingen und ein teurer Nachdruck in Moskau vermieden werden sollte[8]. Der Schein wurde ab 1. Juni 1973 in den Umlauf gegeben[9] und lief über ein Jahr parallel mit de Fünfzigern der Ausgabe von 1964 um. Aufgrund negativer Erfahrungen wurde bei den späteren Ausgabe ein längerer Doppelumlauf von Scheinen beider Serien mit gleicher Wertstufe vermieden.

 


Ankündigung der Staatsbank der DDR zur Erstausgabe der Banknote zu 50 Mark "Nur für den Dienstgebrauch". Quelle: Konzernarchiv der KfW.
Ankündigung der Staatsbank der DDR zur Erstausgabe der Banknote zu 50 Mark "Nur für den Dienstgebrauch". Quelle: Konzernarchiv der KfW.

Am 21. September 1971 schlossen die DWD und die Staatsbank der DDR einen Rahmenvertrag über die Herstellung von Banknoten, unter dem dann einzelne Wirtschaftsverträge für Druckaufträge erteilt wurden. Interessant ist, dass nach diesem Rahmenvertrag die Erarbeitung und Vorlage der Entwürfe der neu zu druckenden Banknoten der Staatsbank oblag. Die DWD hatte alle Materialien für die Banknotenproduktion einschließlich des Druckpapiers auf eigene Rechnung zu beschaffen. Sie übernahm zugleich die volle Verantwortung für die Qualität der hergestellten Scheine. Ferner hatte die DWD

die fertig gedruckten Banknoten unentgeltlich so lange  in den hauseigenen Tresoren einzulagern, bis die Staatsbank diese zur Auslieferung in Leipzig abrief.

 

Die DWD begann mit den Druckvorbereitungen zur Erstauflage der Banknote zu 50 Mark (intern Auftrag I/70 bzw. Auftrag VI 1973 genannt) vermutlich im Frühjahr 1972. Die Scheine wurden in Bogen zu 24 Stück (Nutzen) in Leipzig gedruckt. Die fortlaufende Nummerierung der Scheine im Bogen erfolgte in der zweiten und Stelle der Kontrollnummer, sie lautete auf dem Bogen also z.B. AC 010XXX, 011XXX, 012XXX usw. bis 033XXX). In der Erstauflage ausgedruckt wurden die Serien AA bis AG, BA bis BG und CA bis CC, dazu Austauschnoten der Serien ZA bis ZD[10]. Ferner wurden Musternoten mit der Kontrollnummer AA 0000000 angefertigt. Die Gesamtanzahl der Erstauflage betrug 169 Millionen Banknoten[11],

die Druckkosten lagen bei 69,50 Mark pro 1.000 Stück[12].

 

Druckbogen der Banknote zu 50 Mark Ausgabe 1971, nicht nummeriert. Quelle: Bildarchiv Michael H. Schöne.
Druckbogen der Banknote zu 50 Mark Ausgabe 1971, nicht nummeriert. Quelle: Bildarchiv Michael H. Schöne.

Vertraglich war für die Erstauflage der Banknote zu 50 Mark eine Produktionsmenge von

12 Millionen Scheinen pro Monat festgelegt worden. Aufgrund von Arbeitskräftemangel konnte die DWD zunächst jedoch nur 10 Millionen Stück pro Monat liefern.

Nach Bekanntwerden von Qualitätsmängeln und der Einführung umfangreicher Nachkontrollen bei den bereits produzierten Scheinen durch die DWD musste die Produktion im Juli und August 1973 heruntergefahren werden. Der Abschluss des Druckauftrags verzögerte sich daher bis September 1974.  

 

Fehldrucke kommen bei allen Banknotendruckereien vor. Sie sind etwa für die in der Bundesdruckerei und bei Giesecke & Devrient gedruckten Scheine der Ausgabe BBk I und BBk III belegt. Bei der Erstauflage der Banknote zu 50 Mark 1971 in der DWD lagen sie vor allem in einem Mangel qualifizierter Arbeitskräfte begründet, der neben einer reduzierten monatlichen Produktionsmenge zulasten der Qualitätskontrolle der fertig gedruckten Scheine ging – diese wurden zu oberflächlich geprüft, bevor sie an die Staatsbank ausgeliefert wurden. Kritisch war, dass die Produktionsfehler der Erstausgabe dese neuen Fünfzigers weitgehend erst nach Auslieferung und Ausgabe der Scheine im Juni 1973 durch diverse Filialen der Staatsbank sowie andere Banken an verschiedenen Orten entdeckt wurden.

Die Druckfehler waren so bedeutend, dass DDR-Finanzminister Böhm in einem Schreiben der Staatsbank vom 22. Juni 1973 darüber informiert wurde.

 

Folgende Fehldrucke wurden bei der Staatsbank aktenkundig und waren teilweise bereits in den Geldumlauf gelangt, was erklärt, warum sie heute grundsätzlich im Sammlermarkt vorhanden sind bzw. sein könnten. Sie spielen alle im Bereich der Nummerierungen mit den Serienbuchstaben AA, AB, AC und AD:

 

Fehldruck-Variante "Falsche Stellung der Kontrollnummern". Quelle: Bildarchiv Michael H. Schöne.
Fehldruck-Variante "Falsche Stellung der Kontrollnummern". Quelle: Bildarchiv Michael H. Schöne.
  1. Seitenverkehrtes Wasserzeichen durch verkehrt eingelegtes Papier – das Wasserzeichen befindet sich unter dem Kopfporträt. Dieser Fehler dürfte der häufigste sein. Derartige Scheine wurden schon am 4. Juni 1973 – nur vier Tage nach der Erstausgabe – durch die Staatsbank Kreisfiliale Potsdam bemerkt. Weitere 120 Scheine mit seitenverkehrtem Wasserzeichen fielen aber der Staatsbank Kreisfiliale Magdeburg erst am 20. Juni 1973 auf, als die Scheine schon drei Wochen im Umlauf waren.

  2. Scheine, die links am Schaurand etwa 0,5 cm länger sind als vorgesehen, also eine Breite von 14,1 cm statt 13,6 cm aufweisen. Hievon wurden zwei Stück in der Kreisfiliale Waren der Industrie- und Handelsbank bemerkt.

  3. Unvollständiger Ausdruck der Hauptplatte insbesondere bei der Wertangabe „Fünfzig“ sowie beim Buchstaben „R“ in Mark. Ursache hierfür war ein beschädigtes Drucktuch. Dieser Fehler wurde am 18. Juni 1973 erstmals in der Staatsbank Kreisfiliale Leipzig bemerkt, dort bei ca. 15 Scheinen.

  4. Falsche Stellung der Kontrollnummern aufgrund nicht passgenauen Erfassens des Druckbogens, wodurch die Kontrollnummer entweder zirka 1,5 cm nach links verschoben (aktenkundig für die Nummer AA 1727011) oder zirka 1 cm nach oben verschoben (aktenkundig für einen Druckbogen mit den Nummern AC 0106297 bis AC 0336297) ist. Dieser Fehler wurde schon am Tag der Erstausgabe durch die Staatsbank in Leipzig sowie bei der Landwirtschaftsbank in Schmölln entdeckt.

  5. Teile des Kopfbildnisses der Vorderseite sind auf der Rückseite gedruckt. Ursache hierfür soll die fehlende Ecke eines Druckbogens gewesen sein, so dass beim folgenden Druckbogen Teile des Druckbildes auf die Rückseite gedruckt wurden. Dieser Fehler wurde am 4. Juni 1973 durch eine Staatsbankfiliale in Berlin festgestellt.

  6. Abweichende Nummerierungen desselben Scheins durch Versagen eines Ziffernwerks. Auch dieser Fehler wurde erstmals am 18. Juni 1973 durch die Kreisfiliale der Staatsbank in Leipzig bemerkt, die vier fehlerhaft nummerierte Scheine aussortierte, wobei unklar blieb, wie viele fehlerhaft nummerierte Stücke zuvor bereits ausgegeben worden waren. Dieser Fehler trat später immer wieder auf, so etwa bei den Banknoten zu 5 und 20 Mark der Ausgabe 1975.

  7. Der Sicherheitsstreifen ist bei einzelnen Scheinen herausziehbar.

 

Über die aufgetreten Fehldrucke fanden im Juni und Juli 1973 in Leipzig intensive und streng vertrauliche Beratungen zwischen Mitarbeitern der Staatsbank und der DWD statt. Die DWD war gezwungen, per sofort ein zusätzliches Qualitätssicherungs-Programm aufzusetzen:

Statt drei sollten jetzt fünf Endkontrollen eingeführt und der Stand des Wasserzeichens durch Bogenkontrollen vor Druckbeginn geprüft werden. Auch sollte ab September 1973 das Prämiensystem für Mitarbeiter der DWD stärker qualitätsbezogen und weniger auf die erfüllten Stückzahlen ausgerichtet werden.


Zudem war eine Nachkontrolle des in der DWD noch unverpackt lagernden Bestandes von

3 Millionen Scheinen zu 50 Mark vorzunehmen. Aus den Ergebnissen sollten Rückschlüsse daraus gezogen werden, ob ein bereits verpackter Bestand[13] von weiteren 4,5 Millionen Scheinen ebenfalls nochmals zu kontrollieren sei. Vorher durften keine weiteren Scheine an die Staatsbank ausgeliefert werden, ein bereits an die Staatsbank ausgelieferter Bestand von 2 Millionen Scheinen war durch diese an die DWD zurückzusenden und ebenfalls durch diese zu kontrollieren. Die DWD hatte also mindestens 5 Millionen Scheine hinsichtlich der Qualität nochmals zu überprüfen. Der damit verbundene händische Arbeitsaufwand muss für die DWD auch angesichts des Arbeitskräftemangels erheblich gewesen sein. Sie war jedoch laut Rahmenvertrag über den Druck der Banknoten für die Qualität der hergestellten Scheine verantwortlich und hatte daher die Kosten für diese Maßnahmen allein zu tragen.

 

Trotz der eingeführten Qualitätskontrollen sind auch später immer wieder Druckfehler bei allen in der DWD für die Staatsbank der DDR gedruckten Banknoten sowie bei den Reiseschecks der Ausgabe 1979 bekannt geworden, die unbemerkt ihren Weg in den Umlauf gefunden haben.

 

Dr. Sven Gerhard

 

Anmerkungen

  1. Michael H. Schöne, Fehldrucke bei DDR-Banknoten, Der Geldscheinsammler 1998, Ausgabe Mai, S. 50-51.

  2. Michael H. Schöne, Das Papiergeld im anderen Teil Deutschland. Der Geldscheinsammler 1990, S. 235.

  3. KfW, Historisches Konzernarchiv, MüA 838 etc.

  4. Das Politbüro des ZK des SED war das höchste Führungsgremium der Staatspartei SED. Es traf in seinen wöchentlichen Sitzungen alle grundsätzlichen politischen und wichtigen personellen Entscheidungen, nachdem sie von den Behörden vorbereitet worden waren.

  5. Peter Reissig, DDR-Papiergeld Katalog und Geschichte mit Bewertungen (8), moneytrend 6/2011, S. 210 ff.

  6. Beschluss vom 1.6.1971.

  7. Dazu Reissig, a.a.O. S. 211.

  8. Um Nachdrucke der Wertstufe zu 100 MDN der Ausgabe 1964 bei Gosnak kam man 1975 dennoch nicht herum.

  9. Anordnung Nr. 1 über die Ausgabe neuer Banknoten der DDR vom 2. Mai 1973, GBl DDR 1973 I 227.

  10. Der Druck von Folgeauflagen erfolgte vermutlich 1975, 1977, 1978, 1982 und 1983.

  11. Gemäß den ausgedruckten Serien AA bis AG, BA bis BG und CA bis CC ergäben sich rechnerisch 170 Millionen Stück, wenn jede Serie mit 10.000.000 Stück voll ausgedruckt worden ist. Da die Nummerierung jedoch erst bei 0001001 beginnt, sind (17*1000=) 17.000 Stück rechnerisch abzuziehen. Damit verbleiben rechnerisch 169.983.000 ausgedruckte Scheine dieser Serien, von denen fehlerhafte Drucke in unbekannter Zahl abzuziehen sind, die durch Austauschnoten der Serien ZA bis ZD aufgefüllt wurden.

  12. Bei den Folgeauflagen waren die Kosten höher.

  13. Die Scheine zu 50 Mark waren durch die DWD wie folgt zu verpacken: Bündel mit Streifband zu 100 Scheinen (Päckchen), 10 Päckchen formiert zu einem Paket (1000 Scheine) versehen mit Streifband und eingeschweißt in Plastikfolie, 20 Pakete (20.000 Scheine) verpackt in einem verschnürten und plombierten Sack, der mit einer Sackfahne versehen wurde.

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