Geldscheinporträts: Lajos Kossuth – Exilant mit Echo
- Elias Heindl

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Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen.
Geburtsname: | Lajos Kossuth von Udvard und Kossuthfalva |
Zur Person: | Rechtsanwalt, Politiker, Revolutionär und Nationalheld |
Nationalität: | Ungarisch |
Lebensdaten: | 19. September 1802 – 20. März 1894 |
Geburtsort: | Monok, Komitat Zemplén, Ungarn |
Sterbeort: | Turin, Italien |

Dezember 1851: Gedränge auf
dem Broadway. Frenetischer Ju-
bel. Lajos Kossuth erreichte New
York. Die damalige Ausgabe der „New
York Times“ sprach von einem Empfang,
der „zu den großartigsten und enthusia-
stischsten gehörte, die jemals einem Men-
schen irgendwo auf der Welt zuteil wur-
den”. Die Anwaltskammer begrüßte ihn
als „den großen Apostel der bürgerlichen
und religiösen Freiheit auf der ganzen
Welt“. Wie kam es, dass ein ungarischer
Exilant für derartigen Aufruhr sorgte, der
zuvor nur Washington und Lafayette zu-
kam?
Lajos Kossuth, der dem ungarischen Kleinadel entstammte, begann seine politische Karriere am Preßburger Landtag. Dort vertrat er mehrere nationalliberale Abgeordnete und fungierte als Berichterstatter. In den 1830er Jahren, als das ungarische Ständesystem unter dem Dach der Habsburgermonarchie zunehmend unter Reformdruck geriet, profilierte er sich als Wortführer der liberalen Opposition. Trotz Zensur vervielfältigte er seine handschriftlichen „Berichte aus dem Landtag“, die bald weite Verbreitung fanden und ihn schließlich 1837 hinter Gitter brachten – vier Jahre Festungshaft wegen Hochverrat. Die Gefängniszeit machte ihn landesweit bekannt. Nach seiner Begnadigung 1840 stieg er als Chefredakteur der Zeitung „Pesti Hírlap“ rasch zum führenden Kopf der Reformbewegung auf. Er begnügte sich jedoch nicht mit den von allen Liberalen geforderten Reformen wie der Abschaffung der Erbfolge und der Besteuerung des Adels. Er sprach auch die Möglichkeit einer ungarischen Unabhängigkeit von den Habsburgern an.
Als 1848 die revolutionäre Welle Ungarn erfasste, wurde Kossuth zum Motor der Ereignisse. Friedrich Engels beschrieb ihn in der „Neuen Rheinischen Zeitung“ bewundernd als „wirklich revolutionären Charakter“ und „Danton und Carnot in einer Person“. Wenige Wochen später zwang der Druck der Straße Wien zum Einlenken: In Pest entstand eine Regierung unter Ministerpräsident Lajos Batthyány. Kossuth übernahm das Finanzressort. Was als Reform innerhalb der Monarchie begann, radikalisierte sich rasch. Im April 1849 erklärte der ungarische Reichstag die Entthronung der Habsburger und die Unabhängigkeit. Kossuth wurde zum faktischen Staatsoberhaupt. Doch der Triumph währte kurz. Die militärische Intervention des Zarenreichs auf Seiten Wiens besiegelte das Schicksal der Revolution.
Im August 1849 kapitulierten die ungarischen Truppen bei Világos. Kossuth floh ins Exil, zunächst in das Osmanische Reich. Später reiste er über Großbritannien in die Vereinigten Staaten.
Seine Amerikareise 1851/52 war mehr als eine Vortragsreise; sie war eine diplomatische Mission. Kossuth hoffte auf politische und möglicherweise militärische Unterstützung für einen neuen Anlauf zur ungarischen Unabhängigkeit. Zwar blieb konkrete Hilfe aus, doch seine Reden vor dem Kongress und vor Massenpublikum machten ihn zu einem Symbol liberaler Freiheitsbewegungen. Nach Europa zurückgekehrt, ließ er sich schließlich in Turin nieder. Von dort aus verfolgte er die Entwicklung in seiner Heimat mit Argwohn.


Den Ausgleich von 1867, der dem Königreich Ungarn weitgehende Autonomie brachte, lehnte er ab: Für ihn blieb jede Bindung an die Habsburger ein Verrat an der vollständigen Souveränität. Politisch konnte er aus dem Exil kaum noch eingreifen. 1894 starb er.
Bis heute tragen Plätze und Boulevards seinen Namen, sein Porträt ziert Banknoten.
Der Jubel von New York im Winter 1851 war mehr als ein exotisches Spektakel. Eine Rede, die er 1852 vor der Ohio General Assembly gab, inspirierte Abraham Lincoln bei seiner berühmten Gettysburg Address: „Der Geist unserer Zeit ist Demokratie. Alles für das Volk, und alles durch das Volk. Nichts über das Volk ohne das Volk – das ist Demokratie!“
Elias Heindl
Literatur/Quellen:
István Deák (1989): Die rechtmäßige Revolution: Lajos Kossuth und die Ungarn 1848–1849, Wien: Böhlau
Friedrich Engels (1849): Der magyarische Kampf. Neue Rheinische Zeitung, Nr. 194 vom 13. Januar 1849, Marx-Engels-Werke, Band 6, S. 165ff.
László Révész (1976): Kossuth, Lajos. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Band 2, München, S. 493–496




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