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Leserpost: 20 Mark 1915 mit Briefmarke


Sehr geehrter Herr Grabowski,

in einem alten Konvolut habe ich diesen Zwanziger gefunden. Hat dieser Schein einen praktischen Zweck oder ist das nur eine private Spielerei?

Mit freundlichem Gruß

D. Langer


Anmerkung der Redaktion

Hallo Herr Langer,

das Bild ist leider recht klein und eine Abbildung der Rückseite fehlt auch.

Natürlich gab es keinen offiziellen Grund, eine Banknote aus dem Jahr 1915 mit einer Freimarke (Michel 151a) aus dem Jahr 1920 zu bekleben und darüber auch noch eine Signatur zu setzen. Es kam allerdings vor, dass während der deutschen Inflation, in der 20 Mark praktisch keinen Wert mehr darstellten, derart wertlos gewordene Geldscheine mit Briefmarken frankiert wurden, um sie zu verschicken. Deshalb wäre die Rückseite von Interesse gewesen. Vielleicht hätte es hier handschriftliche Vermerke geben können.

Aber auch das ist mit ziemlicher Sicherheit auszuschließen, denn das Porto für eine Postkarte betrug 1920 ganze 5 Pfennig und nicht 1 1/4 Mark. 1921 dann 100 Pfennig und auf dem Höhepunkt der Inflation im Dezember 1923 20 Milliarden Mark. Außerdem hat man für solche Fälle eher einseitig bedruckte Scheine aus der Inflationszeit genutzt, um auf der unbedruckten Rückseite seine Nachricht schreiben zu können. Die Deutsche Reichspost hätte aber sicher auch diesen Schein befördert, wenn er entsprechend frankiert gewesen wäre. Während der Inflation soll ein Bauer, dem der Transport seiner Kuh zum Schlachthof zu teuer gewesen war, diese sogar mit einer Briefmarke frankiert haben, um sie zu „verschicken“. Sie soll tatsächlich befördert worden sein!

Da hat sich wohl jemand einen Scherz erlaubt. Aber auch bei Online-Auktionen im Internet findet man immer wieder Geldscheine, die mit Briefmarken beklebt wurden, um sie für Sammler interessant zu machen, z.B. aus dem so genannten „Dritten Reich“ oder aus der DDR. Auch schon früher wurden Geldscheine manipuliert oder gar komplett frei erfunden, um das Interesse von Sammlern zu wecken und sie gewinnbringend verkaufen zu können.

Es könnte sich also um eine zeitgenössische Manipulation handeln, wofür auch der Fund in einem alten Konvolut spricht.

Beste Grüße


Hans-Ludwig Grabowski

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