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Leserpost: Irgendetwas findet sich ja immer!



Irgendetwas findet sich ja immer:

10 Reichsmark kopiert mit Werbung auf

der Rückseite. Ich denke, auch derartige Sachen werden gesammelt.

Mit freundlichen Grüßen

Th. Neldner


Anmerkung der Redaktion

Es handelt sich um eine "echte Blüte",

im wahrsten Sinne des Wortes. Die Verwendung des Geldmotivs als Träger von Werbebotschaften, aber auch von Propaganda, war und ist sehr beliebt. Schließlich sorgt allein die Ähnlichkeit zu Geld schon für eine ganz besondere Aufmerksamkeit.

Wenn man den Schein sieht, könnte man natürlich zuerst annehmen, dass es sich um Stück aus der Zeit der "Weimarer Republik" handelt, schließlich wird das Motiv der 10-Reichsmark-Banknote der Deutschen Reichsbank aus dem Jahr 1924 verwendet. Außerdem wird die Wertseite einer Umlaufmünze zu 10 Reichspfennig dargestellt.



Um was für Münzen handelt es sich aber bei den beiden Stücken rechts unten? Die lassen sich aufgrund der schlechten Druckqualität kaum identifizieren. Hatte man aber nach 1924 große Seereisen gewinnen können? Auf die richtige Fährte bringt uns der Text auf der Rückseite. Die "Münchner Illustrierte" wurde erst 1950 gegründet, erschien zehn Jahre wöchentlich und ging dann bereits 196o in der "Bunten Illustrierten" des Süddeutschen Verlags auf. Der "Werbeschein" stammt also nicht aus der Zeit der "Weimarer Republik", sondern aus der jungen Bundesrepublik der 1950er-Jahre.

Den in der Zeitschrift erschienenen Roman "Achtung! Geld ohne Arbeit!" von Hans Mahner-Mons gab es bereits als Buch, und zwar vom Verlag Knorr & Hirth aus dem Jahr 1931.

Warum aber verwendete man in den 1950er-Jahren nicht einen aktuellen Schein der Bank deutscher Länder als Motiv für die Werbung, sondern eine alte Reichsbanknote?

Da kann man nur spekulieren, dass die Macher nicht die Gefahr eingehen wollten, wegen der Herstellung von "Blüten" belangt zu werden. Die erhoffte Wirkung dürfte trotzdem erzielt worden sein, denn die alten Reichsbanknoten waren noch vielen Menschen vertraut und Untersuchungen haben ergeben, dass selbst Gestaltungen, die nur entfernt an Geldscheine erinner, als Werbeträger im ersten Moment wie Geld wahrgenommen werden. Genau darauf kommt es bei der Werbung an. Während sich Menschen nach allem bücken, was nach einem Geldschein aussieht, lassen sie einfache Flugblätter unbeachtet liegen!


Natürlich finden auch solche "Blüten" ihren Weg in die Alben von Geldscheinsammlern. Hierzu zählen neben Scheinen mit Werbung auch Film- und Theatergeld, Propagandascheine und vieles mehr.


Hans-Ludwig Grabowski

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