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Lexikon: Darleh(e)nskassen

Aktualisiert: 15. Sept. 2022

1. Preußen

Darlehens- oder Darlehnskassen sind in Preußen in Krisenzeiten zur Stützung von Handel, Gewerbe und Landwirtschaft gegründete Kassen, die gegen Verpfändung von Wertpapieren und Waren Darlehen durch Ausgabe von nominell (nicht immer faktisch) einlösbarem Staatspapiergeld (Darlehens- oder Darlehnskassenscheinen) gewährten. Sie standen unter der Leitung der Preußischen Bank. Ausgabedaten und -ursachen:

  • 1848, 1- und 5-Thaler, innenpolitische Ereignisse (revolutionäre Bewegung);

  • 1866, 1-, 5- und 10-Thaler-Scheine, Preußisch-Österreichischer (Deutscher) Krieg;

  • 1868, 5-Thaler-Schein, Missernte durch Überschwemmungen in den ostpreußischen Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen;

  • 1870, 5-, 10- und 25-Thaler-Scheine, Deutsch-Französischer Krieg. Diese Scheine galten laut Gesetz als Scheine des Norddeutschen Bundes.


G/K-291: Preußen, Haupt-Verwaltung der Darlehns-Kassen, 1 Thaler vom 15.4.1848, Vorder- und Rückseite (Sammlung Beerenwinkel).


G/K-293: Preußen, Haupt-Verwaltung der Darlehns-Kassen, 1 Thaler vom 18./19.5.1866, Vorder- und Rückseite (Sammlung Kranz).


G/K-298: Preußen, Preußische Hauptverwaltung der Staatsschulden, 25 Thaler vom 1.8.1870, Vorder- und Rückseite (Sammlung Kranz).



2. Baden

In Baden erhielt die seit 1833 bestehende Allgemeine Versorgungsanstalt nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 vom Staat die Genehmigung zur Ausgabe von Darlehnskassenscheinen in den Werten zu 5 und 10 Gulden. Man wollte so Kreditbedürftigen helfen, die gegen Verpfändung von Waren oder Wertpapieren diese Zahlungsmittel erhielten.


G/K-51: Baden, Allgemeine Versorgungsanstalt, 10 Gulden vom 30.7.1870, Vorder- und Rückseite (Sammlung Kranz).


3. Braunschweig

Im Herzogtum Braunschweig gab die Darlehns-Bank 1848 Darlehns-Bankscheine zu 1 und Thaler des Herzoglich Braunschweig-Lüneburgischen Leihhauses von 1842 mit zusätzlichem Aufdruck aus.


G/K-90: Braunschweig, Darlehns-Bank, provisorische Darlehns-Bankschein, Überdruck auf 1 Thaler der Herzoglich Braunschweig-Lüneburgische Leihhaus-Commission vom 1 Thaler vom 7.3.1842 (Ausgabe vom 4.5.1848), Vorder- und Rückseite (Kopie).


4. Deutschland

Nach preußischem Vorbild wurden zu Beginn des Ersten Weltkriegs Darlehenskassen gegründet (Darlehenskassengesetz vom 4.8.1914). Sie standen unter der Verwaltung der Deutschen Reichsbank. Die 1-, 2-, 5-, 20- und 50-Mark-Darlehenskassenscheine der Reichsschuldenverwaltung waren laut Gesetz für die Bardeckung der umlaufenden Reichsbanknoten zugelassen.


DEU-54a: Deutschland, Kaiserreich, Reichsschuldenverwaltung, Darlehenskassenschein zu 5 Mark vom 5.8.1914, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski).


5. Österreich

In Österreich wurden während des Ersten Weltkriegs Kriegsdarlehenskassen gegründet (Verordnung vom 19.9.1914), die der Oesterreichisch-Ungarischen Bank unterstanden und Kassenscheine über 250, 2000 und 10.000 Kronen in deutscher und ungarischer Sprache ausgaben.


AUT-26: Österreich-Ungarn, Kaiserreich, Kriegsdarlehenskasse, Kassenschein über 250 Kronen vom 20.9.1914, Vorder- und Rückseite (KPM).


6. Schweiz

Auch in der Schweiz wurde während des Ersten Weltkriegs eine ähnliche Kasse, die Darlehnskasse der Schweizerischen Eidgenossenschaft, gegründet, die einen 25-Franken-Schein ausgab. Darüber hinaus hielt sie Reservenoten zu 100 Franken von 1914 sowie 1 und 2 Franken von 1915 vor, die aber nicht in Umlauf kamen.


CHE-23: Schweiz, Darlehenskasse der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Kassenschein zu 25 Franken vom 9.9.1914, Vorder- und Rückseite (Sincona AG).


Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)


Literaturempfehlung:


Hans-Ludwig Grabowski / Manfred Kranz:

Das Papiergeld der altdeutschen Staaten


Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs von den Anfängen bis zum Ende des

19. Jahrhunderts


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