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  • Das unerfüllte Testament eines polnischen Generals in Amerika

    Banknoten sind mitunter nicht nur kleine grafische Kunstwerke, sondern vermitteln auch geschichtliche Begebenheiten. So sind auf vielen Geldscheinen Porträts nationaler Persönlichkeiten abgebildet, die meist bekannt sind und bei näherer Betrachtung auch Weltgeschichte geschrieben haben. So z. B. die Begegnung von Tadeus Kościuszko mit Thomas Jefferson. Kościuszko hatte 1776 den Text der Unabhängigkeitserklärung gelesen, war davon begeistert und als er erfuhr, dass Jefferson für den Entwurf der Erklärung verantwortlich war, verspürte er den Wunsch, ihn unbedingt kennenzulernen. Beide Männer trafen sich erstmals 1780 während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs in Virginia – Kościuszko als Offizier und Jefferson als Gouverneur. Abb. 1: Tadeusz Kościuszko wurde am 12. Februar 1746 im polnisch-litauischen Mereczowszczyzna im heutigen Weißrussland geboren und entstammte dem polnischen Landadel, studierte an der königlichen Militärhochschule in Warschau und anschließend in Paris; Kościuszko kam 1776 nach Philadelphia und wurde später Oberst in der Kontinentalarmee – vom US-Senat wurde er 1783 zum Brigadegeneral befördert und erhielt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er starb am 15. Oktober 1817 im schweizerischen Solothurn und wurde ein Jahr später auf der Wawel-Burg in Krakau nahe der Gräber der polnischen Könige beigesetzt. Testamentarisch hatte Kościuszko sein Herz, das heute im Warschauer Königsschloss aufbewahrt wird, einer Freundin vermacht. (Abb.: Gemälde von Karl Gottlieb Schweikart) Abb. 2: Thomas Jefferson wurde am 13. April 1743 in Shadwell (Virginia Colony) nahe Charlottesville im heutigen Albemarle County geboren und entstammte einer wohlhabenden Familie; sein Vater war ein Einwanderer aus Wales, Landvermesser und Besitzer von Tabakplantagen. Jefferson studierte Philosophie und Jura am College of William and Mary in Williamsburg und praktizierte als erfolgreicher Anwalt – er war Abgeordneter des Parlaments von Virginia und ab 1774 Vertreter Virginias im Kontinentalkongress; ab September 1775 kommandierte Jefferson als Colonel die Miliz des virginischen Albemarle County. Er gilt als Verfasser der Unabhängigkeitserklärung der USA – beeinflusst von der Streitschrift „Common Sense“ von Thomas Paine, der als Erster vorschlug, die neue Nation „Vereinigte Staaten von Amerika“ zu nennen. Thomas Jefferson wurde 1790 Außenminister im Kabinett George Washingtons, 1797 Vizepräsident unter Präsident John Adams und danach zum 3. Präsidenten der USA (1801–1809) gewählt; unter seiner Präsidentschaft wurde 1803 die französische Kolonie Louisiana in Nordamerika mit einer Summe von 15 Mio. US-Dollars (heutiger Wert etwa 445 Mio. US-Dollars) von Napoleon abgekauft. Jefferson starb am 4. Juli 1826 auf seinem Landsitz Monticello, genau am 50. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA. (Abb.: Porträt von Rembrandt Peale). Nach Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs kehrte Kościuszko 1784 nach Siechnowicze (Brest-Litowsk) zurück, trat in die königliche Armee ein und wurde 1789 zum Generalmajor befördert; als Anführer des nach ihm benannten Aufstands gegen die Teilung Polens vom 24. März 1794 wurde er nach der Niederschlagung am 10. Oktober südöstlich von Warschau gefangen genommen und saß zwei Jahre in St. Petersburg in russischer Haft. Nach dem Tod von Zarin Katharina II. wurde er von ihrem Sohn Paul I. begnadigt, nachdem Kościuszko geschworen hatte, nie mehr nach Polen zurück zu kehren; er ging am 18. August 1797 ins Exil in die USA. Jefferson schrieb über ihn: „Er ist ein so reiner Sohn der Freiheit, wie ich ihn nie zuvor erlebt habe.“ Kościuszko gilt als ein engagierter Verfechter für Freiheit und Gleichheit und kämpfte gegen Armut und Unterdrückung. 1798 reiste er inkognito und mit falschem Pass wieder nach Europa zurück.[1] Zuvor verfasste er sein bedeutsames erstes Testament, in dem er verfügte, dass das Geld aus seinem Nachlass dazu verwendet werden sollte, Sklaven freizukaufen, ihre Bildung zu fördern und ihnen genügend Land für ihren Lebensunterhalt zur Verfügung zu stellen. Abb. 3: Erste Seite des handschriftlichen Testaments Kościuszkos vom 5. Mai 1798: „Ich, Thadeus Kosciuszko, erkläre und verfüge hiermit anlässlich meiner Abreise aus Amerika Folgendes: Sollte ich keine anderweitige letztwillige Verfügung über mein Vermögen in den Vereinigten Staaten treffen, so ermächtige ich meinen Freund Thomas Jefferson, dieses gesamte Vermögen dazu zu verwenden, Schwarze [Negros] – seien es solche aus seinem eigenen Besitz oder andere – freizukaufen und ihnen in meinem Namen die Freiheit zu schenken; ferner soll er für ihre Ausbildung in handwerklichen und sonstigen Berufen sorgen sowie sie auf ihre neue Lebenslage vorbereiten, indem er sie in moralischen Pflichten unterweist, die sie zu guten Nachbarn, guten ... Vätern oder Müttern, Ehemännern oder Ehefrauen sowie zu pflichtbewussten Bürgern machen, sie lehrt, ihre Freiheit, ihr Land und die gesellschaftliche Ordnung zu verteidigen, und sie in allem fördert, was zu ihrem Glück und ihrer Nützlichkeit beiträgt. Ich bestimme den besagten Thomas Jefferson zum Testamentsvollstrecker dieser Verfügung.“ und weiterhin: „...jeder soll heiraten und 500 Acre Land (= über 200 Hektar) mit Werkzeugen und Vieh zur Bodenbearbeitung erhalten und lernen, es zu bewirtschaften und sich seinen Nachbarn gegenüber stets freundlich und hilfsbereit zu verhalten. Mögen sie bescheiden leben und ihre Kinder gut erziehen, ihnen Güte und Pflicht gegenüber ihrem Land beibringen und mir danken, indem sie so glücklich wie möglich sind. T. Kościuszko“. Ab 1798 lebte Tadeusz Kościuszko in Frankreich. Zunächst wohnte er in Paris, drei Jahre später auf dem Landgut Berville nahe Fontainebleau. Dort lebte er als Gast und enger Freund der Familie des Schweizer Diplomaten Peter Josef Zeltner. Er führte ein zurückgezogenes Leben. Nach Napoleons Sturz 1815 und dem Scheitern seines Versuchs, die polnische Unabhängigkeit auf dem Wiener Kongress zu erlangen, verließ Kościuszko Frankreich und zog in die Schweiz, wo er am 15. Oktober 1817 im Alter von 72 Jahren unverheiratet und kinderlos verstarb. Sein Barvermögen belief sich damals noch auf 12.200 US-Dollars. Kościuszkos gesamte Vermögen überließ er Thomas Jefferson. Der US-Kongress gewährte dem Polen eine Nachzahlung für seinen Armeedienst von 1776 bis 1783; sie belief sich einschl. der Verzinsung auf 18.912 US-Dollars. [2] Neben diesem Barvermögen erhielt er als Geschenk für seine Verdienste ein Grundstück im Scioto River Valley im 1803 gegründeten Bundesstaat Ohio. [3] Er trennte sich von seinem Land am 29. Juli 1802 von Paris aus und schenkte es der französischen Einwanderin Louise Françoise Félix. Eine amtliche Registrierung des Besitzerwechsels fand nie statt und so kam es in den späteren Jahren zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Der Supreme Court in Washington erklärte 1852 Kościuszkos Testament für ungültig und sprach dessen Erbschaft seinen europäischen Verwandten zu. Thomas Jefferson sagte im Mai 1819 vor dem District Court von Albemarle County, dass er das Erbe nicht annehmen und die Verpflichtungen nicht eingehen könne. Er bat darum, das Testament von einem Anderen erfüllen zu lassen. Das Vermögen hatte er seinem Anlageberater John Barnes übergeben, der es in Wertpapieren mit 8-prozentiger Verzinsung bei der Bank of Pennsylvania in Philadelphia anlegte. Nach Ende seiner zweiten Präsidentschaft kam Jefferson in finanzielle Schwierigkeiten und lieh sich oft Geld von Kościuszko und nahm Hypotheken auf seine Immobilien auf. Kościuszko verfügte in seinem Testament u. a., dass Jefferson Sklaven aus „... seinem eigenen Besitz ...“ freikaufen sollte. Das wollte Thomas Jefferson jedoch nicht einlösen – im Widerspruch zum Text in der von ihm verfassten Unabhängigkeitserklärung: „... Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit ...“ (Text der Unabhängigkeitserklärung in der deutschsprachige Zeitung „Pennsylvanischer Staatsbote“ vom 5. Juli 1776 in Philadelphia). Obwohl Jefferson die Sklaverei als „abscheuliches Geschäft“ bezeichnete, galt für ihn die Gleichheit aller Menschen zu damaliger Zeit nicht für Indigene und afroamerikanische Sklaven. Er besaß Zeit seines Lebens über 600 Sklaven auf seinen Plantagen und hatte mit seiner Sklavin Sally Hemings sechs gemeinsame Kinder. Nach seinem Tod wurden die meisten seiner verbliebenen Sklaven versteigert, um seine Schulden zu begleichen. Drei Personen – Sally Hemings und ihre Söhne Madison und Eston – erhielten zuvor ihre Freiheit; zehn weitere Sklaven kamen nach seinem Tod frei. Abb. 4: Quittung über 750 Dollars vom 30. November 1859 über den Verkauf des 12-jährigen Sklaven Newton zwischen der Käuferin S. L. Montmollin und den Sklavenhändlern Blackwell, Murphy & Ferguson aus Lexington, Kentucky; Ergänzung von Ferguson auf der Rückseite: „Der Junge hat ein kleines Stück eines Fingers an der linken Hand verloren“ sowie später von Mrs. Montmollin „Hiermit übertrage und übergebe ich meinem Sohn William R. Montmollin – aus Zuneigung und Liebe – Newton, einen Sklaven auf Lebenszeit – 15. November 1863.“ Abb. 5: 5 Dollars 1. Mai 1854, Vs., Planters Bank of Fairfield, Winnsboro/South Carolina; die Banknote zeigt einen Aufseher und Sklaven bei der Feldarbeit; besonders auf den Geldscheinen der abtrünnigen Südstaaten von 1861 bis 1865 wurden Sklaven abgebildet – so z. B. 1 Dollar Bank of Commerce Savannah/Georgia, 10 Dollars State of Alabama, 50 Dollars Bank of Howardsville/Virginia, 10, 50 und 100 Dollars Conferation States of America, 100 Dollars State of Mississippi. Erst nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs wurde zum 18. Dezember 1865 die Sklaverei durch Änderung der US-Verfassung abgeschafft – pro forma erhielten am 28. Juli 1868 alle Afroamerikaner ihre vollen Bürgerrechte. Kościuszko gilt heute noch als bedeutender Nationalheld in Polen und in den USA, wurde jedoch nur auf unterschiedlichen polnischen Geldscheinen abgebildet – die USA ehrten Kościuszko lediglich auf Briefmarken, Ersttagsbriefen, Medaillen und Münzen. Abb. 6: 4 Złote Polskie 4. September 1794, Vs., Schatzschein während des Kościuszko-Aufstands vom Obersten Nationalrat (= Rady Najwyższej Narodowej) ausgegeben; „Wolność, Całośćinie, Niepodległość“ (= Freiheit, Einheit, Unabhängigkeit) war das Motto im Freiheitskampf; die ersten dieser Geldscheine gelten als erste Banknoten Polens und kamen am 16. August 1794 in Umlauf, sollten den Mangel an Münzgeld entgegenwirken und die Finanzierung des bewaffneten Kampfes auch bei der Belagerung Warschaus sichern – sie wurden jedoch wegen ihrer schlichten Beschaffenheit ungern in Zahlung genommen. Abb. 7: 100 Marek Polskich 15. Februar 1919, Vs., Polnischer Nationaler Darlehensfonds, Porträt von T. Kościuszko nach einer Grafik von Antoni Oleszczyńsk und hergestellt in der Druckerei B. Wierzbicki in Warschau; die Polnische-Mark-Scheine galten bis zum Währungsschnitt am 20. Januar 1924 und konnten im Verhältnis 1 Złoty = 1.800.000 polnische Mark umgetauscht werden – die Umtauschpflicht endete am 31. Mai 1925; Gestalter: Adam Półtawski. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Abb. 8: 10 Złotych 28. Februar 1919, Vs., Bank Polski, aus der Serie mit dem Bildnis von T. Kościuszko, gedruckt in Frankreich; die Ausgaben der 10- und 20-Złoty-Banknoten wurden in der Gestaltung unverändert fortgesetzt – nun mit Datum 15. Juli 1924 und in den Staatlichen Grafischen Werken in Warschau hergestellt, Vorläuferin der heutigen PWPW (Polska Wytwórnia Papierów Wartościowych = Polnische Wertpapierdruckerei); Gestalter: Adolphe Giraldon. Abb. 9: 500 Złotych 1. Juni 1982, Vs., Narodowy Bank Polski, Nachfolge-Banknote der Ausgaben von 1974, 1976 und 1979; leider verzichtete die Bank seit 1994 auf eine Abbildung Kościuszkos, stattdessen findet man (außer den Gedenkbanknoten) Porträts polnischer Herrscher des 10. bis 17. Jahrhunderts – ein Gedenkschein auf den 200. Todestag von Tadeusz Kościuszko im Jahre 2017 hätte den Nationalheld ehren können; Gestalter: Andrzej Heidrich. In den USA wird seit 1869 bis heute Thomas Jefferson auf Geldscheinen geehrt – jedoch nicht nur auf den 2-Dollars-Noten, sondern auch auf verschiedenen sog. Obsolete Banknotes und auf den US-Kleingeldscheinen; von der 1. Ausgabe der Fractional Currency (auch als Postage Currency bezeichnet); das Briefmarkengeld gab es auch mit gezähnten Rändern und wurde zwischen dem 21. August 1862 und dem 27. Mai 1853 ausgegeben, andere Stückelungen gab es zu 3, 5, 10, 15 und 50 Cents; sie sollten während des Bürgerkriegs dem akuten Münzmangel entgegenwirken. Abb. 10: 2 Dollars 1874, Vs., die Staats-Noten wurden mit gleichen Gravuren von James Smillie von 1869 bis 1917 gedruckt – anfangs bei der National Bank Note Co. in New York und ab 1875 vom BEP in Washington; mit der Unterschriftskombination John Allison/F. E. Spinner wurden 8,25 Mio. Stück hergestellt, von denen bis heute nur noch 200 Exemplare erhalten geblieben sein sollen. Abb. 11: 2 Dollars 1918 (18. Mai 1914), Vs., NC/FRB, Ausgabe Boston/Mass., mit den Unterschriftskombinationen Houston B. Teehee/John Burke und Chester C. Bullen/Charles A. Morss wurden vom 24. März 1915 bis 20. November 1919 eine Menge von 4,012 Mio. Stück gedruckt, heute sollen noch 140 Exemplare existieren. Abb. 12: 2 Dollars 1928, Vs., Staats-Note, knapp 56 Mio. Scheine wurden mit der Unterschriftskombination H. T. Tade/A. W. Mellon in nur 232 Tagen ausgegeben, mehrere Versionen mit gleichem Design wurden von 1928 bis 1966 hergestellt; mit ähnlicher Gestaltung werden FRB-Noten mit grünem Siegel bis heute gedruckt. Abb. 13: 20 Dollars 5. November 1860, Banknote der Monticello Bank Charlottesville/Virginia mit der Büste von Jefferson und seinem Landgut Monticello; Jefferson äußerte sich bekanntlich über Papiergeld „Ich bestreite die Befugnis der Zentralregierung, Papiergeld oder irgendetwas anderes zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu erklären.“ sowie „Das Gespenst des Geldes: „Papier ist Armut ... es ist nur das Gespenst des Geldes und nicht das Geld selbst.“ Jefferson vertrat die Ansicht, dass eine echte Währung einen inneren Wert besitzen müsse, der in Gold oder Silber eintauschbar ist. Abb. 14: Re-Design mit den Bildnissen von Thomas Jefferson – 2 Dollars 2024 von Mauro Aurelio, Schweiz, 10 Dollars 2018 von Andrej Awgust, Weißrussland. Abb. 15: Re-Design mit den Bildnissen von Thomas Jefferson – 2 Dollars 2025 von aggroeuros, Schweiz/Deutschland und 2 Dollars 2026 von iPhone_3GS aus den USA. Jefferson wusste nicht von weiteren testamentarischen Verfügungen; noch im Februar 1810 schrieb Jefferson an Kościuszko: „Sollte Dir etwas zustoßen, wird die von Dir bestimmte wohltätige Verwendung des Kapitals nicht verzögert werden.“ Kosciuszko wiederum erinnerte Jefferson in seinem letzten Brief an ihn, nur wenige Wochen vor seinem Tod im Oktober 1817, noch einmal an die Bestimmung des Vermögens. In seinem Testament vom 28. Juni 1806 setzte er den Sohn von General John Armstrong Jr., damaliger US-Botschafter in Frankreich unter Präsident Jefferson, als Erben ein. Dieser sollte aus Tadeusz Kościuszkos Nachlass 3.704 Dollars erhalten und Jefferson selbst das Testament vollstrecken. Das Pariser Testament von 1806 und ein Schweizer Testament von 1817 beschäftigten das Oberste Gericht der USA. Jefferson antwortete im Januar 1818 John Kościuszko Armstrong, es habe ihm erhebliche moralische Bedenken hinsichtlich der Übernahme der Rolle des Testamentsvollstreckers bereitet; in seiner letzten Verfügung legte Kościuszko fest: „In der tiefen Überzeugung, dass die Leibeigenschaft dem Naturrecht und dem Wohlergehen der Völker widerspricht, erkläre ich hiermit, dass ich sie auf meinem Gut Siechnowicze in der Woiwodschaft Brzesko-Litewsk sowohl in meinem eigenen Namen als auch im Namen seiner zukünftigen Besitzer vollständig und für immer abschaffe. Ich erkenne daher die Bewohner des zu diesem Gut gehörenden Dorfes als freie Bürger und uneingeschränkte Eigentümer des von ihnen besessenen Landes an. Ich befreie sie ausnahmslos von allen Abgaben, der Leibeigenschaft und allen persönlichen Verpflichtungen, denen sie zuvor gegenüber den Eigentümern dieses Gutes unterworfen waren. Ich rufe sie lediglich dazu auf, sich zu ihrem eigenen Wohl und zum Wohl des Landes um die Gründung von Schulen und die Förderung der Bildung zu bemühen.“ Bis zu seinem Tode im Jahr 1826 hatte Jefferson den letzten Willen von Tadeusz Kościuszko nicht umgesetzt – 1819 hatte er festgelegt: „Ich muss die Last ablehnen, der Testamentsvollstrecker des Willens zu sein“. Michael H. Schöne Anmerkungen [1] Tadeusz Kościuszko reiste im Mai 1798 überstürzt und heimlich aus den USA nach Europa ab, weil er Nachrichten von polnischen Patrioten aus Europa erhalten hatte, die ihn davon überzeugten, dass sich eine neue Chance zur Befreiung Polens bot und das französische Direktorium seine Mitwirkung bei Verhandlungen und der Aufstellung polnischer Legionen wünschte. Seine Abreise erfolgte mit Hilfe von Thomas Jefferson unter falschem Namen, um US-Behörden und diplomatische Komplikationen zu umgehen. [2] Das bekannte Vermögen von Tadeusz Kościuszko belief sich 1798 auf rund 18.912 US-Dollars an ausstehendem Sold (zzg. Zinsen) aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg; die Summe (einschl. dem unbebauten Land in Ohio) von fast 20.000 US-Dollars entsprechen nach dem offiziellen Consumer Price Index einer heutige Kaufkraft von reichlich einer halben Million US-Dollars. [3] Das unbebaute Land im damaligen Delaware County, das Kościuszko nie besuchte, hatte zu dieser Zeit einen Bodenwert von etwa 500 bis 1.000 Dollars Quellen B. Dudek: „Jefferson, Kosciuszko, die Sklaven und das Testament“, Deutsche Welle, 3. Juli 2026 H. J. Floyd: „Engraved in Prejudice: How Currency Displayed the Mindset of the South“, Florence/SC 2013 D. Kulpa: „Sąd Najwyższy USA a sprawy testamentów Tadeusza Kościuszki“, Likedin 30. März 2024 K. Mazur: Blog https://www.abbevilleinstitute.org/jefferson-and-kosciuszko, 13. September 2024 G. N. Sewostjanow/A. I. Utkin: „Jefferson“, Ostberlin 1984 G. Wilson: „Thaddeus Kosciuszko, Son of Liberty”, Monticello Newsletter 12/2001 https://americanhistory.si.edu https://globalnation.inquirer.net https://muzeum.pk.edu.pl https://naukawpolsce.pl https://numista.com https://pl.linkedin.com https://polonika.pl https://wikipedia.org https://wikisource.org https://uniondb.com https://www.monticello.org https://www.polishamericancenter.org

  • DGW-Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2026-2

    DGW (verschiedene Autoren): Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2026-2 40 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, Format 21 cm x 29,7 cm, Broschur, Berlin 2026. Preis: 9,80 Euro (für Vereinsmitglieder kostenlos). Jährlich gibt der Verein Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler (DGW) zwei Informationshefte heraus. Diese sind für Vereinsmitglieder kostenlos, können aber darüber hinaus auch von Sammlern und Interessenten bezogen werden. Schwerpunktthema: Titel- und Schwerpunktthema des neuen DGW-Heftes ist ein Beitrag der Sammlungs- und Ausstellungskuratorin im Historischen Museum Frankfurt/Main, Christina Bach, mit dem Titel "Zweihundert Millionen Scheine für Japan" zu den ersten modernen Banknoten Japans, die von der Druckerei Dondorf & Naumann in Frankfurt/Main hergestellt wurden. Weitere Themen sind: Eberhard Wühle: Das Memelland – der nördlichste Teil Ostpreußens; Siegfried Seipold: Die verschiedenen Drucktypen der Buchstaben M (für Mark) auf DDR-Banderolen und verschiedene Druckvermerke – Ergänzung zum Artikel in Heft 2026-1; Rainer Geike: Lebensmittelkarten mit der Stadtbezirksnummer 22? (Berlin); Wolfgang Schubert: Aus der Geschichte der Gefängnisse in der Tschechoslowakei; Frank Scholz: Buchbesprechung zu Dr. Sven Gerhard "Beiträge zur Papiergeldgeschichte, Band 1"; Matthias Wühle/Norbert Müller: Das Xantener Geldmuseum. DGW-Mitglieder haben das neue Heft sofort nach Erscheinen kostenfrei erhalten. Alle Nichtmitglieder können es zum Einzelpreis von 9,80 Euro plus Versandkosten über folgenden Kontakt bestellen: Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler e.V., Internet: www.dgwev.de, E-Mail: info@dgwev.de. Hans-Ludwig Besler (Grabowski)

  • Leipziger Münzauktion – Vorschau auf die 111. Auktion vom 11. bis 15.11.2026 in Leipzig

    Im November lädt die Leipziger Münzhandlung und Auktion Heidrun Höhn zu ihrer 111. Auktion nach Leipzig ein. Gemeinsam mit der anschließenden 24. eLive Auktion kommen rund 4.000 Lose von der Antike bis zur Moderne zum Aufruf. Sammler und Händler erwartet ein breit gefächertes Angebot mit interessanten Sammlungen, umfangreichen Serien und zahlreichen numismatischen Besonderheiten. Die Saalauktion findet vom 11. bis 14. November 2026 statt. Am Sonntag, dem 15. November, schließt sich die 24. eLive Auktion mit weiteren rund 1.250 Losen an. Mittwoch, 11. November – Geldscheine, Orden und thematische Medaillen Den Auftakt bilden am Mittwoch die Bereiche Geldscheine, Orden und Ehrenzeichen sowie thematische Medaillen und Plaketten. Einen besonderen Schwerpunkt bildet der erste Teil der bedeutenden Sammlung Richter zum Thema Reformation. Rund 100 Lose geben einen vielseitigen Einblick in dieses historisch wie numismatisch interessante Sammelgebiet. Darüber hinaus kommen erneut zahlreiche Schützenpokale zum Aufruf, die inzwischen zu einem festen Bestandteil unserer Auktionen geworden sind. Los 1: Bayerische Notenbank 1875-1925. 50 Reichsmark 1.9.1925. Ro. BAY25P, Grab. BAY-25M. Sehr seltene Variante. I. Ausruf: 1.200 EUR Los 2: Sächsische Bank zu Dresden 1874-1924. 50 Reichsmark 11.10.1924. Muster , Ro. SAX26, Grab. SAX-26. Sehr seltene Variante. I Ausruf: 1.500 EUR Los 69: Deutsche Bundesbank 1960-1999. 1000 DM 1.6.1977. KN W 7041744 G. Ro. 280a, Grab. BRD-24a. Selten in dieser Erhaltung. I Ausruf: 1.000 EUR Los 117: Spange mit 10 Auszeichnungen. OEK 1909, 2967, 2980, 1704, 157, 1970, 412, 2009, 1970, 1965/1. Sehr seltene und prachtvolle Ordensspange. Vorzüglich-prägefrisch Ausruf: 3.500 EUR Los 147: Nationalpreis der DDR in Gold. Verliehen 1959. Mit Interim-Spange und Etui. Medaille Gold. Bartel/Spez 25e. Prägefrisch Ausruf: 1.300 EUR Donnerstag, 12. November – Ausland, Mittelalter und deutsche Münzen bis Brandenburg-Preußen Der Donnerstag beginnt mit den ausländischen Münzen und Medaillen. Besonders hervorzuheben ist eine umfangreiche Sammlung Russland mit rund 200 Losnummern. Ein weiterer Teil dieser Sammlung wird im Rahmen der eLive Auktion am Sonntag angeboten. Daran schließen sich die Münzen und Medaillen der habsburgischen Erblande an. Bereits am Donnerstag beginnt anschließend der große Bereich der deutschen Münzen und Medaillen. Den Auftakt bilden die Münzen des Mittelalters, bevor die Versteigerung durch die verschiedenen deutschen Münzstände bis einschließlich Brandenburg-Preußen führt. Gerade in diesem Bereich darf man sich auf eine Reihe besonders attraktiver Stücke freuen. Wunderbare Erhaltungen und qualitätsvolle Einzelstücke machen diesen Auktionstag auch für anspruchsvolle Erhaltungssammler besonders interessant. Eine schöne Serie Brandenburg-Preußen bildet schließlich den Abschluss des Donnerstags. Freitag, 13. November – Von Braunschweig bis Sachsen Am Freitag wird der Bereich der deutschen Münzen und Medaillen ab Braunschweig fortgesetzt. Es folgt ein abwechslungsreiches Angebot aus den verschiedenen deutschen Münzständen, bevor schließlich die Münzen und Medaillen Sachsens zum Aufruf kommen. Anders als bei unseren Auktionen gewohnt, werden diesmal die sächsischen Münzen und Medaillen bereits am Freitag versteigert. Damit möchten wir insbesondere den Sammlern und Händlern entgegenkommen, die am Wochenende die NUMISMATA in Berlin besuchen möchten. Aus diesem Grund wird der gesamte Bereich Altdeutschland einschließlich Sachsen bereits bis Freitag versteigert. So besteht die Möglichkeit, die Auktionstage in Leipzig mit einem anschließenden Besuch der Berliner Münzbörse zu verbinden. Samstag, 14. November – Kaiserreich bis Literatur Der Samstag beginnt mit den Münzen des Deutschen Kaiserreichs. Gerade in diesem Bereich dürfen sich Erhaltungssammler auf zahlreiche außergewöhnliche Stücke freuen. Angeboten werden Münzen in hervorragenden Erhaltungen bis hin zu Stempelglanz und Polierter Platte – ein Augenschmaus für Liebhaber besonders qualitätsvoller Prägungen. Im weiteren Verlauf führt die Auktion durch die Münzprägung bis in die Moderne. Den Abschluss der 111. Auktion bilden Lots, Waagen und numismatische Literatur. Sonntag, 15. November – 24. eLive Auktion Unmittelbar im Anschluss an die Saalauktion folgt am Sonntag die 24. eLive Auktion mit rund 1.250 Losen. Auch hier spannt sich der Bogen durch die gesamte Numismatik: von der Antike bis zur Moderne, ergänzt durch Geldscheine sowie Orden und Ehrenzeichen. Hinzu kommen weitere Stücke der umfangreichen Russland-Sammlung. Fünf Auktionstage, rund 4.000 Lose und ein Angebot quer durch die Numismatik: Die 111. Auktion und 24. eLive Auktion der Leipziger Münzhandlung versprechen einen abwechslungsreichen und spannenden Abschluss des Auktionsjahres 2026. Wir freuen uns, Sie im November in Leipzig sowie online zu unserer 111. Auktion und 24. eLive Auktion begrüßen zu dürfen.

  • Wird das Bargeld abgeschafft?

    Ein Thema, das nicht nur Münzen- und Papiergeld-Sammler beschäftigt Wann haben Sie das letzte Mal am Geldautomaten Geld von ihrem Konto abgehoben, um damit Bargeldzahlungen vorzunehmen? Wahrscheinlich überweist ihr Arbeitgeber das Gehalt auf ihr Bankkonto, von dem dann die Miete per Dauerauftrag gezahlt wird. Dem Stromversorger, Telefonanbieter und Fitness-Studio haben Sie eine Einzugsermächtigung erteilt. Ihre Einkäufe im Internet bezahlen Sie selbstverständlich mit Kreditkarte, Sofortüberweisung oder PayPal und die Einkäufe im Geschäft um die Ecke mit der Girokarte oder dem Smartphone. Da liegt der Verdacht nahe, dass Münzen und Geldscheine ein Auslaufmodell sind. Diesen Eindruck könnte man bei der 50-Dollars-Banknote der Central Bank of Solomon Islands anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens gewinnen. Auf der Rückseite des Geldscheins wird nicht nur das Bankgebäude abgebildet, sondern links davon auch ein Zahlungsvorgang mit einem Smartphon. Abb. 1.1: Central Bank of Solomon Islands, 2026, 50 Dollars, Vorderseite. Abb. 1.2: Central Bank of Solomon Islands, 2026, 50 Dollars, Rückseite. Die Nutzung digitaler Zahlungssysteme, mobiler Wallets[1] (z. B. Apple Pay, Google Wallet, Samsung Wallet) und kontaktloser Karten hat im Alltag stark zu genommen. 2025 wurden in der Bundesrepublik nur noch 45 % der Zahlungstransaktion mit Bargeld getätigt, gemessen am Wert sogar nur noch 23 %. Abb. 2: Verwendung von Zahlungsinstrumenten.[2] Auch in der Bundesrepublik wird über die Zukunft des Bargelds diskutiert. Die Befürworter der Bargeld-Abschaffung führen gewichtige Argumente an, andererseits warnen Experten vor den Risiken einer vollständig digitalen Zahlungswelt. Dabei geht es weit über technische Aspekte hinaus, werden doch grundlegende gesellschaftliche Werte berührt. Die Befürworter der Bargeldabschaffung führen an, dass digitale Zahlungssysteme bequemer, effizienter, kostengünstiger und moderner seien. Sie ermöglichen schnelle Transaktionen, reduzieren Fehlerquellen und erleichtern automatisierte Prozesse. In der Tat, Bargeld verursacht manchen Aufwand. Wer Bargeld benötigt, muss in der Regel zu seiner Bank oder an den Geldautomaten. Schauen wir uns nun einmal das Geschehen an der Kasse eines Supermarktes an. Der Zahlungsvorgang erfordert häufig viel Geduld. Da will ein Käufer seine Einkäufe mit seinen Münzen zahlen, um dann festzustellen, dass sie zur Zahlung nicht reichen; überhaupt dauert das Zählen der Münzen und die Prüfung der Geldscheine unter der UV-Lampe; oft fehlt das passende Wechselgeld oder man erhält eine Handvoll Münzen zurück, die das Fassungsvermögen der Geldbörse sprengen. Sie müssen wieder bei der Bank umgetauscht werden oder wandern zu Hause in den Topf mit den vielen kupferfarbigen 1, 2 und 5 Cent-Münzen. Vielleicht merkt man Hause, dass die Kassiererin statt auf die 50-Euro-Note nur auf 20 Euro herausgegeben hat. Bei Geschäftsschluss heißt es dann für die Angestellten des Geschäftes, zählen des Bargelds. Wenn es nicht sofort zur Bank gebracht wird, muss es z. B. in einem Tresor sicher verwahrt werden. Übrigens lassen sich die Banken die Abgabe größerer Kleingeldmengen inzwischen bezahlen. Ein weiteres Argument ist die Bekämpfung von Kriminalität, Terrorismus und Schattenwirtschaft. Ohne Bargeld gäbe es auch kein Falschgeld. Ohne Bargeld würden Gründe für Raubüberfälle auf Banken, Geschäfte oder Tankstellen entfallen. Ohne Bargeld würde die Geldwäsche von Einnahmen aus Betrügereien, Prostitution, illegalen Wetten u. ä. erschwert. Und ohne Bargeld würde auch die Schwarzarbeit erschwert, da man die Zahlungsströme leicht kontrollieren könnte. Darüber hinaus verursacht das Bargeld bei der Notenbank und den Banken erhebliche Kosten. Auch wenn die EZB keine Zahlen veröffentlicht, dürften allein die Druckkosten der Euro-Banknoten jährlich etwa 200 bis 500 Millionen Euro betragen. Hinzu kommen Kosten der Verteilung, Sicherung und Falschgelderkennung. Schließlich fördern bargeldarme Gesellschaften technologische Innovationen, wie das indische Zahlungssystem UPI zeigt. Ein zentraler Kritikpunkt der Gegner ist der Verlust von Privatsphäre. Digitale Zahlungen hinterlassen Spuren. Sämtliche Transaktionen im bargeldlosen Zahlungsverkehr werden erfasst und gespeichert. Was passiert mit diesen sensiblen Daten? Massive Eingriffe in die Privatsphäre sind denkbar bis hin zum gläsernen Bürger. Versicherungen und Krankenkassen könnten beispielsweise erfahren, wie viele Zigaretten oder Alkohol ein Versicherungsnehmer erwirbt. Policen könnten unter Umständen verweigert werden und Beiträge sich verteuern. Zwar verursachen digitale Zahlung nicht direkt Schulden. Studien zeigen, dass sie durch ihre einfache und oft unsichtbare Handhabung das Ausgabeverhalten verändern können und damit das Risiko einer Verschuldung erhöhen.[3] Besonders junge Nutzer verlieren oft den Überblick über ihre Zahlungsverpflichtungen. Eine Gesellschaft ohne Bargeld könnte auch bedeuten, dass die Bürger die Kontrolle über ihr Geld verlieren. Wer zu Hause kein Bargeld mehr horten kann oder zumindest normale Mengen aufbewahrt, muss seine gesamte Habe den Geldinstituten anvertrauen. Das Vermögen kann nicht mehr aus dem System abgezogen werden. Das bedeutet für Verbraucher auch, dass es z. B. bei Negativzinsen keinerlei Handlungsspielraum mehr gibt. Die Abschaffung von Bargeld führt zu einer Machtkonzentration bei Banken und Zahlungsdienstleistern. Zudem entsteht eine Abhängigkeit von digitaler Infrastruktur: Stromausfälle, Cyberangriffe und technische Störungen können den Zahlungsverkehr lahmlegen. Schweden musste nach mehreren Ausfällen erkennen, dass ein rein digitales Zahlungssystem nicht krisenfest ist. Kritiker führen ferner an, dass die soziale Teilhabe älterer Menschen, Menschen mit Behinderung oder Personen ohne digitale Kompetenz gefährdet sei, da sie auf Bargeld angewiesen seien. Befürworter der Bargeldabschaffung führen gerne die sinkende Kriminalitätsrate an. Sie übersehen jedoch, dass in den letzten Jahren die Internet-Kriminalität stark zugenommen hat. Ein virtuelles Geldsystem ist eine unausgesprochene Einladung für Hacker, um an Karten- und Kontodaten zu kommen. Bleibt festzuhalten: Bargeld ist das einzige anonyme Zahlungsmittel! Trotz aller Bedenken gehen einige Staaten bereits den Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft. Schweden galt hier lange als Vorreiter. Doch seit 2026 müssen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken wieder Bargeld annehmen. Gründe hierfür sind die Krisenvorsorge, die Verwundbarkeit digitaler Systeme sowie die soziale Inklusion: Rund eine halbe Million Menschen kann nicht digital bezahlen. Die schwedische Reichsbank betont, dass Bargeld ein demokratisches Grundinstrument bleibe. In Dänemark, einem weiterern Verfechter der bargeldlosen Zahlung in der Europäischen Gemeinschaft, müssen schon seit 2015 kleine Läden, Tankstellen und Restaurants mehr Bargeld akzeptieren. Das diene der Entlastung der Geschäftsleute. 2030 soll das Bargeld in Dänemark komplett Vergangenheit sein. Im Widerspruch dazu steht jedoch die Tatsache, dass die Nationalbank die aktuellen Banknoten zwischen 2020 und 2025 schrittweise als sicherheitsverbesserte 2009A-Serie neu ausgegeben hat. Allerdings ist die 1000-Kronen-Note (≈ 135 €) seit dem 31. Mai 2025 kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Abb. 3.1: Danmarks Nationalbank, Serie 2009, 1000 Kroner, Vorderseite. Abb. 3.2: Danmarks Nationalbank, Serie 2009, 1000 Kroner, Rückseite. In Großbritannien beträgt der höchst Banknotenwert gerade einmal 50 Pfund Sterling, also etwa 59 €. Auch die Bank of England setzt auf bargeldlose Zahlung. Abb. 4.1: Bank of England, o. D., 50 Pounds, Vorderseite. Abb. 4.2: Bank of England, o. D., 50 Pounds, Rückseite. Die Türkei begrenzt den höchsten Banknotenwert auf 200 Lira (≈ 4 €). Dieser Wert steht diametral zur augenblicklichen Inflationsrate, die nach Angaben der türkischen Notenbank (TCMB) im August 2026 offizielle bei 31,5 % lag. Der niedrige Banknotenwert suggeriert dem Betrachter Wertbeständigkeit. Würden die Zahlen auf den Noten der Inflation angepasst, würde jedem das Ausmaß sofort ins Auge springen. Gleichzeitig zwingt diese Politik die Bürger, selbst bei täglichen Kleinausgaben digitale Zahlungsmittel zu benutzen. Dies ist gewollt, lassen sich doch so jederzeit Zahlungsströme kontrollieren. Korruption, Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft werden erschwert. Darüber hinaus erleichtern große Bargeldbestände die Kapitalflucht, weshalb die Regierung auch kleine Nominale bevorzugt. Abb. 5.1: Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankasi, 2009, 200 Türk Lirasi, Vorderseite. Abb. 5.2: Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankasi, 2009, 200 Türk Lirasi, Rückseite. Am 8. November 2016 wurden über Nacht in Indien die 500‑ und 1000‑Rupien-Noten ungültig. Begründet wurde dieser Schritt unter anderem mit der großen Anzahl von Fälschungen im Umlauf. Vorübergehend war die verbliebene 100-Rupees-Banknote das höchste Nominal. Heute lautet der höchste Banknotenwert auf 500 Rupien (≈ 5 €). Auch in Indien ist das Ziel klar erkennbar. Der niedrige Wert der Wert höchsten Banknote soll dazu beitragen, den Sumpf der Schattenwirtschaft trocken zu legen, sowie das Schwarzgeld, die Korruption und Fälschungen zu bekämpfen. Parallel wurde das digitale Zahlungssystem UPI massiv gefördert.[4] Abb. 6.1: Reserve Bank of India, 2021, 500 Rupees, Vorderseite. Abb. 6.2: Reserve Bank of India, 2021, 500 Rupees, Rückseite. In China geht scheinbar nichts mehr ohne Zahlung mit dem Smartphone. Die Chinesen setzen nicht zuletzt auf Online-Dienstleister wie Alipay oder WeChat, weil sie bei mobiler Zahlung saftige Rabatte erhalten. Sogar Bettler nehmen an bargeldlosen Zahlungen teil. Per QR-Code am Hals empfangen sie Spenden direkt auf ihr Smartphone. Obwohl die Europäische Union augenblicklich keine Abschaffung des Bargelds plant, setzt man doch auf eine Begrenzung der Bargeldzahlungen. Der erste Schritt dazu war die Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Am 4. Mai 2016 beschloss die EZB die Produktion und Ausgabe der 500-Euro-Banknote einzustellen. Die meisten nationalen Zentralbanken beendeten die Ausgabe am 26. Januar 2019. Bei der Deutschen Bundesbank und der Oesterreichischen Nationalbank war es der 26. April 2019. Die 500-Euro-Note bleibt gesetzliches Zahlungsmittel und behält dauerhaft ihren Wert. Sie kann unbefristet bei jeder nationalen Zentralbank des Eurosystems umgetauscht werden. Abb. 7.1: EZB, 2002, 500 Euro, Vorderseite. Abb. 7.2: EZB, 2002, 500 Euro, Rückseite. Nach EU-Verordnung 2024/1624 dürfen Unternehmen und Gewerbetreibende ab dem 10. Juli 2027 bei geschäftlichen Transaktionen kein Bargeld von 10.000 Euro oder mehr annehmen oder auszahlen.[5] Ziel dieser Maßnahme ist es, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung wirksamer zu bekämpfen. Im europäischen Vergleich wirkt die neue Regel moderat. Mehrere Mitgliedstaaten haben bereits heute deutlich strengere Vorgaben. Frankreich und Spanien etwa erlauben nur Bargeldzahlungen bis 1000 Euro, in Griechenland liegt die Grenze sogar bei nur 500 Euro.[6] Die EU-Regel fungiert daher als Mindeststandard. Nationale Verschärfungen bleiben zulässig. Neben der Obergrenze von 10.000 Euro sieht die Verordnung einen zweiten wichtigen Schwellenwert vor. Bei einer einmaligen Barzahlung zwischen 3.000 und 10.000 Euro sind die Unternehmen verpflichtet die persönlichen Daten des Kunden zu identifizieren. Der Verkäufer darf dafür die Vorlage von Personalausweis, Reisepass oder eines anderen amtlichen Dokuments verlangen. In Deutschland gab es bislang keine allgemeine gesetzliche Obergrenze für Bargeldzahlungen. Bei bestimmten Geschäften gelten jedoch bereits Identifizierungs-Pflichten und Vorgaben zur Prüfung der Geldherkunft, ein umfassendes Verbot großer Barzahlungen existierte aber nicht.[7] Am 2. Oktober 2020 veröffentlichte die EZB einen Bericht, in dem die Einführung eines „Digitalen Euros“ (D€) aus der Sicht des Eurosystems dargestellt wurde. Im Juli 2021 beschloss man, die Planung zum D€ zu starten. Am Ende des Projekts soll ein schnelles und sicheres gesetzliches Zahlungsmittel auf digitaler Basis stehen, „das den Euro für Privatpersonen und Unternehmen in der bestehenden Form als Bargeld und auf Bankkonten ergänzt und vom Europäischen System der Zentralbanken des Euroraums ausgegeben .. [wird]. Funktional vergleichbar ist der D€ als digitaler Zwilling des Euro-Bargelds mit digitalen Mobile-Payment-Zahlungssystemen wie Apple Pay, PayPal und Google Pay. Der D€ hat für Kundeneinlagen im Gegensatz zu Buchgeld eine Zentralbank als Schuldner und Garant, während bei Buchgeld Kreditinstitute wie Geschäftsbanken, Sparkassen oder Genossenschaftsbanken für die entsprechenden Einlagen haften. Bei Mobile-Payment-Zahlungssystemen lauten in der Regel die entsprechenden Konten indirekt auf Buchgeld bei Kreditinstituten.“[8] Nachdem sich der Europäische Rat am 19. Dezember 2025 für die Einführung des D€ aussprach, stimmte am 9. Juli 2026 auch das Europäische Parlament mit 416 gegen 169 Stimmen dafür. Anfang April 2026 stellte die EZB eine umfassende, ganzheitliche Zahlungsverkehrs-Strategie des Eurosystems vor, in welcher der digitale Euro eine Schlüsselrolle einnimmt. In der zweiten Hälfte des Jahres 2027 plant die EZB zwölf Monate lang mit ausgewählten 36 Banken, Instituten sowie digitalen Anbietern, den D€ zu testen. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, könnte der D€ frühestens 2029 eingeführt werden. Zwar beteuert EZB und Bundesbank, dass man das Bargeld nicht abschaffen wolle, dennoch muten die Pläne zum D€ als erster Schritt in diese Richtung an. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Mobile Wallets sind digitale Geldbörsen auf dem Smartphone, in denen man Zahlungs- und Identifikationsdaten sicher speichern und zum Bezahlen nutzen kann. Sie ersetzen damit zunehmend die klassische physische Brieftasche. [2] https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/zahlungsverkehr-und-wertpapierabwicklung/newsletter/zahlungsverkehr-und-wertpapierabwicklung-dezember-2025-1003174?article=zahlungsverhalten-in-deutschland-1003180 (01.10.2026). [3] Fehlender „Bezahlschmerz“: Wer mit Smartphone, Karte oder Klick bezahlt, nimmt die Geldausgabe oft weniger bewusst wahr als bei Bargeld. [4] Das Zahlungssystem UPI (Unified Payments Interface) ist Indiens Echtzeit-Zahlungssystem, das von der National Payments Corporation of India (NPCI) betrieben wird. UPI ermöglicht es Nutzern, Geld sofort zwischen Bankkonten zu überweisen, ohne langwierige Verarbeitungszeiten. UPI-Zahlungen sind für Privatpersonen kostenlos, was es zu einer attraktiven Option für viele Nutzer macht. UPI hat sich zu einem wichtigen Bestandteil der digitalen Wirtschaft in Indien entwickelt und hat die Art und Weise, wie Menschen und Unternehmen bezahlen, revolutioniert. [5] Die EU-Regel fungiert daher als Mindeststandard. Nationale Verschärfungen bleiben zulässig. [6] https://www.focus.de/finanzen/bargeld-limit-kommt-2027-in-deutschland-kaeufer-muessen-sich-schon-ab-3000-euro-identifizieren_79fc1adb-7fa3-4985-859d-b9585468b242.html (22.09.2026) sowie https://www.evz.de/themen/finanzen-versicherungen/bezahlen-eu/bargeldobergrenze/ (01.10.2026) [7] Bisher gilt, wer mehr als 10.000 € in bar bezahlen will, muss dem Händler seinen Ausweis vorlegen. Ähnliches gilt für Bankzahlungen. Bei Edelmetallen wie Gold und Silber liegt die Grenze bei 1.999 € für anonyme Käufe. Wird es teurer, muss die Identität des Käufers geprüft werden. Hintergrund: Geldwäsche und Terrorismus sollen auf diese Weise eingedämmt werden. Der Bundestag bestimmte bereits 2003, dass haushaltsnahe Handwerkerleistungen nur dann steuerlich geltend gemacht werden können, wenn die Zahlung bargeldlos und mit Rechnung erfolgt ist. Auch andere Sonderausgaben wie beispielsweise die Kinderbetreuung müssen durch eine Überweisung dokumentiert sein. [8] https://de.wikipedia.org/wiki/Digitaler_Euro (04.10.2026) Abbildungen Banknoten Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de (1,3,4,7) Autor (5) Archiv für Geld- und Zeitgeschichte (6)

  • Südossetien: Eine 200-Zarin-Gedenkbanknote

    Die Bank von Alania in Südossetien gab am 20. September 2026 ihre zweite Gedenkbanknote, eine 200-Zarin-Note, heraus. Dies fiel mit dem Unabhängigkeitstag Südossetiens zusammen, der jährlich am 20. September gefeiert wird. In der offiziellen Pressemitteilung wird diese Ausgabe als Teil einer Serie beschrieben, die bedeutenden Persönlichkeiten Ossetiens gewidmet ist, sodass in Zukunft weitere Nennwerte zu erwarten sind. Südossetien, offiziell die Republik Südossetien oder der Staat Alania, ist ein Binnenstaat im Südkaukasus, der teilweise diplomatisch anerkannt ist. Die offiziell angegebene Einwohnerzahl beträgt etwas mehr als 56.500 Menschen (2022), die auf einer Fläche von 3.900 qkm leben, davon 33.000 in der Hauptstadt Zchinwali. Stand 2026 erkennen nur vier Mitglieder der Vereinten Nationen (UN) Südossetien als souveränen Staat an – Russland, Venezuela, Nicaragua und Syrien. Die georgische Regierung und alle anderen UN-Mitgliedstaaten betrachten Südossetien als souveränes Territorium Georgiens. Der politische Status Südossetiens bleibt ein zentrales Thema des georgisch-ossetischen Konflikts und der Beziehungen zwischen Georgien und Russland. Da Georgien keine effektive Kontrolle über das Gebiet ausübt, unterhält es eine Verwaltungsbehörde namens „Provisorische Verwaltung Südossetiens“. Südossetien ist in hohem Maße auf militärische, politische und finanzielle Hilfe aus Russland angewiesen. Seit 2008 hat die südossetische Regierung den Wunsch geäußert, der Russischen Föderation beizutreten. Sollte dies geschehen, würde dies das Ende der von Südossetien ausgerufenen Unabhängigkeit bedeuten. Ein Referendum zu dieser Frage wurde in der Innenpolitik mehrfach angesprochen, fand jedoch bislang nicht statt. Technisch gesehen ist diese neue Gedenkbanknote, genau wie die 100-Zarin-Note aus dem letzten Jahr, gesetzliches Zahlungsmittel, wird jedoch weder in Südossetien noch in einem anderen Teil Georgiens oder Russlands im Umlauf gebracht. Sie wurde ausschließlich als Sammler-Ausgabe herausgegeben. Südossetien verwendet den russischen Rubel als offizielle Währung. Der Zarin wird in Südossetien technisch gesehen zu einem festen Kurs von 1 Zarin = 10 russischen Rubel gehandelt. Diese Ausgabe hat einen Nennwert von 200 Zarin und wurde von Gosnak (Moskau) auf Papier gedruckt. Sie misst 157 x 69 mm. Es wurden 20.000 Stück hergestellt. Auf der Vorderseite ist ein Porträt von Wassili Iwanowitsch Abajew (Vasso) abgebildet, einem sowjetischen ossetischen Sprachwissenschaftler, der sich auf iranische Sprachen, insbesondere die ossetische Sprachwissenschaft, spezialisiert hatte. Sein Hauptwerk, das „Etymologische Wörterbuch der ossetischen Sprache“, das auf Material aus 190 Sprachen und Dialekten basiert, erschien zwischen 1959 und 1989 in vier Bänden und erlangte auch außerhalb der UdSSR Bekanntheit. Er starb im Alter von 100 Jahren in Sankt Petersburg. Zu seinen Mitgliedschaften und Auszeichnungen zählen unter anderem: Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, Professor, Doktor der Philologie, ordentliches Mitglied der Royal Asiatic Society of England, korrespondierendes Mitglied der Finno-Ugrischen Gesellschaft in Helsinki, zweifacher Preisträger des Kosta-Khetagurov-Preises, verdienter Wissenschaftler Nordossetiens, Preisträger des Staatspreises der UdSSR und Ritter des Ehrenordens der Republik Südossetien. Neben seinem Porträt ist ein handgeschriebener Text aus seinem Testament zu sehen, rechts unten Bücher, vor den Büchern eine Lupe mit dem ossetischen Buchstaben „æ“, oben links ein offenes Buch aus Goldfolie mit einer skythischen Hirschfigur (Sicherheitsmerkmal) sowie oben links das Wappen Südossetiens über einem Lilienkreuz (ein altes Symbol des Schutzes). Die Rückseite ist der ossetischen Natur gewidmet. Das Hauptmotiv zeigt kaukasisches Rotwild, ein Hirsch und eine Hirschkuh, die auf einer Wiese vor dem Hintergrund des Berges Sanai (Kazbek) stehen. Unten rechts ist eine Abbildung der sarmatischen Glockenblume zu sehen. Oben links, auf dem Zierstreifen, befindet sich das Währungszeichen „Z“. Zu den Sicherheitsmerkmalen der Banknote gehören ein goldfarbener, unterbrochener Sicherheitsstreifen, Tiefdruck (Intaglio), ein Wasserzeichen mit der Darstellung eines kaukasischen Rothirsches sowie die Elektrotypie 200, metallisierte Folie, grafische Mikroelemente, Infrarot- und UV-Lumineszenz. Donald Ludwig Siehe auch: https://www.geldscheine-online.com/post/mif-paper-money-fair-september-2026 Neue Ausgaben sind stets sehr gefragt, und die Verkaufsschlager dieser Show waren zweifellos die neuen Gedenkbanknoten aus São Tomé und Príncipe (die 50-Dobras-Ausgabe zur Unabhängigkeit), Samoa (die 100-Tālā-Banknote mit Königin Elisabeth II.) und den Salomonen (50 Jahre Zentralbank). Zu den weiteren „heißen“ Neuheiten zählten Banknoten aus Aserbaidschan (die neu gestaltete 100-Manat-Banknote), Kasachstan (die neue 500-Tenge-Banknote), Südossetien (die neue 200-Zarin-Ausgabe) und der Ukraine (die neue Banknote im Wert von 2000 Griwna).

  • Paraguay: Eine neue Serie von Guaraníes-Banknoten

    Am 5. Oktober 2026 stellte die Banco Central del Paraguay (BCP) offiziell eine neu gestaltete Serie Guaraníes-Banknoten vor – eine der bedeutendsten Veränderungen bei den im Umlauf befindlichen Banknoten Paraguays seit mehr als sechs Jahrzehnten. Die neue Serie behält die bestehenden sechs Nennwerte bei und führt gleichzeitig neue Designs, modernisierte Sicherheitsmerkmale, neue Formate sowie eine starke Betonung der paraguayischen Geschichte, Kultur und Artenvielfalt ein. Die neuen Geldscheine heben die außergewöhnliche Artenvielfalt Paraguays hervor. Im Rahmen des Biodiversitäts-Projekts der BCP wurden repräsentative Tier- und Pflanzenarten aus den verschiedenen Ökoregionen Paraguays ausgewählt, um sie in die neue Banknotenserie zu integrieren. Zu den ausgewählten Arten gehören der Glockenvogel, der Riesenotter, der Jaguar, die Tagua, der Regenbogenbulle, der Yacaré, der Panambi Morotĩ, der Lapacho und weitere einheimische Arten. Dies verleiht der neuen Serie einen interessanten doppelten Charakter: auf der Vorderseite die Geschichte und die Menschen Paraguays, auf der Rückseite das Naturerbe des Landes. Eine weitere wesentliche Änderung ist die Einführung unterschiedlicher Längen für die einzelnen Nennwerte bei gleichbleibender Breite. Die Banknoten werden je nach Nennwert schrittweise länger, wobei zwischen aufeinanderfolgenden Nennwerten ein Abstand von etwa 7 mm besteht. Diese Gestaltung soll Menschen mit Sehbehinderungen die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Werten erleichtern. Die 2.000-Guaraníes-Banknote würdigt die indigenen Völker Paraguays und hebt ihr kulturelles Erbe sowie ihren Beitrag zur Identität des Landes hervor. Auf der Rückseite ist der Jaguarete abgebildet, die größte Raubkatze Amerikas. Diese Banknote ist auf einem Polymersubstrat gedruckt. Die 5.000-Guaraníes-Banknote steht für das Erbe der paraguayischen Missionen. Darauf sind Roque González de Santa Cruz und Fray Juan de San Fernando abgebildet, der als wichtige Persönlichkeit der religiösen und kulturellen Geschichte Paraguays in Erinnerung geblieben ist. Roque González de Santa Cruz (1576–1628) war ein guaraní-spanischer Jesuitenpriester und der erste Missionar unter den Guaraní in Paraguay. Er wurde 1628 ermordet und wird von der katholischen Kirche als Märtyrer und Heiliger verehrt. Fray Juan de San Fernando (1569–1594) gilt als der erste auf paraguayischem Gebiet geborene Franziskaner, der an der Evangelisierung der indigenen Völker mitwirkte. Die Rückseite zeigt den „Jakare Ovéro“, ein einheimisches Krokodil, und den „Jakare Yrupẽ“, eine einheimische Wasserpflanze mit großen, rundlichen Schwimmblättern. Diese Note ist auf einem Polymer-Substrat gedruckt. Auf der 10.000-Guaraníes-Banknote sind José Gaspar Rodríguez de Francia und Carlos Antonio López abgebildet, zwei bedeutende Persönlichkeiten der Gründung und frühen Entwicklung Paraguays als unabhängiger Staat. José Gaspar Rodríguez de Francia (1766–1840) war Rechtsanwalt, Politiker, Staatsmann und der erste Diktator (1814–1840) Paraguays nach dessen Unabhängigkeit vom spanischen Vizekönigreich Río de la Plata im Jahr 1811. Carlos Antonio López (1792–1862) war von 1841 bis 1862 Staatschef von Paraguay. Unter seiner Präsidentschaft leitete er einen Prozess der wirtschaftlichen und politischen Modernisierung ein und beendete die isolationistische Politik des paraguayischen Diktators de Francia. Die Rückseite zeigt den Mähnenfuchs, den größten Hundartigen Südamerikas, den Erdster, eine Pilzart, und den Katuáva, einen weniger als 2 Meter hohen, fruchttragenden Laubstrauch. Eine wichtige Neuerung bei dieser Stückelung ist, dass sie auf Polymer gedruckt ist, wodurch der Anteil an Polymer-Banknoten in der paraguayischen Banknotenserie erweitert wird. Die 20.000-Guaraníes-Banknote ehrt die paraguayischen Nationalhelden Francisco Solano López und José Félix Estigarribia. Francisco Solano López (1827–1870) war ein paraguayischer Staatsmann, Offizier und Politiker, der von 1862 bis 1870 als Präsident von Paraguay amtierte, wobei der Großteil seiner Amtszeit in den Paraguayanischen Krieg (1864–1870) fiel. José Félix Estigarribia (1888–1940) war ein paraguayischer Offizier und Politiker, der von 1939 bis zu seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz im September 1940 als 34. Präsident von Paraguay amtierte. Die Rückseite zeigt den Riesenotter, das größte Mitglied der Marderfamilie in Südamerika, sowie den gefleckten Sorubim, einen großen Fisch mit einem Muster aus unregelmäßigen schwarzen Flecken auf dem Körper. Diese Banknote wird weiterhin auf einem Substrat auf Baumwollbasis gedruckt. Die 50.000-Guaraníes-Banknote würdigt die Bildung und die wichtige Rolle der Frauen in der Geschichte Paraguays durch die Porträts der Pädagoginnen Celsa und Adela Speratti. Celsa Speratti (1868–1938) und Adela Speratti (1865–1902) waren paraguayische Schwestern, die maßgeblich am Aufbau des Bildungssystems des Landes beteiligt waren. Sie wurden während des Dreierbundkriegs geboren, in dem ihr Vater ums Leben kam; daraufhin flohen die Schwestern mit ihrer Mutter nach Argentinien. Dort absolvierten beide eine Ausbildung zur Lehrerin, bevor sie nach Paraguay zurückkehrten und in Asunción die erste Lehrerbildungsanstalt gründeten. Die Rückseite zeigt die Tagua, die größte noch lebende Art des südamerikanischen Pekaris, den Regenbogen-Lembu, einen einheimischen Käfer mit einem leuchtend metallisch schimmernden Exoskelett, und den Samu’ũ, einen Baum, dessen Stamm einer Flasche ähnelt. Auch diese Banknote wird weiterhin auf einem Substrat auf Baumwollbasis gedruckt. Die Banknote mit dem höchsten Nennwert, 100.000 Guaraníes, würdigt die paraguayische Musik und Kunst durch zwei berühmte Musiker: Agustín Pío Barrios und José Asunción Flores. Agustín Pío Barrios (1885–1944), bekannt als Mangoré, war ein paraguayischer Virtuose der klassischen Gitarre und Komponist, der von manchen als einer der größten Interpreten und wohl als der produktivste Komponist für die klassische Gitarre angesehen wird. José Asunción Flores (1904–1972) war ein paraguayischer Komponist und Begründer des Musikgenres „Guarania“. Die Rückseite zeigt den Glockenvogel, den Nationalvogel Paraguays, den Panambi Morotĩ, einen großen, weißen Schmetterling mit einem leichten Blaustich, eine seltene Art in diesem Land, sowie den Lapacho, den Nationalbaum Paraguays. Dieser Wert wird weiterhin auf einem Substrat auf Baumwollbasis gedruckt. Die Einführung der neuen Banknoten erfolgt schrittweise entsprechend dem Bedarf an Bargeldnachschub. Die Banknoten mit den älteren Designs werden entsprechend ihrem Verschleißgrad und ihrem natürlichen Umlaufzyklus nach und nach aus dem Verkehr gezogen. Die neuen Banknoten werden auf unbestimmte Zeit parallel zu den derzeitigen Banknoten im Umlauf sein. Donald Ludwig (polymernotes.com)

  • Nepal überarbeitet seine 1.000-Rupien-Banknote

    Am 24. September 2026 gab Nepal eine überarbeitete 1.000-Rupien-Banknote heraus. Sie ähnelt im Design der 1.000-Rupien-Note aus dem Jahr 2019, auf deren Vorderseite links vorwiegend der Mount Everest und auf der Rückseite zwei asiatische Elefanten abgebildet sind. Die Hauptfarbe der Banknote aus dem Jahr 2019 ist Braun. Nepals 1.000-Rupien-Banknote (Vorderseite): 2026-Version oben, 2019-Version unten. Bei der neuen Ausgabe dominiert nun die Farbe Hellblau. Die Farbe des silbernen, geprägten, ovalen Sicherheitsmerkmals auf der Vorderseite, auf dem in der Mitte links die Göttin Bhagwati abgebildet ist, wurde in Gold geändert. Auch der unterbrochene Sicherheitsstreifen wurde von einem blauen zu einem orange-dunkelbraunen ersetzt. Nepals 1.000-Rupien-Banknote (Rückseite): 2026-Version oben, 2019-Version unten. Auf der Rückseite finden sich neue, farbige Azaleen-Blüten, die das Wasserzeichen auf der rechten Seite halbkreisförmig umgeben, sowie eine andere Säule ganz rechts. Das Wasserzeichen (ein Rhododendron und die Elektrotypie 1000) bleibt unverändert. Beide Banknoten wurden von der China Bank Note Printing and Minting Corporation gedruckt und messen 172 mm x 70 mm. Sie haben eine neue Unterschrift (Poudel) und ein neues Datum (2025). Donald Ludwig

  • MIF Paper Money Fair (September 2026)

    Die Herbstausgabe der MIF Paper Money Fair fand am letzten Septemberwochenende 2026 in Maastricht, Niederlande, statt. Dimitri Waltmans, der Veranstalter der Messe, seine Familie und seine Mitarbeiter richteten erneut die weltweit größte Banknotenmesse aus. Diesmal nahmen rund 215 Aussteller aus über 70 verschiedenen Ländern teil. Ein Teil der Großhalle der MIF Paper Money Fair. Das Veranstaltungsformat war wie bisher: drei Tage „Pre-Show“ (Dienstag bis Donnerstag) und ein zusätzlicher Tag (Freitag) in der Haupthalle, der ausschließlich Ausstellern und Händlern vorbehalten war. Am Samstag und Sonntag war der Eintritt für das Publikum kostenlos: Hunderte von Besuchern kamen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hervorragend, Sicherheitskräfte patrouillierten ständig in den Hallen. Zusätzlich patrouillierte ein Sicherheitsmitarbeiter mit seinem Hund durch die Hallen, und ein weiterer, ebenfalls mit seinem Hund, überwachte die Parkplätze im Außenbereich, auf denen die Händler parkten. Trotz der guten Sicherheitsvorkehrungen wurden einige Diebstähle gemeldet. Man muss stets wachsam bleiben. Händler sollten ihre Waren in Vitrinen ausstellen und nicht einfach auf den Tischen auslegen. Man lässt sich leicht ablenken, und die Diebe sind clever und erfahren. Sie arbeiten in der Regel in Gruppen. Einer reicht einen gestohlenen Artikel sofort an eine Person hinter sich weiter, die ihn dann an den Nächsten weitergibt, der die Show verlässt. Natürlich ist es hilfreich, dass die Hallen videoüberwacht sind, aber wenn die Diebe verschwunden sind, ist auch die gestohlene Ware weg. Seien Sie vorsichtig, kaufen oder mieten Sie eine Vitrine und nehmen Sie einen Assistenten mit … minimieren Sie die Risiken. Die nächtliche Sicherheit auf der Messe ist zudem viel besser, als teures Material in Ihrem Hotelzimmer oder Auto zurückzulassen. Sammler sollten natürlich ebenfalls wachsam sein. Monalisa Money Modo bekommt holländischen Käse als Sponsoring-Geschenk. Hauptsponsor der Messe war erneut das Auktionshaus Stack’s Bowers mit Sitz in Costa Mesa, Kalifornien. Mitveranstalter der MIF waren Paper Money Guaranty (PMG), PCGS Europe und Monalisa Money Modo. Auch Sberatel war vor Ort und versorgte alle mit kostenlosem Bier. Zum achten Mal bei einer europäischen Messe bot PMG zudem Grading vor Ort an. Die Nachfrage nach Vor-Ort Grading war enorm, sodass PMG diesmal schon recht früh keine Banknoten mehr zum Grading entgegennahm. Die am 10.09.2026-ausgegebene samoanische Gedenkbanknote war sehr gefragt. Neue Ausgaben sind stets sehr gefragt, und die Verkaufsschlager dieser Show waren zweifellos die neuen Gedenkbanknoten aus São Tomé und Príncipe (die 50-Dobras-Ausgabe zur Unabhängigkeit), Samoa (die 100-Tālā-Banknote mit Königin Elisabeth II.) und den Salomonen (50 Jahre Zentralbank). Zu den weiteren „heißen“ Neuheiten zählten Banknoten aus Aserbaidschan (die neu gestaltete 100-Manat-Banknote), Kasachstan (die neue 500-Tenge-Banknote), Südossetien (die neue 200-Zarin-Ausgabe) und der Ukraine (die neue Banknote im Wert von 2000 Griwna). Der Autor mit Schülern und Lehrern des „Campus De Helix“-Gymnasiums. Mein persönliches Highlight der Veranstaltung war erneut mein Vortrag vor einer Gruppe von etwa 25 Schülern im Alter von etwa 17 Jahren vom Gymnasium „Campus De Helix“ in Maasmechelen, Belgien. Banknoten wurden von Sabine De Ceulaer von Money Corner und auch Gegradete Samples von PMG gespendet. Ich habe sie während meines Vortrags verteilt und verwendet. Ich stellte den Schülern das Hobby des Banknotensammelns vor und erklärte ihnen, dass jede Banknote eine Geschichte erzählt. Als konkretes Beispiel nahm ich die neue samoanische „Queen Elisabeth II.“-Gedenkbanknote her und erläuterte alle Abbildungen auf der Banknote: warum sie ausgewählt wurden und was sie darstellen, sowie warum Samoa beschlossen hat, die verstorbene Königin zu ehren, und welche besondere Verbindung Samoa zu ihr hat. Mehr über diese Gedenkbanknote können Sie HIER erfahren. Im Anschluss an meinen Vortrag hörten die Schüler einen zweiten Vortrag von Marcel Klok von der niederländischen Druckerei Royal Joh. Enschedé darüber, wie eine Banknote hergestellt wird. Auch Marcel hält seinen traditionellen Vortrag bereits seit Jahren jährlich und motiviert die Schüler damit zusätzlich, mehr zu lernen und hoffentlich auch zu sammeln. Nach beiden Vorträgen schlenderten die Schüler durch die Veranstaltung, besuchten die Stände der Händler und tauschten sowie kauften Banknoten. Sie gingen glücklich und begeistert nach Hause. Deutsche Scheine waren auch reichlich im Angebot. .. und auch ausländische Scheine waren reichlich im Angebot. Timo Mäkinen aus Finnland war einer der Aussteller der MIF. Die nächste MIF findet im April/Mai 2027 in einem größeren Saal im MECC statt, alle zusammen in einem Saal. Wir sehen uns dort! Donald Ludwig (polymernotes.com) Abbildungen: Alle Fotos von Donald Ludwig

  • Kambodscha: Neue 50.000- und 100.000-Riels-Banknoten

    Am 25. September 2026 gab die Nationalbank von Kambodscha zwei neue Banknoten in den Stückelungen 50.000 und 100.000 Riels heraus. Die neue 50.000-Riels-Banknote ist überwiegend in Brauntönen gehalten. Auf der Vorderseite ist der ehemalige König Norodom Sihanouk (1922–2012) rechts neben dem Wasserzeichenbereich abgebildet. Links ist der mythische siebenköpfige Nāga abgebildet, der der Nāga-Statue vor Angkor Wat in der Provinz Siem Reap nachempfunden ist. Die Rückseite zeigt unten links zwei Nāgas, den Bakong-Tempel im Roluos-Tempelkomplex sowie das Bild eines jungen Elefanten, der einer Steinmetzarbeit am Koh-Ker-Tempel in der Provinz Preah Vihear nachempfunden ist. Die Banknote enthält einen verzierten, durchgehenden Folien-Sicherheitsstreifen mit der entmetallisierten Zahl 50000. Das Wasserzeichen zeigt traditionelle Muster und die Umrisse von drei Türmen. Die Banknote misst 155 × 72 mm und ist auf Papier gedruckt. König Norodom Sihanouk ca. 1941 (links), Nāga-Statue vor Angkor Wat (rechts). Die neue 100.000-Riels-Note ist überwiegend in Grün, Braun und Grau gehalten. Auf der Vorderseite sind der ehemalige König Norodom Sihanouk (1922–2012) und Königin Norodom Monineath Sihanouk (geb. 1936) rechts neben dem Wasserzeichenbereich abgebildet. In der Mitte befindet sich ein Bildnis des Sangkha des Königreichs Kambodscha. Links ist die Skulptur des mythischen neunköpfigen Nāga zu sehen. Die Rückseite zeigt unten links zwei Nāgas, in der Mitte König Norodom Sihanouk, König Norodom Sihamoni (den derzeitigen König, geb. 1953) und Königin Norodom Monineath. Rechts ist ein stehender Garuda-König abgebildet, ein Machtsymbol, die einer Schnitzerei im Preah-Khan-Tempel in Siem Reap nachempfunden ist. Die Banknote enthält außerdem einen verzierten, durchgehenden Folien-Sicherheitsstreifen mit der entmetallisierten Zahl 100000. Das Wasserzeichen zeigt traditionelle Muster und die Umrisse von drei Türmen. Die Banknote misst 170 x 75 mm und ist ebenfalls auf Papier gedruckt. Die neuen Banknoten werden neben den bestehenden Banknoten in Umlauf gebracht und ersetzen diese nicht. Donald Ludwig

  • Die weltweit erste Pride-„Banknote“, gesponsert von Koninklijke Joh. Enschedé

    Im Juli 2026 „emittierte“ Pride Haarlem in den Niederlanden eine rosa „Banknote“, die speziell für die regenbogenfarbene Feier entworfen wurde und als die weltweit erste Sammlerbanknote zum Thema Pride gilt. Die exklusive Sammlerausgabe wurde vom Banknotendesigner Christian Petermann und von Koninklijke Joh. Enschedé (KJE) entworfen, gesponsert und gedruckt. KJE, eines der ältesten Sicherheitsdruckunternehmen der Welt, druckte früher den niederländischen Gulden und Euro-Banknoten und ist nun wieder im Banknotendruck tätig. Derzeit entwirft und druckt das Unternehmen mehrere Gedenkbanknoten, die in den kommenden Monaten ausgegeben werden sollen. Inspiriert von den legendären niederländischen Banknotendesignern Ootje Oxenaar und Jaap Drupsteen schuf Petermann eine leuchtend rosa Komposition, die modernen Sicherheitsdruck mit dem künstlerischen Erbe der Niederlande verbindet. Die auf der Banknote abgebildeten Porträts sind von Werken der Meister des Goldenen Zeitalters aus Haarlem, Judith Leyster und Frans Hals, inspiriert. Auf der Vorderseite ist das historische Rathaus von Haarlem abgebildet, während die Rückseite stolz das Wahrzeichen der Stadt, das Amsterdamer Tor, zeigt. Schon das Design der Banknote erzählt einen Teil der Pride-Geschichte. Eine „weiße“ Taube, inspiriert von den surrealistischen Werken René Magrittes, überbringt eine universelle Friedensbotschaft über eine klassische Weltkarte hinweg. In das gesamte Design sind zahlreiche raffinierte Sicherheitsmerkmale und künstlerische Details integriert. Der Schein trägt die aufgedruckte Unterschrift der Haarlemer Stadträtin Eva van Dirven sowie das offizielle Datum der Pride Haarlem 2026 (18. Juli 2026). Und ja, man konnte sie auch ausgeben! Die Gedenknote zur Haarlem Pride wurde am 18. Juli auf dem Pride-Festivalgelände in Haarlem und bei ausgewählten lokalen Partnerveranstaltungsorten in Haarlem als gesetzliches Zahlungsmittel im Wert von 5 € akzeptiert. Die niederländische Zentralbank hat zudem einen dieser Scheine in ihre offizielle numismatische Sammlung aufgenommen. Sie ist weiterhin erhältlich, sowohl persönlich in der Touristeninformation am Grote Markt in Haarlem als auch in begrenzter Stückzahl bei Pride Haarlem. Einzelheiten finden Sie HIER. Donald Ludwig

  • In eigener Sache: wir machen vom 5.10. bis 18.10.2026 Urlaub!

    Liebe Leser, wir machen ab dem 5. Oktober 2026 für zwei Wochen eine wohlverdiente Urlaubspause! In dieser Zeit erscheinen Beiträge im Geldschein-Blog nicht in dem gewohnten Umfang und in allen Rubriken. Trotzdem wird am 8. Oktober im üblichen 14-tägigen Rhytmus ein Newsletter erscheinen, wenn auch in reduziertem Umfang. Dieses Bild ist KI-generiert! Ab 19. Oktober 2026 werden wir wieder wie gewohnt für Sie da sein! Wir wünschen eine schöne Zeit und viel Spaß beim Hobby und beim Stöbern im Blog … Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Redakteur Geldscheine-Online.com und "Der Geldscheinsammler"

  • Braubach am Rhein und ein sehr besonderer Notgeldschein

    Die Stadt Braubach am Rhein[1] war schon immer ein von Ausflüglern gern besuchter Ort. Insbesondere die hoch über dem Städtchen gelegene Marksburg, die einzige unzerstörte Höhenburg am Mittelrhein, war und ist das Ziel vieler Besucher. Rheinromantik ist heute eine der touristischen Werbebotschaften.[2] Ein Besuch von Burg und Stadt lohnt sich auf jeden Fall. Bild 1: Postkarte aus Braubach, ca. 1960er Jahre. Bild 12: Marksburg, Abb. Wikimedia Commons. Die Stadt Braubach blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 692. Nach dem Wiener Kongress kam Braubach an das Herzogtum Nassau und wurde am 1. Juli 1816 Sitz des herzoglich nassauischen Amtes Braubach. Durch Annexion Preußens wurde die Stadt in Jahr 1866 preußisch und der Provinz Hessen-Nassau zugeordnet. Nach dem Ersten Weltkrieg war Braubach durch französische Truppen besetzt und auch nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte es ebenfalls zur französischen Besatzungszone. 1946 wurde Braubach dem neugebildeten Bundesland Rheinland-Pfalz zugeschlagen und war dem Landkreis St. Goarshausen zugehörig, der 1969 im Rhein-Lahn-Kreis aufging. Wer mehr zur örtlichen Geschichte erfahren möchte dem seien neben den vielfältigen Informationen im Internet zwei lesenswerte Bücher empfohlen. Hellmuth Gensicke[3] hat u. a. 1976 ein Buch zur Geschichte der Stadt Braubach verfasst. Auch von Klaus D. Schoch ist im Jahr 2016 ein Buch „Zwischen Rebenhügeln und großer Politik – Zur Geschichte der Stadt Braubach am Rhein im 20. Jahrhundert“ erschienen. Zurück zur Vergangenheit in das Jahr 1923 - seitens der Stadt Braubach wurden inflationsbedingt auch einige Notgeldscheine verausgabt. Folgende Ausgaben sind bekannt[4]: Bild 3: Notgeldschein über 20.000 Mark vom 28.07.1923. 28.07.1923, einlösbar nach dem 08.08.1923: 20.000 Mark, ohne Wasserzeichen (Papier weiß-beige) 50.000 Mark, ohne Wasserzeichen (Papier weiß-beige) 100.000 Mark, ohne Wasserzeichen (Papier weiß-beige) 500.000 Mark, ohne Wasserzeichen (Papier grün) 28.07.1923, einlösbar nach dem 23.08.1923: 500.000 Mark, Firmenwasserzeichen Hohenkrug[5] (Papier grün) 1 Million Mark, ohne Wasserzeichen (Papier orange-beige) 1 Million Mark, ohne Wasserzeichen (Papier blaugrau) September 1923: 50 Millionen Mark, ohne Wasserzeichen (Papier blaugrau) Alle Notgeldscheine sind mit einem Siegel der Stadt Braubach versehen. Dieses wurde von Hand aufgestempelt. Die Scheine sind nummeriert. Die Kontrollnummern (KN) wurden ebenfalls von Hand gestempelt. Die KN ist unterschiedlich groß, sie sind in den Größen 4, 4,5, 5, 6 und 6,5 mm bekannt. Alle Notgeldscheine verfügen über Faksimile-Unterschriften der Beigeordneten Gran und Lind. Für die Stadtkasse zeichnete Metz. Bild 4: Druckvermerk "SCHICKEL (NACHF.) OBERLAHNSTEIN. Gedruckt wurden die Notgeldscheine Braubachs in der Buchdruckerei Schickel (Nachf.) in Oberlahnstein. Inhaber dieser Druckerei war der Zeitungsverleger Fritz Nohr. Er wurde am 21. Februar 1923 als einer der ersten durch die Besatzer verhaftet, nach Koblenz zur Interalliierten Rheinlandkommission beordert und ausgewiesen, weil sich sein Blatt bewusst französischen und separatistischen Bestrebungen, die auf eine Loslösung rheinischer Gebiete vom Reich abzielten, entgegengesetzt hatte. Den Betrieb versuchte sein Bruder Jean Nohr aufrecht zu erhalten, doch wurde seine „Rheinisch Nassauische Zeitung“ in den Jahren 1923/24 an insgesamt 127 Tagen verboten. An den Tagen, an denen sie erscheinen durfte, zeigten leere Stellen, wo einzelne Berichte durch die französische Kreisbehörde gestrichen worden waren.[6] In der Druckerei Schickel wurden auch die Notgeldscheine für Oberlahnstein und Niederlahnstein gedruckt. Nach der Besetzung Oberlahnsteins durch rheinische Separatisten wurde neben dem Rathaus, der Post und dem Bahnhof auch die Druckerei besetzt und für rund zehn Tage wurden hier die Separatisten-Scheine des Kreises St. Goarshausen in unkontrollierter Menge gedruckt.[7] Vom 31.10. bis zum 22.11.1923 war auch die Kreisverwaltung in St. Goarshausen ganz in den Händen der Separatisten, die bis Ende 1924 das Kreishaus unter dem Schutz der Franzosen besetzt hielten. Vorübergehend besetzten die Separatisten auch die Druckerei Lemp in Braubach, wo sie Notgeld für den Kreis St. Goarshausen weiterdrucken ließen. Während der Druckereibesetzung in Oberlahnstein sollen dort auch Schüsse gefallen sein und ein Druckereimitarbeiter ist dabei ums Leben gekommen. Bild 5: Separatistenausgabe St. Goarshausen (entnommen aus Artikel U. Bronnert auf www.geldscheine-online.com). Auf die informativen und lesenswerten Artikel von Uwe Bronnert hier im Blog von Geldscheine-Online zur Separatistenbewegung in den besetzten Gebieten nach dem Ersten Weltkrieg weise ich gerne hin.[8] Weitere Braubacher Notgeldausgaben sind für diese Periode nicht bekannt. Mit fortschreitender Inflation wurden immer höhere Werte benötigt. Vermutlich liefen in Braubach die höheren Millionen-, Milliarden- und Billionen-Werte aus der näheren Umgebung um (Bad Ems, St. Goarshausen etc.). Gedrucktes Banken- und Firmennotgeld ist aus Braubach nicht bekannt. Die vorgenannten Notgeldscheine der Stadt Braubach am Rhein können noch heute preiswert im entsprechenden Fachhandel oder über Online-Plattformen erworben werden. Es liegt aber neben den oben beschriebenen Scheinen ein weiterer und besonderer Notgeldschein der Stadt Braubach vor, der vor allem Fragen aufwirft. Es handelt sich um folgende Ausgabe: Gutschein über 1 (Eine) Reichsmark (ohne Datum)[9] Bild 6: Gutschein über 1 RM ohne Datum, gestempelt, Vorderseite. Bild 7: Gutschein über 1 RM ohne Datum, entwertete Rückseite einer ehemaligen Reichsbanknote über 10 Millionen Mark vom 22.08.1923. Gestempelt wurde der Gutschein auf der leeren Rückseite eines Inflationsscheins der Deutschen Reichsbank über 10 Millionen Mark vom 22.08.1923.[10] Die gedruckte Wertseite der ehemaligen Reichsbanknote ist durch einen roten Kopierstift offiziell entwertet. Auf der leeren ehemaligen Rückseite wurden mittels beweglicher Buchstaben der Text „Für Konsum ungiltig | Gutschein / über / 1,- (Eine) Reichsmark / Giltig in Braubach / Magistrat“ aufgestempelt. Die Buchstaben stammen vermutlich aus einem entsprechenden Stempelsatz. Das Siegel ist das gleiche, welches bei den Notgeldscheinen der Stadt Braubach von 1923 verwendet wurde. Unterzeichnet wurde die Ausgabe mittels einer Faksimile-Unterschrift durch Bürgermeister Schüring. Die Unterschrift belegt, dass dieser Notgeldschein nach der Rückkehr Schüring’s aus seinem Exil, in der Zeit zwischen Ende 1924 und Anfang 1925, ausgegeben sein muss. Im Zuge des "Ruhrkampfes" wurde Bürgermeister Gustav Schüring (geb. 08.11.1878), der Bekanntmachungen der französischen Besatzungsmacht nicht ausgehängt und als Kreisdeputierter gegen die Besetzung der Stadt Kaub im „Freistaat Flaschenhals“[11] durch die Franzosen protestiert hatte, kurz nach dem 3.3.1923 aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen. Die Hohe Interalliierte Rheinlandkommission[12] gestattete erst im Oktober 1924 seine Rückkehr nach Braubach. Er war von 1915 bis 1933 Bürgermeister der Stadt Braubach am Rhein. Der Schein war laut Aufdruck nur in Braubach gültig, jedoch für Konsum ungültig. Nach Auffassung des Autors könnte mit dieser Einschränkung, ähnlich wie bei den Bettler- und Almosenscheinen, der Kauf von Tabak, Alkohol sowie Gaststättenbesuche ausgeschlossen worden sein. Es handelt sich in diesem Fall aber nicht um ein sogenanntes Bettler- oder Almosengeld, welches zu dieser Zeit von vielen Gemeinden im Reichsgebiet ausgegeben wurde. Diese Scheine wurden gedruckt und sind nur in den Wertstufen zu 1, 2, 5, 10, 20 und höchstens 50 Pfennig bekannt.[13] Für Braubach könnte auch ein Bettlergeld vorgelegen haben, das aber bislang noch nicht nachgewiesen wurde. Warum erfolgte überhaupt eine derartige Ausgabe? Eigentlich müsste zu der o. a. Notgeldausgabe eine öffentliche Bekanntmachung des Bürgermeisters bzw. ein Artikel in der örtlichen Presse existieren. Die Archivlage ist schwierig und unübersichtlich. Bei der Stadt Braubach ist aus dieser Zeit nichts vorhanden, Teile befinden sich in diversen Archiven in Hessen, weniges in Rheinland-Pfalz und geben keine Auskunft zu diesem Gutschein. Vieles ist auch verlustig gegangen. Die provisorische Ausführung des Gutscheins spricht für eine wirklich kurzfristige Maßnahme zur Behebung einer Notlage, andernfalls wären die Scheine gedruckt worden. Es ist teilweise bekannt, dass Kommunen in ihren Kassenräumen Notgelder sowie nicht mehr gültige Reichsbanknoten lagerten und erst später, in den Jahren 1924 bis 1926, den Kassenabschluss für das Jahr 1923 vollzogen. Erst nach Kassenabschluss wurden die nunmehr nicht benötigten Scheine einer Verwertung zugeführt. Die Verwendung einer wertlosen Reichsbanknote erscheint für den mutmaßlichen Zweck daher sinnvoll. Denkbar ist, dass diese besondere Ausgabe in Zusammenhang mit einer Hochwasserlage gestanden haben könnte. Das Rheinhochwasser von Anfang November bis Dezember 1924 sowie das Nachhochwasser im Januar 1925 war ein signifikantes Hochwasserereignis, das insbesondere am Mittel- und Niederrhein für sehr hohe Pegelstände sorgte. Es kam zu größeren Überflutungen in den Rheinanliegergemeinden mit vielen Gebäudeschäden, teils ruhte der Bahn- und Straßenverkehr. Ursache waren schon damals intensive Niederschläge und eine gleichzeitige Schneeschmelze. Bild 8: Hochwasser am 06.11.2024 in Braubach.[14] Nach Rückgang des Hochwassers blieben bei den Betroffenen Aufräumarbeiten, Beheben von Gebäudeschäden und die Trocknung von Gebäuden und Wohnraum. Moderne Bautrocknungsgeräte gab es damals nicht so wie man sie heute kennt, man musste diese Räume „trocken wohnen“, also in kalten und feuchten Räumen viel Lüften und Heizen mit Holz, Kohle und Briketts. Möglicherweise diente dieser Gutschein genau für diese Aufgaben und wurde vermutlich ganz unbürokratisch mit vorhandenen wertlosen Reichsbanknoten und einem Stempelsatz umgesetzt und war eine konkrete finanzielle Hilfsmaßnahme der Kommune für besonders betroffene Bürger. Bisher konnte nur dieses eine Exemplar festgestellt werden. Wie hoch die damalige Auflage war ist unbekannt, vermutlich war sie gering. Sollte ein Leser über weitere Informationen verfügen, so würde sich der Autor über eine Nachricht freuen. Ein moderner Schutz vor Hochwasser und Überschwemmungen ist an jedem Gewässer zwingend notwendig – meint Thomas van Eck Anmerkungen https://de.wikipedia.org/wiki/Braubach https://www.romantischer-rhein.de/rheinromantik-und-region/orte-mit-geschichte/braubach https://de.wikipedia.org/wiki/Hellmuth_Gensicke Quelle: Katalog von Dr. Arnold Keller „Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, Teil 1 (Band 1-4); Ernst Battenberg Verlag München; Nachdruck der 2. Auflage von 1954 – Nummer 566a-e. https://www.tv-mittelrhein.de/mediathek/news/11658/Vor_100_Jahren_fuehrte_der_passive_Widerstand_zu_vielen_Ausweisungen.html Die Pommersche Papierfabrik Hohenkrug (bei Stettin) war ein historischer Produktionsstandort, dessen Wurzeln bis zu einer Papiermühle aus dem 16. Jahrhundert zurückreichten. Um 1900 als Aktiengesellschaft geführt, wurde sie später Teil des Feldmühle-Konzerns und war von 1890 bis 1927 aktiv. Dr. Arnold Keller, Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, S. 890, Kat.-Nr. 4717 d-o. https://www.geldscheine-online.com/post/unter-grün-weiß-roter-fahne-2-separatistenausgaben-im-regierungsbezirk-wiesbaden Sammlung des Autors. Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871; DEU-118g. https://de.wikipedia.org/wiki/Freistaat_Flaschenhals https://de.wikipedia.org/wiki/Interalliierter_Hoher_Ausschuss_für_die_Rheinlande Vgl. Katalog: Bettlergeld von Kai Lindman; kolme k-Verlag, 2009. Entnommen der Webseite www.ptmoritz.de

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