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- „Ein feindlicher Akt gegen das befreundete Luxemburg ist von uns in keiner Weise beabsichtigt“
Das Geldwesen Luxemburgs während des Ersten Weltkriegs Am 2. August 1914 marschierten deutsche Militärkolonnen in Luxemburg ein. Die Großherzogin Marie-Adélaïde fuhr, als sie von dem Grenzübertritt hörte, den deutschen Truppen mit dem Kraftwagen entgegen und protestierte persönlich, wobei sie den Wagen vor den Deutschen quer auf die Straße stellen ließ. Man schob ihn einfach auf die Seite.[1] Trotz der Proteste der Großherzogin und der luxemburgischen Regierung besetzten die Deutschen alle strategisch wichtigen Punkte des Landes, darunter das Schienennetz. Auch wenn das deutsche Militär die politischen Institutionen Luxemburgs während des Kriegs unangetastet ließ, war der Einmarsch eine klare Verletzung der Neutralität des Landes, die im Zweiten Londoner Vertrag von 1867 von den europäischen Mächten garantiert worden war. Abb. 1: August 1914: Deutsche Truppen überrollen das Großherzogtum: Hier marschieren Soldaten durch den unteren Teil der Grand-Rue in der Luxemburger Altstadt mit dem Grand-Hotel Brasseur und dem Herrenkonfektionsgeschäft "Old England" (rechts). Nicht näher datiertes Foto: Archiv Luxemburger Tageblatt (07.03.2023) Die deutsche Regierung begründete diesen Schritt in einem Telegramm an die luxemburgische Regierung: „Die militärischen Maßnahmen sind zu unserem größten Bedauern dadurch unvermeidlich geworden, daß wir zuverläßige Nachrichten haben, wonach französische Streitkräfte im Vormarsch auf Luxemburg sind. Wir müssen die Maßnahmen zum Schutz unserer Armee und zur Sicherung der Eisenbahnen treffen. Ein feindlicher Akt gegen das befreundete Luxemburg ist von uns in keiner Weise beabsichtigt. Zur vorherigen Verständigung mit Luxemburgischer Regierung war bei der drohenden Gefahr leider keine Zeit mehr. Die Kaiserliche Regierung sichert Luxemburg vollen Schadenersatz für von uns verursachte Schäden zu.“[2] [3] Am Vorabend des Krieges wurde im Großherzogtum nach Francs und Centimes gerechnet und mit Mark [1 Franc = 80 Pfennig] und Pfennig gezahlt. Luxemburg hatte selbst nur einige wenige Kleingeldmünzen emittiert. Die deutsche Reichsmünzen und Reichsbanknoten dominierten den Geldumlauf. Daneben waren noch Noten der privaten Banque Internationale à Luxembourg (BIL) zu 20 und 50 Mark „Deutscher Reichswährung“ im Umlauf.[4] Im Juli 1914 war auch Luxemburgs Bevölkerung über die politische Entwicklung beunruhigt und die luxemburgischen Banken gerieten in eine schwierige Lage, die sich nach der deutschen Invasion noch weiter verschärfte. Die Kunden stürmten die Schalter, um von ihren Konten so viel Bargeld wie möglich abzuheben. Die von Panik erfassten Banknoteninhaber verlangten von der BIL die Einlösung der Noten. Zwar gelang der Bank diese in Münzen einzulösen, aber die Zahlungsmittel – insbesondere die niedrigen Nominale – wurden knapp. Durch „Gesetz vom 3. August 1914, betreffend Erleichterungen hinsichtlich des Geldumlaufes sowie des Zivil- und Handelskredites“ ergriff das Großherzogtum eine Reihe von währungs- und kreditpolitischen Maßnahmen. Für die Summe von einer Million Franken sollte die IBL Noten in Stückelungen von 1,25, 2,50 und 6,25 Fr. anfertigen und in Umlauf bringen. Dieser Betrag erschien jedoch schon bald als unzureichend und die Regierung musste die Summe verdoppeln und eine weitere Million Franken in kleinen Stückelungen ausgeben. Gleichzeit wurden die Banknoten der IBL zu gesetzlichen Zahlungsmitteln, man beschränkte deren Ausgabe jedoch auf 6.250.000 Franken und verpflichtete die ILB als Sicherheit Wechsel und Wertpapiere in gleicher Höhe wie die umlaufenden Banknoten bei der Recette Générale zu hinterlegen. Darüber hinaus verkündete der Staat ein Moratorium bis zum 5. September, das bis zum 5. Oktober verlängert wurde. Da sich die wirtschaftliche Lage bis zu diesem Zeitpunkt gebessert hatte, wurde es aufgehoben. Das Gesetz vom 28. November 1914 ermächtigte die Regierung, die im Gesetz vom 3. August 1914 festgelegte Zahl für die Ausgabe von Banknoten der Internationalen Bank um zwei Millionen zu erhöhen. Die Noten, die auf den 5. August 1914 datiert sind, zeigen deutlich, unter welchem Zeitdruck sie bei der Druckerei Emil Schroell in Luxemburg hergestellt wurden. Die Noten zu ein und zwei Mark sind 100 x 64 mm groß, der Wert zu 5 Mark 114 x 80 mm. Die Scheine sind ausschließlich in deutscher Sprache abgefasst und weitgehend bildgleich. Während die Vorderseite einen farbigen Unterdruck aufweist, ist die Rückseite nur mit einem einfachen schwarzen Aufdruck versehen. Auf der Vorderseite finden sich vier Unterschriften: zwei gedruckte Unterschriften für das Bankdirektorium, die Unterschrift des "Grossh. Commissars" wurde durch einen Faksimile-Stempel aufgebracht und der "Controllbeamte" unterschieb handschriftlich. Abb. 2.1/2: Internationale Bank in Luxemburg, 5. August 1914, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: Internationale Bank in Luxemburg, 5. August 1914, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Bereits Anfang August 1914 hatte die Regierung dem Staatsrat einen Gesetzentwurf über die Ausgabe von auf Inhabern lautende Kassenscheine vorgelegt, die von öffentlichen Kassen und Privatpersonen als gesetzliches Zahlungsmittel entgegengenommen werden mussten. Bis zu anderslautenden Bestimmung sollten Scheine im Wert von fünf Millionen Franken ausgegeben werden. Nach dem Gesetz vom 28. November 1914 gelangten Kassenscheine des „Großherzoglichen Luxemburgischen Staates“ zu 125, 25, 5, 2 und 1 Franken in Umlauf. Der Generaldirektor für Finanzen, Mongenast, erklärte den Begriff „Kassenbon“ wie folgt: „Der Kassenbon ist die Banknote, die der Staat in Umlauf bringt und deren Betrag durch den Kredit des Staates garantiert wird. Sobald sich unsere Ressourcen wieder normalisiert haben, können wir sie nach und nach aus dem Verkehr ziehen; gemäß Artikel 2 des Gesetzentwurfs haben diese Banknoten Zwangskurse. Das Mittel, das wir anwenden, wie es auch die anderen Regierungen tun, beruht auf einem Recht, das der Staat besitzt, von dem er aber bislang keinen Gebrauch gemacht hat.“ Die Kassenscheine wurden in mehreren Auflagen in Leipzig bei Giesecke & Devrient gedruckt. Statt des Ausgabedatums findet sich auf ihnen der Hinweis „Gesetz vom 28. November 1914“. Die Ausgabe erfolgte in der Zeit zwischen 1915 und 1918 aufgrund verschiedener großherzoglicher Beschlüsse. Vorder- und Rückseite sind bildgleich. Eine Seite ist in deutscher, die andere in französischer Sprache gedruckt. Neben der Angabe in Franken, wird der Wert auch in Mark angegeben. Das Wasserzeichen – wahrscheinlich Hakenkreuzmuster – ist aufgrund dichten Unterdrucks nur schwer zu bestimmen. Abb. 4.1/2: Großherzoglich Luxemburgischer Staat, o. D., 1 Franken = 80 Pfennig vom 28. November 1914, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Großherzoglich Luxemburgischer Staat, o. D., 2 Franken = 1,60 Mark vom 28. November 1914, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: Großherzoglich Luxemburgischer Staat, o. D., 5 Franken = 4 Mark vom 28. November 1914, Vorder- und Rückseite. Vor dem Krieg hatte Luxemburg nur wenige 2 ½-, 5- und 10-Centimes-Münzen ausgegeben. Wie in Deutschland wurde im Krieg das Wechselgeld knapp. Daher ließ die Regierung im Herbst 1915 Zinkmünzen zu 5 Centimes (1.200.000 Stück) und 10 Centimes (1.400.000 Stück) im Gesamtwert von 200.000 Franken in Brüssel prägen. Am 21. Juli 1916 wandte sich die Handelskammer an die Regierung mit der Bitte, weitere Münzen prägen zu lassen, da die derzeitige Situation ähnlich der im Herbst 1915 sei. In dem Bericht heißt es: „Kleinere Transaktionen werden durch die zunehmende Verknappung von Kleingeld extrem behindert. Sehr oft haben die Einzelhändler echte Schwierigkeiten, Wechselgeld auf Ein-Mark-Scheine herauszugeben. Bei kleineren Einkäufen muss man auf alle möglichen Ausweichmöglichkeiten zurückgreifen: Man benutzt Briefmarken, um die zu zahlenden oder zurückzugebenden Beträge auszugleichen, oder man denkt sich andere Verrechnungsmethoden aus, die immer peinlich sind. Die Gründe für diese Situation sind allzu bekannt, als dass sie hier erörtert werden müssten. Aufgrund der unintelligenten und unerklärlichen Hortung, der sich ein Teil der Bevölkerung, insbesondere die Bevölkerung in den Landkreisen, hingibt, werden große Mengen an Geld aus dem Umlauf genommen. Alles, was aus Metall besteht, verschwindet. Die einzige wirklich wirksame Abhilfe wäre es, die Münzen aus seinen zahlreichen Verstecken zu holen und wieder in den Umlauf zu bringen. Leider fehlt es hier an Mitteln. Eine neue Prägung von Zink kann jedoch nicht empfohlen werden: Die neuen Münzen würden ihrerseits gehortet werden.“[5] Dennoch emittiert man weitere 800.00 Zinkmünzen zu 25 Centimes. In die Kriegszeit fallen auch die 5- (1.200.000 Stück) und 10-Centimes-Eisenmünzen (1.603.000 Stück) mit dem ersten Prägejahr 1918. Abb. 7.1/2: Grand Duche de Luxembourg, 1915, 5 Centimes, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Grand Duche de Luxembourg, 1915, 10 Centimes, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Grand Duche de Luxembourg, 1915, 25 Centimes, Vorder- und Rückseite. Die Kriegsereignisse wirkten sich zwangsläufig auch auf die Wirtschaft des Landes aus. Der Handel mit dem Ausland war stark eingeschränkt und die Einfuhr ausländischer Waren fast unmöglich. Daher lösten die Händler ihre Vorkriegsbestände auf, und zwar zu Preisen, die umso höher waren, je knapper die Waren wurden. Da es keine Wiederbeschaffungsmöglichkeiten gab, zahlten sie ihre Barmittel bei Banken oder bei der Caisse d'Epargne ein. Zusätzlich erhöhte sich die Geldmenge durch den Zufluss von Mark infolge der deutschen Besatzung. Belief sich 1914 das Guthaben auf 39,4 Millionen Franken, so stiegen es 1915 auf 63 Millionen und erreichte 1918 schließlich 107,9 Millionen Franken.[6] Die Kampfhandlungen des Erstes Weltkriegs endeten mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands im Wald von Compiègne am 11. November 1918. In Luxemburg war der große Krieg aber erst neun Tage später endgültig vorbei: Am 20. November 1918 nahm der preußische General Georg von der Marwitz die Parade der zurückmarschierenden Truppen in der Stadt Luxemburg ab. In letzten Tagen des Kriegs und der deutschen Besetzung gaben die Union commerciale et professionelle in Bettembourg und in Eich sowie die Association des Commercants in Esch/Alzette undatierte Kleingeldscheine über 25 und 50 Centimes aus, die in französischer Sprache abgefasst sind. Die Übersetzung bei den Scheinen von Bettembourg und Eich lautet: „Dieser Gutschein ist nur in der Gemeinde Eich [Bettembourg] gültig und kann jederzeit von der Union commerciale et professionnelle d'Eich [Bettembourg] eingelöst werden, entweder in deutschen Banknoten, die im Land zirkulieren, oder in Banknoten, die zum Zeitpunkt der Einlösung in den Staatskassen vorhanden sind. Der Kurs wird vierzehn Tage vor dem Termin veröffentlicht.“ Eine weitere Ausgabe in Deutsch, die auf den 1. November 1918 datierte ist, stammt von der Gemeindeverwaltung Fels. Abb. 10.1: Union commerciale et professionelle de la commune d’Eich, o. D., 50 Centimes, KN gedruckt, Vorderseite. Abb. 10.2: Union commerciale et professionelle de la commune d’Eich, o. D., 50 Centimes, KN handschriftlich, Vorderseite. Abb. 10.3: Union commerciale et professionelle de la commune d’Eich, o. D., 50 Centimes, Rückseite. Um ihre Arbeiter löhnen zu können, gaben einige Hüttenwerke [ARBED – Aciéries Réunies Burbach – Eich – Düdelingen; Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft (Eisenindustrie Differdingen); die Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft in Esch/Alzette sowie die Eisen- und Stahlwerke Steinfort, Aktiengesellschaft (Hauts-Fourneaux et Aciéries de Steinfort S. A.)] Großgeldscheine aus, die auf Mark bzw. Franken lauten. Die Luxemburger Zeitung meldete hierzu: „Das Papiernotgeld der Hüttenwerke wird ohne Schwierigkeit in allen Staatskassen zum vollen Nennwert angenommen. Es besteht daher kein Grund, die Annahme dieses Geldes im täglichen Geschäftsverkehr zu verweigern.“[7] Abb. 11.1: Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft (Abt. Esch), o. D., 20 Mark = 25 Franken, Vorder- und Rückseite. Am 1. Januar 1919 schied Luxemburg aus dem deutschen Zollverein aus, dem es seit dem 8. Februar 1842 angehört hatte. Kurz zuvor war durch großherzoglichen Beschluss vom 11. Dezember 1918 die Einfuhr deutschen Papiergelds verboten und deren Einzug angeordnet worden. Eine neue Emission von Kassenscheinen sollte zum Austausch der alten Kassenscheine dienen, und zwar im alten Verhältnis 1,25 Franken = 1 Mark. Die neue Emission war – abgesehen davon, dass der Wert nur noch in Franken angegeben wurde – zwar bildgleich mit der vorherigen Ausgabe, wurde nun jedoch von M. Huss in Luxemburg gedruckt. Der Erlass vom 11. Dezember 1918, der die Einziehung der Mark regelte, ließ sich nicht auf Sicht- oder Terminforderungen gegenüber Deutschland anwenden. In Ermangelung anderer Anlagemöglichkeiten hatten die luxemburgischen Banken einen Großteil der Einlagen in Deutschland investiert, die nun in Franken zurückgezahlt werden mussten. Infolgedessen erlitten sie aufgrund des Wertverlustes der Mark enorme Verluste. Bei der Internationalen Bank beliefen sie sich Ende 1918 auf rund 64 Millionen Franken (Gold) und stiegen bis zum völligen Zusammenbruch der Mark 1923 auf rund 80 Millionen Franken (Gold).[8] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Herbert Rittmann, Deutsche Geldgeschichte seit 1914, München 1986, S. 42 f. [2] Zitiert nach: Paul Margue/Marie-Paule Jungblut, Le Luxembourg et sa Monnaie, Luxembourg 1990, S. 96. [3] Generalfeldmarschall Schlieffens Angriffsplan auf Frankreich sah eine weit ausholende Zangenbewegung auf Paris vor. Dafür war ein „Durchmarsch“ durch die neutralen Länder Belgien und Luxemburg notwendig. [4] Vgl. Herbert Rittmann, S. 43. [5] Freie Übersetzung. Paul Margue/Marie-Paule Jungblut, S. 100. [6] Vgl. Banque Internationale a Luxembourg 1856 – 1956, Luxembourg 1956, S. 44 [7] Paul Margue/Marie-Paule Jungblut, S. 105. [8] Banque Internationale a Luxembourg 1856 – 1956, S. 44.
- Aus privaten Sammlungen: 20 Livres der Festung Mainz vom Mai 1793
Objekttyp: Belagerungsgeld Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: Die Französische Revolution wirkte auch auf die übrigen europäischen Staaten. Der geflohene französische Adel wünschte nichts sehnlicher als die Wiederherstellung der alten Ordnung. Unterstützung fand er in Österreich und Preußen. Ihr gemeinsamer Feldzug endete am 20. September 1792 im Dauerregen und Morast der Champagne in einem Fiasko. Die französischen Revolutionsarmeen fielen nach ihrem Sieg in Valmy in die Nachbarstaaten ein. Im Verlauf des Ersten Koalitionskriegs eroberten französische Revolutionstruppen unter General Adam-Philippe de Custine am 30. September 1792 Speyer und zwangen am 21. Oktober 1792 die schwache Garnison der Festung Mainz zur Aufgabe. Am 23. Oktober 1792 erfolgte in Mainz mit Billigung Custines die Gründung der radikaldemokratischen „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ nach dem Vorbild der Pariser und Straßburger Jakobinerklubs. Im französisch besetzten Gebiet, das etwa dem heutigen Rheinhessen und der Pfalz entsprach, ließ Custine auf Anordnung des Pariser Nationalkonvents am 24. Februar 1793 Wahlen zu einer gesetzgebenden Körperschaft abhalten. Die Deputierten des frei gewählten Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents traten erstmals am 17. März 1793 im Mainzer Deutschhaus zusammen und erklärten einen Tag später sämtliche Bande zum Reich als zerrissen und riefen die „Mainzer Republik“ aus. Die staatliche Gewalt übte aber weiter der Kriegsrat der französischen Garnison in Mainz aus. In dessen Hände lag auch die Gestaltung der Währungsverhältnisse. In der Zwischenzeit waren die Koalitionstruppen zum Gegenangriff übergegangen. Am 14. April 1793 schloss sich der Belagerungsring um Mainz. Den 24.000 französischen Soldaten standen 16.000 Soldaten aus Preußen, 10.000 Österreicher, 4.000 aus Kursachsen, 3.000 aus Hessen-Kassel, 3.000 aus Hessen-Darmstadt und 1.000 Kurpfälzer gegenüber. Mit den französischen Truppen gelangten auch die französischen Münzen und Assignaten in die besetzten Gebiete. Die in Mainz dringend benötigten Geldlieferungen blieben nun aus, sodass die Zahlungsmittel knapp wurden. Für Soldzahlungen benötigte man täglich 15.000 bis 22.500 Livres. Bis etwa Dezember 1792 zahlte die Französische Republik den Sold ihrer Soldaten weitgehend mit werthaltigen Münzen. Angesichts des Metallgeldmangels erfolgte später die Löhnung zu einem immer größeren Anteil durch Assignaten und schließlich vollkommen mit Papiergeld. Der Kurs der Assignaten sank von Ende 1792 bis zum Spätsommer 1793 um rund die Hälfte ihres damaligen Wertes auf 22 Livres in Silber für 100 Livres Papier. In ihrer Not beschloss der Kriegsrat, eigenes Papiergeld in Mainz auszugeben. Der Wert der vorhandenen französischen Assignate wurde kurzerhand verdoppelt. Der handschriftliche französische Text der in Belagerungsgeld umgewandelten Scheine lautet der Verordnung vom 9. Mai 1793 entsprechend: „No [lfd. Nummer] Assignat-Monnoye de Siège de [Betrag in Worten (Sous oder Livres)] remboursable en espèces.“ Darunter die sechs eigenhändigen Unterschriften von Regierungskommissar und Konventsmitglied Reubelll, Kriegskommissar Blanchard, Nationalkommissar Simon, General d’Oyre, Brigadegeneral Schaal und Armeezahlmeister Hertzog. Der rote Stempelabdruck „SIÈGE DE MAYENCE MAI 1793 2E [ANNÉE] DE LA RÉP[UBLIQUE] FRANÇ[OISE]“. Angesichts der schweren Beschießung kapitulierte die Festung Mainz am 22. Juli 1793. Gegen das Versprechen, ein Jahr nicht gegen die Preußen zu kämpfen, durfte die Besatzungsarmee ehrenvoll abziehen. Alle Bewohner von Mainz konnte ihre Belagerungsscheine binnen 24 Stunden beim Kriegszahlmeister Hertzog zur Einlösung vorlegen. Land/Region/Ort: Heiliges Römisches Reich deutscher Nation, Festung Mainz Emittent: Armée du Rhin in Mainz Nominal: 20 Livres Datum: Mai 1793 Vorderseite: Handschriftliche Wertangabe und sechs eigenhändige Unterschriften sowie ein roter Rundstempel „SIEGE DE MAYENCE / MAI 1793 / 2E De La REP. / FRANÇ“. Rückseite: Assignat (Domaines-nationaux) über 10 Livres vom 16. Dezember 1791. Material: Weißes Papier mit zwei Trockenstempeln Wasserzeichen: Ohne Druck: Unbekannt Format: 155 mm x 113 mm Nummerierung: Série 401me Authentizität: Original Zitate: GK-730 (Grabowski/Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten, Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Regenstauf 2020, S. 313. Tilman Huber, Belagerungsgeld der Armée du Rhin in Mainz 1793, Ausgabe und Einlösung im Lichte der französischen Währungsgesetzgebung, Selbstverlag, Frankfurt am Main 2014 Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Leserpost: Überdruckprovisorium der Bayerischen Staatsbank zu 50 Billionen Mark?
Sehr geehrter Herr Grabowski, in einem Posten alter Geldscheine fand ich den im Anhang abgebildeten Schein der Bayerischen Staatsbank. Der Schein zeigt ein paar sehr "anrüchige" Eigenschaften: Die Überdruckschrift zeigt im Vergleich zu Milliardenscheinen deutliche Unterschiede. Der Basisschein zeigt deutliche Umlaufspuren (wahrscheinlich ohne Überdruck?). Den Basisschein kam man auch in kassenfrischer Erhaltung derzeit ohne Probleme kaufen, deshalb müssten bei einer modernen Fälschung schon mehrere Exemplare auf dem Markt aufgetaucht sein, was ja nicht des Fall ist. Mit Interesse sehe ich Ihrer Bewertung entgegen und verbleibe mit freundlichen Grüssen. Dr. Richard Stanek Antwort der Redaktion Es handelt sich ganz offensichtlich um eine zeitgenössische Manipulation eines gelaufenen Scheins der Bayerischen Staatsbank in München über 100 Millionen Mark vom 20. September 1923. Im Herbst 1923, es war die Zeit der sog. "Hochinflation" in Deutschland, fiel der Wert der Mark rasant. Jetzt kamen auch immer mehr Überdruckprovisorien in Umlauf, und zwar nicht nur bei Banknoten, sondern sogar bei städtischen Notgeldscheinen, für die man durch die Inflation wertlos gewordene Scheine nutzte. Bei der wahren Papiergeldflut verloren die meisten Menschen schnell den Überblick. Das machten sich Fälscher zu Nutze, um eigene "Provisorien" herzustellen. Hierzu manipulierten sie Scheine aus dem Umlauf mit provisorischen Überdrucken oder Überstempelungen, um einen höheren Geldwert zu suggerieren. Beim vorliegenden Schein hat der Fälscher einen denkbar einfachen Weg gewählt. Er nutzte Tusche und Schreibfeder, um den höheren Nennwert zu 50 Billionen Mark mit der Hand hinzuzufügen. Man erkennt deutlich die Spuren der handschriftlichen Manipulation. Bei dieser Gelegenheit fallen uns auch die handgezeichneten Fälschungen der Scheine der Bayerischen Staatsbank in Nürnberg aus der revolutionären Zeit der noch jungen "Weimarer Republik" ein. Der Schein ist in dieser Form auf alle Fälle ein interessanter geld- und zeitgeschichtlicher Beleg, auch oder gerade weil es sich um eine Manipulation handelt. Hans-Ludwig Grabowski
- Zum Geldwesen der von der Wehrmacht besetzten sowjetischen Gebiete, Teil 3
Zentralnotenbank Ukraine Der Zweite Erlass über die Verwaltung der neu besetzten Ostgebiete vom 20. August schuf das Reichskommissariat Ukraine. Am 1. September 1941 mittags 12 Uhr schieden die rückwärtigen Heeresgebiete Süd und Mitte aus dem Operationsgebiet des Heeres aus und bildeten das neue Reichskommissariat Ukraine (RKU).[1] Es umfasste den von der ukrainischen Bevölkerung bewohnten Teil der UdSSR, soweit er nicht dem Generalgouvernement Polen zugeschlagen worden war.[2] Reichskommissar mit Sitz in Rowno wurde der ostpreußische Gauleiter Erich Koch, dessen „Reich“ nun von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte. Im Westen wurde es vom Generalgouvernement Polen und im Norden vom Reichskommissariat Ostland begrenzt. Im Verlaufe des Kriegs wurde das Territorium mehrfach nach Osten erweitert. Seine Grenzen folgten am 15. November 1941 im Süden, Osten und Nordosten dem Lauf des Dnepr bis Tscherkassy und im Südwesten dem Verlauf des Bugs von Perwomajsk bis zur Einmündung des Dnjepr in das Schwarze Meer. Am 1. September 1942 wurde die größte Ausdehnung erreicht. Verwaltungsmäßig war das Reichskommissariat Ukraine in die sechs Generalbezirke Dnepropetrowsk, Kiew, Krim (Teilbezirk Taurien), Nikolajew, Shitomir und Wolhynien-Podolien mit der entsprechenden Anzahl von Kreisen unterteilt. Abb. 1: Karte des Reichskommissariats Ukraine. Quelle: CC BY-SA 3. File: ReichskommissariatUkraineMap (deutsch).png. Erstellt: 27. Oktober 2010. Ursprünglich sah Minister Rosenberg für die Ukraine eine gewisse Autonomie vor, Hitler wünschte jedoch einzig die Ausbeutung der Rohstoffe sowie der Landwirtschaft und Industrie des Landes. Für die „rassisch minderwertige“ Bevölkerung, die geistig und kulturell niedergehalten werden sollte, war das Schicksal als deutsche Arbeitssklaven bestimmt. Langfristig sollte das gesamte Gebiet rein deutsch besiedelt und in eine neue Ostmark umgestaltet werden. Die Krim gedachte man als Reichsgebiet Gotenland (der Name geht auf ab dem 3. Jahrhundert hier siedelnde gotische Stämme zurück, die bis ins 16. Jahrhundert als Krimgoten nachweisbar sind) ausschließlich deutsch zu besiedeln. Von hier aus sollte dann das Schwarze Meer beherrscht werden. Wie auch in den anderen von der Wehrmacht besetzten sowjetischen Gebieten wurden die Reichskreditkassenscheine zu 50 Reichspfennig, 1, 2, 5, 20 und 50 Reichsmark sowie die deutschen Scheidemünzen zu 1, 5 und 10 Reichspfennig aus Zink zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt. Die Rubelmünzen und -noten blieben daneben weiterhin im Umlauf. Dabei galt 1 Rubel (Rbl) = 10 Reichspfennig. Sorgen bereitete dem Wirtschaftsstab Ost Anfang Februar 1942 das steigende Preisniveau. Gründe hierfür sah man in den außerordentlich großen Bargeldreserven der Bevölkerung und der für den Verbrauch zur Verfügung stehenden, zu geringen Warenmenge. Durch Käufe der Truppe und der Zivilverwaltung sei darüber hinaus die Geldmenge weiter erhöht worden. „Vielfach wird auch behauptet, dass auch der Gegner beträchtliche Geldmengen in Umlauf brachte. So sollen z. B. Sowjetflieger Bargeld abgeworfen haben, und zurückgelassene Parteigänger des Sowjetsystems sowie Juden damit ausgestattet worden sein (zu Bestechungen, Sabotageakten usw.).“ Daher erscheine es dringend notwendig, das Geldwesen und den Geldumlauf neu zu regeln. „Um einen Teil des Bargeldes zu blockieren, wurde für Behörden, Betriebe und sonstige Organisationen die Hinterlegung überschüssiger Barmittel bei Banken angeordnet. Auch wurde verfügt, dass den Bauern der Erlös für die Ablieferung der Ernte nicht in bar ausbezahlt, sondern bei Banken gutgeschrieben wird.“ [3] Zwar galt seit Beginn der Besetzung ein allgemeiner Preis- und Lohnstopp auf dem Niveau der sowjetischen Vorkriegszeit, aber aufgrund der geringen Lebensmittelzuteilungen (300 g Brot pro Kopf der arbeitenden Bevölkerung) und dem viel zu geringen Warenangebot entstanden überall Schwarzmärkte im Land, auf denen sich die Preise nach den Gesetzen der Marktwirtschaft bildeten. „Die Schwarzmarktpreise überstiegen die amtlichen Preise in der Regel um das zehn- bis dreißigfache, wobei – laut Angaben der Besatzungsbehörden – eine überraschende Preisgleichheit im gesamten Ostgebiet festzustellen war. Die horrenden Preise auf den Schwarzmärkten standen in keinem Verhältnis zu den Löhnen: Gemessen an den herrschenden Schwarzmarktpreisen entsprach das monatliche Lohneinkommen eines Arbeiters im März 1942 innerhalb der WiS einer Kaufkraft von etwa fünf Reichsmark. Rechnete man die geringen Lebensmittelzuteilungen, die zu amtlichen Festpreisen abgegeben wurden, hinzu, so kam man auf eine Kaufkraft von zehn Reichsmark. Ein konkretes Beispiel verdeutlicht dies: Im Juli 1943 betrug der durchschnittliche Monatslohn eines Bergmanns im Donbass (einschließlich der ausgegebenen Naturalien) 347 Rubel (35 RM), wovon noch 10 Prozent Lohnsteuern abgingen. Zum gleichen Zeitpunkt lag der niedrigste Preis auf dem Schwarzmarkt für ein kg Brot bei 75 Rubel, für einen Liter Milch bei 35 Rubel, für zehn Eier bei 120 Rubel und für ein kg Butter bei 500 Rubel.“[4] Die deutschen Besatzungsorgane duldeten überwiegend die Schwarzmärkte, fehlte es doch am nötigen Überwachungspersonal und zum anderen profitierten die deutschen Besatzer auch direkt vom Schwarzmarkthandel durch Warenschieberei, die „an den Handel mit Negerstämmen und Tausch von Glasperlen gegen Elfenbein“ erinnerte.[5] Obwohl die Heeresleitung vehement gegen die Einführung neuer Währungen in den Reichskommissariaten war und die Gefahr heraufbeschwor, dass dadurch die Geldversorgung der Wehrmacht gefährdet würde, erließ der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete am 5. März 1942 die Verordnung zur Gründung einer ukrainischen Notenbank. Zum Präsidenten wurde am 14. Mai 1942 Reichsbankdirektor Dr. Eugen Einsiedel und Direktor bei der Reichsbank Leopold Scheffler ernannt. Der privatrechtliche Arbeitsvertrag sah eine jährliche Vergütung von 36.000 bzw. 30.000 RM vor. Aber beide waren Beamte der Reichsbank, also mittelbar Reichsbeamte, und diesen Status beabsichtigten sie nicht aufzugeben. Die Komplikationen waren vorprogrammiert. Im Finanzministerium stellte man sich auf den Standpunkt, dass die Arbeitsverträge mit der Dienststellung eines Beamten nicht vereinbar seien. Ein Beamter könne zwar im öffentlichen Interesse bei einer anderen als seiner bisherigen Dienststelle beschäftigt werden, jedoch behielte der Beamte auch während seiner Abordnung seine bisherigen Dienstbezüge. Mit Zustimmung der Mutterverwaltung könne der Beamte nur eine zusätzliche widerrufliche Vergütung bis zu 25 Prozent seiner gekürzten Dienstbezüge, höchstens jedoch 100 RM erhalten. Eine Beurlaubung sei darüber hinaus nur für die Dauer von 6 Monaten zulässig.[6] Es ist anzunehmen, dass die Höhe der Vergütung Dr. Einsiedel und Scheffler veranlassten, aus dem Beamtenverhältnis auszuscheiden, zumal wohl auch die Pensionsfrage zu ihrer Zufriedenheit geklärt wurde. Die Zentralnotenbank Ukraine nahm bereits am 1. Juni 1942 ihre Tätigkeit auf. Hauptsitz wurde Rowno, weitere Niederlassungen wurden zum gleichen Zeitpunkt unter Übernahme der örtlichen Reichskreditkassen in Brest-Litowsk, Dnjepropetrowsk, Kiew, Kirowograd, Kriwoj Rog, Luzk, Nikolajew, Shitomir und Winniza eröffnet. Mit dem Vorrücken der Wehrmacht folgten weitere Niederlassungen: am 15. September in Poltawa, am 25. September in Saporoshje, am 6. Oktober in Melitopol und am 1. Dezember in Proskurow. Ferner bestanden noch vier Bahnhofswechselstellen. Abb. 2/3: Blätter der Mustersammlung der Reichsdruckerei in Berlin mit Musternoten der Zentralbank Ukraine über 1, 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Karbowanez 1942. Angegebe Menge des Gesamtauftrags: 414 Millionen Stück im Buchdruck. Auf Grund der Verordnung über die Währung im Reichskommissariat Ukraine vom 4. Juli 1942 wurden Banknoten über 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Karbowanez[7] (Kar) ausgegeben. Die neue Währung war wertgleich mit dem Rubel; 1 Karbowanez entsprachen damit 10 Reichspfennig. Da nicht genügend Kleingeld vorhanden war, blieben die alten sowjetischen 1- und 3-Rubel-Scheine als 1- bzw. 3-Karbowanez-Scheine im Umlauf, ebenso die sowjetischen Scheidemünzen und die Zink-Reichsmünzen zu 1, 5 und 10 Reichspfennig. Aus Rücksicht auf die Wehrmacht – die Ukraine war Durchzugsgebiet – blieben auch die Reichskreditkassenscheine weiterhin gesetzliche Zahlungsmittel. Abb. 4.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 1 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 5 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 10 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 7.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 20 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 50 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 100 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 200 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 11.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 500 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Am 14. November 1942 folgte dann die Ausgabe von 1- und 200-Karbowanez-Banknoten.[8] Die Note zu 2 Karbowanez war zwar ebenfalls gedruckt, wurde aber nicht ausgeben. In Sammlerkreisen wird erzählt, dass die Scheine nicht in Umlauf gesetzt worden seien, weil eine größere Menge auf dem Transport verloren gegangen seien; worauf man die restlichen Noten vernichtet hätte. Hierüber findet sich in den Akten nichts, vielmehr scheint es, dass sich ihre Ausgabe wegen es Rückzugs der Wehrmacht und der zunehmenden Geldentwertung erübrigt hat. Abb. 12.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 2 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Die ukrainischen Banknoten wurden in der Reichsdruckerei in Berlin gedruckt. Die Druckkosten betrugen lt. Angaben im Verwaltungsbericht 27.379.293 Karbowanez.[9] Alle Karbowanez-Banknoten sind auf Vorder- und Rückseite textgleich: „Ausgegeben auf Grund der Verordnung vom 5 März 1942, Rowno, den 10. März 1942, Zentralnotenbank Ukraine“. Darunter die Unterschriften des Zentralnotenbankpräsidenten Einsiedel und des Vizepräsidenten Scheffler, daneben das Siegel der Bank mit Adler und Hakenkreuz. Am linken Rand die Wertangabe in Worten (deutsch) und Ziffern. Vom 1-Karbowanez-Schein abgesehen, zeigen alle Noten rechtsseitig in einem Medaillon stilisierte Brustbilder. Die Rückseiten sind zweisprachig. Am oberen Rand „Zentralnotenbank Ukraine“ und am unteren Rand die entsprechenden Angaben in Ukrainisch. Dazwischen links der Strafsatz „Geldfälschung wird mit Zuchthaus bestraft“ und rechts der entsprechende ukrainische Straftext, getrennt durch die Wertangabe in Ziffern. Die roten Kontrollnummern sind häufig durch Hitzeeinwirkung bräunlich verfärbt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie sich in Tresoren in brennenden Bankgebäuden befanden. Katalog-Nummern nach Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 22. überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2020, S. 673 ff. Es war eine kleine Sensation als im März 2008 bei der 139. Auktion der Firma F. R. Künker eine 50-Kopeken-Münze des Reichskommissariats Ukraine mit der Jahreszahl 1943 angeboten wurde und für 11.000 € (+ Aufgeld) den Besitzer wechselte.[10] Noch erstaunter waren die Sammler über die Gestaltung der Münz-Rückseite, die eine Ähre vor einem Zahnrad zeigt. Genau dieses Symbol verwendeten zwischen 1948 und 1950 die Münzanstalten in Berlin und Muldenhütten bei der Prägung der 1. Münzserie der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands bzw. der DDR. Das Motiv war im Juni 1948 als Symbol des Zweijahresplans adaptiert worden. Abb. 13: Reichskommissariat Ukraine, 1943, 50 Kopeken, Vorder- und Rückseite. Ende 1942 verhandelte der Reichskommissar Erich Koch mit Dr. Moser von der Preußischen Staatsmünze in Berlin wegen der Prägung von Münzen für das Reichskommissariat Ukraine. Die Angelegenheit war im Dezember 1942 so weit gediehen, dass sich die Münzeprägeanstalt bereits wegen der Zuteilung von Eisen- und Zinkkontingenten an das Reichswirtschaftsministerium wandte.[11] Wie es scheint, wurden nur Probemünzen zu 50 Kopeken mit der Jahreszahl 1943 in Aluminium geprägt. In der Stempelsammlung des Berliner Münzkabinetts befindet sich ein Eisengussmodell der Rückseite, dessen Entwurf von Franz Krischker stammt.[12] Über die Menge der umzutauschenden Rubel gingen die Schätzungen weit auseinander. Dr. Einsiedel bezifferte den Rubelnoten-Umlauf im Reichskommissariat im Sommer 1942 auf 2,2 Milliarden Rubel. Der Umtausch erfolgte westlich des Dnjepr zwischen dem 6. und 25. Juli 1942. Hierbei wurden 1,2 Milliarden Rubel eingereicht; gegenüber dem veranschlagten Betrag von 3 Milliarden Rubel. Ein großer Teil der Rubelzahlungsmittel war also nicht umgewechselt worden, sondern „versickert“. Um inflationären Entwicklungen vorzubeugen, erfolgte der Umtausch der Noten ab 2 Tscherwonez (20 Rubel) in der Weise, dass sie zunächst einem unverzinslichen Konto gutgeschrieben und den Einzahlern Empfangsbescheinigungen ausgehändigt wurden.[13] Der Wert des Rubels, der durch die Festschreibungsaktion einen Todesstoß erhielt, notierte in einigen Distrikten 1:50 bis 1:80 zur Reichsmark bei einem amtlichen Umrechnungskurs von 1:10.[14] Mit der Erweiterung des Reichskommissariats wurden zwischen dem 14. Oktober und 3. November 1942 auch die Rubel östlich des Dnjepr umgetauscht. Der Gesamtbetrag der Festschreibungen betrug 424 Millionen Rubel. Wie ein Schreiben vom 4. November 1942 an den Reichskommissar für die Ukraine belegt, sah die Zentralnotenbank nach dem Rubeltausch nun in der inneren Festigung der Währung ihre vordringliche Aufgabe. „Das Auseinanderklaffen von Warenmenge und Geldmenge ist durch die Rubel-Festschreibung nur mit einmaliger Wirkung verringert und wird sich, vor allem auf dem Gebiet der Preise, mit zunehmender Schärfe wieder durchsetzen. Der Verschleiß an Bekleidung, Schuhwerk, Haushaltsgegenständen usw. geht weit schneller vor sich als der Ersatz durch Neuproduktion oder Einfuhr. Auf der anderen Seite wächst der Geldzufluß rapide an. Die Besatzungskosten belaufen sich bereits auf 900, der Bahnbedarf auf 150 Mill. Kar je Monat; für die Landwirtschaft und die gewerbliche Wirtschaft werden vom Frühjahr ab stark wachsende Mittel benötigt. Die Finanzierungsaufgaben sind kriegsbedingt, die Währungsspannungen somit in ihrem Kern unvermeidbar. Es muß unbedingt angestrebt werden, wenigstens den offenen Ausbruch einer Inflation durch den zusammengefaßten Einsatz aller Mittel der Wirtschafts-, Preis-, Lohn-, Finanz- und Währungspolitik zu verhindern.“[15] Am 2. Februar 1943 kapitulierten die Reste der 6. Armee in den Trümmern von Stalingrad. 110.000 von ehemals 260.000 Soldaten gingen in Gefangenschaft. Zehntausende blieben auf dem Schlachtfeld. Die NS-Propaganda stilisierte ihren Tod zum „Heldenepos“. In den folgenden Monaten musste die Front Schritt für Schritt zurückgenommen werden. „Trotz der erheblichen Verkleinerung des Währungsgebietes erhöhte sich ... der Notenumlauf ungewöhnlich schnell und erreichte am Jahresende [1943] den Stand von 7 Milliarden Kar gegenüber 3,8 Milliarden Kar am Ende des Vorjahres.“[16] Der Kassenbestand am 31. Dezember 1943 setzte sich aus dem Bestand an eigenen Noten und den Beständen an sonstigen Zahlungsmitteln zusammen, die im RKU gesetzliche Zahlungskraft besaßen. Die Reichsdruckerei gelieferte Kar-Noten Kar 15.458.816.730,-- davon befanden sich in den eigenen Kassen Kar 8.461.045.595,-- also waren im Umlauf Kar 6.997.771.135,-- Die Aktiva-Posten der Bilanz weisen folgende Kassenbestände aus: Eigene Noten Kar 8.461.045.595,-- Sowjetnoten zu 1 und 3 Rbl Kar 49.765.192,-- Russische Scheidemünzen Kar 35.759,32 Deutsche Scheidemünzen (aus Zink) Kar 566.700,50 Reichskreditkassenscheine Kar 597.049.310,-- Kar 9.108.462.556,82 Ein Blick auf die Zusammensetzung der in Umlauf befindliche Kar-Noten ergibt folgendes Bild:[17] 27.140.000 Banknoten zu 500 Kar Kar 1.357.000.000 = 19,4 % 6.345.000 Banknoten zu 200 Kar Kar 1.269.000.000 = 18,1 % 16.220.000 Banknoten zu 100 Kar Kar 1.622.000.000 = 23,2 % 34.280.000 Banknoten zu 50 Kar Kar 1.714.000.000 = 24,5 % 28.200.000 Banknoten zu 20 Kar Kar 564.000.000 = 8,1 % 32.400.000 Banknoten zu 10 Kar Kar 324.000.000 = 4,6 % 28.400.000 Banknoten zu 5 Kar Kar 142.000.000 = 4,2 % 6.000.000 Banknoten zu 1 Kar Kar 6.000.000 = 0,1 % 180.085.000 Banknoten Kar 6.998.000.000 = 100,0 % Zur Deckung des die üblichen Sicherheiten übersteigenden Notenumlaufs wurde lt. § 13 Ziff. 5 der Verordnung über die Errichtung einer Zentralnotenbank in der Ukraine vom 5. März 1942 „eine an den in der Ukraine gelegenen Grundstücken zu Gunsten der Bank bestellte erststellige, allen Steuern und sonstigen Belastungen vorgehende Grundlast bis zum Höchstbetrag von 10 Mrd. Karbowanez“ eingeräumt. Eine wesentliche Aufgabe der Zentralnotenbank bestand darin, die Versorgung der Wehrmacht mit Zahlungsmitteln zu gewährleisten. Am 9. Februar 1943 wandte sich Dr. Einsiedel telefonisch an das Finanzministerium, da die vorhandenen Bestände an Reichskreditkassenscheinen und freien Rubelzahlungsmitteln bei einer Anzahl von Zweigstellen der Zentralnotenbank nicht reichen würden, um den Anforderungen der Truppen, die sich durch die Ukraine in Richtung des Operationsgebiets bewegten, zu genügen. Wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse ließen sich die Vorräte auch nicht schnell genug auffüllen. Er schlug daher vor, auf die zugunsten des Reichs gesperrten Rubelzahlungsmittel, die noch in den Tresoren der Bank lagerten, zurückzugreifen. Der Reichskommissar sei mit dieser Regelung einverstanden, wenn die abgegebenen Rubel auf die Besatzungskosten angerechnet würden.[18] Mitte November 1943 befanden sich im Asservat des Reichskommissariats Ukraine immer noch erheblich Rubelbestände: [19] Im Einzelnen waren bei der Deutschen Reichsbank, Hauptkasse Berlin: an 250er Rubelnoten Rbl 1.750,-- an 100er Rubelnoten Rbl 4.381.300,-- an 50er Rubelnoten Rbl 7.732.450,-- an 30er Rubelnoten Rbl 19.930.650,-- an 20er Rubelnoten Rbl 2.727.000,-- an 10er Rubelnoten Rbl 67.972.550,-- an 5er Rubelnoten Rbl 99.104.400,-- Rbl 201.850.100,-- und bei der Emissionsbank in Polen, Zweigniederlassung Warschau an 250er Rubelnoten Rbl 8.000,-- an 100er Rubelnoten Rbl 16.293.900,-- an 50er Rubelnoten Rbl 25.766.800,-- an 30er Rubelnoten Rbl 130.504.470,-- an 20er Rubelnoten Rbl 7.746.060,-- an 10er Rubelnoten Rbl 205.087.520,-- an 5er Rubelnoten Rbl 207.052.370,-- Rbl 592.459.120,-- hinterlegt Rbl 794.309.220,-- bereits aus dem Asservat bereits entnommen Rbl 1.230.009.000,-- Gesamtsumme der dem Reichsminister der Finanzen vom Reichskommissar für die Ukraine zur Verfügung gestellten Rubelnoten auf Rbl 2.024.318.220,-- ================= Die Räumung beeinflusste auch den Postverkehr, sodass der Überweisungsverkehr, der beim Hauptsitz Rowno zentralisiert war, nur noch mit Verzögerungen durchgeführt werden konnte. Da von den Niederlassungen nach dem Reich meist wesentlich bessere Verkehrsanbindungen bestanden, wurden im November 1943 die Hauptbuchhaltung und die Verrechnungsabteilung nach Berlin verlegt, wo sie bis zur Errichtung der Verwaltungsstelle in Kattowitz (Oberschlesien) arbeitete. Die zunehmenden Truppenverlegungen erschwerten die Gelddispositionen erheblich. Immer häufiger verlangte die Wehrmacht große Notenabschnitte. Zur Deckung der Anforderungen wurden umfangreiche Geldtransporte von und nach dem Reich erforderlich. Um sie zu erleichtern und gleichzeitig dem fühlbaren Mangel an Tresorraum abzuhelfen, der nach der Räumung des Haupttresors in Kiew entstand, wurde in Lemberg ein Tresor gemietet und von hier ein großer Teil der Niederlassungen ohne Zeitverlust versorgt. Der Verwaltungsbericht für das Jahr 1943 berichtet anschaulich über diese Geldtransporte: „Eine harte Belastung verursachten die meist schwierigen Geldtransporte und die Räumung von Niederlassungen. Allein in den Monaten September bis Dezember 1943 sind insgesamt 93 Waggon-, Abteil- und Lastwagentransporte mit einer Dauer von insgesamt 438 Tagen … durchgeführt worden. Da polizeilicher Schutz fast nie zu erhalten war, mussten in dieser Zeit im ganzen 250 Mann als Begleiter eingesetzt werden, darunter ein grösserer Teil im Alter von 50 bis 60 Jahren. In den Monaten Januar und Februar 1944 waren die Transporte noch häufiger. Sie beanspruchten die Begleiter bei den klimatischen Verhältnissen des Ostens insbesondere auf Fahrten in bandengefährdeten Gebieten [Gefahr durch Partisanen] über vereiste Landstrassen oder in ungeheizten Güterwagen bis zur Grenze ihrer körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit.“[20] In dieser Situation trugen die Bankvorstände der Niederlassungen eine besondere Verantwortung. Eine allgemeine Weisung der Hauptleitung legte fest, dass die Niederlassungen so lange arbeiten sollten, wie in ihrem Bezirk noch kriegswichtige Zahlungsbedürfnisse, insbesondere auch von Truppenkassen, zu befriedigen waren. Auf der anderen Seite sollte jedoch unbedingt verhindert werden, dass der Roten Armee Notenbestände oder sonstige Werte in die Hände fielen. Insgesamt wurden bis Ende Februar 1944 16 Niederlassungen aufgegeben: Melitopol (am 18. September), Poltawa (am 19. September), Krestrowsk (am 21. September), Saporoshje (am 23. September), Dnjepropetrowsk und Kiew (am 25. September), Kriwoi Rog (am 23. Oktober), Cherson (am 28. Oktober), Shitomir (am 11. November) und Kirowograd (am 11. Dezember). Als zu Beginn des Jahres 1944 Rowno geräumt werden musste, fand die Hauptniederlassung vorübergehend vom 11. Januar – 5. Februar 1944 in Brody Quartier. Da die Hauptleitung im Reichskommissariat keinen geeigneten Platz mehr fand, stellte ihr die Deutsche Reichsbank Räume bei der Reichsbankstelle Kattowitz zur Verfügung. Ende Januar 1944 arbeiteten nur noch Niederlassungen in Brest-Litowsk, Luzk, Proskurow, Winniza, Balta (früher Uman) und Nikolajew. Anfang 1944 waren nur noch die Kreisgebiete Brest, Kobryn und Pinsk in deutscher Hand. Da sie keine eigenständige Verwaltung mehr zuließen, wurden sie im Februar der Verwaltung des Generalbezirks Weißruthenien im Reichskommissariat Ostland unterstellt. Damit hatte das Reichskommissariat Ukraine aufgehört zu bestehen und es stellte sich die Frage nach der Zukunft der Zentralnotenbank und ihrer Banknoten. Der Rückzug der Wehrmacht bedeutete auch, dass die deutschen Verwaltungsbeamten und Mitarbeiter der deutschen Unternehmen ins Reich zurückströmten. Jeder reichsdeutsche „Ukraine-Abwanderer“ – so die offizielle Bezeichnung – konnte den Gegenwert von 2000 RM – also 20.000 Kar – umtauschen. Für Volksdeutsche galt diese Grenze je Familie und bei sonstigen Personen lag sie bei 50 RM. Für die bankmäßige Abwicklung des Umtauschs wurde ein bürokratisches Monster geboren. In der Anweisung heißt es: „Die Reichsbankanstalten kaufen angebotene Kar-Noten, auch soweit sie den Freibetrag übersteigen, an, zahlen aber nur den Gegenwert bis zum Freibetrage aus. Für die Überschussbeträge wird den Einreichern Empfangsbestätigungen erteilt; es wird ihnen dabei anheimgestellt, für die Auszahlung eine Genehmigung des Reichskommissars für die Ukraine – Devisenstelle –, Postanschrift: Lemberg, (Generalgouvernement) zu beantragen. Die Reichsbankanstalten erfassen die Einreicher und Beträge listenmässig und überweisen den Gegenwert der Überschussbeträge auf ein Sonderkonto „Ukraine-Abwanderer“ der Zentralwirtschaftsbank bei Commerzbank A.G., Berlin unter Angabe des Einzahlers und unter Benachrichtigung des Berliner Büros der Zentralwirtschaftsbank. Das Berliner Büro der Zentralwirtschaftsbank überweist die bei der Commerzbank A.G. entstehenden Guthaben laufend über die Deutsche Verrechnungskasse auf das Konto der Zentralwirtschaftsbank bei der Zentralnotenbank Ukraine. Die Reichsbank sendet die aufgenommenen Kar-Noten an die Zentralnotenbank Ukraine und erhält den Gegenwert über die Deutsche Verrechnungskasse zurückerstattet. Sofern der Reichskommissar für die Ukraine – Devisenstelle – Umtauschanträge für Überschussbeträge genehmigt, teilt er der Zentralwirtschaftsbank die Genehmigung der Anträge mit. Die Zentralwirtschaftsbank überweist alsdann den Überschussbetrag über die Deutsche Verrechnungskasse an die Reichsbank. Die Reichsbank lässt die Beträge an die begünstigten Abwanderer auszahlen.“[21] Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete begründete die Umtausch-Beschränkung so: „Die aus ihren bisherigen Wohnsitzen in den besetzten Ostgebieten im Zuge der taktischen Bewegungen abgewanderten Personen haben nicht unerhebliche Geldbeträge in die Reichskommissariate Ostland und Ukraine, in das Generalgouvernement und in das Reichsgebiet mitgebracht. Diese Personen haben in den Aufnahmegebieten Rubelnoten, Kar-Noten; Reichskreditkassenscheine und Zloty zum Umtausch angeboten. Würde den Umtauschanträgen in vollem Umfang und sofort entsprochen, so würden die Abwanderer in den Besitz von Geldbeträgen gelangen, für die Kaufmöglichkeiten in den Aufnahmegebieten im allgemeinen gegenwärtig nicht bestehen. Im übrigen ist es nicht unzweifelhaft, dass die Abwanderer in allen Fällen redlich in den Besitz der angebotenen Beträge gekommen sind.“[22] Mitte September 1944 war die Abwicklung der Zentralnotenbank so weit fortgeschritten, dass von den vormals 160 reichsdeutschen Beamten nur noch 5 tätig waren.[23] Der Notenumlauf betrug noch 4 Milliarden Karbowanez, an Giroeinlagen war noch ein Restbestand von 3 bis 400 Millionen Karbowanez vorhanden. Beiden Posten standen Schatzanweisungen des Reichskommissars und der Eisenbahn gegenüber. Das Restpersonal sollte so bald wie möglich an die Heimatdienststellen zurückzugeben und die Schatzanweisungen durch zinsfreie Globalschatzanweisungen abgelöst werden, sodass der gesamte Geschäftsapparat der Zentralbank schon bald in völlige Ruhestellung treten könnte. Andererseits aber auch das ukrainische Geld- und Währungswesen jederzeit wieder in Gang gesetzt werden könnte.[24] Ende 1944 – die Rote Armee sammelte sich zum Sturm auf die Reichshauptstadt an der Oder – verhandelte Dr. Einsiedel mit dem Finanzministerium über den Aufruf der Kar-Banknoten. Im Ministerium war man der Meinung, dass die Besitzer der Kar-Noten im Reich ausreichend Zeit gehabt hätten, diese einzulösen, gab aber zu bedenken: „… bei einer Wiederbesetzung der Ukraine muß die Währungsfrage auf jeden Fall neu geregelt werden. Dann wird man allerdings die dort verbliebenen Kar-Noten aus politischen Gründen in irgend einer Form einlösen müssen.“[25] Glaubte man im Finanzministerium immer noch an den Endsieg? Zu einem Aufruf der Kar-Noten ist es nicht mehr gekommen. Das letzte Lebenszeichen der Zentralnotenbank Ukraine stammt vom 2. Januar 1945. An diesem Tag unterzeichnete Dr. Einsiedel den Ausweis der Bank für den 30. Dezember 1944. [26] Ausweis der Zentralnotenbank Ukraine für den 30. Dezember 1944 Danach hatte man wohl andere Sorgen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Führer-Erlasse 1939 -1945, zusammengestellt und eingeleitet Martin Moll, Hamburg 2011, BdF und OBdW, betrifft: Aussscheiden von Gebietsteilen im Osten aus dem Operationsgebiet des Heeres und Einführung der Zivilverwaltung, vom 20.8.1941, Dokument 108, S. 196 f. [2] Ebenda, Zweiter Erlass des Führers über die Einführung der Zivilverwaltung in den neu besetzten Ostgebieten vom 20. August 1941, Dokument Nr. 107, S. 195. [3] BA Berlin, R2/30584, Fol.1, Wi Stab Ost, Chefgruppe w, Gruppe VII.Allg.Wi, Kriegstagebuch (22/42), 10.2.1942. [4] Tanja Penter, Arbeiten für den Feind in der Heimat – der Arbeitseinsatz in der besetzten Ukraine 1941 – 1944, in: Dieter Ziegler (Hrsg.), Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in den besetzten Gebieten, Berlin 2004, S. 65 - 94. [5] Ebenda. [6] BA Berlin, R2/14591, Bl. 29 – 36. [7] Karbowanez ist eine alte ukrainische Bezeichnung für den Rubel und bedeutet so viel wie gekerbter Silberbarren. [8] BA Berlin, R 29/424, TAO 187/42 vom 26.11.1942. [9] Verwaltungsbericht der Zentral-Notenbank Ukraine für das Jahr 1942 vom 12. Februar 1943, S. 8. [10] Kurt Jaeger, Bearbeiter: Michael Kurt Sonntag, Die deutschen Münzen seit 1871, 26. überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2019, S. 887. [11] BA Berlin, R2/30585, Schreiben des Referenten Dr. Eckhard an den Referenten Dr. Franken vom 1. Dezember 1942. [12] Münzen & Sammeln, Heft Dezember 2007, S. 15. [13] Verwaltungsbericht der Zentral-Notenbank Ukraine für das Jahr 1942, S. 2. Nach der Dritten Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Währung im Reichskommissariat Ukraine wurden festgeschriebene Gelder zurückgezahlt: ab 1. Dezember 1942 alle Einlieferungen bis zu 150 Rubel und ab 1. April 1943 alle Einlieferungen bis zu 300 Rubel. Die für die Herbstmonate geplante Freigabe der übrigen festgeschriebenen Gelder musste ausgesetzt werden, da durch die Räumung von Niederlassungen die Kontrollunterlagen längere Zeit nicht greifbar waren. „Um eine Vereinheitlichung der Bearbeitung zu ermöglichen, wurde das gesamte Material in Räumen der Deutschen Reichsbank in Berlin zusammengefasst; die Neuordnung ist noch im Gange.“ (Verwaltungsbericht der Zentralnotenbank Ukraine für das Jahr 1943, S. 5). [14] BA Berlin, R2/14591, Bl 53, Währungsregelung in der Ukraine, Bericht über die Sitzungen des Verwaltungsrats der Reichskreditkassen am 10. und 31. Aug. 1942. [15] Ebenda, Bl. 81. [16] Verwaltungsbericht der Zentralnotenbank Ukraine für das Jahr 1943 vom 1. März 1944, S. 4. [17] Ebenda, S. 8. [18] BA Berlin, R2/14591, Bl. 156. [19] Ebenda, Schreiben der Zentralnotenbank Ukraine vom 17. Nov. 1943 an die Hauptverwaltung der Reichskreditkassen, Bl. 290. [20] Verwaltungsbericht 1943, S. 7. [21] BA Berlin, R2/30586 Aktenvermerk des Oberregierungsrates im Reichsfinanzministerium Dr. Eckhardt vom 27. Januar 1944 über ein fernmündliches Gespräch mit Zentralnotenbank Präsident am 26. Januar 1944. [22] Ebenda, Schreiben des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete vom 3. Februar 1944 an die Reichskommissare für das Ostland und Ukraine. [23] Die Zahl der zur Zentralnotenbank abgeordneten Reichsbank-Bediensteten stieg infolge des vermehrten Arbeitsanfalls bis Anfang September 1943 auf 156. Mit Schrumpfung des Kar-Währungsgebietes ging ihre Zahl bis Ende Februar 1944 auf 107 zurück. Davon waren noch 47 im Osten und 44 bei der Hauptniederlassung in Kattowitz tätig, während 16 in Berlin im Wesentlichen mit der Neuordnung der Empfangsbestätigungen und der Bearbeitung von Geld- und Sortenbeständen beschäftigt waren. [24] BA Berlin, R2/14592 Aktenvermerk vom 22. September 1944, Abwicklung der Zentralnotenbank Ukraine. [25] Ebenda, Abwicklung der Zentralnotenbank Ukraine, Aktenvermerk vom 23. Dezember 1944. [26] BA Berlin, R2/14633, Bl. 67.
- Iran: Neue Schecks zu 2 Millionen Rials bestätigt
Im August 2008 gab die Zentralbank des Iran neue "Schecks" aus, die aus politischen, finanziellen und sozialen Gründen keine Banknoten sind, obwohl sie wie ein gesetzliches Zahlungsmittel zirkulieren und nicht indossiert werden müssen. Sie wurden eingeführt, um eine Reihe von Schuldscheinen mit hohem Nennwert zu ersetzen, die private Banken ausgestellt hatten, um ihren Kunden die Durchführung großer Transaktionen zu ermöglichen, und die nun verboten sind, da die Zentralbank die Kontrolle über die Geldmenge wiedererlangt hat. Die Filialbanken stempeln die Rückseite dieser Schecks häufig mit dem Namen und dem Datum der Filiale. Die Schecks werden von den Banken gekauft, um für große Zahlungsabwicklungen verwendet zu werden, dann wie Bargeld zwischen Privatpersonen übertragen, aber bei der Einreichung in den Banken entwertet. Die für Oktober 2008 geplante Einführung eines 2.000.000-Rials-Schecks wurde zwar abgesagt, nachdem Mahmoud Bahmani im September 2008 zum Gouverneur der Bank ernannt wurde, der Scheck wurde jedoch im Jahr 2023 wieder eingeführt. Hans-Ludwig Grabowski
- MIF PAPER MONEY FAIR MAASTRICHT
Zu der bevorstehenden MIF Paper Money Fair vom 29. bis 30. April 2023 in Maastricht haben sich bereits über 200 Händler aus aller Welt angemeldet. Darüber informierte der Veranstalter Dimitri Waltmans. Damit ist für die MIF als Nachfolgeveranstaltung der Paper Money Fair in Valkenburg ein neuer Meilenstein erreicht. Ein geänderter Hallenplan ist fertig und die Ausstellerliste ist online abrufbar: https://mifevents.com/en/floor-plan-mif-2023/ https://mifevents.com/en/participating-exhibitors/ Für Sammler ist der Eintritt übrigens an beiden Tagen frei und am Freitag zuvor ist reiner Händlertag. Wir sehen uns Ende April in Maastricht! Hans-Ludwig Grabowski
- Besondere Geldscheine einer Westernstadt
Tombstone, Arizona. Die Liebhaber seichter und klassisch-guter Western-Filme kennen sich aus: Tombstone im Südwesten der USA wurde legendär durch eine Schießerei während der Zeit des „Wilden Westens“. Man erinnert sich an die Revolverhelden Wyatt Earp und Doc Holliday und ihren Kampf gegen die Clanton- und McLaury-Brüder am O. K. Corral im Oktober 1881. 36 Jahre später kam es wieder zu einer Schießerei in Tombstone. Die „Tombstone Times“ (Tombstone Arizona’s History Information Journal) erinnerte in ihrer Dezemberausgabe 2022 an die Ereignisse vom 2. November 1917 in der Stadt: ein aus dem nahem Gleeson stammender Kinobesitzer versuchte an diesem Freitag in den Mittagsstunden die First National Bank in Tombstone zu überfallen. Schon seit dem Vortag hatte er die Bank beobachtet. Der Kassierer T. R. Brandt war die einzige Person im Bankgebäude; sein Sohn Bradford, der ihn oft unterstützte, war auf dem Weg zum Post Office. Das registrierte der Bankräuber Fred H. Koch und lud seine 38er ACP, ging zum Schalter und verlangte Bargeld. Brandt griff nicht in die Kasse, sondern schnell zu seiner 10er Winchester – aber nicht schnell genug. Koch schoss ihm zweimal in die Brust und Brandt fiel zu Boden. Koch versuchte in den Tresorraum einzudringen, aber erfolglos, floh zu Fuß – ohne Beute. Der legendäre Texas-Ranger Jefferson Davis Milton befand sich an diesem Tag nahe dem Tatort beim Mittagessen. Er war als Zollinspektor auf Streife und hatte neuerdings eine „Tin Lizzie“, den Ford Model T. Nach den Schüssen an der Allan Street nahmen Milton und Guy C. Welch, Sheriff im Cochise County, die Verfolgung auf. Der Bankräuber rannte in die Wüste, kam aber in Sichtweite der Verfolger; Jeff Milton sprang aus seinem Auto und zielte in einer Entfernung von etwa 70 Meter auf Fred Koch. Der brach an der Schulter getroffen zusammen und wurde zurück nach Tombstone gebracht, wo er vor Gericht gestellt, zu lebenslanger Haft verurteilt und anschließend ins Staatsgefängnis von Arizona nach Florence gebracht wurde. Der angeschossene T. R. Brandt verstarb an seinen Verletzungen am 10. Dezember 1912 in El Paso. Er war Geschäftsführer der First National Bank of Tombstone. Die Bank erlangte 1902 unter der Charter-Nr. 6439 das Recht zur Banknoten-Ausgabe. Seine eigenwillige und ausschweifende Unterschrift befindet sich auf dem einzig bekannten Schein der FNB Tombstone/Territory Arizona. Abb. 1: 10 Dollars der First National Bank of Tombstone, ausgegeben zwischen Juli 1902 und Juni 1905. Abb. 2: 10 Dollars, Rs. der Noten der FNB Tombstone. Die gedruckten Unterschriften sind die der US-Schatzamt-Beamten J. W. Lyons und Ellis H. Roberts. Charles L. Cummings, Bankdirektor bis 1906, unterschrieb auf der rechten Seite. Ein zweiter Schein der FNB Tombstone ist der mit der Unterschrift der damaligen Bank-Präsidentin Mary M. Costello mit Datum 14. Februar 1912. Sie war die Ehefrau von Martin Costello, dem Kupferkönig von Tombstone; beide siedelten sich 1887 in der Stadt an. Interessant sind zwei weitere Scheine der National Bank mit dem gleichen Datum, aber mit der Unterschrift von Ruth C. Costello, der Tochter von Mary McNelis Costello. Die Banknote von 1902 zeigt „Ter. Arizona“ – also Territory of Arizona (T. A.), die anderen nur „Arizona“. Das Datum der drei Costello-Scheine ist wahrscheinlich nicht zufällig gewählt: der 14. Februar 1912 ist auch das Aufnahmedatum Arizonas als 48. Bundesstaat der USA. Die vier Banknoten sind äußerst selten und stammen aus der Sammlung von Peter W. Huntoon und aus dem Nachlass der Costello-Familie. Die Bank schloss 1924 und war eine der 27 Banken in Arizona, die "Nationals" drucken ließen und ausgaben. Von den Banknoten der First National Bank of Tombstone in den Wertstufen 5, 10 und 20 Dollars sind bisher nur diese vier beschriebenen Zehner bekannt. Abb. 3: 10 Dollars der First National Bank of Tombstone, ausgegeben zwischen Februar und November 1912. Abb. 4: 10 Dollars der First National Bank of Tombstone, ausgegeben zwischen Februar und November 1912; eine weitere Banknote mit der Kontrollnummer Y282995H stammt ebenfalls aus der Huntoon-Sammlung. Die Stadt wurde schon 1879 von den Geologen Richard K. Gird und Edward L. Schieffelin gegründet. Der deutschstämmige Schieffelin war auch Goldsucher und Scout der US Army. Dort vertraute er sich Albert Sieber an, dass er Gold in der Gegend vom heutigen Cochise County finden wolle. Sieber warnte vor großen Gefahren im Indianergebiet und vor der Erfolglosigkeit der Suche nach Erzlagern und fragte Schieffelin eines Tages im Jahr 1877 „Whar you goin’, Ed?“ – er antwortete „Just out a ways, looking for stones”; Al Sieber warnte „Don’t you know this country’s full of Indians? You’ll not find your fortune out there. Only stone you’ll find will be your tombstone.”* Nach sehr ergiebigen Silberfunden nannte Schieffelin einen seiner ersten Claims „Tombstone“ (= Grabstein) und wurde so der Name der späteren Ortschaft. Die Stadt wurde zur "Boomtown" und hatte in ihrer besten Zeit über 15.000 Einwohner. Nach dem Niedergang der Stadt seit den 1920-er Jahren leben heute noch annähernd 1.000 Menschen hier; hauptsächlich vom Tourismus. * Übersetzung: „Wohin gehst du, Ed?“... „Einfach draußen unterwegs, auf der Suche nach Steinen“ ... „Weißt du nicht, dass dieses Land voller Indianer ist? Dort draußen findest du kein Vermögen. Der einzige Stein, den du findest, wird dein Grabstein sein.“ Unter der Bezeichnung „Tombstone note“ sind bei US-amerikanischen Sammlern die 10-Dollars-Scheine der Serien 1886, 1891 und 1908 bekannt, die jedoch nichts mit der Stadt in Arizona zu tun haben. Das von Charles Schlecht geschaffene Porträt zeigt Thomas A. Hendricks, Vizepräsident der Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft des Demokraten St. Gr. Cleveland; er starb am 25. November 1885 während seiner kurzen Amtszeit. Da das Bildnis mit einer nach oben gebogenen Umfassung eingerahmt ist und einem Grabstein ähnelt, entstand der Name „Tombstone note“. Fraglich ist, ob das vom Gestalter beabsichtigt war oder versehentlich entstand. Abb. 5: 10 Dollars Silver Certificate, Serie 1891, ausgegeben zwischen April 1891 und Mai 1893. Der Tourismus ist heute der Haupterwerbszweig in der Stadt und stark geprägt von Veranstaltungen und „Sehenswürdigkeiten“, die alle im Zusammenhang auf die eingangs geschilderte Schießerei von 1881 stehen. Dieses Ereignis vor über 140 Jahren wird auch 2023 wieder typisch US-amerikanisch vermarktet: vorgesehen sind das „Tombstone Film Festival“, das „Tombstone Festival of Western Books“, die „Tombstone Vigilante Days“ und „Tombstone Wild West Days“; auch die „Wild West Witches“ oder die „Reenactment groups“ locken Jahr für Jahr mit ihren Aktionen und Nachstellungen der Schießerei am O. K.-Mietstall viele Besucher in die Stadt. Dass man dort auch mit Dollar-ähnlichen Gedenkscheinen versucht Einnahmen zu erzielen ... wundert nicht. Abb. 6: Gedenkschein der „Tombstone currency“ zu 20 Dollars, Vs. mit dem Bildnis von Wyatt Earp, Hauptakteur der Ereignisse im Jahr 1881 (gestaltet von Fajla Rabby). Abb. 7: Gedenkschein der „Tombstone currency“ zu 20 Dollars, Rs. Abb. 8: Variante „Tombstone currency“ zu 20 Dollars, Vs. Abb. 9/10: Entwurf eines Gedenkscheins zu 20 Dollars, Vs. und Rs. Abb. 11: Gedenkschein zu 1 Mio. Dollar, Vs. mit den Bildnissen von Thomas und Frank McLaury und ihren Gegnern Doc Holliday, Virgil und Morgan Earp und ihrem Bruder Wyatt Earp im Oval. Abb. 12: Gedenkschein zu 1 Mio. Dollar, Rs. mit den vier Grabsteinen der beiden Clanton- und den zwei McLaury-Brüdern auf dem Boot Hill (= Siefelhügel, so nannte man die Friedhöfe im Wilden Westen, wo Tote begraben wurden, die noch ihre Stiefel anhatten oder auf der Durchreise waren). Aber auch zeitgenössische Münzen im Blister mit der Geschichte des Pistolenkampfes zwischen Gesetzesvertretern und Gesetzlosen werden heute noch angeboten. Es sind die sog. "Morgen-Dollars", die silbernen Eindollar-Münzen, die vom US-amerikanischen Graveur George T. Morgan gestaltet wurden. Es gibt unterschiedliche Ausgaben, aber stets mit einer authentischen Münze: 26,73 Gramm schwer, 90 Prozent Silber und mit einem Durchmesser von 38,11 Millimeter. Abb. 13: 1 Dollar 1881, Vs. = Liberty, im Blister, mit der Historie in Form einer Zeitungstitelseite. Abb. 14: 1 Dollar 1881, Rs. = Weißkopfseeadler, im Blister, mit der Darstellung des Kampfes am O. K. Corral. Auslöser der Schießerei war übrigens die Verhaftung des Cowboys Ike Clanton durch den City Marshal Virgil W. Earp am Morgen des 26. November 1881. Wegen „ungebührlichen Verhaltens“ wurde Clanton vor dem Stadtgericht entwaffnet und zu einer Strafe von 25 Dollars verurteilt. Nach Verlassen des Gerichtssaals schwor Ike Clanton Rache und kam gegen 15.00 Uhr mit seinen Brüdern und den McLaury-Leuten zurück ... und es fielen etwa 30 Schüsse ... Abb. 15: aus damaligen Zeitungen stammende Artikel, die zusammengestellt für einen heutigen "Flyer" dienten. Die wahre Geschichte liest sich völlig anders, als der Mythos, der seit Jahrzehnten gepflegt wird. Michael H. Schöne Quellen: Hattich, William: „Tombstone, In History, Romance and Wealth“ Tombstone, Arizona, 1903 https://www.tombstoneepitaph.com https://discovertombstone.com/tombstone-events https://www.google.de/search?q=tombstone+epitaph+october+26+1881 https://de.wikipedia.org/wiki/Schiesserei_am_O._K._Corral „Tombstone Daily Prospector, 2. November 1917/11. Dezember 1917 „The Journal of Arizona History“ Nr. 4, 1988 Testimony of Wyatt S. Earp in the Preliminary Hearing in the Earp-Holliday Case. In: Famous Trials: The O. K. Corral Trial. 2005
- Aus der HVB Stiftung: 1 Sol der Republik Peru von 1879
Das erste Papiergeld in Peru wurde noch vor Erlangung der Unabhängigkeit ausgegeben. Der Banco de la Emancipación emittierte 1822 Scheine zu 2 und 4 Reales sowie 1 Peso. Sie wurde allerdings 1823 schon wieder geschlossen. Weitere private Notenbanken entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine staatliche Papiergeldausgabe erfolgte erstmals im Jahr 1879. Im Jahr 1922 wurde schließlich eine zentrale Notenbank gegründet, der Banco de Reserva del Perú. Peru, República del Perú, Lima: 1 Sol vom 30. Juni 1879 Vorderseite: Links und rechts je eine Putte, in der Mitte eine weibliche Figur mit Füllhorn und Früchten. Rückseite: In der Mitte ein Segelschiff. Wasserzeichen: ohne Format: 157 x 73 mm. Druckerei: American Banknote Company, New York. Katalogreferenz: PER-1 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) Zur der HVB Stiftung Geldscheinsammlung bei bavarikon. Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de
- Leserpost: Banknoten der Deutschen Notenbank Serie 1948 ohne Kontrollnummer
Sehr geehrter Herr Grabowski, mit meinem Schreiben nehme ich Bezug auf den Leserbrief von Herrn Henning Huschka „50 DM der Deutschen Notenbank von 1948 ohne Kontrollnummer“ sowie auf Ihren Aufruf in der "Münzen & Sammeln" Ausgabe 02/2023 mit der Bitte, Scheine der Deutschen Notenbank der Ausgabe 1948 mit fehlender Serie und Notennummer zu melden. In diesem Fall betraf es die 50-DM-Note, von der ich ein Exemplar in meiner Sammlung habe. Mein Schein hat die Abmessungen 184 x 92 mm (Originalgröße 171 x 87 mm) und rückseitig einen doppelten Unterdruck, davon einmal kopfstehend. Am unteren Rand ist der darunter befindliche Nutzen als äußerst schmaler Streifen zu erkennen. Die Plattennummer der Vorderseite ist 319, die rückseitige Plattennummer 338. Das Wasserzeichen (Pfeilspitzen) ist gut zu erkennen, ebenso die Faserstreifen. Der Schein hat einen sehr sauberen geraden und rechtwinkligen Schnitt, ein Ausschneiden per Hand aus einem Makulaturbogen schließe ich deshalb aus, halte ihn aber dennoch für eine Makulatur-Note, welche nicht mehr nummeriert worden ist. Der Geldschein ist in guter Erhaltung, ich würde ihn mit I-/II+ einschätzen. Den Schein erwarb ich im Oktober 2010 bei meinem langjährigen Händler Hans Worbes (Berlin). Ich hoffe, mit meinen Informationen zu näheren Erkenntnissen bei den Plattennummer-Kombinationen dieser Banknotenausgabe beitragen zu können, eventuell erhalten Sie auch noch Meldungen von anderen Sammlern. Gern können Sie meinen Leserbrief veröffentlichen oder die Informationen an Herrn Huschka weiterleiten. Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig Jörg Heße Anmerkung der Redaktion Ich habe Herrn Heße angerufen und wir konnten uns darauf verständigen, dass es sich wohl um einen Probedruck aus der Wertpapierdruckerei Leipzig handeln muss. Die Scheine der ersten Auflage der Noten der Ausgabe 1948 der Deutschen Notenbank kamen ja bekanntlich aus der damaligen Sowjetunion (Goznak, Moskau). Ab 1952 kamen dann nur noch Drucke aus der Deutschen Wertpapierdruckerei in Leipzig (DWD) in den Umlauf. Vermutlich handelt es sich um eines der Archivstücke, die nach der Übernahme der Wertpapierdruckerei durch Giesecke & Devrient vor der Vernichtung bewahrt worden sind und später in den Handel gelangten. Wie bekannt, waren in Leipzig ganze Bogen aufbewahrt worden, auf denen sich zum Teil auch Vermerke zu Tests der Drucke (z. B. bei Hitzeeinwirkung) befunden haben. Der vorliegende Schein kann auch später aus einem Bogen geschnitten worden sein, was das größere Format erklärt. Auf alle Fälle handelt es sich um einen seltenen historischen Beleg zur Geldgeschichte der DDR aus den Anfangsjahren des Drucks in der DWD Leipzig nach dem Krieg. Hans-Ludwig Grabowski
- Gibt es die ultimative Sammlung?
Wie sammele ich richtig? Auf diese Frage gibt es nur eine klare Antwort: Jein! Jeder Sammler muss für sich entscheiden, was er sammeln möchte und natürlich, was sein Geldbeutel hergibt. Das Sammeln von Papiergeld stellt für viele einen kurzweiligen Zeitvertreib und eine willkommene Ablenkung vom Alltag dar. Andere betrachten ihr Hobby als mögliche Geldanlage. Aber Vorsicht! Um hierbei erfolgreich sein zu können, benötigt ein Sammler eine gehörige Portion Glück, ein feines Gespür für die Entwicklungen des Marktes und ein fundiertes Wissen, das man sich erst im Laufe eines Sammlerlebens erarbeiten muss. Leider wird man hierbei auch manches Lehrgeld zahlen. Aber zurück, wie sammelt man richtig? Als ich vor vielen Jahrzehnten als Jugendlicher begann Papiergeld zu sammeln, sagte mir ein alter, gestandener Sammler: „Junge kauf Dir lieber eine seltene, möglichst gut erhaltene Note, statt zehn oder mehr gebrauchte oder häufige Scheine. Der seltene oder kassenfrische Geldschein wird im Laufe der Zeit immer teurer oder ist später vielleicht gar nicht mehr zu beschaffen, während Du die häufigen oder schlecht erhaltenen dagegen auch weiterhin für wenig Geld bekommen wirst.“ Vergleicht man die Preise in den Verkaufslisten vergangener Jahrzehnte mit den heutigen Preisen bei Auktionen, so muss man anerkennen, dass der Sammler Recht behalten hat. Dennoch sollte man sich hüten, die Erhaltung als Maßstab aller Dinge zu machen. Natürlich lassen sich aktuelle oder häufige Ausgaben leicht in kassenfrischer Erhaltung bekommen, problematisch wird dies jedoch z. B. bei den Notgeldausgaben der deutschen Hochinflation oder bei den seltenen „antiken“ Geldscheinen des 18. und 19. Jahrhunderts, die häufig selbst in mieser Erhaltung nicht zu finden sind. Abb. 1: Mindmap: Ultimative Sammlung (Sammlungsaufbau). Für die meisten von uns älteren Sammlern begann ihre Sammelleidenschaft mit einem „Dachbodenfund“. In einer Schachtel befanden sich einige Münzen und Geldscheine, meist aus der Inflationszeit, die ggf. auch den einen oder anderen ausländischen Geldschein beinhaltete. Heute beginnen viele mit Banknoten, die als Restzahlungsmittel bei ihrem Auslandsurlaub übrigblieben. Meist wird zunächst alles aufgehoben, was als Papiergeld anzusehen ist. Doch schon bald stellt sich die Frage nach der systematischen Fortführung dieser Generalsammlung. Mancher Sammler ist bestrebt danach, aus jedem Staat der Erde einen Beleg zu erhalten, andere spezialisieren sich auf die Ausgaben eines Landes; die Notgeldemissionen einer Region, einer Stadt; eine bestimmte Notgeld-Epoche (z. B. 1914er Ausgaben, Verkehrsausgaben, Serienscheine usf.)[1]; eine bestimmte Wertstufe (z. B. nur Billionenscheine); ein bestimmtes Zeitfenster (Banknoten vor Reichsgründung, Besatzungsgeld aus dem Ersten Weltkrieg, Kriegsgefangenenlagergeld, Geld aus den Kolonien u. ä.); Briefmarkengeld oder Geldzeichen aus ungewöhnlichen Materialien, wie Stoff, Leder, Plastik (Polymer-Kunststoff) … Reizvoll kann auch eine Motivsammlung sein. Hier bieten besonders die deutschen Serienscheine mit ihren viele verschiedenen Abbildungen (Bauwerke, Landschaften, Sagen und Märchen, Tiere und Pflanzen, Handwerk und Industrie, historische Ereignisse und Persönlichkeiten …) schier unendlich viele Möglichkeiten, eine reichhaltige Sammlung aufzubauen. In diesem Zusammenhang lassen sich die Ausgaben häufig auch verschiedenen Künstlern und Druckereien zuordnen. Natürlich kann eine Motiv-Sammlung auch mit Banknoten aufgebaut werden, z. B. weisen viele Noten Abbildungen von Eisenbahnen, Schiffen, Flugzeugen, Tieren, historischen Gemälden oder Persönlichkeiten auf. Eine umfangreiche Sammlung lässt sich z. B. aus Geldscheinen zusammenstellen, die das Konterfeit der verstorbenen englischen Königin Elisabeth II. zeigen, die als am meisten abgebildete Person auf Geldscheinen überhaupt gilt.[2] Abb. 2: Bank of England, o. D., 10 Pounds, Vorderseite. Gerade die deutschen Reichsbanknoten und Notgeldscheine wurden nach ihrer Außerkurssetzung an Sammler abgegeben. Um Missbrauch auszuschließen, wurden sie oft auf verschiedene Arten entwertet (Stempel, Lochung, Abschnitte …). Auch hier findet sich ein interessantes und meist kostengünstiges Sammelgebiet.[3] Die Notenbank der Tschechoslowakei gab Restbestände ihrer Noten ab, die in Lochschrift (Perforation) mit „SPECIMEN“ oder „NEPLATNÉ“ gekennzeichnet sind. Abb.3: Stadtgemeinde Rastatt, 15. Oktober 1918, 20 Mark, Stempelentwertung: „Sammlerstück“, Vorderseite. Abb. 4: Stadt Mainz, 16. Oktober 1918, 10 Mark, Lochentwertung, Vorderseite. Ist erst einmal ein genügend großer Grundstock an Scheinen vorhanden, bietet sich oft die Gelegenheit zum Aufbau einer Spezialsammlung. Zum Beispiel lassen sich von der 1000-Mark-Reichsbanknote mit dem Ausgabedatum 15. September 1922 mehr als 6000 Varianten zusammentragen, die sich in Wasserzeichen, Papierfarbe, Firmenbuchstaben, Kontrollnummerngröße, Druckfehler … unterscheiden.[4] Abb. 5: Reichsbank, 15. September 1922, 1000 Mark, Wasserzeichen: Hakensterne, Firmenbuchstaben BB (Druckerei Büxenstein, Berlin), Vorderseite. Von diesem Schein gibt es 6000 Varianten! Jeder Sammler strebt nach einer möglichst „vollständigen“ Sammlung. Natürlich freut man sich, wenn man einen Neuzugang im Katalog abhaken kann. Es gibt jedoch Bereiche, die sich wegen der seltenen Angebote oder wegen hoher Preise kaum systematisch sammeln lassen. Ich denke hier an Musternoten, Fälschungen,[5] Propaganda-, Test- und Werbenoten u. ä. Anzumerken ist hier: Seltenheit ist nicht gleichbedeutend mit hohem Preis und umgekehrt ein hoher Preis steht nicht immer automatisch für Seltenheit. So können auch relativ häufige Noten teuer sein, wenn eine entsprechende Nachfrage nach ihnen besteht. Bei vielen Sammlern findet auch das Anstaltsgeld, Gefängnisgeld, Bettlergeld[6], Schwundgeld, Schiffsgeld, Unterstützungsscheine, Asylantengeld oder Regionalgeld kaum Beachtung. Möglicherweise liegt das daran, dass über diese Sondergeldformen bei den Sammlern immer noch zu wenig bekannt ist. Abb.6: Musternote, Staatsbank der DDR, 1975, 5 Mark, Vorderseite. Abb. 7: Werbenote der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH, o. D., 3000, Vorderseite. Abb. 8: Gefängnisgeld, centre penitenciari d'homes (Barcelona), o. D., 500 Pesetas, Vorderseite. Abb. 9: Asylantengeld, Kreisverwaltung Erfurt-Land – Sozialamt –, o. D., 5 DM, Vorderseite. Abschließend noch ein Blick auf die zahlreichen geldähnlichen Druckerzeugnisse, wie Kreditscheine, Warengutscheine, Werbescheine Bedarfsdeckungsscheine, Gutscheine des Winterhilfswerks, Movie-/Theatergeld. Eine besondere Beachtung verdienen die Steuergutscheine. Mit ihnen zahlte die NS-Regierung zweitweise 40 Prozent ihrer Einkäufe. Abb. 10: Steuergutschein, Reichsminister der Finanzen, 24. März 1939, 5000 Reichsmark, Vorderseite. Seit geraumer Zeit werden auf der Auktionsplattform „ebay“ eine Unzahl von „Nachdrucken/Kopien“ von mehr oder weniger seltenen Geldscheinen angeboten. Statt hier meist minderwertige Tintenstrahl-Druckerzeugnisse zu erwerben, sollte man sich lieber für den Erwerb von Fachliteratur zur Notaphilie entschließen. Sie bildet nicht nur viele bei ebay angebotenen Geldscheine in besserer Qualität ab, sondern stellt auch Informationen zur Verfügung. Sie werden mir sicher beipflichten, erst wenn man über die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und historischen Hintergründe und Zusammenhänge einer Emission informiert ist, macht Sammeln Spaß. Überhaupt, auch die Banknoten-Literatur ist ein interessantes Sammelgebiet, das man nicht vernachlässigen sollte. Auch als Sammler gilt der Grundsatz: Nur wer informiert ist, kauft günstig. Zum guten Schluss: Denken Sie immer daran, Sie bestimmen was, in Ihre Sammlung gehört und nicht ein "Katalogmacher". Schaffen Sie Ihre eigene "ultimative Sammlung"! Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Uwe Bronnert, Deutsche Notgeld-Epochen, 11 Folgen in Münzen & Sammeln von März 2014 bis April 2015 [2] Uwe Bronnert, Congratulations Queen Elizabeth II. vom 8. Juni 2022. [3] Uwe Bronnert, Wertlos = wertlos? 4 Teile in: Münzen & Sammeln von Mai bis September 2008. [4] Uwe Bronnert, Der Giesecke-Tausender, Anmerkung zur Hilfsbanknote zu 1000 Mark vom 15. September 1922, in: Münzen & Sammeln, März 2017, S. 123 ff. [5] Uwe Bronnert, Papiergeldfälschungen, ein interessantes Sammelgebiet, 2 Teile in: Münzen & Sammeln von August und September 2021. [6] Uwe Bronnert, Von Bettlerschecks, Wohlfahrtsmarken, Fürsorgescheinen und anderen Geldzeichen für Bettler, in: < https://www.geldscheine-online.com/post/das-geld-der-armen-leute> vom 10. März 2021.
- Die „Läden der Sehnsucht“ und die Jagd nach Devisen
Geschichte der Schecks der forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H. Sicher, seit Überwindung der Nachkriegszeit musste in der DDR niemand mehr hungern. Zwar wurde in den 1950er Jahren das Warenangebot in den HO- und Konsum-Geschäften breiter und vielfältiger,[1] Bekleidung, Fahrräder, Radios wurden billiger und 1958 wurde auch die Rationierung der Lebensmittel beendet, jedoch konnte die DDR bei der Befriedigung weitergehender Konsum-Bedürfnisse ihrer Bürger mit der Bundesrepublik nicht Schritt halten. „Es gab alles – nur nicht immer, nicht überall und schon gar nicht, wenn man es brauchte. Mit Selbstversorgung, Schlangestehen, ‚Bückware‘[2] und Erfindungen mussten sich die Menschen in der DDR 40 Jahre lang mit der Mangelwirtschaft arrangieren. Deshalb galt als Lebensregel: Immer erst anstellen, dann fragen, was es gibt.“[3] Doch es gab auch Glücksmomente, wenn nach 15 Jahren Wartezeit für sage und schreibe 14.000 (Ost)Mark – also etwa 2 Jahresgehälter – endlich der langersehnte Trabant abgeholt werden konnte. Überhaupt mussten die DDR-Bürger bei hochwertigen Konsumgütern wie Fernsehern, Waschmaschinen oder Kühlschränken extrem lange Wartezeiten und hohe Preise in Kauf nehmen. Wer Westgeld besaß, konnte in den „Läden der Sehnsucht“ – sprich in den Intershops – fast alles kaufen und ersparte sich auch noch das Schlangestehen und die Rennerei. Da die DDR-Mark eine reine Binnenwährung war, mussten alle Waren, die im westlichen Ausland nicht über Tausch von Gütern oder Know-how erworben werden konnten, in frei konvertierbarer, „harter“ Währung bezahlt werden. Ein Teil der dringend benötigten Devisen sollte bei Besuchern und Transitreisenden aus dem westlichen Ausland abgeschöpft werden. Auf Weisung des Ministers für Verkehrswesen unterzeichneten am 14. Dezember 1962 Vertreter der „MITROPA“[4] und der „Deutschen Genußmittel GmbH“ den Vertrag zur Gründung der „Intershop GmbH“. Ihre erste Verkaufsstelle wurde auf einem S-Bahnsteig in Berlin-Friedrichstraße eingerichtet. Er war nur für Transitreisende zugänglich. Hier wurden gegen konvertierbare Devisen vorwiegend Zigaretten und Tabakwaren angeboten. Dabei lagen die Preise leicht unter denen in West-Berlin. Der daraufhin einsetzende „Zigarettenschmuggel“ rief natürlich den West-Berliner Zoll auf den Plan. Schon bald wurden Intershop-Verkaufsstellen an Autobahnraststätten, Grenzübergangsstellen und Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen und Flugplätzen eingerichtet. In den 1980er Jahren waren es mehrere hundert auf dem gesamten Gebiet der DDR. Auch das Sortiment wurde sukzessive ausgeweitet. Neben den Zigaretten und Tabakwaren traten Nahrungsmittel, Alkoholika, Kleidung, Spielwaren, Schmuck, Kosmetika, technische Geräte, Tonträger und andere Konsumgüter. Abb. 1: Hinweis auf Intershop-Verkaufsstelle. Ab 1974 erhielten auch DDR-Bürger Zugang zu den Intershop-Läden, vorausgesetzt sie verfügten über Westgeld. Seit Dezember 1973 erlaubte das Devisengesetz den DDR-Bürgern auch frei konvertierbare Valuta zu besitzen. Von nun an gab es quasi offiziell zwei Währungen im Land: Die DDR-Mark für die Masse der Bevölkerung und die D-Mark für die Privilegierten, z. B., weil man von den Verwandten im Westen D-Mark geschenkt bekam. Der Unmut in der DDR-Bevölkerung wuchs. In den Akten der Staatssicherheit finden sich zahlreiche Stimmungsbericht mit dem Tenor: „Früher galten Bürger mit Westverwandtschaft als verpönt, heute gelten sie als gute Bürger, weil sie dem Staat Devisen bringen.“[5] Auch die Verkäuferinnen, die in den Intershops arbeiteten, waren privilegiert; sie erhielten neben ihrem normalen Verdienst in DDR-Mark durchschnittlich monatlich 30 DM ausgezahlt. Alexander Schalck-Golodkowski war Leiter des geheimen Bereichs für Kommerzielle Koordinierung (KoKo) im Ministerium für Außenhandel und maßgeblich für die Beschaffung von Devisen zuständig. Unter seiner Regie erhielten die Intershop-Läden am 1. Januar 1977 eine neue Organisationsform, fast unbemerkt wurden sie zur „forum Handelsgenossenschaft“. Die „Aktuelle Kamera“ – Nachrichtensendung des Deutschen Fernsehfunks, vergleichbar mit der Tagesschau im Westen – verkündete am 16. April 1979: „Das Ministerium für Außenhandel der Deutschen Demokratischen Republik teilt mit, dass der Verkauf von Waren in den Einrichtungen des Außenhandels (Intertank, Genex, Intershop) an Bürger der DDR nur mit Scheck der Forum Außenhandelsgesellschaft mbH erfolgt. Die Mark-Wertschecks der Forum-Außenhandelsgesellschaft mbH können ab sofort mit der Einzahlung frei konvertierbarer Währungen bei Bankinstituten der DDR erworben werden.“[6] Um Waren des täglichen Bedarfs aus begehrten westdeutschen Produktionen wie Strumpfhosen, Originaljeans, Kaffee oder Legospielzeug in den 400 übers Land verteilten Intershops zu kaufen, mussten fortan Forum-Schecks bei Banken kostenfrei erworben werden: 1 DM = 1 Mark in Forumsscheck. Ihr Verkauf erfolgte „beleglos“, d. h. der Minister für Staatssicherheit verzichtete freiwillig auf die offizielle Überwachung von Devisenbesitz. Kunden aus dem nicht-sozialistischem Ausland konnten ihre Einkäufe auch weiterhin direkt mit Devisen im Laden bezahlen. Zur Ausgabe gelangten Schecks zu 50 Pfennig, 1, 5, 10, 50, 100 und 500 Mark. Sie sind einheitlich gestaltet und unterscheiden sich nur in der vorherrschenden Farbe und Größe. Gedruckt wurden die Scheine auf Papier mit Wasserzeichen, das ein geometrisches Muster zeigt. Der sechsstelligen Kontrollnummer sind zwei Serienbuchstaben vorangestellt. Die Serienbuchstaben ZA bzw. ZB wurden bei Austauschscheinen verwendet. Schecks der Forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H. Abb. 2.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 4.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 10 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 50 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 7.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 100 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 500 Mark, Vorder- und Rückseite. Die Forumschecks wurden bei Einkäufen wie Bargeld benutzt und es gab auch entsprechendes Wechselgeld zurück. Problematisch wurde es bei Intertank und Intershop, wenn Wechselgeld unter 50 Pfennig fällig wurde, dann gab es statt des Rückgelds kleine Schokoladentafeln, Gummibärchen oder Kaugummi auf die Hand. Bei der Jagd nach Devisen wurden alle ideologischen Bedenken über Bord geworfen. Für Westgeld gab es im Intershop alles; selbst Tiefkühlkost wurde aus West-Berlin geliefert. Zuletzt sorgten 700 Lieferanten aus dem „Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ für Nachschub in den Läden. „Die Umsätze der Handelskette waren enorm: Bereits in den 1970er Jahren wurden jährlich über eine Milliarde Mark umgesetzt. … Um die Bevölkerung ohne Zugang zu Valuta nicht zu verärgern, verzichteten die Intershops .. auf Schaufenster. Ebenso herrschte in den Verkaufsläden absolutes Fotografierverbot wie in militärischen Sicherheitsbereichen üblich.“[7] Mit dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR kam auch das Aus für die Forumschecks und Intershops sowie dem Genex-Geschenkdienst. In der Zeit vom 10. November 1989 bis 31. Mai 1990 konnten die Forumschecks gebührenfrei in den DDR-Wechselstellen der Staatsbank der DDR sowie der Kreditbank AG in DM zurückgetauscht werden. Bei Zahlung in den Intershops waren sie noch bis zum 30. Juni 1990 gültig. Bleibt noch anzumerken: Ab den 1960er-Jahren führten steigende Löhne bei gleichbleibenden, weil subventionierten Preisen für Miete, Grundnahrungsmittel und einfachen Konsumgütern bei vielen Haushalten zu erheblichen frei verfügbaren Geldmitteln, denen aber nur wenige kaufbare hochwertige Waren gegenüber standen. Um diese Kaufkraft abzuschöpfen, entstanden bereits 1962 auf Beschluss des Ministerrates der DDR Exquisit-Läden, in denen exklusive Bekleidungsartikel, Schuhe und Kosmetika zu überteuerten Preisen verkauft wurden. 1966 erweiterten die Delikat-Läden das Angebot an hochwertigen Lebens- und Genussmitteln. Im Sortiment fand man hier vieles, was sonst nicht zu erhalten war: Konserven mit Ananas, Pfirsichen oder Mandarinen, hochwertige Alkoholika aus westlicher und heimischer Produktion, edle Schokoladen oder seltene Fleisch- und Wursterzeugnisse in Dosen. Auch hier waren die Preise deutlich über dem gängigen Preisniveau. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die 1945 gegründete Konsumgenossenschaft Konsum und die 1948 gegründete staatliche Handelsorganisation HO deckten ca. 77 Prozent des gesamten Einzelhandels- und Gaststättenumsatzes in der DDR ab. [2] Als Bückware bezeichnete man Dinge, die es in der DDR-Mangelwirtschaft nicht ausreichend gab, die man deshalb nur „unter dem Ladentisch“ bekam. (Anm. d. Verf.) [3] Einkaufen, tauschen, besorgen erfinden. (12.03.2023) [4] Die MITROPA (Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen-Aktien-Gesellschaft) wurde 1916 unter Beteiligung verschiedener Banken und Eisenbahngesellschaften der damaligen Mittelmächte gegründet. In den 1920er Jahren ging das Unternehmen fast vollständig auf die Deutsche Reichsbahn über. Nach 1945 wurde die MITROPA zwischen Ost und West aufgeteilt. In der Bundesrepublik gründete die Deutsche Bundesbahn (DB) als Nachfolgefirma die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft (DSG) während in der DDR die Deutsche Reichsbahn (DR) die MITROPA weiterführte und das Tätigkeitsfeld auf den Betrieb der Bahnhofsgaststätten und Autobahnraststätten ausweitete. [5] Die Intershop GmbH: Zahlen mit den Forumschecks. (12.03.2023) [6] Zitiert nach: SWR2 Zeitwort – In der DDR wird der Besitz von Devisen verboten. (12.03.2023) [7] Läden und Kaufhäuser in der DDR. Die Intershop-Handelskette, (12.03.2023)
- Lexikon: Funk, Walther
Walther Funk als Reichswirtschaftsminister 1938, Porträtkarte mit Unterschrift. Walther Funk wurde 1890 im ostpreußischen Trakehnen (heute Russland) geboren. Von 1908 bis 1912 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften, Nationalökonomie, Musik und Literatur in Berlin und Leipzig. Sein Studium schloss er mit einer Promotion in Rechtswissenschaften ab. Von 1916 bis 1920 war er als Redakteur und Chefredakteur bei der Berliner Börsenzeitung tätig. 1928 bis 1930 war Funk geschäftsführendes Vorstandsmitglied der "Gesellschaft für deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik". 1931 wurde er Mitglied der NSDAP und arbeitete bis 1933 in verschiedenen Funktionen als deren Wirtschaftsberater. Im Oktober 1932 verfasste Funk gemeinsam mit Gottfried Feder des "Wirtschaftliche Aufbauprogramm der NSDAP". Von 1933 bis 1938 war Walther Funk Reichspressechef der Reichsregierung und von 1933 bis 1937 Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) und hier für Verwaltung und Presse zuständig. 1933 bis 1938 war er außerdem Vizepräsident der Reichskulturkammer (RKK). 1938 wurde Funk Reichswirtschaftsminister, das Amt übte er bis 1945 aus. 1938/39 war er Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft und von 1939 bis 1945 Präsident der Deutschen Reichsbank. 1946 wurde er im Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, aber bereits 1958 wegen gesundheitlicher Probleme aus der Haft entlassen. Er starb 1960 in Düsseldorf. DEU-220b: Reichsbanknote zu 5 Reichsmark vom 1. August 1942 mit Unterschrift "Walther Funk", Vorderseite. Die Unterschrift von Walther Funk findet sich auf den deutschen Reichsbanknoten von 1939 (20 Reichsmark) und 1942 (5 Reichsmark). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Literatur: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 928 Preis: 39,90 Euro












