top of page

Search this site

3671 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Lexikon: "Brauner Tausender"

    Seit der ersten Ausgabe von Reichsbanknoten (1876) bis hin zu den letzten Noten der Deutschen Bundesbank ("Persönlichkeitsserie") hatten die meisten 1000-Mark-, Rentenmark-, Reichsmark- und DM-Scheine eine braune Farbe. Der Ausdruck "Brauner Tausender" wurde jedoch hauptsächlich für den erstmals in der Kaiserzeit ausgegebenen und heute noch recht häufig vorkommenden, durch die Inflation aber völlig wertlos gewordenen, 1000-Mark-Schein vom 21. April 1910 gebraucht. Beispiel für "Braune Tausender" DEU-3M: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 1. Januar 1876, Muster, Vorder- und Rückseite. DEU-5: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 2. Januar 1884, Vorder- und Rückseite. DEU-40c: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 2.1 April 1910 mit roten Siegeln, Vorder- und Rückseite. DEU-69b: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 2.1 April 1910 mit grünen Siegeln (Ausgabe 01 bis 04/1921), Vorderseite. DEU-92: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 15. Dezember 1922 (nicht ausgegeben, nur mit späterem Überdruck zu 500 Milliarden Mark), Vorder- und Rückseite. DEU-178: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 1000 Reichsmark vom 11. Oktober 1924, Vorder- und Rückseite. DEU-206: Deutsches Reich, Rentenbankschein zu 1000 Mark vom 1. November 1923, Vorder- und Rückseite. DEU-212: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 1000 Reichsmark vom 22. Februar 1936, Vorder- und Rückseite. SBZ-18: Deutsches Reich, Sowjetische Besatzungszone, Deutsche Notenbank, 1000 Deutsche Mark von 1948, Vorder- und Rückseite. BRD-12a: Bundesrepublik Deutschland, Bundesbanknote zu 1000 Deutsche Mark vom 2. Januar 1960, Vorder- und Rückseite. BRD-52a: Bundesrepublik Deutschland, Bundesbanknote zu 1000 Deutsche Mark vom 1. Oktober 1993, Vorder- und Rückseite. Bei den "Braunen Tausendern" der Kaiserzeit ab 1884 kam es zu mehreren Ausgaben mit unterschiedlichen Datierungen und Unterschriften wegen Änderungen in der Zusammensetzung des Reichsbank-Direktoriums. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski

  • Leserpost: Unbekannte tschechische Banknote

    Sehr geehrter Herr Grabowski! Beiliegend send ich Ihnen Kopien einer Banknote aus Tschechien. Diese Banknote finde ich nicht im Katalog. Es ist eine Banknote zu 1000 Kronen. Die Vorder- und Rückseite zeigt je einen Škoda. Ist es eine Gedenkbanknote oder ein Sonderdruck? Das wüsste ich gerne. Die Banknote trägt die Nummer X.01 MG000426Z und ist aus dem Jahr 2016. Mit freundlichen Grüßen K.-H. Goschala Antwort der Redaktion Den abgebildeten Schein kann man nicht in einem Katalog offizieller Banknoten finden, weil es sich nicht um eine Banknote handelt. Banknoten sind Noten einer konzessionierten Notenbank. Auf dem Schein ist aber keine Notenbank angegeben, also kann es sich höchstens noch um Staatspapiergeld handeln, so denn ein Staat angegeben ist. In Geldscheinkatalogen findet man sowohl Banknoten als auch staatliche Papiergeldausgaben. In diesem Fall ist auf der Rückseite "Československá socialistická Republika" (Tschechoslowakische sozialistische Republik) angegeben. Jeder weiß, dass es diese Republik im Jahr 2016 längst nicht mehr gab. Die Tschechoslowakei wurde 1992 aufgelöst und aus ihr gingen die Tschechische Republik und die Slowakei hervor. Auch das alte Staatswappen der ČSSR wird verwendet. Als Wert sind 1000 Tschechoslowakische Kronen angegeben. Spätestens hier muss jedem Sammler klar sein, dass es sich um kein offizielles Zahlungsmittel aus dem Jahr 2016 handeln kann. Um was aber handelt es sich dann? Der Gedenkanlass ist offensichtlich. Der Text auf der Rückseite bezieht sich auf den 50. Jahrestag des Produktionsbeginns des abgebildeten Škoda vom Typ 1000 MBX und gibt die Zeitspanne 1966 – 2016 an. Ist es also doch eine Gedenkbanknote? Nein! Auch eine Gedenkbanknote wäre eine Banknote, hier aber handelt es sich um einen privat hergestellten Fantasieschein. Wer mit der Geldkunst von Matej Gábriš aus Bratislava (Preßburg) vertraut ist, der erkennt schnell seine künstlerische "Handschrift" und Ähnlichkeiten mit anderen seiner Arbeiten. Auf diesem Schein wird sein Name zwar nicht genannt, er lässt sich aber aus den Buchstaben "MG" vor der Kontrollnummer ableiten. Gábriš schuf bereits eine Vielzahl von Fantasiescheinen für nicht mehr existierende Staaten, aber auch für Regionen ohne eigenes Geld, wie z. B. für Lappland. Wer mehr über seine Geldkunst erfahren möchte, der kann in den nachstehend empfohlenen Beiträgen nachlesen und Beispiel seines Schaffens sehen. Hans-Ludwig Grabowski

  • 100 Jahre Inflation 1923: Goldmark-Notgeld in Scheckform

    Die Scheckform kam bei den wertbeständigen Notgeldscheinen relativ selten vor. Hier ein Beispiel aus Osterode am Harz. Die Deutsche Gips-Compagnie Aktiengesellschaft in Katzenstein bei Osterode am Harz (Provinz Hannover) gab einen wertbeständigen Notgeldschein über 25 Goldpfennige (Litera J) am 5. November 1923, einen weiteren Wert über 2½ Goldmark (Litera L) am 26. November 1923 sowie einen Wert über 3 Goldmark (Litera M) am 7. Dezember 1923 aus. Die Ausgabe war vom Reichsfinanzministerium nicht genehmigt. Die Gesellschaft bediente sich der beim wertbeständigen Notgeld verhältnismäßig seltenen Scheckform. Bezogener ihrer Schecks war die Aktiengesellschaft Wilhelm Tschira. Aktiengesellschaft Wilhelm Tschira wolle zahlen gegen diesen Scheck aus unserem Guthaben 25 Goldpfennige nach dem Geldkurs der Berliner Börse vom Vorzeigungstag (1 Dollar U.S.A. gleich Mark 4,20 Gold), sofern dieser Scheck bis 10 Uhr vormittags vorgezeigt wird. Diesen Scheck löst auf Verlangen auch die Commerz- und Privat-Bank A.-G. Zweigstelle Osterode a. Harz oder die Spar- und Darlehenskasse in Lasfelde a. Harz jederzeit sofort spesenfrei gegen Papiermark ein, soweit solche verfügbar. Ausgegeben in Katzenstein bei Osterode a. Harz am 5. November 1923, gezeichnet: Deutsche Gips-Compagnie Aktiengesellschaft. Aktiengesellschaft Wilhelm Tschira, Scheck über 2½ Goldmark, ausgegeben in Katzenstein bei Osterode a. Harz am 26. November 1923, gezeichnet: Deutsche Gips-Compagnie Aktiengesellschaft. Aktiengesellschaft Wilhelm Tschira, Scheck über 3 Goldmark, ausgegeben in Katzenstein bei Osterode a. Harz am 7. Dezember 1923, gezeichnet: Deutsche Gips-Compagnie Aktiengesellschaft. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat (7/2023)

  • Aus dem Archiv: Friedrich der Große auf Notgeldscheinen

    In Heft 6/1991 von "Der Geldscheinsammler" veröffentlichte Dr. Alexander Persijn einen Beitrag über deutsche Notgeldscheine mit Darstellungen des preußischen Königs Friedrich II., des Großen (1712–1786) , der liebevoll von seinen Untertanen auch "Alter Fritz" genannt wurde. Dieser Beitrag soll den Anfang einer neuen Reihe "Aus dem Archiv" machen, in der wir interessante Fachartikel aus nunmehr über 30 Jahren "Der Geldscheinsammler" aufgreifen und aktuell überarbeiten, um diese Themen den Sammlern von heute verfügbar zu machen. Die Artikel von einst werden also nicht 1:1 übernommen, sondern für unsere Leser neu bearbeitet, wenn nötig erweitert und komplett neu farbig bebildert. Friedrichs Sarg wurde bei Kriegsende 1945 von Potsdam nach dem Westen verbracht. Lange Jahre fand er Asyl in der Elisabeth-Kirche in Marburg, danach auf der Zollern-Burg. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) schon hatte der König angeordnet: "Ich habe meinen Generalen alles befohlen, was für den Fall eines glücklichen oder unglücklichen Ausganges ... zu geschehen hat. Was schließlich mich selbst angeht, so will ich in Sanssouci begraben sein, ohne Gepränge und Pomp und bei Nacht." So geschah es dann auch. Am 17. August 1991 wurde der letzte Wille des Königs erfüllt und sein Sarg nach Potsdam überführt, um auf der Terrasse von Sanssouci in der noch vorhandenen Gruft bestattet zu werden. Dass dabei eine Ehrenwache der Bundeswehr in Erscheinung trat, hat in bestimmten Kreisen Widerspruch geweckt. Auch dass die Spitzen unseres Staates anwesend waren, blieb nicht unwidersprochen. Und alsbald machte das böse Wort von der "finalen Vergruftung" seine Runde. Es mag sein, dass Friedrich selbst in seiner ein wenig respektlosen Jugend an diesem Wort seine Freude gehabt hätte. Uns, so gestehen wir ganz altmodisch, kommt es gar zu respektlos vor, zumal die Torheit gewisser Medien-Menschen dieses schnöde Schnodderwort gar als den Begriff des Jahres wissen wollten. Je schnoddriger, desto besser, denkt man. Denkt man? Wer die Verlautbarungen der Medien genauer angesehen hat, bezweifelt, dass hier gedacht wurde. Eine Konstante, die sich übrigens bis in unsere aktuelle Gegenwart wie ein roter Faden durchzieht und eher noch an an Intensität gewinnt. Das Medien-Geplapper, dass die Hochrangigen unseres Staates in Potsdam vom großen Preußenkönig "Abschied genommen" hätten, konnte und musste eine schnoddrige Reaktion kritischer Menschen zur Folge haben: Wie sollten die Herren von einem Toten, der lange vor ihrer eigenen Geburt schon gestorben war, Abschied nehmen? Abschied nimmt man von jemand, den man kennt. Die Abwehr- und Abwerte-Reaktionen einer kritischen Jugend konnten da nicht ausbleiben. Indessen traf die Kritik hier den Falschen. Dass Friedrich auch von der Bundeswehr geachtet und geehrt wurde (hoffentlich auch noch wird und werden wird), ist richtig und selbstverständlich. Wer ihn nur als Säbelrassler und Kriegsmann sehen will, ist einfach ein Ignorant. Und wer die deutsche Vergangenheit, die ihm sehr unrecht tat, damit bewältigen will, dass er meint, gegen seine Verehrung demonstrieren zu müssen, der weiß nicht, was er tut. Nicht deutsche Hurra-Patrioten, Militaristen, Speichellecker nannten ihn "den Großen". So nannte man ihn zuallererst im Ausland, in Frankreich und in England. In Frankreich, dessen weit überlegene Armee er 1757 bei Rossbach besiegte, nannte man ihn "l'homme de Prusse" – was nicht etwa heißt, dieser Mensch da aus Preußen. Es war in seiner Zeit eine revolutionäre, eine höchst anerkennende Bezeichnung. Das weiß kaum noch jemand, wenn er z.B. von des Freiherrn Knigge Buch, "Über den Umgang mit Menschen" als nur von einem simplen Etikette-Buch spricht. Von "Menschen" zu sprechen, statt von Fürsten, Herren, Standesherren etc., war damals durchaus revolutionär und fortschrittlich. Und genau so wurde es damals überall verstanden. So sah man ihn im Ausland. Er war ein Bewunderer George Washingtons und stand der Amerikanischen Revolution höchst wohlwollend gegenüber, heißt es in den amerikanischen Lexika. Aber in Preußen selbst, wurde er, der große Ordner, Leiter, der "erste Diener des Staates" zuletzt eben wegen dieser Haltung, die er auch von seinen Beamten, Offizieren und Bürgern verlangte, in seinem Alter eher gefürchtet. Der letzte ausländische Besucher, der von Friedrich dem Großen vor seinem Tod empfangen wurde, war der Graf Mirabeau, den man von seinem Wirken für die Französische Revolution her kennt. Dies ist, was er über den Todestag des großen Königs geschrieben hat: "Kein Gesicht, dass nicht Erleichterung und Hoffnung ankündigt; nicht ein Bedauern, nicht ein Seufzer, nicht ein Lob. Dahinaus also laufen so viele gewonnene Schlachten, soviel Ruhm, eine Regierung von fast einem halben Jahrhundert, voll soviel Großtaten. Alle Welt wünscht ihr Ende, alle Welt beglückwünscht sich dazu." Man mochte nicht ewig und immer ermahnt, bekrittelt, angespornt werden. Man hatte all das satt. An den Wohlstand hatte man sich gewöhnt, den man des Königs Herrschaft verdankte. Ein anderer Großer, Goethe, der von sich bekannte, gut "fritzisch" gewesen zu sein, sprach später von "Wert, Würde und Starrsinn der Preußen". Und das hat der König seinen Beamten beizubringen versucht. Und darum mochte man das Preußentum später nicht. Der Historiker Veit Valentin, der gewiss nicht ein devoter Monarchist gewesen ist, hat 1927 in zwei vielbeachteten Aufsätzen in der "Frankfurter Zeitung" über "Der Kampf um Friedrich den Großen" geschrieben. Wenn jemand wie Veit Valentin, der schon 1915 in Anbetracht des großen Völker-Ringens die "Bekämpfung des naiven Militarismus in der großen Politik" als Hauptziel der Zeit nach dem Friedensschluss bezeichnete, der im "Dritten Reich" im Exil lebte – wenn jemand wie Veit Valentin also einen großen König wie Friedrich II. von Preußen preist und verteidigt, so will das sehr viel heißen. Am Ende seines Aufsatzes heißt es übrigens: "Der Kampf um Friedrich den Großen wird weitergehen". Und so geschah es 1991 dann auch wieder. Noch einmal ein Zitat von Veit Valentin, diesmal aus seinem Buch "Friedrich der Große", auch von 1927: "Der Weltkrieg ist der erste Krieg, den Friedrich der Große verloren hat. Trotzdem – oder deshalb? – stürzte sich ein verwundetes National- und Militär-Gefühl auf diese abgeschiedene, mythisch verklärte und anekdotisch ausgemünzte, jedem Deutschen deshalb märchenhaft vertraute, in ihrem wirklichen Sein und Wirken unbekannt gewordene Größe, und zerrte sie zur Reklamefigur schmalziger Filme verkitscht in trivialster Propaganda durch Gasse und Gosse". Eben. Und so konnte man von einer "finalen Vergruftung" sprechen. Friedrich gilt nicht wegen seiner Kriege als "der Große". Er ist groß auch wegen seiner Friedenstaten. "Jeder solle nach seiner Fasson selig werden", erklärte er und gewährte – damals unerhört – absolute Religionsfreiheit. Die Menschen unserer Zeit, die heute jede Art von körperlicher Züchtigung als Folter zu bezeichnen geneigt sind, sollten sich daran erinnern, dass es Friedrich war, der schon in den ersten Tagen seiner Regierung die wirkliche, gerichtliche Folter abschaffte. Dass er eine neue Prozessordnung einführte, neue Gesetze durchsetzte, das preußische Landrecht ausarbeiten ließ, welches den Bürger vor Herrenwillkür und staatlichen Übergriffen schützen sollte. Zu seiner Zeit war dieses neue Recht ebenso fortschrittlich, wie es später der "Code Napoleon" gewesen ist, der auch nach Napoleons Niedergang im linksrheinischen Deutschland, z.B. in der Pfalz, bis zur Einführung des BGB im 20. Jahrhundert seine Gültigkeit behielt und um den die Menschen dort beneidet wurden. Auch der körperlich kleine Napoleon galt als Großer, nicht nur wegen seiner Kriegstaten. Es war übrigens Napoleon, der nach dem Sieg über Preußen, 20 Jahre nach der "Primär-Vergruftung" des großen Friedrich, dem Bildhauer Schadow, der an einem Denkmal Friedrichs arbeitete, eben diese Arbeiten finanzieren wollte, weil der König von Preußen und Nachfahre Friedrichs selbst, daran wenig interessiert war. Napoleon hatte aber gerade erst die von Schadow geschaffene Quadriga vom Brandenburger Tor nach Paris bringen lassen. Und von diesem "Berliner Pferdedieb", wie die Berliner Napoleon darum nannten, wollte und konnte ein preußischer Patriot sich kein Reiterdenkmal finanzieren lassen. Der Notgeldsammler kennt zahlreiche Geldscheine mit Darstellungen Friedrichs des Großen, denn es haben sich viele Orte, die sich nach interessanten Motiven und Abbildungen für ihre Serienscheine umsahen, an den "Alten Fritz" erinnert, falls er bei dem betreffenden Ort eine Schlacht geschlagen, dem Ort einen Besuch abgestattet oder auch einfach nur einmal vorbeigekommen war. Nachstehend sollen die deutschen Serienscheine mit Abbildungen Friedrichs des Großen aufgeführt, mit Vorder- und Rückseite abgebildet und beschrieben werden. Dabei werden nicht nur die Ausgaben genannt, die Dr. Persijn 1991 aufgeführt hatte, sondern auch weitere Serienscheine, die damals ungenannt blieben. Belgard a. Persanthe (Preußen, Provinz Pommern) Die Stadt Belgard in Pommern war im Deutschen Reich für die hier stationierten "Totenkopfreiter" (vordem Leibhusaren in Danzig) bekannt. Neben einer Serie Kleinschecks der Stadtsparkasse mit Stadtansichten gab die Stadt deshalb auch eine Serie mit Schlachtenbildern und eine Serie mit Uniformbildern aus. Die Idee der Kleinschecks hatte sich die Firma Flemming u. Wiskott A.G. aus Glogau in Schlesien als Deutsches Reichs-Gebrauchs-Muster (D. R. G. M.) schützen lassen, nachdem die Ausgabe von Notgeldscheinen verboten worden war, die durch die Serienscheinausgaben immer mehr Überhand genommen hatte. Flemming u. Wiskott wird uns noch mehrfach begegnen, wenn es um Serienscheine mit Motiven Friedrichs des Großen geht. Der erste Kleinscheck der Schlachtenbilder-Serie zeigt auf der Rückseite Friedrich den Großen zu Pferde am 10. Oktober 1744 an der Spitze der Belgarder Totenkopfreiter nach dem Gefecht bei Moldauthein, durch das die Reiter "unsterblichen Ruhm" erlangt haben. Der künstlerische Entwurf stammt von W.H. Lippert. Alle Kleinscheck-Serien von Belgard haben kein Datum, stammen aber wahrscheinlich aus dem Jahr 1922. Belgern a. Elbe (Preußen, Provinz Sachsen) Der Magistrat der "Rolandstadt" Belgern an der Elbe gab mit Datum vom 1. November 1921 eine kleine Serie mit nur zwei Werten zu 25 und 50 Pfennig aus. Der 50-Pfennig-Schein zeigt auf der Rückseite eine Szene nach einem Gemälde von Adalbert von Roeßler, die Friedrich den Großen zu Beginn des Siebenjährigen Krieges hoch zu Ross auf dem Marktplatz in Belgern zeigt. Gedruckt wurden die Scheine bei der Firma Louis Koch in Halberstadt. Eckartsberga Thüringen (Preußen, Provinz Sachsen, thüringischer Anteil) Die Stadt Eckartsberga in Thüringen hatte schon 1920 Kleingeldscheine mit Ansicht der Stadt und der Eckartsburg ausgegeben. Im April, Mai und Juni 1921 setzte sie die Ausgabe mit ähnlichen Serienscheinen fort. Mit Datum vom 1. September 1921 folgten runde Serienscheine mit Zitaten und historischen Persönlichkeiten. Insgesamt wurden sechs rund 25-Pfennig-Scheine, drei runde 50-Pfennig-Scheine und drei runde 75-Pfennig-Scheine ausgegeben. Der erste 75-Pfennig-Schein zeigt auf der Rückseite ein Porträt Friedrichs des Großen und in der Umschrift ein Zitat von ihm: "Ich bin der erste Diener des Staates". Der Druck erfolgte bei der Firma Reineck & Klein in Weimar. In der Serie Großer Deutscher werden u.a. auch noch Luther, Goethe, Jahn und Bismarck gewürdigt. Freiburg i. Schles. (Preußen, Provinz Schlesien) Der Magistrat der niederschlesischen Stadt Freiburg gab eine Serie mit Werten von einem 10, 5 x 25 und 4 x 50-Pfennig-Scheinen mit Datum vom 1. September 1921, allerdings auf unterschiedlichen Papier gedruckt aus. Abgebildet ist der Druck auf weißem Kunstdruckpapier. Der zweite Wert zu 25 Pfennig zeigt auf der Rückseite Friedrich den Großen, der am 26. Juli 1774 einer Abordnung von Bürgern der zerstörten Stadt verspricht: "Euch soll geholfen werden!". Friedrichsbrunn (Preußen, Provinz Sachsen) Der von Friedrich dem Großen gegründete Ort – auf sein Geheiß siedelten sich hier zwischen 1773 und 1775 Kolonisten an – im Harz, gab mit Datum vom 15. Oktober 1921 gleich zwei Serien aus. Eine erste Serie von je zwei Scheinen zu 25, 50 und 75 Pfennigen zeigt jeweils auf der Vorderseite ein Porträt des Königs. Außerdem in sechs Teilen diesen Text im Spruchband oben: "Als Friedrich d. Große 1754 – am Un-trü-born Rast hielt, / und die Gegen ihm, – köstlich und wohl gefiel, / bat der Amtmann – Fischer aus Stecklenberg: | "Majestät, ich hier gern – eine Siedlung hätt, / vermeiden möchte ich – den Namen Un-trü-born / und Majestät zu Ehren, sie – Friedrichsbrunn nennen". Abgebildet ist Schein Nummer 2. Ebenfalls mit Datum vom 15. Oktober 1921 ließ der Luftkurort eine Serie von insgesamt gleich zehn verschiedenen 50-Pfennig-Scheinen in der Druckerei H. Meyerding in Quedlinburg herstellen. Während die Vorderseiten einheitlich gestaltet sind und den bekannten Grundsatz Friedrichs des Großen vorstellen: "Ich habe mich entschlossen, niemals in den Lauf des gerichtlichen Verfahrens, denn in den Gerichtshöfen sollen die Gesetze sprechen und der Herrscher soll schweigen.", zeigen die Rückseiten verschiedene Motive, die meisten davon mit Darstellungen Friedrichs des Großen und Szenen aus seinem Leben. Wir zeigen diese nachfolgend. Friedrich der Große auf dem Pferd, verspricht der durch Krieg leidenden Bevölkerung eines zerstörten Ortes: "Kinder, ich will euch alles wieder aufbauen!". Der dritte Schein zeigt Friedrich den Großen als "königlichen Dichter" im Quartier. Tatsächlich war Friedrich nicht nur ein Herrscher, Reformer und Kriegsherr, der ab und an auch mal Querflöte spielte, sondern außerdem Literat, Kunstfreund, Freimaurer und nicht zu vergessen ein Hundeliebhaber. Immerhin hatte er verfügt, das er auf der Terrasse von Sanssouci neben seinen Hunden bestattet werden sollte und vom ihm stammt auch der Satz: "Hunde haben alle guten Eigenschaften des Menschen, ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen.". Unter der Szene findet man einen Vers des Königs: "Rings von Not und Tod umgeben / Denkt in Eurem Rachefest / Dass in diesem harten Leben / Ohne Kampf und Fährniss eben, / Sich kein Ruhm gewinnen lässt!". Friedrich der Große war viel auf Reisen, nicht nur in seinen Kriegen, sondern auch im Frieden, um den Fortgang von Projekten zu prüfen und mit den Menschen zu sprechen. Der vierte Schein zeigt ihn in einer Szene auf einer seiner Reisen aufs Land. Die Rückseite von Schein 5 zeigt eine bekannte Szene, Friedrich bei einem Flötenkonzert im Königlichen Schloss von Potsdam. Friedrich der Große in seinem Arbeitszimmer im Königlichen Schloss von Potsdam wird auf der Rückseite des sechsten Scheins dargestellt. Die Rückseite von Schein 7 mit zwei Szenen, oben: "Der König allein" und unten, der König im Gespräch mit seinem Ausspruch: "Der da oben hilft!". Schein 8 mit einer königlichen Tafelrunde im Schloss Sanssouci. Schein 9 zeigt auf der Rückseite einen Bauern beim Pflügen und der letzte Schein der Serie gekreuzte Degen, die von zahlreichen Schriftstücken und Schreibfedern bedeckt sind mit dem Zusatz "Alles vollbracht!" und darunter ein Zitat Friedrichs aus einem Brief an Voltaire: "Wir müssten zunächst wieder die Felder bestellen, dann Gewerbefleiß schaffen, schließlich etwas Handel treiben. Man muss sein Auskommen haben, um sich bilden und frei denken zu können.". Geestemünde (Preußen, Provinz Hannover) Der Fischversand "Saturn" gab 1922 eine Serie zu 6 x 50 Pfennig Kleinschecks über sein Konto bei der Städtischen Sparkasse Geestemünde aus, die auf den Rückseiten bedeutende deutsche Feldherrn zeigen. Schein 2 zeigt ein Porträt von Friedrich den Großen mit dem Wahlspruch "Pro gloria et patria!" (Für Ruhm und Vaterland). Die anderen Scheine zeigen Moltke, Hindenburg, Blücher, Bismarck und Scharnhorst. Glogau (Preußen, Provinz Schlesien) Der Magistrat der niederschlesischen Stadt Glogau gab eine Serie mit Datum vom 1. Dezember 1920 auf verschiedenen Papieren aus. Der Druck erfolgte bei der bereits erwähnten Glogauer Firma Flemming und Wiskott. Der 75-Pfennig-Schein ist der Erstürmung der damals noch österreichischen Festung Glogau durch die Preußen unter Prinz Leopold von Dessau. im Jahr 1741 gewidmet. Er zeigt auf der Vorderseite König Friedrich und den Prinzen sowie im Hintergrund die brennende Stadt. Auf der Rückseite ist eine Szene der Erstürmung selbst dargestellt. Nach dem Verbot der Notgeldausgaben, bot die Glogauer Firma Flemming und Wiskott erfolgreich seine durch Gebrauchsmuster geschützte Idee der sog. Kleinschecks an, konnte doch damit die Nachfrage nach neuen Serienscheinen auf dem Sammlermarkt befriedigt und tüchtig Umsatz gemacht werden. 1922 wurde eine Serie Schecks der Stadtbank Glogau ohne Datum ausgegeben, die nun beim Wert zu 1 Mark die Motive des 75-Pfennig-Scheins erneut verwendete. Gedruckt wurde nun farbiger, um mehr Kaufanreize bei den Sammlern zu wecken. Greiffenberg i. Schl. (Preußen, Provinz Schlesien) Auch für das niederschlesische Greiffenberg stellte die Firma Flemming und Wiskott mehrere Serien von Notgeldscheinen her. Der 25-Pfennig-Schein der ersten Serie vom 19. April 1920 in Mehrfarbendruck zeigt auf der Rückseite eine Szene, in der die Ratsherren 1785 Friedrich dem Großen für den Wiederaufbau der Stadt danken. Seine Antwort soll ein Königswort gewesen sein: "Ihr habt mir nicht zu danken, denn davor bin ich da.". Die selben Motive wurden dann auch für Sonderabzüge auf Büttenpapier verwendet, die deutlich seltener sind, als die Standard-Scheine. Grünberg/Schl. (Preußen, Provinz Schlesien) Die niederschlesische Stadt Grünberg war u.a. durch ihren Weinanbau bekannt, der von Siedlern aus Franken eingeführt worden war. Die war sehr aktiv bei der Ausgabe von Notgeld, es gab fünf verschiedene Notgeldserien und darüber hinaus noch zwei verschiedene Serien von Kleinschecks der Stadtbank. Auf einer Serie wird der eigene Wein sogar als selbst "für den Teufel zu sauer" verspottet. Schein 5 der letzten Notgeldserie zeigt auf der Rückseite eine Szene zur Einnahme von Grünberg als erster schlesischen Stadt durch die Preußen im Jahr 1740. Friedrich der Große steht vor den Ratsherren und der diplomatische Bürgermeister entgegnet dem König: "Hier auf dem Ratstische liegen die Schlüssel, aber ich werde sie Ihnen unter keinen Umständen geben. Wollen Sie sie sich selbst nehmen, so kann ich es freilich nicht hindern.". Der sechste 50-Pfennig-Schein zeigt auf der Rückseite Friedrich den Großen in einem Schattenriss, der in einer Kutsche sitzend einen Ehrentrunk der Stadt Grünberg erhält. Hohenfriedeberg (Preußen, Provinz Schlesien) Auch die durch die berühmte Schlacht bei Hohenfriedeberg am 7. Juni 1745 bekannte niederschlesische Stadt gab eine Serie Kleinschecks aus, die genau an diese Schlacht erinnern sollte, in der die Preußen gegen österreichische und sächsische Truppen siegreich waren. Die Serie besteht aus Scheinen zu 4 x 25, 4 x 50 sowie 75 Pfennig und 1,25 Mark. Der erste Schein zeigt auf der Rückseite Friedrich den Großen zu Pferd, wie er seine Truppen grüßt, die erbeutete österreichische Fahnen schwenken. Auf der Vorderseite des 75-Pfennig-Scheins sind ein Militärorchester und Noten des Hohenfriedeberger Marsches zu sehen, der allerdings erst 20 Jahre nach der Schlacht erschien. Die Rückseite zeigt die Siegeshöhe mit Denkmal, darunter ein Porträt Friedrichs des Großen im Medaillon sowie links und rechts davon gesenkte Fahnen der besiegten Österreicher und einen preußischen Adler. Ein Porträt Friedrichs des Großen findet sich auch auf der Vorderseite des Wertes zu 1,25 Mark, und zwar im Lorbeerkranz. Auf der Rückseite sieht man Wanderer vor der Siegeshöhe von Hohenfriedeberg mit Denkmal. Klodnitz-Oderhafen (Preußen, Provinz Schlesien) Oberschlesien war nach dem Ersten Weltkrieg umstritten und zerrissen. Polnische Freischärler (Insurgenten) versuchten trotz Volksabstimmung zugunsten Deutschlands große Teile Oberschlesiens an Polen anzugliedern und wurden dabei von deutschen Freikorps bekämpft. Die Gemeinde Klodnitz-Oderhafen zeigt auf ihren Serienscheinen vom 1. Juli 1921 Szenen aus dieser Zeit, wie z.B. zur Volksabstimmung vom 20. März 1921 und einen sog. Insurgenten-Überfall. Auf der Rückseite des 3-Mark-Scheins erscheint ein Porträt Friedrichs des Großen in den Wolken, wie eine Mahnung an die Bevölkerung, fest zu Deutschland zu stehen. Der Druck erfolgte bei einer Firma in Breslau. Lähn im Riesengebirge (Preußen, Provinz Schlesien) Im niederschlesischen Lähn schlug der "Alte Fritz" keine Schlacht, hier musste er 1766 nur eine unfreiwillige Rast einlegen, weil ein Rad seiner Kutsche gebrochen war. Anlass genug, dass die Stadt diesen Vorfall auf einen Kleinscheck der Städtischen Sparkasse 1922 verewigte. Der Druck erfolgte wieder bei Flemming und Wiskott in Glogau. Neusalz/Oder (Preußen, Provinz Schlesien) Flemming und Wiskott druckte auch die Kleinschecks für Neusalz an der Oder. Der Anlass des Aufenthalts von Friedrich dem Großen war hier jedoch bedeutender, als ein Radbruch. Am 20. August 1743 erhob er persönlich Neusalz zur Stadt, was auf der Rückseite des 25-Pfennig-Scheins der Serie dargestellt ist. Parey a.d. Elbe (Preußen, Provinz Sachsen) Die Spar- und Creditbank zu Parey gab mehrere Serien zu je 2 x 50 Pfennig und 1 Mark zur Sonnenwende 1921 aus. Die patriotischen Gefühle der Sammler sollten durch Porträts des Großen Kurfürsten, Friedrichs des Großen, Bismarcks und Hindenburgs geweckt werden. Wir zeigen die Ausführungen des Scheins mit Friedrich dem Großen mit schwachem und kräftig violettem Unterdruck auf der Textseite. Der Druck erfolgte bei der Firma Wackernagel in Magdeburg. Rheinsberg (Preußen, Provinz Brandenburg) Rheinsberg in Brandenburg brachte mehrere Serien von 25, 50 und 75 Pfennig-Scheinen heraus, die letzte davon ohne Datum (von 1922) erinnert an Friedrichs Aufenthalt auf Schloss Rheinsberg vom August 1736 bis zu seinem Regierungsantritt 1740. Friedrich hat hier als Kronprinz die vier schönsten Jahre seines Lebens verbracht. Theater, Lektüre vor allem aber die Musik standen im Mittelpunkt. Auf den einheitlich gestalteten Vorderseiten der Serie von 1922 mit je vier Scheinen zu 25, 50 und 75 Pfennig findet sich jeweils ein Porträt von Friedrich den Großen. Gedruckt wurde die Serie bei Dehmigke & Riemschneider in Neu-Ruppin. Die Rückseite eines 75-Pfennig-Scheins zeigt Friedrich bei einer Bootsfahrt, links im Hintergrund Schloss Rheinsberg. Der Ort liegt im Neustrelitzer Kleinseenland der Mecklenburgischen Seenplatte. Ein anderer 75-Pfennig-Schein zeigt Friedrich beim Musizieren mit der Querflöte. Rossbach (Preußen, Provinz Sachsen, thüringischer Anteil) Die Gemeinde Rossbach gab 1921 eine Serie zu 6 x 50 Pfennig ohne Datum aus, die an die Schlacht bei Rossbach am 5. November 1757 erinnert, in der die Preußen ein doppelt überlegenes französisches Heer schlagen konnten. Der zweite Schein stellt auf der Rückseite Friedrich den Großen dar, der vom Dachboden des Herrenhauses in Rossbach durch eine Dachluke den Anmarsch des Feindes beobachtete. Der fünfte Scheine zeigt Friedrich den Großen (Friedrich der Einzige) als Sieger von Rossbach. Die Schlacht, in der die Preußen mit 22.000 Mann gegen 41.000 Franzosen antraten, hatten lediglich Verluste in Höhe von 548 Toten und Verwundeten zu beklagen, während die Franzosen 10.000 Mann verloren. Sie war einWendepunkt im Siebenjährigen Krieg. Silberberg (Preußen, Provinz Schlesien) Nach dem Ersten Schlesischen Krieg war Silberberg 1742 mit fast ganz Schlesien an Preußen. Vom 26. bis 30. Juni 1807 plünderten bayerische Rheinbundtruppen die Stadt und brannten sie nieder, lediglich die Festung wurde erfolgreich verteidigt, woran die Rückseite des abgebildeten 50-Pfennig-Scheins erinnert. Daneben gab es noch je einen Wert zu 25 und 75 Pfennig mit gleichem Datum. Strausberg (Preußen, Provinz Brandenburg) Die Stadt Strausberg bei Berlin gab 1921 eine Serie von 4 Scheinen zu 1/2 sowie zu je einem Schein zu 1 und 2 Mark mit Darstellungen aus der Stadtgeschichte aus. Darunter findet sich auch ein 1/2-Mark-Schein, der daran erinnert, dass hier 1765 die Kutsche Friedrichs des Großen auf holperigem Kopfsteinpflaster ein Rad verlor. Der typisch trockene Kommentar Friedrichs dazu: "Ich habe nicht gedacht, daß ich in meinen Landen ein so gottverfluchtes Drecknest habe." Striegau (Preußen, Provinz Schlesien) Auch die niederschlesische Stadt Striegau erinnerte mit ihrer Notgeldserie der Stadtbank vom September 1921, die jedoch erst 1922 ausgegeben wurde, an die Schlacht bei Hohenfriedeberg am 4. Juni 1745, die auch Schlacht bei Striegau genannt wird. Die Serie umfasst je zwei Scheine zu 25, 50 und 75 Pfennig. Gedruckt wurde sie bei F.A. Brockhaus in Leipzig. Der künstlerische Entwurf stammt von Bruno Handke. Der erste 25-Pfennig-Schein zeigt auf der Vorderseite ein Porträt Friedrichs des Großen und auf der Rückseite das Kreuz auf dem Spitzberg und die Kreuzinschrift: "Die dort drüben im Tale sich feindlich besiegten und starben, schlafen vereinigt in Ruh! Schlummert im Pflichtgefühl sanft! 4. Juni 1745.". Der zweite 25-Pfennig-Scheine stellt auf der Vorderseite einen Fahnenreiter vor der Silhouette der Stadt Striegau dar. Genannt werden links und rechts darüber das Datum der Schlacht 4. Juni 1745 und darunter General von Gessler sowie Oberst Otto Martin von Schwerin. Links und rechts unten finden wir einen Text von Hugo von Blomberg: "Die Supers! Die flottsten Kavaliere aus König Friedrichs Zeit, | Das waren die Offiziere vom Regiment Bayreuth. | Zum Reiten und zum Fechten die ersten immer frisch. | Und wo Kameraden zechten, die letzten unterm Tisch. / Die alten lustigen Farben, lichtblau an frischem Lorbeergrün, | Ich brauch Euch nicht zu mahnen Hohenfriedeberg- Schlacht, | Der siebenundsechzig Fahnen, die man dort eingebracht.". Die Rückseite zeigt ein Porträt von König Friedrich dem Großen unter Lorbeerlaub. Links und rechts oben sein Ausspruch aus seinem Werk "Geschichte meiner Zeit": "Die Welt ruht nicht sicherer auf den Schultern des Atlas, als Preußen auf einer solchen Armee." Auf der Vorderseite des ersten 50-Pfennig-Scheins sehen wir wieder ein Porträt Friedrichs sowie preußische Fahnen mit seinem Herrscher-Monogramm "FR" für Fridericus Rex. Die Rückseite zeigt einen mit Fahnen geschmückten Turm im Lorbeerkranz, links und rechts davon je einen preußischen Adler und darunter ein Notensegment des Hohenfriedeberger Marschs. Auf der Vorderseite des zweiten 50-Pfennig-Scheins sehen wir einen Plan der Schlacht bei Hohenfriedeberg und darüber einer preußischen Adler sowie gesenkte Fahnen, die für die erbeuteten Fahne der Österreicher und Sachsen stehen. Die Rückseite zeigt wieder ein Porträt Friedrichs des Großen, daneben preußische Adler und den Spruch: "Es siegt der Preußen Mut – Den 4. Juni 1745 | Hier floß viel Heldenblut bei Friedeberg in Schlesien.". Das Vorderseiten-Motiv des ersten 75-Pfennig-Scheins ist ein alter Gasthof, in dem Friedrich der Große nach der Schlacht bei Hohenfriedeberg den tödlich verwundeten Kaiserlichen Generalfeldmarschall-Leutnant Johann Franz Graf von Saint-Ignon, Inhaber des Harrant-Kürassier-Regiments, besuchte. Die Rückseite zeigt ein bekanntes Porträt Friedrichs des Großen mit Gehstock sowie Zierschilde mit seinem bekrönten Monogramm. Auch der sechste und letzte Schein der Serie verzichtet nicht auf die Darstellung Friedrichs des Großen, hier auf der Rückseite als Silhouette im Lorbeerlaub, flankiert von einem Trommler links und einem Fahnenträger rechts. Auf der Vorderseite ist das Guhle-Denkmal dargestellt und dazu links und rechts die Inschrift: "Wanderer, bringe die Kunde von uns nach Sachsen u. Österreich / Folgsam und treu dem Gebot ruhn wir vereint hier im Grab". Die Striegauer "Schlachtenserie" ist sicher die am schönsten gestaltete Notgeldserie mit Darstellungen des berühmten Preußen-Königs. Wittenberg (Preußen, Provinz Sachsen) Der Magistrat der durch Luther und die Reformation bekannten Stadt Wittenberg gab 1922 eine Serie von Notgeldscheinen mit Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf den Vorderseiten und Szenen zur Stadtgeschichte auf den Rückseiten aus. Es gibt je zwei verschiedene 25- und 50-Pfennig-Scheine sowie solche zu 1, 2, 5 und 10 Mark. Als Serienbuchstaben vor den Kontrollnummern wurden D, M, L, U, T, H, E und R für Doktor Martin Luther verwendet. Der Wert zu 2 Mark zeigt auf der Vorderseite ein Porträt Friedrichs des Großen und auf der Rückseite eine historische Szene, als die Reichsarmee 1760 das von den Preußen besetzte Wittenberg erobert. Ziesar (Preußen, Provinz Brandenburg) Noch einmal begegnet uns ein durch Reichs-Gebrauchsmuster geschützter Kleinscheck der Glogauer Firma Flemming und Wiskott, hier für die Sparkasse der brandenburgischen Stadt Ziesar. Die Werte zu 25 und 50 Pfennig sowie 1, 2 und 3 Mark ohne Datum (1922) zeigen auf den Rückseiten historische Szenen der Stadtgeschichte. Der 2-Mark-Schein stellt eine Szene dar, in der Friedrich der Große in Ziesar Quartier bezieht. Darunter ein Zitat von ihm: "Die Herren Baumeisters seind Bedrieger, sie sollten lieber arbeiten und mir nicht mein Geld aus der Tasche locken.". Damit endet unsere Übersicht zu Notgeld mit Darstellungen des "Alten Fritz". Gleichzeitig stehen die vorgestellten Stücke beispielhaft für die Vielfalt der Themen, Motive und künstlerischen Gestaltungen deutscher Serienscheine, die auch nach rund 100 Jahren immer noch nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. Alexander Persijn / Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • Aus dem Archiv: Von der Nahe nach Brasilien – ein deutsch-brasilianisches Ersatzgeld

    In Heft 1/1990 von "Der Geldscheinsammler" veröffentlichte Gerd Bayer einen interessanten Artikel über das deutsche Unternehmen von H. Albert Becker aus Idar an der Nahe und dessen Ersatzgeld für seine Edelstein-Minen in Brasilien. Der Artikel wurde hier nach nunmehr 30 Jahren für den Geldschein-Blog übernommen, redaktionell überarbeitet, erweitert und neu bebildert. Bei einem Besuch in Idar-Oberstein wollte ich mir noch einmal das Heimatmuseum der Stadt anschauen, an das sich angenehme Erinnerungen knüpften. Hier konnte man ziemlich alles, was mit Gold und Edelsteinen zu tun hat, museal verpackt, in Ruhe betrachten. Der Arbeitsplatz eines Goldschmieds, wie auch eine Schleiferei alter Prägung; das Handwerkszeug der Bergleute, wie auch das, was sie früher dem Gestein abgerungen haben, ist hier zu sehen. In einer Vitrine dann die Entdeckung: Geldscheine! Aber ganz anders, als gewohnt: deutsche Firma und Geld in brasilianischer Währung. An der Kasse suchte man mir gleich die Adresse der immer noch bestehenden Firma H. A. Becker, die auf dem Schein aufgedruckt war, aus dem Telefonbuch heraus. Aus der Adresse wurde eine kleine Korrespondenz und ein Besuch in Tiefenstein, einem Stadtteil des heutigen Idar-Oberstein. Die Region um Idar und Oberstein war und ist seit Jahrhunderten das Zentrum der deutschen Schmuckindustrie, weil hier ergiebige Lagerstätten von Schmuck- und Edelsteinen zu finden sind. Aber schon Ende des 19. Jahrhunderts begnügte man sich nicht mehr mit dem einheimischen Achat, sondern importierte schöne und seltene Steine aus aller Welt. Weil Brasilien sehr von deutschen Einwanderern geschätzt wurde, musste sich kein Deutscher einsam vorkommen, der nach hier her ging. Einer dieser Deutschen war Heinrich Albert Becker (1881 – 1963), der sich als Zwanzigjähriger aufmachte, um sein Glück zu finden. Das suchte er in der brasilianischen Provinz Bahia. Er fand es in Brejinho das Amethystas, das seinen Namen den Amethysten verdankt, die hier in sekundären Lagerstätten zu finden sind. Ein Bild aus dieser Zeit zeigt Becker als jungen Mann, der selbstbewusst in die Welt schaut, voller Tatendrang, gekleidet mit den Attributen des Wohlstands, eine Reitpeitsche lässig in der Hand. Das war um 1900. Teil einer Amethyst-Druse, Brasilien, Minas Gerais, Abb. Mineralogische Sammlung Hans-Ludwig Grabowski. Er konnte in Brejinho reiche Minen kaufen, die Namen wie Paraguay und California trugen. Hier brauchte man nicht tief in den Berg, um die gewachsenen Kristalle abzuschlagen, sondern hier lagen die Amethyst-Drusen in Geröllschichten, zwar mit Erde verbacken, aber doch relativ leicht zu gewinnen. Becker wurde zum Patron der Dorfbevölkerung. Das von ihm gegründete Geschäft wurde formell 1907 eröffnet. Brejinho liegt im Südwesten des Bundesstaates Bahia, etwa 120 km östlich des Rio São Francisco. Becker wollte nicht immer in Brasilien bleiben, sondern das Geschäft in Tiefenstein fortführen, natürlich mit besonders schönen Kristallen aus Brasilien. Deutsche Verwalter leiteten die Minen. In regelmäßigen Abständen besuchte Becker aber seine brasilianischen Minen. Die Art, wie die Minen betrieben wurden, zeigt, dass Becker wusste, wie er die einheimische Bevölkerung behandeln musste, um sie zu zielgerichteter Arbeit zu bringen. Jede Familie erhielt ein eigenes Gebiet innerhalb der Mine. die gefundenen Mineralien verkaufte sie dann an den Patron, der für ausreichend Hilfsmittel zu sorgen hatte, die für den Abbau notwendig waren. So stellte die Firma auch Ochsengespanne zur Verfügung, die man für den Abtransport des Abraums benötigte. Auf einer Lederhaut, die von dem Gespann geschleppt wurde, transportierte man das taube Gestein ab. Zwischen 1920 und 1930 waren die staatlichen Zahlungsmittel so knapp und der Nachschub so schleppend, dass sich die Firma entschloss, eigenes Geld drucken zu lassen. Vor allem fehlte es an Kleingeld, eine Erscheinung, die auch schon in Deutschland selbst immer wieder zu Notgeld-Emissionen geführt hatte. Mit Billigung der brasilianischen Regierung wurde eine Art Notgeld in verschiedenen Wertstufen in Umlauf gebracht. Mir lagen die Werte zu 500 und 10.000 Reis vor. 1990 glaubte der damalige Besitzer der Firma Becker aber, dass es auch einen 20.000-Reis-Schein gegeben haben soll. Diese Werte brauchte man dringend, weil die Mineralien-Sucher ihre Ware oft in kleinen Mengen anboten. Es handelt sich um äußerst sorgfältig hergestellte Geldscheine in Scheckform. Firma H. Albert Becker: Notgeld zu 500 Reis ohne Datum, Vorder- und Rückseite, Abb. Sammlung Hans-Ludwig Grabowski. Der Schein zu 500 Reis ist von feinem Hellbraun-Orange. Eine Rahmenleiste aus stilisierten floralen Elementen fasst die Wertstufe sowie die Erklärung zum Geldwert und Gültigkeitsbereich ein. In der Übersetzung der portugiesischen Beschriftung heißt es da: "Für geleistete Arbeit. Nur gültig in Brejinho das Amethystas." Das Wort "Prestado" weist auf den provisorischen Charakter dieses Geldes hin. Deckung war der gute Firmenname! Die Rückseite des Scheines ist von einem hellen Gelb, umgeben von rotbraunen Zierlinien in Art einer Guilloche. Die anderen Wertstufen sind ähnlich gestaltet. Firma H. Albert Becker: Notgeld zu 1000 Reis ohne Datum, Vorder- und Rückseite, Abb. Sammlung Hans-Ludwig Grabowski. Firma H. Albert Becker: Notgeld zu 2000 Reis ohne Datum, Vorder- und Rückseite, Abb. Sammlung Hans-Ludwig Grabowski. Firma H. Albert Becker: Notgeld zu 5000 Reis ohne Datum, Vorder- und Rückseite, Abb. Sammlung Hans-Ludwig Grabowski. Firma H. Albert Becker: Notgeld zu 10.000 Reis ohne Datum, Vorder- und Rückseite, Abb. Sammlung Hans-Ludwig Grabowski. Firmenlogo: In der oberen Hälfte eines auf der Spitze stehenden Quadrats sind Amethyst-Kristalle aus primären Lagerstätten angeordnet. Die untere Hälfte nennt den Besitzer der Mine und den Ort Tiefenstein. Das Firmenlogo war übrigens noch 1990 und danach in der Firma gebräuchlich. Bei einem Besuch in der Firma Becker in Tiefenstein konnte ich auch einige Alben mit Fotos aus der Pionierzeit der Firma sehen. Der neue Besitzer, Herr Peter Becker (geboren am 30.11.1937), leitete 1990 das Unternehmen in dritter Generation. Immer noch wurde Amethyst aus der Mine in Brejinho bezogen. Hinter der schlichten Fassade vermutete man eigentlich kein Handelshaus für Export und Import von Edelsteinen in roher und geschliffener Form. Nach dem Kriegseintritt Brasiliens gegen Hitler-Deutschland 1942 wurde die Mine einem inzwischen in Brasilien sesshaft gewordenen Angestellten (W. Dreher aus Kirschweiler) verkauft. So stockte trotz Krieg der Nachschub an Amethysten nie. Die jeweiligen Besitzer hielten immer persönlichen Kontakt und durch Besuche vor Ort konnte abgesprochen werden, wie die Mineralien vorbearbeitet werden sollten. Das Foto aus der Mine in Brasilien zeigt, dass auch 1990 immer noch so gearbeitet wurde, wie im Jahr 1900. Als "H. A. Becker Rohstein Handel" firmierte das Unternehmen sogar noch 2020. Nach dem Tod von Peter Becker im Jahr 2018 führte dessen Witwe den Edelsteinhandel noch zwei Jahre weiter. Am 15. Dezember 2020 wurde das Geschäft endgültig abgemeldet. Die Billig-Konkurrenz aus China machte ein Fortbestehen des Unternehmens immer schwerer und Corona sorgte schließlich für das endgültige Aus. Leider kaufen die Chinesen heute weltweit Schmuck- und Edelsteine in von ihnen praktisch beherrschten Abbaugebieten zu solch niedrigen Preisen auf, dass sie diese in bereits geschliffenem Zustand billiger anbieten können, als andere Unternehmen Rohsteine. Eine Verarbeitung in Deutschland lohnt deshalb kaum noch. Was jetzt aus dem deutschen Schmuck- und Edelstein-Zentrum Idar-Oberstein wird, bleibt abzuwarten, womöglich ein Handelsplatz für China-Ware. Die Ersatzgeld-Ausgaben der Firma H. A. Becker sind mit den Wertstufen zu 500, 1000, 2000, 5000, 10.000 und 20.000 Reis bei Idar-Oberstein im Katalog "Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914 – 1948, Band II" von Thomas van Eck unter Nummer 1592 katalogisiert. Zum Vergleich: In den 1920er Jahren lauteten die offiziellen brasilianischen Geldscheine inflationsbedingt auf 1 bis 1000 Mil Reis = 1.000 bis 1.000.000 Reis. Gerd Bayer/Neubearbeitung: Hans-Ludwig Grabowski

  • Aus dem Archiv: Olaf Gulbransson – Ein großer Karikaturist als Notgeldkünstler

    Bei der Suche nach den Künstlern, die sich mit der Erschaffung jener Flut von deutschen Verkehrsausgaben und Serienscheinen beschäftigt haben, begegnen dem Forscher durchaus nicht nur zweitrangige Personen, auch eine respektable Auswahl bedeutender Zeitgenossen war daran beteiligt. Entweder reizte sie das Thema „Kleinkunst“ oder es trat auch für sie die Situa­tion ein, alles annehmen zu müssen, da, wie ein anderer Grafiker es in jener Zeit ausdrückte, „… mein Atelier an Kohlen arm, die Börse sehr leicht, der Hunger recht groß war.“ Nun, für viele Künstler mag diese Aus­sage Gültigkeit gehabt haben, für Olaf Gulbransson sicher nicht, denn er war zu jener Zeit recht angesehen und hatte eigentlich Aufträge genug, um angemessen leben zu können. Olaf Gulbransson: Selbstporträt Olaf Gulbransson ist am 26. Mai 1873 in der Nähe von Oslo geboren worden. Seine Ausbildung erfuhr er in Norwegen, wo ihn der Münchener Verleger Albert Langen, der Verwandtschaft in Norwegen besaß, entdeckte und zu sich nach Deutschland einlud. Zunächst vermittelte er ihn zu Sprachstudien nach Berlin, doch im Jahre 1902 holte er ihn nach München und machte ihn zu seinem Mitarbeiter an der „Illustrierten Wochenschrift Simplicissimus“. Er wurde einer der fleißigsten und genialsten Zeichner dieser zeitkritischen satirischen Zeitschrift. Seine Biografen bescheinigen ihm den „Holbeinschen Wurf, die Fähigkeit, in der äußeren ka­ri­ka­tu­ris­ti­schen Verzerrung innere Schönheit auszudrücken und so selbst die Karikierten zu versöhnen. In seinen Porträts aus sparsamen, dünnen Linien habe er das Verzerrte, Verwischte oder Vermischte der Physiognomien bereinigt und innere Form und Verfassung wiederhergestellt“. Bildunterschrift: „Der Hieroglyphenschrift fehlt meines Erachtens der wesentlichste Anreiz für den Philologen: Sie kennt keine orthographischen Fehler“ Bildunterschrift: „Wenn der Kaiser auf seiner Nordlandreise träumend auf den Fjord blicken wird, werden sich seinen Augen Wikingerschiffe, bemannt mit reisigen Helden, zeigen. Eine sächsische Reisegesellschaft hat diese sinnige Huldigung erdacht.“ Im Jahre 1916 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1924 Ehrenmitglied und Professor der Münchener Akademie; seit 1929 war er ordentlicher Professor für Zeichnen und Malen in München. Am 18. September 1958 ist er in Tegernsee verstorben. Dort befindet sich ein Olaf-Gulbransson-Museum, das an seinem fünften Todestag durch den „Stifterverein für das Olaf-Gulbransson-Museum“ unter der Schirmherrschaft von Theodor Heuß und Ludwig Erhard initiiert worden ist. Die kleine thüringische Stadt Kahla ist bekannt, ja schon berüchtigt wegen der von ihr ausgegebenen Notgeldflut. Notgeld, das keines mehr war, sondern nur noch ein Spekulationsobjekt zur Auffüllung der städtischen Kassen. Arnold Keller äußerte sich schon im Jahre 1922 sehr missliebig über die Machenschaften der Stadtverwaltung: Kahla (5.-Alt.) Stadt Dieses Städtchen, dessen Notgelddezernent sich zwar von besonderer Sachkenntnis besessen glaubt, aber durch Häufung von Spekulationsausgaben (u.a. Schachgeld! Sportgeld!) das Gegenteil beweist, lässt nunmehr fast gleichzeitig drei neue Ausgaben auf die Sammlerwelt los und bemüht sich damit redlich, das Notgeldwesen zu verwässern und den Sammlern die Freude daran zu verderben. Auch wenn die neuen Reihen von Meisterhand entworfen sind, ist das Vorgehen der Stadt darum nicht milder zu beurteilen. Man lässt es sich noch gefallen, wenn jedes Vierteljahr eine neue Ausgabe erscheint, aber jede Woche eine (zu 12 Werten), das ist doch schon grober Unfug. Wir haben die thüringische Regierung auf das Treiben der Stadt Kahla aufmerksam gemacht und ersucht, ihr jede Neuausgabe zu verbieten. – Angekündigt werden: eine statistische Serie zu 12 Scheinen und Daten über die Verkleinerung Deutschlands durch den Versailler Frieden, Reichsausgaben 1920, Ausfuhr 1921, Notenumlauf, Reichseisenbahnen, fremde Banknoten, Preissteigerung, Oberschlesien, Lebensmittelpreise, Kindersterblichkeit, Indexziffern usw. Ferner eine Weihnachtsserie (6 Werte entworfen von F. P. Glass, dem bayerischen Briefmarkenkünstler) und ­eine Sylvesterserie mit Glossen auf die Zeit, von Olaf Gulbransson. Hoffentlich die wirkliche Sylvesterserie! („Das Notgeld“, 4. Jahrg.,1922, S. 7). Vorderseite der Notgeldscheine der Sylvesterserie der Stadt Kahla Lassen wir die genaue Beschreibung und Ausdeutung dieser von Olaf Gulbransson geschaffenen so genannten Sylvesterserie folgen: Alle sechs Scheine zeigen auf der Vorderseite neben der Wertangabe 75 Pfennig, den Unterschriften des Bürgermeisters Dr. jur. Mehlhorn und des Stadtrats A. Hofmann sowie der Laufzeit 1. Dez. 1921 bis 31. Dez. 1921 den dicken Stamm eines Baumes, von dem eine Flut von Notgeld(?)-Scheinen herabfällt. Die sechs Rückseiten hingegen sind verschieden und zeigen zeitkritische Motive, wobei Bild 1 und 2, Bild 3 und 4 jeweils ein zusammengehöriges Thema präsentieren, während die beiden weiteren Scheine jeder für sich ein eigenes Motiv haben. 1. Ein wilder Haufen von acht Männern, die jeder gegen jeden mit irgendwelchen Waffen (Degen, Mistforke, Regenschirm, Fleischklopfer) aufeinander losgehen. Darunter Schrift: EINIGKEIT MACHT STARK. 2. Dieselben Männer stehen völlig einig dichtgedrängt und halten alle je einen Bierkrug in die Höhe. Darunter Schrift: STARKBIER MACHT EINIGKEIT. Auf Grund der Kleidung und der Attribute kann man die Männer, wie Albert von Borsig schreibt, identifizieren als „Bu­schoa“ (= Bourgeois), Genosse, Militarist, Monarchist, Kathedersozialist, Terrorist und Bayerischer „Bua“ (= Bursche). Alle sind sich einig bei einer entsprechenden Menge Starkbier. 3. Der deutsche Merkur (Personifikation für „Handel“) steht, an einen Baumstumpf gefesselt, auf der rechten Seite des Bildes. Er wird von einem auf der linken Seite stehenden sehr fetten Franzosen mit dem Bogen beschossen, mehrere Pfeile stecken schon in seiner Brust. Zwischen beiden steht ein Kontor-Stehpult, dem deutschen Merkur zugewandt. Dieser zieht mit der rechten Hand einen Pfeil aus seiner Brust, während seine linke einen Telefonhörer an sein linkes Ohr hält. Darunter Schrift: DER DEUTSCHE MERKUR. 4. Die gleiche Anordnung, doch: Der Franzose hat aufgehört zu schießen, wischt sich mit einem Tuch die Schweißtropfen aus dem Gesicht. Der deutsche Merkur schreibt mit dem aus seiner Brust gezogenen Pfeil auf dem Stehpult, der Telefonhörer befindet sich weiterhin am Ohr. Darunter Schrift: DER DEUTSCHE MERKUR. Der deutsche Merkur geht trotz starken Beschusses durch den Franzosen weiterhin seinen Geschäften nach, schreibt Aufträge und telefoniert mit Handelspartnern. 5. Der deutsche Michel in Zipfelmütze, Holzpantinen und verlotterter Kluft fegt Unrat zusammen, dabei ein Gesangbuch und eine Reihe Zettel mit den Aufschriften: LIEBE DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST, SEID EINIG EINIG EINIG, TUE RECHT UND SCHEUE NIEMAND, EHRLICH WÄHRT AM LÄNGS­TEN, DU SOLLST NICHT STEHLEN, ÜB IMMER TREU UND REDLICHKEIT, DU SOLLST NICHT EHEBRECHEN, DU SOLLST NICHT TÖTEN. Die Aussage ist klar: Alle Werte werden über Bord geworfen. 6. Eine Litfaßsäule inmitten von Paris (der Eiffelturm ist zu erkennen), vor dieser steht der deutsche Michel als Skelett, doch mit Zipfelmütze und schlottriger Hose bekleidet. In der linken Hand hält er einen Eimer mit Kleister, die rechte drückt ein gerade angeklebtes Plakat fest, auf den die Worte MENE TEKEL UFARSIN zu lesen sind. Unten Schrift: SYLVESTERNACHT 1921–1922 DEUTSCHER SPUK IN ­PARIS. Auch diese Aussage ist leicht zu verstehen: Hüte dich, Franzose, vor den Deutschen, auch wenn sie z.Zt. nur Gerippe ihrer selbst sind! Alles sind Themen, die die deutsche Bevölkerung der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bewegten: Das Verhältnis zum Erbfeind Frankreich, der Deutschland trotz schärfster Bedrängung nicht unterkriegen wird, der allgemeine Werteverfall, die Orien­tierungslosigkeit nach dem Zusammenbruch des glorreichen Kaiserreichs. Ein Norweger beurteilt treffend die deutsche Situation der zwanziger Jahre. Manfred Mehl Der Geldscheinsammler, Heft 4/2001

  • Notgeldscheine von Alfred Kusche werden am 30. September 2023 bei Gut Lynt versteigert!

    Im Newsletter 23/2023 vom 15. Juni 2023 (nachzulesen hier) und im September-Heft von "Münzen & Sammeln“ stellten wir mit Professor Alfred Kusche den Gestalter der badischen Notgeldscheine von Gaggenau, Gernsbach, Forbach, Karlsruhe, St. Georgen und Weinheim sowie für Walldorf-Astoria vor. Er hatte vor 100 Jahren insbesondere auf sich aufmerksam gemacht, nachdem er bei einem 10.000-Mark-Schein für Karlsruhe auf dem Bottich eines Rheingold-Wäschers „LMA2" draufgemogelt hatte. Dies, nachdem er sich darüber geärgert hatte, dass er für sein Honorar sicher nichts mehr kaufen kann, wenn er es endlich erhält. Aber auch sonst hatte er den Schalk im Nacken. Dem Autor des Artikels und Notgeld-Sammler Michael Wessel hatte er 1980 viele Druckproben, darunter ein Vorläufer für den Karlsruher 50-Pfennig-Schein vom 22. April 1920 und den nicht ausgegebenen Weinheimer Schein über 50 Pfennig mit Datum 13. Juli 1921 vermacht. Die BADEN-Notgeldsammlung von Michael Wessel mit diesen und anderen Raritäten wurde in die Auktion vom Gut Lynt eingeliefert. Siehe: https://auktionen.gut-lynt.de. Hier kann man die Scheine in der kommenden Auktion am 30. September 2023 ersteigern. Michael Wessel

  • Deutscher – wer bist du?

    Christian Wolter Neumann Deutscher – wer bist du? Eine biographische Begegnung mit Pflicht, Flucht und Vertreibung 284 Seiten, schwarzweiß bebildert, Format 12 cm x 19 cm, Broschur, Ahrensburg, 2023. Preis: 17,90 Euro. ISBN: 978-3-34790-026-4. Der Autor, 1985 in Sachsen-Anhalt geboren, nach einem Aufenthalt in den USA seit nunmehr 15 Jahren in der Schweiz ansässig und erfolgreich als internationaler Geschäftsmann tätig, interessierte sich schon immer für Geschichte. Als Junge aus dem "Osten" hatte er es als Kind im "Westen" nicht immer leicht. Seine persönliche Reise in die Vergangenheit beginnt mit der Beerdigung seiner Großmutter, da war er Anfang dreißig. Eine Trauerrede, die auf das Schicksal der Menschen während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg einging und eine kleine Visitenkarte seines Urgroßvaters, weckten sein Interesse, doch die Tragweite des Begriffs Kriegsurenkel musste er erst noch erkennen. Über seinen Ur-ur-Opa Franz, der während des Ersten Weltkriegs bei einer Eliteeinheit der kaiserlichen Armee, dem Gardes du Corps, diente, nähert sich der Autor Stück für Stück der eigenen Familiengeschichte. Seine familiären Wurzeln waren in Pommern, das ihm lange kein Begriff war, weil die Kriegsgenerationen nicht über ihr Schicksal gesprochen haben. Auf seiner intensiven Reise stellt er sich immer wieder die Frage "Deutscher, wer bist du?" und stößt dabei auf Antworten, die einen neuen Horizont öffnen und weit über die Geschichte seiner Familie hinausgehen. Durch Erkenntnisse seiner imaginäre Reise machen Vergangenheit und Gegenwart mehr Sinn. Für ihn hält die Reise in die Vergangenheit den Schlüssel für die Zukunft bereit und half bei der Bewältigung eines vererbten Traumas einer ganzen Nation, die auch mit dem Verlust von Heimat zu tun hat. 2023 hat mittlerweile fast jeder Dritte Deutsche Heimatvertriebene unter seinen Vorfahren. Der Autor kombiniert Erzählung mit Briefen, Zitaten und historischen Fotos. Gut so! "Hingedeutet", falsch erklärt sowie schulmeisterlich politisch angepasst vermittelt wurde und wird Geschichte schon viel zu lange. Nicht umsonst spielen heute in der Geschichtsforschung die Erinnerungen von Zeitzeugen eine immer bedeutendere Rolle, um Geschichte auch wirklich verstehen zu können und daraus für die Zukunft zu lernen. Das berührende Buch wird jedem empfohlen, der sich für die deutsche Geschichte interessiert und sich auch schon die Frage gestellt hat, die der Autor als Titel wählte: "Deutscher, wer bist du?". Sie wollen mehr zum Buch erfahren? Auf den folgenden Seiten finden Sie weitere Informationen. https://www.amazon.de/Deutscher-biographische-Vertreibung-Geschichte-kollektive/dp/334790026X https://www.facebook.com/Dwbd2023 https://www.instagram.com/dwbd_2023/ Das Buch ist über Ihre Buchhandlung vor Ort und den Internet-Buchhandel erhältlich. Hans-Ludwig Grabowski

  • Geldscheine-Online wird immer beliebter!

    Seit dem offiziellen Start von "Geldscheine-Online" im Juli 2018 wurde viel Wissen und Fleiß von den Autoren und der Redaktion in unseren Blog investiert. Viele Leserbriefe wurden beantwortet, womit eine enge Bindung zwischen Sammlern und Interessierten zu unserem Online-Magazin aufgebaut wurde. Die regelmäßigen kostenlosen Newsletter erreichen nicht nur Sammler, sondern auch Abonnenten, die nicht aus dem Bereich Numismatik kommen. Immer wieder melden sich Leser, die sich für Geld- und Zeitgeschichte im Allgemeinen interessieren und das erreichte hohe Niveau der bei uns veröffentlichten Beiträge loben. Selbstverständlich fördert der Geldschein-Blog damit ganz nachhaltig das Interesse an der Notaphilie, was dem Hobby an sich und auch dem Fachhandel nutzt. Das alles ist Grund genug, um stolz auf das Erreichte zu sein. Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass "Geldscheine-Online" eine schon seit geraumer Zeit anvisierte Marke geknackt hat, die für sich spricht. Wir bekommen regelmäßig Auswertungen, so auch über die Zahl der Nutzer und die Anzahl der gelesenen Beiträge. Erstmals wurden mit Stand von heute im Zeitraum von nur 30 zurückliegenden Tagen deutlich mehr als 10.000 Beiträge auf "Geldscheine-Online" gelesen. Erfreulich ist auch, dass uns zahlreiche Leser über Suchmaschinen finden und viele mehr als nur einen Beitrag pro Sitzung lesen. Wir möchten "Geldscheine-Online" auf diesem hohen Niveau fortführen und weiterentwickeln. Hierzu sind engagierte Autoren unentbehrlich. Mein herzlichster Dank an dieser Stelle an alle Autoren für die großartige Zusammenarbeit. Für die Zukunft sind Ideen gefragt, die nicht nur im sprichwörtlichen "stillen Kämmerlein" entwickelt werden sollen, sondern auch unsere Autoren und Leser mit einbinden. Wenn Sie eigene Ideen haben und einen Beitrag leisten möchten, dann freuen wir uns über eine Mail von Ihnen an info@geldscheine-online.com. Hans-Ludwig Grabowski

  • Teutoburger Münzauktion: Ergebnisse der Banknoten-Auktion am 15. September 2023

    Am Freitag, den 15. September 2023, fand mit der Auktion 160 eine neue Spezialauktion zum Thema Papiergeld mit über 600 Losen der Teutoburger Münzauktion statt. Hier geht es zu den Ergebnissen und zum Nachverkauf! Nachstehend möchten wir einige Ergebnisse aus der Auktion zeigen. Los 4114: Vietnam, 3x 20 Dông 1951. Olive, fortlaufende KN. 38154326 - 38154328. I- bis II+, Ausruf: 200 Euro, Zuschlag: 550 Euro. Los 4130: Deutschland, 100 Mark 10.4.1896. Serie B. III, sehr selten, Ausruf: 300 Euro, Zuschlag: 440 Euro. Los 4149: Ukraine, 2 und 5 Karbowanez 10.3.1942. Junge mit Pelzmütze, Serie 6 und Mädchen mit Kopftuch Serie 31. II- bis III+ und I, Ausruf: 1.500 Euro, Zuschlag: 2.400 Euro. Los 4154: 25 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Marienkirche und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. III bis III-, äußerst selten, Ausruf: 2.500 Euro, Zuschlag: 3.100 Euro. Los 4356: Schutz -u. Trutzbund, Rheinischer Gautag (Naziorganisation), 7x 25 Pfg., 50 Pfg. und 2x 2 Mark 1922. 25 Pfg. bis auf Bild 5 „Mann mit Keule“ komplett, 50 Pfg. Bild 3 „und“, 2 Mark Bild 3 und 4 „der große Kurfürst“ und „Fürst Bismarck“. meist I-, 2x III, Ausruf: 350 Euro, Zuschlag: 420 Euro. Los 4625: Nachlass, 3 Kartons mit bestimmt tausenden Geldscheinen und allerlei. Dabei Alliierte Militärbehörde, Stoffgeld, viele Reichsbanknoten, Bank deutscher Länder, diverse Notgeldscheine bis zur Billion, Unterlagen, Bankschecks, ausländische Geldscheine u.a. China, Frankreich, Japan, Russland, Salomon Island etc. Ein wirklich spannender Posten der besichtigt werden sollte. unterschiedlich erhalten, Ausruf: 2.000 Euro, Zuschlag: 5.000 Euro. Los 4626: Über 1900 Banknoten aus aller Welt. Darunter Algerien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Indien, Italien, Österreich, Russland, Spanien etc. Besichtigen, sicherlich Fundgrube. unterschiedlich erhalten, Ausruf: 750 Euro, Zuschlag: 2.900 Euro. Los 4627: Alle Welt, schöne Blechkiste mit über 4000 Scheinen. Ein wildes durcheinander, das besichtigt werden sollte. Möglicherweise Fundgrube. unterschiedlich erhalten, Ausruf: 350 Euro, Zuschlag: 1.750 Euro. Hier geht es direkt zum Nachverkauf der Auktion 160 (Banknoten): https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/suche/9458/seite/1/?lot_range=4001-4641&items=18&sale_type=AFTER_AUCTION_SALE Teutoburger Münzauktion www.teutoburger-muenzauktion.de

  • „Bony a Klid“ – Die Kupons der tschechoslowakischen Tuzex 1957–1992

    Wer mit älteren Bürgerinnen und Bürgern in der Tschechischen Republik oder der Slowakei ins Gespräch über die Geschichte des Landes kommt und dabei den Begriff „Tuzex“ erwähnt, erntet regelmäßig ein Lächeln: „Ah, Tuzex …“. Und dann werden oftmals Erinnerungen erzählt, die denjenigen von Bürgern der DDR ähneln, die noch im Intershop einkaufen konnten. Tuzex – das waren die Devisenläden in der Tschechoslowakei, ein Fenster zur (westlichen) Konsumwelt, vergleichbar mit dem Intershop der DDR, und doch ein anderes System. Das 1957 gegründete staatliche tschechoslowakische Außenhandelsunternehmen Tuzex (abgekürzt von tuzemský export, übersetzt „Inlandsausfuhren“) war Nachfolgeunternehmen des Anfang der 1950er-Jahre gegründeten ebenfalls staatlichen Unternehmens Darex. Ziel von Tuzex (wie von Darex) war es, durch ein nur gegen Devisen erhältliches Angebot zunächst an hochwertigen Konsumgütern, insbesondere Lebensmitteln und Alkoholika, Fremdwährungen von ausländischen Besuchern als auch aus dem Besitz von tschechoslowakischen Bürgern abzuschöpfen. Zwar durften Bürger der Tschechoslowakei offiziell keine Devisen besitzen und mussten etwaige Bestände innerhalb kurzer Fristen zum offiziellen Umtauschkurs an die tschechoslowakische Nationalbank verkaufen, doch konnte der Staat den Besitz von Devisen seiner Bürger de fakto nicht kontrollieren und wollte deswegen Anreize schaffen, etwaige Bestände an sich zu ziehen. Durch Reisen ins Ausland und Zuwendungen von im Ausland lebenden Familienangehörigen, sowie durch ausländische Besucher kamen seit den 1960er-Jahren verstärkt Devisen ins Land. Tuzex-Geschäft in Prag, 1980er Jahre (im Web verfügbar). Die Tuzex gab ab 1957 auf tschechoslowakische Kronen lautende Gutscheine (bezeichnet als odberni poukaz) aus, mit denen in den Geschäften von Tuzex in der ČSSR bezahlt werden konnte. Diese „bony“ genannten Gutscheine sind heute ein beliebtes Sammelgebiet in den Nachfolgestaaten der Tschechoslowakei. Seltene Stücke, insbesondere höhere Nennwerte älterer Ausgaben, erreichen auf Auktionen in der Tschechischen Republik und der Slowakei Preise von deutlich über 1000 Euro. Es gibt Tuzex-Gutscheine in den Nennwerten von 50 Haleru (0,50 Kronen) bis 500 Kronen in diversen Ausgaben. Sie waren nur im Umtausch gegen konvertierbare Devisen in den Filialen der staatlichen Zivnostenska Banka (Handelsbank) erhältlich. Zunächst nur in der ČSSR selbst, wurden Gutscheine später auch in den ausländischen Niederlassungen der Zivnostenska Banka in London und Wien, oder von im westlichen Ausland ansässigen Handelsgesellschaften mit Handelsbeziehungen zur ČCSR verkauft, etwa der Palatinus GmbH in Zürich, die auch den Genex-Geschenkedienst für die DDR betrieb, oder der Firma Bezenek in Wien. Sie konnten ohne Beschränkungen in die Tschechoslowakei eingeführt werden. Gutschein über 1 Krone Serie 2 Ausgabe 1967/XI – Format 8,5 x 5 cm, Offsetdruck ohne Wasserzeichen. Druckerei STC (Staatliche Wertpapierdruckerei, Prag). Die Gültigkeit der Gutscheine war zeitlich beschränkt. Auf jedem Schein wurde oben links das Ausgabedatum, ab Mitte der 1960er-Jahre der Ausgabemonat eingedruckt bzw. eingestempelt. Gedruckt wurden die Scheine bei der Staatlichen Wertpapierdruckerei Statni Tiskarna Cenin (STC) in Prag. Gutscheine zu 10 – 500 Kronen der 6. Serie 1988–1992 wurden zudem auch bei der VEB Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig hergestellt. Letztere sind erkennbar an einem abweichenden Zifferntyp der Nummerierung sowie an den der Kontrollnummer vorangestellten Buchstaben TU. Gutschein über 10 Kronen Serie 5 Ausgabemonat X. (Oktober) 1986 – Format 12 x 7 cm, Offsetdruck, Wasserzeichen Blättermuster. Druckerei STC (Staatliche Wertpapierdruckerei, Prag). Gutschein über 0,50 Kronen Serie 65 Ausgabe 1/1989 – Format 8,5 x 5 cm, Offsetdruck, Wasserzeichen Blättermuster. Druckerei STC (Staatliche Wertpapierdruckerei, Prag. Für tschechoslowakische Bürger war es zudem möglich, bei der Zivnostenska Banka ein Konto zu eröffnen, auf die im Ausland lebende Personen Zahlungen in Devisen überweisen, die dann in der ČSSR in Tuzex-Gutscheinen abgehoben werden konnten. Das System der Tuzex-Gutscheine ist damit vergleichbar den – allerdings auf US-Dollar – lautenden Gutscheinen der polnischen Bank Polska Kasa Opieki (Bank Pekao), die zum Einkauf in den sogenannten Pewex-Geschäften in Polen verwendet werden konnten. Es unterscheidet sich insoweit von den Gutscheinen der Forum Handelsgesellschaft zum Einkauf in den Intershop-Läden der DDR, als dass Bürger der DDR keine Möglichkeiten zur Führung von Konten für Forum-Gutscheine hatten. In den Geschäften von Tuzex, die es Ende der 1980 in praktisch jeder Stadt in der Tschechoslowakei gab, waren einerseits Importwaren aus westlichen Ländern erhältlich (insbesondere Jeans und Unterhaltungselektronik waren beliebt), andererseits hochwertige Produkte aus heimischer Produktion – von Schokolade über „weiße Ware“ bis hin zu Autos der einheimischen Marke Škoda. Im Gegensatz zu den teilweise jahrelangen Wartezeiten im staatlichen Handel für die Zuteilung hochwertiger Konsumgüter wie etwa Autos waren entsprechende Waren hier sofort verfügbar. Nicht "Bonnie und Clyde", aber "Bony a Klid"! Filmplakat aus dem Jahr 1988. Die Tuzex-Gutscheine bildeten effektiv eine Parallelwährung zur umlaufenden tschechoslowakischen Krone (Kčs). Sie wurden auch auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Der unterhaltsame tschechoslowakische Spielfilm „Bony a klid“ („Bons und Ruhe“, deutscher Titel: Der Boss kennt auch den Staatsanwalt) von 1988, Regie Vit Olmer, gibt einen Einblick in die Praktiken des Schwarzhandels mit diesen Gutscheinen und der Tätigkeit der „veksláci“ (Wechsler). Diese tauschten insbesondere bei Touristen westliche Währungen gegen tschechoslowakische Kronen zum Schwarzmarktkurs um. Mitte der 1980er-Jahre erhielt man für 100 DM in Prag ca. 1000 Kčs zum Schwarzmarktkurs (zum offiziellen Wechselkurs waren es 400 Kčs), wechselten diese dann bei der Zivnostenska Banka gegen Tuzex-Gutscheine, die sie vor den Tuzex-Geschäften zu Kursen von 1:4 bis 1:5 gegen tschechoslowakische Kronen anboten. Die so erhaltenen tschechoslowakischen Kronen fanden dann wieder im Umtausch gegen Devisen zum Schwarzmarktkurs ihren Weg in die Taschen von Touristen – ein Kreislauf, der zwar illegal war, aber ordentliche Gewinne abwarf. Die Ausgabe von Tuzex-Gutscheinen wurde im Juni 1992 eingestellt und die Tuzex-Geschäfte Ende 1992 geschlossen. Das Unternehmen selbst ging 1998 in die Liquidation. Hinsichtlich der Ausgaben von Tuzex-Gutscheinen unterscheidet man grundsätzlich sechs Serien, wobei die Ausgabedaten von Scheinen der Vorläuferserie sich mit denen der Folgeserien teilweise um einige Monaten überlappen, vermutlich da bei den Bankfilialen Restbestände der Vorgängerscheine aufgebraucht und parallel mit Gutscheinen der neuen Serie ausgegeben wurden. Es gab also keinen Austausch der einzelnen Serien. Die Serie 1 (Ausgabe 1957–1960) gibt es in den Nennwerten 0,50, 1, 5, 10, 20, 50, 71,50 (!) und 100 Kronen in drei Varianten, die sich im Text unterscheiden. Die einseitig auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckten Scheine sind heute sehr selten. Mit der Serie 2 (Ausgabe 1960–1969) erhielten die Scheine das bis 1987 gültige Design. Alle Nennwerte der Serie 2 (0,50, 1, 5, 10, 20, 50 und 100 Kronen) haben eine Gültigkeitsdauer von sechs Monaten ab Ausgabedatum. Als Emittent ist auf den Scheinen die Tuzex Podnik Zahranicniho obchodu (Tuzex Außenhandelsunternehmen) in Prag genannt. Ab der Ausgabe 1966 fällt für die beiden Nennwerte zu 0,50 Kronen und 1 Krone die Beschränkung der Gültigkeitsdauer weg. Scheine mit einem „Z“ (für zahraničí – Ausland) auf der Vorderseite wurden im Ausland verkauft. Die Serie 3 (Ausgabe 1969–1973) nennt als Emittent nunmehr die Tuzex Aktiengesellschaft (Akciova Spolecnost); die Aktien befanden sich im Staatsbesitz. Die Nennwerte sind unverändert 0,50, 1, 5, 10, 20, 50 und 100 Kronen. Auch bei dem Gutschein zu 5 Kronen ist jetzt keine Beschränkung der Gültigkeitsdauer mehr vorgesehen. Die Gutscheine der 4. Serie (Ausgabe 1973–1980) geben als Emittent wieder die Tuzex Podnik Zahranicniho obchodu (Tuzex Außenhandelsunternehmen) in Prag an. Die Nennwerte bleiben unverändert, ab ca. Mitte der 1970er-Jahre kommt der Nennwert von 500 Kronen hinzu. Bei den Scheinen der 5. Serie (Ausgabe 1980–1988, Nennwerte 0,50 – 500 Kronen) beträgt das Gültigkeitsdatum der Nennwerte ab 10 Kronen nunmehr 1 Jahr ab Ausgabemonat. Mit Ausgabe der 6. und letzten Serie 1989–1992 (Nennwerte wieder 0,50 Kronen – 500 Kronen) ändert sich das Design. Die Scheine haben jetzt einen farbigen Rand, abgebildet auf der Vorderseite wird auch das Logo der Tuzex – ein stilisierter Globus. Insbesondere bei der 2. bis 4. Serie gibt es Varianten (es gibt Ausgaben mit und ohne Wasserzeichen sowie Gutscheine mit einseitig perforiertem Rand, die aus Gutscheinheften stammen), auf die hier einzugehen den Rahmen sprengen würde. Die Gutscheine der Tuzex sind im Standard Catalogue of World Paper Money Specialized Issues (12. Auflage 2013) unter den Nummern FX1–FX 78 erfasst. Allerdings ist diese Katalogisierung teilweise fehlerhaft. Es gibt über das Sammelgebiet der Tuzex-Gutscheine seit einigen Jahren einen Spezialkatalog von Michál Pelikan, Darexové a tuzexové poukazy z pohledu sberatele, 157 Seiten, 2. Auflage Bratislava 2022. Dr. Sven Gerhard

  • Isle of Man: Umfrage zur Gestaltung neuer Münzen und Banknoten

    Nachdem die Europäische Zentralbank von 10. Juli bis 31. August 2023 eine Online-Umfrage auf Basis von zuvor von Experten erstellten sieben Themenvorschlägen zur Neugestaltung der Eurobanknoten durchgeführt hat, (ich hoffe, dass daran auch viele Leser teilgenommen haben), führt nun auch die Regierung der Isle of Man eine ähnliche Umfrage durch, die vom 11. September 2023 bis zum 23. Oktober 2023 läuft. Es geht darum, ob die Münzen und Banknoten der Insel grundsätzlich überarbeitet werden sollen (Neudesign), nur teilweise oder gar nicht. Bei den Münzen wird z. B. gefragt, ob die Isle of Man eine 12-eckige 1-Pfund Münze einführen soll. Die Umfrage steht offenbar allen Interessierten offen (ich habe jedenfalls daran teilgenommen). Hier die Links: https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2023/html/ecb.pr230710~77cf718c59.de.html Qualitative Studie zu neuen Themen für Euro-Banknoten – Zusammenfassung https://consult.gov.im/treasury/isle-of-man-currency-design/ Ralf Faust

www.geldscheine-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page