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- Comprehensive Catalog of Military Payment Certificates
Fred Schwan / Larry Smulczenski: Comprehensive Catalog of Military Payment Certificates 5. Auflage 2023, ca. 200 Seiten Hardcover, durchgehend farbig, in englischer Sprache. BNR Press, Port Clinton (OH) Fred Schwan und Larry Smulczenski haben die 5. Auflage ihres Standardwerks „Comprehensive Catalog of Military Payment Certificates“ (Umfassender Katalog der (US-)Militärzahlungsmittel) herausgebracht – ein beeindruckendes Buch und in jedem Fall ein „Must-have“ für den Sammler dieser Scheine. Zwischen 1946 und 1973 kursierten für den Zahlungsverkehr innerhalb der im Ausland stationierten US-Streitkräfte eigene Zahlungsmittel, die sogenannten Military Payment Certificates (abgekürzt MPC). Es gab sie in Wertstufen von 5, 10, 25 und 50 US-Cents sowie 1,5 und 10, bei späteren Ausgaben auch zu 20 Dollars. Ausgegeben wurden in diesem Zeitraum insgesamt 13 Serien, so dass eine komplette Typensammlung aller MPC 90 Scheine umfasst. Grund der Ausgabe von MPC waren erhebliche Defizite in der Bilanz der US-Streitkräfte, die dadurch entstanden waren, dass US-amerikanische Besatzungssoldaten in Europa und Asien nach Kriegsende ihren Sold zunächst in Landeswährung erhielten (in Deutschland etwa in Alliierten Militärmarknoten), jedoch unbeschränkt Beträge zum offiziellen Militärwechselkurs in US-Dollars umtauschen und in die Heimat transferieren durften. Das führte zu erheblichen Schwarzmarktgeschäften amerikanischer Soldaten insbesondere in Deutschland und Österreich. Diesen Schwarzhandel und insbesondere die aus dem Umtausch schwarz erworbener Landeswährung in US-Dollars zu offiziellen Kursen resultierenden finanziellen Verluste im US-Staatshaushalt wollte man durch die Ausgabe von MPC beenden. Um zudem den Schwarzhandel mit MPC selbst und die Abgabe an Personen außerhalb der Streitkräfte möglichst zu unterbinden, wurden Scheine der laufenden Serie nach Ankündigung innerhalb nur eines Tages durch neue Scheine ersetzt, wobei nur US-Militärangehörige MPC der alten gegen solche der neuen Serie umtauschen konnten. Das Buch von Schwan/Smulczenski, beide Veteranen der US-Armee, ist das Ergebnis von mehr als 40 Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Thema, und geht über einen Katalog deutlich hinaus. Es enthält nicht nur Beschreibungen und Bewertungen aller Scheine, sondern auch ausführliche Dokumentationen zu Umlaufgebieten (nicht jede MPC-Serie lief überall um), Druckauflagen, Muster- und Reservenoten, Fälschungen und Verwendung von MPC durch andere Streitkräfte etwa während des Vietnamkriegs, angereichert mit vielen Materialien und Abbildungen, die die Verwendung der MPC anschaulich belegen. Das Buch ist durchgehend in englischer Sprache verfasst, die Texte sind dabei sehr anschaulich und gut verständlich geschrieben. Auch für den Deutschlandsammler ist das Buch interessant, da MPC der Serien 461 bis 521 von September 1946 bis Mai 1958 in Westdeutschland und Westberlin in Einrichtungen der US-Streitkräfte Verwendung fanden. Das Buch ist für USD 75 plus Porto (ca. USD 42) und ggf. zu entrichtender Einfuhrumsatzsteuer erhältlich bei fredschwan@yahoo.com. Einige wenige Exemplare sind auch bei sven.gerhard@gmx.de für EUR 75 plus EUR 6 Versandkosten (nur in Deutschland) verfügbar.
- MIF Paper Money Fair am 29. und 30. April
Am letzten Wochenende im April findet wieder die größte Papiergeldbörse der Welt im niederländischen Maastricht statt (Nachfolge der Paper Money Fair Valkenburg). Der Veranstalter, Dimitri Waltmans meldete bereits über 220 Händler aus aller Welt, die mit eigenem Stand auf der Börse im MECC (Maastricht Event & Congress Center) und einem riesigen Angebot an Geldscheinen vor Ort sein werden. Zugelassen sind, anders als früheren Veranstaltungen in Valkenburg, aber auch Münzen, Medaillen und mehr. Für Besucher ist der Eintritt frei! Foto-Impressionen von der letzten MIF Paper Money Fair im Herbst 2022. Hallenplan für die kommende Veranstaltung in Maastricht. Update vom 27. April 2023: Leider werden wir krankheitsbedingt nicht auf der Messe vertreten sein. Der Battenberg Gietl Verlag ist mit einem eigenen Stand (W5/12-13) und seiner Fachliteratur in Maastricht vertreten, an dem Sie auch mich finden und mit mir ins Gespräch kommen können. Wir freuen uns, Sie auf der Börse in Maastricht zu treffen! Mehr Informationen zur MIF Paper Money Fair Hans-Ludwig Grabowski Redakteur "Der Geldscheinsammler" Redakteur Geldscheine-Online.com Fachautor zur Geld- und Zeitgeschichte
- Leserpost: Eine Million auf braunem Papier?
Eine meiner neu erworbenen Banknoten ist ein 1-Million-Mark-Schein vom 20.2.1923. Der Schein wurde mir als Ro. 85c angeboten (im neuen Katalog der DEU-97). Bei genauer Betrachtung und beim Vergleich mit einem DEU-96a ist mir aufgefallen, dass das Papier nicht wirklich brauner ist. Das Wasserzeichen ist das Wz. 39 (Reichsdruck-Wellen). In den alten "Rosenberg-Katalogen" ist bei 85c auch das Wz. 33 Wellen (Schlangenlinien) abgebildet. Welches Wasserzeichen ist Ihnen bei den DEU-97-Scheinen bekannt? Können Sie mir Ihre Meinung mitteilen, ob der Schein ein DEU-97 mit schwach gefärbtem Papier ist oder eher ein DEU-96 mit bisher nicht katalogisiertem Wasserzeichen? Vielen Dank für Ihre Bemühungen. Mit freundlichen Grüßen, M. Brand Reichsbanknote zu 1 Million Mark vom 20. Februar 1923 mit Wasserzeichen Wellen, Firmenzeichen PR, Vorderseite Antwort der Redaktion Es handelt sich ganz sicher um das Wasserzeichen 39 (Reichsdruck-Wellen). Eigentlich sollte es danach DEU-97 (Ro. 85c) sein und das Papier braun. Die Seltenheit und damit die Bewertung des Scheins resultiert aber nicht allein aus dem braunen Papier. Das Wasserzeichen macht den Schein zur Seltenheit, und das kommt bei dieser Ausgabe nur in Verbindung mit dem Firmenzeichen PR (J. s. Preuss, Berlin) vor. In früheren Katalogen (Rosenberg) war diese Variante nicht aufgeführt. Im "Picken/Rixen" wurde lediglich erwähnt, dass es auch Scheine mit Wellen geben soll. Dann folgte eine Auflistung mit LP (Liebhaberpreis). Holger Rosenberg hatte den Schein in der 9. Auflage drin und in der 10. Auflage wieder heraus genommen. Ab der 11. Auflage 1999 habe ich den "Rosenberg-Katalog" bearbeitet und die Variante mit den Reichsdruck-Wellen wieder ab der 12. Auflage 2001 unter 85c in den Katalog aufgenommen. DEU-97: 1 Million Mark vom 20. Februar 1923 auf braunem Papier mit Wasserzeichen Wellen, Vorderseite, Sammlung Josef Gerber. Die mir bekannten Belege mit dem Wz. Wellen hatten bräunliches Papier, weshalb der Schein bei mir mit der längst überfälligen Neukatalogisierung ab 2018 auch eine eigene Katalognummer bekommen hat (siehe auch Abb. in meinem Katalog und oben). Bei ihrem Schein handelt es sich ebenfalls um DEU-97, obwohl das Papier nicht oder nur schwach eingefärbt ist. Ich werde eine entsprechende Anmerkung im Katalog aufnehmen. Ich gratuliere zu dem seltenen Stück! Hans-Ludwig Grabowski
- Im Land der Skipetaren
Zum Geldwesen Albaniens während der italienischen und deutschen Herrschaft Wer las als Kind nicht „Durch das Land der Skipetaren“, in dem Karl May Kara Ben Nemsi seine Abenteuer bestehen lässt. Jahrhunderte lang lag das Land am Rande Europas in einem Dornrösschen-Schlaf. 500 Jahre bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war es Bestandteil des Osmanischen Reichs. Während sich im 19. Jahrhundert die Nachbarvölker vom türkischen Joch befreiten, blieb Albanien osmanische Provinz. 1912 rebellierten die Völker des Balkans gegen die Fremdherrschaft. Durch Rußland ermutigt, nutzten Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland die Gunst der Stunde. Im Verlauf des Ersten Balkankriegs mussten die Türken Mazedonien, Adrianopel und Saloniki räumen; serbische, griechische und montenegrinische Truppen besetzten neun Zehntel Albaniens. Über die Beute gerieten die ehemaligen Verbündeten in Streit. Als Folge des Zweiten Balkankriegs (1913) musste Bulgarien seine Erwerbungen an Griechenland, Serbien und die Türkei herausgeben. Albanien erklärten die Großmächte zu einem unabhängigen Fürstentum. Der deutsche Fürst Prinz Wilhelm von Wied [* 26.3.1876 Neuwied, † 18.4.1945 Predeal, Rumänien] wurde für kurze Zeit albanischer Souverän. Nach nur 200 Tagen verließ er am 3. September 1914 das Land. Noch vor ihrem Eintritt in den Ersten Weltkrieg, landeten am 28. Dezember 1914 bei Valona italienische Expeditionstruppen. Italien hatte sich von den späteren Verbündeten in einem geheimen Vertrag territoriale Zugeständnisse bzw. Rechte in Albanien zusichern lassen. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs besetzten die Mittelmächte den größten Teil Albaniens. Nach Kriegsende war Albaniens staatliche Selbständigkeit lange Zeit ungewiß, zu begehrlich waren die Blicke der Nachbarstaaten. Erst die Aufnahme in den Völkerbund am 17. Dezember 1920 sicherte den staatlichen Fortbestand Albaniens, dessen Grenzen aber erst eine Botschafterkonferenz am 9. November 1921 endgültig festlegte. Die inneren Verhältnisse blieben verworren. Seit den Tagen des Prinzen von Wied war es formal immer noch eine Monarchie. Die Nationalversammlung beschloß aber am 21. Januar 1925, Albanien in eine Republik umzuwandeln. Nur zehn Tage später wählte sie Amet Zogu [* 8.10.1885 Burgajet, Albanien, † 9.4.1961 Suresnes, Frankreich] zum Staatspräsidenten. Das Amt war praktisch mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet. Der neue Präsident, der zuvor durch das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca = SHS) unterstützt worden war, setzte auf die italienische Karte. Mit dem am 27. November 1926 unterzeichneten 1. Tiranapakt (Freundschafts- und Sicherheitsvertrag) und dem am 22. November 1927 unterzeichneten 2. Tiranapakt (Verteidigungsbündnis) begründete Italien ein Quasi-Protektorat über Albanien. Bereits am 15. März 1925 schlossen in Mailand der albanische Finanz- und Außenminister Mufid Bey Libonava und der Repräsentant einer italienischen Investorengruppe, Mario Alberti, einen Bank- und Anleihevertrag. In ihm sagten die Investoren der albanischen Regierung eine Anleihe in Höhe von 50 Millionen Goldfanken zu. Sie wurde von der italienischen „Società per lo sviluppo economico dell’Albania“ verwaltet. Das Gesetz Nr. 356 vom 12. Juli 1925 machte den Weg frei zur Errichtung der albanischen Notenbank (Banka Kombëtare e Shqipnis – Banca Nazionale d‘Albania), die am 2. September 1925 in Rom mit einem Kapital von 12,5 Millionen Franga-Ari (Goldfranken) gegründet wurde. Hauptaktionär war die „Creditio Italiano“. Die Geschäftspolitik der Bank erfolgte von Rom aus durch den Verwaltungsrat, während die Zentraldirektion in Durrës seinen Sitz nahm. Erst 1938 erfolgte die Verlegung nach Tirana. Durch die Beteiligung an der Nationalbank gewann Italien auch eine weitgehende Kontrolle über die albanischen Finanzen. Albanien verfügte bis zu diesem Zeitpunkt über kein eigenes Münz- oder Papiergeld, sieht man von wenigen regionalen Notgeldausgaben ab.[1] Im Umlauf waren die Münzen der Nachbarstaaten, die vor dem Ersten Weltkrieg entweder der Lateinischen Münzunion angehörten oder zumindest nach dessen Standard prägten. Von besonderer Bedeutung waren hier die italienischen Lire- und die französischen Francs-Goldmünzen. Es wundert daher nicht, dass man auch in Albanien den Goldfranken zur Grundlage der Währung machte: 100 Qindar Leku = 1 Lek 500 Qindar Leku = 1 Franga Ari (Goldfranken) 5 Leku = 1 Franga Ari 5 Qindar Leku = 1 Qindar Ari 100 Qindar Ari = 1 Franga Ari Bereits im Februar 1926 emittierte die neu gegründete Bank 20-Franga-Ari-Banknoten, im März folgte der Wert zu 5 Franga-Ari und im Juni zu 100 Franga-Ari.[2] Die zweisprachigen Geldscheine wurden bei „Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd.“ gedruckt. Die bei Richter e. C., Neapel, gedruckte Note zu 5 Lek = 1 Franga-Ari, bildete den Abschluss. Sie wurde nach nur zehn Tagen wieder eingezogen, da die Abbildung des römischen Adlers auf der Vorderseite dem albanischen Präsidenten missfiel. Alle Nominale tragen die Unterschrift des Bankpräsidenten Mario Alberti und von Amedeo Gambino. Von der 5-Franga-Ari-Note gibt es eine spätere zweite Auflage, die vom neuen Bankpräsidenten Giuseppe Bianchini unterzeichnet wurde. Abb. 1.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Lek = 1 Franka Ari, Vorder- und Rückseite[3], Größe: 93 x 50 mm, ohne Wasserzeichen. Abb. 2.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Franka Ari, Vorder- und Rückseite, Größe: 113 x 60 mm, Wasserzeichen. Abb. 3.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Franka Ari, 2. Auflage, Vorder- und Rückseite, Größe: 113 x 60 mm, Wasserzeichen. Abb. 4.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 20 Franka Ari, Vorder- und Rückseite, Größe 152 x 86 mm, Wasserzeichen: Skanderbeg. Abb. 5.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 100 Franka Ari, Specimen, Vorder- und Rückseite[4], Größe: 190 x 104 mm, Wasserzeichen: Skanderbeg. Ab 1926 gelangten in Rom (Münzzeichen „R“) geprägte Münzen zu 5 und 10 Qindar Leku (Bronze), ¼ Leku, ½, 1 Lek (Nickel) sowie 2 und 5 Franga Ari (Silber) in den Umlauf. Nach nur einem Monat zog man im Januar 1927 die 2 Franga-Münzen wieder ein, da sie ebenfalls den römischen Adler zeigten. Die 1 Franga-Silber-Münze mit dem Bug eines römischen Schiffes auf der Vorderseite gab die Bank erst gar nicht in den Verkehr. Wohl zu Repräsentationszwecken prägte man in geringer Auflage Goldmünzen zu 10, 20 und 100 Franga Ari mit dem Bildnis des Präsidenten Amet Zogu. Bleibt anzumerken, dass spätere Jahrgänge auch in London (Münzzeichen „L“) und Valons (Münzzeichen „V“) geprägt wurden. Abb. 6: Shqipni, 1926, 1/2 Lek. Abb. 7: Shqipni, 1927, 1 Fr. A. Abb. 8: Shqipni, 1926, 2 Fr. A. Abb. 9: Shqipni, 1926, 5 Fr. A. Am 1. September 1928 proklamierte die Nationalversammlung die Monarchie und Amet Zogu zum König der Albaner, entsprechend zeigen die Münzen aus den 1930er Jahren ab 1 Franga Ari sein Konterfei mit der entsprechenden Umschrift. Erstmals wurden 1935 auch Bronze-Münzen zu 1 und 2 Qindar Ari geprägt sowie Gedenkmünzen zum „XXV. Jahrestag der Unabhängigkeit“ (1937) und zum „X. Jahrestag Königreich“ (1938). Abb. 10: Shqipni, 1930, 1/2 Lek. Abb. 11: Shqipni, 1935, 2 Franga. Abb. 12: Shqipni, 1935, 1 Qindar Ar. Obwohl das Verteidigungsbündnis auf 20 Jahre geschlossen war, nutzte Italien Verhandlungen über eine Erneuerung des Vertrags, um die Vereinigung der beiden Staaten zu fordern. Da sich der albanische König weigerte, landeten am 4. April 1939 italienische Truppen in Durazzo, Valona und Santi Quaranta und besetzten das Land in wenigen Tagen. Am 12. April erklärte die Nationalversammlung den geflohenen König Zogu für abgesetzt. Zwei Tage später nahm der italienischen König Vittorio Emanuele III. den Titel eines Königs von Albanien an. Jacomoni, der bisherige Botschafter in Tirana, wurde am 18. April Statthalter (Luogotenente: Leutnant) des Königs in Albanien. Am gleichen Tag wurde im italienischen Außenministerium ein Staatssekretariat für albanische Angelegenheiten eingerichtet. Die einzige Partei im Land wurde die am 23. April 1939 gegründete „Partia Fashiste Shqiptare“ (Albanische Faschistische Partei). Am 3. Juni wurde die albanische Armee in die italienische eingegliedert und das albanische Außenministerium aufgelöst. Die außenpolitische Vertretung Albaniens erfolgte jetzt durch Italien. Schließlich trat am 4. Juni eine neue albanische Verfassung, „Grundstatut“ genannt, in Kraft. Nach ihren 54 Artikeln war Albanien eine konstitutionelle Monarchie, erblich im Hause Savoyen. Der bisherigen Staatsflagge wurde noch das Liktorenbündel hinzugefügt; Amtssprache blieb Albanisch. Die Exekutive ging vom König bzw. seinem Statthalter aus, der die Minister ernannte, die nur ihm verantwortlich waren. Die Legislative ging ebenfalls vom König aus, der dabei aber mit einem „Obersten Faschistischen Korporativrat“ zusammenarbeitete, der sich aus Mitgliedern des Zentralrats der Albanischen Faschistischen Partei und des Zentralrats der Korporativen Wirtschaft zusammensetzte. Die Mitglieder dieses „Parlaments“, wie es in Albanien weiterhin genannt wurde, wurden also bestimmt, und nicht gewählt. Die Einberufung des Korporativrats, die Bestimmung der Tagesordnung, die Ernennung des Präsidenten und des Vizepräsidenten war dem König vorbehalten. Dem König und der Faschistischen Partei kamen die Rolle eines Verfassungsorgans zu.[5] Nur drei Tage nach der Landung veranlasste die italienische Militärführung, dass bei allen bei der Nationalbank lagernden 100 Franga-Ari-Noten das Brustbild König Zogus durch einen schwarzen Stempel mit dem albanischen doppelköpfigen Adler unkenntlich zu machen sei. In der Zeit vom 7. bis 12. April wurden alle Geldscheine zu 100 Franga-Ari eingezogen und überstempelt. Die nicht geänderten Banknoten wurden für wertlos erklärt. Ab 20. April galten 6,25 Lira ein Franga, gleichzeitig wurde die Goldbindung des albanischen Franken aufgehoben. Abb. 13.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 100 Franka Ari, Wappenstempel, Vorder- und Rückseite[6] Bis zur Emission neuer Banknoten durch die Banca d’Italia kamen die Reserven der alten Noten von 1926 zur Ausgabe. Und zwar befanden sich im Umlauf:[7] Schon im Juni 1939 gelangten die neuen Banknoten zu 5 und 20 Franga und im Januar 1940 die zu 100 Franga in den Verkehr. Drei weitere Nominale folgten: 10 Lek im Juli 1940, 2 Lek im Januar 1941 und 5 Lek im Mai 1942. Obwohl der 2 Lek-Geldschein nach einem Dekret nur bis zum 31. Dezember 1941 umlauffähig war, blieb er bis zum Ende er italienischen Besatzung im Zahlungsverkehr.[8] Alle Nominale wurden von Mosconi und Gambino unterzeichnet. Am 17. Dezember 1942 regte die albanische Nationalbank bei der Banca d’Italia den Druck von Banknoten zu 500 und 1000 Franga an. Hierzu ist es jedoch nicht mehr gekommen. Abb. 14.1: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 2 Lek, Vorder- und Rückseite. Größe: 95 x 54 mm, Wasserzeichen. Abb. 15.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Lek, Vorder- und Rückseite. Größe 97 x 61 mm, Wasserzeichen: Italia mit Stern. Abb. 16.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 10 Lek, Vorder- und Rückseite. Größe 97 x 61, Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III. Abb. 17.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 5 Franga, Vorder- und Rückseite. Größe 132 x 76 mm, Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III. Abb. 18.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 20 Franga, Vorder- und Rückseite. Größe 187 x 106 mm. Wasserzeichen: links Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III., rechts Skanderbeg. Abb. 19.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D., 100 Franga, Vorder- und Rückseite. Größe 203 x 108 mm, Wasserzeichen: Wasserzeichen: Vittorio Emanuelle III. Das neue Papiergeld wurde bei der Officina della Banca d’Italia gedruckt. Die Produktion endete mit der Bombardierung der Druckerei in Aquila am 8. Dezember 1943. Bis zu diesem Zeitpunkt waren hergestellt:[9] 2 Lek 4.000.000 Stück 5 Lek 2.190.000 Stück 10 Lek 16.479.000 Stück 5 Franga 8.535.000 Stück 20 Franga 5.592.222 Stück 100 Franga 1.432.500 Stück Auch diese Ausgabe ist zweisprachig und weist verblüffende Ähnlichkeiten mit den italienischen Banknoten auf. Der Wert zu 20 Franka hatte eindeutig den 100-Lire-Schein zum Vorbild. Im Zentrum der Note „Roma“ mit Speer und Schild, in der linken Hand die Siegesgöttin haltend, daneben die Wölfin, Romulus und Remus säugend. Das linke Wasserzeichen im Lorbeerkranz zeigt das Kopfbildnis von König Vittorio Emanuele III, das rechte das Kopfbild des legendären Fürsten Skanderbeg. Die 100 Franga-Note ist der Banknote zu 500 Lire nachempfunden. Das rechte Bild gibt eine Bäuerin mit Sichel und Kornähren wieder, im weißen linken Feld das Wasserzeichen mit dem Brustbild des italienischen Königs. Der Wert zu 2 Lek ist in violett-braunen Farben gehalten. Die rechte Vorderseite beherrscht das antike Kopfbild eines Jünglings, auf der Rückseite der doppelköpfige albanische Adler. Die 5- und 10 Lek-Noten sind weitgehend bildgleich. In der runden Aussparung wird beim # 5-Lek-Schein ein Frauenkopf, beim 10-Lek- und 5-Franga-Schein der Kopf von König Vittorio Emanuele III. als Wasserzeichen sichtbar. Nach der Besetzung kamen nach italienischem Vorbild in Rom geprägte Münzen zu 0,05, 0,10 (Aluminium-Bronze), 0,20, 0,50, 1, 2 (Acmonital) sowie 5 und 10 Lek (Silber) in Umlauf. Sie zeigen auf dem Revers das Portrait von Vittorio Emanuelle III. als König von Albanien – teilweise mit einem Stahlhelm – sowie auf dem Avers den albanischen Adler mit zwei Liktorenbündeln. Abb. 20: Shqipnis, 1939, 0,50 Lek. Abb. 21: Shqipnis, 1939, 10 Lek. Einzelne ältere Geldzeichen wurden außer Kurs gesetzt, so die Nickelmünzen zu ¼ Leku zum 31. Dezember 1940 und die Silbermünzen zu 2 und 1 Franga-Ari zum 31. Dezember 1941; die überstempelten 100 Franga-Ari-Noten wurde am 30. Juni 1942 ungültig.[10] Als Italien am 10. Juni 1940 an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurde auch Albanien Kriegspartei. Dies hatte zunächst keine weitere Bedeutung für das Land, da der Balkan auch weiterhin von Kampfhandlungen verschont blieb. Erst mit dem italienischen Angriff auf Griechenland am 28. Oktober 1940 änderte sich das. Die italienische Regierung befürchtete, dass Griechenland seine neutrale Haltung zu Gunsten Großbritanniens aufgeben könnte. Die ultimative italienische Forderung nach strategischen Stützpunkten in Griechenland wurde selbstverständlich von der griechischen Regierung abgelehnt. Der italienische Angriff war schlecht vorbereitet. Nach anfänglichen Erfolgen musste man am 14. November der griechischen Gegenoffensive weichen. Bis zum Jahresende kontrollierten die Griechen etwa ein Viertel Albaniens. Die drohende militärische Niederlage des Verbündeten vor Augen, veranlasste Hitler zum Eingreifen. Am 6. April 1941 griffen deutsche Truppen Griechenland und Jugoslawien an. Der Widerstand beider Staaten brach rasch zusammen. Am 17. April kapitulierte Jugoslawien, am 24. April Griechenland, dessen Truppen aber immer noch tief in Albanien standen. Die besetzten Gebiete verteilten die Achsenmächte als Beute. Die Italiener besetzten den größten Teil des Kosovos und Westmakedoniens, die Bulgaren das restliche Makedonien und einen kleinen Teil des Kosovos mit der Stadt Kacanik, das nördliche Kosovo mit den Städten Kosovska Mitrovica, Vucitrn und Podujevo kam zu Serbien unter deutsche Militärverwaltung. Am 12. August 1941 vereinten die Italiener ihr Gebiet sowie die einst montenegrinischen Kreise Plav-Gusinje und Ulcinj zu einem Groß-Albanien mit 42.469 qkm und 1.756.000 Einwohnern.[11] Das albanische Siedlungsgebiet in Nordgriechenland, die Çamëria, blieb jedoch bei Griechenland unter italienischer Militärverwaltung. In den besetzten früheren jugoslawischen Gebieten wurde der Dinar eingezogen und mit 0,0608 Franga umgetauscht; die während der griechischen Besatzung nach Albanien eingedrungene Drachme wurde mit 0,02 Franga gerechnet.[12] Das deutsche Luftwaffenkommando Südost befürchtete nach der alliierten Landung auf Sizilien eine Invasion auf dem Balkan. Bereits seit Ende Juli/Anfang August 1943 wurden daher zur Sicherung der Häfen und Flugplätze deutsche Truppen nach Albanien verlegt. Nach dem Übertritt Italiens ins Lager der Alliierten am 8. September 1943, besetzen zwei deutsche Divisionen das Land. Etwa 90.000 italienische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft, 45.000 tauchten im Land unter. Da die Wehrmacht viel zu wenig Truppen zur Verfügung hatte, um in Albanien eine starke Präsenz zeigen zu können, unterstützte man die Bildung einer deutschfreundlichen Regierung, die am 14. September 1943 die Unabhängigkeit Albaniens proklamierte.[13] Das albanische Staatsarchiv in Tirana verwahrt unter der Referenznummer 179 Akten der albanischen Nationalbank auf, zu denen auch ein 366 Seiten umfassendes Journal der Zentraldirektion gehört. Dieses Tagebuch beginnt am 9. September 1943 und endet mit dem letzten Eintrag am 24. Oktober 1944. Damit umfasst es den gesamten Zeitraum der deutschen Besetzung. Direktor Rodolfo Janniello notierte dreizehn Monate jeden Tag akribisch mit Angabe des Datums und der Uhrzeit alle Informationen, die per Telefon, Telegramm, Post, durch Treffen der Direktoren der Bank mit Vertretern der albanischen Regierung und hochrangigen Stellen der deutschen Armee eingingen. In den ersten Tagen des italienischen Seitenwechsels waren die politischen und monetären Verhältnisse in Tirana verworren. So erfuhren die Mitglieder der Zentraldirektion erst am 9. September 1943 gegen 19:00 durch eine Nachrichtensendung der BBC davon. Zwar vermerkt das Journal, dass die Franga-Banknoten auch weiterhin im Umlauf seien und auf dem Markt als Tauschmittel verwendet würden, jedoch die Notenbestände nicht ausreichen würden, um allen Geldanforderungen gerecht zu werden. Am 10. September lehnte daher Direktor Ettore Melis ein Ersuchen der scheidenden italienischen Militärkommandantur ab, die geforderten Mittel auszuzahlen. Die gleiche Antwort erhielt auch der deutsche Wehrmachtsoffizier Major Tiller. Abgeschnitten vom Hauptverwaltungsrat in Rom wies die Zentraldirektion in Tirana die Filialen an, keine Anforderung des Militärs zu erfüllen und auch keine Kredite an Privatpersonen mehr zu vergeben. Dennoch gelang es italienischen Truppen beträchtliche Banknotenmengen abzuziehen. Dabei ging es nicht immer friedlich zu. In Berat erzwang Major Rosario Lauria die Herausgabe von 1.131.000 Franga und in Vlora überfielen Partisanen die Bankfiliale. Auf der anderen Seite der Adria besetzten deutsche Truppen Italien. In einer Überraschungsaktion beschlagnahmte am 16. September ein SS-Kommando im Beisein eines Beamten des Auswärtigen Dienstes bei der Banca d’Italia in Rom „... albanische Banknoten in Scheinen von 5 und 10 Lek sowie zu 5, 20 und 100 Fr. A. im Gesamtwert von 120.513.902 Fr. A., geprägte Goldmünzen verpackt in 23 Säckchen im Münzwert von 435.070 Fr. A., Goldbarren, bestehend aus 49 losen Barren und 29 Kistchen Barren im von italienischer Seite angegebenen Gegenwert von 7.627.756,90 Fr. A. Der Inhalt der Banknotenpakete sowie die Säckchen und Barrenkisten (die Eigentum der Nationalbank waren, Anm. d. Verf.) konnten aus Zeitmangel nicht gezählt werden. Es dürfte sich schätzungsweise um 3 t Gold und 12 t Banknoten handeln.“[14] Die Banknoten wurden mit neun Transportflugzeugen nach Tirana geflogen und dort zur Verfügung des Gesandten Neubacher beim Generalkonsulat hinterlegt. Die Goldbestände sowie die Druckplatten der Banknoten gelangten mit einem Sonderflugzeug nach Berlin ins Auswärtige Amt.[15] Auf Befehl vom 11., 12. und 13. September 1943 des italienischen IX. Kommandos wurden die Banken in Albanien bis zum 20. September geschlossen, nur die Nationalbank setzte ihre Tätigkeit, wenn auch nur sporadisch, fort. Die leitenden Direktoren der Bank, Ettore Melis und Ugo Olmastroni, verhandelten mit Vertretern der albanischen Regierung, des deutschen Konsulats sowie der deutschen Wehrmacht über den künftigen Kurs der Bank. Sie sah ihre Aufgabe beschränkt auf die Finanzierung der Ausgaben der albanischen Regierung und der deutschen Armee. Am 29. September 1943 wies das Interimsexekutivkomitee (der albanischen Regierung) den Direktor der Nationalbank an, gegen Quittungen des Konsulats in Tirana Zahlungen an die deutsche Wehrmacht zu leisten. Die deutsche Seite erhielt zunächst ein Darlehen in Höhe von 80 Millionen Franga. Anders als in Montenegro und Italien, wo die Wehrmacht die Reichskreditkassenscheine in Umlauf setzte, verzichtete man hierauf in Albanien. Die Albaner überzeugten die deutschen Stellen davon, dass es für alle Beteiligten vorteilhafter wäre, wenn die Ausgabe von Reichskreditkassenscheinen unterlassen würde. Das Ansehen der neuen (deutschfreundlichen) albanischen Regierung würde bei ihren Bürgern leiden, wenn eine ihrer ersten Handlungen die Einführung der Reichsmark, wäre. Angesichts dieses Einwandes zog das deutsche Kommando die vorgesehene Ausgabe von 10 Millionen Reichsmark zurück. Der Wechselkurs zwischen Franga und Reichsmark betrug zunächst 62,50 RM und vom 10. Januar 1944 an 81 RM für 100 Franga.[16] Wie alle Länder, in denen deutsche Truppen standen, so hatte auch Albanien die Last der Versorgung der dortigen Wehrmachtsverbände zu tragen. Darüber hinaus lieferte das Land wichtige Bodenschätze, [17] wie Chrom, Erdöl, Magnesit und Ligniat, ohne entsprechende deutsche Gegenleistung. Dies führte zum Aufblähen des Kreditvolumens und drohte die Währung zu ruinieren. Die albanische Regierung erklärte daher am 4. November, keine Darlehen mehr an die Deutsche Wehrmacht zu gewähren. Gleichzeitig bat sie um die Rückgabe der Goldbestände der albanischen Nationalbank als Deckungsmittel der eigenen Währung und um den Abschluss eines Abkommens über Verrechnung und Warenlieferungen. In einer interministeriellen Besprechung über Währungsfragen des Balkans in Berlin am 8. November 1943 bezeichnete es Neubacher als „nicht mehr länger angängig, Leistungen Albaniens durch einfache Quittungen ohne Gegenleistung anzuerkennen“.[18] Die deutschen Behörden waren bemüht, die ungeheure Ausbeutung entsprechend der Konzeption des „unabhängigen Staates“ auf eine pseudo-legale Grundlage zu stellen. Am 27. Dezember 1943 wurde ein deutsch-albanisches Wirtschafts- und Verrechnungsabkommen geschlossen, das vor allem der Sicherung des Geldbedarfs der Besatzer dienen sollte. Zu einem Abkommen über das Gold der albanischen Nationalbank kam es erst im April 1944. Danach wurde es der Nationalbank übergeben, blieb jedoch im Depot in Berlin.[19] „Um die albanische Währung nicht sofort ins Bodenlose fallen zu lassen, um ein gewisses Warenangebot für die deutsche Wehrmacht und die albanische Wirtschaft sicherzustellen und um die deutsche Warenlieferung zu regeln, griff Neubacher wie in Griechenland zum Mittel gelegentlicher Goldinterventionen auf dem freien Markt. Darüber hinaus wurde im Februar 1944 in Anlehnung an die ‚Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft mbH‘ (Degriges) von der Reichsgruppe Industrie und der Wirtschaftsgruppe Groß- und Außenhandel das ‚Deutsch-Albanische Warenausgleichsbüro‘ in Form einer GmbH gegründet. Das Büro hatte in erster Linie die Aufgabe, die Geschäftsbeziehungen zwischen deutschen und albanischen Außenhandelsunternehmen anzuknüpfen und als Bindeglied zwischen der albanischen Wirtschaft und deutschen Behörden zu fungieren.“[20] Das Ziel des Warenaustausches und die Abschöpfung des dabei möglichen Inflationsgewinns zugunsten der Verbilligung deutscher Importe aus Albanien und der Abdeckung der Besatzungskosten konnte nicht mehr erreicht werden. Partisanenüberfälle machten die Straßen unsicher, hinzu kamen die verstärkten Jagdbomberangriffe der Alliierten, die fehlenden Ersatzteile und Reifen für die Lastkraftwagen und der allgemeine Vorrang militärischer Transporte. In der Zeit der deutschen Besatzung gewährte die Nationalbank an das Deutsche Reich die folgenden Darlehen in albanischen Franken: Die zunehmende Inflation, immerhin belastete die kurze deutsche Besatzungszeit Albanien mit schätzungsweise 270 Millionen Franga, und die fehlenden Banknoten veranlassten ab September 1943 die Niederlassungen der Nationalbank in Durrës, Elbasan (Elbasani), Korçë, Scutari, Shkodrë (Shkodër), Vlonë (Valona) und Tiranë (Tiranna) zur Ausgabe von handschriftlich unterzeichneten (Notgeld-)Schecks zu 100 200, 500, 1000, 2000 und 5000 Franga, die wie Banknoten zirkulierten. In Tiranë wurden im Juli 1944 auch solche zu 20, 50 und 100 Franga emittiert.[21] Das Papier zur letztgenannten Emission stammte mit großer Wahrscheinlichkeit aus der vormaligen Tschechoslowakei, denn das Wasserzeichenpapier wiederholt das Wort „STO“ (tschechisch = Hundert) in einem „Rahmen“. Alle (Notgeld-)Schecks sind nur noch in albanischer Sprache gedruckt. Abb. 22.1/2: Banka Kombëtare e Shqipnis, Juli 1944, 20 Fr. Shq., Vorder- und Rückseite. Abb. 23.1: Banka Kombëtare e Shqipnis, Juli 1944, 100 Fr. Shq., Vorderseite. Durch die veränderten militärischen Verhältnisse war Albanien für die Deutsche Wehrmacht nicht länger zu halten. Am 2. Oktober 1944 erhielten die Truppen den Befehl, Albanien zu verlassen, und am 15. Oktober wurde die deutsche Gesandtschaft in Tirana aufgelöst. Mit der Räumung Shkodras am 29. November verließen die letzten Verbände der Wehrmacht Albanien. Bereits am 17. November 1944 zogen alliierte Truppen in Tirana ein, und nur wenige Tage später bildete sich eine Regierung unter der Führung des kommunistischen Partisanenführers Enver Hodscha (Enver Hoxha [* 16.10.1908, Gjirokastra, † 11.4.1985, Tirana]), die am 11. Januar 1946 die Volksrepublik ausrief. In der Folgezeit kapselte sich Albanien immer mehr von der übrigen Welt ab. Erst nach Hodschas Tod öffnete sich das Land. Nach andauernden Streiks und Demonstrationen bildete sich im Juni 1991 eine Übergangsregierung, die erstmals auch nicht kommunistische Mitglieder einschloss. Aus den Wahlen im März 1992 ging dann die Demokratische Partei unter Berisha (*1945) als Sieger hervor. Abb. 24: Banka Kombëtare e Shqipnis, o. D. (1945), 20 Franga, Rechteckstempel, Vorderseite.[22] Nach der Befreiung Albaniens nannte sich die „Banka Kombëtare e Shqipnis“ in „Banka e Shtetit Shiqiptar“ (Staatsbank von Albanien) um. Die umlaufenden Banknoten und (Notgeld-)Schecks wurden mit einem rechteckigen 53 x 33 mm großen Stempel, der zweizeilig den neuen Banknamen und den doppelköpfigen Adler zeigt, überdruckt. Abgelöst wurden diese Scheine durch in der UdSSR gedruckten und 1946 in Umlauf gesetzten neuen Banknoten. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Vgl. Standard Catalog of World Paper Money, Specialized Issues, 12th Edition, Iola 2013, S. 31 ff. s. auch Uwe Bronnert, Die Geldzeichen der Autonomen Albanischen Republik Korçë, vom 16.10.2019. [2] Nach Angaben auf der Homepage der Nationalbank erfolgte die Bekanntmachung der drei Noten am 28. Februar 1926. (07.04.2023) [3] Quelle: (07.04.2023) [4] Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co. KG, Auktion 39 Lot #15 [5] Vgl. Peter Bartl: Albanien, Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, in der Reihe: Ost- und Südosteuropa, Geschichte der Länder und Völker, hrsg. v. Horst Glassl und Ekkehard Völkl, München 1995, S. 225 f. [6] Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co. KG, Auktion 39 Lot #16 [7] Guido Crapanzano, Soldi d’Italia, Un secolo di cartamoneta, The exhibitions of the Foundation, Parma 1995, S. 226. [8] Owen W. Linzmayer nennt in seinem Katalog „Albania – The Banknote Book“ (5.2.2023) auf S. 5/6 abweichende Ausgabe- Daten: 2 Lek: ausgegeben ab 10.11.1940, im Umlauf bis Ende 1944; 5 Lek: ausgegeben ab 9.6.1940; 10 Lek: ausgegeben ab 18.8.1940. [9] Guido Crapanzano, S. 226. [10] BA Berlin, R 29/262, TAO 17/44 vom 8. Februar 1944. Guido Crapanzano nennt als Umlaufzeit April 1939 bis Mai 1940; s. S. 227. [11] Zuvor 28.748 qkm und 1.122.000 Einwohner. [12] Frankfurter Verlag (Hrsg.), Das Wirtschaftshandbuch, Jahrgang 1944, Frankfurt a. M. 1944, S. 150. [13] Lediglich das Deutsche Reich wandelte am 13. Juli 1944 sein Generalkonsulat in Tirana in eine Gesandtschaft um. Wegen der unsicheren Lage weigerten sich Ungarn, Rumänien und Bulgarien diesen Schritt zu tun. Die gleichfalls angesprochenen neutralen Staaten Schweiz und Türkei beantworteten die Note der albanischen Regierung erst überhaupt nicht. [14] Vgl. Telegramm von Walther Wüster, deutscher Generalkonsul in Neapel, an das Auswärtige Amt vom 16. September 1943. Abgedruckt als Dokument 177 in: Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941 – 1945), Dokumentenauswahl und Einleitung von Martin Seckendorf, unter Mitarbeit von Günter Keber, Jutta Komorowski, Horst Muder, Herbert Stöcking und Karl Übel, in der Reihe: Europa unterm Hakenkreuz, hrsg. vom Bundesarchiv, Band 6, Berlin und Heidelberg 1992, S. 259. [15] Vgl. ebenda, Dok. 199, S. 275. [16] BA Berlin, R 29/262, TAO 3/44 vom 13. Januar 1944. [17] Bei dem für die Rüstung wichtigen Chrom deckte Albanien während der Besatzungszeit beispielsweise etwa 17 % des deutschen Verbrauchs, und beim Erdöl wurde das kleine Land im Südosten zum zweitgrößten Lieferanten. [18] Zitiert nach: Christoph Stamm, Zur deutschen Besetzung Albaniens 1943 – 1944, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen 2/81, S. 114. [19] Am 22. Oktober 1946 kam es zu dem sog. Korfu-Kanal-Zwischenfall. Zwei britische Zerstörer waren in der Meerenge zwischen Korfu und der albanischen Küste auf eine Miene gelaufen. 44 Matrosen starben. Dieses Seegebiet, durch das internationale Schifffahrtswege führen, war kurz zuvor von Mienen geräumt worden. Der Vorfall kam vor den Sicherheitsrat der UNO und vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, der Albanien zur Zahlung einer Entschädigung von 2,4 Millionen US-Dollars verurteilte. Da sich Albanien weigerte zu zahlen, beschlagnahmte Großbritannien kurzerhand den erwähnten albanischen Goldschatz. [20] Christoph Stamm, S. 115. [21] Vgl. C. Frederick Schwan und Joseph E. Boling, World War II Remembered history in your hands – a numismatic study, Port Clinton, Ohio 1992, S. 652 f. [22] Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co. KG, Auktion 45 Lot #1010
- Bielefelder Notgeld und die "Ratsherrenalben"
Das Bielefelder Notgeld nimmt eine Sonderstellung ein, nicht nur wegen des Stoffgelds aus Leinen, Seide und sogar Samt, das es weltweit unter Sammlern schon zur Zeit seiner Ausgabe berühmt gemacht hat, sondern auch wegen der zeitgeschichtlich interessanten Motive und Beschriftungen. Bielefeld, besser die Stadtsparkasse Bielefeld, gab eine Vielzahl von Notgeldscheinen aus Papier aus und druckte diese dann zum Teil als Stoffgeld nach. Zusätzlich versahen Frauen in Heimarbeit viele der Stoffscheine mit kunstvollen Borten oder Spitzen, um deren Attraktivität zu steigern. Dabei ging es der Stadtsparkasse Bielefeld weniger um die Linderung der Zahlungsmittelknappheit (hierfür waren genügend Papiergeldscheine in Umlauf), als um das Geschäft mit den Sammlern. Auch wurde nicht etwa das Papier knapp, weshalb man hätte auf Stoff ausweichen müssen, denn trotz der gewaltigen Mengen an Reichsbanknoten und Notgeldscheinen, die im gesamten Reich gedruckt wurden, gab es immer genügend Papier, sogar solches mit Wasserzeichen. Vielmehr hatte der damalige Direktor der Stadtsparkasse Paul Hanke großen Anteil an der Ausgabe und Vermarktung des Bielefelder Stoffgelds. Hanke nahm sogar Einfluss auf die Gestaltung der Scheine und so tragen einige auf seinen Wunsch hin auch Bibelsprüche. Die Stadtsparkasse Bielefeld zeigte viel Geschäftssinn, wenn es um die Vermarktung ihrer Ausgaben ging, und so verkaufte man damals die Stoffscheine sogar schon bis nach Amerika. Werbe-Postkarte der Bielefelder Stadt-Sparkasse für ihr Papiernotgeld. Wer sich mit dem Stoffgeld aus Bielefeld beschäftigt, wird sich früher oder später auch für das "Drumherum" interessieren. So kann man etwa auch die Versandtaschen sammeln oder aber andere zeitgenössische Stücke, wie z. B. seidene Lesezeichen der Stadtsparkasse Bielefeld oder Briefbeschwerer mit Seidenscheinen. Man nutzte Bielefelder Stoffgeld sogar zur Herstellung von Sofakissen und Tischdecken. Ja sogar ein Kleid ist bekannt, das vollständig aus Bielefelder Seidenscheinen gefertigt wurde. Verschiedene seidene Lesezeichen der Bielefelder Stadtsparkasse. Sofakissen aus Bielefelder Stoffgeld. Ein Kleid, das vollständig aus Bielefelder Seidenscheinen gefertigt wurde. Sehr selten sind die sog. "Ratsherrenalben", von denen nur einige Dutzend im Auftrag der Stadtsparkasse Bielefeld hergestellt wurden. Wie der Name für die Alben schon nahelegt, wurden diese damals durch die Stadtsparkasse an Ratsherren der Stadt Bielefeld als Geschenk überreicht. Vielleicht wollte sich die Stadtsparkasse als Emittent des städtischen Notgelds damit für die Kooperation mit der Stadt bedanken. Immerhin hatte sich die "Ausgabe" des Bielefelder Notgelds, insbesondere der Stoffscheine, und das dadurch bei Sammlern im In- und Ausland geweckte Interesse, auch geschäftlich gelohnt. Mit der Übergabe erhielt der Empfänger auch eine Urkunde der Stadtsparkasse Bielefeld. Urkunde aus einem "Ratsherrenalbum" vom Oktober 1926. Transkription: "Bielefeld, im Oktober 1926. Wir überreichen Ihnen anliegend eine Mappe mit einer vollständigen Sammlung Bielefelder Notgeldscheine. Die Sammlung ist eine Erinnerung an die Zeit Deutschlands größter Not. Das erste Bielefelder Stadtnotgeld entstand in der Kriegszeit durch den Mangel an kleinen Zahlungsmitteln. Anfänglich wurden herausgegeben aus einer Zinnlegierung hergestellte Zehnpfennigstücke mit der Inschrift: 'Kriegswertmarke, Stadtsparkasse Bielefeld', ihnen folgten Fünf- und Fünfzigpfennigstücke. Die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten dieses Geldes veranlaßten die Stadtsparkasse zur Herausgabe von Geldscheinen, die erstmalig im Jahre 1917 in den Verkehr kamen. Mit dem Fortschreiten der Währungszerfalls erhöhte sich sowohl die Zahl als auch die Wertangabe der ausgegebenen Notgeldscheine. – Seine eigenartige Aufmachung hat dem Notgeld der Stadtsparkasse Bielefeld weit über die Grenzen Bielefelds hinaus Anerkennung verschafft. Der Sparkassendirektor Hanke, nach dessen Vorschlägen die Herstellung erfolgte, verwendete als Material Leinen, Seide und Sammet (Samt) und als Aufdruck Vorgänge aus der Geschichte Bielefelds und des Ravensberger Landes, sowie Zahlen über den Verbrauch und die Kosten des Lebensunterhalts. – Durch die Herausgabe des Notgeldes konnten die Wirtschaft und der Zahlungsverkehr in Gang gehalten und manche Begleiterscheinungen des Währungszerfalls gemildert werden. – Die Notgeldscheine waren Zeugen einer Zeit des Elends und der Not, in der nicht nur die Bielefelder Bevölkerung, sondern das ganze deutsche Volk außerordentlich zu leiden hatten. Möge dem deutschen Volke eine Wiederholung erspart bleiben. Der Vorstand und die Verwaltung der Stadtsparkasse Bielefeld Köllner, Bürgermeister | Woller, Direktor" Wir möchten unseren Lesern nun ein vollständiges Ratsherrenalbum vorstellen und Ihnen dabei insbesondere die Texte im Album und auf den Scheinen nahebringen. Titelseite "Notgeld der Stadt Bielefeld" der sog. "Ratsherrenalben". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 1/2". NOTGELD DER STADT BIELEFELD / HERAUSGEGEBEN WÄHREND DES WELTKRIEGES 1914 / 1918 Mit viel Liebe "Unsere Rübe, präge fest Dir ein, Brotersatz bleibt die Steckrübe, Geldersatz ist dieser Schein. Durchhalten in Not ist Kriegsgebot." Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.8, Serie D (nicht ausgegeben), Rückseite. DEUTSCHE VERLUSTE IM WELTKRIEGE 1914/18 Unterdrucktext auf der Rückseite mit dem Rübchen (Verbrauch Bielefeld im sog. "Steckrübenwinter" 1916/17: 30.000 Zentner): Tote: 1.600.000 | Vermißte: 203.000 | Gefangene: 618.000 | Verwundete: 4.064.000 | Todesfälle durch Hungerblockade: 760.000 | Offizierverluste: 39% der Friedensstärke Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.8, Serie D (nicht ausgegeben), Vorderseite. AUSGABEN DER STADT BIELEFELD (1914/18) Unterdrucktext auf der Vorderseite mit Unterschriften: Für Lebensmittel: 50 Millionen Mark | Fleischwaren: 21,5 Millionen Mark | Fettwaren: 7,3 Millionen Mark | Kartoffeln: 6,0 Millionen Mark | Allerlei Gemüse: 4,0 Millionen Mark | Mehl und Hülsenfrüchte: 7,0 Millionen Mark | Futterm., Kleidung, Kohlen: 4,0 Millionen Mark Humoristische Darstellung der Namen des Vorstandes der Stadt-Sparkasse: links oben: Hering-Haus, rechts oben: Brügge-Mann, links unten: Horn-ung, rechts unten: Han-ke. Im Rahmen links "RUSCHER", rechts "JOKUSCH" und unten "NIEMEYER". Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.9c1, Vorderseite. DURCHSCHNITTSLOHN für Arbeiter in BIELEFELD Unterdrucktext auf der Vorderseite mit Unterschriften: Durchschnittslohn für Arbeiter in Bielefeld: Akkord, Zeitlohn: 1. Okt. 1914 • Mark 0,63 • Mark 0,63 | 1. Okt. 1918 • Mark 1,73 • Mark • Mark 1,27 | 1. Januar 1919 • Mark 2,29 • Mark 1,91 | Steigerung: 263 Prozent • 202 Proz. Kleingeldschein der Stadtsparkasse Bielefeld über 10 Pfennig vom 1. April 1919, Grab. B44.9c1, Rückseite. Unterdrucktext auf der Rückseite mit dem Rübchen: Kriegsnahrung in Bielefeld Dezember 1918 bis Februar 1919, an Pferdefleisch 350 Pferde. Das ist die Bespannung von 2 kriegsstarken Schwadronen Kavallerie. Mit der detaillierten Beschreibung der Scheine und deren Texte der ersten Seite der Bielefelder Ratsherrenalben möchten wir Ihnen Lust auf eine Erkundungstour auf den restlichen Seiten der Alben und den Darstellungen und Texten auf den folgenden Scheinen machen. Sie können jede Abbildung durch Anklicken vergrößern und dann die Texte selbst lesen. Viel Spaß wünscht die Redaktion von Geldscheine-Online.com. Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 3/4". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 5/6". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 7/8". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 9/10". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 11/12". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 13/14". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 15/16". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 17/18". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 19/20". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 21/22". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 23/24". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 25/26". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 27/28". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 29/30". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 31/32". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 33/34". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 35/36". Bielefelder Ratsherrenalbum, Seiten 37. Hans-Ludwig Grabowski Literaturtipps: Die Bielefelder Kleingeldscheine, Serienscheine und das Bielefelder Stoffgeld findet man in folgenden Katalogen:
- Aus privaten Sammlungen: Pößnecker Ledergeld von 1923
Objekttyp: Notgeldschein Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Die Gewerbe der thüringischen Stadt Pößneck waren schon seit Jahrhunderten durch Tuchmacher und Lohgerber geprägt. Um 1860 begann der Aufstieg Pößnecks als Industriestadt mit bedeutender Textil- und Lederindustrie. Hier wurde 1891 auch der Deutsche Textilarbeiterverband (später Gewerkschaft Textil-Bekleidung) gegründet. Nachdem die Stadt 1922 Notgeldscheine zu 100 und 500 Mark aus dickem Pergamentpapier ausgegeben hatte, nutzte man mit Beginn der Hochinflation auch Leder und sogar Schuhsohlen für die Herstellung von städtischem Notgeld. Die Gestaltung übernahm der Pößnecker Grafiker Kühlborn, den Druck der Inflationsausgaben in Nennwerten zu 5 und 50 Millionen Mark die Firma C. G. Vogel in Pößneck. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Freistaat Thüringen, Pößneck Emittent: Stadt Pößneck Nominal: 5 Millionen Mark Datum: 11. August 1923 Vorderseite: Links: Stadt- und thüringisches Landeswappen mit Lorbeer- und Eichenlaub. Mitte Ansicht der alten Gerberstadt Pößneck. Unten: Gerber-Werkzeuge. Rückseite: Gerber am Schabebaum und Ansichten aus Pößneck. Umschrift mit Firmen der Pößnecker Leder-Industrie. Material: hellbraunes Schafleder Druck: Großbuchdruckerei C. G. Vogel, Pößneck Format: 140 mm x 90 mm Nummerierung: ohne Authentizität: Original Zitate: Gra. 450 (Grabowski: Deutsches Notgeld, Band 9: Notgeld der besonderen Art – Geldscheine aus Stoff, Leder und sonstigen ungewöhnlichen Materialien) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Leserpost: 100.000 Reichsmark von 1923?
Sehr geehrter Herr Grabowski, in den "Fürstenberger Blättern" möchte ich einen lokalen Notgeldschein abbilden. Meiner Meinung nach ist das ein Unikat. Können Sie mir als absoluter Spezialist weiterhelfen? Fürstenberger Glashüttenwerke A.-G., Gutschein über 100.000 Mark vom August 1923, Vorder- und Rückseite. 100.000 Deutsche Reichsmark, Fürstenberger Glashüttenwerke A.-G., August 1923, Serie E, Nr. 534, Dieser Gutschein ist bei der Niederlausitzer Bank, Fürstenberg-O., sichergestellt und wird dortselbst nach Behebung der gegenwärtigen Bargeldnot in bar eingelöst. Es handelt sich um Fürstenberg (Oder). in Worten steht dort "einhunderttausend Mark" und der Geschäftsführer Ingerle hat unterschrieben. Ich wollte von Ihnen wissen, ob es ein Unikat ist. Der Schein ist bisher nur einmal aufgetaucht. Ich würde Ihnen auch das Foto für Ihre Arbeit, die ich sehr schätze, zur Verfügung stellen und mich über Ihre Hilfe sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen E. Opitz Antwort der Redaktion Auf diese Frage kann ich keine verbindliche Antwort geben. Zumindest war es nie ein Unikat, weil der Schein ja die KN 534 hat und auch nie als Unikat ausgegeben worden wäre. Das macht ja keinen Sinn. Ob er heute der einzige Schein dieser Ausgabe ist, der noch existiert, vermag ich nicht zu sagen. Dazu schlummern viel zu viele Scheine mehr oder weniger unbeachtet in Sammlungen. Außerdem müsste man den Fachhandel befragen, ob der Schein hier schon mal angeboten wurde. Hinzu kommen Auktionen, Tauschveranstaltungen, Börsen ….. Es bleibt nur intensive Forschungsarbeit, auch in zeitgenössischen Quellen. Wie viele Scheine wurden gedruckt, wie viele ausgegeben, wie viele eingelöst, wie viele vernichtet? Ich bin kein Brandenburg-Sammler und kenne auch keinen. In der Regel kennen sich Regionalsammler, die selbst lange auf der Suche nach einem Schein waren, da besser aus. Man könnte natürlich auch bei der Geldscheinsammlung der Bundesbank (ehem. Sammlung Dr. Arnold Keller) und bei der G+D Stiftung Geldscheinsammlung (ehem. Sammlung Albert Pick) nachfragen, ob der Schein dort heute evtl. vorliegt. Keller hatte ihn jedenfalls nicht in seinem Katalog aufgeführt, sondern nur 1 und 5 Mio. Mark vom August 1923. Deswegen wird er bei der Bundesbank wahrscheinlich auch nicht vorhanden sein. Interessant ist die Wertangabe auf der Rückseite "100.000 Reichsmark". 1923 gab es zwar ein Deutsches Reich, aber noch keine Reichsmark, die gab es erst ab 1924. Es muss also richtig 100.00 Mark heißen (wie auf der Vorderseite)! Gemeint war hiermit sicher "Mark in Reichswährung", so wie dies auch von anderen Notausgaben bekannt ist. Im August 1923 kostete eine Briefmarke für eine einfache Postkarte bereits 15.000 Mark, im September dann schon bis zu 75.000 und im Oktober 100.000 Mark. Ich gehe davon aus, dass von diesem Nominal nicht viele Scheine ausgegeben wurden, weil sie durch die voranschreitende Inflation innerhalb kurzer Zeit praktisch wertlos waren. Vielleicht hat einer unserer Leser mehr Informationen zu dieser Ausgabe, oder kann bestätigen, dass noch weitere Scheine bekannt sind. Kontakt: info@geldscheine-online.com Hans-Ludwig Grabowski
- Brückner: Angriff auf unser Bargeld
Michael Brückner Angriff auf unser Bargeld – Warum ein Bargeldverbot vorbereitet wird, wer davon profitiert und wie Sie Ihr Vermögen davor schützen. 208 Seiten, Schwarz-weiß-Abbildungen, Format 12,3 x 18,7 cm, Festeinband, Rottenburg 2023. Preis: 19,99 Euro. ISBN: 978-3-86445-919-1 Der Finanzexperte Dr. Marcus Krall hat es schlüssig auf den Punkt gebracht: „Bargeld ist gedruckte Freiheit!“ In der Ausgabe 4/2023 der Zeitschrift Münzen&Sammeln wurde das Thema am Beispiel Schwedens aufgegriffen. Erstaunlicherweise begreifen das viele Menschen nicht und bezahlen lustig auch weiterhin selbst kleinste Beträge mit einer Karte. Brückner stellt dabei die Bezahlungsweise in verschiedenen Ländern dar. Er prognostiziert, dass Schweden und Finnland in wenigen Jahren bargeldlos werden könnten. Alles, was mit Scheinen oder Münzen bezahlt wird, bleibt anonym. Deutschland und Österreich sind die wenigen europäischen Länder, in denen noch eine Mehrheit der Bürger mit Bargeld bezahlt. Doch das soll sich ändern, das hat sich eine Allianz zum Ziel gesetzt. Zu den Bargeld-Gegnern gehören die UNO, die EU, Regierungen verschiedenster Länder sowie Förderer einer One-World-Gesellschaft, wie die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung oder die Clinton Foundation. Hinzu kommen Banken, Finanzdienstleister, wie Mastercard, Apple (Apple Pay), Amazon (Amazon Pay) und PayPal, aber auch Großkonzerne, zum Beispiel Coca-Cola und Unilever. Ihnen allen würde die Abschaffung des Bargelds große Vorteile bringen. Ihnen winkt durch Gebühren und die Auswertung von Kundendaten ein Milliardengeschäft. Der Mensch wird durch die Abschaffung des Bargelds zum „gläsernen Bürger“, er wird einer totalen Kontrolle unterworfen. Wie Michael Brückner anhand erschreckender Beispiele zeigt, können wir so „von oben“ kontrolliert und gesteuert werden. Es gibt keine Privatsphäre mehr. Und keinen Schutz vor staatlichen und behördlichen Willkürmaßnahmen. Wenn niemand mehr Kapital in Form von Bargeld aufbewahren kann, erlangen Behörden auch eine weitgehende Kontrolle über unser Vermögen. Darüber hinaus ist der Enteignung Tür und Tor geöffnet. Michael Brückner wirft vor diesem Hintergrund einen Blick in die bargeldlose Zukunft. Was auf uns zukommt, demonstriert er anhand einer fiktiven bargeldlosen Gesellschaft. Eine Orwell’sche Überwachung wird zum konkreten Bedrohungsszenario. Brückners Einblicke in die digitale Zukunft machen unzweifelhaft klar: Wir müssen alles daransetzen, die Abschaffung des Bargelds zu verhindern. Er zeigt, was der Bürger gegen eine Bargeldabschaffung tun könnte und wie man sein Vermögen vor einem Bargeldverbot schützen kann. Bezug über: Kopp-Verlag, Amazon oder jede Buchhandlung. I. Scheerschmidt
- Die Banknote des Jahres 2022
Liebe Leser, in der Februar-Ausgabe von „Münzen & Sammeln“ sowie in unserem Online-Magazin www.geldscheine-online.com mit seinen kostenlosen Newslettern rief die Redaktion zur Wahl der Banknote des Jahres 2022 auf. Vielen Dank für die überaus zahlreich abgegebenen Stimmen mit Postkarten und vor allem E-Mails. Sieger wurde eine sehr schöne neue Polymer-Banknote der Philippinen. Platz 1 und damit "Banknote des Jahres 2022": Vorschlag Nr. 11 – Philippinen mit 19,6 % der Stimmen: Neue 1000-Piso-Polymer-Banknote von 2022, in Umlauf ab 18. April 2022. Platz 2: Vorschlag Nr. 8 – Nordirland mit 16,4 % der Stimmen: Neue 50-Pfund-Polymer-Banknote der Ulster Bank, in Umlauf ab 15. Juni 2022. Platz 3: Vorschlag Nr. 3 – China mit 8,8 % der Stimmen: Polymer-Gedenkbanknote der Peoples Bank of China über 20 Yuan zu den XXIV. Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. In Umlauf ab 21. Dezember 2021. Die verbleibenden 55,2 % der Stimmen teilten sich die restlichen neun Vorschläge. Platz 4 belegte Vorschlag 4 Fidschi (8,4 %), gefolgt von Vorschlag 12 Schottland (7,2 %) und gleichauf von den Vorschlägen 2 Algerien und 5 Guyana (je 6,8 %). Vorschlag 6 Katar erreichte 6,4 %, Vorschlag 1 Ägypten 6,0 %, Vorschlag 7 Mauretanien (5,6 %) und Vorschlag 9 Nordmazedonien 4,8 %. Die wenigsten Stimmen erhielt der Vorschlag 10 Pakistan mit 3,2 % der abgegebenen Stimmen. Die Gewinner Folgende Gewinner wurden gezogen: 1. Preis: Karl R. aus Achern Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 75 Euro 2. Preis: Thomas B. aus Ingelheim Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 50 Euro 3. Preis: Felix A. aus Wien Einkaufsgutschein des Battenberg Gietl Verlags über 25 Euro Zusätzlich wurden weitere sieben Gewinner gezogen! Diese erhalten je zwei Geldschein-Notizblöcke mit Motiven aus den ehemaligen deutschen Kolonien. Jürgen W. aus Haldensleben Werner M. aus Freiburg Josef E. aus Elfershausen Manuel D. aus Ibbenbüren Helmut H. aus Bonn Jochen R. aus Augsburg Theodor B. aus Börßum Herzlichen Glückwunsch! Hans-Ludwig Grabowski
- Lexikon: Farmers Bank of China
Die Farmers Bank of China (Chinesische Bauernbank) war die jüngste und kleinste der vier amtlichen chinesischen Notenbanken in der Zeit der Republik nach der Revolution von 1911. Sie wurde 1934 gegründet und stand stets im Schatten der großen Central Bank of China. Zu den amtlichen Notenbanken Chinas gehörten außerdem die Bank of China und die Bank of Communications. Die letzten Noten der Farmers Bank wurden 1942 ausgegeben (danach nur noch einige lokale Kassenscheine). CHN-457a: Farmers Bank of China, Banknote über 1 Yuan vom 1. April 1935, Vorderseite mit landwirtschaftlichen Szenen (Wassertransport und Reisanbau), Rückseite mit kleinem Tempel und Schafen. Druck: Thomas De La Rue, London. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb.: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: Fragment eines Wiener-Stadt-Banco-Zettels von 1796
Objekttyp: Banknote Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: 1756 begann der Dritte Schlesische Krieg – auch Siebenjähriger Krieg genannt – , an dem die fünf europäischen Großmächte Preußen, Österreich, Russland, Frankreich und Großbritannien beteiligt waren. Auf österreichischer Seite hatten sich nach fünfjähriger Kriegsdauer Staatsschulden in Höhe von 13 Millionen Gulden angehäuft, die weder durch Darlehensaufnahme noch durch höhere Steuern aufgebracht werden konnten. Hofkammerpräsident Graf Hatzfeld machte den Vorschlag, unverzinsliches Papiergeld auszugeben. Mit Patent vom 15. Juni 1762 wurde die Wiener Stadtbank mit der Ausgabe von „Bancozetteln“ in Höhe von 12 Millionen Gulden betraut. Die ersten Bancozettel, die auf den 1. Juli 1762 datiert sind, wurden in Nennwerten von 5, 10, 25, 50 und 100 Gulden ausgegeben. Sie waren vom Bürgermeister der Stadt Wien, dem „Obereinnehmer“ und dem „Gegenhandler“ unterzeichnet. Für das Publikum bestand kein Annahmezwang. Die Staatskassen nahmen sie bis zur Hälfte der zu leistenden Abgaben zum vollen Wert an. Das Papiergeld durfte nur gegen Bargeld emittiert werden, sodass die eingegangene Valuta als Deckung zu betrachten war. Außerdem konnte man die Bancozettel im Mindestbetrag von 200 Gulden in fünfprozentige Banco-Obligationen umtauschen. Die zurückfließenden Banknoten wurden nach den Bestimmungen des Patentes verbrannt. Da das Papiergeld von der Bevölkerung angenommen wurde, veranlasste die Finanzverwaltung weitere Emissionen: 1771, 1784, 1796, 1800 und 1806. Zu den bisherigen Nominalen kamen noch Scheine zu 500 und 1000 Gulden. Schon bei der zweiten Ausgabe wurde verfügt, dass Steuerbeträge über zehn Gulden mindestens zur Hälfte in Bancozetteln zu zahlen seien. Diese Bestimmung hatte zur Folge, dass die Bancozettel zeitweise mit einem Agio (Aufgeld) von bis zu 2 ½ Prozent gegenüber dem Silbergeld gehandelt wurden. Der Krieg gegen das Osmanische Reich (1788) und der erste Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich (1792) verursachten enorme Kosten, die Österreich durch die vermehrte Ausgabe von Papiergeld zu decken versuchte. Die Emissionen der Bancozettel von 1796, 1800 und 1806 ließ die in Umlauf befindliche Papiergeldmenge stark anschwellen. Waren 1796 Banknoten im Wert von 44 Millionen Gulden im Umlauf, so waren es 1797 bereits 74 Millionen und auf dem Höhepunkt 1810 schließlich 1 Milliarde Gulden. Bereits 1797 stellte die Finanzkasse die Einlösung in Silbermünzen ein und 1800 wurde die Annahmepflicht angeordnet. Der Privatverkehr rechnete 1792 für 100 Gulden Bancozettel noch 92 Gulden Silbermünzen, bis 1810 sank das Verhältnis auf 100:15. Obwohl die Scheine der 1796er-Ausgabe Inflationswerte sind, gehören sie zu den großen Raritäten Österreichs, von denen nur die 5- und 10-Gulden-Scheine gelegentlich in Sammlerhände gelangen. Die Ausgabe war zwischen September/Dezember 1796 und September/Dezember 1800 im Umlauf. Bei dem abgebildeten Bancozettel handelt es sich möglicherweise um einen eingelösten Schein. Der untere Teil mit den Unterschriften und der Kontrollnummer wurde bei ihm schräg abgeschnitten. Land/Region/Ort: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, Österreich, Wien Emittent: Wiener Stadt-Banco Nominal: 10 Gulden Datierung: 1. August 1796 Vorderseite: schwarzer Druck; Ausgabebezeichnung, Nennwert, Jahreszahl und Ornamente sowie Wertziffer und Wappen im Mittelteil; je ein Prägestempel links und rechts oben. Drei gedruckte Unterschriften; Kontrollnummer und eine Unterschrift handgeschrieben Rückseite: unbedruckt Material: Papier, weiß Wasserzeichen: Zehn, Bancozettel, 1796, Adler und Muster Druck: unbekannt Format: ca. 90 x 205 mm Authentizität: Original, Umlaufbanknote Zitate: Kodnar/Künstner: Katalog der österreichischen Banknoten ab 1759, 3. Auflage, Wien 2018, S. 34, Kat.-Nr. 24. Rudolf Richter: Papiergeld Spezialkatalog, Österreich 1759 – 2010, Salzburg 2010, S.27, Kat-Nr. 24. A-23 (World Paper Money, Vol. II – General Issues) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Leserpost: Zum Beitrag "Showdown" in Zürich – An- und Verkaufskurse osteuropäischer Banknoten
Der Beitrag „‚Showdown’ in Zürich – An- und Verkaufskurse osteuropäischer Banknoten im Frühjahr 1987 und im Herbst 1989” von Sven Gerhard hat mich zu einem Leserbrief angeregt. Der Beitrag ist zweifelsfrei sehr interessant. Aber das Problem besteht, wie in ganz vielen Veröffentlichungen auch, in der Verwechslung von Kursen für die Währungen im internationalen Handel und der Kaufkraft. Die Kaufkraft hat nur wenig mit den Kursen zu tun. Für sie ist entscheidend, was sich der Bürger des betreffenden Landes von seinem Geld kaufen kann, wie gut oder schlecht er davon seinen Lebensunterhalt bezahlen kann. Und in den genannten Jahren konnte man (oder frau) in der DDR mit 1000 Mark sicher nicht schlechter, wahrscheinlich sogar besser leben als eine Vergleichsperson in der Bundesrepublik mit 1000 DM. Die genannten osteuropäischen Währungen waren ganz offiziell Binnenwährungen, auf der Börse hatten sie also eher nichts zu suchen. Ein ähnliches Problem ist bekannt aus der Zeit der Hochinflation Anfang der 1920er Jahre. Die Mehrzahl der Bürger hatte Probleme, den Lebensunterhalt zu bezahlen, weil die Preise schneller stiegen als die Löhne. Binnenwert der Mark und Dollarkurs differierten aber teilweise sehr stark. Sonst hätten Reisende beispielsweise aus den USA nicht für wenige Dollar Luxus pur genießen können – für Summen, die bei ihnen zu Hause zu äußerst sparsamem Verhalten gezwungen hätten. Mit freundlichen Grüßen Rainer Geike Abb. 8a/b: DDR, 100 Mark der DDR der Ausgabe 1975 (Pick 31a). Quelle: Sammlung Grabowski. Antwort des Autors Sie haben natürlich recht – Wechselkurse haben nichts mit Kaufkraft zu tun. Diese Parallele soll mein Beitrag auch nicht ziehen. Für die dargestellten Währungen der RGW-Staaten und die Abweichungen zwischen den offiziellen, und den von Schweizer Banken (nicht der Börse) gestellten An- und Verkaufskursen am Schalter gibt es jedoch sicherlich folgendes zu bedenken: Die Kaufkraft der entsprechenden Landeswährungen war – was die Grundversorgung der Bevölkerung angeht – grundsätzlich sicher hoch. Allerdings war das Sortiment der Grundversorgung beschränkt, am stärksten zu dieser Zeit wohl in Rumänien. Für Waren, die über die Grundversorgung in den entsprechenden Ländern hinausgingen (und die vielleicht in den EWG-Staaten schon zum Warenkorb der Grundversorgung gerechnet wurden), mussten in Landeswährung im Verhältnis zum Einkommen sehr hohe Preise gezahlt werden, wenn sie in Landeswährung überhaupt erhältlich waren. Die Kaufkraft der Landeswährung war insofern gering. Das kommt in den Abweichungen der von der SKA gestellten An- und Verkaufskurse zu den offiziellen Wechselkursen recht gut zum Ausdruck. Exemplarisch ist für mich insofern die Entwicklung in der DDR, wo in den 1980er-Jahren immer mehr Waren aus der Grundversorgung bei HO und im Konsum zu subventionierten Preisen verschwanden, und zu deutlich höheren Preisen in den Delikat- und Exquisit-Geschäften wieder auftauchten. Diese Entwicklung unterscheidet sich auch von dem von Ihnen zitierten Beispiel aus Deutschland Anfang der 1920er-Jahre, wo es keine staatlich gesteuerten Preissysteme, und keine staatlich festgelegten Wechselkurse gab. Das alles ist Geschichte – wie die SKA (heute: Credit Suisse) ja bald auch. Mit freundlichen Grüßen Dr. Sven Gerhard












