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  • Zum Geldwesen der von der Wehrmacht besetzten sowjetischen Gebiete, Teil 3

    Zentralnotenbank Ukraine Der Zweite Erlass über die Verwaltung der neu besetzten Ostgebiete vom 20. August schuf das Reichskommissariat Ukraine. Am 1. September 1941 mittags 12 Uhr schieden die rückwärtigen Heeresgebiete Süd und Mitte aus dem Operationsgebiet des Heeres aus und bildeten das neue Reichskommissariat Ukraine (RKU).[1] Es umfasste den von der ukrainischen Bevölkerung bewohnten Teil der UdSSR, soweit er nicht dem Generalgouvernement Polen zugeschlagen worden war.[2] Reichskommissar mit Sitz in Rowno wurde der ostpreußische Gauleiter Erich Koch, dessen „Reich“ nun von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte. Im Westen wurde es vom Generalgouvernement Polen und im Norden vom Reichskommissariat Ostland begrenzt. Im Verlaufe des Kriegs wurde das Territorium mehrfach nach Osten erweitert. Seine Grenzen folgten am 15. November 1941 im Süden, Osten und Nordosten dem Lauf des Dnepr bis Tscherkassy und im Südwesten dem Verlauf des Bugs von Perwomajsk bis zur Einmündung des Dnjepr in das Schwarze Meer. Am 1. September 1942 wurde die größte Ausdehnung erreicht. Verwaltungsmäßig war das Reichskommissariat Ukraine in die sechs Generalbezirke Dnepropetrowsk, Kiew, Krim (Teilbezirk Taurien), Nikolajew, Shitomir und Wolhynien-Podolien mit der entsprechenden Anzahl von Kreisen unterteilt. Abb. 1: Karte des Reichskommissariats Ukraine. Quelle: CC BY-SA 3. File: ReichskommissariatUkraineMap (deutsch).png. Erstellt: 27. Oktober 2010. Ursprünglich sah Minister Rosenberg für die Ukraine eine gewisse Autonomie vor, Hitler wünschte jedoch einzig die Ausbeutung der Rohstoffe sowie der Landwirtschaft und Industrie des Landes. Für die „rassisch minderwertige“ Bevölkerung, die geistig und kulturell niedergehalten werden sollte, war das Schicksal als deutsche Arbeitssklaven bestimmt. Langfristig sollte das gesamte Gebiet rein deutsch besiedelt und in eine neue Ostmark umgestaltet werden. Die Krim gedachte man als Reichsgebiet Gotenland (der Name geht auf ab dem 3. Jahrhundert hier siedelnde gotische Stämme zurück, die bis ins 16. Jahrhundert als Krimgoten nachweisbar sind) ausschließlich deutsch zu besiedeln. Von hier aus sollte dann das Schwarze Meer beherrscht werden. Wie auch in den anderen von der Wehrmacht besetzten sowjetischen Gebieten wurden die Reichskreditkassenscheine zu 50 Reichspfennig, 1, 2, 5, 20 und 50 Reichsmark sowie die deutschen Scheidemünzen zu 1, 5 und 10 Reichspfennig aus Zink zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt. Die Rubelmünzen und -noten blieben daneben weiterhin im Umlauf. Dabei galt 1 Rubel (Rbl) = 10 Reichspfennig. Sorgen bereitete dem Wirtschaftsstab Ost Anfang Februar 1942 das steigende Preisniveau. Gründe hierfür sah man in den außerordentlich großen Bargeldreserven der Bevölkerung und der für den Verbrauch zur Verfügung stehenden, zu geringen Warenmenge. Durch Käufe der Truppe und der Zivilverwaltung sei darüber hinaus die Geldmenge weiter erhöht worden. „Vielfach wird auch behauptet, dass auch der Gegner beträchtliche Geldmengen in Umlauf brachte. So sollen z. B. Sowjetflieger Bargeld abgeworfen haben, und zurückgelassene Parteigänger des Sowjetsystems sowie Juden damit ausgestattet worden sein (zu Bestechungen, Sabotageakten usw.).“ Daher erscheine es dringend notwendig, das Geldwesen und den Geldumlauf neu zu regeln. „Um einen Teil des Bargeldes zu blockieren, wurde für Behörden, Betriebe und sonstige Organisationen die Hinterlegung überschüssiger Barmittel bei Banken angeordnet. Auch wurde verfügt, dass den Bauern der Erlös für die Ablieferung der Ernte nicht in bar ausbezahlt, sondern bei Banken gutgeschrieben wird.“ [3] Zwar galt seit Beginn der Besetzung ein allgemeiner Preis- und Lohnstopp auf dem Niveau der sowjetischen Vorkriegszeit, aber aufgrund der geringen Lebensmittelzuteilungen (300 g Brot pro Kopf der arbeitenden Bevölkerung) und dem viel zu geringen Warenangebot entstanden überall Schwarzmärkte im Land, auf denen sich die Preise nach den Gesetzen der Marktwirtschaft bildeten. „Die Schwarzmarktpreise überstiegen die amtlichen Preise in der Regel um das zehn- bis dreißigfache, wobei – laut Angaben der Besatzungsbehörden – eine überraschende Preisgleichheit im gesamten Ostgebiet festzustellen war. Die horrenden Preise auf den Schwarzmärkten standen in keinem Verhältnis zu den Löhnen: Gemessen an den herrschenden Schwarzmarktpreisen entsprach das monatliche Lohneinkommen eines Arbeiters im März 1942 innerhalb der WiS einer Kaufkraft von etwa fünf Reichsmark. Rechnete man die geringen Lebensmittelzuteilungen, die zu amtlichen Festpreisen abgegeben wurden, hinzu, so kam man auf eine Kaufkraft von zehn Reichsmark. Ein konkretes Beispiel verdeutlicht dies: Im Juli 1943 betrug der durchschnittliche Monatslohn eines Bergmanns im Donbass (einschließlich der ausgegebenen Naturalien) 347 Rubel (35 RM), wovon noch 10 Prozent Lohnsteuern abgingen. Zum gleichen Zeitpunkt lag der niedrigste Preis auf dem Schwarzmarkt für ein kg Brot bei 75 Rubel, für einen Liter Milch bei 35 Rubel, für zehn Eier bei 120 Rubel und für ein kg Butter bei 500 Rubel.“[4] Die deutschen Besatzungsorgane duldeten überwiegend die Schwarzmärkte, fehlte es doch am nötigen Überwachungspersonal und zum anderen profitierten die deutschen Besatzer auch direkt vom Schwarzmarkthandel durch Warenschieberei, die „an den Handel mit Negerstämmen und Tausch von Glasperlen gegen Elfenbein“ erinnerte.[5] Obwohl die Heeresleitung vehement gegen die Einführung neuer Währungen in den Reichskommissariaten war und die Gefahr heraufbeschwor, dass dadurch die Geldversorgung der Wehrmacht gefährdet würde, erließ der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete am 5. März 1942 die Verordnung zur Gründung einer ukrainischen Notenbank. Zum Präsidenten wurde am 14. Mai 1942 Reichsbankdirektor Dr. Eugen Einsiedel und Direktor bei der Reichsbank Leopold Scheffler ernannt. Der privatrechtliche Arbeitsvertrag sah eine jährliche Vergütung von 36.000 bzw. 30.000 RM vor. Aber beide waren Beamte der Reichsbank, also mittelbar Reichsbeamte, und diesen Status beabsichtigten sie nicht aufzugeben. Die Komplikationen waren vorprogrammiert. Im Finanzministerium stellte man sich auf den Standpunkt, dass die Arbeitsverträge mit der Dienststellung eines Beamten nicht vereinbar seien. Ein Beamter könne zwar im öffentlichen Interesse bei einer anderen als seiner bisherigen Dienststelle beschäftigt werden, jedoch behielte der Beamte auch während seiner Abordnung seine bisherigen Dienstbezüge. Mit Zustimmung der Mutterverwaltung könne der Beamte nur eine zusätzliche widerrufliche Vergütung bis zu 25 Prozent seiner gekürzten Dienstbezüge, höchstens jedoch 100 RM erhalten. Eine Beurlaubung sei darüber hinaus nur für die Dauer von 6 Monaten zulässig.[6] Es ist anzunehmen, dass die Höhe der Vergütung Dr. Einsiedel und Scheffler veranlassten, aus dem Beamtenverhältnis auszuscheiden, zumal wohl auch die Pensionsfrage zu ihrer Zufriedenheit geklärt wurde. Die Zentralnotenbank Ukraine nahm bereits am 1. Juni 1942 ihre Tätigkeit auf. Hauptsitz wurde Rowno, weitere Niederlassungen wurden zum gleichen Zeitpunkt unter Übernahme der örtlichen Reichskreditkassen in Brest-Litowsk, Dnjepro­petrowsk, Kiew, Kirowograd, Kriwoj Rog, Luzk, Nikolajew, Shitomir und Winniza eröffnet. Mit dem Vorrücken der Wehrmacht folgten weitere Niederlassungen: am 15. September in Poltawa, am 25. September in Saporoshje, am 6. Oktober in Melitopol und am 1. Dezember in Proskurow. Ferner bestanden noch vier Bahnhofswechselstellen. Abb. 2/3: Blätter der Mustersammlung der Reichsdruckerei in Berlin mit Musternoten der Zentralbank Ukraine über 1, 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Karbowanez 1942. Angegebe Menge des Gesamtauftrags: 414 Millionen Stück im Buchdruck. Auf Grund der Verordnung über die Währung im Reichskommissariat Ukraine vom 4. Juli 1942 wurden Banknoten über 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Karbo­wanez[7] (Kar) ausgegeben. Die neue Währung war wertgleich mit dem Rubel; 1 Karbowanez entspra­chen damit 10 Reichspfennig. Da nicht genügend Kleingeld vorhanden war, blieben die alten sowjetischen 1- und 3-Rubel-Scheine als 1- bzw. 3-Karbowanez-Scheine im Umlauf, ebenso die sowjetischen Scheidemünzen und die Zink-Reichsmünzen zu 1, 5 und 10 Reichspfennig. Aus Rücksicht auf die Wehrmacht – die Ukraine war Durchzugsgebiet – blieben auch die Reichskreditkassenscheine weiterhin gesetzliche Zahlungsmittel. Abb. 4.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 1 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 5 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 10 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 7.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 20 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 50 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 100 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 200 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Abb. 11.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 500 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Am 14. November 1942 folgte dann die Ausgabe von 1- und 200-Karbowanez-Banknoten.[8] Die Note zu 2 Karbowanez war zwar ebenfalls gedruckt, wurde aber nicht ausgeben. In Sammlerkreisen wird erzählt, dass die Scheine nicht in Umlauf gesetzt worden seien, weil eine größere Menge auf dem Transport verloren gegangen seien; worauf man die restlichen Noten vernichtet hätte. Hierüber findet sich in den Akten nichts, vielmehr scheint es, dass sich ihre Ausgabe wegen es Rückzugs der Wehrmacht und der zunehmenden Geldentwertung erübrigt hat. Abb. 12.1/2: Zentralnotenbank Ukraine, 10. März 1942, 2 Karbowanez, Vorder- und Rückseite. Die ukrainischen Banknoten wurden in der Reichsdruckerei in Berlin gedruckt. Die Druckkosten betrugen lt. Angaben im Verwaltungsbericht 27.379.293 Karbowanez.[9] Alle Karbowanez-Banknoten sind auf Vorder- und Rückseite textgleich: „Ausgegeben auf Grund der Verordnung vom 5 März 1942, Rowno, den 10. März 1942, Zentralnotenbank Ukraine“. Darunter die Unterschriften des Zentralnotenbankpräsidenten Einsiedel und des Vizepräsidenten Scheffler, daneben das Siegel der Bank mit Adler und Hakenkreuz. Am linken Rand die Wertangabe in Worten (deutsch) und Ziffern. Vom 1-Karbowanez-Schein abgesehen, zeigen alle Noten rechtsseitig in einem Medaillon stilisierte Brustbilder. Die Rückseiten sind zweisprachig. Am oberen Rand „Zentralnotenbank Ukraine“ und am unteren Rand die entsprechenden Angaben in Ukrainisch. Dazwischen links der Strafsatz „Geldfälschung wird mit Zuchthaus bestraft“ und rechts der entsprechende ukrainische Straftext, getrennt durch die Wertangabe in Ziffern. Die roten Kontrollnummern sind häufig durch Hitzeeinwirkung bräunlich verfärbt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie sich in Treso­ren in brennenden Bankgebäuden befanden. Katalog-Nummern nach Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 22. überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2020, S. 673 ff. Es war eine kleine Sensation als im März 2008 bei der 139. Auktion der Firma F. R. Künker eine 50-Kopeken-Münze des Reichskommissariats Ukraine mit der Jahreszahl 1943 angeboten wurde und für 11.000 € (+ Aufgeld) den Besitzer wechselte.[10] Noch erstaunter waren die Sammler über die Gestaltung der Münz-Rückseite, die eine Ähre vor einem Zahnrad zeigt. Genau dieses Symbol verwendeten zwischen 1948 und 1950 die Münzanstalten in Berlin und Muldenhütten bei der Prägung der 1. Münzserie der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands bzw. der DDR. Das Motiv war im Juni 1948 als Symbol des Zweijahresplans adaptiert worden. Abb. 13: Reichskommissariat Ukraine, 1943, 50 Kopeken, Vorder- und Rückseite. Ende 1942 verhandelte der Reichskommissar Erich Koch mit Dr. Moser von der Preußischen Staatsmünze in Berlin wegen der Prägung von Münzen für das Reichskommissariat Ukraine. Die Angelegenheit war im Dezember 1942 so weit gediehen, dass sich die Münzeprägeanstalt bereits wegen der Zuteilung von Eisen- und Zinkkontingenten an das Reichswirtschaftsministerium wandte.[11] Wie es scheint, wurden nur Probemünzen zu 50 Kopeken mit der Jahreszahl 1943 in Aluminium geprägt. In der Stempelsammlung des Berliner Münzkabinetts befindet sich ein Eisengussmodell der Rückseite, dessen Entwurf von Franz Krischker stammt.[12] Über die Menge der umzutauschenden Rubel gingen die Schätzungen weit auseinander. Dr. Einsiedel bezifferte den Rubelnoten-Umlauf im Reichskommissariat im Sommer 1942 auf 2,2 Milliarden Rubel. Der Umtausch erfolgte westlich des Dnjepr zwischen dem 6. und 25. Juli 1942. Hierbei wurden 1,2 Milliarden Rubel eingereicht; gegenüber dem veranschlagten Betrag von 3 Milliarden Rubel. Ein großer Teil der Rubelzahlungsmittel war also nicht umgewechselt worden, sondern „versickert“. Um inflationären Entwicklungen vorzubeugen, erfolgte der Umtausch der Noten ab 2 Tscherwonez (20 Rubel) in der Weise, dass sie zunächst einem unverzinslichen Konto gutgeschrieben und den Einzahlern Empfangsbescheinigungen ausgehändigt wurden.[13] Der Wert des Rubels, der durch die Festschreibungsaktion einen Todesstoß erhielt, notierte in einigen Distrikten 1:50 bis 1:80 zur Reichsmark bei einem amtlichen Umrechnungskurs von 1:10.[14] Mit der Erweiterung des Reichskommissariats wurden zwischen dem 14. Oktober und 3. November 1942 auch die Rubel östlich des Dnjepr umgetauscht. Der Gesamtbetrag der Festschreibungen betrug 424 Millionen Rubel. Wie ein Schreiben vom 4. November 1942 an den Reichskommissar für die Ukraine belegt, sah die Zentralnotenbank nach dem Rubeltausch nun in der inneren Festigung der Währung ihre vordringliche Aufgabe. „Das Auseinanderklaffen von Warenmenge und Geldmenge ist durch die Rubel-Festschreibung nur mit einmaliger Wirkung verringert und wird sich, vor allem auf dem Gebiet der Preise, mit zunehmender Schärfe wieder durchsetzen. Der Verschleiß an Bekleidung, Schuhwerk, Haushaltsgegenständen usw. geht weit schneller vor sich als der Ersatz durch Neuproduktion oder Einfuhr. Auf der anderen Seite wächst der Geldzufluß rapide an. Die Besatzungskosten belaufen sich bereits auf 900, der Bahnbedarf auf 150 Mill. Kar je Monat; für die Landwirtschaft und die gewerbliche Wirtschaft werden vom Frühjahr ab stark wachsende Mittel benötigt. Die Finanzierungsaufgaben sind kriegsbedingt, die Währungsspannungen somit in ihrem Kern unvermeidbar. Es muß unbedingt angestrebt werden, wenigstens den offenen Ausbruch einer Inflation durch den zusammengefaßten Einsatz aller Mittel der Wirtschafts-, Preis-, Lohn-, Finanz- und Währungspolitik zu verhindern.“[15] Am 2. Februar 1943 kapitulierten die Reste der 6. Armee in den Trümmern von Stalingrad. 110.000 von ehemals 260.000 Soldaten gingen in Gefangenschaft. Zehntausende blieben auf dem Schlachtfeld. Die NS-Propaganda stilisierte ihren Tod zum „Heldenepos“. In den folgenden Monaten musste die Front Schritt für Schritt zurückgenommen werden. „Trotz der erheblichen Verkleinerung des Währungsgebietes erhöhte sich ... der Notenumlauf ungewöhnlich schnell und erreichte am Jahresende [1943] den Stand von 7 Milliarden Kar gegenüber 3,8 Milliarden Kar am Ende des Vorjahres.“[16] Der Kassenbestand am 31. Dezember 1943 setzte sich aus dem Bestand an eigenen Noten und den Beständen an sonstigen Zahlungsmitteln zusammen, die im RKU gesetzliche Zahlungskraft besaßen. Die Reichsdruckerei gelieferte Kar-Noten Kar 15.458.816.730,-- davon befanden sich in den eigenen Kassen Kar 8.461.045.595,-- also waren im Umlauf Kar 6.997.771.135,-- Die Aktiva-Posten der Bilanz weisen folgende Kassenbestände aus: Eigene Noten Kar 8.461.045.595,-- Sowjetnoten zu 1 und 3 Rbl Kar 49.765.192,-- Russische Scheidemünzen Kar 35.759,32 Deutsche Scheidemünzen (aus Zink) Kar 566.700,50 Reichskreditkassenscheine Kar 597.049.310,-- Kar 9.108.462.556,82 Ein Blick auf die Zusammensetzung der in Umlauf befindliche Kar-Noten ergibt folgendes Bild:[17] 27.140.000 Banknoten zu 500 Kar Kar 1.357.000.000 = 19,4 % 6.345.000 Banknoten zu 200 Kar Kar 1.269.000.000 = 18,1 % 16.220.000 Banknoten zu 100 Kar Kar 1.622.000.000 = 23,2 % 34.280.000 Banknoten zu 50 Kar Kar 1.714.000.000 = 24,5 % 28.200.000 Banknoten zu 20 Kar Kar 564.000.000 = 8,1 % 32.400.000 Banknoten zu 10 Kar Kar 324.000.000 = 4,6 % 28.400.000 Banknoten zu 5 Kar Kar 142.000.000 = 4,2 % 6.000.000 Banknoten zu 1 Kar Kar 6.000.000 = 0,1 % 180.085.000 Banknoten Kar 6.998.000.000 = 100,0 % Zur Deckung des die üblichen Sicherheiten übersteigenden Notenumlaufs wurde lt. § 13 Ziff. 5 der Verordnung über die Errichtung einer Zentralnotenbank in der Ukraine vom 5. März 1942 „eine an den in der Ukraine gelegenen Grundstücken zu Gunsten der Bank bestellte erststellige, allen Steuern und sonstigen Belastungen vorgehende Grundlast bis zum Höchstbetrag von 10 Mrd. Karbowanez“ eingeräumt. Eine wesentliche Aufgabe der Zentralnotenbank bestand darin, die Versorgung der Wehrmacht mit Zahlungsmitteln zu gewährleisten. Am 9. Februar 1943 wandte sich Dr. Einsiedel telefonisch an das Finanzministerium, da die vorhandenen Bestände an Reichskreditkassenscheinen und freien Rubelzahlungsmitteln bei einer Anzahl von Zweigstellen der Zentralnotenbank nicht reichen würden, um den Anforderungen der Truppen, die sich durch die Ukraine in Richtung des Operationsgebiets bewegten, zu genügen. Wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse ließen sich die Vorräte auch nicht schnell genug auffüllen. Er schlug daher vor, auf die zugunsten des Reichs gesperrten Rubelzahlungsmittel, die noch in den Tresoren der Bank lagerten, zurückzugreifen. Der Reichskommissar sei mit dieser Regelung einverstanden, wenn die abgegebenen Rubel auf die Besatzungskosten angerechnet würden.[18] Mitte November 1943 befanden sich im Asservat des Reichskommissariats Ukraine immer noch erheblich Rubelbestände: [19] Im Einzelnen waren bei der Deutschen Reichsbank, Hauptkasse Berlin: an 250er Rubelnoten Rbl 1.750,-- an 100er Rubelnoten Rbl 4.381.300,-- an 50er Rubelnoten Rbl 7.732.450,-- an 30er Rubelnoten Rbl 19.930.650,-- an 20er Rubelnoten Rbl 2.727.000,-- an 10er Rubelnoten Rbl 67.972.550,-- an 5er Rubelnoten Rbl 99.104.400,-- Rbl 201.850.100,-- und bei der Emissionsbank in Polen, Zweigniederlassung Warschau an 250er Rubelnoten Rbl 8.000,-- an 100er Rubelnoten Rbl 16.293.900,-- an 50er Rubelnoten Rbl 25.766.800,-- an 30er Rubelnoten Rbl 130.504.470,-- an 20er Rubelnoten Rbl 7.746.060,-- an 10er Rubelnoten Rbl 205.087.520,-- an 5er Rubelnoten Rbl 207.052.370,-- Rbl 592.459.120,-- hinterlegt Rbl 794.309.220,-- bereits aus dem Asservat bereits entnommen Rbl 1.230.009.000,-- Gesamtsumme der dem Reichsminister der Finanzen vom Reichskommissar für die Ukraine zur Verfügung gestellten Rubelnoten auf Rbl 2.024.318.220,-- ================= Die Räumung beeinflusste auch den Postverkehr, sodass der Überweisungsverkehr, der beim Hauptsitz Rowno zentralisiert war, nur noch mit Verzögerungen durchgeführt werden konnte. Da von den Niederlassungen nach dem Reich meist wesentlich bessere Verkehrsanbindungen bestanden, wurden im November 1943 die Hauptbuchhaltung und die Verrechnungsabteilung nach Berlin verlegt, wo sie bis zur Errichtung der Verwaltungsstelle in Kattowitz (Oberschlesien) arbeitete. Die zunehmenden Truppenverlegungen erschwerten die Gelddispositionen erheblich. Immer häufiger verlangte die Wehrmacht große Notenabschnitte. Zur Deckung der Anforderungen wurden umfangreiche Geldtransporte von und nach dem Reich erforderlich. Um sie zu erleichtern und gleichzeitig dem fühlbaren Mangel an Tresorraum abzuhelfen, der nach der Räumung des Haupttresors in Kiew entstand, wurde in Lemberg ein Tresor gemietet und von hier ein großer Teil der Niederlassungen ohne Zeitverlust versorgt. Der Verwaltungsbericht für das Jahr 1943 berichtet anschaulich über diese Geldtransporte: „Eine harte Belastung verursachten die meist schwierigen Geldtransporte und die Räumung von Niederlassungen. Allein in den Monaten September bis Dezember 1943 sind insgesamt 93 Waggon-, Abteil- und Lastwagentransporte mit einer Dauer von insgesamt 438 Tagen … durchgeführt worden. Da polizeilicher Schutz fast nie zu erhalten war, mussten in dieser Zeit im ganzen 250 Mann als Begleiter eingesetzt werden, darunter ein grösserer Teil im Alter von 50 bis 60 Jahren. In den Monaten Januar und Februar 1944 waren die Transporte noch häufiger. Sie beanspruchten die Begleiter bei den klimatischen Verhältnissen des Ostens insbesondere auf Fahrten in bandengefährdeten Gebieten [Gefahr durch Partisanen] über vereiste Landstrassen oder in ungeheizten Güterwagen bis zur Grenze ihrer körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit.“[20] In dieser Situation trugen die Bankvorstände der Niederlassungen eine besondere Verantwortung. Eine allgemeine Weisung der Hauptleitung legte fest, dass die Niederlassungen so lange arbeiten sollten, wie in ihrem Bezirk noch kriegswichtige Zahlungsbedürfnisse, insbesondere auch von Truppenkassen, zu befriedigen waren. Auf der anderen Seite sollte jedoch unbedingt verhindert werden, dass der Roten Armee Notenbestände oder sonstige Werte in die Hände fielen. Insgesamt wurden bis Ende Februar 1944 16 Niederlassungen aufgegeben: Melitopol (am 18. September), Poltawa (am 19. September), Krestrowsk (am 21. September), Saporoshje (am 23. September), Dnjepropetrowsk und Kiew (am 25. September), Kriwoi Rog (am 23. Oktober), Cherson (am 28. Oktober), Shitomir (am 11. November) und Kirowograd (am 11. Dezember). Als zu Beginn des Jahres 1944 Rowno geräumt werden musste, fand die Hauptniederlassung vorübergehend vom 11. Januar – 5. Februar 1944 in Brody Quartier. Da die Hauptleitung im Reichskommissariat keinen geeigneten Platz mehr fand, stellte ihr die Deutsche Reichsbank Räume bei der Reichsbankstelle Kattowitz zur Verfügung. Ende Januar 1944 arbeiteten nur noch Niederlassungen in Brest-Litowsk, Luzk, Proskurow, Winniza, Balta (früher Uman) und Nikolajew. Anfang 1944 waren nur noch die Kreisgebiete Brest, Kobryn und Pinsk in deutscher Hand. Da sie keine eigenständige Verwaltung mehr zuließen, wurden sie im Februar der Verwaltung des Generalbezirks Weißruthenien im Reichskommissariat Ostland unterstellt. Damit hatte das Reichskommissariat Ukraine aufgehört zu bestehen und es stellte sich die Frage nach der Zukunft der Zentralnotenbank und ihrer Banknoten. Der Rückzug der Wehrmacht bedeutete auch, dass die deutschen Verwaltungsbeamten und Mitarbeiter der deutschen Unternehmen ins Reich zurückströmten. Jeder reichsdeutsche „Ukraine-Abwanderer“ – so die offizielle Bezeichnung – konnte den Gegenwert von 2000 RM – also 20.000 Kar – umtauschen. Für Volksdeutsche galt diese Grenze je Familie und bei sonstigen Personen lag sie bei 50 RM. Für die bankmäßige Abwicklung des Umtauschs wurde ein bürokratisches Monster geboren. In der Anweisung heißt es: „Die Reichsbankanstalten kaufen angebotene Kar-Noten, auch soweit sie den Freibetrag übersteigen, an, zahlen aber nur den Gegenwert bis zum Freibetrage aus. Für die Überschussbeträge wird den Einreichern Empfangsbestätigungen erteilt; es wird ihnen dabei anheimgestellt, für die Auszahlung eine Genehmigung des Reichskommissars für die Ukraine – Devisenstelle –, Postanschrift: Lemberg, (Generalgouvernement) zu beantragen. Die Reichsbankanstalten erfassen die Einreicher und Beträge listenmässig und überweisen den Gegenwert der Überschussbeträge auf ein Sonderkonto „Ukraine-Abwanderer“ der Zentralwirtschaftsbank bei Commerzbank A.G., Berlin unter Angabe des Einzahlers und unter Benachrichtigung des Berliner Büros der Zentralwirtschaftsbank. Das Berliner Büro der Zentralwirtschaftsbank überweist die bei der Commerzbank A.G. entstehenden Guthaben laufend über die Deutsche Verrechnungskasse auf das Konto der Zentralwirtschaftsbank bei der Zentralnotenbank Ukraine. Die Reichsbank sendet die aufgenommenen Kar-Noten an die Zentralnotenbank Ukraine und erhält den Gegenwert über die Deutsche Verrechnungskasse zurückerstattet. Sofern der Reichskommissar für die Ukraine – Devisenstelle – Umtauschanträge für Überschussbeträge genehmigt, teilt er der Zentralwirtschaftsbank die Genehmigung der Anträge mit. Die Zentralwirtschaftsbank überweist alsdann den Überschussbetrag über die Deutsche Verrechnungskasse an die Reichsbank. Die Reichsbank lässt die Beträge an die begünstigten Abwanderer auszahlen.“[21] Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete begründete die Umtausch-Beschränkung so: „Die aus ihren bisherigen Wohnsitzen in den besetzten Ostgebieten im Zuge der taktischen Bewegungen abgewanderten Personen haben nicht unerhebliche Geldbeträge in die Reichskommissariate Ostland und Ukraine, in das Generalgouvernement und in das Reichsgebiet mitgebracht. Diese Personen haben in den Aufnahmegebieten Rubelnoten, Kar-Noten; Reichskreditkassenscheine und Zloty zum Umtausch angeboten. Würde den Umtauschanträgen in vollem Umfang und sofort entsprochen, so würden die Abwanderer in den Besitz von Geldbeträgen gelangen, für die Kaufmöglichkeiten in den Aufnahmegebieten im allgemeinen gegenwärtig nicht bestehen. Im übrigen ist es nicht unzweifelhaft, dass die Abwanderer in allen Fällen redlich in den Besitz der angebotenen Beträge gekommen sind.“[22] Mitte September 1944 war die Abwicklung der Zentralnotenbank so weit fortgeschritten, dass von den vormals 160 reichsdeutschen Beamten nur noch 5 tätig waren.[23] Der Notenumlauf betrug noch 4 Milliarden Karbowanez, an Giroeinlagen war noch ein Restbestand von 3 bis 400 Millionen Karbowanez vorhanden. Beiden Posten standen Schatzanweisungen des Reichskommissars und der Eisenbahn gegenüber. Das Restpersonal sollte so bald wie möglich an die Heimatdienststellen zurückzugeben und die Schatzanweisungen durch zinsfreie Globalschatzanweisungen abgelöst werden, sodass der gesamte Geschäftsapparat der Zentralbank schon bald in völlige Ruhestellung treten könnte. Andererseits aber auch das ukrainische Geld- und Währungswesen jederzeit wieder in Gang gesetzt werden könnte.[24] Ende 1944 – die Rote Armee sammelte sich zum Sturm auf die Reichshauptstadt an der Oder – verhandelte Dr. Einsiedel mit dem Finanzministerium über den Aufruf der Kar-Banknoten. Im Ministerium war man der Meinung, dass die Besitzer der Kar-Noten im Reich ausreichend Zeit gehabt hätten, diese einzulösen, gab aber zu bedenken: „… bei einer Wiederbesetzung der Ukraine muß die Währungsfrage auf jeden Fall neu geregelt werden. Dann wird man allerdings die dort verbliebenen Kar-Noten aus politischen Gründen in irgend einer Form einlösen müssen.“[25] Glaubte man im Finanzministerium immer noch an den Endsieg? Zu einem Aufruf der Kar-Noten ist es nicht mehr gekommen. Das letzte Lebenszeichen der Zentralnotenbank Ukraine stammt vom 2. Januar 1945. An diesem Tag unterzeichnete Dr. Einsiedel den Ausweis der Bank für den 30. Dezember 1944. [26] Ausweis der Zentralnotenbank Ukraine für den 30. Dezember 1944 Danach hatte man wohl andere Sorgen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Führer-Erlasse 1939 -1945, zusammengestellt und eingeleitet Martin Moll, Hamburg 2011, BdF und OBdW, betrifft: Aussscheiden von Gebietsteilen im Osten aus dem Operationsgebiet des Heeres und Einführung der Zivilverwaltung, vom 20.8.1941, Dokument 108, S. 196 f. [2] Ebenda, Zweiter Erlass des Führers über die Einführung der Zivilverwaltung in den neu besetzten Ostgebieten vom 20. August 1941, Dokument Nr. 107, S. 195. [3] BA Berlin, R2/30584, Fol.1, Wi Stab Ost, Chefgruppe w, Gruppe VII.Allg.Wi, Kriegstagebuch (22/42), 10.2.1942. [4] Tanja Penter, Arbeiten für den Feind in der Heimat – der Arbeitseinsatz in der besetzten Ukraine 1941 – 1944, in: Dieter Ziegler (Hrsg.), Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in den besetzten Gebieten, Berlin 2004, S. 65 - 94. [5] Ebenda. [6] BA Berlin, R2/14591, Bl. 29 – 36. [7] Karbowanez ist eine alte ukrainische Bezeichnung für den Rubel und bedeutet so viel wie gekerbter Silberbarren. [8] BA Berlin, R 29/424, TAO 187/42 vom 26.11.1942. [9] Verwaltungsbericht der Zentral-Notenbank Ukraine für das Jahr 1942 vom 12. Februar 1943, S. 8. [10] Kurt Jaeger, Bearbeiter: Michael Kurt Sonntag, Die deutschen Münzen seit 1871, 26. überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2019, S. 887. [11] BA Berlin, R2/30585, Schreiben des Referenten Dr. Eckhard an den Referenten Dr. Franken vom 1. Dezember 1942. [12] Münzen & Sammeln, Heft Dezember 2007, S. 15. [13] Verwaltungsbericht der Zentral-Notenbank Ukraine für das Jahr 1942, S. 2. Nach der Dritten Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Währung im Reichskommissariat Ukraine wurden festgeschriebene Gelder zurückgezahlt: ab 1. Dezember 1942 alle Einlieferungen bis zu 150 Rubel und ab 1. April 1943 alle Einlieferungen bis zu 300 Rubel. Die für die Herbstmonate geplante Freigabe der übrigen festgeschriebenen Gelder musste ausgesetzt werden, da durch die Räumung von Niederlassungen die Kontrollunterlagen längere Zeit nicht greifbar waren. „Um eine Vereinheitlichung der Bearbeitung zu ermöglichen, wurde das gesamte Material in Räumen der Deutschen Reichsbank in Berlin zusammengefasst; die Neuordnung ist noch im Gange.“ (Verwaltungsbericht der Zentralnotenbank Ukraine für das Jahr 1943, S. 5). [14] BA Berlin, R2/14591, Bl 53, Währungsregelung in der Ukraine, Bericht über die Sitzungen des Verwaltungsrats der Reichskreditkassen am 10. und 31. Aug. 1942. [15] Ebenda, Bl. 81. [16] Verwaltungsbericht der Zentralnotenbank Ukraine für das Jahr 1943 vom 1. März 1944, S. 4. [17] Ebenda, S. 8. [18] BA Berlin, R2/14591, Bl. 156. [19] Ebenda, Schreiben der Zentralnotenbank Ukraine vom 17. Nov. 1943 an die Hauptverwaltung der Reichskreditkassen, Bl. 290. [20] Verwaltungsbericht 1943, S. 7. [21] BA Berlin, R2/30586 Aktenvermerk des Oberregierungsrates im Reichsfinanzministerium Dr. Eckhardt vom 27. Januar 1944 über ein fernmündliches Gespräch mit Zentralnotenbank Präsident am 26. Januar 1944. [22] Ebenda, Schreiben des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete vom 3. Februar 1944 an die Reichskommissare für das Ostland und Ukraine. [23] Die Zahl der zur Zentralnotenbank abgeordneten Reichsbank-Bediensteten stieg infolge des vermehrten Arbeitsanfalls bis Anfang September 1943 auf 156. Mit Schrumpfung des Kar-Währungsgebietes ging ihre Zahl bis Ende Februar 1944 auf 107 zurück. Davon waren noch 47 im Osten und 44 bei der Hauptniederlassung in Kattowitz tätig, während 16 in Berlin im Wesentlichen mit der Neuordnung der Empfangsbestätigungen und der Bearbeitung von Geld- und Sortenbeständen beschäftigt waren. [24] BA Berlin, R2/14592 Aktenvermerk vom 22. September 1944, Abwicklung der Zentralnotenbank Ukraine. [25] Ebenda, Abwicklung der Zentralnotenbank Ukraine, Aktenvermerk vom 23. Dezember 1944. [26] BA Berlin, R2/14633, Bl. 67.

  • Iran: Neue Schecks zu 2 Millionen Rials bestätigt

    Im August 2008 gab die Zentralbank des Iran neue "Schecks" aus, die aus politischen, finanziellen und sozialen Gründen keine Banknoten sind, obwohl sie wie ein gesetzliches Zahlungsmittel zirkulieren und nicht indossiert werden müssen. Sie wurden eingeführt, um eine Reihe von Schuldscheinen mit hohem Nennwert zu ersetzen, die private Banken ausgestellt hatten, um ihren Kunden die Durchführung großer Transaktionen zu ermöglichen, und die nun verboten sind, da die Zentralbank die Kontrolle über die Geldmenge wiedererlangt hat. Die Filialbanken stempeln die Rückseite dieser Schecks häufig mit dem Namen und dem Datum der Filiale. Die Schecks werden von den Banken gekauft, um für große Zahlungsabwicklungen verwendet zu werden, dann wie Bargeld zwischen Privatpersonen übertragen, aber bei der Einreichung in den Banken entwertet. Die für Oktober 2008 geplante Einführung eines 2.000.000-Rials-Schecks wurde zwar abgesagt, nachdem Mahmoud Bahmani im September 2008 zum Gouverneur der Bank ernannt wurde, der Scheck wurde jedoch im Jahr 2023 wieder eingeführt. Hans-Ludwig Grabowski

  • MIF PAPER MONEY FAIR MAASTRICHT

    Zu der bevorstehenden MIF Paper Money Fair vom 29. bis 30. April 2023 in Maastricht haben sich bereits über 200 Händler aus aller Welt angemeldet. Darüber informierte der Veranstalter Dimitri Waltmans. Damit ist für die MIF als Nachfolgeveranstaltung der Paper Money Fair in Valkenburg ein neuer Meilenstein erreicht. Ein geänderter Hallenplan ist fertig und die Ausstellerliste ist online abrufbar: https://mifevents.com/en/floor-plan-mif-2023/ https://mifevents.com/en/participating-exhibitors/ Für Sammler ist der Eintritt übrigens an beiden Tagen frei und am Freitag zuvor ist reiner Händlertag. Wir sehen uns Ende April in Maastricht! Hans-Ludwig Grabowski

  • Besondere Geldscheine einer Westernstadt

    Tombstone, Arizona. Die Liebhaber seichter und klassisch-guter Western-Filme kennen sich aus: Tombstone im Südwesten der USA wurde legendär durch eine Schießerei während der Zeit des „Wilden Westens“. Man erinnert sich an die Revolverhelden Wyatt Earp und Doc Holliday und ihren Kampf gegen die Clanton- und McLaury-Brüder am O. K. Corral im Oktober 1881. 36 Jahre später kam es wieder zu einer Schießerei in Tombstone. Die „Tombstone Times“ (Tombstone Arizona’s History Information Journal) erinnerte in ihrer Dezemberausgabe 2022 an die Ereignisse vom 2. November 1917 in der Stadt: ein aus dem nahem Gleeson stammender Kinobesitzer versuchte an diesem Freitag in den Mittagsstunden die First National Bank in Tombstone zu überfallen. Schon seit dem Vortag hatte er die Bank beobachtet. Der Kassierer T. R. Brandt war die einzige Person im Bankgebäude; sein Sohn Bradford, der ihn oft unterstützte, war auf dem Weg zum Post Office. Das registrierte der Bankräuber Fred H. Koch und lud seine 38er ACP, ging zum Schalter und verlangte Bargeld. Brandt griff nicht in die Kasse, sondern schnell zu seiner 10er Winchester – aber nicht schnell genug. Koch schoss ihm zweimal in die Brust und Brandt fiel zu Boden. Koch versuchte in den Tresorraum einzudringen, aber erfolglos, floh zu Fuß – ohne Beute. Der legendäre Texas-Ranger Jefferson Davis Milton befand sich an diesem Tag nahe dem Tatort beim Mittagessen. Er war als Zollinspektor auf Streife und hatte neuerdings eine „Tin Lizzie“, den Ford Model T. Nach den Schüssen an der Allan Street nahmen Milton und Guy C. Welch, Sheriff im Cochise County, die Verfolgung auf. Der Bankräuber rannte in die Wüste, kam aber in Sichtweite der Verfolger; Jeff Milton sprang aus seinem Auto und zielte in einer Entfernung von etwa 70 Meter auf Fred Koch. Der brach an der Schulter getroffen zusammen und wurde zurück nach Tombstone gebracht, wo er vor Gericht gestellt, zu lebenslanger Haft verurteilt und anschließend ins Staatsgefängnis von Arizona nach Florence gebracht wurde. Der angeschossene T. R. Brandt verstarb an seinen Verletzungen am 10. Dezember 1912 in El Paso. Er war Geschäftsführer der First National Bank of Tombstone. Die Bank erlangte 1902 unter der Charter-Nr. 6439 das Recht zur Banknoten-Ausgabe. Seine eigenwillige und ausschweifende Unterschrift befindet sich auf dem einzig bekannten Schein der FNB Tombstone/Territory Arizona. Abb. 1: 10 Dollars der First National Bank of Tombstone, ausgegeben zwischen Juli 1902 und Juni 1905. Abb. 2: 10 Dollars, Rs. der Noten der FNB Tombstone. Die gedruckten Unterschriften sind die der US-Schatzamt-Beamten J. W. Lyons und Ellis H. Roberts. Charles L. Cummings, Bankdirektor bis 1906, unterschrieb auf der rechten Seite. Ein zweiter Schein der FNB Tombstone ist der mit der Unterschrift der damaligen Bank-Präsidentin Mary M. Costello mit Datum 14. Februar 1912. Sie war die Ehefrau von Martin Costello, dem Kupferkönig von Tombstone; beide siedelten sich 1887 in der Stadt an. Interessant sind zwei weitere Scheine der National Bank mit dem gleichen Datum, aber mit der Unterschrift von Ruth C. Costello, der Tochter von Mary McNelis Costello. Die Banknote von 1902 zeigt „Ter. Arizona“ – also Territory of Arizona (T. A.), die anderen nur „Arizona“. Das Datum der drei Costello-Scheine ist wahrscheinlich nicht zufällig gewählt: der 14. Februar 1912 ist auch das Aufnahmedatum Arizonas als 48. Bundesstaat der USA. Die vier Banknoten sind äußerst selten und stammen aus der Sammlung von Peter W. Huntoon und aus dem Nachlass der Costello-Familie. Die Bank schloss 1924 und war eine der 27 Banken in Arizona, die "Nationals" drucken ließen und ausgaben. Von den Banknoten der First National Bank of Tombstone in den Wertstufen 5, 10 und 20 Dollars sind bisher nur diese vier beschriebenen Zehner bekannt. Abb. 3: 10 Dollars der First National Bank of Tombstone, ausgegeben zwischen Februar und November 1912. Abb. 4: 10 Dollars der First National Bank of Tombstone, ausgegeben zwischen Februar und November 1912; eine weitere Banknote mit der Kontrollnummer Y282995H stammt ebenfalls aus der Huntoon-Sammlung. Die Stadt wurde schon 1879 von den Geologen Richard K. Gird und Edward L. Schieffelin gegründet. Der deutschstämmige Schieffelin war auch Goldsucher und Scout der US Army. Dort vertraute er sich Albert Sieber an, dass er Gold in der Gegend vom heutigen Cochise County finden wolle. Sieber warnte vor großen Gefahren im Indianergebiet und vor der Erfolglosigkeit der Suche nach Erzlagern und fragte Schieffelin eines Tages im Jahr 1877 „Whar you goin’, Ed?“ – er antwortete „Just out a ways, looking for stones”; Al Sieber warnte „Don’t you know this country’s full of Indians? You’ll not find your fortune out there. Only stone you’ll find will be your tombstone.”* Nach sehr ergiebigen Silberfunden nannte Schieffelin einen seiner ersten Claims „Tombstone“ (= Grabstein) und wurde so der Name der späteren Ortschaft. Die Stadt wurde zur "Boomtown" und hatte in ihrer besten Zeit über 15.000 Einwohner. Nach dem Niedergang der Stadt seit den 1920-er Jahren leben heute noch annähernd 1.000 Menschen hier; hauptsächlich vom Tourismus. * Übersetzung: „Wohin gehst du, Ed?“... „Einfach draußen unterwegs, auf der Suche nach Steinen“ ... „Weißt du nicht, dass dieses Land voller Indianer ist? Dort draußen findest du kein Vermögen. Der einzige Stein, den du findest, wird dein Grabstein sein.“ Unter der Bezeichnung „Tombstone note“ sind bei US-amerikanischen Sammlern die 10-Dollars-Scheine der Serien 1886, 1891 und 1908 bekannt, die jedoch nichts mit der Stadt in Arizona zu tun haben. Das von Charles Schlecht geschaffene Porträt zeigt Thomas A. Hendricks, Vizepräsident der Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft des Demokraten St. Gr. Cleveland; er starb am 25. November 1885 während seiner kurzen Amtszeit. Da das Bildnis mit einer nach oben gebogenen Umfassung eingerahmt ist und einem Grabstein ähnelt, entstand der Name „Tombstone note“. Fraglich ist, ob das vom Gestalter beabsichtigt war oder versehentlich entstand. Abb. 5: 10 Dollars Silver Certificate, Serie 1891, ausgegeben zwischen April 1891 und Mai 1893. Der Tourismus ist heute der Haupterwerbszweig in der Stadt und stark geprägt von Veranstaltungen und „Sehenswürdigkeiten“, die alle im Zusammenhang auf die eingangs geschilderte Schießerei von 1881 stehen. Dieses Ereignis vor über 140 Jahren wird auch 2023 wieder typisch US-amerikanisch vermarktet: vorgesehen sind das „Tombstone Film Festival“, das „Tombstone Festival of Western Books“, die „Tombstone Vigilante Days“ und „Tombstone Wild West Days“; auch die „Wild West Witches“ oder die „Reenactment groups“ locken Jahr für Jahr mit ihren Aktionen und Nachstellungen der Schießerei am O. K.-Mietstall viele Besucher in die Stadt. Dass man dort auch mit Dollar-ähnlichen Gedenkscheinen versucht Einnahmen zu erzielen ... wundert nicht. Abb. 6: Gedenkschein der „Tombstone currency“ zu 20 Dollars, Vs. mit dem Bildnis von Wyatt Earp, Hauptakteur der Ereignisse im Jahr 1881 (gestaltet von Fajla Rabby). Abb. 7: Gedenkschein der „Tombstone currency“ zu 20 Dollars, Rs. Abb. 8: Variante „Tombstone currency“ zu 20 Dollars, Vs. Abb. 9/10: Entwurf eines Gedenkscheins zu 20 Dollars, Vs. und Rs. Abb. 11: Gedenkschein zu 1 Mio. Dollar, Vs. mit den Bildnissen von Thomas und Frank McLaury und ihren Gegnern Doc Holliday, Virgil und Morgan Earp und ihrem Bruder Wyatt Earp im Oval. Abb. 12: Gedenkschein zu 1 Mio. Dollar, Rs. mit den vier Grabsteinen der beiden Clanton- und den zwei McLaury-Brüdern auf dem Boot Hill (= Siefelhügel, so nannte man die Friedhöfe im Wilden Westen, wo Tote begraben wurden, die noch ihre Stiefel anhatten oder auf der Durchreise waren). Aber auch zeitgenössische Münzen im Blister mit der Geschichte des Pistolenkampfes zwischen Gesetzesvertretern und Gesetzlosen werden heute noch angeboten. Es sind die sog. "Morgen-Dollars", die silbernen Eindollar-Münzen, die vom US-amerikanischen Graveur George T. Morgan gestaltet wurden. Es gibt unterschiedliche Ausgaben, aber stets mit einer authentischen Münze: 26,73 Gramm schwer, 90 Prozent Silber und mit einem Durchmesser von 38,11 Millimeter. Abb. 13: 1 Dollar 1881, Vs. = Liberty, im Blister, mit der Historie in Form einer Zeitungstitelseite. Abb. 14: 1 Dollar 1881, Rs. = Weißkopfseeadler, im Blister, mit der Darstellung des Kampfes am O. K. Corral. Auslöser der Schießerei war übrigens die Verhaftung des Cowboys Ike Clanton durch den City Marshal Virgil W. Earp am Morgen des 26. November 1881. Wegen „ungebührlichen Verhaltens“ wurde Clanton vor dem Stadtgericht entwaffnet und zu einer Strafe von 25 Dollars verurteilt. Nach Verlassen des Gerichtssaals schwor Ike Clanton Rache und kam gegen 15.00 Uhr mit seinen Brüdern und den McLaury-Leuten zurück ... und es fielen etwa 30 Schüsse ... Abb. 15: aus damaligen Zeitungen stammende Artikel, die zusammengestellt für einen heutigen "Flyer" dienten. Die wahre Geschichte liest sich völlig anders, als der Mythos, der seit Jahrzehnten gepflegt wird. Michael H. Schöne Quellen: Hattich, William: „Tombstone, In History, Romance and Wealth“ Tombstone, Arizona, 1903 https://www.tombstoneepitaph.com https://discovertombstone.com/tombstone-events https://www.google.de/search?q=tombstone+epitaph+october+26+1881 https://de.wikipedia.org/wiki/Schiesserei_am_O._K._Corral „Tombstone Daily Prospector, 2. November 1917/11. Dezember 1917 „The Journal of Arizona History“ Nr. 4, 1988 Testimony of Wyatt S. Earp in the Preliminary Hearing in the Earp-Holliday Case. In: Famous Trials: The O. K. Corral Trial. 2005

  • Aus der HVB Stiftung: 1 Sol der Republik Peru von 1879

    Das erste Papiergeld in Peru wurde noch vor Erlangung der Unabhängigkeit ausgegeben. Der Banco de la Emancipación emittierte 1822 Scheine zu 2 und 4 Reales sowie 1 Peso. Sie wurde allerdings 1823 schon wieder geschlossen. Weitere private Notenbanken entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine staatliche Papiergeldausgabe erfolgte erstmals im Jahr 1879. Im Jahr 1922 wurde schließlich eine zentrale Notenbank gegründet, der Banco de Reserva del Perú. Peru, República del Perú, Lima: 1 Sol vom 30. Juni 1879 Vorderseite: Links und rechts je eine Putte, in der Mitte eine weibliche Figur mit Füllhorn und Früchten. Rückseite: In der Mitte ein Segelschiff. Wasserzeichen: ohne Format: 157 x 73 mm. Druckerei: American Banknote Company, New York. Katalogreferenz: PER-1 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) Zur der HVB Stiftung Geldscheinsammlung bei bavarikon. Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de

  • Leserpost: Banknoten der Deutschen Notenbank Serie 1948 ohne Kontrollnummer

    Sehr geehrter Herr Grabowski, mit meinem Schreiben nehme ich Bezug auf den Leserbrief von Herrn Henning Huschka „50 DM der Deutschen Notenbank von 1948 ohne Kontrollnummer“ sowie auf Ihren Aufruf in der "Münzen & Sammeln" Ausgabe 02/2023 mit der Bitte, Scheine der Deutschen Notenbank der Ausgabe 1948 mit fehlender Serie und Notennummer zu melden. In diesem Fall betraf es die 50-DM-Note, von der ich ein Exemplar in meiner Sammlung habe. Mein Schein hat die Abmessungen 184 x 92 mm (Originalgröße 171 x 87 mm) und rückseitig einen doppelten Unterdruck, davon einmal kopfstehend. Am unteren Rand ist der darunter befindliche Nutzen als äußerst schmaler Streifen zu erkennen. Die Plattennummer der Vorderseite ist 319, die rückseitige Plattennummer 338. Das Wasserzeichen (Pfeilspitzen) ist gut zu erkennen, ebenso die Faserstreifen. Der Schein hat einen sehr sauberen geraden und rechtwinkligen Schnitt, ein Ausschneiden per Hand aus einem Makulaturbogen schließe ich deshalb aus, halte ihn aber dennoch für eine Makulatur-Note, welche nicht mehr nummeriert worden ist. Der Geldschein ist in guter Erhaltung, ich würde ihn mit I-/II+ einschätzen. Den Schein erwarb ich im Oktober 2010 bei meinem langjährigen Händler Hans Worbes (Berlin). Ich hoffe, mit meinen Informationen zu näheren Erkenntnissen bei den Plattennummer-Kombinationen dieser Banknotenausgabe beitragen zu können, eventuell erhalten Sie auch noch Meldungen von anderen Sammlern. Gern können Sie meinen Leserbrief veröffentlichen oder die Informationen an Herrn Huschka weiterleiten. Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig Jörg Heße Anmerkung der Redaktion Ich habe Herrn Heße angerufen und wir konnten uns darauf verständigen, dass es sich wohl um einen Probedruck aus der Wertpapierdruckerei Leipzig handeln muss. Die Scheine der ersten Auflage der Noten der Ausgabe 1948 der Deutschen Notenbank kamen ja bekanntlich aus der damaligen Sowjetunion (Goznak, Moskau). Ab 1952 kamen dann nur noch Drucke aus der Deutschen Wertpapierdruckerei in Leipzig (DWD) in den Umlauf. Vermutlich handelt es sich um eines der Archivstücke, die nach der Übernahme der Wertpapierdruckerei durch Giesecke & Devrient vor der Vernichtung bewahrt worden sind und später in den Handel gelangten. Wie bekannt, waren in Leipzig ganze Bogen aufbewahrt worden, auf denen sich zum Teil auch Vermerke zu Tests der Drucke (z. B. bei Hitzeeinwirkung) befunden haben. Der vorliegende Schein kann auch später aus einem Bogen geschnitten worden sein, was das größere Format erklärt. Auf alle Fälle handelt es sich um einen seltenen historischen Beleg zur Geldgeschichte der DDR aus den Anfangsjahren des Drucks in der DWD Leipzig nach dem Krieg. Hans-Ludwig Grabowski

  • Gibt es die ultimative Sammlung?

    Wie sammele ich richtig? Auf diese Frage gibt es nur eine klare Antwort: Jein! Jeder Sammler muss für sich entscheiden, was er sammeln möchte und natürlich, was sein Geldbeutel hergibt. Das Sammeln von Papiergeld stellt für viele einen kurzweiligen Zeitvertreib und eine willkommene Ablenkung vom Alltag dar. Andere betrachten ihr Hobby als mögliche Geldanlage. Aber Vorsicht! Um hierbei erfolgreich sein zu können, benötigt ein Sammler eine gehörige Portion Glück, ein feines Gespür für die Entwicklungen des Marktes und ein fundiertes Wissen, das man sich erst im Laufe eines Sammlerlebens erarbeiten muss. Leider wird man hierbei auch manches Lehrgeld zahlen. Aber zurück, wie sammelt man richtig? Als ich vor vielen Jahrzehnten als Jugendlicher begann Papiergeld zu sammeln, sagte mir ein alter, gestandener Sammler: „Junge kauf Dir lieber eine seltene, möglichst gut erhaltene Note, statt zehn oder mehr gebrauchte oder häufige Scheine. Der seltene oder kassenfrische Geldschein wird im Laufe der Zeit immer teurer oder ist später vielleicht gar nicht mehr zu beschaffen, während Du die häufigen oder schlecht erhaltenen dagegen auch weiterhin für wenig Geld bekommen wirst.“ Vergleicht man die Preise in den Verkaufslisten vergangener Jahrzehnte mit den heutigen Preisen bei Auktionen, so muss man anerkennen, dass der Sammler Recht behalten hat. Dennoch sollte man sich hüten, die Erhaltung als Maßstab aller Dinge zu machen. Natürlich lassen sich aktuelle oder häufige Ausgaben leicht in kassenfrischer Erhaltung bekommen, problematisch wird dies jedoch z. B. bei den Notgeldausgaben der deutschen Hochinflation oder bei den seltenen „antiken“ Geldscheinen des 18. und 19. Jahrhunderts, die häufig selbst in mieser Erhaltung nicht zu finden sind. Abb. 1: Mindmap: Ultimative Sammlung (Sammlungsaufbau). Für die meisten von uns älteren Sammlern begann ihre Sammelleidenschaft mit einem „Dachbodenfund“. In einer Schachtel befanden sich einige Münzen und Geldscheine, meist aus der Inflationszeit, die ggf. auch den einen oder anderen ausländischen Geldschein beinhaltete. Heute beginnen viele mit Banknoten, die als Restzahlungsmittel bei ihrem Auslandsurlaub übrigblieben. Meist wird zunächst alles aufgehoben, was als Papiergeld anzusehen ist. Doch schon bald stellt sich die Frage nach der systematischen Fortführung dieser Generalsammlung. Mancher Sammler ist bestrebt danach, aus jedem Staat der Erde einen Beleg zu erhalten, andere spezialisieren sich auf die Ausgaben eines Landes; die Notgeldemissionen einer Region, einer Stadt; eine bestimmte Notgeld-Epoche (z. B. 1914er Ausgaben, Verkehrsausgaben, Serienscheine usf.)[1]; eine bestimmte Wertstufe (z. B. nur Billionenscheine); ein bestimmtes Zeitfenster (Banknoten vor Reichsgründung, Besatzungsgeld aus dem Ersten Weltkrieg, Kriegsgefangenenlagergeld, Geld aus den Kolonien u. ä.); Briefmarkengeld oder Geldzeichen aus ungewöhnlichen Materialien, wie Stoff, Leder, Plastik (Polymer-Kunststoff) … Reizvoll kann auch eine Motivsammlung sein. Hier bieten besonders die deutschen Serienscheine mit ihren viele verschiedenen Abbildungen (Bauwerke, Landschaften, Sagen und Märchen, Tiere und Pflanzen, Handwerk und Industrie, historische Ereignisse und Persönlichkeiten …) schier unendlich viele Möglichkeiten, eine reichhaltige Sammlung aufzubauen. In diesem Zusammenhang lassen sich die Ausgaben häufig auch verschiedenen Künstlern und Druckereien zuordnen. Natürlich kann eine Motiv-Sammlung auch mit Banknoten aufgebaut werden, z. B. weisen viele Noten Abbildungen von Eisenbahnen, Schiffen, Flugzeugen, Tieren, historischen Gemälden oder Persönlichkeiten auf. Eine umfangreiche Sammlung lässt sich z. B. aus Geldscheinen zusammenstellen, die das Konterfeit der verstorbenen englischen Königin Elisabeth II. zeigen, die als am meisten abgebildete Person auf Geldscheinen überhaupt gilt.[2] Abb. 2: Bank of England, o. D., 10 Pounds, Vorderseite. Gerade die deutschen Reichsbanknoten und Notgeldscheine wurden nach ihrer Außerkurssetzung an Sammler abgegeben. Um Missbrauch auszuschließen, wurden sie oft auf verschiedene Arten entwertet (Stempel, Lochung, Abschnitte …). Auch hier findet sich ein interessantes und meist kostengünstiges Sammelgebiet.[3] Die Notenbank der Tschechoslowakei gab Restbestände ihrer Noten ab, die in Lochschrift (Perforation) mit „SPECIMEN“ oder „NEPLATNÉ“ gekennzeichnet sind. Abb.3: Stadtgemeinde Rastatt, 15. Oktober 1918, 20 Mark, Stempelentwertung: „Sammlerstück“, Vorderseite. Abb. 4: Stadt Mainz, 16. Oktober 1918, 10 Mark, Lochentwertung, Vorderseite. Ist erst einmal ein genügend großer Grundstock an Scheinen vorhanden, bietet sich oft die Gelegenheit zum Aufbau einer Spezialsammlung. Zum Beispiel lassen sich von der 1000-Mark-Reichsbanknote mit dem Ausgabedatum 15. September 1922 mehr als 6000 Varianten zusammentragen, die sich in Wasserzeichen, Papierfarbe, Firmenbuchstaben, Kontrollnummerngröße, Druckfehler … unterscheiden.[4] Abb. 5: Reichsbank, 15. September 1922, 1000 Mark, Wasserzeichen: Hakensterne, Firmenbuchstaben BB (Druckerei Büxenstein, Berlin), Vorderseite. Von diesem Schein gibt es 6000 Varianten! Jeder Sammler strebt nach einer möglichst „vollständigen“ Sammlung. Natürlich freut man sich, wenn man einen Neuzugang im Katalog abhaken kann. Es gibt jedoch Bereiche, die sich wegen der seltenen Angebote oder wegen hoher Preise kaum systematisch sammeln lassen. Ich denke hier an Musternoten, Fälschungen,[5] Propaganda-, Test- und Werbenoten u. ä. Anzumerken ist hier: Seltenheit ist nicht gleichbedeutend mit hohem Preis und umgekehrt ein hoher Preis steht nicht immer automatisch für Seltenheit. So können auch relativ häufige Noten teuer sein, wenn eine entsprechende Nachfrage nach ihnen besteht. Bei vielen Sammlern findet auch das Anstaltsgeld, Gefängnisgeld, Bettlergeld[6], Schwundgeld, Schiffsgeld, Unterstützungsscheine, Asylantengeld oder Regionalgeld kaum Beachtung. Möglicherweise liegt das daran, dass über diese Sondergeldformen bei den Sammlern immer noch zu wenig bekannt ist. Abb.6: Musternote, Staatsbank der DDR, 1975, 5 Mark, Vorderseite. Abb. 7: Werbenote der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH, o. D., 3000, Vorderseite. Abb. 8: Gefängnisgeld, centre penitenciari d'homes (Barcelona), o. D., 500 Pesetas, Vorderseite. Abb. 9: Asylantengeld, Kreisverwaltung Erfurt-Land – Sozialamt –, o. D., 5 DM, Vorderseite. Abschließend noch ein Blick auf die zahlreichen geldähnlichen Druckerzeugnisse, wie Kreditscheine, Warengutscheine, Werbescheine Bedarfsdeckungsscheine, Gutscheine des Winterhilfswerks, Movie-/Theatergeld. Eine besondere Beachtung verdienen die Steuergutscheine. Mit ihnen zahlte die NS-Regierung zweitweise 40 Prozent ihrer Einkäufe. Abb. 10: Steuergutschein, Reichsminister der Finanzen, 24. März 1939, 5000 Reichsmark, Vorderseite. Seit geraumer Zeit werden auf der Auktionsplattform „ebay“ eine Unzahl von „Nachdrucken/Kopien“ von mehr oder weniger seltenen Geldscheinen angeboten. Statt hier meist minderwertige Tintenstrahl-Druckerzeugnisse zu erwerben, sollte man sich lieber für den Erwerb von Fachliteratur zur Notaphilie entschließen. Sie bildet nicht nur viele bei ebay angebotenen Geldscheine in besserer Qualität ab, sondern stellt auch Informationen zur Verfügung. Sie werden mir sicher beipflichten, erst wenn man über die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und historischen Hintergründe und Zusammenhänge einer Emission informiert ist, macht Sammeln Spaß. Überhaupt, auch die Banknoten-Literatur ist ein interessantes Sammelgebiet, das man nicht vernachlässigen sollte. Auch als Sammler gilt der Grundsatz: Nur wer informiert ist, kauft günstig. Zum guten Schluss: Denken Sie immer daran, Sie bestimmen was, in Ihre Sammlung gehört und nicht ein "Katalogmacher". Schaffen Sie Ihre eigene "ultimative Sammlung"! Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Uwe Bronnert, Deutsche Notgeld-Epochen, 11 Folgen in Münzen & Sammeln von März 2014 bis April 2015 [2] Uwe Bronnert, Congratulations Queen Elizabeth II. vom 8. Juni 2022. [3] Uwe Bronnert, Wertlos = wertlos? 4 Teile in: Münzen & Sammeln von Mai bis September 2008. [4] Uwe Bronnert, Der Giesecke-Tausender, Anmerkung zur Hilfsbanknote zu 1000 Mark vom 15. September 1922, in: Münzen & Sammeln, März 2017, S. 123 ff. [5] Uwe Bronnert, Papiergeldfälschungen, ein interessantes Sammelgebiet, 2 Teile in: Münzen & Sammeln von August und September 2021. [6] Uwe Bronnert, Von Bettlerschecks, Wohlfahrtsmarken, Fürsorgescheinen und anderen Geldzeichen für Bettler, in: < https://www.geldscheine-online.com/post/das-geld-der-armen-leute> vom 10. März 2021.

  • Die „Läden der Sehnsucht“ und die Jagd nach Devisen

    Geschichte der Schecks der forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H. Sicher, seit Überwindung der Nachkriegszeit musste in der DDR niemand mehr hungern. Zwar wurde in den 1950er Jahren das Warenangebot in den HO- und Konsum-Geschäften breiter und vielfältiger,[1] Bekleidung, Fahrräder, Radios wurden billiger und 1958 wurde auch die Rationierung der Lebensmittel beendet, jedoch konnte die DDR bei der Befriedigung weitergehender Konsum-Bedürfnisse ihrer Bürger mit der Bundesrepublik nicht Schritt halten. „Es gab alles – nur nicht immer, nicht überall und schon gar nicht, wenn man es brauchte. Mit Selbstversorgung, Schlangestehen, ‚Bückware‘[2] und Erfindungen mussten sich die Menschen in der DDR 40 Jahre lang mit der Mangelwirtschaft arrangieren. Deshalb galt als Lebensregel: Immer erst anstellen, dann fragen, was es gibt.“[3] Doch es gab auch Glücksmomente, wenn nach 15 Jahren Wartezeit für sage und schreibe 14.000 (Ost)Mark – also etwa 2 Jahresgehälter – endlich der langersehnte Trabant abgeholt werden konnte. Überhaupt mussten die DDR-Bürger bei hochwertigen Konsumgütern wie Fernsehern, Waschmaschinen oder Kühlschränken extrem lange Wartezeiten und hohe Preise in Kauf nehmen. Wer Westgeld besaß, konnte in den „Läden der Sehnsucht“ – sprich in den Intershops – fast alles kaufen und ersparte sich auch noch das Schlangestehen und die Rennerei. Da die DDR-Mark eine reine Binnenwährung war, mussten alle Waren, die im westlichen Ausland nicht über Tausch von Gütern oder Know-how erworben werden konnten, in frei konvertierbarer, „harter“ Währung bezahlt werden. Ein Teil der dringend benötigten Devisen sollte bei Besuchern und Transitreisenden aus dem westlichen Ausland abgeschöpft werden. Auf Weisung des Ministers für Verkehrswesen unterzeichneten am 14. Dezember 1962 Vertreter der „MITROPA“[4] und der „Deutschen Genußmittel GmbH“ den Vertrag zur Gründung der „Intershop GmbH“. Ihre erste Verkaufsstelle wurde auf einem S-Bahnsteig in Berlin-Friedrichstraße eingerichtet. Er war nur für Transitreisende zugänglich. Hier wurden gegen konvertierbare Devisen vorwiegend Zigaretten und Tabakwaren angeboten. Dabei lagen die Preise leicht unter denen in West-Berlin. Der daraufhin einsetzende „Zigarettenschmuggel“ rief natürlich den West-Berliner Zoll auf den Plan. Schon bald wurden Intershop-Verkaufsstellen an Autobahnraststätten, Grenzübergangsstellen und Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen und Flugplätzen eingerichtet. In den 1980er Jahren waren es mehrere hundert auf dem gesamten Gebiet der DDR. Auch das Sortiment wurde sukzessive ausgeweitet. Neben den Zigaretten und Tabakwaren traten Nahrungsmittel, Alkoholika, Kleidung, Spielwaren, Schmuck, Kosmetika, technische Geräte, Tonträger und andere Konsumgüter. Abb. 1: Hinweis auf Intershop-Verkaufsstelle. Ab 1974 erhielten auch DDR-Bürger Zugang zu den Intershop-Läden, vorausgesetzt sie verfügten über Westgeld. Seit Dezember 1973 erlaubte das Devisengesetz den DDR-Bürgern auch frei konvertierbare Valuta zu besitzen. Von nun an gab es quasi offiziell zwei Währungen im Land: Die DDR-Mark für die Masse der Bevölkerung und die D-Mark für die Privilegierten, z. B., weil man von den Verwandten im Westen D-Mark geschenkt bekam. Der Unmut in der DDR-Bevölkerung wuchs. In den Akten der Staatssicherheit finden sich zahlreiche Stimmungsbericht mit dem Tenor: „Früher galten Bürger mit Westverwandtschaft als verpönt, heute gelten sie als gute Bürger, weil sie dem Staat Devisen bringen.“[5] Auch die Verkäuferinnen, die in den Intershops arbeiteten, waren privilegiert; sie erhielten neben ihrem normalen Verdienst in DDR-Mark durchschnittlich monatlich 30 DM ausgezahlt. Alexander Schalck-Golodkowski war Leiter des geheimen Bereichs für Kommerzielle Koordinierung (KoKo) im Ministerium für Außenhandel und maßgeblich für die Beschaffung von Devisen zuständig. Unter seiner Regie erhielten die Intershop-Läden am 1. Januar 1977 eine neue Organisationsform, fast unbemerkt wurden sie zur „forum Handelsgenossenschaft“. Die „Aktuelle Kamera“ – Nachrichtensendung des Deutschen Fernsehfunks, vergleichbar mit der Tagesschau im Westen – verkündete am 16. April 1979: „Das Ministerium für Außenhandel der Deutschen Demokratischen Republik teilt mit, dass der Verkauf von Waren in den Einrichtungen des Außenhandels (Intertank, Genex, Intershop) an Bürger der DDR nur mit Scheck der Forum Außenhandelsgesellschaft mbH erfolgt. Die Mark-Wertschecks der Forum-Außenhandelsgesellschaft mbH können ab sofort mit der Einzahlung frei konvertierbarer Währungen bei Bankinstituten der DDR erworben werden.“[6] Um Waren des täglichen Bedarfs aus begehrten westdeutschen Produktionen wie Strumpfhosen, Originaljeans, Kaffee oder Legospielzeug in den 400 übers Land verteilten Intershops zu kaufen, mussten fortan Forum-Schecks bei Banken kostenfrei erworben werden: 1 DM = 1 Mark in Forumsscheck. Ihr Verkauf erfolgte „beleglos“, d. h. der Minister für Staatssicherheit verzichtete freiwillig auf die offizielle Überwachung von Devisenbesitz. Kunden aus dem nicht-sozialistischem Ausland konnten ihre Einkäufe auch weiterhin direkt mit Devisen im Laden bezahlen. Zur Ausgabe gelangten Schecks zu 50 Pfennig, 1, 5, 10, 50, 100 und 500 Mark. Sie sind einheitlich gestaltet und unterscheiden sich nur in der vorherrschenden Farbe und Größe. Gedruckt wurden die Scheine auf Papier mit Wasserzeichen, das ein geometrisches Muster zeigt. Der sechsstelligen Kontrollnummer sind zwei Serienbuchstaben vorangestellt. Die Serienbuchstaben ZA bzw. ZB wurden bei Austauschscheinen verwendet. Schecks der Forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H. Abb. 2.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 4.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 10 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 50 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 7.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 100 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: forum Außenhandelsgesellschaft m.b.H., 1979, 500 Mark, Vorder- und Rückseite. Die Forumschecks wurden bei Einkäufen wie Bargeld benutzt und es gab auch entsprechendes Wechselgeld zurück. Problematisch wurde es bei Intertank und Intershop, wenn Wechselgeld unter 50 Pfennig fällig wurde, dann gab es statt des Rückgelds kleine Schokoladentafeln, Gummibärchen oder Kaugummi auf die Hand. Bei der Jagd nach Devisen wurden alle ideologischen Bedenken über Bord geworfen. Für Westgeld gab es im Intershop alles; selbst Tiefkühlkost wurde aus West-Berlin geliefert. Zuletzt sorgten 700 Lieferanten aus dem „Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ für Nachschub in den Läden. „Die Umsätze der Handelskette waren enorm: Bereits in den 1970er Jahren wurden jährlich über eine Milliarde Mark umgesetzt. … Um die Bevölkerung ohne Zugang zu Valuta nicht zu verärgern, verzichteten die Intershops .. auf Schaufenster. Ebenso herrschte in den Verkaufsläden absolutes Fotografierverbot wie in militärischen Sicherheitsbereichen üblich.“[7] Mit dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR kam auch das Aus für die Forumschecks und Intershops sowie dem Genex-Geschenkdienst. In der Zeit vom 10. November 1989 bis 31. Mai 1990 konnten die Forumschecks gebührenfrei in den DDR-Wechselstellen der Staatsbank der DDR sowie der Kreditbank AG in DM zurückgetauscht werden. Bei Zahlung in den Intershops waren sie noch bis zum 30. Juni 1990 gültig. Bleibt noch anzumerken: Ab den 1960er-Jahren führten steigende Löhne bei gleichbleibenden, weil subventionierten Preisen für Miete, Grundnahrungsmittel und einfachen Konsumgütern bei vielen Haushalten zu erheblichen frei verfügbaren Geldmitteln, denen aber nur wenige kaufbare hochwertige Waren gegenüber standen. Um diese Kaufkraft abzuschöpfen, entstanden bereits 1962 auf Beschluss des Ministerrates der DDR Exquisit-Läden, in denen exklusive Bekleidungsartikel, Schuhe und Kosmetika zu überteuerten Preisen verkauft wurden. 1966 erweiterten die Delikat-Läden das Angebot an hochwertigen Lebens- und Genussmitteln. Im Sortiment fand man hier vieles, was sonst nicht zu erhalten war: Konserven mit Ananas, Pfirsichen oder Mandarinen, hochwertige Alkoholika aus westlicher und heimischer Produktion, edle Schokoladen oder seltene Fleisch- und Wursterzeugnisse in Dosen. Auch hier waren die Preise deutlich über dem gängigen Preisniveau. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die 1945 gegründete Konsumgenossenschaft Konsum und die 1948 gegründete staatliche Handelsorganisation HO deckten ca. 77 Prozent des gesamten Einzelhandels- und Gaststättenumsatzes in der DDR ab. [2] Als Bückware bezeichnete man Dinge, die es in der DDR-Mangelwirtschaft nicht ausreichend gab, die man deshalb nur „unter dem Ladentisch“ bekam. (Anm. d. Verf.) [3] Einkaufen, tauschen, besorgen erfinden. (12.03.2023) [4] Die MITROPA (Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen-Aktien-Gesellschaft) wurde 1916 unter Beteiligung verschiedener Banken und Eisenbahngesellschaften der damaligen Mittelmächte gegründet. In den 1920er Jahren ging das Unternehmen fast vollständig auf die Deutsche Reichsbahn über. Nach 1945 wurde die MITROPA zwischen Ost und West aufgeteilt. In der Bundesrepublik gründete die Deutsche Bundesbahn (DB) als Nachfolgefirma die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft (DSG) während in der DDR die Deutsche Reichsbahn (DR) die MITROPA weiterführte und das Tätigkeitsfeld auf den Betrieb der Bahnhofsgaststätten und Autobahnraststätten ausweitete. [5] Die Intershop GmbH: Zahlen mit den Forumschecks. (12.03.2023) [6] Zitiert nach: SWR2 Zeitwort – In der DDR wird der Besitz von Devisen verboten. (12.03.2023) [7] Läden und Kaufhäuser in der DDR. Die Intershop-Handelskette, (12.03.2023)

  • Lexikon: Funk, Walther

    Walther Funk als Reichswirtschaftsminister 1938, Porträtkarte mit Unterschrift. Walther Funk wurde 1890 im ostpreußischen Trakehnen (heute Russland) geboren. Von 1908 bis 1912 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften, Nationalökonomie, Musik und Literatur in Berlin und Leipzig. Sein Studium schloss er mit einer Promotion in Rechtswissenschaften ab. Von 1916 bis 1920 war er als Redakteur und Chefredakteur bei der Berliner Börsenzeitung tätig. 1928 bis 1930 war Funk geschäftsführendes Vorstandsmitglied der "Gesellschaft für deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik". 1931 wurde er Mitglied der NSDAP und arbeitete bis 1933 in verschiedenen Funktionen als deren Wirtschaftsberater. Im Oktober 1932 verfasste Funk gemeinsam mit Gottfried Feder des "Wirtschaftliche Aufbauprogramm der NSDAP". Von 1933 bis 1938 war Walther Funk Reichspressechef der Reichsregierung und von 1933 bis 1937 Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) und hier für Verwaltung und Presse zuständig. 1933 bis 1938 war er außerdem Vizepräsident der Reichskulturkammer (RKK). 1938 wurde Funk Reichswirtschaftsminister, das Amt übte er bis 1945 aus. 1938/39 war er Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft und von 1939 bis 1945 Präsident der Deutschen Reichsbank. 1946 wurde er im Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, aber bereits 1958 wegen gesundheitlicher Probleme aus der Haft entlassen. Er starb 1960 in Düsseldorf. DEU-220b: Reichsbanknote zu 5 Reichsmark vom 1. August 1942 mit Unterschrift "Walther Funk", Vorderseite. Die Unterschrift von Walther Funk findet sich auf den deutschen Reichsbanknoten von 1939 (20 Reichsmark) und 1942 (5 Reichsmark). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Literatur: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 928 Preis: 39,90 Euro

  • Zum Geldwesen der von der Wehrmacht besetzten sowjetischen Gebiete, Teil 2

    Notenbank im Ostland Durch Befehl des Führers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht schied am 25. Juli 1941, mittags 12 Uhr das Gebiet westlich der Düna und nördlich der Linie Druja – Hatetai – Ranmiskes – Vistytis aus dem Operationsgebiet des Heeres aus und wurde dem Reichskommissar für das Ostland, Heinrich Lohse, unterstellt.[1] Das Reichskommissariat Ostland umfasste somit die drei ehemals baltischen Republiken und die von Weißruthenen (Belarussen) bewohnten Gebiete. Südlich davon schloss sich das Reichskommissariat Ukraine an. Abb. 1: Reichskommissariat Ostland, Quelle: (17.02.2023) CC BY-SA 3.0 File: Reichskommissariat Ostland Administrative.png Erstellt: 19. September 2008 Abb. 2: Map of the "Master Plan for the East" (Generalplan Ost) in May 1942 von John Nennbach (Ausschnitt). https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg#/media/Datei:Generalplan_Ost.svg Erstellt: 11. Mai 2013. Durch Deportation unerwünschter Bevölkerungsanteile, Eindeutschung rassisch akzeptabler Gruppen und Kolonisation germanischer Völker sollten die Reichskommissariate zu Bestandteilen des Großdeutschen Reichs werden. Nach dem Willen des Wirtschaftsstabes Ost und der Wirtschaftsinspektion Nord zogen die Reichskredit­kassen und alle in Betracht kommenden Kreditinstitute ab 1. September 1941 die Rubelzah­lungsmittel ohne öffentlichen Aufruf nach und nach aus dem Verkehr und ersetzten sie durch Reichskredit­kassenscheine. Die Rubelzahlungsmittel sollten von diesem Zeitpunkt an nur noch bei Klein­geldmangel ausgegeben werden.[2] Abb. 3.1/2: Reichskreditkassen, o. D., 50 Reichspfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 4.1/2: Reichskreditkassen, o. D., 1 Reichsmark, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Reichskreditkassen, o. D., 2 Reichsmark, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: Reichskreditkassen, o. D., 5 Reichsmark, Vorder- und Rückseite. Abb. 7.1/2: Reichskreditkassen, o. D., 20 Reichsmark, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Reichskreditkassen, o. D., 50 Reichsmark, Vorder- und Rückseite. Das Reichsbankdirektorium in Berlin befasste sich im Herbst 1941 mit der Frage der Gründung von Notenbanken in den Reichskommissariaten. Am 4. November 1941 legte es dem Finanzministerium und dem Reichsminister für die besetzten Ostgebiete zwei Entwürfe einer Verordnung über die Errichtung einer Ostländischen Notenbank vor, die sinngemäß mit den Entwürfen für die Zentralnotenbank in der Ukraine übereinstimmen. In den Entwürfen heißt es in § 1: „Zur Sicherstellung des Wertes der Währung und zur Regelung des Geld- und Zahlungsverkehrs wird die Ostländische Notenbank [Zentralnotenbank Ukraine] mit dem (vorläufigen) Sitz in Riga [Rowno] errichtet.“ Nach § 12 bzw. 13 sollten die Banken das ausschließlich Recht erhalten, im Ostland auf ostländische Kronen und in der Ukraine auf Ostrubel lautende Banknoten auszugeben, die im jeweiligen Gebiet unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel sein sollten. Die umlaufenden Noten der Bank und die bei der Bank unterhaltenen Guthaben mussten jederzeit gedeckt sein, durch Forderungen aus Diskont- und Darlehnsgeschäften, Beständen an Wertpapieren, Reichsbanknoten, Reichskreditkassenscheinen, Guthaben bei der Deutschen Reichsbank, der Deutschen Verrechnungskasse und den Reichskreditkassen sowie Gold und ausländischen Zahlungsmitteln. Beide Banken sollten als juristische Person des öffentlichen Rechts errichtet (§ 2) und von einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten geleitet und verwaltet werden (§ 3). Nach dem Entwurf A sollte das Präsidium der Bank aus den Reihen der einheimischen Bevölkerung besetzt und von einem Sonderbevollmächtigter der Reichsbank beaufsichtigt werden, wie dies bei der Emissionsbank in Polen der Fall war, während nach dem Entwurf B die Leitung „Reichsdeutschen“ vorbehalten blieb, wobei einer von ihnen vom Reichsbankdirektorium bestellt werden sollte. Am 12. Dezember 1941 berichtete Reichsbankdirektor Kretzschmann anlässlich einer Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen über seine Reise nach Riga. Zusammen mit Dr. Riehle habe er mit Reichskommissar Lohse über die Einführung einer neuen Währung im Ostland konferiert. Dabei sprach sich der Reichskommissar gegen die Schaffung einer Ostlandkrone aus, die eine halbe Reichsmark Wert sein sollte, da sich Preise und Löhne soweit stabilisiert hätten, dass die Einführung einer neuen Währung mit einer veränderten Währungsrelation nicht mehr möglich sei, ohne größere wirtschaftliche Störungen zu bewirken. „Er könne sich mit dem Gedanken einer neuen Emissionsbank und eigenen Ostlandwährung nur befreunden, wenn sie der RM im Verhältnis 1:1 gleichgesetzt werde. Wenn dies nicht möglich sei, so ziehe er den bisherigen Zustand vor.“[4] Auch kam der Reichskommissar auf den Umlauf der Reichskreditkassenscheine im Ostland zu sprechen. Er meinte, dass erhebliche Be­träge an Reichskreditkassenscheinen zu Warenkäufen verwendet und die Waren „außer Landes“ geschafft würden. Es wäre daher zu klären, ob die spätere Einlösung der umlaufenden Scheine nicht ganz oder zum Teil zu Lasten des Reichsfinanzministeriums gehen müsste. In Berlin beendete Reichsminister Rosenberg die Diskussion um die Notenbank im Ostland. Mit Verordnung vom 30. Juli 1942 schuf der Minister für die besetzten Ostgebiete die rechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung einer bodenständigen Notenbank im Reichskommissa­riat Ostland. Im Verwaltungsrat der Reichskreditkassen rechnete man, dass die Reichsdruckerei für die Herstellung der Ostlandmark-Noten sieben bis acht Monate benötigen würde, sodass mit ihrer Ausgabe frühestens im Frühjahr 1943 gerechnet werden könnte. Hinzu käme, dass die Druckerei eigentlich bereits mit dem Druck der Noten der Zentralnotenbank Ukraine stark belastet sei und daher mit weiteren Verzögerungen zu rechnen sei. Der Verwaltungsrat sprach sich dafür aus, den Druck von Ostlandmark-Noten aufzuschieben und die Reichskreditkassenscheine als Währung der Notenbank im Ostland beizubehalten. Die Hauptverwaltung der Reichskreditkassen war bereit Reichskreditkassenscheine als Darlehn zum Vorzugszinssatz des Reiches von 1 % zur Verfü­gung zu stellen. Gleichzeitig wünschte der Verwaltungsrat der Reichskreditkassen eine möglichst schnelle Schließung der Reichskreditkassen im Reichskommissariat Ostland.[5] Obwohl die Verordnung zunächst nicht veröffentlicht wurde, machten Gerüchte über eine neue Währung die Runde. In Wilna hielt die Bevölkerung die Reichskreditkassen­scheine zurück, da sie mit neuem Geld einer Notenbank unter litauischer Oberhoheit und einem Um­tausch 2:1 rechnete.[6] Abb. 9: Latvijas Bankas, sog. "Befreiungsausgabe", Überdruck zum 1. Juli 1941 auf 100 Latu von 1939, Vorderseite. Die in Sammlungen vorkommenden lettische Banknoten mit dem Aufdruck „LATVIJA 1941. 1. JULIJS“,[7] stehen in keinem Zusammenhang mit den Überlegungen einer neuen Währung im Reichskommissariat Ostland. Der 1. Juli 1941 war der Tag der „Befreiung“ Rigas durch die deutschen Truppen und die Staatsdruckerei in Riga fertigte die Überdrucke bereits in der Zeit vom 7. bis 9. Juli 1941 an.[8] Mit ähnlichem Aufdruck existieren auch russische Briefmarken, die von der provi­sorischen Landespost bis November 1941 benutzt wurden.[9] Die breite Öffentlichkeit im Reichskommissariat erfuhr von den Währungsplänen durch einen Bericht der Deutsche Zeitung im Ostland vom 8. November 1942:[10] „Die Verhandlungen über die Errichtung einer Notenbank im Ostland laufen seit Monaten. Jetzt ist das Institut durch Verordnung des Reichsministers Rosenberg vom 30.7.1942, die im Verordnungsblatt des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete vom 4. November 1942 erschienen ist, errichtet worden. Gesetzlich ist die Notenbank im Ostland damit geschaffen worden, de facto allerdings bedarf es noch der Durchführung des Aufbaues dieses Institutes, wobei wir auf Grund der Informationen unserer Berliner Schriftleitung mitteilen können, daß die Notenbank auf der Basis der Reichskreditkassenscheine arbeiten wird. Auch der Präsident der neuen Notenbank ist noch nicht berufen worden. Nachdem die gesetzliche Grundlage für das Institut geschaffen worden ist, wird über kurz oder lang nunmehr mit seinem praktischen Aufbau zu rechnen sein. In der Verordnung heißt es, daß zur Sicherstellung des Wertes, der Führung und zur Regelung des Geld- und Zahlungsverkehrs im Ostland die Notenbank im Ostland mit dem Sitz in Riga errichtet wird. Die Bank darf Zweigniederlassungen unterhalten, die betriebsmäßig zusammengefaßt werden können. Die Bank ist eine juristische Person des öffentlichen Rechtes. Sie ist berechtigt, ein Dienstsiegel zu führen. Sie wird nach den Weisungen und unter Aufsicht des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete im Einvernehmen mit dem Präsidenten der deutschen Reichsbank von einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten geleitet und verwaltet. Im Bedarfsfalle können Vertreter bestellt werden. Der Präsident und der Vizepräsident werden auf Vorschlag des Reichskommissars für das Ostland vom Reichsminister für die besetzten Ostgebiete ernannt. Sie können jederzeit unter Wahrung ihrer vertraglichen Ansprüche abberufen werden. Bei ihrer Ernennung, der Festsetzung ihrer Bezüge und ihrer Abberufung bedarf es des Einvernehmens mit dem Präsidenten der Reichsbank. Von der Bank kann ein Beirat bestellt werden, der die Aufgabe hat, die Leitung der Bank beratend zu unterstützen. Die Mitglieder des Beirates werden vom Reichskommissar für das Ostland bestellt und abberufen. Die Zweigniederlassungen der Bank werden von einem Direktor und dessen Stellvertretern geleitet und verwaltet. Sie werden vom Präsidenten der Bank bestellt. Die Verordnung klärt im übrigen die einzelnen juristischen Fragen. Die Bank ist befugt, folgende Geschäfte zu betreiben: Wechsel und Schecks zu kaufen und zu verkaufen, bei denen mindestens zwei als zahlungsfähig bekannte Verpflichtete haften. Die Wechsel sollen in der Regel vom Tage des Ankaufs gerechnet innerhalb von sechs Monaten fällig sein. Verzinsbare Darlehen gegen ausreichende Sicherheiten auf nicht länger als sechs Monate zu gewähren, Schatzwechsel und Schuldverschreibungen der Verwaltung des Ostlandes zu kaufen und zu verkaufen, Unverzinsliche – in Ausnahmefällen auch verzinsliche – Gelder im Giroverkehr oder als Einlage anzunehmen, Gold und andere Edelmetalle sowie Devisen zu kaufen und zu verkaufen. Dabei sind die Preise und Kurse zu berechnen, die bei der deutschen Reichsbank Anwendung finden, Bankmäßige Aufträge und Geschäfte aller Art nach vorheriger Deckung auszuführen, Wertgegenstände, insbesondere Wertpapiere in Verwahrung und Verwaltung zu nehmen. Schecks, Bankmandate und Akkreditive auszustellen und einzulösen. Andere Geschäfte als die oben genannten soll die Bank nur für Betriebszwecke oder zur Durchführung oder Abwicklung zugelassener Geschäfte vornehmen. Die Annahme von Wechseln ist der Bank untersagt. Die Bank ist von sämtlichen Steuern und Abgaben befreit. Der jährliche Reingewinn, der nach Vornahme der erforderlichen Abschreibungen und Wertberichtigungen verbleibt, wird einer gesetzlichen Rücklage zugeführt. Die Rücklage darf nur zum Ausgleich von Wertminderungen und zur Deckung von sonstigen Verlusten verwandt werden. Übersteigt die Rücklage fünf von Hundert des Notenumlaufes im Durchschnitt des vergangenen Jahres, so fällt der Reingewinn dem Reichskommissar für das Ostland als Haushaltseinnahme zu.“ Ganz ohne Einwände ging der Aufbau der neuen Notenbank nicht vonstatten. Die Reichskreditkasse Riga meldete an die Hauptverwaltung, dass die Notenbank im Ostland nicht begrüßt würde. Die Akzeptanz könne bei der Bevölkerung erhöht wer­den, wenn für die einzelnen baltischen Länder eigene Banknoten mit gleichem Wert und möglichst alter Währungsbezeichnung ausgegeben würden.[11] Am 1. April 1943 nahm dann die Notenbank im Ostland ihre Arbeit an 16 Orten auf. In Narwa, Reval, Pernau, Dorpat, Riga, Libau, Mitau, Dünaburg, Wolmar, Windau, Kauen, Wilna, Schaulen, Ponewesch, Minsk und Baranowitsche, übernahm sie die bestehenden Reichskreditkassen. Zum Präsidenten bzw. Vizepräsidenten wurden Reichsbankdirektor Dr. Paul Wennig und Direktor bei der Reichsbank August Schamberger ernannt.[12] Die Vorschriften für die Tätigkeit der Bank waren weitgehend dem Statut der Emissionsbank in Polen nachvollzogen. Insbesondere die Deckungsvorschriften stimmten mit denen der Emissionsbank fast wörtlich überein. Im Gegensatz zur Regelung im Generalgouvernement waren die Grundlasten mehr als Mittel zur Stärkung des Vertrau­ens in die neue Währung gedacht als zur Deckung einzulösender alter, wertlos gewordener Zah­lungsmittel. Der unmittelbare Zahlungsverkehr innerhalb des Reichskommissariats Ostland erfolgte ausschließlich in Reichsmark über das Filialnetz der Notenbank, der übrigen Kreditinstitute sowie dem Postscheckamt in Riga. Da das Reichskommissariat Ostland als eigenes Währungsgebiet galt, waren bei Zahlungen ins Deutsche Reich und den angegliederten Gebieten, den übrigen Nachbargebieten des Ostlands und dem Ausland die Regelungen der „Devisenordnung für das Ostland“ vom 26. März 1943 zu beachten. Die Zahlung von Warenlieferungen aus dem Reich war ohne devisenrechtliche Genehmigung möglich. Für andere Überweisungen ins Reich waren grundsätzlich Devisengenehmigungen notwendig, wenn sie die Freigrenze von 500 RM pro Person und Kalendermonat überschritten. Überweisungen wurden ausschließlich über das Konto der Notenbank bei der deutschen Verrechnungskasse in Berlin abgewickelt. Besondere Regelungen gab es im Verkehr mit den skandinavischen Ländern. Zwischen der Hansabank in Riga und der Kobenhavns Handelsbank in Kopenhagen sowie zwischen der Handels- und Kreditbank in Riga und Enskilda Bank in Stockholm waren private Verrechnungen möglich. Für den Reiseverkehr bestand darüber hinaus eine allgemeine Barfreigrenze von 10 RM pro Person und Kalendermonat.[13] Anlässlich des einjährigen Bestehens der Notenbank fand ein Betriebsappell statt. Hier zog Dr. Wening eine positive Bilanz der geleisteten Arbeit. Ebenso wie im Reich sei es auch im Ostland gelungen, die Währung stabil zu halten. U. a. führte er aus: „Phantasiepreise, wie sie hier und da am sogenannten schwarzen Markt für bestimmte Verbrauchsgüter genannt werden, müssen bei Betrachtung des allgemeinen Preisspiegels außer acht gelassen werden. Soweit sich infolge der kriegsbedingten Erhöhung des Geldumlaufes bei gleichzeitig schrumpfender Verbrauchsgütererzeugung ein Kaufkraftüberhang bildet, wird dieser Entwicklung auch im Ostland systematisch durch steuerliche Maßnahmen sowie durch Geldabschöpfung mittels Verkauf von Schatzanweisungen begegnet. Im Übrigen hält sich die Steigerung des Zahlungsmittelumlaufs im Ostland in durchaus vertretbaren Grenzen.“[14] Den zweiten Jahrestag sollte die Notenbank im Ostland in Riga nicht mehr erleben. Im Sommer 1944 begann auch im Baltikum der Rückzug der deutschen Wehrmacht. Am 24. Juni fielen Wilna (Vilnius) und Kauen (Kaunas) und bis zum 13. Juli war der Generalbezirk Litauen weitgehend geräumt. Am 22. September folgten Reval (Tallinn) und am 14. Oktober Riga. Die Verwaltung des Reichskommissariats wurde ab September zunächst nach Köslin in Hinterpommern verlegt und Anfang 1945 nach Frankfurt/Oder, Chemnitz und zuletzt Artern. Schließlich wurde am 21. Januar 1945 das Reichskommissariat Ostland förmlich aufgelöst. Bis zur Gesamtkapitulation am 8. Mai 1945 behaupteten sich deutsche Truppen im sog. Kurland-Kessel, und so blieben die Reichskreditkassenscheine hier weiterhin im Umlauf. Mit dem Zurückweichen der Ostfront war ein neues Phänomen zu beobachten. Die Reichskreditkassenscheine wurden im Reichskommissariat Ostland gegenüber der RM der Reichsbank etwa 30 % unterbewertet. Dies machte sich der Schwarzhandel zu nutze. Im nach dem "Polenfeldzug" 1939 neu entstandenen ostpreußischen Kreis Sudauen (vormals polnische Kreise Augustów und Suwałki des Bezirks Białystok) wurden beispielsweise 424.828 RM sichergestellt, die aus Polen und Litauen eingeschmuggelt und umgetauscht wurden. Die Schmuggler (Polen, Litauer und Reichsdeutsche) erhielten für ihre "Arbeit" etwa 5 % Provision.[15] „Über die Höhe des [Banknoten]-Umlaufs [im Ostland] fehlen nähere Unterlagen; es dürfte sich aber um Beträge han­deln, die an die Milliarden-Reichsmarkgrenze herankommen.“[16] Die Gewinn- und Verlust-Rechnung der Hauptverwaltung der Reichskreditkassen vom 30. Dezember 1944 weist Zinserträge aus Darlehen an die Notenbank im Ostland in Höhe von 5.380.018,77 RM und für 1943 von immerhin 1.1091.843,21 RM aus.[17] In den Kassen der Notenbank im Ostland befanden sich am 30. Dezember 1944 noch Reichs­kreditkassenscheine im Wert von 10.682.657,50 RM.[18] Und was wurde aus der Notenbank im Ostland? Wie die Verwaltung des Reichskommissariats wurde die Verwaltung der Bank ins Reich zurückverlegt. Das Präsidium der Notenbank war in den Räumen des Bankvereins Artern noch bis zum Kriegsende mit der Abwicklung tätig.[19] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] S. Führer-Erlasse 1939 -1945, BdF und OBdW, betrifft: Aussscheiden von Gebietsteilen im Osten aus dem Operationsgebiet des Heeres und Einführung der Zivilverwaltung, vom 18.7.1941, Dokument 102, S. 190 f. [2] BA Berlin, R 29/223, TAO 113/41 vom 24.9.1941. [3] Angaben nach Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 22. überarbeitete und erweiterte Auflage 2020/2021, Regenstauf 2020, S. 643 ff, Kat.-Nr. ZWK-1 – ZWK-6. [4] BA Berlin, R 29/3, Berichte über Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 12.12.1941. [5] BA Berlin, R 29/4, Berichte über Sitzung des Verwaltungsrates der Reichskreditkassen vom 10.8.1942. [6] BA Berlin, R 29/160, Bericht der RKK Wilna an HV vom 22.8.1942. [7] A. Platbarzdis, Coins and Notes of Estonia, Latvia, Lithuania, Stockholm 1968, S. 70 ff. führt die folgenden Noten auf: Kat.-Nr. 184: 5 Lati, Wechselnote 1940, A 000000 Kat.-Nr. 185: 10 Latu, Staatsnote 1937, H 000000 Kat.-Nr. 186: 20 Latu, Staatsnote o. D., o. Serie Kat.-Nr. 187: 100 Latu, Latvijas Bankas 1939, B 000000, runder Guillochen-Aufdruck auf der linken Scheinseite und durchgehender waagerechter Aufdruck Kat.-Nr. 188: 100 Latu, Latvijas Bankas 1939, B 000000, nur runder Guillochen-Aufdruck Kat.-Nr. 189: 500 Latu, Latvijas Bankas 1929, A 094100 [8] Kristine Ducmane und Evalds Vecins, Nauda Latvija, hrsg. v. Latvijas Banka, o. O. 1995, S. 187 f. [9] Vgl. Michel Briefmarken-Katalog Deutschland 1984, München 1983, S. 532, Kat.-Nr. 1 - 6. [10] Die Notenbank des Ostlandes, Verordnung des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete. [11] BA Berlin, R 29/430, Schreiben RKK Riga an HV vom 25.2.1943. [12] „Dr. Wening, der aus der volkswirtschaftlichen Abteilung der Reichsbank hervorgegangen ist, war zuletzt Vorstandsbeamter bei der Reichsbankhauptstelle Wien. In den Jahren 1930 – 34 ist er durch erfolgreiche Arbeit im Ausland hervorgetreten. Direktor Schamberger kann ebenfalls auf eine vielseitige Tätigkeit in leitenden Stellungen der Reichsbank zurückblicken. Eine Reihe von Jahren war er ferner im Reichswirtschaftsministerium an maßgebender Stelle tätig. Seit Beginn des Ostfeldzuges war er in der Ukraine eingesetzt und hat dort den Neuaufbau der Bankenorganisation durchgeführt.“ Notenbank beginnt ihre Tätigkeit, Präsident ist Reichsbankdirektor Dr. Paul Wening, in: Deutsche Zeitung im Ostland vom 25. März 1943. [13] Dr. Wening, Notenumlauf ohne Rubel, 26 Filialen der Notenbank im Ostland – Der Zahlungsverkehr im rückwärtigen Heeresgebiet, in: Deutsche Zeitung im Ostland vom 1. August 1943. [14] Ein Jahr Notenbank im Ostland, in: Deutsche Zeitung im Ostland vom 2. April 1944. [15] BA Berlin, R 29/262, TAO 15/44 vom 5.2.1944, Bericht der Zollfahndungsstelle Königsberg/Pr. [16] Die faschistische Okkupationspolitik in den zeitweilig besetzten Gebieten der Sowjetunion (1941 - 1944), in der Reihe: Europa unterm Hakenkreuz. Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus (1938 - 1945), hrsg. v. einem Kollegium unter Leitung von Wolfgang Schumann und Ludwig Nestler, Berlin 1991, S. 596. [17] BA Berlin, R 29/199. [18] Ebenda, Aufstellung der Kassenbestände RKKS und neue Behelfszahlungsmittel der Deutschen Wehrmacht per 30. Dezember 1944. [19] https://arge-baltikum.de/estonia-60-de.shtml (16.03.2022)

  • Philippinen: Aktualisierte 50-Piso-Note zeigt neues Banklogo

    Mit der Jahresangabe 2023 erschienen neue 50-Piso-Noten der Bangko Sentral ng Pilipinas, die in ihrer Gestaltung mit den Vorgängernoten identisch sind. Der Unterschied der beiden Varianten liegt in einem kleinen Detail: Das Banklogo auf der Vorderseite wurde auf den aktuellen Stand gebracht. Das neue Logo, das eigentlich bereits Anfang 2021 eingeführt wurde, war bisher beispielsweise auch auf den 1000-Piso-Noten mit dem Jahr 2022 zu sehen. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer

  • Das Geldwesen Serbiens während der deutschen Militärverwaltung 1941–1944

    In den deutschen Südosteuropa-Plänen nahm Jugoslawien wegen seiner geostrategischen und wirtschaftlichen Bedeutung eine herausragende Stellung ein. Nach dem Sieg der Wehrmacht über Frankreich nahm der politische Druck auf Jugoslawien stetig zu, sodass die jugoslawische Regierung am 25. März 1941 den Beitritt des Landes zum Pakt der Achsenmächte erklärte. Daraufhin putschten in Belgrad Offiziere und stürzten die Regierung Cvetković. Die neue Regierung unter General Dušan Simović und der junge König Peter II. schlugen sich auf die Seite der Alliierten. Am 6. April marschierten deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Truppen in das Nachbarland ein. Gegen die Übermacht kapitulierte die königlich-jugoslawische Armee am 17. April 1941. Durch Proklamation der Achsenmächte vom 8. Juli 1941 wurde Jugoslawien zerschlagen und territorial neu geordnet. Über 35 % des 247.542 km² großen Staatsgebiets wurden von Deutschland, Italien, Ungarn und Bulgarien mehr oder minder offen annektiert. Nordwestslowenien (Krain, 9.620 km² mit etwa 775.000 Einwohnern) wurde de facto dem Deutschen Reich angeschlossen. Südslowenien sowie große Teile Dalmatiens (10.623 km² mit etwa 760.000 Einwohnern) fielen an Italien, außerdem kamen Montenegro und das Albanien zugesprochene Kosovo mit zusammen 28.000 km² und 1,23 Mio. Einwohnern ebenfalls unter italienische Herrschaft. Bulgarien erhielt den größten Teil Makedoniens und einen Gebietsstreifen in Ostserbien mit zusammen 29.000 km² und etwa 1,3 Mio. Einwohnern. Ungarn schloss die Murgebiete, Südbaranja und Backa (11.601 km² mit 1,145 Mio. Einwohnern) an, Gebiete, die es durch den Friedensvertrag von Trianon nach dem Ersten Weltkrieg verloren hatte. Bereits am 10. April proklamierte die klerikal-faschistische Ustascha-Partei, die höchstens 5 % der Einwohner politisch repräsentierte, den „Unabhängigen Staat Kroatien“. Die Okkupanten statteten Kroatien mit fast 40 % der Gesamtfläche Jugoslawiens (98.572 km² und 6,3 Mio. Einwohnern) aus, darunter auch Bosnien und Herzegowina. Deutschland und Italien steckten in Kroatien jedoch ihre Interessenzonen ab: Italienische Truppen besetzten die Adriaküste und die deutsche Wehrmacht das Hinterland. Das Westbanat geriet zu einem Zankapfel zwischen Ungarn und Rumänien. Ursprünglich hatte Hitler den Ungarn das Gebiet versprochen, jedoch drohte Rumänien mit dem Einsatz des Militärs, falls Ungarn das Gebiet besetzten würde. So blieb es zusammen mit Altserbien unter deutscher Militärverwaltung (60.976 km² und 4,45 Mio. Einwohner). Der „Befehlshaber Serbien“, General Heinrich Danckelmann, setzte hier eine Marionettenregierung unter General Milan Nedić ein, die nur geringe Befugnisse besaß. Karte: Aufteilung Jugoslawiens 1941 Quelle: Karl-Heinz Schlarp, Wirtschaft und Besatzung in Serbien 1941–1944, Ein Beitrag zur nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik in Südosteuropa, Stuttgart 1986, Karte 1. Der rasche Zusammenbruch Jugoslawiens führte zu einem währungspolitischen Chaos, das durch die bereits vorher herrschende Krise des jugoslawischen Kreditwesens verstärkt wurde. Als die jugoslawische Regierung 1939 begann, militärisch aufzurüsten, gelang es trotz mehrfacher Steuererhöhungen nicht, das Defizit im Staatshaushalt durch Kreditaufnahme bei den Banken zu decken. Seit der Agrarkrise von 1931/32, als die Bauern ihre Schulden nicht mehr tilgen konnten, litt die Funktionsfähigkeit des privaten Bankenapparates. Langfristige Moratorien mussten erlassen werden, die wiederum das Vertrauen in die Geldinstitute schwächten und zu einer übermäßigen Hortung von Zahlungsmitteln führten. Im September 1939 stand mehr als die Hälfte aller Privatbanken unter Moratoriums-Schutz. Im Dezember 1939 konnte die Regierung ihren Geldbedarf nur durch diskontierbare Verteidigungsbons bei der Notenbank decken. Die Gesamtverschuldung erreichte 1941 schließlich eine Höhe von 11 Mrd. Dinara. Der Banknotenumlauf erhöhte sich mit 20 Mrd. Dinara auf mehr als das Dreifache der für Jugoslawien normalen Summe und in den Tresoren der Nationalbank lagerten noch weitere 39 Mrd. gedruckte Dinara. Die Aufblähung der Geldmenge führte zu einem starken Preisanstieg. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht stieg die Geldmenge weiter an, da diese ihre Ausgaben mit den zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärten Reichskreditkassenscheinen beglich. Dabei entsprach eine Reichsmark 20 Dinara. Nach Beendigung der Kampfhandlungen verschlimmerten sich die Verhältnisse auch dadurch, dass eine Wanderbewegung der Bevölkerung einsetzte, in deren Verlauf zahlreiche Angehörige verstreuter jugoslawischer Volksgruppen in ihre Heimatorte zurückkehrten und dabei natürlich auch ihr Bargeld mitnahmen. Zudem waren größere Notenbestände geraubt worden. Die jugoslawische Regierung war geflohen und hatte den größten Teil der Gold- und Devisenvorräte rechtzeitig außer Landes in Sicherheit gebracht. Es gelang jedoch, „bis Ende April 1941 die verstreuten Lombard- und Clearingunterlagen sowie etwa vier Milliarden Dinarnoten, Klischees, Matrizen, Banknotenpapier und Notendruckmaschinen nach Belgrad zurückzubringen und den größten Teil des Personals, darunter die leitenden Direktoren der Jugoslawischen Nationalbank und der Staatlichen Notendruckerei, zur Rückkehr zu veranlassen“[1], sodass die alte Nationalbank auf Rechnung der noch zu gründenden Serbischen Nationalbank ihre Tätigkeit vorübergehend wieder aufnehmen konnte. „Nachdem der serbische Gebietsteil des ehemaligen jugoslawischen Staatswesens unter deutsche Militärverwaltung gestellt war, ergab sich für den vom Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches Hermann Göring eingesetzten Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft in Serbien Neuhaus die vordringliche Aufgabe, unverzüglich den Wiederaufbau der serbischen Wirtschaft … in Angriff zu nehmen.“[2] Die Wiederherstellung des Geld- und Kreditwesens war eine der vordringlichen Aufgaben. Mit Verordnung vom 25. Mai 1941 wurden vorübergehend die Bankkonten gesperrt. Dies sollte ein weiteres Anwachsen der Geldmenge und des Preisanstiegs verhindern. Auch sollten die Banken in die Lage versetzt werden, notwendige Kredite an die Wirtschaft gewähren zu können. Wegen fehlender anderer Geldzeichen blieben die bisherigen Dinara-Noten der Jugoslawischen Notenbank weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel, obwohl unklar war, welchen Wert sie überhaupt noch hatten und ob sie nicht ganz aus dem Verkehr gezogen würden. Die neuen Landesherren gingen schon bald daran, neue Landeswährungen zu schaffen [3]. In Serbien wurde durch Verordnung vom 29. Mai 1941 als neue Währungseinheit der Serbische Dinar (S. Din.) – eingeteilt in 100 Para – eingeführt. Auf dem Papier entsprach er 0,017921 g Feingold bzw. 1 g Feingold waren 55,8 S. Din. Der Scheidemünzen-Umlauf wurde auf 250 Dinara je Bürger begrenzt. Dabei durfte der serbische Staat papierenes Scheidegeld bis zu einem maximalen Betrag von 20 Dinara ausgeben. Der Außenwert der serbischen Währung wurde praktisch durch den Umrechnungskurs zur Reichsmark [1 RM = 20 Serbische Dinara] bestimmt [4]: 100 Lire = 262,00 S. Dinara 100 Lewa = 61,00 S. Dinara 1 US-$ = 50,00 S. Dinara 1 skr = 11,90 S. Dinara 1 sfr = 11,59 S. Dinara Banknoten der Narodna Banka Kraljevine Jugoslavije und Münzen des Königreichs Jugoslawien, die vorübergehend im Serbischen Staat gesetzliche Zahlungsmittel waren: Abb. 1.1: 10 Dinara, 22. September 1939, Vorderseite. Abb. 1.2: 10 Dinara, 22. September 1939, Rückseite. Abb. 2.1: 20 Dinara, 6. September 1936, Vorderseite. Abb. 2.2: 20 Dinara, 6. September 1936, Rückseite. Abb. 3.1: 50 Dinara, 1. Dezember 1931, Vorderseite. Abb. 3.2: 50 Dinara, 1. Dezember 1931, Rückseite. Abb. 4.1: 100 Dinara, 1. Dezember 1929, Fälschung, Vorderseite. Abb. 4.2: 100 Dinara, 1. Dezember 1929, Fälschung, Rückseite. Abb. 5.1: 100 Dinara, 15. Juli 1934, Vorderseite. Abb. 5.2: 100 Dinara, 15. Juli 1934, Rückseite. Abb. 6.1: 500 Dinara, 6. September 1935, Vorderseite. Abb. 6.2: 500 Dinara, 6. September 1935, Rückseite. Abb. 7.1: 1000 Dinara, 1. Dezember 1931, Vorderseite. Abb. 7.2: 1000 Dinara, 1. Dezember 1931, Rückseite. Abb. 8.1/2: 25 Para, 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: 50 Para, 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: 1 Dinar, 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 11.1/2: 2 Dinara, 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 12.1/2: 10 Dinara, 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 13.1/2: 20 Dinara, 1938, Vorder- und Rückseite. Abb. 14.1/2: 50 Dinara, 1938, Vorder- und Rückseite. Anstelle der liquidierten jugoslawischen Staatsbank nahm am 3. Juni 1941 die Serbische Nationalbank ihre Arbeit auf. Das Amt des Gouverneurs der neuen Notenbank übernahm Milan Radosavlijević. Er bekleidete diesen Posten bereits bei der Jugoslawischen Nationalbank. Ihm wurde als kommissarischer Beauftragter des Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft Reichsbankdirektor Söngen zur Seite gestellt. Aufgabe der Serbischen Nationalbank war, für die Erhaltung des Wertes der neuen Währung mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu sorgen, das gesamte Geldwesen entsprechend den von der Militärverwaltung erlassenen Bestimmungen zu ordnen und zu überwachen und für volkswirtschaftlich gerechtfertigte Zwecke kurzfristige Kredite bereitzustellen. Als Staatsbank war sie alleine berechtigt, auf „Serbische Dinara“ lautende Banknoten auszugeben. Sie war eine öffentliche Anstalt in Form einer Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 100 Mio. Dinara, eingeteilt in 10.000 Aktien zu 10.000 Dinara. „Außer dem Gouverneur und dem deutschen Kommissar war ein aus sechs Vertretern der serbischen Wirtschaft bestehender Verwaltungsrat als beratendes Organ sowie ein Überwachungsausschuß aus drei ‚Zensoren‘ vorgesehen. […] Für die in Verkehr gebrachten Banknoten war eine Deckung durch Forderungen aus Diskont- und Darlehensgeschäften, durch einen festen Bestand an verkaufsfähigen Wertpapieren sowie durch Vorräten an Gold und ausländischen Zahlungsmitteln sowie Guthaben bei ausländischen Zentralbanken vorgeschrieben. Als Deckung für die sich aus dem Umtausch oder der Umstellung der Noten und Giroguthaben der alten Nationalbank ergebenden Verpflichtungen mußte die serbische Regierung Staatsschuldverschreibungen zur Verfügung stellen.“[5] Am 1. Juni 1941 nahm die neue Notenbank ihre Arbeit auf. Die 4. Durchführungsverordnung zur Verordnung über das serbische Notenbankwesen vom 29. Mai 1941 verlangte den Umtausch der in Serbien umlaufenden Banknoten der Jugoslawischen Nationalbank in neue serbische Banknoten. Dies war umso dringender, da sich von Tag zu Tag die Gefahr vergrößerte, dass aus anderen Landesteilen das alte Geld eingeschmuggelt werden konnte. Aus drucktechnischen Gründen wurde der Umtausch zunächst auf die großen Abschnitte zu 1000 Dinara beschränkt. Hierfür wurden noch nicht emittierte 500-Dinara-Noten mit dem Ausgabedatum vom 6. Mai 1939 aus den Reservebeständen der Jugoslawischen Nationalbank mit einem gut gesicherten Überdruck und neuem Datum – 1. Mai 1941 – versehen. Der Einzug der alten 1000-Dinara-Noten erfolgte in der Zeit vom 4. bis 11. Juni 1941 im Verhältnis 1 zu 1. Allerdings war ein Umtausch nur bis zu einem Betrag von 20.000 Dinara möglich. Für darüber hinausgehende Beträge wurden Empfangsbescheinigungen ausgestellt, die bis 19. Juli eingelöst werden sollten. In der Zeit vom 1. bis 10. Juli 1941 folgte der Einzug der alten Noten zu 100 und 500 Dinara. Als Ersatz dienten Restbestände der alten 100-Dinara-Noten vom 1. Dezember 1929 mit dem Kopfwasserzeichen König Alexander I., die einen entsprechenden Aufdruck erhielten. Erst ab 4. Dezember 1941 wurden dann neue Noten zu 500 Dinara emittiert. Der Druck der kleinen Stücklungen von 10, 20 und 50 Dinara, von denen die meisten Scheine benötigt wurden, erforderte die längst Zeit. Ihre Ausgabe begann am 15. Oktober 1941 und der Einzug der alten Noten erfolgte in der Zeit vom 10.–21. November 1941. Die neue 10-Dinara-Note fußte auf der alten Ausgabe. Während die Vorderseite zum Teil neu gestaltet wurde, brachte man auf der Rückseite einen entsprechenden Überdruck auf. Am 19. März 1942 verloren auch die jugoslawischen Silber-Münzen zu 50 und 20 und die Nickel-Münze zu 10 Dinara ihre gesetzliche Zahlungskraft, desgleichen am 1. Januar 1943 auch die Aluminiumbronze-Münzen zu 50 und 25 Para sowie zu einem und zwei Dinara. Die eingezogenen Münzen stellten eine willkommene Rohstoffreserve für die deutsche Kriegswirtschaft dar. Als Ersatz wurden Zink-Münzen zu 50 Para sowie 1, 2 und 10 Dinara ausgegeben. Hierbei handelt es sich um französische Prägungen, d. h. die Rückseite der Münze ist zur Vorderseite um 180° gedreht. Abb. 15.1/2: 50 Para 1942, Zink, Vorder- und Rückseite. Abb. 16.1/2: 1 Dinar, 1942, Zink, Vorder- und Rückseite. Abb. 17.1/2: 2 Dinara, 1942, Zink, Vorder- und Rückseite. Abb. 18.1/2: 10 Dinara, 1943, Zink, Vorder- und Rückseite. In den folgenden zwei Jahren kamen noch vier weitere Noten zur Ausgabe: Am 26. Juli 1943 eine Note zu 100 Dinara (Ausgabedatum: 1. Januar 1943); es folgten am 28. Juli 1944 Noten zu 50 Dinara [6], am 1. September 1944 zu 500 Dinara und schließlich am 26. September 1944 zu 1000 Dinara, alle datieren vom 1. Mai 1942. Mit gleichem Datum waren auch Noten zu 20 und 100 Dinara in der staatlichen Notendruckerei „ZIN“ gedruckt, aber nicht (mehr) ausgegeben. Tabelle: Die Noten der Serbischen Nationalbank (Srpska Narodna Banka). Abb. 19.1: 10 Dinara, 1. Mai 1941, Vorderseite. Abb. 19.2: 10 Dinara, 1. Mai 1941, Rückseite. Abb. 20.1: 20 Dinara, 1. Mai 1941, Vorderseite. Abb. 20.2: 20 Dinara, 1. Mai 1941, Rückseite. Abb. 21.1: 100 Dinara, 1. Mai 1941, Vorderseite. Abb. 21.2: 100 Dinara, 1. Mai 1941, Rückseite. Abb. 22.1: 1000 Dinara, 1. Mai 1941, Vorderseite. Abb. 22.2: 1000 Dinara, 1. Mai 1941, Rückseite. Abb. 23.1: 50 Dinara, 1. August 1941, Vorderseite. Abb. 23.2: 50 Dinara, 1. August 1941, Rückseite. Abb. 24.1: 500 Dinara, 1. November 1941, Vorderseite. Abb. 24.2: 500 Dinara, 1. November 1941, Rückseite. Abb. 25.1: 50 Dinara, 1. Mai 1942, Vorderseite. Abb. 25.2: 50 Dinara, 1. Mai 1942, Rückseite. Abb. 26.1: 500 Dinara 1. Mai 1942, Vorderseite. Abb. 26.2: 500 Dinara, 1. Mai 1942, Rückseite. Abb. 27.1: 1000 Dinara, 1. Mai 1942, Vorderseite. Abb. 27.2: 1000 Dinara, 1. Mai 1942, Rückseite. Abb. 28.1: 100 Dinara, 1. Januar 1943, Vorderseite. Abb. 28.2: 100 Dinara, 1. Januar 1943, Rückseite. Abb. 29.1: 20 Dinara, 1. Mai 1942, nicht ausgegeben, Vorderseite. Abb. 29.2: 20 Dinara, 1. Mai 1942, nicht ausgegeben, Rückseite. Abb. 30.1: 100 Dinara, 1. Mai 1942, nicht ausgegeben, Vorderseite. Abb. 30.2: 100 Dinara, 1. Mai 1942, nicht ausgegeben, Rückseite. Als während des Krieges die alliierten Luftangriffe auf Berlin zunahmen, bemühte sich die Direktion der Reichsdruckerei vorsorglich für den Fall einer durch Bombenschäden verursachten Betriebsstilllegung um Ausweichquartiere. Nicht nur die Reichsdruckerei in Wien, sondern auch die Staatsdruckereien in Belgrad, Athen und Warschau standen zur Debatte [7]. Insgesamt wurden in Serbien 7,2 Mrd. jugoslawische Dinara durch Noten der Serbischen Nationalbank ersetzt [8]. Die inflationstreibenden Geldforderungen des serbischen Staates und des Deutschen Reichs standen in einem Missverhältnis zur Wirtschaftskraft des Landes. Die Finanzierung über die Notenpresse führte zu einem starken Anwachsen des Notenumlaufs. Veränderung des Notenumlaufs [9] Nach dem Umsturz in Rumänien (23. August 1944) zeichnete sich im Sommer 1944 die kommende deutsche militärische Niederlage ab. Der Rückzug der Wehrmacht war noch im Gange, als am 20. Oktober 1944 Titos Partisanen und die Roten Armee Belgrad erreichten. „In Jugoslawien waren zur Zeit der Befreiung sieben verschiedene Währungen in Umlauf, die im September 1945 in eine neue nationale Währungseinheit, den 'Dinar des demokratisch-föderalistischen Jugoslawien' (D.-F.-J.- Dinar) umgetauscht wurden.“ [10] Aus 100 S. Din. wurden 5 D.-F.-J.-Dinar. Tabelle: In Serbien umlauffähige Banknoten und Münzen 1941–1944. Uwe Bronnert Anmerkungen Karl-Heinz Schlarp, Wirtschaft und Besatzung in Serbien 1941 – 1944, Ein Beitrag zur nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik in Südosteuropa, Stuttgart 1986, S. 382. Emil Puhl, Währungsaufbau in Serbien, in: Der Vierjahresplan (5), 1941, S. 643. Bereits am 14. Mai 1941 erhielt die Kroatische Staatsbank das Recht zur Notenausgabe und am 8. Juli 1941 wurde der Kuna zu 100 Banica eingeführt und die alten Banknoten nach und nach 1 zu 1 umgetauscht. In den von Italien angegliederten jugoslawischen Gebieten wurde das Umtauschverhältnis auf 0,38 Lire je Dinar festgelegt. Dieses Verhältnis galt auch in Montenegro, während in den früheren Gebieten Jugoslawiens die an Albanien fielen, der Dinar mit 0,02 Franka gerechnet wurde. Bulgarien führte in seinen neugewonnen Westgebiet den Lewa ein und bewertete den Dinar mit 0,65 Lew. Angaben nach: Währung und Geldzeichen, in: Wirtschafts-Handbuch, Jg. 1944, Frankfurt a. M., S. 148 ff. Emil Puhl, S. 646. Karl-Heinz Schlarp, S. 383. US-Piloten wurden bei ihren Einsätzen in Serbien mit gefälschten 50-Dinara-Noten ausgestattet. S. in diesem Blog (Juli 2020): Uwe Bronnert, Serbische Dinara-Banknoten – Fälschungen Made in USA? https://www.geldscheine-online.com/post/serbische-dinar-banknoten-f%C3%A4lschungen-made-in-usa Gerd Gnewuch, 100 Jahre Bundesdruckerei, Berlin 1979, S. 99. Karl-Heinz Schlarp, S. 393, Tab. 39: Aktiva und Passiva der Serbischen Nationalbank (31.12.1943). Ebenda, S. 395. Fünfzehnter Jahresbericht, 1. April 1944 bis 31. März 1945 der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, S. 100.

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